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B978-3-437-26164-0.00003-2

10.1016/B978-3-437-26164-0.00003-2

978-3-437-26164-0

Universalsystem für Flüssigkeiten aus Körperhöhlen

[U223]

Lumbalpunktion

[L157]

Punktion eines Pleuraergusses

[L190]

Die vier Injektionsarten

[L190]

Aufsuchen der Injektionsstelle nach von Hochstetter

[K115; L138]

Injektionsstelle bei der i. m. Injektion in den Oberschenkel

[K115; L138]

Mögliche Orte zur subkutanen Injektionsorte, subkutane Injektion

[L231]

Beispiel für SpritzenkalenderSpritzenkalender für s. c.-Injektionen.

[L157]

Fixieren einer VerweilkanüleFixierungVerweilkanüle

[L157]

PunktionPort-KatheterPunktion der Injektionskammer eines Port-Katheters

[L231]

Bedside-Karte zur Blutgruppenbestimmung

[L190]

Legen eines BlasenkatheterLegen Blasenkatheters beim Mann

[L138]

Ermitteln der Sondenlänge und Fixieren der Magensonde

[L157]

Brustwandableitungen nach Wilson

[L190]

Messprinzip der ZVD-Messung

[L190]

Prinzipien der WundreinigungPrinzipienWundreinigung

[L106]

Unterscheidungsmerkmale von TranssudatExsudatPleurapunktaten

Tab. 3.1
Transsudat (nicht entzündlicher Erguss) Exsudat (entzündlicher Erguss)
Spez. Gew. 1 010–1 015 Über 1 015
Aussehen Klar, hellgelb, serös Serös-eitrig, fibrinös, hämorrhagisch, übel riechend
Eiweiß Unter 2,5 % Immer über 3 %
Sediment Wenig Zellen, keine Bakterien Viele Zellen und Leukozyten, Erythrozyten, Endothelzellen, Bakterien
Menge Bis mehrere Liter Wenige ml bis ein Liter
Ursachen Stauungen (z. B. Herzinsuffizienz), Trauma, nephrotisches Syndrom, Leberzirrhose Entzündungen (z. B. Pleuritis), Bronchialkarzinom

Beispiele zur Einstellung von InfusionEinstellungInfusionen

Tab. 3.2
Menge/ml Infusionszeit Tropfen/min
Tropfenzahl pro ml
1 ml = ca. 20 Tropfen
10 ml = ca. 200 Tropfen
250 ml = ca. 5 000 Tropfen
500 ml = ca. 10 000 Tropfen
1 000 ml = ca. 20 000 Tropfen
Ausnahme: ölige Lösungen
50 ½ h 33
100 ½ h 66
500 2 h 83
500 3 h 55
500 6 h 28
500 9 h 19
500 12 h 14
500 24 h 7
1 000 6 h 56
1 000 12 h 28
1 000 24 h 14
2 000 12 h 56
2 000 24 h 28

Täglicher Nährstoffbedarf (pro kg KG)Nährstoffbedarf

Tab. 3.3
Basaler Bedarf Mittlerer Bedarf Hoher Bedarf
Energie 25 kcal = 105 kJ 35–40 kcal =147–168 kJ 50–60 kcal = 210–251 kJ
Stickstoff (= Aminosäuren) 0,11 g (= 0,7 g) 0,16 g (= 1 g) 0,24–0,32 g (= 1,5–2 g)
Kohlenhydrate 3 g 5 g 7 g
Fett 1 g 1,5 g 2 g
Elektrolyte
Natrium
Kalium
Kalzium
1–1,4 mmol
0,7–0,9 mmol
0,1 mmol
2–3 mmol
2 mmol
0,15 mmol
3–4 mmol
3–4 mmol
0,2 mmol

Therapie bei Störungen des ElektrolythaushaltStörungElektrolythaushalts

Tab. 3.4
Störung Maßnahmen
Hyponatriämie NaCl 0,9 % bei Volumenmangel, Flüssigkeitsrestriktion bei Überwässerung
Exsikkose, Hypernatriämie Glukose 5 %, NaCl 0,9 %, evtl. K+-Ersatz (bes. bei Coma diabeticum)
Hypokaliämie Möglichst oral, z. B. Bananen, KCl (K-Duriles®); i. v. über Perfusor® (max. 5–10 mmol/h, max. 200 mmol/Tag)
Hyperkaliämie Bei < 6 mmol/l: Diät, Kationenaustauscher (z. B. CPS-Pulver®) Bei > 6 mmol/l und EKG-Veränderungen: 200 ml 20 % Glukose + 20 IE Alt-Insulin, 40 mg Furosemid (Lasix®), evtl. 25–100 ml NaCO3 8,4 % oder 10–20 ml NaCl 5,58 %

Laborbefunde bei Störungen des Säure-Basen-Säure-Basen-HaushaltLaborbefundeHaushalts

Tab. 3.5
pH pCO2 Standardbikarbonat
Respiratorische Azidose < 7,36 > 45 mmHg normal
Respiratorische Alkalose > 7,44 < 35 mmHg normal
Metabolische Azidose < 7,36 normal < 22 mval/Liter
Metabolische Alkalose > 7,44 normal > 26 mval/Liter
Normalwerte 7,36–7,42 36–44 mmHg 22–26 mval/Liter

Probenmaterial Probenmaterial, BakteriologieBakteriologie, ProbenmaterialBakteriologie

Tab. 3.6
Probenmaterial Träger/Beispiele
Urin sterile Urinröhrchen, Urikult®
Blut Blutkulturflaschen aerob/anaerob, Versandröhrchen
Abstriche steriler Stieltupfer im Röhrchen mit Nährboden
Venenkatheterspitzen Versandröhrchen ohne Medium
Aszites Versandröhrchen ohne Medium
Sekrete Versandröhrchen ohne Medium
Unbedingt beachten: Einige bakteriologische Labors haben ihre eigenen Vorschriften, wie Untersuchungsmaterial aufbereitet und transportiert werden soll.

Blutsenkungsgeschwindigkeit

Tab. 3.7
Normwerte Frauen < 50 Jahre: 6–20 mm/1. h, > 50 Jahren: 6–30 mm/1. h
Männer < 50 Jahre: 3–10 mm/1. h, > 50 Jahre: 3–20 mm/1. h
Hoch Akute und chronische Entzündungen, Anämie, Nekrosen (z. B. Herzinfarkt), Tumoren
Niedrig Exsikkose, Kachexie, Polyzythämie, Polyglobulie, Lebererkrankungen

Pathologische Veränderungen der Lungenfunktion

Tab. 3.8
Obstruktion Restriktion Emphysem
VK
RV ↔ (↑)
FEV 1 (↓)
FEV1/VC ↔↑
Resistance ↔ (↑)

Vergleich enteraler Medikamentenverabreichungsformen

Tab. 3.9
Verabreichungsform Wirkungseintritt
Sublingualspray Sekunden
Sublingualkapsel (Zerbeißkapsel) Sekunden
Sublingualtabletten Sekunden bis 1 min
Tropfen 5–10 min
Saft 10–15 min
Tabletten 20–30 min
Kapseln 20–30 min
Kapseln (magensaftresistent) 1 h und mehr
Medikamentöser Einlauf 10–15 min
Suppositorien 15–20 min

Vergleich parenteraler Verabreichungsformen

Tab. 3.10
Verabreichungsform Wirkungseintritt
Injektionen
i. v. und i. a. Sekunden
i. m. 15–20 min
s. c. 20–30 min
i. c. Minuten bis Stunden
Aufnahme über die Haut
Salbe, Creme, Gel Stunden, Teilwirkung wie Kühlung sofort
Flüssigkeiten medikamentöse Wirkung 30 min bis Stunden, physikalische Wirkung sofort bis Minuten
Aufnahme über die Schleimhaut
Bronchial-Spray Sekunden
Nasen-Spray, -Tropfen, -Salbe Sekunden bis Minuten
Augen-Tropfen, -Salbe Minuten
Vaginal-Ovula 20–30 min

Zusätze für WickelZusätzeWickel

Tab. 3.11
Zusatz Indikation Durchführen
Quark:
kalt
  • Halsschmerzen

  • Bronchitis

  • Venenentzündung

Quark fingerdick auf dünnes Innentuch auftragen und auf die Haut auflegen. Am Arm z. B. locker mit Mullbinde anwickeln, am Hals z. B. mit Frotteetuch fixieren. Wickel ca. 20 min belassen, bei akut entzündlichen Prozessen max. 30 min Vorgang ggf. dreimal wiederholen
Quark: warm
  • Pneumonie

  • Obstruktionen der Atemwege

  • Hustenreiz

Quark fingerdick auf dünnes Innentuch auftragen, mit einem zweiten dünnen Tuch abdecken, zwischen zwei Wärmflaschen legen, auf Körpertemperatur erwärmen. Dauer wie bei kaltem Wickel
Zitrone
  • Halsschmerzen

  • Heiserkeit

(Siehe Zitronen-Halswickel)
Zwiebeln
  • Erkältungen mit Husten

  • Bronchitis, spastische Bronchitis

  • Asthma

Zwiebeln vierteln, auf das Innentuch legen und einschlagen. Geruchsdicht verpacken (z. B. Butterbrotpapier), zwischen zwei Wärmflaschen anwärmen. Auflage aus dem Papier nehmen, auf die Haut legen und mit Außentuch anwickeln. Anwendungsdauer ca. 20 min
Kamillenblüten
  • Bauchkrämpfe

  • Meteorismus

  • Blasenkrämpfe

  • Menstruationsbeschwerden

Die Kamillenblüten mit heißem Wasser überbrühen und ca. 10 min ziehen lassen. Durch ein Sieb abgießen, die Blüten auf einem Leinentuch ausbreiten und mit einem Tuch abdecken, möglichst heiß verwenden. Als Bauchwickel 20 min einwirken lassen
Leinsamen
  • Bauchkrämpfe

  • Meteorismus

  • Blasenkrämpfe

  • Menstruationsbeschwerden

  • Erkältungen mit Husten

Aus ca. 250 g Leinsamen und ca. 0,5 l Wasser einen Leinsamenbrei kochen. Brei auf Innentuch auftragen, mit einem zweiten Tuch abdecken. Auf der Haut des Patienten prüfen, ob die Auflage nicht zu heiß ist (Leinsamen speichert viel Wärme)

Zusätze für AuflageZusätzeAuflagen

Tab. 3.12
Zusatz Indikation Durchführen
Quark
  • Gelenkentzündung

  • Venenentzündung

  • Mastitis

Kalten Quark fingerdick auf Kompresse auftragen, Enden einschlagen. Mit der einlagigen Seite auf Entzündungsherd auflegen, ggf. mit Mullbinde locker anwickeln
Zwiebeln
  • Gelenkentzündung

  • Ohrenschmerzen

  • Insektenstiche

Zwiebelauflage vorbereiten (Tab. 3.11). Auf die schmerzende Stelle auflegen, mit Kompresse bedecken, ggf. fixieren. Bei Insektenstich: Zwiebelscheibe direkt auf die Einstichstelle auflegen
Kartoffeln
  • Muskelverspannungen

  • Ischialgie, Lumbago

  • Gelenkschmerzen, Arthrose, Arthritis

  • Abszess

Heiße Pellkartoffeln in dünnes Leinentuch einschlagen, Kartoffeln zerdrücken, auf erträgliche Temperatur abkühlen lassen, auf betroffene Körperpartie auflegen
Leinsamen
  • Muskelverspannungen

  • Ischialgie, Lumbago

  • Gelenkschmerzen, Arthrose, Arthritis

  • Abszess

Aus ca. 200 g Leinsamen und ca. 400 ml Wasser einen Leinsamenbrei kochen. Brei in dünnes Leintuch einschlagen, möglichst heiß anlegen, mit Außentuch bedecken

Praktische AnwendungsbeispieleÖl, ätherischesAnwendung

Tab. 3.13
Ätherisches Öl Indikation Anwendungsart Dosis Besonderheiten
Lemon- bzw. Zitronengras
  • Depressive Verstimmung, Antriebsschwäche

  • Erschöpfungszustände

  • Konzentrationsschwäche

  • Kopfschmerzen

Vollbad, Fußbad
Einreibung, Massage
Raumaromatisierung
Bis zu 4 Tropfen
Verdünnt mit Trägeröl bis zu 3 Tropfen
  • Hautreizungen bei empfindlicher Haut

  • Bei äußerer Anwendung vorsichtig dosieren

  • Preisgünstig

  • Raumaromatisierung vertreibt Ungeziefer

Lavendel
  • Depressive Verstimmung

  • Angstzustände

  • Schlafstörungen

  • Unruhezustände

  • Lebenskrisen

  • Sterbebegleitung

  • Prellungen

  • Muskel- und Gelenkschmerzen

Raumaromatisierung,
Voll-, Teilbad
Brustwickel,
Packung, Einreibung
Quarkauflage,
Massage, Einreibung
Raumaromatisierung,
Wickel, Packung, Einreibung
Herstellerhinweis beachten!
  • Desinfizierende Wirkung

  • Luftdesinfektion durch Raumaromatisierung

Thymian
  • Erkältungskrankheiten

  • Depressive Verstimmung

  • Angstzustände

  • Antriebsschwäche

  • Hypotonie

  • Orthostase

  • Schlechte Luft

Wickel, Umschlag,
Raumaromatisierung
Voll- und Teilbad,
Brustwickel, Packung, Einreibung
Einreibung, Massage,
Raumaromatisierung
Bis zu 2 Tropfen
Bis zu 3 Tropfen, verdünnt mit Trägeröl
  • Stark haut-, schleimhautreizend

  • Bei äußerlicher Anwendung vorsichtig dosieren

  • Kontraindikationen:

  • Hyperthyreose

  • Hypertonie

  • Epilepsie

  • Schwangerschaft

  • Allergische Disposition

Zitrone
  • Erkältungskrankheiten

  • Fieber

  • Mundschleimhautentzündungen

  • Infizierte Wunden

  • Juckende Ekzeme

  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit

  • Depressive Verstimmung, Antriebsschwäche

Wickel, Umschlag,
Waschung, Raumaromatisierung
Spülung
Spülung, Umschlag
Umschlag, Waschung
Raumaromatisierung
Massage,
Einreibung,
Waschung
Herstellerhinweis beachten!
  • Preisgünstig

  • Zitronensaft hat die gleiche Wirkung wie das ätherische Öl

  • Flächendesinfektion durch Zugabe zum Wischwasser, z. B. Küchenbereich

Orange
  • Depressive Verstimmung, Antriebsschwäche

  • Angstzustände

  • Fieber

Raumaromatisierung,
Massage, Einreibung
Wickel, Umschlag,
Waschung,
Raumaromatisierung
Herstellerhinweis beachten!
  • Kontraindikation bei allergischer Diathese

  • Behandelte Haut nicht intensiver Lichteinwirkung aussetzen (Photosensibilisierung)

Rosmarin
  • Gedächtnisstörungen

  • Orthostatische Kreislaufbeschwerden

  • Rheumatische Schmerzen

  • Depressive Verstimmung, Antriebsschwäche

  • Angstzustände

Raumaromatisierung, Wickel,
Umschlag, Einreibung, Waschung, Voll-, Fußbad, Massage
Einreibung, Wickel, Umschlag
Raumaromatisierung, Massage,
Einreibung, Voll-, Teilbad
Generell nur wenige Tropfen verwenden
Verdünnt mit Trägeröl
  • Teuer

  • Starke Duftintensität

  • Kontraindikationen: Epilepsie, Hypertonie

Birkenholz
  • Rheumatische Schmerzen

  • Muskelverspannungen

  • Sehnenscheiden- und Venenentzündung

  • Psychische Anspannung, Erschöpfungszustände

Einreibung, Wickel, Umschlag
Einreibung, Massage, Wickel,
Umschlag, Bad, Packung
Einreibung, Wickel, Umschlag
Raumaromatisierung,
Einreibung,
Massage, Packung,
Wickel
Herstellerhinweis beachten!
Verdünnt mit Trägeröl
  • Schwierig in der Anschaffung

Minze
  • Gedächtnisstörungen

  • Fieber

  • Verdauungsstörungen, Meteorismus

Raumaromatisierung, Wickel, Umschlag, Einreibung
Wickel, Umschlag, Waschung
Wickel, Umschlag, Bauchmassage
Generell niedrig dosieren
Verdünnt mit Trägeröl
  • Hautreizend

  • Unverdünnt für Kinder nicht geeignet

Ravensara
  • Erschöpfungszustände

  • Antriebsschwäche

  • Depressive Verstimmung

  • Pneumonie (auch Prophylaxe), Schonatmung

Raumaromatisierung,
Einreibung, Massage, Teilbad, Fußbad
Raumaromatisierung, Wickel, Umschlag
Einreibung
Herstellerhinweis beachten!
Verdünnt mit Trägeröl
Teebaum
  • Entzündliche Haut- und Schleimhauterkrankungen

  • Atemwegserkrankungen

Spülung, Umschlag, Voll-, Teilbad, Einreibung
Raumaromatisierung
Herstellerhinweis beachten!
Verdünnt mit Trägeröl
  • Unangenehmer terpentinartiger Geruch, deshalb nur eingeschränkt verwendbarNicht bei Babys und Kleinkindern, allergische Reaktionen

Arbeitstechniken und pflegerische Assistenz

Ulrich Kamphausen

  • 3.1

    Punktionen und Biopsien213

    • 3.1.1

      Arterienpunktion213

    • 3.1.2

      Aszitespunktion214

    • 3.1.3

      Knochenmarkpunktion und -biopsie215

    • 3.1.4

      Leberpunktion/-biopsie217

    • 3.1.5

      Lumbalpunktion217

    • 3.1.6

      Pleurapunktion219

    • 3.1.7

      Venenpunktion221

  • 3.2

    Injektionen222

    • 3.2.1

      Intramuskuläre Injektion222

    • 3.2.2

      Intravenöse Injektion225

    • 3.2.3

      Subkutane Injektion228

  • 3.3

    Infusionen229

    • 3.3.1

      Venöser Zugang229

    • 3.3.2

      Dauerinfusion232

    • 3.3.3

      Kurzzeitinfusion235

    • 3.3.4

      Spritzen- und Infusionspumpen235

    • 3.3.5

      Infusionspumpe236

  • 3.4

    Parenterale Substitutionstherapie236

    • 3.4.1

      Parenterale Ernährung236

    • 3.4.2

      Regulation des Elektrolythaushalts237

    • 3.4.3

      Regulation des Säure-Basen-Haushalts238

  • 3.5

    Transfusionen239

    • 3.5.1

      Allgemeine Richtlinien239

    • 3.5.2

      Zellkonzentrate241

    • 3.5.3

      Plasma243

    • 3.5.4

      Eigenblutspende244

  • 3.6

    Sonden und Katheter246

    • 3.6.1

      Transurethraler Blasenkatheter246

    • 3.6.2

      Suprapubischer Blasenkatheter und Blasenpunktion252

    • 3.6.3

      Magensonde/Ernährungssonde253

  • 3.7

    Maßnahmen zur Diagnose256

    • 3.7.1

      Labordiagnostik256

    • 3.7.2

      Endoskopie260

    • 3.7.3

      Funktionsdiagnostik264

    • 3.7.4

      Bildgebende Untersuchungsverfahren270

    • 3.7.5

      Zentraler Venendruck273

  • 3.8

    Therapiemaßnahmen274

    • 3.8.1

      Enterale Medikamentengabe274

    • 3.8.2

      Parenterale Medikamentengabe278

    • 3.8.3

      Spülungen279

  • 3.9

    Physikalische Therapie282

    • 3.9.1

      Wickel und Auflagen282

    • 3.9.2

      Aromatologie286

    • 3.9.3

      Trockene Wärmebehandlung292

    • 3.9.4

      Trockene Kälteanwendung295

    • 3.9.5

      Bestrahlung295

  • 3.10

    Verbände und Verbandswechsel296

    • 3.10.1

      Bindenverbände296

    • 3.10.2

      Pflasterverbände297

    • 3.10.3

      Schlauchmullverbände298

    • 3.10.4

      Wundverbände299

    • 3.10.5

      Wundspülung300

    • 3.10.6

      Verbandswechsel bei aseptischen Wunden301

    • 3.10.7

      Verbandswechsel bei septischen Wunden302

    • 3.10.8

      Verbandswechsel Hydrokolloid-/Hydrogelverbände303

Punktionen und Biopsien

Tipps, Tricks und Fallen

Punktionen bergen ein hohes Infektionsrisiko; besonders auch mit nosokomialen MRE (Multiresistente Erreger)! Deshalb auf gründliche und sorgfältige Umgebungs-, Hände- und Hautdesinfektion im Bereich der Punktionsstelle achten!

Arterienpunktion

Indikationen
PunktionPunktionArterieBGA, Einbringen eines arteriellen ArterienpunktionVerweilkatheters zur blutigen Blutdruckmessung oder eines Linksherzkatheters zur Herzdiagnostik, Interventionen im arteriellen Gefäßsystem.
Punktionsorte
A. femoralis communis, A. radialis, A. brachialis, selten A. poplitea und A. tibialis.
Material
BGA-Röhrchen, Arterienkanüle (z. B. FlowSwitch), Seldingerkanüle mit Führungsdraht und Katheter (z. B. Insyte-A), Transducer und Monitor für invasive Blutdruckmessung, Materialien zur Lokalanästhesie, sterile Handschuhe, Kompressen, Verbandmaterial, Tupfer und Hautdesinfektionsmittel.
Durchführen
Arzt
  • BGA: Spritze beschriften (BGA), senkrecht einstechen, Blut abnehmen, Röhrchen luftdicht verschließen, Einstichstelle mind. 5 min mit Zeige- und Mittelfinger komprimieren, Blut sofort ins Labor schicken

  • Arterielle Blutdruckmessung: Arterie in 30° Winkel punktieren, Verweilkatheter vorschieben (Seldinger-Technik), mit Folienverband fixieren, mit Transducer und Monitor verbinden; nach Katheterentfernung 20 min 2–3 cm proximal der Hauteinstichstelle den Gefäßeinstich komprimieren, Druckverband anlegen, 24 h Bettruhe verordnen

  • Linksherzkatheter: Evtl. Lokalanästhesie durchführen, Arterie in 30–40°-Winkel punktieren, Verweilkatheter vorschieben (Seldinger-Technik), Heparin verabreichen

  • Vor dem Anlegen eines arteriellen Zugangs am Arm die Perfusion der Hand mit dem Allen-Test überprüfen.

Pflege
  • Material vorbereiten, Punktionsort freimachen, ggf. Schmuck und Uhr entfernen. Patienten betreuen, Arzt assistieren

  • Arteriendruck nicht unterschätzen, vor Blutspritzern schützen

  • Nachbereiten: Punktionsstelle mind. 5 min mit Verband komprimieren, bei Femoralispunktion mind. 30 min und zusätzlich Sandsack zur Kompression auflegen. Bis zum Abnehmen des Druckverbandes Bettruhe einhalten lassen, Punktionsstelle auf Nachblutungen beobachten

  • Pulse distal der Punktionsstelle stdl. kontrollieren

  • Patienten informieren, für 2–3 Tage nicht schwer zu heben

  • Auf Komplikationen achten: z. B. Blutungen aus der Punktionsstelle, Hämatome, Aneurysma spurium (falsches Aneurysma)

    • Arzt informieren

    • Bei Bedarf Einstichstelle erneut komprimieren, Kompressionsverband erneuern

    • Kühlen (Kühlelemente), nach Blutstillung evtl. verbliebene Hämatome mit Heparinsalbe behandeln

  • Extremfall: Inzision und Hämatomausräumung durch den Arzt vorbereiten.

Aszitespunktion

Indikationen
PunktionAszitesZur Entlastung des Patienten bei ausgedehntem Aszites, zur Diagnose und DD (z. B. Ausschluss eines Karzinoms).
Punktionsort
Linker Unterbauch am Übergang zum äußeren Drittel einer Linie zwischen Nabel und Spina iliaca anterior superior.
Material
Maßband, Bettschutz, Hautdesinfektionsmittel, ggf. Einmalrasierer, Materialien zur Lokalanästhesie, sterile Handschuhe, Mundschutz, steriles Lochtuch; bei diagnostischer Punktion Kanüle Nr. 1 und 20-ml-Spritze; bei Entlastungspunktion geschlossenes Punktions- und Ableitungssystem, z. B. Pleuracan® (Abb. 3.1); Verbandmaterial, Urometer, ggf. beschriftete Untersuchungsröhrchen für klinische Chemie, Pathologie, Mikrobiologie.
Durchführen
Arzt
  • Den Patienten aufklären

  • Punktionsstelle markieren, großzügig desinfizieren, Punktionsstelle mit sterilem Lochtuch abdecken, lokal anästhesieren, Desinfektion wiederholen, Punktion unter Sonografiekontrolle durchführen

  • Bei Entlastungspunktion maximal 2 l Aszites ablassen, Punktionskanüle entfernen, Punktionsstelle mit Kompressen und Pflasterverband versorgen.

Pflege
  • Untersuchungsraum und Materialien vorbereiten

  • Patient bitten, die Blase zu entleeren und ihn beruhigen, auf das zu erwartende Wohlgefühl nach erfolgreicher Entlastung hinweisen

  • Patienten wiegen, Gewicht dokumentieren

  • Patienten in Rückenlage bringen, ggf. auch in leichte Seitenlage rechts

  • Bauchumfang an markierter Stelle messen und dokumentieren

  • Ggf. Punktionsbereich großflächig rasieren

  • Während und nach der Punktion auf Schockzeichen achten (Kap. 22.4.2), die infolge der Druckentlastung auftreten können

  • Nachbereiten:

    • Evtl. Bauchbinde anlegen (Arztanordnung)

    • Vitalzeichen kontrollieren, Bauchumfang erneut messen, Aszitespunktat messen, Spez. Gewicht bestimmen, ermittelte Werte dokumentieren

    • Aszitesprobe ins Labor schicken (Arztanordnung)

    • Patienten bei der Körperpflege und beim Ankleiden unterstützen, ggf. Bettruhe einhalten lassen

  • Regelmäßige Kontrollen:

    • Verband auf nachlaufenden Aszites, Durchfeuchtung 2 bis 4 cm ist normal, Vitalwerte, Bauchumfang, Körpergewicht

    • Laboruntersuchungen (Arztanordnung) anmelden und vorbereiten, z. B. Bluteiweiß, Elektrolyte.

Komplikationen
  • Ödembildung durch Eiweißverlust

  • Hämodynamische Sensationen durch intraabdominale Druckentlastung

  • Peritonitis durch unsteriles Arbeiten.

Abhilfe:
  • Eiweißsubstitution mit Humanalbumin (Arzt). Schocklage. Bei Fieber (Kap. 2.6.3) Erregernachweis, ggf. antibiotische Therapie (Arzt).

  • Regelmäßige Drainage von rezidivierendem Aszites mittels Dauerdrainage-Kathetersets; diese können nach Anleitung vom Patienten selbst oder den Angehörigen bedient und versorgt werden, z. B. ASEPT® Dauer-Peritonealdrainage.

Knochenmarkpunktion und -biopsie

Indikationen
PunktionKnochenmarkErkrankungen des Blutes und des Knochenmarkpunktionblutbildenden Systems, z. B. differentialdiagnostische Abklärung bei V. a. Leukämie.
Punktionsorte
Beckenkamm, seltener Sternum beim Erwachsenen, Tibia im Ausnahmefall bei Kindern.
Material
Spezielle Knochenmarkpunktionskanüle, z. B. Jamshidie-Stanznadel, Skalpell, alles zur Hautdesinfektion, Material für Lokalanästhesie mit langer Kanüle, Medikament zur Sedierung, ggf. Einmalrasierer, Petrischale, 4 einfache Objektträger auf saugfähigem Papier, 4–8 Objektträger mit Namensfeld, plangeschliffene Deckgläschen, Natriumzitrat-Lösung, mehrere 10-ml-Spritzen, eine 20-ml-Spritze, unsterile und sterile Handschuhe, Lochtuch, Tupfer, Verbandmaterial, Kanülenabwurf, Abwurfbehälter, Sandsack, evtl. Schmerzmedikation.
Probenröhrchen mit Fixierungslösung (z. B. 4 % Formaldehyd-Lösung) für Knochenmarkbiopsie.
Durchführen
Arzt
  • Den Patienten über den Eingriff informieren, dabei insbesondere auf den Schmerz beim Ansaugen des Knochenmarks hinweisen → Gefahr plötzlicher Abwehrbewegungen mit Herausrutschen der Nadel

  • Großzügig desinfizieren, Lokalanästhesie, Desinfektion wiederholen

  • Punktion durchführen, Knochenmarkzellen aspirieren, Knochenmarkstanze gewinnen

  • Punktionsort komprimieren, das Punktat sofort versorgen (hausinterne Richtlinie beachten).

Pflege
  • Einverständniserklärung unterschreiben lassen

  • Quick und Thrombozytenzahl bestimmen lassen (Kap. 23)

  • Prämedikation nach Arztanordnung verabreichen

  • Untersuchungsraum vorbereiten

  • Patienten je nach Punktionsort lagern:

    • Sternum: flache Rückenlage

    • Beckenkamm: Bauchlage mit leichter Hochlagerung des Beckens oder Seitenlage mit angewinkelten Knie

  • Ggf. rasieren, Patienten betreuen, Arzt assistieren

  • Nachbereiten: Punktionsstelle für mind. 3 min komprimieren, Pflasterverband anlegen

  • Auf Nachblutungen achten, Punktionsstelle ggf. mit Sandsack komprimieren oder Patienten mit der Wunde auf einen Sandsack lagern, 1 h Bettruhe einhalten lassen

  • Bei Punktion unter Sedierung Vitalzeichen (Kap. 2.4.1, Kap. 2.5) kontrollieren; Bettruhe und Nahrungskarenz bis zur vollständigen Orientierungsfähigkeit einhalten.

