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B978-3-437-26164-0.00021-4

10.1016/B978-3-437-26164-0.00021-4

978-3-437-26164-0

Schematische Darstellung typischer Effloreszenzen (Tab. 21.1, Tab. 21.2)

[L231]

Lokalisation von HauterkrankungLokalisationHauterkrankungen

[L231]

Algorithmus zum therapeutischen Vorgehen bei anaphylaktischer Reaktion

[F802–001/L231]

Trägerstoffe in der Dermatologie

[L157]

Typische Lokalisation des Kontaktekzems

[L138]

VesiculaUrtikaTumorQuaddelPustulaPrimäreffloreszenzPapelNodusMakulaKnotenBullaPrimäreffloreszenzen (entwickeln sich als direkte Folge von Hauterkrankungen)

Tab. 21.1
Fleck (Makula) Umschriebene Farbveränderungen im Hautniveau
Knötchen (Papel) Feste, nicht wegdrückbare Erhabenheit der Haut von Stecknadelkopf- bis Erbsengröße
Plaque Großflächigere Hauterhabenheit durch Zusammenfließen von Papeln
Knoten (Nodus) Tastbare Gewebevermehrung in tieferen Hautschichten
Tumor Größere Gewebewucherung, gut- oder bösartig
Quaddel (Urtika) Durch ein Ödem im Korium entstandene plateauartige, flüchtige, juckende Erhabenheit der Haut, weiß oder blassrosa
Bläschen, Blase
(Vesicula, Bulla)
Mit Flüssigkeit gefüllter Hohlraum, intra- oder subepidermal
Pustel (Pustula) Oberflächlicher, mit Eiter gefüllter Hohlraum, entweder primär oder sekundär aus einer Blase entstehend

Sekundäreffloreszenzen (entwickeln sich aus Primäreffloreszenzen Tab. 21.1)Ulkus-SekundäreffloreszenzSchuppeRhagadeNekroseNarbeLichenifikationGangränErosionAtrophie

Tab. 21.2
Schuppe Lamellenartige Hornhautabschilferung
Kruste Eingetrocknetes Sekret, Blut, Eiter
Erosion Oberflächlicher Hautdefekt, narbenlose Abheilung
Ulkus Tiefer Hautdefekt, Abheilung unter Narbenbildung
Rhagade Strichförmiger Hauteinriss
Atrophie Dünne Haut durch Gewebeschwund
Narbe Atrophierte Epidermis über verhärtetem Bindegewebe nach Heilung eines tiefen Defektes
Nekrose Lokaler Gewebetod als Folge einer örtlichen Stoffwechselstörung, z. B. in Folge Sauerstoffmangel, chemischer, physikalischer oder traumatischer Ursache
Gangrän Durch Umgebungseinflüsse wie Luft, Wärme oder Bakterien verändertes nekrotisches Gewebe, z. B. trockene Gangrän (Mumifikation), feuchte Gangrän (bakteriell bedingte, stinkende, faulige Zersetzung)
Lichenifikation Flächige Verdickung der Haut mit Vergröberung der Hautfelderung

Pruritus

Tab. 21.3
Akuter Pruritus Meist gesunde Körperreaktion auf äußere Reize (Insekten, Parasiten, Nesseln), wichtige Warnfunktion der Haut
Chronischer Pruritus Juckreiz über mehr als 6 Wochen, multikausales Symptom
Pruritus senilis Bevorzugt talgdrüsenarme Regionen bei Altershaut
Pruritus ani Z. B. bei: Hämorrhoiden, Proktitis, Pilzinfektionen, Würmer
Pruritus bei Hauterkrankungen Z. B. Atopische Dermatitis, Neurodermitis, Ekzeme, Psoriasis vulgaris
Pruritus bei Infektionserkrankungen Z. B. Masern, Röteln, Windpocken, Herpes zoster, Dermatomykosen
Pruritus bei Unverträglichkeitsreaktionen Z. B. Urtikaria, Kontaktekzem, Erythem
Pruritus bei Stoffwechselerkrankungen Z. B. Vitamin-, Eisen-, Hormonmangel; Diabetes mellitus, Hyperthyreose
Pruritus bei Organerkrankungen Z. B. bei Lebererkrankungen mit Gallenstau (Ikterus), Nierenversagen
Pruritus bei malignen Erkrankungen Z. B. M. Hodgkin, Non-Hodgkin-Lymphom, Leukämie
Pruritus bei psychischen Erkrankungen Z. B. Depression, Neurose, Dermatozoenwahn
Pruritus bei neurologischen Erkrankungen Z. B. M. Parkinson, Multiple Sklerose, Neurodermatosen

Maligne PlattenepithelkarzinomMelanom, malignesKaposi-SarkomHauttumor, malignerBasaliomHauttumoren

Tab. 21.5
Tumor: Ursprung Klinik, Prognose Therapie
Malignes Melanom:
Pigmentzellen
Veränderung der gesunden Haut oder selten eines Pigmentflecks, besonders nach starker Sonneneinstrahlung. Farbveränderung meist zu tiefbraun/schwarz, Infiltration, Entzündung, Juckreiz, Blutung. Rasche Metastasierung, Letalität ca. 20 %, bei frühzeitiger Diagnose jedoch sehr gute Prognose Operative Entfernung mit Sicherheitszone, ggf. auch Entfernung aller regionalen Lymphknoten, bei großem, inoperablem Tumor ggf. Röntgen-Bestrahlung.
Bei Metastasierung Chemotherapie
Basaliom:
epidermale Basalzellen
Langsam wachsende Knötchen oder flache, z. T. randbetonte Herde, bevorzugt an lichtexponierten Körperregionen. Keine Metastasierung, sog. „Semimaligne“ Standard: Operative Entfernung, z. T. stattdessen Bestrahlung, Kryochirurgie oder lokale Chemotherapie, ggf. Strahlentherapie, photodynamische Therapie oder topische Immunmodulatoren (Aldara®)
Plattenepithelkarzinom:
epidermale Stachelzellen
Rasch wachsende, z. T. verhornte, z. T. ulzerierte Knötchen, besonders an lichtexponierten oder vorgeschädigten Hautpartien, z. B. an den Lippen bei Pfeifenrauchern. Metastasierung möglich Operative Entfernung, ggf. auch Entfernung aller regionalen Lymphknoten, evtl. Nachbestrahlung. Stadium IV: Chemotherapie (palliativ)
Kaposi-Sarkom:Ursache: Herpesviren nach insuffizienter zellulärer Immunabwehr
(häufig AIDS assoziiert, Kap. 15.3.5)
Kleine rötlich bis schwärzliche Knötchen und Flecken besonders an den Unterschenkeln. Vermehrung und Vergrößerung der Flecken bis zur Bildung größerer ulzerierender Plaques Operative Entfernung bei umschriebenem Befall; Strahlentherapie bei solitärem oder umschriebenem Befund; Kryochirurgie im Sprayverfahren bei multiplen Flecken; Chemotherapie und Immunochemotherapie bei AIDS

Pflege von Menschen mit Haut- und Geschlechtskrankheiten

Ulrich Kamphausen

  • 21.1

    Leitsymptome686

    • 21.1.1

      Effloreszenzen686

    • 21.1.2

      Pruritus687

  • 21.2

    Diagnostik688

    • 21.2.1

      Ganzkörperinspektion688

    • 21.2.2

      Mykologische und bakteriologische Diagnostik688

    • 21.2.3

      Biopsie690

    • 21.2.4

      Allergietestung690

  • 21.3

    Pflege694

  • 21.4

    Medikamente697

  • 21.5

    Atopische Dermatitis699

  • 21.6

    Dermatomykosen (Pilzerkrankungen der Haut)701

  • 21.7

    Herpes zoster (Gürtelrose)703

  • 21.8

    Urtikaria (Nesselsucht)705

  • 21.9

    Kontaktekzem706

    • 21.9.1

      Allergisches Kontaktekzem706

    • 21.9.2

      Toxisches Kontaktekzem708

  • 21.10

    Psoriasis vulgaris (Schuppenflechte)709

  • 21.11

    Ulcus cruris (Unterschenkelgeschwür)711

  • 21.12

    Maligne Hauttumoren713

  • 21.13

    Geschlechtskrankheiten714

    • 21.13.1

      Lues (Syphilis)714

    • 21.13.2

      Gonorrhö (Tripper)715

Leitsymptome

Effloreszenzen

Dermatologie

Definition

EffloreszenzEffloreszenzen („Hautblüten“, „AusschlagAusschlag“ Abb. 21.1): sicht- und teilweise tastbare Hautveränderungen als Ausdruck von Hauterkrankungen (Tab. 21.1, Tab. 21.2). Mögliche Begleiterscheinungen: Juckreiz, Kribbeln, Schmerzen, Ameisenlaufen, Seborrhö (übermäßig fettige Haut).

Pruritus

Definition

Hautjucken, Juckreiz: akut oder chronisch, lokal begrenzt oder generalisiert auftretend. Intensität von lästig aber ertragbar bis quälend, nur durch massives Kratzen vorübergehend beherrschbar. Als Initialsymptom oder Begleiterscheinung vieler Hauterkrankungen ein wichtiger Diagnoseparameter (Tab. 21.3).

Diagnostik

Ganzkörperinspektion

Bei vielen eindeutigen Krankheitszeichen genügt die einfache auf die Hautveränderung beschränkte Blickdiagnose (Abb. 21.2). Bei komplizierteren Sachverhalten aber auch bei Vorsorgeuntersuchungen wird die Ganzkörperinspektion durchgeführt. Je nach Verdachtsdiagnose kommen verschiedene Hilfsmittel zum Einsatz.
  • Die gesamte Körperoberfläche einschließlich der angrenzenden Schleimhäute und Hautanhangsgebilde (Haare, Nägel) werden ggf. mit der Lupe betrachtet

  • Bei Anzeichen für Hautkarzinome und zur Beurteilung von krankhafter Hautpigmentierung wird das Dermatoskop zur Auflichtmikroskopie eingesetzt

  • Pilzinfektionen der Haut können mithilfe der Wood-Lampe und verschiedenen Filtern sichtbar gemacht werden

  • Mit der Hochfrequenz Haut-Sonografie können entzündliche Hauterkrankungen, Hämangiome und insbesondere pigmentierte Hauttumoren nachgewiesen werden.

