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B978-3-437-26164-0.00015-9

10.1016/B978-3-437-26164-0.00015-9

978-3-437-26164-0

Übersicht typischer ExanthemeMasernRötelnScharlach

Tab. 15.1
Erkrankung Exanthem
Dreitagesfieber Klein- bis mittelfleckig, bevorzugt am Rumpf
Mononukleose Fein- bis mittelfleckig mit Hauptsitz an Armen und Beinen
Masern Grobfleckiger, zusammenfließender Ausschlag am ganzen Körper
Röteln Mittelfleckige Exantheme, v. a. an den Streckseiten der Extremitäten, Rücken, Gesicht
Scharlach Feinfleckiges, dicht stehendes Exanthem bevorzugt am Unterbauch

Übersicht PenicillinGlykopeptidAntibiotikumAntibiotika

Tab. 15.2
Beispiele Besondere NW/Bemerkungen
Penicilline
  • Engspektrumpenicilline, etwa Penicillin G/V (z. B. Isocillin®)

  • Breitspektrumpenicilline, etwa Amoxicillin (z. B. Amoxycillin®), Piperacillin (z. B. Pipril®)

  • Staphylokokken-Penicilline, etwa Dicloxacillin (z. B. Isocillin®)

Insgesamt gut verträglich, hohe therapeutische Breite. Bei hohen Dosierungen: zerebrale Krämpfe, Verwirrtheit.
Besonderheit bei Ampicillin und Amoxycillin: bei Gabe im Rahmen einer infektiösen Mononukleose wegen Verwechslung mit einer eitrigen Angina Ampillicinexanthem (keine Allergie!)
Cephalosporine
  • Oralcefalosporine, etwa Cefixim (z. B. Cephoral®)

  • Parenterale Cefalosporine, etwa Cefotaxim (z. B. Claforan®)

Blutbildveränderungen, Leberwertanstieg, Alkoholunverträglichkeit. Bei hohen Dosierungen nephro-, neurotoxisch
Makrolide
Clarithromycin (z. B. Klacid®), Erythromycin (z. B. Erythromycin®) Leberschäden, reversible Hörstörungen. Häufige Ersatzpräparate bei Penicillinallergie
Gyrasehemmer
Ciproflaxacin (z. B. Ciprobay®), Levofloxacin (z. B. Tavanic®), Moxifloxacin (z. B. Avalox®) Neurotoxisch (Unruhe, Schwindel, Kopfschmerzen, in schweren Fällen Krämpfe, Verwirrtheit, Psychose). Blutbildveränderungen, Leberwertanstieg, evtl. Photosensibilisierung (keine Sonnenbäder), evtl. Knorpelschäden (bei Kindern und Jugendlichen), Sehnenschäden
Andere Antibiotika
Aminoglykoside, etwa Gentamicin (z. B. Refobacin®) Nephro-, neuro-, ototoxisch. Blutbildveränderungen
Carbapeneme, etwa Imipenem (z. B. Zienam®) Neuro-, teils nephrotoxisch
Chloramphenicol (z. B. Paraxin®) Leukopenie, Thrombopenie, Anämie, meist reversibel, selten irreversible Knochenmarkaplasie. Neurotoxisch
Cotrimoxazol (z. B. Eusaprim®) Blutbildveränderungen
Glykopeptide, etwa Vancomycin (z. B. Vancomycin®) Nephro-, oto-, neurotoxisch, Blutbildveränderungen
Metronidazol®
(z. B. Clont®)
Neurotoxisch, Blutbildveränderungen, Alkoholunverträglichkeit (kein Alkohol während der Behandlung). Rot-braune Verfärbung des Urins
Tetrazykline, etwa Doxycyclin
(z. B. Supracyclin®)
Photosensibilisierung (keine Sonnenbäder), Zahnverfärbung (Kinder < 9 Jahre). Hepato, nephrotoxisch

Alle: Allergien. Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall) mit möglicher Beeinträchtigung der Resorption der Antibiotika wie auch anderer Medikamente. Begünstigung von Pilzinfektionen, bei Frauen v. a. Vaginalmykosen. Insbesondere bei Breitbandantibiotika (selten) pseudomembranöse Colitis.

Häufige Nebenwirkungen der TuberkulostatikumTuberkulostatika

Tab. 15.5
Beispiele Nebenwirkungen
Isoniazid
(z. B. Isozid®)
ZNS-Störungen, sensible Polyneuropathie, hepatotoxisch, Blutbildveränderungen
Rifampicin
(z. B. Rofa®)
Hepato, neurotoxisch, Blutbildveränderungen. Beschleunigter Abbau vieler Medikamente (u. a. „Pille“ → keine zuverlässige Wirkung mehr). Urinrotfärbung
Pyrazinamid
(z. B. Pyrafat®)
Übelkeit, Gelenkbeschwerden, Harnsäureanstieg, hepatotoxisch, evtl. Photosensibilisierung (→ keine Sonnenbäder). In hoher Dosierung evtl. Blutzuckersenkung (Vorsicht bei Diabetikern)
Ethambutol
(z. B. Myambutol®)
Optikusneuritis, Harnsäureanstieg, nephrotoxisch
Streptomycin
(z. B. Strepto-Fatol®)
Nephrotoxisch, ototoxisch, Blutbildveränderungen

Übersicht Salmonellosen und TyphusSalmonellenTyphusParatyphus

Tab. 15.6
Salmonellen-Gastroenteritis (Salmonellose) Typhus/Paratyphus
Erreger v. a. Salmonella enteritidis, typhimurium Salmonella typhi, paratyphi
Infektionsgang v. a. kontaminierte Tierprodukte (z. B. nicht durchgegartes Fleisch, Eier), auch über Hände unerkannter Ausscheider bei unzureichender Küchenhygiene Fäkal-oral. Infektion häufig durch Hände von unerkannten Dauerausscheidern, auch indirekt z. B. über stuhlkontaminiertes Trinkwasser
Inkubationszeit 6–72 h Typhus: 3–60, meist ca. 10 Tage
Paratyphus: ca. 1–10 Tage
Symptome
  • Übelkeit, Erbrechen

  • Durchfälle, krampfartige Bauchschmerzen

  • Kreislaufbeschwerden durch die Flüssigkeits- und Elektrolytverluste

  • subfebrile Temperatur bis Fieber (Kap. 2.6.3)

  • selten septische Krankheitsbilder, Abszesse, Arthritis, Cholezystitis, Endokarditis

  • Erholung nach 3–5 Tagen

  • Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Husten, langsamer, aber stetiger Fieberanstieg auf 40 °C, Fieberdauer bis zu 3 Wochen

  • In 1. Woche evtl. Obstipation, ab 2. Woche Durchfälle Hepatosplenomegalie

  • Benommenheit

  • Oft Bradykardie (im Verhältnis zur Fieberhöhe)

  • Ab 2. Woche evtl. Roseolen (2–4 mm große Hautflecken) am Bauch

  • Häufiger Komplikationen, z. B. Darmblutung, -perforation, Kreislauf-/Nierenversagen, septische Bilder

  • Verlauf bei Typhus durchschnittlich schwerer, Erholung nach Wochen

Diagnostik
  • Bakteriennachweis in Stuhl, Erbrochenem und evtl. Nahrungsmittelresten

  • Bei septischem Verlauf: Blutkultur (Kap. 3.7.1)

  • 1. Woche: Blutkultur

  • Ab 2. Woche: Erregernachweis im Stuhl

  • 2.–3. Woche: Antikörper-Titer (jedoch nicht ausreichend zuverlässig)

Therapie
  • Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr

  • Nahrungskarenz, dann vorsichtiger Kostaufbau

  • Antibiotika nur bei schwerem Verlauf oder Risikopatienten

  • Intravenöse Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr

  • Antibiotika, z. B. Gyrasehemmer, Cephalosporine

Komplikationen
  • Exsikkose

  • Kreislauf- und Nierenversagen

  • Systemische Komplikationen, z. B. Sepsis (Kap. 15.3.11)

  • Verlängerte Salmonellenausscheidung

  • Dünndarmperforation mit Darmblutung, Peritonitis, Kreislaufversagen, Osteomyelitis; Endokarditis, Pneumonie, Sepsis (Kap. 15.3.11), Hirnödem, Meningitis, Thrombose

  • Dauer der Ausscheidung länger als 10 Wochen = Erregerpersistenz (Dauerausscheider)

  • Nach Abschluss der Behandlung müssen Stuhl- und Urinproben salmonellenfrei sein

Immunität Keine Teilweise
Impfung Keine Möglich
Meldepflicht Verdacht, Erkrankung bei Personen, die in Küchen, Gaststätten usw. arbeiten oder ≥ 2 gleichartige Erkrankungen, wenn ein epidemiologischer Zusammenhang vermutet wird Verdacht, Erkrankung, Tod
Meldepflichtiger Krankheitserreger

Klinische Kategorien

Tab. 15.8
A Akute HIV-Infektion, asymptomatische Infektion oder generalisierte Lymphknotenschwellung
B HIV-assoziierte Erkrankungen (Auswahl):
  • Mund-Rachen- oder Scheidensoor, Dauer ≥ 1 Monat

  • Fieber, chronische Durchfälle

  • Gürtelrose in mehreren Hautsegmenten

  • Haarleukoplakie (Befall der Zungenränder mit dem Epstein-Barr-Virus)

  • Listeriose

  • Periphere Neuropathie

  • Bei Frauen: Entzündungen des kleinen Beckens, Zervixdysplasie/-Cis

C Aids-definierende Erkrankungen (Auswahl):
  • Pneumocystis-Pneumonie oder > 2 bakterielle Lungenentzündungen im Jahr

  • Toxoplasmose-Infektion des Gehirns

  • Candidabefall von Luftröhre, Speiseröhre, Bronchien oder Lungen

  • Zytomegalie-Infektion (generalisiert oder als Retinitis)

  • Wiederholte Salmonellen-Sepsis

  • Herpes-Simplexinfektionen: chronische Ulcera (> 1 Monat), Bronchitis, Pneumonie, Ösophagitis

  • Kryptokokken- und Histoplasmoseinfektion außerhalb der Lunge

  • Darminfektion mit Mikrosporiden oder Kryptosporiden

  • Tuberkulose, atypische Mycobakteriose

  • Kaposi-Sarkom, malignes Lymphom, Zervixkarzinom

  • Wasting-Syndrom: schwerer körperlicher Mangelzustand (Kachexie)

  • HIV-Enzephalopathie

  • Progressive multifokale Leukenzephalopathie (viral bedingte, fortschreitende Entmarkung der weißen Substanz im Gehirn an mehreren Stellen gleichzeitig)

HIVLaborkategorienLaborkategorien

Tab. 15.9
CD4-Zellen µl A = Asymptomatisch B = Symptomatisch: HIV-assoziierte Erkrankungen C = Symptomatisch: Aids-definierende Erkrankungen = Stadium Aids
1: > 500 Stadium I Stadium I Stadium III
2: 200–499 Stadium II Stadium II Stadium III
3: < 200 Stadium III Stadium III Stadium III

Hautpflege (auch Kap. 2.3.2)HautpflegeAIDS AIDSHautpflege

Tab. 15.10
Symptom Mögliche Ursachen Maßnahmen
Trockene Haut, Juckreiz
  • HIV-bedingte Veränderung der Hautfette

  • Schlechter Ernährungszustand

  • Verminderter Immunstatus

  • Ölbäder, Hautöle, Fettsalben

  • UV-Bestrahlung nach Anordnung

Allergische Reaktionen, z. B. Ekzem
  • Medikamentennebenwirkung

  • Verminderter Immunstatus

  • Absetzen/Ändern der Medikation, Kortison (Arzt)

  • Ständige Beobachtung, da Gefahr von lebensbedrohlichen allergischen Reaktionen

Wundheilungsstörung Verminderter Immunstatus Steriler Verbandswechsel
Seborrhiasis Unbekannt Salben nach Anordnung (z. B. teerhaltig, Antimykotika)

Pflege von Menschen mit Infektionserkrankungen

Annerose Bürger-Mildenberger

  • 15.1

    Leitsymptome524

    • 15.1.1

      Fieber524

    • 15.1.2

      Lymphknotenschwellung524

    • 15.1.3

      Exanthem und Enanthem525

  • 15.2

    Medikamente525

  • 15.3

    Erkrankungen528

    • 15.3.1

      Tuberkulose (Tbc)528

    • 15.3.2

      Erysipel (Wundrose)531

    • 15.3.3

      Salmonellenerkrankungen532

    • 15.3.4

      Hepatitis535

    • 15.3.5

      HIV und Aids539

    • 15.3.6

      Candidosen545

    • 15.3.7

      Lyme-Borreliose547

    • 15.3.8

      Scharlach550

    • 15.3.9

      Multiresistente Staphylococcus-aureus-Stämme (MRSA)551

    • 15.3.10

      Erkrankung durch Pseudomonaden553

    • 15.3.11

      Sepsis554

Prädisponierende Faktoren für Infektionen im Krankenhaus

  • InfektionskrankheitDauerkatheterisierung (z. B. Harnwegsinfekte), Transfusionen

  • Beatmung, Immobilität (z. B. Pneumonie Kap. 9.5.3), OP (z. B. Wundinfektion)

  • Immunsuppression

  • Venenzugänge (z. B. Thrombophlebitis Kap. 8.6.3)

  • Invasive Eingriffe (z. B. Herzkatheter, Dialyse).

