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B978-3-437-26164-0.00010-X

10.1016/B978-3-437-26164-0.00010-X

978-3-437-26164-0

Häufige Ursachen des akuten Abdomens

[L106]

Druckpunkte bei AppendizitisDruckpunkte Appendizitis

[L138]

Stomatypen und Lage der Stomata

[L231]

PylorusstenoseBlutungulkusbedingtUlkuskomplikationen

Tab. 10.4
Komplikationen und deren Symptome Sofortmaßnahmen
Perforation (Durchbruch in die Bauchhöhle)
  • Plötzliche heftige Schmerzen

  • Brettharter Bauch, akutes Abdomen Kap. 10.1.1

  • Tachykardie, Kreislaufschock

  • Freie Luft im Bauch bei Rö-Abdomen

  • Sofortige Notoperation, schnelles Handeln verbessert die Prognose

  • Schock bekämpfen (Kap. 22.4.2)

  • Antibiotika

Penetration (Eindringen des Ulkus in ein benachbartes Organ, z. B. Pankreas)
Anhaltende, starke, bohrende Rückenschmerzen
  • Infusionstherapie (parenterale Ernährung Kap. 3.4.1)

  • RR, Puls, Temperatur überwachen

  • Auf Schmerzverlauf achten

  • Meist OP nach Vorbereitung (Kap. 16.2)

Blutung
  • Bluterbrechen

  • Teerstuhl

  • Schock bei Volumenmangel

  • Anämie bei chronischer Blutung

  • Kap. 10.1.2

  • Notfallendoskopie mit Blutstillung

  • RR, Puls, Atmung überwachen, Überwachungsblatt führen

  • Transfusionen vorbereiten

  • Wenn Blutung nicht gestoppt werden kann: Not-OP

Magenausgangsstenose
  • Entwickelt sich langsam

  • Übelkeit/Erbrechen

  • Völlegefühl

  • Gewichtsverlust

  • Magenablaufsonde legen (Kap. 3.6.3)

  • Infusionstherapie (Kap. 3.3)

  • OP nach geeigneter Vorbereitung (Kap. 16.2)

Stadien der hepatischen Enzephalopathie

Tab. 10.5
I Verlangsamung, rasche Ermüdbarkeit, Sprachstörungen, Merkstörungen
II Zunehmende Schläfrigkeit, Apathie, Änderung der Schrift, im EEG Frequenzverlangsamung, Flapping Tremor (beim Versuch, Hand bei gestreckten Fingern geradezuhalten, 1–3 Flexionen pro s im Handgelenk)
III Patient schläft fast nur, ist jedoch erweckbar, Foetor hepaticus
IV Patient ist komatös, keine Reaktion auf Schmerzreize, Reflexe erloschen

Übersicht M. Crohn und Colitis ulcerosa

Tab. 10.6
M. Crohn Colitis ulcerosa
Lokalisation Meist abschnittsweiser Befall, vom Mund bis Anus möglich, meist terminales Ileum und proximales Kolon betroffen Beginn im Rektum, kontinuierliche Ausbreitung im Kolon nach proximal
Symptome
  • Durchfälle meist ohne Blut

  • Darmkrämpfe im rechten Unterbauch

  • Appendizitisähnliche Symptome

  • Schubweiser Verlauf

  • Malabsorption mit Gewichtsverlust

  • Wachstumsstörungen bei Kindern

  • Darmfisteln, anorektaler Abszess

  • Bis zu 20 blutig-schleimige Durchfälle pro Tag

  • Darmkrämpfe

  • Temperatur erhöht

  • Meist chronisch-rezidivierender Verlauf mit zwischenzeitlicher Abheilung

  • Gewichtsverlust

  • Wachstumsstörungen bei Kindern

Extraintestinale Symptome
  • Haut: z. B. Erythema nodosum, Aphthen

  • Gelenke: Arthritis

  • Augen: z. B. Uveitis, Keratitis

  • Leber: Primär sklerosierende Cholangitis

Diagnostische Maßnahmen
  • Anamnese und körperliche Untersuchung

  • Blut: BB (Anämie?), Entzündungsparameter (CRP, BSG, Leukos)

  • Stuhlkultur und Serologie zum Ausschluss infektiöser Ursachen, z. B. Clostridium difficile, Campylobacter

  • Kolo-, Ileoskopie mit Biopsien

  • Videokapselendoskopie

  • Hydro-MRT des Dünndarms nach Trinken von Mannitol-Lösung

  • Anamnese, körperliche Untersuchung

  • Blut: BB (Anämie?), Entzündungsparameter (CRP, BSG, Leukos)

  • Kolo-, Ileoskopie mit Biopsien

  • Stuhlkultur und Serologie zum Ausschluss infektiöser Ursachen, z. B. Clostridium difficile, Campylobacter

  • Kontroll-Koloskopien zum Karzinomausschluss

Medikamentös
  • Topische Kortikosteroide als Klysma oder Schaum (Budesonid als Entocort®)

  • Systemisch Kortikosteroide für 3–6 Monate

  • Bei erfolgloser Kortikosteroidtherapie: Immunsuppressiva, z. B. Azathioprin (Imurek®) oder Biologicals, z. B. TNF-Antikörper Infliximab (Remicade®)

  • Remissionserhaltung: Azathioprin

  • Im Schub: Mesalazin (Salofalk®) oral und topisch

  • Schwerer Schub: Kortikosteroide systemisch, topisch wirksame Kortikosteroide als Klysma oder Schaum (Budesonid als Entocort®)

  • Bei Therapieversagen: Immunsuppressiva wie Azathioprin (z. B. Imurek®), Cyclosporin oder TNF-Antikörper Infliximab (Remicade®)

  • Remissionserhaltung: Mesalazin, E. coli Nissle-Präparat (Mutaflor®)

Chirurgisch Bei Komplikationen so sparsam wie möglich resezieren. Fast alle Patienten müssen irgendwann operiert werden. Hohe Rezidivrate. Meist keine Heilungen. Bei Komplikationen oder Versagen der konservativen Therapie. Heilung bei kompletter Proktokolektomie möglich
Diät
  • Im schweren Schub ballaststofffreie Diät (Astronautenkost), niedermolekulare oder parenterale Ernährung

  • Milchfreie Kost bei Patienten mit Unverträglichkeit von Laktose

  • Nikotinverzicht

Begleitende Therapie Evtl. begleitende Psychotherapie, Selbsthilfegruppen
Komplikationen
  • Darmstenosen mit Ileus

  • Perforation, Peritonitis

  • Blutung

  • Toxische Kolondilatation (Megakolon) mit septischem Krankheitsbild

  • Stark erhöhtes Kolonkarzinomrisiko

Wirkung verschiedener NahrungsmittelWirkungNahrungsmittel

Tab. 10.7
Häufige Wirkung Nahrungsmittel
Abführend Spirituosen, Bier, Obst, Obstsaft, Milch, Quark, Kaffee, fette Speisen, Sauerkraut, Rohkost
Stopfend Schokolade, Rotwein, Weißbrot, Kartoffeln, Teigwaren, Honig, Kakao, Nudeln
Geruchshemmend Spinat, grüner Salat, Petersilie, Joghurt, Preiselbeeren
Geruchserzeugend Fleisch, Fisch, Zwiebel, Knoblauch, Käse, Pilze, Spargel
Blähend Bier, Zwiebeln, Kohl, frisches Brot, kohlensäurehaltige Getränke
Blähungshemmend Preiselbeeren, Joghurt, Kümmel-, Anis-, Fencheltee

Stadien des Hämorrhoidalleidens

Tab. 10.8
Stadium 1 Knoten nicht sicht- und tastbar, Blutauflagerungen auf dem Stuhl, selten Juckreiz
Stadium 2 Knoten fallen bei der Defäkation nach außen vor, schieben sich aber spontan wieder zurück. Schmerzen bei der Defäkation, Nässen, Brennen, Blutung weniger
Stadium 3 Knoten lassen sich nur manuell zurückdrücken, starke Schmerzen, Schleimsekretion, quälender Juckreiz
Stadium 4 Permanenter Vorfall der Knoten, Knoten bläulich und verhärtet, evtl. Nekrose oder Ulzeration, heftigste Schmerzen

Pflegerische Maßnahmen bei Hämorrhoiden

Tab. 10.9
Stadium Maßnahmen
Stadium I Konservative Therapie:
  • Weiches, feuchtes Toilettenpapier verwenden

  • Obstipationsprophylaxe durch Ernährung, z. B. Kleie, Leinsamen, Trockenobst, oder medikamentös

  • Salben oder Zäpfchen gegen die symptomatischen Beschwerden, z. B. Recto-Serol® Salbe, Anusol® Supp.

  • Ggf. nach der Darmentleerung kalte Kompressen auf den Anus legen, Patient liegt auf dem Bauch

Stadium II Endoskopische Therapie, Vorbereitung zur Rektoskopie (Kap. 3.7.2)
Stadium III und IV Operative Therapie:
  • Am Vortag: Flüssige, ballaststoffarme Kost, z. B. Tee, Brühe, Abführmaßnahmen nicht erforderlich

  • Am Behandlungstag: Patient bleibt nüchtern, 60 min vor Untersuchung Klistier und Darmentleerung

Nachbehandlung:
  • Bettruhe, Seiten- oder Bauchlage

  • Schmerzmittel postop. und ggf. vor dem Stuhlgang

  • Obstipationsprophylaxe, den Stuhl weich halten

  • „Eisfinger“ zur lokalen Kühlung

  • Säuberung nach der Darmentleerung immer mit Wasser und feuchten Toilettentüchern, auf keinen Fall Zellstoff oder Papier verwenden.

  • Wunde mit Mullkompressen oder Salbentupfer versorgen

  • Auf Nachblutung achten, besonders während der ersten 5 Tage

Pflege von Menschen mit Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts

Marianne Schoppmeyer

  • 10.1

    Leitsymptome und Leitbefunde414

    • 10.1.1

      Akutes Abdomen415

    • 10.1.2

      Obere Gastrointestinalblutung417

    • 10.1.3

      Ikterus417

  • 10.2

    Diagnostik und Pflege418

  • 10.3

    Medikamente420

  • 10.4

    Ösophagus und Magen421

    • 10.4.1

      Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD)421

    • 10.4.2

      Gastritis422

    • 10.4.3

      Gastroduodenale Ulkuskrankheit423

    • 10.4.4

      Magenkarzinom425

  • 10.5

    Pankreas426

    • 10.5.1

      Akute Pankreatitis426

    • 10.5.2

      Chronische Pankreatitis428

    • 10.5.3

      Pankreaskarzinom429

  • 10.6

    Leber430

    • 10.6.1

      Leberzirrhose430

    • 10.6.2

      Lebertransplantation432

  • 10.7

    Gallenblase und Gallenwege434

    • 10.7.1

      Gallensteine (Cholelithiasis)434

    • 10.7.2

      Akute Cholezystitis436

  • 10.8

    Darm437

    • 10.8.1

      Appendizitis437

    • 10.8.2

      Ileus438

    • 10.8.3

      M. Crohn und Colitis ulcerosa439

    • 10.8.4

      Divertikulose, Divertikulitis441

    • 10.8.5

      Kolorektales Karzinom442

    • 10.8.6

      Pflege bei Ileostoma und Kolostoma443

    • 10.8.7

      Hämorrhoiden448

Leitsymptome und Leitbefunde

Leitsymptome bei Magen-Darm-ÜbelkeitTeerstuhlSchmerzMagen-Darm-TraktObstipationKaffeesatz-ErbrechenHämatemesisErbrechenDysphagieBlutErbrechenBlutim StuhlErkrankungen

Tab. 10.1
Leitsymptom Beschreibung Wichtige Differenzialdiagnosen
Dysphagie
  • Schluckstörung

  • Gefühl des Steckenbleibens der Nahrung

Ösophaguskarzinom, Zenker-Divertikel, Refluxösophagitis, Fremdkörper, Achalasie, Sklerodermie, Narbenstrikturen
Übelkeit, Erbrechen
  • Aussehen: Kaffeesatz-Erbrechen, Bluterbrechen, galliges Erbrechen, fäkulentes Erbrechen

  • Zeitpunkt: Morgens, postprandial

  • Begleitsymptome: Durchfall, Schmerzen

Gastrointestinale Erkrankungen (z. B. Gastroenteritis, Ileus, Koliken), schwere Schmerzen, Migräne, erhöhter Hirndruck, Medikamente (z. B. Eisen, Zytostatika, Antibiotika), Herzinfarkt, Frühschwangerschaft, Stoffwechselentgleisungen, psychische Ursachen
Schmerzen
  • Kolikartig, mit schmerzfreien Intervallen

  • Ausstrahlend, z. B. rechte Schulter, Rücken

  • Kontinuierlich

Mechanischer Ileus, Gallensteinkolik, Nierenkolik, Harnleitersteinkolik, akute Pankreatitis, Appendizitis, Ulkus
Hämatemesis (Bluterbrechen) Erbrechen von rotem oder kaffeesatzartigem Blut (durch Einwirkung der Magensäure)
  • Obere gastrointestinale Blutung, verschlucktes Blut aus Nasen-Rachen-Raum

