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B978-3-437-26164-0.00004-4

10.1016/B978-3-437-26164-0.00004-4

978-3-437-26164-0

Lebensphasen

Andrea Kurz

(Vorauflage Kap. 4.6: Gisela Stoll)
  • 4.1

    Überblick306

  • 4.2

    Pflege von gesunden Säuglingen307

  • 4.3

    Pflege von Kindern309

  • 4.4

    Pflege von Jugendlichen311

  • 4.5

    Pflege von Erwachsenen311

    • 4.5.1

      Intimsphäre im Krankenhaus312

    • 4.5.2

      Sexualität im Krankenhaus312

  • 4.6

    Pflege von alten Menschen312

    • 4.6.1

      Altern312

    • 4.6.2

      Krankheiten des alternden Menschen314

    • 4.6.3

      Biografiearbeit314

    • 4.6.4

      Pflegerische Interventionen315

    • 4.6.5

      Altenhilfe318

    • 4.6.6

      Psychiatrische Erkrankungen alter Menschen319

    • 4.6.7

      Alte Menschen in der Akutklinik321

Überblick

Pflegende begegnen bei ihrer Arbeit Menschen in allen Lebensphasen Lebensphasen, vom Neugeborenen bis zum Sterbenden. Sie haben die Aufgabe, Patienten in ihrem lebenslangen Entwicklungsprozess zu begleiten und Entwicklung zu fördern. Die fortlaufende Entwicklung des Menschen ist von verschiedenen Faktoren abhängig:
  • Den Erbanlagen (Gene), die ein Kind von seinen Eltern erhält

  • Der Umwelt, die z. B. in Form von Familie, Schule und Beruf den Einzelnen prägt und in seiner Entwicklung beeinflusst

  • Der Persönlichkeit durch Selbststeuerung, d. h. der Mensch steuert seine Entwicklung, z. T. auch unabhängig von Umgebungsfaktoren.

Verschiedene Konzepte der Persönlichkeitsentwicklung messen diesen Faktoren unterschiedliche Bedeutung bei:
  • Exogenistisches Entwicklungsmodelle Entwicklungsmodell (exogen = von außen erzeugt): Die Entwicklung des Menschen geht im Wesentlichen auf die Umwelt zurück, der Mensch ist eher passiv

  • Endogenistisches Entwicklungsmodell (endogen = von innen erzeugt): Die Entwicklung ist stark durch die Erbanlagen geprägt, der Mensch entwickelt sich automatisch

  • Selbstgestaltungstheorie: Der sich entwickelnde Mensch selbst spielt eine wichtige, aktive Rolle, der Mensch erkennt seine Umwelt, reagiert auf sie und verändert sie

  • Systemisches Entwicklungsmodell: Die Auseinandersetzung des Individuums mit seiner Umwelt steht im Vordergrund (Interaktion) und begreift den sich entwickelnden Menschen und sein Umfeld als „System“.

Zeitfenster für Entwicklungsschritte
Manche Entwicklungsschritte, wie z. B. Sprechen oder Gehen lernen bei Kindern aber auch Trauerarbeit im Erwachsenenalter, sind in bestimmten Zeitfenstern besonders leicht möglich. Wichtig ist, zu erkennen, wann dieses Zeitfenster „geöffnet“ ist, um entsprechend zu begleiten und zu fördern.
So ist das Leben eine ständige Entwicklung. Zentrale Aufgabe des Menschen ist es, sich an wechselnde Bedingungen anzupassen und Probleme und Konflikte zu bewältigen.
Unterstützung bei Lebenskrisen
CopingDas Erleben von Krankheit und Einschränkung (von Fähigkeiten und Ressourcen) oder der Verlust eines geliebten Menschen kann zu inneren Erschütterungen und Sinnkrisen führen. Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf die Herausforderungen, die an ihn gestellt werden (Kap. 1.6.3).

Definition

Coping (engl. to cope with = zurechtkommen mit): Reaktionen auf herausfordernde Lebensereignisse.

Definition

Resilienz: ResilienzBezeichnet die psychische Widerstandsfähigkeit von Menschen, die es ermöglicht, selbst widrigste Lebenssituationen und Belastungen ohne nachhaltige psychische Schäden zu bewältigen.

Die Konzepte der Salutogenese Salutogenese(„Was hält den Menschen gesund?“) und der Stressforschung (Kap. 1.6.3) werden in der Resilienzforschung einbezogen.
Zu den persönlichen Widerstandsressourcen Widerstandsressourcengehören:
  • Kognitive Fähigkeiten

  • Emotionale Stabilität

  • Körperliche Gesundheitsressourcen

  • Soziale Kompetenzen

  • Motivation/Glaube.

Situation der Pflegenden
  • Die Konfrontation mit Grenzsituationen kann bei Pflegenden gemischte Gefühle erzeugen, z. B. Hilflosigkeit, Mutlosigkeit, Gefühl des Alleingelassen seins, Depression, Verzweiflung, Wut, Zweifel

  • Pflegende können nur handlungsfähig bleiben, wenn sie Machbares von Nicht-Machbarem trennen (Burn-out Kap. 1.6.2)

  • Kompetenz gewinnen durch professionelle Weiterbildung und Unterstützung.

Pflege von gesunden Säuglingen

SäuglingspflegePflegeSäugling Bei der Geburt wiegen die meisten Kinder zwischen 2,5 und 4,2 kg. In den ersten vier Lebenstagen nimmt das Neugeborene vor allem durch den natürlichen Wasserverlust bis zu 10 % seines Geburtsgewichts ab. Gesunde Kinder haben nach 8–14 Tagen ihr Geburtsgewicht wieder erreicht.

Faustregel für die Gewichtsentwicklung

Im Alter von fünf bis sechs Monaten hat sich das Geburtsgewicht verdoppelt, mit einem Jahr verdreifacht, mit sechs Jahren versechsfacht und mit zehn Jahren verzehnfacht. Gestillte Kinder nehmen in den ersten vier Monaten oft rascher zu als nicht gestillte Kinder.

Puls, Blutdruck, Atmung
  • PulsSäugling Die Herzfrequenz nimmt nach der Geburt stetig ab. Nach dem ersten Lebensjahr liegt sie zwischen 80 und 150 Schlägen/min. Der Blutdruck (RR)SäuglingBlutdruck hingegen nimmt mit wachsender Körpergröße kontinuierlich zu

  • Die AtmungSäugling Atemfrequenz beträgt ca. 40 Atemzüge/min (Neugeborenes) bzw. ca. 25 Atemzüge/min (Kleinkind). Am Anfang herrscht die Bauchatmung vor.

