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B978-3-437-26164-0.00006-8

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Verschiedene PalliativpflegeTeam, multiprofessionelles Berufsgruppen arbeiten bei der palliativen Betreuung zusammen und unterstützen den Patienten auf verschiedenen Ebenen

[L157]

Symptome sowie mögliche pflegerische und medizinische Interventionen

Tab. 6.1
Symptome in der letzten Lebensphase Interventionen
Atemnot in der palliativen Situation
  • Medikation mit Opioiden oder Benzodiazepinen

  • Evtl. Sauerstoff verabreichen

  • Oberkörperhochlagerung

  • Leichte Kleidung

  • Fenster öffnen

  • Handventilator

Terminale Rasselatmung am Lebensende
  • Wenn alle sonstigen Symptome des Patienten gut kontrolliert sind, evtl. Buscopan® s. c.

  • Angehörigen und Begleitern Kopfhörer anbieten

Gastrointestinale Symptome (Singultus, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Ileus) in der palliativen Situation Neben den medikamentösen Therapieoptionen, pflegerische Interventionen:
  • Eiswasser in kleinen Schlucken

  • Ablaufsonde an PEG hängen

  • Kleine Portionen anbieten

  • Nahrungskarenz zulassen

  • Aufklärung des Umfelds

  • Sprühflasche mit Lieblingsflüssigkeit

  • Eiswürfel

Juckreiz in der palliativen Situation Gurkenmus (Bio-Salatgurke musen; Saft und Mus trennen), mit Saft Körpereinreibung, einziehen lassen; mit Mus Wickel/Auflage anbieten, nach 1 h abnehmen
Palliative Wundsituation
  • Geruchsbindung mit Chlorophyll-Tropfen oder Chlorophyll-Dragees; 15 Chlorophyll-Tropfen in eine Schale mit Wasser geben, in Patientennähe stellen, 2 × tgl. nachtropfen

  • Chlorophyll Dragees oral verabreichen zur Geruchsneutralisierung

  • Antibiose mit z. B. Metronidazol

  • Blutungen bei Wunden: vorsichtig arbeiten

  • Wundauflage vor Verbandswechsel feucht halten

  • Evtl. Schmerzmittel-Bedarfsmedikation 20 min vor VW

Flüssigkeitsgabe in der letzten Lebensphase
  • Wenig bis keine Infusionsflüssigkeitsgabe