Mykologische und bakteriologische Diagnostik

Mykologische Diagnostik
  • Nativpräparat: Rascher mikroskopischer Nachweis von Pilzelementen, keine Erregerdifferenzierung möglich

  • Kultur: Anzucht auf speziellen Nährböden, Erregerdifferenzierung möglich

  • Bei schuppenden Dermatosen oder zum Nachweis einer Nagelmykose → Hautschuppen oder Nagelspäne auf Kulturplatte bzw. Objektträger aufbringen

  • Bei nässenden Dermatosen Abstrich mit Abstrichtupfer entnehmen

  • Ggf. histologisches Präparat mit spezieller „Pilzfärbung“

  • Wood-Licht: Nutzung einer UV-A-Lampe, sog. Wood-Wood-Lampe Lampe zur Erzeugung farbiger Fluoreszenz bestimmter pilzbedingter Hautveränderungen.

Bakteriologische Diagnostik
Wundabstrich
  • Wundsekret von z. B. Bläschen, Pusteln, Ulzera mit Tupfer abnehmen

  • Ggf. Gewebe vom Wundrand entnehmen und in steriles Röhrchen mit Transportmedium einbringen

  • Die gewonnenen Proben werden im Labor mikroskopisch und/oder mikrobiologisch untersucht.

Rachen- und Tonsillenabstrich
  • Keine Schleimhautdesinfektion durchführen

  • Für gute Beleuchtung sorgen, ggf. Taschenlampe von Assistenz halten lassen

  • Zunge mit Spatel herunterdrücken

  • Probe mit sterilem Watteträger von krankhaft veränderten Bereichen entnehmen

  • Kontakt mit anderer Mundschleimhaut vermeiden.

Biopsie

Gewebeproben zur histologischen Untersuchung von unklaren Hauterkrankungen:
  • Es werden Proben entnommen, die Zellen aus allen Hautschichten enthalten

  • Die Messerbiopsie (Exzision mit dem Skalpell) wird eingesetzt,

    • wenn auch das Übergangsgewebe zwischen veränderter und gesunder Haut untersucht werden soll

    • wenn Proben auch aus der Subkutis entnommen werden müssen

  • Die Stanzbiopsie (Gewinnung eines Stanzpräparats mithilfe vorgefertigter Stanzen) wird eingesetzt,

    • zur Gewinnung kleiner Hautproben, Stanzdurchmesser 3–6 mm

    • zur Entfernung sehr kleiner Hautveränderungen.

Allergietestung

AllergieZiel: Abklärung allergischer Erkrankung, Bestimmung krankheitsauslösender Allergene.
Kontraindikationen: Schwere Systemerkrankungen, z. B. dekompensierte Herzinsuffizienz, akute Allergien, infektiöse und schwere entzündliche Hauterkrankungen, Schwangerschaft, bei Säuglingen und Kleinkindern.
Prinzipien
  • Stationäre Diagnostik bei schwersten allergischen Reaktionen in der Krankengeschichte, bei der Testung von stark allergieauslösenden Substanzen, z. B. bei Testverfahren, die systemische (z. B. anaphylaktische Reaktionen) auslösen können, z. B. orale Provokationstests

  • Bei ambulanter Diagnostik Patienten noch mind. 1 h beobachten, bei Anzeichen für Komplikationen stationär aufnehmen

  • Notfallbereitschaft herstellen: Insbesondere bei Allergietestungen mit hohem Risiko systemischer Reaktionen, sonst Vorhaltung der Notfallmaterialien und -medikamente i. d. R. ausreichend:

    • Materialien für einen venösen Zugang vorbereiten

    • Volumenersatzlösung vorbereiten, z. B. 1–2 l Ringerlaktatlösung, Acetylstärke (ACS)

    • Medikamente bereitlegen, ggf. aufziehen (Abb. 21.3)

    • Alles zur Intubation bereitlegen, O2-Anschluss vorbereiten.

Notfallmedikamente bei anaphylaktischem Schock

  • NotfallmedizinMedikamente (anaphylaktischer Schock MedikamentNotfall (anaphylaktischer Schock) Glukokortikoide: z. B. Prednisolon (Solu-DecortinH®)

    • 1–2 mg/kg alle 6 Std. oder 250–500 mg als Einmalgabe i. v.

    • Wird ein schneller Wirkungseintritt angestrebt (10–30 min) 500–1 000 mg i. v. (zur unspezifischen Membranstabilisierung)

  • Antihistaminika: z. B. Clemastin (Tavegil®)

    • 2–4 mg als Kurzinfusion

  • Adrenalin:

    • Ohne i. v. Zugang: 0,3–0,5 mg i. m., b. B. alle 10–15 min wiederholen

    • Bei i. v. Zugang: immer verdünnt, 1 mg in 10 ml NaCl 0,9 % (1:10 000); milliliterweise unter minütlicher Kreislauf- und Pulskontrolle injizieren

    • Nach der Akutphase Dauerinfusion mit 0,05–1 µg/kg/min; Kreislauf- und Pulsmonitoring

  • Theophyllin: z. B. Euphyllin® (bei Bronchospastik)

    • 480 mg langsam i. v.

Quelle: Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI)

Untersuchungsmethoden
Hauttestung
Typ-I-Sensibilisierungen (Soforttypreaktionen)
Getestet werden z. B. Nahrungsmittelallergien, Heuschnupfen.
  • ReibetestReibetest: Allergene werden mit einem Mulltupfer an der Unterarminnenseite eingerieben. Beurteilung nach 15–20 min; v. a. bei V. a. starke Sensibilisierung vor Durchführung eines Prick-Tests (z. B. Latex)

  • Prick-Prick-TestTest: Allergene werden mithilfe von Lanzetten an der Unterarminnenseite oder am oberen Rücken in die Haut eingebracht. Beurteilung nach 20 min (z. B. Pollen, Nahrungsmittel, Tierhaare, Latex)

  • Scratch-Scratch-TestTest: Haut wird mithilfe von Lanzetten an der Unterarminnenseite oder am oberen Rücken geritzt (ca. 5 mm). Allergene werden aufgetropft oder eingerieben. Beurteilung nach 20 min

  • IntrakutantestIntrakutantest: Kleine Mengen (0,02–0,05 ml) einer Testlösung werden an der Unterarminnenseite oder am oberen Rücken intrakutan injiziert. Beurteilung nach 20 min. In Sonderfällen Spätablesung nach bis zu 72 h.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Immer Positiv- und Negativkontrollen (Histamin/NaCl) durchführen

  • Medikation überprüfen! Antihistaminika und systemische Steroide unterdrücken Testreaktion, auf ausreichende Karenzzeit achten

  • Auf mögliche systemische und lokale Reaktionen achten.

Typ-IV-Sensibilisierungen (Spättypreaktionen)
  • EpikutantestEpikutantest: Allergene werden mithilfe beschichteter Testpflaster auf Oberarmaußenseite oder am oberen Rücken aufgebracht. Beurteilung nach 48 h (ca. 15–30 min nach Pflasterentfernung) sowie nach 72 h. Ausnahme: V. a. Kontakturtikaria Beurteilung nach 20–30 min

    • Pflege: Vor dem Test Haut eventuell mit Alkohol entfetten, bei Bedarf Testregion rasieren; Patienten anweisen, Rücken trockenzuhalten (nicht Duschen, Schwitzen vermeiden), keine UV-Bestrahlung 4 Wochen vorher und bis zum letzten Ablesen

    • Hinweis: Testsubstanzen standardisiert und in Testreihen zusammengefasst kommerziell erhältlich (z. B. Fa. Hermal), Vorsicht bei Testung nicht standardisierter Substanzen, keine Testung unbekannter oder toxischer Substanzen (Reinigungsmittel, Säuren, Laugen etc.)

  • Offener Epikutantest (bei V. a. Kontakturtikaria oder sehr starke Sensibilisierung): Allergene werden ohne Pflasterabdeckung in einem flüchtigen Medium auf die akut geschädigte oder abgeheilte Haut aufgetragen. Beurteilung nach 20–30 min bei V. a. Kontakturtikaria und nach 1–2 h sowie nach 48 und 72 h.

Provokationstestung
ProvokationstestZiele: Sichern einer unklaren Diagnose, Bestimmen des dominierenden Allergens, z. B. vor Hyposensibilisierung, Therapiekontrolle, Überprüfung der klinischen Relevanz von Sensibilisierungen, Austestung von Ausweichmedikamenten, bei fehlender Übereinstimmung von Anamnese, Haut- und in-vitro-Tests.
Arten
  • Konjunktivale Provokation, bei allergischer Konjunktivitis

  • Nasale Provokation, bei allergischer Rhinitis

  • Bronchiale Provokation, bei V. a. exogene asthmaauslösende Allergene

  • Orale Provokation, bei allergischer Reaktion auf Nahrungsmittelzusatzstoffe oder Medikamente

  • Subkutane Provokation, bei allergischer Reaktion gegen Lokalanästhetika/Heparine

  • Stichprovokation, Kontrolle des Therapieerfolgs einer Insektengifthyposensibilisierung

  • I. v. Provokation (Heparine)

  • Für o. g. Testverfahren Karenz auch für topische Medikamente beachten!

Prinzipien
  • Verursacherallergene bevorzugt am Zielorgan, z. B. Auge, Nase, Bronchien testen

  • Jeden Test blind, ggf. doppelblind und mit einer Placebokontrolle durchführen

  • Nach positiver Reaktion den Test für 1–3 Tage aussetzen, auf Spätreaktionen achten

  • Test mit erhöhter Komplikationsgefahr (z. B. Stichprovokation, orale Provokation) ggf. stationär und in Notfallbereitschaft durchführen

  • Bei Anaphylaxie in der Anamnese möglichst auf einen Provokationstest verzichten!

  • Den Patienten über mögliche Komplikationen aufklären, Einverständniserklärung vom Patienten oder Erziehungsberechtigten unterschreiben lassen

  • Achtung: Provokationstests haben von allen Testmethoden das größte Risiko systemischer NW

  • Bei gleichzeitiger Einnahme von β-Blockern oder ACE-Hemmern (Tab. 8.3) sind Provokationstests kontraindiziert

  • I. m. Provokationen sind wegen der Gefahr lang dauernder und schwer zu beherrschender Nebenwirkungen obsolet.

Pflege
  • Patienten vorbereiten

    • Informationsmaterial vorlegen und ggf. erläutern

    • Patienten auf Möglichkeiten der Mithilfe hinweisen, z. B. Melden von systemischen Reaktionen und Spätreaktionen

  • Arzt informieren

    • Bei Kenntnisnahme von Kontraindikationen, z. B. Medikation (β-Blocker, ACE-Hemmer, Antihistaminika, Steroide), anaphylaktische Reaktionen in der Vorgeschichte

    • Über akut eingetretene Verschlechterungen, z. B. Asthmaanfall, Juckreizattacken usw.

Nachbereiten
  • Patienten in kurzen Intervallen auf Zeichen allergischer Reaktionen beobachten

  • Patienten gezielt nach Empfindungsstörungen befragen

  • Patienten auf die Möglichkeit erst spät einsetzender Reaktionen hinweisen

  • Hinweise auf allergische Reaktionen auch noch nach Tagen ernst nehmen.