Leitsymptome

Fieber

Kap. 2.6.3
Diagnostik
Fieber Infektion
  • Anamnese (z. B. Auslandsreisen, Tierkontakte, Wunden, Infektionen in der Umgebung des Patienten, Risiken durch Beruf und Hobby, z. B. Pflegende, Koch, Heimwerker, Tierhalter)

  • Gründliche körperliche Untersuchung (z. B. Haut, Schleimhäute, Rachen, Tonsillen, Lymphknoten, Wunden, Vergrößerung Leber und Milz)

  • Blut:

    • BlutdiagnostikInfektionBSG, CRP, großes BB, E'phorese, E'lyte, Leberenzyme, Gerinnung

    • Serodiagnostik, z. B. auf Toxoplasmose, Lues, Brucellose

    • Serologische Tests auf Autoantikörper (z. B. bei V. a. Autoimmunerkrankungen)

    • Je 3 aerobe und anaerobe Blutkulturen im Abstand von 24 h, idealerweise während des Fieberanstiegs (Kap. 2.6.3)

  • Mind. 2 Urinkulturen (Harnwegsinfekt?)

  • UrindiagnostikInfektionEvtl. (besonders bei Durchfall) Stuhl auf StuhldiagnostikInfektionpathogene Keime (z. B. Salmonellen, Yersinien), bei laufender Antibiotikatherapie Stuhl untersuchen auf CDT (Clostridium difficile-Toxin, verursacht pseudomembranöse Kolitis)

  • Evtl. Sputum auf Tbc, SputumdiagnostikInfektionPilze und Bakterien; evtl. Magensaft auf Tbc

  • Evtl. Nasen- und Rachenabstrich, Gewebeprobe

  • Tubergen-Test, ggf. Mendel-Mantoux-Test (Ausschluss Tbc) untersuchen

  • Rö-Thorax, EKG, Sonografie des Abdomens.

Lymphknotenschwellung

LymphknotenschwellungLokalinfektionen führen meist zu einer Schwellung regionaler Lymphknoten, z. B.
  • Angina tonsillaris: Halslymphknoten

  • Röteln: Lymphknoten im Hinterkopf- und Nackenbereich

  • Scharlach, Diphtherie: Kieferwinkel- und Halslymphknoten.

Exanthem und Enanthem

Definition

Exanthem:Exanthem „Hautausschlag“ (Tab. 15.1). Enanthem:Enanthem Ausschlag im Schleimhautbereich.

Medikamente

Bei MedikamentengabeAntibiotikumAntibiotika, besonders bei i. v. Gabe, ist besondere Sorgfalt geboten:
  • Häufig allergische Reaktionen (→ sorgfältige Patientenbeobachtung)

  • Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten beachten.

Beobachten

  • AntibiosePuls, RR, Temperatur, Atmung

  • Befinden

  • Haut (Exanthem, Urtikaria)

  • Injektionsstelle (z. B. Venenkatheter): Rötung, Schwellung, Verhärtungen

  • Ausscheidung (Stuhl, Urin, Auswurf: Menge, Aussehen)

  • Hörvermögen (viele Antibiotika sind ototoxisch): Verständigungsprobleme?

Pflege
  • Genaues Einhalten der Dosierung und -intervalle

  • Blutkulturen vor Antibiotikagabe abnehmen (lassen)

  • I. d. R. Antibiotikaerstgabe durch Arzt (Allergiegefahr)

  • Infusionen erst kurz vor der Verabreichung zubereiten

  • Haltbarkeit bei aufgelösten i. v.-Antibiotika beachten

  • Wechselwirkungen mit Nahrungsmitteln und anderen Medikamenten beachten

  • Auf Nebenwirkungen achten (Tab. 15.2)

  • Vene und Zugang genau beobachten. Durch Antibiotika häufig Phlebitis (Kap. 8.6.3)

  • Antibiotika können bei direktem Kontakt sensibilisierend wirken, Handschuhe tragen (Resistenzbildung mit Hautbakterien).

Tipps, Tricks und Fallen

  • Bei Antibiotikatherapie den Patienten vor direkter Sonnenstrahlung schützen (Hautreaktionen)

  • Tetrazykline keinesfalls mit Milch einnehmen (erheblicher Wirkungsverlust).

Übersicht Virostatika. Medikamente zur antiretroviralen Therapie (Kap. 15.3.5)VirostatikumRibavirin

Tab. 15.3
Beispiele Besondere NW/Bemerkungen
Virostatika gegen HSV, VZV
Aciclovir (z. B. Zovirax®), Valaciclovir (z. B. Valtrex®) Venenreizung, nephro-, neurotoxisch, Exanthem → Ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Hautbeobachtung
Brivudin (z. B. Zostex®) Neurologische Störungen (z. B. Kopfschmerzen, Schlafstörungen)
Virostatika gegen CMV
Ganciclovir (z. B. Cymeven®) KM-Depression (Leuko-, Thrombopenie), neurologische Störungen (z. B. Kopfschmerzen, Schwindel), Leber, Nierenwerterhöhung → Kontrolle auf Infekte und psychische Auffälligkeiten
Virostatika gegen Influenza
Amantadin (z. B. Amantadin Stada®) Neurologische Störungen (Erregbarkeit, in Extremfällen Krampfanfälle), Hypotonie → Beobachtung von Kreislauf und Psyche
Oseltamivir (z. B. Tamiflu®) Verschlechterung bestehender Atemwegserkrankungen
Virostatika v. a. gegen Hepatitis-C-Viren
Ribavirin (z. B. Rebetol®) Anämie, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schwindel → Achten auf psychische Veränderungen, zuverlässige Empfängnisverhütung bis 6 Monate nach Behandlung

CMV = Zytomegalievirus, EBV = Epstein-Barr-Virus, HSV = Herpes-simplex-Virus (Typ-I+ II), VZV = Varicella-Zoster-Virus.

Alle: Magen-Darm-Beschwerden, Allergie.

Übersicht Anthelminthika („Wurmkiller“, Vermizide)Anthelminthikum

Tab. 15.4
Beispiele Wirksam gegen Besondere NW/Bemerkungen
Ivermectin
(z. B. Stromectol®)
Filarien Blutdruckabfall, Schwindel, Juckreiz, selten. EKG-Veränderungen. In Deutschland nicht zugelassen (internationale Apotheke)
Mebendazol∗∗
(z. B. Vermox®, Vermox forte®)
Spul-, Maden-, Band-, Hakenwurm, Trichinen V. a. bei höherer Dosierung Blutbildveränderungen, Fieber, Leberwerterhöhung, Haarausfall, bei Diabetikern Hypoglykämiegefahr ↑
Niclosamid (z. B. Yomesan®) Bandwürmer Keine systemischen NW, da keine Resorption. Kein Alkohol während der Behandlung
Praziquantel (z. B. Cesol®) Bandwürmer, Schistosomen, Leberegel Kopfschmerzen, Schwindel, Benommenheit, Fieber, Urtikaria

Alle: Allergie, Magen-Darm-Beschwerden. Letztere können bei im Darm lebenden Würmern aber auch durch Abgang der Würmer verursacht sein.

Erkrankungen

Tuberkulose (Tbc)

Erreger: Tuberkulose (Tbc)Mycobacterium tuberculosis. Lokalisation: Hauptsächlich Lungen einschließlich Hilus und Atemwege, selten Meningen, Knochen, Niere, Gelenke. Infektionsgang: Fast ausschließlich Tröpfcheninfektion (aerogen) von Mensch zu Mensch. Inkubationszeit: 2–8 Wochen. Meldepflicht bei Erkrankung und Tod.
Formen und Symptome
  • Primäre Tbc (90 % aller Tbc-Infekte verbleiben in diesem Stadium): 2–6 Wochen nach Ansteckung durch Tröpfcheninfektion bildet sich der Primärkomplex (Primärherd plus befallener Lymphknoten im Hilusbereich). Dieses Stadium ist meist asymptomatisch, evtl. grippale Symptome, bei schwerem Verlauf Fieber, Nachtschweiß, Husten, Auswurf, Pleuraerguss, Erythema nodosum. Verlauf ist abhängig von der Abwehrlage des Patienten

  • Postprimäre Tbc (kann dem Primärkomplex unmittelbar folgen oder später auftreten): meist Reaktivierung alter Herde durch Schwächung der Immunabwehr (z. B. hohes Alter, Alkoholismus, Zytostase, AIDS) → hämatogene, lymphogene oder bronchogene Streuung; Streuherde in allen Organen (Lunge, Skelett, Urogenitalsystem, Nebennierenrinde, Gehirn) möglich. Symptome: chronischer Husten, Nachtschweiß, Appetitlosigkeit mit Gewichtsverlust, Leistungsknick, Bluthusten, Thoraxschmerzen, Fieber, uncharkteristische Symptome, Müdigkeit

  • „Offene Tbc“: Nachweis säurefester Stäbchen im Direktpräparat des Sputums oder Magensafts.

Diagnostik
  • Anamnese (auch z. B. sozialer Hintergrund, Alkoholkonsum)

  • Blutentnahme: BSG, Differenzialblutbild, Elektrophorese, Leberwerte (Kap. 23)

  • Tuberkulinhauttest: Mendel-Mantoux Test, IGRA (Interferon-Gamma-Release-Assays-Test): Bluttest. Immunologische Reaktion des Körpers nach ca. 42 Tagen nach Infektion auf Tbc Bakterien. Ein positiver Test bedeutet eine Auseinandersetzung des Körpers mit den Bakterien, nicht Erkrankung. Falsche Ergebnisse sind möglich, z. B. falsch negativ bei Abwehrschwäche

  • Resistogramm, um wirksames Antibiotikum zu finden

  • Keimnachweis in Magensaft (mind. 1 ×) und Sputum (mind. 3 × an aufeinanderfolgenden Tagen); Gewinnung des Materials (Kap. 3.7)

  • Evtl. Bronchoskopie mit Lavage (Kap. 3.7.2)

  • Rö-Thorax, Tomografie, CT, Sonografie Abdomen

  • Lungenfunktionsprüfung.

Therapie
3er- oder 4er-Kombination aus folgenden Medikamenten:
  • Isoniazid (INH): 5 mg/kg p. o. oder i. v.

  • Rifampizin (RMP): 10 mg/kg p. o.

  • Pyrazinamid (PZA): 35 mg/kg p. o.

  • Ethambutol (EMP): initial 25 mg/kg, später 15 mg/kg p. o.

  • Streptomycin (SM): nur in Ausnahmefällen einschleichende Therapie, um NW (Tab. 15.5) besser zu erkennen.

Dauer der Kombinationstherapie: 6–9Monate, ggf. auch länger z. B. bei AIDS-Patienten (Kap. 15.3.5).
Komplikationen
  • Miliar-Tbc (hämatogene Streuung → hirsekorngroße Knötchen in allen Organen mit Miliar-Tbcschwerer, oft tödlicher Symptomatik. Meist bei abwehrgeschwächten Patienten)

  • Kaverne in der Lunge (Gefahr der Superinfektion, z. B. Aspergillom)

  • Kaverne, LungePneumonie (Kap. 9.5.3), Pleuritis exsudativa mit Erguss

  • Pleuritis exsudativaSpontanpneumothorax (Kap. 9.5.6)

  • Skrofulose (Haut-, Schleimhaut- Skrofuloseund Lymphknotenerkrankung im Gesicht-Hals-Nacken-Bereich).

