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B978-3-437-22235-1.00025-5

10.1016/B978-3-437-22235-1.00025-5

978-3-437-22235-1

Abb. 25.1

[L190]

Indirekter Coombs-TestCoombs-Testindirekter

Abb. 25.2

[L190]

Direkter Coombs-TestCoombs-Testdirekter

Abb. 25.3

[M945, L157]

Checkliste TransfusionTransfusionChecklisteCheckliste Transfusion

Blutgruppenhäufigkeit in Blutgruppen(systeme)HäufigkeitMitteleuropa

Tab. 25.1
Blutgruppen Häufigkeit (%)
A 45
0 40
B 10
AB 5

Kompatibilität im AB0-TransfusionBlutgruppenkompatibilitätBlutgruppen(systeme)KompatibilitätAB0-SystemKompatibilitätSystem

Tab. 25.2
Patientenblutgruppe Kompatible EK Kompatible FFP
0 0 0, A, B, AB
A A, 0 A, AB
B B, 0 B, AB
AB AB, A, B, 0 AB

BlutgruppentestungBlutgruppen(systeme)Bestimmung

Tab. 25.3
Erythrozytenantigene: Reaktion mit den Testseren Blutgruppe Serumgegenprobe:
Agglutination von Testerythrozyten
Anti-A Anti-B A1 B 0
0 + +
+ A +
+ B +
+ + A1B

Bedingungen für die Lagerung und den Transport von Blutprodukten in den Einrichtungen der KrankenversorgungBlutprodukteLagerungsbedingungenBlutprodukteTransportbedingungen

Tab. 25.4
Blutprodukt Lagerungstemperatur Transporttemperatur
Erythrozytenkonzentrat 4 °C ± 2 °C 2–10 °C, bei sofortiger Anwendung auch bei Raumtemperatur
Thrombozytenkonzentrat (auch nach Behandlung zur Pathogenreduktion) 22 °C ± 2 °C unter ständiger Agitation Raumtemperatur
Therapeutisches Plasma, tiefgefroren (auch nach Behandlung zur Pathogenreduktion) unter –30 °C (Abweichungen von + 3 °C sind zulässig) oder gemäß Angaben des Herstellers auf dem Etikett mind. –18 °C, bei sofortiger Anwendung auch bei Raumtemperatur
Therapeutisches Plasma, aufgetaut zur sofortigen Transfusion nach Abgabe aus dem Blut-depot Raumtemperatur
Therapeutisches Plasma, lyophilisiert 2 bis 25 °C Raumtemperatur
Therapeutisches Plasma, lyophilisiert und rekonstituiert zur sofortigen Transfusion Raumtemperatur

Transfusionsmedizin

Birgid Neumeister

  • 25.1

    Blutgruppensysteme: theoretische Grundlagen525

    • 25.1.1

      Einleitung525

    • 25.1.2

      AB0-System525

    • 25.1.3

      Rhesus-System526

    • 25.1.4

      Andere Blutgruppensysteme527

  • 25.2

    Transfusion528

    • 25.2.1

      Indikationen528

    • 25.2.2

      Untersuchungen vor Transfusionen528

    • 25.2.3

      Durchführung einer Transfusion530

    • 25.2.4

      Rechtliche Aspekte530

    • 25.2.5

      Internetadressen Transfusionsmedizin531

  • 25.3

    Immunhämatologische Serologie531

    • 25.3.1

      Blutgruppen-bestimmung $–$$531

    • 25.3.2

      Antikörpersuchtest ($) und Differenzierung irregulärer Antikörper ($$)534

    • 25.3.3

      Direkter Coombs-Test $–$$537

    • 25.3.4

      Verträglichkeitsprobe $538

    • 25.3.5

      AB0-Identitätstest (Bedside-Test) $538

  • 25.4

    Blutpräparate540

    • 25.4.1

      Erythrozyten-konzentrate (EK)540

    • 25.4.2

      Thrombozyten-konzentrate (TK)541

    • 25.4.3

      Therapeutisches Plasma542

  • 25.5

    Transfusionszwischenfälle543

    • 25.5.1

      Grundlagen543

    • 25.5.2

      Erythrozytäre Transfusionszwischenfälle544

    • 25.5.3

      Transfusionszwischenfälle durch falsche Behandlung von EK545

    • 25.5.4

      Transfusionszwischenfälle durch HLA-Sensibilisierung545

    • 25.5.5

      Transfusionszwischenfälle durch Reaktion auf Plasmabestandteile545

    • 25.5.6

      Transfusionszwischenfälle durch infektiöse Erreger und Look-back-Verfahren546

  • 25.6

    Diagnostik autoimmunhämolytischer Anämien (AIHA)546

    • 25.6.1

      Grundlagen546

    • 25.6.2

      AIHA vom Wärmeautoantikörpertyp547

    • 25.6.3

      AIHA vom Kälteautoantikörpertyp548

    • 25.6.4

      Paroxysmale Kältehämoglobinurie549

    • 25.6.5

      Medikamenteninduzierte immunhämolytische Anämien549

    • 25.6.6

      Differenzialdiagnosen der hämolytischen Anämien550

  • 25.7

    Morbus haemolyticus neonatorum (MHN)551

    • 25.7.1

      Grundlagen551

    • 25.7.2

      MHN bei Rhesus-Inkompatibilität551

    • 25.7.3

      MHN bei AB0-Inkompatibilität552

  • 25.8

    Histokompatibilitätsdiagnostik553

    • 25.8.1

      Grundlagen553

    • 25.8.2

      HLA-Typisierung $$$554

    • 25.8.3

      Nachweis von Anti-HLA-Antikörpern $$–$$$555

Blutgruppensysteme: theoretische Grundlagen

Einleitung

Jedes Individuum Blutgruppen(systeme)besitzt bestimmte Blutgruppeneigenschaften an der Oberfläche der Erythrozyten (Erys), die nach den Mendel-Regeln vererbt werden. Man unterscheidet etwa 150 verschiedene Blutgruppensysteme mit jeweils unterschiedlicher Anzahl von Allelen. Nur einige besitzen klin. Relevanz. Am wichtigsten sind das AB0- und das Rhesus-System.

AB0-System

Das AB0-AB0-SystemSystem kennt vier Hauptphänotypen: A, B, AB und 0. Häufigkeit der Blutgruppen in Mitteleuropa Tab. 25.1.
Antigene
Blutgruppen(systeme)AntigeneAntigeneBlutgruppenBei den Blutgruppenantigenen, die in der Erythrozytenmembran lokalisiert sind, handelt es sich um Glykosphingolipide. Unter Einfluss des H-Gens (Genotyp HH, Hh), das eine Fukosyltransferase codiert, wird aus der „Grundsubstanz“ durch Anlagerung von L-Fukose die H-Substanz gebildet → Blutgruppe 0. A und B sind Gene für Glykosyltransferasen. Bei der Blutgruppe A wird an die H-Substanz zusätzlich ein N-Acetyl-D-Galaktosamin gebunden, bei der Blutgruppe B eine Galaktose. Bei der Blutgruppe AB kommen beide Liganden nebeneinander vor. Durch Anfügen dieses weiteren Zuckers wird die Formation antigenwirksam.
Auch die H-Substanz kann als Antigen (AG) wirken. Selten fehlt Personen mit dem Genotyp hh die H-Substanz (→ „Bombay-TypBombay-Typ“). Sie besitzen phänotypisch die Blutgruppe 0 (keine Agglutination mit Anti-A und Anti-B), bilden aber gleichzeitig auch ein Anti-H, was in der Serumgegenprobe (25.3.1) auffällt. Das Anti-H eines Bombay-Typs ist immunol. genauso wirksam wie ein Anti-A oder Anti-B und macht deshalb die Versorgung solcher Pat. extrem problematisch.
Antigenstärke der Blutgruppe A
Blutgruppen(systeme)AntigenstärkeDas Blutgruppenmerkmal A kann unterschiedliche AG-Stärken aufweisen. AG mit voller Stärke werden als A1, abgeschwächte Varianten als A2, A3, Ax, Am etc. bezeichnet. Je schwächer das A-AG ist, desto weniger reagieren die Erys mit Anti-A1 (Lektin aus der indischen Prunkbohne Dolichus biflorus), und desto stärker werden sie von Anti-H (Lektin aus dem europäischen Stechginster Ulex europaeus) agglutiniert. Am zeigt keinerlei Reaktion mit Anti-A1 (phänotypisch 0) und fällt nur durch die fehlenden Isoagglutinine gegen das A-AG in der Serumgegenprobe auf. Die korrekte Bestimmung der Blutgruppe gelingt hier nur durch Absorption von hochtitrigen humanen Anti-A1-Seren durch diese Erys und anschließende Elution. Das Eluat agglutiniert anschließend A1-pos. Testerys. Zunehmend werden molekularbiol. Methoden zum Nachweis von schwachen A-Varianten bei klin. Notwendigkeit eingesetzt.

Merke

Individuen mit schwachen A-Varianten besitzen oft ein kältewirksames natürliches Anti-A1, das in sehr seltenen Fällen nach Immunisierung mit A1-Erys (Transfusion mit A1-pos. Erys) wärmewirksam und somit klin. relevant werden kann.
Neben quantitativen gibt es auch qualitative Unterschiede zwischen A1 und A2. Die determinante Gruppe selbst (N-Acetyl-D-Galaktosamin) ist jedoch identisch.
Antikörper
Antikörperreguläre (Isoagglutinine)AntikörperBlutgruppenJeder Mensch entwickelt im ersten ½ Lj. Anti-A und/oder Anti-B komplementär zu seiner Blutgruppe.
  • Blutgruppe AB: kein Anti-A oder Anti-B

  • Blutgruppe B: Anti-A

  • Blutgruppe A: Anti-B

  • Blutgruppe 0: Anti-A und Anti-B

Ihre Bildung wird durch Kreuzantigene auf darmassoziierten E.-coli-Bakterien stimuliert. Diese physiol. vorkommenden AK gegen A- oder B-AG heißen IsoagglutinineIsoagglutinine oder reguläre AntikörperAntikörperreguläre (Isoagglutinine) und gehören überwiegend der Immunglobulinklasse M (IgM) an.
Irreguläre AntikörperAntikörperirreguläre sind AK, die durch in den Blutkreislauf eingetretene Fremderys und die daraus folgende Immunisierung der betroffenen Pat. (z. B. bei Transfusion oder Schwangerschaft) gegen die fremden Blutgruppenmerkmale induziert werden. Solche AK sind meist IgG-AK.

Merke

Es gibt auch „natürliche“ irreguläre AK.

Rhesus-System

Rhesus-SystemBlutgruppen(systeme)AntigeneDas zweitwichtigste Blutgruppen-Antigensystem ist das Rhesus-System. Den Namen hat es vom Rhesusaffen erhalten, bei dem ein ähnliches Antigensystem erstmals nachgewiesen wurde. Die Rhesus-Eigenschaft wird von drei Genpaaren eines Genkomplexes vererbt. Jeder Mensch besitzt je ein:
  • C-Paar, d. h. entweder CC, Cc oder cc

  • D-Gen, d. h. entweder DD, Dd oder dd (die Schreibweise „d“ kennzeichnet das Fehlen des Rhesus-D-Gens)

  • E-Paar, d. h. entweder EE, Ee oder ee

Das Antigen D ist am stärksten immunogen und wird deshalb zur Rhesus-Blutgruppenbezeichnung herangezogen. Personen mit Dd und DD sind phänotypisch Rhesus-positiv (Rh-pos.). Wer das Merkmal D nicht besitzt (dd), ist Rhesus-negativ (Rh-neg.).
Während die Kompatibilität des Rh-D-Antigens bei Transfusionen immer berücksichtigt werden muss, sollte eine Kompatibilität der Rh-Antigene C, c, E und e bei Mehrfachtransfusionen und bei Frauen im gebärfähigen Alter gewahrt bleiben.
Antigenstärke und Antigenvarianten des Rhesus-Antigens D
Rhesus-SystemAntigenstärke/-variantenDas Rh-AG D kann unterschiedlich stark abgeschwächt (Dweak) oder teilweise defekt sein (Dvariant, Syn.: Dpartial):
  • Dweak: vollständiges, nur in seiner Menge reduziertes AG. Bei Transfusion von Rh-pos. Blut keine Bildung von Anti-D → sowohl als Spender als auch als Empfänger Rh-pos. Die heute zur Rhesus-AG-D-Bestimmung eingesetzten monoklonalen Antiseren erkennen i. d. R. auch sehr schwache Dweak-Antigene und führen zur Direktagglutination im salinen Milieu.

  • Dvariant: deletiertes AG, dem einzelne Komponenten fehlen. Je nach Muster der Deletion werden verschiedene Deletionstypen (Kategorien) beschrieben.

