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B978-3-437-26164-0.00013-5

10.1016/B978-3-437-26164-0.00013-5

978-3-437-26164-0

Leitsymptome onkologischer Temperatur, subfebrileSyndromparaneoplastischesNachtschweißLeistungsschwächeLeistungsabfallInfektionsneigungGewichtsabnahmeFatigueAnämieAgranulozytoseErkrankungen

Tab. 13.1
Symptom Beschreibung Differenzialdiagnosen
Gewichtsabnahme
  • Schleichend, ohne dass der Patient weniger isst

  • Kann bereits sehr früh auftreten

  • Evtl. Abneigung gegen bestimmte Speisen

Schwere Organerkrankungen (z. B. Leberzirrhose, Tbc, AIDS, Urämie), Hyperthyreose, Nebenniereninsuffizienz, Maldigestion, Malabsorption, Alkoholismus, Fehlernährung
Nachtschweiß Starkes nächtliches Schwitzen
Leistungsschwäche/-abfall Gewohnte körperliche und geistige Tätigkeiten können nicht mehr wie früher ausgeführt werden Herzinsuffizienz, Glukokortikoidmangel, Infektion, Schlafstörungen
Fatigue (Müdigkeit)
  • Reduzierte körperliche Leistungsfähigkeit

  • Gesteigertes Schlafbedürfnis

  • Motivations-, Antriebsmangel

  • Anämie

  • Depression

  • Medikamenten-NW

Subfebrile Temperatur < 38,5 °C Endokarditis, Tbc
Anämie Häufig bedingt durch Störung der Eisenverwertung (Kap. 14.4.1) Blutungsanämie, hämolytische Anämie, ungenügende Erythrozytenproduktion (Kap. 14.4.1)
Infektneigung
Granulozytopenie: (Granulozyten < 1 500/µl)
Agranulozytose (Granulozyten < 200/µl)
  • Infekte, insbesondere bakterieller Art

  • Agranulozytose: Fieber, Schüttelfrost, Sepsis, Schleimhautulzerationen, Lymphknotenvergrößerungen

Zytostatikatherapie (Kap. 13.3.3), Radiatio, medikamentös induziert durch z. B. Metamizol, Ticlopidin, Thyreostatika, Sulfonamide, Clozapin
Paraneoplastisches Syndrom
  • Endokrine Störung: ACTH-Produktion mit Cushing-Syndrom, Erythropoetin-Produktion mit Polyglobulie

  • Polyneuropathie

  • Polymyositis, Dermatomyositis

  • Thrombozytose

Übersicht Antimetabolit Alkylantium Alkaloid AntibiotikumZytostase Zytostatika

Tab. 13.2
Substanzen Wichtige unerwünschte Wirkungen
Alkylantien: übertragen Alkylgruppen auf die DNA und stören so die Zellteilung
Cyclophosphamid (Endoxan®), Ifosfamid (Holoxan®)
Cisplatin, Oxaliplatin (Eloxatin®)
Busulfan (Myleran®)
Chlorambucil
Übelkeit, Erbrechen, Haarausfall, Knochenmarksdepression, hämorrhagische Zystitis, Nephrotoxizität, Ototoxizität, Polyneuropathie, Lungenfibrose
Antibiotika: hemmen Protein- und RNA-Bildung
Anthrazykline, z. B. Doxorubicin (Adriablastin®)
Mitoxantron
Bleomycin (Bleomedac®)
Mitomycin (Mito-medac®)
Knochenmarksdepression, Haarausfall, Übelkeit, Erbrechen, Stomatitis, Hautulzera, Leber-, Nierenschäden, Kardiotoxizität, Lungenfibrose
Antimetabolite: blockieren z. B. Nukleinsynthese in der Zellteilung
Methotrexat (MTX)
5-Fluorouracil (5-FU), Capecitabin (Xeloda®), Gemcitabin (Gemzar®)
Azathioprin (Imurek®)
Knochenmarksdepression, Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö, Stomatits, Leber-, Nierenschaden, Lungenfibrose
Alkaloide: blockieren die Zellteilung
Vinca-Alkaloide (Vinblastin, Vincristin)
Topoisomerase-Inhibitoren (Irinotecan als Campto®, Etoposid als Exitop®)
Knochenmarksdepression, Haarausfall, Nervenschäden (Paresen, Parästhesien), Subileus

Strahlentherapie: Nebenwirkungen und PollakisuriePneumonitis Ösophagitis Lungenfibrose Hautveränderung (Strahlentherapie) HämaturieÜbelkeitStrahlentherapie Stuhlschmerzhafter StrahlentherapieNebenwirkungen ErbrechenStrahlentherapieDiarrhöStrahlentherapie BlähungStrahlentherapie Pflege