Ausscheidung
  • Ca. 8–10 Urinausscheidungen/Tag beim AusscheidungNeugeborenes Neugeborenen

  • Innerhalb der ersten 2 Tage Absetzen von Mekonium: Zäher, grün-schwarzer, erster Stuhlgang

  • Bis zum 4./5. Tag heller Übergangsstuhl. Dann bei gestillten AusscheidungSäugling Kindern goldgelber, süßlich riechender Muttermilchstuhl (bzw. säuerlich riechend bei Kunstmilch)

  • Stuhlfrequenz wechselhaft von 10-mal/Tag oder einmal in 10 Tagen.

Temperatur
  • KörpertemperaturSäugling Temperaturerhöhungen, z. B. beim Zahnen (1. Zahn bricht meist mit 6 Monaten durch) bzw. durch Infektionen. Zwischen dem 3. und 12. Lebensmonat höhere Anfälligkeit für Infektionen (nach Abbau der mütterlichen Antikörper im Blut des Säuglings). Durch Auseinandersetzung mit Erregern und Impfstoffen wird Immunität gestärkt

  • Neben subfebrilen Temperaturen sind schlechtes Trinken und veränderte Hautfarbe unspezifische Symptome für eine Infektion.

Bewegung
  • MobilitätSäugling Durch die fehlende Kopfkontrolle Kopf des Säuglings anfangs stützen

  • Entwicklung der motorischen Fähigkeiten durch geeignete Materialien unterstützen (z. B. Spielzeugtrapez über das liegende Kind stellen)

  • Zwischen ca. 3.–6. Monat Abdrücken mit den Armen von der Unterlage, sicheres Kopfhalten in allen Positionen, Drehen vom Rücken auf den Bauch und wieder zurück

  • Mit ca. 9 Monaten freies Sitzen, Stehen mit Festhalten, Beginn des Krabbelns

  • Zeichen für eine Entwicklungsstörung u. a.: ausgeprägte Schlaffheit, ungleiche Muskelgrundspannung, schwaches Saugen.

Tipps, Tricks, Fallen

Beratung der Eltern zur UnfallpräventionUnfallpräventionSäugling:

  • Kind nicht unbeaufsichtigt auf dem Wickeltisch oder Bett liegen lassen

  • Kleinteilige, spitze oder scharfkantige Gegenstände immer außer Reichweite von Kindern halten

  • Kordeln und Schnüre, insbesondere an Kleidungsstücken, vermeiden

  • Kind in der Badewanne sicher halten

  • Treppen, Türen (auch Balkontüren) und Fenster sichern

  • Kind nie unbeaufsichtigt an Hitzequellen (z. B. Herd, Bügeleisen, Kamin) lassen

  • Steckdosen sichern

  • Kind nicht unbeaufsichtigt mit Tieren allein lassen

  • Medikamente, Reinigungsmittel und andere Chemikalien verschlossen halten

  • Kind im Kindersitz stets anschnallen.

Kommunikation
  • KommunikationSäugling Kind äußert sich anfangs v. a. durch Schreien, das je nach Botschaft variiert (Hunger, Schmerz, Langeweile). Gehör entwickeln, was das Kind ausdrücken will

  • Eltern-Kind-Beziehung fördern, für so viel Nähe und Hautkontakt wie möglich sorgen

  • Berücksichtigen, dass von Anfang an Mimik und Gestik Gefühle des Kindes ausdrücken

  • Auf Entwicklungsstörungen achten, z. B. deuten mangelnde Hinwendung zu Geräuschquellen, geringe oder fehlende Reaktion auf Personen u. U. auf Hör- bzw. Sehstörungen hin. Intaktes Hörvermögen ist Voraussetzung für normale Sprachentwicklung

  • Mit ca. 6–8 Monaten auf „Fremdeln“ beobachten: Unterscheidung zwischen vertrauten und nicht vertrauten Gesichtern. Unbekannte Personen werden abgelehnt.

Beratungsschwerpunkt: Plötzlicher Kindstod (SIDS)

Definition

Sudden Infant Death Syndrome (SIDSSIDS): Kindstod, plötzlicherPlötzlicher Tod eines Säuglings unter einem Jahr, der nach einer sorgfältigen Falluntersuchung, einschließlich Autopsie, Untersuchung der Todesumstände und der Betrachtung der klinischen Anamnese ungeklärt bleibt.

Pflegende beraten Eltern von Neugeborenen zu vorbeugende Maßnahmen:
  • Sichere Schlafumgebung

    • Kind in Rückenlage positionieren

    • Feste Liegefläche verwenden

    • Kind nicht im Bett der Eltern schlafen lassen sondern im eigenen Bett im Zimmer der Eltern

    • Schlafsack statt Bettdecke verwenden

    • Verzicht auf Kopfkissen, Felle, „Nestchen“, Kuscheltiere usw.

    • Vermeiden von Überwärmung (Schlafzimmertemperatur ca. 16–18 °C)

  • Rauchfreie Umgebung, kein Rauchen in der Schwangerschaft

Auch Stillen und die Verwenden eines Beruhigungssaugers werden im Zusammenhang mit der SIDS-Prävention empfohlen.

Pflege von Kindern

  • PflegeKind Bis zum Vorschulalter sind körperliche Entwicklungen wie Sprechen, Laufen und der Erwerb feinmotorischer Fähigkeiten abgeschlossen. Im Sozialverhalten werden die Weichen gestellt, zunächst noch dominiert von den Erbanlagen, später von der Auseinandersetzung mit der Umwelt geprägt

  • Ständiges Training der Motorik entspricht dem angeborenen Bewegungsdrang und dem Wunsch nach Erforschung der Umwelt

  • Sprachentwicklung kann sehr unterschiedlich verlaufen. Manche Kinder sprechen mit 9 Monaten bereits sinnvolle Worte, andere erst mit 2 Jahren

  • Mit ca. 2,5 Jahren sind alle 20 Zähne des Milchgebiss Milchgebisses vorhanden, mit ca. 6 Jahren Aufbau des bleibenden Gebisses

  • Zwischen 15 Monaten und drei Jahren steht Abgrenzung im Vordergrund. Ablehnung gut gemeinter Ratschläge der Eltern, Unverständnis dafür aus Sicht des Kindes

  • Gratwanderung, dem Kind einerseits das Recht bzw. die Macht zur Ablehnung zu überlassen, andererseits jedoch auch konsequent Grenzen zu setzen.