    Der Dvariant-Kategorie VI fehlt ein Großteil der Epitope des Rh-AG D. Bei Transfusion von Rh-pos. Konserven Bildung von Anti-D → bei Transfusionsbedarf Versorgung des Pat. mit Rh-neg. Konserven!

Andere Blutgruppensysteme

Blutgruppen(systeme)Zahlreiche weitere erythrozytäre Antigensysteme können immunogen wirken. Gegen sie können AG-neg. Individuen irreguläre Allo-AK bilden. Die klinisch wichtigsten sind:
  • Kell-Blutgruppe: K, kKell-Blutgruppe

  • Duffy-Blutgruppe: Fya, Fyb Duffy-Blutgruppe

  • Kidd-Blutgruppe: JKa, JKb Kidd-Blutgruppe

  • Lewis-Blutgruppe: Lea, Leb Lewis-Blutgruppe

  • Lutheran-Blutgruppe: Lua, Lub Lutheran-Blutgruppe

  • MNS-System: M, N, S, s MNS-System

Die größte Bedeutung hat das Kell-Blutgruppensystem. Es sollte bei Mehrfachtransfusionen und bei Frauen im gebärfähigen Alter berücksichtigt werden. Die Bezeichnung Kell-pos. bezieht sich auf den Nachweis des Merkmals K (etwa 10 % der Bevölkerung), sei es homozygot (KK) oder heterozygot (Kk).

Immunogenität von Blutgruppen

  • RhD: 80 %Blutgruppen(systeme)Immunogenität

  • K: 5–10 %

  • CcEe: 1–3 %

Alle anderen AG-Systeme sind nur bei vorliegenden irregulären AK von Bedeutung. Prophylaktische Berücksichtigung ist aus logistischen Gründen nicht möglich. Der AK-Suchtest (25.3.2) und die Kreuzprobe (25.3.4) dienen der Entdeckung irregulärer AK.

Transfusion

Indikationen

TransfusionIndikationenBluttransfusionEs existieren keine festen Hb-Grenzen als Transfusionstrigger. Eine Transfusionsindikation muss immer in Abhängigkeit von den klin. Gegebenheiten gestellt werden. Orientierende Hinweise:
  • Erythrozytenkonzentrat (EK): ErythrozytenkonzentratIndikationen

    • Bei chron. Anämie: Hb-Konz. ≤ 6 g/100 ml

    • Bei sympt. Anämie: Hb-Konz. 6–8 g/100 ml

    • Bei kardialer oder pulmonaler Grunderkr.: Hb-Konz. ≤ 11 g/100 ml

    • Blutverlust ≥ 20 % (Kinder 10–15 %)

    • !

      Ein EK steigert den Hb-Wert um 1 g %

  • Therapeutisches Plasma (z. B. Fresh Frozen Plasma, FFP)Therapeutisches Plasma (FFP): bei Massentransfusion (ab 5 EK) zusätzliche Gabe von je 1 FFP pro 2 EK

    • !

      1 ml FFP/kg KG erhöht die Gerinnungsfaktoren um etwa 1–2 %

  • Thrombozytenkonzentrat (TK)Thrombozytenkonzentrat: wird aus 4–6 Einzelspendern oder maschinell als Hochkonzentrat von einem Spender gewonnen. Thrombopenie ab Thrombozytenzahl:

    • < 50.000/µl bei Blutung

    • < 10.000/µl auch ohne Blutungszeichen

    • !

      1 TK steigert die Thrombozytenzahl im Blut um 50.000–80.000/µl

Blutgruppenkompatibilität: Tab. 25.2.
Präparate: 25.4.

Untersuchungen vor Transfusionen

Notfalltransfusion
TransfusionVoruntersuchungenTransfusionNotfallNotfalltransfusionEs gibt klin. Notfallsituationen, bei denen keine Zeit für eine Kreuzprobe (25.3.4) bleibt → vor Transfusionsbeginn 10–20 ml venöses Blut ohne Zusätze oder EDTA-Blut (automatisierte Blutgruppenbestimmung) für nachträgliche Blutgruppenbestimmung (25.3.1) und Verträglichkeitsprobe (25.3.4) abnehmen!

Transfusion von EK ohne Verträglichkeitsprobe nur bei vitaler Indikation!

  • Sofortiger Blutbedarf: Polytrauma, akute gastrointestinale Blutung, Aortenaneurysma

    • Unbekannte Blutgruppe: Versorgung mit ungekreuzten EK der Blutgruppe 0 Rh-neg. und Plasma der Blutgruppe AB. Gleichzeitig aus vorher abgenommenem Kreuzblut Bestimmung von AB0-Blutgruppe und RhD-Faktor → weitere Versorgung mit AB0- und RhD-identen EK sowie AB0-identem Frischplasma, Kreuzprobe im Anschluss

    • Bekannte Blutgruppe: Versorgung mit ungekreuzten AB0- und Rh-identen EK sowie mit AB0-identen Frischplasmen, Kreuzprobe im Anschluss

  • Zeitlimit von 10 Min.: Bestimmung der AB0-Blutgruppe inkl. Serumgegenprobe und des RhD-Faktors. Pat. wird mit ungekreuzten AB0- und RhD-identen EK sowie mit AB0-identen Frischplasmen versorgt, Kreuzprobe im Anschluss

  • Zeitlimit von 30 Min.: Bestimmung der AB0-Blutgruppe inkl. Serumgegenprobe und des RhD-Faktors. Kreuzprobe als Schnellkreuzprobe → Versorgung mit in der Schnellkreuzprobe verträglichen AB0- und RhD-identen EK und AB0-identem Frischplasma

  • Zeitlimit von 45 Min.: Bestimmung der AB0-Blutgruppe inkl. Serumgegenprobe und des RhD-Faktors. Standardkreuzprobe → Versorgung mit verträglichen AB0- und RhD-identen EK und AB0-identem Frischplasma

  • Zeitlimit ≥ 60 Min.: Bestimmung der AB0-Blutgruppe inkl. Serumgegenprobe und AK-Suchtest sowie des RhD-Faktors. Standardkreuzprobe → Versorgung mit verträglichen AB0- und RhD-identen EK und AB0-identem Frischplasma

Merke

  • Der Bedside-Test muss bei jeder der o. g. Konstellationen durchgeführt werden! TransfusionBedside-Test

  • Bei Mangel an AB0-identen EK bzw. AB0-identen Plasmen darf im Notfall auf AB0-kompatible Produkte ausgewichen werden.

  • In jedem Fall anschließend sofort Kreuzprobe und AK-Suchtest durchführen:

    • Bei Vorliegen eines irregulären AK gegen andere Blutgruppensysteme: Noch nicht transfundierte Konserven austauschen.

    • Bei Unverträglichkeit: Maßnahmen gegen die Auswirkungen einer Hämolyse der Fremderys durch die AK des Pat. in vivo ergreifen.

  • Die Anforderung von Blutkonserven ist ein ärztliches Rezept und muss vom Arzt angeordnet und unterschrieben werden.

Planbare Transfusion
  • 10 ml Transfusionplanbarevenöses Blut ohne Zusätze oder EDTA-Blut (automatisierte Blutgruppenbestimmung) für Blutgruppenbestimmung, AK-Suchtest und Verträglichkeitsprobe. Wichtig ist die exakte Beschriftung von Röhrchen und Anforderungsbogen mit Name, Vorname und Geburtsdatum des Pat. Identität von Pat. und Blutprobe durch Nachfrage beim Pat. (Name, Vorname, Geburtsdatum) nochmals sichern! Der anfordernde Arzt muss auf dem Untersuchungsauftrag eindeutig ausgewiesen sein. Er ist für die Identität der Blutprobe verantwortlich.

  • Ausreichende klin. Angaben auf dem Anforderungsbogen (25.3.1) sowie die evtl. Benennung von Spezialpräparaten sind wichtig für die Bereitstellung geeigneter Blutkomponenten.

  • Beim Vorhandensein irregulärer AK kann deren Differenzierung und die Bereitstellung verträglicher EK mehrere Stunden in Anspruch nehmen.

Die Verträglichkeitsprobe gilt nur 3 d. Danach muss auch für bereits als verträglich ausgegebene oder bereitgestellte EK mit frisch entnommenem Blut eine neue Verträglichkeitsprobe durchgeführt werden!

Ausnahme: 7 d Gültigkeit, wenn in den vorangegangenen 3 Mon. keine Transfusion erfolgte und keine Schwangerschaft vorlag.

EK und FFP sollten AB0-ident, TK dürfen AB0-/RhD-kompatibel (Majorkompatibilität) transfundiert werden. Verträglichkeitsprobe oder Bedside-Test sind bei der ausschließlichen Gabe von FFP oder TK nicht erforderlich. Frauen im gebärfähigen Alter erhalten Anti-D-ProphylaxeAnti-D-Prophylaxe, wenn sie Rh-neg. sind und Rh-pos. TK erhalten haben.

Durchführung einer Transfusion

  • Die Anforderung von Blutkonserven ist ein ärztliches Rezept und muss vom Arzt angeordnet und unterschrieben werden.TransfusionDurchführung

  • Übereinstimmung von Konservennummer, Pat., Blutgruppenbefund, Begleitschein, Verträglichkeitsprobe sowie Verfallsdatum überprüfen.

  • Kontrolle des EK auf Unversehrtheit, Verfärbung und Hämolyse.

  • Bedside-Test (25.3.5) durchführen.

  • 30–50 ml transfundieren, dann Patientenreaktion überprüfen (Wohlbefinden, Blutdruck, Puls?). Anschließend unter regelmäßiger Überwachung weitertransfundieren. Transfusionsdauer insgesamt etwa 1 h, bei Herz- oder Niereninsuff. zur Vermeidung von Volumenüberlastung 3–4 h.

  • Leeren Blutbeutel unter aseptischen Bedingungen 24 h im Kühlschrank aufbewahren (evtl. Klärung von Transfusionszwischenfällen).

Rechtliche Aspekte

Transfusionrechtliche AspekteDie transfusionsmed. Therapie unterliegt in Deutschland zahlreichen rechtlichen Regelungen:
  • Richtlinie zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Hämotherapie) in der jeweils aktuellen Fassung

  • Transfusionsgesetz in der jeweils aktuellen Fassung

  • Querschnittsleitlinien zur Therapie mit Blutkomponenten und Plasmaderivaten in der jeweils aktuellen Fassung

Wichtige rechtliche Aspekte vor Beginn einer Transfusion:
Patientenindividualisierte Hämotherapie (Patient Blood Management)
Hämotherapie, patienten-individualisierteVor der Substitutionsbehandlung mit Blutprodukten ist patientenindividuell anhand jeweils aktueller Befunde zu prüfen, ob andere Maßnahmen geeignet sind, chron. oder akute Mangelzustände zu beheben. Hierzu zählen die Optimierung des Erythrozytenvolumens, die Minimierung von Blutungen und Blutverlusten sowie die Erhöhung und Ausschöpfung der Anämietoleranz (Patient Blood Management; patientenindividualisierte Hämotherapie).
Aufklärung und Einwilligung
  • TransfusionAufklärung und EinwilligungVerpflichtende Aufklärung über möglicherweise notwendig werdende allogene Bluttransfusion bei planbaren Eingriffen (Transfusionswahrscheinlichkeit von mind. 10 %), rechtzeitiger Hinweis auf die Möglichkeit der Anwendung autologer Hämotherapieverfahren mit Nutzen und Risiko der Entnahme und Anwendung von Eigenblut.

  • Aufklärung mündlich durch einen Arzt über sämtliche für die Einwilligung wesentlichen Umstände (Art, Umfang, Durchführung, zu erwartende Folgen und Risiken der Maßnahme sowie ihre Notwendigkeit, Dringlichkeit, Eignung und Erfolgsaussichten). Die Aufklärung muss für den Pat. verständlich sein. Dokumentationspflicht in der Patientenakte!

  • Die Aufklärung muss so rechtzeitig erfolgen, dass der Pat. seine Entscheidung über die Einwilligung wohlüberlegt treffen kann.

  • Der Arzt ist verpflichtet, im Anschluss an die Aufklärung die Einwilligung des Pat. einzuholen und diese in der Patientenakte zu dokumentieren. Die Einwilligung kann ausdrücklich oder konkludent, mündlich oder schriftlich, z. B. auf einem Aufklärungsformular, erklärt werden. Eine bestimmte Form ist nicht vorgeschrieben.

  • Sofern es sich um Kinder handelt, deren Eltern die Anwendung von Blutprodukten verweigern, ist das Familiengericht einzuschalten. Ist Gefahr im Verzug, sodass das Familiengericht nicht mehr rechtzeitig entscheiden kann, darf der Arzt auch ohne gerichtliche Genehmigung die notwendige Anwendung von Blutprodukten vornehmen.