Tab. 13.3
Veränderungen am bestrahlten Organ Pflege
Hautveränderungen bei perkutaner Bestrahlung: Hautrötung, -pigmentierung, -schuppung, -blasenbildung
  • Haut des bestrahlten Areals ist mit wasserfestem Stift markiert, dort vorsichtig waschen und trocken tupfen

  • Vermeiden von chemischen (Seife, Deo, Salben), mechanischen (enge Kleidung, bes. aus Kunstfasern, Pflaster) und thermischen Reizen (Sonne, Wärme, Kälte) im Bestrahlungsgebiet

  • Kortikoid-, lanolin-, panthenolhaltige Salben (auch als Spray) nach Arztanordnung

  • Keine Injektion oder Rasur im Bestrahlungsgebiet

Ösophagus: Schleimhautschäden (Ösophagitis)
  • Meiden von Alkohol, scharfen Gewürzen, heißen Speisen und Getränken

  • Schluckweise pürierte Kost, Kamillentee

  • Antimykotika

  • Vor dem Essen auf Arztanweisung evtl. Analgetikum verabreichen

Lunge: Dyspnoe, Husten, Entzündung des Lungeninterstitiums (Pneumonitis), Lungenfibrose
  • Rauchverbot

  • Atemgymnastik, atemstimulierende Einreibungen, Inhalationen

Magen-Darm-Trakt: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Blähungen, Blut und Schleim im Stuhl, schmerzhafte Stuhlgänge
  • Hochkalorische, eiweißreiche, ballaststoffarme Ernährung

  • Bei Appetitlosigkeit Wunschkost

  • Antiemetische Prophylaxe (Kap. 13.3.3)

  • Bei Durchfall Elektrolytausgleich, evtl. Antidiarrhoikum (Imodium®)

Harnblase: Pollakisurie, blutiger Urin
  • Viel trinken

  • Sorgfältige Intimhygiene, um Infektionen vorzubeugen

  • Beobachtung des Urins (Menge, Farbe, Beimengungen, Geruch)

Übersicht der Medikamente in der LH-RH-Analoga LH-RH-Agonist Hormontherapie

Tab. 13.4
Substanzen Nebenwirkungen
Hormonantagonisten
Antiöstrogene, z. B. Tamoxifen (Tamox®)
Östrogenrezeptor-Antagonist, z. B. Fulvestrant
Aromatasehemmer, z. B. Letrozol
Antiandrogene, z. B. Flutamid (Flumid®), Cyproteronacetat (Androcur®)
Flüssigkeitsretention, Hitzewallungen, Schwindel, Pruritus vulvae, Osteoporose
LH-RH-Agonisten, LH-RH-Analoga
Buserelin (Profact®), Leuprorelin (Trenantone®)

Pflege von Menschen mit onkologischen Erkrankungen

Marianne Schoppmeyer

  • 13.1

    Leitsymptome und Leitbefunde498

  • 13.2

    Diagnostik und Pflege499

  • 13.3

    Therapie500

    • 13.3.1

      Therapieziele und Therapieerfolg500

    • 13.3.2

      Operative Therapie500

    • 13.3.3

      Chemotherapie mit Zytostatika500

    • 13.3.4

      Radiotherapie/Strahlentherapie504

    • 13.3.5

      Hormontherapie506

    • 13.3.6

      Targeted Therapie506

    • 13.3.7

      Supportive Therapie506

    • 13.3.8

      Psychosoziale Betreuung507

Onkologie Krebs Die Onkologie ist die Lehre von den Tumorerkrankungen. Sie ist eng verknüpft mit der Hämatologie (Kap. 14).

TumorTumor: im weiteren Sinne eine Schwellung/Raumforderung, z. B. durch Ödem, Entzündung, Zyste; im engeren Sinne Neubildung von Gewebe durch enthemmtes, autonomes Zellwachstum (Neoplasma Neoplasma, Geschwulst).

Metastase Metastasen: Absiedlungen von Tumorzellen („Tochtergeschwulst“) in primär nicht befallenen Organen. Metastasierungswege:

  • Hämatogen (auf dem Blutweg) in Knochen, Leber, Lunge, Gehirn usw.

  • Lymphogen (auf dem Lymphweg) in regionale Lymphknoten

  • Kontinuierlich, z. B. entlang seröser Häute (Peritoneum).

Infiltration Infiltration: Wachstum von Tumorzellen ohne Rücksicht auf anatomische Grenzen (z. B. Gefäßwände), Tumorzellen brechen in benachbarte Gewebe ein und zerstören diese.