  • Patienten haben wenig bis gar kein Durstgefühl mehr

  • Siehe Mundpflege

Palliativpflege

Beate Augustyn

  • 6.1

    Sterben in der Gesellschaft332

  • 6.2

    Palliativpflege und Hospizarbeit332

    • 6.2.1

      Palliativpflege332

    • 6.2.2

      Hospizarbeit333

  • 6.3

    Pflegerische Interventionen am Lebensende333

    • 6.3.1

      Mundpflege334

    • 6.3.2

      Ernährung und Flüssigkeitsgabe334

    • 6.3.3

      Interventionen bei Symptomen in der letzten Lebensphase334

    • 6.3.4

      Teamarbeit und Zeitmanagement335

  • 6.4

    Sterben336

    • 6.4.1

      Sterbephasen nach Elisabeth Kübler-Ross336

    • 6.4.2

      Aufklärung und Information337

    • 6.4.3

      Beistand und Zuwendung338

    • 6.4.4

      Angehörige und Besucher338

    • 6.4.5

      Tod und Versorgung des Patienten339

  • 6.5

    Unterstützung von Angehörigen nach dem Tod – Trauerarbeit340

    • 6.5.1

      Einbinden von Angehörigen in die Versorgung Verstorbener340

    • 6.5.2

      Trauer und Trauerbegleitung341

Sterben in der Gesellschaft

Veränderungen und Vereinzelung
Das SterbenSterben hat sich durch die Entwicklung der modernen Medizin und der Wandlung der Lebensumstände (z. B. bessere Gesundheitsvorsorge) verändert. Neben einer höheren Lebenserwartung leben viele Menschen alleine (geschieden, getrennt, verwitwet, als Single). Dadurch verändert sich die Sterbekultur: Die Entwicklung geht von der Großfamilie, in der die Menschen bis zu ihrem Lebensende betreut und gepflegt wurden, hin zu einem oft isolierten und einsamen Sterben.
Das lange Sterben – das lange Pflegen
Sterben ist ein Prozess, der über einen längeren Zeitraum andauern kann. Gepflegt wird an vielen Orten: zu Hause, z. B. mit Unterstützung von ambulanten Pflegediensten, im Senioren- und Pflegeheim, in Krankenhäusern, auf Palliativstationen und in Hospizen.
Umfragen ergaben, dass die meisten Menschen sich wünschen „zu Hause“, an einem vertrauten Ort, zu sterben. Vertraute Orte können auch Kliniken oder Heimeinrichtungen sein, in denen sich der Patient wohl und sicher fühlt.
Im deutschen Gesundheitssystem steht eine professionelle, kompetente Pflege und Versorgung im ambulanten Sektor im Vordergrund. Es gilt der Grundsatz: „Ambulant vor stationär“.
Gesundheitspolitisch wird der „Spezialisierten Ambulanten Palliativ-Versorgung“ (SAPV) und der „Allgemeinen Ambulanten Palliativ-Versorgung“ (AAPV) aller Patienten zukünftig mehr Gewicht beigemessen werden.

Palliativpflege und Hospizarbeit

Definition

Hospiz: Im Mittelalter Unterkunft für Reisende auf Pilgerwegen (lat. hospitium = Gastfreundschaft, Herberge). Heute bezeichnet der Begriff die ganzheitliche Begleitung eines unheilbar Kranken in der Endphase seines Lebens.

Palliativmedizin Palliativmedizin: Lindernde Medizin (lat. pallium = Mantel) im Gegensatz zur kurativen (= heilenden) Medizin.

Palliativpflege (= Palliative Care): Ganzheitliche pflegerische Betreuung von Menschen, deren Erkrankung nicht mehr heilbar ist. Palliative Care als international gebräuchlicher Begriff bedeutet Palliativbetreuung, Palliativversorgung. Palliativpflege ist nur ein Teilaspekt von Palliative Palliative Care Care, die durch ein multiprofessionelles Team betrieben wird (Abb. 6.1). Es geht darum, neben der körperlichen Ebene mit ihren verschiedenen Symptomen die psychische, soziale und spirituelle Ebene eines Menschen in der Begleitung und Betreuung mit zu berücksichtigen.

Palliativpflege

Pflegepalliative PalliativpflegeLaut WHO dient die Palliativbetreuung (Abb. 6.1) „der Verbesserung der Lebensqualität von Patienten und ihren Familien, die mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung konfrontiert sind. Dies geschieht durch Vorbeugung und Linderung mittels frühzeitiger Erkennung und tadelloser Beurteilung und Behandlung von Schmerzen und anderen Problemen physischer, psychosozialer und spiritueller Natur. Palliativbetreuung bejaht das Leben und sieht das Sterben als einen normalen Prozess. Palliativbetreuung will den Tod weder beschleunigen noch hinauszögern. Palliativbetreuung bietet dem Patienten Unterstützung, um so aktiv wie möglich bis zum Tod zu leben. Palliativbetreuung unterstützt die Familie während der Erkrankung des Patienten und in der Trauerphase.“ (WHO, 2002)

Hospizarbeit

Hospizarbeit Dame Cicely Saunders (1918–2005), englische Krankenschwester, Sozialarbeiterin und Ärztin, hat 1967 das erste moderne Hospiz in London eröffnet.
Ziel der Hospizarbeit ist es, den Patienten – neben einer hervorragenden Schmerzbehandlung und Symptomkontrolle – eine kompetente Begleitung in der Sterbephase zukommen zu lassen. Diese ganzheitliche Behandlung schließt die Angehörigen mit ein. Ausgehend von dem ersten Hospiz entstand eine weltweite Hospizbewegung mit ambulanten und stationären Einrichtungen.