Kommunikation
  • KommunikationKind Bei Behandlung im Krankenhaus große Verunsicherung der Kinder durch veränderte Umgebung sowie schmerzlicher „Verlust“ von vertrauten Menschen und ggf. Altersgenossen → kann Rückfall auf frühere Entwicklungsstufen zur Folge haben. Pflegende bemühen sich, eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen. Eine Bezugsperson bleibt beim Kind

  • Kind genügend Möglichkeit für zeitliche Freiräume und zum freien Spiel geben, ebenso „Verarbeitungspausen“. Kind muss nicht permanent beschäftigt werden

  • Für eine gute Beziehung der Pflegenden zum Kind sind kindgerechte Aufklärung und ein altersentsprechender Umgang wichtig. Möglichst für konstante Bezugspersonen sorgen

  • Kind in alle Pflegehandlungen mit einbeziehen bzw. vom Kind selbst übernehmen lassen und nicht vorschnell abnehmen, um Kompetenz des Kindes zu bestätigen

  • Gute Vor- und Nachbereitungen von unangenehmen Pflegehandlungen, z. B. vorher an einer Puppe demonstrieren, über mögliche Schmerzen ehrlich informieren. Nichts versprechen, was nicht gehalten werden kann. Beim Nachbereiten Kind nach persönlichem Erleben fragen und individuelle Bedürfnisse („hätte so gerne meinen Teddy da gehabt“), wenn möglich, beim nächsten Mal berücksichtigen

  • Für Reaktionen der Abwehr sensibel sein (z. B. Protest, Mund oder Po zusammenkneifen, Weglaufen, Apathie, Resignation). Ursachen suchen und, wenn möglich, beseitigen

  • Auf Störungen der Sprachentwicklung achten. Dazu gehören z. B. nicht altersentsprechendes Verständnis von Worten sowie Stottern oder Lispeln (verschwindet meist von selbst wieder)

  • Auf die Situation der Eltern eingehen. Sie befinden sich wie ihr Kind in einer fremden Umgebung, können es nicht wie gewohnt beschützen (z. B. vor Schmerzen). Sie sind weiter die Experten für die Bedürfnisse ihres Kindes, müssen jedoch akzeptieren, dass das therapeutische Team über das Spezialwissen für die Gesundheit ihres Kindes verfügt. Eltern und Kindern weiter ihre persönlichen Rituale, z. B. beim Einschlafen, ermöglichen.

Tipps, Tricks und Fallen

Ein Informationsblatt kann Verunsicherungen der Eltern in der veränderten Umgebung des Krankenhauses vorbeugen helfen. Es beantwortet z. B. Fragen nach Waschgelegenheiten, Essensmöglichkeiten, zum Stationsablauf, Abrechnung der Kosten.

Ernährung
  • ErnährungKind Körpergröße und -gewicht geben Auskunft über das Gedeihen des Kindes. Durch ein nicht ausreichendes Nahrungsangebot bzw. eine ungenügende Nahrungsaufnahme oder -verwertung kann es zu Gedeihstörungen kommen. Ursachen sind z. B. elterliche Vernachlässigung, Passagebehinderungen (z. B. Pylorusstenose), Malabsorption (z. B. Zöliakie), Maldigestion (z. B. Mukoviszidose) oder chronische Erkrankungen (z. B. schwerer Herzfehler)

  • Neben einer sorgfältigen Beobachtung des Kindes stehen Kontrollen des Gewichts und der Nahrungszufuhr. Dadurch können auch Essstörungen (Anorexie/Bulimie, Adipositas) erkannt werden.

Ausscheidung
Beobachtung auf altersentsprechende Kontrolle der Ausscheidungen. Einnässen bzw. Einkoten können organische bzw. psychische Ursachen haben.
Beratungsschwerpunkt: Kindergesundheit
Vorrangige Gesundheitsprobleme im Kindesalter sind Ertrinken, Vergiftungen, Verbrennungen und Stürze. Sie sind die häufigste Todesursache für alle Kinder ab einem Jahr und Hauptursache für eine Behinderung.
Relevante Themenbereiche der Beratung durch Pflegende sind neben der Unfallverhütung und Erste Hilfe u. a.
  • Impfungen zur Vermeidung von Infektionskrankheiten

  • Gesunde Ernährung

  • Ausreichende Bewegung

  • Maßnahmen zum Schutz vor UV-Strahlung.

Pflege von Jugendlichen

PflegeJugendlicher Ab dem ca. 11. Lebensjahr beginnt die Pubertät Pubertät als eine Phase des Übergangs zwischen Kind- und Erwachsensein. Ungefähr mit dem 19. Lebensjahr (Frauen) bzw. 23. Lebensjahr (Männer) ist die körperliche Entwicklung abgeschlossen (Adoleszenz Adoleszenzzeit).
Ausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale, Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität (Kap. 4.5.1, Kap. 4.5.2).
Kommunikation
  • KommunikationJugendlicher Jugendliche setzen sich mit einschneidenden Ereignissen auseinander: der ersten Liebe, Berufswahl, Ablösung vom Elternhaus, Suche nach Identität und Sinn, Erreichen der Volljährigkeit mit Rechten und Pflichten. Diese Auseinandersetzung kann u. U. zu Krisen führen, die sich z. B. in aggressivem oder zurückgezogenem Verhalten ausdrücken

  • Pflegende respektieren die Bedürfnisse des Jugendlichen, sind sensibel für seine seelische Verfassung und unterstützen ihn bei Störungen.

Ernährung
ErnährungJugendlicher In den letzten Jahren steigt die Zahl der Jugendlichen, die wegen Essstörungen oder Suizidversuchen stationär behandelt werden. Hier sind besonders Pflegende in entsprechenden psychosomatischen Stationen gefragt.
Beratungsschwerpunkte
Pflegende beraten Jugendliche u. a. zu den Themen:
  • Sexuell übertragbare Infektionen

  • Suchtprävention (Nikotin, Alkohol, Drogen, Arzneimittel)

  • Ernährung, Bewegung, Stress

Hilfreiche, kostenlose Informationen zu diesen Themen bietet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung www.bzga.de

Pflege von Erwachsenen

  • PflegeErwachsener In der Frühphase des Erwachsenenlebens wirkt die Jugendzeit noch nach, in der mittleren Phase liegt das Maximum an Leistungskraft und Zufriedenheit, die dritte Phase ist oft geprägt von der Auseinandersetzung mit dem Alter. Dies kann sich auch in Form einer Midlife-Crisis ausdrücken

  • Menschen in der mittleren Phase des Erwachsenenlebens sind eher selten im Krankenhaus, dann vorwiegend auf der Entbindungsstation oder Chirurgie (z. B. durch Arbeits- oder Verkehrsunfälle) anzutreffen. Diese Phase ist gesundheitlich die stabilste

  • In der dritten Phase des Erwachsenenlebens stehen internistische Erkrankungen im Vordergrund, z. T. bedingt durch die Folgen jahrelanger schädigender Einflüsse durch Nikotin, Alkohol, Stress etc. (z. B. kardiologische Erkrankungen).