Pflege

Beobachten

  • Vitalzeichen, Temperatur, Aussehen

  • Appetit; Gewicht 2 × wöchentlich kontrollieren

  • Husten, Auswurf (Menge, Farbe, Konsistenz)

  • Nebenwirkungen Medikamente.

Allgemeine Pflege
  • Im akuten Stadium Bettruhe, später Abwechslung zwischen Ruhe und Bewegung, Frischluft

  • Ernährung: ausgewogen, eiweiß- und vitaminreich, Wunschkost, kleine Portionen, ausreichend Flüssigkeit, Normalgewicht anstreben

  • Sputum: Zellstoff bereitlegen und nach Gebrauch im Zimmer entsorgen, für Sputumsammlung Einmalbecher verwenden

  • Training der Atemmuskulatur durch Atemübungen, Lockerungs- und Entspannungsübungen

  • Pneumonieprophylaxe (Kap. 2.4.3), Alkohol- und Nikotinkarenz

  • Pflege bei Fieber (Kap. 2.6.3)

  • Überwachung der medikamentösen Therapie auf regelmäßige Einnahme (sehr wichtig für den Therapieerfolg), auf NW achten

  • Information des Patienten über Hygiene- und Isolationsmaßnahmen.

Psychische Unterstützung
  • Psychische Betreuung, Aktivierung des Heilungswillens, z. B. durch Gespräche, Einschaltung des Sozialdienstes, Einbeziehung von Angehörigen, Aufzeigen von Zukunftsperspektiven

  • Beschäftigung des Kranken

  • Rehabilitation (Kap. 5) einleiten.

Hygiene
Geschlossene Tbc
  • Schutzkleidung sowie Mund-Nasenschutz bei Patient und Personal nicht erforderlich

  • Hygienische Händedesinfektion

  • Nach Liste der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) als wirksam befundene Desinfektionsverfahren benutzen (Wirksamkeit ist nur bei Instrumenten und Wäsche geprüft; anerkannt wird z. B. Gigasept®, Desderman®). Wirksam sind Desinfektionsmittel auf alkoholischer Basis und Aldehyde; Abtötung > 65 °C

  • Erregerhaltiges Material ist als Sondermüll (Gruppe C) zu entsorgen.

Offene Tbc
  • Isolation des Patienten (Kap. 1.8.4), Dauer ist abhängig vom Ansprechen auf die Chemotherapie und Rückgang der Erregerausscheidung im Sputum bzw. Bronchialsekret (i. d. R. 2–3 Wochen), Nachweis ist dreimal negativ

  • Personal trägt Schutzkittel, Handschuhe und Mundschutz, hygienische Händedesinfektion bei möglichem Kontakt mit kontaminiertem Material

  • Geschirrdesinfektion in der Einheit, Gebrauchsgegenstände im Zimmer belassen

  • Bei Transport in andere Abteilung bzw. wenn Manschen sich länger im Raum aufhalten Mundschutz

  • Besucher müssen sich vor Betreten des Zimmers bei Stationspersonal melden, Information über Hygienemaßnahmen

  • Kontaminierter Abfall ist Sondermüll (Gruppe C), allgemeine Hygienerichtlinien (Kap. 1.8)

  • Schlussdesinfektion bei Entlassung (Scheuerdesinfektion).

Gesundheitsförderung und Prävention
  • Rasche Diagnose einer Erkrankung, Isolierung infektiöser Patienten, effiziente Therapie

  • Screening von Kontaktpersonen des Erkrankten (= aktive Fallsuche), evtl. prophylaktische medikamentöse Therapie

  • Weitere Zielgruppen aktiver Fallsuche: Migranten aus Ländern mit hoher Tuberkulose-Prävalenz und Personen mit erhöhtem Risiko (z. B. bei Obdachlosigkeit, Drogenmissbrauch)

Tipps, Tricks und Fallen

  • Laut Robert Koch-Institut muss ein speziell für Tbc zugelassener Mundschutz verwendet werden. Normaler OP-Mundschutz lässt Bakterien an den Rändern durch. Mundschutz des Patienten stdl. wechseln (Feuchtigkeit der Atemluft macht die Filterschicht des Mundschutzes für Bakterien passierbar)

  • Staubansammlungen vermeiden, da an Staubpartikeln adsorbierte Tuberkel bis zu 1,5 Jahre infektiös bleiben können

  • Psychische Begleitung von Tuberkulosepatienten ist oft anspruchsvoll, wenn möglich Supervision für Pflegende

  • Tine-Test kann nach Impfung falsch positiv sein

  • Rauchen einstellen, Funktion der Flimmerhärchen ist vermindert, Therapieverlängerung

  • Alkohol macht Antituberkulostatika wirkungslos, verschlechtert Leberwerte und führt zu Therapieunterbrechung.

Erysipel (Wundrose)

Definition: Flächenhafte Infektion der Haut und Unterhaut
ErysipelErreger: β-Wundrosehämolysierende Streptokokken der Gruppe A. Lokalisation: Hauptsächlich betroffen: Unterschenkel (besonders bei chronisch-venöser Insuffizienz), Gesicht. Inkubationszeit: 1–3 Tage. Eintrittspforte: oft kleine Hautläsionen; Ausbreitung entlang der Lymphbahnen.
Symptome
  • Scharf begrenzte, flammende Rötung mit zungenförmigen Ausläufern. Bei Rezidiven oft keine scharfe Begrenzung (Lymphbahnen durch vorausgegangene Erysipelentzündungen verödet)

  • Hohes Fieber mit Schüttelfrost (Kap. 15.1.1), evtl. schweres Krankheitsgefühl

  • Schmerzen

  • Lymphknoten-Schwellung.

Diagnostik
  • Blutentnahme: Leukozyten, BSG, Antistreptolysin-Titeranstieg meist nach 1–2 Wochen

  • Abstrich (Kap. 3.7.1)

  • Urin: Eiweißausscheidung (durch Immunreaktion auf Streptokokken ausgelöste Glomerulonephritis?)

  • Klinisches Bild.

Therapie
Penicillin, oral oder i. v., bei Penicillinallergie: Erythromycin.
Komplikationen
  • Hohe Rezidivrate

  • Gangränöser Verlauf

  • Sekundäres Lymphödem bis zur Elephantiasis, besonders nach Rezidiven

  • Thrombophlebitis (Kap. 8.6.3)

  • Gesichtserysipel: eitrige Meningitis

  • Sepsis (Kap. 15.3.11)

  • Endokarditis.

Pflege

Beobachten

Vitalzeichen, Temperatur, Haut, Wunde, Schmerzen.

Allgemeine Pflege
  • Bettruhe; Hochlagerung der betroffenen Extremität (z. B. auf Schiene, Sandsack), lokal feuchte Umschläge mit kühlenden und desinfizierenden Substanzen nach Arztanordnung

  • Körperpflege: Teilwaschung (Kap. 2.3), Pflege bei Fieber (Kap. 2.6.3)

  • Mehrmals täglich kalte Umschläge mit antiseptischen Zusätzen (z. B. Rivanol®)

  • Gesichtserysipel: Sprechverbot, flüssige Ernährung

  • GesichtserysipelProphylaxen: Thrombose (Kap. 2.2.10), Pneumonie (Kap. 2.4.3), Soor und Parotitis (nur bei Gesichtserysipel), Obstipation (Kap. 2.8.4).

Tipps, Tricks und Fallen

  • Umschläge immer feucht halten

  • Ohne hohes Fieber liegt wahrscheinlich kein Erysipel vor, sondern z. B. eine Stauungsdermatitis oder Kontaktekzem, z. B. durch „Venensalben“

  • Prophylaxe durch Behandlung möglicher Eintrittspforten, z. B. bei Mykosen (Kap. 21.6).

Salmonellenerkrankungen

Unterscheidung einer Salmonellen-Gastroenteritis von einem Thyphus bzw. Paratyphus (Tab. 15.6).
Paratyphus
Erreger: Salmonella Paratyphusparatyphi A, B, C. Erkrankung klinisch nicht vom Typhus unterscheidbar, Verlauf jedoch leichter und kürzer. Diagnose, Therapie und Meldepflicht wie bei Typhus (Tab. 15.6).
Pflege

Beobachten

  • Vitalzeichen: Kreislauf, Atmung, Bewusstsein, Temperatur, Flüssigkeitsbilanz

  • Haut, Allgemeinzustand

  • Ausscheidungen (Häufigkeit, Menge, Aussehen)

  • Schmerzen: Häufigkeit, Art, Zeitpunkt.

Allgemeine Pflege
  • Ausscheidungen

    • Hilfestellungen (z. B. zur Toilette begleiten, Steckbecken reichen)

    • Weiches Toilettenpapier, Pflege des Anus z. B. mit Fettsalbe

    • Toilette und Hände desinfizieren

    • Bei Umgang mit Ausscheidungen Handschuhe tragen

    • Kleinkinder häufig wickeln

  • Körperpflege: Teilwaschung, im Akutstadium evtl. Ganzwaschung

  • Flüssigkeitsbilanz (Kap. 2.7.3): auf ausreichende Zufuhr ungesüßter Getränke achten

  • Ernährung: Infusionen, Elektrolytsubstitution

    • Leichter Verlauf: flüssig-breiige Kost, kalorienreich, leicht verdaulich, darmschonend, langsamer Kostaufbau, häufige Mahlzeiten, auf stuhlanregende Getränke (z. B. Apfelsaft) verzichten

    • Bei schwerem Verlauf: zunächst Nahrungskarenz. Viel Flüssigkeit, bei Kindern z. B. Möhrensuppe. Als erste feste Nahrung frisch geriebene Äpfel (Pektine quellen stark auf, adsorbieren toxische Zersetzungsprodukte und Mikroorganismen) oder zerdrückte, mit Schneebesen geschlagene Bananen. Langsamer Kostaufbau

  • Bei Bettruhe: Pneumonie- und Thromboseprophylaxe (Kap. 2.4.3, Kap. 2.2.10)

  • Pflege bei Erbrechen (Kap. 2.7.7); Pflege bei Fieber (Kap. 2.6.3)

  • Schmerzen: lokale Wärmezufuhr (z. B. Wickel Kap. 3.9.1).

Hygiene
  • Patienten über Hygienemaßnahmen informieren

  • Isolierung mit eigener Toilette, hygienische Vorschriften (Kap. 1.8) einhalten.

Gesundheitsförderung und Prävention
  • Händewaschen nach Kontakt mit evtl. kontaminierten Lebensmitteln, Toilettengang

  • Kontinuierliches Kühlen gefährdeter Lebensmittel, Küchenhygiene, sorgfältiges Erhitzen häufig kontaminierter Lebensmittel, z. B. Geflügel; Verzicht auf Rohei/-produkte

  • Im Urlaub gilt „cook it, peel it or forget it“, in gefährdeten Gebieten (z. B. in Zonen mit tropischem Klima), Meeresfrüchte und Eis meiden, Getränke nur aus original verschlossenen Behältnissen trinken.

Tipps, Tricks und Fallen

  • SalmonellenausscheiderSalmonellenausscheider dürfen nicht in bestimmten Berufen (z. B. Krankenhaus, Lebensmittelbetrieb) tätig sein

  • Bei Patienten mit Typhus im Anfangsstadium mit nächtlicher Verwirrtheit rechnen, deshalb auch in der Nacht intensiv betreuen (Kap. 1.9.5).

