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B978-3-437-26164-0.00017-2

10.1016/B978-3-437-26164-0.00017-2

978-3-437-26164-0

Verschiedene Formen von Knieendoprothesen

[L190]

VerbandAmputationsstumpfVerbände an Amputationsstümpfen

[L138]

Lagerung auf einer Braun-Schiene

[L157]

GipsverbandDekubitusgefahrDekubitusGipsverbandGipsverband: Druckgefährdete Stellen und Funktionsstellungen der Gelenke

[L138]

Gipsverband

[L138]

Extension

[L157]

Fixateur externe bei einer offenen Unterschenkelfraktur

[K115]

Glasgow-Koma-Glasgow-Koma-SkalaSkala

[L157]

Einteilung nach Tönnis, Loew und Hermann

Tab. 17.1
SHT 1. Grades Bewusstlosigkeit (nicht Amnesie) < 5 min, vollständige Rückbildung aller Symptome innerhalb von 5 Tagen
SHT 2. Grades Bewusstlosigkeit 5 bis 30 min, völlige Rückbildung innerhalb von 30 Tagen oder geringe verbleibende Störungen
SHT 3. Grades Bewusstlosigkeit > 30 min, bleibende Defekte mit Funktionsstörungen sind obligatorisch
SHT 4. Grades Schwere neurologische Defekte machen den Patienten auf Dauer pflegeabhängig und unfähig zur Kontaktaufnahme

Beobachtungsbogen bei Schädel-Hirn-Schädel-Hirn-Trauma (SHT)BeobachtungsbogenTrauma

Tab. 17.2
Patient: Datum: Zeit:
Puls Frequenz
Qualität
Blutdruck
Atmung Frequenz
Qualität
Rhythmus
Temperatur
Verhalten Apathisch
Ruhig
Unruhig
Pupillen Form/Weite
Symmetrie
Reaktion
Glasgow-Koma-Skala Punkte
Kommunikation Orientiert 5
Verwirrt 4
Wortsalat 3
Unverständlich 2
Keine 1
Augen Öffnet spontan 4
Öffnet auf Ansprache 3
Öffnet bei Schmerzreiz 2
Öffnet nicht 1
Motorik Bei Aufforderung 6
Gezielte Abwehr 5
Ungezielte Abwehr 4
Beugesynergismen 3
Strecksynergismen 2
Keine Reaktion 1
Summe:
Unterschrift:

Übersicht: Stumpfes Thorax- und Rippenserienfraktur Bauchtrauma

Tab. 17.3
Bauchtrauma Thoraxtrauma
Definition Stumpfe Gewalteinwirkung auf den Bauchraum (z. B. Schlag, Stoß). Folgen: z. B. Milz-, Leber-, Nierenruptur, gastrointestinale Blutung Gewalteinwirkung auf den Thorax. Folgen: Rippenfraktur, Pneumothorax/Hämatothorax (Kap. 9.5.6), Lungenkontusion
Symptome Heftige Schmerzen, Schockzustand, Tachykardie, Erbrechen, Abwehrspannung („harter Bauch“) Atemabhängige Schmerzen, Atemnot, bei Rippenserienfraktur paradoxe Atmung, nur geringe O2-Sättigung in der BGA
Diagnostik Labor: E'lyte, BB, Leberstatus, Nierenparameter. Ultraschalluntersuchung; Rö Abdomen im Stehen; CT-Abdomen Inspektion; Rö-Thorax. Labor, BGA. Auskultation: fehlende Atemgeräusche. Hämatothorax, Pneumothorax: hochgradige Atemnot (Kap. 9.5.6), Bronchoskopie, CT
Therapie Bei Blutungen immer operativ. Ansonsten sorgfältige Überwachung mit sonografischen Kontrollen Bei einer Rippenfraktur nur symptomatisch schmerzlindernd. Bei Rippenserienfraktur Intubation mit Überdruckbeatmung
Komplikationen Milzkapselruptur noch nach Tagen, akute Bewusstlosigkeit, innere Blutung Intrapulmonale Blutung, Verletzungen von Aorta, Ösophagus, Bronchialsystem

Pflege von Menschen mit traumatologischen und orthopädischen Erkrankungen

Hans-Peter Mattausch

  • 17.1

    Spezielle Therapieaspekte576

    • 17.1.1

      Wundheilung576

    • 17.1.2

      Gelenkersatz576

    • 17.1.3

      Arm- und Beinamputationen578

    • 17.1.4

      Orthesen579

    • 17.1.5

      Schienen580

    • 17.1.6

      Gipsverbände583

    • 17.1.7

      Drahtextension585

    • 17.1.8

      Osteosynthese587

    • 17.1.9

      Fixateur externe588

    • 17.1.10

      Epithesen588

  • 17.2

    Erkrankungen589

    • 17.2.1

      Frakturen589

    • 17.2.2

      Schädel-Hirn-Trauma (SHT)590

    • 17.2.3

      Thorax- und Bauchtrauma594

    • 17.2.4

      Ostitis, Osteomyelitis597

    • 17.2.5

      Knochentumore598

Spezielle Therapieaspekte

Wundheilung

Verbände und Verbandswechsel Kap. 3.10
Heilungsphasen
  • WundheilungOrthopädie Reinigungsphase: abgestorbene Zellen, Schmutz und Keime werden entfernt

    • Nekrotisches Material chirurgisch entfernen (ggf. durch Arzt), mit spez. Verbänden enzymatisch ablösen oder mit Hydrokolloid-/Hydrogelverband auflösen

    • Verbandswechsel: ausgiebig mit NaCl 0,9 % spülen

  • Granulationsphase: zerstörtes Gewebe wird wieder aufgebaut; beginnt, sobald die Wunde „sauber“ aussieht

    • Verbandswechsel bei Hydrokolloid-/Hydrogelverbänden: nur noch mit Ringer-Lsg. spülen

    • Beim Verbandswechsel Wunde erst nach Spülen beurteilen. Hydrokolloid-/Hydrogelverbände bilden immer schmierig-flüssiges Sekret und haben eigenen süßlichen Geruch

  • Epithelisierungsphase: Gewebedefekt ist bereits aufgefüllt, Wunde schließt sich durch Einwanderung von Epithelzellen von außen. Weiter Verbandswechsel wie in der Granulationsphase.

Komplikationen
Wundinfektion: Abstrich, gründliche Reinigung, mindestens 2 × tgl. Verbandswechsel, evtl. systemisch Antibiotika.