Einteilung nach der Dignität:

  • Tumorbenigner Benigne (gutartige) Geschwülste wachsen langsam und verdrängend, metastasieren nicht und sind selten lebensbedrohlich

  • Tumorsemimaligner Semimaligne Geschwülste wachsen lokal infiltrativ, aber metastasieren fast nie (z. B. Basaliom)

  • Tumormaligner Maligne (bösartige) Geschwülste wachsen schnell und infiltrativ, metastasieren und sind lebensbedrohlich.

Einteilung nach Gewebetyp:

  • KarzinomKarzinom: von Epithelien ausgehende bösartige Geschwulst

  • Sarkom Sarkom: vom Stütz- oder Bindegewebe ausgehende bösartige Geschwulst.

Auch benigne Geschwülste können lebensbedrohliche Symptome verursachen, z. B. Hirnverdrängung durch Hirntumoren.

Leitsymptome und Leitbefunde

Diagnostik und Pflege

Staging und Grading
Voraussetzung für die Therapie maligner Tumoren ist eine histologisch gesicherte Diagnose (Grading) und eine Stadieneinteilung des Tumors (Staging). Daneben spielen erkrankungsspezifische Faktoren (z. B. Hormonrezeptorstatus beim Mammakarzinom) und molekulare Merkmale (z. B. Mutationen) eine Rolle bei der Therapieentscheidung.

Definition

Grading Grading: gibt den histologischen Differenzierungsgrad eines Tumors an (G1: gut differenziert bis G4: undifferenziert).

Staging Staging: gibt die Ausdehnung eines malignen Tumors an. Therapie und Prognose eines Tumors sind abhängig von einem exakten Staging. Das Staging nach der TNM-Klassifikation beurteilt:

  • Die Größe des Tumors (T1–T4)

  • Anzahl der befallenen Lymphknoten (N0–N1)

  • Vorhandene Metastasen (M0–M1).

Allgemeinzustand
Die oft sehr invasive Therapie bei Tumorleiden setzt eine klare Einschätzung des Allgemeinzustands des Patienten voraus. Der körperliche Zustand und die Aktivität von Tumorpatienten werden unter Berücksichtigung sozialer Faktoren beurteilt, z. B. durch:
  • Karnofsky-Karnofsky-Index Index: Beurteilt in 10er Schritten von 100 (Beschwerdefreiheit) bis 0 (Tod) den Zustand des Patienten

  • WHO-WHO-EinteilungAllgemeinzustand Einteilung (ECOG-Skala): Beurteilt den Zustand von Grad 0 (normale Aktivität) bis Grad 4 (völlige Pflegebedürftigkeit).

Therapie

Therapieziele und Therapieerfolg

Therapieziele
Kurativ: Heilung wird angestrebt, bei potenziell heilbaren Tumoren.
Adjuvant: Unterstützende Therapie wird an eine potenziell kurative Therapie angeschlossen, um Metastasen und ein Rezidiv des Tumors zu verhindern.
Neoadjuvant: Chemo-/Strahlentherapie vor einer Operation, um sehr großen Tumor operabel zu machen und damit die Heilungschancen zu erhöhen.
Salvage-Therapie: Erneute Therapie bei Tumorrezidiv.
Palliativ: Milderung von Krankheitssymptomen, wenn keine Aussicht auf Heilung besteht; Verbesserung der Lebensqualität, evtl. auch Lebenserwartung.
Supportiv: Unterstützende Therapie, z. B. bei Nebenwirkungen, Infektionen, Schmerzen.
Therapieerfolg
Remissionsgrad Komplette Remission (CR)Remissionkomplette (CR) : Vollständige Rückbildung sämtlicher nachweisbarer Tumorzeichen.
Partielle Remission (PR)Remissionpatielle (PR) : Rückgang aller messbaren Tumorzeichen, z. B. bei soliden Tumoren Rückgang um > 50 % der initialen Größe.
Kein Ansprechen (NC): Keine Größenänderung oder weniger als 50-prozentige Rückbildung messbarer Tumorzeichen.
Progression (PD)Progression (PD) : > 25-prozentige Zunahme der messbaren Tumorzeichen oder Zunahme/Neuauftreten von sicher tumorbedingten Symptomen.
Rezidiv Rezidiv: Erneute Tumormanifestation nach kompletter Remission.

Operative Therapie

Entfernung des Tumors und evtl. der regionalen Lymphknoten durch einen chirurgischen Eingriff, meist mit kurativer Zielsetzung, aber auch palliativ. Ist fraglich, ob alle Tumorzellen entfernt werden konnten, oder bei Verdacht auf Metastasen evtl. zusätzlich Bestrahlung oder Chemotherapie.

