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B978-3-437-22235-1.00020-6

10.1016/B978-3-437-22235-1.00020-6

978-3-437-22235-1

Abb. 20.1

[L157]

Regulation WachstumshormonSekretion, Regulationder HGH-Sekretion

Referenzbereiche Prolaktin (PRL)

Tab. 20.1
ng/ml μU/ml
Frauen, Follikelphase < 15 480
Frauen, Lutealphase < 20 650
Frauen, Postmenopause < 15 480
Männer < 15 480

Umrechnungsfaktor: ng/ml × 32,5 = μU/ml

Physiologische Stimulation Metoclopramid-Test

Tab. 20.2
Frauen vor der Menopause PRL ≤ 10-facher Basalwert
Frauen in der Postmenopause; Männer Geringerer Anstieg

Referenzbereich TRH-Test zur Prolaktinstimulation

Tab. 20.3
Frauen vor der Menopause PRL ≤ 3-facher Basalwert
Frauen in der Postmenopause; Männer Geringerer Anstieg

Referenzbereich WachstumshormonReferenzbereichWachstumshormon (HGH, STH)

Tab. 20.4
Alter Referenzbereich (8:00 Uhr, nüchtern)
ng/ml pmol/l
Postpubertär 0–8 < 372
Präpubertär 1–10 47–465
Neugeborene 15–40 700–1.860
Nabelschnurblut 10–50 465–2.325

Umrechnungsfaktor: ng/ml × 46,5 = pmol/l

Physiologische Stimulation GHRH-Test zur HGH-WachstumshormonGHRH-TestBestimmung

Tab. 20.5
Max. Stimulation (Zeit) HGH-Anstieg
15–30 Min. nach Injektion > 10 ng/ml

Referenzbereich Argininbelastung

Tab. 20.6
Max. Stimulation (Zeit) HGH-Anstieg
30–60 Min. nach Injektion > 10 ng/ml oder mind. 3- bis 4-facher Ausgangswert

Physiologische Stimulation Insulin-Hypoglykämie-Test

Tab. 20.7
HGH-Konzentration > 10 ng/ml
HGH-Maximum 30–90 Min.
Blutzucker-Minimum 15–30 Min.

Physiologische Suppression oraler Glukosetoleranztest (HGH; in ng/ml)