Gelenkersatz

Gelenkersatz Prothetischer Ersatz eines körpereigenen Gelenks, meist Hüfte, Knie oder Schulter. Indikationen: Arthrosen wie Koxarthrose oder Gonarthrose, angeborene Dysplasie, Tumore, Schenkelhalsfraktur bei älteren Patienten. Hüftkopf: Hemiendoprothese (HEP) Hemiendoprothese = HEP. Kopf und Pfanne: Totalendoprothese (TEP) Totalendoprothese = TEP, bei Hüfte und Schulter möglich. Kniegelenk: Knieendoprothese (KNEP) Knieendoprothese (Abb. 17.1) = KNEP. Es wird allgemein zwischen zementierten und zementfreien Prothesen unterschieden, zementierte ermöglichen eine schnelle Vollbelastung.
Komplikationen
  • Hauptkomplikation ist die Wundinfektion

  • Thrombosen, z. B. tiefe Beckenvene, Lungenembolie

  • Blutung

  • Osteomyelitis (selten)

  • Lockerung der Prothese

  • Luxation bei Hüft-TEP.

Pflege
  • Präoperative Pflege (Kap. 16.2)

    • Postoperativ notwendige Maßnahmen einüben, bes. Bewegungsabläufe bei der Mobilisation, Atemgymnastik und Thromboseprophylaxe

    • Verhaltensmaßregeln erläutern – Luxationsprophylaxe

  • Postoperative Pflege (Kap. 16.3): Lagerung der operierten Extremität mit Operateur und Physiotherapie absprechen

    • Luxation vermeiden: Adduktion und Außenrotation

    • Lagerung mit Abduktionskeil, Fersen frei

  • MobilisationGelenkersatz Frühmobilisation: unbedingt vorherige Vitalzeichenkontrolle → Gefahr des Kollabierens. Vor der ersten Mobilisation den Patienten so positionieren, dass die Fußsohlen Kontakt mit dem Fußbrett des Bettes haben, gleichzeitig das Bett in eine schiefe Ebene bringen, um den Sohlendruck zu verstärken: Kollapsprophylaxe durch Basale Stimulation®. Belastbarkeit der Prothese mit Operateur absprechen

  • Prophylaxen individuell auf den Patienten abstimmen; besonders wichtig für alle Patienten:

    • Thromboseprophylaxe (Kap. 2.2.10), z. B. zu isometrischen Muskelübungen anhalten, Antikoagulation s. c. nach Anordnung

    • Kontrakturenprophylaxe: Patienten möglichst flach positionieren (Gefahr einer Beugekontraktur in der Leiste), keine Knierolle anwenden, Spitzfußprophylaxe, Bewegungsschiene

    • Pneumonieprophylaxe

  • Nach 4–8 Tagen postoperative Röntgenkontrollaufnahme des Beines

  • Gangschule bei Hüft- und Knie TEP:

    • 1. Tag: Sitzwagen, kurzes Aufstehen

    • 2. Tag: Gehwagen, Belastung nach Maßgabe des Operateurs

    • 3. Tag: Umstellen auf Unterarmstützen

    • Folgetage: z. B. Rollatorgebrauch bei zementierten Hüften nach Anordnung.

Beobachten

  • Schmerzen, Fehlstellungen, z. B. Bein verkürzt, federnde Fixation

  • Wundverhältnisse: Infektions-, Hämatomzeichen

  • Vitalzeichen, Temperatur, Thrombosezeichen (Kap. 8.6.4)

  • Drainageabsonderungen: Menge, Beschaffenheit exakt dokumentieren.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Auf Anzeichen einer Thrombose/Embolie achten (Kap. 8.6.4), bei Verdacht sofort Arzt verständigen

  • Schon vor OP das Gehen mit Gehhilfen und Hochziehen im Bett mittels Patientenaufrichter üben → erleichtert die postoperative Phase

  • Sofern nicht kontraindiziert, am 1.–2. postoperativen Tag mit der Mobilisation beginnen, dabei besonders auf Ableitungen und Drainagen achten.

Arm- und Beinamputationen

Amputation Entfernung eines Gliedmaßenteils oder der gesamten Gliedmaße nach schwerem Trauma, bei Tumor oder bei Durchblutungsstörungen, z. B. AVK (Kap. 8.5.1). Im Allgemeinen wird für eine Deckung der Wunde mit Haut gesorgt, es ergibt sich eine „nahtversorgte Wunde“.
Komplikationen
Stumpfödem, Hämatom, Wundinfektion, Phantomschmerz, Beugekontraktur der Leiste.

Beobachten

  • Wundverhältnisse, Schmerzen

  • Hb-Kontrolle, Nachblutungsgefahr wegen Unterbindung großer Gefäße

  • Psychischer Zustand, Phantomschmerzen: Schmerzempfindung, Juckreiz im amputierten Körperteil

  • Drainagen.

Pflege
  • Bei guten Wundverhältnissen aseptische Verbandswechsel (Kap. 3.10.6), Schlauchverband

  • Vorbereiten des Stumpfes auf eine Prothese durch Kompressionsverband (Abb. 17.2)

  • Kontrakturenprophylaxe

    • Stumpf nicht hochlagern, bei Toleranz durch Patienten zeitweise Bauchlage

    • Kein Kissen zwischen die Beine

    • Patienten anleiten: Stumpf nicht über (Bett-)Kante hängen, nicht anwinkeln, nicht auf Gehhilfe stützen

  • Konsequente Hautpflege am Stumpf sowie Abhärten durch kühle Waschungen, sanftes Bürsten, Sonne, Luft

  • Mobilisieren: je nach Zustand der Wunde so früh wie möglich

  • Bei Grenzbereichsamputationen (Amputation unmittelbar an der Grenze zwischen gesundem und nekrotischem Gewebe) heilt die Wunde sekundär, Sekretverhalt vermeiden

  • Nach Anfertigung der Prothese Physiotherapie anfordern, Anlegen der Prothese und Gehen üben.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Eine Amputation verändert das Leben grundlegend und macht eine umfassende Entlassungsvorbereitung erforderlich, z. B. Berufswechsel, Umschulung, häusliche Hilfe, Rehabilitationsbehandlung

  • Stringente Schmerztherapie, wenn möglich, bereits einige Tage vor OP, verhindert Phantomschmerzen nach OP

  • Während der Gewöhnungszeit an die Prothese viel Geduld haben. Patienten motivieren, umfassend und einfühlsam anleiten

  • Kompressionsverbände nicht konisch, sondern zylindrisch anlegen, Kontraindikation: AVK (Kap. 8.5.1)

  • Auf eine umfassende Aufklärung und psychische Unterstützung schon präoperativ hinwirken, evtl. Sozialdienst einschalten

  • Angehörige soweit möglich einbeziehen.

Orthesen

Orthese Heil- und Hilfsmittel zum Funktionsausgleich bei Störungen des Bewegungsapparates. Sie umfassen u. a. Schienen, Bandagen, Korsette, Stützmieder, Spreizhosen, Innenschuhe, Einlagen.
Korsett
  • Indikation: lumbale bis thorakolumbale Skoliosen, Kyphosen, Lordosen

  • Funktion: Korrektur von Seitenabweichung und Rotation der Wirbelsäule

  • Ärztliche Anordnungen:

    • Röntgen der Wirbelsäule in zwei Ebenen für den Bauplan

    • Sofortige Röntgen-Kontrollaufnahme im Korsett

    • Erlernen von physiotherapeutischen Übungen durch Fachpersonal einleiten.