Tipps, Tricks und Fallen

Zur Versorgung des Punktats, bzw. Biopsiematerials MTLA zur Unterstützung anfordern.

Leberpunktion/-biopsie

Indikationen
PunktionLeberLeberPunktionLeberBiopsieHistologische Untersuchungen zur DD von BiopsieLeberLebererkrankungen unter Ultraschallkontrolle. Häufig, besonders bei Verdacht auf eine Leberzirrhose, laparoskopisch.
Material
Alles für einen venösen Zugang, zur Hautdesinfektion und für die Lokalanästhesie, sterile Handschuhe, Tupfer, Menghini-Nadel mit Mandrin, Skalpell, Pinzette, Klemme, Ultraschallgerät, Probenröhrchen mit Fixierlösung, Verbandmaterial, ggf. Nahtmaterial, Sandsack.
Durchführen
Arzt
  • Den Patienten aufklären

  • Venösen Zugang legen

  • Hautdesinfektion und Lokalanästhesie durchführen, Desinfektion wiederholen und punktieren. Einstichstelle komprimieren, Verband anlegen

  • Nach 24 h Sonografiekontrolle veranlassen.

Pflege
  • Vor dem Eingriff Labor nach Arztanordnung richten: Quick, TZ/PTT, Thrombozytenzahl, Blutgruppe. Nahrungskarenz ab Mitternacht. Punktionsstelle rasieren. Blase und Darm entleeren lassen

  • Untersuchungsraum vorbereiten, Patienten in Rückenlage oder auf die Seite lagern

  • Patienten betreuen, Arzt assistieren

  • Untersuchungsmaterial ins Labor schicken

  • Nachbereiten: Nach der Punktion rechte Seitenlagerung auf Kompressionskissen, 24 h Bettruhe, 6 h Nahrungskarenz. Bei starkem Durst, besonders nach Sedierung, nur schluckweise Tee oder Eiswürfel anbieten

  • Vitalzeichen für 4 h überwachen, Verband auf Nachblutungen und Austritt von Galle kontrollieren.

Komplikationen
  • Peritonitis durch nachlaufende Galle

  • Nachblutungen aus dem Stichkanal

  • Pneumothorax

  • Schmerzen in der rechten Schulter durch Zwerchfellreizung.

Abhilfe bei Peritonitis: Peritoneallavage (Arzt); bei Nachblutungen: Stichkanal komprimieren. Bei Pneumothorax: Saugdrainage (Kap. 9.4.2).

Lumbalpunktion

Indikationen
  • PunktionlumbaleErkrankungen des ZNS, z. B. Meningitis, LumbalpunktionEnzephalitis, Multiple Sklerose, Subarachnoidalblutung

  • Das ZNS infiltrierende onkologische Erkrankungen, z. B. Hirn- oder Rückenmarkstumoren

  • V. a. Mitbeteiligung der Hirnhäute bei akuter lymphatischer Leukämie.

Kontraindikation
Erhöhter Hirndruck, Gerinnungsstörung.
Punktionsort
Wirbelsäule zwischen 3./4. oder 4./5. Lendenwirbel.
Material
Alles zur Hautdesinfektion, ggf. Einmalrasierer, sterile Handschuhe, steriles Lochtuch, Mundschutz, ggf. Material für Lokalanästhesie, spezielle Lumbalpunktionskanülen in verschiedenen Größen, 3 beschriftete Liquorröhrchen, sterile Kompressen, Pflaster für Schnellverband, Kanülenabwurf, Materialien zur Blutentnahme.
Für zusätzliche Untersuchungen: Graduiertes Steigrohr nach Queckenstedt für Liquordruckmessung, Reagenzglas oder schwarzes Blockschälchen und Pandy-Reagenz für Eiweißschnelltest, Blutzuckerstix für BZ-Bestimmung im Liquor.
Durchführen
Der Patient liegt in Embryonalhaltung oder sitzt mit gebeugtem Rücken („Katzenbuckel“) an der Bettkante (Abb. 3.2).
Arzt
  • Vor der Punktion Blutzucker und Blutgerinnungswerte kontrollieren, ggf. CT oder Augenhintergrundspiegelung zum Ausschluss eines erhöhten Hirndrucks veranlassen

  • Den Patienten aufklären, ggf. Rasur durchführen

  • LWS-Bereich großzügig desinfizieren, mit Lochtuch abdecken, Lokalanästhesie durchführen, Desinfektion zweimal wiederholen. Punktieren, Liquor in Untersuchungsröhrchen tropfen lassen

  • Evtl. Liquordruck messen, Eiweißschnelltest und BZ-Bestimmung durchführen

  • Einstichstelle komprimieren, Schnellverband anlegen.

Pflege
  • Untersuchungsraum vorbereiten

  • Einverständniserklärung unterschreiben lassen

  • Toilettengang ermöglichen, evtl. Punktionsstelle rasieren

  • Evtl. leichte Sedierung nach Anordnung verabreichen

  • Patienten betreuen, ihn in der Position halten

  • Untersuchungsmaterial ins Labor schicken

  • Nachbereiten: die Punktionsstelle auf Nachblutungen und Flüssigkeitsaustritt beobachten, Vitalzeichen kontrollieren, auf Sensibilitätsstörungen achten

  • Patienten bitten, sich bei Auftreten von Kopfschmerzen, Übelkeit oder Schwindel sofort zu melden.

Komplikationen
  • Postpunktionelles Syndrom: Kopfschmerzen, evtl. Übelkeit, Erbrechen und/oder Schwindel

  • Sehr selten Lähmungen durch fehlerhafte Punktion.

Abhilfe: Bettruhe, Koffein-, Theophylin-, Schmerzmittel- und Antiemetikumgabe nach Arztanordnung.
Eventuell setzt der Arzt einen epiduralen autologen Blutpatch, entweder prophylaktisch unmittelbar nach der Liquorentnahme oder therapeutisch nach Auftreten der Komplikationen: frisch abgenommenes venöses Blut des Patienten (ca. 4–8 ml) wird in den Einstichkanal zur Lumbalpunktion injiziert. Das Blut gerinnt und soll das vermutete Liquorleck abdichten.

Tipps, Tricks und Fallen

Die Embryonalhaltung unterstützen: den Patienten an Beinen und Schultern festhalten. Beim Sitzen an der Bettkante: sich vor den Patienten stellen, Hände auf die Schultern legen. Vorteil: Abwehrbewegungen werden verhindert, der Patient erfährt „fühlbaren“ Zuspruch.

Pleurapunktion

Indikationen
PunktionPleuraPunktion eines Ergusses zur Diagnostik (Tab. 3.1) Pleurapunktionoder Therapie, Instillation von Medikamenten (z. B. Zytostatika), Pneumothorax (Kap. 9.5.6).
Punktionsorte
Hintere Axillarlinie im 4. oder 5. Interkostalraum. Immer am oberen Rippenrand (Gefäße und Nerven befinden sich am Unterrand) punktieren.
Material
Steril abgepacktes Punktionsset mit geschlossenem Ableitungssystem, z. B. Pleuracan® (Abb. 3.1), Mundschutz, alles zur Hautdesinfektion, Material für Lokalanästhesie, sterile Tupfer und Kompressen, steriles Abdecktuch, sterile Handschuhe, Verbandmaterial, etikettierte Untersuchungsröhrchen (Hämatologie, klin. Chemie, Mikrobiologie, Pathologie), ggf. Blutkulturflaschen (aerob, anaerob).
Durchführen (Abb. 3.3)
Der Patient sitzt bequem am Bettrand, stützt die Arme auf dem Nachttisch ab. Oberkörper ist leicht nach vorne gebeugt (Dehnung der Zwischenrippenräume).
Arzt
  • Den Patienten aufklären

  • Erguss durch Sonografie oder Perkussion lokalisieren

  • Punktionsbereich großzügig desinfizieren, Lokalanästhesie durchführen, Desinfektion wiederholen

  • Punktieren, max. 1 l Erguss abziehen bzw. über Dreiwegehahn in den Sekretbeutel abfließen lassen, Probe in Untersuchungsröhrchen füllen. Einstichstelle komprimieren, Kompressionspflasterverband anlegen.

Pflege
  • Einverständniserklärung vom Patienten unterschreiben lassen

  • Untersuchungsraum vorbereiten, Toilettengang ermöglichen

  • Evtl. Prämedikation nach ärztlicher Anordnung verabreichen

  • Punktionsstelle rasieren

  • Hustenblocker bereitstellen, z. B. Codein

  • Patienten betreuen, Position unterstützen.

  • Nachbereiten: Vitalzeichen überwachen, Verband auf Durchfeuchtung kontrollieren. Bettruhe nach Anordnung

  • Unmittelbar nach der Punktion Rö-Thorax-Kontrolle veranlassen (Resterguss? Pneumothorax?).

Komplikationen
  • Pneumothorax (Kap. 9.5.6)

  • Infektionen

  • Verletzung der Interkostalgefäße

  • Hämatothorax.

Venenpunktion

Indikationen
VenenpunktionBlutentnahme, i. v. Injektion und Anlage PunktionVeneeiner Verweilkanüle, Aderlass.
Punktionsorte
Jede Vene kann punktiert werden. Venen an der Hautoberfläche mit Abstand zu Arterien und Nerven bevorzugen. Zuerst Venen möglichst distal am Unterarm wählen, um die weiter proximal gelegenen für weitere Punktionen zu bewahren. Am besten geeignet sind:
  • Handrücken (bei niereninsuffizienten Patienten obligat, um die Unterarmvenen für eine mögliche Shuntanlage zu reservieren)

  • Handgelenk (V. cephalica, dorsal des Daumens)

  • Ellenbeuge (Kubitalvenen).

Material
10-ml-Spritzen, Kanülen (1 „gelbe“ normal lang, 2 „grüne“ normal lang) bzw. Butterfly; Blutentnahmeröhrchen, besser sind geschlossene Entnahmesysteme (z. B. Sicherheits-Monovette®, Vacutainer-System®), Hände- und Hautdesinfektionsmittel, unsterile Handschuhe, Stauschlauch, sterile Tupfer, Pflaster, Kanülenabwurf, beschriftete Untersuchungsröhrchen, evtl. flüssigkeitsdichte Unterlage, Unterarmpolster, Unterarmschiene bei unruhigen Patienten.
Durchführen
  • Arzt kann an Pflegekraft „delegieren“ (Kap. 1.9.4)

  • Handschuhe anziehen

  • Punktionsstelle desinfizieren

  • Stauschlauch proximal der Punktionsstelle anlegen: arteriellen Blutfluss nicht unterbinden, Puls muss tastbar sein

  • Vene palpieren, Stauung lösen, desinfizieren und Einwirkzeit von mind. 30 s abwarten

  • Erneut stauen, nicht mehr palpieren, Punktion der Vene in 30°-Winkel

  • Bei Injektion (nicht delegierbar): Lagekontrolle durch Blutaspiration, danach Stauung lösen. Langsam injizieren (ca. 1–3 ml/min), sofern keine spezielle Medikamentenvorschrift besteht

  • Nach Beendigung der Blutentnahme Stauung öffnen, bei aufgelegtem (jedoch nicht gedrücktem!) Tupfer Kanüle ziehen. Danach Punktionsstelle mit dem Tupfer komprimieren, Arm hochhalten (nicht anwinkeln), evtl. Wundschnellverband anlegen

  • Wer punktiert, muss auch komprimieren!

  • Materialien entsorgen

  • Punktionsstelle auf Nachblutungen und Infektionszeichen (bei Injektion auf Paravasat) kontrollieren.

Komplikationen
Hämatombildung, Infektion, paravenöse Injektion, Nachblutung, Wiederholungspunktion wegen Hämolyse durch zu schnelle Aspiration.

Tipps bei schwierigen Venenverhältnissen

  • Arm reiben, leicht beklopfen

  • Die Hand mehrmals zur Faust schließen lassen (pumpen)

  • Arm nach unten hängen lassen (Füllung der Venen)

  • Arm mit warmen, feuchten Tüchern umwickeln oder unter warmes Wasser halten lassen (bessere Durchblutung)

  • Statt Stauschlauch RR-Manschette benutzen (beste Einstellung: zwischen Systole und Diastole)

  • Bei „Rollvenen“ Y-förmigen Zusammenfluss wählen

  • „Geheimnis des Erfolgs“: Geduld und Ruhe, ans Bett setzen, sorgfältiges Tasten und Auswählen der Vene, richtig angelegte Stauung. Nach dem 2. erfolglosen Versuch einen Kollegen rufen!

Injektionen

Injektionen (Abb. 3.4) stellen einen Eingriff in die körperliche Unversehrtheit des Patienten dar. Der Patient wird daher sorgfältig informiert (Kap. 1.9.1). Allgemeine Richtlinien für den Umgang mit Medikamenten müssen beachtet werden. Vor der Injektion informieren sich die Pflegenden über Wirkungen und Nebenwirkungen der zu verabreichenden Substanz.

Zur Injektion werden ausschließlich Sicherheitskanülen verwendet, die den Bestimmungen der TRBA 250 entsprechen (TRBA: Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe; TRBA 250: Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und der Wohlfahrtspflege).

Intramuskuläre Injektion

Indikationen
InjektionIntramuskuläre Gabe von InjektionintramuskuläreMedikamenten, die i. v. oder s. c. nicht injiziert werden dürfen. Nur ausdrücklich für die i. m. Injektion deklarierte Medikamente verwenden. Impfungen, z. B. Tetanus, FSME, Haemophilus influenzae B.
Kontraindikationen
Schock, Störung der Hautdurchblutung, Entzündungen, Ödeme, Hämatome oder Hauterkrankungen im Injektionsgebiet, erhöhte Blutungsneigung (Koagulopathie, Antikoagulanzientherapie), Herzinfarkt (injektionsbedingte Muskelschäden beeinflussen CK-Werte), Lyse-Therapie. Ablehnung durch Patienten (Körperverletzung).
Material
Hände- und Hautdesinfektionsmittel, sterilisierte Tupfer, Pflaster, großlumige Injektionskanülen ausreichender Länge (abhängig vom Alter und Körpergewicht des Patienten), Kanülenabwurfgefäß.
Durchführen
  • Injektionsort sorgfältig lokalisieren

  • Hygienische Händedesinfektion durchführen (Kap. 1.8.3)

  • Injektionsort desinfizieren: Sprühen, wischen, sprühen, jeweils mind. 30 s einwirken lassen

  • Kanüle senkrecht einstechen

  • Nach dem Einstechen – vor Injektion – unbedingt aspirieren! Wird Blut aspiriert, Injektion abbrechen, Medikament neu aufziehen und an anderer Stelle injizieren

  • Wurde der Knochen getroffen, Kanüle ca. 1 cm zurückziehen und aspirieren

  • Medikament betont langsam injizieren

  • Sich beim Patienten nach Missempfindungen/Schmerzen erkundigen. Vorgang ggf. abbrechen und Arzt informieren. Keine Stichkanalkorrektur!

  • Kanüle zügig entfernen, Einstichstelle komprimieren, ggf. Pflaster anbringen

  • Kanüle in das Abwurfgefäß entsorgen.

Ventroglutäale Injektion nach von Hochstetter
Indikationen
InjektionventroglutäaleInjektionnach von HochstetterBei Erwachsenen und größeren Hochstetter-MethodeKindern. Sichere Bestimmung des Injektionsortes möglich, da große Blutgefäße und Nerven kaudal in sicherer Entfernung verlaufen.
Injektionsort
Gedachtes Dreieck zwischen Spina iliaca anterior superior (vorderer, oberer Darmbeinstachel), Eminentia cristae (höchster Punkt des Darmbeinkamms) und Trochanter major (Abb. 3.5). Injiziert wird in den M. gluteus medius.
Durchführen
  • Den Patienten in entspannte Seitenlage bringen, Knie leicht anwinkeln

  • Von hinten an den Patienten herantreten

  • Bei Injektion auf der linken Seite wird die Injektionsstelle mit der rechten Hand bestimmt, auf der rechten Seite mit der linken Hand

  • Zeigefinger ertastet Spina iliaca anterior superior und verbleibt dort, Mittelfinger gleitet an der Crista iliaca entlang, bis Zeige- und Mittelfinger maximal gespreizt sind

  • Handfläche liegt flach auf dem Gesäßmuskel. Hand drehen, bis Handballen in Richtung Trochanter major zeigt. Zeigefinger bleibt während der Drehung auf der Spina, Mittelfinger gleitet durch die Drehung ca. 2 cm unter die Crista

  • Die Spitze des Dreiecks zwischen Zeige- und Mittelfinger ist der Injektionsort (mit dem Fingernagel markieren). Weitere Durchführung wie oben.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Beim stehenden Patienten treten im Muskel Scherkräfte auf, die eine Kanüle abbrechen können → möglichst beim liegenden Patienten injizieren; ist dennoch ausnahmsweise eine Injektion im Stehen nötig → Patienten auffordern, das Gewicht auf die Gegenseite zu verlagern und auf der Seite der Injektion ganz locker zu lassen

  • Die Pflegeperson sollte auf eine Dokumentation der Anordnung durch den Arzt bestehen. Sie kann die Injektion so lange verweigern, bis der Arzt seiner Verpflichtung nachgekommen ist (gilt nicht im Notfall).

Ventroglutäale Injektion nach Sachtleben (Crista-Methode)
Indikationen
Sachtleben-MethodeInjektionnach SachtlebenInjektionCrista-MethodeSäuglinge und Kleinkinder.
Injektionsorte
Crista-MethodeDie Mitte einer gedachten Linie zwischen Eminentia cristae und Trochanter. Injiziert wird in den M. gluteus medius. Bei
  • Kindern bis 0,75 m Körpergröße 1 Fingerbreit (~ 2,5 cm)

  • Kindern bis 1,25 m Körpergröße 2 Fingerbreit (~ 5 cm)

  • Kinder über 125 cm Körpergröße 3 Fingerbreit (~ 7,5 cm) unterhalb des Beckenkamms.

Durchführen
  • Patienten in eine entspannte Seitenlage mit leicht angewinkelten Knien bringen

  • Den Injektionsort bestimmen:

    • Bezugspunkte sind die Eminentia cristae iliacae und der Trochanter major

    • Trochanter major ertasten und evtl. markieren, z. B. mit gefärbtem Desinfektionsmittel

    • Eminentia cristae ertasten und evtl. markieren

    • Auf der gedachten Verbindungslinie zwischen Trochanter major und Eminentia cristae je nach Größe des Patienten (1–3 Querfinger unterhalb der Eminentia cristae) injizieren

  • Weitere Durchführung wie oben.

Injektion in den Oberschenkelmuskel
Alternative zur ventroglutäalen InjektionOberschenkelInjektion.
Injektionsort
  • Die Mitte einer gedachten Linie zwischen Trochanter major und Patella; der laterale Anteil des M. quadriceps femoris (Abb. 3.6)

  • Vorsicht: Eine Handbreit unterhalb des Trochanters und eine Handbreit oberhalb des Knies darf nicht injiziert werden (Gefäßverletzungen)!

Durchführen
  • Den Patienten in entspannte Rückenlage bringen, Bein innenrotieren

  • Eine Hand auf den Trochanter major legen, die andere oberhalb der Kniescheibe. Oberhalb der abgespreizten Daumen, in der Mitte zwischen den Händen desinfizieren und injizieren. (Abb. 3.6)

  • Kanüle (Nr. 1 „gelb“ oder Nr. 2 „grün“) senkrecht in Richtung Femur einstechen

  • Weitere Durchführung wie oben.

Injektion in den Oberarmmuskel
Indikationen
Wenn Injektion in den M. gluteus oder InjektionOberarmM. quadriceps femoris nicht möglich. Injiziert wird in den M. deltoideus. Anwendung: Impfungen (Tetanus), Injektion kleiner Mengen (2–3 ml).
Injektionsort
M. deltoideus am Oberarm. Beim Erwachsenen 3 fingerbreit unterhalb der Schulterhöhe senkrecht in den Muskelbauch.

Tipps, Tricks und Fallen

Injektionen in den Oberarmmuskel sollten wegen der erhöhten Gefahr von Gefäß- und Nervenverletzungen die Ausnahme bleiben und dann möglichst vom Arzt durchgeführt werden.

Intravenöse Injektion

Indikationen
Krankheitszustände, die einen Injektionintravenöseschnellen Wirkungseintritt des Medikaments verlangen. Medikamente, für die keine andere Applikation erlaubt ist. Wird vom Arzt durchgeführt bzw. von Pflegenden mit entsprechender Zusatzausbildung.
Injektionsorte
In der Reihenfolge der Punktionshäufigkeit:
  • Ellenbeuge, Innenseite Unterarm, Handrücken

  • Fußrücken und Schädelvenen beim Säugling.

Material
Injektionskanüle (Kaliber gemäß Viskosität und Volumen der Injektionslösung), ggf. Venenverweilkanüle bei wiederholten Injektionen in kurzen Intervallen, Stauschlauch, Lagerungshilfsmittel für den Arm, Hände- und Hautdesinfektionsmittel, Tupfer, ggf. Pflaster, unsterile Handschuhe, ggf. flüssigkeitsdichte Unterlage, Kanülenabwurf.
Durchführen
Arzt
  • Vorbereiten: Patienten informieren, hinlegen oder setzen lassen, für ausreichend Licht sorgen, störende Kleidung entfernen, Injektionsort ggf. mit Kissen oder Unterarmkeil unterstützen, Bett mit flüssigkeitsdichter Unterlage schützen, ggf. durch Pflegeperson ruhige Lage des Arms sicherstellen (desorientierte Patienten)

  • Hygienische Händedesinfektion durchführen, Stauschlauch anlegen, Vene und Verlauf sorgfältig palpieren, Stauschlauch lösen, Haut desinfizieren, Handschuhe anziehen, erneut stauen, Vene im flachen Winkel punktieren (Kap. 3.1.7), aspirieren, Stauschlauch lösen, Medikament langsam injizieren, ca. 1 ml/min, ggf. langsamer bei Missempfindung des Patienten, sterilisierten Tupfer auf die Einstichstelle legen, Kanüle zügig entfernen, Punktionsstelle ca. 5 min komprimieren, dabei Ellenbeuge gestreckt lassen, Arm ggf. hoch halten.

Pflege
  • Assistenz: Medikament aufziehen, ggf. Materialien anreichen und Patienten unterstützen (z. B. ablenken, beruhigen)

  • Beobachtung: Vitalzeichen (Kap. 2.5), Kollaps- und Schockzeichen, Schmerz, Sensibilitätsstörungen, Blässe distal der Injektionsstelle (versehentliche intraarterielle Injektion), Übelkeit, Schwindel, Hitzewallung, Pulsrasen, Dyspnoe, Schüttelfrost (allergische Reaktionen), Lähmungserscheinungen, sensible Ausfälle, Nachbluten, Hämatom, Wirkungseintritt des Medikaments.

Komplikationen und Hilfen
  • Hämatom und Paravasat: Injektion abbrechen, Einstichstelle komprimieren, kühlen (Kühlelemente), später ggf. Heparinsalbe auftragen

  • Drohende Gewebenekrose durch Zytostatikum-Paravasat (Kap. 13.3.3)

  • Versehentliche intraarterielle Injektion

    • Kanüle intraarteriell belassen

    • Arzt: 20 ml physiol. NaCl-Lösung, wasserlösliches Kortisonderivat (z. B. 50–100 mg Solu-Decortin H®), 10–20 ml eines Lokalanästhetikums (z. B. Scandicain 1 %®), 1–2 ml Hydergin® intraarteriell injizieren

    • Evtl. Thrombolyse veranlassen

  • Nervenläsion: neurologische Untersuchung anfordern.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Erleichterungen für eine Venenpunktion: Ruhige, entspannte Atmosphäre schaffen, Zuschauer vermeiden

  • Venösen Rückfluss anregen: feucht-warme Wickel (Kap. 3.9.1), Arme in warmes Wasser halten. Venen von distal nach proximal ausstreichen. Punktionsstelle beklopfen. Hand wiederholt schließen und öffnen lassen

  • Prüfen, ob nach Anlegen des Stauschlauchs Puls noch tastbar ist

  • Statt Stauschlauch Blutdruckmanschette benutzen (ca. 80 mmHg)

  • Venen immer erst distal punktieren. Später kann nach proximal ausgewichen werden.

Subkutane Injektion

Indikationen
Parenterale Verabreichung von Injektionsubkutane isotonischen und wässrigen Lösungen, z. B. Insulin (Kap. 12.6.5), Heparin (Kap. 8.3).
Injektionsort
Alle Körperregionen mit ausgeprägter Subkutis, z. B. Bauchdecke, Oberschenkel, Oberarme (Abb. 3.7).
Material
Geeignete Kanüle: kurze, feine Kanüle (Nr. 18–20), Hände- und Hautdesinfektionsmittel, sterilisierte Tupfer, ggf. Pflaster, Kanülenabwurf.
Vorbereiten
Patienten informieren, Medikament bereitstellen, Patienten entspannt lagern.
Durchführen
  • Hygienische Händedesinfektion durchführen, Haut desinfizieren

  • Eine Hautfalte mit Daumen und Zeigefinger abheben

  • Kanüle in die Hautfalte einstechen; Einstichwinkel bei normalgewichtigen Patienten senkrecht, bei kachektischen Patienten im spitzen Winkel (ca. 45°), Fertigspritzen (z. B. Heparin) ebenfalls senkrecht einstechen

  • Evtl. leicht aspirieren (je nach Hausstandard), bei Heparin nicht aspirieren, da Hämatomgefahr. Herstellerangaben grundsätzlich beachten

  • Langsam injizieren

  • Kanüle zügig entfernen, Hautfalte loslassen, Einstichstelle mit trockenem Tupfer leicht komprimieren

  • Kanüle in das Abwurfgefäß entsorgen.

Nachbereiten
Einstichstelle auf Infektionszeichen kontrollieren, allergische Reaktionen beachten, Medikamentenwirkung beobachten.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Bei sehr kachektischen Patienten Kanüle im flachen Winkel einstechen

  • Injektionsorte regelmäßig wechseln (sonst Subkutisschädigungen), Wechselmodus mit dem Patienten absprechen und dokumentieren (Abb. 3.8).

  • Patienten, die nach der Krankenhausentlassung weiter s. c. injizieren müssen, zur eigenständigen Injektion anleiten: → Mikroschulungskonzept (www.patientenedukation.de).

Infusionen

Rechtliche Situation

Die Infusionstherapie obliegt dem Arzt. Er kann die praktische Durchführung an Krankenpflegepersonal delegieren (Kap. 1.9). Nach schriftlicher Verordnung können Krankenpflegepersonen gemäß ihrer Handlungskompetenz die Durchführungsverantwortung übernehmen für:

  • Vorbereiten von Infusionslösungen

  • Zuspritzen von Medikamenten zur Infusion

  • Auswechseln von Infusionen

  • Erneuern der Infusionssysteme

  • Überwachen und steuern des Infusionsablaufs.

Durch spezielle Ausbildung können Krankenpflegepersonen die Durchführungskompetenz erwerben für:

  • Anlegen von Infusionen

  • Injizieren von Medikamenten in die Zuspritzvorrichtung an venösen Zugängen.

Venöser Zugang

Periphere Verweilkanüle (z. B. Braunüle®) oder Midline-Katheter
Lokalisation
InfusionVerweilkanüleperiphervenöse Periphervenöse Verweilkanüle Braunüle®Bevorzugt Unterarm und Handrücken, evtl.Midline-Katheder Ellenbeuge. Zunächst immer distalen Punktionsort wählen, um die proximal Venen für weitere Punktionen zu schonen! Für Midline-Katheter die Venen der Armbeuge wählen.
Material
2–3 Venenverweilkanülen verschiedener Größe (17 G/gelb und 18 G/grün bei Erwachsenen) oder Midline-Katheter, Hände- und Hautdesinfektionsmittel, unsterile Handschuhe, flüssigkeitsdichte Unterlage, Stauschlauch, sterilisierte Tupfer, Heftpflaster, Folienverband, sterile Verschlusskappe mit oder ohne Mandrin, 5 ml NaCl 0,9 % zum Spülen oder Infusion zum Anschließen, Kanülenabwurf. Bei Bedarf Einmalrasierer.
Pflege
  • Vorher Toilettengang ermöglichen

  • Patienten entsprechend lagern, störende Bekleidung entfernen

  • Ggf. Punktionsstelle rasieren, ggf. lokalanästhesierende Salbe auftragen

  • Bei schlechten Venenverhältnissen ggf. die Venenfüllung verbessern (Tipps Kap. 3.1.7)

  • Patienten betreuen, Arzt assistieren

  • Verweilkanüle fixieren (Abb. 3.9)

  • Korrektes Einlaufen der Infusionsflüssigkeit kontrollieren, z. B. Tropfgeschwindigkeit

  • Verband regelmäßig wechseln, auf Veränderungen, z. B. Rötung oder Schwellung, achten.

Komplikationen und Hilfen
  • Paravasat oder Thrombophlebitis: Verweilkanüle sofort entfernen! Ggf. Arm hochlagern, kühlen, Heparinsalbe auftragen. Arzt: evtl. lokale oder systemische Antiphlogistika verordnen, evtl. „low-dose“ Heparin

  • Jede an der Punktionsstelle schmerzhafte Kanüle sofort entfernen

  • Grundsatz: „Der Patient hat immer recht, auch wenn man nichts sieht“.