Intimsphäre im Krankenhaus

Intimsphäre Intimsphäre bezeichnet den innersten privaten Bereich eines Menschen. In allen Lebensphasen, vom Kleinkind bis zum Greis, gilt für die Pflegenden, diesen Bereich zu schützen und zu achten:
  • Eigene Gefühle und eigenes Schamgefühl wahrnehmen und danach handeln

  • Tabuzonen: Gesicht, Mund, Hals, Körperfront, Genitalbereich nicht ohne Erlaubnis berühren. Intimpflege, wenn möglich, selbstständig ausführen lassen

  • Patient vor den Blicken Dritter schützen (Wandschirm, Vorhang am Waschbecken), Besucher und Mitpatienten aus dem Zimmer bitten, Störungen/Unterbrechungen vermeiden

  • Pflegerische Verrichtungen im Intimbereich, wenn möglich, von einer Pflegeperson gleichen Geschlechts ausführen lassen

  • Scham berücksichtigen, z. B. kein Ausfragen in Gegenwart Dritter

  • Besucherräume für private Gespräche und Zärtlichkeiten zwischen Partnern zur Verfügung stellen.

Sexualität im Krankenhaus

SexualitätSexualitätim Krankenhaus gehört zu den Grundbedürfnissen vieler Menschen. Sexuelle Bedürfnisse beginnen in der Pubertät und bleiben normalerweise bis zum Lebensende bestehen (Kap. 4.6.4); Langzeitpatienten, chronisch Kranke und alte Menschen sind nicht asexuell.
Möglichkeiten selbstverständlicher Akzeptanz
  • Eigenes Rollenverhalten erkennen, um entkrampft und angstfrei mit dem eigenen und dem anderen Geschlecht umzugehen

  • Gefühle zulassen, sie anderen verständlich machen und Probleme aussprechen

  • Verständnis zeigen für alle Formen von Sexualität und Liebe, Vorurteile vermeiden

  • Grenzen setzen, wo eigene Würde und Intimsphäre verletzt werden, z. B. anzügliche, zweideutige Bemerkungen, Anträge, unerwünschte Berührungen

  • Auseinandersetzung mit den Themen Sexualität, Sinnlichkeit, Erotik.

Pflege von alten Menschen

Altern

Definition

Alter: Bezeichnet zum einen das biografische Alter oder das biologische Alter eines Menschen, zum anderen den Lebensabschnitt des Alters, der meist als Phase nach dem 60. Lebensjahr definiert ist.

Die Lebensphase des Alters wird unterteilt in
  • Ältere Menschen (bis 75 Jahre)

  • Alte Menschen (75–90 Jahre)

  • Hochbetagte (90–100 Jahre)

  • Langlebige (über 100 Jahre).

Altern ist ein biologischer Prozess und nicht mit Krankheit gleichzusetzen. Die Übergänge zwischen normalen Alterungsprozess Alterungsprozessen und Krankheit sind oft fließend. Altern geht häufig einher mit vermehrten Belastungen und einem allmählichen Rückgang vieler Lebensfunktionen z. B.:
  • Körperliche Fähigkeiten

    • Haut und Haare: Elastizitätsverlust und Pigmentstörungen

    • Bewegungsapparat: Abnehmende Muskelkraft und Knochendichte, Gelenkverschleiß

    • Herz-Kreislauf-System: Abnahme der Herzleistung, Anstieg des Blutdrucks

    • Nieren: Abnahme der glomerulären Filtrationsrate um ca. ⅓

    • Abwehrsystem: Verändertes klinisches Bild bei Infektionen

    • Sinnesorgane: Nachlassende Leistung

  • Geistige Fähigkeiten

    • Verlangsamtes Denken und Lernen

    • Schlechteres Gedächtnis.

Kompetenz im Alter
Gute Gesundheit bedeutet für alte Menschen nicht unbedingt Abwesenheit von Krankheit und Behinderung, sondern die Abwesenheit von quälenden Beschwerden/Schmerzen und die Kraft und Fähigkeit, Gebrechen und Einschränkungen noch selbst zu meistern.
Kompetenz im Alter ist abhängig von der sozialen Situation und Umwelt des Betagten. Das wichtigste Kriterium ist dabei die Balance von Sicherheit und Autonomie.
Pflegerische Einschätzung (Assessment)
Assessment In der pflegerischen Einschätzung am Beginn des Pflegeprozesses (Kap. 1.1.3, Kap. 1.1.6) legen Pflegende bei alten Menschen ein besonderes Augenmerk auf biografische Aspekte.
Häufig führen unfreiwilliger Ortswechsel, z. B. ein Krankenhausaufenthalt, bei vorher unauffälligen älteren Menschen zu körperlichen Beschwerden oder Verwirrtheitszuständen. Deshalb schon bei der Aufnahme routinemäßig die Einschätzung geistiger Funktionen sowie wichtige Daten über Umzüge, z. B. ins Altenheim, dokumentieren.
Umfang der Einschätzung individuell ausrichten: bei einem geistig und körperlich aktiven alten Menschen, der wegen eines elektiven Eingriffs aufgenommen wird, sicherlich knapper als bei einem Menschen nach Apoplex mit Hemiplegie und Aphasie.
Informationen zur Biografie (Gewohnheiten, Vorlieben, Abneigungen, prägende Erlebnisse) können nach und nach während der Pflege ergänzt werden.
Gesundheitsförderung und Prävention
Alterungsprozesse hinauszögern und potenzielle Pflegeprobleme vermeiden durch:
  • Ausgewogene Ernährung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr mit 1,5–2 l tgl.

  • Bewegung, viel Sauerstoff

  • Gehirn- und Gedächtnistraining

  • Behandlung von Grundkrankheiten, z. B. Herzinsuffizienz, Stoffwechselkrankheiten

  • Hilfen bei Seh-, Hör- und Gangstörungen

  • Prophylaxen (Kap. 2).