Pflege
  • Das Anlegen wird in der Regel vom Orthopädietechniker gezeigt, Rückfragen erfolgen auch an die Pflegenden. Günstig ist daher die Anwesenheit bei der Anleitung

  • Anleiten zur Hautpflege nach der Entlassung:

    • Tgl. duschen, keine Salben oder Lotionen auf die Haut auftragen

    • Kleidung unter der Orthese: elastisches Baumwolltrikot ohne Seitennähte oder Faltenwurf

    • Patienten darauf hinweisen, dass die Haut um die Hüfte dunkler wird, nach Ende der Behandlung reversibel

  • Merkblätter für häusliche Physiotherapie aushändigen

  • Entlassungsvorbereitung

    • Hinweis auf ambulante Vorstellung nach 6 Wochen

    • Tragezeit: 23 h/Tag, 1 h Abnehmen für Körperpflege und Krankengymnastik erlaubt

    • Sportarten sind, wenn möglich, erlaubt

  • Entwöhnung (nach entsprechendem Befund)

    • Zu Beginn stundenweise Entwöhnung am Vormittag

    • Gleichzeitig verstärkter Einsatz stabilisierender Physiotherapie

    • Tragen nur noch nachts (ca. 3 Monate)

    • Danach Weglassen der Orthese, jährliche Kontrolluntersuchung.

Betreuung von Orthesenträgern
  • Enge Zusammenarbeit mit dem Orthopädietechniker

  • Genaue Einweisung in Funktionen, Pflege sowie das Anlegen der Orthese

  • Kontrolle der Passform: zu weit, zu eng, Druckstellen?

  • Beobachten von ungewünschten Bewegungseinschränkungen

  • Dokumentation und Information an den Arzt bei auftretenden Mängeln

  • Überprüfung der Einhaltung angeordneter Tragezeiten, Aufklärung und Motivation; erfordert besonders bei Kindern Zeit und Einfühlungsvermögen

  • Anleiten zur Körperpflege, evtl. Druckstellen behandeln

  • Erkennen notwendiger prophylaktischer Maßnahmen und Durchführung.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Als Grundsatz gilt: wirksame Orthesen sind unbequem, und bequeme Orthesen sind unwirksam

  • Je nach Grunderkrankung erfordert die Pflege viel Einfühlungsvermögen und psychosoziale Betreuung, z. B. zeitweilige oder bleibende Behinderung, Einschränkung der Sexualität, u. U. Verlust des Berufes.

Schienen

SchieneZur Ruhigstellung von Frakturen; bei Knochen- und Gelenkerkrankungen, Weichteilwunden, Entzündungen, Phlebitis und Thrombosen.
Material
Geeignete Schiene, Polstermaterial (Schaumstoff, Polsterwatte), elastische Binden, ggf. industriell gefertigter Schienenbezug, ggf. Lochstabsystem zur Fixierung der Schiene und Einbindung in eine Extension.
Vorbereiten
Schiene an der gesunden Extremität anpassen, Einstellen des Gelenkwinkels (z. B. Ellenbogen: mittlere Funktionsstellung ca. 90°, Knie: Ruhestellung ca. 30°), Metallteile abpolstern, Schiene umwickeln mit elastischer Binde, Ideal-, Cambricbinde, ggf. fertigen Netzüberzug für Braun-Schiene, ggf. Stoffüberzug mit Reißverschluss für Schaumstoffschiene.
Durchführen
  • Patienten informieren, entspannt lagern, Extremität passiv anheben (Assistenz), Schiene unterschieben, Extremität darauf ablegen, ggf. Schienenlänge korrigieren

  • Polsterung vervollständigen (z. B. Wadenbeinköpfchen, Knöchel, Ellenbogen, Handgelenk), ggf. Beugungswinkel korrigieren (Schienenwinkel verstellen oder kleines Polster unterlegen), ggf. Extremität anwickeln

  • Wickeltechnik: Bereich von Kniekehle, Achillessehne und Fußsohle zur Unterstützung fest wickeln, Bereich des Ober- und Unterschenkels locker wickeln, Fersenbereich frei lassen, Stellschrauben nicht einwickeln für ggf. nachträgliche Verstellung

  • Ggf. Schiene an Halterung fixieren (Lochstabsystem), Fußstütze für gesundes Bein herrichten, achsengerechte Lage des Patienten kontrollieren, ggf. korrigieren.

Nachbereiten
Durchblutung, Sensibilität und Beweglichkeit regelmäßig an Fingern oder Zehen prüfen, Schienensitz mehrmals tgl. kontrollieren.

Beobachten

Decken bei fixierten Extremitäten nicht aufliegen lassen (Dekubitusgefahr).

Abduktionsschiene
Abduktionsschiene SchieneAbduktion Bei Verletzungen und Entzündungen an Oberarmschaft oder Schulter.
Material
Abduktionsschiene aus Cramer-Schienen gefertigt (wenig stabil), von der Industrie oder von Bandagisten gefertigte Ausführung (z. B. nach Auracher), entsprechend geformter Schaumstoffquader (Abduktionsrolle).
Durchführen
  • Ellenbogengelenk: Mittelstellung fast 90°

  • Schultergelenk: Oberarm um ca. 45° angehoben (nicht 90°), um ca. 30° nach ventral vorgeschoben. Abstützpunkte und Gurte abpolstern, korrekte Lage häufig kontrollieren.

Volkmann-Schiene
Volkmann-Schiene SchieneVolkmann Besonders geeignet bei septischen Bedingungen (problemlose Desinfektion).
Material
Muldenförmige Schiene mit rechtwinklig angebrachter Fußplatte, im Fersenbereich Aussparung für die Ferse, T-förmige Stütze kann am Fußteil ausgezogen werden, in Längsrichtung verstellbar, glatte Oberflächen.
Durchführen
  • Polstermaterial mit Schlauchmull fixieren, Polsterkissen für Kniekehle und Achillessehne fertigen, zur Hochlagerung T-Stütze entsprechend herausziehen

  • Bein in die Schienenmulde einlegen, korrekte Fußstellung beachten: 90° und Ferse in Aussparung, Polster unter Kniekehle und Achillessehne platzieren, ggf. Bein anwinkeln

  • Polsterung an der Fußstütze häufig wechseln, da sie durch Schwitzen feucht wird.