Zentralvenöser Katheter (Cava-Katheter)
Lokalisation
KatheterzentralvenöserEin in der oberen Hohlvene (V. cava) Cava-Katheterliegender Katheter.
Peripher über V. basilica, V. femoralis eingeführt. Zentral über V. subclavia, V. jugularis interna, V. jugularis externa. Heute bevorzugter Zugang über V. jugularis interna (sicher und risikoarm).
Material
  • Venenkatheter; bevorzugt werden Katheter aus Polyurethan: besonders flexibel, geringe Thrombogenität, leicht venengängig, zur arteriellen Druckmessung geeignet

  • Verschiedene Einführungssysteme stehen zur Auswahl:

    • Stahlaußenkanüle

    • Kunststoffaußenkanüle

    • Seldinger-Technik

  • Lanzette oder Skalpell, 10-ml-Spritze mit NaCl 0,9 %, alles zur Lokalanästhesie, entsprechende Punktionskanüle, Kanülenabwurf

  • Sterile Handschuhe, Schutzkittel, Mundschutz, sterile Abdecktücher, sterile Kompressen, ggf. Einmalrasierer, Haut- und Händedesinfektionsmittel, flüssigkeitsdichte Unterlage, ggf. Nahtmaterial, Heftpflaster, Folienverband.

Vorbereiten
Untersuchungsraum vorbereiten, Patienten informieren (Arzt). Blase entleeren lassen. Infusion richten, Patienten lagern, Bett in Arbeitshöhe bringen, leichte Kopftieflage einstellen (bessere Venenfüllung, Vermeidung von Luftembolien), störende Kleidung entfernen, Kopfkissen entfernen, flüssigkeitsdichte Unterlage unterlegen. Mundschutz anlegen, Hände desinfizieren, Materialien auf steriler Arbeitsfläche richten, Punktionsstelle großzügig desinfizieren.
Durchführen
Arzt, Pflegeperson assistiert: Schutzkittel und Mundschutz anziehen, Hände- und Hautdesinfektion durchführen. Sterile Abdecktücher auflegen, Lokalanästhesie setzen, Punktionsstelle erneut desinfizieren, evtl. Hautschnitt durchführen, Vene anpunktieren, Katheter evtl. unter Sonografiekontrolle vorschieben, Punktionskanüle entfernen. Katheter auf Durchgängigkeit prüfen, Infusion anschließen, Katheter mit Pflaster oder (seltener) mit Hautnaht fixieren, Punktionsstelle reinigen und desinfizieren, Folienverband anlegen, Katheter und Infusionsleitung spannungsfrei fixieren, zur Lagekontrolle röntgen lassen, Tropfgeschwindigkeit einstellen, ggf. Infusionspumpe anschließen.
Nachbereiten
Vitalzeichenkontrolle (Kap. 2.5), Punktionsumgebung reinigen, den Patienten beim Ankleiden unterstützen, Bett richten, Tropfgeschwindigkeit kontrollieren, Infusionsprogramm dokumentieren (Reihenfolge, Tropfenzahl, Zusätze).
Komplikationen
  • Nosokomiale Infektionen

  • Pneumo- und Hämatothorax

  • Pleuraerguss durch Infusionen

  • Nachblutung, Hämatom, Arterienverletzung

  • Herzrhythmusstörungen durch Katheterfehllage.

Implantierte venöse Dauerkatheter
Indikation
Langfristige i. v. Dauerkatheterimplantierter venöserMedikamententherapie (z. B. Zytostatika) oder parenterale Ernährungstherapie.
Port®-System
Total implantierter zentralvenöser Katheter (Abb. 3.10):Port®-System Die Katheterspitze liegt in einer zentralen Vene, durch einen subkutanen Hauttunnel wird der Katheter mit einer subkutan implantierten Injektionskammer verbunden.
  • Die Injektionskammer wird nur mit speziellen Nadeln (z. B. Hubernadel) punktiert

  • Strenge Aseptik bei der Punktion und Infusion einhalten

  • Auf Wunsch Haut vor Punktion anästhesieren

  • Mundschutz anlegen, Hände desinfizieren, Haut über der Injektionskammer desinfizieren, sterile Handschuhe anziehen, Portnadel senkrecht einstechen, Port mit 10 ml NaCl 0,9 % spülen, um Durchgängigkeit zu prüfen. Langsam injizieren (Ruptur möglich!), Nach Medikamenteninjektion mit NaCl 0,9 % nachspülen

  • Bei mehreren Medikamenten mit NaCl 0,9 % zwischenspülen

  • Bei Infusionen Nadel gut fixieren, aseptisch verbinden.

Hickman-Katheter
  • Teilimplantierter zentralvenöser KatheterHickman-Katheter . Wie beim Port-System liegt die Katheterspitze in einer zentralen Vene

  • Katheter wird durch einen subkutanen Tunnel geführt und endet außerhalb der Haut. Das offene distale Ende hat einen Luer-Lock-Anschluss

  • Streng aseptisch vorgehen, steril verbinden, Abknicken des Katheters vermeiden

  • Luer-Lock-Anschluss immer geschlossen halten, Gefahr der Luftembolie.

Spezielle Portsysteme
  • Hochdruck Port: durch die besondere Druckstabilität können mithilfe einer speziellen Hochdruck-Portkanüle größere Medikamentenmengen in kurzer Zeit injiziert bzw. infundiert werden; besonders geeignet auch zur Kontrastmittelgabe bei CT oder MRT

  • Doppelport: er besteht aus zwei getrennten Injektionskammern und einem doppellumigen Port-Katheter; es können nicht kompatible Medikamente gleichzeitig appliziert werden.

Dauerinfusion

Indikationen
  • InfusionDauerinfusionAusgleich z. B. von Wasser- und DauerinfusionElektrolytverlusten

  • Parenterale Ernährung

  • Medikamentengabe, z. B. Katecholamine, Antihypertensiva.

Richten der Infusion
Material
Infusionsflasche (Glas, Kunststoff), ggf.InfusionRichten Aufhängevorrichtung, steriles Infusionsbesteck (Lock-Ansätze, Tropfkammer, Belüftungsventil mit Bakterienfilter, Durchflussregler, Zuspritzvorrichtung), Infusionsständer, ggf. Mehrfachverbindungsleitungen, Dreiwegehähne, Flächen- und Händedesinfektionsmittel.
Durchführen
  • Arbeitsfläche und Hände desinfizieren

  • Infusionsflasche auf Unversehrtheit prüfen, Infusionslösung auf Trübung oder Kristallisierung kontrollieren. Verfallsdatum beachten

  • Verschlussabdeckung entfernen, Verschluss desinfizieren (nur bei Glasflaschen erforderlich)

  • Infusionsbesteck auspacken, Durchflussregler und Belüftungsventil schließen

  • Dorn des Infusionsbestecks tief durch das Verschlussgummi einstechen

  • Flasche aufhängen bzw. hochhalten

  • Tropfkammer durch komprimieren und loslassen zu ⅔ füllen

  • Belüftungsventil öffnen. Bei Plastikflaschen optional, bei Glasflaschen Pflicht

  • Durchflussregler langsam öffnen, Infusionsbesteck blasenfrei füllen, Durchflussregler schließen.

Zumischen von Medikamenten
  • Verschlussstopfen InfusionMedikamente zumischendesinfizieren

  • Kanüle an markierter Stelle einstechen, Medikament ohne Schaumbildung einspritzen

  • Überdruck in der Flasche vermeiden, ggf. Spikes verwenden. Beim Zuspritzen größerer Mengen vorher entsprechend viel Flüssigkeit aus der Flasche abziehen

  • Flascheninhalt beobachten (Ausflockung, Kristallisierung, Trübung)

  • Angaben zum zugespritzten Medikament (Name, Konzentration, Dosierung, Zeit und Patientenname) mit wasserfestem Filzstift oder Aufkleber auf der Infusionsflasche vermerken.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Infusion erst unmittelbar vor dem Anlegen vorbereiten. Infusionen müssen nach 12 h eingelaufen sein (Bakterienwachstum) oder gewechselt werden

  • Medikamente vor Anbringen des Infusionsbestecks zumischen

  • Lichtempfindliche Medikamente schützen (lichtdichter Überzug für Infusionsflasche, lichtdichtes Infusionsbesteck).

Berechnung der Infusionsgeschwindigkeit

InfusionGeschwindigkeit berechnen Grundlage aller Berechnungen:

1 ml entspricht 20 Tropfen

1 Tropfen/min = 3 ml/h

Häufig werden die Gesamtmenge der Infusionen und die Infusionsdauer angeordnet. Dann lässt sich die notwendige Tropfenzahl pro Minute bzw. die Infusionsmenge in ml/h folgendermaßen errechnen:

Beispiel: 500 ml Infusionslösung sollen in 12 Std. durchlaufen.

→ Ungefähr alle 4 Sekunden muss 1 Tropfen fallen

Manchmal werden aber auch die Tropfenzahl pro Minute und die Gesamtinfusionsmenge verordnet, und die Pflegekraft möchte zur Zeitabschätzung und Infusionsplanung wissen, wann die Infusion beendet sein wird:

Beispiel: Eine Kurzinfusion mit einem Gesamtvolumen von 100 ml soll mit einer Tropfenzahl von 30 Tropfen pro Minute einlaufen.

→ Die Infusion läuft etwas länger als eine Stunde.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Exaktes Einstellen der Tropfgeschwindigkeit ist nur mit einer Infusionspumpe möglich (Tab. 3.2)

  • Kaliumangereicherte (> 40 mmol) Infusionen aus Sicherheitsgründen nur mit Infusionspumpe infundieren. Vorsicht Venenschädigung!

Pflege
  • Infektionen vermeiden: Vor jeder Manipulation Hände und Ansatzstücke desinfizieren. Infusionsbestecke mit allen Zwischenstücken täglich wechseln (bei Verwendung eines Bakterienfilters alle 2–4 Tage), bei Verabreichung von Lipidlösungen Infusionsbesteck alle 24 h wechseln. Bei Gazeverbänden Verband alle 2 Tage, bei Transparentverbänden ca. alle 7 Tage wechseln, Punktionsstelle desinfizieren. Täglich auf Entzündungszeichen beobachten bzw. palpieren (bei Gazeverband)

  • Komplikationen vermeiden: zentralvenöse Zugänge nur in Ausnahmefällen diskonnektieren; Entzündungszeichen sofort dem Arzt melden, Katheter vom Arzt entfernen lassen, Katheterspitze steril abschneiden, zur bakteriologischen Untersuchung schicken

  • Infusionsrelevante Parameter überwachen: Flüssigkeitsbilanz (Kap. 2.7.3), Hautturgor und Ödeme (Kap. 2.3.1), ZVD-Messung (Kap. 3.7.5), Blutkontrollen (Elektrolyt-, Säure-Basen-Haushalt, Hämoglobin, Hämatokrit).

Infusionslösungen anwärmen
Indikationen
Unterkühlte Patienten, schwer InfusionLösung anwärmentraumatisierte Patienten, z. B. Verbrennungen, Polytrauma.
Der Organismus muss zugeführte Flüssigkeiten, die kühler als Körpertemperatur sind, anwärmen. Dadurch geht ihm wertvolle Energie verloren, die ggf. zur Genesung notwendig ist.
Anwärmmethoden
  • Infusionen im speziellen Wärmeschrank vorwärmen

  • Infusionen während der Applikation erwärmen. Die Infusionsleitung wird durch eine elektrische Wärmeeinheit geleitet, die am Infusionsständer befestigt wird.

Kurzzeitinfusion

Indikationen
KurzzeitinfusionGabe von Medikamenten, z. B. InfusionKurzzeitinfusionAntibiotika, Zytostatika, Kontrastmitteln (i. v.-Pyelogramm), 50–100 ml in bis zu 3 h, meist jedoch in ca. 30 min.
Material (Kap. 3.3.2)
Durchführen
  • Verschlüsse von Medikament und Lösungsmittel desinfizieren

  • Medikament auflösen: Überleitungsbesteck in Lösungsmittelflasche einstechen, Medikamentenflasche auf die Überleitungskanüle stecken, Flaschen umdrehen (Medikament unten, Lösungsmittel oben), Lösungsmittel restlos einlaufen lassen

  • Überleitungsbesteck entfernen, Medikament restlos auflösen, dabei nicht schütteln

  • Verschluss erneut desinfizieren, Infusionssystem anschließen.

Tipps, Tricks und Fallen

Kurzinfusionen erst unmittelbar vor Gebrauch richten. Erste Applikation bei Antibiotika und Kontrastmittelgabe durch den Arzt.

Spritzen- und Infusionspumpen

Wer eine InfusionspumpeSpritzenpumpe (z. B. Perfusor®) bedient, Spritzenpumpemuss an einer Einweisung im Sinne der MPBetreibV (Medizinproduktebetreiberverordnung Kap. 1.9.9) teilgenommen haben. Diese Einweisung gilt immer nur für das entsprechende Gerät (z. B. Perfusor®), nicht für eine ganze Gerätegruppe (z. B. Spritzenpumpen).
Fehlerhaftes Bedienen kann zu schweren Schäden des Patienten führen, daher grundsätzlich Bedienungsanleitung lesen. Immer nur die vom Hersteller empfohlenen, passenden Spritzen und Leitungen benutzen.
Dosierung von Medikamenten über Spritzenpumpe
Achtung: Die Verdünnungen wechseln SpritzenpumpeDosierungvon Klinik zu Klinik! Im Zweifel nachfragen und grundsätzlich die Verdünnung auf der Perfusorspritze vermerken!
Durchführen am Beispiel Perfusor®
  • Medikament und Lösungsmittel in verordneter Perfusor®Verdünnung in Perfusorspritze aufziehen, beiliegende Nadel nutzen

  • Etikett mit folgenden Angaben auf die Perfusorspritze kleben: Patientenname, Datum und Uhrzeit der Zubereitung, Medikamentenname, Lösungsmittel und Konzentration

  • Perfusorleitung® anbringen (Luer® Schraubkonnektor)

  • Spritze und Leitung entlüften

  • Spritze in das Gerät einlegen, korrekten Sitz in der Rasterschablone überprüfen

  • Leitung mit Venenkatheter verbinden, Dreiwegehahn auf Durchfluss einstellen

  • Durchflussrate am Gerät einstellen, starten

  • Einwandfreien Betrieb kontrollieren

  • Patienten auf Medikamentenwirkung und -nebenwirkungen beobachten

  • Patienten auffordern, sich bei Alarmsignal sowie bei Missempfindungen sofort zu melden.

Infusionspumpe

Über Infusionspumpen können Infusionen mit Infusionspumpeeiner genau definierten Tropfenzahl pro Minute infundiert werden. Hierfür gibt es spezielle Infusionssysteme mit einem verdickten, besonders elastischen Mittelstück, das in das Gehäuse der Pumpe eingelegt wird. Ein Tropfendetektor wird an die Tropfenkammer angebracht.
Durchführen
  • Infusion richten (Kap. 3.3.2). Sorgfältig entlüften, da sich besonders im Mittelstück Luftblasen ansammeln können

  • Tropfendetektor um den Ring an der Tropfenkammer legen

  • Infusionsleitung mit dem Mittelstück in das Gehäuse der Pumpe einlegen und oben und unten an der Klemmvorrichtung arretieren

  • Gehäuse schließen, verordnete Tropfenzahl einstellen und Infusionsvorgang starten

  • Weitere Durchführung (s. o.).

Parenterale Substitutionstherapie

Parenterale Ernährung

Indikationen
  • SubstitutionstherapieparenteraleNahrungskarenz, z. B. prä- oder Ernährungparenteralepostoperativ, Pankreatitis, Colitis ulcerosa, Ileus, Ösophagusvarizenblutungen

  • Gesteigerter Stoffwechsel, z. B. nach Trauma, bei Kachexie, Tumor (Tab. 3.3)

  • Nahrungsaufnahme oral nicht möglich, z. B. bei Bewusstlosigkeit, Schluckstörungen, Ösophagustumor

  • Nahrungsverweigerung.

Applikationen
  • Über Cavakatheter hypertone Lösungen verabreichen

  • Über peripheren Zugang bei kurzfristiger parenteraler Ernährung z. B. mit StructoKabiven® peripher.

Durchführen
  • Infusion nach Arztanordnung richten (Kap. 3.3.2)

  • Verschiedene Nährstofflösungen gleichmäßig über 24 h verteilen, kompatible Lösungen über Mehrfachverbindungen oder als Mischlösung infundieren (Mischbeutel-„All-in-One-Lösung“), evtl. Infusionspumpe benutzen.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Bei zu rascher Infusion können die Nährstoffe nicht verwertet werden, ein Teil wird ungenutzt ausgeschieden

  • Fettlösungen reagieren besonders auf Beimischungen → keine anderen Infusionen nebenbei laufen lassen

  • Fettlösungen können über periphervenösen Zugang verabreicht werden, sie sind osmotisch unwirksam

  • Medikamente als Kurzinfusion separat verabreichen.

Regulation des Elektrolythaushalts

Indikationen
Störungen im Elektrolyt- und ElektrolythaushaltWasserhaushalt: postoperativ, bei Verbrennungen, Ileus, Aszites, Diarrhö, Hyperemesis, Exsikkose, Blutverlusten, Schock (Tab. 3.4).
Applikationen
Je nach Osmolarität über peripheren oder zentralvenösen Zugang verabreichen, bei langandauernder Anwendung zentralvenösen Zugang bevorzugen.
Durchführen
  • Infusion nach Arztanordnung richten (Kap. 3.3.2)

  • Lösungen zum Ersatz von einzelnen Elektrolyten anderen Infusionen zumischen.

Regulation des Säure-Basen-Haushalts

Indikationen (Tab. 3.5)
  • Respiratorische Säure-Basen-HaushaltAzidose, z. B. durch AzidoserespiratorischeSchonatmung

  • Respiratorische Alkalose, z. B. durch AlkaloserespiratorischeHyperventilation

  • Metabolische Azidose, z. B. durch Schock, Azidosemetabolischeentgleisten Diabetes mellitus, Diarrhö, Niereninsuffizienz, Vergiftung

  • Metabolische Alkalose, z. B. durch Erbrechen, AlkalosemetabolischeMagensonde, Diuretika.

Applikationen
  • Je nach Osmolarität über peripheren oder zentralvenösen Zugang verabreichen

  • Venenwandreizende Lösungen, z. B. Natriumbikarbonat und Kalium-Lösungen über zentralen Venenkatheter.

Durchführen
  • Infusion nach Arztanordnung richten (Kap. 3.3.2)

  • Bei Azidose: TRIS-, THAM-Infusionen (Pufferlösung), Natriumbikarbonat, Natriumlaktat, Kaliumchlorid nur als Infusionszusatz – Gefahr: Herzversagen

  • Bei Alkalose: NaCl 0,9 %, HCL- oder L-Argininhydrochloridlösung und evtl. Kalium.

Literaturhinweise

Nehren, 2007

O. Nehren DGEM-Leitlinien Enterale und Parenterale Ernährung: Kurzfassung 2007 Thieme Verlag Stuttgart

Rümelin and Mayer, 2013

A. Rümelin K. Mayer Ernährung des Intensivpatienten 2013 Springer Verlag Berlin Heidelberg

Transfusionen

Definition

Transfusionen sind Transplantationen flüssigen Gewebes. Sie fallen in den ärztlichen Aufgabenbereich. Aufgaben der Pflegenden sind Vor- und Nachbereitung, Assistenz, Krankenbeobachtung und -betreuung.

Allgemeine Richtlinien

Transfusion
  • Nur in einer Notfallsituation kann ohne Blutgruppenbestimmung nach dem Bedside-Test transfundiert werden (EK Blutgruppe 0, Rh-neg.); Blutgruppenbestimmung nachholen, dafür vor Transfusionsbeginn Nativblut abnehmen

  • Bei geplanter Operation wenn möglich Eigenblutspende.

Indikationen
Bei Hb < 10 g/%, Hkt < 32 %, Blutverlust > 1,5–2 l.
Durchführen
Arzt
Die Anordnung zur Transfusion und Anzahl der Konserven bestimmt der Arzt schriftlich. Dazu gehört grundsätzlich die Anordnung der Verträglichkeitsprüfungen:
  • Blutgruppenbestimmung

  • Rh-Faktor-Bestimmung

  • Kreuzprobe

  • Coombs-Test

  • Bedside-Test (Abb. 3.11).

Patienten informieren, Blutkonserve und Begleitpapiere überprüfen, venösen Zugang legen bzw. bestehenden Zugang nutzen, Bedside-Test durchführen, Konserve anschließen. Übliche Transfusionsdauer 1 h; zur Vermeidung von Volumenüberlastungen, z. B. bei Herz- oder Niereninsuffizienz, 3–4 h. Nach der Transfusion Venenzugang mit NaCl 0,9 % durchspülen.
Pflege
  • Blutgruppenbestimmung: 5–10 ml Blutgruppenbestimmungzitratfreies Blut und exakt beschriftetes Proberöhrchen ins Labor schicken

  • Kreuzprobe: 5–10 ml zitratfreies Blut mit Kreuzprobeexakt beschriftetem Proberöhrchen ins Labor schicken, 3 Tage gültig

  • Transfusionsprotokoll anlegen

  • Kontrollen durch zwei Personen bei Empfang der Konserve und vor dem Richten der Konserve durchführen:

    • Verfallsdatum

    • Übereinstimmung von Begleitpapieren, Konservenetikett und Patientenunterlagen

    • Zustand der Konserve: Beschädigung, Kühlung, Hämolyse, Gerinnung

  • Transfusion richten, soll Zimmertemperatur haben

  • Ggf. Konserve nach Arztanordnung z. B. bei unterkühlten Patienten anwärmen: Durchlauferwärmer; maximal 37 °C

  • Transfusionsbesteck mit Blutfilter benutzen, Tropfkammer bis über den Blutfilter füllen

  • Überwachen: ¼ stdl. während und für 1 h nach der Transfusion

  • Befinden des Patienten und Komplikationen beachten

  • Nachbereiten: Ggf. Folgeinfusion anhängen (Arztanordnung). Leeren Transfusionsbeutel für 48 h im Kühlschrank aufbewahren (Klärung von Transfusionszwischenfällen)

  • Dokumentieren: Transfusionsprotokoll führen (lesbare Unterschriften). Vollblut-Transfusionen bei der Flüssigkeitsbilanzierung mit 300 FlüssigkeitsbilanzBlutml berücksichtigen. Bedside-Test-Karten nach Abtrocknung mit selbstklebender Transparentfolie sichern. Alle Unterlagen (Laborergebnisse, Transfusionsbegleitschein, Transfusionsprotokoll, Bedside-Test-Karte) in das Dokumentationssystem aufnehmen.

Komplikationen und Hilfen
  • Unverträglichkeit (Hämolyse): TransfusionKomplikationenKopf-, Gelenk- und Gliederschmerzen, Unruhe, Angst, Atemnot, Übelkeit, Erbrechen, Schockzeichen. Maßnahmen: Transfusion unterbrechen, venösen Zugang belassen, Schocklage, Arzt informieren

  • Allergie (besonders bei wiederholter Transfusion): Hautrötung, Juckreiz, Temperaturanstieg, Blutdruckabfall. Maßnahmen: Transfusion stoppen, Anweisung des Arztes einholen

  • Septische Reaktion (bei kontaminierter Konserve): Schüttelfrost, Fieber. Maßnahmen: Transfusion unterbrechen, Arzt informieren, Pflegemaßnahmen einleiten (Kap. 22.4.2)

  • Transfusionsassoziierte akute Lungeninsuffizienz (TRALI): akute Atemnot innerhalb von 6 h nach Transfusion, häufig auch mit RR ↓ und Fieber. Lungenödem ohne Herzinsuffizienz. Maßnahmen: Sauerstoffgabe, intensivmedizinische Versorgung mit frühzeitiger Intubation und Beatmung.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Bei Transfusionen Notfallkoffer immer griffbereit stellen

  • Keine Bakterienfilter verwenden, Blutspiegel in der Tropfkammer oberhalb des Blutfilters einrichten, da Hämolyse bei Auftreffen der Erythrozyten auf den Filter

  • Für die Aufbewahrung und den Transport von Blut bzw. Blutbestandteilen grundsätzlich die Vorschriften der regionalen Blutbanken beachten

  • Nach Unterbrechung der Kühlkette Blut bzw. Blutbestandteile nicht mehr verwenden, gefrorenes Plasma nach dem Auftauen nicht wieder einfrieren

  • Transfusionszeit max. 6 h nach dem Erwärmen einer Blutkonserve

  • Nach erfolgter Transfusion das aufgedruckte Volumen bilanzieren

  • Zur Aufklärung von Transfusionszwischenfällen immer Konserve, Begleitpapiere, Transfusionsbericht und 10 ml Empfängerblut zur Blutbank schicken.

Zellkonzentrate

Erythrozytenkonzentrat
Zellkonzentrat

Definition

Eine Blutkonserve, aus der durch Zentrifugieren das Plasma bis auf einen geringen Rest und ein Teil der Leukozyten entfernt wurde. Es enthält im Durchschnitt 65 g Hämoglobin (Hkt. 50 %). Eine Transfusion bewirkt einen Hämoglobinanstieg um ca. 1 g/dl.

Gewaschene (leukozytenarme) Erythrozyten
ErythrozytenKonzentratErythrozytenkonzentrate, die Erythrozytengewaschenedurch dreimaliges Waschen mit jeweils 200 ml NaCl 0,9 % und durch Abpressen des „Buffy-coats“ (Schicht aus Leukozyten und Buffy-coatThrombozyten, die z. B. nach längerem Stehen zwischen Plasma und Erythrozyten entsteht) weitgehend von Leukozyten befreit sind.
Indikationen: Langzeit- und Massentransfusionen.
Leukozytenfreie Erythrozyten
Erythrozytenkonzentrate, die Erythrozytenleukozytenfreieüber spezielle Filter von Leukozyten befreit wurden. Durch Zwischenschalten eines Leukozytenfilters während der Transfusion können Erythrozytenkonzentrate leukozytenfrei transfundiert werden.
Indikationen: Chronische Anämien, Knochenmarktransplantationen, nichthämolytische Transfusionszwischenfälle in der Anamnese, Adult Respiratory Distress Syndrom mit leuko- und thrombozytären Antikörpern.
Tiefgefrorene Erythrozytenkonzentrate
Erythrozytenkonzentrate, die Erythrozytentiefgefrorenemit Glyzerin versetzt und in flüssigem Stickstoff bei –195 °C eingefroren werden.
Indikationen: Bevorratung seltener Blutgruppen und Eigenblutspende.
Durchführen
  • Mit 100–200 ml NaCl 0,9 % aufschwemmen

  • Inhalt vorsichtig durchmischen

  • Auf Raumtemperatur erwärmen, dann umgehend transfundieren

  • Nach der Gabe von 4 Erythrozytenkonzentraten eine Konserve FFP (s. u.) anhängen, Ausgleich des Defizits an Plasma und Gerinnungsfaktoren (Arztanordnung)

  • Bei Massentransfusion nach Möglichkeit nur frische Konserven verwenden

  • Zellkonzentrate nicht in der Flüssigkeitsbilanzierung berücksichtigen.

Tipps, Tricks und Fallen

Leukozytenfreien Erythrozytenkonzentraten den Vorzug geben: Sie sind nicht durch Waschungen geschädigt und enthalten weniger als 0,1 × 109 Leukozyten. Zudem können sie leicht während der Transfusion hergestellt werden.

Thrombozytenkonzentrat und Thrombozytenreiches Plasma
Thrombozytenkonzentrat

Definition

Durch Zellseparator von Einzelspendern hergestelltes Einzelspenderkonzentrat oder aus Warmblutkonserven gewonnene plättchenreiche Plasmakonserve.

Indikationen
Plasmathrombozytenreiches Thrombopenie (< 20 000/mm3), z. B. im Rahmen einer Leukämietherapie, Knochenmarkinsuffizienz, Zytostatika-Therapie.
Durchführen
  • Möglichst sofort nach Lieferung verbrauchen (nicht kühlen!)

  • Spezielles Transfusionssystem benutzen (Filterporen mind. 150 Mikrometer)

  • Zur restlosen Transfusion der Thrombozyten, Transfusionsbeutel zum Ende der Transfusion mit sterilem NaCl 0,9 % durchspülen.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Thrombozytenkonzentrate enthalten einen Rest Erythrozyten und müssen blutgruppengleich transfundiert werden. Eine Kreuzprobe ist jedoch nicht notwendig

  • Zur Leukozytenreduzierung können während der Transfusion spezielle Filter zwischengeschaltet werden

  • Zwischenlagerung im Kühlschrank ist nicht möglich, da Lagerung unter ständiger, gleichmäßiger Bewegung bei 2 °C notwendig, kann auf Station nicht gewährleistet werden.

Granulozytenkonzentrat

Definition

Durch Zellseparator von Einzelspendern hergestelltes granulozytenreiches Konzentrat. Es enthält immer auch einen größeren Anteil Erythrozyten. Zur Hemmung der Lymphozytenvermehrung wird es mit Gammastrahlen behandelt.

Indikationen
GranulozytenKonzentrat Transfusion unter Verwandten, wenn die Empfänger Kinder sind, bei Leukozytopenie, z. B. bei Zytostatika-Therapie.
Durchführen
  • Vgl. Erythrozytenkonzentrate

  • Blutgruppe und Rh-Faktor bestimmen

  • Verträglichkeitstests durchführen.

Frisch gefrorenes Plasma (FFP)

Definition

Blutplasma, bei –40 °C tiefgefroren, z. B. aus Erythrozytenkonzentratherstellung.

Indikationen
Plasmafrisch gefrorenes Fresh Frozen Plasma (FFP) Ersatz fehlender Gerinnungsfaktoren; Plasmadefizit bei Gabe mehrerer Erythrozytenkonzentrate ausgleichen: nach jeweils 4 Konzentraten 1 Konserve FFP.
Durchführen
  • Gefrorene Plasmabeutel vorsichtig behandeln, Bruchgefahr!

  • Auftauen in spezieller Aufwärmvorrichtung

  • Sofort nach Auftauen transfundieren

  • Blutgruppengleich transfundieren (Rh-Faktor kann vernachlässigt werden).