Pflegerische Interventionen am Lebensende

PflegeSterbender LebensendePflege Pflegerische Interventionen tragen entscheidend zur Erhaltung der Lebensqualität bei und werden individuell auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt.
Als angenehm können auch komplementäre Pflegemethoden wie Wickel und Auflagen (Kap. 3.9.1) oder eine basal beruhigende Ganzkörperwäsche (Kap. 2.3.4) empfunden werden.

Mundpflege

MundpflegeSterbende Der Mundraum ist ein intimer und sehr sensibler Bereich. Der Mundpflege kommt am Lebensende eine zentrale Aufgabe zu. Symptome wie Mundtrockenheit (Xerostomie), schmerzhafte Veränderungen der Mundschleimhaut, Borken, Beläge und Mundgeruch können für den Patienten zu quälenden Beeinträchtigungen führen.
Am Lebensende können viele Patienten nur noch wenig trinken und atmen oftmals durch den Mund. Da Infusionsgaben diese Symptome selten bis gar nicht lindern können, steht eine regelmäßige, mit dem Patienten abgesprochene (Vorlieben erfragen) und gut dokumentierte Mundpflege im Vordergrund.
Lippenpflege: Bepanthen®-Lippensalbe, Lippenpflegestifte auftragen.
Mundtrockenheit: Säuerliche Tees, Zitronen- oder Orangenstücke in Gaze einlegen und kauen oder lutschen lassen, Lieblingsgetränke anbieten (evtl. erfragen) bei intaktem Schluckakt, oder Eis (gefrorene Säfte).
Borken und Beläge: Spezielle Mundpflege (Kap. 2.3.6).
Mundgeruch: Regelmäßige Mundpflege durchführen, Mund ausspülen lassen, Pfefferminzbonbons zum Lutschen anbieten.
Wenn Patienten ihren Mund nicht öffnen: Vorlieben des Patienten in Erfahrung bringen. Mundpflege wiederholt anbieten, gute Dokumentation, Angehörige einbinden bzw. über Vorgehen informieren.

Beachten

Keine Mittel mit Glyzerin zur Mundpflege verwenden, da Glyzerin austrocknend wirkt. Aus demselben Grund kein Kamillen- und Salbeitee.

Ernährung und Flüssigkeitsgabe

LebensendeFlüssigkeitsgabe LebensendeErnährung FlüssigkeitsgabeSterbende ErnährungSterbende Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme spielen eine lebenserhaltende, wichtige Rolle. Am Ende des Lebens essen und trinken Menschen i. d. R. wenig bis gar nichts mehr, da das Hunger- und Durstgefühl nachgelassen hat. Die Angehörigen wollen jedoch, dass der Patient lebt und verbinden dies mit Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme. Sie bieten ihm immer wieder zu essen und zu trinken an, bringen sein Lieblingsessen mit und fordern von den Behandelnden, dass künstlich Nahrung und Flüssigkeit verabreicht werden soll. Bei sterbenden Menschen hat sich gezeigt, dass Mundpflege gegen Mundtrockenheit hilft, nicht aber unbedingt eine steigende Flüssigkeitsgabe (Huhn, 2009).
Es ist hilfreich, diese Fragestellung mit allen Beteiligten ausreichend zu diskutieren und flexibel, bedürfnis- und symptomorientiert zu entscheiden.
Durch verminderte Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme sowie durch Opioid-Gaben (Kap. 2.11.4) sind die meisten Patienten obstipationsgefährdet. Wichtig sind daher alle Maßnahmen zur Obstipationsprophylaxe (Kap. 2.8.4).

