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B978-3-437-27063-5.00001-0

10.1016/B978-3-437-27063-5.00001-0

978-3-437-27063-5

Beispiel für eine Tourenplanung

[E556]

Wechselwirkungen zwischen Person, Umgebung und ABEDL® (nach Krohwinkel)

[O552]

Pflegeprozess

[A300]

Strukturmodell zur Effizienzsteigerung der Pflegedokumentation

[L190]

Bekannteste Handlungsweise im Qualitätsmanagement: PDCA-Zyklus nach W. Edwards Deming

[A300]

Aufnahmebogen für Beschwerden/Rückmeldungen

[M499]

Richtige und falsche Haltung beim Heben, Sitzen und Stehen

[L157]

Die Konzepte der Kinästhetik

[W274]

Umwandlung der Pflegestufen in Pflegegrade.Pflegestufen

Tab. 1.1
Bisherige Pflegestufe Pflegegrad
0 1
1 2
1 und eingeschränkte Alltagskompetenz 3
2 3
2 und eingeschränkte Alltagskompetenz 4
3 4
3 und eingeschränkte Alltagskompetenz 5
Härtefall 5

Voraussetzungen für Eingruppierung.

Tab. 1.2
Pflegegrad Grundpflege in Minuten Psychosoziale Unterstützung Nächtliche Hilfen Präsenz tagsüber
1 27–60 Bis 1× täglich nein nein
2 30–127 Bis 1× täglich 0–1× nein
2 8–58 2–12× täglich nein Weniger als 6 h
3 131–278 2–6× täglich 0–2× Weniger als 6 h
3 8–74 6× täglich bis ständig 0–2× 6–12 h
4 184–300 2–6× täglich 2–3× 6–12 h
4 128–250 7× täglich ständig 1–6× Rund um die Uhr
5 24–279 mind. 12× täglich mind. 3× Rund um die Uhr

Soll-Ist-Abgleich.

Tab. 1.3
Ist-Zeit in Std. Soll-Zeit in Std. +/− in Std.
38,5 30 + 8,5

Beispielhafte Preisliste des Leistungskomplexkatalogs in Nordrhein-Westfalen (Stand: Oktober 2015).

Tab. 1.4
Leistungskomplexe Punktzahl
1 Erstgespräch (vor Aufnahme der Pflege) 500 24,25
2 Große Grundpflege mit Lagern, Betten, selbstständiger Nahrungsaufnahme 610 29,59
3 Kleine Grundpflege mit Lagern, Betten, selbstständiger Nahrungsaufnahme 450 21,83
4 Große Grundpflege (Ganzwaschung, Ausscheidungen) 450 21,83
5 Kleine Grundpflege (Teilwaschung, Ausscheidungen) 290 14,07
6 Mobilisation 180 8,73
7 Körper- und situationsgerechtes Lagern/Betten 100 4,85

Gegenüberstellung des AEDL®- und des ABEDL®-Modells.

Tab. 1.5
AEDL®-Modell ABEDL-Modell®
Aktivitäten und existenzielle Erfahrungen des Lebens Aktivitäten, Beziehungen und existenzielle Erfahrungen des Lebens
  • Kommunizieren können

  • Sich bewegen können

  • Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten können

  • Sich pflegen können

  • Essen und trinken können

  • Ausscheiden können

  • Sich kleiden können

  • Ruhen und schlafen können

  • Sich beschäftigen können

  • Sich als Mann oder Frau fühlen und verhalten können

  • Für eine sichere Umgebung sorgen können

  • Soziale Bereiche des Lebens sichern können

  • Mit existenziellen Erfahrungen des Lebens umgehen können:

    • Die Existenz gefährdende Erfahrungen: Verlust von Unabhängigkeit, Isolation, Trennung von wichtigen Menschen, Heimatverlust, Sorge, Angst, Sterben

    • Die Existenz fördernde Erfahrungen: Vertrauen erleben, Hoffnung entwickeln, Zuversicht, Unabhängigkeit, Freude

    • Erfahrungen, welche die Existenz gefährden oder fördern: kulturgebundene Erfahrungen, Religion, Lebensgeschichte

  • Lebensaktivitäten realisieren können

    • Kommunizieren können

    • Sich bewegen können

    • Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten können

    • Essen und trinken können

    • Ausscheiden können

    • Sich pflegen können

    • Sich kleiden können

    • Ruhen, schlafen und sich entspannen können

    • Sich beschäftigen, lernen und sich entwickeln können

    • Die eigene Sexualität leben können

    • Für eine sichere und fördernde Umgebung sorgen können

  • Soziale Kontakte und Beziehungen sichern und gestalten können:

    • Mit sich und anderen in Kontakt sein und bleiben können

    • Fördernde Kontakte und Beziehungen erlangen, erhalten, wiedererlangen können (mit privaten und anderen Bezugspersonen, mit anderen Lebewesen)

    • Mit belastenden Kontakten und Beziehungen umgehen können (mit privaten und anderen Bezugspersonen, mit anderen Lebewesen)

  • Mit existenziellen Erfahrungen des Lebens umgehen und sich dabei entwickeln können:

    • Fördernde Erfahrungen machen können

    • Mit belastenden und gefährdenden Erfahrungen umgehen können

    • Erfahrungen, welche die Existenz fördern oder gefährden, unterscheiden können

    • Lebensgeschichtliche Erfahrungen einbeziehen können

Erstellung der PflegeanamnesePflegeanamneseInhalteBiografiearbeit.

Tab. 1.6
Personenbezogene Informationen Daten zur Person des Pflegebedürftigen, die für Verwaltung und Organisation von Bedeutung sind
  • Name, Anschrift, Geburtsdatum, -ort

  • Familienstand, Staatsangehörigkeit, Konfession

  • Name, Adresse, Telefonnummern von Angehörigen, Betreuungspersonen und behandelnden Ärzten (besonders Hausarzt)

  • Implantate und Prothesen, z. B. Herzschrittmacher, Hörgerät, Glasauge, Zahnprothesen, Hüftgelenksprothese, Insulinpumpe

  • Leihgeräte wie Rollstuhl, Gehhilfen, Toilettenstuhl, Hilfsmittel

Physische Situation
  • Medizinisch-pflegerische Informationen zum körperlichen Status des Pflegebedürftigen

  • Ärztliche Diagnosen und Verordnungen, Ermittlung von Vitalzeichen, angeordnete behandlungspflegerische Maßnahmen, Medikamente, Bedarfsmedikation

  • Frühere pflegerelevante Krankheiten und Krankenhausaufenthalte (sofern ermittelbar)

  • Aktuelle Fähigkeiten/Ressourcen und Probleme

Psychische Situation
  • Seelische Verfassung: Hoffnungen, Befürchtungen, Stimmungslage, persönliche Einschätzung der Situation

  • Geistige Orientierung

  • Aktuelle Fähigkeiten/Ressourcen und Probleme

Biografische Informationen
  • Kindheits- und Jugenderlebnisse: Elternhaus, Schulzeit, regionale Herkunft, geschichtlicher Hintergrund

  • Entwicklung des Familien- und Soziallebens: Partnerschaften, Kinder, (Ur-)Enkel, Nachbarschaft, Kontakte in der Umgebung, Engagement in Initiativen, Parteien etc.

  • Entscheidende Lebensereignisse, z. B. Umzug und Neubeginn in fremder Umgebung, „Flucht“, Heirat der Kinder, Geburt der Enkel

  • Beruflicher Werdegang: Ausbildung, Berufsausübung, besondere Aufgaben und Verantwortungen

  • Familiäre Situation in der Gegenwart: Partner, Angehörige, Freunde, Nachbarn

  • Gegenwärtige Interessen, Hobbys

  • Kultureller Hintergrund

  • Religion und Weltanschauung

Beispiel für Pflegeplanung.

Tab. 1.7
Datum R: Ressourcen
P: Probleme
Pflegeziele Maßnahmen Datum, HZ
AEDL® Sich kleiden
12.2.2015 R:
  • Frau M. äußert Bekleidungswünsche.

  • Sie kann sich die Bluse noch alleine aufknöpfen.

P:
  • Ist ansonsten auf vollständige Hilfestellung beim An- und Auskleiden angewiesen

  • Frau M. ist nach ihren Wünschen bekleidet.

  • Frau M. kann den Oberkörper selbstständig entkleiden.

  • Morgens nach der Pflege gewünschte Kleidung anziehen

  • Abends Nachthemd anziehen

  • Anregen, weiterhin zu knöpfen

  • Motivation, Oberkörper zu entkleiden, mithelfen, die Bemühungen loben

AEDL® Kommunizieren
12.2.2015 R:
  • Frau M. ist in der Lage, sinnvolle Gespräche zu führen.

P:
  • Schwerhörigkeit linksseitig

  • Unsicherheit im Umgang mit dem Hörgerät

  • Frau M. ist sicher in der Handhabung ihres Hörgeräts.

  • Sie kann sich an Gesprächen beteiligen.

  • Anleitung zum Umgang mit dem Hörgerät

  • Darauf achten, dass sich Frau M. das Hörgerät nach der Pflege einsetzt

  • Tägliche Überprüfung der Funktionstüchtigkeit von Hörgerät und Batterie

Datum der Überprüfung, Handzeichen (HZ) der Bezugspflegenden

Vorzulegende Unterlagen bei der Prüfung des Pflegedienstes.

Tab. 1.8
Unterlagen Ggf. Datum Liegt vor Liegt nicht vor Trifft nicht zu
Aufstellung über Anzahl aller versorgten Personen (SGB XI, SGB V, Selbstzahler, sonstige) sowie Pflegestufendifferenzierung der Leistungsempfänger nach SGB XI mit Datum
Aufstellung über Anzahl der Pflegebedürftigen mit: Wachkoma, Beatmungspflicht, Dekubitus, Blasenkatheter, PEG-Sonde, Fixierung, Kontraktur, vollständiger Immobilität, Tracheostoma, MRSA, Diabetes mellitus
Versorgungsvertrag des Pflegedienstes/Strukturerhebungsbogen
Blanko-Pflegevertrag
Ausbildungsnachweis der verantwortlichen Pflegefachkraft
Weiterbildungsnachweis der verantwortlichen Pflegefachkraft
Ausbildungsnachweis der stellvertretenden verantwortlichen Pflegefachkraft
Pflegebezogene Ausbildungsnachweise der pflegerischen Mitarbeiter
Aufstellung aller in der Pflege tätigen Mitarbeiter mit Name, Berufsausbildung und Beschäftigungsumfang
Aktuelle Handzeichenliste
Liste der vom Pflegedienst vorgehaltenen Pflegehilfsmittel/Hilfsmittel
Dienstpläne
Touren-/Einsatzpläne
Organigramm
Pflegeleitbild
Pflegekonzept
Pflegedokumentationssystem
Stellenbeschreibungen
Nachweise über Pflegevisiten
Nachweise über Fallbesprechungen
Nachweise über Informationsweitergabe
Nachweise über Dienstbesprechungen
Konzept zur Einarbeitung neuer Mitarbeiter
Fortbildungsplan
Nachweise interne Fortbildung
Nachweise externe Fortbildung
Nachweise zum einrichtungsinternen Qualitätsmanagement
Nachweise über externes Qualitätsmanagement
Leit-/Richtlinien/Standards
Hygienestandard/-plan/-konzept
Konzept zum Beschwerdemanagement
Regelungen zum Umgang mit personenbezogenen Notfällen

AntiseptikaAntiseptika und ihre Eigenschaften.

Tab. 1.9
Wirkstoffe und Handelsnamen Eigenschaften
PVP-Jod wie:
  • Braunol®

  • Betaisodona®-Lösung

  • Nachhaltig und schnell wirkend, preiswert, für Bäder oder Spülungen bei Verdünnungen bis 1:20 uneingeschränkt wirksam, stark färbend, (selten) allergisierend

  • Nicht anzuwenden bei: Hyperthyreose, Dermatitis herpetiformis Duhring, Jodüberempfindlichkeit

Octenidindihydrochlorid wie:
  • Octenisept®

  • Farblos, gute Gewebeverträglichkeit, wenig Nebenwirkungen

  • Je nach Präparat Handhabungsunterschiede

  • Kontraindikationen und spezielle Anwendungsmöglichkeiten beachten

Polyhexanide wie:
  • Sanalind®

  • Lavasept®

Beispiel für ein Sanierungsschema zur Beseitigung einer MRSA-Besiedelung.

Tab. 1.10
Sanierungsmaßnahmen Morgens Mittags Abends
Ärztlicherseits Ermittlung der Sanierungseignung und Sicherung von Ausgangsbefunden
1.–5. Tag (Behandlungsphase)
Verteilung von Mupirocin-Salbe in beide Nasenlöcher X X X
Ganzkörperwaschung und Haarwäsche mit einer antiseptischen Lösung X
Mundpflege mit einer antiseptischen Lösung. Kontraindikationen wie Schluckstörungen bzw. Aspirationsgefahr beachten! X X X
Kompletter Wechsel der Bett- und Leibwäsche sowie der Handtücher und Waschlappen X
Mind. 3 Tage Pause Keine Maßnahmen
Min. 3 Tage, max. 1 Monat nach Behandlung 1. Kontrollabstrich(e)1
Min. 3 Monate, max. 6 Monate nach Behandlung 2. Kontrollabstrich(e)2
Min. 9 Monate, max. 13 Monate nach Behandlung 3. Kontrollabstrich(e)3
Kontrollabstriche erfolgen stets analog zu den Ausgangsbefunden.
  • 1

    Ergebnis negativ: Person gilt als vorläufig MRSA-frei. Keine MRSA-spezifische Hygiene. Ergebnis positiv: Weiterhin MRSA-spezifische Hygiene. Evtl. weiterer Sanierungsversuch.

  • 2

    Ergebnis negativ: Person gilt weiterhin als vorläufig MRSA-frei. Ergebnis positiv: Wieder MRSA-spezifische Hygiene. Evtl. weiterer Sanierungsversuch.

  • 3

    Ergebnis negativ: Person gilt dauerhaft als MRSA-frei. Ergebnis positiv: Wieder MRSA-spezifische Hygiene. Evtl. weiterer Sanierungsversuch.

DesinfektionsmittelDesinfektionsmittel und ihre Eigenschaften.

Tab. 1.11
Wirkstoffe Anwendungsgebiete und Handelsnamen Eigenschaften
Aldehyde wie:
  • Glyoxal

  • Glutardialdehyd

  • Flächen: Kohrsolin®, Lysoformin®

  • Instrumente: Cidex®, Gigasept®

  • Positiv: starke desinfizierende, viruzide Wirkung, sehr materialverträglich, preiswert

  • Negativ: allergisierend, stechender Geruch, sehr schlechte Reinigungswirkung, fixiert Rückstände, sollte (wenn möglich) durch andere Substanzen ersetzt werden

Alkohole wie:
  • Ethanol

  • Propanol

  • Haut: Kodan®, Cutasept®

  • Hände: Sterillium®, Desderman®

  • Flächen: Fugaten® Spray, Microzid® liquid

  • Positiv: sehr schnelle Wirkung, hautverträglich

  • Negativ: Explosionsgefahr, nicht für den Sanitärbereich geeignet (Wasser beeinträchtigt die Wirksamkeit)

Alkylamine und Alkylaminderivate wie:
  • Alkylamin

  • Glukoprotamin

  • Propandiamin

  • Flächen: Mikrobac® forte, Incidin® Plus

  • Instrumente: Afid®, Sekusept® Plus

  • Positiv: gute Reinigungswirkung, weniger allergisierend als Aldehyde, bevorzugtes Flächendesinfektionsmittel

  • Negativ: hinterlassen oft unerwünschte Rückstände, evtl. unverträglich mit Plastikmaterialien

Peressigsäure Flächen: Descogen®, Dismozon® Pur
  • Positiv: starke desinfizierende, viruzide Wirkung, hypoallergen

  • Negativ: teuer, Geruchsbelästigung, korrosionsfördernd

Phenolderivate wie:
  • Biphenylol

  • Chloroxylenol

  • Flächen: Amocid®, Velicin® forte

  • Instrumente: Helipur®, Bomix®

  • Positiv: gute Reinigungswirkung, materialverträglich

  • Negativ: allergisierend, Geruchsbelästigung

Oberflächenaktive Substanzen wie:
  • Amphotenside

  • Guanidine

  • Quaternäre Ammoniumverbindungen

  • Flächen: Hexaquart® S, Biguanid Fläche N

  • Instrumente: Gigasept® Instru AF, Ventimed® forte

  • Positiv: gute Reinigungswirkung, weniger allergisierend als Aldehyde

  • Negativ: hinterlassen oft unerwünschte Rückstände

Checkliste für die Durchführung einer häuslichen Pflegeberatung.

Tab. 1.12
Phasen des Beratungsprozesses Umsetzung in der Praxis
1. Kontaktaufnahme zu pflegenden Angehörigen und Pflegebedürftigen Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung durch offene und wertschätzende Grundeinstellung
2. Identifizierung von Problemen
  • Pflegekraft verschafft sich Überblick über die momentane pflegerische Situation

  • Ermittlung vorhandener Ressourcen und Probleme

3. Gemeinsame Festlegung einer Problemhierarchie
  • Reihenfolge der Bearbeitung wird festgelegt

  • Schwerwiegendstes Problem wird zuerst bearbeitet

4. Zielfestlegung Konkrete Festlegung eines realistischen Ziels
5. Anregung und Unterstützung von Lernprozessen
  • Pflegekraft gibt Informationen weiter

  • Gemeinsames praktischen Üben mit Pflegebedürftigen und Pflegehilfsmitteln

  • Wiederholungen einplanen

6. Durchführungskontrolle, Evaluation
  • Überprüfung der erworbenen Fertigkeiten

  • Mögliche Verbesserungen/Zielerreichung ermitteln

  • Einschätzung der Qualität der häuslichen Pflegeberatung durch Angehörige → Impulse für Verbesserung der eigenen Tätigkeit

Merkmale von Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität nach Donabedian.

Tab. 1.13
Strukturqualität Prozessqualität Ergebnisqualität
Beschreibung Rahmenbedingungen und institutionelle Voraussetzungen, unter denen Leistungen erbracht werden, relativ unabhängig von der Leistungsausführung Abläufe einzelner Arbeitsprozesse des Betriebs, meist sind mehrere Berufsgruppen beteiligt Maß des Leistungsergebnisses einer Einrichtung
Beispiele
  • Personelle Ausstattung und Qualifikation des Personals

  • Größe der Touren

  • Organisationsform/Pflegesystem

  • Pflegedokumentationssystem

  • Ausstattung mit arbeitstechnischen Hilfsmitteln

  • Allgemeine Ziele der Einrichtung

  • Verfahrensanweisungen, z. B. Aufnahme, Umgang mit Schlüsseln, Dokumentation

  • Pflegestandards (1.4.6) als qualitative Leistungsbeschreibung

  • Anzahl der Betreuten pro Jahr

  • Einhaltung der Standards

  • Nutzung des Dokumentationssystems

  • Grad der Kundenzufriedenheit

Inhalte des Qualitätshandbuchs. QualitätshandbuchPflegekonzepteQualitätssicherung

Tab. 1.14
Dokumente Inhalt
Pflegeleitbild
  • Darstellung des eigenen Profils und des fachlichen Selbstverständnisses

  • Trägerphilosophie, grundsätzliche Ziele

  • Ist allen Mitarbeitern bekannt

Pflegekonzept
  • Definiert das pflegerische Angebot:

    • Pflegemodell

    • Pflegesystem

    • Pflegeprozess

  • Innerbetriebliche Kommunikation (siehe unten)

  • Qualitätssicherungssystem

  • Beschreibung der Leistungen

  • Kooperation mit anderen Stellen

  • Räumliche, personelle, sächliche Ausstattung

Leistungsangebot
  • Schriftliche Darstellung, auch Aufführung ergänzender Angebote und Serviceleistungen

Verfahrensanweisungen
  • Durchführungsbestimmungen für komplexe Vorgänge

  • Verbindlich für alle Mitarbeiter

Arbeitsanweisungen
  • Beschreibung von Teilprozessen

  • Hygieneplan (1.6)

  • Pflegestandards (1.4.6)

  • Verbindlich für alle Mitarbeiter

Dienstanweisungen Umgang mit Dienstfahrzeugen, Verhalten bei Unfall eines Mitarbeiters etc.
Dienst- und Tourenpläne 1.3.5 und 1.3.6
Organisation der Station
  • Regelungen für Aufgaben/Verantwortungsbereiche, z. B. Stellenbeschreibungen

  • Organigramm: bildet einzelne Verantwortungsbereiche hierarchisch ab

Mitarbeiterschulung
  • Fortbildungsplan (siehe unten)

  • Einarbeitungskonzept (1.3.10)

Beschwerdemanagement Beschwerdeerfassungsbogen (siehe unten)
Namensliste
  • Alle Mitarbeiter mit Qualifikation und Handzeichen

  • Schweigepflichterklärung (1.8.3) aller Mitarbeiter

Delegation
  • Eindeutige Festlegung, durch wen welche Leistungen erbracht werden dürfen (siehe oben)

  • Mitarbeiter ohne Ausbildung arbeiten unter Anleitung und Kontrolle einer Fachkraft

Anzeichen eines Helfersyndroms.

Tab. 1.15
Verhalten sich selbst gegenüber Verhalten anderen Personen gegenüber
Große Strenge Viel Verständnis
Eigene Schwächen werden kaum akzeptiert Hilfsbereitschaft
Eigene Bedürfnisse werden nicht/kaum geäußert bzw. erfüllt Bedürfnisse werden aufmerksam wahrgenommen und erfüllt

Grundlagen der täglichen Arbeit

Peter Bergen

Markus Gormanns

Monika Klau-Fischer

Anja Palesch

  • 1.1

    Prinzipien der ambulanten Pflege3

  • 1.2

    Rahmenbedingungen4

    • 1.2.1

      Gesetzliche Bedingungen5

    • 1.2.2

      Personelle Bedingungen10

  • 1.3

    Arbeitsorganisation11

    • 1.3.1

      Grundausstattung11

    • 1.3.2

      Tagesablauf12

    • 1.3.3

      Pflegesysteme12

    • 1.3.4

      Arbeit im Team13

    • 1.3.5

      Tourenplanung14

    • 1.3.6

      Dienstplangestaltung16

    • 1.3.7

      Erstbesuch und Pflegevereinbarungen17

    • 1.3.8

      Pflegevisite19

    • 1.3.9

      Abrechnung von Leistungen20

    • 1.3.10

      Einarbeitung neuer Mitarbeiter22

    • 1.3.11

      Unterstützung von Auszubildenden23

  • 1.4

    Pflegeplanung und Dokumentation24

    • 1.4.1

      Pflegemodelle24

    • 1.4.2

      Pflegeprozess25

    • 1.4.3

      Pflegeplanung31

    • 1.4.4

      Pflegedokumentation – bisher bekannte Dokumentation32

    • 1.4.5

      Pflegedokumentation – das neue Strukturmodell35

    • 1.4.6

      Pflegestandards38

  • 1.5

    Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen40

    • 1.5.1

      Zusammenarbeit mit Hausärzten40

    • 1.5.2

      Zusammenarbeit mit therapeutischen Berufsgruppen/ Spezialisten41

    • 1.5.3

      Zusammenarbeit mit Sanitätshäusern und Apotheken42

    • 1.5.4

      Zusammenarbeit mit Krankenhäusern, Pflegeheimen und Hospizen42

    • 1.5.5

      Zusammenarbeit mit MDK, Kranken- und Pflegekassen43

    • 1.5.6

      Zusammenarbeit mit Ämtern47

    • 1.5.7

      Zusammenarbeit mit sonstigen Personen47

    • 1.5.8

      Mögliche Konflikte mit anderen Berufsgruppen47

  • 1.6

    Hygiene48

    • 1.6.1

      Hygienische Bedingungen48

    • 1.6.2

      Hygieneorganisation49

    • 1.6.3

      Schutz vor übertragbaren Krankheiten50

    • 1.6.4

      Hygienemaßnahmen im Infektionsfall53

  • 1.7

    Zusammenarbeit mit und Unterstützung von pflegenden Angehörigen60

    • 1.7.1

      Zusammenarbeit mit pflegenden Angehörigen60

    • 1.7.2

      Beratung und Schulung pflegender Angehöriger62

    • 1.7.3

      Gesetzlicher Anspruch für pflegende Angehörige66

    • 1.7.4

      Selbsthilfegruppen für pflegende Angehörige66

    • 1.7.5

      Konflikte mit Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen68

  • 1.8

    Rechtliche Grundlagen68

    • 1.8.1

      Allgemeine rechtliche Bestimmungen68

    • 1.8.2

      Gesetzliche Bestimmungen bezogen auf den Pflegebedürftigen69

    • 1.8.3

      Gesetzliche Bestimmungen bezogen auf Pflegekräfte73

    • 1.8.4

      Weitere gesetzliche Bestimmungen75

    • 1.8.5

      Gesetzliche Bestimmungen zur Qualität82

  • 1.9

    Qualitätsanforderungen83

    • 1.9.1

      Begriffe des Qualitätsmanagements83

    • 1.9.2

      Qualitätsmanagementsysteme85

    • 1.9.3

      Qualitätssicherung86

    • 1.9.4

      Häufige Qualitätsmängel93

  • 1.10

    Selbstpflege93

    • 1.10.1

      Prävention von Krankheiten/ Gesundheitsförderung93

    • 1.10.2

      Helfersyndrom und Burnout94

    • 1.10.3

      Rückengerechte Arbeitsweise97

    • 1.10.4

      Kinaesthetics99

Prinzipien der ambulanten Pflege

Anja Palesch
Ambulante Pflege findet im häuslichen Umfeld des Pflegebedürftigen statt. Die Häuslichkeit umfasst auch Wohngemeinschaften, betreute Wohnanlagen und weitere Wohnformen. Die Versorgung umfasst:
  • Behandlungspflegerische Maßnahmen (sowie spezielle ambulante Pflege, z. B. palliative Versorgung, Wundmanagement)

  • Leistungen der Grundpflege

  • Hauswirtschaftliche Versorgung

  • Vereinbarte Sonderleistungen (z. B. Versorgung von Haustieren)

  • Beratung zu benötigten Pflegehilfsmitteln

Leistungserbringer sind die Wohlfahrtsverbände und private Anbieter. Alle Leistungen sind in der Regel mit Zusatzkosten verbunden.
Grundlagen
  • Gesetzliche Grundlagen sind das SGB V, SGB XI und SGB XII.

  • Leistungen werden mit den Kranken- und Pflegekassen, mit dem Sozialamt oder privat abgerechnet.

  • Grundlage ist ein Pflegevertrag zwischen dem Pflegebedürftigen (oder seinem gesetzlichen Vertreter) und dem Leistungserbringer.

  • Voraussetzung der möglichen teilweisen Kostenübernahme einzelner Leistung durch die Kranken- oder Pflegeversicherung sind eine ärztliche Verordnung (1.2) bzw. die Einstufung in eine Pflegestufe, der positive Bescheid des Sozialamts oder Sondervereinbarungen im Pflegevertrag. Alle anderen Leistungen sind privat zu zahlen.