Tab. 20.8
HGH Polyklonaler Assay: < 2
Monoklonaler Assay: < 1

Prolaktin, Wachstumshormone

Bernhard Otto Böhm

Simone Claudi-Böhm

  • 20.1

    Prolaktin360

    • 20.1.1

      Grundlagen360

    • 20.1.2

      Prolaktin im Serum $360

    • 20.1.3

      Metoclopramid-Test $362

    • 20.1.4

      TRH-Test zur Prolaktinstimulation $362

  • 20.2

    Wachstumshormon363

    • 20.2.1

      Grundlagen363

    • 20.2.2

      Diagnosestrategie364

    • 20.2.3

      HGH $$$365

    • 20.2.4

      GHRH-Test zur HGH-Bestimmung $$$366

    • 20.2.5

      Argininbelastung $$$367

    • 20.2.6

      Insulin-Hypoglykämie-Test (IHT) $$$367

    • 20.2.7

      oGTT zur HGH-Suppression $$$368

    • 20.2.8

      Somatomedine/IGF-I $$$369

Prolaktin

Grundlagen

ProlaktinPhysiologieProlaktin (PRL) ist ein Glykoprotein mit 193 Aminosäuren. Synthese und Speicherung in den laktotrophen Zellen des HVL. Die PRL-Sekretion unterliegt einer tonischen Hemmung durch einen hypothalamischen Prolaktin-Inhibitor (DopaminDopamin). Dopamin-DopaminRezeptorblockerRezeptorblocker (z. B. Metoclopramid, Psychopharmaka) bewirken eine Sekretionssteigerung des PRL. PRL wird in Episoden (Pulsen) sezerniert, die sich auf den zirkadianen Rhythmus mit nächtlichen Spitzenkonzentrationen des PRL aufaddieren. Die Wirkung von PRL besteht hauptsächlich in der Aufrechterhaltung der Laktogenese während der Postpartalperiode.
EinflussfaktorenProlaktinEinflussfaktorenEndogene Stimulanzien des PRL sind Östrogene und hypothalamische Releasing-Faktoren (GnRH, TRH). PRL wird durch Einflüsse wie Stress, Tag-Nacht-Rhythmus oder Mamillenstimulation freigesetzt. Physiologischerweise finden sich Erhöhungen des Serum-PRL im Schlaf, während stärkerer körperlicher oder seelischer Belastung, in Schwangerschaft und Postpartalperiode. Path. ↑ ist PRL bei HypophysentumorenHypophysenadenomen mit PRL-Bildung, Durchtrennung des Hypophysenstiels (Wegfall der hypothalamischen Inhibition) oder bei funktioneller Hyperprolaktinämie ohne Tumornachweis. Wegen Erhöhung der hypothalamischen TRH-Freisetzung finden sich begleitende Hyperprolaktinämien auch bei prim. HypothyreoseHypothyreose.
KlinikKlin. äußert sich eine PRL-Erhöhung bei Frauen durch das Auftreten einer ein- oder beidseitigen GalaktorrhöGalaktorrhö. Zusätzlich Zyklusstörungen wie Oligomenorrhö, Amenorrhö, Corpus-luteum-Insuff. und Anovulation. Gelegentlich werden Mastodynie, Libidostörungen sowie Hirsutismus und Akne beobachtet.
Bei Männern fällt HyperprolaktinämieKlinikeine Hyperprolaktinämie klinisch i. d. R. erst recht spät auf und ist dann an HypogonadismusHyperprolaktinämieHypogonadismus, gelegentlich an Gynäkomastie, Galaktorrhö, Libido- und Potenzstörungen zu erkennen.

Prolaktin im Serum $

Indikationen Prolaktin Serum
  • DD von ZyklusstörungenZyklusstörungen: laborchem. Abgrenzung ggü. hyperandrogenämischen, hyper- oder hypogonadotropen Formen der Ovarialinsuff. bei Vorliegen von Oligoamenorrhö, anovulatorischen Zyklen oder Corpus-luteum-Insuff.

  • DD des HirsutismusHirsutismus

  • DD HypogonadismusDDHypogonadismus bei Männern: Abgrenzung ggü. hypo- oder hypergonadotropen Formen der GonadeninsuffizienzGonadeninsuff.

  • DD Galaktorrhöder Galaktorrhö: bei ein- oder beidseitigem Auftreten von Mamillensekretion

UntersuchungsmaterialSerum oder Plasma. Blutentnahme zwischen 8:00 und 18:00 Uhr (zirkadiane Schwankungen).
BestimmungsmethodeECLIA, EIA, andere.
ReferenzbereicheTab. 20.1.
BewertungBei Interpretation physiol. Stimulatoren der PRL-Sekretion wie zirkadiane Rhythmik, Östrogenmilieu, Schwangerschaft und Laktation beachten. ProlaktinBefundinterpretation
Erhöhte Werte:
  • Prolaktinom: autonome ProlaktinomPRL-Sekretion, PRL-Spiegel meist > 40 ng/ml. Bei PRL > 200 ng/ml (basal) ist ein ProlaktinomProlaktinom weitgehend gesichert → MRT, Tests der anderen Hypophysenachsen

  • Mangel an prolaktininhibitorischem Faktor bei Prolaktininhibitorischer Faktor, MangelHypophysentumoren oder Hypophysenstieldurchtrennung

  • Medikamente: v. a. Dopaminantagonisten (etwa Metoclopramid) und östrogenhaltige Präparate (Ovulationshemmer, Substitutionsöstrogene), Antidepressiva, Neuroleptika, Antihypertensiva, Antazida

  • Funktionelle Hyperprolaktinämie (PRL-Spiegel Hyperprolaktinämiemeist < 40 ng/ml, kein Nachweis eines Hypophysentumors): körperlicher Stress, seelische Belastung, Schwangerschaft, Stillperiode

  • Begleithyperprolaktinämie bei prim. Hypothyreose: hier PRL-Spiegel selten > 40 ng/ml

  • Schwere Niereninsuff.: PRL wird vermindert renal ausgeschieden und akkumuliert

Erniedrigte Werte:
  • Hypophyseninsuff., Dopaminagonisten (ProlaktinsenkerProlaktinsenker)

  • Übertherapie mit Prolaktinsenkern: Hypoprolaktinämie kann zu Störungen der Corpus-luteum-Funktion führen

Störungen und Besonderheiten
  • Stress und möglicherweise Palpation der Mammae können zur Erhöhung des Serum-Prolaktins führen. Daher PRL-Bestimmung vor Befundung der Brust durchführen. Abnahme möglichst belastungsfrei.