  • Ist eine Aufklärung des Pat. vor der Anwendung von Blutprodukten nicht erfolgt, z. B. in einer Notfallsituation, dann ist der Pat. nachträglich über die stattgefundene Anwendung von Blutprodukten und insb. die Infektionsrisiken, ggf. Immunisierungsrisiken, aufzuklären. Diese nachträgliche Sicherungsaufklärung ist zu dokumentieren. Die Verantwortung für die nachträgliche Sicherungsaufklärung ist im Qualitätssicherungssystem (QS-System) der Einrichtung festzulegen.

Identitätssicherung
TransfusionIdentitätssicherungSowohl bei der Entnahme der Blutprobe für die Verträglichkeitsprobe als auch vor der Transfusion (Zuordnung der Blutpräparate zum Pat.) ist der Arzt für die Identitätssicherung verantwortlich!

Internetadressen Transfusionsmedizin

  • Paul-Ehrlich-Institut: www.pei.de Transfusionsmedizin, Internetadressen

    • Gesetze und Verordnungen

    • Meldeformulare

    • Zahlreiche Links

  • Bundesärztekammer: www.bundesaerztekammer.de

    • Richtlinien und Leitlinien

    • Transfusionsgesetz

    • Handreichung für Qualitätsbeauftragte

  • Robert Koch-Institut: www.rki.de, Arbeitskreis Blut (Voten)

  • Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI): www.dgti.de

Immunhämatologische Serologie

Blutgruppenbestimmung $–$$

IndikationenBlutgruppen(systeme)BestimmungOP-Vorbereitung, akuter Blutbedarf, Ausstellung eines Blutgruppenausweises, Beginn der Therapie mit monoklonalen AK oder anderen biol. Therapeutika, die die Bestimmung von Blutgruppeneigenschaften, die AK-Suche und -differenzierung oder die serol. Verträglichkeitsprobe beeinflussen können (Notfallpass ausstellen!).
Untersuchungsmaterial10 ml venöses Blut ohne Zusätze oder EDTA-Blut. Nabelschnurblut muss als solches gekennzeichnet werden.
Die Röhrchen müssen mit Namen, Vornamen und Geburtsdatum des Pat. beschriftet sein. Der das Blut abnehmende Arzt ist verpflichtet, durch Befragen des Pat. die Identität zwischen Beschriftung des Röhrchens und dem Pat. sicherzustellen. Er dokumentiert dies durch seine Unterschrift auf dem Anforderungsbogen. Die Beschriftung des Röhrchens muss mit den Angaben auf dem Befundanforderungsbogen, der in das Labor geht, identisch sein! Die Bestimmung einer Blutgruppe ist ein urkundlicher Vorgang!

Auf dem Anforderungsschein sind neben Diagnose(n), zeitlicher Dringlichkeit und geplantem Transfusionstermin auch vorangegangene Transfusionen, Schwangerschaften, früher bereits nachgewiesene Alloantikörper sowie allogene Stammzelltransplantationen zu vermerken. Bestimmte, dem Empfänger verabreichte Medikamente, insb. hochdosiertes i. v. IgG, ther. AK und hochdosierte β-Laktam-Antibiotika, können die blutgruppenserol. Untersuchungen beeinflussen und müssen ebenfalls mitgeteilt werden.

BestimmungsmethodeUm die Blutgruppeneigenschaften eines Individuums zu bestimmen, mischt man eine Suspension seiner Erys mit verschiedenen (i d. R. monoklonalen) Antiseren, die jeweils bekannte AK enthalten. Aus dem Agglutinationsmuster lässt sich dann auf die Blutgruppe schließen.
Die Agglutinationsreaktionen können manuell als Röhrchentest, auf der Tüpfelplatte oder als Gelzentrifugationstest bzw. maschinell in einer Mikrotiterplatte oder Gelkarte durchgeführt werden. Kosten:
  • AB0-Merkmale und Isoagglutinine: $

  • AB0-Merkmale, Isoagglutinine und Rh-Mosaik: $$

  • Weitere Blutgruppenmerkmale: $$

AB0-BlutgruppenbestimmungTab. 25.3.Blutgruppen(systeme)AntigeneAntigeneBestimmung
  • Antigenbestimmung: Inkubation der Pat.-Erythrozytensuspension mit Anti-A- und Anti-B-Serum

  • SerumgegenprobeSerumgegenprobe: Inkubation des Patientenserums mit einer Testerythrozytensuspension mit den bekannten Merkmalen A1, B und 0. Bei Neugeborenen und Säuglingen bis zum Abschluss des 3. Lebensmonats kann die Serumgegenprobe entfallen (serologischer Befund als vorläufig gekennzeichnet).

Rhesus-BlutgruppenbestimmungBlutgruppen(systeme)Rhesus-BestimmungRh-AG werden mittels Hämagglutination nach Zugabe von spez. Antiseren zu der zu untersuchenden Erythrozytensuspension bestimmt.
Die Richtlinien zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Hämotherapie) empfehlen folgendes Vorgehen zur Rh-AG-D-Bestimmung: Testung mittels Direktagglutination mit zwei monoklonalen Anti-D-Antiseren (unterschiedliche Klone!), die beide die Kategorie VI nicht erkennen.
  • Sofortige Agglutination in beiden Ansätzen → Pat. Rh-pos.

  • Keine Agglutination: Empfänger Rh-neg. oder Kategorie VI → Rh-neg. versorgen

  • Diskrepanz oder fraglich pos. Ergebnis: Pat. als Empfänger vorerst Rh-neg. deklarieren, Klärung in Referenzlabor. Eine Differenzierung mit molekulargenetischen Verfahren sollte angestrebt werden, insb. bei Mädchen, bei gebärfähigen Frauen und bei Pat. mit chron. Transfusionsbedarf. Erst wenn diese Differenzierung erfolgt ist, gelten Transfusionsempfänger, Schwangere und Neugeborene mit dem RhD Genotyp weak D Typ 1, 2 oder 3 als RhD-positiv.

Blutspender werden zusätzlich auf das Vorhandensein von Partialkategorien des Rh-Antigens D mittels polyklonaler Antiseren im indir. Antiglobulintest untersucht. Blutspender mit der Partialkategorie VI sind als Spender RhD-pos., als Empfänger RhD-neg.
Um das gesamte Rh-Mosaik zu bestimmen, muss das Blut ferner mit Anti-C-, Anti-c-, Anti-E- und Anti-e-Testseren ausgetestet werden (Prinzip wie Rh-AG-D-Bestimmung).

Frauen im gebärfähigen Alter sowie Mehrfachempfänger möglichst nur mit Blut versorgen, das auch hinsichtlich der Rh-AG C, c, E und e kompatibel ist. Bei akuter Transfusionsbedürftigkeit, bei kleinem oder reduziertem Blutdepot oder bei Massentransfusion ist dies jedoch nicht immer realisierbar.

Bestimmung von Antigenen anderer BlutgruppensystemeBlutgruppen(systeme)AntigeneDie Methodik richtet sich nach den Angaben des Herstellers der Antiseren sowie nach den für das entsprechende AG geeigneten Inkubationsbedingungen und kann stark variieren.
  • !

    Für alle Blutgruppen-AG-Systeme außer dem AB0-System (hier gilt die Serumgegenprobe als Kontrolle) gilt: Jedes Erythrozytenmerkmal mit zwei verschiedenen Antiseren (möglichst auch zweier Hersteller) doppelt bestimmen!

  • !

    Zu jeder vollständigen Blutgruppenbestimmung gehört die Serumgegenprobe im AB0-System sowie der AK-Suchtest!

Störungen und BesonderheitenBlutgruppen(systeme)Rhesus-BestimmungBei jeder Rh-Bestimmung wird zusätzlich immer ein Rh-Kontrollserum mitgeführt. Dieses enthält die Bestandteile der Rh-Typisierungsseren (z. B. Albumin, Stabilisatoren u. a. Zusätze), jedoch keine spez. AK. Wird dieser Ansatz pos., ist die Rh-Bestimmung nicht verwertbar, da eine unspez. Agglutination vorliegt (25.6, AIHA, Polyagglutinabilität).
Die Bestimmung der Blutgruppe kann erschwert werden durch:
  • Physiol. oder krankheitsbedingte AG-Abschwächung:

    • Früh- und Neugeborene: Die AB0-AG sind zum Zeitpunkt der Geburt oft nicht voll ausgeprägt → die Bestimmung der AB0-Blutgruppe beim Neugeborenen ist nach Vollendung des 1. Lj. zu überprüfen!

    • Varianten A2, Ax, Am, Dweak oder Dpartial etc.

    • Abschwächung von AG bei akuten Leukämien

  • Erworbenes B-Antigen: wurde bei A1-Pat. mit Kolon-Ca beobachtet. Vermutlich enzymatische Umwandlung des A1-AG zu einer B-ähnlichen Substanz durch bakt. Enzyme.

  • Fehlende Isoagglutinine in der Serumgegenprobe bei: Isoagglutinine

    • Früh- und Neugeborenen

    • Sehr alten Menschen

    • Pat. mit Immundefekten

  • Polyagglutinabilität: Die T-Polyagglutinabilität ist PolyagglutinabilitätFolge einer bakt. Infektion des Pat. oder einer Kontamination der Blutprobe (Corynebakterien, Pneumokokken, Choleravibrionen, Anaerobier). Die bakt. Enzyme (v. a. Neuraminidasen) legen ein verstecktes (kryptisches) AG auf den Pat.-Erys frei (T-AG). Da fast jeder Mensch physiol. Anti-T-AK hat, kommt es mit vielen polyklonalen, aber nur selten mit monoklonalen Typisierungsseren zur Agglutination. Das frei gewordene T-AG wird auch durch Anti-T-Lektin aus Erdnüssen (Arachis hypogea) agglutiniert und kann so nachgewiesen werden. Die Ursache der Tn-Polyagglutinabilität ist nicht bekannt. Man vermutet eine Mutation von hämatopoetischen Stammzellen, die abnorme Erys produzieren. Fast alle Menschen haben Anti-Tn-AK; im Unterschied zur erworbenen T-Polyagglutinabilität besitzen Tn-Träger jedoch keine Anti-Tn-AK (neg. Eigenprobe). Typischerweise werden bei Tn-Trägern nicht alle Erys gleichermaßen verändert; die Polyagglutinabilität zeigt eine charakteristische Mischagglutination. Wahrscheinlich in Abhängigkeit vom Prozentsatz der veränderten Erys reicht das klin. Spektrum von völliger Gesundheit bis zur hämolytischen Anämie.

Merke

An eine T- oder Tn-Aktivierung muss man denken, wenn bei den erythrozytären Eigenschaften die Blutgruppe AB bestimmt wird, die Pat. jedoch Isoagglutinine in der Serumgegenprobe aufweisen. Auch eine pos. Rh-Kontrolle sowie ein anders nicht erklärbarer pos. dir./indir. Coombs-Test können Hinweis auf eine solche Aktivierung sein.
  • Pseudoagglutinationen: durch Paraproteinämien, PseudoagglutinationPlasmaexpander oder Wharton-Sulze (Nabelschnurblut). Mikroskopisch an der typischen „Geldrollenbildung/-phänomenGeldrollenbildung“ erkennbar. Funktionell kann es nach Waschen der Pat.- und Testerys (Letztere nach Inkubation mit dem Patientenserum) beseitigt werden.

  • Irreguläre AKAntikörperirreguläre: Kälteauto-AK (Spezifität Anti-I, Anti-H), irreguläres Anti-A1 bei Pat. mit schwachen A-Varianten und Wärmeauto-AK können die korrekte Bestimmung von Blutgruppe und Rh-Muster stören.

  • Vorherige Transfusionen: sind dem Labor oft (z. B. nach Verlegung) nicht bekannt.

    • !

      Angabe auf Anforderungsschein!

Antikörpersuchtest ($) und Differenzierung irregulärer Antikörper ($$)

AntikörpersuchtestIndikationenMit dem AK-AntikörperirreguläreSuchtest werden irreguläre, d. h. gegen fremde menschliche Blutgruppenantigene außerhalb des AB0-Systems gerichtete, Alloantikörper (Allo-AK) i. S. des Pat. nachgewiesen. Wurde eine pos. Reaktion mit einer oder mehreren Suchzellen beobachtet, folgt die Differenzierung des Allo-AK.