Ziele
  • Aufrechterhalten eines selbstständigen und selbstbestimmten Lebens, unter Beachtung der Menschenwürde

  • Stärken und Erhalten der körperlichen, geistigen und seelischen Kräfte des Pflegebedürftigen unter Berücksichtigung vorhandener Ressourcen

  • Professionelle Unterstützung bei Grundpflege und hauswirtschaftlicher Versorgung, unter Berücksichtigung der AEDL® (2)

  • Unterstützung des fach- oder hausärztlichen Behandlungsziels

  • Weiterführende Versorgung nach Krankenhausaufenthalt bzw. Vermeiden eines Klinikaufenthalts

  • Versorgung Schwerstpflegebedürftiger in der Häuslichkeit (z. B. Heimbeatmung 5.5, Pflege Sterbender 5.8)

  • Einbeziehung, Unterstützung und Begleitung pflegender Angehöriger (1.7)

Weitere Angebote
  • Essen auf RädernZusatzangebote, ambulante Pflege

  • Übernahme von Einkauf, Wäschediensten, Fahrdiensten und anderen Dienstleistungen

  • Zusätzliche Betreuungsleistungen für demenziell veränderte Menschen nach § 45a SGB XI (z. B. zeitintensive stundenweise Betreuung, Demenzcafé)

  • Personenrufsystem

  • Angebote für pflegende Angehörige: Pflegekurse (§ 45 SGB XI), Selbsthilfegruppen, Gesprächskreise, Beratungsgespräche (1.7)

  • Seniorennachmittage

  • Vermittlung weiterer Dienstleister, z. B. Friseur, Fußpflege

  • Nachtbereitschaft/-wache

  • Informationen zu anderen Entlastungsangeboten (z. B. Tagespflege, ambulanter Hospizdienst)

„Gastrolle“ des Pflegepersonals
Gastrolle PflegepersonalPrivatsphäreAmbulant Pflegende arbeiten im Privatbereich des Pflegebedürftigen. Dies birgt ein vielfältiges Konfliktpotenzial:
  • Pflegepersonal ist in der Wohnung „zu Gast“

  • Pflegebedürftiger hat das Hausrecht: für alle Tätigkeiten immer erst Einverständnis einholen

  • Schweigepflicht (1.8.3) beachten, da sich verschiedene Pflegebedürftige ggf. untereinander kennen könnten

Tipps und Tricks

  • Klare Absprachen innerhalb des Teams treffen und dokumentieren; einheitlich pflegen: Was wird wann und wie gemacht?

  • Mit Eigentum der Pflegebedürftigen, z. B. Schlüsseln, sorgfältig und zuverlässig umgehen

  • Trotz Kundenorientierung ist die pflegefachliche Versorgung sicherzustellen

Regeln zur Vorbeugung von Konflikten
  • Privatsphäre des Pflegebedürftigen respektieren, z. B. erst nach Rückfrage Räume betreten oder Schränke öffnen

  • Unbrauchbare/defekte Gegenstände oder abgelaufene Lebensmittel nicht ungefragt entsorgen

  • Veränderungen erst anregen, wenn eine gewisse Beziehung entstanden ist; schrittweise vorgehen, z. B. bei übertriebener Sparsamkeit, zu seltenem Wäschewechsel

  • Wenn aus fachlicher Sicht erforderliche Hilfe nicht angenommen wird: Geduld haben, improvisieren, dokumentieren

  • Im Team über Belastungen sprechen, kollegiale Unterstützung und Feedback einholen

Rahmenbedingungen

Anja Palesch
  • Pflegende führen ihre Tätigkeit in enger Abstimmung mit dem Pflegebedürftigen (ggf. mit seinem gesetzlichen Vertreter), den pflegenden Angehörigen, den Kostenträgern und den behandelnden Ärzten durch. Als Grundlage dienen die Einstufung in eine Pflegestufe (ab dem 1.1.2017 in einen der fünf Pflegegrade), ärztliche Verordnungsscheine (SGB V) sowie der Pflegevertrag. MDK und Medicproof nutzen ab dem 01.01.2017 das neue Begutachtungssystem (NBA).

MDK
Medizinischer Dienst der MDKKrankenversicherung. Medizinischer Dienst der KrankenversicherungBegutachtungs- und Beratungsdienst mit folgenden Aufgaben:
  • Empfehlung zur Einstufung in eine Pflegestufe bzw. ab 01.01.2017 in einen der Pflegegrade bei allen gesetzlich Versicherten

  • Empfehlung über Pflegehilfsmittel und wohnumfeldverbessernde Maßnahmen

  • Qualitätsprüfungen in Einrichtungen

Medicproof
Führt die Begutachtungen für alle MedicproofPrivatversicherten durch. Begutachtungs- und Beratungsdienst Medicproofmit folgenden Aufgaben:
  • Empfehlung über Einstufung in eine der Pflegestufen bzw. Pflegegrade bei allen Privatversicherten

  • Empfehlung über Pflegehilfsmittel und wohnumfeldverbessernde Maßnahmen

  • Qualitätsprüfungen in Einrichtungen (bundesweit bei 10 % aller Einrichtungen)

Ärztlicher Verordnungsschein
Verordnungsschein, ärztlicherÄrztlicher VerordnungsscheinWird vom Haus- oder Facharzt ausgestellt:
  • Zur Verordnung von häuslicher Krankenpflege nach SGB V (1.2.1) oder Behandlungspflege

  • Wird als Antrag bei Kranken- und Pflegekassen eingereicht

  • Begrenzte Gültigkeit; Dauerverordnung oder regelmäßige erneute Anforderung möglich

Gesetzliche Bedingungen

Mögliche Kostenträger:Kostenträger, ambulante Pflege
  • Krankenkassen/SGB V (bei Vorliegen von entsprechenden Verordnungen und fehlendem Anspruch auf Pflegeleistungen)

  • Pflegekasse/SGB XI (bei Vorliegen einer Pflegestufe)

  • Sozialamt/SGB XII (bei Ablehnung der Pflegestufe zur Abdeckung notwendiger Versorgung; Achtung: Antragsverfahren und Bewilligungsvoraussetzungen)

Sozialgesetzbuch V (SGB V)
SGB VRegelt die Versorgung Sozialgesetzbuchdurch die Leistungen der Krankenkassen.
  • Häusliche Krankenpflege verankert in § 37 SGB V

  • Vom Hausarzt verordnete Grundpflege und ggf. hauswirtschaftliche Versorgung → begrenzt auf max. 28 Tage

  • Ärztlich verordnete Leistungen der Behandlungspflege (können längerfristig verordnet werden)

  • Zuzahlung von 10 % der Zuzahlung, Krankenversicherunganfallenden Kosten für häusliche Krankenpflege (auf 28 Tage pro Kalenderjahr begrenzt)

  • Übersteigen die Kosten bestimmte Belastungsgrenzen, werden die Pflegebedürftigen nach Stellen eines Antrags von weiterer Zuzahlung befreit. Zu viel entrichtete Beträge werden erstattet:

    • Belastungsgrenze bei chronisch Belastungsgrenze, ZuzahlungKranken: 1 % des Jahres-Bruttoeinkommens

    • Belastungsgrenze bei anderen Personen: 2 % des Jahres-Bruttoeinkommens

    • Anrechnung von Freibeträgen möglich, wird nach Anzahl der zu versorgenden Kinder berechnet

    • Zuzahlung ebenfalls bei Medikamenten und Verbandsmitteln (mind. 5 €, max. 10 € pro Packung) → Quittungen sammeln → Antrag bei Krankenkasse: Erstattung bei Überschreitung der Belastungsgrenze

    • Kinder (bis 12 Jahre) sind von diesen Regelungen ausgenommen

Tipps und Tricks

  • Kosten für Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung werden nur übernommen, wenn keine Pflegestufe vorliegt.

  • Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung werden nur genehmigt, wenn zusätzlich Behandlungspflege verordnet ist.

  • MDK überprüft im Regelfall Notwendigkeit und Dauer der verordneten Maßnahmen.

  • Bei Privatversicherten gibt es individuelle Verträge, das SGB V findet keine Anwendung.

Sozialgesetzbuch XI (SGB XI)
Regelt Leistungen der Grundpflege und SGB XIder hauswirtschaftlichen Versorgung durch die Pflegeversicherung. Ab dem 01.01.2017 wird mit dem PflegestärkungsgesetzPflegestärkungsgesetz II ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff den Paradigmenwechsel bei der pflegerischen Versorgung vervollständigen. Die fünf Pflegegrade Pflegegradewerden dann mithilfe des Begutachtungsassessments (NBA) ermittelt. Der Grad der Pflegebedürftigkeit wird unter Berücksichtigung der körperlichen und psychischen/kognitiven Beeinträchtigungen ermittelt. Dabei sollen der Bedarf an allgemeiner Beaufsichtigung und Betreuung, die Tagesgestaltung und die sozialen Kontakte berücksichtigt werden. Bei der Begutachtung soll nicht mehr der Zeitaufwand, sondern der Grad der Selbstständigkeit ermittelt werden.
Philosophie des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs
PflegebedürftigkeitsbegriffDer ab dem 01.01.2017 geltende Pflegebedürftigkeitsbegriff umfasst sechs Module:
  • Mobilität des Pflegebedürftigen

  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten des Pflegebedürftigen

  • Umfassende Berücksichtigung von Pflegebedürftigkeit aufgrund psychischer/kognitiver Beeinträchtigungen

  • Fähigkeit zur Selbstversorgung

  • Bewältigung der krankheits- und therapiebedingten Anforderungen und Belastungen

  • Fähigkeit zur Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Beachte:

Pflegebedürftig im Sinne des SGB XI (ab dem 01.01.2017) sind Personen, die:

  • gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der vorgenannten Fähigkeiten aufweisen,

  • der Hilfe durch andere bedürfen,

  • körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitliche Belastungen oder Anforderungen nicht selbstständig kompensieren oder bewältigen können,

  • voraussichtlich länger als 6 Monate pflegebedürftig sind.

Neues Begutachtungsassessment (NBA)
  • Angaben zur Person und BegutachtungssituationNeues Begutachtungsassessment (NBA)

  • Anamnese

  • Wohn- und Lebenssituation

  • Versorgungssituation

  • Befunderhebung zu Schäden und Beeinträchtigungen

  • Ergebnisse und Empfehlungen

NBA- Module/Lebensbereiche
  • MobilitätNBA-Module

  • Kognitiver Status und Verhaltensprobleme

  • Selbstversorgung/Alltagsverrichtungen

  • Umgang mit krankheitsbedingten/therapiebedingten Anforderungen

  • Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte

  • Anamnese

Zur Anerkennung eines Pflegegrades (Tab. 1.1, Tab. 1.2) soll der Grad der Selbstständigkeit gemessen werden.
Die Versicherten können nach Genehmigung durch die Pflegekasse zwischen Sach-, Geld- und Kombinationsleistung wählen.
Finanzielle Leistungen
Pflegeversicherung, LeistungenPflegesachleistungPflegesachleistungWird von professionellen Sachleistung, PflegeversicherungPflegediensten erbracht:
  • Stufe 0: 231 €/Mon. (nur Personen mit eingeschränkter Alltagskompetenz)

  • Stufe 1: 468 €/Mon. (689 €/Mon. bei eingeschränkter Alltagskompetenz)

  • Stufe 2: 1 144 €/Mon. (1 298 €/Mon. bei eingeschränkter Alltagskompetenz)

  • Stufe 3: 1 612 €/Mon.

  • Härtefall: 1 995 €/Mon.

GeldleistungDer PflegebedürftigeGeldleistung, Pflegeversicherung erhält Geld von der Pflegeversicherung, um selbst die Pflege zu organisieren (z. B. durch Familie, Freunde oder Nachbarn). Er ist in diesem Fall jedoch verpflichtet, in regelmäßigen Abständen einen Pflegepflichteinsatz (1.7.2) z. B. durch ambulante Pflegedienste abzurufen (Stufe I und II halbjährlich, Stufe III vierteljährlich). Diese Beratungsbesuche sollen die Qualität der häuslichen Pflege sicherstellen.
  • Stufe 0: 123 €/Mon. (nur bei eingeschränkter Alltagskompetenz)

  • Stufe 1: 244 €/Mon. (316 €/Mon. bei eingeschränkter Alltagskompetenz)

  • Stufe 2: 458 €/Mon. (545 €/Mon. bei eingeschränkter Alltagskompetenz)

  • Stufe 3: 728 €/Mon.

Kombinationsleistung (§ 38 SGB XI)
Kombinationsleistung, PflegeversicherungPflege wird teilweise vom ambulanten Pflegedienst erbracht. Die nicht ausgeschöpfte Sachleistung wird prozentual auf das Pflegegeld angerechnet.
Beispiel: Der Pflegebedürftige nutzt bei Pflegestufe 1 monatlich für ca. 240 € den Pflegedienst (ca. 50 % der Sachleistung). Er erhält dann ca. 120 € (ca. 50 %) als Geldleistung auf sein Konto überwiesen. Seit dem 01.01.2015 ist die Tagespflege eigenständig bis zu 100 % der Sachleistung zusätzlich einsetzbar.
Weitere Leistungen
Pflegehilfsmittel und pflegebedingte PflegehilfsmittelUmbaumaßnahmen
  • Technische Hilfen im Haushalt, z. B. Pflegebett, Rollstuhl, Lifter, Rollator

  • Zuzahlung von 10 % der Kosten, mind. 5 €, max. jedoch 10 €, in jedem Fall nicht mehr als die Kosten des Hilfsmittels

  • Für zum Verbrauch bestimmte Hilfsmittel (z. B. Bettschutzeinlagen, Inkontinenzmaterialien, Einmalhandschuhe oder Desinfektionsmittel) bis zu 40 €/Mon. (Quittung einreichen)

  • Einmaliger Zuschuss von 4 000 € für pflegebedingte Umbaumaßnahmen (Wohnumfeldverbesserung)

Stationäre KurzzeitpflegeKurzzeitpflege
  • Bei Verhinderung der Pflegeperson, z. B. wegen Umbaumaßnahmen, Urlaub, Erkrankung und in Krisensituationen

  • Bis zu 1 612 € für 8 Wochen pro Jahr (nur für die pflegebedingten Kosten)

  • Sie kann auch für Menschen mit Pflegestufe 0/Pflegegrad 1 genutzt werden.

Verhinderungs-/ Verhinderungspflege Ersatzpflege zu Hause
  • ErsatzpflegeBei Verhinderung der Pflegeperson (muss im Gutachten benannt sein).

  • Kostenübernahme (auch für eine privat beschaffte) Ersatzpflegekraft, bis max. 1 612 € für 6 Wochen pro Jahr

  • Auch nahe Angehörige können ab dem 1.1.2016 als Ersatzpflegekraft bei Verhinderung der Hauptpflegeperson angegeben werden.

  • Stundenweise Entlastung ist bis zum Höchstbetrag über das ganze Jahr verteilt möglich.

  • Es muss immer ein Antrag bei der zuständigen Pflegekasse gestellt werden.

Kombination von Kurzzeit- und Verhinderungspflege
  • Der Gesamtbetrag von max. 3 224 € kann für insgesamt max. 14 Wochen pro Jahr für Verhinderungs- oder Kurzzeitpflege eingesetzt werden.

Beachte:

Während der Kurzzeit- oder Verhinderungspflege wird für max. 14 Wochen pro das Pflegegeld zur Hälfte weiter gezahlt.

TagespflegeTeilstationäre Tages- oder Nachtpflege, teilstationärNachtpflege
  • Häufig bei demenzkranken Pflegebedürftigen zur Entlastung der Angehörigen

  • Kostenübernahme durch Pflegekasse:

    • Stufe 0: 231 €/Mon. (nur bei eingeschränkter Alltagskompetenz)

    • Stufe 1: 468 €/Mon. (689 €/Mon. bei eingeschränkter Alltagskompetenz)

    • Stufe 2: 1 144 €/Mon. (1 298 €/Mon. bei eingeschränkter Alltagskompetenz)

    • Stufe 3: 1 612 €/Mon.

  • Die Tagespflege kann neben der Geld- und Sachleistung zu 100 % genutzt werden.

Schulung AngehörigerAngehörige, pflegendeBeratung, SchulungSchulung und Beratung pflegender Angehöriger (1.7.2)
  • Pflegepflichteinsätze (§ 37 Abs. 3 SGB XI)

  • Pflegekurse (§ 45 SGB XI)

  • Häusliche Pflegeberatung (§ 7a SGB XI) durch einen unabhängigen, neutralen Pflegestützpunkt (für gesetzlich Versicherte) oder durch COMPASS Private Pflegeberatung (bundesweit für alle Privatversicherten)

Leistungen zur Sicherung der Pflegeperson
Pflegepersonen,Angehörige, pflegendeSozialversicherung die mind. 14 Std. pro Woche pflegen und weniger als 30 Std. pro Woche berufstätig sind (Grundlage ist das Pflegegutachten):
  • Anspruch auf die Zahlung von Rentenbeiträgen durch die Pflegeversicherung (gestaffelt)

  • Alle nicht gewerblichen Pflegepersonen sind unfallversichert durch die Unfallkasse des Landes

Tipps und Tricks

Hilfeleistungen bei Pflegebedürftigkeit, die nicht auf Dauer (d. h. 28 Tage bis 6 Monate) benötigt werden, müssen bei Bedarf aus eigenen finanziellen Mitteln getragen werden. Bei Anspruch auf Leistungen nach dem Bundessozialhilfegesetz muss immer vorher ein Antrag auf einen Pflegegrad gestellt werden.

Leistungen für Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz
Für Menschen Pflegeleistungsergänzungsgesetzmit eingeschränkter Alltagskompetenz kann ein Betrag von 1 248 € bzw. 2 496 € jährlich gewährt werden. Dieser Betrag kann nur als Sachleistung genutzt werden, z. B. durch zeitintensive Betreuung.
Entlastungsleistungen
Pflegebedürftige Menschen Entlastungsleistungenohne eingeschränkte Alltagskompetenz haben Anspruch auf einen Betrag von 1 248 € jährlich. Dieser Betrag kann nur als Sachleistung genutzt werden, z. B. als hauswirtschaftliche Unterstützung, jedoch nur von einem Dienstleister mit entsprechender Zulassung.
Sozialgesetzbuch XII (SGB XII)
SGB XIIRegelt die Versorgung durch das SozialhilfegesetzBundessozialhilfegesetz (Stand: September Bundessozialhilfegesetz2011).
  • Bei einem Vermögen unter 2 600 € kann „Hilfe zur Pflege“ auch für die Versorgung in der Häuslichkeit gewährt werden.

  • Um Leistungen bewilligt zu bekommen, muss eine Ablehnung der Pflegeeinstufung in Form eines Gutachtens vorliegen.

  • Es muss ein Hilfebedarf vorliegen (dieser darf auch im hauswirtschaftlichen Bereich sein).

  • Es werden nur Sachleistungen gewährt.

Tipps und Tricks

Vor der Gewährung von Leistungen nach SGB XII ist immer ein Antrag an das zuständige Sozialamt zu stellen, rückwirkend können keine Kosten erstattet werden.

Personelle Bedingungen

Qualifikationen des Pflegeteams
BehandlungspflegeFür Behandlungspflege Qualifikation, Pflegeteamnach SGB V (1.2.1) darf nur examiniertes Fachpersonal eingesetzt werden. Leistungen der Pflegeversicherung (1.2.1) können unter der Verantwortlichkeit examinierten Fachpersonals auch von nicht examiniertem Personal erbracht werden.
In der häuslichen Pflege eingesetzt werden können:
  • Pflegedienstleitung: Nach § 80 SGB XI (Qualitätssicherung) hat die leitende Pflegefachkraft eine Weiterbildung zur Pflegedienstleitung (PDL) nachzuweisen

  • Examinierte Gesundheits- und Krankenpfleger

  • Examinierte Altenpfleger

  • Familienpfleger, Pflegehelfer

  • Hauswirtschaftliche Kräfte

  • Kinderkrankenpfleger zur Versorgung kranker Kinder

  • Geschulte Kräfte für die Betreuung von Personen mit eingeschränkter Alltagskompetenz

Besondere Schlüsselqualifikationen ambulant Pflegender
  • Selbstständige Arbeitsweise

  • Eigenverantwortlichkeit

  • Belastbarkeit

  • Zuverlässigkeit

  • Empathie (Einfühlungsvermögen)

  • Kunden- und Serviceorientierung

  • Genaue Krankenbeobachtung, Beachtung gefährdender Situationen des Wohnumfelds, z. B. bei Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz oder Überforderung der Pflegepersonen

  • Akzeptanz individueller Besonderheiten des Pflegebedürftigen, auch wenn diese nicht der eigenen Einstellung entsprechen

  • Improvisations- und Organisationstalent, v. a. bei unvorhergesehenen Situationen

  • Beratungskompetenz (1.7) im Umgang mit Pflegebedürftigen und Angehörigen

  • Fachkompetenter Umgang mit Ärzten, Kostenträgern, Therapeuten und anderen Berufsgruppen

  • Teamfähigkeit

  • Reflexionsfähigkeit

Arbeitsorganisation

Anja Palesch

Grundausstattung

Eine ausreichende Grundausstattung PflegetourAusstattung ist notwendig, um die korrekte Durchführung der Pflege zu gewährleisten (1.8). Hygienische Aspekte (1.6) sind zu berücksichtigen. Außerdem ist es notwendig, dass Pflegende in problematischen Pflegesituationen schnell die erforderlichen Geräte und Materialien zur Hand haben.
Diese befinden sich in einem Koffer oder einer Tasche im Fahrzeug:
  • Blutdruckmessgerät

  • Blutzuckermessgerät

  • Einmalhandschuhe

  • Händedesinfektionsmittel, Hautpflegecreme (für den eigenen Bedarf)

  • Hautdesinfektionsmittel (für Injektionen)

  • Spritzen, Kanülen

  • Verbandsmaterial (sterile Kompressen, Mullbinden, Pflaster, Verbandsschere)

  • Fieberthermometer

  • Inkontinenzmaterialien

  • Formulare für Pflegedokumentation, Leistungsnachweise

  • Schlüsseltasche

  • Stadtplan/Navi

Grundausstattung Dienstwagen
Die Grundausstattung ist notwendig,Dienstwagen, Ausstattung um für die Sicherheit der Mitarbeiter zu sorgen. Neben der gesetzlichen Grundausstattung jedes Pkws (z. B. Fahrzeugschein, Warndreieck), sollte der Dienstwagen u. a. auch ein Fahrtenbuch, mögliche Ausnahmegenehmigungen (z. B. zum Befahren der Fußgängerzone), Handschuhe und einen Spritzenabwurfbehälter beinhalten.
Die Wintertauglichkeit des Dienstwagens ist rechtzeitig vor Wintereinbruch sicherzustellen (z. B. Winterreifen, Frostschutzmittel, Eiskratzer).
Wichtige Telefonnummern
Da Pflegende meist auf sich alleine gestellt sind und in Notfallsituationen selbstständig und eigenverantwortlich handeln müssen, ist eine Liste von wichtigen Telefonnummern hilfreich:
  • Dringlicher ärztlicher Hausbesuchsdienst, Notdienst

  • Hausärzte

  • Kollegen, Station

  • Krankentransport

  • Ordnungsamt, Polizei (notfalls Türöffnung)

Dienstübergaben
Dienstübergaben zwischen Pflegenden Übergabeerfolgen entweder telefonisch, beim Mitarbeiterwechsel in den jeweiligen Touren bzw. über ein Übergabebuch oder über die leitende Pflegefachkraft, wenn diese gut über das pflegerische Tagesgeschehen informiert ist.
Übergabebücher, deren Einträge mit Datum und Unterschrift zu versehen sind, sollen eine tägliche Routine schaffen, um den reibungslosen Informationsfluss sicherzustellen. Sie enthalten folgende Angaben:
  • Namentliche Erwähnung jedes Pflegebedürftigen

  • Besonderheiten bezüglich des Gesundheitszustands des Pflegebedürftigen, des Umfelds, der durchzuführenden Pflegemaßnahmen

  • Hinweise zu zusätzlich zu erledigenden Aufgaben, z. B. Verordnungsschein besorgen, Medikamente aus Apotheke holen

  • Informationen zu neuen Pflegebedürftigen

Tagesablauf

Arbeitszeiten
Die Pflegenden Arbeitszeit, Pflegetourarbeiten je nach Einrichtung im Früh- bzw. Spätdienst, gelegentlich im Teildienst. Zusätzlich kann Bereitschaftsdienst anfallen, da ambulante Pflegedienste 24 Std. erreichbar sein müssen.
Nach Beendigung der offiziellen Bürozeiten wird die ständige Erreichbarkeit durch eine Rufweiterleitung an die Pflegefachkraft im Bereitschaftsdienst gewährleistet.
I. d. R. wird ein Dienst- oder Privatwagen für die Einsätze genutzt.
Pflegedienste erbringen im Bedarfsfall 24 Std. geplante Leistungen.
Die Frühtour beginnt meist zwischen 6:30 und 7:00 Uhr und endet in der späten Mittagszeit. Nach spätestens 6 Std. Arbeitszeit ist eine Pause von 30 Min. einzuplanen (Arbeitszeitgesetz – ArbZG). Der Spätdienst beginnt i. d. R. zwischen 15:00 und 17:00 Uhr und endet mit der Erfüllung des letzten Pflegeauftrags. Im Anschluss werden die Arbeitszeiten ggf. im Tourenplan korrigiert und die Tageskilometer ins Fahrtenbuch eingetragen.

Pflegesysteme

Verschiedene Formen der Pflegeorganisation.
Kriterien
  • Kontinuität im Einsatz der Mitarbeiter bei den Pflegebedürftigen

  • Verantwortlichkeit in der Durchführung des Pflegeprozesses (Bezugspflege)

  • Einsatz nach der erforderlichen Qualifikation der Mitarbeiter

  • Wenig unproduktive Zeiten und Kostenminimierung → kurze Wege, wenig Fahrtzeit.

Bezugspflege
  • BezugspflegekraftBezugspflegePflegekonzepteBezugspflege organisiert die Pflege der jeweiligen Pflegebedürftigen und ist erster Ansprechpartner in allen pflegerelevanten Belangen. Sie ist die Haupt- bzw. bestimmende Pflegende.

  • Bezugspflege wird vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung favorisiert.

  • Kontinuierliche, individuelle und umfassende Pflege trägt maßgeblich zur Sicherheit der Pflegebedürftigen bei.

  • Pflegebedürftiger fasst Vertrauen und fühlt sich von der Bezugspflegekraft verstanden.

  • Durchführung: Bei Neuzugängen im Team absprechen, wer die Bezugspflege übernimmt; alle Teammitglieder pflegen nach dem von der Bezugsperson erstellten Pflegeplan, er darf nur bei zwingendem Bedarf verändert werden.

  • Vorteil: Zwischen Pflegebedürftigen und Bezugsperson kann eine vertrauensvolle Beziehung entstehen, jeder Pflegende trägt die Verantwortung für den Pflegeplan der „eigenen“ Pflegebedürftigen.