  • DD: Bluthusten (Hämoptoe) (Kap. 2.4.2)

Diarrhö (> 3 flüssige Stuhlentleerungen/Tag) Akut Infektiös (z. B. Salmonellen), Medikamente (Laxanzien, Antibiotika), Lebensmittelvergiftung durch bakterielle Toxine
Chronisch (Dauer > 2 Wochen) Malassimilationssyndrom, M. Crohn, Colitis ulcerosa, Tumoren, nach Magen- oder Darmresektion, Laktoseintoleranz, Laxanzienabusus, Sklerodermie, Hyperthyreose
Obstipation (< 3 Stuhlentleerungen/Woche) Harter Stuhlgang, starkes Pressen erforderlich, Gefühl der unvollständigen Entleerung
  • Häufigste Ursachen: Faserarme Kost, wenig Flüssigkeit, wenig Bewegung

  • Weitere Ursachen: Fieber, Medikamentennebenwirkung (z. B. Laxanzien, Opiate), Analfissuren, Kolonkarzinom, Reizdarmsyndrom, Hypothyreose, Hypokaliämie

Blut im Stuhl Teerstuhl: schwarz, glänzend, klebrig bei Blutung > 100 ml und langsamer Darmpassage
  • Blutung im oberen GI-Trakt

  • Vorgetäuscht durch Genuss von Heidelbeeren, Lakritz; Einnahme von Kohle, Eisen

Auflagerungen hellen Blutes Kolorektales Karzinom, Polypen Hämorrhoiden, Analfissur, Divertikulose, M. Crohn, Colitis ulcerosa

Akutes Abdomen

Gastroenterologie Akutes Abdomen ist ein Abdomen, akutes Sammelbegriff für Krankheiten mit heftigsten Bauchschmerzen, Abwehrspannung und Störungen der Darmperistaltik, die sofortige diagnostische und evtl. operative Maßnahmen erfordern. Die Ursache kann auch außerhalb des Bauchraums liegen.
Ursachen (Abb. 10.1)
  • Akute Entzündungen: z. B. Appendizitis, Divertikulitis, Cholezystitis, Peritonitis, Pankreatitis, Gastritis

  • Verschluss eines Hohlorgans: z. B. Ileus bei Karzinom, eingeklemmte Hernie oder Verwachsungen (Briden)

  • Gallenkolik, Nierenkolik

  • Perforation: z. B. bei Magenulkus, Divertikulitis, Cholelithiasis

  • Blutung: z. B. bei Magenulkus, Milzruptur, Muskeleinblutung unter Antikoagulanzien-Therapie

  • Durchblutungsstörung: z. B. Mesenterialinfarkt

  • Trauma

  • Extraabdominal:

    • Herzinfarkt, Perikarditis, Aneurysma dissecans der Aorta

    • Pneumonie, Pleuritis, Pneumothorax, Lungenembolie

    • Bandscheibenvorfall, Wirbelkörperfraktur

    • Hodentorsion, akuter Harnverhalt, Ureterstein

    • Gynäkologisch: stielgedrehte Ovarialzyste, Adnexitis, Extrauteringravidität

    • Präcoma diabeticum, Urämie, Porphyrie, Addison-Krise.

Symptome
  • Bauchschmerzen jeglichen Typs: kontinuierlich, kolikartig, auf Druck, bei Bewegung, Ausstrahlung

  • Abwehrspannung („brettharter Bauch“) als Zeichen einer Peritonitis

  • Abwehrspannung Übelkeit, Erbrechen, Stuhl- und Windverhalt

  • Weitere Symptome: Unruhe, Exsikkose, Temperaturerhöhung, Schockentwicklung, schlechter AZ.

Komplikationen: Peritonitis mit paralytischem Ileus, Schock, akutes Nierenversagen.
Diagnostik
  • Anamnese und körperliche Untersuchung (Abwehrspannung, Bruchpforten)

  • Auskultation des Abdomens: Darmgeräusche?

  • Blutuntersuchung: BB, BSG, CRP, BZ, Elektrolyte, Kreatinin, Leberwerte, Lipase, Amylase, Gerinnung, Harnstoff, Kreatinin, Kreuzblut, bei Verdacht auf Herzinfarkt Troponin I/T und CK-MB

  • Urin: Mikrohämaturie?

  • Bildgebende Verfahren:

    • Sono: freie Luft (Nachweis ab 1 ml), Flüssigkeit, Abszesse, Gallen-, Nierensteine?

    • Rö-Abdomen: Spiegelbildungen im Darm, freie Luft, Verkalkungen?

    • Rö-Thorax: Luft unter dem Zwerchfell, Pneumonie, Pleuraerguss?

  • EKG: Ausschluss Herzinfarkt

Bei speziellem Verdacht: Endoskopie (Ulkusperforation?), Angiografie (Mesenterialinfarkt?), i. v. Pyelogramm (Nierenstein?), gynäkologische Untersuchung.
Therapie und Pflege
  • Patienten nüchtern lassen, Bettruhe

  • Engmaschige Überwachung von RR, Puls, ZVD, Pulsoximetrie

  • Flüssigkeitsbilanzierung

  • Kreislauf stabilisieren, Volumen-, Elektrolyt-, Glukosegabe (ärztliche Anordnung)

  • I. v. Zugang und Blutabnahme

  • EKG (Kap. 3.7.3)

  • Legen eines Blasendauerkatheters (Kap. 3.6.1)

  • Thromboembolieprophylaxe

  • Ggf. Hilfe beim Erbrechen (Kap. 2.7.7)

  • Ggf. Magenablaufsonde legen, nicht verschließen, sondern mit Ablaufbeutel versehen (Kap. 3.6.3)

  • Ggf. Sauerstoffzufuhr (Kap. 2.4.4)

  • Bei schweren Verläufen Prophylaxe eines Stressulkus mit Protonenpumpenhemmer

  • Bei Blähungen entblähende Mittel nach ärztlicher Verordnung geben, z. B. Paractol®, Sab-simplex®

  • Chirurgisches Konsil: sofortige OP bei massiver Blutung mit Schock oder generalisierter Peritonitis, ansonsten bis zu 6 h abwarten und diagnostische Abklärung vorantreiben

  • Ggf. allgemeine OP-Vorbereitung (Kap. 16.2).

Beobachten

  • Stuhlgang: Frequenz, Konsistenz, Menge, Farbe

  • Regelmäßig, in der Akutphase halbstündlich, RR, Puls, Temperatur messen

  • ZVD messen (Kap. 3.7.5)

  • Bewusstsein, Stimmung, Reaktionen und Allgemeinzustand beobachten

  • Zur Orientierung für die Flüssigkeitssubstitution Ausscheidungen aus Sonde, Blasenkatheter und Darm messen

  • Auf Blutungen achten, z. B. Bluterbrechen, „Kaffeesatzerbrechen“, Teerstuhl, blutiger Stuhl

  • Schmerzäußerungen des Patienten sofort dem Arzt melden.

Obere Gastrointestinalblutung

Gastrointestinalblutung, obere Blutungobere, gastrointestinale Blutungsquellen sind Ösophagus, Magen oder Duodenum.
Ursachen
Ulkus (Kap. 10.4.3), Refluxösophagitis (Kap. 10.4.1), Ösophagusvarizen (Kap. 10.6.1), Mallory-Weiss-Syndrom (Mallory-Weiß-Syndrom Längseinrisse der Ösophagusschleimhaut nach starkem Erbrechen), Magenkarzinom (Kap. 10.4.4). 80 % der Blutungen kommen spontan zum Stillstand.
Symptome
Teerstuhl (Melaena), Bluterbrechen, Zeichen eines hypovolämischen Schocks (Kap. 22.4.2) und einer Anämie (Kap. 14.4.1).

Erstmaßnahmen bei akuter Gastrointestinalblutung

  • NotfallBlutung, akute gastrointestinale Flachlagerung auf der Seite (Aspirationsgefahr)

  • O2-Zufuhr per Nasensonde (3 l/min)

  • Nulldiät, Magensonde legen (Kap. 3.6.3), Magenspülung

  • Volumenersatz, Kreuzblut, 4–6 EK und 2 FFP bereitstellen. Bei massiver Blutung ohne vorherige Blutgruppenbestimmung, z. B. für alle Patienten Blutgruppe 0, Rh-negativ verwenden

  • Möglichst früh Endoskopie: Diagnostik und gezielte Blutstillung

  • Chirurgisches Konsil

  • Ständige Kreislaufkontrolle: Puls, RR, Urinausscheidung

  • Labor: BB, Kreuzblut, Gerinnung (PTT, Quick/INR, Thrombos, Fibrinogen, AT III), Leberparameter (GOT, GPT, γ-GT, Bilirubin, Cholinesterase, Albumin), Kreatinin, BZ, Elektrolyte (ärztliche Anordnung)

  • Blutverlust quantifizieren, Hb- und Hkt-Kontrollen alle 4 h

  • Evtl. leichte Sedierung, z. B. mit Diazepam (z. B. Valium®) 5 mg i. v.

Ikterus

IkterusGelbfärbung Gelbsucht der Haut, Schleimhäute und Skleren durch Ablagerung von Bilirubin im Gewebe bei erhöhtem Bilirubin-Spiegel im Blut (Bilirubin = Abbauprodukt des Hämoglobins).
Ursachen
Prähepatischer (hämolytischer) Ikterus: Hämolyse z. B. nach Transfusionszwischenfall, bei künstlichen Herzklappen, toxisch bedingt (Medikamente, Gifte), infektiös bedingt (Malaria, Sepsis).
Hepatischer (hepatozellulärer) Ikterus: angeborene Konjugationsstörungen (M. Meulengracht, Rotor-Syndrom), Medikamente (Phenprocoumon, Paracetamol, Ajmalin u. a.), Leberzirrhose, Hepatitis, Stauungsleber.
Posthepatischer (cholestatischer) Ikterus: Gestörter Galleabfluss durch z. B. Gallengangssteine, Tumore oder Stenosen der Gallengänge, Pankreatitis, Pankreas-Ca, Cholangitis.
Symptome
  • Gelbfärbung der Haut, Schleimhaut und Skleren

  • Juckreiz

  • Urin und Stuhl in Abhängigkeit vom Ikterustyp verfärbt

  • Zusätzlich Symptome der zugrunde liegenden Erkrankung.

Diagnostik
  • Anamnese (Medikamente, Alkohol, Reiseanamnese) und körperliche Untersuchung (Hautfarbe, Aszites, Leberpalpation)

  • Urin: Urobilinogen (erhöht bei prä- und hepatischem Ikterus), Bilirubin (erhöht bei Cholestase/Verschlussikterus)

  • Blutuntersuchung: Leberenzyme (GOT, GPT), Cholestase-anzeigende Enzyme (γ-GT, AP), Hepatitis-Serologie, Pankreasenzyme (Amylase, Lipase), BB, CRP, LDH, Bilirubin

  • Sono-Abdomen (Gallensteine, Gallengangserweiterungen, Leberveränderungen)

  • Bei weiterer Unklarheit: CT mit Kontrastmittel, ERCP, Leberpunktion.

Pflege
  • Diagnostische Maßnahmen vorbereiten und assistieren (Kap. 10.2)

  • Juckreizbekämpfung (Kap. 21.4)

  • Haut auf Kratzstellen beobachten (Kap. 2.3.1)

  • Einschränkungen in allen Lebensbereichen unterstützen, z. B. bei der Ernährung und Ausscheidung (Kap. 2.7.1, Kap. 2.8)

  • Bei Störungen der Leber- oder Pankreasfunktion fettarme Kost, Verzicht auf Kaffee, Alkohol oder andere Reizstoffe, z. B. Nikotin

  • Beratung und Information des Patienten über eine gesunde Ernährung und Lebensweise (Gesundheitsvorsorge), insbesondere bei:

    • Ernährungsproblemen

    • Alkoholproblemen

    • Medikamentenmissbrauch

    • Chronischen Darmentleerungsstörungen.

Diagnostik und Pflege

Beobachten

  • Essstörungen: Appetit, Erbrechen?

  • Flüssigkeitsaufnahme (Menge?)

  • Schmerzen: vor oder nach dem Essen, Art, Lokalisation, Dauer, Frequenz

  • Gewichtsverlust: wie viel, in welcher Zeit? Body-Mass-Index

  • Stuhlgang: Frequenz, Konsistenz, blutige Auflagerungen?

  • Schluckbeschwerden: bei fester und/oder flüssiger Nahrung? Schmerzen?

  • Belegte Zunge, Mundgeruch.