Interventionen bei Symptomen in der letzten Lebensphase

In der letzten Phase ihres Lebens können Patienten unter vielfältigen, oftmals quälenden Symptomen leiden (Tab. 6.1). Diese gilt es sorgsam wahrzunehmen und zeitnah zu behandeln. Für Angehörige ist es hilfreich, wenn sie in diese Interventionen mit einbezogen werden, so sie dies wünschen.

Teamarbeit und Zeitmanagement

LebensendeTeamarbeit Um Schwerstkranke und Sterbende adäquat pflegen und begleiten zu können, benötigt es ein „mehr“ an Zeit. Dies erfordert im Berufsalltag eine Verschiebung der organisatorischen Schwerpunkte.
Wichtig ist, im Team abzusprechen, wer die Schwerstkranken und Sterbenden versorgt, und wer sich um die anderen Patienten kümmert. Ggf. externe Hilfe einbinden (Familie und Freunde, Hospizhelfer, Krankenhausbesuchsdienst).
Um die Belastungen der Tätigkeit mit Schwerstkranken und Sterbenden zu verarbeiten, ist eine regelmäßige Unterstützung in Form von Supervision, kollegialen Fallbesprechungen oder auch moderierten Teamgesprächen zu empfehlen.

Sterben

Sterbephasen nach Elisabeth Kübler-Ross

SterbenPhasen nach Kübler-Ross Die hier beschriebenen Phasen sind nicht als Schema zu verstehen, sondern als Versuch, den komplexen Prozess des Sterbens in seiner Logik zu erfassen. Die Phasen können in ihrer Reihenfolge variieren, wiederkehren, unterschiedlich lang sein oder auch gar nicht durchlaufen werden. Sie entsprechen der Individualität des Patienten.
Phase 1: Nicht-Wahrhaben-Wollen
  • Patient leugnet, fordert neue Untersuchungen

  • Schutzbehauptungen: Irrtum unterlaufen, Verwechslungen geschehen.

Motive des Patienten
  • Muss leugnen, um weiterleben zu können, kann die Wahrheit noch nicht ertragen

  • Aufbau innerer Verteidigung.

Reaktion der Pflegekraft
  • Leugnen unbedingt akzeptieren

  • Gespräche über Tod möglich, aber nur, wenn und solange der Patient es wünscht

  • Keine Vorwürfe, auch wenn der Patient sich nicht an Verordnungen hält.

Phase 2: Zorn
  • Patient gesteht sich Krankheit und den nahenden Tod ein

  • Niemand macht etwas richtig

  • Sonderwünsche, Forderungen, Streit, anspruchsvolle Haltung.

Motive des Patienten
  • Neid auf die Lebenden

  • Angst zu sterben

  • Angst davor, nach dem Tod vergessen zu werden

  • Laut sein: „Ich lebe noch.“

Reaktion der Pflegekraft
  • Verständnis, Verärgerung erzeugt neue Frustration

  • Zeit und Aufmerksamkeit vermitteln, Patienten das Gefühl geben, beachtet zu werden

  • Zorn nicht persönlich nehmen.

Phase 3: Verhandeln
  • Tod als Unvermeidliches erkannt

  • Handel evtl. mit Gott, um einen bestimmten Tag, um Schmerzfreiheit für gewisse Zeit, um Teilnahme an Ereignissen

  • Patient bietet dafür z. B. bessere Zusammenarbeit an.

Motive des Patienten
Hauptwunsch: längere Lebensspanne.
Reaktion der Pflegekraft
Handel ermöglichen.
Phase 4: Depression
  • Patient kann nicht mehr leugnen

  • Gefühl des schrecklichen Verlustes.

Motive des Patienten
  • Patient trauert um bereits verlorene Lebensqualität oder um den bevorstehenden Verlust, z. B. von Familie, des Partners und des Lebens

  • Patient zieht Bilanz über sein Leben.

Reaktion der Pflegekraft
  • Still dabei sein

  • Trauer zulassen

  • Trauerarbeit des Patienten anerkennen

  • Hilfe bei der Bewältigung noch zu erledigender Dinge: z. B. Testament, letzter Aufenthalt zu Hause.