Merke

Einmal nachgewiesene irreguläre AK müssen – wenn sie ihrer Spezifität entsprechend als Immun-AK einzuordnen sind – im Blutgruppenpass eingetragen und lebenslang berücksichtigt werden. Dazu gehören praktisch alle irregulären AK mit Ausnahme der meist „natürlich“ vorkommenden kühl-/kältewirksamen Allo- und Auto-AK (Anti-Le, Anti-P1, irreguläres Anti-A1, Anti-I, Anti-IH, Anti-N), wenn sie nicht bei 37 °C und nicht im Coombs-Test nachweisbar sind.
Indikationen
  • Blutgruppenbestimmung: Nach den „Richtlinien zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Hämotherapie)“ gehört der AK-Suchtest zu jeder Blutgruppenbestimmung!

  • Transfusion: Der AK-Suchtest wird anlässlich jeder Verträglichkeitsprobe (Kreuzprobe) wiederholt, sofern die Entnahme der Blutprobe, aus der der letzte AK-Suchtest durchgeführt wurde, länger als 3 d zurückliegt. Ausnahme: 7 d Gültigkeit, wenn in den vorausgegangenen 3 Mon. keine Transfusion erfolgte und keine Schwangerschaft vorlag.

  • Mutterschaftsvorsorge: AK-Suchtest muss während der Schwangerschaft 2-mal (SSW 4–8 und SSW 24–27) durchgeführt werden.

Untersuchungsmaterial
  • 10 ml venöses oder EDTA-Blut (i. d. R. wird die Einsendung für die Blutgruppenbestimmung hier weiterverwendet)

  • Bei V. a. zusätzlich vorliegende Auto-AK zusätzlich 5–10 ml EDTA-Blut → dir. Coombs-Test (25.3.3), Absorption und Elution (25.6.2)

BestimmungsmethodeNachweis der AK mittels Agglutinations- oder Gelkarten-Sedimentationstest. AntikörpersuchtestNachweismethodenAntikörpersuchtestMethoden
Die Testzellen der Blutgruppe 0 werden so ausgewählt, dass sie alle klin. relevanten Blutgruppen besitzen. Die meisten AK-Suchsysteme bestehen aus 3 Suchzellen. Die Differenzierung erfolgt mit einem oder mehreren Panels von je 8–11 verschiedenen Testerys, deren komplettes AG-Mosaik bekannt ist. Das Reaktionsmuster in diesem Panel ergibt die Spezifizierung des aufgefundenen irregulären AK.
Nach einer Vorinkubation von Patientenserum mit 3 verschiedenen Testerythrozytensuspensionen der Blutgruppe 0, die alle immunol. relevanten Blutgruppen-AG besitzen, wird die AG-AK-Reaktion durch Anti-Human-Ig verstärkt und nach Zentrifugation auf Agglutination geprüft (Abb. 25.1). Coombs-aktive AK sind AK gegen Rh-Antigene und gegen die Blutgruppensysteme Kell (K, k, Kpa, Kpb, Jsa, Jsb), Fya, Fyb, Jka, Jkb, S, s, U, P, Tja, Xg, Doa, Dob, Dia, Dib, Wra, Vel, Bg, Yta, Ytb.
Es stehen auch Gelzentrifugationskärtchen für eine Enzymstufe zur Verfügung, die nicht Bestandteil der Routineanalytik sind und nur für gezielte Fragestellungen Anwendung finden (Verstärkung der AG-AK-Reaktion im Rh-System).
Nach Aufklärung ihrer Spezifität sollten Allo-AK quantifiziert werden (Titer). Ein echter Allo-AK liegt vor, wenn der Pat. für das entsprechende erythrozytäre AG neg. ist. Deshalb gehört bei Feststellung eines irregulärenAntikörperirreguläre AK gleichzeitig die Bestimmung des korrespondierenden AG auf den Patientenerys zum Untersuchungsgang.
BewertungBei Nachweis irregulärer AK besondere Vorsicht bei Transfusionen! Die Pat. dürfen nur Konserven verabreicht bekommen, die für das entsprechende AG neg. sind. AK, die bei 37 °C wirksam und im indir. Coombs-Test nachweisbar sind, müssen immer als klinisch relevant eingestuft werden.
Störungen und Besonderheiten Antikörpersuchtest Besonderheiten
Falsch neg. AK-Suchtest:
  • Geringe AK-Konzentration: Manche AK im Rh-System werden durch den sensitiven Coombs-Test nicht entdeckt, wenn sie in geringer Konz. vorliegen. Hier hat sich die sog. Enzymtechnik AntikörpersuchtestEnzymtechnikbewährt. Proteasen wie Bromelin oder Papain entfernen Glykoproteine von der Erythrozytenmembran und reduzieren dadurch die neg. Oberflächenladung dieser Zellen. Die IgG-AK können so näher angreifen und zu einer Agglutination führen. Auch zum Nachweis von AK gegen Lewis-AG sowie gegen Colton- und Dombrock-AG eignet sich der Enzymtest. Die Enzymtechnik kann als wertvolle Ergänzung zum AK-Standardsuchtest dienen, ihre Anwendung ist jedoch fakultativ. Die ausschließliche Verwendung von proteasebehandelten Testerys im AK-Suchtest ist allerdings ein Kunstfehler. Durch diese Vorbehandlung der Zellen werden einige Blutgruppensysteme an der Zelloberfläche abgebaut, z. B. die AG M, N, S, Fya, Fyb u. a., sodass AK gegen diese Systeme nicht erfasst werden.

  • Fehler beim Waschvorgang im Röhrchentest: Bei automatischen Waschzentrifugen (Röhrchen) ist eine Kontrolle im indir. Ansatz mitzuführen, um falsch neg. Ergebnisse auszuschließen.

Bei Verwendung von EDTA-Blut (Automaten) werden schwachtitrige komplementabhängige AK manchmal nicht erkannt (typisches Bsp.: AK im Kidd-System) und können nach Boosterung mit AG-pos. Konserven hämolytische Transfusionszwischenfälle verursachen.

Falsch pos. AK-Suchtest:
  • In-vivo-Ig-Beladung der Pat.-Erys, z. B. bei AIHA (25.6), verzögerten transfusionsbedingten Hämolysen → pos. Eigenprobe! Bei pos. Eigenprobe dir. Coombs-Test (25.3.3) durchführen.

  • Anti-D-ProphylaxeAnti-D-Prophylaxe bei Rh-neg. Müttern: Man findet ein „irreguläres“ Anti-D, das sich Wochen später nicht mehr nachweisen lässt, da es nicht von der Pat. gebildet, sondern iatrogen zugeführt wurde. Deshalb bei Anforderung eines AK-Suchtests post partum das Labor immer über die erfolgte Prophylaxe informieren.

Besonderheiten der perinatalen Transfusionstherapie: Bis zum Abschluss der 4. Lebenswo. nach dem errechneten Geburtstermin des Kindes kann auf die Wiederholung der Kreuzprobe und des AK-Suchtests (bei Verwendung sog. Baby-EK-Präparate) verzichtet werden, sofern im Serum bzw. Plasma der Mutter keine irregulären AK nachweisbar sind.

Direkter Coombs-Test $–$$

Coombs-TestdirekterDer dir. Coombs-Test (Abb. 25.2) weist an die Pat.-Erys gebundene Ig und/oder Komplementfaktoren nach.
IndikationenPos. Eigenprobe im indir. Coombs-Test, V. a. Transfusionszwischenfall, V. a. Morbus haemolyticus neonatorum (MHN) (25.7), V. a. autoimmunhämolytische Anämie (AIHA) (25.6).
Untersuchungsmaterial5–10 ml EDTA-Blut (EDTA verhindert eine ungewollte Komplementaktivierung in vitro durch den Entzug von Calciumionen).
BestimmungsmethodePat.-Erys werden mit polyspez. Anti-Humanglobulin (AHG), für gezielte Fragestellungen zusätzlich mit monospez. Anti-IgG sowie Anti-C3d, inkubiert. Anhand des Reaktionsmusters lassen sich Rückschlüsse auf Art und Ursache der Beladung ziehen. Kosten:
  • Dir. Coombs-Test: $, bei Ermittlung der AK-Klasse mit monospez. Antiseren: $$

  • Elution und Absorption: $$

Bewertung
  • Der dir. Coombs-Test ist pos. bei AIHA, MHN und nach inkompatibler Transfusion.

  • Im dir. Coombs-Test nachgewiesene gebundene IgG-AK können mittels Chloroform, Ether- oder Säureelution von den Erys abgesprengt und auf ihre Spezifität hin untersucht werden.

Verträglichkeitsprobe $

VerträglichkeitsprobeDie Verträglichkeitsprobe (KreuzprobeKreuzprobe) ist das Herzstück der Transfusionsmedizin. Sie prüft die Verträglichkeit zwischen dem Serum des Blutempfängers und den Erys des Blutspenders (Majortest) und deckt Verwechslungen auf. Da heute bei den Blutspendern bei jeder Spende ein AK-Suchtest durchgeführt wird (Standard), kann auf die Minorprobe (Verträglichkeit zwischen dem Serum des Blutspenders und den Erys des Blutempfängers) verzichtet werden.
IndikationenVorgesehene Transfusion von EK.
Untersuchungsmaterial10 ml venöses Blut ohne Zusätze (i. d. R. wird die Einsendung für die Blutgruppenbestimmung hier weiterverwendet), bei Automatisation EDTA-Blut.
BestimmungsmethodeDie Verträglichkeitsprobe wird identisch zum AK-Suchtest (25.3.2) durchgeführt. Dabei wird Serum des Blutempfängers mit einer Erythrozytensuspension des für die Transfusion vorgesehenen EK inkubiert, die Reaktion mittels indir. Antiglobulin-(Coombs-)Test verstärkt und nach Zentrifugation abgelesen.
BewertungEine Transfusion mit dem untersuchten Präparat darf nur erfolgen, wenn die Kreuzprobe keine Agglutination zeigt, also neg./verträglich ist.
Der weitaus überwiegende Anteil irregulärer AK gegen die bekannten und klin. wichtigsten Blutgruppensysteme wird im Vorfeld einer Transfusion durch den AK-Suchtest (25.3.2) nachgewiesen und abgeklärt. Der Nachweis seltener AK bleibt der Kreuzprobe vorbehalten. Sie dient außerdem auch der Absicherung gegen AB0-Vertauschungen.
Notfalltransfusion und Kreuzprobe 25.2.2 bzw. 25.3.4.
Störungen und BesonderheitenWie beim AK-Suchtest (25.3.2).

Eine serol. Verträglichkeitsprobe ist maximal 3 d gültig. Erhielt der Pat. innerhalb dieser Zeit das EK nicht, muss bei Transfusionsbedarf mit frisch abgenommenem Patientenblut erneut gekreuzt werden. Ausnahme: wie bei AK-Suchtest 25.3.2.

AB0-Identitätstest (Bedside-Test) $

IndikationenBedside-TestAB0-IdentitätstestVor jeder Transfusion von EK muss zwingend der Bedside-Test durchgeführt werden. Er ist die letzte Sicherheitskontrolle vor der Transfusion und kann einen erheblichen Teil (theoretisch alle) der potenziellen Vertauschungen in letzter Sekunde abfangen. Der Bedside-Test muss vom transfundierenden Arzt oder unter seiner unmittelbaren Aufsicht vor der Transfusion im Operationssaal oder auf Station am Bett (und nicht im Stationszimmer!) durchgeführt werden.

Ein nicht oder nicht korrekt durchgeführter Bedside-Test ist ein Kunstfehler!

Vorgeschrieben ist die Testung des Empfängerblutes mit Anti-A- und Anti-B-Antiserum auf Blutgruppenübereinstimmung mit dem Konserveninhalt. Parallel dazu muss nochmals eine Identitätssicherung vorgenommen werden (Vergleich Konservenbeschriftung – Dokumente – Zuordnung zum Pat.; Checkliste Abb. 25.3).
UntersuchungsmaterialDurch unmittelbar vor der Transfusion mittels i. v. Punktion gewonnenes Empfängerblut ohne Zusätze.
BestimmungsmethodeAgglutinationstest mit Anti-A- und Anti-B-Antiserum auf einem speziell dafür vorgesehenen Kärtchen.
BewertungDie Konserve darf nur bei Blutgruppenkompatibilität (Tab. 25.2) verabreicht werden.
Störungen und Besonderheiten
  • Falsch gelagerte oder verfallene Bedside-Kärtchen garantieren keine korrekte Agglutination mehr und können zu Fehlbestimmungen führen.

  • Eine Transfusion, die nach der Checkliste in Abb. 25.3 durchgeführt und protokolliert wird, ist bezüglich AB0-Verwechslung und fehlerhafter Präparateauswahl risikoarm.