Teamorganisation
Zusammenfassung von Mitarbeitern Teamorganisationunterschiedlicher Qualifikation in (lokale) Kleinteams. Tourenplanung, Einsatzorganisation und Dienstbesprechungen erfolgen in diesem Team. Einsatz der Helfer und Fachkräfte sowie gegenseitige Vertretung werden gemeinsam organisiert.
  • Vorteil: Kontinuität ist gewährleistet, gut geeignet für große, ländliche Stationen, Planung erfolgt „vor Ort“ (große Nähe zu den Pflegebedürftigen), Mitarbeiter haben mehr Mitsprache- und Gestaltungsmöglichkeiten.

  • Nachteil: Gefahr der Verselbstständigung einzelner Pflegeteams mit Informationslücken bei der leitenden Pflegefachkraft, hoher Kommunikationsaufwand.

Arbeit im Team

In der ambulanten Pflege ist normalerweise jede Pflegeperson allein tätig. Sie muss sich auf die verschiedenen häuslichen Bedingungen einstellen und Entscheidungen oft selbstständig treffen. Gerade wegen dieser „Isolation“ bei der täglichen Arbeit ist es besonders wichtig, sich als Mitglied eines Teams zu verstehen.
Arbeitsklima
Ein positives ArbeitsklimaArbeitsklima motiviert Mitarbeiter und trägt dazu bei, berufliche Belastungen besser zu bewältigen.
Förderung eines guten Arbeitsklimas
  • Berufliche Förderung jeder Pflegekraft gemäß ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen

  • Unterstützung des eigenverantwortlichen Arbeitens

  • Beteiligung der Mitarbeiter bei der Entwicklung gemeinsamer Ziele

  • Neue Gedanken und Ideen der Mitarbeiter sind erwünscht: Förderung der Identifikation mit dem Pflegedienst

  • Wertschätzung der Mitarbeiter, Anerkennung der geleisteten Arbeit und Lob durch Leitung

  • Regelmäßiges Feedback von Kollegen und Leitung ermöglichen

  • „Experten“ ausbilden, z. B. bei Pflegeplanung und Dokumentation, im Wundmanagement oder im Umgang mit Demenz

  • Förderung von kollegialem Austausch

  • Konflikte erkennen und sich ihnen stellen

  • Kein intrigantes Verhalten: nicht über, sondern mit Kollegen reden

  • Regelmäßige Dienstbesprechungen

  • Neue Mitarbeiter systematisch einarbeiten (1.3.10)

  • Fortbildungen: Gemäß dem festgestellten Bedarf (Mitarbeiterentwicklungsgespräche) sowie nach neuen fachlichen Anforderungen, z. B. modernes Wundmanagement

  • Ggf. Supervision

  • Gemeinsame Aktivitäten, z. B. Betriebsausflug

Tipps und Tricks

Unterschiedliche Ansichten über Fähigkeiten und Bedürfnisse der Pflegebedürftigen und unterschiedliches Vorgehen (z. B. aktivierende Pflege vs. überfürsorgliche, abnehmende Pflege) können das Arbeitsklima verschlechtern → Arbeit nach Standards, regelmäßige Teambesprechungen und -vereinbarungen.

Dienstbesprechungen
Strukturierte Gespräche, Dienstbesprechungendie Mitarbeiter zur Organisation des beruflichen Alltags führen. Gemeinsam erarbeitete Problemlösungen vermitteln den Mitarbeitern Sicherheit und Rückhalt für ihre tägliche Arbeit. Dienstbesprechungen finden in regelmäßigen Abständen statt.
Organisation
  • Festgelegte Dauer, z. B. 1,5 Std.

  • Um Effektivität zu erhöhen: Bereichsberatungen bei größeren ambulanten Diensten mit jeweils begrenzter Mitarbeiterzahl

  • Im Anschluss an den Frühdienst, Berücksichtigung einer ausreichenden Pausenzeit für den Spätdienst

  • Rechtzeitige, schriftliche Einladung der Mitarbeiter

  • Systematisches Vorgehen, Moderation durch eine verantwortliche Person

  • Protokollierung wichtiger Inhalte

  • Verlesung des letzten Protokolls

  • Dienstbesprechungen werden pünktlich begonnen und beendet

Patientenbezogene Inhalte
  • Dienstplanung, Tourenplanung

  • Information über neue Pflegebedürftige

  • Aktuelle Situation von Pflegebedürftigen, Überprüfung von Pflegezielen

  • Kollegiale Beratungen/Fallbesprechungen/Fallsupervision bei Problemen mit Pflegebedürftigen oder der häuslichen Situation

  • Besprechung anliegender Beschwerden

Mitarbeiterbezogene Inhalte
  • Aktuelle Informationen, z. B. Fortbildung, Infoveranstaltung

  • Schulung von neuen Standards aus dem Qualitätsmanagement

  • Besprechung/Klärung von verwaltungstechnischen Aufgaben

  • Supervision

  • Probleme von Mitarbeitern, z. B. untereinander oder mit Ärzten

Tipps und Tricks

  • Während der Dienstbesprechungen beim Thema bleiben. Weil Mitarbeiter sich selten sehen, besteht Gefahr des „unkontrollierten“ Erzählens.

  • Mit Konflikten rechnen, gemeinsam konstruktive Lösungen erarbeiten.

  • Mitarbeiter lassen sich nicht durch Pflegebedürftige gegeneinander „ausspielen“. Loyalität gegenüber Vorgesetzten und Kollegen ist erforderlich.

Tourenplanung

Wirtschaftliches und auf den TourenplanungPflegebedürftigen bezogenes Planen der zu leistenden Tätigkeiten (Grund- und Behandlungspflege) unterliegt der Verantwortung der leitenden Pflegefachkraft.
Moderne Pflegedienste arbeiten mit einem EDV-Programm, das die Tourenplanung, die Leistungsabrechnung und den Dienstplan beinhaltet. Pflegebedürftige und Mitarbeiter werden einer festgelegten Tour zugeordnet. Planungsgrundlage sind die Wünsche der Pflegebedürftigen und die Mitarbeiterkapazität.
Die schriftlichen Tourenpläne (Abb. 1.1) können gleichzeitig als Arbeitszeitnachweise dienen, weil hier die gesamte Tagesarbeitszeit des Mitarbeiters aufgeführt und somit dokumentiert ist: Arbeitsbeginn bis -ende, einschließlich aller organisatorischen Zeiten → kann auch als Fahrtenbuch genutzt werden.
Anstatt eines Tourenprotokolls wird immer häufiger mit einem mobilen Erfassungsgerät gearbeitet. Hier werden die Daten der Tour direkt in das Gerät eingegeben. Diese werden dann in die zentrale Erfassung übertragen.
Grundlagen
  • Berücksichtigung von Besonderheiten bzgl. des Gesundheitszustands des Pflegebedürftigen und seines Umfelds

  • Festlegung der Einsatzpläne nach Zeiten (nützlich auch zur Übersicht bei der Aufnahme neuer Pflegebedürftiger)

  • Zeitvorgaben beschreiben, z. B. den geschätzten Zeitaufwand einer individuellen Pflegesituation.

  • Abweichungen sind normal.

  • Regelmäßige Überprüfung der Tourenpläne ist unabdingbar.

  • Tourenpläne konkretisieren den Dienstplan und enthalten Aussagen darüber, welche Mitarbeiter wann (Datum und zeitliche Zuordnung zum Pflegebedürftigen) Leistungen erbringen.

Inhalte
  • Datum, Name der Tour und des Mitarbeiters

  • Arbeitsbeginn und -ende (Gesamtarbeitszeit und ggf. Pausen)

  • Organisationszeit vor Tourbeginn

  • Fahrzeit zu den jeweiligen Pflegebedürftigen

  • Zeit pro Einsatz

  • Name, Adresse, Telefonnummer des Pflegebedürftigen

  • Schlüsselnummer (Cave: ohne Hinweis, dass die angegebene Nummer sich auf einen Schlüssel bezieht, Diebstahlgefahr!)

  • Evtl. zusätzliche Information über Besonderheiten

  • Organisation

Planungskriterien
  • Lage der Wohnung der einzelnen Pflegebedürftigen

  • Qualifikation und Beschäftigungsumfang der Mitarbeiter

  • Art der Tätigkeit, morgens z. B. Insulininjektion, Schmerztherapie

  • Wünsche des Pflegebedürftigen

  • Versorgungszeiten.

Bei Zeitvorgaben wird Folgendes berücksichtigt:
  • Begrüßung und Verabschiedung

  • Schutzkleidung bzw. Jacke aus- und anziehen

  • Leistungsdokumentation und Pflegebericht

  • Wegezeiten

  • Organisationsleistungen

  • Erstbesuche (1.3.7)

  • Pflegepflichteinsätze und häusliche Beratung (1.7.2)

  • Fortbildungszeiten

  • Teambesprechungen

  • Fallbesprechungen

  • Arztbesuche

  • Pflegevisiten

  • Wagenwäsche und Tanken

  • Schlüssel holen und bringen

Dienstplangestaltung

Der Dienstplan wird von der Pflegedienstleitung Dienstplanerstellt und i. d. R. auf der Grundlage der 5-Tage-Woche geplant, wobei pro Mitarbeiter 14-täglich Wochenenddienst anfällt. Der Dienstplan orientiert sich an den arbeits- und tarifrechtlichen Bestimmungen, am Mutterschutz- und Jugendschutzgesetz sowie am Tarifrecht, an der Arbeitszeitordnung und der anfallenden Arbeit.
Minimalvoraussetzungen (laut MDK-Prüfanleitung)
  • Dokumentenecht, d. h. kein Bleistift, kein Füller, keine Überschreibungen

  • Soll-, Ist- und Ausfallzeit

  • Zeitpunkt der Gültigkeit

  • Vollständige Namen (Vor- und Zunamen)

  • Qualifikation

  • Umfang des Beschäftigungsverhältnisses

  • Legende für Dienst- und Arbeitszeiten

  • Datum

  • Unterschrift der verantwortlichen Person

Anforderungen an den Dienstplan
  • Mit Durchschlag erstellen oder kopieren

  • 4 Wochen vor Gültigkeitsmonat erstellen und aushängen

  • Arbeitszeiten und andere Eintragungen mit Legende abgleichen, z. B. Frühdienst: F1, Fortbildung: FO

  • Änderungen müssen erkennbar sein

  • Zeitraum der Gültigkeit

  • Unterschrift der zur Planung beauftragten Person, Datum

  • Platz für Unterschrift der verantwortlichen Pflegefachkraft

  • Raum für Name, Vorname, Qualifikation (z. B. examinierter Altenpfleger: AP) und Stellenanteil der Mitarbeiter

  • Übertragungsspalte für Stunden (+/−) aus vorherigem Plan

  • Regelmäßig zu erbringende (wöchentliche oder monatliche) sowie tatsächliche Arbeitszeiten vermerken (+/− muss eingetragen werden), z. B. Soll-Ist-Abgleich (Tab. 1.3)

  • Urlaubsspalte

  • 3–4 untereinanderliegende Reihen pro Person für evtl. Änderungen

  • Wochenende und Feiertage farblich kennzeichnen

  • Farbliche Kennzeichnung von Besonderheiten, z. B. Urlaub oder Krankheit

Tipps und Tricks

Mitarbeiterzufriedenheit: Die Mitarbeiter werden aktiv an der Dienstplanung beteiligt, daher z. B. frühzeitig den Dienstplan auslegen, um Wünsche einzutragen. Möglichst gleichmäßige Belastung aller Mitarbeiter kalkulieren.

Erstbesuch und Pflegevereinbarungen

Bei der Neuaufnahme Pflegebedürftiger erfolgt vor Beginn des ersten Einsatzes nach Terminvereinbarung ein persönliches Gespräch im häuslichen Umfeld. Auf der Grundlage dieses Erstbesuchs wird anschließend die Pflegevereinbarung (Pflegevertrag) fertiggestellt.
Erstbesuch
Der Erstbesuch ist eine Erstbesuchzeitaufwendige und anspruchsvolle Tätigkeit. Daher wird er meist von der leitenden Pflegefachkraft durchgeführt.
Durch den Einsatz der leitenden Pflegefachkraft fühlt sich der Kunde außerdem wertgeschätzt, und der Erstbesuch wird zu einem zusätzlichen Instrument der Öffentlichkeitsarbeit.
Nach § 80 SGB XI gibt es Punkte, die beim Erstbesuch dokumentiert werden müssen:
  • Wer hat wann und wo das Erstgespräch geführt?

  • Weitere anwesende Personen?

  • Welche Unterlagen wurden einbezogen und dem Kunden übergeben?

  • Gibt es Absprachen?

Inhalte
  • Informationen zum Pflegedienst und zu dessen Leistungsangebot

  • Erfragen, ob eine Pflegestufe vorliegt oder beantragt wurde

  • Beratung des Pflegebedürftigen und der Angehörigen über Leistungen der Pflegeversicherung, z. B. Geld-, Sach- und Kombinationsleistungen

  • Erforderlichen Leistungsumfang ermitteln: Wünsche von Pflegebedürftigen und Angehörigen; Klärung des Anteils der Pflege, den Angehörige erbringen

  • Ermittlung des Pflegebedarfs (Pflegeanamnese, 1.4.2)

  • Biografische Daten ermitteln

  • Kostenvoranschlag aufstellen

  • Einsatzbeginn vereinbaren (ungefähre Uhrzeit nennen)

  • Abklärung, ob Schlüssel an Pflegedienst gegeben werden (Schlüsselübergabebogen ausfüllen)

  • Abklärung, ob eine Patientenverfügung vorliegt

  • Informationen zu Heil- und Hilfsmitteln

  • Beratung über weitere Hilfsangebote

  • Information an den Pflegebedürftigen über Einhaltung von Zeiten durch die Pflegekräfte, Personalwechsel, Wochenenddienste, Beschwerdemanagement

Pflegevereinbarung (Pflegevertrag)
  • PflegevereinbarungWird vor PflegevertragEinsetzen der Pflegetätigkeit zwischen ambulantem Dienst und Pflegebedürftigem abgeschlossen

  • Dient der leistungs- und haftungsrechtlichen Absicherung des Pflegeverhältnisses

  • Bietet Transparenz über Leistungen und entstehende Kosten

  • Garantiert dem Pflegedienst die Kostenerstattung

  • !

    Einige Pflegekassen verlangen mittlerweile eine Ausfertigung des Pflegevertrags.

Allgemeine Anforderungen
Auf Grundlage der vereinbarten Leistungen wird der Pflegevertrag vollständig ausgefüllt:
  • Gute Lesbarkeit und Verständlichkeit

  • Personalien des Pflegebedürftigen

  • Informationen über Art, Inhalt und Umfang der vereinbarten Leistungen

  • Kostenübernahme: Selbstzahler, Pflegekasse, Krankenkasse oder Sozialamt

  • Benennung der Vergütung, Höhe der Zuzahlung durch Pflegebedürftigen sowie Fälligkeit der Zahlungen

  • Kündigungsfristen durch beide Vertragsteile

  • Hinweis zur erforderlichen Pflegedokumentation

  • Besondere Vereinbarungen, z. B. Schlüssel

  • Datum und Unterschrift des Leistungsempfängers und des Leistungserbringers

Rechtliche Anforderungen
  • Die Pflegevereinbarung wird unverzüglich abgeschlossen.

  • Sie kann innerhalb der ersten 2 Wochen fristlos vom Pflegebedürftigen gekündigt werden.

  • Der Pflegevertrag enthält detaillierte Angaben zu Art, Inhalt, Umfang und Kosten aller zu erbringenden Leistungen.

Pflegevisite

Geplanter Besuch zur Erhebung der PflegevisitePflegequalität in der Häuslichkeit des Pflegebedürftigen. Wird durch Leitungskraft oder Qualitätsbeauftragten im Rahmen der täglichen Pflege oder als gesonderter Termin in regelmäßigen Abständen durchgeführt. Alle für den Pflegebedürftigen wichtigen Bereiche werden systematisch abgefragt.
Ziele
  • Aufdeckung und Beseitigung organisatorischer und personeller Qualitätsdefizite

  • Aktive Einbeziehung des Pflegebedürftigen und seiner Angehörigen in Planung und Bewertung der Pflege

  • Steigerung der Zufriedenheit, bessere Beziehung und Zusammenarbeit mit Pflegebedürftigen und Angehörigen

  • Systematische Überprüfung der eigenen Arbeit, fachlicher Austausch, Ermittlung des Fortbildungsbedarfs Pflegender

  • Ermittlung der Pflegeintensität → Anpassung der Einsatzplanung

Ablauf
Vorbereitung
  • Auswahl des Pflegebedürftigen nach

    • Umfang der Pflegebedürftigkeit

    • Problematik der Pflege

    • Zufriedenheit des Pflegebedürftigen

  • Information aller Beteiligten

Durchführung
Verwendung von im Handel erhältlichen oder selbst erstellen Protokollen. Im Pflegebericht auf Pflegevisite verweisen. Folgende Bereiche sollten erfasst werden:
  • Befragung des Pflegebedürftigen und seiner Angehörigen

    • Gesamtzufriedenheit

    • Wünsche, Erwartungen, Probleme

    • Einsatzzeit

    • Freundlichkeit der Mitarbeiter

  • Begutachtung des Pflegebedürftigen

    • Pflegerischer Gesamteindruck

    • Besondere Risiken, z. B. Dekubitus, Kontrakturen, Sturzgefährdung (3), Kachexie

    • Pflegeverlauf

  • Mitarbeiterbeurteilung

    • Art des Umgangs mit Pflegebedürftigen

    • Grad der Aktivierung und Patientenorientierung

    • Qualität der Durchführung von Pflegemaßnahmen

    • Einsatz von Pflegehilfsmitteln

  • Begutachtung der Pflegedokumentation

    • Alle Formulare vorhanden und ausgefüllt?

    • Pflegeplanung vorhanden und regelmäßig aktualisiert?

    • Pflegebericht erstellt und regelmäßig geführt?

    • Alles abgezeichnet?

    • Werden vereinbarte Leistungen erbracht?

    • Regelmäßige Auswertung (Evaluation)?

Nachbereitung
Aus der Pflegevisite sollten sich Konsequenzen ergeben, z. B.:
  • Korrektur fachlicher Fehler

  • Überarbeitung der Pflegedokumentation

Veränderungen werden im Team besprochen und Zuständigkeiten festgelegt. Nach Beschwerden (1.9.3) und beim Aufdecken von Mängeln in der Pflege erfolgt Rückmeldung an Pflegebedürftigen und Angehörige. Unterlagen werden als Qualitätsnachweis abgeheftet.

Abrechnung von Leistungen

Die Höhe der Vergütung für die Leistungsabrechnungerbrachten Leistungen ambulanter Pflegedienste variiert je nach Bundesland teilweise erheblich.
Formalien
Bei der Beantragung/Vergütung von Leistungen der Kranken- und Pflegekassen liegen länderspezifisch ebenfalls Unterschiede vor.
Beispiel Niedersachsen:
  • SGB V: Bei Erstverordnungen müssen Anträge auf Leistungen spätestens mit dem zweiten Tag der Leistungserbringung der Krankenkasse vorliegen, Folgeverordnungen ab dem ersten Tag.

  • SGB XI: Vor der Übernahme der Pflege muss ein Antrag auf Einstufung bei der Pflegekasse gestellt werden, bei Genehmigung erfolgt die rückwirkende Zahlung ab dem Tag der Antragstellung.

  • Bei Ablehnung der Kostenübernahme:

    • Privatrechnung (Vertrag muss vorliegen, damit Ansprüche geltend gemacht werden können)

    • Antrag beim Sozialamt

    • Bei Beamten ggf. Antrag an Beihilfestelle

    • Fristgerechter Widerspruch, d. h. binnen 4 Wochen

    • Bei Ablehnung der Ein- oder Höherstufung (SGB XI): Bei Verschlechterung des Zustands des Pflegebedürftigen Neubeantragung

Abrechnung nach Leistungskomplexen (SGB XI)
Bei dieser Art der Leistungskomplexe, SGB XIAbrechnung werden einzelne Leistungen der Pflegedienste zu Leistungskomplexen zusammengefasst. Die Leistungskomplexe sind mit Punktzahlen bewertet. Die Punktzahlen gelten als Maßstab für das Verhältnis des durchschnittlich notwendigen Aufwands zur Erbringung der einzelnen Leistungskomplexe und für das Verhältnis der Leistungskomplexe zueinander. Der Aufwand für die Vor- und Nachbereitung, die Prophylaxen und die Dokumentation wird dabei berücksichtigt. In den Punktwerten der Leistungskomplexe ist kein Wegeaufwand enthalten. Dieser wird mit einer gesondert auszuweisenden Pauschale abgegolten. Die Pflegeeinsätze nach § 37 Abs. 3 SGB XI werden ebenfalls mit einer Pauschale abgegolten.
Grundlage für die Abrechnung der Leistungen ist die Punktzahl des jeweiligen Leistungskomplexes (Tab. 1.4). Die Vergütung wird als Punktwert (Geldbetrag in Cent pro Punkt) vereinbart.
Beispiel:
Leistungskomplex 1, Erstbesuch: Punktzahl = 600, Punktwert = 0,0485 €
Rechnung: 600 × 0,0485 € = 29,10 €
Mit den Punktwerten sollen keine Zeitvorgaben gemacht werden. Auf dieser Grundlage kann jedoch berechnet werden, wie lange sich eine Fachkraft beim Pflegebedürftigen aufhalten darf, um kostendeckend zu arbeiten.
Leistungserfassung
  • LeistungserfassungLeistungsnachweise und Durchführungskontrollen werden in der Pflegedokumentation beim Pflegebedürftigen erfasst

  • Inhalt des Leistungsnachweises: Personalien des Pflegebedürftigen, Kostenträger, pflegerische Maßnahmen, Zeitraum, Handzeichen

  • Leistungsnachweis pro Einsatz zeitnah mit Namenskürzel des ausführenden Mitarbeiters abzeichnen

  • Nicht durchgeführte Einsätze begründen, z. B. Arztbesuch, Krankenhauseinweisung, Absage durch Pflegebedürftigen

  • Leistungsnachweise und Durchführungskontrollen in der Mitte und am Ende des Monats von Pflegebedürftigem oder bevollmächtigter Person unterschreiben lassen

  • Am Monatsende aus der Mappe entfernen bzw. durch neues Formular ersetzen

  • Jeweils gesonderte Leistungsnachweise für Pflegekasse, Krankenkasse, Selbstzahler, Sozialamt

Eine moderne Möglichkeit zur einfachen Leistungserfassung vor Ort bieten mobile Datenerfassungsgeräte (Personal Digital Assistants – PDAs), die alle Leistungen direkt beim Pflegebedürftigen erfassen.
Leistungsabrechnung
  • Erfolgt meist durch Verwaltungskraft oder zentrale Abrechnungsstelle.

  • Vergütungen für Leistungen werden addiert und dem jeweiligen Kostenträger in Rechnung gestellt.

  • Durchführungskontrollen werden in der Verwaltung (Station) aufbewahrt.

Einarbeitung neuer Mitarbeiter

Anleitungneue MitarbeiterEine systematische Einarbeitung durch einen zuständigen Kollegen (Mentor) soll neue Mitarbeiter in möglichst kurzer Zeit dazu befähigen,
  • selbstständig in der Pflege zu arbeiten,

  • mit anderen Berufsgruppen effektiv zusammenzuarbeiten,

  • Formalitäten richtig und vollständig zu erledigen,

  • verwendetes Dokumentationssystem richtig anzuwenden.

Allgemeine Regeln
  • Wertschätzende Aufnahme im Team

  • Umfassend und systematisch einarbeiten, Wiederholungen einplanen

  • Neuerungs- oder Änderungsvorschläge unterstützen → fördert die Motivation

  • Pflegebedürftigen bereits im Vorfeld über Einsatz eines neuen Mitarbeiters informieren

  • Zeit geben, über Erlebtes zu sprechen, z. B. im Auto; Fragen sofort klären, aber nicht vor Pflegebedürftigem

  • Bereitschaft zu Kompromissen, Improvisation und Toleranz vermitteln

Einarbeitungskonzept
Um eine systematische Einarbeitung zu gewährleisten, arbeitet der Mentor mit einem Einarbeitungskonzept. Dieses ist Bestandteil des Qualitätsmanagementsystems (1.9.2). Ein Teil des Konzepts kann z. B. als Einarbeitungsmappe überreicht werden.
Ein Einarbeitungskonzept für neue Mitarbeiter in der ambulanten Pflege enthält neben zeitlichen Angaben (was wird wann gemacht) folgende Punkte:
Organisation
  • Vorstellung von Kollegen, weiteren Mitarbeitern (an Schnittstellen) und Vorgesetzten

  • Vorstellung der Einrichtung und ihres Leitbilds

  • Ggf. Erläutern des Organigramms

  • Prozedere Dienstkleidung, -wagen, Stundennachweise, Teamsitzungen etc. erläutern

  • Zusatzangebote wie Essen auf Rädern, Personenrufsystem etc. erläutern

  • Räumlichkeiten (wie Hilfsmittellager) zeigen

  • Aushänge wie Touren-, Dienst- und Urlaubsplan, wichtige Telefonnummern zeigen

  • Brandschutzmaßnahmen

  • Umgang mit Schlüsseln Pflegebedürftiger

  • Umgang und Aufbewahrung von Arbeitsutensilien, z. B. Medikamenten, Lagerung von Handschuhen, Inhalt der Notfalltasche

  • Bestellungen, Materialbeschaffung

Rechtliches
  • Arbeitsvertrag

  • Stellenbeschreibung

  • Arbeitszeiten

  • Pausen- und Urlaubsregelung

  • Handzeichenliste

  • Dienstanweisungen, z. B. Arbeitszeiten, Schweigepflicht, Umgang mit Geschenken

  • Umgang mit Dienstfahrzeugen, z. B. Schadensmeldung, Bezahlung beim Tanken

  • Übergaberegelungen

Aushändigung von Arbeitsmaterialien
  • Z. B. RR-Gerät, Händedesinfektionsmittel

  • Fahrtenbuch

  • Schlüssel für Räume des Pflegedienstes

Formularwesen
  • Dienst- und Tourenplan

  • Stundennachweise

  • Abrechnungsformulare

  • Fortbildungsplan

  • Leistungsnachweise

Qualitätssicherung
  • Dokumentationssysteme, im Idealfall Mustermappe mit Ausfüllhinweisen

  • Pflegeplanung

  • Pflegeleitbild, -modell

  • Pflegestandards

Sonstiges
  • Notfallregelung

  • Hygienevorschriften, -plan

  • Einweisung in spezielle pflegerische Tätigkeiten, z. B. Anus-praeter-Versorgung.