Diagnostische Untersuchungen bei gastroenterologischen Xylose-BelastungstestStuhldiagnostikGastroenterologieSonografieSonografieEndo-RektoskopieLeberpunktionKoloskopieHelicobacter pyloriNachweisGastroskopieERCPEndosonografieEndoskopieComputertomografie (CT)GastroenterologieBlutim StuhlAszitespunktionErkrankungen

Tab. 10.2
Untersuchungen Aufgaben der Pflegenden
Stuhl
Okkultes Blut (z. B. Hämoccult®, Faecanostik®)
  • Vorbereiten: 3 Tage hämoglobin- und oxidationsfreie Kost. Verboten sind z. B. Tomaten, Salate, rohes Fleisch, Blutwurst, Bananen, Vit.-C-haltige Medikamente, wenig Säfte und Obst

  • Patient soll kein Zahnfleisch- oder Nasenbluten haben

Kultur
  • Ab dem 4. Tag an 3 Tagen je 3 Stuhlproben pro Briefchen gewinnen

  • An drei aufeinanderfolgenden Tagen Stuhlproben in einem sterilen Röhrchen ins Labor schicken

Elastase 1
  • Einfaches, den Patienten wenig belastendes Verfahren zum Nachweis einer Pankreasinsuffizienz. Vorgehen: 2 g Stuhl ins Labor geben (kein Sammeln des Stuhls notwendig)

Helicobacter-Antigen-Nachweis
  • Alternative zum C13-Atemtest, einfaches Verfahren, das auch bei „Problempatienten“ oder Säuglingen angewendet werden kann

Apparative Untersuchungen
Endoskopie (Kap. 3.7.2)
  • Gastroskopie

  • Koloskopie, Rektoskopie

  • ERCP (endoskopisch-retrograde Cholangiopankreatikografie)

  • Bei endoskopischen Untersuchungen assistiert eigens dafür ausgebildetes Pflegepersonal

  • Vorbereiten (Kap. 3.7.2): Gerinnungsstatus, Aufklärungsbogen mitgeben, Patient bleibt nüchtern, Zahnprothesen entfernen, zur Toilette bitten, ggf. Prämedikation

  • Bei Koloskopie vollständige Darmreinigung (Kap. 3.8.3)

  • Nachbereiten (Kap. 3.7.2): Nahrungskarenz nach ärztlicher Anordnung; RR, Puls, Atmung, Bewusstsein überwachen und dokumentieren

Sonografie Bei Meteorismus am Vortag entblähende Mittel, z. B. Sab simplex®, geben. Zur Untersuchung nüchtern, Blase gefüllt
Endosonografie (Beurteilung: Magen-/Darmwand, angrenzende Organe) Vorbereiten wie bei Gastroskopie (Kap. 3.7.2)
CT
  • Ohne Kontrastmittel (KM): keine besondere Vorbereitung

  • KM i. v.: Patient nüchtern lassen oder mind. 6 h Nahrungskarenz vor KM-Gabe

  • KM oral: 1 l KM während einer Stunde trinken lassen. Zeit so einteilen, dass unmittelbar vor der Untersuchung das gesamte KM getrunken ist

  • KM-Einlauf: in der Röntgenabteilung

Aszitespunktion
  • Vorbereiten: Gerinnungsstatus bestimmen, ggf. Einstichstelle rasieren, Bauchumfang messen und dokumentieren, Patient bitten, Blase und Darm zu entleeren

  • Assistenz während der Punktion, Kontrolle der Vitalzeichen

  • Nachbereiten: Einstichstelle verbinden, evtl. Sandsack auflegen, Punktatmenge messen, Probe ins Labor schicken, Allgemeinbefinden und Vitalzeichen kontrollieren, Infusionen anhängen

Leberpunktion
  • Vorbereiten: Gerinnungsstatus und Blutgruppe bestimmen, ggf. Einstichstelle rasieren, Patient bitten, Blase und Darm zu entleeren, Krankenakte und Aufklärungsbogen mitgeben

  • Nachbereiten: Vitalzeichen und Verband kontrollieren, evtl. Sandsack, evtl. Kühlelement, 24 h Bettruhe

Helicobacter pylori-Nachweis
  • Helicobacter-Urease-Test

  • 13C-Atemtest

  • Magenbiopsat wird in vorgefertigtes Gefäß gegeben, Ergebnis nach 1–3 h anhand einer Verfärbung abgelesen

  • 13C-Gehalt der Atemluft wird nach oraler Aufnahme von 13C markiertem Harnstoff (wird durch Helicobacter gespalten) gemessen und mit Ausgangswert verglichen

Xylose-Belastungstest zur Unterscheidung einer Malabsorption und Maldigestion
  • Vortag: ab 22 Uhr Nahrungs- und Flüssigkeitskarenz

  • Untersuchungstag: z. B. 8 Uhr den Patient urinieren lassen, Urin verwerfen und 25 g D-Xylose in 250 ml Wasser geben, sofort danach und 2 h später weitere 250 ml Wasser trinken lassen, Trinkzeiten dokumentieren. Den Urin von 5 h (z. B. 8–13 Uhr) sammeln und ins Labor schicken. Bei Urinmengen < 150 ml Test wiederholen

Medikamente

Medikamente in der Ulkus-TherapeutikumMorbusCrohnMedikamentGastroenterologieLaxantiumH2-BlockerColitis ulcerosaMedikamentAntiemetikumAntibiotikumGastroenterologieGastroenterologie

Tab. 10.3
Substanzen Wichtige Nebenwirkungen Pflegerische Besonderheiten
Ulkustherapeutika
Protonenpumpenblocker (PPI), z. B. Omeprazol (Antra®), Lansoprazol (Lanzor®), Esomeprazol (Nexium®). Direkte Hemmung der Säuresekretion Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, selten BB-Veränderungen, Sehstörungen, Hörstörungen, Veränderung der Leberenzyme Einnahme nüchtern, Milchprodukte meiden, auf mögliche Sehstörungen achten. Leicht verdauliche Kost, keine blähenden Speisen
H2-Blocker, z. B. Cimetidin (Tagamet®), Ranitidin (Zantic®). Hemmen die über die H2-Rezeptoren vermittelte Magensäuresekretion Durchfälle, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Hautausschläge, selten Verwirrtheitszustände, Gynäkomastie Einnahme als Tageseinzeldosis nach dem Abendessen
Antibiotika (Amoxicillin, Clarithromycin, Metronidazol) werden in Kombination mit Protonenpumpenblocker gegen Helicobacter pylori eingesetzt Magen-Darm-Beschwerden.
Metronidazol: Alkoholintoleranz, fraglich kanzerogen
Direkte Sonnenbestrahlung vermeiden. Auf Allergiezeichen achten, z. B. Hauterscheinungen, Anaphylaxie.
Einnahme nach oder während der Mahlzeiten verringert Übelkeit, Erbrechen
Laxanzien
Quellmittel, z. B. Leinsamen, Agar agar (in Agarol®), Laktulose Exsikkose, Elektrolytverluste Quellmittel immer mit viel Flüssigkeit geben, damit keine Verklebung entsteht
Gleitmittel, z. B. Paraffin (Sanato-Lax®)
Anthrachinone, Bisacodyl (Dulcolax®) Resorptionshemmend, fördern Flüssigkeitseinstrom in den Darm Teufelskreis bei chron. Einnahme: Kaliumverluste wirken obstipierend → mehr Laxanzien → mehr K+-Verlust. Patient aufklären
Therapie von Colitis ulcerosa und M. Crohn
5-Aminosalizylsäure (5-ASA) = Mesalazin (z. B. Salofalk®). Zur Entzündungshemmung Kopfschmerzen, Allergie, Magen-Darm-Störungen, Haarausfall, BB-Veränderungen Nicht während der Schwangerschaft und Stillzeit geben, Hauterscheinungen dem Arzt mitteilen
Immunsuppressiva Kap. 10.6.2
Andere
Cheno- und Ursodesoxycholsäure (z. B. Chenofalk®, Ursofalk®). Zur medikamentösen Auflösung von Gallensteinen Diarrhö
  • Für Frauen nur bei wirksamer Schwangerschaftsverhütung

  • KI: Nulldiät, Gravidität, Nierenfunktionsstörungen

Antiemetika, z. B. Metoclopramid (Paspertin®) Müdigkeit, motorische Unruhe, selten Dyskinesien Bewusstsein, Stimmung beobachten

Ösophagus und Magen

Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD)

Gehäufte Refluxbeschwerden mit oder ohne endoskopisch nachweisbare Epitheldefekte der Ösophagusschleimhaut bei mangelndem Verschluss des unteren Ösophagussphinkters.
Symptome
Sodbrennen, Luftaufstoßen, retrosternale Schmerzen, Schluckbeschwerden, Regurgitation von Nahrungsresten, Reizhusten, Heiserkeit.
Diagnostik
  • Anamnese und körperliche Untersuchung

  • Endoskopie mit Biopsie

  • Langzeit-pH-Metrie der unteren Speiseröhre.

Therapie
  • Gewichtsreduktion

  • Magensäure medikamentös reduzieren: Protonenpumpenhemmer

  • Operation (Fundoplicatio nach Nissen), wenn alle konservativen Maßnahmen versagen.

Komplikationen
Stenosen, Ulzerationen mit Blutung, nächtliche Aspiration von Mageninhalt, evtl. maligne Entartung (Barrett-Ösophagus).
Gesundheitsförderung und Prävention
Barrett-Ösophagus
  • Gewichtsnormalisierung

  • Nach dem Essen nicht sofort hinlegen

  • Mit erhöhtem Oberkörper schlafen, Rechtsseitenlage

  • Keine Kleidung, die den Bauch einengt

  • Ernährung:

    • Reduktionsdiät bei Übergewicht

    • Mahlzeiten auf 6–8 kleine Portionen am Tag verteilen, keine Mahlzeiten am späten Abend

    • Eiweißreiche und fettarme Kost bevorzugen

    • Keine Süßspeisen und keine säurehaltigen Nahrungsmittel, z. B. Orangen, Wein

    • Milch und Milchprodukte als bevorzugte Ernährung anbieten

    • Alkohol-, Nikotin- und Kaffeekarenz.

Gastritis

Magenschleimhautentzündung Nur Gastritis histologisch sicher zu diagnostizierende Entzündung der Magenschleimhaut. Die Läsionen reichen bis zur Muskelschicht in der Schleimhaut (Muscularis mucosae), durchbrechen sie aber nicht (im Gegensatz zum Ulkus).
Einteilung
  • Akute Gastritis: Entwickelt sich rasch, z. B. nach übermäßigem Alkoholkonsum, Lebensmittelvergiftung (z. B. toxinbildende Staphylokokken, Salmonellen), durch Medikamenteneinnahme (z. B. ASS, Zytostatika), Stress (z. B. nach OP, Trauma, Verbrennung)

  • Chronische Gastritis: Unspezifische Oberbauchbeschwerden; Klassifikation in:

    • Autoimmungastritis (5 Autoimmungastritis %): Autoimmunprozesse gegen die Belegzellen der Magenschleimhaut und mitunter gegen Intrinsic Factor führen zu verminderter Säuresekretion und Vitamin B12-Mangel

    • Helicobacter-pylori-GastritisHelicobacter pyloriGastritis (80 %): Bakterielle Besiedlung der Magenschleimhaut mit dem Bakterium Helicobacter pylori

    • Chemische Gastritis (15 %): Durch Medikamente oder Gallenreflux hervorgerufen

  • Seltene Sonderformen: Crohn-Gastritis, eosinophile Gastritis, lymphozytäre Gastritis.

Symptome
Häufig geringe Beschwerden: Druckgefühl im Oberbauch, Appetitlosigkeit, Übelkeit.
Diagnostik
  • Anamnese und körperliche Untersuchung

  • Gastroskopie mit Biopsie

  • Nachweis von Helicobacter pyloriHelicobacter pyloriNachweis (HP)

    • Endoskopisch-bioptisch: Helicobacter-Urease-Test, kultureller Nachweis, histologischer Nachweis, PCR-Test

    • 13C-Atemtest

    • HP-Antigennachweis im Stuhl

  • Bei Autoimmungastritis: Autoantikörper gegen Belegzellen und Intrinsic Factor, Vitamin B12-Spiegel bestimmen.

Therapie
  • Akute Gastritis: evtl. vorübergehend Nahrungskarenz, bei Bedarf Säurehemmer

  • Helicobacter-pylori-Gastritis: HP-Eradikationstherapie als einwöchige Tripel-Therapie bestehend aus einem Eradikationstherapie Protonenpumpenblocker (z. B. Tripel-Therapie Omeprazol) und zwei Antibiotika (z. B. Amoxicillin und Clarithromycin)

  • Autoimmungastritis: Bei HP-Befall Eradikationstherapie, evtl. Vitamin B12 substituieren, endoskopische Kontrollen wegen erhöhtem Karzinomrisiko

  • Chemische Gastritis: Auslösende Medikamente absetzen; wenn dies nicht möglich ist, Protonenpumpenblocker.

Pflege
  • Im Akutfall: Nahrungskarenz für 24–36 h einhalten

  • Ruhe schaffen

  • Auf Alkohol-, Nikotin- und Kaffeekarenz achten

  • Nach der Nahrungskarenz:

    • Möglichst viel Tee trinken, z. B. Kamillentee, viele kleine Mahlzeiten

    • Eiweißreiche und fettarme Kost

    • Patient zu gutem Kauen anhalten, Speichel vermindert Sodbrennen

    • Bei Übelkeit und Erbrechen evtl. Antiemetika verordnen lassen

    • Bei Durchfall: Kohlepräparate, Gewicht kontrollieren.