  • Bei ↑ Serum-PRL immer an die Einnahme von Medikamenten mit prolaktinstimulierender Wirkung denken.

  • Makroprolaktin: Komplexe aus PRL und IgG – selten, Non-IgG-Makroprolaktin ohne Beteiligung von IgG, hohes Serum-PRL ohne biol. Aktivität, daher Fehlinterpretationen möglich. Um Fehlinterpretationen bei der PRL-Bestimmung zu vermeiden, können Proben mit erhöhten PRL-Spiegeln durch eine Fällungsreaktion (mit Polyethylenglykol [PEG]) auf Vorliegen eines Makroprolaktin-Anteils überprüft werden.

  • Die PROL-Bestimmung ist Teil der Basisdiagnostik jeder Zyklusstörung, da bei etwa der Hälfte aller Pat. mit OligoamenorrhöHyperprolaktinämieOligoamenorrhö die Ursache eine Hyperprolaktinämie ist.

  • PRL-Werte > 200 ng/ml sind adenomverdächtig: MRT-Diagnostik der Hypophyse.

Metoclopramid-Test $

TestprinzipPRL Metoclopramid-Testlässt sich durch Rezeptorblockade des Dopamins stimulieren, weil dann die tonische Hemmung von ProlaktinMetoclopramid-TestPRL entfällt.
Indikationen
  • Latente Hyperprolaktinämie Hyperprolaktinämielatente

  • Bei leicht erhöhten PRL-Werten als Hinweis für eine überschießende Freisetzung von PRL unter physiol. Bedingungen, z. B. im Schlaf. Zur zusätzlichen Bestätigung einer überschießenden PRL-Freisetzung

Durchführung
  • 15 Min. vor Testbeginn i. v. Zugang legen

  • Blutentnahme zur Bestimmung der basalen PRL-Konz. i. S. bei –10 und 0 Min.

  • Injektion von Metoclopramid 10 mg i. v.

  • Blutentnahme zur Bestimmung der stimulierten PRL-Konz. 15 und 30 Min. p. i.

  • NW: Gefühl von Schwindel, vorübergehender Blutdruckabfall, ataktische Störungen

  • KI: schwere Niereninsuff., Methämoglobinämie

Physiologische StimulationTab. 20.2.
Bewertung
Überschießende Prolaktinstimulation: Bei Stimulationsverhalten des PRL über das 10-Fache des Ausgangswerts ist an eine gesteigerte Freisetzung unter physiol. Umständen zu denken. Dadurch lässt sich eine vorübergehende Hyperprolaktinämie vermuten, jedoch nicht beweisen. Anstieg auf das < 10-Fache der Norm physiol., darüber path.; d. h. unter physiol. Reizen ist path. Freisetzung zu vermuten.
Störungen und Besonderheiten
  • Wegen der zirkadianen Rhythmik des PRL sollte der Metoclopramid-Test zwischen 8:00 und 18:00 Uhr erfolgen. Bester Zykluszeitpunkt ist die Lutealphase.

  • Die Aussagekraft des Tests ist auch bei path. Ausfall eingeschränkt und keineswegs beweisend für eine klin. bedeutsame latente Hyperprolaktinämie.

TRH-Test zur Prolaktinstimulation $

TRH-TestProlaktinstimulationProlaktinStimulationTRH-Test zur TSH-Stimulation 16.6.
TestprinzipEiner der physiol. Stimulatoren des PRL ist das hypothalamische Thyreotropin-Releasing-Thyreotropin-Releasing-Hormon (TRH)Hormon (TRH).
IndikationenBei grenzwertig erhöhten PRL-Werten als Hinweis für überschießende Freisetzung von ProlaktinTRH-TestPRL → Ausschluss latenter HyperprolaktinämielatenteHyperprolaktinämie.
Durchführung
  • 15 Min. vor Testbeginn i. v. Zugang legen

  • Blutentnahme zur Bestimmung basaler PRL-Konz. i. S. bei –10 und 0 Min.