  • Besonderheiten der perinatalen Transfusionstherapie:

    • Auf den AB0-Identitätstest (Bedside-Test) kann bei Früh- und Neugeborenen verzichtet werden, sofern ausschließlich EK der Blutgruppe 0 transfundiert werden.

    • Der AB0-Identitätstest (Bedside-Test) ist vor Transfusion von ther. Plasma oder TK erforderlich, sofern nicht ausschließlich plasmahaltige Blutprodukte der Blutgruppe AB transfundiert werden.

Blutpräparate

Erythrozytenkonzentrate (EK)

IndikationenErythrozytenkonzentratBlutpräparateEythrozytenkonzentrateAnämie (chron. oder akut durch Blutung).

Faustregel

Ein EK steigert den Hb-Wert um 1 g %.
HerstellungEK in Additivlösung aus Vollblutspenden werden heute standardmäßig mittels Zentrifugation von Plasma sowie der Leukozyten- und Thrombozytenschicht (Buffy-Coat) getrennt, steril über einen Filter leukozytendepletiert und in Additivlösung überführt. Durch die weitgehende Entfernung von Leukos (qualitätskontrolliert pro Präparat < 1 × 106 Leukos) ergeben sich zahlreiche Vorteile:
  • Vermeidung einer febrilen, nichthämolytischen Transfusionsreaktion bei Vorliegen von HLA-AK

  • Vermeidung einer Sensibilisierung gegen HLA-Antigene

  • Prophylaxe einer Transplantatabstoßung bei zukünftigen Transplantatempfängern

  • Vermeidung von Refraktärzuständen nach Thrombozytentransfusion

  • Entfernung leukozytenassoziierter Infektionserreger (CMV, HIV, Yersinien, Staphylokokken, evtl. auch Prionen), deshalb auch für immunsupprimierte CMV-neg. Empfänger geeignet

  • Vermeidung einer Immunsuppression durch allogene Leukos

  • Vermeidung proinflammatorischer Zytokinfreisetzung durch MLC

  • Vermeidung der Freisetzung von proteolytischen Enzymen und der Komplementaktivierung durch Leukozytenzerfall bei Lagerung

LagerungAbhängig von der Additivlösung sind EK bei Einhaltung der Kühlkette (4 °C) 42–49 d haltbar. Für die Lagerung ist ein erschütterungsfreier Spezialkühlschrank mit kontinuierlicher Temperaturüberwachung notwendig.
  • Bestrahltes EK: Erythrozytenkonzentratbestrahltesmit 30 Gy bestrahltes EK zur Verhinderung einer GvHD bei hochgradig immunsupprimierten Pat. Indikationen: s. Checkliste Abb. 25.3.

  • Gewaschenes EK: Erythrozytenkonzentratgewaschenesdreimal gewaschenes Spezialpräparat für Pat. mit AK gegen Plasmabestandteile (i. d. R. Pat. mit IgA-Mangel und Anti-IgA-AK). Zum Waschen müssen die EK geöffnet werden. Wegen der dabei entstehenden Kontaminationsgefahr sind sie nach dem Öffnen nur noch wenige Stunden haltbar! Daher strenge Indikationsstellung!

  • Kryokonserviertes EK: Erythrozytenkonzentratkryokonservierteswird meist aus Eigenblutspenden bei Pat. mit (seltenen) irregulären erythrozytären AK gegen hochfrequente Blutgruppen-AG hergestellt und für diese Pat. gelagert.

  • Baby-EK: Früh- und Neugeborene, die wiederholt transfundiert werden müssen, sollten EK von möglichst wenigen Spendern erhalten. Dafür werden auf Anforderung beim Blutspendedienst durch Aufteilung eines möglichst frischen EK vier kleine EK (sog. Baby-EK) hergestellt. Für intrauterine Transfusionen, für Früh- und Neugeborene mit V. a. angeborene Immundefizienz oder nach intrauteriner Transfusion müssen diese kleinen EK bestrahlt werden.

  • Besonderheiten der perinatalen Transfusionstherapie: Für die intrauterine Ery-Transfusion sollten nicht länger als 7 d gelagerte, bestrahlte EK in additiver Lösung verwendet werden.

Da die CMV-Übertragungsrate durch leukozytenarme EK nicht wesentlich höher ist als durch zusätzlich getestete CMV-AK-neg. EK, werden heute CMV-neg. EK nicht mehr empfohlen und auch nicht mehr von allen Blutspendediensten bereitgestellt.

Thrombozytenkonzentrate (TK)

IndikationenThrombopenie mit: ThrombozytenkonzentratBlutpräparateThrombozytenkonzentrate
  • Thrombozytenzahl < 50.000/µl bei Blutung

  • Thrombozytenzahl < 10.000/µl auch ohne Blutungszeichen

Faustregel

1 TK steigert die Thrombozytenzahl im Blut um 50.000–80.000/µl.
HerstellungThrombozytenkonzentratPoolpräparate
  • Leukozytendepletiertes Pool-TKPool-ThrombozytenkonzentratLeukozytendepletiertes: Poolpräparat von 4–6 Spendern nach Zentrifugation der Vollblutspende, Poolen des Buffy-Coats dieser Spenden, nochmaliger Zentrifugation zur Gewinnung eines plättchenreichen Plasmas und anschließender Leukozytendepletion. Thrombozytengehalt 2–3 × 1011 in 250–300 ml Plasma. Standardpräparat für Pat. mit Thrombozytopenie

  • Leukozytendepletiertes Apherese-TKThrombozytenkonzentratLeukozytendepletiertes Apherese-Leukozytendepletiertes Apherese-Thrombozytenkonzentrat: mittels maschineller Zellseparation in vivo gewonnenes TK von einem – meist HLA-kompatiblen – Spender, das bei Pat. mit HLA-AK bzw. zur Vermeidung einer HLA-Sensibilisierung eingesetzt wird. Thrombozytengehalt 2–5 × 1011 in etwa 300 ml Plasma

  • Bestrahltes TKThrombozytenkonzentratbestrahltes: mit 30 Gy bestrahltes TK zur Verhinderung einer GvHD bei hochgradig immunsupprimierten Pat. Indikation: 25.4.2 (bestrahltes EK)

  • Zur Pathogenreduktion mit Amotosalen/UVA behandeltes TKThrombozytenkonzentratApherese-Apherese-Thrombozytenkonzentrat: Ein Apherese- oder Pool-TK wird mit einer Amotosalen-HCl-Lsg. versetzt und mit UVA-Licht bestrahlt. Durch ein Adsorptionsverfahren mit mehrstündiger Inkubation wird der Restgehalt an Amotosalen und seiner Abbauprodukte reduziert und das TK anschließend in einen Lagerbeutel überführt. Amotosalen/UVA inaktiviert Pathogene sowie kontaminierende Spenderleukozyten; damit entfällt eine zusätzliche Bestrahlung zur Vermeidung einer Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion (GvHD).

Da die CMV-Übertragungsrate durch leukozytenarme TK nicht wesentlich höher ist als durch zusätzlich getestete CMV-AK-neg. TK, werden heute CMV-neg. TK nicht mehr empfohlen und auch nicht mehr von allen Blutspendediensten bereitgestellt.

LagerungHaltbarkeit 5 d. Lagerung bei RT unter ständiger Agitation (Thrombozytenschüttler).

Therapeutisches Plasma

Quarantäne-gelagertes therapeutisches Plasma (syn.: Frisch-gefrorenes Plasma [FFP])
IndikationenTherapeutisches Plasma (FFP)Blutungen mit erheblichem Blutverlust, Verbrauchskoagulopathie.Blutpräparatetherapeutisches Plasma

Faustregel

1 ml FFP/kg KG erhöht den Gehalt an Gerinnungsfaktoren um 1–2 %.
FFP wird innerhalb von 6–8, spätestens von 24 h nach der Blutspende tiefgefroren und enthält die volle Aktivität an Gerinnungsfaktoren des Spenderplasmas. FFP sollte blutgruppengleich, nur im Notfall blutgruppenkompatibel transfundiert werden. Im Fall einer völligen Erythrozytenfreiheit des Plasmas ist Plasma der Blutgruppe AB Universalplasma (fehlende Isoagglutinine). In Deutschland wird FFP heute einer Quarantänelagerung unterzogen, d. h., eine Freigabe erfolgt erst, wenn der Spender 4 Mon. nach der Spende ein zweites Mal infektionsserol. überprüft wurde.
Lagerung−30 bis −40 °C. Auftauen erst unmittelbar vor Verbrauch. Tab. 25.4.
  • Lyophilisiertes Plasma ist gefriergetrocknetes Plasma aus einer Einzelspende (FFP) mit den gleichen Anwendungsgebieten wie FFP. Es kann bei +2 °C bis +25 °C gelagert werden. Zur Anwendung wird es mit Aqua ad injectionem aufgelöst.

  • Zur Pathogenreduktion mit Methylenblau/Licht behandeltes ther. Plasma: Ein Einzelspendeplasma wird im geschlossenen System mit Methylenblau versetzt und mit monochromatischem Licht bestrahlt. Durch die anschließende Adsorptionsfiltration werden der Farbstoff und seine Fotoabbauprodukte abgereichert und das Plasma unter standardisierten Bedingungen eingefroren. Für derart behandelte Plasmen entfällt eine Quarantänelagerung.

  • Zur Pathogenreduktion mit Amotosalen/UVA behandeltes therapeutisches Plasma: Ein Einzelspendeplasma wird im geschlossenen System mit einer Amotosalen-HCl-Lösung versetzt und mit UVA-Licht bestrahlt. Durch die anschließende Adsorptionsfiltration wird der Restgehalt an Amotosalen und seiner Photoabbauprodukte reduziert. Das Plasma wird unter standardisierten Bedingungen eingefroren. Für derart behandelte Plasmen entfällt eine Quarantänelagerung.

Merke

Für alle hier genannten Blutpräparate gilt die Chargendokumentationspflicht, um Rückverfolgungsverfahren durchführen zu können! BlutpräparateChargendokumentation

Transfusionszwischenfälle

Grundlagen

Ursachen
TransfusionszwischenfälleUrsachenDie häufigsten Transfusionszwischenfälle entstehen durch:
  • Verwechslungen von Blutproben für die Verträglichkeitsprobe → Identität zwischen Beschriftung des Röhrchens, Anforderungsbogen und Pat. sicherstellen.

  • Verwechslungen von EK bei falsch oder nicht durchgeführtem Bedside-Test auf Station.

  • !

    Besonders Verwechslungen im AB0-Blutgruppensystem sind aufgrund der natürlich vorkommenden Isoagglutinine vom IgM-Typ foudroyant und haben häufig einen letalen Ausgang!

Vorgehen bei Verdacht auf Transfusionszwischenfall
  • Allgemeine Maßnahmen: TransfusionszwischenfälleMaßnahmen

    • Sofortiges Abbrechen der Transfusion

    • Einleitung entsprechender lebenserhaltenden Maßnahmen

    • Genaue Protokollierung der Reaktion

    • Information an den diensthabenden Transfusionsmediziner

  • Immunhämatologie Immunhämatologie :

    • Information an das immunhämatol. Labor und Bereitstellung von 5–10 ml EDTA-Blut (dir. Coombs-Test, evtl. Elution und AK-Spezifizierung) sowie 20 ml venösem Blut (nochmalige Durchführung von Blutgruppenbestimmung, AK-Suchtest und Kreuzprobe zum Ausschluss einer Verwechslung).

    • Rückgabe der verschlossenen Konserve mit Transfusionsbesteck und Begleitpapieren an die Blutbank für die immunhämatol. Abklärung. Das immunhämatol. Labor sorgt für weitere sterile Handhabung und gibt die Konserve nach Ziehen einer Blutprobe an das mikrobiol. Labor weiter.

    • Bei V. a. HLA-AK: Einsendung von 5 ml Serum zum Nachweis von HLA-AK in das transplantationsimmunol. Labor. Bei Nachweis von HLA-AK nochmals Einsendung von 10 ml Heparinblut zur HLA-Typisierung des Pat. (telefonische Vorabsprache!).

  • Klin. Chemie: gleichzeitig Abnahme von 10 ml venösem Blut ohne Zusätze und Überprüfung von Hämolyseparametern wie freies Hb i. S., Bili, Hp, Kalium und LDH. Zusätzlich 5 ml EDTA-Blut für Blutbild.

  • Mikrobiologie:

    • Bei V. a. transfusionsassoziierte bakt. Inf./Sepsis: Anlegen von Blutkulturen (aerob/anaerob) aus venösem Vollblut des Pat. und Überstellung an das mikrobiol. Labor.

    • Überstellung der restlichen Konserve mit Transfusionsbesteck vom immunhämatol. an das mikrobiol. Labor unter sterilen Bedingungen.

    • !