Braun-Schiene
Braun-Schiene SchieneBraun Besonders geeignet zur Extensionstherapie, bei Unterschenkelödemen.
Material
  • Eisenrahmenkonstruktion zur Herstellung einer erhöhten Beinauflage (Abb. 17.3)

  • Sonderausführungen:

    • Nach Kirschner: Einstellmöglichkeit von Höhe und Kniewinkel

    • Krapp Schiene: frei schwebende Befestigung an Lochstabsystem

    • Frankfurter Schiene: ermöglicht und unterstützt Bewegungen des Beines zur Physiotherapie.

Durchführen
  • Die Schiene sorgfältig umwickeln: unter Kniegelenk und Achillessehne fest, im Bereich von Ober- und Unterschenkel locker; Fußstütze fest wickeln, aber nicht bei Extensionen, Fersenbereich frei lassen. Alternativ: Verwendung einer elastischen Netzbespannung

  • Bein auf die Braun-Schiene legen, korrekte Lage beachten: Fuß in 90°-Stellung – in Verbindung mit Extension, Fuß mit Schlauchmull aufhängen – Kniekehle exakt auf dem Kniewinkel der Schiene; Schienenwicklung täglich kontrollieren, ggf. nachspannen.

Schaumstoffschiene
Schaumstoffschiene SchieneSchaumstoff Alternative für Metallschiene, keine zusätzliche Polsterung, weniger geeignet bei nässenden Wunden und erforderlichen Wundspülungen.
Material
Schaumstoffschienen in der Form von Volkmann-, Braun- und Krapp-Schiene, am Fußteil verstärkt durch Sperrholzplatte oder Aluminiumblech, passender Stoffbezug mit Reißverschluss (Braun-Schaumstoffschiene), Leinentuch zum Auslegen der Schienenmulde.
Durchführen
Schiene in ausreichender Größe auswählen und die Schienenmulde mit Leinentuch auslegen (spezieller Bezug bei Braun-Schienen). Bei nässenden Wunden muss ein wasserdichtes Tuch eingelegt werden. Dabei wird aber die Ventilation unterbunden – es entsteht eine feuchte Kammer.
Nachbereitung: Schaumstoffschiene nach Gebrauch desinfizieren.

Gipsverbände

GipsverbandBei VerbandGips FrakturGipsverband Frakturen, Weichteilverletzungen, Entzündungen, Fußdeformitäten. Grundsatz: die beiden benachbarten Gelenke zur Fraktur werden mit ruhiggestellt.
Vorteile
  • Baldige Mobilisation, besonders bei Gehgipsen

  • Häufig ambulante Behandlung möglich

  • Keine Infektionsgefahr, da Fraktur geschlossen bleibt.

Nachteile
  • Keine absolute Ruhigstellung möglich bei dickem Weichteilmantel

  • Gefahr von Druckstellen

  • Kontrakturgefahr durch lange Ruhigstellung der benachbarten Gelenke.

Anlegen eines Gipsverbandes
  • Material: Gipsbinden, Longuette Longuetten, Wasser (20–25°C), Polstermaterial, Papierbinden, Schlauchmull, Gipsmesser, Gipsschere, Rabenschnabel, Gipsspreizer, oszillierende Säge, Gipstisch, Bildwandler

  • Vorbereiten: Patienten informieren, entspannt lagern, störende Kleidung entfernen, für Assistenz sorgen, Longuetten abmessen

  • Die Polsterung soll so dünn wie möglich und so dick wie nötig sein. Hierbei besonders auf druckgefährdete Stellen (Abb. 17.4) Rücksicht nehmen. Es darf nie Haut auf Haut zu liegen kommen

  • Bereits bei der Polsterung auf regelgerechte Gelenkstellung achten, um eine Faltenbildung zu vermeiden. Die Polsterung soll 2 cm über die geplante Gipslänge hinausgehen. Unter dem Verband dürfen sich keine Pflaster befinden (Allergie), Wundverbände werden durch die Polsterung fixiert. Günstig ist eine 3-lagige Polsterung aus einem Baumwollschlauchverband zum Hautschutz, synthetischer Watte zur Polsterung und Krepppapier zur Fixierung und Schutz der Polsterung vor Feuchtigkeit (Abb. 17.5)

  • Bei einer Temperatur des sauberen Tauchwassers von 20°C beträgt der Zeitraum zwischen erstem Eintauchen und letzter Modellierungsmöglichkeit 5 min; mit jedem Grad Temperaturerhöhung sinkt diese Zeit um 10 s. Die Wassertemperatur darf nicht über 30°C liegen

  • Gips wässern, bis keine Luftblasen mehr auftauchen und vollständig ausdrücken

  • Gipsverband der Körperform anmodellieren, eingegipste Extremität auf flacher Hand halten, damit keine Druckstellen entstehen

  • Gipsenden durch Umschlagen der Polsterung und/oder des Schlauchmulls abrunden, Oberfläche glätten, Gipsreste von der Haut entfernen, Frakturstellung kontrollieren, Gips trocknen lassen, nicht zudecken

  • Anfangsfestigkeit nach ca. 30 min (Transfer: Liege – Bett, Bett – Nachtstuhl), Endfestigkeit nach 1–3 Tagen

  • Spalten des Gipsverbandes. Indikation: bei Schwellungen (Wundödeme, Hämatome, Gelenkergüsse, Entzündungen), zirkulärem Gips und Gipsentfernung. Aufsägen des Gipses bis zur letzten Faser in ganzer Länge, mit elastischer Binde wieder zusammenbinden

  • Fensterung des Gipsverbandes. Indikation: bei Wunden, Druckstellen. Ausreichend große Gipsplatte aussägen, Gipsränder glätten, ggf. unterpolstern, Gipsplatte einpassen, mit elastischer Binde fixieren

  • Röntgen-Kontrolle nach Gips-Anlage.

Synthetische Stützverbände und Fraktur-Management-Systeme
Stützverband, synthetischer VerbandStütz-, synthetischer FrakturManagement-System Als Alternative zum herkömmlichen Gipsverband finden heute vielfach synthetische Stützverbände Anwendung. Materialien wie Polyester-, Polypropylen- und Fiberglasgewebe ermöglichen eine hohe Festigkeit des Verbandes bei geringem Materialaufwand und eine Gewichtsreduktion.
Weitere Möglichkeit bei Frakturen am Bein, Knöchel oder der Achillessehnenruptur sind sog. Fraktur-Management-Systeme, z. B. Vacoped®. Sie ermöglichen die Behandlung von der postoperativen Lagerung bis zum gestützten Gehen mit einer Orthese in einem System. Dadurch werden bei hohem Tragekomfort, guter Hygiene (Abnehmen zur Körperpflege möglich) und Sicherheit mehrmalige Gipswechsel vermieden.

Beobachten

  • DMS (Durchblutung, Mobilität, Sensorik) DMS (Durchblutung, Motorik, Sensibilität) regelmäßig prüfen

    • Durchblutung: gute Sicht auf angrenzende Hautbezirke schaffen, z. B. Zehen (reinigen, Verband entfernen); Hautfarbe? Schwellung? Puls?