Hepatitis

Übersicht Hepatitis A, B und CHepatitisFormen

Tab. 15.7
Hepatitis A Hepatitis B Hepatitis C
Erreger Hepatitis-A-Virus Hepatitis-B-Virus Hepatitis-C-Virus
Wichtigste Übertragungswege Fäkal-oral, selten sexuell (Geschlechtsverkehr) Parenteral (durch Blut/-produkte, Körpersekrete), sexuell, perinatal Parenteral, z. B. i. v., nasaler Drogenkonsum. Sexuelle (v. a. bei HIV Ko-Infektion) und perinatale Infektion seltener als bei Hepatitis B
Inkubationszeit 2–7 Wochen 1–6 Monate 2 Wochen–6 Monate
Infektiosität 2 Wochen vor bis 2 Wochen nach Erkrankungsbeginn Solange HBV-DNA, HBsAg oder HBeAg positiv Dauer unklar (solange Virusnachweis pos.)
Serol. Diagnostik Anti-HAV-IgM HBsAg, HBeAg, Anti-HBc-IgM, evtl. HBV-DNA Anti-HCV, HCV-RNA
Verlauf Fulminante Verläufe ≤ 0,1 %, keine chronischen Verläufe Fulminante Verläufe ≤ 1 % 5–10 % chronische Verläufe. Dann Leberzirrhose-Risiko bis 10 % Ca. 75 % asymptomatisch, fulminante Verläufe sehr selten, 50–85 % chronische Verläufe 30–50 % chronisch. Dann Leberzirrhose-Risiko ca. 20 %
Impfung Passiv/aktiv Passiv/aktiv Nein
Meldepflicht Verdacht, Erkrankung, Tod. Meldepflichtige Krankheitserreger
Weitere Hepatitisformen
  • Hepatitis D: RNA-HepatitisFormenVirus (Hepatitis Delta), das zur Vermehrung die Anwesenheit des Hepatitis B-Virus benötigt. Übertragung vorwiegend parenteral, sexuell und perinatal auch möglich. Akuter oder chron. Verlauf

  • Hepatitis E: RNA-Virus. Fäkal-orale Übertragung. In Europa selten, kommt v. a. in Asien, Südamerika und Afrika vor. Fulminanter Verlauf bei Schwangeren möglich

  • Hepatitis F: fäkal-orale Übertragung, vieles unklar, Auftreten in Indien

  • Hepatitis G: noch nicht abschließend beurteilt, wahrscheinlich vgl. Hepatitis B, milder Verlauf

  • Andere Formen der infektiösen Hepatitis werden durch Viren, Bakterien oder Protozoen ausgelöst.

Eine nicht-infektiöse Hepatitisnicht-infektiöse Hepatitis (meist chronisch) kommt vor bei: Alkohol- und/oder Medikamentenmissbrauch, als Autoimmunhepatitis, bei Hämochromatose, bei M. Wilson. Meist gehen diese Formen in eine Leberzirrhose über.

Symptome
Krankheitsbild HepatitisStadienvon symptomlos, grippeähnlich bis schwer mit Leberversagen und Tod. Im Spätstadium ist die Unterscheidung der einzelnen Formen schwierig.
  • Prodromalstadium (Präikterisches Stadium, 1–2 Wochen): uncharakteristisches Vorstadium mit Appetitlosigkeit, Übelkeit, Unverträglichkeit von Fett, Alkohol, Nikotin, Abnahme der Leistungsfähigkeit, Müdigkeit, evtl. Schwindel, Meteorismus, evtl. Durchfälle, Muskel-, Gelenkschmerzen, Juckreiz, Fieber, druckempfindliche Leber, Urin wird allmählich dunkel und der Stuhl heller (acholisch), subfebrile Temperaturen, Arthralgien

  • Krankheitsphase (Ikterisches Stadium, 2–6 Wochen): Bilirubinanstieg mit Ikterus (zuerst in Skleren sichtbar), Temperatur normalisiert sich, subjektive Beschwerden nehmen ab, Leber-, Milz- und Halslymphknotenschwellung, Urin wird dunkler und Stuhl heller, evtl. Juckreiz

  • Rekonvaleszenzstadium (Postikterisches Stadium, 1–2 Monate): Ikterus klingt ab, Urin-/Stuhlfarbe normalisieren sich, Müdigkeit, dyspeptische Beschwerden halten evtl. länger an.

Diagnostik
  • Anamnese: Auslandsreisen? Transfusionen? Kontakt mit kontaminiertem Material? Sexualkontakte? Drogenkonsum?

  • Körperliche Untersuchung: Ikterus? Leber druckschmerzhaft?

  • Blutentnahme für Hepatitisserologie, Bilirubin, Leberwerte, BB, Elektrophorese, Eisen, Gerinnung.

Therapie
Keine spezifische medikamentöse Therapie bei akuter Hepatitis A und B. Interferon-α-Gabe bei chronischer Hepatitis B und C möglich, doch mit hoher Rezidivrate verbunden. Bestes Ansprechen, wenn Alter < 40 J. und noch keine Zirrhose besteht.
Hepatitis C: Interferon-α, Kombinationstherapie Interferon und Ribavirin (Nucleosid-Analog, wirkt antiviral), nicht immer wirksam. Alternativ interferonfreie Therapie durch Proteaseinhibitoren, sehr gute Wirksamkeit.
Komplikationen
  • Chronisch persistierender Verlauf (CPH: chronisch persistente Hepatitis)

  • Chronisch aggressive Hepatitis mit Gefahr der Entwicklung einer Leberzirrhose (Kap. 10.6.1) oder eines Leberzellkarzinoms; meist liegt dieser Verlaufsform eine Hepatitis B, C oder D zugrunde.

Prophylaxe
  • Hepatitis A:

    • Aktivimpfung mit z. B. Havrix®

    • Passive Immunisierung durch Gabe von Immunglobulin (z. B. Beriglobulin®), z. B. wenn Reisebeginn < 1 Woche

  • Hepatitis B:

    • Passiv (v. a. bei erfolgter Infektion, z. B. Nadelstich): Hep. B-Hyperimmunglobulin → Verhinderung einer Infektion nur bei sofortiger Gabe (bis 6 h nach Kontakt)

    • Aktiv: Impfstoff (z. B. Harvix®) i. m., Wiederholungsimpfungen nach 1 und 6 bzw. 1, 2, 12 Monaten. Impfung nur, wenn HBsAg, Anti-Hbs negativ. Sicherer Impfschutz bei Titer > 50 IE/l, von Impfkommission als Routineimpfung bei Kindern empfohlen

    • Aktiv-passiv: bei Kontakt mit HBsAg-haltigem Material, Kontaktpersonen von HBsAg-Trägern, Neugeborene von HBsAg-pos. Müttern

  • Kombinationsimpfung: Hepatitis A und B, z. B. Twindrix®.

Pflege

Beobachten

  • Ausscheidungen (Aussehen, Häufigkeit, Menge, Konsistenz)

  • Haut (Farbe, Spannungszustand, Juckreiz), Skleren (Ikterus)

  • Vitalzeichen, Temperatur, Flüssigkeitsbilanz, Schmerzen

  • Nebenwirkungen der Interferontherapie (z. B. grippeähnliche, neurologische Symptome, Gewichtsabnahme).

Allgemeine Pflege
  • Körperliche Schonung je nach Befinden (z. B. zum Waschen aufstehen)

  • Körperpflege: in Akutphase Teilwaschung (Kap. 2.3.3)

  • Ernährung: bei Inappetenz Infusionen; sobald möglich kalorisch angereicherte Aufbaukost (im Allgemeinen keine spezielle Diät erforderlich), Nahrungsmittel, die zu Beschwerden führen, meiden (z. B. Kohl, Frittiertes), striktes Alkoholverbot: Vorsicht bei Medikamenten (Tropfen)!

  • Patient über Hygiene-Maßnahmen informieren

  • Ausscheidungen: Hilfestellungen (Kap. 2.8), Hygiene beachten

  • Prophylaxen: Soor und Parotitis (Kap. 2.3.7), Pneumonie (Kap. 2.4.3), Dekubitus (Kap. 2.2.11), Obstipation (Kap. 2.8.4)

  • Fieber: evtl. fiebersenkende Maßnahmen (Kap. 2.6.3)

  • Psyche: Gespräche, Aufklärung, Zuwendung

  • Gesundheitsberatung: Stress meiden/mindern, Ruhephasen einplanen

  • Auf Wunsch Information über Selbsthilfegruppen.

Hilfestellung bei Symptomen
  • Ikterus: morgens 1 Teelöffel Karlsbader Salz auf nüchternen Magen (Förderung von Stuhlgang und Gallenabfluss), warme Vollbäder (Anregung der Hautdurchblutung), feucht-warme Wickel zur Förderung der Leberdurchblutung (Kap. 3.9.1)

  • Juckreiz: mehrmals täglich Puder verwenden (z. B. Ingelan®), Duschen wie auch Ganzwäsche können Erleichterung verschaffen, evtl. Ringelblumensalbe. Warme Vollbäder und Wickel sind bei Juckreiz kontraindiziert

  • Oberbauchschmerzen: warme Wickel, Kataplasmen (z. B. Enelbin®-Umschläge) auf dem Oberbauch

  • Muskel- und Gelenkschmerzen: evtl. leichte Massagen.

Hygienemaßnahmen
Hepatitis A
  • Hygienemaßnahmen sind auch bei HBs-Ag und HCV-RNA-Trägern erforderlich

  • Patient anleiten, sich nach jedem Toilettengang die Hände zu waschen

  • Desinfektion aller Flächen, die mit dem Patienten in Kontakt gekommen sind

  • Isolierung bis 1 Woche nach Auftreten des Ikterus wünschenswert

  • Badewannen, Duschen nach Gebrauch korrekt desinfizieren, Benutzung durch andere Patienten ausschließen (z. B. abschließen, Patient mit Hepatitis zuletzt versorgen)

  • Separate Toilette/Waschbecken zur Verfügung stellen, wenn nicht möglich Steckbecken/Nachtstuhl benutzen und entsprechend entsorgen.

Hepatitis B und C
  • Isolation ist bei Hepatitis B und C nicht erforderlich, solange Einhaltung der hygienischen Maßnahmen gewährleistet ist und keine besonderen Umstände vorliegen (z. B. Verwirrtheit)

  • Einhalten der allgemeinen Hygienerichtlinien (Kap. 1.8)

  • Eigener Abfallbehälter mit Deckel, kennzeichnen mit „Infektionsmaterial“

  • Hygieneartikel des Patienten beschriften und gesondert aufbewahren, z. B. im Nachttisch, versehentliche Benutzung durch/für Mitpatienten ausschließen

  • Mit Blut (auch wenn eingetrocknet!) kontaminierte Bettwäsche und Verbandmaterial gesondert entsorgen und kennzeichnen. Patient über Infektionsverhütung informieren (Wunden sofort abdecken, Kondome verwenden)

  • Handschuhe und Schutzkittel bei Kontakt mit virushaltigem Material tragen sowie Mundschutz und Schutzbrille bei möglicher Aerosolbildung

  • Laborröhrchen besonders kennzeichnen.

Gesundheitsförderung und Prävention
  • Immunprophylaxe (Impfung) in Anspruch nehmen

  • Unfallverhütung, d. h. spitze und scharfe Einmalartikel sofort in bruchsicheren Abwurf entsorgen, verletzungsminimierendes Material benutzen, kein Recapping (Kanüle nicht in Hülle zurückstecken)

  • Handschuhe tragen beim Kontakt mit Ausscheidungen und Blut.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Möglichkeit der Impfung (A und B) für Pflegende in Anspruch nehmen, Titer regelmäßig überprüfen. Bei Verletzung mit kontaminierter Kanüle etc. Möglichkeit der passiven Immunisierung, wenn sie unmittelbar erfolgt

  • Hepatitis C: Antikörper sind erst Wochen bis Monate nach Infektion nachweisbar

  • Hepatitis B: 100-mal ansteckender als eine Infektion mit dem HI-Virus (40 Milliardstel Liter sind ausreichend), auch eingetrocknetes Blut ist ansteckend

  • Reinigungspersonal über Krankheitsfall informieren.

HIV und Aids

Übersicht

  • Erreger: Human Immundeficiency-HIVVirus (HIV-1 A-H und O, HIV-2)

  • Aids (Acquired Immune Deficiency AIDSSyndrome)

  • Gruppen mit erhöhtem Risiko: männliche Homo- oder Bisexuelle mit wechselnden Partnern ohne Kondombenutzung, i. v.-Drogenabhängige mit needle sharing und deren Geschlechtspartner, Transfusionsempfänger (geringes Restrisiko 1:1 000 000), Kinder seropositiver nicht behandelter Mütter, Prostituierte mit sexuellen Kontakten ohne Kondom, Einwanderer aus Ländern mit hohem HIV-Vorkommen

  • Übertragungswege: perkutane Verletzungen, Schleimhäute, Blut, Sperma, Scheidensekret, Muttermilch, Plazenta. Durch andere Infektionswege (Urin, Stuhl, Speichel, Tränen, Schweiß) keine Ansteckungsgefahr. Hohe Infektionsfähigkeit: kurz nach Infektion, nach Ausbruch von AIDS

  • Begünstigende Faktoren für eine Infektion: Ko-Infektionen mit z. B. Herpes genitalis, Hepatitis B/C, Syphilis, Gonorrhö, Chlamydien, sexuelle Kontakte während der Menstruation, Genitalverletzungen

  • HIV 1 gilt als infektiöser als HIV 2 (hauptsächlich auf Westafrika beschränkt).