Beobachten

  • Regelmäßig Temperatur messen

  • Erbrochenes und Stuhl auf Blut kontrollieren

  • Wenn Blut oder Teerstuhl auftritt, sofort den Arzt informieren. Ggf. Intervention wie bei akutem Abdomen (Kap. 10.1.1).

Gastroduodenale Ulkuskrankheit

Ulkus-Krankheit, gastroduodenaleDurch Ungleichgewicht zwischen aggressiven und schützenden Faktoren entsteht ein Schleimhautdefekt, der im Gegensatz zur Gastritis die Muskelschicht der Schleimhaut (Muscularis mucosae) durchbricht. Das Ulcus duodeni (Zwölffingerdarmgeschwür) tritt dreimal häufiger auf als das Ulcus ventriculi (Magengeschwür).
Ursachen
  • Helicobacter-pylori-Besiedelung (99 % der Patienten mit Ulcus duodeni, 75 % der Patienten mit Ulcus ventriculi)

  • Rauchen

  • Medikamente wie nichtsteroidale Antirheumatika

  • Stress (Polytrauma, Verbrennungen, große Operationen)

  • Familiäre Belastung.

Symptome
  • Ulcus duodeni: Spät-, Ulcusduodeni Nacht-, Nüchternschmerz im Epigastrium, Besserung durch Nahrungsaufnahme

  • Ulcus ventriculi: Ulcusventriculi Sofortschmerz im Epigastrium nach Nahrungsaufnahme oder nahrungsunabhängiger Schmerz.

Diagnostik
  • Anamnese und körperliche Untersuchung

  • Gastroskopie mit Biopsien zum Karzinomausschluss

  • Helicobacter-pylori-Nachweis Kap. 10.4.2

  • Evtl. Gastrinbestimmung zum Ausschluss eines Zollinger-Ellison-SyndromsZollinger-Ellison-Syndrom (gastrinproduzierender Tumor, der zum Magensäureanstieg führt).

Therapie
  • Helicobacter-pylori-Eradikation mittels Tripel-Therapie Kap. 10.4.2

  • Tripel-Therapie Therapiekontrolle mittels Gastroskopie nach 6–8 Wochen

  • Bei HP-negativen Ulcera Protonenpumpenhemmer

  • Absetzen ulzerogener Medikamente, wie nichtsteroidale Antirheumatika, Kortikosteroide

  • Rauchen einstellen

  • Bei Rezidiven erneuter medikamentöser Behandlungsversuch, Rezidivprophylaxe durch langfristige Einnahme von Protonenpumpenhemmern

  • Operation bei Komplikationen.

Komplikationen
30 % der Ulkuspatienten werden erst durch Komplikationen symptomatisch (Tab. 10.4).
Pflege
  • Über eine Änderung der Lebensführung und Risikofaktoren informieren: Stress (Kap. 1.6.3), Kaffee, Nikotin und Alkohol

  • Grundsätzlich kann der Patient essen, was ihm bekommt, da meist eine krankheitsbedingte Abneigung gegen Unbekömmliches besteht

  • Häufig kleine Mahlzeiten anbieten

  • Bei Übelkeit, Erbrechen evtl. vom Arzt Antiemetika verordnen lassen

  • Erbrochenes und Stuhl auf Blut kontrollieren

  • Bei Komplikationen sofort den Arzt informieren

  • Vorbereitung zur Gastroskopie (Kap. 3.7.2)

  • Ggf. OP-Vorbereitung (Kap. 16.2.2).

Magenkarzinom

Magenkarzinom KarzinomMagen Maligner Tumor des Magens, meist ausgehend von den Drüsenzellen (Adenokarzinom). Meist sind Menschen > 50 Jahre betroffen, Männer häufiger als Frauen.
Ursachen
  • Helicobacter-pylori-Gastritis

  • Z. n. Magenteilresektion, adenomatöse Magenpolypen, Autoimmungastritis

  • Hoher Nitratgehalt der Nahrung (gesalzene und geräucherte Speisen), Alkohol, Nikotin

  • Familiäre Belastung.

Symptome
  • Zunächst meist keine, evtl. unspezifische Beschwerden

  • Gelegentlich Abneigung gegen Fleisch

  • Später Leistungsknick, Gewichtsverlust

  • Bei stenosierendem Karzinom: Völlegefühl und Erbrechen

  • Magenblutung

  • Metastasen in Lymphknoten, Leber, Lunge, Knochen, Gehirn, großes Netz, Bauchfellkarzinose mit Aszites.

Diagnostik
  • Anamnese und körperliche Untersuchung

  • Bei Beschwerden ≥ 3 Wochen Gastroskopie mit multiplen Biopsien (Kap. 3.7.2)

  • Blutuntersuchung: BB, Tumormarker zur Verlaufskontrolle (CA 72–4, CA 19–9, CEA)

  • Endosonografie, um Tiefenausdehnung zu bestimmen, Nachweis befallener Lymphknoten

  • Metastasensuche: Rö-Thorax, Sonografie des Abdomens, CT des Abdomens.

Therapie
  • Tumore, die auf die Schleimhaut begrenzt sind, können endoskopisch entfernt werden

  • Bei fortgeschritteneren Tumoren radikale Magenresektion inkl. großem und kleinem Netz, Lymphknoten, evtl. distaler Ösophagus

  • Evtl. perioperative Chemotherapie, um dann mit kurativem Ziel operieren zu können (Downstaging)

  • Bei inoperablen Tumoren Chemotherapie

  • Palliativ: Nahrungspassage erhalten durch Lasertherapie, Einlegen eines Metallstents, Umgehungs-OP, Anlegen einer PEJ (Kap. 2.7.6).

Komplikationen nach Magen-OP
  • Frühdumping: 20 min Dumpingsyndrom nach dem Essen; zu schnelle Entleerung des Magens → osmotisch bedingter Flüssigkeitsverlust in den Darm → Hypovolämie mit Kollapsneigung, Schweißausbruch, Übelkeit, Bauchschmerzen, Durchfall, Brechreiz. Therapie: viele kleine Mahlzeiten ohne Flüssigkeit, wenig Süßspeisen

  • Spätdumping: 1–3 h nach dem Essen, überschießende Insulinsekretion → Hypoglykämie mit Schwäche, Schwitzen, Unruhe, Heißhunger. Therapie: Kleine Kohlenhydratzufuhr etwa 3 h nach dem Essen

  • Zu kleiner Restmagen: Völle- und Restmagen Druckgefühl beim oder nach dem Essen, Gewichtsverlust. Therapie: Magenvergrößerung durch einen Jejunumabschnitt

  • Ernährungsstörungen: Anämie durch Eisenmangel oder Vit.-B12-Mangel

  • Erhöhtes Karzinomrisiko am Magenstumpf.

Pflege
  • Pflege bei Chemotherapie (Kap. 13.3.3)

  • Durch prophylaktische Maßnahmen sekundäre Erkrankungen (z. B. Dekubitus, Pneumonie) vermeiden

  • Schmerzbeobachtung und Schmerzbekämpfung (Kap. 2.11)

  • Genaue Information des Patienten über jede geplante Maßnahme, Zeit nehmen für Gespräche

  • Eiweißreiche, ausgewogene Allgemeinkost, grundsätzlich nach den Wünschen des Patienten

  • Postoperative Pflege bei Komplikationen, z. B. Darmatonie (Kap. 16.3.4)

  • Kostaufbau nach Operation (Kap. 16.3.2).

Beobachten

Darmatonie kann Hinweis auf eine Peritonitis sein.

Pankreas

Akute Pankreatitis

Pankreatitisakute Selbstandauung der Pankreas durch Freisetzung von Enzymen (z. B. Trypsin, Elastase) innerhalb des Organs.
Ursachen
  • Gallestau in den ableitenden Gallengängen (akute biliäre Pankreatitis)

  • Alkoholabusus

  • Selten: Virusinfektionen, Bauchtrauma, Hyperparathyreoidismus, Medikamente (z. B. Kortikosteroide, Diuretika, Zytostatika, β-Blocker), hereditäre Pankreatitis (autosomal dominante Vererbung)

  • Idiopathisch (bis zu 10 %).

Symptome
  • Akut beginnende, heftige Bauchschmerzen, die gürtelförmig bis in den Rücken ausstrahlen können

  • Übelkeit, Erbrechen

  • Meteorismus, Darmparese

  • Aszites

  • Fieber, Hypotonie

  • Komplikationen: In 15 % schwere Verläufe mit Teil- oder Totalnekrosen und hoher Letalität, weiterhin: bakterielle Infektion der Nekrosen, Schock, akutes Nieren- und Lungenversagen, Verbrauchskoagulopathie, Pankreasabszess, Pseudozystenbildung, Diabetes mellitus.

Diagnostik
  • Anamnese und körperliche Untersuchung

  • Blutuntersuchung: Pankreasenzyme Lipase, Elastase 1 und α-Amylase, BZ, Ca2+, Kreatinin, Harnstoff, Gerinnung, Leberwerte (Cholestase?). V. a. nekrotisierende Pankreatitis bei Leukozytose und wenn LDH, CRP und Hkt erhöht, Ca2+ erniedrigt

  • Bildgebende Verfahren: Sonografie (Cholestase, Pankreasödem?), Röntgen-Thorax (Begleiterguss?, Ausschluss einer Pneumonie), Abdomenübersicht (Pankreas verkalkt, Ileus?), ERCP bei V. a. auf Obstruktion des Ductus choledochus.

Therapie
  • Engmaschige Überwachung auf der Intensivstation: Abdomenbefund, RR, Puls, ZVD, Pulsoximetrie, Flüssigkeitsbilanzierung, Magensonde nur bei Erbrechen, Ileus

  • Bettruhe, Nahrungskarenz

  • Volumen- und Elektrolytgabe, 4–6 l/Tag unter ZVD-Kontrolle, evtl. vorübergehend parenterale Ernährung

  • Schmerztherapie (Kap. 2.11.4, Kap. 2.11.5): Tramadol (Tramal®), bei starken Schmerzen Pethidin (Dolantin®)

  • Protonenpumpenhemmer zur Prophylaxe eines Stress-Ulkus

  • Thromboembolieprophylaxe Kap. 2.2.10

  • Antibiotika bei Fieber > 39 °C, nekrotisierendem Verlauf, z. B. Carbapenem oder Ciprofloxacin in Kombination mit Metronidazol

  • Bei Gallensteineinklemmung vor der Pankreaspapille: endoskopische Steinentfernung innerhalb 24 h

  • Symptomatische Pseudozysten werden drainiert; Abszesse drainiert und gespült

  • OP bei schwerem nekrotisierendem Verlauf (Nekrosektomie).

Beobachten

  • Überwachen in der Ruhephase: ZVK, Blasenkatheter

  • Je nach Zustand, jedoch mind. 4-stdl.: RR, Puls, Flüssigkeitsbilanz, ZVD, Allgemeinzustand

  • Täglich: Elastase, Ca2+, BB, Elektrolyte, BZ-Profil, Kreatinin, Harnstoff, CRP, LDH, BGA, Gerinnung.

Pflege
  • Unterstützen der Lebensbereiche: insbesondere Haut (Kap. 2.3.2), Atmung (Kap. 2.4.3), Ernährung (Kap. 2.7), Ausscheidung (Kap. 2.8) sowie Schlafen (Kap. 2.9.2)

  • Schmerztherapie mit Analgetika nach Arztanordnung

  • Ggf. OP vor- und nachbereiten (Kap. 16.2, Kap. 16.3).

Ernährung
  • Wenn notwendig parenterale Ernährung mit bis zu 3 500 kcal täglich

  • Elektrolythaushalt überwachen (Kap. 3.4.2)

  • Infusionen überwachen: 4–6 l täglich oder mehr, ZVD-Kontrolle (Kap. 3.3)

  • Nahrungsaufbau: kein Alkohol, Fett, Kaffee; bei Schmerzfreiheit mit Tee und Zwieback beginnen, dann leichte Kost

  • Regelmäßig BZ-Kontrolle, ggf. Insulin nach ärztlicher Verordnung.

Chronische Pankreatitis

Pankreatitischronische Gleichmäßig oder in Schüben verlaufende Entzündung. Meist bei chronischem Alkoholabusus, aber auch ohne erkennbare Ursache auftretend. Zunehmender Funktionsverlust des Pankreas: exokrin → Mangel an Verdauungsenzymen (Symptome aber erst bei Reduzierung der Sekretion auf < 10 %), endokrin → Mangel an Insulin und Glukagon.
Symptome
  • Rezidivierende Schmerzen im Oberbauch, in den Rücken ausstrahlend, häufig ausgelöst durch Essen oder Alkohol. Selten schmerzfreie Verläufe. Mit zunehmender Krankheitsdauer abnehmende Schmerzen: „Ausbrennen“ der Pankreatitis

  • Nahrungsunverträglichkeit: nach fetten Mahlzeiten Übelkeit, Erbrechen, Schmerz

  • Evtl. rezidivierender Ikterus

  • Später: Diabetes mellitus, Maldigestion, Fettstühle, Durchfall

  • Komplikationen: Pseudozysten, Pankreasgang- und Gallengangsstenosen, Pfortaderhochdruck, Pankreaskarzinom.