    • Motorik: Zehen-, Fingerwackeln möglich?

    • Sensibilität: Schmerzen? Gefühlsstörungen?

  • Verband: Auffälligkeiten dem Arzt melden.

Pflege
  • Positionsunterstützung: unbedingt Fehlstellungen und Druckstellen vermeiden

  • Gipskrümel sofort aus dem Bett entfernen

  • Mobilisieren: Patienten zu angeordneten Übungen anhalten, genaue Information über die mögliche Belastbarkeit der Extremität, bei Gehhilfen richtige Benutzung üben lassen (Kap. 2.2.6)

  • Juckreiz: Patienten anhalten, auf spitze Gegenstände zum Kratzen unter dem Gips zu verzichten → Verletzungsgefahr.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Jeder zirkulär unelastisch angelegte Verband, auch nach Operation oder bei Infektion, muss bis auf die Haut gespalten werden

  • Jeder Klage über einen Gips nachgehen, bis diese ausgeräumt ist

  • Bei Schmerzen Gips unbedingt entfernen und sofort Arzt verständigen

  • Obligatorische Gipskontrolle nach 24 h

  • Alle immobilisierenden Verbände der unteren Extremität erfordern eine Thromboseprophylaxe, auch ambulant.

Drahtextension

Drahtextension Zug, z. B. in Längsrichtung eines Gliedmaßenabschnitts, bei Frakturen zur Vermeidung von Dislokation oder als Gelenkentlastung unter geeigneter Lagerung (Schiene, Braun- Lochstab-System). FrakturDrahtextension Häufigste Anwendung bei Femur-, Unterschenkel- und Sprunggelenksfraktur sowie instabiler HWS. Indikationen: Osteosynthese nicht primär möglich, bei „inoperablen“ Patienten, z. B. alte, kreislaufschwache Patienten mit Schenkelhalsfraktur; i. d. R. heute nur noch übergangsweise.
Material
Hautdesinfektionsmittel, sterile Handschuhe, Lokalanästhesie, Skalpell, Lagerungsschiene, Extensionsgerüst (z. B. Braun-Lochstab-System), Kirschnerdraht oder Steinmannnagel, elektrischer Extensionsbohrer, Verbandsmaterial.
Durchführen
Arzt
Patient informieren, aseptisch vorgehen, Extensionspunkte bestimmen, Hautdesinfektion, Lokalanästhesie, Hautinzision, Extensionsdraht durch den Knochen bohren, Ein- und Austrittswunde desinfizieren, Schlitzkompressen auflegen, Schraubplatten anlegen, Extensionsbügel am Extensionsdraht befestigen, überstehende Drahtenden abknipsen; Zugseil in Extensionsbügel einhängen; dabei auf achsengerechte Zugrichtung achten und Gewicht anhängen, ca. 10–15 % des Körpergewichts.
Pflege
  • Vorbereiten: Störende Kleidung entfernen, Lagern auf entsprechender Schiene (Kap. 17.1.5), Extensionsgerüst aufbauen, ggf. Fuß frei hängen zur Spitzfußprophylaxe, Fußstütze für das gesunde Bein, Fußende leicht erhöhen: Körpergewicht bildet ein Gegengewicht zur Extension, Materialien bereitlegen, ggf. Assistenz

  • Prophylaxen: Dekubitus, Thrombose, Kontraktur, Pneumonie

  • Nachbereiten: Urinflasche/Steckbecken, Rufanlage und persönliche Utensilien in Griffnähe. Kontrolle der Zugrichtung und der Lage des Pat. (Gelenke in physiologische Mittelstellung?), Materialien entsorgen.

Komplikationen und Prophylaxen
  • FrakturHeilungsstörung Fraktur-Heilungsstörungen (Pseudoarthrose Pseudoarthrose): ständigen Zug gewährleisten, freie Zugseilführung, keine Manipulation am Gewicht, Lage nicht verändern, ggf. auf Schiene fixieren, ggf. Röntgenkontrolle nach Anordnung

  • Nervenläsionen: regelmäßig Sensibilität und Beweglichkeit an Zehen und Fingern prüfen, zum Ausschluss einer Fußheberlähmung Dorsalflexion des Fußes prüfen, Polsterungen besonders an Stellen mit oberflächlich verlaufenden Nervenbahnen (z. B. Wadenbeinköpfchen)

  • Druckschäden: Gelenke unterpolstern, Schiene polstern, Fersen freilagern, aufliegende Körperteile weich lagern, z. B. Steißbein, Wirbelsäule, Schulterblätter

  • Osteomyelitis: tgl. aseptischer Verbandswechsel, Wunden inspizieren, Polstermaterialien und Schienenbezug regelmäßig wechseln, Körperpflege.

Beobachten

  • Lagerung überprüfen

  • Eintrittsstelle des Nagels auf Infektionszeichen beobachten: Rötung, Schwellung, Schmerz, Sekretion

  • Schmerz und/oder Infektionszeichen immer dem Arzt melden

  • Durchblutung, Sensibilität, Motorik kontrollieren (Parese durch Schienendruck häufig)

  • Anzeichen von Dekubitus, Pneumonie, Thrombose frühzeitig erkennen.

Pflege
  • Gewichte nach Anordnung anhängen (Abb. 17.6)

  • Lagerung: Fuß in 20° Außenrotation, Neutralstellung im oberen Sprunggelenk, Ferse frei, Kniekehle unterpolstern, Oberschenkel an Schiene anliegend, Fußende des Bettes ggf. hochstellen, wenn erforderlich Fixierung des Beines mit elastischen Binden

  • Hilfe bei Körperpflege und Ausscheidungen. Immer mit größter Vorsicht vorgehen, unnötige Manipulationen vermeiden

  • Bei Transporten und Manipulation am Bett auf die hängenden Gewichte achten

  • Eintrittsstelle des Drahtes/Nagels täglich desinfizieren

  • Konsequente Durchführung aller prophylaktischen Maßnahmen: hohe Dekubitus-, Thrombose- und Pneumoniegefahr

  • Patienten ggf. Möglichkeiten zur Beschäftigung anbieten, Angehörige einbeziehen.

Osteosynthese

Osteosynthese FrakturOsteosynthese Operative Vereinigung von Knochenfragmenten, z. B. mit Schrauben, Nägeln, Platten.

Beobachten

  • Wunde: Infektionszeichen, z. B. Rötung, Schwellung, Schmerz, Sekretion, bei verdächtigen Befunden unverzüglich Arzt informieren: Gefahr der Osteomyelitis

  • Schmerzen, Allgemeinzustand

  • Haut (Dekubitusgefahr), Körpertemperatur.