  • Regionale Besonderheiten

Unterstützung von Auszubildenden

AnleitungAuszubildendeSchüler haben während der gesamten Praktikumszeit einen festen Ansprechpartner. Dieser Praxisanleiter weist sie in das Arbeitsfeld der ambulanten Pflege ein und überzeugt sich vor jeder selbstständigen Pflegetätigkeit von ihrem Können.
Mit der gesetzlichen Änderung der Ausbildung von Gesundheits- und Krankenpflege- sowie Altenpflegeschülern ist eine mind. 200-stündige Ausbildung des Praxisanleiters Voraussetzung, um Auszubildende beschäftigen zu können.
Die Auszubildenden der Gesundheits- und Krankenpflege haben i. d. R. nur ein mehrwöchiges Praktikum in der ambulanten Pflege zu absolvieren. Ambulante Pflegedienste können auch Altenpflegeschüler einstellen. Diese stehen dann bedeutend länger für die pflegerische Arbeit zur Verfügung.
Neben der reinen Anleitung des Schülers arbeitet der Praxisanleiter auch eng mit der Schule zusammen. In regelmäßigen Auswertungsgesprächen mit dem Auszubildenden werden Lernziele festgelegt und überprüft. Leistungen werden in schriftlicher Form bewertet und Gespräche mit dem Lehrpersonal der Kranken- oder Altenpflegeschule durchgeführt.

Vorsicht

Der Praxisanleiter kann für etwaige Fehler der Schüler haftbar gemacht werden. Behandlungspflegerische Maßnahmen und problematische Pflege, z. B. die Versorgung Sterbender, sollten deshalb von Auszubildenden nicht allein durchgeführt werden.

Unterstützende Hilfestellungen durch Praxisanleiter
  • Integration und AnleitungPraxisanleiterWertschätzung der Auszubildenden im Team

  • Taktvoll mit den Pflegebedürftigen und ihren Gewohnheiten vertraut machen

  • Intensiv einarbeiten; im Laufe der Zeit immer selbstständigeres Arbeiten fördern

  • Ernst nehmen und Möglichkeit geben, eigene Vorstellungen umzusetzen

  • Einweisung in das Pflegedokumentationssystem

  • Informationen zu Räumlichkeiten und Dienstfahrzeugen

  • Hinweise über Verhalten in Notfallsituationen (wichtige Telefonnummern geben)

  • In regelmäßigen Abständen gegenseitiges Feedback: positive und negative Kritik geben. Stärken und Schwächen ansprechen, dabei positive Anmerkung immer zuerst → fördert Akzeptanz negativer Kritik

  • Kritik zulassen und darauf eingehen

Pflegeplanung und Dokumentation

Anja Palesch, Monika Klau-Fischer

Pflegemodelle

Anja Palesch
Verschiedene Pflegetheoretiker Pflegetheoriehaben Modelle entwickelt, um das Verständnis von Pflege zu erleichtern. Diese Pflegemodelle sind Muster dessen, was Pflege bedeutet. Sie stellen den Pflegebedürftigen in den Mittelpunkt und betonen die Ganzheitlichkeit des Menschen. Es gibt unterschiedliche theoretische Positionen und Ansätze, jedes Modell hat dabei eigene Schwerpunkte – keines erhebt den Anspruch auf Vollständigkeit, da lediglich komplizierte Theorien vereinfacht dargestellt werden sollen. Im Pflegealltag unterstützen die Modelle die Strukturierung von Pflegeabläufen. Bekannt sind die Pflegemodelle nach Roper, Henderson, Juchli, Orem und Krohwinkel – letzteres Modell wird im Folgenden vorgestellt.
Fördernde Prozesspflege nach Monika Krohwinkel
Fördernde Prozesspflege beinhaltet neben dem AEDL®-Strukturierungsmodell das Pflegeprozess-, das Management- und das Qualitätsentwicklungsmodell. Durch die Wechselwirkung dieser unterschiedlichen Komponenten soll eine qualitativ hochwertige, aktivierende Pflege erzielt werden.
Das AEDL®-Strukturierungsmodell ist für den Alltag ambulant tätiger Pflegekräfte von besonderer Bedeutung (2). Es dient häufig als Grundlage zur Erstellung der Pflegeplanung.
Im Folgenden wird auch das erweitere ABEDL®-Strukturierungsmodell nach Krohwinkel vorgestellt.
Das AEDL®- und das ABEDL®-Strukturierungsmodell
AEDL®: Aktivitäten und existenzielle ABEDL®PflegekonzepteABEDL®Erfahrungen des Lebens.
ABEDL®: Aktivitäten, Beziehungen und existenzielle Erfahrungen des Lebens.
Das bisherige AEDL®-Modell (1993) wird im ABEDL®-Modell (seit 1999) um den Aspekt der Beziehungen (B) erweitert. Bei ihren Studien, u. a. in der häuslichen Pflege, wurde Krohwinkel die elementare Bedeutung der Beziehungen zu den Bezugspersonen des Pflegebedürftigen deutlich (Abb. 1.2). Dementsprechend modifizierte sie ihr Pflegemodell.
In der Tab. 1.5 werden beide Strukturierungsmodelle kurz dargestellt.

Info

  • Gemäß § 80 SGB XI besteht die Verpflichtung zur Qualitätssicherung (1.9.3). Für eine qualifizierte und qualitätssichernde Pflege wird ein Pflegemodell, das sich im Pflegeprozess (1.4.2) widerspiegelt, zugrunde gelegt.

  • Gewähltes Pflegemodell ist Grundlage für die Erarbeitung des Pflegekonzepts.

Pflegeprozess

Anja Palesch
Der Pflegeprozess ist eine Methode, um das Pflegeprozesskörperliche, geistige und seelische Wohlbefinden des Pflegebedürftigen zu fördern und seine gesundheitlichen Probleme zu lösen. Er ist überschaubar, klar strukturiert und auf jeden Spezialfall anwendbar.
Pflege wird als ein sich ständig weiterentwickelnder Prozess aufgefasst. Daraus ergeben sich folgende Vorteile:
  • Durch das Festlegen von Zielen wird Pflege systematisch planbar und überprüfbar.

  • Individuelle Fähigkeiten/Ressourcen, Probleme, Bedürfnisse und Gewohnheiten des Pflegebedürftigen werden berücksichtigt.

  • Durch Nutzung eines Dokumentationssystems wird allen an der Pflege beteiligten Personen derselbe Informationsstand ermöglicht → größtmögliche Transparenz.

  • Pflege wird für Außenstehende nachvollziehbar, z. B. für MDK, Hausärzte.

  • Pflegemaßnahmen werden kontinuierlich dem aktuellen (Gesundheits-)Zustand des Pflegebedürftigen angepasst.

Der Regelkreis des Pflegeprozesses beschreibt in 6 Schritten den Vorgang systematischer Pflegeabläufe (Abb. 1.3).
Die 6 Schritte des Pflegeprozesses
Schritt: Informationen sammeln
Die InformationssammlungInformationssammlungPflegeanamnese (Pflegeanamnese, Tab. 1.6) gibt Auskunft über Vorgeschichte und Zustand des Pflegebedürftigen zu Beginn der Pflege und im weiteren Verlauf. Als Element des Pflegeprozesses wird sie regelmäßig evaluiert, Veränderungen werden aufgenommen und fließen in die Pflegeplanung ein → Aktualität wird erkennbar.
  • Dient als Grundlage der individuellen Pflegeplanung

  • Informationsquellen: Pflegebedürftiger, Angehörige, Pflegebericht nach Krankenhausentlassung, Hausarzt

  • Orientierung am gewählten Pflegemodell

  • Verwendung standardisierter Dokumentationsbögen (mit Stammblatt, Anamnese, biografischen Angaben)

Vorsicht

  • Eine einmalige, nur bei der Aufnahme durchgeführte Informationssammlung ist ein häufig anzutreffender Fehler und nicht ausreichend (MDS 2005)!

  • Spätestens mit Beginn der Pflege anfertigen und in regelmäßigen Abständen evaluieren.

Erstellen der Informationssammlung
  • Privatsphäre des Pflegebedürftigen respektieren, nur pflegerelevante Daten dokumentieren

  • Biografische Angaben können im Nachhinein ergänzt werden, z. B. falls Pflegebedürftiger über bestimmte Dinge noch nicht sprechen möchte

  • Kurze, verständliche Fragen stellen

  • Bestehende Pflegeprobleme erfassen, z. B. Dekubitus, Kontrakturen, Sturzgefährdung, Unterernährung

  • Immer mit Datum und Handzeichen gegenzeichnen

Schritt: Fähigkeiten/Ressourcen und Pflegeprobleme erfassen
Ermittlung und Dokumentation individueller Fähigkeiten/Ressourcen und Probleme des Pflegebedürftigen; ggf. Probleme nach Prioritäten systematisieren.
Fähigkeiten und Ressourcen
Fähigkeiten: Möglichkeiten (Können/Wissen) des Pflegebedürftigen. Voraussetzung für eine gewisse Selbstständigkeit bei der Durchführung einer AEDL®.
Ressourcen: individuelle PflegeanamneseRessourcenHilfsquellen zur Bedürfnisbefriedigung und Unterstützung vorhandener Fähigkeiten, z. B. Angehörige, Hilfsmittel wie Rollator.
  • Fähigkeiten/Ressourcen erkennen: Was kann der Pflegebedürftige (mit Hilfsmitteln)?

  • Fähigkeiten/Ressourcen erhalten, fördern und sinnvoll zur Problemlösung einsetzen: Was Pflegebedürftiger noch selbst kann, soll er selbst durchführen!

  • Aktivierende Pflege fördert die Zustandsstabilisierung oder -verbesserung des Pflegebedürftigen.

Info

Wichtiger Hinweis

Die Unterstützung, z. B. durch Angehörige oder Nachbarn, und Fremdleistungen, z. B. Physiotherapie oder Fußpflege, sind Ressourcen und werden als solche benannt.
Pflegeprobleme
  • Probleme Pflegeproblemeentstehen, wenn aufgrund von Krankheiten oder Einschränkungen eine oder mehrere der AEDL® nicht mehr selbstständig ausgeführt werden können.

  • Individuelle Pflegeprobleme sind spezifische Probleme einzelner Pflegebedürftiger.

  • Generelle Pflegeprobleme betreffen alle Pflegebedürftigen unter gleichen Bedingungen, z. B. Pneumoniegefahr bei Immobilität.

Tipps und Tricks

Die Ursache für ein Problem ist wichtig und wird benannt, z. B. „Herr M. trinkt täglich nur 800 ml“. Mögliche Gründe:

  • Er vergisst es.

  • Er hat Angst, zu oft zur Toilette gehen zu müssen.

  • Er empfindet keinen Durst.

Ziele und Maßnahmen sind ursachenabhängig.

Schritt: Pflegeziele festlegen
Pflegeziele sind der Soll-Zustand, Pflegezieleden ein Pflegebedürftiger mithilfe der Pflegenden erreichen soll.
Grundsätze beim Festlegen von Pflegezielen
  • Im Idealfall Ziele zusammen mit Pflegebedürftigen und Angehörigen festlegen

  • Ziele können, müssen aber nicht, in Nah- und Fernziele unterteilt werden:

    • Nahziele werden für einen überschaubaren Zeitraum festgelegt, z. B. für einen Monat.

    • Fernziele geben die Richtung für die Zukunftsgestaltung vor und beschreiben den optimalen zu erreichenden Zustand.

  • Realistische Ziele formulieren, sonst Gefahr von Überforderung für Pflegebedürftige und Pflegende

  • Berücksichtigung von Einschränkungen, chronischen Krankheiten und ggf. des Sterbeprozesses

  • Konkret und verständlich formulieren

  • Positiv formulieren: festlegen, was erreicht werden soll, und nicht, was vermieden werden soll

  • Zielfestlegung möglichst mit Zeitangabe, wann Ziel erreicht sein soll

Info

Pflegeziel Akzeptanz

Die Akzeptanz einer bestehenden Situation kann Ziel einer Pflegeplanung sein, z. B. mit einer Behinderung zu leben lernen.
Schritt: Pflegemaßnahmen planen
Pflegemaßnahmen Pflegemaßnahmenplanungindividuell auf den Pflegebedürftigen orientiert auswählen (handlungsleitend). Beachten, dass Pflege dem aktuellen Stand der Pflegewissenschaft entspricht.
Grundsätze bei der Maßnahmenplanung
  • Wer macht was, wann, wie, wie lange, wie oft, womit?

  • Maßnahmen im Rahmen der Pflegeplanung festlegen und in Dokumentation eintragen. Sie müssen geeignet sein, die festgelegten Ziele zu erreichen.

  • Alle dokumentierten Maßnahmen sind Dienstanweisungen: Durchführung für alle Pflegepersonen bindend.

  • Hinweis auf und Verwendung von aktuellen Pflegestandards (1.4.6).

Schritt: Pflegemaßnahmen durchführen
  • Einheitliche Durchführung der Pflegemaßnahmen als Team:

    • Vermeidung von Pflegefehlern

    • Schutz des Pflegebedürftigen vor Willkür

    • Maßnahmen werden von allen einheitlich ausgeführt, sodass Teammitglieder nicht gegeneinander „ausgespielt“ werden können

  • Pflegebedürftigen über Durchführung der Maßnahmen informieren und aktiv einbeziehen, Befinden und Bedürfnisse erfragen und berücksichtigen

  • !

    Aktivierend pflegen: Verloren gegangene Fähigkeiten des Pflegebedürftigen nicht einfach ersetzen, nur weil es schneller geht.

Schritt: Auswertung (Evaluation)
Bewertung des Evaluation, PflegemaßnahmenVerlaufs des Pflegeprozesses hinsichtlich des Erreichens der Zielvorgaben. Je nach Ergebnis der Evaluation muss die Pflegeplanung verändert werden, um z. B. mit anderen Maßnahmen die gesetzten Ziele doch noch zu erreichen.
Fragen zur Auswertung
  • Wurde das angestrebte Pflegeziel erreicht?

  • Warum wurde das Pflegeziel nicht erreicht (Gründe)?

  • Veränderung des Pflegeplans:

    • Neue Informationen erforderlich?

    • Neue Probleme aufgetreten?

    • Neue Ressourcen entwickelt?

    • Maßnahmen absetzen?

    • Neue Maßnahmen erforderlich?

Tipps und Tricks

  • Auswertung in regelmäßigen Abständen (als Pflegedienst festlegen: ein-, zwei- oder dreimonatlich) und wenn sich Zustand des Pflegebedürftigen verändert

  • Nicht erreichte Pflegeziele nicht als Versagen des Teams, sondern als Aufforderung zur Reflexion verstehen!

Pflegeplanung

Anja Palesch
Wesentlicher Baustein zur Qualitätssicherung (1.9.3), dient als Nachweis von Pflegeleistungen.
Ziel: Verbesserung der Lebensqualität des Pflegebedürftigen.
Der Pflegeverlauf kann kontinuierlich verfolgt, Maßnahmen können entsprechend angepasst werden. Pflegeplanung und -dokumentation bilden die gesetzliche Beurteilungsgrundlage für die Qualität der Umsetzung des Pflegeauftrags in der Praxis.
Pflegeplanung als Instrument der Qualitätssicherung
Qualitätssicherung 1.9.3.
  • QualitätssicherungPflegeplanungPflegeplanung und -PflegeplanungQualitätssicherungdokumentation sind wesentliche Bestandteile von Prüfungsverfahren zur Qualitätssicherung durch den MDK (1.5.5).

  • Rechtliche Absicherung im Falle von juristischen Komplikationen, z. B. bei Weigerung des Pflegebedürftigen, bestimmte Maßnahmen durchführen zu lassen, oder Nachweis über korrekt durchgeführte prophylaktische Maßnahmen.

  • Sicherung gleichbleibender Pflegequalität durch detaillierte Beschreibung von Abläufen und durch kontinuierliche Dokumentation aller pflegerelevanten Informationen.

  • Bei Antrag auf Pflegestufe oder auf Höhereinstufung des Pflegebedürftigen dient Pflegeplanung gegenüber MDK als Argumentationsgrundlage, da erhöhter Zeitaufwand nachvollziehbar wird.

Durchführung der Pflegeplanung
  • PflegeplanungDurchführungBezugspflegende festlegen: Jede examinierte Fachkraft ist für die Erstanfertigung und regelmäßige Evaluation einer begrenzten Anzahl von Pflegeplanungen verantwortlich.

  • Pflegeplanung orientiert sich an den einzelnen Schritten des Pflegeprozesses (1.4.2).

  • Erstanfertigung einer Pflegedokumentation kann bei hohem Pflegebedarf durchaus 2 oder mehr Stunden dauern. Evaluation ist bedeutend kürzer.

  • Grundsätzlich dokumentieren, wenn sich die Pflegeplanung aufgrund der Abwehr des Pflegebedürftigen nicht umsetzen lässt → notfalls im Büro aufbewahren.

Tipps zur erfolgreichen Durchführung der Pflegeplanung
  • Bezugspflege (1.3.3)

  • Als Leitung Zeit zur Dokumentation in Tagesablauf einkalkulieren: Pflegedokumentation ist Pflegetätigkeit!

  • Immer konkret formulieren (verständlich, handlungsleitend, Tab. 1.7)

  • Teilnahme an Fortbildungen zum Thema „Pflegeplanung“ für alle Mitarbeiter

  • Aufwendige und schwierige Pflegeplanungen im Team erstellen → einfachere Problemlösung; regelmäßige Übung erzeugt Routine, die für Qualität, für langfristig geringeren Zeitaufwand und damit für Entlastung sorgt

  • Erstmaliges Anlegen einer Pflegeplanung aus zeitlichen Gründen beim Pflegebedürftigen und in der Station nach Abschluss der Frühtour

Info

Wichtiger Hinweis

Durchgeführte Prophylaxen werden detailliert in der Pflegeplanung dargestellt, oder es wird auf entsprechenden Standard (1.4.6) verwiesen!

Pflegedokumentation – bisher bekannte Dokumentation

Anja Palesch
Fester Bestandteil der ambulanten Pflege. Eine aussagefähige und regelmäßig überprüfte Dokumentation bildet die Grundlage der individuellen Pflege.
Voraussetzungen
  • PflegedokumentationStandardisiertes papiergebundenes oder computergestütztes Dokumentationssystem vorhanden

  • Papiergebundene Dokumentation bleibt i. d. R. beim Pflegebedürftigen

  • Alle Pflegepersonen dokumentieren Veränderungen, Beobachtungen und Ergebnisse selbst

Durchführung
  • Eintrag bei jedem Einsatz

  • In allen Teilen der Dokumentation Wertungen vermeiden

  • Direkt nach Verrichtung am Pflegebedürftigen dokumentieren

  • Eintragungen kurz, präzise, klar geordnet und wertfrei

  • Dokumentierte Pflege als Handlungsnachweis verstehen, dient als Urkunde: keine Verwendung von Bleistift oder Tipp-Ex®, keine Streichung bis zur „Unkenntlichkeit“

  • Auf Lesbarkeit achten

Dokumentationssysteme
Im Handel angebotene Dokumentationssysteme haben unterschiedliche DokumentationssystemeSchwerpunkte und Ausführungen. Dokumentationssysteme bestehen aus verschiedenartigen Standardblättern. Grundsätzlich sind Dokumentationssysteme mit Standard- und Ergänzungsblättern ausgestattet.
Standardblätter
  • In jeder Dokumentation

  • DokumentationStandard-/ErgänzungsblätterStammblatt: Informationen zur Person, z. B. Name, Geburtsname, Staatsangehörigkeit, Religion, Adresse und Telefonnummer Angehöriger, Krankenkasse, Hausarzt

  • Formular zur Informationssammlung: Pflegeanamnese auf Basis des gewählten Pflegemodells, biografische Angaben

  • Pflegeplanungsblatt: Fähigkeiten/Ressourcen, Probleme, Pflegeziele, Maßnahmen, Überprüfungsdatum und Auswertung; systematisch fortlaufende Eintragungen

  • Pflegeberichtblatt (siehe unten)

  • Durchführungsnachweise

  • Leistungsnachweise: zur Abrechnung mit den Kassen

Ergänzungsblätter
  • Für den Bedarfsfall

  • Ärztlicher Verordnungsschein (1.2): ärztliche Diagnosen sowie angeordnete behandlungspflegerische Maßnahmen als Kopie

  • Ärztliches Verordnungsblatt: Medikamente mit Ansetzdatum und Dosierung

    • Abgesetzte Medikamente müssen eindeutig zu identifizieren sein

    • Bedarfsmedikation mit genauer Beschreibung von Indikation und Maximaldosis in 24 Std.

    • Bestätigung durch Unterschrift des Arztes

  • Wundprotokoll zur Dokumentation des Wundbefunds und -verlaufs, Wundtherapie (4.2.1)

  • Überwachungsblatt: Vitalzeichen, Gewicht/Body Mass Index (BMI), Blutzucker

  • Risikoerfassung, z. B. Dekubitus (3.3), Mangelernährung (2.5.7)

  • Individueller Bewegungsplan bei Dekubitusgefährdung

  • Ernährungs- bzw. Trinkprotokoll, Bilanzierung

  • Pflegeüberleitungsblatt: wird Pflegebedürftigem bei Einweisung in Klinik oder Pflegeheim mitgegeben → Angabe von verwaltungstechnisch relevanten Daten, Medikation, Besonderheiten/Grad der Selbstständigkeit bei den einzelnen AEDL®

  • Hauswirtschaftliche Versorgung

  • Dokumentationsblatt bzgl. der Aufklärung, Schulung und Anleitung von pflegenden Angehörigen, z. B. zur Pneumonieprophylaxe

Pflegebericht
Der Pflegebericht Pflegeberichtist Grundlage der DokumentationPflegeberichtQualitätssicherung und der Informationsweitergabe. Einträge werden mehrfach wöchentlich und bei Besonderheiten vorgenommen.
Inhalt
  • Eintrag mit Datum, Uhrzeit, Handzeichen

  • Formulierung knapp, präzise, objektiv, wertfrei

    • Pflegeverlauf

    • Pflegewirksamkeit

    • Aktuelles Befinden

    • Akute und schleichende Veränderungen im Krankheitsbild

    • Reaktionen auf Medikamente, pflegerische, diagnostische, therapeutische Maßnahmen

  • Beschreibungen von besonderen Vorfällen: Sturz, Einweisung ins Krankenhaus, auffälliges Verhalten, Pflegeunterbrechung

  • Hinweise auf veränderte Pflegemaßnahmen mit Begründung

  • Beschreibung aller nicht geplanten Maßnahmen, z. B. Verabreichung von Bedarfsmedikamenten

  • Veränderungen der körperlichen, seelischen, geistigen und sozialen Situation des Pflegebedürftigen

  • Pflegerelevante Äußerungen des Pflegebedürftigen. Cave: besonders zur Absicherung bei Verweigerung von Pflegemaßnahmen!

  • Dokumentation von Pflegevisiten

  • Besuche, z. B. von Arzt, Physiotherapeut, Geistlichem

Was nicht in den Pflegebericht hineingehört
  • Wenig aussagefähige Zeichen

  • Arbeitsanweisungen für Kollegen (1.3.4)

  • Darstellung der eigenen Meinung

Die Pflegedokumentation dient folgenden Zwecken:
  • Kommunikation zwischen den Pflegepersonen sowie zwischen Pflegenden und Kooperationspartnern

  • Nachweissicherung für eine fach- und qualifikationsgerechte Ausführung der Pflegeleistungen

Die Pflegedokumentation gibt Auskunft über alle pflegerelevanten Belange des Pflegebedürftigen. Sie muss zeitnah erstellt werden und das aktuelle Bild des Pflegezustands abbilden.
Für das Führen der Dokumentation bzgl. ausgeführter Maßnahmen und Wahrnehmungen gelten folgende Grundsätze:
  • Wer?

  • Was?

  • Wo?

  • Wie?

  • Wann?

  • Warum?

Info

Die Pflegedokumentation hat Urkundencharakter. Die Dokumentationsunterlagen sind 30 Jahre lang aufzubewahren.

Pflegedokumentation – das neue Strukturmodell

Monika Klau-Fischer
Das neue Strukturmodell Dokumentationneues StrukturmodellStrukturmodell, PflegedokumentationZieleist ein Instrument des professionellen Pflegehandels. Es dient der Information und Kommunikation im pflegerischen Handeln. Der Pflegeprozess ist dabei das zentrale Element.
Aus dem politischen Auftrag der Entbürokratisierung der Pflege wurde das Projekt „Strukturmodell – Effizienzsteigerung der Pflegedokumentation“ entwickelt. Das neue Strukturmodell im ambulanten Pflegedienst ist eine Herausforderung für alle Beteiligten. Es geht nicht um die Veränderung von Formularen, sondern um eine Neuausrichtung des Pflegeprozesses mit dem Ergebnis einer effektiven und effizienten Pflegedokumentation, die fachlich begründet, übersichtlich dargestellt und praxistauglich, zeitschonend sowie qualitätsgesichert ist.
Ziele:
  • Erhöhung der Qualität der pflegerischen Versorgung

  • Arbeitserleichterung und zeitliche Entlastung für Pflegekraft

  • Bedeutung der Fachkompetenz und Berufserfahrung stärker herausstellen

  • Praktischer Bezug zum Pflegealltag

  • Kommunikationsförderung

  • Schaffung einer gemeinsamen Grundlage für interne und extern Qualitätssicherung

Grundprinzipien der neuen Pflegedokumentation
  • Strukturmodell, PflegedokumentationGrundprinzipienStärkungen der konsequenten Beachtung von Individualität und Selbstbestimmung des Pflegebedürftigen

  • Individuelle Sicht des Pflegebedürftigen auf seinen Pflegebedarf und seine Vorstellungen von Hilfe und Pflege in der Zusammenführung mit der pflegefachlichen Perspektive und Expertise. Dies erfordert einen Aushandlungsprozess zwischen Pflegebedürftigen, pflegenden Angehörigen und Pflegefachkraft

  • Begrenzung der Verschriftlichung des Pflegeprozesses auf vier Schritte (WHO-Modell)

  • Strukturierte Informationssammlung (SIS) auf der Grundlage von fünf wissenschaftlich basierten Themenfeldern

  • Rationaler und fachlich begründeter Umgang mit der Risikoeinschätzung

  • Im Pflegebericht Beschränkung der Aufzeichnungen auf Abweichungen in der Routineversorgung bezogen auf Grundpflege und Behandlungspflege

  • Beibehaltung von Einzelleistungen nachweislich für Maßnahmen der Behandlungspflege

Das Strukturmodell
Der Pflegeprozess (WHO-Modell) im neuen Strukturmodell basiert auf vier Elementen (Abb. 1.4).
Element 1Strukturierte Informationssammlung (SIS) Informationssammlungstrukturierte (SIS)zur Einschätzung des Pflege- und Betreuungsbedarfs
Der erste Teil des Konzeptes umfasst vier Felder:
  • A: Stammdaten

  • B: Hauptprobleme und offene Fragen der Pflegesituation, Berücksichtigung individueller und biografischer Aspekte der Pflegesituation aus Sicht des Pflegebedürftigen

  • C: Pflegerelevante Themenkomplexe (Kognition und Kommunikation; Mobilität und Bewegung; krankheitsbezogene Anforderungen und Belastungen; Selbstversorgung; Leben in sozialen Beziehungen und Teilhabe am sozialen Leben; Haushaltsführung)

  • D: Matrix mit fünf pflegesensitiven Risiken (Dekubitus, Sturz, Schmerz, Inkontinenz, Ernährung, Freitextfeld für weitere individuelle Risiken)

Hier wird erfasst, ob ein Risiko erkennbar ist und ob ein risikobedingtes Differenzialassessment notwendig wird. In der ambulanten Pflege ist Beratung bei erkennbarem Risiko weiterhin erforderlich. Die strukturierte individuelle Erfassung des Pflege- und Betreuungsbedarfs und der Risikofaktoren sind Grundlage pflegerischen Handelns. Damit wird die Fachlichkeit gestärkt und der Dokumentationsaufwand begrenzt.

