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B978-3-437-26164-0.00014-7

10.1016/B978-3-437-26164-0.00014-7

978-3-437-26164-0

Übersicht Leukämiechronisch myeloischeLeukämiechronisch lymphatischeLeukämieakute myeloischeLeukämieakute lymphatische (ALL)Leukämien

Tab. 14.4
Typ Erkrankungsalter und Prognose Symptome Therapie
Akute lymphatische Leukämie (ALL)
  • Meist Kinder

  • Gute Heilungschancen

  • Abgeschlagenheit, Gewicht ↓, Fieber, Infektneigung (vor allem Atemwege), Blässe, Haut- und Schleimhautblutungen, oft Gelenk- und Gliederschmerzen, Lymphknoten- und Milzvergrößerung

  • Leukozytose, Lymphoblasten im BB und Knochenmark

  • Intensive Chemotherapie (Kap. 13.3.3)

  • ZNS-Bestrahlung bei ZNS-Befall

  • Knochenmark-/Stammzelltransplantation

Akute myeloische Leukämie (AML)
  • Meist Erwachsene

  • Altersabhängig, in den ersten 3 Jahren hohe Sterblichkeit, danach gute Chancen

  • Plötzlicher Beginn mit Abgeschlagenheit, Gewicht ↓, Fieber, starker Infekt- und Blutungsneigung, Übelkeit, Bauchschmerzen

  • Leukopenie, Anämie

  • Intensive Chemotherapie Kap. 13.3.3

  • Knochenmark-/Stammzelltransplantation (je nach Risiko)

Chronisch lymphatische Leukämie (CLL)
  • Erkrankungsalter: 65–70 Jahre

  • Langsamer, symptomarmer Verlauf über viele Jahre

  • Selten Heilung möglich

  • Meist geringe Symptomatik, evtl. Nachtschweiß, Leistungsminderung

  • Generalisierte Lk-Vergrößerung

  • Evtl. Leber- und Milzvergrößerung

  • Hauterscheinungen, z. B. Herpes simplex, Juckreiz, Hautinfiltrate

  • Anämie, Thrombopenie

  • Leukozytose, Lymphozyten in BB und Knochenmark

  • Erst bei Symptomen (Anämie, Infekte)

  • Zytostatika, monoklonale Antikörper (z. B. Rituximab)

  • Symptomatische Behandlung

  • Evtl. allogene Stammzelltransplantation

  • Evtl. Splenektomie

Chronisch myeloische Leukämie (CML)
  • Altersgipfel 50.–60. Lebensjahr

  • Mittelschwerer, evtl. jahrelanger Verlauf; nur durch Knochenmark-/Stammzelltransplantation heilbar

  • Schleichender Beginn

  • Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust, Nachtschweiß

  • Anämie

  • Leukozytose (oft > 100 000/µl), leukämische Thromben

  • Linksseitiges Druckgefühl im Oberbauch durch Milzvergrößerung

  • Terminaler Blastenschub

  • Tyrosinkinase-Inhibitoren, z. B. Imantinib (Glivec®)

  • Interferon-alpha

  • Chemotherapie

  • Knochenmark-/Stammzelltransplantation

Pflege von Menschen mit hämatologischen Erkrankungen

Marianne Schoppmeyer

  • 14.1

    Leitsymptome und Leitbefunde512

  • 14.2

    Diagnostik und Pflege513

  • 14.3

    Medikamente513

  • 14.4

    Erkrankungen514

    • 14.4.1

      Anämie514

    • 14.4.2

      Hämorrhagische Diathese517

    • 14.4.3

      Leukämien518

    • 14.4.4

      Maligne Lymphome521

Leitsymptome und Leitbefunde

Leitsymptome bei hämatologischen SplenomegalieMilzvergrößerungLymphknotenvergrößerungLeistungsschwächeInfektionsneigungHypersplenismusAgranulozytoseErkrankungen

Tab. 14.1
Symptome Beschreibung Differenzialdiagnosen
Agranulozytose
  • Absinken der Granulozytenzahl ≤ 200/µl

  • Frühzeichen: Fieber, Schüttelfrost, Sepsis, geschwürige Mandelentzündung (Angina tonsillaris), geschwürige Mundschleimhautentzündung (Stomatitis aphthosa)