Symptome
Akute HIVHIVSymptome Infektion: v. a. Temperaturerhöhung bis Fieber, Lymphknotenschwellung, Hautreaktionen. Symptome verschwinden nach einigen Tagen wieder, Danach über lange Zeit symptomlos (1,5–12 Jahre und mehr). Spätere Symptome treten bei zunehmender Schädigung des Immunsystems auf. Die Stadien der Infektion werden nach der Klassifikation des Center for Desease Control and Prevention (CDC) unterteilt 1993/2008 (Tab. 15.8, Tab. 15.9).
Das Stadium nach CDC wird als Kombination der Klinik und der Laborkategorie angegeben (z. B. C3 CDS = AIDS). I–III entspricht der Klassifikation von 2008. Bei Verschlechterung wird das Stadium angepasst. Der Patient behält jedoch das Stadium auch bei Besserung.
Diagnostik
  • Anamnese und Klinik

  • Blutentnahme für ELISA-Suchtest; HIV-IgG-Antikörper und p24 Ag. Wenn reaktiv (positiv) anschließend Bestätigungstest mittels Western-Blot. Wenn Suchtest nicht reaktiv (negativ) und Verdacht weiter besteht: Wiederholung nach 3 Mon. Positives Ergebnis ist sicher nach reaktivem Bestätigungstest. Ein negatives Ergebnis gilt als sicher mit nicht reaktivem Test nach 3 Mon.

  • Bestimmung des Immunstatus: Gesamtzahl Lymphozyten, Lymphozytensubpopulationen (CD4) (Tab. 15.9), Supressorzellen (CD8)

  • Messung der Viruslast und -aktivität

  • Evtl. Resistenztest nach Therapiepause oder hoher VL bei Therapie

  • BSG, BB, Thrombos, AP, GOT, GPT, γ-GT, LDH, E'phorese, Immunglobuline, evtl. Hepatitis-, Lues-, CMV-, HSV-, EBV-, Toxoplasmoseserologie

  • Urinuntersuchung: Urinstatus, -kultur, Mykobakterien

  • Bei V. a. Pneumocystis carinii-Pneumonie: Röntgen-Thorax, Erregernachweis im Sputum, evtl. bronchoalveoläre Lavage oder transbronchiale Biopsie, Lungenfunktion, Messung O2-Druck im Blut

  • Bei V. a. auf Kaposi-Sarkom oder Lymphom: Biopsie

  • Bei V. a. auf Pilzinfektion: Pilzkultur

  • Bei zerebraler Symptomatik: CT, evtl. MRT.

Therapie
Ziel: Deutliche Verbesserung des Verlaufs (Rückbildung HIV-bedingter Symptome, klinisch relevante Immunrekonstruktion, Anhebung der CD4 Zellen), Suppression der Viruslast. Eine HIV-Infektion gilt als behandelbar aber nicht heilbar.
  • Für Therapiebeginn unterschiedliche Ansätze, auf jeden Fall Stadium B und C (Tab. 15.9), empfohlen bei asymptomatischen Patienten mit CD4 < 350 mit Tendenz zu früherem Beginn

  • Orale Kombinationstherapie, i. d. R. 3 zugelassene antiretrovirale Medikamente (nicht alle Mittel können miteinander kombiniert werden), Therapieanpassungen z. B. bei Nebenwirkungen, Allergien, Resistenzen

  • Eine HAART (Highly Active Anti-Retroviral Therapy) besteht in der Regel aus 3 Wirkstoffen aus 2 Wirktoffgruppen, Einnahme 1–2 × pro Tag. Einnahmebesonderheiten siehe Ernährung.

Antiretrovirale Therapie: Medikamentengruppen
  • NRTI (Nuclear Reverse Transcriptase Inhibitors): z. B. Zidodudin (AZT) Retrovir®, Abacavir (ABC) Ziagen®, Tenofovir DF (TDF) Viread®

  • NNRTI (Non Nuclear Reverse Transcriptase Inhibitors): z. B., Nevirapin (NVP) (Viramune®), Efavirenz (EFV) Sustive®, Etravirin (ETR) intelence®

  • PI (Protease Inhibitors), Indinavir: z. B. Ataazanavir (ATV) Reyataz®; Lopinavir/r (LPV/r) Kaletra®

  • INI (intregrase Inhibitors): z. B. Raltegravir (RAL) Isentress®, Dolutegravier (DTG) Tivicay®

  • Fusionshemmer (Entry-Inhibitoren): z. B. Enfurvitide (ENF/T-20), Fuzeon® s. c.

  • CCR5-Inhibitoren: Maraviroc (MVC) Celsentri® (nur bei CCR5 Tropismus)

  • STR (Single Tablet Regimes – 1 Tablette mit 3–4 Wirkstoffen): z. B. Eviplera® (TDF/FTC/EFV), Stribild® (TDF/FTC/EVG/COBI), Trizivir® (AZT/ABC/3TC)

Behandlung spezieller Symptome (Beispiele)
  • Pneumocystitis-carinii-Pneumonie: Trimethophorim/Sulfamethoxalol (z. B. Baktrim®), Pentamidindiisethionat (z. B. Pentacarinat®), Neutrexin, Atovaquon (z. B. Wellvone®) je nach Schweregrad; Prophylaxe bei Vorliegen von < 200–250 Helferzellen/µl: z. B. Baktrim®, Eusaprim® oral

  • Kaposi-Sarkom: z. B. Operation, Kaposi-SarkomInjektion von Chemotherapeutika (z. B. Vinblastin®), Bestrahlung, Chemotherapie

  • Candidainfektionen (Kap. 15.3.6).

Meldepflicht
Anonyme Berichtspflicht des Labors bei positivem HIV-Bestätigungstest, freiwillige Fallmeldung durch Ärzte (AIDS-Fallregister).
Pflege
Abhängig von Symptomen.

Beobachten

  • Vitalzeichen, Atemfrequenz, ggf. Bilanzierung

  • Infektionszeichen (Fieber, Auswurf)

  • Haut, Schleimhäute (Aussehen, Veränderungen, Hämatome)

  • Ausscheidungen (Menge, Konsistenz, Häufigkeit, Veränderungen)

  • ZNS (Sehstörung, Kopfschmerzen, Sprach-, Gleichgewichts-, Konzentrations- und Gedächtnisstörung), Sensibilitätsstörungen

  • Psyche: Depression, Angst, Trauer, Schuldgefühle, Suizidgedanken etc.

  • Medikamenteneinnahme, NW der Medikamente.

Psychische Unterstützung
  • Kommunikation UnterstützungAIDSermöglichen mit Pflegenden, Ärzten, Sozialdienst, Psychologen, Besuchern. Bei Besuch nicht stören. Patient vor Überforderung schützen. Beobachtung des Befindens nach Besuchen, Anrufen etc.

  • Bereit sein, auch Probleme zu besprechen, z. B. gesellschaftliche Probleme (Angst vor Aids-Kranken, Partnerschaftsproblemen), Zukunftsprobleme, ggf. Suchtprobleme, Angst vor dem Tod (Kap. 6.2)

  • Möglicherweise diskriminierendes Verhalten reflektieren, z. B. RR-Messung mit Mundschutz und Handschuhen, separate Toilette, gesonderte Terminplanung, extra Kurvenkennzeichnung, wenn kein Zusatzgrund vorliegt

  • Kontakt zu Beratungsstellen anbieten

  • Auf Wunsch Information über Selbsthilfegruppen.

Hygienische Maßnahmen
  • Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen entsprechen den durch Blut und andere Körperflüssigkeiten übertragenen Krankheiten

  • Verhalten bei versehentlichen Nadelstichverletzungen (Kap. 1.5.2).

Desinfektionsmaßnahmen
  • Normale Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen

  • Die gängigen Haut-, Hände- und Flächendesinfektionsmittel wirken auch gegen HIV, Temperaturen über 60 Grad töten das Virus ab

  • HI-Viren sind außerhalb des Körpers wenig widerstandsfähig. Sobald getrocknet, keine Ansteckung mehr möglich.

Allgemeines
  • Unterbringung: Patient kann mit anderen Infektionskranken in einem Zimmer liegen. Einzelzimmer ist nur bei Immunschwäche zum Schutz vor Infektionen durch andere Patienten erforderlich. Isolation nur z. B. bei unkontrollierter Blutung, Salmonellen, offener Tbc (Kap. 15.3.1)

  • Immungeschwächte Patienten vor zusätzlichen Infektionen durch Personal, Mitpatienten, Besucher schützen

    • Konsequente Anwendung der allgemeinen Hygienerichtlinien (Kap. 1.8)

    • Besondere Sorgfalt, z. B. bei Behandlungspflege, Körperpflege

    • Bei Erkältung Mundschutz tragen

  • Auf regelmäßige Medikamenteneinnahme achten, ggf. Hilfe (z. B. Zermörsern), Einnahmerichtlinien beachten.

Allgemeine Pflege
  • Schlaf: auf ausreichenden Schlaf achten, nicht unnötig wecken. Rufanlage in die Hand geben; ggf. Nachtstuhl ans Bett. Zu Hilfestellungen beraten

  • Körperpflege: sorgfältige Intimpflege, gut abtrocknen, Bäder mit rückfettender Substanz, Hautpflege (Tab. 15.10)

  • Häufige Mundpflege (Kap. 2.3.6), mind. nach jeder Mahlzeit

  • Verletzungen vermeiden (z. B. weiche Zahnbürste, Trockenrasur)

  • Pflege bei Fieber (Kap. 2.6.3), bei Diarrhö medikamentöse Therapie

  • Evtl. Leinenläppchen mit Wundsalbe (z. B. Bepanthen®) in Analfalte legen.

  • Pflege bei Durchfall (Kap. 2.8.2, Kap. 15.3.3)

  • Bei Bedarf Mobilisation, Physiotherapie

  • Pflege bei Schmerzen (Kap. 2.11), verursacht z. B. durch Polyneuropathie (Kap. 19.6.1), Reizung der Hirnhäute.

Ernährung
  • ErnährungAIDSAppetitlosigkeit: Wunschkost! Kalorien-, eiweiß- und vitaminreich, nicht zu scharf, Zwischenmahlzeiten

  • Evtl. Nahrungsmittel durch Angehörige mitbringen lassen

  • Durchfall (Kap. 2.8.1), Übelkeit (Kap. 2.7.7)

  • Bei starker Ösophagitis evtl. passierte Kost; evtl. Sondenkost, gekühlte Kost

  • Möglichst wenig Zucker (fördert Pilzbefall Kap. 15.3.6)

  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr

  • Auf rohe und halbrohe tierische Lebensmittel verzichten, z. B. Eier, Muscheln, Fleisch, Gefahr von Infektionen (z. B. Toxoplasmose)

  • Einnahmehinweise für Medikamente beachten, wie z. B.: Retrovir® zu oder nach den Mahlzeiten, Eviplera R mit Nahrung (ca. 400 kcal) einnehmen, nicht zusammen mit PPI (Protonenpumpen-Inhibitor), z. B. Omeprazol®, Efavirenz (Sustiva®, Atripla®) nur nüchtern einnehmen, vor dem Schlafen, ggf. individuellen Zeitplan erstellen.

Pflege bei speziellen Krankheiten
Kaposi-Sarkom
  • Hautpflege: Kaposi-SarkomDekubitusprophylaxe (Kap. 2.2.11)

  • Wegen Blutungsgefahr Verletzungen vermeiden, z. B. durch Anstoßen → evtl. Polsterverbände

  • Lymphknotenbefall: entlastende Lagerung der Beine/Arme, Kompressionsverband, Lymphdrainage.

Erkrankungen der Lunge
  • Gute Belüftung des Zimmers, Pneumonieprophylaxe (Kap. 2.4.3)

  • Nach ärztlicher Anordnung O2-Gabe, Atemtherapie, Inhalation, Absaugen, in schweren Fällen Intensivtherapie und -pflege

  • Atemnot (Kap. 2.4.1).