Krankheiten des alternden Menschen

Viele sog. AlterKrankheit Alterskrankheiten sind „mitalternde“. Sie entstehen schon in jüngeren Jahren, z. B. chronische Bronchitis oder Arthrose. Andere Erkrankungen treten im Alter gehäuft auf, z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Veränderungen des Stütz- und Bewegungsapparates, Seh- und Hörstörungen. Alte Menschen leiden oft unter mehreren Krankheiten gleichzeitig (Multimorbidität). Die akute Krankheit, die zu einem Krankenhausaufenthalt führt, ist dann nur eine von mehreren, die berücksichtigt werden müssen.
Medikamente im Alter
  • Medikamentalter MenschAlterMedikamente Etwa ein Drittel der über 75-jährigen Patienten gefährdet sich durch falsche Medikamenteneinnahme. Wichtig sind deshalb ausführliche Erklärungen, wann, wie und warum die Medikamente genommen werden müssen

  • Durch die gleichzeitige Einnahme mehrerer Medikamente kann es zu einer Wirkungssteigerung und zu Wechselwirkungen kommen

  • Stoffwechselprozesse und Organfunktionen sind herabgesetzt, die Medikamentenaufnahme in den Blutkreislauf, die Verteilung im Körper und die Ausscheidungskapazität sowie die Halbwertszeit der Präparate sind verändert. Bei alten Menschen bleiben viele Medikamente länger im Körper und haben oft eine verzögerte Wirkung. Bei Schlafmitteln kann dieser veränderte Wirkmechanismus am Folgetag zum „Hang-over-Effekt Hang-over-Effekt“ führen, d. h. zu herabgesetzter Tagesaktivität und häufig zunehmenden Gedächtnisstörungen

  • Das Risiko einer Medikamentenvergiftung ist bei alten Menschen wegen der eingeschränkten Nierenfunktion erhöht. Bei Veränderungen wie Somnolenz oder Verwirrtheit an Kumulation denken, z. B. von Neuroleptika, Digitalis.

Tipps, Tricks und Fallen

Die muskelrelaxierende Wirkung der Benzodiazepine erhöht die Sturzgefahr, z. B. beim nächtlichen Toilettengang.

Biografiearbeit

Definition

Biografie: Lebensbeschreibung, Lebensgeschichte

Biografiearbeit: Beschäftigung mit der Biografie eines Menschen; trägt der Individualität und damit der Menschenwürde Rechnung.

Biografiearbeit Biografiearbeit beginnt schon beim ersten Kontakt. Die Lebensgeschichte des alten Menschen, seine Erfahrungen, Neigungen, seine Ressourcen und Gewohnheiten sind wesentlicher Bestandteil der Pflegeplanung (Kap. 1.1.6). Dabei ist es nicht sinnvoll, diese Daten per Fragebogen „abzuhaken“. Vieles lässt sich mit der Zeit durch Beobachtung und Gespräche zusammentragen. Gespräche über die Lebensgeschichte eines alten Menschen müssen mit besonderem Feingefühl geführt werden.
Ziele von Biografiearbeit
  • Verständnis für den Patienten, sein Verhalten und sein Erleben entwickeln

  • Angemessene pflegerische Begleitung, die an Lebensereignissen, Lebenskrisen aber auch an Fähigkeiten und Ressourcen orientiert ist

  • Unterstützung bei der Sinnfindung, Selbsterkenntnis und Suche nach neuen Lebenszielen

  • Überwindung von Einsamkeits- und Minderwertigkeitsgefühlen

  • Aufdecken von erfolgreichen/nicht erfolgreichen Copingstrategien (Kap. 1.6.3).

Tipps, Tricks und Fallen

Um die Biografie eines Menschen berücksichtigen zu können, ist es wichtig, etwas zu wissen über: die Erfolge (was macht mich stolz, woran erinnere ich mich gerne), das Versagen (was habe ich nicht geschafft, woran möchte ich nicht erinnert werden), die Wunden (was verletzt mich auch heute noch) und die Tröster (was tut mir gut, wenn es mir schlecht geht).

Pflegerische Interventionen

Bewegung Kap. 2.2
Sturzprophylaxe Kap. 2.2.8
Beeinträchtigte körperliche Mobilitätalter Mensch Mobilität als häufige Pflegediagnose kann körperliche, psychische und soziale Ursachen haben. Wichtig ist:
  • Besondere Sorgfalt bei den Prophylaxen von Thrombose, Dekubitus, Pneumonie, Obstipation usw.

  • Bewegungsförderung, um zunehmender Immobilisierung vorzubeugen

  • Kinästhetische Grundsätze beachten (Kap. 2.2.3).

Haut Kap. 2.3
  • Hautpflegealter Mensch Wegen der dünner und trockener werdenden Haut sorgfältige Körperpflege mit alkalifreien Seifen, Wasser-in-Öl-Emulsionen

  • Berührung kann therapeutisch wirken (Basale Stimulation® Kap. 2.12.2), routinemäßiges Streicheln kann abstoßen

  • Wenn möglich und nötig, täglich das An- und Ausziehen trainieren, Zeit lassen

  • Verwirrten alten Menschen die Kleidung der Reihenfolge nach hinlegen

  • Widerstand gegen Duschen oder Baden kann biografische Ursachen haben, ggf. Angehörige einbeziehen.

Atmung Kap. 2.4
Atmungalter Mensch Wegen der flacheren Atmung besteht bei alten Menschen eine erhöhte Gefahr für Erkrankungen der Atemwege (Pneumonieprophylaxe Kap. 2.4.3). Atembeschwerden und schnelles Ermüden können zu Schwindelanfällen oder Ohnmacht führen.
Körpertemperatur Kap. 2.6
Körpertemperaturalter Mensch Das Bedürfnis nach Wärme nimmt im Alter oft zu. Die Reizempfindung ist herabgesetzt: Vorsicht bei Wärme- und Kälteanwendungen. U. U. gehört auch im Sommer eine Strickjacke zur üblichen Bekleidung.
Ernährung Kap. 2.7
Ernährungalter Mensch 70 % der geriatrischen Patienten zu Hause und in Kliniken sind mangelernährt. Ursache ist eine zu geringe Nahrungsaufnahme, z. B. infolge von Appetitlosigkeit, Schluck- und Kaubeschwerden.
  • Alte Menschen brauchen weniger Kalorien und weniger Fett bei unverändertem Bedarf an Eiweiß, Mineralstoffen, Vitaminen und Ballaststoffen: leicht verdauliche, faserreiche Kohlenhydrate, ausgewogene Kost

  • Völlegefühl und Appetitlosigkeit sind oft Zeichen von gereizter Magenschleimhaut durch zu viel und schlechtverträgliche Medikamente

  • Wichtig ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr bei häufig vermindertem Durstgefühl. Austrocknung führt zu Verwirrtheit, Harnwegsinfekten und Obstipation

  • Die Lust am Trinken fördern, z. B. durch vertraute Trinkgefäße von zu Hause, Zeit lassen. Suppen, Kaltschalen und Wackelpuddings können zusätzlich Flüssigkeit zuführen. Viele alte Menschen trinken auch zwischen den Mahlzeiten gerne etwas Warmes, z. B. Kräutertees oder Getreidekaffee

  • Zahnprobleme oder unzureichende Versorgung mit einer Zahnprothese erfassen und beheben lassen

  • Wo nötig, logopädische Therapie, z. B. Einüben von Schluckbewegungen und entsprechenden Zungenbewegungen nach Apoplex.