Plasma

Immunglobuline
Humanes Immunglobulin (Hyperimmunserum)
PlasmaImmunglobulin Trockensubstanz aus 90 % IgG (Hyperimmunserum menschliche Antikörper). Zur Unterstützung bzw. Ergänzung der humoralen Infektabwehr und zur Bindung pathologischer Antikörper.
Indikationen
  • Antikörpermangelsyndrom

  • Morbus Werlhof (thrombozytopenische Purpura durch antithrombozytäre Antikörper)

  • Allergische oder toxische Thrombopenie, z. B. durch Kontrastmittel

  • Myasthenia gravis

  • Substitution nach Plasmaseparation.

IgM-angereichertes Immunglobulin
Trockensubstanz menschlicher Antikörper, angereichert mit IgM-Antikörpern zur Unterstützung der humoralen Abwehr speziell gegen Problemkeime und deren Toxine.
Indikationen
  • Schwere bakterielle Infektionen

  • Schweres Antikörpermangelsyndrom.

Gerinnungsfaktoren
Mehr- und Einkomponenten-Konzentrate, z.GerinnungFaktoren B. Prothrombinkomplex, Fibrinogen, Antihämophilie Fraktion, Faktor VIII-Konzentrat, Faktor IX-Konzentrat.
Indikationen
  • Schwere Verbrauchskoagulopathie

  • Blutungen bei Synthesestörungen der Leber

  • Blutungen unter Cumarintherapie.

Humanalbumin
Plasmabestandteil mit Einfluss auf Humanalbumin Pufferkapazität, den onkotischen Druck und die Proteinreserve.
Indikationen
  • Verbrennungen

  • Volumenmangelschock

  • Albuminurie (Nephrotisches Syndrom)

  • Synthesestörungen der Leber.

Durchführen
  • Arzt nimmt Blut für serologische Untersuchungen vor Applikation von Immunglobulinen ab

  • Zur Blutabnahme – für die Albuminbestimmung – Patienten nicht hinlegen: Konzentrationsabfall um 5–8 %, Venenstauung kurz halten, Konzentrationsanstieg um 15 % nach 10 min

  • Eiweißfraktionen erst unmittelbar vor der Applikation vorbereiten

  • Trockensubstanz mit mitgelieferten Lösungsmitteln restlos auflösen

  • Aufgelöstes Präparat sofort applizieren

  • Nicht mit anderen Medikamenten mischen

  • Auf Allergiezeichen achten.

Eigenblutspende

Indikationen
Ausschaltung von allergischen, Eigenblutspende hämolytischen und infektiösen Komplikationen (Hepatitis B, HIV), bei geplanten Operationen mit erwartetem Blutverlust (> 1 000 ml), Ablehnung von Fremdbluttransfusionen.
Vorbedingungen
OP 4–6 Wochen im Voraus planbar, keine Kontraindikationen zur Eigenblutspende.
Kontraindikationen
  • Schlechter Allgemeinzustand

  • Hkt. < 34 %; Hb < 11 g/dl

  • Ausgeprägte Anämie z. B. bei Niereninsuffizienz

  • Erythrozyten-Reifungsstörungen, z. B. megaloblastische Erythropoese

  • Infektionskrankheiten

  • Schwere Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen

  • Neoplasien

  • Gerinnungsstörungen.

Durchführen
Blutentnahme
  • Termine mit Patient planen: ca. 4–6 Wochen vor dem stationären Aufnahmetermin beginnen; je Woche ein Spendetermin, bis ca. 3 Tage vor OP

  • Vor jeder Blutspende Eignungs-Check durchführen (Arzt). RR-Kontrolle, Laboruntersuchungen (Hb, Ferritin, Hkt, BB)

  • Eisenpräparate verordnen (Arzt), z. B. Eryfer® 100 mg pro Tag; Spartocine® 200 mg pro Tag. Patienten über mögliche Nebenwirkungen aufklären, z. B. Übelkeit, Diarrhö oder Obstipation, Magenschmerzen, schwarze Stuhlverfärbung

  • Mit Stabilisator präparierter Entnahmebeutel und Begleitformular vorbereiten und beschriften

  • Ca. 400–500 ml Blut abnehmen

  • Kodierungsetikett aufkleben

  • Während und nach der Blutspende Kreislaufkontrolle

  • Blut mit Begleitformularen ohne Zeitverlust ins Blutdepot bringen lassen. Vollblut bei +4 °C max. 35 Tage haltbar. Trennen des Vollblutes in Erythrozytenkonzentrat und Eigenplasma (tiefgefroren) möglich.

  • Patienten nach Arztanordnung ggf. 500 ml Ringer-Lösung infundieren.

Eigenbluttransfusion (Kap. 3.5.1)
  • Ab Hkt. < 30 % intra- TransfusionEigenblut oder postoperativ Blut transfundieren

  • Zuletzt abgenommenes Blut zuerst transfundieren

  • Blutbeutel und Begleitpapiere überprüfen

  • Eigenblutkonserve erwärmen (Durchlauferwärmer)

  • Bedside-Test durchführen (Arzt)

  • Patienten während der Transfusion überwachen: Vitalzeichen, Unverträglichkeitsreaktionen, Tropfgeschwindigkeit

  • Gebrauchtes Transfusionssystem und Blutrest, ca. 10 ml, für 48 h im Kühlschrank aufbewahren.

Akute präoperative Eigenblutspende und Hämodilution
Akute Eigenblutspende: Bei nicht planbaren Hämodilution Operationen kann maximal 600–900 ml Eigenblut unmittelbar präoperativ abgenommen werden. Als Volumenersatz wird die gleiche Menge einer kolloidalen Lösung verabreicht.
Als Hämodilution wird das gleiche Verfahren durchgeführt, um präoperativ die Fließeigenschaft des Blutes zu verbessern, das Herz-Minuten-Volumen zu steigern und die Oxygenierung des Herzmuskels zu optimieren. Die Hämodilution wird meist nach der Narkoseeinleitung durchgeführt.
Intraoperative Retransfusion von autologem Vollblut
Material
Retransfusion InfusionVollblut, autologes Cell-Saver System, z. B. Sure Trans®, Cell Saver® Elite®, Transfusionsbesteck, 40 μ-Cell-Saver-System Mikrofilter.
Durchführen
Intraoperativ an Wunddrainage anschließen; Drainageblut nicht länger als 3 h ableiten, spätestens nach 6 h retransfundieren; Retransfusion des Drainageblutes nach Anschluss von Transfusionsbesteck und Mikrofilter.

Beachten

Sicherheitsmaßnahmen (ausgenommen Kreuzprobe) wie bei Fremdbluttransfusion beachten (Kap. 3.5.1).

Kontraindikation
Entzündungen im OP- bzw. Wundgebiet, Sepsis, Tumor-OP.

Sonden und Katheter

Transurethraler Blasenkatheter

Das transurethrale Blasenkathetertransurethraler Katheterisieren stellt ein außergewöhnlich hohes Infektionsrisiko sowohl für die Harnwege als auch für die Nieren dar (bis zu 90 % der nosokomialen Harnwegsinfekte sind katheterassoziiert), daher: strengste Indikationsstellung, akribische Infektionsprophylaxe und absolut aseptisches Vorgehen.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Die Anforderungen zur Infektionsprophylaxe können am besten erfüllt werden, wenn das Katheterisieren von zwei Pflegepersonen durchgeführt wird

  • Katheterisieren nur durch eine Pflegeperson kann in Ausnahmefällen toleriert werden

  • Das transurethrale Katheterisieren ist ein Eingriff in den Intimbereich → sensibles Eingehen auf die Gefühle des Patienten

  • Bei geringstem Verdacht auf Harnwegsinfekt spezifische Diagnostik nach Arztanordnung veranlassen.

Indikationen
  • Zur Diagnostik: Sterile Uringewinnung für bakteriologische Untersuchungen, Einbringen von Kontrastmittel z. B. vor einem Zystogramm

  • Zur Therapie: Harnverhalten, Blasenentleerung (vor OPs im kleinen Becken, vor Geburten, vor lang andauernden OPs, vor OPs mit gleichzeitiger Diurese, z. B. Neurochirurgie), zur Blasenspülung bzw. Instillation.

Beachten

Inkontinenz ist keine Indikation für einen Katheter! Alternativen sind Kontinenztraining und Hilfsmittel wie Kondomurinale, externe Urinableitungssysteme für Frauen, Inkontinenzeinlagen.

Material
  • Ggf. Einmalmaterialien zur Intimtoilette

  • Flächen-, Hände- und Schleimhautdesinfektionsmittel

  • Katheterset, vom Handel angeboten oder hausintern erstellt, erleichtern die sterile Bereitstellung der Materialien und das systematische Vorgehen

  • Zur Einmalkatheterisierung: 2 geeignete Katheter (einer als Reserve), Laborröhrchen, Katheterset mit: sterilen Handschuhen, Lochtuch geschlitzt, Pinzette, Tupfer mit Schale, Gleitmittel ggf. mit Schleimhaut-Anästhetikum (Mann), wasserdichte Unterlage, Auffangschale für Urin. Die Innenseite der Verpackung des Sets kann als sterile Arbeitsfläche genutzt werden

  • Zur Dauerkatheterisierung: Materialien wie bei Einmalkatheterisierung, statt der Einmalkatheter 2 Ballonkatheter. Zusätzlich: Spritze mit Aqua dest. zum Blocken des Ballons (Fassungsvermögen des Ballons ist auf dem Katheteransatz vermerkt), geschlossenes Urinableitungssystem (ggf. mit Stundenurimeter), ggf. Holster zur Befestigung des Ableitungsbeutels am Körper.

Katheterarten
  • PVC-Kunststoff-BlasenkatheterArten Einmalkatheter (hauptsächlich zur Diagnostik): Tiemann-Katheter (Mann), Nelaton-Tiemann-Katheter Katheter (Frau)

  • Für Nelaton-Katheter urologische Spezialindikationen: Mercier-Katheter (Mann), Katheter mit Mercier-Katheter besonderer Spitzenform, z. B. Flötenspitze

  • Dauerkatheter (Verweil- oder Ballonkatheter): Nelaton-Dauerkatheter mit Ballon (Mann und Frau), Tiemann-Dauerkatheter mit Ballon (Mann)

  • Drei-Wege-Spülkatheter: ein zusätzlicher Weg ermöglicht den permanenten Durchfluss von Spüllösung durch die Blase. Ein größeres Ballonvolumen (80–100 ml) vergrößert den Spülfluss durch Verkleinerung des freien Blasenvolumens

  • Liegedauer:

    • Latex-Katheter 5–7 Tage

    • Silikon-Katheter bis zu 6 Wochen

    • Polyurethan-Katheter bis zu 8 Wochen

  • Antimikrobiell beschichtete Katheter: weder mit Antibiotika, noch mit Silber beschichte Katheter vermindern das Auftreten einer katheterassoziierten Harnwegsinfektion nachweisbar.

Katheterstärken
Katheterdurchmesser werden in Charrière gemessen (1 Ch = ⅓ mm). Übliche Charrière Katheterstärken bei nicht verengter Urethra: Kinder: 8–10 Ch, Frauen: 12–14 Ch, Männer: 14–18 Ch.
Katheterisierung der Frau
Legen eines Einmalkatheters
Vorbereiten
Katheterisierungder Frau Patientin informieren, BlasenkatheterLegen (Frau) Intimtoilette durchführen (ggf. selbstständig durch Patientin), Intimsphäre wahren (Sichtschutz, Mitpatienten wenn möglich hinausbitten, Untersuchungszimmer benutzen), für Platz und Licht sorgen, Materialien bereitstellen, zweite Pflegeperson zur Assistenz bitten. Patientin lagern: flache Rückenlage, Gesäß ggf. mit Kissen unterstützen, Knie anwinkeln, wasserdichte Unterlage unterlegen, Füße seitlich versetzt aufsetzen; Schutzkittel tragen, Hände desinfizieren. Sterile Arbeitsfläche schaffen: Katheterset zwischen den Beinen der Patientin abstellen, Verpackung an den Rändern vorsichtig auseinanderziehen. Kann die Patientin die Beine nicht sicher angewinkelt halten, das Set auf dem Nachttisch entfalten; Materialien unter aseptischen Bedingungen auspacken und auf die sterile Arbeitsfläche fallen lassen.
Durchführen
  • Hygienische Händedesinfektion (Kap. 1.8.3), Handschuhe anziehen: rechte Hand 2 Handschuhe übereinander; Patientin mit sterilem Tuch abdecken

  • Äußere Genitalien desinfizieren

    • Linke Hand spreizt die Schamlippen kontinuierlich bis zum Abschluss des Katheterisierens, rechte Hand desinfiziert von der Symphyse analwärts, für jeden Wischvorgang einen neuen Tupfer verwenden

    • 1. und 2. Tupfer: große Schamlippen li. und re.

    • 3. und 4. Tupfer: kleine Schamlippen li. und re.

    • 5. Tupfer: Urethraöffnung

    • 6. Tupfer: auf Vaginaeingang legen

  • Gebrauchte Tupfer in Abwurfgefäß entsorgen, oberen Handschuh der rechten Hand durch Assistentin abziehen lassen

  • Katheter einführen, sobald Urin fließt nicht weiterschieben. Urin in Auffanggefäß (ggf. Laborröhrchen) ableiten, zur vollständigen Blasenentleerung Patientin leicht auf den Unterbauch drücken lassen, ggf. durch Assistentin

  • Katheter entfernen, ebenso Tupfer aus Vaginaeingang.

Nachbereiten
  • Patientin Möglichkeit zur Intimtoilette geben, ggf. beim Ankleiden und der Lagerung unterstützen

  • Urinprobe für Transport ins Labor vorbereiten, Untersuchungsformular ausfüllen

  • Materialien entsorgen.

Legen eines Dauerkatheters
Vorbereiten
BlasendauerkatheterLegen (Frau) Vorgehen wie beim Legen BlasenkatheterLegen (Frau) eines Einmalkatheters.
Durchführen
Vorgehen wie beim Legen eines Einmalkatheters bis einschließlich Desinfektion. Zusätzlich: Katheter bereits auf der sterilen Arbeitsfläche mit sterilem geschlossenen Urinableitungssystem verbinden (2. Pflegeperson), Katheter einführen (Halten des Ableitungssystems durch 2. Pflegeperson). Wenn Urin fließt, Katheter noch 2 cm vorschieben, Befestigung des Ableitungssystems an der Halterung (2. Pflegeperson), Spritze mit Aqua dest. auf den Ballonzugang aufsetzen, langsam injizieren, Katheter leicht zurückziehen bis Widerstand spürbar ist.
Nachbereiten
Vorgehen wie beim Legen eines Einmalkatheters.
Katheterisierung des Mannes
Legen eines Einmalkatheters
Vorbereiten
Katheterisierungdes Mannes Vorgehen wie bei BlasenkatheterLegen (Mann) Katheterisierung der Frau, ausgenommen: Lagerung → einfache Rückenlage beim Mann.
Handschuhe anziehen (rechts 2 Handschuhe übereinander), Lochtuch vorlegen, Vorhaut zurückziehen, Penis zwischen Ring- und Mittelfinger der linken Hand fassen, Urethraöffnung mit Daumen und Zeigefinger spreizen (Abb. 3.12), linke Hand verbleibt so bis zum Ende des Katheterisierens, Desinfektion mit der rechten Hand, für jeden Wischvorgang einen neuen Tupfer verwenden. 1. und 2. Tupfer: Eichel links und rechts; 3. Tupfer: Urethraöffnung.
Durchführen
  • Gleitmittel in die Harnröhre instillieren, ggf. Gleitmittel mit Schleimhautanästhetikum benutzen, Einwirkzeit beachten, Zurückfließen durch Zusammendrücken des Penis verhindern, dann erneut desinfizieren

  • Oberen Handschuh der rechten Hand von Assistenten abziehen lassen, Katheter ca. 5 cm unterhalb der Spitze fassen, Katheterende zwischen Ring- und Kleinfinger klemmen (bei Tiemann-Katheter zeigt die Nut am Katheteransatz nach oben), Penis mit der linken Hand gerade nach oben strecken, Katheter ca. 15 cm einführen, Penis nach unten senken und Katheter weiterschieben, bis Urin abfließt

  • Urin in Auffanggefäß abfließen lassen (ggf. Laborröhrchen)

  • Durch Druck auf den Unterbauch (durch Patient selbst oder Assistent) Blase restlos entleeren, Katheter zum Entfernen gleichmäßig zurückziehen, Nut am Katheteransatz zeigt nach oben.

Nachbereiten
Vorgehen wie bei Katheterisierung der Frau. Zusätzlich: Präputium wieder über die Eichel vorschieben (Gefahr der Paraphimose).
Legen eines Dauerkatheters
Vorbereiten
Vorgehen wie beim Legen eines Einmalkatheters.
Durchführen
  • Vorgehen wie bei BlasendauerkatheterLegen (Mann) Einmalkatheterisierung bis einschließlich Instillation des Gleitmittels

  • Weiteres Vorgehen wie bei Dauerkatheterisierung der Frau

  • Nachbereiten: wie Legen eines Einmalkatheters, Katheterpflege.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Kann ein Widerstand beim Einführen des Katheters nicht durch Strecken oder Senken des Penis beseitigt werden, Katheterisierung abbrechen und urologisches Konsil anfordern. Nie versuchen, einen Widerstand mit Gewalt zu überwinden

  • Tiemann-Katheter beim Einführen und Entfernen nicht drehen.

Gesundheitsförderung und Prävention
Zur Vermeidung von Harnwegsinfekten werden alle Patienten mit einem Dauerkatheter über folgende Punkte informiert:
  • Katheterbeutel nicht über Blasenniveau hochzuhalten oder aufzuhängen (z. B. am Stuhl)

  • Urinableitungsschlauch nicht abzuknicken (Gefahr eines Harnstaus)

  • Bei versehentlicher Diskonnektion des Kathetersystems die Enden nicht einfach wieder zusammenzustecken, sondern Pflegende zu verständigen, um die Enden zu desinfizieren

  • Mind. 1,5–2 l zu trinken, sofern keine Kontraindikationen vorliegen. Viel Flüssigkeit spült die Blase und verhindert das Wachstum von Bakterien. Das Trinken von Cranberrysaft wirkt zusätzlich anti-adhäsiv auf Bakterien. Diese finden keinen Halt am Epithel der ableitenden Harnwege und können ausgeschwemmt werden

  • Mithilfe von methioninhaltigen Medikamenten, z. B. Methionin Hexal® wird eine Harnansäuerung unter einem pH-Wert von 6 erreicht. Dieses saure Milieu wirkt antibakteriell und unterstützt die Wirkung von Antibiotika mit Wirkoptimum im sauren Bereich

  • Intimtoilette besonders sorgfältig durchzuführen. Reinigung im Analbereich von vorne nach hinten. Männer Vorhaut zum Waschen zurückziehen, Frauen Schamlippen spreizen. Möglichst nur Wasser und keine Seife verwenden

  • Sich bei Brennen in der Harnröhre oder Schmerzen sofort bei den Pflegenden melden.

Entfernen eines Dauerkatheters
Indikationen
  • BlasendauerkatheterEntfernen Sofort, wenn Indikation für BlasenkatheterEntfernen einen Blasenverweilkatheter nicht mehr gegeben ist

  • Katheter wechseln: wenn Inkrustationen im Urinableitungssystem auf Ablagerungen im/am Katheter schließen lassen, wenn wegen Reizung der Urethraschleimhaut ein Katheter mit kleinerem Durchmesser angezeigt ist. Bei Dauerkatheterträgern sind grundsätzlich die Herstellerangaben zum Wechsel des Katheters zu berücksichtigen. Auch individuelles Auftreten von Verschmutzungen, Obstruktionen oder Verkrustungen ist zu beachten. Bei längerer Verweildauer Anlage eines suprapubischen Katheters empfehlenswert.

Durchführen
  • Spritze auf Ballonzuleitung aufsetzen, Flüssigkeit aus Ballon vollständig abziehen, Katheter unter leichtem Zug entfernen

  • Evtl. Katheterspitze zur Mikrobiologie schicken. Beobachten: Blutung? Spontane Blasenentleerung?

Vorgehen bei nicht entblockbarem Dauerkatheter
Trotz ständig Blasendauerkatheternicht entblockbarer verbesserter Qualität der Katheter kann es vereinzelt zu Verlegungen oder Verstopfungen des Ballonkanals kommen. Die hier für diesen Fall vorgeschlagenen Lösungen unbedingt mit dem Arzt absprechen, der die entsprechenden Maßnahmen ergreift.
Torsion und Aspiration
  • Leere 10 ml Spritze auf den Ballonzugang aufsetzen

  • Katheter ca. 2 cm distal der Urethraöffnung bzw. über dem Hautniveau (suprapubischer Katheter) festhalten

  • Katheter im gesamten extrakorporalen Verlauf links-rechts drehen (zwirbeln) und kneten

  • Aspirationsversuch durchführen

  • Bei fehlendem Erfolg: Vorsichtig den intrakorporal verlaufenden Katheterteil um seine Achse drehen (nicht bei Thiemannkatheter); Aspirationsversuch durchführen.

Katheterballon sprengen
  • Ballon mit BlasendauerkatheterBallon sprengen Kochsalzlösung oder Luft bis zum Platzen füllen, 70–200 ml je nach Kathetertyp

  • Einspritzen mehrmals durch Aspirationsversuch unterbrechen

  • Bei fortgeschrittener Ballonfüllung auf Schmerzäußerungen achten, z. B. bei Schrumpfblase, ggf. Ballonsprengung abbrechen

  • Nach erfolgreicher Sprengung perforierten Ballon auf Vollständigkeit überprüfen

  • Ggf. in der Blase verbliebene Ballonfragmente durch viel Trinken oder Blasenspülung entfernen. Ggf. Fragmente durch Zystoskopie entfernen.

Katheter kürzen bei vermuteter Störung im extrakorporalen Katheteranteil
  • Katheter ca. 5 cm distal der Urethraöffnung bzw. über Hautniveau (suprapubischer Katheter) mit steriler Schere abschneiden

  • Spontane Ballonentleerung abwarten.

Katheterballon sondieren und ggf. perforieren
  • Eine dünnlumige Sonde, z. B. Mandrin von Ureter- oder zentralem Venenkatheter durch den Ballonkanal einführen, ggf. Gleitmittel verwenden

  • Sonde entfernen und Aspirationsversuch durchführen

  • Bei fehlendem Erfolg: erneut sondieren, Katheter anziehen und festhalten; Sonde bis zur Ballonperforation vorschieben; weiteres Vorgehen (→ Katheterballon sprengen).

Katheterballon perkutan oder transurethral punktieren
Aufgabe eines Urologen.

Beachten

Alle Manipulationen am Katheter müssen unter aseptischen Bedingungen und Wahrung der Intimsphäre des Patienten durchgeführt werden.

Intermittierendes Katheterisieren
Die Harnblase wird Katheterisierungintermittierendetäglich mehrmals durch Einmalkatheterisieren entleert. Bei Beachtung der hygienischen Erfordernisse und Einsatz moderner Katheter werden das Infektionsrisiko und die Belastung durch einen Dauerkatheter vermieden. Der Patient kann das Katheterisieren nach Anleitung selbstständig durchführen.
Indikationen
Vorübergehender Harnverhalt, z. B. postoperative oder funktionelle Entleerungsstörungen, z. B. Querschnittslähmung, Multiple Sklerose.
Material
Siehe Material bei Blasenkatheter.
Zusätzlich: Atraumatischer Einmalkatheter, z. B. beschichtet mit Gleitmittel, z. B. Actreen® Glys Cath, ggf. Kathetersystem zur Selbstkatheterisierung.
Durchführen
Vorgehen wie bei Legen eines Einmalkatheters.
  • Katheterisierungsintervalle werden bestimmt durch:

    • Harndrang bei erhaltener Sensibilität

    • Trinkverhalten des Patienten (Beobachtung, ggf. Einfuhrkontrolle)

  • Evtl. Blasen-Sonografie (batteriebetriebenes Mobilgerät)

  • Patienten zur Selbstkatheterisierung anleiten.

Suprapubischer Blasenkatheter und Blasenpunktion

Die suprapubische Blasendrainage ist dem transurethralen Katheterisieren vorzuziehen. Sie hat diesem gegenüber viele Vorteile:

  • Mechanische Verletzungsgefahr sowie Infektionsgefahr sind geringer

  • Der Intimbereich des Patienten wird nicht tangiert

  • Blasen- und Kontinenztraining wird durch den Katheter nicht behindert

  • Restharnbestimmung lässt sich leicht durchführen.

Indikationen
PunktionHarnblase Blasenpunktion, suprapubische Blasenkathetersuprapubischer Indikationen wie bei transurethralem Blasenkatheter, zusätzlich: Harnröhrenverletzungen und Strikturen.
Kontraindikationen
Nicht palpierbare Blase, nicht füllbare Blase, Blasentumoren, Gerinnungsstörung, Schwangerschaft.
Material
Die Industrie liefert fertige Sets zur Punktion und Katheterisierung, die ein steriles Arbeiten erleichtern.
  • Zur einmaligen Punktion: Rasierer (unsteril), Hände- und Hautdesinfektionsmittel, Handschuhe, Mundschutz, Spritze, ggf. mit Zweiwegehahn, Kanüle (ca. 12 cm), Tupfer, etikettiertes Untersuchungsröhrchen, Verbandmaterial, Abwurfgefäß

  • Zum Katheterisieren: Rasierer (unsteril), Hände- und Hautdesinfektionsmittel, Handschuhe, Mundschutz, Lochtuch, ggf. zur Probepunktion 8–10 mm lange Kanüle und 20 ml Spritze, alles zur Lokalanästhesie, Skalpell, spaltbarer Punktionstrokar, spezielle Katheter mit selbstaufrollender Spitze oder Ballonkatheter, Nahtmaterial, Fixierplatte, geschlossenes Urinableitungssystem, Verbandmaterial, Abwurfgefäß.

Vorbereiten (Pflege)
  • Blase muss gefüllt sein: z. B. durch 500–1 000 ml Flüssigkeit oral, entsprechende Menge als Infusion verabreichen bzw. bei liegendem Blasendauerkatheter diesen abklemmen

  • Unterbauch ggf. rasieren, störende Kleidung entfernen (knapper Slip kann anbleiben)

  • Untersuchungsraum vorbereiten, sterile Arbeitsfläche herrichten, Materialien griffbereit anordnen

  • Lagerung: flache Rückenlage, Becken mit Kissen leicht unterstützen.

Durchführen (Arzt)
  • Patienten über Vorgehen informieren

  • Hände desinfizieren, Punktionsstelle desinfizieren (2–3 cm kranial des Symphysenoberrandes auf der Mittellinie), mit Lochtuch abdecken

  • Lokalanästhesie durchführen, ggf. Probepunktion vornehmen, Katheter in Trokar einführen (Spitze liegt noch innerhalb des Trokars), geschlossenes Urinableitungssystem anschließen

  • Hautschnitt setzen, Trokar einstechen bis Urin fließt, Katheter vorschieben, Trokar zurückziehen, aufsplitten und entfernen, Katheter mit Naht an der Bauchdecke fixieren (Ballonkatheter blocken)

  • Punktionsstelle desinfizieren, Katheter in Fixierplatte einlegen, Kompresse unterlegen, um Druckstellen zu vermeiden, Mullabdeckung oder Folienverband anlegen.

Nachbereiten
  • Patienten ggf. beim Ankleiden unterstützen, Materialien entsorgen, Katheterpflege (Kap. 3.6.1) durchführen

  • Bettruhe bis Komplikationen ausgeschlossen sind, auf Blut im Urin achten.

Komplikationen
Anhaltende Blutung durch Gefäßverletzung bei der Punktion, aufsteigende Infektion mit Nierenschädigung.

Magensonde/Ernährungssonde

Indikationen
SondeMagen SondeErnährungMagensondeMagensonde: Magensaftdiagnostik (ErnährungSonde Magensäuresekretionsanalyse, Tuberkulose), Ableitung von Magensaft (OP-Vorbereitung, prophylaktisch, postoperativ), Entlastung bei gestautem Magensaft oder Blutungen (Magenatonie, Pylorusstenose, Ileus), Spülung nach Vergiftung. Ernährungssonde: Zufuhr von Sondenkost.
Sondenarten
Nasale Sonden
  • Zur Diagnostik einläufige, kurzfristige SondeArten Verweilsonden aus PVC-Kunststoff

  • Zur Entlastung und Ernährung einläufige, langfristige Verweilsonden aus Polyuretan oder Silikonkautschuk

  • Doppelläufige Verweilsonden, 2. Lumen dient zum Spülen und erleichtert das Absaugen, saugt sich nicht an der Magenschleimhaut fest.

Perkutane Sonden (PEG/PEJ Kap. 2.7.6)
  • Indikation: Liegedauer einer enteralen Sonde > 4 Wochen oder einer jejunalen Sonde > 8 Wochen.

Material
Geeignete Sonde, ggf. Klemme mit weichen Branchen, ggf. Verschlussstöpsel bei Nährsonde, anästhesierendes Gleitgel, Schleimhautanästhetikum (Spray), Glas mit Wasser, Nierenschale mit Zellstoff, Schutztuch, Einmalhandschuhe, Mundschutz, 20 ml Spritze, Material zum Fixieren, Indikatorpapier, ggf. Stethoskop, Ableitungsbeutel bei Magensonde, Schutzkittel, Filzstift zur Lagemarkierung der Sonde.
Zur Diagnostik zusätzlich: je nach Methode geeignete Spritze, Proberöhrchen mit Untersuchungsschein.
Vorbereiten
  • Patienten informieren: Grund und Ablauf, Nahrungskarenz bei Diagnostik

  • Patienten vor Blicken schützen (z. B. durch Sichtschutz), besser Untersuchungszimmer

  • Vorbereiten und Bereitlegen der Materialien

  • Oberkörper hochlagern, Nase reinigen, Schutztuch vorlegen, Schleimhautanästhesie durchführen.