Pflege

Hautpflege
Allgemeine Richtlinien beachten (Kap. 2.3.1, Kap. 2.3.2)
Pruritus lindern
  • Pruritusverstärker meiden:

    • Haut vor dem Austrocknen schützen, z. B. rückfetten gemäß Arztanordnung, keine feuchte Umschläge, keine Alkoholumschläge, keine Eispackungen, keine Vollbäder

    • Die Haut nicht zusätzlich reizen: z. B. keine raue Kleidung tragen, keine Waschzusätze benutzen

    • Den Organismus nicht überhitzen: z. B. die Raumtemperatur auf moderate Temperaturen herunterregeln (Wohnräume im Sommer max. 19 °C, im Winter max. 21 °C; Schlafzimmer höchstens im Winter leicht temperieren); leichte Leinen- oder Baumwollbettwäsche verwenden;

      Lockere, nicht einschnürende Kleidung ohne Synthetikateile tragen

    • Alkohol und scharf Gewürztes meiden

  • Psychosomatische Faktoren berücksichtigen:

    • Keine Erfolgszwänge aufbauen, z. B. durch zu ambitionierte Ziele in der Pflegeplanung

    • Keine ständige Ermahnungen, nicht zu kratzen. Das Kratzen ist ein Reiz, der willentlich nicht auf Dauer unterdrückt werden kann

    • Keine Vorhaltungen nach Kratzattacken

    • Stressbewältigungsstrategien anbieten, z. B. entspannende Übungen, autogenes Training, Akupunktur

  • Kratzbedürfnis unterbrechen:

    • Alternative Hautstimulation:

      Es werden in der Umgebung der juckenden Hautpartie kleine Schmerzreize gesetzt, durch Eindrücken der Fingernägel, durch Kneifen, durch Drücken oder Ziehen der Haut.

      Die juckende Hautpartie wird z. B. durch kurzzeitiges Auflegen eines Kühlelements „anästhesiert“

    • Kratz-Kontrollmechanismen:

      Bei aufkommendem Kratzbedürfnis mit den Fingernägeln ein Kratzklötzchen (zigarettenschachtelgroßer mit Leder überzogener Holzklotz) bearbeiten;

      Durch Muskelanspannung das Kratzbedürfnis überwinden, dazu z. B. die Hände zu Fäusten ballen und die gesamte Armmuskulatur anspannen; im Sitzen mit den Händen links und rechts unter die Sitzfläche des Stuhls fassen und die Armmuskulatur anspannen.

Tipps, Tricks und Fallen

Bei Kratzbedürfnis nicht denken: „Ich darf nicht kratzen“ sondern sich selbst durchaus auch laut sagen: „Stopp! Jetzt Kratzklötzchen benutzen“ oder „Stopp! Jetzt Muskeln anspannen.“

Infektionsprophylaxe (Kap. 1.8)
  • HautinfektionProphylaxe Verbände streng aseptisch wechseln, ggf. Außenseite von Medikamentenbehältnissen desinfizieren

  • Kontakt mit Blut, Eiter oder Sekret aus Effloreszenzen vermeiden

  • Geeignete Zimmerbelegung planen, z. B. Patienten mit endogenem Ekzem (Kap. 21.5) und Herpes-simplex-Infektion nicht ins gleiche Zimmer legen

  • Auf sexuelle Enthaltsamkeit hinwirken, z. B. bei Krätze, Geschlechtskrankheiten

  • Patienten ggf. isolieren, z. B. bei Kleider-, Kopf- und Filzläusen

  • Patienten ggf. auf Infektionsstation verlegen, z. B. bei exanthematischen Infektionserkrankungen wie Röteln, Windpocken, Scharlach (Kap. 15.3.8)

  • Die Patienten mit hygienischen Verhaltensregeln vertraut machen, z. B. Händedesinfektion, Körperkontakt vermeiden.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Um eine Übertragung von Krankheitserregern über die ganze Station zu vermeiden, kann für jeden Patienten, der Verbände oder externe Anwendungen benötigt, ein Verbandtisch im Zimmer eingerichtet werden

  • Die bereitgestellten Materialien werden nur für diesen Patienten benutzen und verbleiben im Zimmer

  • Voraussetzung sind kooperationsbereite und orientierte Patienten.

Lokale Medikamentenapplikation
Allgemeine Richtlinien
  • MedikamentengabelokaleDirekt mit Watteträger oder Spatel auftragen, ggf. mit Handschuh verteilen/einreiben (Abb. 21.4)

  • Benutzte Applikatoren nicht in das Medikamentengefäß zurückstecken

  • Tuben nicht als Applikatoren benutzen

  • Bett und Kleidung vor dem Kontakt mit Lokaltherapeutika schützen

  • Gefäße nach Gebrauch sorgfältig verschließen

  • Individuell für den Patienten hergestellte Medikamente beim Patienten belassen

  • Puder auf der Haut restlos verreiben: heller Film, keine Verklumpung.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Auch Externa sind Medikamente und bedürfen der Verordnung durch den Arzt

  • Vor Anwendung neuer Präparate den Patienten nach Unverträglichkeiten befragen, ggf. Allergiepass zeigen lassen

  • Salbenverträglichkeitstest durchführen: Kleine Probe verschiedener Salbengrundlagen und Wirkstoffe oder Fertigpräparate auf markiertem Hautareal, z. B. Unterarminnenseite oder Rücken, auftragen; nach 24 h beurteilen.

Spezielle Aspekte
  • Vor Behandlung der Kopfhaut Schuppenauflagerungen entfernen

    • Lygal® Kopfsalbe N in die Kopfhaut einmassieren, über Nacht wirken lassen, auswaschen

    • Squamasol®-Gel oder Lösung einmassieren, 30 min wirken lassen, ausspülen

    • Maßnahmen ggf. mehrmals wiederholen

    • Zur Wirkungssteigerung Anwendungen über Nacht unter Folienokklusion (Duschhaube) durchführen

  • Im Gesichtsbereich Externa schonend und sparsam anwenden

    • Vor Anwendung Hauttyp bestimmen (trocken, normal oder fettig); geeignete Grundlage bzw. Präparat auswählen (Arzt)

    • Augenbereich, z. B. Lider, wenn möglich aussparen, ggf. nur Salbengrundlage auftragen, sonst alkoholfreie Externa vorziehen

    • In den Gehörgang Externa mithilfe von Watteträgern einbringen, Patienten auf eventuelle Höreinschränkungen hinweisen

  • Bei großflächiger Anwendung systemische NW beachten

    • PVP-Jod, z. B. Braunol®, Betaisodona®, bei Patienten mit Hyperthyreose: Tachykardie, feinschlägiger Tremor, Bewegungsunruhe, schweißige Haut, Durchfälle; bei länger andauernder Anwendung: Gewichtsabnahme, Exophthalmus, Haarausfall. Achtung: Gefahr einer thyreotoxischen Krise

    • Glukokortikoide: Steroidatrophie, Steroidakne, Hirsutismus; bei großflächiger Anwendung insbesondere von Klasse III und IV-Steroiden, z. B. Topisolon®, Ultralan®, Dermoxin®. Achtung: Stark erhöhte Penetration von Glukokortikoiden im Gesicht, im Genitalbereich und bei Okklusiveffekt in Körperfalten (Leiste, axillär, Bauchfalten, submammär) sowie bei Säuglingen und alten Menschen → hier niedrigere Steroidklasse wählen und baldmöglichst auf wirkstofffreie Grundlage übergehen. An Handflächen, Fußsohlen und am Capillitium (behaarte Kopfhaut) sind oft höherpotente Steroide ggf. okklusiv notwendig.

Feuchte Umschläge
Wirkstoffe: Umschlagfeuchterz. B. Octenisept®, NaCl-Lösung.
  • Umschläge (auch Kap. 3.9.1) während der Anwendungsdauer feucht halten

  • Bett und Kleidung vor Nässe schützen, z. B. mit Bettbogen

  • Wärmestau vermeiden: Flüssigkeit muss verdunsten können, aber ohne dass Patient friert. Leicht zudecken, Zimmertemperatur individuell regulieren

  • Kreislauf kontrollieren

  • Nach Arztanordnung Haut rückfetten (feuchte Umschläge trocknen die Haut aus).

Voll- oder Teilbäder
BadVollbadBadTeilbadZ. B. Kaliumpermanganat, besonders verordnet bei Pyodermie, infizierter Dermatitis.
  • Badetemperatur bei 34–36 °C halten, ggf. heißes Wasser nachfüllen

  • Badedauer nicht über 20 min ausdehnen

  • Kreislauf kontrollieren

  • Allgemeine Regeln für Bäder beachten (Kap. 2.3.5)

  • Wanne sofort nach Beendigung des Bades reinigen lassen, um Verfärbung durch Zusatzstoffe zu vermeiden

  • Bei Bädern Gefahr der Keimverschleppung, Umschläge dem Bad vorziehen!

Medikamente

Wirkstoffe zur externen SalicylsäureKeratolytikumHarnstoffGlukokortikoidHauterkrankungGerbmittelAntiseptikumAntipsoriatikumAntimykotikumHauterkrankungAntibiotikumHauterkrankungAnwendung

Tab. 21.4
Wirkstoffe und Therapeutika Anwendungsgebiete Pflege/Information
Glukokortikoide
  • Klasse I, z. B. Hydrokortison (Hydrocortison Wolff®)

  • Klasse II, z. B. Prednicarbat (Dermatop®)

  • Klasse III, z. B. Betamethasonvalerat (Betnesol®)

  • Klasse IV, z. B. Clobetasolpropionat (Dermoxin®)

Allergische und entzündliche Hauterkrankungen
  • Auf NW achten: dünne Haut, erweiterte Hautgefäße (Teleangiektasien), blaurote, später gelblich-weiße Striae atrophicae an Stamm und Brust. Systemische Wirkung

  • Applikationsrichtlinien beachten:

    • Ein Auftrag pro Tag ist i. d. R. ausreichend; Anwendungsfrequenz und Wirkstärke des Präparats reduzieren

    • Ggf. Intervalltherapie

Antimykotika, Breitspektrumantimykotika
  • Clotrimazol, z. B. Canesten®, Imazol®

  • Econazol, z. B. Epi-Pevaryl®

  • Ciclopiroxolamin, z. B. Batrafen®

  • Terbinafin, z. B. Lamisil®

  • Nystatin, z. B. Candio-Hermal®, Moronal®

Dermatophyteninfektion, z. B. Tinea-Formen;
Hefepilzinfektionen, z. B. Candidosis intertriginosa, Soor
  • Vor Beginn einer Therapie mit Antimykotika, ggf. Pilznachweis mittels Nativpräparat und Kultur (Kap. 21.2.2)