Diagnostik
  • Anamnese und körperliche Untersuchung

  • Blutuntersuchung: Pankreasenzyme (Lipase, Elastase 1, α-Amylase) im Schub erhöht, sonst oft unauffällig

  • Stuhluntersuchung auf Elastase 1 ↓

  • Bildgebende Verfahren: Sonografie (Pseudozysten, Verkalkungen?), Röntgen-Abdomen (Verkalkungen?), CT-Abdomen (Verkalkungen, Pseudozysten, Strukturveränderungen?), ERCP (Pankreasgangstein, Choledochusstenose?).

Therapie
  • Alkoholabstinenz steht im Vordergrund

  • Therapie entzündlicher Schübe wie bei akuter Pankreatitis

  • Schmerzbekämpfung

  • Häufig kleine Mahlzeiten: kohlenhydratreich, fettarm, bevorzugt mittelkettige Triglyzeride (MCT-Fette), z. B. Ceres®-Diätmargarine

  • Bei exokriner Insuffizienz Enzymsubstitution angepasst an die Mahlzeiten, z. B. Kreon®Granulat

  • Bei endokriner Insuffizienz Insulintherapie (Kap. 12.6.5)

  • Endoskopische Behandlung von Pankreasgangsteinen und -stenosen, Pseudozysten, Abszessen

  • Bei Komplikationen OP mit Drainagen oder Pankreasteilresektion.

Pflege
  • Alkoholabstinenz

  • Linderung der Schmerzen durch fettarme, kohlenhydratreiche Diät, 5–7 kleine Mahlzeiten am Tag

  • Information und Anleitung zur Einhaltung der Diät auch im beschwerdefreien Intervall: kein Alkohol, kein Kaffee, wenig Fett

  • Patienten motivieren, um krankheitsbedingte Einschränkungen bewältigen zu können

  • Ggf. OP-Vorbereitung zur Pankreasteilresektion (Kap. 16.2) und OP-Nachsorge (Kap. 16.3).

Gesundheitsförderung und Prävention
Bei einer chronischen Pankreatitis müssen die Patienten auf jeglichen Alkohol verzichten, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Ein Diabetes mellitus bei Patienten mit Pankreasinsuffizienz darf nicht mit Nahrungseinschränkung behandelt werden: Patienten sind meist unterernährt

  • Der jahrelange Krankheitsverlauf kann hauptsächlich durch Alkoholabstinenz und fettarme Diät positiv beeinflusst werden.

Pankreaskarzinom

Pankreaskarzinom MeistKarzinomPankreas im Pankreaskopf lokalisierter, maligner Tumor, der oft erst spät entdeckt wird und daher meist schon lymphogen und hämatogen metastasiert hat, Patienten meist > 65 Jahre.
Symptome
  • Rückenschmerzen

  • Erst sehr spät auftretend: Gewichtsverlust, Oberbauchbeschwerden, Übelkeit

  • Verschlussikterus

  • Evtl. rezidivierende Thrombophlebitiden, Thrombosen.

Diagnostik
  • Anamnese und körperliche Untersuchung

  • Blutuntersuchung: Tumormarker CA 19–9, CA 50 zur Verlaufskontrolle

  • Bildgebende Verfahren: Sonografie, Endosonografie, ERCP, CT-Abdomen.

Therapie
  • Radikal-OP, trotzdem schlechte Prognose

  • Adjuvante Chemotherapie

  • Palliative Therapie: Chemotherapie mit Gemcitabin, bei Ikterus endoskopisches Einbringen eines Stents zum Offenhalten des Ductus choledochus, Schmerztherapie (Kap. 2.11).

Pflege
  • OP-Vorbereitung zur Pankreasresektion (Kap. 16.2)

  • Postoperativ:

    • Kontrolle des Wundverbands und der Drainage, VW nach Wundsituation

    • Entfernen der Wunddrainage und der gastrointestinalen Sonde nach Anordnung

    • Kostaufbau nach Anordnung bei Dichtigkeit der Anastomose und vorhandener Darmtätigkeit. Mehrere kleine Mahlzeiten, fettarm, vitamin- und proteinreich, Verzicht auf Alkohol

    • Blutzuckerkontrollen nach Anordnung

  • Bei palliativ-operierten Patienten, Sterbesituation berücksichtigen (Kap. 6.3.3)

  • Schmerzbekämpfung (Kap. 2.11)

  • Grundsätze der onkologischen Pflege beachten (Kap. 13).

Leber

Leberzirrhose

ZerstörungLeberzirrhose und knotiger Umbau der typischen Leberläppchen- und Gefäßstruktur der Leber mit Fibrosierung. Folge: Zunehmender Funktionsverlust des Organs und Rückstau des Blutes vor der Leber.
Ursachen
Alkoholabusus (40 %), Hepatitis B, C und D (55 %), Autoimmunhepatitis, toxische Lebererkrankungen, Stoffwechselerkrankungen, z. B. Mukoviszidose, kardiale Zirrhose bei chronischer Rechtsherzinsuffizienz.
Symptome und Komplikationen
  • Leistungsminderung, Schwäche, Druckgefühl im Oberbauch, Übelkeit

  • Leberhautzeichen: Leberhautzeichen Spider naevi, Spider naevi Palmarerythem (gerötetePalmarerythem Handflächen), Lackzunge, Lacklippen, Dupuytren-Kontraktur (Dupuytren-Kontraktur Kontraktur besonders der Beugesehne des Ringfingers), Juckreiz, Caput medusae (Caput medusae verstärkte Venenzeichnung am Bauchnabel durch Ausbildung von Umgehungskreisläufen bei Pfortaderhochdruck)

  • Hormonelle Störungen: beim Mann Potenzstörungen, Gynäkomastie, Verlust der männlichen Sekundärbehaarung (Bauchglatze); bei der Frau Menstruationsstörungen, evtl. sekundäre Amenorrhö

  • Mangelernährung, Kachexie

  • Aszites, spontan bakterielle Peritonitis möglich

  • Ikterus (Kap. 10.1.3)

  • Blutungsneigung

  • Hepatorenales Syndrom: Oligurie bei dekompensierter Leberzirrhose

  • Leberzellkarzinom als Spätkomplikation.

Ösophagusvarizen
Erweiterung submuköser Venen im unteren Teil des Ösophagus und im Mageneingang aufgrund erhöhten Blutdrucks im Pfortaderkreislauf. Gefahr der akuten Blutung.

Erstmaßnahmen bei akuter Ösophagusvarizen-Blutung

Arzt

  • ÖsophagusvarizenBlutung, akute NotfallÖsophagusvarizen-Blutung, akute Kreislaufstabilisierung: i. v. Zugang legen, Volumensubstitution und Fresh Frozen Plasma, Thrombozytenkonzentrate bestellen

  • Labor: BB, Blutgruppe, Kreuzblut, Gerinnung, Leberstatus, E'lyte, Kreatinin, BZ; Hb und Hämatokrit kontrollieren, z. B. alle 4 h

  • Blutstillung:

    • Endoskopisch mittels Multi-Band-Ligatur

    • Sklerosierung mit Polidocanol, Äthoxysklerol

    • Gewebekleber als letzte Möglichkeit

  • Pfortaderdruck medikamentös mit Terlipressin (Glycylpressin®) oder Somatostatin senken

  • Wenn Endoskopie nicht verfügbar oder nicht erfolgreich: aufblasbare Kompressionssonde (z. B. Sengstaken-Blakemore-Sonde) legen und Kreislauf stabilisieren, Verlegung in geeignete Klinik vorbereiten

  • Antibiotika (z. B. Ciprofloxacin) zur Infektionsprophylaxe.

Pflege

  • Ggf. Schockbehandlung (Kap. 22.4.2)

  • Infusionen anhängen und überwachen (Kap. 3.3)

  • Ggf. Transfusionen überwachen (Kap. 3.5)

  • Bei liegendem zentralen Zugang ZVD messen (Kap. 3.7.5)

  • Regelmäßig überwachen: RR und Puls halbstündlich, Temperatur 2-stündlich, Bewusstsein bei jedem Patientenkontakt

  • Vorbereiten zur Endoskopie (Kap. 3.7.2)

  • Später: Breiige Ernährung, Brötchen oder Brotkanten können die Varizen verletzen.

Hepatische Enzephalopathie (Tab. 10.5)
Enzephalopathie, hepatische Mangelnde Entgiftung von Stoffen, die für das ZNS toxisch sind (z. B. Ammoniak, Mercaptane).
Diagnostik
  • Anamnese (Alkohol?) und körperliche Untersuchung (Leber, Milz, Abdomen)

  • Blutuntersuchung: BB, Transaminasen, γ-GT, GOT, GPT, AP, Bilirubin erhöht, Gerinnungsstatus, Antithrombin ↓, Albumin ↓, Cholinesterase ↓, Ammoniak ↑, Hepatitis-Serologie

  • Bildgebende Verfahren: Sonografie, CT-Abdomen

  • Leberpunktion mit Biopsie

  • Endoskopie zum Nachweis von Ösophagusvarizen

  • Farb-Duplex-Sonografie bei Pfortaderhochdruck.

Therapie
  • Alkoholverzicht, keine lebertoxischen Medikamente

  • Evtl. Vitaminsubstitution (B1, A, D, E, K)

  • Wenn möglich ursächliche Behandlung der auslösenden Erkrankung

  • Zur Prophylaxe einer Ösophagusvarizenblutung: β-Blocker, die den portalen Druck senken, portosystemische Shuntverfahren, z. B. TIPS (transjugulärer portosystemischer Shunt)

  • Bei Aszites: Kochsalzreduktion, Diuretika (Spironolacton, Schleifendiuretika), Parazentese (therapeutische Aszitespunktion mit Ablassen von 4–6 l/Tag)

  • Bei spontan bakterieller Peritonitis: Cephalosporine der 3. Generation

  • Bei hepatischer Enzephalopathie: eiweißarme Ernährung, Unterdrückung der ammoniakbildenden Darmflora mit Laktulose, Antibiotikum Rifaximin, Darmreinigung durch hohe Einläufe

  • Bei hepatorenalem Syndrom: Lebertransplantation.

Pflege
  • Einhaltung der absoluten Alkoholkarenz beachten

  • Ernährung: ausreichend Kalorien und Eiweiß, kochsalzarm, leicht verdaulich, vitaminreich

  • Ggf. zusätzlich oder ausschließlich parenterale Ernährung (Kap. 3.4.1)

  • Bei chronischer oder akuter Blutung: blutigen Mageninhalt absaugen, täglich hoher Reinigungseinlauf mit 3–5 l körperwarmer NaCl 0,9 % Lösung, unterstützt Keimreduktion im Darm

  • Zur Darmspülung eignen sich Darmrohre mit Blockung besonders, z. B. Röntgen-Kontrastmittel-Einlauf, der Darm lässt sich so leichter fraktioniert spülen

  • Unterstützung der Lebensbereiche nach Bedarf, Pneumonie- und Dekubitusprophylaxe, sorgfältige Hautpflege (Kap. 2.3.2)

  • Ggf. Aszitespunktion vorbereiten (Kap. 3.1.2)

  • Beratung und Information des Patienten über eine gesunde, nikotin- und alkoholfreie Lebensweise (Gesundheitsvorsorge), insbesondere bei Alkoholproblemen Suchtberatung.

Beobachten

  • RR, Puls, Temperatur, Bewusstsein und Haut

  • Veränderungen und Blutungen jeder Art sofort dem Arzt mitteilen.

Lebertransplantation

Lebertransplantation TransplantationLeber Lebertransplantationen (LTX) sind speziellen Zentren vorbehalten. Bei einer Lebertransplantation wird die Patientenleber komplett entfernt und durch die Leber eines möglichst HLA-kompatiblen Spenders ersetzt (orthotope LTX). Wenn eine Regeneration der Patientenleber zu erwarten ist, kann auch eine auxiliäre partielle orthotope Lebertransplantation (APOLT) durchgeführt werden, um die vorübergehend ausgefallenen Funktionen der Leber zu ersetzen. Hierbei wird nur der linke Leberlappen durch ein Teiltransplantat ersetzt. Hat sich die Patientenleber erholt, wird das Transplantat wieder entfernt. Vorteil: keine lebenslange Immunsuppression des Patienten notwendig.
Wartezeit bei der Lebertransplantation ist abhängig vom MELD-Score, mit dessen Hilfe die Drei-Monats-Mortalität abgeschätzt wird.
Indikationen
  • Fulminant verlaufendes akutes Leberversagen

  • Fortschreitende Lebererkrankungen mit terminaler Leberinsuffizienz nach Ausschöpfen aller konservativen Maßnahmen (z. B. Leberzirrhose bei M. Wilson, Hämochromatose).

Kontraindikationen
  • Sepsis

  • Maligne Tumorerkrankung

  • Fortwährender Alkohol- und Drogenkonsum

  • Schwere kardiopulmonale Erkrankungen

  • Lebensbedrohliche Systemerkrankung.