Pflege
  • Lagern: ohne Druck und in physiologischer Mittelstellung; Ausnahme Knie: wird nur leicht unterpolstert, um eine Beugekontraktur zu vermeiden

  • So bald als möglich (Anordnung) mit Bewegungsübungen der nicht betroffenen Gelenke beginnen; falls erforderlich wird eine Reha-Maßnahme vor der Entlassung eingeleitet

  • Genaue Information der Patienten über Art und Weise der zulässigen Belastung

  • Wunde: aseptischer Verbandswechsel (Kap. 3.10.6).

Fixateur externe

Fixateur externe Zur Therapie von Frakturen an Extremitäten eingesetzt, z. B. bei offenen Frakturen (Abb. 17.7) oder Patienten mit Polytrauma.
Pflege
  • Prophylaxen umfassend durchführen

  • Verbandswechsel unter aseptischen Kautelen (Kap. 3.10.6), Pins täglich auf Entzündungszeichen kontrollieren, ggf. Sekret und Krusten entfernen. Nach Desinfektion mit steriler Schlitzkompresse versorgen.

Epithesen

Epithese FrakturVersorgung, operative Künstliches Organersatzstück aus z. B. Kunststoff, Titan, v. a. zur Bedeckung von Gesichtsteilen.
Eine Steg-Reiter-Konstruktion aus Titan als Anker oder ein Magnet werden in den entsprechenden Knochen implantiert, das fehlende Gewebe (Nase, Ohr, Wange, Augenhöhle etc.) wird aus Kunststoff (PVC, Polymethylmetacrylate) oder Silikon originalgetreu nachgebildet und der Hautfarbe entsprechend eingefärbt.
Indikation: angeborener oder z. B. nach Unfall, OP erworbener Gewebedefekt im Gesichtsbereich:
  • Eine Rekonstruktion durch plastische Chirurgie ist nicht möglich oder nicht gewünscht

  • Die psychische Situation des Patienten erfordert eine schnelle Lösung

  • Der Patient ist in der Lage, die Epithese täglich ausreichend zu pflegen, unter Beachtung einer strengen Hygiene.

Pflege
  • Nach der Implantation streng aseptische Wundversorgung nach Anordnung, Schmerztherapie bei Bedarf

  • Nach abgeschlossener Wundheilung Anlegen der Epithese mit gleichzeitiger Anleitung des Patienten

  • Täglich gründliche Reinigung und Pflege der Haut unter der Epithese, Verletzungen unbedingt vermeiden.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Sichtbare Defekte vor allem im Gesichtsbereich stellen eine besondere Situation dar und führen häufig zu schwerer psychischer Belastung

  • Pflege und Anleitung mit großer Vorsicht und viel Einfühlungsvermögen durchführen

  • Je eher der Patient seine Epithese alleine versorgen kann, desto besser

  • Durch die im Knochen implantierte Verankerung besteht immer die Gefahr der Knocheninfektion, die zu noch größeren Defekten führen kann

  • Eine gut gemachte Epithese bedeutet eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität

  • Die Behandlungskosten werden von der Krankenkasse übernommen.

Erkrankungen

Frakturen

Wirbelsäulenfraktur
Wirbelsäulenfraktur FrakturWirbelsäule Fraktur an einem Wirbelkörper, überwiegend an der BWS oder LWS meist durch indirekte Gewalt, z. B.: Stauchung. Es wird zwischen Frakturen des Wirbelkörpers, des Bogens sowie der Querfortsätze und des Dornfortsatzes differenziert.
Allgemeine Symptome
  • Schmerzen im Rücken, die in die Flanke ausstrahlen können

  • Je nach Lokalisation Sensibilitätsstörungen in den unter der Fraktur liegenden Bereichen sowie den Extremitäten.

Diagnostik
Röntgen, CT, MRT, ggf. neurologisches Konsil (Kap. 19.2).

Erstmaßnahmen bei Wirbelsäulenfraktur

  • Puls, RR, Atmung, Bewusstsein kontrollieren

  • Venöser Zugang

  • Labor Hb, Hkt, Blutgruppe

  • Evtl. auf Intensivstation oder in Spezialklinik verlegen.

Therapie
  • Querschnittslähmung (Kap. 19.7) ausschließen

  • Evtl. Verlegung in Spezialklinik prüfen

  • Analgesierung, ggf. Sedierung

  • Konservativ oder operativ

  • Bei HWS-Fraktur Ruhigstellung mit z. B. Stifneck® Stifneck® o. Ä.

Komplikationen
Atemstillstand, Querschnittslähmung, neurologische Ausfälle.
Fraktur der unteren BWS und LWS
Erstmaßnahmen
Siehe Wirbelsäulenfraktur.
Konservative Therapie (nur bei stabilen Frakturen)
  • 2–5 Tage Bettruhe auf flacher harter Matratze

  • Physiotherapie mit statischem Rumpfmuskeltraining, Atemgymnastik

  • Analgetika. Bei Darmhypotonie: Prostigmin® i. m.

  • Frühzeitig mit 3-Punkt-Korsett (Kap. 17.1.4), z. B. nach Bähler, mobilisieren.

Komplikationen
Obstipation, Thrombose, bei längerer Bettruhe Dekubitus.
Pflege
  • Unterstützen bei allen Einschränkungen

  • Thrombose-, Obstipations- und Dekubitusprophylaxe durchführen. Sorgfältige Hautpflege, Weichlagerung nur nach Rücksprache

  • Beobachten: Schmerzen, Ausscheidung und die Haut.

Operative Therapie (bei instabilen Frakturen)
Verschraubung oder Verplattung der betroffenen Wirbelkörper.
Pflege
  • Lagern je nach Angaben des Operateurs

  • Wenn stabil, nach Röntgen-Kontrolle mobilisieren

  • Patient darf bis zu 6 Wochen nicht dauerhaft sitzen

  • Wundkontrollen durchführen.

Komplikationen
Wundinfektion, Dekubitus, Thrombose.
Beckenringfrakturen
Beckenringfraktur FrakturBeckenring Das menschliche Becken ist in Ringform aufgebaut. Bei einer „Beckenringfraktur“ ist dieser Ring so gebrochen, dass die Stabilität nicht mehr gegeben ist.
Diagnostik, Erstmaßnahmen
Siehe Wirbelsäulenfraktur.
Therapie
  • Bei verschobenen Frakturen Reposition sowie Osteosynthese mit Schrauben und/oder Platten

  • Bei nicht verschobenen Frakturen → Bettruhe nach ärztlicher Anordnung

  • Frühzeitige Mobilisation so bald wie möglich.

Komplikationen
  • Bei Hämatomen Infektion

  • Tiefe Beckenvenen- oder Beinvenenthrombosen

  • Dekubitus

  • Pneumonie.

Pflege
  • Bei allen Einschränkungen unterstützen, aktivierend pflegen, Prophylaxen konsequent anwenden

  • Stuhlgang beobachten und ggf. Obstipationsprophylaxe durchführen (Kap. 2.8.1)

  • Unterstützen der Frühmobilisation in Absprache mit dem Arzt und Physiotherapeuten.