Phase 5: Zustimmung
Patient in ruhiger Erwartung, müde, oft schwach, wenig gesprächig, oft nur Gesten.
Motive des Patienten
  • Emotionen sind ausgesprochen, Trauer, Wut, Neid liegen hinter ihm

  • Patient resigniert nicht, sondern nimmt sein Los an.

Reaktion der Pflegekraft
  • Patienten in Ruhe, aber nicht allein lassen

  • Gefühl vermitteln, nicht vergessen zu werden, ohne hektische Betriebsamkeit

  • Diese Phase ist nur möglich, wenn geholfen wurde, die anderen Phasen zu überwinden.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Pflegekräfte, die mit Sterbenden arbeiten, haben oft die Konfrontation mit eigenen Ängsten auszuhalten. Guter Kontakt unter Kollegen, Supervision sowie themenbezogene Fortbildung erleichtern die Arbeit und verhindern ein Burn-out-Syndrom (Kap. 1.6.2)

  • Wenn Patienten oder Angehörige dies wünschen, Entlassung nach Hause oder in ein Hospiz unterstützen, dabei Schmerztherapie sicherstellen.

Aufklärung und Information

Die meisten Patienten spüren auch ohne Aufklärung, dass sie todkrank sind. Aufklärungsgespräch Aufklärungsgespräche SterbenAufklärungsgespräch führt ausschließlich der Arzt, diese Aufgabe ist nicht delegierbar.
Zusätzlich zur ärztlichen Aufklärung:
  • Auseinandersetzung mit der tödlichen Krankheit ermöglichen

  • Als Gesprächspartner zur Verfügung stehen, geeignete Gesprächspartner anbieten, z. B. Seelsorger, Betroffene, Kollegen

  • Gefühl vermitteln, dass alles nur Mögliche für den Patienten getan wird.

Beistand und Zuwendung

Palliativpflegerisches Handeln wird durch die persönliche innere Haltung der Pflegenden unterstützt, die sich an den Bedürfnissen der Patienten orientiert und dabei bisheriges pflegerisches Wissen ständig überprüft und anpasst. Dies setzt ein hohes Maß an Fachkompetenz voraus, sowie die Bereitschaft, flexibel und kreativ zu arbeiten.

  • BeistandSterben ZuwendungSterben Bestmögliche pflegerische Unterstützung bei allen körperlichen Symptomen (Kap. 6.4)

  • Schmerztherapie, die dem Patienten die Schmerzen, aber nicht das Bewusstsein nimmt

  • Als Gesprächspartner zur Verfügung stehen. Nähe anbieten und herstellen

  • Die vom Patienten aufgebauten Abwehrmechanismen wie Leugnung oder Verdrängung respektieren; der Patient entscheidet ob, wann und mit wem er sprechen möchte

  • Angenehme Atmosphäre schaffen, z. B. Blumen, persönliche Bilder, ggf. Musik und frische Luft

  • Ruhebedürfnis des Patienten beachten, ohne ihn alleine zu lassen

  • Bei fremdsprachigen Patienten für Beistand in der Muttersprache sorgen, z. B. über örtliche Ausländerbehörde, fremdsprachiges Krankenhauspersonal

  • Religion des Patienten berücksichtigen, auf Wunsch Geistlichen hinzuziehen

  • Religiöse Rituale ermöglichen, z. B. Krankensalbung, Gebete

  • Unterstützen, noch Ausstehendes zu erledigen (z. B. Testament)

  • Für bestmögliche Lebensqualität entsprechend der individuellen Wünsche des Patienten sorgen. Für den einen bedeutet dies, sich mit einem Freund auszusprechen und Zurückliegendes zu klären, ein anderer will sich lieber ganz zurückziehen. Wichtig ist im Vorfeld mit dem Patienten (oder dem Betreuer) zu klären, was er sich wünscht und was auf keinen Fall mit ihm geschehen soll. Hier kann eine Patientenverfügung (Kap. 1.9.1) und Vorsorgevollmacht hilfreich sein

  • Großzügigere Besucherregelung → Angehörige, Freunde können auch außerhalb der Besuchszeiten bleiben.