Komplikationen
  • Hyperakute (innerhalb von Tagen), akute (innerhalb des ersten Jahres) und chronische (nach Monaten bis Jahren) immunologische Abstoßungsreaktionen

  • Gefäß- oder Gallengangskomplikationen des Transplantats (Thrombose, Stenose, Leckage, Blutungen)

  • Rezidiv der Grunderkrankung

  • NW der Immunsuppression.

Immunsuppression
Eine Immunsuppression lebenslange Immunsuppression zur Unterdrückung der Abstoßungsreaktionen ist notwendig: Kortikosteroide und Calcineurininhibitoren (Ciclosporin, z. B. Sandimmun®, Tacrolismus, z. B. Prograf®). Abstoßungsreaktionen werden durch Steigerung der Dosierungen, durch gezielte Hemmung der Lymphozyten mittels monoklonaler Antikörper und durch IL-2-Rezeptorantagonisten (Basiliximab, z. B. Simulect®) behandelt.

Beobachten

Nach der postoperativen Versorgung des Patienten auf einer Intensivstation:

  • Blutdruck 3× tgl. (Kap. 2.5.2)

  • Temperatur 2× tgl. (Kap. 2.6.1)

  • Körpergewicht tgl. (Kap. 2.7.2)

  • Ein- und Ausfuhrbilanz tgl. (Kap. 2.7.3)

  • Bewusstseinskontrollen (mögliche Störungen durch mangelnde Blutzirkulation des Transplantats)

  • Regelmäßige Blutuntersuchung: BSG, Transaminasen, Bilirubin, Quick (mögliche Gerinnungsstörungen), BZ (möglicher, vorübergehender, insulinpflichtiger Diabetes mellitus), Elektrolyte (mögliche Hypokaliämie), Kreatinin, BB.

Pflege
  • Prä- und postoperative Pflege (Kap. 16.2, Kap. 16.3)

  • Unterstützen bei allen Einschränkungen, Prophylaxen soweit erforderlich, insbesondere Dekubitus- und Thromboseprophylaxe (Kap. 2.2.10, Kap. 2.2.11)

  • Ab OP beginnt hochdosiert die Immunsuppression, absolut regelmäßige Einnahme der Immunsuppressiva beachten

  • Auf alle Zeichen einer beginnenden Abstoßung achten: RR-Anstieg, Fieber (evtl. Schüttelfrost), Schmerzen im Bereich des Transplantats

  • Alle Unregelmäßigkeiten sofort dem Arzt melden.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Patienten nach einer Transplantation haben große Angst vor einem Versagen des Organs; deshalb bei Problemen nicht hektisch und nervös reagieren. Ruhe, Besonnenheit und Optimismus verbreiten

  • Patienten sind nach der Transplantation hochgradig infektionsgefährdet → Mundschutz und Hygienerichtlinien (Kap. 1.8.4) einhalten

  • Ein beginnendes Transplantatversagen kündigt sich durch eine hyperdynamische Kreislaufinstabilität und Nierenversagen sowie eine metabolische Azidose an.

Gallenblase und Gallenwege

Gallensteine (Cholelithiasis)

Gallensteine 10 % der Cholelithiasis Bevölkerung haben Gallensteine, 75 % davon ohne Beschwerden, F > M, meist cholesterinhaltige Mischsteine.
Risikofaktoren: Zunehmendes Alter, Schwangerschaft, cholesterinreiche Ernährung, Fasten, Übergewicht, erbliche Disposition.
Symptome
Bei 25 % der Gallensteinträger können folgende Symptome/Komplikationen auftreten:
  • Druck- und Völlegefühl im rechten Oberbauch, Blähungen nach Kaffee und fetten, gebratenen Speisen

  • Gallenkolik aufgrund Steineinklemmung in den Gallengängen: in Gallenkolik Wellen auftretende, krampfartige Schmerzen im rechten Oberbauch, können in Rücken und rechte Schulter ausstrahlen, Übelkeit, Erbrechen, Temperatur bis 38,5 °C, Ikterus bei Choledochusverschluss.

Komplikationen
  • Cholezystitis, Cholangitis

  • Perforation der Gallenblase mit Peritonitis

  • Empyem (Eiter in der Empyem Gallenblase)

  • Hydrops (Gewebewasser Hydrops in der Gallenblase).

Diagnostik
  • Anamnese (Koliken?, Risikofaktoren?) und körperliche Untersuchung

  • Blutuntersuchung: BB, CRP, BSG, E'lyte, Leberwerte, cholestaseanzeigende Enzyme AP, LAP, γ-GT, direktes Bilirubin, Gerinnungsstatus, Lipase, Amylase, CK, LDH

  • Bildgebende Verfahren: Sonografie, CT-Abdomen, ERCP bei Verdacht auf Gallengangssteine mit gleichzeitiger Steinentfernung, evtl. Darstellung kalkhaltiger Steine in Rö-Abdomen

  • Chirurgisches Konsil.

Therapie
Nur symptomatische Steine werden behandelt:
  • ERCP: bei ERCPGallensteine Gallengangssteinen mit Papillotomie (Papilla vateri wird seitlich aufgeschlitzt), Steine werden mit Körbchen, Zange herausgeholt

  • Laparoskopische Cholezystektomielaparoskopische oder seltener offene CholezystektomieoffeneOperation: Cholezystektomie bei rezidivierenden Symptomen oder Komplikationen

Therapie bei Gallenkolik
  • Nulldiät

  • Spasmolyse mit N-Butylscopolamin (Buscopan®), NW Blasenentleerungsstörungen, Glaukom, Übelkeit/Erbrechen

  • Schmerztherapie z. B. mit Pethidin (Dolantin®) oder Pentazocin (Fortral®) i. v. (Kap. 2.11.4)

  • Bei anhaltenden Schmerzen oder hinzutretender Entzündung OP anstreben, ansonsten OP im beschwerdefreien Intervall.

Pflege
Gallenkolik
  • BettruheGallenkolik

  • Nahrungskarenz, nach Abklingen der Symptomatik langsamer Kostaufbau, keine fetten oder gebratenen Speisen

  • Puls, RR, Temperatur und Allgemeinbefinden kontrollieren

  • Medikamentöse Schmerzbehandlung, physikalische Schmerzlinderung, z. B. warme Bauchwickel (Kap. 3.9.1) nach Anordnung

  • Ggf. Vorbereitung zur ERCP oder OP (Kap. 16.2).

Laparoskopische Cholezystektomie
  • Am Operationstag abends schluckweise Tee, rascher Kostaufbau ab 1. postop. Tag

  • Magensonde abends am Operationstag oder am 1. postop. Tag entfernen

  • Ggf. Knierolle zur Bauchdeckenentlastung. Erstes Aufstehen am OP-Tag

  • Verbandswechsel ab dem 2. postop. Tag

  • Krankenhausentlassung am 3.–4. postop. Tag.

Vorteil gegenüber offener OP: kaum Wundheilungsstörungen, schnelle Mobilisation, geringes Thromboserisiko, keine postopertive Darmatonie.
Offene Cholezystektomie, Choledochotomie (operative Sanierung des Gallengangs)
  • Prä- und Choledochotomie postoperative Pflege (Kap. 16.2, Kap. 16.3)

  • Unterstützung bzw. Übernahme aller Lebensbereiche, Thromboseprophylaxe besonders wichtig

  • Einhalten des Infusionsprogramms

  • Ab 3. Tag Beginn des Kostaufbaus nach hausüblichem Schema, Darmtätigkeit muss vorhanden sein

  • Fettarme, eiweißreduzierte, leicht verdauliche Nahrung

  • Ggf. Anregen der Darmtätigkeit nach Anordnung, z. B. Klistier, Einlauf oder medikamentös

  • Intraoperativ gelegte Magenablaufsonde erst entfernen, wenn Sekretfluss versiegt (Kap. 3.6.3).

Wunddrainagen
  • Postoperative Wunddrainagen (Kap. 16.3.3)

  • Sekret bernsteinfarben bis leicht blutig oder gallig, 300 ml in den DrainageCholezystektomie ersten Tagen werden toleriert

  • Kürzung am 3.–4. Tag

  • Entfernung am 5.–6. Tag, wenn kein T-Drain (Drainage im Ductus choledochus) liegt. Bei liegendem T-Drain Entfernung 1–2 Tage nach diesem

  • Genaue Verbandkontrolle: Galle-Nachfluss ist möglich.

Akute Cholezystitis

Cholezystitis, akute Entzündung der Gallenblase, meist bei bestehendem Gallensteinleiden und Verschluss des Ductus cysticus durch Gallensteine; häufige Erreger E. coli, Streptococcus faecalis.
Symptome
  • Schmerzen im rechten Oberbauch

  • Hohes Fieber > 38,5 °C und Schüttelfrost

  • Übelkeit, Erbrechen

  • Ikterus, wenn Cholestase vorliegt

  • Komplikationen: Perforation mit Peritonitis, Empyem, Leberabszess.

Diagnostik
  • Anamnese und körperliche Untersuchung

  • Blutuntersuchung: Entzündungsparameter (BSG, Leukos), γ-GT, AP, Bilirubin, Transaminasen, E'lyte, Lipase, Amylase, Gerinnung, Kreuzblut

  • Evtl. Blutkultur bei sehr hohem Fieber (Kap. 3.7.1)

  • Bildgebende Verfahren: Sonografie und präop. Rö-Abdomen, Rö-Thorax, EKG.

Therapie und Pflege
  • Bettruhe

  • Spasmolyse mit Buscopan®, evtl. zusätzliche Schmerztherapie mit Pethidin

  • Antibiotikatherapie (Kurzinfusionen Kap. 3.3.3)

  • Darmtätigkeit beobachten

  • In schweren Fällen: Nahrungskarenz, ggf. OP-Vorbereitung (Kap. 16.2), ansonsten Tee, fettfreie Kost, evtl. OP nach 2–3 Wochen

  • OP: bei Anamnese < 48 h sofortige OP, bei längerer Anamnese und erhöhtem OP-Risiko (z. B. Alter, reduzierter Allgemeinzustand) zuerst konservativ behandeln und später nach Abklingen der Symptome Cholezystektomie.

Beobachten

Engmaschig kontrollieren: Temperatur, Puls, RR, Pankreatitiszeichen, Schmerzen mit Bauchdeckenspannung als Zeichen einer Perforation oder Peritonitis.

Darm

Appendizitis

Blinddarmentzündung AppendizitisEntzündung des Wurmfortsatzes am Colon ascendens, die v. a. Kinder und Jugendliche betrifft und wegen der Perforationsgefahr mit Peritonitis gefürchtet ist.
Symptome
Die klassische Symptomfolge zeigt sich nur in der Hälfte der Fälle. Besonders Kleinkinder und alte Menschen können ganz untypische Symptome zeigen. Meist akuter Verlauf.
  • Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen

  • Schmerzen in der Nabelgegend

  • Später Schmerzverlagerung in den rechten Unterbauch, bei Lagevarianten auch in den rechten Oberbauch oder ins kleine Becken, Schmerzlinderung bei Anbeugen des rechten Beines

  • Fieber, oft typische rektal-axilläre Temperaturdifferenz Temperaturdifferenz, rektal-axilläre von > 0,8 °C.

Diagnostik
Das sehr variable Erscheinungsbild aufgrund individueller Lokalisation des Wurmfortsatzes erschwert die Diagnose:
  • Körperliche Untersuchung: Lokaler Druckschmerz und Loslassschmerz im rechten Unterbauch am McBurney- und Lanz-Druckpunkt, kontralateraler Loslassschmerz (Blumberg-Zeichen) (Abb. 10.2)

  • Blutuntersuchung: Entzündungsparameter (BSG, CRP, Leukos), E'lyte, Gerinnung, Kreatinin, BZ, α-Amylase, Kreuzblut

  • Gynäkologisches Konsil (DD: Adnexitis)

  • Bildgebende Verfahren: Sonografie, Röntgen-Abdomen, können oft nur die DD ausschließen, aber nicht die Appendizitis nachweisen.

Therapie
Chirurgisch (laparoskopisch oder offen), bei unklaren Fällen beobachten, keine Antibiotika, sehr gute Prognose, wenn keine Perforation vorliegt.
Komplikationen
Perforation mit Peritonitis.
Pflege
  • Nahrungskarenz, Bettruhe

  • Temperatur gleichzeitig axillär und rektal messen, Differenz oft > 0,8 °C

  • OP vorbereiten (Kap. 16.2), Haarentfernung: Handbreit oberhalb des Nabels bis zur Leiste, einschließlich Schambehaarung.

Beobachten

Aufgrund des akuten Verlaufs und häufig unspezifischen Symptomen engmaschige Kontrolle: Temperatur, Puls, RR, Schmerzintensität, Bauchdeckenspannung

Postoperativ
  • Frühmobilisation wenige Stunden postop.

  • Ernährung: Tee schluckweise bereits am Operationstag, ab dem 2. Tag leichte ballaststoffarme Kost

  • Drainagen am 1. Tag ziehen

  • Am 6.–7. Tag Fäden ziehen, ambulant möglich.