Schädel-Hirn-Trauma (SHT)

Schädel-Hirn-Trauma (SHT)Commotio cerebri TraumaSchädel-Hirn Im Gegensatz zur Schädelprellung geht das SHT mit Bewusstseinsstörung und vegetativen Begleitsymptomen, wie Erbrechen und heftigen Kopfschmerzen, einher. Je nachdem, ob eine Verbindung zwischen Liquorraum und Außenwelt besteht, wird zwischen offenem und gedecktem SHT unterschieden (Tab. 17.1).
Allgemeine Symptome
  • Bewusstseinsveränderung, Amnesie, Bewusstlosigkeit

  • Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen

  • Pupillen: unterschiedliche Pupillengröße, verzögerte Reaktion auf Licht

  • Krampfanfälle, Halbseitensymptomatik (Hemiplegie, positiver Babinski-Reflex)

  • Tonusänderung der Muskulatur.

Diagnostik
  • Inspektion

    • Frakturzeichen: Brillenhämatom? Liquorfluss aus Nase oder Ohr, Glukosenachweis, z. B. mit Blutzucker-Stix

    • Sonstige Verletzungen

  • Neurologische Untersuchung, evtl. Konsil; Einschätzung des Schweregrades, z. B. nach Glasgow-Koma-Skala (GCS) (Abb. 17.8)

  • Rö-Schädel, CT-Schädel, MRT, EEG

  • Labor: umfassende Blutwerte, Gerinnung, Blutgruppe, BGA

  • In schwereren Fällen Verlegung u. U. sofort für die OP vorbereiten, Verlegung auf die Intensivstation nach OP.

Erstmaßnahmen bei Schädel-Hirn-Trauma

  • RR, Puls, Atmung kontrollieren

  • Bewusstseinslage, Pupillenweite, -reaktion prüfen

  • Patienten flach lagern, Kopf 30° hoch

  • EKG-Monitor; Venenzugang.

Weitere Therapie
  • Evtl. Medikamente gegen Kopfschmerzen/Erbrechen nach ärztlicher Anordnung

  • Bei einem einfachen SHT Bettruhe für 1–2 Tage, leichte Kost

  • Bei schweren Formen: auf Intensivstation überwachen

  • Kreislauf stabilisieren

  • Kortikosteroide gegen die Entwicklung eines Hirnödems.

Komplikationen
  • Blutungen: epidural, subdural, intrazerebral, Kopfschwartenhämatom (Kap. 19.9.1)

  • Schädelfrakturen

  • Entzündungen, z. B. Meningitis, Enzephalitis (Kap. 19.3.1); Krampfanfälle

  • Aspiration, starke Verschleimung, Ersticken.

Beobachten

  • Die Beobachtung der Bewusstseinslage, z. B. mit Glasgow-Koma-Skala (Abb. 17.8), ist von zentraler Bedeutung. Dazu den Patienten u. U. auch nachts wecken

  • Zeichen für Schädelfraktur (Liquorrhö?), intrazerebrale Blutung (Kap. 19.9.1), thorakale (Kap. 17.2.3) oder abdominale Verletzungen (Kap. 17.2.3)

  • RR, Puls, u. U. ZVD, Atmung, Motorik

  • Pupillendifferenz, Pupillenreaktion. Direkte Lichtreaktion: Pupillenverengung bei unmittelbarem Lichteinfall? Indirekte Lichtreaktion: Verengt sich bei Belichtung nur einer Pupille gleichzeitig die andere?

  • Engmaschig Temperatur kontrollieren, da Gefahr von zentralem Fieber

  • Gesammelte Dokumentation aller Beobachtungen, z. B. auf einem Beobachtungsbogen (Tab. 17.2).

Pflege
  • Bei leichteren Formen sobald wie möglich mobilisieren, da durch Bettruhe das Krankheitsgefühl verstärkt wird

  • Nahrungskarenz nach Anordnung überwachen

  • Hilfestellung bei Erbrechen, Aspirationsgefahr!

  • Ab mittelschweren Formen bei Körperpflege und Nahrungsaufnahme unterstützen

  • Alle erforderlichen Prophylaxen durchführen:

    • Hohe Pneumoniegefahr

    • Obstipationsprophylaxe, Bauchpresse steigert Hirndruck

    • Dekubitusprophylaxe: Weichlagerung. Nicht umlagern → steigert Hirndruck

  • Lagerung: flach, Kopf 30° hochlagern

  • Pflege bei Fieber (Kap. 2.6.3)

  • Augenpflege (Kap. 2.3.3).

Tipps, Tricks und Fallen

  • Liegt eine Wunde vor, nach Tetanusimpfung fragen

  • Bei ansteigendem RR und bradykardem Puls sofort Arzt verständigen: Hirndruck! (Kap. 19.8)

  • Unter keinen Umständen Kopftieflage

  • Für Pupillendifferenz kann auch ein Glasauge verantwortlich sein

  • Bei zentralem Fieber: konsequent physikalische Maßnahmen anwenden, z. B. Waschungen mit lauwarmem Wasser/Pfefferminztee bei gleichzeitiger Kühlung von außen (z. B. durch Kühlelemente)

  • Bei Gefahr eines Hirnödems keine Reinigungseinläufe (Resorption von zusätzlicher Flüssigkeit).

Thorax- und Bauchtrauma

Lungenkontusion
Thoraxtrauma Lungenkontusion TraumaThorax TraumaBauch Traumatische Quetschung der Lunge meist im Zusammenhang mit einem Polytrauma, von einer Schocklunge nur schwer zu unterscheiden.

Erstmaßnahmen bei Thorax- und Bauchtrauma

  • Ruhe bewahren; Patienten zum Durchatmen anhalten, Arzt verständigen

  • O2 nach Anordnung applizieren; Materialien für Blutabnahme und venösen Zugang richten

  • Vitalzeichen kontrollieren, Atmung beobachten, auf Schocksymptomatik achten

  • Ggf. Verlegen auf die Intensivstation.

Symptome und Diagnostik Tab. 17.3
Therapie
  • Bei leichteren Fällen engmaschig BGA kontrollieren

  • Oft ist eine längere Intubation und Beatmung erforderlich

  • Absaugen von Luft oder Blut aus der Pleurahöhle mittels Thoraxsaugdrainage (Kap. 9.4.2), Röntgenkontrolle

  • Verschluss offener Verletzungen

  • Antibiotika.

Komplikationen
  • Verstopfen der Saugdrainage (Kap. 9.4.2)

  • Infektion der Einstichstelle: Rötung, Schwellung, Schmerz

  • Pneumonie

  • Selten: Lungenabszess, Pleuraempyem bei Thoraxdrainage.