Chemotherapie mit Zytostatika

Zytostatika (Tab. 13.2) greifen in die Zellteilung ein und verhindern dadurch das weitere Wachstum des Tumors oder zerstören Tumorzellen, indem sie deren Zellstoffwechsel bremsen bzw. blockieren.
Dieser Effekt tritt aber auch bei gesunden Zellen auf, v. a. wenn sie sich häufig teilen (→ Haarausfall, Schleimhautulzera).
Phasen der Zytostatikatherapie:
  • Induktionstherapie mit dem Ziel der kompletten Remission, optimale unterstützende Therapie zur Vermeidung von Komplikationen durch Infektionen ist nötig

  • Konsolidierungstherapie zur Remissionserhaltung oder Verbesserung

  • Erhaltungstherapie (weniger aggressiv) soll die Dauer der Remission (Kap. 13.3.1) verlängern.

Umgang mit Zytostatika
Sicherheitsmaßnahmen
ZytostatikumHandhabung Falsche Handhabung von Zytostatika kann beim Personal schwere Gesundheitsschäden (kanzerogene Wirkung) verursachen. Mit Zytostatika dürfen daher nur Personen umgehen, die eine Einweisung erhalten haben.
  • Einweisung informiert über Wirkung, richtigen Umgang, Gefahren, Schutzmaßnahmen, Entsorgung von Material, Geräten sowie Zytostatikaresten und arbeitsmedizinische Vorsorgemaßnahmen, z. B. BB-Kontrollen, Röntgen-Untersuchungen

  • Schwangere und Jugendliche dürfen auf keinen Fall mit Zytostatika arbeiten

  • Bei Hautkontakt mit Zytostatika sofort mit sehr viel Wasser gründlich abspülen. Bei Kontamination der Augen Spülung mit physiologischer Kochsalz-Lösung und sofort Augenarzt aufsuchen

  • Kontamination mit Zytostatika muss zur Wahrung von Versicherungsansprüchen als Arbeitsunfall gemeldet werden

  • Zubereitung: Zentral in der Krankenhaus-Apotheke an speziellem Arbeitsplatz (Berner Box®, z. B. mit Laminar-Air-flow) durch geschultes Personal, Medikament kommt als gebrauchsfertige Lösung auf Station.

Applikation
  • ZytostatikumApplikation Meist intravenös als Kurzinfusion (Kap. 3.3.3), darf nur vom Arzt angelegt werden

  • Bei Applikation durch Pflegende mit der Weiterbildung Fachkrankenpflege Onkologie:

    • Schriftliche Anordnung des Arztes nötig

    • Mehrfache Kontrolle: Patient, Medikament, Dosis korrekt?

    • Erst anlegen, wenn Arzt aktuelle Laborwerte kontrolliert hat

    • Unerwünschte Wirkungen vorher nachlesen (Herstellerinformation), um vorbereitet zu sein

    • Beim Anlegen der Infusion geeignete Schutzhandschuhe (dunkel gefärbt, doppelte Wandstärke, lange Stulpen), flüssigkeitsdichte Schutzkittel mit langem Arm und eng anliegendem Bündchen, Augen- und Mundschutz tragen

    • Anschließen der Infusion über einer saugfesten Unterlage

    • Arm sicher lagern, evtl. auf Armstütze fixieren

    • Wird Zytostatika-Lösung freigesetzt, Entfernung mit einem speziellen Notfall-Set

    • Häufige Kontrolle auf Paravasate.

Komplikation: Paravasat

Paravasat Infusionsflüssigkeit läuft „neben das Gefäß“ ins Gewebe.

  • Symptome: Brennen, Rötung, Schmerz, Ödembildung, nachfolgend Gewebsschädigung, evtl. Nekrosen

  • Infusion sofort unterbrechen, Kanüle vorerst belassen

  • Arzt verständigen

  • Aspiration über liegende Kanüle so viel wie möglich

  • Arm hochlagern

  • Evtl. trockene Eiswickel oder Eiswasserumschläge, bei Vinca-Alkaloiden (Tab. 13.2) warme trockene Umschläge (Kap. 3.9.1)

  • Arzt: Infiltration von Lokalanästhetikum ohne Adrenalinzusatz, zur Resorptionsförderung evtl. Hylase® infiltrieren

  • Arzt: schmerzlindernde oder entzündungshemmende Medikamente

  • Bei Nekrosen ist chirurgische Intervention nötig.