Ausscheidung Kap. 2.8
  • Obstipation, häufiges Symptom im Alter, möglichst mit natürlichen Mitteln (z. B. Dörrobst) vorbeugen. Obstipation kann durch verringerte Flüssigkeitszufuhr, verminderte Bewegung oder regelmäßige Abführmitteleinnahme begünstigt werden

  • Durchfälle bei älteren Menschen können lebensgefährlich werden. Deshalb schnell und sachkundig eingreifen, z. B. Flüssigkeit zuführen. Vorsicht mit Medikamenten, sie können die Darmbewegung hemmen. Bei schweren Durchfällen mit Fieber, Austrocknung und blutigem Stuhl muss Flüssigkeit infundiert werden

  • Bei Inkontinenz (Kap. 2.8.5) genaue Analyse der Entleerungsstörung und entsprechende Maßnahmen ergreifen (z. B. Toilettentraining)

  • Unsicherheit und Angst, zu weite Wege zur Toilette und fehlende Orientierungshilfen können zu einer funktionellen Inkontinenz führen, Sturzgefahr bedenken. (Kap. 2.2.8)

Schlaf Kap. 2.9
  • Schlafalter Mensch Nach Gewohnheiten und Einschlafritualen fragen, den eigenen Lebensrhythmus leben lassen. Alte Menschen benötigen weniger Schlaf als jüngere

  • Bettruhe führt neben körperlichen Komplikationen, wie Störung des Gleichgewichts, auch zu Isolation und Regression. Wer länger tatenlos im Bett liegen musste, wird müde, depressiv oder aggressiv

  • Oft ist bei alten Menschen der normale Schlaf-wach-Schlaf-wach-Rhythmus Rhythmus gestört: nächtliche Unruhe, tagsüber Dösen

  • Bei Desorientiertheit Nachtlicht, offene Tür, genügend Flüssigkeit, ggf. BZ-Kontrolle

  • Seitliche Bettbegrenzungen können Angst, Unruhe und Verwirrtheit noch verstärken. (Sturzprophylaxe Kap. 2.2.8)

Kommunikation Kap. 2.12
  • Kommunikationalter Mensch Seh-, Hör- und Sprachstörungen berücksichtigen und wenn möglich ausgleichen, z. B. durch Zahnprothese, Hörgerät, Brille. Klare, eindeutige Sprechweise

  • Nonverbale Kommunikation einsetzen (Kap. 2.12.1)

  • Fantasie, Humor, Flexibilität und Geduld, z. B. wenn ein Patient mit Fingern isst oder mit Hut ins Bett geht

  • Den Patienten nicht entmündigen oder wie ein kleines Kind behandeln. Nicht duzen, nicht in der Wir-Form reden

  • Interesse am Geschehen der Umwelt wachhalten: Radio, Zeitung, Besuche, Gespräche

  • Wo keine Besserung oder Heilung erzielt werden konnte, Hilfestellung geben, um eingeschränkte Lebensaktivitäten zu erhalten, z. B. Training von Ersatztechniken

  • Erinnerungsarbeit: Fotoalben ansehen, Geschichten von früher erzählen lassen

  • Wahrnehmung fördern, z. B. Basale Stimulation®, Snoezelen

  • Nicht um jeden Preis aktivieren, den Wunsch nach Ruhe respektieren

  • Auf religiöse, weltanschauliche, kulturelle Bedürfnisse und Gewohnheiten eingehen

  • In Krisensituationen Begleitung anbieten.

Snoezelen
Snoezelen Snoezelen (sprich: snuselen) ist eine Zusammensetzung aus den Worten snuffelen und doezelen (Schnüffeln bzw. tun und lassen, was man will und Dösen). Snoezelen wurde in Holland für geistig schwerst- und mehrfachbehinderte Menschen entwickelt. Inzwischen gibt es auch in Deutschland in vielen Krankenhäusern, Alten- und Behindertenheimen und Kindergärten Snoezelen-Räume bzw. mobile Snoezelen-Wagen. Die Ausstattung und Einrichtung richtet sich individuell nach den Bedürfnissen der Anwender, es gibt kein Standardmodell. Durch Musik, Lichteffekte, leichte Vibration, taktile Stimulationen, bequeme und angenehme Polster zum Liegen und Sitzen und angenehme Gerüche (Aromen) werden die primären Sinne angesprochen (Hören, Riechen, Tasten und Schmecken).
Snoezelen fordert keine intellektuellen und verbalen Fähigkeiten. Es bietet die Gelegenheit zur Entspannung und Freude in einer Umgebung mit sanften Farben und Formen. Wichtig ist dabei die Interaktion zwischen dem Kranken und seinem Betreuer. Vorsicht: Nicht jeder Mensch empfindet ausgiebige Entspannung als angenehm!
Schmerzmanagement Kap. 2.11
Die Schmerzmanagementalter Mensch AlterSchmerzen Schmerzschwelle kann bei alten Menschen nach oben oder nach unten verschoben sein.
Zur Einschätzung von Schmerzen eignen sich folgende Instrumente:
  • Visuelle Analogskala

  • Geriatrisches Schmerzinterview (spezielle für ältere Menschen entwickelt)

  • Beurteilung von Schmerzen bei Demenz (BESD)

  • Beobachtungsinstrument für das Schmerzassessment bei Menschen mit schwerer Demenz (BISAD bzw. ECPA)

Tipps, Tricks und Fallen

Alte Menschen sprechen häufig nicht von „Schmerzen“ sondern von „Ziehen“, „Wehtun“ oder davon, dass ihnen „nicht wohl ist“. Pflegende verwenden deshalb Begriffe, die dem Patienten geläufig sind.

Sexualität im Alter
Alte Menschen sind nicht Sexualitätim AlterAlterSexualität asexuell; sie haben ein Recht auf Zärtlichkeit, Nähe, Partnerschaft. Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise für eine Altersgrenze sexueller Bedürfnisse und Fähigkeiten. Männer und Frauen können bis ins hohe Alter sexuell aktiv sein. Gewohnheiten, Interessen und Tempo können sich aber ändern.
  • Diskretion, Einfühlungsvermögen und das Respektieren der Intimsphäre sind wichtig

  • Störungen, die den Intimbereich betreffen, besonders die Sexual- und Harnwegsfunktionen, werden oft erst dann ausgesprochen, wenn von Therapeuten gezielt danach gefragt wird

  • Nach Prostataoperation kann es je nach Größe des Eingriffs zu einem „rückwärtigen“ Samenerguss in die Blase kommen. Die Potenz ist aber nicht generell betroffen. Detaillierte Aufklärung ist im Einzelfall sehr wichtig

  • Impotenz ist keine Alterserscheinung, sondern Folge von verschiedenen Krankheiten, u. U. auch seelischen Störungen. Unter fachgerechter Behandlung lässt sie sich oft beseitigen.