Pflege
  • Baldmöglichst mobilisieren

  • Atemgymnastik, Physiotherapeuten einschalten

  • Drainage unter streng aseptischen Bedingungen versorgen (Kap. 9.4.2).

Beobachten

  • Atmung, ggf. BGA

  • RR, Puls, Temperatur

  • Hämoptyse?

Beachten

  • Bei Drainagen an der Austrittsstelle auf Entzündungszeichen oder Sekretverhaltungen achten: Schwellung, Schmerzen im betroffenen Gebiet, Temperaturanstieg, plötzliches, vollständiges Fehlen einer Sekretion

  • Grundsätze der Schmerztherapie einhalten (Kap. 2.11).

Bauchtrauma

Erstmaßnahmen bei Bauchtrauma

  • Arzt Bauchtrauma verständigen

  • Kreislauf kontrollieren, auf Schmerzen beobachten

  • Materialien für venösen Zugang richten

  • Vorbereiten einer OP oder Verlegung auf die Intensivstation

  • Absolute Nahrungskarenz bis Abklärung.

Symptome und Therapie
Diagnostik
  • Venöser Zugang, ZVK

  • Labor: BB, Elektrolyte, Gerinnungsfaktoren, BGA, Blutgruppe

  • Rö: Abdomen, Ultraschall, EKG

  • U. U. urologisches Konsil, Zystoskopie.

Beobachten

  • Schmerzen

  • RR, Puls

  • Abwehrspannung

  • Ausscheidungen: Menge, Aussehen: blutig?

  • Sonografische Kontrolle des Bauches, ggf. Bauchumfang 4-stündlich messen, Messstelle markieren.

Weitere Maßnahmen
Sehr stark von der Diagnose und der festgestellten Verletzung abhängig.
  • Hb-Kontrolle

  • Großlumiger Zugang

  • Auf jeden Fall nüchtern lassen, Rauchverbot

  • Ruhe halten, Bewegungen des Patienten auf das Nötigste reduzieren

  • Unterstützen bei der Körperpflege, konsequent alle Prophylaxen durchführen

  • U. U. prä- und postoperative Pflege

  • Blasendauerkatheter

  • Infusionstherapie überwachen.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Abgrenzung zu internistischen Erkrankungen, z. B. Herzinfarkt, oft schwierig

  • Bei Kapseleinblutungen, z. B. in der Milz, ist ein mehrtägiges beschwerdefreies Intervall mit folgender Ruptur möglich → Überwachung über längere Zeit erforderlich

  • Aufgrund der möglichen Komplikationen sind die Patienten ängstlich →für ausführliche Information sorgen.

Ostitis, Osteomyelitis

Ostitis Osteomyelitis Infektion eines Knochens bzw. des Knochenmarks. Es gibt endogene hämatogene Streuung von Erregern, z. B. bei Phlegmone, und exogene Ursachen nach offenen Frakturen oder OP.
Symptome
Entzündungszeichen (Rötung, Schwellung, Schmerz, Überwärmung, Funktionsstörung), Eiterung mit Fistelbildung.
Diagnostik
  • Labor: BB, Blutkultur (Kap. 3.7.1)

  • Evtl. Punktion, Wundabstrich

  • Rö: Darstellung im Frühstadium nicht möglich

  • Leukozyten-Szintigrafie, MRT.

Therapie
  • Absolute Ruhigstellung

  • Antibiotika i. v. bzw. lokal mittels Spül-Saug-Drainage

  • Operative Ausräumung; evtl. mit Osteosynthese, z. B. Fixateur externe (Kap. 17.1.9).

Komplikationen
Wachstumsstörungen bei Kindern; Deformationen, pathologische Frakturen, Rezidiv.
Pflege
  • Nach Erregerbestimmung: medikamentöse Therapie durchführen/überwachen

  • Trotz infizierter Wunde streng aseptisches Vorgehen bei allen Maßnahmen

  • Nicht mit OP-Patienten in ein Zimmer legen. Ideal: auf eine septische Station oder in ein Einzelzimmer verlegen, um Keimverschleppung zu verhindern

  • Händedesinfektionsmittel am Bett bzw. im Zimmer bereitstellen

  • Während der Ruhigstellung bei allen Einschränkungen unterstützen

  • Pflege bei Fieber (Kap. 2.6.3)

  • Versorgung der Spül-Saug-Drainage (Kap. 9.4.2)

    • Aseptisch vorgehen bei Flaschenwechsel und Verbandswechsel (Kap. 3.10.6)

    • Angegebene Tropfgeschwindigkeit bzw. Durchflussmenge genau einhalten

    • Auslaufendes Sekret auf Menge, Aussehen, Beschaffenheit beobachten und dokumentieren

    • Vor Entfernung des Spülsystems stundenweise abklemmen und beobachten

    • Passive Bewegung mit Motorschiene.

Beobachten

  • Vitalzeichen, Temperatur mehrmals tgl.

  • Entzündungszeichen

  • Schmerzen.

Tipps, Tricks und Fallen

Besonders nach Abklingen oder Therapie der Schmerzen ist die absolute Ruhigstellung für die meisten Patienten problematisch. Ggf. Möglichkeiten zur Beschäftigung anbieten, Angehörige einbeziehen.

Knochentumore

Pflege
  • Knochentumor TumorKnochen Onkologische Pflege, Strahlentherapie (Kap. 13.3.4)

  • Schmerztherapie (Kap. 2.11)

  • Bei Bedarf Versorgung der Amputationswunden (Kap. 17.1.3)

  • Sorgfalt bei der Durchführung aller Prophylaxen.

Tipps, Tricks und Fallen

  • Bei jedem Körperkontakt an die Möglichkeit von Spontanfrakturen denken

  • Kontinuierlicher Kontakt und Gesprächsbereitschaft tragen zur psychischen Entlastung bei, auf Wunsch Sozialdienst, Psychotherapeut oder Seelsorger benachrichtigen

  • Die Betreuung der Angehörigen ist oft ebenso wichtig wie die der Patienten.

Literaturhinweise

Fleischhauer and Heimann, 2014

M. Fleischhauer D. Heimann U. Hinkelmann Leitfaden Physiotherapie in der Orthopädie und Traumatologie 2. Aufl. 2014 Elsevier, Urban & Fischer Verlag München

Protz, 2014

K. Protz Moderne Wundversorgung 7. Aufl. 2014 Elsevier, Urban & Fischer Verlag München

AuthorAnonymous, 2013

M. v. d. Mühlen C. Keller Pflege konkret. Chirurgie Orthopädie Urologie 4. Aufl. 2013 Elsevier, Urban & Fischer Verlag München

Website

Bundesverband für Menschen mit Arm- oder Beinamputationen e, 2015

Bundesverband für Menschen mit Arm- oder Beinamputationen e. V. www.ampuwiki.de (letzter Zugriff 7.7.2015).

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