  • Injektion von TRH 200 µg i. v.

  • Blutentnahme zur Bestimmung der stimulierten PRL-Konz. 30 Min. p. i.

  • NW: Wärmegefühl im Unterbauch, Blasendruck, Übelkeit, Schwindel

  • KI: Überempfindlichkeit auf TRH, Krampfleiden

ReferenzbereichTab. 20.3.
Bewertung
  • Überschießende PRL-Stimulation: Bei Stimulationsverhalten des PRL über das 3-Fache des Ausgangswerts ist eine latente Hyperprolaktinämie möglich.

  • Fehlender PRL-Anstieg auf TRH: Hyperthyreose, Suppressionstherapie durch SD-Hormone, Suppression durch Glukokortikoide und Dopaminagonisten.

  • PRL starr: hohes basales Niveau, keine Stimulation, Adenomverdacht. Hypophysentumoren

Störungen und BesonderheitenDer TRH-Test soll nicht gleichzeitig mit dem Metoclopramid-Test durchgeführt werden. Denn die Anwendung von Metoclopramid allein führt zur Hyperprolaktinämie; dies kann eine latente Hyperprolaktinämie vortäuschen.

Wachstumshormon

Grundlagen

Syn.: human growth hormoneHGH (human growth hormone) (HGH), growth hormone (GH), GH (growth hormone)somatotropes HormonSomatotropes Hormon (STH) (STH (somatotropes Hormon)STH), Somatotropin.SomatotropinWachstumshormon
Wie die anderen Hormone des Hypophysenvorderlappens (HVL) unterliegt auch das Wachstumshormon (HGH) einer übergeordneten Regulation (Abb. 20.1). G(H)RH (growth hormone releasing hormone)GHRH (Growth Hormone Releasing Hormone) stimuliert und SomatostatinSomatostatin (growth hormone inhibiting hormone) hemmt die Sekretion von HGH. Die HGH-Freisetzung verläuft in Pulsen, die v. a. mit dem Schlaf assoziiert sind. Einflussfaktoren der Sekretion sind: Stress, körperliche Aktivität, Nahrung, Glykämie (Diab. mell.), Alter, Steroidhormone, Neurotransmitter und weitere zentralnervöse Stimuli.
Eine der wesentlichsten Funktionen von HGH ist die Förderung von Wachstum und Reifung. Die Stimulation des Längenwachstums ist nur möglich, solange die Epiphysenfugen offen sind. Die Effekte werden z. T. über die SomatomedineSomatomedine (insulin-like growth factors, IGF)Insulin-like Growth Factor (IGF) vermittelt. Zudem hat HGH metabolische Wirkungen. Es steigert die Proteinbiosynthese und den Fettumsatz (proteinsparender Effekt), daneben fördert es die Knochenmineralisation. Im Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel kann HGH insulinartig wirken, aber auch antiinsulinär (diabetogen, lipolytisch). Ein HGH-Überschuss (AkromegalieAkromegalie) führt zur Hemmung der peripheren Glukoseutilisation durch Insulinresistenz mit Störung der Glukosetoleranz. HGH-Rezeptoren wurden v. a. auf Leberzellen, aber auch in vielen anderen Geweben nachgewiesen.

Diagnosestrategie

HGH-Überschuss
Klinik Wachstumshormon Überschuss, DD
  • Kinder: GigantismusGigantismus, hypophysärer RiesenwuchsRiesenwuchs

  • Erw.: Akromegalie Akromegalie

BasisdiagnostikBiochemische Diagnosesicherung:
  • Screening: Insulin-like Growth Factor I (IGF-I) = Somatomedin C (SM-C) 20.2.8

  • Definitive Diagnose: oGTT mit Bestimmung von HGH (physiol. glukosesupprimierte HGH-Konz.)

Weiterführende Diagnostik
  • Nachweis eines HVL-Adenoms durch NMR

  • Funktionsdiagnostik anderer HVL-Achsen

HGH-Mangel
Klinik Wachstumshormon Mangel
  • Kinder: Wachstumsretardierung, Wachstumsretardierunghypophysärer KleinwuchsKleinwuchs (früher: Minderwuchs), extremer Kleinwuchs (früher: ZwergwuchsZwergwuchs)

  • Erw.: metabolische Störungen unterschiedlicher Ausprägung und Relevanz, HVL-Insuff.