Info

Formulare für die strukturierte Informationssammlung stehen zum Download bereit unter http://patientenbeauftragter.de/images/dokumente_version11/strukturierte_informationssammlung_SIS_ambulant_farbig_11.pdf

Element 2Maßnahmenplanung
  • erfolgt auf der Grundlage der SIS und den Äußerungen des Pflegebedürftigen

  • bezieht sich auf den Handlungsbedarf bei routinemäßig wiederkehrenden Abläufen z. B. Körperpflege, Ausscheidung u. a. Dazu gehören ebenso die psychosoziale Betreuung wie auch die hauswirtschaftliche Versorgung

  • Gewohnheiten und Vorlieben des Pflegebedürftigen werden aufgenommen

  • Maßnahmen zu Risiken werden dargestellt

  • Behandlungspflege

Element 3Pflegebericht (Berichteblatt)
Erfolgt auf Grundlage der SIS und den daraus abgeleiteten Pflege- und Betreuungsmaßnahmen. Dokumentiert werden im Pflegebericht nur Abweichungen von täglich stattfindenden Maßnahmen, tagesaktuelle Ereignisse und der daraus resultierende Handlungsbedarf. Diese Informationen werden von der Pflegefachkraft und eventuell dem interdisziplinären Team für weitere Interventionen genutzt.
Die Unterscheidung zwischen den Dokumentationsanforderungen der Grund- und Behandlungspflege bleibt bestehen. In der Grundpflege → Abweichungen. In der Behandlungspflege → der Einzelnachweis der erbrachten Leistungen.
Element 4Evaluation
Die Evaluation bezieht sich auf die Einschätzung des Pflege- und Hilfebedarfs und der definierten Maßnahmen der erfassten Risikofaktoren. Die Interventionsintervalle können variieren, sie sind von Veränderungen in der Gesundheits- und Pflegesituation abhängig.
Innovative Elemente des Strukturmodells
  • Die Struktur des PflegeprozessesStrukturmodell, PflegedokumentationElemente wird von sechs auf vier Elemente reduziert.

  • Eine strukturierte Informationssammlung (SIS) bildet den Einstieg in den Pflegeprozess.

  • Ein wissenschaftsbasiertes Initialassessment (Risikomatrix) ist Bestandteil der SIS in Bezug zu den nationalen Expertenstandards.

  • Die Dokumentation des Pflegeprozesses erfolgt in vier Schritten.

  • Die Evaluation wird in Zukunft eine größere Bedeutung haben.

  • Die klassische Pflegeplanung entfällt.

  • Das Konzept der AEDL® entfällt.

  • Im Fokus steht „eine auf die Person zentrierte Pflege“ als pflegetheoretischer Ausgangspunkt.

  • Unterschiedliche Zielgruppen in der Patientenversorgung erfordern unterschiedliche theoretische Ansätze, Pflegemodelle und Pflegekonzepte.

  • Die Fachlichkeit der Pflege erfährt höhere Aufmerksamkeit, fachliche Kompetenz wird gestärkt.

  • Die Stärkung der Beachtung von Individualität und Selbstbestimmung des Pflegebedürftigen ist ein zentraler Bestandteil des Strukturmodells. Die Perspektive des Pflegebedürftigen wird dabei gestärkt.

Info

In das Strukturmodell sind verschiedene Ansätze eingeflossen: Personenzentrierte Pflege z. B. nach Tom Kitwood, demenzspezifische Pflegekonzepte mit einem psychobiografischen Ansatz z. B. nach E. Böhm oder der mäeutische Ansatz.

In der Versorgung von Menschen mit chronischer Erkrankung und Multimorbidität liegt das Ziel in der bestmöglichen Lebensqualität. Theoretischer Ansatz ist hier das aus den USA stammende Trajectory-Work-Modell. Weitere Gruppen sind Menschen in der palliativen Versorgung und pflegende Angehörige.

Diese Beispiele weisen auf die Notwendigkeit unterschiedlicher spezifischer theoretischer Pflegemodelle und Pflegekonzepte hin. Die Umsetzung von der Theorie in die Praxis muss sich erst noch bewähren. Pflegefachkräfte müssen vor der Anwendung dieses Modells eine intensive Einführung und Schulung erhalten.

Weitere Informationen:
Bundesministerium der Gesundheit: Handlungsanleitung (Version 1.1) zur praktischen Anwendung des Strukturmodells (ambulant/stationär), der integrierten Strukturierten Informationssammlung (SIS) mit der Matrix der Risikoeinschätzung, der Maßnahmenplanung und der Evaluation sowie mit Hinweisen zum Handlungsbedarf auf der betrieblichen Ebene (Version 1.1). http://patientenbeauftragter.de/images/dokumente_version11/Handlungsanleitung_zum_neuen_Strukturmodell_11.pdf (letzter Zugriff: 20.10.2015).

Pflegestandards

Anja Palesch
VorgabenPflegestandard zu Pflegeleistungen und genaue Beschreibung der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung einer Pflegemaßnahme. Psychosoziale Aspekte werden ebenfalls berücksichtigt (2).
  • !

    Ein Standard ist eine verbindliche Arbeitsanweisung für alle Mitarbeiter.

Häufig wiederkehrende Pflegetätigkeiten und Probleme (z. B. Behandlungspflege, Durchführung von Prophylaxen oder Umgang mit Beschwerden von Pflegebedürftigen) können standardisiert werden. Standards werden in der Praxis angewandt und bei den Maßnahmen der Pflegeplanung (1.4.3) aufgeführt.

Tipps und Tricks

Pflegende reflektieren immer wieder, ob der Standard (Verweis in der Pflegeplanung) tatsächlich exakt wie beschrieben angewandt wird. Abweichungen werden kurz benannt. Alternativ werden die jeweiligen Tätigkeiten mit Textmarker auf einer Kopie des Standards markiert.

Beispiel: Es gibt eine Vielzahl dekubitusprophylaktischer Maßnahmen, aber nicht alle können bei jedem Pflegebedürftigen angewandt werden. Die aus fachlicher Sicht vorgenommene Auswahl muss durch korrekte Benennung auch für den Außenstehenden transparent werden.

Inhalte
  • Definition

  • Mitarbeiterqualifikation

  • Ziel

  • Grundsätze, z. B. Bedingungen, Regeln, Hygiene

  • Materialien

  • Vorbereitung/Durchführung/Nachbereitung

  • Kontrollkriterien

  • Dokumentationspflicht

  • Verfasser

  • Literatur

  • Gültigkeits- und Prüfzeitraum (Standards werden nach einem Jahr überprüft)

Anforderungen
  • Nach neuesten pflegewissenschaftlichen Erkenntnissen

  • Präzise, leicht verständlich

  • Umsetzbarkeit, Anwendbarkeit (auf den Pflegedienst abgestimmt)

  • Überprüfbarkeit der Ergebnisse

  • Geben nicht unbedingt einen „lehrbuchmäßigen“ Idealzustand wieder

Pflegestandards überarbeiten
  • Von Fremdanbietern übernommene Standards auf eigene Einrichtung anpassen (nicht vollständig neu erarbeiten)

  • Formalitäten klären: Wie wird Pflegestandard dokumentiert, abgeheftet?

  • Überprüfungsdatum festlegen, z. B. 4 Wochen

  • Pflegestandard überprüfen: verantwortliche Pflegeperson festlegen! Nach Überprüfungszeit entscheiden, ob Standard verändert werden muss

  • Alle Mitarbeiter in das Arbeiten mit Pflegestandards einweisen

  • Hinterlegung in einem für alle erreichbaren Ordner

  • Ältere Versionen des Standards archivieren

Vom MDK empfohlene Standards
  • Für Situationen, in denen häufig Fehler passieren

  • Für risikobehaftete und ungewöhnliche Situationen

  • Für Umgang bei Notfällen

  • Bei Sterbebegleitung

  • Umgang mit Verstorbenen

Tipps und Tricks

  • Bei guter Pflegeplanung wird auf Grundpflegestandards verzichtet

  • Zuerst risikobehaftete Standards überarbeiten: Behandlungspflege und Prophylaxen

  • Standards einmal jährlich überprüfen, Erkenntnisse der Pflegeforschung einarbeiten

  • Wichtig ist nicht die Anzahl der überarbeiteten Standards, sondern deren tatsächlicher Nutzen in der Pflege!

ErgänzendExpertenstandards, DNQP können Expertenstandards implementiert werden. Das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP, www.dnqp.de) hat folgende Expertenstandards erarbeitet:
  • Entlassungsmanagement in der Pflege

  • Dekubitusprophylaxe

  • Schmerzmanagement

  • Sturzprophylaxe

  • Förderung der Harnkontinenz

  • Pflege von Menschen mit chronischen Wunden

  • Ernährungsmanagement zur Sicherstellung und Förderung der oralen Ernährung in der Pflege

Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen

Anja Palesch
Die Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen ist unabdingbar, um eine ganzheitliche und umfassende Versorgung der Pflegebedürftigen zu gewährleisten. Hilfreich ist es, persönliche Kontakte herzustellen, um den Informationsfluss zwischen den einzelnen Berufsgruppen zu fördern.

Zusammenarbeit mit Hausärzten

ZusammenarbeitHausärzteHausärzte sind die wichtigsten Partner bei Hausarzt, Zusammenarbeitder Pflege zu Hause. Sie verordnen Grund- und Behandlungspflege nach SGB V (1.2.1) und stellen Rezepte für Medikamente und Hilfsmittel aus. Bei Verschlechterung des Gesundheitszustands Pflegebedürftiger informieren Mitarbeiter umgehend den Hausarzt und vereinbaren einen Hausbesuchstermin. Nur in akuten Notfällen (8) wird der ärztliche Notdienst informiert.
Probleme im Umgang mit dem Hausarzt
  • Pflegende sind angehalten, Anweisungen des Arztes zu befolgen, auch wenn sie eine andere fachliche Auffassung haben.

  • Häufig herrscht starkes Hierarchiedenken seitens der Hausärzte → partnerschaftlicher Umgang wird erschwert.

  • Manchmal wird aus Kostengründen z. B. das Verschreiben bestimmter Medikamente abgelehnt.

  • Einige Ärzte delegieren Behandlungspflege an Angehörige.

  • An Wochenenden und Feiertagen ist der Hausarzt nicht erreichbar, der Bereitschaftsdienst kennt den Pflegebedürftigen nicht.

Vermeidung von Problemen mit dem Hausarzt
Eine gute Zusammenarbeit kommt zustande, wenn der Pflegedienst weiß, wie sich der Hausarzt die Versorgung seiner Patienten und die reibungslose Zusammenarbeit mit einem Pflegedienst vorstellt. Daher ist es wichtig, dass alle notwendigen Informationen bekannt sind und in der täglichen Arbeit berücksichtigt werden.
Hilfreich ist das Anlegen einer Arztdatei, die folgende Informationen enthält:
  • Name, Anschrift, Fachgebiet, Telefon, Fax, E-Mail, Notrufnummer

  • Öffnungszeiten

  • Beantragung der Verordnung häuslicher Krankenpflege: per Fax, per Telefon oder persönlich

  • Abholung der Verordnung: per Post, persönlich, Hinterlegen beim Pflegebedürftigen

  • Medikamentenbestellung: per Fax, per Telefon, persönlich

  • Abholung der Rezepte: per Post, persönlich, Hinterlegen beim Pflegebedürftigen, in der Apotheke abgeben

  • Günstiger Zeitpunkt, um Rezepte und Verordnungen zu bestellen: Uhrzeit eintragen

  • Besondere Wünsche an den Pflegedienst

  • Gewünschte Versorgung des Pflegebedürftigen

Der Nutzen dieser Datei ist:
  • Besserer Service

  • Schnellere Bearbeitung

  • Bessere Zusammenarbeit

  • Schnellere Beantragung von Leistungen

  • Besserer Informationsfluss

Zusammenarbeit mit therapeutischen Berufsgruppen/Spezialisten

Pflegende haben u. a. Kontakt mit Physio- und ZusammenarbeitTherapeutenErgotherapeuten, Logopäden und Fachärzten, z. B. Zahnärzten, Urologen, Neurologen, Gynäkologen, Psychiatern, Palliativmedizinern.
  • Im Bedarfsfall Verordnungen für die jeweilige Therapie oder Überweisung zum Facharzt über Hausarzt besorgen

  • Absprachen treffen, wann Hausbesuch stattfindet

  • Zeitpunkt der Pflege darauf abstimmen

  • Therapeuten geben Pflegenden häufig Tipps zum Umgang mit Pflegebedürftigen aus ihrer fachlichen Sicht

Spezialisierte Fach(pflege-)kräfte
V. a. in der Finalpflege (5.8) oder bei besonderen Pflegeproblemen kooperieren Pflegende mit spezialisierten Fachkräften. Beispiele:
  • Ernährungsteams bei Perkutaner endoskopischer Gastrostomie (PEG) (4.5.2) oder Porternährung (4.4.2)

  • Medizintechnik bei erforderlicher Beatmung, Sauerstoffgabe, Absaugung (5.5)

  • Stomatherapeuten bei Anus-praeter-Versorgung (4.8)

  • Spezielle Wundtherapeuten

Aufgaben
  • Vorbereitung nach Krankenhausentlassung, Bereitstellung aller erforderlichen Materialien

  • Einweisung und Anleitung von Pflegenden und Angehörigen

  • Ansprechpartner bei Problemen

  • Regelmäßige Materiallieferung

  • Wartung der Medizintechnik

Zusammenarbeit mit Sanitätshäusern und Apotheken

Ggf. überlegen, ob ZusammenarbeitSanitätshaus, Apothekeimmer mit denselben Sanitätshäusern und Apotheken zusammengearbeitet werden kann. Um Pflegende als Kunden an sich zu binden, sind diese oft sehr entgegenkommend und erweitern gerne ihr Dienstleistungsangebot.
Sanitätshäuser
  • Die Zusammenarbeit erspart Wege und Zeit: Aufträge werden schnell erledigt.

  • Viele Kranken- und Pflegekassen arbeiten nur mit bestimmten Sanitätshäusern zusammen (Kooperationsverträge).

Apotheken
Vorteile einer Stammapotheke:
  • Ein bekannter Ansprechpartner

  • Kurzfristige Bereitstellung von Medikamenten

  • Lieferung von Medikamenten nach Hause oder zum ambulanten Dienst, ggf. auch dann, wenn Rezept nachgereicht wird

  • Reibungslose Zusammenarbeit im Notfall

Zusammenarbeit mit Krankenhäusern, Pflegeheimen und Hospizen

Wünschenswert, aber ZusammenarbeitPflegeeinrichtungennicht immer gegeben, ist die Vernetzung zwischen ambulanter und stationärer Pflege. Durch intensiven Informationsaustausch und konstruktive Zusammenarbeit kann die Überleitung des Pflegebedürftigen nach Hause oder in eine andere Institution reibungslos und schonend gestaltet werden.
Der Expertenstandard Entlassungsmanagement in der Pflege (Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung) wurde für Krankenhäuser, Fach- und Rehabilitationskliniken entwickelt.
Krankenhausentlassung
  • Meist KrankenhausentlassungKontaktaufnahme über Sozialdienst des Krankenhauses oder Überleitungsschwester/-pfleger

  • Vorgespräche mit Sozialdienst, Überleitungsschwester/-pfleger und Angehörigen über durchzuführende Pflege

  • Vorbereitung der häuslichen Pflege im Vorfeld, z. B. Bestellung des Pflegebetts, Materialien für PEG, Verordnungen besorgen

  • Bei Pflegeproblemen am Entlassungstag: Termin mit Hausarzt vereinbaren

  • Zur haftungsrechtlichen Absicherung lückenlose Dokumentation über Entlassungszustand des Pflegebedürftigen, z. B. Haut, Ernährung, Wunden

  • Ggf. Pflegeplanung anpassen und notwendige Maßnahmen veranlassen

  • Entlassungsmanagement bzw. Überleitung (Entlassung in die Häuslichkeit, Übergabe an einen ambulanten Pflegedienst)

Pflegeüberleitung (Einweisung in Krankenhaus, Pflegeheim)
  • PflegeüberleitungInformation des Pflegebedürftigen bzw. der Angehörigen zur Notwendigkeit der Einweisung/Verlegung

  • Kontaktaufnahme mit dem Krankenhaus/Pflegeheim, damit dort bekannt ist, welcher Pflegedienst den Pflegebedürftigen zu Hause betreut hat

  • Information des Pflegebedürftigen bzw. der Angehörigen zu Ablauf und besonderen Gegebenheiten in der stationären Einrichtung

  • Mitgeben eines Pflegeüberleitungsbogens mit allen Stammdaten (1.4.4), Medikamentenplan, lückenloser Dokumentation über Einweisungszustand des Pflegebedürftigen (z. B. Haut, Ernährung, Wunden; zur haftungsrechtlichen Absicherung)

  • Ggf. Vorsorgevollmacht oder Kopie Betreuungsurkunde?

  • Tasche packen:

    • Krankenkassenkarte, Geld?

    • Medikamente für die erste Zeit (falls für stationäre Einrichtung nicht sofort verfügbar)

    • Spezielle Ausweise (z.B. Allergiepass, Diabetikerausweis)

    • Unterwäsche, Nachtbekleidung, Bademantel

    • Toilettenartikel, ggf. Prothese, Handtücher

    • Brille, Hörgerät

    • Tageskleidung, Hausschuhe

  • Bei plötzlicher Krankenhauseinweisung im Notfall: Information der Angehörigen (evtl. müssen noch Haustiere versorgt werden), Übergabe an Mitarbeiter, Pflegebedürftigen aus der Tourenplanung herausnehmen

Stationäre Hospize
HospizeHospiz(-dienst) widmen sich der Aufgabe, Sterbenden beizustehen, deren Angehörige zu beraten und diese in der Trauer zu begleiten.
Besonderheiten bei Verlegung in ein Hospiz:
  • Voraussetzung ist eine Krankheit, die zum Tod führt

  • Pflegebedürftiger ist „austherapiert“

  • Aufnahme auf eigenen Wunsch des Pflegebedürftigen

  • Grundsatz: ambulant vor stationär

Ambulante HospizdiensteNetzwerkaufbau durch Hospizkoordinator. Ehrenamtliche Hospizhelfer unterstützen Verwandte, Freunde, Bekannte und Nachbarn des Sterbenden, um ihn in seiner letzten Lebensphase würdevoll zu begleiten (auch in Zusammenarbeit mit ambulantem Pflegedienst) 5.8.2.
PalliativnetzwerkPalliativnetzwerkNetzwerkaufbau durch speziellen Koordinator. Professionelle Kräfte (z. B. Ärzte, Schmerztherapeuten) unterstützen die Angehörigen und den Betroffenen, um in seiner letzten Lebensphase das Leiden zu lindern (auch in Zusammenarbeit mit Palliativstation im KH und Pflegedienst) 5.8.2.

Tipps und Tricks

Bei Verlegungen in bzw. Entlassungen aus stationären Einrichtungen ist zu beachten:

  • Pflegende informieren den Pflegebedürftigen ehrlich über die bevorstehende Verlegung, um damit den Übergang zu erleichtern; keine falsche Rücksichtnahme.

  • Sich selbst als Kooperationspartner im Krankenhaus anbieten. Ansonsten kann es möglich sein, dass die zuständige Kraft, die für die Entlassung im Krankenhaus verantwortlich ist, einen anderen Pflegedienst einschaltet.

Zusammenarbeit mit MDK, Kranken- und Pflegekassen

Aufgaben von MDK/Medicproof ZusammenarbeitKostenträger (1.2):
  • Begutachtungsaufgaben im Einzelfall (Einstufungen der Pflegebedürftigen in einen Pflegegrad)

  • Beratungsaufgaben in Grundsatzfragen

  • Qualitätsprüfungen des ambulanten Pflegediensts (seit 1. Juli 2009).

Im Einzelnen sind die Aufgaben in den Sozialgesetzbüchern SGB V und SGB XI beschrieben.
Begutachtung und Beratung nach § 275 SGB V
  • Verpflichtung der Krankenkasse zur Prüfung nach Art, Schwere, Dauer, Häufigkeit oder Krankheitsverlauf

  • Eine gutachterliche Stellungnahme des Medizinischen Diensts der Krankenversicherung (MDK) ist einzuholen:

    • zur Prüfung von Leistungsvoraussetzungen,

    • zur Prüfung von Art und Umfang der Leistungen,

    • zur Beseitigung von Zweifeln an der Arbeitsfähigkeit.

  • Überprüfung von medizinischen Verordnungen, z. B. Notwendigkeit von Verbänden, Anlegen und Ausziehen von Kompressionsverbänden, Blutzuckermessungen, Vergabe von Medikamenten

  • Wenn Hausbesuche erforderlich werden, so erfolgt bei Bedarf die Terminabsprache für den Hausbesuch unter Einbeziehung der Pflegebedürftigen und ggf. des betreuenden Pflegedienstes.

Verfahren der Einstufung des Pflegebedürftigen nach § 18 SGB XI
  • Nach Antragstellung des Pflegebedürftigen bei der Krankenkasse erfolgt Weiterleitung an den MDK zur Begutachtung

  • MDK gibt dem Pflegebedürftigen bzw. den Angehörigen schriftlich oder telefonisch den Begutachtungstermin bekannt

  • Ermittlung des notwendigen Hilfebedarfs durch standardisierten Fragebogen

  • Anwesenheit pflegender Angehöriger, anderer Personen oder des Pflegedienstes ist ausdrücklich erwünscht

  • Gutachten ist Grundlage für den Leistungsentscheid der Pflegekasse

Qualitätsüberprüfungen des Pflegediensts nach § 112 ff. SGB XI
  • EinzelprüfungenMDK-Prüfung erfolgen z. B. nach Beschwerden, Stichproben und vergleichenden Prüfungen.

  • Vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich.

  • 10 % aller Dienstleister werden vom Verband der Privaten Krankenversicherungen (PKV) geprüft.

  • Prüfung kann einen bis mehrere Tage dauern (wird i. d. R. durch zwei MDK-Mitarbeiter durchgeführt).

  • Mind. 10 % der Pflegebedürftigen einer Einrichtung können, jeweils mit Einverständnis der pflegebedürftigen Person, von MDK-Mitarbeitern in Augenschein genommen werden.

  • Auf Grundlage von Prüfbericht und Stellungnahme erstellen die Landesverbände der Pflegekassen einen Bescheid. Besteht Verbesserungspotenzial, wird der Pflegedienst aufgefordert, diesem innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens nachzukommen.

  • Zu einem späteren Zeitpunkt findet ggf. eine Wiederholungsprüfung statt.

  • Weitere Ebenen der Qualität, die überprüft werden, umfassen die Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität (1.9) des Pflegedienstes.

Besonderheiten (MDK-Prüfanleitung 2009)
  • Hygienische Grundsätze:

    • Verfahren zur Desinfektion

    • Umgang mit Sterilgut

    • Hygieneplan

    • Relevante Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI)

    • Umgang mit MRSA

  • Schriftliche Regelung im Umgang mit Beschwerden

  • Nachweisliche Beratung von Angehörigen der Pflegebedürftigen durch Pflegedienst über pflegerelevante Themen, z. B. Dekubitusprophylaxe

  • Aus Pflegedokumentation wird ersichtlich, dass der Pflegedienst den Pflegebedürftigen bzw. die Angehörigen über die für eine ausreichende Versorgung erforderlichen Leistungen informiert hat

  • Verantwortung für die Durchführung von Maßnahmen der medizinischen Behandlungspflege liegt beim Pflegedienst

  • Dokumentation: Durchführung der Maßnahme (wann, wie, wie oft, womit)

  • Vorliegende Verordnungen und sachgerechter Umgang damit

  • Maßnahmen entsprechen offensichtlich dem aktuellen Stand des Wissens

Tipps und Tricks

Es empfiehlt sich, immer gut „gerüstet“ zu sein für eine Qualitätsprüfung: Qualitätsmanagementsystem (1.9.2) ist installiert:

  • Pflegedokumentationen werden laufend aktualisiert.

  • Notwendige Unterlagen (Tab. 1.8) sind verfügbar.

  • Die leitende Pflegefachkraft ist vor Ort.

  • Mitarbeiter sind vorbereitet und geschult.

Informationen

Zusammenarbeit mit Ämtern

V. a. bei ZusammenarbeitBehördenalleinstehenden Pflegebedürftigen kann die Zusammenarbeit mit verschiedenen Ämtern und Behörden erforderlich werden. Pflegende erkennen bestimmte Problemsituationen und vermitteln unterstützende Hilfsangebote.
Sozialamt (bei Antragstellung)
  • Sozialhilfe (Hilfe zur Pflege)

  • Zuzahlung zur Pflege oder zu Pflegehilfsmitteln

  • Einschalten bei plötzlich eintretenden wirtschaftlichen Notsituationen

Gesundheitsamt
  • Bei drohender Verwahrlosung eines Pflegebedürftigen bzw. der Wohnung

  • Bei Schädlingsbefall der Wohnung

  • Bei meldepflichtigen Erkrankungen

Sozialpsychiatrischer Dienst
  • Ggf. bei psychischen Erkrankungen

  • Bei Selbst- oder Fremdgefährdung

Amtsgericht (bei Antrag auf Betreuung, 1.8.2)
  • Häufig bei Demenz (5.1), Alkoholismus

  • Wenn der Pflegebedürftige seine finanziellen Belange nicht mehr selbst regeln kann

  • Bei Selbstgefährdung, z. B. durch fahrlässigen Umgang mit Gasherd o. Ä.

Tipps und Tricks

Je direkter der Kontakt zu den Mitarbeitern der entsprechenden Stellen ist, desto effektiver wird die Zusammenarbeit.

Zusammenarbeit mit sonstigen Personen

Weitere Personen, die an der Versorgung und Betreuung von Pflegebedürftigen evtl. beteiligt sind:
  • Fußpfleger

  • Friseur

  • Berufsbetreuer/Mitarbeiter des Betreuungsvereins

  • Mitarbeiter von Pflegestützpunkten oder anderen Beratungsstellen

  • Geistliche oder andere Vertrauenspersonen der Öffentlichkeit

Auf Wunsch sollte der Kontakt durch die Pflegefachkraft hergestellt werden.