Durchführen
  • Patienten entspannen und gleichmäßig durch den Mund atmen lassen, Handschuhe anziehen, Sondenlänge ermitteln: Nasenspitze-Ohrläppchen-Magengrube und mit Stift markieren (Abb. 3.13). Nasenschleimhaut anästhesieren und Sonde mit Gel oder Wasser gleitfähig machen. Patienten Nierenschale in die Hand geben (Brechreiz)

  • Sonde durch den unteren Nasengang bis kurz oberhalb der Epiglottis einführen, den Patienten auffordern, den Kopf nach vorne zu neigen und zu schlucken. Bei jedem Schluckakt die Sonde ein Stück vorschieben, ggf. Schluckakt durch Trinken von Wasser unterstützen (nicht bei Magensaftdiagnostik!)

  • Bei Anzeichen einer Zyanose oder bei starkem Husten die Sonde bis oberhalb der Epiglottis zurückziehen, kurze Pause einlegen und erneut sondieren

  • Bei Erfolglosigkeit Mund-Rachenraum inspizieren, um zu prüfen, ob sich die Sonde im Mund aufrollt

  • Sonde bis zur Markierung 50–60 cm einführen, Lage der Sonde kontrollieren: Sekret aspirieren, Säurenachweis mit Indikatorpapier führen (pH 7 = Duodenum, pH < 2 = Magen), ggf. Luft durch die Sonde insufflieren und mit Stethoskop das entstehende Geräusch lokalisieren, im Zweifelsfall Röntgenkontrolle anfordern, bei Sekretstau bestätigt der beginnende Sekretfluss die korrekte Lage

  • Bei Entlastungssonde Auffangbeutel anschließen

  • Verweilsonde an Nasenrücken und Wange mit Pflasterstreifen fixieren (Abb. 3.13).

Nachbereiten
  • Mund ausspülen lassen, über Umgang mit liegender Sonde und Ableitung informieren, entspannt lagern

  • Materialien entsorgen (Kontakt mit Sekret meiden)

  • Je nach ärztlicher Anordnung Sonde abklemmen oder Sekretabfluss ermöglichen.

Sondenpflege
Regelmäßig Lage kontrollieren (Markierung auf der Sonde), wegen Gefahr von Druckgeschwüren regelmäßig Fixierung lösen und in andere Richtung neu fixieren (ggf. mehrmals tgl.), Nasenpflege (Kap. 2.3.3).
Entfernen der Sonde
Einmalhandschuhe und Mundschutz anziehen, Sonde SondeEntfernen verschließen, Fixierung lösen; Zellstoff in eine Hand nehmen, Patient atmet tief ein, hält die Luft an oder atmet aus, dabei Sonde gleichmäßig in einem Zuge herausziehen, mit Zellstoff aufnehmen, entsorgen, Mund ausspülen lassen, Nasenpflege durchführen, Pflasterreste entfernen.

Literaturhinweise

Hegeholz

D. Hegeholz Hygienische Anforderungen bei unterschiedlichen Harnableitungsverfahren: Infektionen vermeiden Pflegezeitschrift 1/2011 22 24

Tauber and Jung, 2014

R. Tauber C. Jung Urologie in Frage und Antwort 2014 Elsevier Verlag München

Zimmermann, 2011

B. Zimmermann Enterale Ernährung und Medikamentengabe über die Sonde 2011 Kohlhammer Verlag Stuttgart

Maßnahmen zur Diagnose

Labordiagnostik

Bakteriologische Untersuchungen
Material
  • Untersuchung, bakteriologische Sterile Materialträger (Urikult®, Labordiagnostik Blutkulturen, Nährböden für Abstriche, Kochsalzlösungen, andere Medien in Absprache mit Labor)

  • Instrumente zur Probenentnahme: z. B. Spritze und Kanüle für Blut; sterile Schere und Pinzette für Katheterspitze; sterile Abstricheinheit

  • Sterile Handschuhe und Mundschutz, z. B. für Abstriche.

Durchführen
Die Gewinnung von Probenmaterial kann an das Pflegepersonal delegiert werden, z. B. Uringewinnung, venöse Blutentnahmen und Abstriche (Tab. 3.6).
  • Versandbehälter etikettieren (Name und Geb.-Datum des Patienten, Station, Datum der Entnahme). Was wurde wo entnommen: z. B. Abstrich der Wunde am linken Unterarm

  • Anforderungsschein vom Arzt ausfüllen lassen (Art der Untersuchung, Fragestellung, Verdachtsdiagnose, Symptomatik)

  • Patienten informieren

  • Blutentnahme, z. B. für Blutkulturen (Kap. 3.1.7)

  • Gewinnung von Mittelstrahl- oder Katheterurin (Kap. 3.6.1)

  • Abstriche, z. B. Wund- oder Nasenabstrich: mit sterilem Stieltupfer abstreichen und in das Röhrchen mit dem Nährboden stecken (meist steriles Set in Verpackung, Griff des Stieltupfers ist der Verschluss des Versandröhrchens). Venenkatheterspitzen nach dem Entfernen des Katheters (Arzt) aseptisch direkt ins Versandröhrchen abschneiden

  • Probenmaterial nach der Entnahme sofort ins Labor bringen (lassen)

  • Maßnahme und Ergebnis dokumentieren.

Blutgasanalyse (BGA)
Indikationen
Diagnose von Lungen- und Atemwegserkrankungen, z. B. bei Lungenfunktionsprüfung. Effektivitätskontrolle bei Beatmung, Differenzialdiagnose bei Störungen des Säure-Basen-Haushalts (Kap. 3.4.3).
Material
BGA-Röhrchen oder heparinisierte 2 ml Spritze, Arterienkanüle (z. B. FlowSwitch), Hände- und Hautdesinfektionsmittel, sterile Handschuhe, Tupfer.
Für arterialisiertes Kapillarblut: Hyperämisierende Salbe (z. B. Finalgon®), Sicherheitslanzette (z. B. MiniCollect®), Handschuhe, Tupfer.
Durchführen
Arzt
  • Arterielles Blut: Arterie punktieren (Kap. 3.1.1), Aufziehen in heparinisierter Spritze (10 IE Heparin pro ml), Spritze luftdicht verschließen

  • Venöses Blut (Kap. 3.1.7).

Pflege
  • Vorbereiten: Material, Punktionsstelle freimachen, ggf. assistieren

  • Beschriftetes BGA-Röhrchen gekühlt ins Labor transportieren lassen oder ins BG-Analysegerät auf der Station eingeben

  • Nachbereiten: Punktionsstelle auf Nachblutungen beobachten, Maßnahme und Ergebnis dokumentieren (Kap. 3.1.1)

  • Arterialisiertes Kapillarblut: Ohrläppchen hyperämisieren, Salbenreste abwischen, Ohrläppchen inzidieren, 1. Blutstropfen abwischen, Blut mit Kapillare aufsaugen, Kapillare in Analysegerät einführen, Punktionsstelle komprimieren (Patient).

Tipps, Tricks und Fallen

Zur exakten Beurteilung der BGA-Werte:

  • Bei beatmeten Patienten die Sauerstoffkonzentration angeben

  • Bei Fieber die Körpertemperatur angeben.

Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit
Indikation
Akute und Blutkörpersenkungsgeschwindigkeit (BSG, BKS, BSR)chronische Entzündungen, Nekrosen (z. B. Herzinfarkt), Bluterkrankungen, Lebererkrankungen, Tumoren (Tab. 3.7).
Material
Alles zur venösen Blutentnahme, Senkungsröhrchen mit Zitratzusatz, Senkungskapillare mit Ständer, Kurzzeitwecker.
Durchführen
  • Venöses Blut abnehmen (Kap. 3.1.7)

  • Blut und Zitratzusatz durch Kippen des Senkungsröhrchens mischen, Senkungskapillare bis zum Nullpunkt füllen, in den Senkungsständer stellen, nach einer Stunde Sedimentationswert ablesen, evtl. nach einer weiteren Stunde erneut ablesen (selten).

Tipps, Tricks und Fallen

  • Nach großen, eiweißreichen Mahlzeiten und in der Schwangerschaft ist die Blutsenkungsgeschwindigkeit erhöht

  • Hohe Temperaturen und Erschütterungen verfälschen den Senkungswert

  • Auffälligkeiten, z. B. milchiges Plasma (erhöhte Blutfette), keine klare Trennung von Plasma und festen Blutbestandteilen (Hämolyse) dokumentieren.

Beachten

  • Alternativ zur BSG wird häufig das C-reaktive Protein (CRP) bestimmt. Es ist wie die BSG ein unspezifischer Parameter für akute Entzündungen. Vorteil: ein CRP-Anstieg ist bereits vor Fieber und Leukozytose nachweisbar. CRP Normalwert ≅ 5–10 mg/l.

    CRP ↑ 10–40 mg/l → Verdacht auf Virusinfektion; geringgradige Entzündung; Schwangerschaft

    CRP ↑ 40–200 mg/l → akute Entzündung, bakterieller Infekt

    CRP ↑ > 200 mg/l → schwere Infektion; Verbrennungen

  • Besonders in der Intensivmedizin wird Procalitonin (PCT) zur Kontrolle bestimmt, um Entzündungen und bakterielle Infekte (z. B. Sepsis) frühzeitig zu erkennen.

Blutzuckerbestimmung (BZ)
Blutzuckerprofil Die Blutzuckerbestimmung (BZ) Blutzuckerbestimmung (BZ) kann durchgeführt werden:
  • Beim nüchternen Patienten

  • Postprandial (nach der Mahlzeit)

  • Als Blutzucker-Tagesprofil

Tipps, Tricks und Fallen

Nächtliche BZ-Kontrollen können notwendig werden, wenn:

  • Morgendliche hohe BZ-Werte auf eine nächtliche Hypoglykämie hinweisen (Somogyi-Effekt)

  • Der BZ-Wert zwischen 3 und 7 Uhr infolge von Glukosefreisetzung aus der Leber ansteigt (Dawn-Phänomen).

Material
  • Blutzuckerschnelltest: Hände- und Hautdesinfektionsmittel, Handschuhe, Tupfer, Sicherheitslanzette (z. B. MiniCollect®), Test-Stix, Messgerät

  • Aus dem Venenblut: (Kap. 3.1.7) Spezialröhrchen mit Gerinnungs- und Glukosehemmer (Natriumflorid).

Methoden
Blutzuckerschnelltest mit dem Glucometer
  • Glucometer Blutzuckerschnelltest Gebrauchsanleitung Stix siehe Blutzuckerschnelltestlesen, Anwendung variiert von Gerät zu Gerät

  • Kapillarblut aus dem Ohrläppchen oder der Fingerkuppe entnehmen: Haut desinfizieren. Desinfektionsmittel ohne Alkohol verwenden, da sonst Verfälschung der Messwerte

  • Hände desinfizieren, Schutzhandschuhe anziehen, mit Sicherheitslanzette einstechen

  • Den 1. Blutstropfen abwischen, den 2. Blutstropfen zur BZ-Bestimmung verwenden

  • Einstichstelle mit dem Tupfer komprimieren, ggf. Pflaster aufkleben

  • Ergebnis dokumentieren.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Bei Anbruch einer neuen Packung mit Teststreifen das Gerät ggf. neu codieren

  • Seitlich an der Fingerkuppe einstechen, Einstiche in die Tastfläche sind schmerzhaft

  • Blut ohne Druck auf das Testfeld tropfen lassen, Einstichstelle nicht quetschen (Verfälschung der Messwerte), das Testfeld nicht mit der Haut berühren

  • Bei kritischen Werten BZ-Bestimmung wiederholen, ggf. BZ aus dem Venenblut bestimmen.

Gesundheitsförderung und Prävention
Die Patienten erhalten von Glukose-Toleranztest, oralerden Pflegenden bzw. in der Diabetesberatung Informationen zur korrekten BZ-Bestimmung:
  • Hinweise zu den unterschiedlichen Methoden der BZ-Bestimmung

  • Hinweise zur korrekten Blutgewinnung, z. B. Benutzung von Sicherheitslanzetten

  • Hinweise zum Umgang mit dem Messgerät und den Test-Stix, z. B. Codierung des Geräts.

Tipps, Tricks und Fallen

  • ¼-jährliche Funktionskontrolle des Messgeräts anhand von Vergleichen mit Messergebnissen des Labors beim Hausarzt

  • Benutzung eines Spiegels bei der Blutentnahme aus dem Ohrläppchen.

Blutzucker bestimmen aus dem Venenblut
  • Laboranforderungsschein ausfüllen

  • Venenblut abnehmen lassen (Arzt)

  • Blut zum Labor schicken.

HbA1c Bestimmung: erlaubt Rückschlüsse auf die BZ-Einstellung der letzten acht bis zwölf Wochen. Normalwert: 30 mmol/mol (5 %); Empfehlung der Deutschen Diabetes Gesellschaft: bei Typ-1-Diabetes HbA1c < 58 mmol/mol (7,5 %), bei Typ-2-Diabetes 48–58 mmol/mol (6,5–7,5 %).
Oraler Glukosetoleranztest (Kap. 12.6)

Beachten

Point-of-Care-Test (POCT) = Patientennahe Laboruntersuchungen: Für immer mehr Laboruntersuchungen, z. B. BZ-Bestimmung, Schwangerschaftstest, Koagulationstest, Herz-Kreislauf-Parameter, Infektionsnachweise, stehen kompakte Analysegeräte zur Verfügung, die auf der Station vom Pflegepersonal bedient werden und so schnell, auf kurzen Wegen Ergebnisse liefern.

Für das Pflegepersonal ergeben sich daraus zusätzliche Verpflichtungen:

  • Aneignen von Hintergrundwissen über die Untersuchungen

  • Kenntnisse der Normal- und Grenzwerte

  • Regelmäßige Teilnahme an Einweisungen in die Geräte.

Endoskopie

Mittels Präzisionsinstrumenten, ausgestattet mit Optiken, Beleuchtung, Kamera und Bildübertragungssystemen werden Körper- und Organhohlräume zur Diagnosestellung und/oder Therapie inspiziert. Oftmals kann dem Patienten durch eine endoskopisch durchgeführte Operation eine mit höheren Risiken verbundene offene Operation erspart werden (Minimalinvasive Chirurgie).
Eine Sonderform ist die „Kapselendoskopie“, bei der eine Minikamera, verpackt in einer Kapsel, geschluckt wird. Auf dem Weg durch den Gastrointestinaltrakt werden Filmaufnahmen angefertigt.

EndoskopieDie Assistenz bei endoskopischen Untersuchungen wird von eigens dafür ausgebildetem Pflegepersonal übernommen. Für das Stationspersonal ergeben sich hauptsächlich Aufgaben in der Vor- und Nachbereitung. Hausinterne Regelungen sind zu beachten.

Durchführen
Auf der Station
Vorbereiten
  • Patienteninformation unterstützen

  • Gerinnungsparameter kontrollieren lassen (Quick, PTT, PTZ, Thrombozytenzahl)

  • Ggf. nach Arztanordnung Blutgruppe bestimmen lassen und Konserve bestellen; besser Eigenblutspende initiieren

  • Patienten nüchtern lassen, Zeit für Toilettengang geben, Zahnersatz herausnehmen, ggf. OP-Hemd anziehen

  • Nach Arztanordnung Prämedikation verabreichen

  • Transport zur Endoskopieabteilung oder OP veranlassen.

Nachbereiten
  • Patienten von der Endoskopieabteilung oder OP abholen, Informationen über Untersuchungsergebnisse, Arztanordnungen und Patientenbefinden erfragen

  • Krankenbeobachtung und Vitalfunktionskontrollen auf Ausmaß und Belastung des Eingriffs abstimmen

  • Bettruhe und Nahrungskarrenz nach Arztanordnung einhalten lassen.

Arthroskopie
Indikationen
  • EndoskopieArthroskopie Diagnostik: z. B. Inspektion eines Gelenks Arthroskopie zur DD, Biopsie von Probenmaterial zur bakteriologischen, serologischen und histologischen Untersuchung

  • Therapeutisch: z. B. Gelenkergussentfernung, minimalinvasive Meniskus-OP.

Material
Steht in der Regel steril als OP-Sieb zur Verfügung, Materialien zur Sicherstellung der Asepsis (Kap. 16.1), alles zur Lokalanästhesie, CO2, beschriftete Untersuchungsröhrchen, ggf. Schiene, Videoanschluss zur Bildschirmübertragung, evtl. Gerätschaften zur Blutsperre.
Durchführen
Auf der Station
  • Vorbereiten: wie zur OP (Kap. 16.2), Knie rasieren

  • Nachbereiten: nach Arztanordnung kühlen, hochlagern, mobilisieren; Verband auf Nachblutungen kontrollieren, Knieumfang an markierter Stelle regelmäßig messen, auf Infektionszeichen achten.

In der Endoskopieabteilung oder im OP
Patienten lagern, z. B. Kniegelenk: Rückenlage, Knie in 90° Winkel frei hängend, Oberschenkel fixiert; Ellenbogengelenk: Rückenlage, Arm seitlich auf eine Unterlage ausgelagert. Diese Eingriffe werden oft in Blutleere durchgeführt.
Arzt
Punktionsstelle desinfizieren, abdecken, Lokalanästhesie setzen, wiederholt desinfizieren, Hautschnitt setzen, Trokar einführen, Saug-Spül-System anschließen, Spiegelung durchführen. Nach beendeter Spiegelung Kompressionsverband anlegen, Gelenk auf Schiene ruhigstellen.
Bronchoskopie
Indikationen
DDEndoskopieBronchoskopie einer Lungenerkrankung, PE (z. B. Bronchoskopie Bronchial-Karzinom), Lasertherapie, präoperativ (Lungenresektionen), diagnostische oder therapeutische Bronchiallavage, Fremdkörperextraktion.
Material
  • Flexibles oder starres Bronchoskop (je nach geplanter Maßnahme)

  • Schleimhautanästhetikum, beschriftete Untersuchungsröhrchen

  • Ggf. alles zur Allgemeinanästhesie, zur Lavage.

Durchführen
Auf der Station
Vorbereiten
  • Patienten durch den Arzt aufklären, Einverständniserklärung unterschreiben lassen

  • Auf Arztanordnung: Röntgen-Thorax und Lungenfunktionsprüfung veranlassen; BB, Gerinnungsstatus (Quick, TZ, PTT), Blutgruppe, arterielle BGA, evtl. Eigenblutspende initiieren oder Ery-Konzentrate bestellen

  • Termin mit Endoskopieabteilung absprechen

  • Patienten wie zur OP vorbereiten (Kap. 16.2)

  • Patienten nüchtern lassen, Zahnprothesen entfernen (lassen), Toilettengang ermöglichen

  • Ggf. Prämedikation verabreichen.

Nachbereiten
  • Patienten für 1–2 h Bettruhe einhalten lassen, bei Vollnarkose bis zur vollständigen Wiedererlangung der Orientierung

  • Für 2 h oder bis zum Abklingen der Lokalanästhesie Nahrungskarenz einhalten lassen

  • Aspirationsprophylaxe durchführen (Kap. 2.7.5)

  • Vitalzeichen engmaschig kontrollieren, auf Atembeschwerden und blutiges Sputum achten und Patienten informieren, sich bei Veränderungen sofort zu melden.

In der Endoskopieabteilung oder im OP
  • Bronchoskopie mit starrem Bronchoskop in Allgemeinnarkose durch den Arzt, mit flexiblem Bronchoskop unter Schleimhautanästhesie und Sedierung

  • Gewinnung von Sekret, Zellen und Mikroorganismen mittels bronchoalveolärer Lavage zur Diagnose.

Komplikationen
  • Heiserkeit

  • Atemstillstand, Laryngospasmus

  • Herzrhythmusstörung und -stillstand.

Ösophagogastroduodenoskopie, ggf. mit ERCP
Indikationen
DDGastroskopie bei Verdacht auf Ulcus EndoskopieGastroskopie ventriculi, Ulcus duodeni, Magen-Karzinom; therapeutisch: Blutstillung, Abtragen von Polypen, ERCP (endoskopisch-retrograde Cholangio-ERCPPankreatikografie).
Durchführen
Auf der Station
Vorbereiten
  • Den Patienten vom Arzt aufklären, Einverständniserklärung unterschreiben lassen

  • Termin mit Endoskopieabteilung absprechen

  • Gerinnungsstatus (Quick, TZ, PTT), Blutgruppe, evtl. Eigenblutspende initiieren oder Ery-Konzentrate bestellen

  • Patienten wie zur OP vorbereiten (Kap. 16.2), den Patienten nüchtern lassen, ihn auffordern, Zahnprothesen zu entfernen und zur Toilette zu gehen

  • Entschäumer, z. B. Endo-Paraktol® und ggf. Prämedikation verabreichen.

Nachbereiten
  • Den Patient für 1–2 h Bettruhe einhalten lassen, bei Narkose bis zur vollständigen Wiedererlangung der Orientierung

  • Für 2 h oder bis zum Abklingen der Lokalanästhesie Nahrungskarenz einhalten lassen, Aspirationsprophylaxe durchführen (Kap. 2.7.5)

  • Vitalzeichen engmaschig kontrollieren, auf gastrointestinale Beschwerden und blutigen Stuhl achten, Patienten informieren, sich bei Stuhlveränderungen sofort zu melden

  • Nach ERCP ggf. auf Arztanordnung Amylase im Blut bestimmen lassen.

In der Endoskopieabteilung oder im OP
Ösophagogastroduodenoskopie, Biopsie, Gewebeabtragung und evtl. ERCP durch den Arzt.
Komplikationen
  • Blutungsgefahr

  • Darmperforation mit Peritonitis

  • Aspirationspneumonie.

Laparoskopie
Indikationen
Laparoskopie Diagnostik bei Verdacht auf Erkrankungen der EndoskopieLaparoskopie Bauchorgane, bei gynäkologischen Erkrankungen; Leber- und Milzpunktion. Therapeutisch, z. B. Cholecystektomie, Leistenhernie, Darmerkrankungen, Magen-, Leberresektionen, Nieren-, Nebennierenerkrankungen. Erkrankungen im kleinen Becken der Frau, z. B. Erkrankungen der Eierstöcke und Eileiter, Verwachsungen, Myome, Erkrankungen des Uterus.
Durchführen
Auf der Station
Vorbereiten
  • Den Patienten vom Arzt aufklären, Einverständniserklärung unterschreiben lassen

  • Termin mit Endoskopie-, bzw. OP-Abteilung absprechen

  • Gerinnungsstatus (Quick, TZ, PTT), Blutgruppe, evtl. Eigenblutspende initiieren oder Ery-Konzentrate bestellen

  • Patienten wie zur OP vorbereiten (Kap. 16.2), abführen oder orthograde/retrograde Darmspülung durchführen, nüchtern lassen

  • Bauchdecke rasieren, reinigen, Bauchnabel evtl. desinfizieren

  • Blase und Darm entleeren, Zahnprothesen entfernen lassen

  • Ggf. Prämedikation auf Anordnung des Arztes verabreichen.

Nachbereiten
  • Vitalzeichen und Befinden des Patienten beobachten

  • Verband auf Nachblutungen kontrollieren, nach Biopsie Einstichstelle mit Sandsack komprimieren

  • Erstes Aufstehen und evtl. Toilettengang nach 4–6 Stunden veranlassen

  • Nahrungskarenz nach Arztanordnung, sonst am OP-Tag abends flüssige Kost, am nächsten Tag Vollkost reichen

  • Ggf. Schmerzmittel verabreichen. Vom Bauchraum ausgehende und bis in den Nacken ausstrahlende Schmerzen werden durch das insufflierte Gas ausgelöst und sind nicht besorgniserregend

  • Evtl. spezielle, durch die Art der Operation bedingte, Maßnahmen gemäß Arztanordnung durchführen.

Im OP
  • Um Platz im Bauchraum zu erhalten, Gas insufflieren, über eine Inzission nahe des Bauchnabels das Laparoskop einführen, evtl. durch weitere Inzisionen zusätzliche Instrumente einführen, geplante Maßnahme durchführen

  • Ergeben sich während des Eingriffs Umstände, die die Möglichkeiten der endoskopischen Chirurgie übersteigen, zur Laparotomie übergehen.

Komplikationen
  • Nachblutungen (Bauchdecke, intraabdominal)

  • Kreislaufversagen

  • Verletzung von Bauchorganen

  • Peritonitis.

Rektoskopie, Koloskopie
Indikationen
DDRektoskopie Verdacht auf EndoskopieRektoskopie Karzinom, Blutungen, M. Crohn, Hämorrhoiden, Fisteln, Polypen.
Durchführen
Auf der Station
Vorbereiten
  • Den Patienten vom Arzt aufklären, Einverständniserklärung unterschreiben lassen

  • Termin mit Endoskopieabteilung absprechen

  • Gerinnungsstatus (Quick, TZ, PTT) veranlassen

  • Rektoskopie: Am Vortag leichte Kost reichen

  • Am Behandlungstag nüchtern lassen, Darm mit 1–2 Klistieren reinigen

  • Koloskopie: fünf Tage vor Untersuchung leichte Kost (ballaststoffarm) reichen, am Vortag der Untersuchung, Darm mittels retrograder Darmspülung reinigen, evtl. zusätzlich Laxanzien nach Arztanordnung verabreichen, am Untersuchungstag nur etwas Flüssigkeit anbieten. Medikamente dürfen eingenommen werden.

Nachbereiten
  • Bettruhe für mind. 2 h einhalten lassen

  • Vitalzeichen kontrollieren, auf Blut im Stuhl und Abwehrspannung am Bauch achten

  • Nach Hämorrhoidal-OP: Vorlagen mit Vaseline oder Bepanthen®-Salbe anbieten, für weichen Stuhl sorgen z. B. mit Agiolax® (Arztanordnung), vor Stuhlgang Schmerzmittel verabreichen.

In der Endoskopieabteilung oder im OP
Zur Rektoskopie führt der Arzt ein starres oder flexibles Rektoskop ein; für bessere Sicht wird Luft in das Rektum eingepumpt; anschließend erfolgt die Untersuchung und ggf. Biopsie und/oder operative Maßnahme, z. B. Abtragen von Polypen.
Zur Koloskopie wird ein flexibles Koloskop verwendet.
Komplikationen
  • Perforation der Darmwand

  • Nachblutungen.

Funktionsdiagnostik

Funktionsdiagnostische Untersuchungen werden in speziell dafür eingerichteten Funktionsdiagnostikabteilungen durchgeführt mit eigens dafür ausgebildetem Personal. Für das Stationspflegepersonal ergeben sich Aufgaben in der Vor- und Nachbereitung. Die hausinternen Vorbereitungsmaßnahmen sind zu beachten.

Echokardiografie
Ultraschalluntersuchung des Herzens, bei der die Herzaktionen in Echtzeit betrachtet und bewertet werden. Die Technik ermöglicht es dem Arzt, alle Strukturen des Herzens zu vermessen. Durch Zuschalten der Farb-Doppler-Funktion lassen sich zusätzlich Fließrichtung und -intensität des Blutes messen.
Indikationen
Funktionsdiagnostik Nachweis eines Herzfehlers (z. B. EchokardiografieKlappenvitien, Septumdefekte), Prüfung der Herzfunktion, V. a. Thromben im Herzen, Endokarditis, Klappenveränderungen oder Perikarderguss.
Methoden
  • Transthorakale Echokardiografie: der Ultraschallkopf wird auf die Brustwand aufgelegt

  • Transösophageale Echokardiografie: nach Sedierung wird der Ultraschallkopf durch die Speiseröhre in Herznähe positioniert

  • Kontrastechokardiografie: vor der Untersuchung wird entweder ein Rechtsherz-, oder Linksherzkontrastmittel i. v. verabreicht. Das Linksherzkontrastmittel ist lungengängig und gelangt so in das linke Herz

  • Belastungsechokardiografie: nach Belastung des Herzens, entweder mittels Fahrradergometer oder durch Injektion von Katecholaminen, z. B. Dobutamin. Zur weiteren Steigerung der Herzfrequenz kann zusätzlich Atropin injiziert werden.

Durchführen
Arzt
Den Patienten aufklären, Einverständniserklärung unterschreiben lassen; Patienten sedieren bei Transösophagalem Echo; Katecholamine beim Belastungsecho und Kontrastmittel beim Kontrastecho i. v. injizieren.
Pflege
  • Termin mit der Funktionsabteilung absprechen

  • Zum Transösophagalen Echo Patienten nüchtern lassen, Toilettengang ermöglichen, Zahnprothesen herausnehmen lassen; nach der Untersuchung: Bettruhe und Nahrungskarenz bis zur vollständigen Wiedererlangung der Orientierung, Vitalzeichen überwachen

  • Nach Kontrastecho auf Allergiesymptome achten, Vitalzeichen kontrollieren.

EEG (Elektroenzephalogramm)
Elektroden werden an vorbestimmten Stellen der Kopfhaut angebracht, elektrische Spannungen der Hirnrinde werden abgeleitet, verstärkt und aufgezeichnet. Die EEG-Kurven werden vom Arzt ausgewertet.
Indikationen
DDElektroenzephalografie (EEG) bei Verdacht auf EEG (Elektroenzephalografie)hirnorganische Schäden, Tumor, neurologische Störungen, Bewusstseinsstörungen, zur Ergänzung von Schlaflaboruntersuchungen, Feststellung des sog. Hirntodes im Zusammenhang mit einer Organspende.
Durchführen
Arzt
Den Patienten aufklären, Einverständniserklärung unterschreiben lassen, ggf. sedierende Medikamente für den Untersuchungszeitraum aussetzen.
Im Rahmen der Hirntoddiagnostik: Angehörige unterrichten, Möglichkeit der Organspende bedenken, nach Organspendeausweis fragen, liegt keine Willenserklärung des Verstorbenen vor, Zustimmung der nächsten Angehörigen zur Organspende erbitten.
Pflege
Evtl. Haare waschen (Kap. 2.3.3), Patienten auch bei Wartezeiten die Einnahme der Mahlzeiten ermöglichen, um Unterzuckerung zu vermeiden. Ängstliche Patienten zur Untersuchung begleiten.