BasisdiagnostikHGH, IGF-1, Beurteilung der Geschlechtsentwicklung und Bestimmung des Knochenalters bei Kindern.
Weiterführende Diagnostik
  • HGH-Mangel gilt als bewiesen, wenn 2 der 3 als spez. geltenden Stimulationstests path. ausfallen:

    • GHRH-Stimulationstest

    • Arginin-Belastungstest

    • Insulin-Hypoglykämie-Test

  • Bei ≥ 3 Ausfällen anderer hypophysärer Achsen ist ein HGH-Mangel fast immer, bei Ausfall von 1–2 Achsen in etwa 80 % vorhanden.

  • Selten notwendige Funktionstests: Exercise-Test, Stimulationstest mit Dopa, Clonidin, Glukagon. Gelten als weniger spezifisch und weniger gut standardisiert.

  • Bei allen Funktionstests schließt ein HGH-Anstieg auf ≥ 10 ng/ml einen HGH-Mangel aus, ein subnormaler oder fehlender Anstieg kann aber auch bei Gesunden vorkommen.

Spezielle Diagnostik
  • Komplette Abklärung der HVL-Funktion

  • Bildgebung (NMR) im Bereich der Sella (Tumor, Z. n. OP)

  • Stoffwechseldiagnostik bei länger bestehendem HGH-Mangel (Hypertonie, Diab. mell., Blutfette) und Bestimmung der Knochendichte (Osteoporose)

HGH $$$

Synthese im HVL; HGH ist ein einkettiges Polypeptid mit 191 Aminosäuren, enthält 2 Disulfidbrücken und hat ein Molekulargewicht von 22 kD. HGH zirkuliert ungebunden und teilweise als Komplex mit einem Bindungsprotein (HGH-BP) im Plasma mit einer HWZ von 20–50 Min. Zu geringerem Anteil zirkulieren auch eine 20-k-Form und dimere bzw. polymere Formen des HGH-Moleküls, die als Big-GH bzw. Big-Big-GH bezeichnet werden.
Indikationen
  • Störungen der Wachstumshormonsekretion

  • DD HypophysentumorenHypophysentumoren

  • DD HypophysenvorderlappeninsuffizienzHVL-Insuff.

  • DD KleinwuchsKleinwuchs

  • DD HochwuchsHochwuchs, GigantismusGigantismus, AkromegalieAkromegalie

  • V. a. ektope HGH- oder GHRH-Produktion (extrem selten)

  • DD Hypoglykämien, fehlende Hypoglykämiewahrnehmung

  • Z. n. Schädel-Hirn-Trauma

UntersuchungsmaterialSerum, Plasma. Cave: 30 Min. vor Blutentnahme venösen Zugang legen.
BestimmungsmethodeRIA, IRMA, CLIA. Sensitivität 0,04 ng/ml bzw. 1,9 pmol/l. Assays mit polyklonalen AK erbringen etwas höhere Messwerte und sollten insb. bei Suppressionstests nicht mehr zur Anwendung kommen.
ReferenzbereichTab. 20.4.
BewertungDie Aussagekraft eines HGH-Basalwerts ist gering. Normalwerte schließen eine Erkr. nicht aus. Je nach Problemstellung sind standardisierte Stimulations- oder Suppressionstests mit Messung der HGH-Konz. erforderlich (20.2.4, 20.2.5, 20.2.6, 20.2.7). WachstumshormonBefundinterpretation
  • Erniedrigte Werte: Eine HVL-insuff. ist nur durch den path. Ausfall von Stimulationstests zu Hypophysenvorderlappeninsuffizienzdiagnostizieren. Bei hochnormalen HGH-Werten der altersentsprechenden Norm ist ein relevanter HGH-Mangel jedoch kaum anzunehmen.

  • Erhöhte Werte: Akromegalie, hypophysärer Hochwuchs: nur durch path. Ausfall von Suppressionstests zu diagnostizieren. Bei HGH-Basalwert < 1 ng/ml ist ein HGH-Exzess allerdings sehr unwahrscheinlich.

Störungen und Besonderheiten
  • Falsch hohe Werte: Hypoglykämie, Stress

  • Falsch niedrige Werte: schlecht eingestellter Diab. mell.