Ileus

Lebensbedrohliche Unterbrechung der Darmpassage durch Verschluss des Darmes (mechanischer Ileus) oder infolge einer Darmlähmung (paralytischer Ileus).
SubileusSubileus: unvollständiger Darmverschluss, geht häufig in Ileus über.
Ursachen
Mechanischer Ileus: Ileusmechanischerpostoperative Verwachsungen (Bridenileus), Einklemmung von Darmteilen in Hernien (inkarzerierte Hernien), Karzinom, Divertikulitis, Volvulus (ineinander Volvulus verdrehte Darmschlingen), Fremdkörper.
Paralytischer Ileus: Ileusparalytischer Mesenterialinfarkt, Mesenterialinfarkt reflektorisch (Nierenkolik, postoperative Darmatonie), bei schweren Entzündungen im Bauchraum (Pankreatitis, Peritonitis, Sepsis), Urämie, Hypokaliämie; Spätstadium des mechanischen Ileus.
Symptome
  • Übelkeit und Erbrechen

  • Blähungen, Windverhalt, geblähter Bauch

  • Stuhlverhalt

  • Volumenmangel/-schock, Elektrolytverschiebungen.

Diagnostik
  • Anamnese

  • Körperliche Untersuchung: Abwehrspannung

    • Beim mechanischen Ileus: klingende Darmgeräusche

    • Beim paralytischen Ileus: fehlende Darmgeräusche („Totenstille“)

  • Bildgebende Verfahren: Röntgen-Abdomen im Stehen oder Seitenlage li. (Spiegelbildung?), Sonografie (Perforation eines Hohlorgans, Pankreatitis, Harnaufstau bei Ureterstein?).

Therapie
  • Mechanischer Ileus: fast immer OP, besonders bei Ischämiegefahr, kompletten Stenosen

  • Paralytischer Ileus:

    • Ursache beseitigen und Peristaltik medikamentös anregen, z. B. Metoclopramid, Dexpanthenol (Bepanthen®)

    • Nahrungskarenz, gastrointestinale Sonde zur Entlastung legen (Kap. 3.6.3)

    • Evtl. Antibiotika

    • Wasserverluste, Elektrolyt- und Säure-Basen-Verschiebungen mit Infusionen ausgleichen.

Komplikationen
Hypovolämie, Darmgangrän, Schock, Nierenversagen.

Beobachten

RR, Puls, Temperatur, Ausscheidung, Sekret aus gastrointestinaler Sonde, Schmerzen, Schockzeichen und Bewusstsein.

Pflege
  • Bettruhe und Unterstützung bei allen Einschränkungen (Kap. 2.2, Kap. 2.4), insbesondere Pneumonieprophylaxe und Atemtherapie

  • Nahrungskarenz

  • Magen-, Duodenalablaufsonde (Kap. 3.6.3) legen → aufgestauter Darminhalt, Sekret kann ablaufen, Sekret beobachten (Farbe, Beschaffenheit, Menge)

  • Blasendauerkatheter legen für genaue Flüssigkeitsbilanz

  • Infusionen nach Plan (Kap. 3.3.2), Dauerinfusionen mit Zusätzen nur über zentralen Zugang geben

  • Ausgleich der Elektrolyte, speziell Kalium, durch Infusionszusätze nach ärztlicher Verordnung (Kap. 3.4.2)

  • Schmerztherapie mit z. B. Analgetika und Spasmolytika erst nach gesicherter Diagnose, sonst Symptomverschleierung, dies dem Patienten einsichtig machen

  • Bei paralytischem Ileus: Darmrohr legen oder Schwenkeinläufe auf ärztliche Anordnung → mechanischer Reiz und Abgang von Blähungen.

Bei gesicherter Diagnose zur OP vorbereiten (Kap. 16.2)
  • Patienten bei Stomatherapeut vorstellen

  • OP-Nachsorge (Kap. 16.3)

  • Ggf. Pflege einer temporären, für 2–3 Mon. angelegten Kolostomie (Kap. 10.8.6) und Anleitung des Patienten zur Selbstpflege.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Bei Verdacht auf kompletten mechanischen Ileus keine Einläufe und orale Abführmaßnahmen!

  • Schamgefühl des Patienten bei allen pflegerischen Maßnahmen unbedingt beachten.

M. Crohn und Colitis ulcerosa

Colitis ulcerosaMorbusCrohnChronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED) unklarer Ursache (erblich, Umweltfaktoren) (Tab. 10.6). Beginn der Erkrankung meist zwischen 20. und 40. Lebensjahr. Familiäre Häufung.
Pflege
  • Genaue Einhaltung der medikamentösen Therapie

  • Hilfe bei der Körperpflege mit besonderer Berücksichtigung der Analpflege sowie aller Prophylaxen

  • Pflege bei Fieber (Kap. 2.6.3)

  • Stuhlbeobachtung (Häufigkeit? Beimengungen?). Bei Bedarf Nachtstuhl ans Bett stellen

  • Applikation der Medikamente im Rektum: Klysma (bis zur li. Flexur wirksam, Patient für einige Zeit auf der li. Seite lagern), Schaum

  • Wasserverluste, Elektrolyt- und Säure-Basen-Verschiebungen ausgleichen

  • Ruhige Atmosphäre schaffen, gesprächsbereit sein

  • Ernährungsberatung

  • Evtl. Psychotherapie, Kontakt zu Selbsthilfegruppen anbieten.

Divertikulose, Divertikulitis

Divertikulose Meist Divertikulitis im Sigma gelegene, durch die Darmmuskulatur hindurchreichende Ausstülpungen der Darmschleimhaut (Pseudodivertikel). Sehr häufig bei alten Menschen aufgrund ballaststoffarmer Ernährung. Die symptomlose Divertikulose (90 %) kann sich durch Stuhlaufstau und bakterielle Besiedlung zur entzündlichen Divertikulitis entwickeln (10 %).
Symptome
  • Schmerzen im linken Unterbauch (Linksappendizitis des alten Menschen)

  • Evtl. druckschmerzhafte Walze tastbar

  • Stuhlunregelmäßigkeiten, Blähungen

  • Subfebrile Linksappendizitis Temperaturen

  • Komplikationen: Abszess- und Fistelbildung, Perforation mit Peritonitis, Stenose, Ileus, Blutungen.

Diagnostik
  • Anamnese und körperliche Untersuchung (Abwehrspannung, Loslassschmerz)

  • Blutuntersuchung: BB (Anämie, Leukozyten erhöht?), BSG, CRP

  • Bildgebende Verfahren: Sonografie (Darstellung der Divertikel, Abszessbildung?), CT mit rektaler Kontrastmittel-Gabe oder MRT, Röntgen-Abdomen (Perforation, z. B. Luft unter dem Zwerchfell?), Endoskopie (Ausschluss von Karzinom, M. Crohn; nicht im akuten Stadium wegen Perforationsgefahr).

Therapie
  • Divertikulose: Stuhlregulierung, faserreiche Kost, Bewegung

  • Divertikulitis:

    • Bettruhe, lokale Kühlung, Nahrungskarenz und parenterale Ernährung

    • Breitbandantibiotika für 7–10 Tage, z. B. Metronidazol

    • Evtl. medikamentöse Spasmolyse mit z. B. Buscopan®

    • OP bei Komplikationen, bei rezidivierender Divertikulitis.

Gesundheitsförderung und Prävention
Patienten mit Divertikulose sollten sich ballaststoffreich ernähren und sich viel bewegen bzw. Sport treiben.

Kolorektales Karzinom

Karzinomkolorektales Zweithäufigstes Karzinom. Risikofaktoren: Adenome, familiäre Belastung, Colitis ulcerosa, faserarme und fettreiche Kost, Nikotin, Alkohol. Meist jenseits des 50. Lj. Metastasierung in Leber, Lunge.
Symptome
Die Symptome sind uncharakteristisch:
  • Plötzliche Änderung der Stuhlgewohnheit: Obstipation, Diarrhö, Blähungen, unwillkürlicher Stuhlabgang

  • Blut im Stuhl

  • Gewichtsabnahme, Müdigkeit, Leistungsminderung.

Diagnostik
  • Anamnese und körperliche Untersuchung mit rektaler Austastung (Blut am Fingerling, Tumor tastbar?)

  • Blutuntersuchung: BB (Anämie?), Tumormarker CEA zur Verlaufskontrolle

  • Vollständige Koloskopie mit Biopsie

  • Metastasensuche: Röntgen-Thorax, Sonografie und CT der Leber.

Therapie
Rektumkarzinom
  • Operation, ggf. Stoma (Kap. 10.8.6), evtl. mit präoperativer Radio-/Chemotherapie (Kap. 13.3.4, Kap. 13.3.3)

  • Postoperative Chemotherapie.

Kolonkarzinom
  • Operation Kolonkarzinom mit Entfernung des Tumors und regionalen Lymphabflussgebietes, ggf. Stoma (Kap. 10.8.6)

  • Im fortgeschrittenen Stadium adjuvante Chemotherapie Kap. 13.3.3.

Pflege
Allgemeine OP-Vorbereitung (Kap. 16.2).

Darmreinigung

  • Darmreinigung Gründliche Darmreinigung bei OP am Dickdarm: Patient muss am Tag vor der OP 4–6 l einer Elektrolytlösung trinken, Lösung muss zügig getrunken werden (1 l in 30 bis 45 min), kann auch über Magensonde verabreicht werden. Gespült wird so lange, bis der Patient klare Flüssigkeit ausscheidet

  • Darmreinigung über Magensonde: Infusionssystem an Magensonde anschließen und 1 l Flüssigkeit in 30 min einlaufen lassen, übrige Flüssigkeit bei guter Verträglichkeit in 2–4 h verabreichen; Kontrolle von Puls, RR

  • Bei Rektumkarzinom reicht häufig ein Reinigungseinlauf oder Klysma.

Pflege bei Ileostoma und Kolostoma

Ileo- und StomaKolostoma sind künstlich angelegte Darmausgänge (Anus praeter naturalisAnus praeter naturalis ). Der Darminhalt wird über die Bauchdecke in einen Kunststoffbeutel abgeleitet. Es wird zwischen endständigen und doppelläufigen Darmstomata unterschieden (Abb. 10.3):
  • Endständiges Stoma: Orale Darmschlinge wird auf die Bauchdecke ausgeleitet, aborale Schlinge wird blind verschlossen

  • Doppelläufiges Stoma: Orale und aborale Darmschlinge werden auf die Bauchdecke ausgeleitet, dient i. d. R. der zeitlich begrenzten Stillegung eines entzündeten Darmabschnitts, bei Ileus.

Ileostoma

Ileostoma Das endständige Ileostoma (künstlicher Dünndarmausgang) liegt meist im rechten Unterbauch und wird angelegt, wenn der gesamte Dickdarm entfernt wurde. Es sollte rund und 3–5 cm prominent sein. Aus dem Dünndarm ausgeleiteter Stuhl ist dünnflüssig und aggressiv: Hautschäden drohen. Die Entleerung erfolgt mehr oder weniger kontinuierlich. Besonders anfangs ist auf Wasser- und Elektrolytverluste sowie Störungen des Säure-Basen-Haushalts zu achten.

Kolostoma

KolostomaTypische Lokalisationen des Kolostomas (künstlicher Dickdarmausgang): rechter oder linker Oberbauch (Transversostoma) Transversostoma oder linker Mittelbauch (Sigmoidostoma Sigmoidostoma). Das endständige Kolostoma sollte erhaben sein. Der Stuhl hat eine umso festere Konsistenz, je mehr Dickdarm erhalten wurde. In der Regel hat sich der Stuhlgang nach 2–3 Wochen normalisiert.
Grundsätze
  • Den Patienten bei einem Stomatherapeuten vorstellen, sichere und individuelle Versorgung auswählen

  • Ein Stoma ist für den Patienten ein großer Eingriff in seine Intimsphäre:

    • Behutsam und ausführlich aufklären, Informationsmaterial besorgen, auf Wunsch Kontakte zu Mitpatienten, Selbsthilfegruppen vermitteln

    • Gesprächsbereit sein, einfühlsam auf Ängste und Sorgen eingehen

    • Verdrängungstendenzen erkennen

  • Es ist der Patient, der mit dem Stoma leben muss: Selbstständigkeit fördern

    • Nach ausführlicher Anleitung sollte die Pflege vom Patienten übernommen werden

    • Beraten, nicht vorschreiben, Hilfestellungen anbieten

    • Frühzeitig auf Rehabilitation und Leben nach der Entlassung vorbereiten.

Präoperative Stomamarkierung
Ohne präoperative Markierung ist die Gefahr einer ungünstigen Positionierung der Stomalage groß, da der Operateur am liegenden Patienten z. B. Hautfalten, die sich im Sitzen oder Stehen bilden, oder den Sitz der Kleidung, kaum abschätzen kann. Die Markierung sollte von Arzt und Stomatherapeut/Pflegekraft gemeinsam durchgeführt werden. Zur Markierung einen wasserfesten Stift benutzen.
  • Kann der Patient das Stoma gut sehen, um es versorgen zu können?

  • Möglichst glatte Fläche von 10 × 10 cm: fern von Knochen, Narben, Falten

  • Kontrolle im Stehen, Sitzen, Vorbeugen und Liegen: Bilden sich Falten?