Angehörige und Besucher

Angehörigevon Sterbenden Angehörige PalliativpflegeAngehörigenarbeit durchlaufen analog zu den Phasen des Sterbens einen Trauerprozess, der es ihnen ermöglicht, das Abschiednehmen zu bewältigen. Oft erleben sie in den letzten Lebenstagen und nach dem Tod des Patienten eine Mischung aus Sterbe- und Trauerphasen.
Phasen der Trauer nach Bowlby und Parkes
  • TrauerTrauerPhasen nach Bowlby und Parkes Phase der Betäubung: Schmerz- und Wutausbrüche, Ohnmacht, absolutes Ausagieren sämtlicher Gefühle bis hin zu scheinbarer Reaktionslosigkeit

  • Phase der Sehnsucht und Suche nach der verlorenen Person, z. B. werden Orte oder Plätze aufgesucht, die an den Verstorbenen erinnern

  • Phase der Linderung des Schmerzes durch Vermeidung: Angehörige verhalten sich, als wäre der Todesfall nicht eingetreten, sie decken z. B. noch den Tisch, führen gemeinsame Gespräche wie früher

  • Phase der Desorganisation und Verzweiflung: Weiterleben erscheint völlig sinnlos und nicht erstrebenswert

  • Phase der Reorganisation und Bewältigung: Hinterbliebene übernehmen z. B. neue Aufgaben und organisieren ihr Leben neu.

Hilfen für die Angehörigen
  • Als Gesprächspartner zur Verfügung stehen oder Gespräche mit dem Arzt, Seelsorger/Psychologen oder einer Selbsthilfegruppe vermitteln

  • Angehörige in die praktische Pflege einbeziehen

  • Reaktionen des Patienten, z. B. Wut, Zorn, Ruhebedürfnis, Ärger erklären.

Tod und Versorgung des Patienten

Todeszeichen
Todeszeichen TodesfallFeststellung Pulslosigkeit, Atemstillstand, Bewusstlosigkeit, weite reaktionslose Pupillen, fehlender Muskeltonus.
Als sichere Todeszeichen gelten Totenflecke Totenflecke v. a. an unteren Körperstellen; nach 0–4 h: rotviolette Flecken.
Leichenstarre Leichenstarre nach 2–6 h, schreitet vom Kopf zur Peripherie und löst sich nach 2–3 Tagen.
Totenbescheinigung (Leichenschauschein)
  • Totenbescheinigung Leichenschauschein Landesrechtliches Dokument; wird vom Arzt, der innerhalb von 24 h nach dem Tod die Leichenschau vornimmt, ausgefüllt

  • Der unterschreibende Arzt muss den Toten untersucht haben

  • Bescheinigung besteht aus einem offenen Teil für amtliche Zwecke und einem vertraulichen Teil mit Angaben zur Todesursache → Grundlage der amtlichen Todesursachenstatistik

  • Totenbescheinigung besteht aus vier Bögen: 1. Bogen für Verwaltung, 2. Bogen für Pathologie, 3. Bogen von der Verwaltung für die Angehörigen, der dann ausgefüllt dem Bestattungsunternehmen weitergegeben wird, 4. Bogen zum Verbleib in der Krankenakte. Bei Vorlage des 3. Bogens stellt das Standesamt die Sterbeurkunde aus

  • Totenbescheinigung muss folgende Daten enthalten:

    • Personalien des Toten, Todesfeststellung und -zeitpunkt

    • Todesart: setzt Kenntnis der Vorgeschichte voraus

    • Ist feststellender Arzt auch behandelnder Arzt?