Materialentsorgung
  • ZytostatikumEntsorgung Mit Zytostatika kontaminierten Abfall als Sondermüll behandeln und entsprechend den Vorschriften in speziellen Abfallbehältern entsorgen

  • Infusionsflaschen und Spritzen mit Zytostatikaresten an die Apotheke zurückgeben

  • Verunreinigungen durch Zytostatika wie Trockensubstanzen, Tablettenreste, Lösungen sofort beseitigen

  • Bei der Beseitigung von Verunreinigungen Schutzmaßnahmen wie bei der Zubereitung treffen: verhindern, dass Aerosol und Staub von Zytostatika in den Atembereich der Pflegekraft gelangt, Hautkontakt ausschließen (Sicherheitsmaßnahmen).

Tipps, Tricks und Fallen

Körperausscheidungen von Chemotherapie-Patienten, z. B. Urin, Stuhl, Erbrochenes, Blut, wie Zytostatikaabfälle behandeln.

Pflege bei Nebenwirkungen
ZytostatikumNebenwirkungen Zytostatika schädigen am stärksten Gewebe mit einem hohen Zellumsatz. Dazu gehören blutbildendes Knochenmark, Darmepithel, Mundschleimhaut, lymphatisches Gewebe.
Infektanfälligkeit
InfektanfälligkeitZytostase Bedingt durch die Knochenmarksdepression kommt es zur Verminderung der Leukozyten, insbesondere der Granulozyten bis zur Agranulozytose (Tab. 13.1). Ursache ist die Krebserkrankung selbst (z. B. akute Leukämie) oder die Therapie (z. B. Chemotherapie, Bestrahlung). Die verschiedenen Hygiene-Maßnahmen müssen streng beachtet werden (Kap. 1.8.4). Fieber sofort dem Arzt melden.
Blutungsneigung
BlutungsneigungZytostase Bedingt durch die Knochenmarksdepression kommt es zu einer Störung der Thrombozytenbildung und damit zu einer erhöhten Blutungsneigung. Die prophylaktischen Maßnahmen entsprechen denen einer Blutungsneigung anderer Ursache (Kap. 14.4.2).
Stomatitis
StomatitisZytostatika führen häufig zu einer Entzündung der Schleimhaut des Mundes, aber auch Ösophagus oder Darms (Enterokolitis). In leichten Fällen Rötung der Schleimhaut, in schwereren Fällen zahlreiche blutende Geschwüre mit stark erschwerter Nahrungsaufnahme.
Pflege
  • Sorgfältige Mundpflege (Kap. 2.3.6)

  • Mundhöhle vor Therapiebeginn inspizieren, evtl. Sanierung der Zähne

  • Regelmäßig Mundhöhle und Zunge auf Zeichen von Infektion oder Pilzbefall (Rötung, Ulzera, Bläschen, Beläge) inspizieren

  • Patienten zur selbstständigen Durchführung anleiten

  • Atraumatische Zahn- und Mundpflege mit weicher Zahnbürste nach jeder Mahlzeit und abends, bei Leukozyten < 1 000/µl nur Munddusche oder Mundspülung

  • Bei Blutungen keine Zahnbürste/Zahnseide verwenden, Eiswürfel lutschen

  • Alkohol- und Nikotinverzicht

  • Nahrung weich und säurearm, z. B. keine Nüsse, keine Zitrusfrüchte.

Therapie
  • Mundspülung, z. B. mit Panthenol

  • Bei Belägen antimykotische Tinkturen, z. B. Ampho-Moronal® Suspension

  • Bei Schmerzen anästhesierende Lösungen, ggf. systemische Analgesierung

  • Bei Herpes Aciclovir oral oder lokal.

Übelkeit und Erbrechen
ÜbelkeitZytostase ErbrechenZytostaseAuftreten abhängig vom Zytostatikum 1–5 h nach Applikation, durch Erwartungsangst schon früher. Der Übelkeit sollte v. a. vor dem ersten Mal immer vorgebeugt werden, sonst besteht die Gefahr, dass der Patient zukünftig schon vor Therapiebeginn erbricht.
Antiemetische Prophylaxe
  • Prophylaxeantiemitsche Patient sorgfältig aufklären

  • Bei zu erwartender leichter Übelkeit: Metoclopramid (Paspertin®), Alizaprid (Vergentan®)

  • Bei zu erwartender starker Übelkeit: 5-HT3-Serotonin-Rezeptorantagonisten (Setrone) wie Ondansetron (Zofran®), Granisetron (Kevatril®), Neurokinin-1-Rezeptorantagonisten wie Aprepitant (Emend®) zusätzlich evtl. Glukokortikoide, Neuroleptika oder Benzodiazepine.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Bei Erbrechen schon vor der Gabe des Zytostatikums beruhigende Medikamente, psychotherapeutische Entspannungsübungen bzw. für individuelle Ablenkung sorgen

  • Nüchtern bleiben hat keinen antiemetischen Effekt, Wunschkost anbieten

  • Während der Infusion evtl. Bonbons lutschen oder Kaugummi kauen lassen

  • Scharfe Gewürze, frittierte, fettige und stark riechende Nahrung vermeiden

  • Nach dem Essen Oberkörper hochlagern, Patient soll sich ausruhen

  • Kühle Getränke zwischen den Mahlzeiten.