Erkrankungen des ZNS
  • Obhutspflicht (z. B. darauf achten, dass verwirrter Patient nicht unbeaufsichtigt die Station verlässt)

  • Orientierungshilfen (z. B. Zimmertür markieren)

  • Für evtl. Krampfanfälle Antiepileptikum bereithalten (z. B. Diazepam® als Rektiole)

  • Bei Bedarf Bettgitter. Rechtliche Vorgaben bei Fixierung beachten (Kap. 1.9.5).

Candidainfektion Kap. 15.3.6
Gesundheitsförderung und Prävention
  • Schutz durch Therapie: gut eingestellte HIV-Therapie kann die Viruslast unter die Nachweisgrenze senken und so bei sicherer Medikamenteneinnahme und regelmäßiger Verlaufskontrolle eine Übertragung mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verhindern

  • Nach Verletzung mit nachweislich oder hoher Wahrscheinlichkeit infektiösem Material Maßnahmen gemäß Verhaltensrichtlinien nach Nadelstichverletzungen ergreifen (Verweis?) und Indikation zur Einnahme einer Postexpositionsprophylaxe prüfen

  • „Safer Sex“, bei Geschlechtsverkehr mit wechselndem Partnern Kondome benutzen

  • Drogenabhängige dürfen Injektionsbestecke nicht mit anderen teilen

  • Sorgfältige Indikationsprüfung von Bluttransfusionen, wenn möglich Eigenblut.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Bezugspersonen bedürfen meist ebenso der Unterstützung wie Patient selbst, z. B. Gespräche mit Arzt ermöglichen, aufklären

  • Eine intensive psychische Unterstützung ist sehr wichtig bei Erstdiagnose und bei progredientem Verlauf

  • Pflege individuell gestalten, insbes. im häuslichen Umfeld

  • Unter keinen Umständen Schweigepflicht verletzen (z. B. gegenüber Mitpatienten, Reinigungspersonal)

  • Auch am Vollbild Aids erkrankte Patienten werden häufig wieder aus dem Krankenhaus zur rehabilitativen Pflege entlassen, Sozialdienst einschalten

  • Auf regelmäßige Medikamenteneinnahme achten: verhindert Resistenzen, Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und Naturheilmitteln beachten.

Candidosen

Erreger: Candida Candidosealbicans, selten z. B. Candida glabrata, Candida krusei. Infektionsgang: Meist endogene Infektion, aber auch von Mensch zu Mensch z. B. durch Sexualkontakt, Gebrauchsgegenstände, Vernebler, Wäsche, Schwimmbad, Sauna.

Begünstigende Faktoren für Candidosen

  • Feuchte Wärme und/oder Luftabschluss von Hautbezirken

  • Störungen der Vaginalflora durch erhöhte Gestagenwirkung (Schwangerschaft, Ovulationshemmer usw.)

  • Druckstellen an der Mundschleimhaut, z. B. durch Zahnprothesen

  • Venen- oder Blasenkatheter, chirurgische Eingriffe

  • Verbrennungen

  • Maligne Prozesse, z. B. Leukose

  • Endokrine Erkrankungen, z. B. Diabetes mellitus

  • Medikamente, z. B. Antibiotika, Immunsuppressiva, Zytostatika

  • Allergien

  • Immunstörungen, chronische Virusinfekte, z. B. Herpes

  • Häufiger Genuss von Süßigkeiten.

Erkrankungen
  • Orale Candidiasis: Mundsoor (Kap. 2.3.7)Soor

  • Intestinale Candidiasis: häufig Befall der Speiseröhre, seltener Magen und Darm

  • Candidiasis des Respirationstrakts: Soorbronchitis oder Bronchopneumonie, fast immer sekundär, Mundsoor häufigster Ausgangspunkt

  • Candidiasis des Urogenitaltrakts: Harnblase und Vagina häufigste Lokalisation

  • Candida-Endokarditis, Meningitis, Arthritis, Peritonitis, Sepsis

  • Haut und Nägel (Kap. 2.3.2, Kap. 2.3.3), bei Säuglingen Windelsoor.

Symptome
Häufig uncharakteristisch.
  • Allgemein: z. B. Alkohol-Unverträglichkeit, Erschöpfungssyndrom, Haarausfall, Hormonstörungen, Kopfschmerzen/Migräne, Muskel- und Gelenkschmerzen

  • Allergisch: z. B. Hautkrankheiten (bes. Akne, Neurodermitis), Asthma, Heuschnupfen, Hyperaktivität, Nahrungsmittelunverträglichkeiten

  • Psychisch: Aggressivität, Depressivität, Gereiztheit, Lustlosigkeit, suchtartiger Heißhunger auf Süßigkeiten

  • Neurologisch: z. B. Gedächtnisstörungen, geschwächte Lern-, Denk- und Konzentrationsleistung, Muskelzittern, Ohrensausen, Schwindel, Geh- und Sehstörungen

  • Immunologisch: häufig leichtes Fieber und Herpes, Infektanfälligkeit, Lymphknotenschwellungen

  • Magen-Darm-Trakt: Afterjucken, Aphthen, Blähungen (häufig übel riechend), Darmgeräusche („Rumoren“), Druckempfindlichkeit im Bauchbereich, Soor im Mund (Kap. 2.3.7), Durchfall und Verstopfung im Wechsel, Übelkeit

  • Koliken, Windeldermatitis, Zahnfleischentzündung, Druckstellen durch Zahnprothesen, Zungenbelag (Kap. 2.3.6)

  • Harnwege und Geschlechtsorgane: Brennen und Juckreiz an Genitalien und in Harnröhre, Ausfluss, Blasenentzündung, Eileiter- und Eierstockentzündungen, verstärktes prämenstruelles Syndrom, Menstruationsbeschwerden, Balanitis, Prostataentzündung, Schamhaarausfall, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr

  • Atemwege: z. B. Asthmasymptomatik (Kap. 9.5.2).

Diagnostik
  • Kultureller, mikroskopischer und histologischer Nachweis (Abstrich, Punktat, Stuhl Kap. 3.7.1)

  • Suche nach begünstigenden Faktoren z. B. Diabetes mellitus

  • Klinisches Bild

  • Besserung durch Anwendung von Antimykotika?

  • Antikörpertest (z. B. CHAT: hauptsächlich IgM, Candida-ELISA-Test, IgA, IgG, IgM)

  • Kontrolle Transaminasen, Eisen, Magnesium, Zink

  • Bei neurologischen Symptomen evtl. Hirn-SPECT (Single Photon Hirn-SPECTEmission Computer Tomogramm)-Untersuchung: Virusbefall des Gehirns?

Therapie
  • Antimykotische Therapie

  • Eliminierung prädisponierender Faktoren, z. B. Absetzen von Antibiotika

  • Stärkung des Immunsystems, z. B. mit Echinacea

  • Ernährungsumstellung (Kap. 2.7)

  • Evtl. Allergiebehandlung

  • Evtl. Aufbau der Darmflora mit milchsäurebildenden Bakterien (Laktobazillen, Bifidobakterien). Gleichzeitig unterstützende Therapie mit Nystatin.

Gesundheitsförderung und Prävention
  • Haut immer gut abtrocknen, insbesondere Zehenzwischenräume und Hautfalten

  • Lebensmittel: Obst und Gemüse vor Verzehr gründlich waschen; Essensreste, verschimmelte Lebensmittel komplett verwerfen

  • Kleidung: keine Synthetikkleidung tragen, Kontakt mit Gegenständen (z. B. Kleidungsstücken, Wäsche, Geschirr) Infizierter meiden, atmungsaktive Kleidungsstücke tragen, an Orten mit feucht-warmem Milieu Schuhe und Strümpfe tragen

  • Wohnung mehrmals täglich lüften (Schutz vor Schimmelpilzen).

Pflege

Beobachten

Haut, Schleimhäute, Genitale, intertriginöse Bereiche (Achseln, Leisten, unter den Brüsten, zwischen den Fingern und Zehen, Gesäßspalte etc.), Symptome.

Grundsätzlich beachten
  • Candidapilze bleiben auf unbelebten Gegenständen ca. 24 h vermehrungsfähig

  • Kontamination von Medikamentenbehältnissen (z. B. Tuben) vermeiden, nicht ins Bett legen, Entnahme nur mit frischem Spatel/Handschuh

  • Gründliche Hygiene und Desinfektion des Intimbereichs, z. B. beim Legen eines Blasenkatheters

  • Patient über notwendige und regelmäßige Medikamenteneinnahme sowie Dauer der Therapie informieren, die auch nach dem Verschwinden der Symptomatik weitergeführt werden muss.

Allgemeine Pflege
  • Pflege bei Haut und Nagelpilzen (Kap. 21.6), Soor im Mund (Kap. 2.3.7)

  • Körperpflege

    • Befallene Köperregionen immer zuletzt waschen, Waschutensilien tgl. wechseln

    • Zahnbürste zu Beginn der Therapie und dann 1 × pro Woche erneuern (evtl. Pilzbefall)

    • Unterwäsche, Handtücher usw. bei 95 °C waschen

    • Zahnprothese desinfizieren

  • Genitalbereich: Mitbehandlung des Sexualpartners

  • Atemwege: Inhalationen (Arzt), z. B. mit Nystatin

  • Ernährung viel Flüssigkeit (2–3 l), mineralstoff- und vitaminreich; zucker-, hefefreie und ballaststoffreiche Ernährung für mind. 3 Wochen, später zucker- und hefearme Kost

    • Ungünstige Nahrungsmittel: z. B. weißer Zucker, Weißmehl, Alkohol, süße Getränke (z. B. Cola, Limonade, Fruchtsaft: enthalten leicht verwertbare Kohlenhydrate)

    • Günstige Nahrungsmittel: z. B. Gemüse, Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte, Nüsse, Fleisch, Mineralwasser, Tee, Milch, Kaffee, kohlehydratfreie Süßstoffe (z. B. Saccharin)

  • Psyche: Gespräch, Information über Selbsthilfegruppen.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Bei Candidosen im Mundbereich/Atmungstrakt: Vernebler-Schläuche immer bei jedem Patienten wechseln

  • Behandlung nach Abklingen der Symptomatik ca. 2–3 Wochen weiterführen

  • Bei immungeschwächten Patienten mit Pilzerkrankungen besteht erhöhte Ansteckungsgefahr für Kontaktpersonen

  • Kratzen vermeiden: begünstigt Übertragung auf andere Körperstellen.

Lyme-Borreliose

Lyme-BorrelioseBorreliose siehe Lyme-BorrelioseErreger: Borrelia burgdorferi, Borrelia garinii, Borrelia afzelii. Infektionsgang: Hauptsächlich durch Stich des Holzbocks (Zeckenart), in der Schwangerschaft Zeckenstichauf ungeborenes Kind (Folge sind syphilisähnliche Missbildungen), sehr selten durch Blutkonserven. Auftreten: weltweit mit regionalen Schwerpunkten.
Gefährdete Personen: Menschen, die sich viel im Wald aufhalten (z. B. Waldarbeiter). Impfung/Meldepflicht: keine.
Symptome
Atypische Verläufe möglich, Stadien können fehlen, sich unbehandelt zurückbilden oder schubweise auftreten:
Stadium 1
  • Lokale Infektion der Haut: 60 % der Fälle ca. 10–14 Tage nach Zeckenstich charakteristisches, ringförmiges Erythem um Biss-Stelle („Wanderröte“), verschwindet teilweise ohne Therapie oder dehnt sich über Monate langsam in die Umgebung aus

  • Evtl. grippeähnliche Symptome (Schweißausbrüche, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen).

Stadium 2
Streuung des Erregers über Blut- oder Lymphbahn. Dauer bis zu 10 Wochen (unbehandelt wenige Wochen bis mehrere Monate).
  • Grippeähnliche Symptome (extreme Schweißausbrüche, Abgeschlagenheit, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen), evtl. Gewichtsabnahme, schneller, heftig empfundener Puls, selten „Wanderröte“ an mehreren Körperstellen (polytope Erytheme)

  • Starke Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Schwindelattacken

  • Bei weiteren Symptomen große Vielfalt möglich:

    • Pseudoradikuläre Schmerzsyndrome mit starken Schmerzen, Gipfel oft nachts, Belastung verschlimmert Symptome

    • Sensorische Störungen z. B. „Ameisenlaufen“, Hitze- und Kältegefühle, neurologische Störungen, Fazialisparese

    • Lyme-Karditis (Myokardinsuffizienz, anfallsartige absolute Arrhythmie)

    • Evtl. Gelenkentzündungen

    • Neuroborreliose (ZNS-Befall).