  • Therapie auch nach Abklingen der Symptome für 1–2 Wochen weiterführen

Antiseptika
  • Povidon-Jod, z. B. Braunol®, Betaisodona®

  • Octenidin, z. B. Octenisept®

  • Dibromhydroxybenzolsulfonsäure, z. B. Dibromol®

  • Clioquinol, z. B. Linola sept C.®

  • Farbstoffe (Eosin rot, Gentianaviolett)

  • Kaliumpermanganat

Infizierte Hauterkrankungen, z. B. Ulzerationen, chronische Wunden, Verbrennungen
  • PVP-Jod erfordert strenge Indikationsstellung: Vorsicht bei Schwangerschaft, Stillzeit, Hyperthyreose

  • Verfärbung erschwert die Wundbeobachtung

  • Bildung von Granulationsgewebe wird unterbunden, frisches Granulationsgewebe wird zerstört

  • Kaliumpermanganat in Wasser gelöst für Umschläge verwenden

Antibiotika
  • Fusidinsäure, z. B. Fucidine® Creme

  • Erythromycin, z. B. Aknederm Ery Gel®

  • Gentamycin, z. B. Refobacin® Creme

Bakterielle Hauterkrankungen, infizierte Wunden, Pyodermie, Superinfektionen
  • Bei fehlender Wirkung an resistente Keime denken

  • Durch Sensibilisierung wird ein späterer systemischer Einsatz unmöglich

Keratolytika
  • Salicylsäure, z. B. Salicylsäure Lichtenstein 2–10 %®, Psorimed® Lsg., Lygal N® Kopfsalbe, Guttaplast®

  • Harnstoff, z. B. Basodexan® Excipial U® Lipolotio, Onychomal®

  • Bis 2 % keratoplastisch, bei trockener Haut

  • > 2 % keratolytisch, zur Entfernung von Hautschuppen bei Psoriasis

  • Bis 12 % bei trockenem Ekzem, atopischer Dermatitis und zur Nachbehandlung von Hauterkrankungen

  • Bis 40 % zur Auflösung von Nägeln; bei Hyperkeratosis

  • Bis 60 % als Pflaster zur Warzentherapie und Hühneraugenentfernung

  • Trägersubstanz für Arzneimittel, z. B. Glukokortikoide, fördert die Penetration

  • > 2 % Kontakt mit gesunder Haut vermeiden

  • Keine großflächige Anwendung: Gefahr von Nierenschäden und Magenulzera. Bei Kindern kontraindiziert

  • Auch lokal begrenzte Anwendung bei Kindern nur eingeschränkt geeignet (bei kleinen Kindern häufig Brennen/Juckreiz)

  • Nicht in akuten Stadien anwenden, da Haut gereizt wird

  • Keratolysewirkung durch Abdecken mit Folie erhöhen

Gerbmittel, z. B. Tannolact®, Tannosynt® Nässende Hauterkrankungen wie Ekzeme, Juckreiz, Hyperhidrosis (erhöhte Schweißneigung)
  • Augenkontakt meiden

  • Puder nicht auf offene Wunden auftragen

Antipsoriatika
  • Dithranol (= Cignolin), z. B. Micanol®

  • Calcipotriol (Vitamin-D-Derivat), z. B. Psorcutan®

  • Tazaroten (Vitamin-A-Säure-Derivat), z. B. Zorac®

Psoriasis (Kap. 21.10)
  • Auf Hautreizung achten

  • Braunverfärbung der Haut und ggf. irreversible Wäscheverfärbung bei Dithranol

Atopische Dermatitis

Definition

Dermatitis, atopischeChronisch bzw. schubweise verlaufende ekzematöse Hauterkrankung, die als eine Manifestationsform der sog. Atopie (ererbte Allergieneigung) meist schon im Kindesalter auftritt. Häufig mit Asthma bronchiale oder Heuschnupfen kombiniert. Syn.: endogenes Ekzem, Neurodermitis.

Symptome
  • Massiver, akuter Juckreiz, der zu Kratzwunden (ExkoriationenExkoriation) führt, flächige Ekzeme und Papeln bevorzugt in Ellen- und Kniebeugen mit Lichenifikation (Vergröberung der Hautfelderung), bei Kindern häufig nässende Ekzeme

  • Häufig Minimalvarianten mit unspezifischen Ekzemen an Händen und Füßen, Mamillenekzem und Cheilitis (Lippenentzündung)

  • „Atopie-StigmataAtopie-Stigmata“ (Anzeichen für Veranlagung zu Überempfindlichkeitsreaktionen) wie doppelte untere Lidfalte, negativer (weißer) Dermographismus (Haut reagiert auf mechanische Reize mit Abblassung statt Rötung), Rarefikation („Ausdünnung“) der lateralen Augenbrauen.

Auslöser/Triggerfaktoren
  • Inhalationsallergene (Pollen, Tierhaare, Hausstaubmilben)

  • Irritanzien (Reinigungs- und Desinfektionsmittel, feuchtes Milieu, Wolle, Schweiß)

  • Stress

  • Nahrungsmittel (Nahrungsmittelallergie bzw. -intoleranzen, Nahrungsmittelzusatzstoffe, Zitrusfrüchte).

Diagnostik
  • Typische Effloreszenzen

  • Anamnese: Manifestation bei Patient oder der Familie wie Asthma, Heuschnupfen? Beginn im 1. Lebensjahr? Als Säugling Milchschorf im Gesicht, an der behaarten Kopfhaut?

  • Labor: Allergietestung (Nahrungsmittel- und Aeroallergene, auch Kap. 9.5.2), Gesamt IgE, spezifisches IgE (RAST).

Therapie
Die Behandlung richtet sich nach dem klinischen Erscheinungsbild.
  • Bei akut nässenden Hautveränderungen „feucht auf feucht“, z. B. feuchte Umschläge, auch mit desinfizierenden Zusätzen (z. B. Octenisept®) oder Cremegrundlage, bei chronischen eher „trockenen“ Ekzemformen fettere Grundlage (Salbe/Fettsalbe) wählen

  • Regelmäßige rückfettende Basistherapie auch zwischen den Schüben, Neribas C./S.®, harnstoffhaltige Externa, z. B. Excipial U Lipolotio®

  • CAVE: Bei akuten Hautveränderungen und bei Kindern häufig Juckreiz und Brennen durch harnstoffhaltige Präparate

  • Externe Glukokortikosteroide Klasse I–III je nach Lokalisation und Schweregrad (z. B. Advantan S.®/Ecural FC.®) 1 × tgl. bis Abheilung, dann Intervalltherapie, immer in Kombination mit rückfettender Basistherapie

  • Topische Calcineurininhibitoren, z. B. Tacrolimus (Protopic®), Pimecrolimus (Elidel®) 2 × tgl.; Alternative zu Steroiden insbesondere bei steroidsensiblen Regionen, z. B. Gesicht

  • Lichttherapie, z. B. UV-B, Schmalspektrum UV-B, Photochemotherapie „PUVA“

  • Bei schweren, therapierefraktären Fällen systemische Therapie auch mit Immunsuppressiva, z. B. Steroide, Cyclosporin A.

Linderung des Juckreizes
  • Antihistaminika, Sedativa

  • Polidocanolhaltige Externa (Optiderm Creme®)

  • Kühlen (z. B. Cold pack).

Komplikationen
  • Bakterielle Superinfektionen/Impetiginisation v. a. mit Staphylococcus aureus

  • Virale Infektion, z. B. mit Herpes simplex → Eczema herpeticatum.

Pflege
  • Bei Anamnese individuelle Auslöser erfragen und ggf. in Pflege/Ernährung vermeiden

  • Reizstoffe (Irritanzien) und hohe Temperaturen meiden (warme Räume, Wärmestau unter Bettdecke)

  • Zu Karenzmaßnahmen bei Nahrungsmittelallergie und Sensibilisierung motivieren. CAVE: oft klinisch nicht relevante, multiple Sensibilisierungen → Keine Pauschaldiäten!

  • Nägel kurz halten

  • Juckreiz-Kratz-Zyklus bewusst machen, Kratzalternativen einüben (Pruritus lindern Kap. 21.3), z. B. Streckmuskeln der Arme anspannen, Fäuste in der Hosentasche ballen, im Sitzen Hände an der Sitzfläche des Stuhls festkrallen und Oberkörper aufrichten. Schädigendes Verhaltensmuster kann durch gezieltes Einsetzen von Lob verändert werden: – Jucken – alternatives Verhalten – Lob – langfristige Besserung

  • Ggf. psychologische Mitbetreuung, autogenes Training, Unterstützung bei der Krankheitsbewältigung (Kap. 1.6.3, Kap. 1.7).

Infektionsprophylaxe
  • Abstand halten zu Mitpatienten und Personal mit Infektionen durch Herpesviren, z. B. Herpes labialis, Herpes zoster, Windpocken

  • Patienten mit Sekundärinfektion (meist durch Staphylococcus aureus) von Patienten mit Wunden fernhalten

  • Patienten informieren über ihre Infektionsgefährdung durch Herpes-simplex-Viren und über die Gefahr der Keimverbreitung (Staphylococcus aureus).

Reizarme Umgebung schaffen
  • Zimmer mit ruhigen, ausgeglichenen Mitpatienten auswählen

  • Zimmer kühl halten, maximal 20 °C

  • Bettwäsche mit Baumwoll- oder Synthetikfüllungen benutzen

  • Spaziergänge an frischer Luft, dabei intensive Sonnenbestrahlung meiden

  • Intensive Gerüche vermeiden: z. B. Blumen, Desinfektionsmittel.

Patienten und Angehörige einbeziehen
  • Den Tagesablauf soweit möglich nach den Wünschen des Patienten gestalten

  • Besuchsregelungen mit Patienten absprechen. Der Patient kann auf zu viel, zu wenig oder unangenehmen Besuch mit Effloreszenzen reagieren. Über Krankheitszusammenhänge informieren: z. B. Ursache, Auslöser

  • Möglichkeiten und Grenzen der Hilfe aufzeigen

  • Bei Kindern möglichst beide Elternteile in die Betreuung einbeziehen

  • Erfahrungen, Anregungen und Kritik des Patienten bezüglich Therapie, Ernährung, Raum- und Wassertemperatur, Bettwäsche ernst nehmen und ggf. in die Pflege übernehmen → steigert das Selbstwertgefühl der Patienten und erleichtert die Therapie

  • Gesprächsbereit sein: Für die Patienten ist es unter Umständen schwer, Wünsche, Kritik oder Gefühle zu äußern.