      Parallele Mitteilung von klin. Daten, Verdacht und Eilbedürftigkeit an das mikrobiol. Labor! Diese Informationen entscheiden über den Gang des Untersuchungsverfahrens und die Schnelligkeit der (vorläufigen) Befundung (prim. Grampräparate, Schnellteste).

Meldepflicht für Transfusionszwischenfälle beachten!

Erythrozytäre Transfusionszwischenfälle

TransfusionszwischenfälleerythrozytäreDie häufigsten und zugleich auch schwersten Transfusionszwischenfälle sind auf Verwechslungen von Pat. oder Blutproben zurückzuführen. Dabei handelt es sich i. d. R. um erythrozytäre Unverträglichkeiten im AB0-Blutgruppensystem. Daneben werden Unverträglichkeiten im Rh- o. a. Blutgruppensystemen beobachtet, die ebenfalls durch Verwechslungen, durch fehlerhaften AK-Suchtest (25.3.2) oder durch im AK-Suchtest noch nicht detektierbare naszierende erythrozytäre AK (Folge ist meist eine verzögerte Transfusionsreaktion) verursacht werden.

Abklärung

  • Bestimmung von Hämolyseparametern aus:

    • Urin: Hämoglobinurie

    • Plasma oder Serum: freies Hb ↑, Bili ↑, LDH ↑, K+ ↑, Hp ↓

    • Blutbild: Anämie

  • Immunhämatol. Untersuchungen mit:

    • Patientenblutprobe vor Transfusion (Rückstellmuster des Labors)

    • Patientenblutprobe nach Transfusion

    • Rest des transfundierten EK

  • I. d. R. nochmalige Prüfung auf Blutgruppen- und Rh-Kompatibilität, Durchführung eines erneuten AK-Suchtests sowie eines dir. Coombs-Tests im EDTA-Patientenblut nach Transfusion

Transfusionszwischenfälle durch falsche Behandlung von EK

Transfusionszwischenfällefalsche Behandlung von EKEK hämolysieren durch versehentliches Einfrieren und Wiederauftauen, Einbringen von Aqua dest. oder Glukoselsg. in das Präparat, technisch falsches Erwärmen von Präparaten (> 37 °C auf Heizungsrippen, unter dem Warmwasserstrahl des Waschbeckens, in der Mikrowelle oder auf der sonnenbeschienenen Fensterbank statt mit einem TÜV-geprüften Blutwärmgerät!) oder bei Transfusion durch ungeeignete Systeme oder geknickte Schläuche.
AbklärungDas klin. Bild gleicht einem erythrozytären Transfusionszwischenfall (25.5.2). Typischerweise werden im Rest des transfundierten EK keine intakten Erys mehr gefunden → Möglichkeit der Fehlbehandlung des EK eruieren!

Transfusionszwischenfälle durch HLA-Sensibilisierung

TransfusionszwischenfälleHLA-SensibilisierungHLA-AK führen zu Fieberreaktionen, fehlendem Anstieg der peripheren Thrombozytenzahlen nach Transfusion von TK und (selten) zu einem posttransfusionellen Lungenödem. Durch die Filtration von EK konnte die Rate von HLA-AK-bedingten Transfusionsreaktionen bei Gabe von EK gesenkt werden. Da Thrombozyten Klasse-I-AG tragen, ist bei HLA-sensibilisierten Pat. nach Gabe von TK auch weiterhin mit Transfusionsreaktionen zu rechnen.
Abklärung25.8.3.

Transfusionszwischenfälle durch Reaktion auf Plasmabestandteile

TransfusionszwischenfälleReaktion auf PlasmabestandteileDer typische Fall ist der Pat. mit absolutem IgA-Mangel, der durch frühere Gaben von IgA und frühere Transfusionen Anti-IgA-AK gebildet hat und nun mit einer atopischen Reaktion auf das als AG erkannte IgA in der Blutkonserve reagiert. Diese Pat. benötigen gewaschene EK (25.4.1). Sehr schwer wird die Versorgung solcher Pat. mit TK (Thrombozyten sind nur ganz kurze Zeit in isotoner Kochsalzlsg. haltbar und funktionsfähig) oder gar mit FFP.
AbklärungNachweis von Anti-IgA-AK (ELISA, radiale Immundiffusion oder passive Hämagglutination unter Verwendung von IgA-beschichteten Erys).

Transfusionszwischenfälle durch infektiöse Erreger und Look-back-Verfahren

Transfusionszwischenfälleinfektiöse ErregerIn Deutschland verwendete Blutpräparate werden infektionsserol. getestet auf:
  • HIV-Infektion: HIV-AK, HIV-PCR

  • Hepatitis B: HbsAG, Anti-Hbc

  • Hepatitis C: HCV-AK, HCV-PCR

  • Lues: AK gegen Treponema pallidum

Erst nach dieser Testung werden Blutkonserven zur Anwendung am Menschen freigegeben. Eine Inf. ist nur noch durch Spender möglich, die schon infiziert, aber noch nicht serokonvertiert sind („Fenster, serologischesserol. Fenster“) bzw. durch Spender mit geringster Virämie, bei denen die PCR versagt (extrem selten!).
Viele Blutspenden stammen in Deutschland von Dauerspendern. Bei Serokonversion eines Dauerspenders werden die Empfänger früherer Spenden untersucht (Look-back-Verfahren), um eine Inf. auszuschließen. TransfusionszwischenfälleLook-back-VerfahrenErkrankt der Empfänger an einer der o. g. Inf., wird ebenfalls ein Look-back-Look-back-VerfahrenVerfahren eingeleitet, das die sofortige Untersuchung des Spenders und bei pos. Befund wiederum alle Empfänger der vorherigen Blutspenden umfasst (Meldepflicht bei pos. Befunden!).
Blutkonserven werden unter sterilen Bedingungen in ihre Bestandteile getrennt und verarbeitet. Bakt. (selten auch Pilz-, in tropischen Ländern auch parasitäre) Kontaminationen beim Verarbeitungsprozess sind aber nicht ausgeschlossen. Diese Verunreinigungen können vom Spender stammen, aber auch aus der Umwelt oder vom Personal in die Konserve verschleppt werden.
Seit Einführung der PCR für HIV und HCV sind kaum noch Übertragungen einer HIV-oder HCV-Inf. bekannt geworden (→ www.pei.de → Hämovigilanzberichte).
Abklärung
  • Bei V. a. posttransfusionelleInfektionenposttransfusionelle Inf. durch Viren → Einleitung eines Look-back-Verfahrens und Testung des Spenders (s. o.)

  • Bei V. a. einen Transfusionszwischenfall durch Kontamination mit Bakterien, Pilzen oder Protozoen → Blutkulturen und venöses Vollblut (EDTA-Blut bei V. a. Malaria) des Pat. und die möglichst steril verpackte Restkonserve an das Labor senden

Jeder Transfusionszwischenfall muss den Aufsichtsbehörden gemeldet werden!

Diagnostik autoimmunhämolytischer Anämien (AIHA)

Grundlagen

Autoimmunhämolytische Anämien (AIHA)AnämieautoimmunhämolytischeAIHA werden durch AK gegen Bestandteile der Erythrozytenmembran verursacht, die nicht zu den bekannten Blutgruppen-AG gehören. Dadurch kommt es zu einem vermehrten Erythrozytenabbau. Man unterscheidet:
  • AIHA vom Wärme-AK-Typ (idiopathisch oder sek. bei CLL, Lymphomen, SLE)

  • AIHA vom Kälte-AK-Typ (idiopathisch oder sek. bei Inf. mit Mycoplasma pneumoniae, EBV u. a. Viren)

  • Paroxysmale Kältehämoglobinurie

  • Medikamenteninduzierte immunhämolytische Anämien

Von den AIHA zu unterscheiden sind die AlloimmunhämolyseAlloimmunhämolysen i. R. eines MHN (25.7) oder eines Transfusionszwischenfalls durch unverträgliche Blutkonserven (25.5).

AIHA vom Wärmeautoantikörpertyp

AutoantikörperWärme-WärmeautoantikörperDer überwiegende Teil klin. fassbarer AIHA wird durch IgG-Wärme-AK verursacht. Diese AK haben manchmal eine „Pseudospezifität“ („relative Spezifität“) gegen Rh-AG, am häufigsten gegen das Antigen e.
Indikationen
  • V. a. AIHA

  • Ungeklärte hämolytische Anämien

Untersuchungsmaterial
  • 10 ml venöses Blut ohne Zusätze oder EDTA-Blut für die AK-Spezifizierung

  • 5–10 ml EDTA-Blut für den dir. Coombs-Test und Elutionsversuche

Bestimmungsmethode, Bewertung
  • Versuch der ABO- und Rh-Blutgruppenbestimmung. Die Bestimmung der Rh-Blutgruppe kann bei pos. dir. Coombs-Test kompromittiert sein und darf bei pos. Rh-Kontrolle nur als Anhalt, nicht jedoch als definitive Bestimmung gelten.

  • Indir. Coombs-Test und Versuch der Spezifizierung des Auto-AK. Typischerweise sind alle Testerys einschl. der Eigenprobe positiv. Die AK-Differenzierung ergibt kein Muster oder nur eine relative Spezifität (alle Testerys pos., einige jedoch stärker agglutiniert). Evtl. zusätzlich vorhandene Allo-AK können entweder – bei ausreichend hohem Titer, der über dem Titerendpunkt des Auto-AK liegt – mittels Serumverdünnung im Suchpanel oder erst nach Autoabsorption des Auto-AK an den zuvor eluierten Pat.-Erys nachgewiesen werden.

  • Dir. Coombs-Test mit polyspez. AHG sowie monospez. Anti-IgG und Anti-C3d mit Erys aus dem EDTA-Blut. AIHA vom Wärmeauto-AK-Typ zeigen pos. Reaktionen mit AHG und Anti-IgG. Anti-C3d ist in etwa 30 % zusätzlich positiv.

  • Absprengung (Elution) des gebundenen Auto-AK mittels Säure von den EDTA- Pat.-Erys und erneute Testung im AK-Suchpanel. Die Elution ist bes. dann wichtig, wenn im Pat.-Serum kaum freie AK nachweisbar waren und der überwiegende Teil an den Erys absorbiert ist.

  • Kosten: AK-Elution, AK-Absorption: $$.

Wärmeauto-AK gelten erst als bestätigt, wenn ein pos. Eluat vorliegt. Bei neg. Eluat muss eine medikamenteninduzierte Immunhämolyse in Betracht gezogen werden (Abklärung im Speziallabor).

Störungen und BesonderheitenDie AG-Bestimmung der Pat.-Erys ist durch die gebundenen Auto-AK erschwert. Die Verträglichkeitsproben sind oft positiv.
Transfusionsmedizinische VersorgungIn lebensbedrohlichen Situationen (sehr niedriges Hb, Massenblutung) Transfusion mit biol. Vorprobe in vivo (Gabe von etwa 20 ml Blut i. v., Beobachtung der klin. Reaktion des Pat. auf diese Vorprobe). Rh-kompatibel transfundieren, um zusätzliche Alloimmunisierung zu vermeiden.

AIHA vom Kälteautoantikörpertyp

KälteautoantikörperAutoantikörperKälte-20 % aller AIHA werden durch Kälteauto-AK (IgM-AK) verursacht, die ein Reaktionsoptimum bei 0 °C haben. Fast alle Menschen haben Auto-AK der Spezifität Anti-I, seltener Anti-i oder Anti-Pr. Entscheidend für die klin. Relevanz der AK sind ihr Titer und ihre Wärmeamplitude.
Indikationen
  • V. a. AIHA vom Kälteauto-AK-Typ

  • Ungeklärte hämolytische Anämien

  • Auffälliges Reaktionsverhalten von Kreuzprobe und AK-Suchtest betroffener Pat. bei Abarbeitung in RT

Untersuchungsmaterial
  • 10 ml venöses Blut ohne Zusätze für die AK-Spezifizierung. Transport und Serumabtrennung bei 37 °C! (Blutbank vorher informieren, um unmittelbare Weiterverarbeitung zu garantieren!)