Auslösende Medikamente:
  • Thyreostatika

  • Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)

  • Sulfonamide

  • Metamizol (Analgetikum)

  • Clozapin (Neuroleptikum)

  • Zytostatika

Lymphknotenvergrößerung
  • Sichtbare oder tastbare Schwellungen

  • Schmerzen

  • Symptome der Grunderkrankung, evtl. Milzvergrößerung

  • Infektionen: z. B. Tuberkulose, Syphilis, Toxoplasmose, Mononukleose, Masern, HIV, Erysipel

  • Metastasen

  • Malignes Lymphom, Leukämie

  • Kollagenosen, rheumatoide Arthritis, Sarkoidose

Splenomegalie (Milzvergrößerung)
  • Druckgefühl, Schmerzen im li. Oberbauch

  • Hypersplenismus: vermehrte Speicherung und Abbau von Blutzellen in der vergrößerten Milz führt zum Mangel aller Blutzellen oder einzelner Fraktionen, z. B. Thrombozyten oder Granulozyten

  • Infektionen, z. B. Sepsis, Mononukleose, Endokarditis, Tuberkulose, HIV, Pfeiffersches Drüsenfieber

  • Portale Stauung, z. B. Leberzirrhose, Rechtsherzinsuffizienz

  • Akute Leukämie, Hodgkin-Lymphom, Non-Hodgkin-Lymphom

  • Hämolytische Anämie

  • Sarkoidose, Kollagenose

Infektionsneigung Kap. 13.1
Leistungsschwäche Kap. 13.1

Diagnostik und Pflege

Hämatologie

Diagnostische Maßnahmen in der Schilling-TestHämatologie

Tab. 14.2
Ärztliche AnordnungenAufgaben der Pflegenden
Blutbilduntersuchung
  • Differenzial-Blutbild, Retikulozyten, MCV, MCH, MCHC

  • Ferritin, Transferrin, Serumeisen, Vitamin B12, Folsäure, Haptoglobin, LDH

  • Bilirubin

  • Blutausstrich

  • Gerinnungsstatus: Blutungszeit, Quick/INR, Partielle Thromboplastinzeit PTT, Thrombinzeit PTZ, Antithrombin III

  • Fibrinogen, Fibrinogen-Spaltprodukte

  • Bereitstellen des Materials

  • Besonderheiten bei Abnahme von Wärme-/Kälteantikörpern im Labor erfragen

Test auf okkultes Blut im Stuhl (Hämoccult®)Durchführung (Kap. 10.2)
KnochenmarkpunktionKap. 3.1.3

Medikamente

Medikamente in der Wachstumsfaktor, hämatopoetischerVitamin KVitamin B12Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI)GerinnungsfaktorenFolsäureErythropoetinEisenHämatologie

Tab. 14.3
Substanzen Nebenwirkungen Pflegerische Besonderheiten
Medikamente zur Substitution
Eisen (z. B. ferro sanol®, Eryfer® bei Eisenmangel) Übelkeit, Durchfall, Verstopfung, Schwarzfärbung des Stuhls Einnahme wenn möglich nüchtern, bei magenempfindlichen Patienten während oder nach der Mahlzeit; keine Antazida, Tetrazykline gleichzeitig geben, i. v. nur in Ausnahmefällen
Vitamin B12 (z. B. Cytobion® bei perniziöser Anämie) Allergische Reaktion Zur Dauersubstitution alle 3–6 Monate i. m.
Vitamin K (z. B. Konakion® bei Vitamin-K-Mangel) Bei i. v. Gabe Schockgefahr Wirkungseintritt nach max. 3–6 h (Quickanstieg). Vit. K ist ein Antidot (Gegenmittel) bei Marcumar®-bedingter Blutung
Folsäure (z. B. Folsan® bei Folsäuremangel) Allergische Reaktionen Nicht bei perniziöser Anämie
Gerinnungsfaktoren (z. B. PPSB®, Recombinate® bei Mangel an Gerinnungsfaktoren) Allergische Reaktionen
Medikamente in der Tumortherapie
Tyrosinkinase-Inhibitoren, z. B. Imatinib (Glivec®), Nilotinib (Tasigna®) Anämie, Leukopenie, Thrombopenie, gastrointestinale Beschwerden, Pleura-, Perikarderguss, Dermatitis Frauen im gebärfähigen Alter müssen Kontrazeption durchführen; Therapie nicht unterbrechen
Zytokine, z. B. Interferon-alpha (Pegintron®) Grippeähnliche Symptome, gastrointestinale Beschwerden, Depression, Konzentrationsstörungen Gabe von Paracetamol/Ibuprofen erwägen
Hämatopoetische Wachstumsfaktoren, z. B. G-CSF (Filgrastim als Neupogen®), Erythropoetin (Epoetin alfa als Erypo®) Tab. 11.4 Knochenschmerzen, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Juckreiz, Hypertonie, thromboembolische Komplikationen RR bei Therapiebeginn gut einstellen und kontrollieren
Monoklonale Antikörper Kap. 13.3.6
Zytostatika Kap. 13.3.3