Gesundheitsförderung und Prävention
Bei familiärer atopischer Disposition: Säuglinge als „Allergieprophylaxe“ 6 Monate stillen, alternativ hypoallergene Säuglingsnahrung. Zufüttern erst ab 6. Monat. Potente Allergene wie Ei, Fisch, Nüsse erst nach dem 1. Lj. anbieten.

Dermatomykosen (Pilzerkrankungen der Haut)

Pilze, Pilzerkrankungen und systemische Pilzerkrankungen (Kap. 15.3.6)

Dermatomykose

Pilzerkrankung der HautMykoseDermatomykoseHäufigste Infektionserkrankung der Haut. Die Erreger werden in drei, als „DHS“ bezeichnete Hauptgruppen unterteilt. D = Dermatophyten, H = Hefen, S = Schimmelpilze. Manifestation an Haut, Schleimhaut und Hautanhangsgebilden (Nägel, Haare) möglich.

Die Candida-Mykosen nehmen als wichtigste pathogene Hefemykosen eine Sonderstellung ein. Der gesunde Organismus begrenzt das Candida-Wachstum. Störungen der Infektabwehr, wie z. B. bei Diabetes mellitus, Infektionen, Zytostatikagabe oder durch begünstigende lokale Faktoren wie Hautfalten mit feuchtem Milieu, Schwitzen oder Veränderung der Besiedelung durch Antibiotikagabe, begünstigen die Manifestation einer Candida-Infektion. Die vaginale Candidose tritt oft im Zusammenhang mit hohen Östrogenspiegeln auf, z. B. bei Einnahme von Ovulationshemmern, Schwangerschaft.
Einteilung
Dermatophyten (Fadenpilzinfektionen „Tinea“)
  • FadenpilzinfektionHautinfektionFadenpilzTinea pedum (oft chron. Mykose der Zehenzwischenräume, Fußsohlen oder des Fußrandes)

  • Tinea manum (Hände)

  • Tinea corporis (Körperherde): runde oder ovale, rote schuppende, randbetonte Herde mit zentraler Abblassung. Therapie: topische Antimykotika (Azole) 2 × tgl. über 2–4 Wochen oft ausreichend, Behandlung über mind. 1 Woche nach Rückbildung der Hautveränderungen fortführen. Bei therapierefraktären Infektionen zusätzlich systemische Therapie mit z. B. Terbinafin oder Fluconazol über 2–4 Wochen. Allgemeine Maßnahmen: Zehenzwischenräume trocken halten, Schuhe regelmäßig wechseln, gut austrocknen lassen. Bei starker Entzündungsreaktion ggf. initial topische Steroide, aber niemals als alleinige Therapie anwenden

  • Tinea capitis (Pilzinfektion des behaarten Kopfes, ggf. mit Haarausfall). Therapie: Topische Antimykotika immer mit systemischen Antimykotika kombinieren. Bei Kindern: Griseofulvin gewichtsadaptiert über mind. 4–10 Wochen, Fluconazol über 4–7 Wochen

  • Tinea unguinum/Onychomykose (Pilzinfektion der Nägel). Therapie: Antimykotische Nagellacke (z. B. Loceryl Lack® 1 × wöchentlich für mind. 9–12 Mon.) anwenden. Bei therapierefraktären Infektionen: systemische Therapie, insbesondere auch bei Befall der Nagelmatrix.

Hefepilzinfektionen (meist Candida albicans)
  • HefepilzinfektionInfektionHefepilzCandidosis intertriginosa: Befall großer Hautfalten mit flächiger Rötung, teils nässend, Beläge. Therapie: Azolantimykotika oder Nystatin 2 × tgl., ggf. in Kombination mit topischen Steroiden

  • Candidose der Mundhöhle (orale Candidose, Mundsoor): weiße abstreifbare Beläge. Häufig bei Säuglingen oder Immunsuppression. Therapie: Nystatin Haftsalben, z. B. Candio-Hermal Mundgel® 3–5 × tgl. nach den Mahlzeiten. Amphotericin B, z. B. Ampho-Moronal LT® 4 × tgl., Nystatin, z. B. Moronal® über mehrere Wochen; Therapie der Grunderkrankung, z. B. Diabetes mellitus

  • Candidose des Genitale mit Rötung, Juckreiz, Ausfluss (Kap. 18.6.1). Therapie: Bei Frauen Nystatin- oder Azolantimykotika als Creme oder Vaginaltabletten intravaginal 1 × tgl. abends über 3–6 Tage, kombiniert mit antimykotischer Creme im Vulvabereich. Bei mehrfach erfolgloser Lokaltherapie: Systemische Therapie mit Fluconazol oder Itraconazol als Einmaltherapie. Männer: Nystatin- oder Azolantimykotika als Creme 2 × tgl.

  • Pityriasis versicolor (Hefepilzinfektion mit Pityrosporum ovale Abb. 21.2): bräunliche oder hypopigmentierte Flecke am oberen Stamm und den Oberarmen, teils geringe Schuppung und Entzündungsreaktion. Therapie: Econazol (Epi-Pevaryl PV®) 3–6 Tage 1 × tgl. auf die feuchte Haut und die Haare auftragen, über Nacht einwirken lassen, morgens abduschen. Nachbehandlung 50 % Propylenglykol in Wasser 1–2 ×/Woche 2 × tgl., ggf. bei Therapieresistenz systemische Therapie mit Fluconazol oder Itraconazol.

Pflege
  • Verordnungen zur externen Therapie durchführen

  • Bettwäsche, Kleidung vor Salben, Tinkturen schützen, z. B. Bettbogen

  • Bei Haarausfall oder therapeutisch notwendiger Entfernung des Kopfhaares psychische Belastungen ernst nehmen, Hilfen anbieten: zuhören, gesprächsbereit sein

  • Bei schmerzhaften MundinfektionMundinfektionen mehrmals tgl. und besonders vor den Mahlzeiten Oberflächenanästhetikum, z. B. Xylocain®, Dynexan® auftragen, säurearme Breikost anbieten, kein Alkohol, nicht rauchen.

Infektionsprophylaxe
  • Beim Waschen, Eincremen, Einreiben und ggf. Verbandswechsel Handschuhe tragen

  • Desinfizierende Seifen, z. B. Betaisodona® Flüssigseife, benutzen

  • Infizierte Areale zuletzt waschen

  • Kochbare Leibwäsche empfehlen

  • Eventuell Strümpfe und Schuhe mit antimykotischem Puder oder desinfizierendem Spray behandeln, z. B. Batrafen® Puder, Sagrotan®-Spray.

Hygienisches Verhalten fördern
  • Übertragungsgefahr durch Information der Patienten minimieren

  • Von Bäder- oder Saunabesuchen abraten

  • Von abwehrgeschwächten Mitpatienten fernhalten

  • Bei vaginaler Pilzinfektion: Information und Untersuchung des Partners dringend empfehlen, ggf. Partnertherapie einleiten.

Beobachten

  • Verlauf der Infektion, Superinfektionen, Medikamentenwirkung

  • Kleidungsgewohnheiten, tgl. Wäschewechsel, kochbare Unterwäsche/Socken. Ungünstig: z. B. nicht kochbare Kleidung direkt auf der Haut zu tragen

  • Berufs- und Freizeiteinflüsse, häufiges Schwitzen.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Infiziertes Nagelmaterial durch Anwendung von 40-prozentiger Harnstoffsalbe reduzieren, z. B. Onychomal® oder Mycospor®-Nagelset: Haut mit Zinkpaste abdecken, Harnstoffsalbe auf den Nagel auftragen, mit Plastikfolie bedecken, mehrere Tage wiederholen, nach warmem Fußbad aufgeweichte Nagelanteile abtragen

  • Badewanne, Waschbecken und Pflegeutensilien, z. B. Waschschüssel, Steckbecken nach Gebrauch mit einem fungiziden Flächendesinfektionsmittel behandeln, z. B. Incidin®.

Gesundheitsförderung und Prävention
  • Allgemeine Hygienemaßnahmen können Pilzwachstum vermeiden, z. B. seifenfreie und Haut-pH-neutrale Waschlotionen sowie W/Ö Lotionen zur Körperpflege; Hautfalten, Achseln, Leisten und Zehenzwischenräume sorgfältig trocknen

  • Nach dem Besuch von Schwimmbädern, Saunen, Sporthallen und Gemeinschaftsbädern Handtücher und Sportbekleidung inkl. Socken bei mind. 60 °C waschen. Sportschuhe, Badelatschen und auch die Sporttasche regelmäßig waschen

  • Bei V. a. Pilzinfektion umgehend den (Haut-)Arzt aufsuchen.

Herpes zoster (Gürtelrose)

Ursache
Herpes zosterGürtelroseWiederaufflammen einer früher durchgemachten Windpocken-Infektion, da Varizella-Zoster-Viren gelegentlich in Spinalganglien überleben. Symptome entlang des Nerven- und im Hautinnervationsgebiet. Besonders gefährdet: immungeschwächte Menschen > 50 J.
Formen
  • Zoster intercostalis: meist einseitig im Verlauf der Thoraxsegmente

  • Zoster ophthalmicus: Zoster ophtalmicusim Bereich des 1. Trigeminusastes mit Beteiligung des Auges. Bleibende Schäden möglich

  • Zoster oticus: im Bereich des N. facialis, Beteiligung des äußeren Gehörgangs

  • Zoster duplex: selten bilateral, unilateral (in zwei getrennten Segmenten)

  • Zoster generalisatus: über den ganzen Körper ausgedehnt.

Symptome
  • Gruppiert stehende, schmerzhafte Bläschen auf Erythem: gürtelförmig, einseitig im Ausbreitungsgebiet (Dermatom) eines Ganglions

  • Krusten und Erosionsbildung nach Platzen der Bläschen

  • Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit und Temperaturerhöhungen 3–5 Tage vor Bläschenbildung

  • Nervenschmerzen vor und während des Bläschenstadiums, vereinzelt länger anhaltend.

Komplikationen
Bei Beteiligung des 1. Trigeminusastes können Korneaschäden auftreten. Ist der 2. und 3. Ast betroffen, werden Mundschleimhaut und Zunge halbseitig in Mitleidenschaft gezogen. Bei Beteiligung des 2. Cervicalsegments Innenohrbeteiligung mit Gefahr der Akustikus- und Fazialislähmung und bleibender Hörstörung.
Diagnostik
  • Klinik, Virusnachweis durch Abstrich, serologischer Antikörpernachweis

  • Tumorsuche

  • Ausschluss einer Immunsuppression.