Stadium 3
Chronisches Stadium: Immunsystem bekämpft Erreger → Zahl der Borrelien wird reduziert → dennoch Überleben an einigen Stellen, die vom Immunsystem schlecht erreicht werden, (z. B. Bindegewebe) → Wiederauftreten der Krankheit in unregelmäßigen Abständen (Monate bis Jahre nach Infektionsbeginn).
  • Von Gelenk zu Gelenk „springende“ Entzündungen

  • Muskelentzündungen

  • Knochen- und Weichteilschmerzen (Fibromyalgien)

  • Chronische periphere Nervenentzündungen (Polyneuropathien)

  • Chronische Lyme-Karditis (Folge Kardiomyopathie)

  • Augenbeteiligungen z. B. Konjunktivitis

  • Selten: chronische Enzephalitiden, evtl. hirnorganisches Psychosyndrom

  • Haut an Extremitäten: Acrodermatitis chronica atrophicans (kissenartig geschwollene blaurot verfärbte Haut, vor allem an Streckseiten der Acrodermatitis chronica atrophicansGelenke, zunehmende Atrophie der Epidermis, extrem dünnes, transparentes Aussehen).

Diagnostik
  • Anamnese: z. B. Aufenthalt in gefährdetem Gebiet, Zeckenstich?

  • Blutentnahme: Nachweis spezifischer Antikörper (60 %), in den ersten 4–6 Wochen Antikörper nicht immer nachweisbar, u. U. Untersuchung wiederholen. Bei positivem Ergebnis Bestätigungstest per Western-Blot (falschpositive Ergebnisse möglich)

  • Klinisches Bild

  • Evtl. Lumbalpunktion: Differenzialdiagnose Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) → Virale Infektion des ZNS durch Zecken;

    Symptome: 1. Phase grippeähnlich, evtl. Fieber; 2. Phase neurologische Symptome, z. B. Lähmungen.

Therapie
  • Antibiotika, im Frühstadium, z. B. Tetracycline oral oder i. v. (besonders bei lange zurückliegender Infektion). Bei Kindern orale Medikamentengabe. Tetracycline nicht bei Kindern → Zahnschäden und -verfärbungen, eher Penicillin, Amoxicillin oder Ceftriaxon

  • Symptomatisch.

Pflege
Borreliose hat großes Spektrum möglicher Symptome, deshalb Orientierung an auftretenden Symptomen.

Beobachten

  • Haut: Erythem, Atropie

  • Vitalzeichen, Temperatur, Schweiß, Allgemeinzustand

  • Schmerzen: Stärke, Lokalisation, Zeitpunkt

  • Sensibilität, Auftreten weiterer Symptome.

Allgemeine Pflege
  • Ruhe ermöglichen

  • Regelmäßige Medikamenteneinnahme sicherstellen

  • Fieber (Kap. 2.6.2), Schweiß (Kap. 2.8.6), Schwindel (Kap. 19.1), Schmerzen (Kap. 2.11)

  • Psyche: Gespräche anbieten, Information

  • Evtl. Physiotherapie, Massage.

Gesundheitsförderung und Prävention
Besonders in gefährdeten Waldbezirken:
  • Hohes Gras, Unterholz und Dickicht meiden

  • Körperteile soweit möglich, bedecken z. B. lange Hose, helle Kleidung

  • Freie Körperstellen mit Abwehrmittel einreiben z. B. Autan®

  • Nach Waldbesuch oder Gartenarbeit Körper auf Zecken kontrollieren (lassen), Zecken mit Pinzette oder durch Arzt entfernen/lassen: so schnell wie möglich (Wahrscheinlichkeit der Übertragung steigt mit Dauer des Saugaktes) und vorsichtig entfernen, nicht zerquetschen (Borrelien im Zeckendarm)

  • Zecke evtl. durch Arzt oder Gesundheitsamt untersuchen lassen

  • Nach Zeckenstich umgebende Haut beobachten. Wenn nach 4–6 Wochen Hautrötung auftritt, Arzt informieren.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Zecken vor dem Entfernen nicht mit Nagellack, Klebstoff, Öl etc., bestreichen (vermehrte Speichelproduktion und Erbrechen der Zecke → erhöhtes Übertragungsrisiko)

  • In der Haut verbleibende Mundwerkzeuge werden i. d. R. innerhalb der nächsten Tage ausgeschieden (wenn nicht oder bei Infektion: Arzt aufsuchen).

Scharlach

Erreger: β-Scharlachhämolysierende Streptokokken (Streptococcus pyogenes). Infektionsgang: Tröpfcheninfektion, Kontaktinfektion (Eiter, kontagiöse Gegenstände), Nahrungsmittel (Milch). Inkubationszeit: 2–7 Tage. Meldepflicht: Tod, Erkrankungen in Gemeinschaftseinrichtungen.
Symptome
Prodromalstadium
  • Hohes Fieber, evtl. mit Schüttelfrost

  • Kopfschmerzen

  • Evtl. Erbrechen

  • Reduzierter AZ

  • Tonsillitis mit geschwollenen geröteten Mandeln, starken Halsschmerzen (evtl. in Ohrregion ausstrahlend), Schluckbeschwerden, belegte Zunge

  • Rotfleckiger Ausschlag (Enanthem) an Rachenschleimhaut und weichem Gaumen, schuppt sich in der 2. Krankheitswoche

  • Meist ab 2. Krankheitstag: Exanthem für 2–3 Tage → stecknadelkopfgroße, dicht beieinander stehende samtartige Makulopapeln, an Hals/Schulter beginnend, stärkste Ausbildung in den Hautfalten, Gesicht frei (weißes Munddreieck).

Nach Exanthem
  • „Himbeerzunge“

  • Lebervergrößerung

  • Evtl. Milzschwellung.

Nach Ablauf der Erkrankung: Schuppung der Haut, besonders an den Handinnenflächen und Fußsohlen.
Diagnose
  • Klinik

  • Racheninspektion

  • Rachenabstrich (evtl. Streptokokken-Schnelltest).

Therapie
  • Penicillin, evtl. Erythromycin

  • Bei häufigen Erkrankungen evtl. Tonsillektomie.

Komplikationen
Im Allgemeinen selten:
  • Otitis media

  • Rheumatisches Fieber

  • Glomerulonephritis

  • Sepsis

  • Zweitinfektion mit anderer Streptokokkenart nach kurzer Zeit.

Pflege

Beobachten

  • Vitalzeichen, Atemfrequenz

  • Fieber (alle 2 h, nach Besserung 3 × tgl.)

  • Haut (Exanthem)

  • Allgemeinzustand

  • Rachen

  • Schmerzen

  • Ein- und Ausfuhr, auch Schweiß

  • Symptome einer Zweitinfektion.

In der Klinik:
  • Einzelunterbringung

  • Mund-Nasenschutz

  • Schutzkleidung, Handschuhe bei Kontakt mit erregerhaltigem Material (Dauer: bis 24 h nach Beginn wirksamer Therapie).

Allgemeine Pflege
  • Bettruhe bis nach Entfieberung, dann Ruhe ermöglichen

  • Körperpflege: evtl. Hilfe (Kap. 2.3.3)

  • Ernährung: weich, evtl. flüssig, viel Flüssigkeit, Wunschkost

  • Prophylaxen: Pneumonie (Kap. 2.4.3), Obstipation (Kap. 2.8.4), Mundpflege (Kap. 2.3.6) bzw. Gurgeln mit desinfizierenden Substanzen

  • Fieber (Kap. 2.6.3)

  • Halsschmerzen: kalte Halswickel (Kap. 3.9.1)

  • Information des Patienten über Gefahr einer Zweitinfektion

  • Auf regelmäßige Tabletteneinnahme achten.

Multiresistente Staphylococcus-aureus-Stämme (MRSA)

Hauptursachen für erhöhte Resistenzen

  • AntibiotikumResistenzen Häufige Verordnung von Antibiotika, auch zur Prophylaxe

  • Hygienefehler, z. B. mangelnde Händedesinfektion

  • Deutliche Zunahme von Risikopatienten und intensivmedizinischen Maßnahmen

  • Mangelnde Informationen bei Verlegung erkrankter Patienten an Nachfolgeeinrichtungen, z. B. Altenpflegeheim

  • Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung.

Staphylococcus aureus, multiresistenter (MRSA)MRSA (Staphylococcus aureus, multiresistenter)Einige Staphylokokken inaktivieren Penicillin und penicillinasefeste Penicilline (z. B. Oxacillin) → multiresistente Keime. Deutliche Zunahme weltweit!
Infektionsorte
  • Fast alle Organe und Körperhöhlen möglich, z. B. Furunkel, Karbunkel, Mastitis, Osteomyelitis, postoperative Wundinfektionen, Pneumonie, Sepsis (Kap. 15.3.11)

  • Nasenschleimhaut, Leiste ohne Krankheitszeichen.

Übertragung
Luft (Tröpfcheninfektion bei Husten, Niesen, Sprechen), Staub (Klimaanlage), Haut (z. B. Hände schütteln), verunreinigte Gegenstände, Selbstinfektion mit körpereigener Besiedlungsflora (z. B. bei invasiven Eingriffen).
Diagnostik
  • Abstrich: Erregernachweis und Antibiogramm

  • Klärung Übertragungsweg: Nasenabstriche von Kontaktpersonen.

Therapie
Lokal
  • Kolonisierung der Nase: Mupirocin Nasensalbe (z. B. Bactrobol-Nasal®) über 5 Tage, 3 × tgl.

  • Kolonisierung der Haut (Wunden): tgl. Körperpflege, z. B. mit Skinman Skrup® (Waschen oder Duschen, bei Vollbad Wannendesinfektion!) einschließlich 2 × wöchentlich Haare waschen z. B. mit Chlorhexidin-Hibiclens® oder PVP-Jod (schwächer wirksam).

Systemisch bei Infektionszeichen
  • Glykopeptide (Vancomycin® oder Teicoplamin®), evtl. kombiniert mit Rifampicin

  • Kolonisierte Patienten. Rifampicin evtl. kombiniert mit Ciprofloxacin

  • Oxacilodinonen (Linezolid®).

Pflege

Beobachten

  • Infektionszeichen, Wunden (Aussehen, Wundsekret)

  • Vitalzeichen, Schmerzen.

Allgemeine Pflege
  • Richtet sich nach befallenem Organ und Zustand des Patienten

  • Körpertemperatur häufig erhöht, Pflege bei Fieber (Kap. 2.6.3)

  • Psychische Betreuung: Information, Gespräche, Beschäftigungsmöglichkeit suchen/anbieten.

Hygiene
  • HygieneMRSAAufklärung der Patienten über Hygienemaßnahmen

  • Isolierung: Bei vereinzeltem Auftreten Isolierung auf der Station in Einzelzimmer, bei gehäuftem Auftreten Isolierstation bzw. Kohortenisolierung im Mehrbettzimmer. Isolierung bis 3 negative Kontrollabstriche im Abstand von einer Woche (evtl. auch 10–14 Tage). Bei Kolonisierung der Nase nur bis 24–48 h nach 1. Verabreichung der Nasensalbe

  • Abstriche/Untersuchungsmaterial als infektiös kennzeichnen

  • Schutzkittel anziehen, bleibt im Zimmer, auf Normalstation 1 × tgl. und auf Intensivstation 3 × tgl. wechseln

  • Handschuhe tragen bei Körperpflege, Kontakt mit kontaminiertem Material, Wäsche

  • Mundschutz tragen, v. a. bei Gefahr der Aerosolbildung, z. B. Absaugen (Verhinderung Besiedelung Mund-, Rachenraum) oder Besiedelung der Nasenschleimhaut

  • Händedesinfektion vor und nach jeder infektionsgefährdeten Tätigkeit, nach Patientenkontakt, kein Händeschütteln

  • Wundabdeckung mit okklusivem Verband

  • Wäsche, Abfall im Zimmer in gesonderte Säcke geben (je nach Einrichtung) bzw. als infektiös kennzeichnen, Wäsche und Kleidung des Patienten tgl. wechseln

  • Pflege- und Hilfsmittel verbleiben im Patientenzimmer

  • Handhabung von Geschirr je nach Hygieneplan (evtl. im Zimmer in Desinfektionslösung geben vor Weitergabe an die Spülküche).