Erkrankungen

Anämie

AnämieVerminderung der Hämoglobinkonzentration, der Erythrozytenzahl oder des Hämatokrits (Anteil der Blutzellen am Blutvolumen).
Allgemeinsymptome
  • Blässe (Haut, Konjunktiven, Schleimhaut, Nagelbett)

  • Leistungsschwäche, Konzentrationsschwäche

  • Kopfschmerzen

  • Belastungsdyspnoe

  • Tachykardie, Angina pectoris, evtl. systolisches Herzgeräusch.

Diagnostik
  • Anamnese (Ernährungsgewohnheiten? Alkoholkonsum? Schwangerschaft? bekanntes Ulkusleiden?)

  • Blutentnahme: Differenzial-BB, Retikulozyten, MCV, MCH, MCHC, Ferritin, Transferrin, Serumeisen, LDH, indirektes Bilirubin, Vitamin B12, Folsäure, Autoantikörper, Blutausstrich (Formveränderung der Erys?)

  • Test auf okkultes Blut im Stuhl (z. B. Hämoccult®, Faecanostix®)

  • Knochenmarkpunktion.

Therapie
Behandlung der Grunderkrankung, Substitution evtl. fehlender Substanzen.

Einteilung

Anämien können eingeteilt werden nach ihrer Ursache sowie abhängig von den Erythrozytenindizes MCV und MCHC (Kap. 23).

Bildungsstörung der Erythrozyten
Eisenmangelanämie
Ursachen
  • Eisenmangelanämie AnämieEisenmangel Chronischer Blutverlust, z. B. verstärkte Menstruation, Ulkus, Kolon-Ca

  • Mangelnde Aufnahme von Eisen (Malassimilation, Zöliakie, chronisch entzündliche Darmerkrankung)

  • Erhöhter Eisenbedarf bei Schwangeren und Kindern.

Spezifische Symptome
Trockene rissige Haut, Haarausfall, Mundwinkelrhagaden.
Therapie
  • Blutungsquelle beheben

  • Orale Substitution von II-wertigem Eisen (z. B. Eryfer®).

Tipps, Tricks und Fallen

  • Magenempfindliche Patienten sollen Eisen während oder nach einer Mahlzeit einnehmen

  • Eisen nicht mit Milch einnehmen, da Kalzium die Eisenresorption vermindert

  • Eisen färbt den Stuhl dunkel.

Megaloblastäre Anämie
Ursachen
  • Anämiemegaloblastäre Mangel an Vitamin B12, meist Resorptionsstörung aufgrund von Mangel an Intrinsic-Faktor, Fehlernährung bei Alkoholkranken, streng vegetarische Kost

  • Mangel an Folsäure.

Spezifische Symptome
Vitamin B12-Mangel: Glatte, rote Zunge, Zungenbrennen, neurologische Störungen wie Missempfindungen an Händen und Füßen, Gangunsicherheit.
Bei Folsäuremangel keine neurologischen Symptome; bei Schwangeren Gefahr eines Neuralrohrdefektes des Embryos, z. B. Spina bifida.
Therapie
  • Ursache beseitigen (z. B. Fehlernährung beheben)

  • Substitution von Hydroxycobalamin (= Vitamin B12) i. m. oder Folsäure oral.

Sonstige Anämien
  • Renale Anämierenale Anämie (Erythropoetinmangel) Kap. 11.4.5

  • Anämie bei chronischen Erkrankungen wie Tumor, Entzündung (Eisenverwertungsstörung)

  • Aplastische Anämieaplastische Anämie, myelodysplastisches Syndrom myelodysplastisches Syndrom (Störung der erythropoetischen Stammzelle).