    • Lag eine übertragbare Krankheit im Sinne des Infektionsschutzgesetzes vor? Wenn ja, Amtsarzt im örtlichen Gesundheitsamt benachrichtigen

    • Todesursache Todesursache: unklar, natürlich oder unnatürlich (z. B. Gewalt, Suizid, Vergiftung).

Weiteres Vorgehen
  • TodesfallVorgehen Bei allen Handlungen und Handhabungen im Umgang mit Verstorbenen beachten: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, auch über den Tod hinaus

  • Den Verstorbenen waschen, frisches Hemd anziehen, evtl. mit den Angehörigen zusammen. Trauer und „letzten Dienst“ ermöglichen

  • Den Angehörigen Zeit zum Abschied lassen

  • Einige Häuser verfügen über eine Kapelle oder einen Raum zur Aufbahrung

  • Direkt nach dem Tod:

    • Wertgegenstände des Verstorbenen auflisten und dies von einem Zeugen (z. B. Kollegen) gegenzeichnen lassen. Anschließend an einem sicheren Ort (z. B. abschließbarer Schrank) in Verwahrung nehmen und so bald wie möglich der erbberechtigten Person aushändigen. Erhalt bestätigen lassen

    • Identifikationskarte vollständig ausfüllen und an einer Großzehe befestigen

    • Todesmeldung für die Krankenhausverwaltung (hausinternes Formular) ausfüllen lassen (Arzt)

    • Den Toten in das pathologische Institut der Klinik transportieren lassen: evtl. Obduktionsbescheinigung für den Pathologen vom Arzt mitschicken.

Tipps, Tricks und Fallen

Wertsachen dürfen nur dem dafür berechtigten Ehepartner oder der Institutionsverwaltung ausgehändigt werden. Andere Angehörige müssen ein amtlich beglaubigtes Erbrecht bei der Verwaltung (Erbschein) vorlegen.

Unterstützung von Angehörigen nach dem Tod – Trauerarbeit

Einbinden von Angehörigen in die Versorgung Verstorbener

LebensendeUnterstützung der Angehörigen Angehörigevon Verstorbenen Je nach Sterbeort (Klinik, Seniorenheim, Palliativstation, Hospiz, zu Hause), sind die Möglichkeiten, Angehörige in die Versorgung Verstorbener einzubinden, unterschiedlich.
Verstorbene können im Beisein oder unter Mithilfe der Angehörigen gewaschen und angekleidet werden. Die Angehörigen können so „begreifen“, dass der Mensch wirklich verstorben ist.
Wichtig ist, die Angehörigen vorzubereiten, dass evtl. Flüssigkeiten aus dem Körper des Verstorbenen austreten können bzw. beim Drehen ein Geräusch durch die Erschlaffung des Zwerchfells entstehen kann.
Zur Verabschiedungsgestaltung kann das Aufsagen eines Gebetes oder Gedichts hilfreich sein, wie auch das Abspielen eines Musikstückes oder eine spontane Abschiedsgeste, z. B. eine Blume oder ein Bild auf das Bett zu legen. Welche Maßnahme gewählt wird, hängt davon ab, was der Verstorbene sich gewünscht hätte und was den Angehörigen hilft. Zeichen der Anteilnahme können außerdem sein:
  • Gedenkbuch: Hier wird jeder Verstorbene der Einrichtung oder der Station eingetragen. Die Angehörigen können diese Seite für ihren Verstorbenen gestalten, z. B. mit Bildern, Gedichten, Fotos

  • Sechs-Wochen-Brief: Die Angehörigen bekommen sechs Wochen nach dem Tod aus der Einrichtung, in der der Verstorbene gepflegt wurde, einen Kartengruß

  • Gedenkfeier: Die Angehörigen erhalten eine Einladung zu einer Gedenkfeier für alle Verstorbenen, die in der Einrichtung gepflegt wurden.