Haarausfall (Alopezie)
  • Haarausfall Alopezie Bei drohendem Haarausfall vor Therapiebeginn eine Perücke anfertigen lassen (Kosten übernimmt die Krankenversicherung), Haare wachsen nach Therapieende meist wieder nach

  • Auch Wimpern und Augenbrauen können ausfallen

  • Schutz der Kopfhaut vor Kälte, Hitze, Sonneneinstrahlung

  • Mildes Shampoo, weiche Haarbürste verwenden.

Störung der Fertilität
  • Fertilitätsstörung Bestrahlungs- und Zytostatikatherapie sowie Tumoren selbst können bei Männern und Frauen vorübergehend oder dauerhaft zur Unfruchtbarkeit führen

  • Störungen der Libido haben meist keine organische Ursache

  • Männliche Patienten über die Möglichkeit der Spermakonservierung informieren

  • Bei bestehender Schwangerschaft kann der Embryo durch die Therapie geschädigt werden.

Radiotherapie/Strahlentherapie

Definition

Radiotherapie/Strahlentherapie (Radiatio): StrahlentherapieBestrahlung von Radiotherapie Tumorgewebe Radiatio mit ionisierenden Strahlen. Ziel ist es, Tumorzellen zu zerstören, wobei gesunde Zellen weitgehend geschont werden sollen. Die Bestrahlung erfolgt durch die Haut (perkutan) oder direkt am bzw. im Tumor (Brachytherapie/Kontaktbestrahlung, z. B. Spickung).

Schonung des gesunden Gewebes durch:
  • Fraktionierung Fraktionierung: Aufteilung der Gesamt-Strahlendosis auf tägliche Anwendungen über mehrere Wochen

  • Protrahierung Protrahierung: Verlängerung der Dauer einer einzelnen Bestrahlung mit geringerer Strahlendosis

  • Mehrfelder-Mehrfelder-Technik Technik: Bestrahlung des Tumors aus verschiedenen Richtungen

  • Rotationsbestrahlung Rotations-/Pendelbestrahlung Pendelbestrahlung: Bestrahlung des Tumors mit einer sich bewegenden Strahlungsquelle, sodass gesundes Gewebe nur zeitweise bestrahlt wird.

Pflege bei Nebenwirkungen
Allgemeinsymptome
Strahlenkater Strahlenkater mit Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Lustlosigkeit, Anorexie, Kopfschmerzen. Viel Ruhe und Schlaf beugen dem Auftreten eines Strahlenkaters am besten vor. Die Therapie ist symptomatisch (z. B. Antiemetika), evtl. Änderung der Bestrahlungstherapie (z. B. kleinere Dosen).
Abhängig vom bestrahlten Organ werden spezielle pflegerische Maßnahmen notwendig (Tab. 13.3).

Hormontherapie

HormontherapieHormone können bei der Entstehung und dem Wachstum von Tumoren eine Rolle spielen. Die häufigsten hormonabhängigen Tumorhormonabhängiger Tumoren sind: Mamma-Ca, Endometrium-Ca, Prostata-Ca. Folgende Therapieformen werden unterschieden:
  • Additive Hormontherapieadditive Hormontherapie: Zufuhr von Hormonen bremst das Tumorwachstum

  • Ablative Hormontherapieablative Hormontherapie: Entzug von Hormonen bremst das Tumorwachstum, durch operative Entfernung des hormonbildenden Organs (z. B. Hoden, Ovar), medikamentös durch LH-RH-Agonisten (Tab. 13.4)

  • Hormonantagonist Hormonantagonisten: Blockade der Hormonrezeptoren im Tumorgewebe.

Targeted Therapie

Definition

Targeted TherapieTherapieTargeted : zielgerichtete Therapie (target = Ziel) gegen meist molekulare Strukturen.