  • Stabilität der Probe: Bei 4 °C 24 h, sonst bei –20 °C einfrieren

Nächtliche HGH-Wachstumshormonnächtliche MessungenMessungen: Physiologischerweise werden nach Erreichen tieferer Schlafstadien etwa 2 h nach dem Einschlafen HGH-Anstiege gemessen. Durch Erfassung des pulsatilen Sekretionsmusters (Anzahl und Amplitude der Pulse) können funktionelle Störungen der HGH-Sekretion erfasst werden → endokrinol. Spezialabteilungen, Schlaflabor.

GHRH-Test zur HGH-Bestimmung $$$

Stimulationstest. HGH-GHRH-Test, HGH-BestimmungReaktion auf das hypothalamische Releasing-Hormon.
IndikationenV. a. HGH-Mangel bzw. WachstumshormonMangelHypophysenvorderlappeninsuffizienzHVL-Insuff.; i. d. R. in Komb. mit anderen Releasing-Faktoren (Hypophysen-Kombinationstest, HKT).
Durchführung
  • 30 Min. vor Testbeginn i. v. Zugang legen

  • Blutentnahme zur Bestimmung basaler HGH-Konz. i. S. bei –30 Min. und 0 Min.

  • Injektion von GHRH 1 µg/kg KG i. v.

  • Blutentnahme zur Bestimmung stimulierter HGH-Konz. 15, 30, 45, 60 Min. p. i.

  • NW: Hitzegefühl, Flush

Physiologische StimulationTab. 20.5.
Bewertung
  • Physiol. Stimulationsverhalten: Anstieg auf Werte > 10 ng/ml ist gleichbedeutend mit dem Ausschluss eines HGH-Mangels. Bei alten Menschen können subnormale Anstiege noch physiol. sein. Bei jungen Menschen können Anstiege bis zu 100 ng/ml auftreten.

  • HGH-Mangel: subnormaler HGH-Anstieg, diagn. allein nicht beweisend → weitere Funktionstests notwendig.

  • BMI-abhängig; verminderte Anstiege bei BMI > 25.

Argininbelastung $$$

Stimulationstest. WachstumshormonArgininbelastungArgininbelastung
IndikationenV. a. HGH-Mangel.WachstumshormonMangel
Durchführung
  • 30 Min. vor Testbeginn i. v. Zugang legen

  • Blutentnahme zur Bestimmung basaler HGH-Konz. i. S. bei –30 Min. und 0 Min.

  • Infusion von 0,5 g/kg KG L-Arginin/HCl über 30 Min.

  • Blutentnahme zur Bestimmung stimulierter HGH-Konz. 30, 45, 60, 90, 120 Min. nach Infusion

ReferenzbereichTab. 20.6.
BewertungPhysiol. Stimulationsverhalten schließt einen HGH-Mangel aus. Bei hypothalamischem HGH-Mangel Anstieg verzögert.
BesonderheitenGHRH und Arginintest können auch kombiniert werden.

Insulin-Hypoglykämie-Test (IHT) $$$

Der IHT sollte nur Insulin-Hypoglykämie-Testin IHT (Insulin-Hypoglykämie-Test)erfahrenen endokrinol. Zentren unter optimierten Überwachungsbedingungen (s. u.) durchgeführt werden. Er gilt als zuverlässiger Test für den Nachweis einer HGH-Mindersekretion. WachstumshormonInsulin-Hypoglykämie-Test
TestprinzipStimulationstest unter Einbeziehung anderer Stimulationsmechanismen neben der klassischen Releasing-Hormon-Achse.
IndikationenV. a. HGH-Mangel. WachstumshormonMangel
Durchführung
  • Testdurchführung unter ärztlicher Überwachung. Glukose 40 % zur i. v. Injektion bereithalten

  • KI beachten: schwere Grunderkr., bekannte zerebrovaskuläre, kardiovaskuläre Insuff., Krampfleiden

  • I. v. Zugang legen und mit einer NaCl-Infusion offen halten

  • Blutabnahme zur Bestimmung der HGH-Konz. bei –15 Min. und 0 Min.