  • Behinderung durch Kleidung, z. B. Hosenbund vermeiden

  • Beutel soll nicht über Genitalbereich hängen

  • Bei geplanter Bestrahlung: Lage außerhalb des Bestrahlungsfeldes

  • Markierung mehrerer Stellen sinnvoll, insbesondere wenn das eindeutige operative Vorgehen noch nicht feststeht.

Stomabeutelsysteme
  • StomaBeutelsyteme Kolostomabeutel: geschlossen, oft integrierter Aktivkohlefilter zur Geruchsminderung

  • Ileostomabeutel (Ausstreifbeutel)

  • Minibeutel: Kurzzeitversorgung eines kontinenten Stomas

  • Einteiler: Hautschutzplatte mit integriertem Beutel

  • Zweiteiler: Basisplatte, die mehrere Tage belassen werden kann. Beutel wird aufgeklebt oder an einem Rastring befestigt und kann ohne Entfernen der Basisplatte gewechselt werden.

Postoperative Pflege
  • Im OP PflegeStomaträger wird i. d. R. ein durchsichtiger Ausstreifbeutel angebracht, um das Stoma gut beurteilen zu können

  • Ileostoma: erste Stuhlentleerung am OP-Tag, Ausstreifbeutel regelmäßig entleeren, erster Beutelwechsel i. d. R. nach 2 Tagen

  • Kolostoma: erster Stuhlgang nach etwa 3 Tagen

  • Einteilige Beutel alle 2–3 Tage wechseln, bei Undichtigkeit früher

  • Basisplatte bei Zweiteiler kann bis 5 Tage belassen werden

  • Sorgfältige Hautpflege

  • Beim doppelläufigen Stoma wird eine Darmschlinge vor die Darmwand verlegt. Die Darmschlinge wird bis zur Einheilung in die Bauchwand mit einem Reiter (Plastikstab unter der Darmschlinge) fixiert. Entfernung des Reiters nach 8–10 Tagen durch Arzt, bis dahin Beutelwechsel durch Pflegende.

Beobachten

  • Stoma durchgängig, gut durchblutet, ödematös, retrahiert?

  • Stuhlgang: Häufigkeit, Menge, Konsistenz, Farbe, Beimengungen

  • Parastomale Haut intakt? Wundheilung?

  • Exsikkose? Elektrolytstörungen?

Stomabeutel wechseln
Materialien
Set PflegeStomaträger zum Beutelwechsel: Beutel, Schablone (um Stomagröße zu messen), Gürtel (um Beutel zu befestigen), pH-neutrale Seife/Waschlotion, Mullkompressen, Wattestäbchen, Rasierer, Handschuhe. Lauwarmes Wasser, Hygienepapier, Bettschutz, Abfallbehälter.
Vorbereiten
Patient hat ein Set zum Beutelwechsel in seinem Zimmer oder Bad. Patienten informieren, ggf. separates Zimmer vorbereiten. Material bereitlegen, dem Patienten zeigen und die Funktion erklären. Patienten in leichte Oberkörperhochlagerung bringen, damit er zusehen kann, störende Kleidung entfernen. Ggf. für Bett- oder Kleiderschutz sorgen.
Durchführen
  • Zur Anleitung des Patienten jeden Handgriff kommentieren

  • Handschuhe anziehen, benutzten Beutel entfernen (nicht in die Toilette werfen): Hautschutzplatte vorsichtig von oben nach unten abziehen, mit der freien Hand Gegendruck auf die Haut ausüben

  • Stoma-Umgebung mit nassen Kompressen und Waschlotion reinigen: von außen auf das Stoma hin, um Keimverschleppung zu vermeiden. Waschlotion gründlich entfernen und Haut mit Kompresse trocknen. Stoma-Rand ggf. mit Wattestäbchen reinigen

  • Stoma und Stomaumgebung sorgfältig beobachten

  • Stoma-Größe mit Schablone ausmessen und Hautschutzplatte passend ausschneiden. Ggf. für den Patienten individuelle Schablone anfertigen

  • Ggf. rasieren (wegen Allergiegefahr keine Enthaarungscremes benutzen) und Hautfalten oder Narben durch Stomapaste ausgleichen, evtl. medizinische Kohle zur Geruchsdämmung in den Beutel geben

  • Schutzfolien abziehen, Beutel am unteren Stoma-Rand ansetzen und von unten nach oben faltenfrei ankleben. Bettlägerige: seitwärts. Aufstehpatient: zur Leiste

  • Zur Verhinderung starker Schweißbildung ggf. Beutelüberzug anbringen

  • Abfall entsorgen

  • Besonderheiten bei Ausstreifbeutel: Verschlussklammer am Ausstreifbeutel öffnen, Stuhl in Steckbecken abfließen lassen, Beutel ausstreifen, Beutelausflussöffnung mit Kompresse reinigen, mit Klammer verschließen

  • Selbstständigkeit fördern: Vorgehen erklären, Sicht schaffen, z. B. mit Hand-, Wandspiegel, Vorgang nach und nach von Patient durchführen lassen.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Öffnung in der Basisplatte darf das Stoma nicht einengen (Gefahr der Nekrosebildung). Sie darf aber auch nicht zu groß sein (Schädigung der Haut durch Darminhalt)

  • Hautschutzfläche vorher erwärmen (z. B. zwischen den Händen), damit sie anschmiegsamer wird

  • Narben und Hautunebenheiten mit Stomapaste ausgleichen.

Irrigation
StomaIrrigationRegelmäßige Spülung des Dickdarms über ein Kolostoma KolostomaIrrigation im Deszendens- oder Sigmabereich, z. B. morgens.
Prinzip: Nach Befestigen eines speziellen Beutels, der die Ableitung in die Toilette erlaubt, werden 500–1 000 ml körperwarmes Wasser in das Stoma geleitet, vollständige Entleerung nach 30–60 min, Verschluss des Stomas mit Kappe oder Minibeutel. Dadurch kann eine Kontinenz bis 24 h erreicht werden, Blähungen werden geringer.
Patient wird in diese Methode etwa 4 Wochen nach OP durch Stomatherapeuten eingeführt.
Voraussetzungen:
  • Dickdarmrest lang genug, ~ 1 m

  • Keine Knicke im Darmverlauf

  • Keine Stenose, parastomale Hernie, Prolaps

  • Patient kann Durchführung lernen

  • Keine Herz- und Nierenerkrankungen.

Ernährung
ErnährungStomaträger Ausgewogene Kost, keine spezielle Diät. Evtl. muss die Ernährung so angepasst werden, dass ein regelmäßiger Stuhlgang erfolgt und keine Blähungen auftreten (Tab. 10.7).
Entlassung
  • Dokumentation des Entlassungsbefundes, ggf. Foto

  • Kann der Patient sein Stoma noch nicht selbstständig versorgen, unbedingt die ambulante Versorgung abklären, ggf. Angehörige anleiten

  • Material für erste Stoma-Versorgung und genaue Beschreibung des Systems, z. B. für den Hausarzt, der das Rezept ausstellt, mitgeben

  • Nachsorgetermin zur Stoma-Kontrolle vereinbaren

  • Telefonnummer für Nachfragen oder Notfälle mitgeben.

Komplikationen
Verengung des Stomas
Ursachen: Abknickungen oder Stenosen (Stoma ist für den kleinen Finger nicht mehr durchgängig) aufgrund zu enger Faszienlücke, Entzündung der Darmschleimhaut oder Narben nach rezidivierenden Entzündungen, bei Ileostoma auch Verstopfung durch zu große Nahrungsstücke (Pilze, Nüsse, Spargel). Diese können oft endoskopisch entfernt werden.
Therapie: chirurgische Korrektur.
Hautirritationen
HautpflegeStomaträgerUrsachen: Stuhlkontakt, zu häufiger oder seltener Wechsel, mangelnde Reinigung, falsche Pflegemittel (z. B. alkoholische Lösung, Benzin), Allergie (z. B. auf Kleber, Pflegemittel).
Pflege:
  • Dichte Versorgung, evtl. Größe der Öffnung der Hautschutzplatte anpassen, evtl. System wechseln. Keine Pflaster

  • Stoma gründlich und schonend mit Wasser und Waschlotion reinigen

  • Bei Allergie: mit aufgeklebten Materialproben z. B. am Innenarm testen, ob und worauf Allergie besteht. Nach 1 und 2 Tagen prüfen, ob Haut sich gerötet hat. System wechseln, ggf. Beutelüberzug aus Baumwolle verwenden.

Infektion
Ursachen: Hautschutz herabgesetzt, z. B. durch alkalische Seifen, Stuhlkontakt, ständige Feuchtigkeit, schwitzen, Abwehrschwäche (Diabetes, Antibiotikatherapie). V. a. Pilzerkrankungen (Candidosen), seltener Follikulitis (Entzündung der Haarbälge) durch Staphylokokken.
Symptome: Gerötete, nässende, evtl. schuppige Hautveränderungen, die jucken und schmerzen können, weißlich-gelbe Belege auf der Schleimhaut → Diagnose mit Abstrich sichern.
Therapie und Pflege:
  • Lokales Antimykotikum, keine Fettsalbe (Beutel haftet nicht)

  • Haut sorgfältig reinigen und trocknen, Hautschutzplatte täglich wechseln

  • Selten systemische Antimykotikum-Gabe, um Candida aus dem Darm zu entfernen

  • Follikulitis wird vorgebeugt, indem Haare rechtzeitig entfernt werden.

Darmschleimhautödem, gestörte Durchblutung, Nekrose
Ursachen: Mangelnde Durchblutung.
Therapie: Postoperatives leichtes Ödem bildet sich oft von selbst zurück, operative Verbesserung der Durchblutung, z. B. Faszienlücke vergrößern.
Stomaprolaps
StomaProlapsUrsachen: Vorfall des Darms durch das Stoma aufgrund unzureichender Fixation, hoher intraabdominaler Druck.
Therapie: Operativ Darm evtl. kürzen und fixieren oder konservativ mit spezieller Platte. Die Prolapsplatte wird im Liegen über die Stoma-Versorgung angelegt.
Stomaretraktion
Ursachen: Stoma liegt StomaRetraktion unter dem Hautniveau, Gefahr von Hautentzündungen und Peritonitis.
Therapie: Ist eine Versorgung z. B. mit sog. konvexen Systemen (nach innen gewölbte Basisplatte) nicht mehr möglich, wird operiert.
Parastomale Hernie
Ursachen: Darm Hernieparastomale tritt durch die Faszienlücke, die durch die Stoma-Anlage entstanden ist.
Prophylaxe: Stoma im M. rectus anlegen, nicht schwer tragen, spezielle Bauchgymnastik, Gewichtszunahme vermeiden.
Therapie:
  • Inkarzerierte Hernien: Notfall-OP

  • Operativer Verschluss der zu großen Lücke

  • Anpassung eines Mieders/Leibbinde mit einer Aussparung für die Stomaversorgung

  • Gewichtsabnahme.

Hämorrhoiden

Hämorrhoiden Krampfaderähnliche Erweiterungen der arterio-venösen Schwellkörpergefäße in der Analschleimhaut. Sehr häufiges und unangenehmes Krankheitsbild (Tab. 10.8). Liegt der Patient auf dem Rücken und zieht die Beine an (Steinschnittlage), so sieht man die Knoten meist bei 3, 7 und 11 Uhr.
Symptome
Komplikationen: Massive Blutung, Nekrose, Ulzeration, Infektion.
Diagnostik
  • Anamnese und körperliche Untersuchung (Analinspektion, digital-rektale Untersuchung)

  • Proktorektoskopie

  • Komplette Koloskopie zum Ausschluss eines kolorektalen Karzinoms.

Therapie
  • Gewichtsreduktion, Stuhl weich halten

  • Sorgfältige Analhygiene, nach dem Stuhlgang waschen, Umschläge und Sitzbäder mit entzündungshemmenden Zusätzen, z. B. Kamille, entzündungshemmende Salben (Faktu®)

  • Einspritzen von verödenden Substanzen in die Hämorrhoidalknoten (Sklerosierung), Gefäßzufuhr zum Knoten abbinden (Ligatur), Infrarotbehandlung

  • Im Stadium III und IV Hämorrhoidektomie (Herausschneiden der Knoten).

Pflege (Tab. 10.9)

Literaturhinweise

Riemann, 2014

J. F. Riemann Darmkrebs: Behandlungen werden individueller – und erfolgreicher Heilberufe 9 2014

Deutsche Krebshilfe e

Deutsche Krebshilfe e. V. (Hrsg.): Die blauen Ratgeber – Darmkrebs Bd. 6 (Ausgabe 7/2014); Magenkrebs Bd. 7 (Ausgabe 9/2014); Bauchspeicheldrüsenkrebs Bd. 14 (Ausgabe 2/2015), (auch unter www.krebshilfe.de).

Websites

Deutsche Morbus,

Deutsche Morbus Crohn/Colitis Ulcerosa Vereinigung e. V. www.dccv.de

Kompetenznetz Darmerkrankungen e

Kompetenznetz Darmerkrankungen e. V. www.kompetenznetz-ced.de

DgSKW Fachgesellschaft Stoma

DgSKW Fachgesellschaft Stoma, Kontinenz und Wunde e. V www.fgskw.de

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