Es werden viele verschiedene Substanzen angewendet. Grob unterscheidet man therapeutische Antikörper von kleinmolekularen Substanzen:
  • Monoklonale Antikörpermonoklonale Biologika Antikörper (Biologika, passive Immuntherapiepassive Immuntherapie): richten sich gegen Tumorzellantigene, z. B. Bevacizumab (Avastin®) beim kolorektalen Karzinom, Rituximab (Mabthera®) bei Lymphomen

  • Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI)Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI): hemmen die onkogenen Effekte von Tyrosinkinase-Rezeptoren, z. B. Imatinib (Glivec®) bei CML, Sorafenib (Nexavar®) beim Nierenzell-Karzinom

  • mTOR-Inhibitoren: mTOR-Inhibitoren z. B. Everolimus (Afinitor®).

Supportive Therapie

Schmerztherapie
TherapiesupportiveTumorSchmerztherapie SchmerzTumor 60–90 % der Tumorpatienten leiden im Verlauf der Erkrankung unter Schmerzen. Für die Schmerztherapie und die Pflege in der Onkologie gelten die gleichen Grundsätze wie für alle anderen Schmerzpatienten (Kap. 2.11).
Mögliche Schmerzursachen:
  • Tumorbefall von Nerven oder Knochen

  • Symptombedingt, z. B. bei Lymphödem, Soor

  • Therapiebedingt, z. B. bei Polyneuropathie nach Chemotherapie

  • Tumorunabhängig, z. B. Spannungskopfschmerz, Migräne, Arthralgie.

Ernährungstherapie
ErnährungOnkologie Tumorwachstum erhöht den Energiebedarf des Patienten und bewirkt häufig schon vor Therapiebeginn einen Gewichtsverlust. Schmerzen und Chemotherapie führen zu Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen. Unzureichende Ernährung schwächt den Patienten zusätzlich.
  • Durch Therapie mit Analgetika und Antiemetika mögliche Ursachen der zu geringen Nahrungsaufnahme ausschalten

  • Mahlzeiten an Vorlieben des Patienten orientieren und Wunschessen anbieten, auch von Angehörigen mitbringen lassen; kalorienreiche Zwischenmahlzeiten (z. B. Fresubin supportan®)

  • Ausgewogene Ernährung, ballaststoff-, vitamin- und eiweißreich

  • Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten, kühle Getränke mindern Übelkeit

  • Reicht die orale Nahrungsaufnahme nicht aus, oder kann der Patient nicht mehr schlucken → Ernährung über eine Sonde (PEG Kap. 3.6.3) oder parenterale Ernährung

  • Gewichtskontrolle, Flüssigkeitsbilanzierung

  • Bei Abwehrschwäche keine Lebensmittel, die stark verkeimt sein können (z. B. Blattsalate, ungeschältes Obst, Schimmelkäse)

  • Bei Blutungsgefahr auf harte oder scharfkantige Nahrungsmittel verzichten (z. B. Nüsse)

  • Durch Chemotherapie und Bestrahlung der Kopf- oder Halsregion kann die Geschmacksempfindung gestört werden; Patienten informieren, dass Störung lange anhält, aber meist wieder verschwindet. Ernährungsberatung und Literatur anbieten.

Psychosoziale Betreuung

Mögliche Probleme
  • BetreuungpsychosozialeUnterstützungTumorkranker Fehlende oder nicht patientengerechte Aufklärung über Diagnose, Therapie und Prognose

  • Gefühle der Hoffnungs- oder Machtlosigkeit

  • Auseinandersetzung mit dem Sinn des eigenen Lebens

  • Ängste vor dem Sterben, vor Schmerzen oder bleibender Behinderung

  • Veränderungen des Körpers durch die Krankheit oder Therapie, Verlust von Eigenliebe und Selbstwertgefühl

  • Angst vor Verlust des Partners, sozialen Bindungen, Status oder Unabhängigkeit

  • Belastung der Partnerschaft durch Trennung, Rollenveränderung, Veränderung des eigenen Körperbildes

  • Sorgen um wirtschaftliche Sicherheit.

Pflege
Allgemein
  • PflegeTumorkranker Einzelzimmer? Wen zusammenlegen?

  • Können Zimmer angenehmer gestaltet werden, z. B. durch Bilder, Tischdecken?

  • Ruhezeiten für Patient in Stationsalltag einplanen, Bezugspersonenpflege (Kap. 1.1.1) organisieren

  • Entlassung planen (Kap. 1.1.7), evtl. Hilfen organisieren (Sozialdienst), Telefonnummer für Rückfragen mitgeben.