Mögliche Konflikte mit anderen Berufsgruppen

Ambulant PflegendeZusammenarbeitKonflikte sind oft Diskussionen über die Finanzierbarkeit ihrer Leistungen ausgesetzt. Pflegebedürftige, ihre Angehörigen sowie Ärzte und Kostenträger sind daran interessiert, anfallende Kosten möglichst niedrig zu halten.
Konflikte mit Ärzten
  • Rezepte: Auswahl kostengünstiger Medikamente und Verbandsmaterialien, z. B. nur begrenzte Menge, um Budget nicht zu überschreiten

  • Ausstellen von Verordnungen (1.2) für den Pflegedienst wird als zusätzliche Belastung erlebt

Handlungsmöglichkeiten
  • Sparsamer Verbrauch von Materialien, z. B. Kompressen

  • Fachkompetenz zeigen: Manche Materialien werden nicht budgetiert und sind frei verordnungsfähig, z. B. bei der Pflegestufe „Härtefall“

  • Taktvolle, aber selbstbewusste Kommunikation, Fachkompetenz

  • Verständnis für das Gegenüber vermitteln

  • Vorschläge sammeln, damit die Bearbeitung in der Arztpraxis möglichst wenig Zeit kostet

Konflikte mit Kranken- und Pflegekassen
  • Verordnungen (1.2) werden teilweise nur über kurze Zeiträume bewilligt

  • Prüfungen in der Häuslichkeit, ob Behandlungspflege tatsächlich erforderlich ist

  • Falls Verordnungsscheine zu spät abgegeben werden, keine Bezahlung bisher erbrachter Leistungen

Handlungsmöglichkeiten
  • Abgabetermine von Verordnungsscheinen berücksichtigen

  • Fachkompetent und freundlich argumentieren

  • Sich über den Handlungsspielraum informieren und Verständnis für das Gegenüber entwickeln

Hygiene

Peter Bergen
Ziele: Krankheitsverhütung und Gesundheitsförderung.
Prinzip: Mögliche Infektionsketten werden durch verschiedene Maßnahmen (1.6.3) unterbrochen → Infektionen werden verhindert.

Hygienische Bedingungen

In der häuslichen Pflege ist die praktikable Umsetzung von Hygienemaßnahmen stark von der individuellen Einstellung von Pflegebedürftigen und Angehörigen abhängig. Pflegende gehen Kompromisse ein und versuchen, die Lebensweise des Pflegebedürftigen weitgehend zu akzeptieren.
Hygiene im Haushalt des Pflegebedürftigen
  • NichtHygienehäusliches Umfeld die eigenen Vorstellungen von Ordnung und Sauberkeit auf Pflegebedürftigen übertragen

  • Medizinisch-pflegerische Maßnahmen müssen dennoch unter Anwendung anerkannter Hygienemaßnahmen durchgeführt werden

  • Beratung und Aufklärung von Pflegebedürftigen/Angehörigen über erforderliche Hygienemaßnahmen

  • Bei untragbaren hygienischen Bedingungen, z. B. Schädlings- oder Schimmelbefall, Beratung anbieten, evtl. Gesundheitsamt/Schädlingsbekämpfer einschalten, notfalls Pflege ablehnen

  • Sterile Verbands- und Pflegematerialien geschlossen (d. h. in ihren Einzelverpackungen), staubgeschützt und trocken aufbewahren

  • Materialien, Pflegeutensilien und medizinisch-technische Geräte wegen Gefahr der Keimverschleppung nicht in verschiedenen Haushalten benutzen

  • Bei Rückgabe ausgeliehener Hilfsmittel, z. B. Toilettenstuhl, darauf achten, dass zuvor eine reinigende Wischdesinfektion (1.6.3) durch Pflegende erfolgte

  • Waschschüsseln und -becken nach Benutzung reinigen (Haushaltsreiniger) und nur in bestimmten Infektionsfällen desinfizieren

Beobachten und Dokumentieren

  • Wie ist die hygienische Situation beim Pflegebedürftigen? Benötigt er Hilfe/Anleitung?

  • Werden erforderliche Hygienemaßnahmen abgelehnt? Dokumentation!

Vorteile der häuslichen Situation
  • Weniger Problem- oder Hospitalkeime als in stationären Einrichtungen

  • Pflegematerialien werden nicht für andere Pflegebedürftige benutzt

  • Oft sehr kooperative Pflegebedürftige und Angehörige, welche die Pflegenden in allen Wünschen unterstützen und so hygienisches Vorgehen ermöglichen

Nachteile der häuslichen Situation
  • Eine hygienisch unzulängliche Umgebung erschwert ein hygienisch korrektes Arbeiten erheblich.

  • Manchmal sind Pflegebedürftige für fachliche Informationen nicht zugänglich, z. B. steriles Material nicht offen oder „unsauber“ aufzubewahren.

Hygieneorganisation

Außer in den Krankenhaushygienegesetzen der Länder (zur Ergänzung und Aktualisierung des Infektionsschutzgesetzes) gibt es in Deutschland kaum gesetzliche Regelwerke, die sich explizit mit Hygiene befassen. Es gibt jedoch mehrere Regelungen, welche die Hygiene als Teilaspekt beinhalten. Hierzu gehören u. a.:
  • Infektionsschutzgesetz

  • Medizinproduktebetreiberverordnung (1.8.4)

  • Biostoffverordnung

  • Berufsgenossenschaftliche Regelungen zum Arbeits- und Personalschutz

Wichtige Details zur pflegerischen Hygiene enthalten u. a. die Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am Robert Koch-Institut (KRINKO), die für die aufsichtsführenden Behörden, z. B. MDK, Gesundheitsamt oder Gewerbeaufsichtsamt, als Maßstab gelten.
Hygieneplan
Ein ambulanter Pflegedienst Hygieneplanerstellt zur innerbetrieblichen Regelung der Hygiene einen Hygieneplan im Sinne einer Dienstanweisung. Die Pflegenden nehmen diesen dokumentiert zur Kenntnis und handeln verbindlich danach.
Inhalte sind z. B.:
  • Vorgaben zur Personalhygiene, z. B. Händehygiene, Schutzkleidung, Verhalten im Verletzungsfall

  • Umgebungshygiene, z. B. Entsorgung, Reinigungs- und Desinfektionsplan

  • Umgang mit Schmutzwäsche

  • Hygieneregeln zum Umgang mit Medikamenten

  • Hygienisch sichere Gestaltung medizinisch-pflegerischer Maßnahmen

  • Umgang mit Pflegehilfsmitteln/Aufbereitung von Geräten

  • Verhalten im Infektionsfall

Tipps und Tricks

Pflegedienste sollten über einen ausgebildeten Hygienebeauftragten verfügen. Entsprechende Kurse bieten Bildungs- und Hygieneinstituten an. Allerdings gibt es noch keine einheitlichen Vorgaben zu Dauer und Inhalten.

Schutz vor übertragbaren Krankheiten

InfektionsschutzDie Arbeit HygieneInfektionsschutzin der häuslichen Pflege (1.6.1) kann zu Fehlern verleiten. Daher beachten ambulant Pflegende grundlegende Prinzipien der Hygiene.
Persönliche Hygiene
Die persönliche Hygiene der Pflegenden ist von großer Bedeutung für die Reduktion der infektiösen Eigengefährdung und der Gefährdung der Pflegebedürftigen.
Allgemeine Maßnahmen
  • Hygienisch korrektes Erscheinungsbild: kurz geschnittene saubere Fingernägel, konsequenter Verzicht auf Handschmuck, kurze bzw. zusammengebundene Haare, saubere Dienstkleidung

  • Dienstkleidung sollte vom Arbeitgeber gestellt und in einer gewerblichen Wäscherei aufbereitet werden

  • Arbeitgeber stellt persönliche Schutzausrüstung (PSA) in Form von Schutzkitteln, Schürzen, Handschuhen zur Verfügung

  • Schutzkittel werden ausschließlich situationsbedingt, niemals patientenübergreifend verwendet

  • Dienstkleidung und PSA zum Wechseln im Auto deponieren

  • Pflegebedürftigen um Handtuch nur für Pflegekräfte bitten

Hände waschen
Indikation
  • Bei sichtbarer Verschmutzung der Hände.

  • Vor dem Umgang mit Lebensmitteln

  • Nach dem Toilettengang und dem Naseputzen

  • Nach dem Kontakt mit Haustieren

  • Es wird vorausgesetzt, dass der Dienst mit sauberen Händen begonnen wird.

Durchführung
  • Möglichst Verwendung hautfreundlicher Waschlotion

  • Wasser nicht zu heiß

  • Gründlich abtrocknen

  • Mit Hautpflegemittel eincremen, da kleine Risse potenzielle Infektionsquellen sind

  • Vor Arbeiten mit Wasserkontakt mit Hautschutzmittel eincremen

Vorsicht

  • Händewaschen ist keine Alternative zur Händedesinfektion!

  • Um Abnutzungsdermatosen zu vermeiden: desinfizieren statt waschen!

Benutzung von Einmalhandschuhen
Zu empfehlen sind Schutzhandschuhe gemäß DIN EN 420 und Din EN 374 Kat. I oder II in Form von Nitril-, EinmalhandschuheVinyl- oder ungepuderten Latexhandschuhen. Gepuderte Latexhandschuhe sollten aufgrund ihres hohen Allergierisikos gemieden werden.
Indikation
  • Intimpflege, Inkontinenz

  • Ansteckende Erkrankungen

  • Kontakt mit Blut und Ausscheidungen

  • Wundversorgung (4.2)

  • Versorgung Tracheostoma (4.7)

  • Kontakt mit Beatmungsschläuchen und Absauggerät (5.5)

  • Pflegerische Betreuung von Pflegebedürftigen mit MRSA und Infektionen (1.6.4)

Vorsicht

  • Das Tragen von Einmalhandschuhen ist keine Alternative zur Händedesinfektion!

  • Längeres Tragen von Handschuhen führt zur Bildung keimhaltigen Handschweißes, zudem können Handschuhe Mikroläsionen aufweisen → immer Händedesinfektion nach Ausziehen der Handschuhe!

Hygienische Händedesinfektion
Bei der korrekten HändedesinfektionDurchführung der hygienischen Händedesinfektion liegen oft Mängel vor, da häufig nicht die ganze Hand benetzt wird. An diesen Benetzungslücken werden die Keime nicht reduziert, sondern können an den Pflegebedürftigen weitergegeben werden.
Indikation
  • Vor Patientenkontakt

  • Vor aseptischen Tätigkeiten (z. B. Injektionen)

  • Nach Kontakt mit potenziell infektiösen Materialien (z. B. Urin)

  • Nach Patientenkontakt

Im Rahmen aufwendiger invasiver Maßnahmen (z. B. Verbandwechsel bei großflächigen Wunden) ist auch nach Kontakt mit der unmittelbaren Patientenumgebung eine hygienische Händedesinfektion notwendig.
Durchführung
Zur hygienischen Händedesinfektion werden 3–5 ml (Herstellerhinweis beachten) eines alkoholischen Händedesinfektionsmittels über die trockenen Hände verteilt und 30 Sek. eingerieben. Dabei werden sämtliche Innen- und Außenflächen einschließlich der Handgelenke, Flächen zwischen den Fingern, Fingerspitzen und Nagelfalze benetzt.

Info

Beachte!

  • 30 Sek. Einwirkzeit

  • Vor der Desinfektion müssen die Hände trocken sein

  • Verschmutzte Hände möglichst erst desinfizieren, dann waschen; anschließend nochmals desinfizieren

Desinfektion
Ziel: Keimzahlreduktion an DesinfektionGegenständen und Haut des Pflegebedürftigen.
Indikation
  • Kontaminierte Medizinprodukte wie Absaugvorrichtungen

  • Haut des Pflegebedürftigen vor Injektionen und Katheterisierung

  • Pflegerische Hilfsmittel bei patientenübergreifender Benutzung, z. B. Pflegebetten, Toilettenstühle

  • Kontaminierte Flächen, z. B. Tische, Arbeitsflächen.

Chemische Desinfektion
Durchführung
Medizinprodukte werden gemäß Herstellerangaben desinfiziert, z. B. Einlegen in Lösung. Haut- und Schleimhautdesinfektion erfolgt durch Aufsprühen/Aufbringen des Desinfektionsmittels. Bei der Flächendesinfektion werden die betreffenden Flächen, z. B. der Arbeitstisch, mit einer Desinfektionslösung abgewischt.
Die Anweisungen des Herstellers, z. B. zu Dosierung, Einwirkzeit und anzuwendender Schutzausrüstung, sind unbedingt einzuhalten. Ansonsten besteht die Gefahr einer ungenügenden Desinfektion. Auch die empfohlene Desinfektionszeit wird von Pflegenden beachtet. Desinfizierte Flächen können benutzt werden, sobald sie trocken sind.

Vorsicht

  • Vorsicht bei durch Viren ausgelösten Erkrankungen, wie z.B. Norovirus-Infektionen: Die meisten Desinfektionsmittel (Tab. 1.9) haben nur eine eingeschränkte viruzide Wirkung.

  • Viele der früher verwendeten Wirkstoffe und Präparate (z. B. Wasserstoffperoxid, Pyoktanin, Kaliumpermanganat, Sublimat oder Chinolinol) werden heute aufgrund einer unzureichenden Wirkung oder von Nebenwirkungen nicht mehr empfohlen.

  • Schutzhandschuhe tragen: Gefahr von Kontaktallergien durch Desinfektionsmittel

  • Lösungen in kaltem Wasser ansetzen, da bei Wärme evtl. Bildung gesundheitsschädlicher Verdunstungen.

Thermische Desinfektion
  • Mit Haushaltsgeräten wie Geschirrspülern oder Waschmaschinen wird bei entsprechender Temperaturwahl, d. h. ≥ 65 °C, eine thermische Desinfektion herbeigeführt, die zur Aufbereitung von Wäsche und Geschirr im Privathaushalt ausreicht.

  • Weitere Möglichkeiten: Abkochen und Vaporisieren von Utensilien, z. B. Sauger, Milchfläschchen.

Sterilgut
Eine zeitgemäße Aufbereitung Sterilgutsterilisationsbedürftiger Medizinprodukte, z. B. Pinzetten, Scheren oder Klemmen, ist in der ambulanten Pflege kaum praktizierbar. Falls darauf nicht verzichtet werden kann, ist die Kooperation mit Hausärzten oder Kliniken anzustreben. Sammlung, Transport und Übergabe benutzter Instrumente erfolgt trocken in geschlossenen Behältnissen.
Eine gute Alternative bietet die Verwendung von Einmalinstrumentar.

Tipps und Tricks

Umgang mit sterilen Materialien:

  • Lagerung: trocken, dunkel, staubgeschützt, kühl, z. B. im Kleiderschrank

  • Händedesinfektion vor Anfassen der Außenpackung

  • Packung nur an vorgesehener Stelle öffnen

  • Ggf. sterile Handschuhe beim Umgang mit Sterilgut

Hygienemaßnahmen im Infektionsfall

Zu den Aufgaben ambulanter Infektionmultiresistente ErregerHygienemultiresistente ErregerMultiresistente Erreger (MRE)Pflegedienste kann auch die Pflege kolonisierter oder infizierter Patienten gehören.
Hygienemaßnahmen bei multiresistenten Infektionserregern
Bei multiresistenten Infektionserregern (MRE) handelt es sich um fakultativ pathogene (u. U. krankmachende) Bakterien der körpereigenen Keimbesiedelung (Flora) mit einer ausgeprägten Resistenz gegen Antibiotika. Eine Infektionsgefahr besteht v. a. bei invasiven medizinischen Maßnahmen wie chirurgischen Eingriffen, Infusionstherapie, Beatmungen oder Katheterisierungen.
Die häufigsten MRE sind:
  • MRSA: methicillinresistenterStaphylococcus aureus Staphylococcus aureus

  • MRGN: unterschiedliche multiresistente gramnegative BakterienBakterien, multiresistente, die meist der Darmflora entstammen

  • ESBL-Bildner: unterschiedliche gramnegative Bakterien, welche die Antibiotika inaktivierende Substanz Extended Spectrum Beta-Lactamase bilden. Die meisten ESBL-Bildner sind den MRGN zuzurechnen.

  • VRE: vancomycinresistente EnterokokkenEnterokokken, vancomycinresistente (VRE)

Eigenschaften von MRSA
MRSA (alte Bezeichnung: ORSA – oxacillinresistenter Staphylococcus aureus) ist eine MRSAEigenschaftenORSAmultiresistente Variante des Bakteriums Staphylococcus aureus, wobei folgende Unterformen unterschieden werden:
  • HA-MRSA (hospital acquired MRSA): meist bei mehrfach erkrankten, disponierten Menschen und in stationären medizinischen Einrichtungen. I. d. R. ist HA-MRSA gemeint, wenn von MRSA gesprochen wird.

  • CA-MRSA (community acquired MRSA): tritt unabhängig von disponierten Personen und Krankenhausaufenthalten auf, hat eine ausgeprägte Tendenz zur epidemischen Verbreitung und verursacht schwere Pneumonien und Abszesse.

  • LA-MRSA (livestock associated MRSA): hat sich im Rahmen der Nutztierhaltung (z. B. Schweinemast) entwickelt. Betroffen sind Landwirte, Veterinäre etc.

Abgesehen von der Multiresistenz entsprechen die weiteren Eigenschaften dieser Keime denen anderer Staphylococcus-aureus-Stämme:
  • Staphylococcus aureus besiedelt Haut und Schleimhaut von Mensch und Tier unbemerkt und meist folgenlos. Häufigster Ansiedlungsort ist der Nasen-Rachen-Raum.

  • Unter bestimmten Vorrausetzungen (z. B. Vorhandensein dauerhafter invasiver Zugänge und chronischer Wunden mit hochgradiger Abwehrschwäche) können durch diesen Keim vielfältige lokale (z. B. Abszesse oder Wundinfektionen) und systemische Infektionen (z. B. Pneumonien, Sepsen oder Lebensmittelvergiftungen) entstehen.

  • Staphylococcus aureus kann durch direkte und indirekte Kontakte, aerogen und über Lebensmittel übertragen werden.

  • In seiner Variante MRSA wird er insbesondere in stationären Einrichtungen übertragen, v. a. im Zuge medizinisch-pflegerischer Maßnahmen und über MRSA-besiedelte Mitpatienten.

  • Diese Gefahren bestehen innerhalb der ambulanten Pflege in einem weit geringeren Maße.

Eigenschaften von MRGN bzw. ESBL-Bildnern
  • Bei MRGNMRGN bzw. ESBL-BildnernESBL-Bildner handelt es sich um die multiresistenten Varianten von Bakterien der Darm- oder Genitalflora, wie z. B. Escherichia coli, Klebsiella-, Proteus-, Serratia-, Enterobacter-, Hafnia-, Citrobacter- oder Salmonella-Arten. Entsprechend ihrer Herkunft erfolgt die Übertragung meist im Rahmen medizinisch-pflegerischer Maßnahmen bzw. beim Umgang mit Urin oder Fäkalien.

  • MRGN verursachen ebenso wie HA-MRSA eher Besiedelungen (Kolonisationen) als Infektionen. Als Erreger von Harnwegs-, Wund- und Atemwegsinfektionen treten sie meist als Folge einer Kontaktübertragung im Zusammenhang mit invasiven Maßnahmen wie Katheterisierungen, Beatmungen oder Operationen in Erscheinung.

Bei der Pflege von mit multiresistenten Infektionserregern kolonisierten Personen ist ein Abweichen von der Standardhygiene nur in einigen Punkten notwendig:
Allgemeine Maßnahmen
  • Wenn möglich sollen MRE-positive Patienten am Ende einer Tour versorgt werden.

  • Alle Akteure um den Pflegebedürftigen, z. B. Ärzte, Angehörige, Ergotherapeuten oder Krankengymnasten, müssen mit Einverständnis des Patienten über den bestehenden Sachverhalt informiert werden.

  • Bei einer Krankenhauseinweisung wird das Pflegepersonal vom ambulanten Pflegedienst telefonisch bzw. per Pflegeüberleitungsblatt informiert. Die behandelnden Ärzte werden vom Hausarzt frühzeitig informiert.

Spezielle Hygiene
  • !

    Strikte Durchführung der hygienischen Händedesinfektion (1.6.3)

  • Bei Durchführung der Grund- und Behandlungspflege bzw. bei möglichem Kontakt mit Körpersekreten und -ausscheidungen Anlegen von:

    • Schutzkittel

    • Mund-Nasen-Schutz

    • Schutzhandschuhen

  • Schutzkittel werden vor dem Verlassen des Zimmers ausgezogen und verbleiben im Zimmer. Täglicher Wechsel, bei sichtbarer Kontamination sofort

  • Körper- und Bettwäsche möglichst bei Temperaturen von mind. 60 °C waschen

  • Zimmerreinigung, Reinigung von Geschirr und Abfallentsorgung wie üblich

  • Kontaminierte Flächen mit einem Flächendesinfektionsmittel wischdesinfizieren

  • Medizinisch-pflegerische Hilfsmittel und Geräte wie Blutdruckmessgeräte patientengebunden verwenden

  • Information und Anleitung der Angehörigen über Hygienemaßnahmen

MRSA-Sanierung (Dekontamination)
Im Falle von MRSA besteht MRSASanierungteilweise die Möglichkeit, den Erreger durch Anwendung einer antibiotischen Nasensalbe (Wirkstoff: Mupirocin) und antiseptischer Substanzen (Octenidin- oder Polyhexanidlösungen) zu eliminieren (Tab. 1.10). Bei Vorliegen sanierungshemmender Faktoren (wie kolonisierten chronischen Wunden, Tracheostoma, PEG, Harndrainage) ist ein langfristiger Erfolg meist nicht gegeben.
Die Frage der Sanierungseignung ist ärztlicherseits abzuklären. Jedoch soll eine im Krankenhaus begonnene Therapie oder Sanierung nach genauer Anweisung des Krankenhauses unter ärztlicher Kontrolle stets zu Ende geführt werden.
Hygienemaßnahmen bei Gastroenteritiden
HygieneGastroenteritidenBei gastrointestinalen, d. h. den Magen-Darm-Trakt betreffenden Infektionen werden Lebensmittelvergiftungen von infektiösen Gastroenteritiden unterschieden.
Lebensmittelvergiftung
  • Meist Lebensmittelvergiftungdurch falschen Umgang mit Lebensmitteln bzw. ungenügende Küchenhygiene verursacht

  • Betroffene Haushaltsmitglieder erkranken typischerweise nahezu zeitgleich

  • Inkubationszeit meist nur wenige Stunden

  • Gefährdung für das Personal besteht nicht

Infektiöse Gastroenteritis
  • GastroenteritisInfektionGastroenteritisWird durch Schmierinfektion fäkal-oral übertragen, d. h. Spuren erregerhaltiger Fäkalien gelangen über Hände bzw. Gegenstände zum Mund.

  • Auslöser sind Bakterien, z. B. Salmonellen, oder Viren wie Rota- oder Noroviren.

  • Virale Erreger haben eine besonders hohe Infektiosität und damit die Tendenz, Epidemien auszulösen und das Pflegepersonal zu gefährden.

  • Bei der Pflege infizierter Kinder sind dies Rota-, bei infizierten Erwachsenen Noroviren, die auch aerogen infizieren können.

Vorsicht

  • Bereits kleinste virale Mengen sind ansteckend!

  • Zum Schutz vor einer weiteren Ausbreitung des Virus werden strikte Hygienemaßnahmen durchgeführt!

Maßnahmen zum Schutz des Personals vor Ansteckung
  • Information der Pflegedienstleitung

  • Betreuung durch möglichst wenige Personen

  • Erkranktes Personal wird sofort bei Einsetzen der Symptome vom Dienst ausgeschlossen

  • !

    Bei Ausbreitung infektiöser Gastroenteritiden innerhalb des Personals ist unverzüglich der betriebsärztliche Dienst zu informieren. Dieser veranlasst ggf. eine Meldung gemäß § 6 IfSG an das Gesundheitsamt.

Maßnahmen im Haushalt des Erkrankten
  • Anlegen von Schutzkittel, Mund-Nasen-Schutz und Schutzhandschuhen.

  • Schutzkittel werden vor dem Verlassen des Zimmers ausgezogen und verbleiben im Zimmer.

  • Schutzkittel werden täglich gewechselt, bei sichtbarer Kontamination sofort.

  • Tägliche Desinfektion des Sanitärbereichs und von benutzten Pflegeutensilien mit einem virensicheren Flächendesinfektionsmittel (Tab. 1.11)

  • Verwendung eines virensicheren Händedesinfektionsmittels. Hierbei verlängerte Einwirkzeit von 2 Min. beachten. Die üblichen Indikationen zur hygienischen Händedesinfektion sind strikt einzuhalten!

  • Körper- und Bettwäsche bei Temperaturen > 60 °C waschen.

  • Entsorgung von Geschirr und Abfällen wie gewohnt (1.6.3).

Tipps und Tricks

  • Auf virensichere Desinfektionsmittel achten (Tab. 1.11)

  • Pflegedienste haben „Noro-Tüte“ für Notfall mit folgendem Inhalt:

    • 3 langärmlige Schutzkittel

    • 10 mehrlagige Mund-Nasen-Masken

    • 1 Flasche virensicheres Händedesinfektionsmittel, z. B. Sterillium virugard®

    • 3 Beutel viruzides Flächendesinfektionsmittel, z. B. Dismozon® pur

Hygienemaßnahmen bei Ektoparasitenbefall
HygieneEktoparasitenbefallEktoparasiten wie EktoparasitenbefallLäuse, LäuseFlöhe, FlöheWanzen oder WanzenKrätzmilben können Krankheitserreger Krätzmilbenübertragen und verursachen unabhängig davon Beschwerden. Jeder Ektoparasitenbefall ist obligat behandlungsbedürftig. Bei der Pflege betroffener Personen besteht eine unterschiedlich ausgeprägte Ansteckungsgefahr. Pflegende müssen sich schützen. Eine sehr ernst zu nehmende Ansteckungsgefahr besteht für das Pflegepersonal bei Kontakt mit Personen, die an der durch Krätzmilben hervorgerufenen Erkrankung Scabies (Krätze) leiden.
Maßnahmen beim Pflegebedürftigen
  • Bei Befall mit Ektoparasiten umgehende Information des Hausarztes

  • Behandlung:

    • Antiparasitäre Mittel (in der Apotheke erhältlich)

    • Haut muss vor Applikation des Mittels trocken sein

    • Verwendung von Schutzhandschuhen

    • Informationen des Beipackzettels beachten

  • Kleidung der betroffenen Person:

    • Als Kochwäsche behandeln oder verwerfen (nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Pflegebedürftigen!)

    • Alternativ mit einem dafür vorgesehenen Insektizid behandeln und danach mit niedrigeren Temperaturen waschen

  • Ausschließliche Verwendung kochfester Bekleidung und Bettwäsche, täglicher Wechsel

  • Schmutzwäsche umgehend und getrennt von anderer Wäsche des Haushalts waschen

Maßnahmen im Haushalt des Erkrankten
  • Wenn ein umgebungsbezogenes Problem, z. B. Wanzen, vermutet werden muss → Hinzuziehung eines Schädlingsbekämpfers.

  • Desinfektionsmittel sind gegenüber Ektoparasiten unwirksam. Nach Abschluss der Entwesungsmaßnahmen muss daher lediglich auf eine gründliche Reinigung des Patientenzimmers und des zugehörigen Sanitärbereichs geachtet werden.

  • V. a. bei Krätzmilben und Wanzen sollten benutzte Matratzen und nicht waschbare Inletts oder Kissen entweder entsorgt oder unter Hinzuziehung eines Schädlingsbekämpfers einer Entwesungsmaßnahme unterzogen werden.