Altenhilfe

AltenhilfeUmfasst Angebote und Tätigkeiten, die die Lebensqualität alter Menschen verbessern. Kann professionell, ehrenamtlich oder von Selbsthilfegruppen geleistet werden, immer mit dem Ziel, dass alte Menschen über ihren Bedarf an Hilfe selbst bestimmen.
Ambulante Altenhilfe
  • Altenhilfeambulante Pflegedienste: Pflegedienst Mobile Dienste, ambulante Therapie wie Physiotherapie oder Ergotherapie, organisierte Nachbarschaftshilfe

  • Betreutes Wohnen: Wohnenbetreutes selbstständige Lebensführung in vertrauter Umgebung (bisherige Wohnung, Seniorenwohnung oder Wohngemeinschaft)

  • Besuchsdienste: Besuchsdienst Hauptberufliche und ehrenamtliche Mitarbeiter der Altenhilfe besuchen ältere Menschen in der Wohnung, im Heim oder im Krankenhaus.

Teilstationäre Einrichtungen
Altenhilfeteilstationäre Die Besucher kommen für Stunden, Tage oder Wochen und gehen danach wieder in ihre Wohnung bzw. Familie zurück.
  • Begegnungsstätten: meist 3–5-mal wöchentlich halb- oder ganztags geöffnet

  • Tages-/Nachtpflegeeinrichtungen: Entlastung für pflegende Angehörige, 6–8 h tgl. bzw. nachts

  • Tageskliniken: meist internistische oder psychiatrische Behandlung oder geriatrische Rehabilitation

  • Kurzzeitpflege (meist angegliedert an Altenpflegeheime oder Sozialstationen): vorübergehende Betreuung rund um die Uhr zur Entlastung pflegender Angehöriger oder als Übergang zwischen Klinikaufenthalt und Rückkehr in die eigene Wohnung; evtl. auch Probewohnen für einen möglichen Umzug ins Heim.

Stationäre Altenhilfe
  • Altenhilfestationäre Altenwohnheime: mehrere in sich abgeschlossene, altengerecht gestaltete Wohnungen mit Betreuungsangeboten

  • Altenheime bieten Unterkunft, Verpflegung, Betreuung und Pflege

  • Geriatrische (Reha-)Kliniken für alte Menschen mit mehreren Krankheiten gleichzeitig

  • Altenpflegeheime bieten umfassende Pflege und Betreuung für chronisch Kranke und pflegebedürftige alte Menschen.

Psychiatrische Erkrankungen alter Menschen

Depressionen (Kap. 20.7.2)
Depressionalter Mensch AlterErkrankungen, psychiatrische Häufigste seelische Störungen im Alter. Alte Menschen mit schweren Depressionen hatten oft schon in jüngeren Jahren depressive Phasen. Leichtere depressive Reaktionen sind oft Folge von Einschränkungen und Verlusten.
Manche Patienten sind einsilbig, passiv und apathisch und werden deshalb oft zu Unrecht als dement eingestuft (Pseudodemenz). Im Gegensatz zu Dementen finden sie sich aber zurecht und sind orientiert.
Suizid im Alter (Kap. 20.8)
Suizidalter Mensch Die Suizidrate bei den über 65-Jährigen ist fast doppelt so hoch wie in den jüngeren Altersgruppen. Auslöser sind oft ganze Motivbündel, z. B. Einsamkeit und Isolation, Furcht vor schwerer Krankheit, starke chronische Schmerzen, als ausweglos erlebtes Unglück, Misshandlungen, Armut. Manche Verhaltensweisen können eine nicht bewusste, unterschwellige Suizidabsicht beinhalten (Suizid in Raten), z. B. Missachtung ärztlicher Verordnungen, unangemessenes Essen oder Nahrungs- und Flüssigkeitsverweigerung.
Demenz (Kap. 20.3)
DemenzMit der ständig steigenden Zahl Hochbetagter nehmen auch die Demenzerkrankungen zu. Häufigste Form ist dabei die Demenz vom Alzheimer-Typ (DAT). Wichtig ist eine gründliche Diagnose, wobei die DAT nur eine Ausschlussdiagnose ist, d. h. der Verdacht verhärtet sich mehr und mehr, wenn alle anderen Ursachen für eine Demenz ausgeschlossen werden konnten.
Verwirrtheit
VerwirrtheitVerwirrtheit ist keine Krankheit, sondern ein Begleitsymptom von unterschiedlichen Krankheitsprozessen, z. B. Demenz vom Alzheimer-Typ. Verwirrtheit kann auch Folge von Kontaktmangel sein.
Akute Verwirrtheitszustände hängen vom Verlauf der Grundkrankheit ab, können reversibel und heilbar sein, z. B. periodisches Auftreten bei Austrocknung, Blutdruckschwankungen.
Akute oder periodische Verwirrtheitszustände und Demenzen können zu chronischer Verwirrtheit führen, wenn ungünstige körperliche, psychische oder zwischenmenschliche Bedingungen dazukommen.
Häufig werden Patienten zu Unrecht als verwirrt bezeichnet, wenn sie:
  • Sich unangemessen und unangepasst verhalten, z. B. Essen ablehnen, nicht krankheitseinsichtig sind

  • Unruhig sind, hin- und herlaufen oder wegrennen

  • Schlecht zu verstehen sind oder andere schlecht verstehen

  • Selbstgespräche führen

  • Unsympathisch erscheinen, schlecht riechen, sich entblößen

  • Ängstlich und misstrauisch reagieren.