Umgang mit Patienten
BetreuungTumorkranker Neben der Pflege im Zusammenhang mit Diagnose und Therapie und deren Auswirkungen auf den Patienten spielt v. a. die Beziehung zum Patienten eine große Rolle.
  • Aufklärung des Patienten über Diagnose, Therapie und Prognose ist Aufgabe des Arztes, Pflegende können als „Dolmetscher“ wirken

  • Patienten nie belügen, Wunsch nach „Nicht-wissen-wollen“ respektieren

  • Viele Patienten ahnen die Diagnose und suchen mit Fragen danach möglicherweise eher einen Gesprächspartner als ein konkretes „ja“ oder „nein“

  • Sensibel sein für versteckte Signale, die den Wunsch nach einem Gespräch oder Zuwendung ausdrücken; Patienten ermutigen, über Gefühle zu sprechen

  • Patienten reagieren in dieser Extremsituation manchmal mit Aggressionen; diese richten sich nicht primär gegen das Personal, sondern sind Zeichen der Auseinandersetzung mit der Krankheit

  • Patienten auf Wunsch Kontakt zu anderen Berufsgruppen, z. B. Seelsorger, Sozialpädagoge, Psychologe oder Selbsthilfegruppen vermitteln

  • Möglichkeiten für sinnvolle Beschäftigung im Krankenhaus suchen, z. B. Beschäftigungs-, Musik-, Maltherapie, Krankenhausbibliothek

  • Kontakte zur Außenwelt unterstützen, z. B. flexible Besuchszeiten

  • Information, Beratung und Betreuung bezüglich Folgen der Krankheit und Therapie, z. B. rechtzeitig eine Perücke anfertigen lassen, auf Möglichkeiten der Rehabilitation aufmerksam machen

  • Zeigt der Patient Gesprächsbedarf beim Thema Sexualität, Einfühlungsvermögen und Gesprächsbereitschaft zeigen

  • Patienten müssen häufig erst wieder lernen, sich selbst und ihren veränderten Körper zu akzeptieren, dabei brauchen sie Unterstützung.

Umgang mit Angehörigen
  • UnterstützungAngehöriger von Tumorkranken Die Reaktionen Angehöriger auf die Diagnose Krebs entsprechen der möglichen Breite von Tabu mit Verdrängung bis zu Offenheit und Wunsch nach Gesprächen

  • Angehörige reagieren auf die Krankheit sowohl mit Rückzug vom Patienten als auch mit Überfürsorglichkeit; übertriebene Fürsorge führt zur Entmündigung des Patienten und zur Erschöpfung der Bezugsperson

  • Information der Angehörigen über Krankheit (Arzt) und pflegerische Maßnahmen

  • Zu kleinen Pflegemaßnahmen anleiten; wirkt Nutz- und Hilflosigkeitsgefühlen entgegen, ggf. Anleitung zur häuslichen Pflege (z. B. der PEG-Sonde)

  • Auch Angehörige suchen oft Gesprächspartner

  • Einer Überlastung von Angehörigen vorbeugen (z. B. auf Bedeutung von Erholungsphasen hinweisen).

Umgang mit unheilbar kranken Tumorpatienten
Betreuungunheilbar Erkrankter Besonders schwer ist die Pflege von Tumorkranken, die nicht geheilt werden können. Für die Pflege stellt sich hier die größte Herausforderung. Dem Sterbenden eine möglichst hohe Lebensqualität sowie einen ruhigen und schmerzfreien Tod zu ermöglichen, ist in diesem Fall Ziel allen pflegerischen Handelns (Kap. 6). Besteht der Wunsch des Patienten, zu Hause zu sterben, werden, wenn möglich, in Absprache mit den Angehörigen die Voraussetzungen dafür geschaffen.

Tipps, Tricks und Fallen

Pflegende in der Onkologie brauchen die Möglichkeit, ihre beruflichen Belastungen zu bewältigen, um einem Burn-out-Syndrom vorzubeugen (Kap. 1.6.2). Dies kann im Beruf durch Supervision, Balint-Gruppen oder durch Gespräche im Team geschehen. Im privaten Bereich sind ein Ausgleich durch Beschäftigungen nach persönlichen Vorlieben oder andere Möglichkeiten zum „Auftanken“ wichtig.

Literaturhinweis

Naegele

M. Naegele Klassische und neue Krebstherapien – Wie Zytostatika wirken Die Schwester Der Pfleger 4/2014 350

Websites

Krebshilfe

Deutsche Krebshilfe www.krebshilfe.de

Krebsinformationsdienst,

Krebsinformationsdienst (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums www.krebsinformationsdienst.de

Krebsgesellschaft

Deutsche Krebsgesellschaft www.deutschekrebsgesellschaft.de

Deutsche Fatigue Gesellschaft

Deutsche Fatigue Gesellschaft www.deutsche-fatigue-gesellschaft.de

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