Maßnahmen zum Schutz des Personals
  • Verwendung patientengebundener langärmliger Schutzkittel und Schutzhandschuhe

  • Personengebundene Verwendung medizinisch-pflegerischer Materialien und Gegenstände

Tipps und Tricks

Das Pflegepersonal übernimmt keinerlei Maßnahmen der umgebungsbezogenen Schädlingsbekämpfung, wie das Aufstellen von Insektenfallen oder die Anwendung von Schädlingsbekämpfungsmitteln.

Hygienemaßnahmen bei hämatogen übertragbaren Erkrankungen
Hämatogen übertragbare Erkrankungen (wie Hepatitis B und C oder HIV)InfektionHepatitisInfektionHIVHygieneHIVHygieneHepatitis stellen für die Patienten und für das Personal eine sehr ernst zu nehmende Gefahr dar.
  • Patienten sind v. a. durch mehrfach zu verwendende, aber unzureichend aufbereitete Medizinprodukte bzw. Instrumente gefährdet. Diese Gefahr ist in Kliniken oder Arztpraxen, kaum aber in der ambulanten Pflege gegeben.

  • Das Personal ist gefährdet, wenn es im Zuge der Behandlungspflege zu einer Verletzung mit zuvor invasiv genutzten Medizinprodukten kommt, z. B. Kanülenstichverletzung.

Da hämatogen übertragbare Infektionserreger bei kaum einem Patienten auszuschließen sind, gehört die Prävention entsprechender Erkrankungen zur Basishygiene:
  • Impfung des Personals gegen Hepatitis B. Diese ist vom Arbeitgeber kostenlos anzubieten

  • Verletzungssichere Kanülen, Venenzugänge und Lanzetten verwenden

  • Schutzkappen von Kanülen nicht wieder aufstecken (Recapping)

  • Bei möglichem Kontakt mit Blut, Körpersekreten etc. Schutzhandschuhe tragen

  • Entsorgung von Kanülen, Lanzetten etc. über durchstichfeste Behältnisse

  • Im Verletzungsfall unverzüglich eine Ambulanz oder einen niedergelassenen Durchgangsarzt aufsuchen

Zusammenarbeit mit und Unterstützung von pflegenden Angehörigen

Anja Palesch

Zusammenarbeit mit pflegenden Angehörigen

Die pflegenden AngehörigenZusammenarbeitAngehörige sind die größte Ressource und häufig Ansprechpartner für die Pflegekräfte des ambulanten Dienstes. Sie haben daher eine zentrale Bedeutung. Bei der Versorgung des Pflegebedürftigen werden Aufgaben und Kompetenzen zwischen Pflegenden und Angehörigen geteilt. Angehörige werden als Angehörige, pflegendeZusammenarbeitgleichwertiger Partner in die Pflege einbezogen. Obwohl sie meist über kein systematisches Fachwissen verfügen, sind sie dennoch Experten für die Lebenssituation, für die Wünsche und Bedürfnisse des Pflegebedürftigen.
Situation pflegender Angehöriger
Um pflegende Angehörige möglichst effektiv zu unterstützen, ist es erforderlich, deren Situation und die Auswirkungen der Pflegetätigkeit zu kennen. Meist pflegen Frauen ihre Angehörigen (als Ehefrau, Tochter oder Mutter). Außerdem wird die Pflege meist von nur einer Hauptpflegeperson durchgeführt.
Belastungen für die Angehörigen
  • Angehörige, pflegendeBelastungenVeränderung der Lebensplanung und des Tagesrhythmus

  • Vermehrte seelische und körperliche Anstrengung

  • Mangelnde pflegerische Kenntnisse

  • Altersentsprechende und belastungsbedingte gesundheitliche Einschränkungen

  • Gefühl des Angebundenseins

  • Durchschnittliche Pflegedauer beträgt 8 Jahre

  • Besondere Belastungen:

    • Versorgung bei Inkontinenz

    • Persönlichkeitsverändernde Erkrankungen wie Depression oder Demenz

    • Versorgung von Sterbenden

  • Fehlende Anerkennung der Pflegetätigkeit

  • Fehlende gesellschaftliche Anerkennung

Mögliche Auswirkungen auf die Angehörigen
Psychische Auswirkungen:
  • Gefühl der Überforderung

  • Angst, dauernde Sorge

  • Schlaflosigkeit, Müdigkeit

  • Depression

  • Ruhelosigkeit

  • Schuldgefühle

  • Reizbarkeit, Ärger, Wut, Aggression

  • Scham gegenüber sich selbst bzw. dem Pflegebedürftigen

Soziale Auswirkungen:
  • Vernachlässigung sozialer Kontakte (Isolation)

  • Beziehungsprobleme mit Partner

  • Probleme in der Familie

Körperliche Auswirkungen:
  • Magen- und Darmbeschwerden

  • Nacken- und Rückenschmerzen

  • Kopfschmerzen

  • Schlafstörungen

  • Unwohlsein

  • Konzentrationsprobleme

Ökonomische Auswirkungen: Berufstätigkeit aufgegeben oder eingeschränkt → dadurch geringeres Einkommen.
Einstellung Pflegender gegenüber Angehörigen
  • Wertschätzung der Angehörigen und ihrer Pflegetätigkeit

  • Eigenes Fachwissen und das Wissen der Angehörigen zur gemeinsamen Arbeitsgrundlage machen

  • Vertrauensvolle partnerschaftliche Beziehung herstellen

  • Angewohnheiten akzeptieren und darauf eingehen

  • Kritik ernst nehmen und im Gespräch klären

  • Sich nicht vereinnahmen lassen, professionelle Distanz wahren

Professioneller Umgang mit Angehörigen
  • Beratung und Anleitung in pflegerischen Belangen, z. B. Hebegriffe, rückengerechte Arbeitsweise, Umgang mit Hilfsmitteln, Erleichterung durch Veränderung der räumlichen Ausstattung

  • Beratung über Erkrankung und deren möglichen Konsequenzen, Erklären ärztlich angeordneter Maßnahmen

  • Angehörigen Gesprächsführung überlassen: Tabuthemen wie Ekel, Wut, Zorn, Trauer oder Aggression dürfen angesprochen werden

  • Anbieten von Entlastungsangeboten (wird meist erst nach viel Zureden angenommen, oftmals gar nicht!):

    • Kurs für pflegende Angehörige, häusliche Pflegeberatung, Selbsthilfegruppen (1.7.4)

    • Kurzzeit- oder (auch stundenweise) Verhinderungspflege, Tages- oder Nachtpflege (1.2.1)

    • Zusätzliche Betreuungsangebote

  • Schweigepflicht beachten (1.8.3), nicht über andere reden: Angehörige bekommen sonst das Gefühl, es wird auch über sie geredet

  • Durch Dienstanweisung regeln, ob Geschenke angenommen werden können; z. B. Tasse Kaffee oder Apfel, Geldgeschenke

Tipps und Tricks

Beziehungen, die über Jahrzehnte bestehen, können durch Pflegende selten verändert werden → manche negativen Verhaltensweisen müssen akzeptiert werden. Jedoch keine Akzeptanz bei der Ausübung von Gewalt, AngehörigeGewalt durch Angehörige, pflegendeGewaltAngehörige:

  • Auf Zeichen möglicher Gewaltausübung achten, z. B. Hämatome, Frakturen

  • Gespräch mit Betroffenem und Angehörigen

  • Information von Pflegedienstleitung und Hausarzt

  • Ggf. Anzeige bei der Polizei erstatten

Beratung und Schulung pflegender Angehöriger

BeratungAngehörigePflegende Angehörige, pflegendeBeratung, SchulungAngehörige sind in der ambulanten Pflege die „unverzichtbaren Dritten“. Die Pflegenden beziehen sie ein und fördern sie.
Pflegepflichteinsätze nach § 37 Abs. 3 SGB XI
Angehörige, Pflegepflichteinsatzdie den Pflegebedürftigen ohne Unterstützung eines Pflegedienstes versorgen, sind verpflichtet, in regelmäßigen Abständen einen Beratungsbesuch durch ambulante Pflegedienste abzurufen (1.2).
Ziel: beratende Unterstützung bei der Bewältigung pflegebedingter Probleme. Der Besuch wird von pflegenden Angehörigen oder Pflegebedürftigen jedoch oft als Kontrolle erlebt → zuerst Vertrauen aufbauen! Der Besuch ist kostenpflichtig (22 € oder 33 €), die Kosten werden jedoch von der Pflegekasse erstattet.
Inhalte
  • Information über Leistungen der Pflegeversicherung (1.2.1)

  • Hinweise zu Pflegehilfsmitteln, z. B. Pflegebett, Toilettensitzerhöhung, Lifter, Gehhilfen (2.2.3)

  • Prophylaxen (3), Lagerungsmöglichkeiten, rückengerechtes Arbeiten (1.10.3)

  • Belastung der Angehörigen in der individuellen Pflegesituation

  • Vermittlung weiterer Unterstützungsmöglichkeiten, z. B. Pflegekurse, Selbsthilfegruppen, Essen auf Rädern, Hauswirtschaft, Entlastungsleistungen und zusätzliche Betreuungsangebote

  • Informationen über Leistungen des Pflegediensts

Vorgehensweise
  • Telefonische Terminvereinbarung, Anwesenheit des Pflegebedürftigen und der pflegenden Angehörigen

  • Aufwärmphase: Begrüßung und Vorstellung

  • Sensibles Fragen nach Befinden von Pflegebedürftigem und Angehörigen

  • Beobachtung, Inspektion, z. B. Dekubitusgefährdung, Verdacht auf Gewalt

  • Empfehlungen geben, Hilfsmöglichkeiten aufzeigen

  • Ausfüllen und Unterschreiben des Formulars

  • Abschied und evtl. neuen Termin vereinbaren

Formalitäten
  • Besuch bei Pflegestufe I/II einmal im Halbjahr, bei Pflegestufe III vierteljährlich. Mögliche Änderungen ab 2017 (für die Pflegegrade) waren bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt. Diese werden zu gegebener Zeit in den Richtlinien des MDS (Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen) festgelegt.

  • Bei Nichterfüllung kann Pflegekasse die Geldleistungen kürzen.

Erforderliche Unterlagen
  • Formular für Pflegekasse („Nachweis über einen Beratungseinsatz nach § 37 Abs. 3 SGB XI“) kann bei dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) unter www.gkv-spitzenverband.de, Rubrik Pflegeversicherung/Richtlinien, Vereinbarungen, Formulare heruntergeladen werden) → Kopie verbleibt beim Pflegebedürftigen

  • Ausfüllen eines Leistungsnachweises zur Abrechnung

  • Einrichtungsinterne Dokumentationsunterlagen:

    • Mit persönlichen Daten des Pflegebedürftigen (auch Pflegegrad, medizinische Diagnosen, pflegeauslösende Situation)

    • Name und Adresse des pflegenden Angehörigen

    • Datum und Name der beratenden Pflegekraft

    • Fähigkeiten/Ressourcen und Probleme

    • Vorhandene Hilfsmittel

    • Empfehlungen der Pflegekraft

    • Anlageblätter für Wiederholungseinsätze (bei Veränderungen im Vergleich zum Ersteinsatz)

Weitere Beratungshilfen
  • Übersicht über Leistungskomplexe nach SGB XI mit Kostenangaben

  • Visitenkarte, Informationsmaterial über Pflegedienst

  • Hilfsmittelkatalog, Informationen über Inkontinenz

  • Adressen/Telefonnummern, z. B. von Selbsthilfegruppen, Essen auf Rädern

Tipps und Tricks

Aufgrund der Kürze und Seltenheit der Besuche werden emotionale Probleme von den pflegenden Angehörigen kaum angesprochen. Die Beratung erfolgt überwiegend an pflegerischen Inhalten orientiert. Im Rahmen von Pflegekursen, häuslicher Pflegeberatung und Selbsthilfegruppen (siehe unten) können Angehörige eventuell besser die eigene Überforderung, Ängste etc. thematisieren.

Kurse für pflegende Angehörige
Werden von Pflegekassen in Angehörige, pflegendeKursePflegekursZusammenarbeit mit ambulanten Pflegediensten angeboten.
Ziel: Schulung und Entlastung pflegender Angehöriger.
Je nach Pflegekasse und Teilnehmeranzahl sind mehrere Varianten möglich:
  • Klassisch über 10 Doppelstunden

  • Schnupper- bzw. Intensivseminare mit jeweils 2–3 Doppelstunden

Pflegekassen geben inhaltliche Ausgestaltung vor. Die Kursleitung sollte über eine pädagogische Zusatzausbildung verfügen.
Weitere Ziele: Folgende Bereiche der menschlichen Persönlichkeit sind zu berücksichtigen:
  • Wissen: Angehöriger versteht pflegerische Zusammenhänge, Veränderungen beim Pflegebedürftigen werden richtig interpretiert.

  • Handeln: Angehöriger kann Erlerntes anwenden, bei Veränderung des Pflegebedürftigen wird sicher gehandelt.

  • Fühlen: Emotionale Überzeugungen tragen zur Stabilisierung der Pflege bei; Entwicklung von Strategien, um mit Pflegebelastungen besser umzugehen; Wahrnehmung eigener Grenzen, um rechtzeitig Hilfe anzufordern.

Mögliche Inhalte (Pflegekurs mit 10 Doppelstunden)
  • Leistungen der Kranken- und Pflegekassen, Entlastungs- und Unterstützungsmöglichkeiten durch ergänzende Dienste

  • Aspekte zur Krankenbeobachtung

  • Ganzwaschung, Haarwäsche im Bett, Inkontinenzversorgung

  • Sämtliche Prophylaxen (3)

  • Lagerungs- und Transfermöglichkeiten, rückengerechtes Arbeiten, Pflegehilfsmittel

  • Informationen über bestimmte Krankheitsbilder

  • Ernährung bezogen auf bestimmte Krankheitsbilder, Bedeutung ausreichender Flüssigkeitszufuhr, Ausscheidungs- und Verdauungsstörungen

  • Umgang mit Medikamenten

  • Selbstpflege des Angehörigen

  • Umgang mit schwierigen Situationen (z. B. bei Demenz)

  • Tod und Sterben

Vorteile
  • Niedrige Hemmschwelle

  • Austausch mit Personen in ähnlicher Situation → entlastend

  • Möglicher Übergang, um an einer Selbsthilfegruppe teilzunehmen

  • Öffentlichkeitsarbeit/Gewinnung neuer Kunden für ambulanten Pflegedienst

Nachteil
  • Die Versorgung des Pflegebedürftigen während der Zeiten der Kursteilnahme des Angehörigen muss organisiert werden.

Tipps und Tricks

Bei einer geringen Teilnehmerzahl empfiehlt es sich, die häusliche Pflegeberatung anzubieten, sodass die Finanzierung gewährleistet ist.

Häusliche Pflegeberatung nach § 45 Abs. 1 SGB XI
Pflegeberatung, häuslicheHäusliche PflegeberatungWeiteres Entlastungsangebot für Angehörige.
Laut Pflegeversicherungsgesetz ist die häusliche Pflegeberatung eine Schulung in der Häuslichkeit des Pflegebedürftigen.
  • Vorteil: Pflegende Angehörige müssen das Haus nicht verlassen, individuelle Probleme vor Ort werden erkannt.

  • Nachteil: Stundenumfang deutlich geringer als bei klassischem Pflegekurs, Austausch mit anderen Betroffenen nicht möglich.

Tipps und Tricks

Ambulanten Pflegediensten ist die Möglichkeit der häuslichen Pflegeberatung häufig nicht bekannt.

Grundsätze
  • Emotionale Wärme, Akzeptanz des pflegenden Angehörigen

  • Sich in Angehörigen einfühlen

  • Ziel: Entscheidungshilfen geben, nicht Entscheidung abnehmen

  • Entscheidungen des Angehörigen werden von Pflegenden akzeptiert

Ziele und mögliche Inhalte
Wie bei Kursen für pflegende Angehörige (siehe oben). Inhalte individuell nach Bedarf des pflegenden Angehörigen auswählen.
Phasen des Beratungsprozesses
Um die Beratung möglichst effektiv zu gestalten, empfiehlt sich ein systematisches Vorgehen nach einer Checkliste (Tab. 1.12).
Weitere Tipps
  • W-Fragen stellen, z. B. „Was möchten Sie wissen?“ oder „Warum fühlen Sie sich überfordert?“

  • Aktives Zuhören (2.1.3)

  • Angehörigen Zeit geben, ihre Gefühle zu äußern; Verständnis zeigen

  • Nicht vorschnell Ratschläge erteilen

  • Bei der Vermittlung von Wissen an Bekanntes anknüpfen

  • Dosiert informieren, Wiederholungen

  • Praktische Übungen, z. B. Lagerung

  • Informationsmaterialien zur Verfügung stellen, z. B. Broschüren, Patientenratgeber

Formalitäten
  • Beratungskonzept:

    • Pflegende planen die Beratung anhand der Phasen des Beratungsprozesses: Anfertigung von Notizen

    • Systematisches Vorgehen

    • Pflegekraft weiß, wo sie beim nächsten Besuch anknüpfen muss

  • Beratungsnachweis für Pflegekasse (wird vor Beginn von zuständiger Pflegekasse angefordert):

    • Gibt Auskunft über Beratungsinhalte, von der Pflegekraft gegebene Empfehlungen

    • Dient als Leistungsnachweis

    • Datum, Unterschrift von Pflegebedürftigem/Angehörigen und Pflegekraft

Gesetzlicher Anspruch für pflegende Angehörige

Pflegezeitgesetz:Seit dem 01.07.2008 Pflegezeitgesetz (Pflegezeitgesetz) haben Arbeitnehmer einen Anspruch auf Freistellung von der Arbeit zur Pflege eines pflegebedürftigen nahen Angehörigen. Es muss eine Einstufung in eine Pflegestufe/Pflegegrad erfolgen. Während der Zeit der Freistellung besteht Kündigungsschutz. Die Sozialabgaben werden z. T. von der Pflegekasse des Pflegebedürftigen getragen.
Familienpflegezeitgesetz:FamilienpflegezeitgesetzPflegende Angehörige haben seit dem 01.01.2015 (Familien-Pflegezeit) bei Vorliegen der Voraussetzungen zusätzlich einen gesetzlichen Anspruch auf eine zeitweise Verkürzung der Arbeitszeit oder eine Auszeit zur Pflege des nahen Angehörigen. Angehörige, pflegendeFamilienpflegezeit
Drei Möglichkeiten zur Entlastung
  • Kurzzeitige Arbeitsverhinderung: Angehörige, pflegendeArbeitsverhinderungWenn ganz plötzlich ein naher Angehöriger gepflegt werden muss, kann der Angehörige bis zu 10 Tagen der Arbeit fern bleiben. Es wird kein Lohn gezahlt, jedoch kann PflegeunterstützungsgeldPflegeunterstützungsgeld gezahlt werden. Dieses kann bei der Pflegekasse des Pflegebedürftigen beantragt werden. Der Sozialversicherungsschutz bleibt während der Freistellung bestehen. Ankündigungsfrist: keine.

  • Pflegezeit: Pflegezeit/FamilienpflegezeitFreistellung des pflegenden Angehörigen bis zu 6 Monaten (ganz oder teilweise möglich), keine Entlohnung. Achtung: Lohnnebenkosten (z B. Kranken- und Pflegeversicherung) werden teilweise von der Pflegekasse des Pflegebedürftigen übernommen, wenn nicht gearbeitet wird. Der Anspruch besteht nur in Betrieben mit mehr als 15 Beschäftigen und ist vorher beim Arbeitgeber zu beantragen. Zur finanziellen Entlastung ist es möglich, ein zinsloses Darlehen zu beantragen. Ankündigungsfrist:10 Tage.

  • Familienpflegezeit: Teilweise Freistellung des pflegenden Angehörigen bis zu 24 Monaten (keine Entlohnung, zinsloses Darlehen vom Bundesamt für Familie und zivilrechtliche Aufgaben). Die verbleibende Arbeitszeit muss mindestens 15 Wochenstunden betragen. Der Anspruch gilt in Betrieben ab mehr als 25 Beschäftigen. Ankündigungsfrist: 8 Wochen.

Info

Wichtiger Hinweis

Die Pflegezeit und die Familienpflegezeit müssen vorher beim Arbeitgeber beantragt werden. Zusätzlich wird eine ärztliche Bescheinigung oder der Bescheid der Pflegekasse des Pflegebedürftigen benötigt, dass eine Pflegebedürftigkeit bei dem nahen Angehörigen vorliegt. Die Gesamtdauer aller Auszeiten ohne die kurzfristige Arbeitsverhinderung beträgt max. 24 Monate.
Servicetelefon des Bundesministeriums zu allen Fragen: 030-20179130
Internet: www.bmfsfj.de

Selbsthilfegruppen für pflegende Angehörige

SelbsthilfegruppenEmotionale Angehörige, pflegendeSelbsthilfegruppenLernprozesse stehen im Vordergrund. Gruppe kann bei und kurz nach der Gründung von Pflegekräften geleitet werden. Langfristig wird die Leitung von pflegenden Angehörigen übernommen – als Voraussetzung für die finanzielle Förderung der Selbsthilfegruppe durch die Pflegekassen.
Grundsätze
  • Gruppenmitglieder entwickeln aus ihrer gemeinsamen Betroffenheit Solidarität, Verständnis und gegenseitige Hilfe

  • Erfahrungsaustausch, z. B. bei der Nutzung bestimmter Hilfsmittel

  • Stärkung des Selbstbewusstseins durch Gruppenerfahrung

  • Vermittlung von Problemlösungsstrategien durch Gruppe

  • Aufhebung der sozialen Isolation pflegender Angehöriger

  • Vertraulichkeit des Besprochenen

Durchführung
  • 6–12 Mitglieder

  • Treffen finden meist monatlich für 2 Std. statt

  • Alle Mitglieder haben Verantwortung für das Gruppengeschehen → Pflegende halten sich im Gespräch zurück, moderieren eher

  • Gelegentlich thematische Schwerpunkte und gemeinsame Freizeitaktivitäten

Formalitäten
Fördermittel können beantragt werden → bis Ende Januar sind die Anträge für das kommende Jahr bei den jeweiligen Stellen abzugeben. Die Verwendung der finanziellen Mittel für das abgelaufene Jahr ist in schriftlicher Form beizufügen.
  • Höhe der Fördermittel ist abhängig von der Anzahl der Gruppenmitglieder

  • Fördermittelanträge können bei folgenden Stellen eingereicht werden:

    • Pflegekassen

    • Landkreis

    • Stadtverwaltung

Tipps und Tricks

Es kann schwierig sein, Mitglieder für eine Selbsthilfegruppe über Öffentlichkeitsarbeit/Presse zu gewinnen. Oft kann der Pflegebedürftige nicht alleine bleiben (Vorwand?). Außerdem gibt man beim Besuch einer Selbsthilfegruppe scheinbar eine Überforderung zu. Hilfreich kann es sein, die Selbsthilfegruppe in der Presse als „Gesprächskreis“ zu bezeichnen: Dies senkt die Hemmschwelle für einen Besuch! Werbung am besten über:

  • Pflegekurse, häusliche Pflegeberatung,

  • Empfehlung bei Pflegepflichteinsätzen,

  • bei der täglichen Pflegetätigkeit.

Weitere Informationen: NAKOS (Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen) www.nakos.de/themen/pflege

Info

Wichtiger Hinweis

Gewalt in der häuslichen Pflege ist noch immer ein Tabuthema. Alle Beteiligten leiden darunter. Es gibt ein Krisentelefon für schnelle Hilfe: 01802 49 48 47
Weitere Infos im Internet (z. B. bundesweite Liste): www.pflege-gewalt.de
Spezialangebot für Angehörige von demenziell veränderten Menschen:
Tel: 030 47 378 995 (Alzheimer Angehörigen-Initiative e.V.) oder 030 259 379 514 (Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V.)

Konflikte mit Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen

  • ErwartungshaltungAngehörige, pflegendeKonflikte: Finanzierung aller erforderlichen Leistungen. Bewusstsein für erforderliche Zuzahlungen, z. B. für Medikamente oder Fahrtkosten, entwickelt sich nur langsam

  • Verärgerung und Unverständnis, durch Pflegebedürftigkeit finanzielle Einbußen zu erleben

  • Unverständnis, dass nicht alle zeitlichen Wünsche berücksichtig werden können

  • Physische und psychische Überforderung der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen aufgrund der entstandenen Pflegesituation, z. B. Anwendung von Hilfsmitteln, Rollenverschiebung, berufliche Einschränkung

  • Manche Pflegebedürftige fühlen sich durch Zeitdruck der Pflegenden vernachlässigt

  • Sehr sparsame Bereitstellung von Verbrauchsmaterialien und Wäsche durch Pflegebedürftigen/Angehörige

  • Ablehnung räumlicher Anpassungen, da die vertraute Umgebung verändert werden soll, z. B. Beseitigung von Stolperfallen, Anbringung eines Deckenlifters

Mögliche Probleme mit Angehörigen
  • Gefahr des Burnouts der Angehörigen

  • Fachwissen der Pflegenden wird evtl. infrage gestellt, da oft jahrelange Erfahrung bei der Betreuung des Pflegebedürftigen besteht

  • Skepsis gegenüber Neuerungen, z. B. Pflegehilfsmittel, Lagerungstechniken

  • Ablehnung aktivierender Pflege mit dem Argument, dass Pflegekraft schließlich für ihre Leistungen bezahlt wird

  • Verwöhnen des Pflegebedürftigen, ihm alles abnehmen wollen

  • Unverständnis oder Verdrängung einer fortschreitenden Zustandsverschlechterung oder des nahen Todes

Handlungsmöglichkeiten
  • Verständnis für das Gegenüber zeigen

  • Mit dem Pflegebedürftigen und seinen Angehörigen bewusst und wertschätzend kommunizieren

  • Information geben, z. B. Pflegeversicherung hat nur „Teilkaskofunktion“, zu gesetzlichen Ansprüchen oder zu Entlastungsangeboten

  • Erfordernisse mit einfachen Worten erklären oder Hilfsmittel anfangs gemeinsam anwenden

  • Unbedingt auf die eigene Gesundheit achten, z. B. rückengerechte Arbeitsbedingungen (1.10.3)

  • Akzeptanz der Eigenverantwortung von Pflegebedürftigen und Angehörigen

Rechtliche Grundlagen

Markus Gormanns

Allgemeine rechtliche Bestimmungen

Ambulante Pflege: stellt selbstständiges Rechtsgebiet im Pflege- und Krankenversicherungsrecht dar. Umfasst Gesamtheit der im Haushalt erbrachten Pflegeleistungen. Unter Haushalt versteht man die häusliche, wohnungsmäßige und familienhafte Wirtschaftsführung; zunehmend findet häusliche Pflege auch in Wohngemeinschaften und betreuten Wohnformen statt; oft muss eine Abgrenzung im Einzelfall erfolgen.
Merkmale der häuslichen Pflege
  • Laut Spitzenverbänden der PflegekassenHäusliche Pflege, Voraussetzungen ist häusliche Pflege möglich, wenn der Versicherte:

    • über eine eigene oder gemeinschaftliche Kochmöglichkeit verfügt,

    • eine eigene Nasszelle besitzt,

    • die Möglichkeit hat, sein Zimmer selbst einzurichten und seine Wäsche selbst zu pflegen.