Beachten

Ist ein Patient während der EEG-Ableitung sediert, muss dies dem befundenden Arzt mitgeteilt werden (Befundverfälschung).

Ruhe-, Belastungs-, Langzeit-EKG
Elektroden werden an vorbestimmten Stellen der Brustwand und an den Extremitäten angebracht, elektrische Spannungen der Erregungsleitung am Herzen werden abgeleitet, verstärkt und aufgezeichnet. Die EKG-Kurven werden vom Arzt ausgewertet.
Indikationen
DDElektrokardiografie (EKG) Verdacht auf EKG (Elektrokardiografie)Herzerkrankungen, z. B. Herzinfarkt, Rhythmusstörungen; Schrittmacherkontrolle; Monitoring während Operationen, in der Intensivbehandlung und bei Notfallversorgung.
Material
EKG-Gerät, Rolle Millimeterpapier, Kabel mit 10 Ableitungen: 6 Brustwand- und 4 Extremitätenableitungen, Klemm- bzw. Saugelektroden oder selbstklebende Einmalelektroden, Elektrodengel. Einmalelektroden enthalten bereits Gel unter der Folie.
Vorbereiten
  • Je nach Allgemeinzustand den Patienten in die Funktionsabteilung schicken oder mit dem Bett oder Rollstuhl dorthin bringen

  • Im Notfall mobiles EKG-Gerät zum Patienten beordern.

Durchführen
  • Patientendaten und Datum in das Gerät eingeben

  • Oberkörper, Hand- und Fußgelenke freimachen

  • Saugelektroden anbringen und mit den Elektrodenkabeln des Geräts verbinden

  • Patient auffordern sich nicht zu bewegen, Gerät starten.

Bipolare Extremitätenableitungen nach Einthoven
Extremitätenableitungen nach Einthoven Elektroden 2 cm Einthoven, Extremitätenableitung oberhalb der Fuß- und Handgelenke an der Innenseite anbringen. Ampelfarben im Uhrzeigersinn beginnend am rechten Arm:
  • 1 re. Arm → rot

  • 2 li. Arm → gelb

  • 3 li. Fuß → grün

  • 4 re. Fuß → schwarz.

Unipolare Brustwandableitungen nach Wilson
Wilson, Brustwandableitung Elektroden (Abb. 3.14) in Brustwandableitungen nach Wilson folgender Reihenfolge auf der Brust anbringen:
  • V1 4. ICR parasternal re.

  • V2 4. ICR parasternal li.

  • V3 zwischen V2 und V4

  • V4 5. ICR Medioklavikularlinie li.

  • V5 vordere Axillarlinie Höhe V4 li.

  • V6 mittlere Axillarlinie Höhe V4 li.

Nachbereiten
  • Qualität des EKGs beurteilen (verwackelt, verpolt, Linien in richtiger Position)

  • Alle Ableitungen entfernen, Gel abwischen, Patienten ankleiden (lassen), Klemm- bzw. Saugelektroden reinigen und desinfizieren

  • EKG dem Arzt zur Befundung vorlegen, Befunde in Patientendokumentation aufnehmen.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Wenn das EKG mit Filter geschrieben wurde, dies unbedingt auf dem EKG vermerken

  • Bei Patienten mit amputierten Gliedmaßen beide Elektroden auf gleicher Höhe (z. B. Oberschenkel) anlegen

  • Bei starken Störungen durch Muskelzittern, z. B. bei M. Parkinson, Elektroden am proximalen Oberarm und -schenkel befestigen

  • Bei Säuglingen filtern besonders störarme Geräte Bewegungsartefakte aus bzw. kennzeichnen diese.

Belastungs-EKG
Im Anschluss an ein Ruhe-EKG kann der Patient mithilfe eines Fahrradergometers einer definierten Belastung ausgesetzt werden, die kontinuierlich unter RR- und Pulskontrolle gesteigert wird. Während der Belastung und noch ca. 10 min darüber hinaus wird das Belastungs-EKG geschrieben.
Indikationen
Gesundheitscheck, Sportuntersuchungen, Verlaufskontrolle bei Herzerkrankungen, z. B. Herzrhythmusstörungen, Hypertonie, Infarkt oder nach Herz-OP.
Durchführen
Patienten anleiten, EKG-Gerät bedienen, RR, Puls und Allgemeinbefinden kontrollieren, bei Komplikationen Belastung abbrechen, EKG weiter schreiben, Arzt sofort informieren.
Komplikationen
Blutdruckanstieg über 250/130 mmHg, Blutdruckabfall mit Schwindel und Schocksymptomatik, Luftnot mit Zyanose und Angina pectoris.
Langzeit-EKG (24 Std.)
Ein z. B. am Gürtel befestigter und mit selbstklebenden Brustwandelektroden verbundener EKG-Rekorder zeichnet die elektrischen Spannungen der Erregungsleitung kontinuierlich über 24 Std. auf.
Indikationen
Diagnose von Herzrhythmusstörungen, Synkopen, stummen Infarktsymptomen; Überwachung der Schrittmacherfunktion, der medikamentösen Therapie, z. B. bei Rhythmusstörungen, der Herzfunktion nach Herzoperation.
Durchführen
Patienten über die Funktion und Trageweise des Langzeit-EKG-Geräts informieren, ihn anweisen, einen normalen Tagesablauf zu gestalten, ihm einen Protokollbogen aushändigen, in den er Besonderheiten, z. B. Phasen der besonderen Belastung, der Ruhe oder auch Beschwerden unter Angabe der Zeit, eintragen soll.
Lungenfunktionsprüfungen (Lufu)
Lungenfunktionsprüfung (Lufu)Es wird die Lufu (Lungenfunktionsprüfung) mechanische Leistungsfähigkeit der Lunge gemessen. Mithilfe der Messwerte kann der Arzt Lungenkrankheiten diagnostizieren, Krankheitsverläufe einschätzen und Rückschlüsse auf die Leistungsfähigkeit der Lunge ziehen, z. B. vor Operation.
Indikationen
Unklare Lungen- und Atemwegserkrankungen (liegt eine obstruktive oder eine restriktive Ventilationsstörung vor?), Allergiediagnostik: Expositions- und Provokationstests, präop. Beurteilung, Therapiekontrolle, Begutachtung der Lungenfunktion (Tab. 3.8).

Definition

Obstruktion: Atemwegsverengung mit erhöhtem Strömungswiderstand. Restriktion: Verminderung des leistungsfähigen Lungengewebes.

Durchführen
Arzt (Lungenfacharzt)
Den Patienten aufklären, Ergebnisse auswerten, Therapie initiieren oder bestehende Therapie ggf. korrigieren, Gutachten erstellen, Expositions- und Provokationstests eigenhändig durchführen.
Pflege
  • Vorbereiten: Termin mit der Funktionsabteilung absprechen, Gewicht, Körpergröße, Alter und Geschlecht feststellen und dokumentieren

  • Nachbereiten: Befunde in Patientendokumentation aufnehmen

  • Bei Patienten nach Expositions- und Provokationstests die Atmung beobachten

  • Patienten zur Selbstkontrolle in der Handhabung des Peak-Flow-Meters einführen.

Spirometrie
Statische Volumina
  • Vitalkapazität (VK): Maximal Vitalkapazität ventilierbares Lungenvolumen

    • Typische Werte: Mann > 5,0 l; Frau > 4,0 l

  • Residualvolumen (RV): Nicht Residualvolumen ventilierbares Volumen, das nach max. Exspiration in der Lunge verbleibt

    • Typische Werte: 1–200 ml

  • Totalkapazität (TK): Summe aus VK + RV

    • Totalkapazität Typische Werte: Mann 6–7 l, Frau 5–6 l.

Dynamische Volumina
  • Forciertes exspiratorisches Volumen (FEV1) (Atemstoßtest oder Tiffeneautest), die Luft, die der Patient nach vorheriger tiefsten Einatmung innerhalb einer Sekunde ausatmen kann, gemessen mit dem Peak-Flow-Meter

  • Tiffeneauwert: Ist die Einsekundenkapazität bezogen auf Tiffeneauwert die Vitalkapazität (FEV1/VC), Normalwert ≅ 70 %. FEV1 und Tiffeneauwert sind Obstruktionsparameter

  • Bronchospasmolysetest: Durch Bronchospasmolysetest Wiederholung des Tiffeneautest nach vorheriger Inhalation eines β2-Sympathikomimetikums (z. B. Salbutamol®) kann getestet werden, inwieweit der Bronchospasmus reversibel ist

  • Resistan Atemwegswiderstand (Resistance Obstruktionsparameter), der durch die Ganzkörperplethysmografie bestimmt wird, Normalwert < 2,5 cm H2O/l/sec; bei Ruheatmung, spezifischer als FEV1 und Tiffeneauwert

  • Diffusionskapazität (DL): Ein Maß der Diffusionsfähigkeit der Diffusionskapazität Lunge für O2 und CO2, Normalwerte in Ruhe für O2 20, für CO2 150–250 ml/mmHg/min.

Ultraschalluntersuchungen (Sonografie)
Ein Schallkopf sendet Ultraschallwellen aus, die vom Gewebe reflektiert und vom gleichen Schallkopf wieder aufgefangen werden. Elektronisch weiterbearbeitet liefern diese Reflexionen eine Abbildung der Gewebestrukturen.
Indikationen
UltraschallUntersuchung Organdiagnostik, z. B. Leber, Harnblase, SonografieNieren, Magen-Darm-Trakt; Blutflussuntersuchungen; Schwangerenvorsorge.
Methoden
  • Time-Motion-Verfahren: Bewegungen werden eindimensional dargestellt, z. B. zur Echokardiografie

  • B-Bild-Methode: zweidimensionales Schnittbild; als Echtzeitverfahren (scannen in Echtzeit), Standardverfahren

  • 3- und 4-D-Sonografie: dreidimensionale Darstellung, z. B. in der Geburtshilfe; zur 4-D-Sonografie werden dreidimensionale Bilder in Serie dargestellt, es entsteht die Illusion einer Filmaufnahme

  • Doppler- und Duplex-Sonografie: Geschwindigkeit und Richtung des Blutstroms können dargestellt werden, auch zusätzlich aussagefähig durch farbliche Darstellung

  • Bei besonders diffizilen Fragestellungen kann Ultraschallkontrastmittel (stark reflektierende Mikrobläschen) i. v. verabreicht werden

  • Endosonografie: der Schallkopf wird mittels Endoskop in Körperhöhlen (z. B. Ösophagus, Darm) eingeführt.

Durchführen
Arzt
Patienten aufklären, Untersuchung durchführen, Patienten über Ergebnisse informieren.
Pflege
  • Termin mit der Funktionsabteilung absprechen

  • Vortag: keine blähenden Speisen wie Hülsenfrüchte; Antiblähmittel (z. B. Sab simplex®) verabreichen

  • Untersuchungstag: Den Patienten nüchtern lassen (Gallenblase bleibt gefüllt, wichtig bei der Steinsuche). Bei Beckenuntersuchungen für eine gefüllte Harnblase sorgen (Patienten informieren, vor Untersuchung nicht zur Toilette zu gehen, ggf. viel trinken lassen). Nicht bei vaginaler Sonografie der Blase

  • Ultraschalluntersuchungen vor Röntgenkontrastmitteldarstellungen einplanen; Röntgenkontrastmittel verschlechtern die sonografische Darstellung.

Bildgebende Untersuchungsverfahren

Beachten

Wegen der Strahlenbelastung sind Doppeluntersuchungen zu vermeiden → unbedingt nach Voruntersuchungen erkundigen, ggf. Röntgenbilder und Befunde bei vorbehandelnden Ärzten anfordern.

Indikation
  • RöntgenDiagnosestellung und -sicherung, Differenzialdiagnostik, Verlaufskontrolle

  • Orientierend, z. B. präoperativ Rö-Thorax, Abdomen-Übersicht

  • Eingrenzen von Krankheitsursachen, z. B. bei akutem Abdomen, Ileus (Spiegelbildung)

  • Ausschluss von Erkrankungen, z. B. Fraktur

  • Organbeurteilung, z. B. Herzform.

Untersuchungsmöglichkeiten
Konventionelle Röntgenuntersuchung
  • Dreidimensionale Anatomie wird zweidimensional abgebildet → Rö. in 2 Ebenen

  • Spez. Weichteiltechniken, z. B. Mammografie

  • Kontrastmittelgabe, um sonst nicht sichtbare Strukturen sichtbar zu machen (positive Rö.-Kontrastmittel, z. B. Barium, Jod, erscheinen hell; negative Rö.-Kontrastmittel, z. B. Luft, CO2, erscheinen dunkel)

  • Strahlengang von vorne nach hinten = a. p. (anterior-posterior), der Patient steht mit dem Rücken zum Film

  • Strahlengang von hinten nach vorn = p. a. (posterior-anterior), Patient steht mit der Brust zum Film.

Computertomografie (CT)
  • Computertomografie (CT)Darstellung in CT (Computertomografie)transversalen Schichten. Die Röntgenröhre rotiert um den Patienten, ein Detektorenkranz misst die durchgedrungenen Strahlen. Der Röntgentisch wird dabei kontinuierlich vorgeschoben. Ein Computer erzeugt aus den gesammelten Informationen das Bild

  • Erhöhung der Aussagekraft durch Kontrastmittelgabe.

Mehrzeilen-CT
  • Arbeitet mit mehreren Detektorzellen nebeneinander, dadurch schnellere Bildfolge, höhere Auflösung

  • Mit anderen Techniken kombinierbar, z. B. Spiral-CT, Mehrzeilen-Technik, dadurch dreidimensionale Darstellung möglich. Der Einsatz von Flächendetektoren ermöglicht die Abbildung eines Organs mit nur einer Umdrehung (Volumen-CT).

Magnetresonanztomografie (MRT), Kernspintomografie
MRT (Magnetresonanztomografie)Magnetresonanztomografie (MRT)Schichtweise Darstellung (siehe CT) Kernspintomografie des Körpers, jedoch nicht mit ionisierender Strahlung sondern mit Magnetfeldern. Besonders gute Darstellung z. B. von Knorpel, Sehnen, Bindegewebe und Muskulatur, sowie des ZNS, die Schnittebene ist beliebig einstellbar.
Methoden
  • MR-Angiografie: nichtinvasive Gefäßdarstellung

  • Echtzeit-MR: Organbewegungen können dargestellt werden.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Bei Patienten mit Metallimplantaten, z. B. Endoprothesen, Schrauben und Verplattungen, darf eine MRT nicht durchgeführt werden → Erhitzung der Metallteile!

  • Elektrische Implantate können durch das Magnetfeld gestört werden, z. B. Herzschrittmacher, Cochleaimplantate, Medikamentenpumpen

  • Patienten, die in der relativ engen Röhre Platzangst bekommen, erhalten ggf. ein Sedativum

  • Jeglichen Schmuck wegen des starken Magnetfeldes vor der MRT ablegen.

Durchführen
Arzt
Den Patienten aufklären, Einverständniserklärung einholen, Kontrastmittelunverträglichkeit ausschließen, Kontraindikationen abklären, z. B. Schwangerschaft, Schilddrüsenerkrankungen.
Pflege
Vorbereiten:
  • Termin mit Funktionsabteilung absprechen, Transport des Patienten organisieren

  • Vor der Untersuchung Toilettengang ermöglichen

  • Hausinterne Standards zu Ernährung, Abführmaßnahmen, Prämedikation beachten

  • Voraufnahmen und Befunde mitgeben

  • Metallhaltige Gegenstände und elektronische Geräte (z. B. Uhren, Schmuck, Mobiltelefon) auf der Station belassen

  • Ängstliche Patienten begleiten.

Nachbereiten: Befunde dokumentieren.
Pflege bei speziellen Verfahren
Vorbereiten:
  • RöntgenKontrastmitteluntersuchung Bei allen Kontrastmitteluntersuchungen Patienten nüchtern lassen

  • Bei Kontrastmitteldarstellung im Bauchraum (z. B. Cholangiografie, Urografie) vor der Untersuchung abführen, ggf. entblähen

  • Bei Kolonkontrasteinlauf Kolon reinigen, z. B. mit Laxanzien peroral und hohem Einlauf am Vortag und am Tag der Untersuchung

  • Bei Gefäßdarstellungen Gerinnungsstatus erheben lassen, Punktionsort rasieren.

Nachbereiten: Druckverband anlegen und auf Nachblutungen beobachten, für 24 h Bettruhe einhalten lassen, Vitalzeichen kontrollieren.
Bei Bronchografie:
  • Vor der Bronchografie Untersuchung Antitussivum nach Arztanordnung verabreichen

  • Nachbereiten: Nahrungs- und Nikotinkarenz einhalten lassen (Aspirationsgefahr).

Kontrastmitteluntersuchungen
Untersuchungen mit RöntgenKontrastmitteluntersuchung Kontrastmittelgabe, wie z. B. Jod oder Barium, bergen eine Reihe von Kontrastmitteluntersuchung Risiken, die durch eine gezielte Vorbereitung minimiert werden können.
Komplikationen
  • Volumenbelastung: Vorsicht bei Herzinsuffizienz und Hypertonie; auch Gefahr von Divertikelperforation, Hämorrhoidenblutung

  • Nierenversagen: Bei eingeschränkter Nierenfunktion

  • Hyperthyreose oder thyreotoxische Krise (Kap. 12.4.2): Durch jodhaltige Kontrastmittel

  • Allergische Reaktion:

    • Anaphylaktischer Schock (Kap. 22.4.2)

    • Hauterscheinungen (Urtikaria, Juckreiz, Quaddelbildung, Lidödeme)

    • Asthma, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel.

Diagnostik
Anamnese: Frühere Kontrastmitteluntersuchungen, bekannte Kontrastmittelallergien.
Ausschlussdiagnostik: Schilddrüsenüberfunktion, Niereninsuffizienz, Hypertonie.
Pflege
Auf Befunde, die eine absolute oder bedingte Kontraindikation darstellen, hinweisen.
Nachbereiten:
  • Für ausreichende Flüssigkeitszufuhr sorgen, Stuhlausscheidung und Diurese kontrollieren

  • Auf Allergiesymptome achten

  • Vitalzeichen kontrollieren.

Zentraler Venendruck

Venendruck, zentraler (ZVD) Es wird der ZVD (zentraler Venendruck) Venendruck im klappenlosen Hohlvenensystem unmittelbar vor dem rechten Herzen gemessen. Voraussetzung ist ein dort positionierter zentraler Venenkatheter.
Indikation
Überwachung der Kreislaufsituation bei hohem Volumenverlust, Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Infusionstherapie.
Material
Thoraxschublehre, Filzschreiber, Infusionsständer mit Messleiste (graduiert in cm H2O), NaCl 0,9 % zum Spülen des Zugangs und Auffüllen des Messsystems, Messsystem für ZVD-Messung (z. B. Medifix®).
Durchführen
Arzt
Anordnen der ZVD-Messung, Auswertung der Messwerte.
Pflege
  • Patienten informieren. Alle Schenkel des Messsystems mit NaCl 0,9 % luftblasenfrei füllen, Messschenkel an der Messleiste befestigen, den zum Patienten führenden Schenkel des Systems an Venenkatheter anschließen

  • Bett flach stellen, den Patienten in Rückenlage bringen

  • Zeiger der Messleiste auf den Nullpunkt ausrichten (siehe Kasten), alle Infusionen an diesem ZVK abklemmen, Messschenkel mit NaCl 0,9 % füllen. Mess-System zum Patienten hin öffnen, Katheter kurz durchspülen, Verbindung zwischen Patient und Messschenkel herstellen. Flüssigkeitsspiegel am Messschenkel sinkt, Ergebnis ablesen, wenn Flüssigkeitsspiegel nicht mehr weiter sinkt, dabei die atemabhängigen Schwankungen beachten, den Mittelwert ablesen

  • System abklemmen, Infusionen wieder starten, Bett in Ausgangsposition bringen.

Nullpunkt mit der Thoraxschublehre bestimmen

Nullpunkt, Bestimmung Die Strecke des Processus Xiphoideus (Schwertfortsatz) bis zur Matratze wird „gedanklich“ in 5 gleiche Teile unterteilt. Der Nullpunkt befindet sich ⅖ der Strecke unterhalb des Xiphoid oder ⅗ der Strecke oberhalb der Matratzenoberfläche (Abb. 3.15).

Die Thoraxschublehre zeigt den Nullpunkt automatisch an:

Den unteren Schenkel der Schublehre in Höhe des Xiphoids unter den Rücken des Patienten schieben, den oberen Schenkel bis auf den Brustkorb absenken, bei waagerechter Einstellung der Schublehre (siehe Wasserwaage am oberen Schenkel) zeigt der Dorn zwischen oberem und unterem Schenkel den Nullpunkt an. Diesen mit Filzstift markieren.

Nachbereiten
  • Zur regelmäßigen Messung ZVD-System belassen, nicht diskonnektieren

  • Bei einmaliger Messung ZVD-System entfernen

  • Ergebnis dokumentieren, Veränderungen der Normwerte (2–12 cm H2O) sofort dem Arzt melden.

Komplikationen
Atemnot durch flache Lagerung, Infektionen, Luftembolie.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Alle Vorbereitungen so treffen, dass der Patient nicht lange flach liegen muss

  • Wenn eine flache Lagerung kontraindiziert ist (z. B. bei Atemnot), können die Messungen auch in anderer Position erfolgen (immer in der gleichen)

  • Auf Intensivstationen ist die ZVD-Messung Bestandteil der Monitorüberwachung. Auf elektronischem Wege misst ein Druckwandler den Venendruck über den ZVK und übermittelt die Werte an den Monitor.

Therapiemaßnahmen

Enterale Medikamentengabe

Ziel
Medikamentengabeenterale Aufnahme des Arzneimittelgabe siehe MedikamentengabeWirkstoffs über die Schleimhaut von Mund, Magen oder Darm. Der Wirkungseintritt ist abhängig von der Verabreichungsform (Tab. 3.9).
Verabreichungsarten
  • Oral: Einfache Applikationsart, bevorzugen, wenn keine Kontraindikationen bestehen, z. B. Schleimhautentzündungen in Mund, Ösophagus und Magen, Übelkeit, Erbrechen, Bewusstlosigkeit, magensaftempfindliches Medikament

  • Rektal: Bei Kontraindikationen zur oralen Gabe, bei Flüssigkeitskarenz, z. B. vor Operationen, bei Kindern, bei desorientierten (Ausspucken) und bewusstlosen Patienten.

Hinweise zur Verabreichung
  • Tabletten: Nach Einnahme reichlich Flüssigkeit trinken lassen. Exakte Dosierung durch Bruchlinien, Zerkleinerung im Mörser und Auflösen mit Wasser meist möglich (Herstellerangaben beachten)

  • Dragees: Unzerkaut einnehmen lassen, unangenehm schmeckende Arzneisubstanz, reichlich Flüssigkeit nachtrinken lassen

  • Kapseln: Unzerkaut einnehmen lassen (magensaftresistente Hülle), reichlich Flüssigkeit nachtrinken lassen

  • Pastillen: Lutschen oder im Mund zergehen lassen

  • Pulver: In 50–100 ml Wasser auflösen, reichlich Flüssigkeit trinken lassen

  • Linguette: Unter der Zunge zergehen lassen, Schleimhautresorption

  • Granulat: In Wasser lösen oder ungelöst einnehmen und reichlich Flüssigkeit nachtrinken lassen

  • Suppositorien: Zur rektalen Medikamentenverabreichung, wenn möglich selbst einführen lassen

  • Lösungen: Unverdünnt einnehmen, reichlich Flüssigkeit nachtrinken lassen

  • Tropfen: Meist verdünnt einnehmen, reichlich Flüssigkeit nachtrinken lassen, 20 Tropfen wässrige Lösung ≅ 1 ml

  • Suspension: Vor Einnahme aufschütteln.

Medikamenteneinnahme und Nahrungsaufnahme
Einige Medikamente sollen in Abhängigkeit zu den Mahlzeiten eingenommen werden. Es bedeutet:
  • Vor der Mahlzeit: 15–30 min vor der Essensaufnahme

  • Während der Mahlzeit: spätestens 5 min nach der Essensaufnahme

  • Nach der Mahlzeit: mind. 30–60 min nach der Essensaufnahme

  • Nüchtern: 1 h vor oder 2 h nach der Essensaufnahme.

Grundsätzlich sind die Herstellerangaben auf dem Beipackzettel zu beachten. Unabhängig von einer Mahlzeit ist die Einnahme von Kapseln und Dragees.
Spezielle Wechselwirkungen zwischen Medikamenten und Getränken
Wenn keine Kontraindikation besteht, Medikamente mit reichlich Flüssigkeit einnehmen. Grundsätzlich sind alle Getränke (außer alkoholische) zur Medikamenteneinnahme geeignet außer:
  • Grapefruitsaft: hemmt das Leberenzym Catochrom P450 → einige Cholesterinsenker werden verzögert abgebaut; er blockiert das Transportprotein OATP1A2 im Darm → einige Antiallergika, Antibiotika, Blutdrucksenker, Virustatika werden nur reduziert resorbiert

  • Übrige Fruchtsäfte: enthalten sekundäre Pflanzenstoffe, z. B. Vitamine, Kalzium, Eisen, Magnesium; die Medikamentenwirkung kann dadurch beeinflusst oder aufgehoben werden

  • Milch und Milchprodukte: Kalzium geht mit einigen Medikamenten schwer lösliche Verbindungen ein, die Resorption dieser Medikamente wird vermindert. Zum Beispiel Schilddrüsenhormone, Antibiotika (Gyrasehemmer, Tetracycline), Osteoporosemittel

  • Coffeinhaltige Getränke, z. B. Kaffee, Schwarz- und Grüntee, Energy-Drinks: durch die anregende Wirkung des Coffeins wird die Wirkung anregender Medikamente verstärkt und die Wirkung beruhigender Medikamente abgeschwächt.

Umgang mit Medikamenten
Betäubungsmittel Kap. 1.9.7
Beschaffung
  • Medikamente nach dem MedikamentBeschaffung Wirtschaftlichkeitsprinzip und der Medikamentmedizinischen Notwendigkeit bestellen (Arztanordnung), z. B. Generika (preiswertere Medikamente mit gleichen Wirkstoffen)

  • Medikamentenanforderung, vom Stationsarzt unterschrieben, zur Apotheke schicken

  • Gelieferte Medikamente mit Lieferschein vergleichen

  • Nicht benötigte Medikamente sofort an Apotheke zurückschicken, können weiterverteilt oder an Hersteller zurückgegeben werden.

Lagerung
  • Medikamentenschrank übersichtlich MedikamentLagerung ordnen, z. B. alphabetisch bzw. nach Arzneimittelgruppen, also Tabletten und Dragees getrennt von Suppositorien oder Ampullen. Angebrochene Medikamentenschachteln kennzeichnen

  • Medikamente in der Originalpackung lagern (Chargennummern), entsprechende Lasche nicht entfernen, Beipackzettel beim Medikament belassen

  • Lagerungstemperatur beachten (Beipackzettel), meist Zimmertemperatur (15–25 °C), Impfstoffe im Kühlschrank (2–8 °C)

  • Medikamente immer unter Verschluss halten. Schlüssel für den Betäubungsmittelschrank verwaltet eine examinierte Pflegekraft

  • Schrank regelmäßig reinigen und ordnen: Medikamente mit baldigem Verfallsdatum vor solchen mit noch längerer Laufzeit einordnen. Verfallene Medikamente zur Apotheke geben

  • Notfallmedikamente im Notfallkoffer aufbewahren, Bestand regelmäßig, besonders nach Benutzung überprüfen.

Beobachten

  • Bei Flüssigkeiten auf Trübung, Verfärbung, Bodensatz oder Ausflockung achten

  • Tabletten, Dragees, Zäpfchen, Salben und Pasten auf Form- oder Farbveränderungen und Feuchtigkeit in der Schutzhülle kontrollieren

  • Bei allen Auffälligkeiten Apotheker oder Arzt fragen.

Medikamente richten
Medikamente nur nach schriftlicher, MedikamentAusgabe ärztlicher Verordnung unter Angabe von Dosis, Konzentration, Einnahmezeitpunkt und Verabreichungsform (Kap. 1.9.4) ausgeben.
Vorbereiten
  • Hygienische Maßnahmen (Kap. 1.8) einhalten

  • Medikamentendispenser mit aktueller Beschriftung versehen

  • Die erforderliche Kontrollen (s. o.) und 5-R-Regel beachten

    • Beim Griff nach der Medikamentenpackung

    • Bei der Medikamentenentnahme

    • Beim Zurückstellen der Medikamentenpackung

  • Bei Fehlern sofort Arzt informieren! Keine falsche Scham! Schnelles Handeln verhindert Schaden für den Patienten.

Kontrolle bei der Medikamentengabe: 5-R-Regel

  • MedikamentengabeKontrolle Richtiges Medikament

  • Richtige Dosierung/Konzentration

  • Richtige Zeit

  • Richtige Applikation

  • Richtiger Patient

  • Richtige Dokumentation, wird manchmal als 6-R-Regel ergänzt, z. B. bei Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit der Medikamenteneinnahme.