  • Gabe von Altinsulin i. v. als Bolus:

    • 0,1 IE/kg KG Altinsulin bei Normalpersonen mit normalem basalem BZ-Spiegel

    • 0,05 IE/kg KG Altinsulin bei NNR-Insuff. wegen defekter Gegenregulation

    • 0,2 IE/kg KG Altinsulin bei Adipositas oder Insulinresistenz, um ausreichende BZ-Senkung zu erreichen. Höhere Insulindosis jedoch erst bei Testwiederholung

    • Bei Kindern niedrigere Insulindosierungen

  • Blutabnahmen zur Bestimmung von BZ und HGH zu den Zeitpunkten 15, 30, 45, 60, 90 und 120 Min.

  • Registrierung von Hypoglykämiesymptomen

Physiologische StimulationTab. 20.7.
BewertungBewertung nur bei passagerer Hypoglykämie zulässig: Glukose < 40 mg/dl oder Blutzuckerabfall > 50 %.
  • Physiol. Stimulation: HGH-Peak > 10 ng/ml schließt HGH-Mangel aus

  • HGH-Mangel:

    • HGH-Peak 5–10 ng/ml (Graubereich): partieller HGH-Mangel, Senium, schwere oder chron. Grunderkr.

    • HGH-Peak < 5 ng/ml: HGH-Mangel

Störungen und BesonderheitenFalsch niedrige HGH-Stimulation durch ungenügende Hypoglykämie (s. o.).

oGTT zur HGH-Suppression $$$

Oraler Glukosetoleranztest (oGTT)HGH-SuppressionSuppressionstest. Die HGH-Sekretion wird beim Gesunden durch Glukosezufuhr unterdrückt. WachstumshormonoGTT
Indikationen
  • V. a. HGH-Überproduktion: Akromegalie, Akromegaliehypophysärer HochwuchsHochwuchs

  • Akromegalie: Therapie-, Verlaufskontrolle

Durchführung
  • I. v. Zugang 30 Min. vor Testbeginn legen

  • Blutentnahme zur Bestimmung basaler HGH-Konz. i. S. bei –30 Min. und 0 Min.

  • Orale Applikation einer standardisierten Lsg. von 100 g Glukose nüchtern innerhalb von 5 Min. Bei Kindern 1,75 g Glukose/kg KG

  • Blutentnahme zur Bestimmung stimulierter HGH-Konz. 30, 60, 90, 120, 180, 240 Min. nach Glukoseapplikation

  • Zur Erkennung einer gestörten Glukosetoleranz parallel Glukose bestimmen (fakultativ auch Insulin und C-Peptid)

  • !

    Test bei manifestem Diab. mell. nicht sinnvoll

Physiologische SuppressionTab. 20.8.
Bewertung
  • Physiol. Suppression: autonome HGH-Produktion unwahrscheinlich bzw. Akromegalie adäquat behandelt

  • Akromegalie: fehlende Suppression der HGH-Spiegel bzw. paradoxer Anstieg

Somatomedine/IGF-I $$$

Die insulin-like growth factors (IGF) bzw. SomatomedineInsulin-like Growth Factor (IGF)IGF-ISomatomedine stellen eine Familie von Polypeptiden dar. IGF-I (Somatomedin C, SM-C) vermittelt die Effekte von HGH auf Wachstum und Reifung. Die Synthese von IGF-II (Somatomedin A, SM-A) ist von HGH weitgehend unabhängig. Die physiol. Bedeutung von IGF-II ist noch nicht ausreichend geklärt. IGF-I und IGF-II haben zu Proinsulin homologe Strukturen. Der Rezeptor von IGF-I entspricht strukturell weitgehend dem Insulinrezeptor. Dies erklärt die insulinartige Aktivität der Somatomedine und macht andererseits die anabol-proliferative Wirkung von Insulin verständlich. Die Wirkung der Wachstumsfaktoren erfolgt über die Aktivierung der membranständigen IGF-Rezeptoren, die in fast allen Geweben bzw. auf den meisten Zelltypen nachweisbar sind. WachstumshormonSomatomedine
IGF-I ist eine Polypeptidkette von 70 Aminosäuren mit 3 Disulfidbrücken und einem Molekulargewicht von 7,6 kD. Die Synthese erfolgt im Wesentlichen in der Leber, aber auch lokal in verschiedenen Geweben. Im Plasma ist IGF-I an Transportproteine (insulin-like growth factor binding proteins, IGFBPIGFBP (insulin-like growth factor binding proteins)), insb. IGF-BP-3 gebunden. Die Synthese von IGF-I und von IGF-BP-3 wird v. a. durch HGH reguliert. Aufgrund der langen HWZ ist bei einem HGH-Stimulus erst nach 5–6 h mit einem Anstieg von IGF-I zu rechnen. Die neg. Feedbackregulation von HGH erfolgt über GHRH bzw. Somatostatin. Andere Stimulationsfaktoren für die Synthese von IGF-I sind Nahrungsaufnahme, SD-Hormone sowie adrenale und ovarielle Steroide.
Indikationen
  • Akromegalie, hypophysärer AkromegalieGigantismus: GigantismusDiagnostik, Verlaufskontrolle