Therapie
Lokaltherapie
  • Tgl. 1 × Clioquinol 2 % in Lotio Cordes® bis zum Eintrocknen der Bläschen auftragen

  • Alternativ Linola sept C® mehrfach tgl. anwenden

  • Mit Dexapanthenol, z. B. Bepanthen® Salbe, nachbehandeln.

Systemische Therapie
  • Meist ambulante orale Therapie ausreichend, z. B. mit Aciclovir (Zovirax®) über 5 Tage, alternativ Brivudin (Zostex®) über 7 Tage

  • Bei Immunsuppression, Augen- oder Ohrenbeteiligung, Zoster generalisatus oder starken Schmerzen ggf. stationäre i. v.-Therapie mit Aciclovir oder bei Therapieresistenz Foscarnet Natrium.

Schmerztherapie
  • Nach WHO-Stufenschema (Abb. 2.13), z. B. beginnend mit 3–4 × tgl. 500–1 000 mg Paracetamol per oral oder Ibuprofen bis 6 × 400 mg tgl.

  • Ausreichende Schmerztherapie ist wichtig zur Prophylaxe der Post-Zoster-Neuralgie

  • Bei sehr starken Schmerzen oder Post-Zoster-Neuralgie zusätzliche Therapie mit dem Antikonvulsivum Carbamazepin (z. B. Carbaflux®) oder dem Antidepressivum Amitryptilin (z. B. Saroten®).

Pflege
  • Verordnungen zur externen Therapie durchführen

  • Für ruhigen Schlaf und ausgedehnte Bettruhe sorgen, z. B. ruhiges Zimmer

  • Stauungswärme vermeiden: leichter Verband, leichte Bettwäsche

  • Zur körperlichen Ruhe anhalten, Besuche einschränken und koordinieren.

Ernährung
  • Ballaststoffreiche Kost. Bei Immobilität und Befall der Bauchwand (verminderte Darmperistaltik) Stuhl regulieren

  • Vitaminreiche Kost anbieten.

Hygiene
  • Übertragungsgefahr und Sekundärinfektionen durch Information minimieren

  • Regelmäßiges Händewaschen, mit z. B. Betaisodona®-Flüssigseife, von Patienten und Personal

  • Patienten von abwehrgeschwächten Mitpatienten, Schwangeren und Kindern fernhalten

  • Selbstschutz der Pflegenden: Bei Körperpflege und lokalen Anwendungen Handschuhe tragen und desinfizierende Waschzusätze benutzen, z. B. Betaisodona®-Flüssigseife

  • Infektionsgefährdete Hautregionen wie Hautfalten, Leiste und Schleimhäute beobachten, durch Körperhygiene und Hautpflege schützen.

Beobachten

  • Verlauf der Infektion

  • Auftreten von Sekundärinfektionen

  • Medikamentenwirkung, Schmerztherapie

  • Lähmungen: z. B. Blasen-, Darmmuskulatur, Fazialisparese.

Gesundheitsförderung und Prävention
  • Patienten mit malignen Erkrankungen oder Immunsuppression, Menschen ohne Antikörperschutz vor Windpocken sollten sich gegen Windpocken impfen lassen. Gesunde Lebensführung und Ernährung, insbesondere in Zeiten starker Belastung und im Alter, kann das Aufflammen eines Herpes Zosters verhindern

  • Seronegative Schwangere und Patienten mit Immundefekt (Chemotherapie, Immunsuppression, HIV-Infektion) innerhalb von 96 h nach Exposition mit VZV-Hyperimmunglobulin, z. B. Varitect®, passiv immunisieren.

Urtikaria (Nesselsucht)

UrtikariaNesselsuchtGilt bei einer Dauer von bis zu 6 Wochen als akut, danach als chronisch. Meist harmlose Unverträglichkeitsreaktion auf Nahrungsmittel, Medikamente, Pflanzen- und Insektengifte. Selten auch infolge von banalen Infekten wie Grippe oder Sinusitis.
Symptome
Umschriebene oder großflächige Quaddelbildung mit Juckreiz, manchmal Gelenk- und Kopfschmerzen, sehr selten Komplikationen wie Glottisödem oder anaphylaktischer Schock (Kap. 22.4.2).
Diagnostik
Klinisches Erscheinungsbild und die Anamnese führen i. d. R. zur Diagnose.
Bei chronischem Verlauf (< 1 %):
  • Für 1–2 Wochen Ernährung und Medikamenteneinnahme dokumentieren

  • Eliminationsdiät bis zur Symptomfreiheit, z. B. Tee, Mineralwasser, Kartoffeln, Reis. Dann Provokationstest mit als auslösend vermuteten Stoffen durchführen

  • Fokussuche, Labor, Prick (Kap. 21.2).

Therapie
  • Meist genügt es, das Allergen zu meiden. Ergänzend können abführende Maßnahmen oder die Behandlung mit einem Antihistaminikum lokal oder generalisiert eingesetzt werden

  • Bei schwerem Verlauf, z. B. Quincke- oder Angioödem, werden Glukokortikoide oder H1-Blocker verabreicht.

    Notfallmedikamente bei anaphylaktischem Schock (Kap. 22.4.2)

  • Bei chronischem Verlauf, können Antihistaminika mit gering sedierender Wirkung wie Aerius®, Xusal®, Telfast® 180 Filmtbl. bis 4 Tbl. tgl. verordnet werden.

Pflege
  • Verordnungen zur externen und systemischen Therapie durchführen und Verlauf beobachten

  • Schon bei Verdacht auf anaphylaktischen Schock Gegenmaßnahmen einleiten (Kap. 22.4.2). Unverzüglich Arzt informieren → Notfall!

Kontaktekzem

Allergisches Kontaktekzem

Definition

EkzemKontaktekzemallergischesSensibilisierung des zellulären Immunsystems der Haut durch direkten Allergenkontakt (Abb. 21.5), z. B. Modeschmuck, Kosmetika, Reinigungsmittel, Pflanzenteile. Auch Anflug der Allergene durch die Luft möglich. Verzögerte allergische Reaktion meist erst nach 24–72 h oder nach erneutem Allergenkontakt.

Symptome
  • Akute Verlaufsform, z. B. nach intensivem Kontakt, hoher Disposition:

    • Ausgeprägte, diffuse Hautrötung ohne scharfe Begrenzung, ödematös geschwollen

    • Stark juckende, nässende, bis erbsengroße Papeln

    • Durch hämatogene Streuung ekzematöse Hautveränderungen an entfernten Stellen

  • Subakute Verlaufsform, z. B. nach längerem Kontakt mit geringer Allergenmenge, mittlerer Disposition: Symptome der akuten Verlaufsform weniger ausgeprägt, weniger nässend, dafür mehr schuppig, Lichenifikationen

  • Chronische Verlaufsform, z. B. nach lang andauerndem Kontakt mit geringer Allergenmenge, geringe Disposition:

    • Geringe Hautrötung, kein Ödem, trocken

    • Schuppiges Ekzem mit Rhagaden und ggf. Hyperkeratose

    • Ausgeprägte Lichenifikationen.

Diagnostik
  • Sorgfältige Anamnese mit „detektivischer“ Allergensuche

  • Klinisches Erscheinungsbild

  • Epikutantest nach vollständiger Abheilung der Hautveränderungen.

Therapie
  • Allergenkarenz sicherstellen

  • Bei akutem Verlauf:

    • Glukokortikoide Klasse II–III als Ö/W-Emulsion, z. B. Dermatop® Creme, Advantan® Milch

    • Bei Superinfektion: Fusidinsäurehaltige Creme, z. B. Fucidine®, ggf. Umschläge mit Chinosol (1 : 1 000); ggf. systemische Antibiose

    • Bei ausgeprägten Hautveränderungen mit hämatogener Streuung und Generalisation ggf. systemische Steroide, z. B. Prednisolon 50–150 mg/tgl.

    • Nicht sedierendes Antihistaminikum, z. B. Aerius® 1 × 1 Tbl.

  • Bei subakutem Verlauf: Glukokortikoide als Creme oder Salbe, z. B. Ecural® Fettcreme oder -salbe

  • Bei chronischem Verlauf:

    • Glukokortikoide in fetter Grundlage, z. B. Ecural® Salbe, Dermatop® Fettsalbe

    • Bei Hyperkeratose: 5–10 % Salicylsäure, z. B. Kerasal® Basissalbe 1 × tgl. ggf. unter Okklusion. Hartnäckige Plaques ggf. mit Glukokortikoid-Kristallsuspension unterspritzen, z. B. Triam Injekt®

  • Nach Besserung der Hautveränderungen auf schwächere Glukokortikoide übergehen, rückfettende Basistherapie fortführen.

Beachten

  • Allergene konsequent meiden

  • Patienten über klinische Relevanz von Sensibilisierungen bzw. potenzielle Kontaktmöglichkeiten aufklären.

Toxisches Kontaktekzem

Definition

KontaktekzemtoxischesNichtallergisches Ekzem durch Kontakt mit für die Haut giftigen Substanzen, meist Flüssigkeiten, z. B. Reinigungsmittel, Desinfektionslösungen, Säuren, Laugen.

Symptome
  • Entwicklung innerhalb von Minuten bis Stunden nach Kontakt

  • Hautveränderungen sind scharf begrenzt und auf die Kontaktstellen beschränkt, keine Streuherde

  • Hautrötung, nässende Bläschen und Blasen, ausgeprägtes Ödem

  • Juckreiz und Brennen.

Diagnostik
  • Klinisches Erscheinungsbild, Anamnese, Frage nach Kontaktstoffen

  • Ggf. Epikutantest nach vollständiger Abheilung der Hautveränderungen zum Ausschluss einer Kontaktallergie.

Therapie
  • Auslösende Stoffe vermeiden

  • Für kurze Zeit externe Glukokortikoide, z. B. Ecural® Fettcreme

  • Bei nässenden Hautveränderungen: feuchte Umschläge, z. B. physiologische NaCl-Lösung, ggf. mit Ecural® Fettcreme kombiniert anlegen

  • Bei Superinfektion: Verbände mit Fusidinsäure oder Antiseptika, ggf. als Umschläge mit Octenisept® oder Kaliumpermanganat (hellrosa) anlegen

  • Bei ausgeprägten Verlaufsformen: systemische Glukokortikoidtherapie umsetzen, z. B. 50–150 mg Decortin®-H oder Solu-Decortin®-H, Dosierung rasch reduzieren

  • Bei starkem Juckreiz Antihistaminika, z. B. Cetirizin® oder Fenistil®.

Pflege
  • Verunreinigungen mit toxischen Substanzen durch Abwaschen/Baden möglichst schnell entfernen

  • Verordnungen zur externen Therapie durchführen und systemische Therapie überwachen

  • Bei feuchten Umschlägen Hautmazerationen und Unterkühlung vermeiden.