Hämolytische Anämie
Hämolyse: Erythrozyten werden vermehrt abgebaut, ihre Überlebenszeit ist auf < 100 Tage verkürzt (normal 120 Tage).
Ursachen
  • Anämiehämolytische Angeborene Defekte der Erys (z. B. Sichelzellanämie Sichelzellanämie, Kugelzellanämie Kugelzellanämie)

  • Künstliche Herzklappen mit mechanischer Zerstörung der Erys

  • Autoantikörper (z. B. Wärme-, Kälte-Autoantikörper)

  • Toxische (z. B. Urämie) und medikamentös induzierte Hämolyse (z. B. Phenacetin, Penicillin)

  • Infektionskrankheiten (z. B. Malaria)

  • Transfusionsreaktionen Kap. 3.5.1.

Spezifische Symptome
Ikterus, Splenomegalie.
Therapie
Ursächliche Behandlung, z. B. Milzentfernung bei Sichelzellanämie, Kortikosteroide bei Autoantikörpern.
Anämie durch Blutverlust
Ursachen
  • Akute Blutung, z. B. durch Unfall

  • OP

  • Chronische Blutungen, z. B. bei Ulkus, Tumore des Magen-Darm-Trakts, verstärkte Menstruationsblutung (Menorrhagie), siehe auch Eisenmangelanämie.

Symptome
Bei akuter Blutung: RR-Abfall, Tachykardie, Kaltschweißigkeit, Unruhe (Schocksymptomatik).
Therapie
Blutstillung, evtl. Transfusion von Erys, Schocktherapie Kap. 22.4.2.
Pflege bei Anämie
  • Unterstützung der Leistungsfähigkeit des Patienten anpassen

  • Pflegerische Aktivitäten auf den Tag verteilen

  • Patienten Möglichkeit geben, mehrmals täglich zu ruhen

  • Patienten nur langsam mobilisieren, beim Aufstehen Orthostasegefahr, evtl. Rollstuhl verwenden

  • Ernährungsberatung (eisenhaltige Lebensmittel, z. B. Fleisch, grünes Gemüse, Vit. C- und Kalziumzufuhr) und gesunde Lebensweise

  • Intensive Hautpflege bei trockener, rissiger Haut

  • Dekubitusprophylaxe (Kap. 2.2.11) durchführen, da durch die verminderte Sauerstoffversorgung der Haut die Dekubitusgefahr erhöht ist.

Beobachten

RR, Puls, Atmung, Hautkolorit, Schleimhautdurchblutung (Konjunktiven besonders gut zur Beobachtung geeignet), O2-Sättigung, Stuhl (Schwarzfärbung? Obstipation?).

Hämorrhagische Diathese

Diathese, hämorrhagische BlutungsneigungHämorrhagische Diathesen sind Erkrankungen, bei denen es zu Blutungen ohne adäquaten Anlass kommt, die Blutungen zu lang oder zu stark sind. Abhängig von der Ursache werden unterschieden:
  • Koagulopathie Koagulopathie (Störung der Gerinnungsfaktoren) z. B. bei Vit. K-Mangel, therapeutischer Antikoagulation, Hämophilie A oder B Hämophilie (Fehlen oder Inaktivität der Gerinnungsfaktoren XIII oder IX), Verbrauchskoagulopathie

  • Thrombozytopenie Thrombozytopenie: Thrombozyten < 150 000/µl, verminderte Produktion oder vermehrter Abbau von Thrombozyten, z. B. bei Chemotherapie (Kap. 13.3.3); Blutungsgefahr erst bei Thrombos < 30 000/µl

  • Thrombozytopathie Thrombozytopathie: Verlängerte Blutungszeit bei normaler Thrombozytenzahl aufgrund nicht funktionsfähiger Thrombozyten

  • Vasopathie Vasopathie: Gefäßschäden, z. B. aufgrund von Entzündungen oder immunologischen Prozessen.

Symptome
  • Koagulopathie: Hämatome (Einblutung in Unterhaut oder Muskulatur), Hämarthros (Einblutung in Gelenke), Zahnfleischbluten, Nasenbluten

  • Thrombopathie, Vasopathie: Petechien (stecknadelkopfgroße Blutungen), Purpura (kleinflächige Blutung, v. a. an den Beinen).