Pflege
  • Verwirrtheit als Diagnose nicht generalisiert und ungeprüft übernehmen

  • Ein verwirrter Mensch ist nie in allen Bereichen fortschreitend oder gleichbleibend verwirrt, seine Orientierung kann in Teilbereichen gebessert werden

  • Verwirrte alte Menschen sind besonders sensibel für die Einstellung und die Gefühle des Pflegepersonals ihnen gegenüber. Die Kommunikation beruht vor allem auf der gefühlsmäßigen und nicht auf der inhaltlichen Ebene. Interesse, Einfühlung und die Bereitschaft zu menschlicher Nähe sind ausschlaggebend

  • Viel nichtsprachlich kommunizieren (Kap. 2.12.1) mit Mimik, Gestik, Körperhaltung und -spannung

  • Patienten, die ihre nachlassenden Fähigkeiten (Gedächtnis, Mobilität) erleben, klammern sich umso fester an Dinge, die noch verblieben sind und an Erinnerungen aus dem noch intakten Altgedächtnis. Sie reagieren mit Widerstand, Ablehnung und Ärger auf alles Neue, Unbekannte und auf jeden Wechsel in der Umgebung. Patienten mit beginnenden Orientierungsstörungen leiden besonders unter der Diskrepanz zwischen Wollen und Nicht-mehr-Können.

Orientierungshilfen
  • VerwirrtheitOrientierungshilfe Orientierungshilfe Gut leserliche Namensschilder an der Kleidung aller Mitarbeiter

  • Kalender mit Datum des Tages, gut leserlich und in sichtbarer Nähe

  • Uhr mit großen Ziffern

  • Übersichtliche Räume, Schränke und Schubladen mit Namen und Inhaltsangabe kennzeichnen

  • Ausreichende, blendfreie Beleuchtung

  • Gut sichtbares Symbol an der Zimmertür

  • Bilder im Flur als Wegweiser, Hinweisschilder auf dem Weg zur Toilette und an deren Tür

  • Fester, strukturierter Tagesrhythmus mit Liste regelmäßig wiederkehrender Tagesaktivitäten

  • Realitätsorientierungstraining (ROT) und Gedächtnistraining sind vor allem im Anfangsstadium einer Demenz sinnvoll, danach oft eher belastend und überfordernd.

Validation®
Wenn Orientierungshilfen nicht mehr verstanden werden, erkennt man das oft an verzweifeltem, aggressivem Verhalten oder an zunehmendem Rückzug des alten Menschen. Hier kann Validation® hilfreich sein.
Validation® AlterValidation® Validation®: (für gültig erklären, wertschätzen) ist eine Methode, um einen hochbetagten Menschen mit seiner Wahrnehmung und seinem ihm eigenen Erleben (Wirklichkeit) zu verstehen und anzunehmen. Sie wurde von Naomi Feil, einer Sozialarbeiterin und Psychologin, entwickelt und baut auf den Grundhaltungen Empathie (Einfühlungsvermögen), Akzeptanz und Kongruenz (Wertschätzung und Echtheit) auf.
Ein „Validationsanwender“ geht davon aus, dass altersverwirrte Menschen weder gestört noch sinnlos handeln. Sie sind auf ihre Weise damit beschäftigt, ihr bisheriges Leben aufzuarbeiten und so Vergangenheitsbewältigung zu leisten.
Sie haben Grundbedürfnisse wie jeder von uns nach Anerkennung, Zugehörigkeit und Sicherheit. Sie wollen nützlich sein, gebraucht werden und Gefühle äußern, anstatt alles nur wortlos zu ertragen.
Pflegerischer Umgang
Alles, was der desorientierte Mensch äußert, wird zuerst einmal angenommen. Dieses Auf-den-anderen-Eingehen wirkt meist beruhigend. Durch Wiederholen bzw. Umschreiben des Gesagten zeigt die Pflegeperson ihr Interesse am Erleben des Betroffenen. Dazu kommen noch nonverbale Techniken, wie feinfühlige Berührungen (Ablehnung akzeptieren), ehrlicher und naher Blickkontakt, miteinander gehen oder etwas gemeinsam tun.

Alte Menschen in der Akutklinik

Alte Patienten haben besondere Bedürfnisse, denen Pflegende Rechnung tragen indem sie
  • Mehr Zeit einplanen

  • In Beratungs-, Informations- und Anleitungssituationen auf den Einsatz von vorhandenen Seh-/Hörhilfen achten

  • Besonderes auf die kognitive Situation achten, um ggf. postoperativ auftretende Störungen (z. B. postoperatives Delir in Abgrenzung zur Demenzerkrankung) besser einschätzen zu können.

Pflege bei postoperativem Delir
Delirpostoperatives10–20 % der über 65-jährigen Patienten haben bereits bei der Aufnahme in die Klinik Symptome eines Delirs (Kap. 20.5). Im Verlauf des stationären Aufenthalts kommen noch einmal 10–25 % hinzu.
Risikofaktoren und Faktoren, die ein postoperatives Delir begünstigen:
  • Hohes Lebensalter

  • Demenzerkrankung

  • Multimorbidität

  • Seh- und Hörstörungen

  • Dehydratation

  • Iatrogene Maßnahmen wie Anlage eines BDK oder Operationen

  • Häufige Raumwechsel

  • Diagnostische Maßnahmen während der Ruhe- und Essenszeiten

  • Medikamentenumstellung.

Pflege
  • Orientierung geben (Zimmernummer, Uhr, Kalender usw.), geduldig erklären, wo wir sind, was passiert ist, wie es weitergeht (Kap. 4.6.6)

  • Kontakt zu Angehörigen ermöglichen

  • Für eine ruhige Atmosphäre sorgen, nicht mehrere Handlungen gleichzeitig ausführen

  • Vor Interventionen rechtzeitig informieren, ggf. mehrmals

  • Wartezeiten, z. B. bei der Diagnostik, möglichst kurz halten

  • Grundsätze der Gesprächsführung beachten

  • Eigene Kleidung und persönliche, gewohnte Gegenstände ermöglichen

  • Vertraute Tagesabläufe anstreben, auf Tag-Nachtrhythmus achten und Beschäftigungsangebote machen.

Literaturhinweise

Heute, 2014

Altenpflege Heute 2. Aufl. 2014 Elsevier, Urban & Fischer Verlag München

Feil and de Klerk-Rubin, 2010

N. Feil V. de Klerk-Rubin Validation. Ein Weg zum Verständnis verwirrter alter Menschen 9. Aufl. 2010 Ernst Reinhardt Verlag München

Grond, 2008

E. Grond Die Pflege verwirrter und dementer alter Menschen: Demenzkranke und ihre Helfer im menschlichen Miteinander 2008 Lambertus Verlag Freiburg

Ministerium für Gesundheit, 2012

Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen: Der alte Mensch im OP. Düsseldorf 2012/MGEPA 131

Wojnar, 2007

J. Wojnar Die Welt der Demenzkranken. Leben im Augenblick 2007 Vincentz Verlag Hannover

Websites

www.graue-panther,

www.graue-panther-online.de

www.deutsche-alzheimer,

www.deutsche-alzheimer.de

www.integrative-validation,

www.integrative-validation.de

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