Maßnahmen vor Verlassen der Station (z. B. zur Diagnostik)
  • Nur wenn unbedingt erforderlich, nach Rücksprache mit der Hygienefachkraft

  • Transport auf frisch bezogener Trage, gilt nach Benutzung als kontaminiert

  • Begleitperson muss frischen Schutzkittel anziehen, Patient trägt Mund-Nasenschutz.

Gesundheitsförderung und Prävention
  • Antibiotikatherapie immer in angeordneter Dosierung und Dauer einnehmen

  • Händedesinfektion entsprechend des Hygieneplans (Beachte: Jeder Patient könnte Träger resistenter Keime sein).

Beobachten

  • Reinigungspersonal informieren, Zimmer mit separaten Utensilien reinigen (Keimverschleppung), Hygienefachkraft informieren (Hilfestellungen)

  • Erkrankte und behandelte Mitarbeiter sollen nicht in Risikobereichen eingesetzt werden (z. B. Intensivstation)

  • Erreger überlebt lange in der Umgebung, nach Sanierung z. B. Vorhänge waschen lassen

  • Patient über Notwendigkeit regelmäßiger Kontrollen informieren, Rezidive können auch nach 6–12 Monaten auftreten

  • MRSA im Pflegeverlegungsbericht vermerken

  • Bei chronischer Besiedelung Möglichkeiten für Sozialkontakte im Krankenhaus schaffen

  • Bei gehäuftem Auftreten Nasenabstrich bei Mitpatienten und Personal.

Erkrankung durch Pseudomonaden

Wichtigster Erreger: PseudomonadenPseudomonas aeroginosa. Keim ist sehr widerstandsfähig gegen Umwelteinflüsse, viele Desinfektionsmittel und Antibiotika.
Verbreitung: durch feuchtes Milieu und stehendes Wasser („Pfützenkeim“).
Krankheitsbilder
  • Wundinfektionen mit blau-grünem Eiter

  • Meningitis nach z. B. Erregerverschleppung nach Lumbalpunktion

  • Harnwegsinfektion nach Legen/Wechseln eines Blasendauerkatheters

  • Infektion der Atemwege, z. B. durch kontaminierte Beatmungsgeräte, Inhalationsgeräte.

Besonders gefährdete Personen
  • Schwerkranke und abwehrgeschwächte Patienten, z. B. AIDS, Leukämie

  • Patienten mit großflächigen Hautwunden, z. B. Verbrennungen

  • Patienten nach Eingriffen

  • Beatmungspatienten.

Übertragung
  • Hände und andere kontaminierte Stellen von Pflegenden/Patienten

  • Sanitärbereich

  • Ungenügend desinfizierte Geräte, z. B. Bronchoskope, die nicht sterilisiert werden

  • Geräte, die von mehreren Patienten benutzt werden, z. B. Inhalatoren.

Diagnostik
Erregernachweis z. B. in Abstrich, Urin, Wundsekret.
Therapie
Antibiotika nach Antibiogramm da oft Multiresistenzen vorhanden, z. B. Piperacillin, Ceftazidim; teilweise Kombinationstherapie.
Pflege

Beobachten

  • Infektionszeichen, Wunden (Aussehen, Wundsekret)

  • Atmung, Temperatur

  • Urin.

Allgemeine Pflege
  • Die Pflege richtet sich nach dem befallenen Organ und den Symptomen

  • Ernährung: viele kleine Portionen anbieten, Wunschkost

  • Fieber (Kap. 2.6.3)

  • Psychische Betreuung.

Gesundheitsförderung und Prävention
Striktes Einhalten aller Hygieneregeln: häufige nosokomiale Infektion!

Tipps, Tricks und Fallen

  • Pseudomonas-Erkrankungen können bei abwehrgeschwächten Patienten tödlich verlaufen

  • Eine Verschleppung zu anderen Patienten ist unbedingt zu verhindern: Hygienemaßnahmen einhalten

  • Medizinische Geräte, Tuben, Tropfenflaschen im Zimmer der Patienten belassen, nach Ende der Anwendung verwerfen bzw. aufbereiten lassen.

Sepsis

Definition

Sepsis Sepsis: Systemische Entzündungsreaktion als Folge einer Infektion mit mind. 2 der folgenden Kriterien:

Körpertemperatur < 36 oder > 38 °C, Herzfrequenz > 90/min, Atemfrequenz > 20/min oder arterieller Kohlendioxidpartialdruck < 33 mmHg und/oder maschinelle Beatmung, Leukozyten > 12 000 oder < 4 000 mm3 und/oder Linksverschiebung im Differenzialblutbild.

Schwere Sepsis: Sepsis mit Organstörungen z. B. Lunge, Niere.

Typische Sepsiserreger
  • Gramnegative Bakterien, z. B. Escheria coli, Salmonellen

  • Grampositive Bakterien, z. B. Staphylokokken, Streptokokken

  • Pilze, z. B. Candida, Aspergillen.

Symptome
Kein einheitliches Krankheitsbild. Symptome je nach Grunderkrankung, Abwehrlage, Erreger und Infektionsherd unterschiedlich ausgeprägt. Oft liegen nur einzelne Symptome vor:
  • Intermittierend hohes Fieber, Schüttelfrost (in ca. 10 % Hypothermie < 35,5 °C), bei Kleinkindern oft Fieberkrämpfe

  • Schweres Krankheitsgefühl, Übelkeit, Erbrechen, evtl. schlechter Allgemeinzustand

  • Haut anfangs gut durchblutet (Weitstellung der Hautgefäße durch Toxine), im Verlauf kühl, zyanotisch, marmoriert, evtl. Exanthem. Ödeme: Lid, Zunge, Haut. Septische Hautmetastasen (Mikrothromben durch bakterielle Embolien), Blutungen (bei fortgeschrittener Verbrauchskoagulopathie), Ödembildung

  • Durchfälle und Erbrechen, v. a. bei Kindern

  • Hypotonie, Tachykardie, evtl. Kreislaufinsuffizienz, Tachypnoe bis Hyperventilation

  • Oligurie, evtl. Proteinurie

  • Unruhe, Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen

  • Milzschwellung, Lebervergrößerung

  • Zeichen des septischen Schocks.

Diagnostik
  • Anamnese: Sepsisherd? (z. B. Venenkatheter, Infektionen)

  • Körperliche Untersuchung

  • Rö-Thorax, Ultraschall-Diagnostik

  • Blut- und Urinkulturen, bei Verdacht Stuhlkultur

  • Materialentnahmen für Kulturen vor Antibiotikagabe

  • Blutentnahme für BSG, CRP, BB, Differenzialblutbild, Nieren-, Leberwerte, Elektrolyte, BGA, Laktat, Gerinnung, Blutzucker

  • Blutdruck-, Pulskontrolle, alle 2 h Temperatur

  • Zentralen Venenkatheter legen (Assistenz)

  • Untersuchung von z. B. Katheterspitzen, Implantate auf Bakterien

  • Evtl. Lumbalpunktion.

Therapie
  • Intravenöse Zugänge sowie Urinkatheter ziehen und wechseln (Spitze einschicken)

  • Transfusionen, wenn möglich stoppen

  • Körpertemperatur senken, Patienten evtl. sedieren

  • O2-Gabe nach Anordnung

  • Infusionstherapie

  • Antibiotikatherapie

  • Low-dose Heparin, ggf. Ersatz von Gerinnungsfaktoren

  • Ggf. operativ den Sepsisausgangsherd (z. B. Tonsillen) entfernen

  • Evtl. Intensivtherapie (z. B. Schock-Therapie Kap. 22.4.2, Intubation/Beatmung, Dialyse)

  • Evtl. supportiv Immunglobuline (z. B. Sandoglobin®).

Komplikationen
  • Septischer Schock (durch SchockseptischerToxine kommt es zur kapillären Gefäßweitstellung → Hypovolämie, Mikrozirkulationsstörung). Zeichen: Kreislaufversagen, Nierenversagen (Oligurie, Anurie), Lungenversagen, Verbrauchskoagulopathie (Blutungen und Thrombosen), Gastrointestinale Blutungen, Ödeme

  • Metastatische Absiedlungen (meist Abszesse): Lunge, Leber, Niere, Meningen, Gehirn, Retina (Diagnostik durch Augenspiegelung), Knochen (Osteomyelitis), Haut, Endokard, Herzklappen

  • Multiorganversagen

  • Gerinnungsstörungen.

Pflege
Patienten benötigen i. d. R. Intensivpflege.

Beobachten

Umfassende Beobachtung, um Komplikationen wie z. B. Hyperventilation oder Blutdruckabfall rechtzeitig zu erkennen (oft Monitoring).

  • Präzise Beobachtung und Dokumentation von:

    • Vitalzeichen, Körpertemperatur, Atemfrequenz, EKG, Bewusstsein, Schmerzen

    • Venenzugang, ZVD

    • Sonden, Drainagen

    • Urin- und Stuhlausscheidung

    • Haut (septische Metastasen, Einblutungen, Kolorit, Ödeme)

  • Bei Veränderungen unverzüglich Arzt informieren!

Allgemeine Pflege
  • Bettruhe, Pflege bei Fieber (Kap. 2.6.3)

  • Regelmäßig Temperatur messen (2–6 × tgl.), im Zweifelsfall Kontrollmessung rektal (typische Differenz > 0,8 °C bei Appendizitis). Bei jedem akuten Temperaturanstieg sofort Arzt verständigen

  • Körperpflege: Teilwaschung, im Akutstadium Ganzwaschung, Augen-, Mund- und Hautpflege (Kap. 2.3)

  • Normalkost oder parenterale Ernährung je nach Schweregrad

  • Bei Verwirrtheit Schutz des Patienten

  • Bei Ödemen betreffende Extremität hochlagern.

Prophylaxen
  • Dekubitus-, Soor- und Parotitis- (für Tupfer keine Klemmen verwenden, Blutungsgefahr), Pneumonie-, Obstipations- und Infektionsprophylaxe

  • Blutungsprophylaxe: keine groben Manipulationen z. B. bei der Nasenpflege (Kap. 2.3.3) oder bei der Versorgung von Sonden; bei Hautblutungen keine Pflaster zum Fixieren verwenden, evtl. Binden einsetzen

  • Aseptisches Vorgehen (Kap. 16.1) bei allen Pflegemaßnahmen, z. B. Legen eines Blasendauerkatheters, Verbandswechsel (Kap. 3.10)

  • Lang andauernde Antibiotikatherapie und Nahrungskarenz begünstigen eine Sepsis, darum sorgfältige Beobachtung auf Symptome. Sobald möglich/erlaubt Zufuhr von Flüssigkeit bzw. Nahrung.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Steriler Umgang mit Untersuchungsmaterial z. B. Katheterspitzen

  • Es besteht ein hohe Dekubitus- und Soorgefahr

  • Kein Uhrglasverband bei septischen Patienten → Infektionsgefahr, Belastung der Haut durch das Pflaster

  • Bei Säuglingen, alten, abwehrgeschwächte Menschen tritt z. T. kein Fieber auf.

Literaturhinweise

Loczenski

B. Loczenski Verbreitung von MRSA vermeiden Pflegezeitschrift 2/2010 94 95

Robert Koch-Institut (RKI), 2014

Robert Koch-Institut (RKI) Empfehlungen zur Prävention und Kontrolle von Methicillin- resistenten Staphylococcus aureus-Stämmen (MRSA) in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen. Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut Bundesgesundheitsbl 57 2014 696 732

Robert Koch-Institut (RKI)

Robert Koch-Institut (RKI) Infektionskrankheiten von A–Z → Tuberkulose www.rki.de

Robert Koch-Institut (RKI)

Robert Koch-Institut (RKI) Ratgeber für Ärzte, Tuberkulose Stand 12/2013 www.rki.de

Wolfrum

D. Wolfrum Tuberkulose – von der „Mottenburg“ zur modernen Therapie Die Schwester/Der Pfleger 9/2006 710 713

Websites

AIDS

AIDS www.aidshilfe.de

Robert Koch-Institut (RKI)

Robert Koch-Institut (RKI) www.rki.de

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