Trauer und Trauerbegleitung

Definition

„Trauer ist eine angeborene emotionale Fähigkeit, die als sehr schmerzhaft empfunden wird und als innerer und äußerer Realisierungsprozess verläuft. Trauer wird ausgelöst durch den Verlust einer Person oder Sache, zu der eine sinnerfüllte Beziehung bestand.“ (Müller 2005)

Besonderer Achtsamkeit bedürfen Trauernde, die:
  • In kurzer Zeit mehrere Verluste hinnehmen mussten

  • Das Sterben als besonders dramatisch oder traumatisch erlebt haben (Suizid, gewaltsamer Tod)

  • Ein sehr schwaches Selbstwertgefühl haben

  • Über kein „inneres“ soziales Netz verfügen (der Betroffene hat keinen sicheren Halt)

  • Körperlich und/oder psychisch krank sind

  • Keinerlei weltanschauliche Ausrichtung haben.

Hier kann eine Trauerbegleitung durch professionell geschulte Trauerbegleiter oder durch Psychotherapeuten hilfreich sein.

Die meisten Trauernden kommen ohne professionelle Hilfe aus. Solange der Trauernde in Bewegung ist, also nicht in seiner Trauer erstarrt, benötigt der Betroffene i. d. R. keine fremde Hilfe.

Trauer-Rituale
TrauerRituale Für das Behandlungsteam: Gedenkzeit vor wöchentlicher oder monatlicher Teambesprechung, gemeinsame Meditation, Gespräche, Vorbereitung und gemeinsame Gestaltung von Gedenkfeiern.
Die Mehrzahl der Pflegenden empfindet die Aufbahrung und die Möglichkeit einer Verabschiedung von dem Verstorbenen als sehr hilfreich.
Für die Familie: In einem Familiensystem trauern alle um den gleichen Menschen, aber jeder tut dies auf seine eigene Art und Weise. Wichtig ist, diese Ausdrucksmöglichkeiten nicht zu bewerten, sondern die Reaktionen der Angehörigen so zu akzeptieren, wie sie sind.
Trauer kann gelindert werden durch Verständnis, Respekt, Ermutigung, Zuhören, Dasein und dem Wissen über Trauerverläufe.

Literaturhinweise

Bowlby, 1998

J. Bowlby Verlust – Trauer und Depression (Geist und Psyche) 4. Aufl. 1998 Fischer Taschenbuch Verlag Frankfurt a. M

Hesse, 1971

H. Hesse Lektüre für Minuten. Sammlung von Gedanken aus Büchern und Briefen Bd. 1 1971 Suhrkamp Verlag Frankfurt

Huhn

S. Huhn Palliativpflege. Ernährung am Lebensende Die Schwester/Der Pfleger 7/2009 646 651

Kern, 2006

M. Kern Palliativpflege – Richtlinien und Pflegestandards 2006 Pallia Med Verlag Bonn

Knipping, 2006

C. Knipping Lehrbuch Palliative Care 2006 Huber Verlag Bern

Kränzle and Schmid, 2010

S. Kränzle U. Schmid C. Seeger Palliative Care – Handbuch für Pflege und Begleitung 3. Aufl. 2010 Springer Verlag Heidelberg

Müller and Schnegg, 2005

M. Müller M. Schnegg Der Weg der Trauer 2. Aufl. 2005 Herder Freiburg

Nationaler Ethikrat, 2006

Nationaler Ethikrat: Stellungnahme – Selbstbestimmung und Fürsorge am Lebensende. Berlin, Juli 2006. Nachzulesen unter www.ethikrat.org/dateien/pdf/Stellungnahme_Selbstbestimmung_und_Fuersorge_am_Lebensende.pdf (letzter Zugriff 18.6.2015).

Student, 2004

J.-Ch Student Sterben, Tod und Trauer. Handbuch für Begleitende 2004 Herder Verlag Freiburg

Worden, 2006

W. J. Worden Beratung und Therapie in Trauerfällen 3. Aufl. 2006 Hans Huber Verlag Bern

Websites

www.hospiz.net,

www.hospiz.net

www.hospize.de,

www.hospize.de

www.dgpalliativmedizin.de,

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