Diagnostik
  • Anamnese (u. a. Familienanamnese), körperliche Untersuchung (u. a. Blutungszeichen)

  • Gerinnungstests je nach Verdachtsdiagnose: Thrombozytenzahl, Blutungszeit, Quick/INR, PTT, PTZ, Fibrinogen, Fibrinogen-Spaltprodukte, quantitative Bestimmung der Gerinnungsfaktoren.

Therapie
  • Behandlung der Grundkrankheit

  • Bei Thrombozytopenie: evtl. Kortikosteroide, Thrombozytentransfusion nur, wenn Thrombozyten < 10 000–20 000/µl

  • Bei Koagulopathie: Substitution fehlender Gerinnungsfaktoren (z. B. mit PPSB®)

  • Vit. K-Substitution (z. B. Konakion®) bei Marcumar®-bedingter Blutung.

Pflege
  • Keine i. m.-Injektionen, i. v.- und s. c.-Injektionen möglichst vermeiden

  • Vorsicht bei RR-Messung: Manschette nicht zu stark und zu lange aufpumpen

  • Überwachung während und nach Transfusionen (Kap. 3.5)

  • Keine rektalen Temperaturmessungen, keine Einläufe

  • Je nach Gefährdung keine scharfkantigen Lebensmittel, ggf. nur weiche Nahrung

  • Atraumatische Zahnpflege: weiche Bürste, evtl. nur Mund ausspülen lassen

  • Patienten beraten: Vermeidung von Blutungen (z. B. Stolperfallen beseitigen, gefährliche Sportarten meiden, keine heißen Bäder, keine einschnürende Kleidung, Vorsicht bei der Nagelpflege), Verhalten bei Blutungen

  • Obstipationsprophylaxe, starkes Pressen vermeiden

  • Patienten aufklären: keine Thrombozytenaggregationshemmer einnehmen (z. B. ASS).

Beobachten

  • Blutungen der Haut und Schleimhäute, Blut in Stuhl und Urin

  • Bei akuter Blutungsgefahr häufige Kontrolle von RR und Puls

  • Bewusstseinslage/Verhalten: Somnolenz, Kopfschmerzen, Sehstörungen weisen auf mögliche Hirnblutung hin

  • Pupillenreaktion.

Verbrauchskoagulopathie/Disseminierte intravasale Gerinnung (DIC)
Verbrauchskoagulopathie Gerinnung, disseminierte intravasale Verschiedene Ursachen können die Gerinnung überschießend aktivieren, sodass sich Mikrothromben in den kleinen Gefäßen bilden. Durch den Verbrauch von Gerinnungsfaktoren und Thrombozyten entwickeln sich nachfolgend schwere Blutungen.
Ursachen
  • Schock

  • Infektionen (z. B. Sepsis, Virusinfekte)

  • Hämolyse (z. B. Fehltransfusion)

  • Geburtshilfliche Komplikationen (z. B. vorzeitige Plazentalösung)

  • OP an Prostata, Pankreas, Lunge.

Symptome
Anfangs nur pathologische Gerinnungswerte. Bei schwerem Verlauf Organversagen durch Mikrothromben (z. B. Niere, Lunge, Leber, ZNS) und punktförmige und flächenhafte Blutungen als Zeichen der hämorrhagischen Diathese.
Diagnostik
  • Anamnese: Vorhandensein von Risikoerkrankungen?

  • Blutentnahme: Thrombozyten, AT III, Fibrinogen, Antithrombin III, Fibrin-Fibrinogen-Spaltprodukte (z. B. D-Dimer), Quick/INR, PTT.

Therapie
  • Behandlung der Grunderkrankung, allgemeine Schocktherapie (Kap. 22.4.2), Behandlung von Komplikationen

  • In der Anfangsphase Heparin, später Ersatz von AT III, Gerinnungsfaktoren, evtl. Thrombozytenkonzentrate, Fresh Frozen Plasma (FFP).

Komplikationen
Schock, Multiorganversagen mit akutem Nierenversagen, Schocklunge, Leberversagen.