Beobachten

Patienten auf Unverträglichkeitsreaktionen und/oder Nebenwirkungen beobachten:

  • Akut: z. B. Luftnot, signifikante RR- und Pulsveränderungen, Schock Kap. 22.4.2

  • Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Kopfschmerzen

  • Später (mehrere Stunden bis Tage): Durchfall, Allergiezeichen, Schlafstörungen, psychische Veränderungen.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Aktuelle Änderungen der Medikation zeitnah umsetzen, ggf. bereits gestellte Medikamente aktualisieren

  • Zum Richten der Medikamente störungsarme Zeit wählen, andere Aufgaben für diese Zeit konsequent delegieren, evtl. Gegenkontrolle durch Kollegen veranlassen

  • Medikamente niemals durch „Augenschein“, „Erfahrung“ oder „Verdacht“ identifizieren, im Zweifelsfall neu stellen. Bei kooperativen Patienten die Medikamente zur besseren Identifizierung im Blisterabschnitt belassen

  • Korrekte Einnahme der Medikamente sicherstellen, z. B. durch Aufklärung oder bei desorientierten Patienten durch Kontrolle oder Applikation

  • Zur Verabreichung von Medikamenten über Nahrungssonde prüfen, ob Kapseln geöffnet und Tabletten gemörsert werden dürfen. Öffnen oder mörsern von dafür ungeeigneten Medikamentenzubereitungen können z. B. zu Resorptions- und Wirkungsveränderungen führen

  • Über Unverträglichkeitsreaktionen unverzüglich den Arzt informieren

  • Unbrauchbar gewordene Medikamente zur Entsorgung in speziellem Behälter sammeln und zur Apotheke geben, keinesfalls über den Hausmüll oder die Toilette entsorgen

  • Die wichtigste Informationsquelle über Medikamente ist die Herstellerinformation (Beipackzettel) und die „Rote Liste“, die allen Pflegenden zur Verfügung stehen muss.

Parenterale Medikamentengabe

Ziel
Umgehung des Medikamentengabeparenterale Verdauungstrakts, lokale Applikation. Der Wirkungseintritt ist abhängig von der Verabreichungsform (Tab. 3.10).
Hinweise zur Verabreichung
  • Injektionen (Kap. 3.2), Infusionen (Kap. 3.3.2)

  • Salbe, Creme und Gel: mit Handschuh, Spatel oder Tupfer auftragen, Salben ggf. mit Verband abdecken; großflächige und routinemäßige Applikation vermeiden. Systemische Wirkung durch perkutane Resorption möglich, Gefahr Hautporen zu verschließen; keine Fettsalben gegen trockene Haut (Kap. 2.3.2). Besser: Wasser-in-Öl-Emulsion oder Lotion; Salben mit ätherischen Ölen (z. B. zur Pneumonieprophylaxe) als Auflage anwenden, direkten Hautkontakt vermeiden

  • Flüssigkeiten: mit Handschuh bzw. Tupfer aufbringen, Abtrocknungszeit beachten; alkoholhaltige Flüssigkeiten (Tinkturen) trocknen die Haut aus, nur nach kritischer Abwägung anwenden

  • Vaginal-Ovula oder -Tabletten: nach Möglichkeit von der Patientin selbst einführen lassen, Handschuhe und Vorlage anbieten.

Pflege
Es kann bei Arzneimitteln nicht nur zu unerwünschten Wechselwirkungen (verändertes Wirkungsspektrum), sondern auch zu physikalischen Veränderungen der Lösungsmittel kommen:
  • Vergewissern, welches Lösungsmittel vom Hersteller empfohlen wird, besonders wichtig bei Antibiotika (pH-Puffer)

  • Lichtempfindliche Medikamente, z. B. Nipruss® oder Adalat® lichtgeschützt applizieren, sonst schneller Wirkungsverlust; Lichtschutz (z. B. Alufolie oder lichtdichtes Infusionssystem) liegt den Packungen bei

  • Digitalis immer verdünnt applizieren, z. B. in 10 ml isotoner Kochsalzlösung.

Spülungen

Magenspülung
Indikationen
SpülungSpülungMagen Bei lebensbedrohlichen oralen Vergiftungen, z. B. Magenspülung Suizidversuch mit Tabletten, Trinken aus Reinigerflaschen von Kleinkindern.
Kontraindikationen
Vergiftungen mit Säuren und Laugen, Ösophagusvarizen, Magenblutungen, manifeste Herz- und Ateminsuffizienz. Bei Bewusstlosen nur nach endotrachealer Intubation. Orale Vergiftungen, die länger als 1 h zurückliegen.
Material und durchführen Kap. 22.4.4
Blasenspülung
Indikationen
SpülungBlase Bei Blasenblutungen, Blutkoageln in der Blasenspülung Blase, eitriger Blasenentzündung; ggf. zur lokalen Medikamentenapplikation, Nachbehandlung bei urologischer OP.
Material
Steriles, geschlossenes Spülsystem mit Spüllösungsbehälter, Überleitungsbesteck, Dreiwegehahn und Urinableitungsbeutel, Aufhängevorrichtung, Sprühdesinfektionsmittel, sterile Handschuhe, Händedesinfektionsmittel. Spüllösung z. B. NaCl 0,9 % Lösung.
Durchführen
Patienten informieren, in entspannte Rückenlage bringen, Materialien vorbereiten, 2. Pflegeperson hinzuziehen.
Hände desinfizieren, sterile Handschuhe anziehen, Spülsystem steril entnehmen (Hilfestellung durch 2. Pflegeperson), System zusammensetzen, Katheter und altes Urinableitungssystem diskonnektieren (liegt ein Spülkatheter kann das Urinableitungssystem beibehalten werden), Katheteransätze desinfizieren, Spülsystem anschließen, Spülflüssigkeit einlaufen lassen, ablaufende Spülflüssigkeit auf Menge, Farbe, Beimengungen beobachten.
Nach Operationen an Blase oder Prostata (TUR) wird über suprapubischen und transurethralen Katheter gespült.
Nachbereiten
Hände desinfizieren, sterile Handschuhe anziehen, Spülsystem entfernen, Katheteransatz desinfizieren, Urinableitungsbeutel anschließen, (bei Spülkatheter Spülkanal abstöpseln), Materialien entsorgen.
Rektale Darmspülung
Indikationen
SpülungDarm Vor Koloskopie, Kolonoperation, Darm Spülung, rektale wenn eine orthograde Darmspülung nicht möglich ist.
Material
Einmalspülsystem, z. B. Rectobag® oder Irrigator mit Verbindungsschlauch, Y-Verbindungsstück mit Schlauch zum Darmrohr und Ableitungsschlauch, geschlossenes Auffanggefäß, Darmrohr ggf. mit Ballon, Vaseline, 2 Klemmen, wasserdichte Unterlage, Zellstoff, Handschuhe, Schutzkittel, Aufhängevorrichtung, 5 Liter körperwarme Spülflüssigkeit, Steckbecken/Nachtstuhl.
Durchführen
  • Patienten informieren, separates Zimmer vorbereiten, Materialien bereitstellen, Einlaufschläuche luftleer machen, abklemmen

  • Den Patienten lagern: linke Seitenlage, Knie angezogen. Wasserdichte Unterlage unterlegen, zum Schutz der Intimsphäre zudecken und hinten geschlitzte Einmalhose anziehen

  • Handschuhe und Schutzkittel anlegen, Darmrohr einfetten (seitliche Austrittsstellen dabei nicht verstopfen) und vorsichtig unter drehenden Bewegungen einführen. Einlaufsystem mit dem Darmrohr verbinden, Ableitungsschlauch in das Auffanggefäß leiten, Klemme am Zuführungsschlauch öffnen, 100–200 ml Flüssigkeit einfließen lassen

  • Klemme schließen, Ableitung öffnen, Vorgang wiederholen bis Flüssigkeit klar zurückfließt, ggf. Einlaufmenge auf max. 500 ml steigern. Kreislauf und Allgemeinbefinden überwachen.

Nachbereiten
System abklemmen, Darmrohr entfernen, Patienten beim Waschen und Anziehen unterstützen, ruhen lassen, Steckbecken oder Nachtstuhl in erreichbare Nähe stellen, Materialien entsorgen.
Orthograde Darmspülung
Indikationen
SpülungDarm, orthograd Vor Ileoskopie, Jejunoskopie, Darm pülung, orthograde Dünn- und Dickdarm-OP.
Material
3–4 Beutel z. B. Golytely® oder Endofalk® zur Herstellung einer Spüllösung, Messbecher und Trinkgefäß.
Vorbereiten
Am Vortag der Untersuchung:
  • Dem Patienten ein leichtes ballaststoffarmes Frühstück (kein Müsli, keine Körnerbrötchen) reichen

  • Den Patienten bis zum Nachmittag mind. 3 Liter Flüssigkeit trinken lassen, z. B. klare Fleischbrühe, Fruchtsäfte oder/und Tee

  • Den Patienten am Nachmittag 2 Beutel (z. B. Golytely® oder Endofalk®) aufgelöst in 2 Liter Wasser zügig (in ca. 2 h) trinken lassen.

Am Untersuchungstag: Den Patienten früh am Morgen 1 Beutel (z. B. Golytely®) aufgelöst in 1 Liter Wasser zügig (in ca. 1 h) trinken lassen.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Die orthograde Darmspülung ist erfolgreich, wenn die Ausscheidung klar und wässrig (ohne feste Bestandteile) ist. Je nach Klinik kann es unterschiedliche Vorgehensweisen geben

  • Evtl. wird die orthograde Darmspülung durch Gabe eines Abführmittels eingeleitet

  • Besonders bei nicht ausreichendem Ergebnis der orthograden Darmspülung wird am Untersuchungstag ergänzend ein Hebe-Senk-Einlauf durchgeführt

  • Bei Patienten, die sich nicht überwinden können, die Spüllösung zu trinken, kann diese über eine Magensonde verabreicht werden.

Durchführen
  • Patienten wiegen

  • Legen der Sonde vorbereiten (Kap. 3.6.3), evtl. Antiemetikum injizieren (Arztverordnung)

  • Sonde einführen (Kap. 3.6.3), Patienten auf den Nachtstuhl helfen, mit Bademantel/Decke warm halten

  • 3–5 l Spüllösung, ca. 50 ml pro Minute, einlaufen lassen, bis Ausscheidung klar und ohne feste Bestandteile ist

  • Regelmäßig nach dem Patienten sehen, Nachtstuhl leeren, RR kontrollieren, Befinden erfragen

  • Bei Schmerzen, Brechreiz oder fehlender Stuhlausscheidung Spülung abbrechen.

Nachbereiten
Sonde entfernen, Patienten ggf. bei der Intimtoilette unterstützen, Bettruhe nach Arztanordnung einhalten lassen, Kreislauf kontrollieren, zur Überprüfung von Flüssigkeitseinlagerung wiegen, Ein- und Ausfuhr dokumentieren, Materialien entsorgen, Elektrolytkontrolle auf Anordnung veranlassen (Labor).

Physikalische Therapie

Definition

Physikalische Therapie heißt, physikalische Methoden auf den Organismus anzuwenden. Es werden Stoffwechselvorgänge beeinflusst, der Allgemeinzustand und die Widerstandskraft verbessert, Rehabilitation und therapeutische Maßnahmen werden unterstützt. Nicht zuletzt hat die physikalische Therapie durch ihre Maßnahmen eine ausgeprägte psychische Wirkung auf den Patienten. In der Krankenpflege werden trockene Wärme- und Kälteanwendung, Bestrahlung, Wickel, Umschläge, Packungen, Peloide, Kataplasmen und Bäder genutzt.

Wickel und Auflagen

Therapiephysikalische Wickel und Auflagen zählen zu den komplementären Methoden in der Gesundheitspflege. Sie können heiß oder kalt, trocken oder feucht angewendet werden.
Unter einer Auflage versteht man das Auflegen eines Innentuchs mit Zusatz auf eine bestimmte Körperstelle. Ein Wickel dagegen bezeichnet das zirkuläre Anlegen um einen Körperbereich (z. B. beim Wadenwickel).
Wickel
Indikationen
  • Entzündliche Halserkrankungen: WickelHalswickel, meist kalt

  • Bronchitis, Pneumonie, grippaler Infekt: Brustwickel, warm-heiß

  • Koliken, Leber-/Gallenerkrankungen, Meteorismus, Menstruationsbeschwerden: Bauchwickel, warm-heiß

  • Hohes Fieber: Wadenwickel, kalt.

Material
  • Innentuch aus Leinen oder Baumwolle, saugfähig (z. B. Geschirrtuch, Stofftaschentuch)

  • Zwischentuch aus Baumwolle oder Leinen, saugfähig (z. B. Frotteetuch, Waschlappen)

  • Außentuch (nicht bei Wadenwickel), 1,5-fache Länge des Körperumfangs (z. B. Badetuch, Molton)

  • Ggf. Bettschutz, Waschschüssel mit Wasser, Zusatz für Wickel bzw. Auflage (z. B. Öl, Quark), Wärmflaschen, Befestigungsmaterial (z. B. Heftpflaster)

  • Zusätze nach Indikation. Besonders auf allergische Reaktionen und Kontraindikationen achten!

Vorbereiten und durchführen (Tab. 3.11)
Vorbereiten: Patienten informieren, für Ruhe sorgen, Materialien bereitlegen, heißes Wasser (für Wickel z. B. 80 °C, für Wärmflaschen ca. 60 °C) bzw. kaltes Wasser. Wasser nicht einfach aus der Leitung entnehmen, sondern Temperatur mit dem Thermometer überprüfen.
  • Brustwickel:

    • Außentuch in Höhe des BrustwickelBrustkorbs auf das Bett legen, Zwischentuch ggf. vorgewärmt darüber legen

    • Innentuch von beiden Seiten zu einer Doppelrolle zusammenrollen, mit heißem Wasser (ggf. mit Zusätzen) gut anfeuchten und stark auswringen

    • Die Temperatur des „trocken-feuchten“ Innentuchs auf der Haut auf Wärmeverträglichkeit prüfen. Die Rolle auf dem Zwischentuch rückenbreit auseinander rollen, der Patient legt sich mit dem Rücken darauf. Das Tuch zügig faltenfrei um den Brustkorb wickeln, die anderen Tücher straff darüber anlegen. Den Patienten gut zudecken, ggf. Schultern mit Handtuch bedecken

  • Bauchwickel: gleiche Tücher wie Brustwickel, Bauchwickelgleiches Vorgehen, zwischen Brustbeinspitze und Os pubis anlegen

  • Zitronen-Halswickel:

    • Material: ½ Zitronen-Halswickel ungespritzte Zitrone, Innentuch (z. B. Stofftaschentuch), Außentuch (z. B. Frotteehandtuch), Befestigungsmaterial

    • Zitrone lauwarm abwaschen und in 4–6 Scheiben schneiden, diese in der Mitte des Innentuchs aufreihen und von beiden Seiten einschlagen, mit Pflaster verschließen. Druck auf die Zitronenscheiben ausüben (z. B. mit einer Wasserflasche walken), damit die ätherischen Öle austreten

    • Wickel von vorn nach hinten um den Hals anlegen, HWS frei lassen. Mit Außentuch umwickeln und befestigen

    • Wickel max. 30 min beibehalten (auf Hautreizungen durch Zitronensäure achten), danach Hals mit Tuch warm halten

  • Wadenwickel:

    • Wasserdichte Unterlage Wadenwickel unter die Unterschenkel des Patienten legen

    • Leinentücher mit Leitungswasser befeuchten und gut auswringen. Nicht zu kalt (ca. 2 °C kühler als die gemessene Körpertemperatur), da die Blutgefäße sich sonst zu stark verengen und die Wärme nicht mehr abtransportiert werden kann!

    • Leinentücher um die Unterschenkel legen, Sprunggelenke und Knie frei lassen. Darüber Frotteetücher legen (sonst zu schnelle Verdunstungskälte)

    • Wickel vor dem Erwärmen erneuern (alle 8–10 min), dreimal hintereinander wiederholen, dann Temperaturkontrolle durchführen, Patienten ca. 30 min ruhen lassen, Kreislauf kontrollieren

    • Kontraindikation: Zentralisierung, erkennbar an kalten Händen und Füßen.

Auflagen
Indikationen
Hämatome, Schwellungen, Verstauchungen, Auflageoberflächliche Venenentzündung, Gelenkschmerzen, zur Wundreinigung.
Vorbereiten und durchführen
Patienten informieren, für Ruhe sorgen, Material richten. Vielfach Anwendung von Ölen (Tab. 3.12).
Warme Ölauflage
Grundsätzlich Ölauflage, warme ätherisches Öl mit Trägeröl mischen (Kap. 3.9.2)AuflageÖl . Verträglichkeit vor der Anwendung auf der Haut des Patienten prüfen.
  • Auflage (z. B. Mullkompresse) mit einigen Tropfen des ätherischen Öls versehen (Menge je nach Alter des Patienten, Herstellerangaben beachten), in eine Plastiktüte geben (z. B. Abwurfsack), ca. 10 ml Trägeröl hinzufügen

  • Tüte verschließen und durchwalken, bis Kompresse mit dem Öl gut getränkt ist

  • Zwei Wärmflaschen mit heißem Wasser füllen, Ölkompresse im Plastiksack dazwischenlegen und anwärmen

  • Auflage der Tüte entnehmen, auf entsprechende Körperstelle auflegen und z. B. mit angewärmtem Waschlappen abdecken.

Peloide
Peloid Anwendung von Moor-, Schlamm- und AuflagePeloid Heilerdepackungen, z. B. Fango, in der physiotherapeutischen Abteilung.
Indikationen
Muskelverspannungen, degenerative Gelenkerkrankungen, rheumatische Erkrankungen, chronische Pyelitis, chronische Cholezystopathie.
Kontraindikation
Akute Entzündung.
Material
Entsprechendes Peloid, Leinentuch oder Plastikfolie, Laken, Wolldecke, Zeitschaltuhr.
Durchführen
Peloidbrei auf 45 °C erhitzen, 2–3 cm dick auf Leinentuch oder Plastikfolie auftragen, ggf. vorgefertigte Peloid-Kompresse im Wasserbad oder Spezialofen erhitzen.
Den Patienten entkleiden und Temperatur testen lassen (Verbrennungsgefahr!), Patienten auf vorbereitetem Peloid lagern, ggf. Peloid als Auflage benutzen, Patienten in Laken und Wolldecke einschlagen, Zeitschaltuhr stellen (15–30 min), Wohlbefinden und Kreislauf kontrollieren.
Nachbehandeln: Peloid entsorgen (mehrmaliger Gebrauch möglich), ggf. Patienten beim Waschen und Einnehmen einer entspannten Lage unterstützen, warm halten, ruhen lassen.
Kataplasmen (Breiumschläge)
Indikationen
UmschlagBrei Kataplasma Neuralgien, Parotitis, Breiumschlag Spannungskopfschmerz, Lymphdrüsenschwellungen, Brustdrüsenentzündung, akute Sehnenscheidenentzündung, Furunkel.
Material
Kataplasma, z. B. gebrauchsfertige Paste, Leinentuch entsprechender Größe, entsprechende Mullauflage, Spatel, Wasserbad, ggf. Idealbinde (Kap. 3.10.1).
Durchführen
Patienten informieren, Paste im Wasserbad auf 45 °C erhitzen.
Erhitztes Kataplasma fingerdick auf das Leinentuch auftragen, mit Mullauflage abdecken, auf die entsprechende Körperregion auflegen, ggf. mit Idealbinde fixieren, auf Hautreizungen achten. Vorsicht: Verbrennungsgefahr! Kann bis zu 24 h belassen werden.
Nachbereiten: Kataplasma entsorgen, Haut reinigen, ggf. mit Wasser-in-Öl-Emulsion pflegen.

Aromatologie

Definition

Aromatologie oder Aromapflege ist die Anwendung natürlicher Duftstoffe zur Verhütung, Heilung oder Linderung von Leiden.

Zur Anwendung kommen ätherische Öle (Duftstoffe), die durch Kaltpressung oder Wasserdampfdestillation aus Wurzeln, Blättern, Blüten, Früchten, Holz oder Harzen gewonnen werden.

Qualitätsmerkmale
Aromatologie AromatherapieIn der Pflege ausschließlich Qualitätsprodukte verwenden. Das Flaschenetikett oder der Beipackzettel müssen folgende Angaben enthalten:
  • 100 % naturreines ätherisches Öl (nicht „naturidentisch“ oder Parfümöl)

  • Exakte botanische Bezeichnung der Herkunftspflanze

  • Gewinnungs- und Herstellungsverfahren

  • Ausgangssubstanz, z. B. Blüte, Frucht, Harz

  • Angaben über Zusätze und Mischungsverhältnis, z. B. Trägeröl

  • Anbauregion und Anbauart

  • Herstellerfirma

  • Chargennummer

  • Haltbarkeitsdatum bzw. Herstellungsdatum.

Anwendungsarten
Raumaromatisierung
  • Diffuseure: elektrische Raumaromatisierung Feinzerstäuber. Es wird ein Aerosol erzeugt, das sich schnell im ganzen Raum gleichmäßig verteilt. Mehrmals täglich ca. 15 min

  • Duftschale: mit Wasser und ätherischem Öl gefüllte Glas- oder Keramikschale. Verdunstung durch Raumtemperatur. 1–2-mal täglich bis zu 6 Tropfen Öl

  • Tongefäß: Gefäße aus gebranntem Ton mit poröser Oberfläche. Der Ton nimmt das Öl auf und gibt es gleichmäßig an die Raumluft ab. 1–2-mal täglich bis zu 6 Tropfen Öl

  • Duftlampe (Anwendung nur, wenn feuerpolizeilich zulässig): mit Wasser und ätherischem Öl gefüllte Glas- oder Keramikschale, unter der sich eine Kerze befindet. Verteilung des Öls durch den aufsteigenden Wasserdampf. Mehrmals täglich für ca. 15 min mit bis zu 6 Tropfen Öl.

Inhalation
Anwendung als Dampfbad: Kleine Waschschüssel mitInhalation einem Liter heißem Wasser füllen und bis zu 4 Tropfen Öl zusetzen. Aufsteigende Dämpfe werden eingeatmet. Zur Intensivierung ein Handtuch über den Kopf und die Schüssel breiten. Mehrmals täglich möglich für ca. 15 min. Nur bei orientierten Patienten, Verbrühungsgefahr.
Bäder
Anwendung als Vollbad oder Teilbad: z. B. BadAromatologie als Hand-, Arm-, Fuß- oder Sitzbad. Aufsteigende Dämpfe werden eingeatmet, ätherische Öle wirken auf und durch die Haut. Wassertemperatur zur Anregung 35–37 °C, zur Entspannung bis 39 °C. Einmal täglich für ca. 15 min mit bis zu 10 Tropfen Öl, bei Teilbädern die Hälfte.
Zur Lösung der ätherischen Öle im Wasser muss ein Emulgator zugegeben werden, z. B. Sahne oder Flüssigseife.
Waschungen (Kap. 2.3.4)
  • Beruhigende Waschungen: WaschungAromatologie Waschwasser unter Zugabe von beruhigend wirkenden ätherischen Ölen, z. B. Lavendel, Hopfen oder Lindenblüten

  • Belebende Waschungen: Waschwasser unter Zugabe von belebend wirkenden ätherischen Ölen, z. B. Rosmarin, Zitrone oder Obstessig.

Wickel und Auflagen (Kap. 3.9.1)
Ölauflage zubereiten und auf entsprechende Körperstelle legen bzw. anwickeln.
Massagen und Einreibungen
MassageAromatologie Anwendung als Ganzkörper- oder EinreibungAromatologie Teilmassage: z. B. Nacken, Rücken, Füße.
100 ml Trägeröl werden bis zu 15 Tropfen ätherisches Öl zugegeben. Von Rosen-, Hyazinthen-, Jasmin-, Magnolien- und Narzissenöl genügen 2–4 Tropfen auf 100 ml Trägeröl.
Geeignete Trägeröle:
  • Kaltgepresste, unraffinierte Öle, z. B. Sonnenblumenöl, Olivenöl, Brennnesselöl

  • Mandelöl

  • Jojobaöl.

Indikationen (Tab. 3.13)
  • Psychische und psychosomatische Störungen, z. B. Schlafstörungen, Angstzustände, Nervosität, Unruhezustände, depressive Verstimmungen, Antriebsschwäche, Stress

  • Somatische Erkrankungen und Verletzungen, z. B. Muskel- und Gelenkschmerzen, Verspannungen, Ischialgie, Lumbago, Prellungen, Verstauchungen, Quetschungen, Fieber, Kreislaufstörungen, rheumatische Beschwerden, Verdauungsstörungen, Meteorismus, Koliken und Krämpfe (z. B. Galle, Nieren, Blase, Darm), Menstruationsbeschwerden, Wechseljahrbeschwerden, Erkältungskrankheiten, Bronchitis, Pneumonie (auch Prophylaxe)

  • Hirnleistungsstörungen, z. B. Gedächtnisstörungen, Erinnerungsstörungen, Konzentrationsstörungen, Apallisches Syndrom, Apoplex

  • Meditation, in Lebenskrisen, zur Sterbebegleitung

  • Luftverbesserung, z. B. Beseitigung von Gerüchen.

Nebenwirkungen
  • Allergische Reaktionen, Asthma

  • Vergiftungserscheinungen bei überdosierter oraler Einnahme

  • Hautreaktionen

  • Kopfschmerzen

  • Übelkeit.

Kontraindikationen
  • Patient akzeptiert den Geruch nicht

  • Allergische Reaktion

  • Bedingte Kontraindikationen:

    • Schwangerschaft, Stillzeit

    • Hypertonie

    • Hyperthyreose

    • Neigung zu Krampfanfällen, Epilepsie.

Pflege und Aromatologie
Eine somatisch, funktionell geprägte Pflege steht im Widerspruch zur Aromapflege. Aromapflege ist erfolgreich, wenn die Pflege sich um eine positive Ausrichtung auf den Menschen bemüht, z. B. durch:
  • Bezugspflegesystem

  • Klientenzentrierte Pflege

  • Selbstheilungskräfte, aktivierende Pflege

  • Salutogenesemodell (nach A. Antonovsky).

Vorbereiten
  • Anwendung von ätherischen Ölen mit dem Arzt absprechen. Für Dosierung grundsätzlich Herstellerangaben beachten

  • Patienten über Möglichkeiten und Anwendungen der Aromatologie informieren

  • Die Akzeptanz des ausgewählten Öls durch den Patienten mit einer Geruchsprobe feststellen

  • Allergische Disposition durch spezifische Anamnese ausschließen. Kutanen Allergietest durch Auftragen einer Probe auf die Unterarminnenseite durchführen

  • Für Ruhe während und nach der Maßnahme sorgen, z. B. Einzelzimmer, spezieller Entspannungsraum

  • Ggf. entspannende Atmosphäre durch sanfte Hintergrundmusik schaffen.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Von den Pflegenden dürfen ätherische Öle nicht innerlich angewandt werden

  • Jeweils nur ein ätherisches Öl einsetzen. Mischungen sind zwar möglich, erfordern aber viel Erfahrung und können den Patienten irritieren.

Literaturhinweise

Bierbach, 2013

E. Bierbach Naturheilpraxis Heute 2013 Elsevier Verlag München

Bierbach, 2011

E. Bierbach Handbuch für die Naturheilpraxis: Methoden und Therapiekonzepte 2011 Elsevier Verlag München

Zimmermann, 2011

E. Zimmermann Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe 2011 Karl Haug Verlag Stuttgart

Trockene Wärmebehandlung

Wärmflasche
Indikationen
BeiWärmebehandlungtrockene Verspannungsschmerzen, Muskelkrämpfen, Wärmflasche Verkrampfungen in Hohlorganen (Blase, Darm, Uterus, Gallenblase), Obstipation, postoperativer Darmatonie.
Kontraindikationen
Entzündliche Baucherkrankungen, Gelenkergüsse nach Prellungen, Kollapsneigung, bewusstlose und nicht orientierte Patienten, Sensibilitätsstörungen.
Material
Wärmflasche, Schutzbezug, ggf. Badethermometer, ggf. Handtuch.
Durchführen
Patienten informieren, Wärmflasche zur Hälfte mit heißem Wasser (60–70 °C) füllen. Temperatur mit dem Thermometer prüfen, nicht einfach Wasser aus dem Hahn entnehmen. Flasche luftleer machen, dicht verschließen (überprüfen), mit Schutzbezug versehen.
Patienten entspannt lagern, störende Kleidung entfernen, ggf. Handtuch unterlegen (Hitzeempfindung), Patienten zudecken, Kreislaufkontrolle, Haut kontrollieren (Rötung?).
Nachbereiten
Wärmflasche entleeren, beim Patienten belassen oder für den nächsten Patienten aufbereiten (Schutzbezug abziehen, Flasche äußerlich desinfizieren), ggf. Hautpflege (Wasser in Öl-Emulsion), 10–15 min Bettruhe.
Heiße Rolle
Indikationen
Verspannungsschmerzen, Muskelkrämpfe, Rolle, heiße Meteorismus, Obstipation, zur Pneumonieprophylaxe.
Kontraindikationen
Akute entzündliche Baucherkrankungen.
Material
5 Frotteehandtücher, (fast) kochendes Wasser.
Durchführen
Patienten informieren, heißes Wasser bereiten, zwei Frotteehandtücher ganz fest zusammenrollen. Zwei weitere Frotteehandtücher um die gebildete Rolle herumwickeln.
Den Patienten entspannt lagern, störende Kleidung entfernen. (Fast) kochendes Wasser langsam in die Rolle gießen, bis Wärme außen spürbar. Es darf kein Wasser heraustropfen. Vorsicht: Verbrühungsgefahr! Gesamte Rolle so in ein trockenes Frotteehandtuch einschlagen, dass es links und rechts übersteht und die Rolle ohne Verbrühungsgefahr gefasst werden kann.
Heiße Rolle ohne Druck auf entsprechende Körperpartie langsam rollen. Nach Abkühlung äußere Handtuchschicht abrollen, mit der Anwendung fortfahren.
Nachbereiten
Den Patienten zudecken, ca. 30 min ruhen lassen. Bei Pneumonieprophylaxe ggf. Vibration, Drainagelagerung oder Übung zum Abhusten anschließen. Materialien entsorgen, Maßnahme dokumentieren.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Bei Anwendung von Wärmflasche und Heißer Rolle besteht sowohl für die Pflegeperson als auch für den Patienten eine nicht unerhebliche Verbrühungsgefahr

  • Bei Kirschkernkissen, Traubenkernkissen, Getreidekissen u. ä. besteht diese Gefahr nicht. Sie lassen sich in der Mikrowelle auf die gewünschte Temperatur bringen. Das Indikationsspektrum entspricht dem von Wärmflasche und Heißer Rolle

  • Mit Plastikbeutel umgeben lassen sich Körnerkissen auch im Gefrierschrank abkühlen und als Kälteanwendung nutzen.