Patienten mit Sekundärinfektion (meist durch Staphylococcus aureus)
  • Von Patienten mit Wunden fernhalten

  • Zur regelmäßigen Händedesinfektion anhalten, besonders vor dem Verlassen des Zimmers

  • Nach jeder Köperpflege Handtücher und Waschlappen wechseln

  • Über die Gefahr der Keimverbreitung (Staphylococcus aureus) informieren.

Beachten

Berufsbedingte Kontaktekzeme sind bereits im Verdachtsfall meldepflichtig.

Gesundheitsförderung und Prävention
Allergene austesten lassen. Ermittelte Allergene konsequent meiden, z. B. Kosmetika und Körperpflegemittel, Schmuck und bestimmte Bestandteile der Kleidung wie Metall, Gummi oder Kunststoff. Bei V. a. eine berufsbedingte Erkrankung Meldung an Berufsgenossenschaft. Durch Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz und geeignete Hautschutzmaßnahmen ist eine Berufsaufgabe meist vermeidbar.

Psoriasis vulgaris (Schuppenflechte)

Definition

SchuppenflechtePsoriasisIn Schüben verlaufende, chronische, nicht infektiöse Hauterkrankung mit familiärer Häufung (überspringt oft eine Generation). Eine der häufigsten Hauterkrankungen, die durch vielfältige Faktoren getriggert oder in ihrem Verlauf beeinflusst wird. Sehr variable Ausprägung, von eher diskreter Form, wie z. B. Kopfschuppen oder kleineren Plaques an Knien und Ellenbogen bis zur lebensgefährlichen Erythrodermie.

Symptome
Typische Form
  • Scharf begrenzte, entzündlich gerötete Plaques, mit einer Schicht silbergrauer Schuppen bedeckt

  • Bevorzugte Regionen: Streckseiten der Gliedmaßen, besonders an Ellenbogen und Knie, Sakralbereich, Analfalte und behaarte Kopfhaut (Abb. 21.2)

  • Juckreiz in ca. 20 %

  • Bei schwerem Befall der Kopfhaut Haarausfall möglich.

Weitere Verlaufsformen
  • Pustulöse Psoriasis (Psoriasis pustulosa generalisata, Psoriasis pustulosa palmoplantaris)

  • Psoriasis arthropatica (Skelettbeteiligung)

  • Befall der Nägel als Krümelnagel mit gestörter Nagelverhornung, bröckeliger Nagelzerfall oder als Tüpfelnagel mit kleinen runden Einsenkungen.

Diagnostik
  • Klinisches Erscheinungsbild

  • Eigen- und Familienanamnese

  • Nahezu beweisend für die Psoriasis sind durch Kratzen auslösbare Psoriasisphänomene:

    • Durch nachdrückliches Kratzen kann ein zusammenhängendes Schuppenschild abgelöst werden

    • Kerzenfleckphänomen: Durch Kratzen an einer Schuppenflechte tritt eine lamellenförmige Schuppung hervor, die wie Kerzenwachs aussieht

    • Phänomen des letzten Häutchens: Nach weiterem Kratzen bleibt ein dünnes Häutchen an der Basis stehen

    • Auspitz-Phänomen/Phänomen des blutigen Taus: Weiteres Kratzen führt zu punktförmigen Blutungen

  • Histologie.

Therapie
Allgemeine Maßnahmen
  • Belastende Hautirritationen meiden, z. B. Reibung durch enge Kleidung, Sonnenbrand, Kontakt mit Chemikalien, Verletzungen, Austrocknung

  • Haut mit Syndets reinigen, z. B. pH 5-Eucerin®, Dermowas®

  • Haare mit milden Shampoos waschen, z. B. Physiogel®, rückfettende Basistherapie mit z. B. Neribas®. Oder bei stärkerer Schuppung mit harnstoffhaltigen Externa waschen, wie z. B. Excipial Lipolotio® U Lipolotio

  • Alkohol, scharf Gewürztes und Unverträglichkeiten auslösende Nahrungsmittel meiden

  • Keratolyse (Beseitigung von Schuppen/Verhornung), z. B. mit 5- bis 10-prozentiger Salicylsäure in Vaseline oder Olivenöl (Capillitium) ggf. unter Okklusion, nicht bei Kindern.

Externe Therapie
  • Topische Steroide Klasse II–IV 1 × tgl., möglichst nur kurzfristig oder bei hartnäckigen kleinflächigen Plaques, z. B. an Ellbogen und Knien, ggf. kurzfristig auch okklusiv

  • Vitamin-D-Präparate, z. B. Psorcutan® S. 1–2 × tgl., ggf. initial auch in Kombination mit topischen Steroiden, z. B. Psorcutan Beta® S

  • Dithranol in aufsteigender Konzentration als Individualrezeptur oder Psoralon MT ® bzw. Micanol® C

  • Topische Retinoide, z. B. Tazaroten (Zorac Gel®) 1 × tgl.

Lichttherapie
  • Lichttherapie möglich als: UVB (Schmalspektrum), UVB-Breitspektrum je 4–5 × wöchentlich, PUVA-Therapie (Photosensibilisator Psoralen plus UVA) möglich als Bade-, Creme- oder orale PUVA (Psoralen 2 h vor Bestrahlung oral verabreichen, Achtung: Lichtschutz für mind. 12 h inkl. UVA-Schutzbrille!) Vorteil der lokalen PUVA: Lichtschutz nur für ca. 2 h nach Bestrahlung notwendig, keine Schutzbrille nach Bestrahlung nötig

  • Re-PUVA: Systemische Retinoide mit PUVA-Therapie zur Wirkungsverstärkung kombinieren

  • PUVA-Therapie max. 4 × wöchentlich, Pause nach 2 Behandlungen. Nach 2 erythemfrei vertragenen Behandlungen Dosis steigern

  • Vor Therapiebeginn die Lichtempfindlichkeit durch „Lichttreppe“ zur Festlegung der Initialdosis bestimmen. Bei Entwicklung eines Erythems Dosis nicht steigern, bei starkem Erythem Behandlungspause einlegen

  • Kontraindikationen: Photoprovozierbare Dermatosen, z. B. Lupus erythematodes, anamnestisch spinozelluläre Karzinome, Basaliome, Ciclosporintherapie, Einnahme phototoxischer oder photoallergisch wirkender Medikamente, Leber- oder Nierenfunktionsstörungen bei systemischer PUVA, Schwangerschaft und Stillzeit bei Photochemotherapie.

Behandlung der behaarten Kopfhaut
  • Schuppen entfernen: 5–10 % Salicylsäure in Oleum olivarum oder Gelgrundlage, z. B. Squamasol® Gel über Nacht unter Okklusion

  • Topische Steroide Klasse III–IV, ggf. okklusiv.

Systemische Therapie
Bei schweren therapieresistenten Formen oder Psoriasis arthropathica werden spezifische Medikamente angewendet:
  • Fumarsäure (Fumaderm®), weniger wirksam bei Psoriasis arthropatica, gut bei Plaque-Psoriasis

  • Methotrexat (Lantarel®, Metex®) wirksam bei Psoriasis arthropathica, fragliche Wirkung bei Nagel-Psoriasis; Ciclosporin A (Immunosporin®, Sandimmun Optoral®) wirksam auch bei Sonderformen, fraglich bei Nagel-Psoriasis; Acitretin (Neotigason®) besonders bei Hyperparakeratose

  • Bei unzureichender Wirkung systemischer Psoriasismedikamente kann die übersteigerte Immunabwehr gezielt mit z. B. Infliximab (Remicade®), Adalimunmab (Humira®) oder Ustekinumab (Stelara®) behandelt werden.

Pflege
  • Für stressfreie und entspannende Atmosphäre sorgen

    • Möglichst Bezugspflege (Kap. 1.1.1), Gesprächsbereitschaft signalisieren

    • Alle beteiligten Laien von der Nicht-Infektiosität unterrichten, z. B. Angehörige, Stationshilfen, Reinigungspersonal, Mitpatienten

  • Verordnungen zur externen Therapie durchführen

    • Wäsche und Kleidung vor Kontakt mit Medikamenten schützen

    • Wirkung der Externa durch Okklusion verstärken (Arztverordnung), z. B. Abdecken mit Haushaltsfolie, umschriebene Bezirke mit Hydrokolloid-Verbänden, z. B. Comfeel® transparent oder Varihesive® dünn, an Händen mit ungepuderten PVC-Handschuhen

    • Therapiebedingte Reaktionen beobachten, ggf. Arzt informieren

  • UVA-Therapie

    • Auf Tragen der Schutzbrille von allen während der Behandlung anwesenden Personen achten. Bei systemischer Photochemotherapie UVA-Schutzbrille bis 12 h nach Therapieende tragen lassen (Kataraktgefahr)

    • Nach Bestrahlung im Handbereich Lichtschutz durch Tragen von Baumwollhandschuhen gewährleisten

    • Dem Patienten die Möglichkeit geben sich zu melden, z. B. Patientenrufanlage in Reichweite

    • Ggf. nicht befallenes Gesicht und Genitalbereich mit Alufolie abdecken

    • Bestrahlungserfolg kontrollieren, Befundverschlechterung durch Lichttherapie ist möglich.

Gesundheitsförderung und Prävention
Um trotz der Erkrankung ein gesundes Leben zu führen, muss der Betroffene positive Strategien im Umgang mit seiner Erkrankung entwickeln. Das heißt z. B. eine positive Einstellung zu seinem Körper und zu seiner Person sowie für akute Schübe Bewältigungsstrategien (Kap. 1.6.3) erlernen. Selbsthilfegruppen oder die Unterstützung durch Psychologen können hilfreich sein.

Ulcus cruris (Unterschenkelgeschwür)

Definition

UnterschenkelgeschwürUlcuscrurisGeschwüriger Gewebedefekt, meist am distalen Unterschenkel, verursacht durch mangelhaften venösen Abfluss, mit Blutrückstau im venösen Schenkel des Kapillarsystems, z. B. bei postthrombotischem Syndrom, Venenklappeninsuffizienz oder Mikrozirkulationsstörungen, wie z. B. bei Diabetes mellitus oder arteriellen Erkrankungen.

Symptome
  • Stecknadelkopf- bis handtellergroßer oder den ganzen Unterschenkel umfassender (GamaschenulkusGamaschenulkus) Gewebedefekt

  • Flache, die Haut nicht durchdringende Wunde bis tiefgreifender Gewebedefekt, besonders nach Infektion

  • Weicher, ödematöser, entzündeter oder, bei chronischem Ulcus, derber wallartiger Wundrand

  • Schmierig-gelb belegter Wundgrund.