  • 10 ml venöses Blut ohne Zusätze für die Serumgegenprobe. Transport und Serumabtrennung bei RT

  • 10 ml EDTA-Blut für dir. Coombs-Test und Elutionsversuche

Bestimmungsmethode
  • Blutgruppen- und Rh-Mosaikbestimmung aus der warm transportierten Blutprobe. Es empfiehlt sich, die Erys vor der Testung 3 × warm zu waschen, um alle evtl. noch gebundenen AK abzusprengen

  • Serumgegenprobe (Nachweis von Isoagglutininen) besser mit Serum, das in der Kälte vom Blutkuchen getrennt wurde, da hier ein Teil der bei RT noch störenden Kälteauto-AK i. d. R. wegabsorbiert wurde

  • Dir. Coombs-Test mit AHG, Anti-IgG und Anti-C3d mit 5 × warm gewaschenen Erys aus dem EDTA-Blut. AIHA vom Kälteauto-AK-Typ zeigen pos. Reaktionen mit AHG und Anti-C3d

  • Kältetiter: Spezifität, Konz. und Wärmeamplitude der Kälteauto-AK werden mit geeigneten Testzellen und warm gewaschenen Pat.-Erys anhand einer Titration bei 0 °C, RT und 37 °C überprüft

BewertungKälteauto-AK-Titer > 1 : 32 und Wärmeamplitude ≥ 30 °C sind klin. relevant.
Störungen und BesonderheitenWenn die Blutprobe bei < 37 °C transportiert oder gelagert wurde, wird ein zu niedriger Kälteauto-AK-Titer gemessen, da die AK im Blutkuchen absorbiert sind.
Transfusionsmedizinische VersorgungHämolytische Episoden werden oft durch Kälteexposition der Pat. (z. B. Winterspaziergang) ausgelöst. AIHA vom Kälteauto-AK-Typ werden selten transfusionsbedürftig.
Bei Transfusionsnotwendigkeit Kreuzprobe streng bei 37 °C durchführen, um ein einwandfreies Ergebnis zu erzielen. Es gelingt aber oft nicht, völlig einwandfreie Verträglichkeitsproben zu erhalten. Die Blutkonserven müssen als langsame Tropftransfusion verabreicht oder auf 37 °C erwärmt werden. Cave Wasserbad oder Heizungsrippen! Hierfür stehen spezielle TÜV-geprüfte Blutkonservenwärmer bereit!

Paroxysmale Kältehämoglobinurie

Kältehämoglobinurie, paroxysmaleDie paroxysmale Kältehämoglobinurie (Kältehämoglobinurie vom Donath-Landsteiner-Typ)AntikörperDonath-Landsteiner-Typ wird durch bithermische IgG-Kälte-AK (Donath-Landsteiner-Antikörper = DL-AK) verursacht. Sie binden sich bei Abkühlen des Blutes in der Körperperipherie an die Erys (Spezifität: Anti-P) und lösen nach Erwärmung im Körperzentrum mittels Komplementaktivierung eine Hämolyse aus. Früher wurden solche Hämolysen v. a. bei Pat. mit chron. Lues-Inf. gesehen. Heute fallen v. a. Kleinkinder mit Varizellen-, Masern-, Mumps-, CMV- oder EBV-Inf. auf. Idiopathische Fälle bei Erw. wurden beschrieben. Trotz der schweren Hämolyse gibt es selten Todesfälle, da das Geschehen meist passager (post- oder parainfektiös) auftritt.
Indikationen
  • Hämoglobinurie unbekannter Genese

  • Pos. dir. Coombs-Test mit Anti-C3d, aber neg. Kälteauto-AK-Titer

Untersuchungsmaterial
  • 10 ml venöses Blut ohne Zusätze für die AK-Spezifizierung. Transport und Serumabtrennung bei 37 °C! (Blutbank vorher informieren, um unmittelbare Weiterverarbeitung zu garantieren!)

  • 10 ml EDTA-Blut für dir. Coombs-Test und Elutionsversuche

Bestimmungsmethode, BewertungKälteauto-AK 25.6.3. Der dir. Coombs-Test ist pos. mit AHG und mit Anti-C3d, jedoch nur schwach pos. mit Anti-IgG, da sich die DL-AK bei höheren Temperaturen im Körperzentrum wieder von den Erys lösen.
Spezifischer ist der Donath-Landsteiner-Donath-Landsteiner-TestTest: Nachweis von Hämolyse in einem Gemisch aus Pat.-Serum und Testerythrozytensuspension, das erst bei 0 °C und nach Zusatz von komplementaktivem AB-Serum auf 37 °C erwärmt wurde.
Transfusionsmedizinische VersorgungHeilung der Grunderkr. beseitigt die paroxysmale Kältehämoglobinurie. Transfusionsbedarf besteht selten. Die Pat. sollten dann mit angewärmtem P-neg. Blut versorgt werden. Da solche Spender aber äußerst selten sind, muss im Notfall auch mit erwärmtem P-pos. Blut versorgt werden.

Medikamenteninduzierte immunhämolytische Anämien

Diese AnämiemedikamenteninduzierteForm der Anämie macht 12–18 % aller Immunhämolysen aus. Hämolytische Anämiemedikamenteninduzierte
Indikationen
  • Neg. Eluat bei pos. dir. Coombs-Test

  • Zeitlicher Zusammenhang zwischen dem Auftreten einer hämolytischen Anämie und einer medikamentösen Therapie

  • DD einer hämolytischen Anämie

UntersuchungsmaterialSerol. Abklärung in Speziallaboratorien, mit denen die einzusendenden Proben und der Zeitpunkt der Einsendung abzusprechen sind (z. T. sehr aufwendige Untersuchungsmethoden!). Genaue anamnestische Angaben auf dem Untersuchungsantrag sowie eine enge kommunikative Kooperation zwischen behandelnden Ärzten und Labor sind für den diagn. Erfolg unabdingbar.
Bestimmungsmethode, BewertungDrei Typen der medikamenteninduzierten immunhämolytischen Anämie:
  • 1.

    α-Methyldopa-Typ: Induktion von Auto-AK gegen Erys wie bei einer klassischen AIHA → Hämolyse unterschiedlicher Stärkegrade:

    • Pos. dir. Coombs-Test mit AHG und Anti-IgG (bei 15 % aller Pat. mit α-Methyldopa, hämolytische AnämieMethyldopa-Therapie, nur 0,8 % dieser Pat. entwickeln eine hämolytische Anämie)

    • (Nicht immer) freie AK ohne erkennbare Spezifität i. S. des Pat. wie bei einer AIHA (reagieren am besten mit enzymbehandelten Indikatorerys)

    • Eluat: Auto-AK ohne erkennbare Spezifität

    • Serol. nicht von AIHA vom Wärmeautoantikörper-Typ unterscheidbar. Entscheidend: Anamnese!

  • Penicillin-TypPenicillin, hämolytische Anämie: Absorption der Medikamente oder ihrer Metaboliten an der Erythrozytenmembran → subakute extravasale Hämolyse:

    • Pos. dir. Coombs-Test mit AHG und Anti-IgG (bei 3 % aller Pat. unter hochdosierter Penicillintherapie, nur einige davon entwickeln eine hämolytische Anämie)

    • Freie AK und Eluat reagieren nur mit penicillinbeladenen Indikatorerys

  • Phenazetin-TypPhenatazin, hämolytische Anämie: Ablagerung von Immunkomplexen aus Medikament/Metabolit und AK auf den Erys: akute intravasale Hämolyse und Hämoglobinurie, häufig begleitende Thrombozytopenie

    • Pos. dir. Coombs-Test mit AHG und Anti-C3d (AK vom IgM-Typ, die wegen der lockeren Assoziation zur Erythrozytenmembran wieder absprengen).

    • Freie AK sind nur nach Vorinkubation des Pat.-Serums mit dem Medikament nachweisbar (verschiedene Verdünnungen versuchen!), da erst die sich dabei bildenden Immunkomplexe antigenwirksam sind und sich auf den Indikatorerys binden.

    • Eluate sind i. d. R. negativ.

Transfusionsmedizinische VersorgungAbsetzen der Medikamente beendet i. d. R. den hämolytischen Prozess. Bei α-Methyldopa kann die Hämolyse noch einige Wochen oder sogar Monate nach Beendigung der medikamentösen Therapie anhalten.
Wenn das Medikament lebensnotwendig ist und unter Inkaufnahme einer Hämolyse weiter eingenommen werden muss, erhalten die Pat. regelmäßig EK.

Differenzialdiagnosen der hämolytischen Anämien

  • AnämiehämolytischeKorpuskuläre hämolytische Anämien durch Membranproteindefekte oder -veränderungen: KugelzellenanämieHämolytische AnämieDDKugelzellenanämie (hereditäre SphärozytoseSphärozytosehereditäre), hereditäre Elliptozytose, Stomatozytose, Akanthozytose, Echinozytose, paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie, HEMPAS (hereditary erythroblastic multinuclearity with a positive acidified serum test)

  • Korpuskuläre hämolytische Anämien durch Stoffwechseldefekte: G6PDH-Mangel (Favismus), Pyruvatkinasemangel, Mangel an Met-Hb-Reduktase

  • Korpuskuläre hämolytische Anämien infolge von Hämoglobinopathien: Thalassämien, SichelzellenanämieSichelzellenanämie, andere seltene Hämoglobinopathien

  • Hämolysen durch mechanische oder toxische Einwirkung auf die Erys

Diagnostik24.

Morbus haemolyticus neonatorum (MHN)

Grundlagen

Morbus haemolyticus neonatorum (MHN)Nicht nur Rh-, sondern auch AB0-Inkompatibilität kann zum MHN führen. Diese Konstellation tritt sehr viel häufiger auf als die Rh-Unverträglichkeit, ist aber im Verlauf und in der Prognose bedeutend gutartiger. Andere Mutter-Kind-Inkompatibilitäten, für die (relativ selten) ein MHN beschrieben wurde, liegen in den Antigenen c, E, e, C, S, K, Fya und JKa. Sehr selten sind Inkompatibilitäten für s, k, Fyb und JKb. P1 und Lewis-AG (Lea, Leb) verursachen keinen MHN, da entweder die korrespondierenden AK überwiegend der Ig-Klasse M angehören und somit nicht plazentagängig sind oder die AG auf den kindlichen Erys noch nicht ausreichend exprimiert sind.

MHN bei Rhesus-Inkompatibilität

Morbus haemolyticus neonatorum (MHN)Rhesus-InkompatibilitätIrreguläre AK (IgG) gegen das Rh-Merkmal D entstehen, wenn bei der Geburt oder einem Abort kindliche Rh-pos. Erys in den Kreislauf der Mutter gelangen. Somit verläuft die erste Schwangerschaft einer Rh-neg. Mutter, die ein Rh-pos. Kind erwartet, meist komplikationslos. In der zweiten Schwangerschaft mit einem Rh-pos. Kind werden die kindlichen Erys durch die plazentagängigen IgG-AK, welche die Mutter bei der ersten Schwangerschaft gebildet hat, vorzeitig hämolysiert.
Das vermehrt entstehende indir. Bili wird von der Mutter über die Plazenta ausgeschieden. Erst nach der Geburt steigt das Bili im kindlichen Körper, und ein MHN entsteht. Klin. auffällig ist der Ikterus, der bei hohen Werten (etwa über 20 mg %) einen Kernikterus Kernikterusverursacht, d. h., das Bili wird in den Stammganglien des Gehirns abgelagert → schwere neurol. Symptome. Weitere Symptome sind Anämie, Leber- und Milzvergrößerung, Ödeme und Hypervolämie bis hin zum Hydrops universalis.
TherapieAustauschtransfusionen (möglichst bereits in utero) und Fototherapie (wandelt indir. in dir. wasserlösliches Bili um, das über Nieren und Galle ausgeschieden werden kann).
PräventionAnti-D-Prophylaxe.Anti-D-Prophylaxe Rh-neg. Mütter müssen in SSW 28–30 (nach vorherigem AK-Suchtest) sowie dir. nach der Entbindung eines Rh-pos. Kindes, nach Fehlgeburten, extrauteriner Gravidität, Schwangerschaftsabbruch und jedem anderen Eingriff, der zu einer Einschwemmung von Erys des Feten in den Kreislauf der Mutter führen kann, möglichst innerhalb von 72 h eine Standarddosis Anti-D-g erhalten. Sie zerstört sofort die kindlichen Rh-pos. Erys im mütterlichen Kreislauf und verhindert so eine Sensibilisierung der Mutter. Dies gilt auch, wenn bei dem Neugeborenen eine schwach ausgeprägte RhD-Variante (z. B. weak RhD) festgestellt wurde.
Anti-D-g muss selbst dann appliziert werden, wenn nach der Geburt schwach reagierende Anti-D-AK bei der Mutter gefunden worden sind und/oder der direkte AHG beim Kind schwach positiv ist, da diese Befunde durch die präpartale Anti-D-Prophylaxe bedingt sein können.
In seltenen Fällen mit V. a. den Übertritt größerer Mengen Erys des Kindes in die Mutter (fetomaternale Makrotransfusion) schützt die Standarddosis Anti-D-g (300 µg) möglicherweise nicht ausreichend. In diesen Fällen, die z. B. über eine Bestimmung der fetalen Erys (HbF-Zellen) im Blut der Mutter nachgewiesen werden, sind weitere Gaben von Anti-D-g erforderlich.
Eine Anti-D-Prophylaxe bei der Schwangeren ist nicht notwendig, wenn der Fetus mit einem validierten Verfahren RhD-neg. bestimmt wurde.
Untersuchungsmaterial
  • 1.