Infrarotbestrahlung/Soluxlampe
Indikationen
Soluxlampe BeiInfrarotbestrahlung Nasennebenhöhlenentzündungen, BestrahlungInfrarot Mittelohrentzündungen, Mastitis, Furunkel, Intertrigo, zur Vorbereitung von Massagen oder Krankengymnastik.
Material
Infrarotstrahler (Soluxlampe), ggf. Filtergläser (umstritten), Schutzbrille, Zeitschaltuhr.
Durchführen
  • Patienten informieren, in geeignete Lage bringen, ggf. hinsetzen

  • Störende Kleidung und Metallgegenstände (Schmuck, Haarnadeln) entfernen

  • Ggf. dem Patienten Schutzbrille aufsetzen

  • Lampe in Position bringen (30–50 cm Abstand)

  • Zeitschaltuhr einstellen (10–15 min).

Nachbereiten
Patienten warmhalten, Bademantel, Bettruhe.
Hochfrequenztherapie

Wirkprinzip

Kurzwelle, Dezimalwelle, Mikrowelle. Durch elektromagnetische Felder wird Wärme erzeugt, die gewünschte Tiefenwirkung wird durch die Wahl der Methode und Frequenz bestimmt.

Indikationen
  • Hochfrequenztherapie Bewegungsapparat: Verspannungen, Myalgien, Arthrosen, M. Bechterew, Panaritium, Hämatome

  • Organe: Leber- und Gallenblasenentzündungen, Nieren- und Nierenbeckenentzündungen, Hoden- und Nebenhodenentzündungen, Prostatitis, Menstruationsstörungen, Entzündungen im gynäkologischen Bereich, Mastitis

  • Neurologische Erkrankungen: Neuritis, Fazialisparese

  • Entzündliche Prozesse am Auge, Glaskörperblutungen, Mittelohrentzündung, Nasennebenhöhlenentzündung

  • Entzündliche Hautveränderungen, Lymphadenitis, Lymphangitis.

Kontraindikationen
Inkorporierte Metallteile, z. B. Nägel, Schrauben, Platten, Drähte, Prothesen, Herzschrittmacher, Stecksplitter.
Material
Kurz- bzw. Mikrowellengerät, Zeitschaltuhr.
Durchführen
  • Den Patienten informieren, störende Kleidung und ggf. Metallgegenstände entfernen (Uhr, Schmuck, Haarnadeln)

  • Kurzwelle: Kondensatorfeldmethode: Körperteil zwischen zwei Plattenelektroden bringen, Elektrodenabstand wählen (1–4 cm, geringer Abstand: Erwärmung der Subkutis; größerer Abstand: Tiefenwirkung); Spulenfeldmethode: Besondere Wirkung auf Muskulatur und Bindegewebe, z. B. an Gelenken, Wirbelsäule, Schultergürtel, auch Unterleibsorganen. Einzelelektrode auf die zu behandelnde Körperregion ausrichten

  • Dezimalwelle: Gegenüber Kurzwelle bessere Wärmeverteilung und größere Tiefenwirkung. Besonders geeignet zur Behandlung innerer Organe, großer Gelenke und kräftiger Muskelpartien; kurze Behandlungszeiten möglich

  • Mikrowelle: geringe Tiefenwirkung; optimale Wirkung bei gerade spürbarer Wärme.

Nachbereiten
Patienten ankleiden, entspannt lagern, warmhalten, vor Zugluft schützen.
Ultraschall
Wirkprinzip
Die mechanischen UltraschallWärmebehandlung Schallwellen erzeugen im Gewebe Vibrationen (Massageeffekt) und thermische Wirkung (Vasodilatation), Eindringtiefe bis ca. 8 cm.
Indikationen
Myalgie, Neuralgie, Sehnenscheidenentzündungen, Osteochondrose, Arthrosen, Narbenkontraktur.
Kontraindikationen
Epiphysenfuge bei Kindern, innere Organe, Uterus.
Durchführen
Für die Dosierung gilt:
  • Täglich 5–15 min, pro Behandlung um 1–3 min steigern, nach 12 Behandlungen Pause, Behandlungszyklus wiederholen

  • Bei akuter Erkrankung: kurze Behandlungsdauer (3–7 min), niedrige Intensität (0,15–0,3 Watt), kurze Behandlungsintervalle

  • Bei chronischen Erkrankungen: lange Behandlungsdauer (5–15 min), hohe Intensität (0,5–2 Watt), längere Behandlungsintervalle.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Auf ebenen Körperflächen kann Kontaktgel verwendet werden, subaquale Anwendung auf nicht glatten Flächen, z. B. Gelenke; häufigste Anwendung: dynamisches Verfahren, bewegter Schallkopf

  • Durch Verkanten oder Stehenbleiben des Schallkopfes kommt es zur Überdosierung: Gewebeschädigung.

Trockene Kälteanwendung

Indikationen
Blutungen, Entzündungen, Kälteanwendung, trockene Schmerzen, Fieber, drohender oder bestehender Gelenkerguss (Trauma).
Material
Eisblase, Eiskrawatte, Kühlelemente, Schutzbezug, Eiswürfel (Eisschnee), Körnerkissen.
Vorbereiten
Patienten informieren, Eisblase bzw. -krawatte zur Hälfte mit Eis füllen, Luft herausdrücken, Kühlelement oder Körnerkissen im Gefrierfach oder Kühltruhe abkühlen, Schutzbezug überziehen.
Durchführen
Patienten entspannt lagern, störende Kleidung entfernen, Kühlmittel nicht direkt auf die Haut legen, sondern durch Schutzbezug abdecken, oberflächlich verlaufende Nerven durch Wattepolster schützen (Bsp.: Trigeminus vor dem Ohr; Ischias: Mitte des M. gluteus, Kniekehle, zwischen Außenknöchel und Achillessehne).
Nachbereiten
Eisblase oder -krawatte entleeren, beim Patienten belassen, sonst Schutzbezug abziehen, Kühlmittel äußerlich desinfizieren.

Bestrahlung

Indikationen
BestrahlungUltraviolettbestrahlung (Höhensonne/UV-A-Strahler). Bei Ultraviolettbestrahlung Hauterkrankungen (Psoriasis), Tuberkulose (Knochen), Rachitisprophylaxe.
Kontraindikationen
Akute Infektionserkrankungen, Schock, Porphyrie.
Material
Höhensonne (Hg-Niederdrucklampe), Augenschutzbrille, Zeitschaltuhr, Wasser in Öl-Emulsion.
Durchführen
Vorbereiten: Patienten informieren, Material bereitstellen.
Störende Kleidung, Schmuck und ggf. Verbände entfernen, Patienten in geeignete Lage bringen, Höhensonne positionieren (50–100 cm Abstand), Patienten und ggf. Personal Schutzbrille anziehen lassen. Zeitschaltuhr einstellen (lt. Verordnung).
Nachbereiten
Material entfernen, ggf. Wasser-in-Öl-Emulsion auftragen, ggf. Verbände erneuern, den Patienten anziehen und entspannt lagern.

Verbände und Verbandswechsel

Bindenverbände

Indikationen
VerbandBindenverband Fixation von Wundauflagen; Anlegen von VerbandBinden Stützverbänden bei Distorsion, Muskelverletzungen, Luxationen; Anlegen von Kompressionsverbänden bei Varikosis, Ulcus cruris, Thromboseprophylaxe; Herrichten von Schienen.
Bindenarten
  • Papierbinde: Papierbinde Einfachster Bindentyp (Krepppapier), zum Schutz von Haut und Polsterungen unter Gips-, Zinkleim- und Stärkebinden

  • Mullbinde: Mullbinde Elastisch oder unelastisch, für einfache Verbände

  • Cambricbinde: Cambricbinde Unelastische, dichte und BindeCambrickräftige Mullbinde, zum Herrichten von Schienen, Befestigungen von Umschlägen und Verwendung als Bauchtuch

  • Elastische Binden Kurzzug-, Mittelzug- und Langzugbinden: MittelzugbindeLangzugbindeKurzzugbindeDauerelastisch, bis zu 200Bindeelastische % dehnbar, hoher Ruhedruck (Anwendung nur bei Mobilisation).

Verbandtechnik
  • Je nach Indikation geeignetes VerbandTechnik Bindenmaterial auswählen

  • Bindenkopf (Rolle) in die rechte und Bindenende in die linke Hand nehmen, Bindenkopf zeigt beim Abwickeln nach oben

  • Mit Fixationstour beginnen; körpernah abwickeln

  • Bindenzug nach Bedarf dosieren, keine Stauung oder Abbindung

  • Bindentouren zu ⅓ bis ½ überdecken

  • Bindenführung an anatomischen Gegebenheiten ausrichten: Zylindrische Körperglieder (Finger): Kreistouren; konisch zulaufende Körperglieder (Arm): Umschlagtouren, nicht mit elastischen Binden. Über Gelenken: Achtertouren bzw. Schildkrötenverband

  • Verbandende durch Verbandklammern, Heftpflaster oder Schleife aus eingeschnittenem Bindenende fixieren.

Kompressionsverbände
Indikationen
Kompressionsverband Thromboseprophylaxe; bei Ulcus VerbandKompressions- cruris venosum, Rückflussstörungen, Varizen (OP).
Kontraindikation
Arterielle Durchblutungsstörungen.
Besondere Binden
  • Kurzzugbinden: Zur Erhöhung der Kompression zwei Binden gegenläufig anlegen (Pütterverband), auch in Ruhephasen am Bein lassen

  • Pütter-Verband Pflasterbinden: Polster anlegen, an Fuß-, Sprung- und Kniegelenk Binde in üblicher Weise führen, an Unter- und Oberschenkel jede Tour wie die untere Schlaufe einer Achtertour führen, jede einzelne Tour auf der Beinvorderseite abschneiden, neue Tour überlappend ansetzen

  • Zinkleimbinden: Wie Pflasterbinden anlegen, abschließend zum Schutz der Kleidung mit Schlauchmull überziehen.

Durchführen
Vorbereiten
Patienten informieren, erst nach Anlegen der Binden aufstehen lassen, passende Binde bereitlegen, ggf. Polstermaterial vorbereiten, Patienten in entspannte Lage bringen.
Ausführen
Venösen Blutstau beseitigen: Extremitäten für Minuten hochhalten oder 20 min hochlegen, ggf. herzwärts ausstreichen – nicht bei arteriellen Durchblutungsstörungen! Ggf. Knochenvorsprünge (Schienbein, Knöchel) und Körpermulden (zwischen Knöchel und Achillessehne, Kniekehle) polstern, Zehen frei lassen (Durchblutung, Sensorik, Mobilität kontrollieren). Fußgelenk in 90°-Stellung bringen und Ferse mit einwickeln, da sonst ein Fensterödem entstehen kann. Kompression von Fensterödem distal nach proximal gleichmäßig vermindern, Binde beim Anwickeln zu ¾ bis ganz dehnen (Kompression), in natürlicher Laufrichtung abrollen (Schnürfurchen vermeiden), ggf. entstehende Lücken durch zweite Binde schließen, Oberschenkel nach Möglichkeit einbeziehen.
Nachbereiten
Patienten zur Mobilisation auffordern, Zehen beobachten auf Farbe, Sensibilität und Beweglichkeit. Beinumfang kontrollieren.
Komplikationen und Hilfen
  • Blässe oder Blauverfärbung der Zehen: Verband mit geringerer Kompression anlegen

  • Störungen der Sensorik oder Motorik: Polsterung verbessern, ggf. Verband mit geringerer Kompression anlegen

  • Anschwellen der Zehen: Mobilisation verbessern, ggf. Einschnürungen beseitigen, ggf. Kompression überprüfen: proximal abnehmend.

Tipps, Tricks und Fallen

Die meisten Kompressions-Bindenverbände erreichen in der Praxis nicht die erforderliche Kompression. Häufig ist es sinnvoller, dem Patienten angepasste medizinische Kompressionsstrümpfe verordnen zu lassen.

Pflasterverbände

Wundschnellverband
Indikation
Wundschnellverband VerbandWundschnell- VerbandPflaster- Kleine Wunden.
Material
Pflasterverband Kombination aus Wundauflage und Heftpflaster.
Arten: starr, elastisch, wasserundurchlässig, hautfreundlich, Meterware, Strips.
Durchführen
Passend schneiden, ggf. Heftpflaster sinnvoll einschneiden bei Gelenken und Fingerkuppen, Schutzstreifen abziehen, Wundauflage dabei nicht berühren, aufkleben.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Ggf. Haare entfernen

  • Auf allergene Wirkung des Verbandmaterials achten.

Tape-Verbände
Indikationen
VerbandTape Muskel-, Gelenk- und Bänderverletzungen (Tape-Verband Distorsionen, Einrisse, Zerrungen), Knochenfissuren.
Ziel
Entlasten und Stützen der verletzten Anteile, Erhalten der Beweglichkeit in den gesunden Anteilen.
Kontraindikationen
Komplette Bänder- und Kapselrisse, ausgedehnte Muskelrisse, Frakturen.
Material
Unelastische Pflasterstreifen verschiedener Breite, längselastische Pflasterbinden, ggf. elastische Unterzugbinden, Schaumstoffpolster.
Durchführen
Gelenk in Funktionsstellung bringen. Tape-Verband in drei Schritten anlegen:
  • Anker (Halte-)streifen als Basis oberhalb und unterhalb des betroffenen Gelenks zirkulär anlegen

  • Zügel zur Stützung von Anker zu Anker dachziegelartig aufkleben, Verlauf und Anzahl je nach Verletzung

  • Mit Schließstreifen eine geschlossene Hülle um den Verband legen als zusätzliche Befestigung der Zügel.

Schlauchmullverbände

Indikationen
ZurVerbandSchlauchmull Fixation von Wundauflagen, als Schlauchmullverband Unterzug für Gips- und Zinkleimverbände und Überzug für Schienen, zur Herstellung von Polstern.
Material
Schlauchmull und Applikatoren in verschiedenen Größen, ggf. Heftpflaster.
Vorbereiten
Patienten informieren, entspannt lagern, störende Kleidung entfernen, Schlauchmull abmessen (ca. das Dreifache des zu verbindenden Körperteils), ggf. Schlauchmull für Spezialverbände einschneiden, ggf. Applikator bestücken.
Durchführen
Schlauchmull raffen oder aufrollen (Herstelleranleitung), gerafften Schlauchmull dehnen und überziehen, Festigkeit des Verbandes durch Drehen und Straffen dosieren, Verbandende mit Heftpflaster oder Schleife fixieren.
Applikator anwenden
Kleinstmöglichen Applikator auswählen, Schlauchmull auf den Applikator aufziehen, Applikator über das Wundgebiet hinausführen, Schlauchmull straff vom Applikator abgleiten lassen, den Verband durch Drehen des Applikators bei handbreitem Abstand von der Wunde verankern, Faltenbildung (Verbandmull straffen) und Einschnürungen vermeiden (Verbandmull dosiert drehen), Verbandmull am Applikator abschneiden (Führungsrinne für die Schere).
Netzschlauchverbände
VerbandNetzschlauch Notwendige Verbandlänge abmessen, mitNetzschlauchverband beiden Händen dehnen, über der Wundauflage abgleiten lassen.

Wundverbände

Aufgaben
  • Wundverband Mechanischer Schutz, Polsterung

  • VerbandWund- Aufsaugen von Wundsekret, Herstellung eines heilungsfördernden Wundmilieus

  • Infektionsschutz

  • Die alte Ansicht, Wunden müssten trocknen, ist falsch. Vor allem Schürfwunden, Verbrennungen und chronische Wunden, z. B. Dekubitus, heilen gerade dann, wenn sie vor dem Austrocknen geschützt werden. Dazu verwendet man heutzutage moderne feuchte Wundauflagen.

Verbandarten
Nach dem Wirkprinzip kann man Wundverbände u. a. einteilen in Trocken- und Salbenverbände bzw. Verbände mit feuchten Wundauflagen:
  • Trockenverbände: Trockenverband Einfachstes Beispiel ist Verbandtrockenerdie sterile Baumwollkompresse

    • Vorteile: gute Saugfähigkeit, preiswert

    • Nachteile: Verklebt leicht mit der Wunde, beim Verbandswechsel Schädigung der Wunde und Schmerz

    • Anwendung: z. B. primär verschlossene Wunden (OP-Naht), Erstversorgung kleinerer akuter Wunden

  • Salbenverbände: UmSalbenverband das Verkleben zu VerbandSalbeverhindern, können Wundgazenetze mit Salben (z. B. Vaseline) beschichtet sein. Die Salbe kann jedoch zum Aufweichen der Wundränder, zum Verkleben der Poren und damit zum Austrocknen der Wunde führen. Alternativen sind z. B. Emulsionsgaze oder Hydrokolloidgaze. Anwendung: oberflächliche Wunden, z. B. Schürf- und Risswunden, Meshgraftplastiken

  • Feuchte Wundauflagen: Sie enthalten Substanzen zum WundauflagefeuchteFeuchthalten der Wunde, gewährleisten den Gasaustausch, schützen vor eindringenden Keimen und nehmen überschüssiges Wundsekret auf. Sie dürfen nicht zur Abdeckung von infizierten Wunden mit Entzündungszeichen verwendet werden, weil das von ihnen erzeugte feucht-warme Milieu die Infektion noch fördern würde. Zu den feuchten Wundauflagen zählen z. B.:

    • Hydrokolloide: z.Hydrokolloidverband B. Algoplaque®, VerbandHydrokolloide Varihesive®, Signal, Hydrocoll®, Comfeel® Plus. Bei den Hydrokolloiden saugt die Wirkschicht Wundsekret auf, verflüssigt oberflächliche Beläge und bildet ein Gel, das dann die Wundhöhle ausfüllt und unter der semipermeablen Deckschicht ein warmes, feuchtes Klima bewirkt, wie es für eine optimale Wundheilung nötig ist. Das Gel führt zur Bildung einer Blase im Verband. Ein Verbandswechsel ist nötig, wenn die Blase den Wundrand fast erreicht hat. Der Verband kann bis zu 7 Tagen belassen werden (lange Wundruhe). Anwendung: schwach exsudierende bzw. epithelisierende Wunden

    • Hydrogele: z.VerbandHydrogel B. Tegaderm-Hydrogel®, HydrogelverbandSuprasorb® G Gel, Askina® Gel. Hydrogele verflüssigen Nekrosen und Beläge durch die Abgabe von Feuchtigkeit. Sie feuchten trockene Wunden an bzw. halten sie feucht. Für die Sekundärabdeckung bei Hydrogelen in Gelform kommt bei trockenen Belägen z. B. eine Transparentfolie zum Einsatz, bei feuchten Belägen ein feinporiger Polyurethanschaum

    • Alginate: z.VerbandAlginat B. Sorbalgon®, Suprasorb A®, Alginatverband Tegagen®. Alginate werden aus Algen hergestellt und enthalten Alginsäure, Kalzium und andere Zusätze. Im Kontakt mit der Wunde bilden Alginate ein Gel mit hoher Kapazität, das Wundsekret und Zelltrümmer aufnimmt. Dies wirkt wundreinigend und granulationsfördernd. Anwendung: tiefe und exsudierende Wunden, auch zum Tamponieren geeignet.

Tipps, Tricks und Fallen

Unbedingt vermeiden:

  • Lokale Antibiotika. Sie wirken nur oberflächlich, hemmen die Wundheilung und führen zur Resistenzbildung

  • Zusätze mit Farbstoffen machen eine Wundbeurteilung unmöglich und können zudem Schwermetalle enthalten

  • Alle Formen von Lebensmitteln, wie z. B. Honig (ausgenommen medizinischer Honig) oder Kohl. Sie sind für die Wundbehandlung nicht zulässig

  • Ein Auskühlen der Wunde: Wunde nicht offen liegen lassen, zügig arbeiten, Spüllösungen anwärmen.

Durchführen
  • Aseptisch arbeiten, nur sterile Materialien mit der Wunde in Berührung bringen

  • Wunde reinigen

  • Wundauflage muss dem jeweiligen Wundzustand angemessen sein, bei veränderten Wundverhältnissen muss die Art der Wundauflage angepasst werden

  • Nichthaftendes Material zwischen Wunde und Wundabdeckung einbringen. Für atraumatischen Verbandswechsel sorgen

  • Fixationsmethode nach Lage der Wunde auswählen. Ggf. Gel- oder Sprayverband anwenden bei nicht sezernierenden, primärheilenden Wunden.

Wundspülung

Indikationen
Wundspülung Wunden mit Fremdkörpern (Schmutz, SpülungWunde Splitter, Gewebefasern), zur Reinigung bei allen Wundzuständen, z. B. von Eiter, Wundsekret, Blutkoageln, Gewebetrümmern.
Material
Angewärmte Spüllösung, z. B. Ringer-Lösung, zusätzlich: Spritze (10–20 ml), Kanüle, Knopfkanüle oder dünner Spülkatheter, sterile Pinzette, Auffanggefäß (Nierenschale), Abwurfsack, ggf. aufsaugendes Material (Zellstoff, Mulltupfer, Kompressen), Bettschutz, Händedesinfektionsmittel, unsterile Handschuhe, Mundschutz.
Vorbereiten
  • Patienten informieren, abschirmen, entspannt lagern, störende Bekleidung entfernen

  • Bettschutz unterlegen, Materialien bereitstellen.

Durchführen
  • Hände desinfizieren, mit unsterilen Handschuhen und steriler Pinzette alten Verband entfernen und in Abwurfsack geben, Pinzette in Desinfektionslösung abwerfen

  • Hände desinfizieren, neue Handschuhe anziehen und Spüllösung mit Spritze und Kanüle aufziehen. Wunde mit dosiertem Strahl aus der Spritze spülen. Bespritzen der Umgebung vermeiden. Ggf. Knopfkanüle benutzen (tiefe Wunde, Wundtaschen)

  • Abfließende Spüllösung in Nierenschale oder steriler Kompresse auffangen

  • Sorgfältige Wundbeobachtung durchführen, bei Veränderungen Arzt informieren

  • Wunde entsprechend dem Wundzustand mit der geeigneten Wundauflage verbinden.

Nachbereiten
Patienten ggf. beim Ankleiden und der Lagerung unterstützen, Materialien entsorgen.

Verbandswechsel bei aseptischen Wunden

Indikationen
Primärheilende Wunden, z. B. OPVerbandswechselaseptischer-Wunden, Wunden nach primärer chirurgischer Wundversorgung und nicht infizierte Wunden.
Vorbereiten
  • Patienten informieren, alle benötigten Materialien je nach Erfordernissen des Verbands auf einem desinfizierten Tablett richten. Verbandwagen nicht mit ins Zimmer nehmen

  • Bei schmerzhaftem Verbandswechsel rechtzeitig vorher Schmerzmittel auf Arztanordnung verabreichen

  • Bei aufwändigeren Verbandwechseln zu zweit arbeiten

  • Platz schaffen (ggf. Verbandzimmer), für genügend Licht sorgen, Fenster und Türen schließen, Patienten vor Blicken der Mitpatienten schützen, störungsfreies Arbeiten sicherstellen

  • Alle Materialien außer Reichweite des Patienten ablegen. Alle Materialien, die direkt oder indirekt (Verbandschere) mit der Wunde in Berührung kommen, müssen steril sein

  • Hände desinfizieren, Schutzkittel anziehen.

Durchführen
  • Patienten bei der Lagerung unterstützen, störende Kleidung entfernen

  • Unsterile Handschuhe anziehen, alten Verband entfernen, Verkrustungen ggf. durch Anfeuchten, z. B. mit Ringer-Lösung, lösen. Inspektion der Wundauflage, Verband und Handschuhe abwerfen

  • Hände desinfizieren, sterile Handschuhe anziehen. Wunde von innen nach außen, z. B. mit steriler Pinzette und sterilen Kugeltupfern, reinigen. Die Wunde immer nur mit sterilen Handschuhen bzw. sterilen Materialien berühren. Für jeden Wischvorgang neuen sterilen Kugeltupfer verwenden (Abb. 3.16)

  • Wunde inspizieren, evtl. neue sterile Handschuhe anziehen, phasengerechten Wundverband anlegen, Handschuhe ausziehen und abwerfen, Hände desinfizieren.

Nachbereiten
  • Sich beim Patienten nach dem Sitz des Verbands erkundigen (Druckschmerzen?) und informieren, sich bei Veränderungen, z. B. Druckgefühl, zu melden

  • Arbeitsfläche desinfizieren, Abwurfbeutel und alle benutzten Gegenstände aus dem Patientenzimmer bringen, Materialien entsorgen, z. B. sterilisierbares Material in Abwurfbehälter mit Desinfektionslösung

  • Zustand der Wunde und durchgeführte Maßnahmen, ggf. auch mit Foto, dokumentieren, Verbandwagen auffüllen.

Verbandswechsel bei septischen Wunden

Indikationen
Sekundär heilende und Verbandswechselseptischerinfizierte Wunden.
Vorbereiten (Kap. 3.10.6), zusätzlich zur Wundspülung: Antiseptikum, z. B. Octenisept® oder Spülflüssigkeit, z. B. Ringer-Lösung, 20 ml Spritze, Knopfkanüle, ggf. gesonderter Verbandwagen für septische Wunden.
Grundsatz: Zuerst alle aseptischen Wunden versorgen und dann die septischen!
Durchführen
  • Patienten bei der Lagerung unterstützen, störende Kleidung entfernen, Bettschutz einlegen

  • Unsterile Handschuhe anziehen, alten Verband entfernen, Wundauflage und Wunde inspizieren, Verband und Handschuhe abwerfen

  • Hände desinfizieren, Spüllösung aufziehen, Verpackung von sterilen Kompressen, sterilen Kugeltupfern und steriler Pinzette öffnen

  • Sterile Handschuhe anziehen, Wunde spülen, abfließende Spülflüssigkeit mit Kompressen auffangen

  • Reinigung der Wundumgebung mit steriler Pinzette und sterilen Kugeltupfern von außen nach innen (Abb. 3.16). Pro Wischvorgang einen Tupfer benutzen

  • Wunde beurteilen: Nekrosen? Fibrinbelag? Eiter? Geruch? Wundstadium, z. B. Granulationsphase? Wundumgebung, z. B. Rötung?

  • Handschuhe ausziehen, abwerfen, Hände erneut desinfizieren

  • Evtl. Wundabstich für Erregernachweis abnehmen

  • Alle Materialien zur Wundversorgung vorbereiten. Mit neuen sterilen Handschuhen Wunde mit phasengerechtem Produkt nach Anordnung versorgen, Wundabdeckung aufbringen

  • Handschuhe ausziehen, abwerfen und Hände desinfizieren.

Nachbereiten ( Kap. 3.10.6 )

Verbandswechsel Hydrokolloid-/Hydrogelverbände

Durchführen
VerbandswechselHydrokolloid-/Hydrogelverbände HydrokolloidverbandVerbandswechsel Prinzip wie aseptischer Verbandswechsel (Kap. 3.10.6). Vorher Gebrauchsanweisung lesen!
Besonderheiten
  • Richtige Größe: Die Wirkschicht muss die Wunde an allen Seiten 2–3 cm überragen. Für Wunden an kritischen Stellen, z. B. im Sakralbereich und an der Ferse gibt es speziell geformte Pflaster

  • Richtiges Produkt: Für trockene Wunden sind Hydrogel- den Kolloidverbänden vorzuziehen, da sie bereits aktives Gel enthalten und nicht erst durch Wundsekret aktiviert werden müssen

  • Tiefe Wunden: Müssen zunächst mit geeigneten Produkten, z. B. mit Alginat, aufgefüllt werden. Fibrinöse oder nekrotisierende Wunden, z. B. mit Hydrogelen in Gelform, versorgen

  • Aufbringen: Hydrokolloidverband sollte warm aufgelegt werden, vorher z. B. zwischen den Händen anwärmen. Beim Auflegen darauf achten, dass keine Luftblasen eingeschlossen werden

  • Fixieren: Hydrokolloidplatten ohne Kleberand können ggf. mit einer Transparentfolie oder Pflaster fixiert werden (nur bei intakter Haut!)

  • Verbandswechsel: Nicht zu früh (Platte kann nicht richtig wirken, teuer), nicht zu spät (umliegendes Gewebe kann durch Wundsekret geschädigt werden). Richtiger Zeitpunkt bei Hydrokolloidverbänden: Über der Wunde bildet sich im Pflaster eine Blase oder auch nur eine Verfärbung. Verbandswechsel, wenn die Blase die Größe der Wunde erreicht hat oder spätestens nach 7 Tagen.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Am Anfang einer Behandlung mit Hydrokolloid-/Hydrogelverbänden wird die Wunde scheinbar größer, da auch geschädigtes Gewebe aufgelöst wird, das mit bloßem Auge noch gesund aussah

  • Nach dem Verbandswechsel bei Hydrokolloidverbänden mit einem Stift die Umrisse der Wunde auf das Pflaster malen. So weiß man, wann die entstehende Blase die Wundgröße überschritten hat → neuer Verband. Außerdem Datum vermerken

  • Bei nachgewiesener Infektion – vor allem mit anaeroben Keimen – werden ggf. systemische, antibiotische Behandlungen oder der Wechsel auf eine andere Verbandart nötig (Arzt).

Literaturhinweis

Protz, 2014

K. Protz Moderne Wundversorgung 2014 Elsevier Verlag München

Websites

DNQP

DNQP Expertenstandard Chronische Wunde www.dnqp.de/ExpertenstandardChronischeWunden.pdf

Initiative Chronische Wunden e

Initiative Chronische Wunden e. V www.icwunden.de

Wundzentrum Hamburg e

Wundzentrum Hamburg e. V www.wundzentrum-hamburg.de

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