Diagnostik
  • Klinisches Erscheinungsbild

  • Doppler-Sonografie, LRR (Lichtreflexionsrheografie) zur Bestimmung der venösen Wiederauffüllzeit, ggf. Duplexsonografie und Phlebografie

  • Bei Superinfektion ggf. Antibiogramm.

Therapie
Wundbehandlung (Kap. 3.10)
  • Wundheilungsphasen beachten, Lokaltherapeutika je nach Exsudatmenge, Belägen, Wundinfektion etc. auswählen

    • Wundreinigungsphase → chirurgisches Debridement, enzymatische Wundreinigung, z. B. Varidase®, Iruxol®; bei Wundinfektion Feuchtverbände mit 0,9 % NaCl-Lösung alternativ mit Octenisept®; keine Okklusion

    • Granulationsphase → feuchte Wundbehandlung, z. B. mit Hydrokolloidverbänden; Lokale Unterdrucktherapie (V. A. C.®)

    • Epithelisierungsphase → Hydrokolloide, Fettgaze (Urgotül®), ggf. Spalthaut-Transplantat

  • Bei großem Ulkus an Mangelernährung (Zink, Eisen, Folsäure, Vit. C., Selen) denken, ggf. substituieren

  • Venösen Rückfluss verbessern

    • Kompressionstherapie durch Kurzzugbinden (nach Pütter), alternativ Kompressionsstrumpf KKL II, ggf. auch mit Druckpelotten über Ulkus bzw. Varizen

    • Muskelpumpe durch Mobilisation aktivieren

  • Ggf. Antikoagulanzientherapie (Kap. 8.6.4) bei Thrombose

  • Bei chronischer Veneninsuffizienz ggf. operieren oder veröden.

Pflege
  • Ein Ulcus cruris wird von vielen Patienten als schicksalhaft angesehen, andere haben nach einem langen Leidensweg resigniert. Es ist intensive Motivationsarbeit notwendig, um eine aktive Mitarbeit zu erreichen

  • Patienten mit Begleiterkrankungen, häufig Diabetes, müssen ihre Therapie strikt einhalten: Diät, Gewichtsreduktion, Medikamente, Insulin.

Gesundheitsförderung und Prävention
Gefährdete Menschen können aktiv einem Ulcus cruris venosum vorbeugen, z. B. Gewicht normalisieren, Fußsohlen- und Wadenmuskelpumpe stärken, z. B. durch Sport und Wandern, Venenpflege (nach Kneipp) betreiben, besonders am Arbeitsplatz das Verharren in einer Position über längere Zeit vermeiden, Rauchen einstellen, Kompressionsstrümpfe bei venöser Insuffizienz konsequent tragen, ggf. auch OP oder Sklerosierung in Erwägung ziehen.

Maligne Hauttumoren

Gesundheitsförderung und Prävention
Malignen Hauttumoren (Tab. 21.5) vorbeugen: kein Sonnenstudio, kein intensives Sonnenbaden, schützende Kleidung bei Aufenthalt in der Sonne, Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor verwenden.

Geschlechtskrankheiten

Syn.: Sexuell übertragbare KrankheitenSexuell übertragbare Krankheit (STD), engl. Sexually Transmitted Disease (STD).

Lues (Syphilis)

SyphilisLuesGeschlechtskrankheitErreger: Treponema pallidum (Übertragung beim Geschlechtsverkehr).
Infektionsgang und Symptome
Stadium 1 (Lues I)
Nach Inkubationszeit von 3–4 Wochen schmerzlose, ca. erbsengroße Ulzeration (Primäraffekt) an Glans Penis, Lippen, Anus, Rektum oder äußerem Genitalbereich sowie schmerzlose Lymphknotenschwellung in der Leiste (Primärkomplex).
Stadium 2 (Lues II) ca. 25 % der Erkrankten
  • Nach 6–8 Wochen akute Infektionszeichen (Fieber, Abgeschlagenheit, Glieder-, Kopfschmerzen, BSG-Beschleunigung)

  • Syphilitisches Exanthem (kleine schwachrosa gefärbte Makulae, Übergang zu derben kupferfarbenen Papeln, Schuppen und Krustenbildung), kein Juckreiz

  • Generalisierte Lymphknotenschwellungen

  • Weißlich durchsichtige Papeln auf der Mundschleimhaut

  • Haarausfall

  • Bei Abklingen des Exanthems Hypopigmentierungen möglich

  • Verlauf über 2–3 Jahre mit rez. Exanthemen abnehmender Intensität, spontane Abheilung möglich (ca. 60 %), aber häufig Rezidive.

Stadium 3 (Lues III) ca. 10 % der Erkrankten
Nach 2–5 Jahren granulomatöse Abszesse an Haut und Organen (Gummen).
Stadium 4 (Neurosyphilis)
  • Tabes dorsalis: ziehende Schmerzen, Sehstörungen, Gangstörungen,

  • Progressive Paralyse: Demenz, Kopfschmerzen, Persönlichkeitsverlust.

Prognose
Ausheilung im Stadium 1–2 auch ohne Therapie möglich, Stadium 3 ohne Therapie meist letal.
Diagnostik
Erregernachweis im Dunkelfeldverfahren nach Abstrich vom Primäraffekt, serologische Nachweise. TPHATPHA positiv nach 3–4 Wochen, FTA-ABS-Test, VDRL-Test zur Titerbestimmung und Verlaufskontrolle.
Therapie
Lues I und II
  • Benzylpenicillin (Pendysin®)

  • Bei Penicillinunverträglichkeit: Doxycyclin.

Lues III
  • Benzylpenicillin, bei Penicillinunverträglichkeit: Erythromycin, Ceftriaxon oder Doxycyclin

  • Bei Beteiligung von Nervensystem, Herz und Blutgefäßen: Penicillin G i. v.

  • In der Schwangerschaft: wie Lues I–III mit Penicillin oder Erythromycin; Tetrazycline sind kontraindiziert.

Beobachten

Zur Prophylaxe der Jarisch-Herxheimer Jarisch-Herxheimer ReaktionReaktion (Fieber, Gelenkschmerzen, Grippesymptomatik nach Penicillingabe): 25–50 mg Prednisolon, z. B. Decortin H® 1 h vor oder zusammen mit der ersten Penicillin-Gabe.

Gonorrhö (Tripper)

TripperGonorrhöErreger: Neisseria gonorrhoeae (Gonokokkus). Infektionsgang: Übertragung beim Geschlechtsverkehr. Inkubationszeit 2–10 Tage.
Symptome
  • Beim Mann: akute eitrige Urethritis mit glasig-eitrigem Ausfluss, Schmerzen im Verlauf der Harnröhre, Dysurie, Damm- und Unterbauchschmerzen durch Prostatitis, schmerzhafte Hodenschwellung (Epididymitis)

  • Bei der Frau: häufig symptomlos, Urethritis, Entzündung des Zervixkanals mit eitrig-grünlichem Fluor, lokale Schmerzen, evtl. Peritonitis

  • Bei Mädchen vor der Pubertät: Schwellung der Schamlippen, eitriger Ausfluss aus Vagina, Urethra und Rektum

  • Extragenitale Manifestationen: Pharyngitis, Proktitis.

Diagnostik
Mehrere Abstriche an verschiedenen Tagen von der Urethraöffnung beim Mann, Abstriche sowohl von der Zervix als auch Urethraöffnung bei einer Frau, ggf. Polymerase-Kettenreaktion (PCR), serologischer Nachweis bzw. Kultur.
Therapie
  • Azithromycin oder Doxicyclin

  • In der Schwangerschaft: Cefixim.

Komplikationen
Gonorrhoische Arthritis, Konjunktivitis, Blennorrhö (Augenentzündung. Häufig bei Neugeborenen infizierter Mütter), bei Frauen Adnexitis mit Gefahr der Sterilität.
Pflege
  • Intensive Körperpflege mit besonderer Beachtung der Genitalien sicherstellen, dabei Handschuhe tragen. Anschließend Hände desinfizieren, Flächen und Waschschüssel wischdesinfizieren

  • Saugende Vorlagen zur Verfügung stellen, für eine gefahrlose Entsorgung sorgen: gesonderte Abfalltüte regelmäßig beseitigen. Händedesinfektion (Kap. 1.8.3) des Patienten gewährleisten

  • Urinflasche und Steckbecken nach jedem Gebrauch desinfizieren und jeweils nur für einen Patienten benutzen. Toilette reservieren

  • Nach Kontakt mit infektiösen Läsionen Hände desinfizieren.

Beobachten

  • Bei Lues auf Herxheimerreaktion nach 1. Penicillingabe achten!

  • Symptome einer Penicillinallergie erkennen, z. B. Fieber, Kreislaufkollaps

  • Bei Gonorrhö auf Mischinfektionen mit Mykoplasmen und Chlamydien achten

  • Ausfluss erfragen – wird besonders von Frauen oft übersehen

  • Den Patienten auf Primäraffekt und Hauteffloreszenzen untersuchen

  • Einhalten der Hygienemaßnahmen durch den Patienten kontrollieren.

Tipps, Tricks und Fallen

  • An Mehrfach-Infektionen mit anderen sexuell übertragbaren Krankheiten denken, auch HIV-Infektion (Kap. 15.3.5)

  • Auf die Einhaltung der Schweigepflicht achten (Kap. 1.9.2)

  • Verhalten dem Patienten gegenüber und Gespräche über den Patienten im Pflegeteam wertneutral gestalten.

Gesundheitsförderung und Prävention
Sexualhygiene schützt vor Geschlechtskrankheiten, z. B. konsequente Benutzung von Kondomen insbesondere bei häufigem Partnerwechsel, sorgfältige Partnerwahl. Ansteckung bei Lues je nach Sitz des Primäraffektes auch durch orale/anale Sexualpraktiken möglich.
Bei Infektionsverdacht: keine Sexualkontakte, Partner informieren, Arzt aufsuchen.

Literaturhinweise

Terhorst, 2013

D. Terhorst BASICS Dermatologie 3. Aufl. 2013 Elsevier, Urban & Fischer Verlag München

Mühlstädt, 2014

M. Mühlstädt Kurzlehrbuch Dermatologie 2014 Elsevier, Urban & Fischer Verlag München

Dirschka et al., 2010

T. Dirschka Klinikleitfaden Dermatologie 3. Aufl. 2010 Elsevier, Urban & Fischer Verlag München

Rassner, 2009

G. Rassner Dermatologie – Lehrbuch und Atlas 9. Aufl. 2009 Elsevier, Urban & Fischer Verlag München

Websites

Deutscher Allergie- und Asthmabund e

Deutscher Allergie- und Asthmabund e. V. (DAAB) www.daab.de

Deutscher Psoriasis Bund e

Deutscher Psoriasis Bund e. V. (DPB) www.psoriasis-bund.de

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