    Schwangerenvorsorge (SSW 4–8 und 24–27): 10 ml venöses Blut ohne Zusätze oder EDTA-Blut (automatisierte Testung) für Blutgruppe, AK-Suchtest und ggf. AK-Spezifizierung.

  • 2.

    Bei V. a. MHN:

    • a.

      Mutter:

      • 10 ml venöses Blut ohne Zusätze oder EDTA-Blut (automatisierte Testung) zum Nachweis der irregulären Anti-D-AK im indir. Coombs-Test (25.3.2).

      • Wurden die o. g. Untersuchungen bei der Mutter i. R. der Schwangerenvorsorge nicht durchgeführt, müssen sie nachgeholt werden.

    • b.

      Kind:

      • Mind. 1 ml venöses oder Nabelschnurblut ohne Zusätze oder EDTA-Blut (automatisierte Testung) für die vollständige Blutgruppe und das Rh-Mosaik.

      • Mind. 1 ml EDTA-Blut (venös oder Nabelschnur) für dir. Coombs-Test und Elutionsversuche.

Bestimmungsmethode, BewertungBei Nachweis von MHN-relevanten Allo-AK i. R. der Schwangerenvorsorge:
  • Verfolgung des AK-Titers (cave: Titer > 16!)

  • Bestimmung des korrespondierenden Antigens auf den väterlichen Erys (fakultativ, ist fehlerträchtig bei unklarer Vaterschaft)

  • Fruchtwasseruntersuchung zwischen SSW 24 und 28 (anhand von Bili-Konz. und Blutgruppen-AG des Kindes Entscheidung über Notwendigkeit einer intrauterinen Transfusion und/oder Sectio)

Störungen und BesonderheitenDie Anti-D-Prophylaxe ist bei Durchführung des AK-Suchtests i. S. der Mutter nachweisbar und sollte dem Labor auf dem Untersuchungsantrag in jedem Fall mitgeteilt werden.

MHN bei AB0-Inkompatibilität

Morbus haemolyticus neonatorum (MHN)AB0-InkompatibilitätEin MHN infolge AB0-Inkompatibilität zwischen Mutter und Kind tritt fast nur bei der Konstellation Mutter 0, Kind A1 oder B auf. Andere Konstellationen führen nur sehr selten zu einer klin. bemerkbaren Unverträglichkeit. Die meist extravasale Hämolyse beim Kind beginnt aufgrund der zum Zeitpunkt der Geburt noch gering ausgeprägten AB0-AG auf den kindlichen Erys oft erst verzögert postnatal. Eine Austauschtransfusion ist i. d. R. nicht notwendig. Typisch ist, dass diese (meist milde) Form des MHN oft schon das erste Kind betrifft, da immune Anti-A- oder Anti-B-AK auch unabhängig von einer Schwangerschaft induziert werden. Die Diagnostik eines MHN bei AB0-Inkompatibilität ist oft schwierig.
IndikationenSerol. Untersuchungen bei Neugeborenen mit V. a. MHN infolge AB0-Inkompatibilität.
Untersuchungsmaterial
  • Mutter: 10 ml venöses Blut ohne Zusätze oder EDTA-Blut (automatisierte Testung) für Blutgruppe, AK-Suchtest und Isohämolysin-Test

  • Kind:

    • Mind. 1 ml venöses oder Nabelschnurblut ohne Zusätze für die Blutgruppe

    • Mind. 1 ml EDTA-Blut (venös oder Nabelschnur) für den dir. Coombs-Test und Elutionsversuche

Bestimmungsmethode
  • Bestimmung der AB0-Konstellation von Mutter und Kind

  • Dir. Coombs-Test mit den kindlichen Erys: bei MHN infolge AB0-Inkompatibilität nur schwach pos. oder neg.

  • Nachweis freier Anti-A/B-AK im kindlichen Serum oder Elution der Anti-A/B-AK von den kindlichen Erys

  • Neg. AK-Suchtest i. S. der Mutter, aber stark pos. Hämolysin-Test (Titer > 16) gegen die kindlichen Blutgruppen-AG A oder B

  • Nachweis von IgG-Hämolysinen: zunächst Inaktivierung der IgM-Hämolysine i. S. der Mutter mittels Dithiothreitol oder 2-Mercaptoethanol, dann Titration der immunen Anti-A/B-AK im indir. Coombs-Test (Titerendpunkt mehr als 3 Titerstufen über einer mitgeführten Kontrolle)

BewertungDie serol. Diagnostik eines MHN kann bei entsprechender AB0-Konstellation einen MHN durch AB0-Inkompatibilität sicher ausschließen. Einen sicheren Positivnachweis gibt es nicht. Die ther. Entscheidung bis hin zur Austauschtransfusion (EK der Blutgruppe 0, zusätzlich evtl. Plasma der Blutgruppe des Kindes – also A oder B), die aber nur sehr selten notwendig ist, wird nach klin. Erwägungen gefällt.

Histokompatibilitätsdiagnostik

Grundlagen

Die HistokompatibilitätsdiagnostikAntigene des Haupt-Histokompatibilitätskomplexes sind für Abstoßungsreaktionen bei Transplantationen zwischen HLA-unterschiedlichen Individuen verantwortlich und haben eine große Bedeutung in der Regulation der Immunantwort.
Der Haupt-Histokompatibilitätskomplex AntigeneLeukozyten (HLA)umfasst eine Gruppe von eng gekoppelten Genloci auf dem kurzen Arm des Chromosoms 6 (β2-Mikroglobulin auf Chromosom 15), die durch einen ausgeprägten genet. Polymorphismus charakterisiert ist. Die durch diesen Genkomplex codierten „humanen Leukozyten-AntigeneHumane Leukozyten-Antigene(HLA) HLA (humane Leukozyten-Antigene)sind Mitglieder der Ig-Superfamilie und werden in Klasse-I-Antigene (HLA-Loci A, B und C) sowie Klasse-II-Antigene (HLA-D-Locus) eingeteilt. Die Vererbung der HLA-AG geschieht autosomal-kodominant.
Aufbau und Vorkommen der Antigene der beiden Klassen sind unterschiedlich.
  • Klasse I:

    • Membranverankerte α-Kette mit einer daran gebundenen β2-Mikroglobulinkette

    • Auf fast allen Körperzellen nachweisbar

  • Klasse II:

    • Zwei nahezu gleich große membranverankerte Glykoproteinketten (α und β)

    • Werden nur auf Zellen exprimiert, die eine Rolle in der Immunregulation spielen (B-Lymphozyten, einige T-Lymphozyten, Makrophagen)

Die Klasse-I-AG (HLA A, B und C) sowie die Klasse-II-AG wurden bisher serol., zunehmend aber auch molekularbiol. charakterisiert und erfahren durch die molekularbiol. Analyse weitere Aufsplittung.
Host-vs.-Graft-Reaktion
Host-vs.-Graft-ReaktionDie TransplantatabstoßungTransplantatabstoßung wird in erster Linie durch zytotoxische T-Zellen verursacht, die das fremde HLA-AG erkennen. Aber auch zytotoxische AK können bei der Abstoßung beteiligt sein. Je identischer die HLA-AG bei Empfänger und Transplantat sind, desto geringer fällt die Abstoßungsreaktion aus.
HLA-AK können physiologisch i. R. einer Schwangerschaft gebildet werden. AG ist in diesem Fall der väterliche HLA-Haplotyp des Kindes.
Transfusionsmedizinische BedeutungHLA-AK verursachen nicht selten Probleme bei der transfusionsmed. Versorgung von polytransfundierten und/oder transplantierten Pat. So kann es bei Gabe von TK zu nichthämolytischen Transfusionszwischenfällen kommen.
Bei sensibilisierten Pat. steigt nach Gabe von Pool-TK (25.4.2) die Thrombozytenzahl nicht an, da die in den Präparaten befindlichen Thrombozyten durch zytotoxische AK gegen die HLA-AG auf ihrer Oberfläche sofort zerstört werden. In einem solchen Fall helfen nur HLA-identische, maschinell gewonnene TK (25.4.2) eines typisierten Spenders.
Graft-vs.-Host-Reaktion (GvH)
Graft-vs.-Host-ReaktionDie Transplantation immunkompetenter Lymphozyten von einem Spender auf einen genet. unterschiedlichen Empfänger, dessen Immunsystem aus verschiedenen Gründen nicht in der Lage ist, auf das Transplantat zu reagieren (z. B. KM-Empfänger nach vorheriger Zerstörung seines eigenen Marks durch Bestrahlung), kann zur GvH führen. Die Spenderlymphozyten reagieren mit den Gewebeantigenen des Empfängers. Dies ist umso ausgeprägter, je verschiedener die Antigene sind.
Symptome sind Fieber, Exanthem, Splenomegalie, hämolytische Anämie, Diarrhöen. Tödliche Verläufe kommen vor.
Transfusionsmedizinische BedeutungDie Gabe von Blutkonserven kann eine GvH induzieren → immunsupprimierte Pat. erhalten bestrahlte Blutprodukte (25.4). Durch die Bestrahlung werden die restlichen, nach Filtration verbliebenen Lymphozyten inaktiviert und können damit keine GvH mehr auszulösen.

Assoziation zwischen HLA und Krankheitsdisposition

Es besteht eine deutliche Assoziation mancher HLA-Typen mit bestimmten Erkr. Diagn. genutzt wird z. B. die Assoziation von HLA-B27 und M. Bechterew. HLA (humane Leukozyten-Antigene)Krankheitsdisposition

HLA-Typisierung $$$

IndikationenHLA (humane Leukozyten-Antigene)Typisierung
  • Bestimmung der HLA-AG von Spender und Empfänger i. R. einer Transplantation oder Transfusion

  • Bestimmung einzelner HLA-AG, die mit bestimmten Erkr. assoziiert sind, z. B. HLA B27 und Spondyloarthritiden

Untersuchungsmaterial2 ml EDTA-Blut.
Bestimmungsmethode
  • Polymerase-Kettenreaktion (PCR) mit sequenzspez. Oligonukleotidsonden (PCR-SSOP)

  • PCR (PCR) mit sequenzspez. Primern (PCR-SSP)

  • Dir. DNA-Sequenzierung (Sequence-based Typing, SBT)

Nachweis von Anti-HLA-Antikörpern $$–$$$

IndikationenAnti-HLA-Antikörper, NachweisAntikörperAnti-HLA-Nachweis einer Sensibilisierung gegen einzelne oder mehrere HLA-AG bei polytransfundierten und/oder transplantierten Pat., die auf Gabe von randomisierten TK refraktär sind.
Untersuchungsmaterial5–10 ml venöses Blut ohne Zusätze oder 2–5 ml Serum.
Bestimmungsmethode
  • Lymphozytotoxizitätstest (LCT)Lymphozytotoxizitätstest (LCT): Mononukleäre Testzellen mit bekanntem HLA-Typ werden unter Zugabe von Pat.-Serum und frischem Komplement inkubiert. Das Zytolysemuster innerhalb der betroffenen Testzellen ergibt die Spezifität der AK.

  • ELISA: AK-Bindung an definierte HLA-AG der Klasse I und II, Sichtbarmachung der Reaktion mit enzymatischen Farbtests.

  • Luminex-MicrobeadsLuminex-Microbeads: Mit HLA-Antigenen beschichtete fluoreszierende Mikropartikel werden mit dem Pat.-Serum inkubiert. Die gebundenen HLA-AK werden durch Zugabe eines fluoreszierenden anti-IgG-AK auf den unterschiedlich fluoreszierenden Mikropartikeln durchflusszytometrisch detektiert. In Form eines Single-Antigen-Tests ist auch eine Spezifitätsbestimmung der HLA-AK gegen einzelne AG möglich.

BewertungPat. mit nachgewiesenen und definierten HLA-AK sind bei Bedarf mit HLA-typisierten TK (25.4.2) zu versorgen. Immuninkompetente Personen sollten zur Vermeidung einer GvH zusätzlich bestrahlte Blutpräparate (25.4) erhalten.
Störungen und BesonderheitenDie ELISA- und die Luminex-Microbead-Technologie sind hoch sensitiv, können aber im Gegensatz zum LCT keine Komplementbindungsfähigkeit der HLA-AK nachweisen. Folgerichtig korreliert ein Teil der so nachweisbaren HLA-AK nicht mit einem pos. LCT.

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