Leukämien

LeukämieUnkontrollierte Vermehrung der Leukozyten im Knochenmark mit möglicher Infiltration extramedullärer Organe und Ausschwemmung der Zellen ins Blut (Tab. 14.4). Klassifikation erfolgt nach dem hauptsächlich betroffenen Zelltyp (myeloisch, lymphatisch) und Verlauf der Erkrankung sowie dem Reifegrad der Zellen (akut = überwiegend unreife Zellen, Blasten; chronisch = überwiegend reifere Zellen).
Diagnostik
  • Anamnese, körperliche Untersuchung

  • Blut: Differenzial-BB, BSG, Harnsäure, LDH

  • Knochenmarkpunktion Kap. 3.1.3 (Beckenkammbiopsie): Zytologie, Histologie, Zytochemie, Zytogenetik, Immuntypisierung

  • Liquoruntersuchung Kap. 3.1.5.

Pflege
  • Bei akuten Formen und während der Therapie:

    • Infektionsprophylaxe (Kap. 1.8): Patienten (und Angehörige) aufklären über Schutzmaßnahmen und zur korrekten Durchführung (z. B. Einhalten der Hygiene-Vorschriften) anleiten sowie zur Selbstüberwachung (z. B. Fieber, Schleimhautentzündungen)

    • Reichlich Flüssigkeitszufuhr unter zytostatischer Therapie, Vorbeugung Uratnephropathie

    • Blutungsprophylaxe (Kap. 14.4.2)

    • Pneumonieprophylaxe (Kap. 2.4.3)

  • Bei chronischen Formen: Patienten kommen meist erst in der Spätphase in die Klinik. Pflegende unterstützen und erhalten Selbstständigkeit

  • Je nach Schwere der Erkrankung Begleitung bei der Auseinandersetzung mit dem Sterben (Kap. 6.3.3, Kap. 6.3.4).

Beobachten

Haut und Schleimhäute auf Blutungen und Infektionen, Temperaturkontrolle.

Stammzelltransplantation (SZT)
Stammzelltransplantation TransplantationStammzellen Transfusion blutbildender Stammzellen. Die Stammzellen können durch Knochenmarkpunktion oder aus dem peripheren Blut gewonnen werden. Bevor gesunde Zellen transplantiert werden, müssen beim Patienten alle blutbildenden Zellen zerstört werden. Durchführung nur in größeren Zentren.
  • Allogene Transplantationallogene Transplantation: Transplantation von Stammzellen naher Verwandter (meist Geschwister) oder Fremdspender mit identischem Gewebetyp, d. h. die Leukozyten-Antigen-(HLA-)Muster stimmen (weitgehend) überein

  • Autologe Transplantationautologe Transplantation: Eigene Stammzellen werden transplantiert, wenn das Knochenmark nicht von der Krankheit befallen ist (z. B. M. Hodgkin). Das Knochenmark wird entnommen, entsprechend aufbereitet und nach Zerstörung des verbliebenen Knochenmarks wieder transfundiert.

Indikation: Erkrankungen der blutbildenden Knochenmarkszellen, z. B. schwerer angeborener Immundefekt, schwere aplastische Anämie, AML, ALL, CML, maligne Lymphome (z. B. M. Hodgkin)
Ziel: Zerstörung des erkrankten Knochenmarks und Ersatz durch gesunde Stammzellen.
Vorbereitung
  • Zentraler Venenkatheter, z. B. nach Hickman (Kap. 3.3.1)

  • Keimreduzierung

    • Körperpflege mit desinfizierenden Seifen

    • Darmdekontamination (Antibiotika, z. B. Neomycin)

    • Umkehrisolierung 2 Tage vor Transplantation

  • Infektionsprophylaxe, z. B. CMV-Hyperimmunglobulin, Aciclovir zur Herpesprophylaxe

  • Zerstörung des Knochenmarks meist durch Hochdosis-Chemotherapie und Ganzkörperbestrahlung (Konditionierung) mit nachfolgender Infektanfälligkeit, Erbrechen, Durchfall, hämorrhagische Zystitis, Haarausfall. In dieser Phase, der sog. Konditionierung, besteht eine Agranulozytose (Kap. 13.3) mit entsprechenden Konsequenzen für die Pflege.