  • KleinwuchsKleinwuchs, WachstumsstörungenWachstumsstörungen

  • Beurteilung der Effektivität von exogenem HGH

  • Bester Screeningparameter bei V. a. WachstumshormonMangelWachstumshormonmangel

  • Verlaufskontrolle bei Therapie mit Wachstumshormon

  • Beurteilung des Ernährungsstatus

UntersuchungsmaterialSerum, EDTA-Plasma. Probenmaterial bis zur Bestimmung bei ≤ –20 °C lagern.
ReferenzbereichSomatomedineReferenzbereichDie Referenzwerte sind methoden- und laborabhängig. Sie können erheblich differieren (Faktor 2–5). Generell sind die Normbereiche recht weit → altersabhängige Referenzwerte im Labor erfragen (Umrechnungsfaktoren: ng/ml × 0,131 = nmol/l; nmol/l × 7,649 = ng/ml).
BewertungPhysiol. Maximum von IGF-I während des pubertären Wachstumsschubs. Im Erw.-Alter konstantes Niveau, im höheren Alter Abfall der IGF-I-Konz. Frauen haben tendenziell höhere Konz. SomatomedineBefundinterpretation
Erhöhte Werte:
  • Akromegalie, hypophysärer Gigantismus: Autonome HGH-Überproduktion geht fast regelmäßig mit erhöhten Werten einher. Wertvolle diagn. Ergänzung in Diagnostik und Verlaufskontrolle. HGH-Bestimmung unter Glukosesuppression bleibt Goldstandard

  • Adipositas

  • Schwangerschaft: v. a. im letzten Trimenon

  • Paraneoplastisches endokrines Sy. mit ektoper Produktion von GHRH

Erniedrigte Werte:
  • HGH-Mangel: Niedrige IGF-I-Spiegel WachstumshormonMangelbei Kleinwuchs sprechen für HGH-Mangel, beweisen ihn aber nicht.

    • Laron-Sy.: genet. Laron-Syndromdeterminierter HGH-Rezeptor-Defekt; extremer Kleinwuchs mit niedrigem IGF-I, erhöhten HGH-Werten und fehlendem Anstieg von IGF-I nach exogener HGH-Gabe. Betroffene Kinder profitieren i. d. R. nicht von einer HGH-Therapie.

    • Ineffektives HGH-Molekül: bei Wachstumshormonineffektives MolekülKleinwuchs mit normalem bis erhöhtem HGH und niedrigem IGF-I, das aber nach Gabe von Wachstumshormon ansteigt. Wahrscheinlich Mutation, die zur Bildung eines veränderten HGH-Moleküls führt.

    • Ernährungsstörungen, Malabsorption, schlecht eingestellter Diab. mell., chron.-entzündliche Erkr. (insb. Hepatitiden), Z. n. Trauma, Malignome, Hypothyreose.

  • Anstiege i. R. von Funktionstests: IGF-I vor und nach Gabe von HGH. Durchführung und Interpretation sollte erfahrenen Endokrinologen bzw. pädiatrischen Endokrinologen überlassen bleiben.

Störungen und Besonderheiten
  • Wahrscheinlich werden über die Bindungsproteine unter physiol. Bedingungen die adäquaten Wirkkonzentrationen der Somatomedine auf der Gewebeebene feinreguliert.

  • Trotz HGH-Mangels wurden normale IGF-I-Spiegel bei Hyperprolaktinämie sowie Kraniopharyngeomen beschrieben.

  • Altersabhängigkeit bzw. Pubertätsstadien beachten.

  • Einflüsse von Pharmaka bisher nicht ausreichend untersucht.

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