Durchführung der Transplantation
  • Stammzellen werden intravenös transfundiert, wandern ins Knochenmark und übernehmen dort die Blutzellbildung

  • Umkehrisolation, Sterilbetteinheit (Kap. 1.8.4) zur Infektionsprophylaxe

  • Bei komplikationslosem Verlauf dauert es 2–4 Wo. bis der Körper das Transplantat annimmt; etwa 2 Wochen bis zum ersten Leukozytenanstieg; etwa 6 Wochen bis eigene Knochenmarkszellen produziert werden.

Komplikationen
  • Infekte aufgrund der Knochenmarksinsuffizienz

  • Akute Graft-versus-Host-Krankheit (GvHD):Graft-versus-Host-Krankheit (GvHD) Immunologische Reaktion des Transplantats (graft) gegen den Empfänger (host), tritt in den ersten 100 Tagen auf, Symptome an Haut (Rötung, Pusteln), Darm (massive wässrige Durchfälle) und Leber (Bilirubin)

  • Transplantatabstoßung.

Beobachten

Haut, Schleimhäute, Fieber, Strahlenkater (z. B. Übelkeit), Stuhlgang.

Pflege
Die Pflege von Patienten mit Stammzelltransplantation entspricht der Pflege bei Leukämien.

Maligne Lymphome

MorbusHodgkin Vom lymphatischen Gewebe ausgehende, maligne Erkrankungen. Es werden Hodgkin-Lymphome (M. Hodgkin) und Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) unterschieden.
Hodgkin-Hodgkin-Lymphom Lymphom: Abhängig von seiner Ausbreitung Einteilung in die Stadien I-IV.
Non-Hodgkin-Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) Lymphom: Einteilung in Lymphome der B-Zellreihe (z. B. Plasmozytom, Plasmozytom Burkitt Burkitt-Lymphom Lymphom) und der T-Zellreihe (z. B. Mycosis Mycosis fungoides fungoides) sowie nach ihrem Malignitätsgrad in indolente (niedrig maligne) und aggressive (hoch maligne) NHL.
Symptome
  • Schmerzlose Lymphknotenvergrößerung

  • Leistungsminderung, Müdigkeit, Juckreiz

  • B-Symptome: Symptomtrias aus ungeklärtem Gewichtsverlust (> 10 % innerhalb 6 Mon.), ungeklärtem Fieber (> 38 °C), Nachtschweiß

  • Evtl. Hepato- und Splenomegalie.

Diagnostik
  • Anamnese (B-Symptomatik), körperliche Untersuchung

  • Blut: Differenzial-BB, BSG, Eiweißelektrophorese, Leberenzyme, LDH, harnpflichtige Substanzen, Elektrolyte, Gerinnung

  • Bildgebende Untersuchungen: Röntgen-Thorax, CT-Hals, CT-Thorax, CT-Abdomen, Sonografie Abdomen, Sonografie Hals, Skelettszintigrafie

  • Knochenmarkspunktion

  • Evtl. Liquorpunktion

  • Evtl. Gastroskopie, Koloskopie

  • Histologische Sicherung durch Lymphknotenextirpation.

Therapie
Erfolgt in Zentren nach Therapieprotokollen: Je nach Stadium und Lymphom-Untergruppe: Strahlentherapie (Kap. 13.3.4), Kombination von Strahlen- und Chemotherapie (Kap. 13.3.3), Stammzelltransplantation.
Pflege
Nach der Diagnostik und Therapie mit Bestrahlung und/oder Zytostatika werden die Patienten meist ambulant betreut. Sie können in der Remissionsphase ein relativ normales Leben führen und brauchen in dieser Zeit eher psychische Unterstützung.

Literaturhinweis

Deutsche Krebshilfe e

Deutsche Krebshilfe e. V. (Hrsg.): Die blauen Ratgeber – Leukämie bei Erwachsenen Bd. 20 (Ausgabe 11/2014); Hodgkin-Lymphom Bd. 21 (Ausgabe 2/2015), Download unter www.krebshilfe.de

Websites

Knochenmarkspenderdatei

Deutsche Knochenmarkspenderdatei www.dkms.de

Deutsche Leukämie- & Lymphom-Hilfe e

Deutsche Leukämie- & Lymphom-Hilfe e. V. (DLH) www.leukaemie-hilfe.de

Kompetenznetz,

Kompetenznetz Maligne Lymphome www.lymphome.de

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