  • Für Pflegebedürftigen besteht keine Einschränkung der Wahlfreiheit der angebotenen Leistungen (Pflegeleistungen, hauswirtschaftliche Versorgung und Mahlzeiten im Wesentlichen frei wählbar).

  • Hauswirtschaftliche Leistungen können durch ein Dienstleistungsunternehmen ausgeführt werden.

  • Voraussetzung für häusliche Pflege nach SGB XI: abgeschlossener Pflegevertrag (1.3.7)

  • Voraussetzungen für häusliche Pflege nach § 37 SGB V: eigener Haushalt oder ambulante Wohnform; die erforderlichen Verrichtungen können nicht selbst oder nicht von einer im Haushalt lebenden Person durchgeführt werden.

Gesetzliche Bestimmungen bezogen auf den Pflegebedürftigen

Grundsatz der Pflegeversicherung: Der Pflegebedürftige kann, trotz seines Hilfebedarfs, ein möglichst selbstständiges und selbstbestimmtes Leben führen, das der Würde des Menschen entspricht. Deshalb sind die Hilfen darauf auszurichten, die körperlichen, geistigen und seelischen Kräfte des Pflegebedürftigen wiederzugewinnen bzw. zu erhalten.
Daraus resultiert, dass die SelbstbestimmungSelbstbestimmung, Pflegebedürftiger des Einzelnen durch die Pflegeversicherung nicht außer Kraft gesetzt ist:
  • Eine gegen den Willen des Pflegebedürftigen gerichtete Maßnahme ist nicht erlaubt.

  • Das gilt auch für Maßnahmen auf Wunsch von Angehörigen, weil Angehörige ohne rechtskräftige Bevollmächtigung kein Vertretungsrecht haben.

Vorsicht

Hat der Angehörige keine schriftlich fixierte Vollmacht, um die Rechte des Pflegebedürftigen wahrzunehmen (z. B. eine Vorsorgevollmacht), so kann er für diesen keine rechtsverbindlichen Forderungen stellen und stellvertretend keine Entscheidungen treffen. Hat der Angehörige die Absicht, verbindliche Entscheidungen für den Pflegebedürftigen zu treffen, muss er als Betreuer bestellt werden. Dazu muss er einen entsprechenden Antrag beim Betreuungsgericht am Wohnsitz des Pflegebedürftigen stellen bzw. im Besitz einer auf ihn ausgestellten Betreuungsverfügung des Pflegebedürftigen sein.

Ambulante Pflegekräfte müssen den Willen des pflegebedürftigen Menschen respektieren und dokumentieren.

Einwilligung
Jede ärztliche und pflegerische Maßnahme bedarf der Einwilligung:
  • Selbstbestimmungsrecht der Pflegebedürftigen

  • Recht auf körperliche Unversehrtheit

Daher ist eine ohne Einwilligung vorgenommene Behandlung eine rechtswidrige Körperverletzung, die straf- und Körperverletzungzivilrechtlich verfolgt wird.
Einwilligungserklärung des Pflegebedürftigen
Die Einwilligung muss Einwilligungserklärungausdrücklich und schriftlich erteilt werden. In der häuslichen Krankenpflege erfolgt diese über den von den behandelnden Ärzten dafür auszustellenden Verordnungsschein.

Info

Wichtiger Hinweis

Häusliche Krankenpflege nach SGB V durch einen ambulanten Pflegedienst darf ausschließlich auf Grundlage einer ärztlichen Verordnung erfolgen. Sie enthält konkrete Anweisungen des Arztes zu Art, Umfang, Häufigkeit und Dauer der auszuführenden Leistungen.
Der Pflegebedürftige unterzeichnet die Verordnung und willigt so in Ausführung der verordneten Leistungen ein.
Ohne Verordnung des Arztes und Einwilligung des Pflegebedürftigen auf dem vorgesehenen Formular darf die häusliche Krankenpflege nicht ausgeführt werden!
Mutmaßliche Einwilligung
  • Eine Einwilligung, mutmaßlichemutmaßliche Einwilligung liegt vor, wenn bei objektiver Betrachtungsweise ein vernünftiger, einsichtsfähiger Pflegebedürftiger eingewilligt hätte, die Einwilligung aber wegen Erklärungsunfähigkeit des Betroffenen, z. B. aufgrund einer Bewusstlosigkeit, unterbleibt. Ob von einer mutmaßlichen Einwilligung ausgegangen werden kann, unterliegt der ärztlichen Entscheidung. Ist ein Betreuer zur Einwilligung bei ärztlichen Maßnahmen bestellt, so ist dieser umgehend über die vorgenommene Behandlung zu informieren.

  • Die mutmaßliche Einwilligung rechtfertigt stets die Behandlung.

Einwilligungserklärung des Betreuungsgerichts
Maßnahmen, die den BetreuungsgerichtPflegebedürftigen regelmäßig oder für einen längeren Zeitraum seiner Bewegungsfreiheit berauben, bedürfen nach § 1906 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) der Genehmigung des Betreuungsgerichts. Diese kann in Eilfällen nachträglich eingeholt werden.
Zu den freiheitseinschränkenden bzw. freiheitsentziehenden Maßnahmen zählen z. B. das Anlegen eines Bauchgurts oder das Anbringen eines Bettgitters, das Abschließen der Zimmertür oder das Verabreichen von sedierenden Medikamenten.
Freiheitsentziehung liegt demnach vor, Freiheitsentziehungwenn:
  • der Aufenthalt des Pflegebedürftigen auf einen eng begrenzten Bereich beschränkt wird,

  • dieser mittels Überwachung und physikalischer Vorkehrungen kontrolliert wird,

  • die Maßnahmen den Verlust der körperlich-räumlichen Bewegungsfreiheit zur Folge haben.

Vorsicht

Freiheitsentziehung liegt ebenfalls in folgenden Fällen vor:

  • Wenn der Betroffene den Bereich nur zeitweilig verlassen darf

  • Wenn Angehörige den Pflegebedürftigen versorgen und Bettgitter anbringen

  • Beim zeitweiligen Einschließen in der eigenen Wohnung (unterbringungsähnliche Maßnahme)

Die betreuungsgerichtliche Genehmigung ist zu erteilen, wenn die Maßnahme dem Wohl des Betroffenen entspricht und ansonsten die Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung notwendig wäre.

Aufklärung
Bestimmungsrecht
Das Bestimmungsrecht des Bestimmungsrecht, PflegebedürftigerPflegebedürftigen hängt von seinem Kenntnisstand ab. Er bedarf einer Aufklärung über die Voraussetzung für eine rechtswirksame Einwilligung. Die Diagnose- und Eingriffsaufklärung ist grundsätzlich dem Arzt vorbehalten.
Die Aufklärung erfolgt in einem Gespräch, das nicht durch schriftliche Formulare ersetzt werden kann. Der Pflegebedürftige muss in für ihn verständlicher Sprache über Grundzüge der Diagnose, Therapie sowie Risiken und Nebenwirkungen aufgeklärt werden.
Ein Verzicht auf Aufklärung ist nur möglich, wenn:
  • der Pflegebedürftige ausdrücklich auf Aufklärung verzichtet,

  • die Aufklärung dem Pflegebedürftigen im konkreten Fall einen schweren Schaden zufügen würde, z. B. Mitteilung einer Krebsdiagnose an einen suizidgefährdeten Pflegebedürftigen sowie bei Erstversorgung im Notfall.

  • !

    Bei Aufklärungswunsch des Pflegebedürftigen ist dieser an den Arzt zu verweisen.

Patientenverfügung
Urkunde, in der eine PatientenverfügungPerson Anordnungen zu ärztlichen Behandlungen für den Fall trifft, dass sie sich nicht mehr selbstständig äußern kann.
Grundsätzlich enthält eine Patientenverfügung Festlegungen zu folgenden Punkten:
  • Sollen alle Möglichkeiten lebenserhaltender Maßnahmen ausgeschöpft werden?

  • Unter welchen Umständen wird ein Behandlungsabbruch gewünscht?

  • Besteht die Zustimmung zu einer Organspende?

Der in der Patientenverfügung geäußerte Willen ist für das Betreuungsgericht und auch für den behandelnden Arzt unmittelbar verbindlich.
  • Dem Willen des Patienten auf den Verzicht lebenserhaltender Maßnahmen ist Folge zu leisten, unabhängig davon, ob der Tod bevorsteht.

  • Die Missachtung des Patientenwillens kann als Körperverletzung strafbar sein.

Info

Wichtiger Hinweis

  • Zu lebenserhaltenden Maßnahmen zählen z. B. Operationen, Beatmung und künstliche Ernährung mittels Magensonde. Je konkreter der Krankheitszustand und die zu unterlassende Maßnahme benannt werden, desto geringer ist die Gefahr, dass der behandelnde Arzt an der Verfügung zweifelt.

  • Stellt der Patientenwille ein Tötungsverlangen dar, so darf diesem nicht gefolgt werden, da sich der Ausführende ansonsten wegen einer Tötung auf Verlangen strafbar machen würde.

Vorsorgevollmacht
Urkunde, in der eine Person Vorsorgevollmachtfestlegt, wer im Fall der eigenen Entscheidungsunfähigkeit stellvertretend in ihrem Namen handeln darf.
Grundsätzlich enthält eine Vorsorgevollmacht die Benennung des Bevollmächtigten mit Festlegungen seiner Aufgabenbereiche:
  • Regelung von Vermögensfragen

  • Bestimmung des Aufenthaltsorts

  • Befugnis zur Entscheidung über medizinische und pflegerische Behandlungsmaßnahmen

Voraussetzung ist die Bereitschaft des Bevollmächtigten, für den Vollmachtgeber Entscheidungen in Einzelbereichen zu treffen. Dazu gehören folgende Aufgaben:
  • Führen von Bankkonten

  • Regelung von Versorgungsangelegenheiten

  • Vermögenserwerbungen und -veräußerungen

  • Abschluss von Verträgen

  • Vertretung in gerichtlichen und außergerichtlichen Verfahren

  • Auflösung des Haushalts

Info

Wichtiger Hinweis

  • Die Feststellung, dass aufgrund des körperlichen oder geistigen Zustands eine Entscheidungsunfähigkeit besteht, obliegt dem Arzt.

  • Eine Vorsorgevollmacht kann widerrufen werden. Ebenso ist eine Aufteilung unterschiedlicher Aufgabenbereiche auf mehrere Personen möglich.

  • Bei Unsicherheit, ob weitreichende Entscheidungsbefugnisse direkt auf eine Person übertragen werden sollen, kann von einer Betreuungsverfügung Gebrauch gemacht werden. Hierbei erfolgt die Bestellung der vom Vollmachtgeber benannten Person über das Betreuungsgericht. Ebenso können bestimmte Personen ausgeschlossen werden.

Betreuungsrecht
Kommt zur Anwendung, wenn:
  • Betreuungsrechtder Einzelne nicht oder nur eingeschränkt Entscheidungen treffen kann,

  • keine Beauftragung, z. B. in Form einer Vorsorgevollmacht (siehe oben), von einer anderen Person vorliegt.

Amtliche Betreuer werden vom Betreuungsgericht bestellt. Dies können nicht nur vom Staat bestellte Personen sein, sondern auch Angehörige oder andere Nahestehende. Die Betreuung wird ausschließlich auf die Bereiche der Lebensführung festgeschrieben, die durch den Betroffenen nicht mehr selbst bewältigt werden können, z. B.:
  • Vermögensverwaltung

  • Aufenthaltsbestimmung und Wohnung

  • Briefverkehr

  • Ärztliche Heilbehandlung und Pflege

Dabei sind stets die Maßnahmen und Mittel auszuwählen, welche die Rechte des Betroffenen am wenigsten einengen.

Info

Wichtiger Hinweis

Auch bei einem bestellten Betreuer bleibt der Betreute selbst geschäftsfähig! Die Entscheidungen des Betreuten sind also zu akzeptieren und von ihm abgeschlossene Verträge sind rechtsgültig.
Ausnahme: Vom Betreuungsgericht wurde ein Einwilligungsvorbehalt verfügt, der die Einwilligung des Betreuers erforderlich macht! Vom Betreuten abgeschlossene Geschäfte sind in diesem Fall ohne die Zustimmung des Betreuers nicht rechtsgültig.
Unterbringung
UnterbringungUnterbringung, Betreuungsrecht eines Betreuten in einem beschützten Lebensraum. Die Voraussetzungen sind strittig.
Eine zwangsweise Unterbringung ist nur durch eine konkrete Eigen- oder Fremdgefährdung gerechtfertigt.
  • Als Eigengefährdung gelten folgende Sachverhalte:

    • EigengefährdungDie Gefahr, dass sich der Betreute aufgrund einer psychischen Krankheit, einer geistigen oder seelischen Behinderung selbst tötet oder erheblichen gesundheitlichen Schaden zufügt

    • Die Notwendigkeit einer Untersuchung des Gesundheitszustands, einer Heilbehandlung oder eines ärztlichen Eingriffs, die ohne die Unterbringung des Betreuten nicht durchgeführt werden kann, wenn der Betreute aufgrund einer psychischen Krankheit, einer geistigen oder seelischen Behinderung die Notwendigkeit der Unterbringung nicht erkennen oder nicht nach dieser Einsicht handeln kann

  • Eine Fremdgefährdung liegt im Falle der FremdgefährdungGefährdung der öffentlichen Sicherheit und bei erheblicher Gefährdung von bedeutenden Rechtsgütern anderer Personen vor.

Die zwangsweise Unterbringung muss die einzige noch vorhandene Möglichkeit sein. Im Zweifel ist stets die Freiheit dem Zwang vorzuziehen.
Nicht ausreichend ist nach heutiger Rechtsauffassung die Verwahrlosungsgefahr (5.3.).

Gesetzliche Bestimmungen bezogen auf Pflegekräfte

Schweigepflicht
Gilt für alle SchweigepflichtHeilberufe:
  • Schweigepflicht besteht hinsichtlich der Wahrung von Dienst- und Berufsgeheimnissen.

  • Im Strafrecht, § 203 Abs. 1 Strafgesetzbuch (StGB), existiert eine Schweigepflicht, z. B. in Bezug auf die Verletzung von Privatgeheimnissen.

  • Möglich ist eine vertragliche Vereinbarung über die Schweigepflicht im Rahmen des Arbeitsvertrags → dann Nebenpflicht des Arbeitnehmers.

  • !

    Bei Verletzung seiner persönlichen Sphäre hat der Betroffene Anspruch auf Schadensersatz.

Der Schweigepflicht unterliegen:
  • Kenntnisse, die Mitarbeiter während pflegerischer Tätigkeiten erlangen,

  • der persönliche Bereich der Pflegebedürftigen:

    • Brief- und Postgeheimnis

    • Fernmeldegeheimnis

    • Tagebuchgeheimnis

  • !

    Eine Entbindung von der Schweigepflicht kann nur durch den Betroffenen selbst erfolgen und sollte stets schriftlich dargelegt sein.

Tipps und Tricks

  • Krankenakten vor fremdem Einblick schützen, nicht „herumliegen“ lassen – auch nicht im Sichtbereich des Dienstfahrzeugs

  • Keine telefonischen Auskünfte über Pflegebedürftige erteilen, Identität des Anrufers kann nicht geprüft werden

  • In Zweifelsfällen an den Arzt verweisen

  • Schweigepflicht gegenüber anderen Pflegebedürftigen und Nachbarn beachten

  • Transport von Akten oder Befunden von Pflegebedürftigen nur in verschlossenen Umschlägen

  • Fallbesprechungen im nicht beteiligten Kollegenkreis nur ohne Namensnennung des Pflegebedürftigen

  • Keine Erhebung und Weitergabe von Informationen, die nicht pflege- oder behandlungsrelevant sind

  • Gilt auch für Erfassung von Daten mit Speichermedien wie Fotohandy, Speicherkarten, USB-Sticks

  • Schweigepflicht berechtigt zur Zeugnisverweigerung vor Gericht

Anzeigepflicht bei Sterbefällen
Von einem sicher eingetretenen Tod kann erst ausgegangen werden, wenn ein Arzt die Leichenschau entsprechend dem Bestattungsgesetz durchgeführt und den Totenschein ausgefüllt hat. Erst dann darf das Pflegepersonal mit der Versorgung des Verstorbenen beginnen.
Die Anzeigepflicht von Todesfällen ist im Todesfall, AnzeigepflichtPersonenstandsgesetz geregelt: Ein Todesfall ist am folgenden Werktag beim Standesamt anzuzeigen.

Vorsicht

Wird vorschnell auf einen eingetretenen Tod geschlossen, so könnte dies möglicherweise zu Unrecht das Einstellen lebenserhaltender medizinischer Maßnahmen zur Folge haben und so u. U. der Strafbestand einer fahrlässigen Tötung erfüllt sein.

Sterbehilfe
Unterschiedliche Formen der SterbehilfeSterbehilfe können wie folgt abgegrenzt werden:
  • Sterbebegleitung durch Schmerzlinderung ohne Lebensverkürzung

  • Passive Sterbehilfe durch Sterbenlassen

  • Aktive Sterbehilfe durch bewusste Herbeiführung des Todes des Pflegebedürftigen

  • Beihilfe zur Selbsttötung unter strengen Voraussetzungen

Mittels einer Patientenverfügung (1.8.2) kann der Wille des Pflegebedürftigen schriftlich fixiert werden. Das Selbstbestimmungsrecht des Pflegebedürftigen steht über der Hilfepflicht des Pflegenden.
Die Feststellung des Eintretens in den Sterbevorgang ist Aufgabe des Arztes, darauf hinweisende Beobachtungen sind Aufgabe des Pflegepersonals.
  • Letzte Entscheidung über Weiterbehandlung oder Therapieabbruch liegt beim Arzt (die Entscheidung ist ggf. gemäß einer vorliegenden Patientenverfügung zu treffen)

  • Sorgfältige Dokumentation der medizinischen Anzeichen für den Sterbevorgang und der mit Angehörigen geführten Gespräche

  • Einbeziehung angrenzender Dienste, z. B. ambulante Hospizarbeit

  • !

    Die gezielte aktive Beendigung des Lebens, also die aktive Sterbehilfe (z. B. durch die Verabreichung eines überdosierten Schmerzmittels) ist als Tötung auf Verlangen nach § 216 StGB strafbar.

Weitere gesetzliche Bestimmungen

Weisungsrecht
Durch den Arbeitgeber
Das Weisungsrecht (oder Weisungsrecht, ArbeitgeberDirektionsrecht) des Arbeitgebers dient dazu,Direktionsrecht, Arbeitgeber die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter zu koordinieren. Dabei ist zu beachten, dass das Weisungsrecht nur begrenzt ausgeübt werden kann: Je konkreter im Arbeitsvertrag Art, Ort und Zeit der Arbeitsleistung festgelegt sind, desto größer ist die Einschränkung. Das Weisungsrecht umfasst neben arbeits- auch verhaltensbezogene Weisungen. So ist z. B. jedem Pflegebedürftigen stets freundlich und sachlich zu begegnen, auch wenn dieser sich selbst nicht so verhält (affektfreies Auftreten).
Durch den Arzt
DelegationDelegation, ärztlicheÄrztliche Delegation von ärztlichen Tätigkeiten an Pflegende ist abhängig von der Qualifikation der Pflegenden und des in der Praxis angeeigneten Wissens und Könnens. Einzubeziehen sind:
  • Haftungsrechtliche Aspekte: Ist die Pflegeperson berechtigt, die Verordnung auszuführen?

  • Arbeitsrechtliche Aspekte: Ist die Pflegeperson zur Ausführung der Verordnung verpflichtet?

  • Finanzierungsrechtliche Aspekte: Wer zahlt für die ausgeführte Leistung?

Info

Wichtiger Hinweis

In der häuslichen Krankenpflege können ärztliche Tätigkeiten nur delegiert werden, wenn:
  • eine vom behandelnden Arzt ausgestellte Verordnung vorliegt,

  • die zuständige Krankenkasse die Kostenübernahme bestätigt hat,

  • eine vom beauftragten Pflegedienst angewiesene Pflegefachkraft die Anordnung entsprechend dem gültigen Dienstplan ausführt.

Im Einzelfall müssen sich Arzt und ausführende Pflegefachkraft die Risiken, die mit der Ausführung verbunden sind, bewusst machen. Dabei ist zu bedenken: Gefahrkontrolle und -vermeidung ist eher möglich, wenn ein Arzt in der Nähe ist.
Deshalb gilt:
  • Risikoabwägung: Bei der Entgegennahme und Ausführung von Delegationen ist stets zu bedenken, dass kein Arzt in der Nähe ist.

  • Bedenken: Im Falle von Komplikationen muss die ausführende Pflegefachkraft über evtl. erforderliche Sofortmaßnahmen entscheiden.

Ggf. müssen von Pflegenden zur Ausführung von Verordnungen spezielle Befähigungsnachweise erworben werden, z. B. für technische Vorrichtungen bei der häuslichen Beatmung. Damit werden das Auswahlverschulden von Ärzten und Trägerverantwortlichen und das Übernahmeverschulden der Pflegefachkraft reduziert.

Vorsicht

  • Ärztliche Delegation bedarf stets der Schriftform: Der vom behandelnden Arzt ausgestellte Verordnungsschein muss vollständige Angaben zu Art, Umfang, Häufigkeit und Dauer der auszuführenden Verrichtung enthalten.

  • Vor Durchführung einer ärztlichen Anordnung bedarf es einer Rückversicherung, z. B. ob der Pflegebedürftige das richtige Medikament (korrekt dosiert!) erhält.

Umgang mit Auszubildenden
AuszubildendeAnleitungAuszubildende können zum Einsatz kommen, sofern die Arbeitsaufgaben ihrem Ausbildungsstand und ihrer persönlichen Belastbarkeit entsprechen. Sie dürfen nur unter Aufsicht einer examinierten Pflegefachkraft tätig werden. Die verantwortliche Fachkraft muss dabei eine ständige Erreichbarkeit und Interventionsmöglichkeit gewährleisten.
Pflegebedürftige, die aufgrund ihres Krankheitsbilds für die Pflege durch Auszubildende nicht geeignet sind, sind von einer Versorgung durch diese auszunehmen.
In Einrichtungen, die Auszubildende beschäftigen, ist ein Praxisanleiter mit einer entsprechenden Qualifikation zu beschäftigen (1.3.11).
Medikamentengabe
Informationen zu MedikamentenMedikamenterechtliche Aspekte 7
  • Verordnung von Medikamenten: Ärzten und Heilpraktikern vorbehalten

  • Richten und Ausgeben von Medikamenten: pflegerische Tätigkeit, gilt als Behandlungspflege, darf nur nach ärztlicher Verordnung durch Pflegefachkraft erfolgen

Kostenübernahme
  • Beim Richten von Medikamenten: einmal wöchentlich in Wochenbox (Dispender), sofern Einnahme der Medikamente noch selbstständig erfolgen kann

  • Bei Medikamentengabe:

    • Nur bei Vorliegen bestimmter Indikationen, z. B. Demenz oder ausgeprägter Sehschwäche

    • Gleichzeitig darf eine weitere im Haushalt lebende Person nicht in der Lage sein, die Medikamente regelmäßig zu verabreichen

Besonderheiten im Umgang mit Medikamenten
  • Bei Verweigerung bzw. eigenen Änderungswünschen der Medikamenteneinnahme und nicht möglicher Umstimmung des Pflegebedürftigen: über die Risiken seines Verhaltens aufklären, in Pflegedokumentation notieren, Hausarzt informieren!

  • Nach Versterben des Pflegebedürftigen dürfen die vorhandenen Medikamente nur nach Rücksprache mit dem Vertreter/Erben entsorgt werden. Generell haben diese Anspruch auf Aushändigung (mit Ausnahme von Medikamenten, die dem BtMG unterliegen).

  • Verschreibungspflichtige Arzneimittel: Rezept muss vom Arzt ausgestellt und eigenhändig unterschrieben werden.

Medizinische Produkte
Die Produktesicherheit ist zur Vermeidung von Arbeitsunfällen und zur Vermeidung der Schädigung von Pflegebedürftigen unentbehrlich.
Folgende grundlegende Gesetzlichkeiten sind für diesen Bereich von Bedeutung:
Geräte- und Produktsicherheitsgesetz
Regelt die Bestimmungen zur Sicherheit von Geräten und trifft Aussagen, wie die notwendige Sicherheit geschaffen und erhalten werden muss. Demgemäß darf ein Produkt nur in den Verkehr gebracht werden, wenn es so beschaffen ist, dass bei bestimmungsgemäßer Verwendung oder vorhersehbarer Fehlanwendung Sicherheit und Gesundheit von Verwendern oder Dritten nicht gefährdet werden.
Medizinproduktegesetz (MPG)
MedizinproduktegesetzEnthält die technischen, medizinischen MPGund Informationsanforderungen für das Inverkehrbringen von Medizinprodukten.
Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV)
Medizinprodukte-BetreiberverordnungRegelt ausführlich Betreiber- und MPBetreibVAnwenderpflichten für Medizinprodukte.
  • Krankenpflegepersonal darf medizinisch-technische Geräte (z. B. Tropfenzähler, Perfusoren und Beatmungsgeräte) nur nach gründlicher Einweisung z. B. durch den Hersteller oder einen Medizintechniker bedienen.

  • Vor Inbetriebnahme ist das Gerät auf einwandfreie Funktion prüfen.

  • Jährliches Prüfintervall der Geräte durch einen Sachverständigen muss gewährleistet sein.

  • Geräte mit Funktionsstörungen sind sofort außer Betrieb zu nehmen und die Prüfung durch einen Techniker zu veranlassen (telefonische Erreichbarkeit am Gerät oder in Bedienungsanleitung ersichtlich).

  • Ausschließlich vom Hersteller empfohlene Zusatzgeräte, z. B. Spritzen und Leitungen, verwenden.

  • Fehlerhaftes Bedienen durch Unkenntnis, mangelnde oder gar fehlende Einweisung ist strafbar und kann zu erheblichen Gesundheitsschäden des Pflegebedürftigen führen.

  • Über Bestand und Wartung sind ein Bestandsverzeichnis und ein Medizinproduktebuch zu führen.

  • Gebrauchsanweisungen und dem Medizinprodukt beigefügte Hinweise sind so aufzubewahren, dass dem Anwender die für die Anwendung erforderlichen Angaben jederzeit zugänglich sind.

  • Nach der Außerbetriebnahme des Medizinprodukts ist das Medizinproduktebuch noch 5 Jahre aufzubewahren.

Info

Wichtiger Hinweis

Ambulante Pflegeeinrichtungen müssen die Einhaltung von MPG und MPBetreibV gewährleisten. Schritte dazu sind:
  • Benennung eines Produktverantwortlichen und die Konkretisierung von dessen Aufgabenbereich

  • Durchführung von jährlichen Belehrungen mit Erläuterung der allgemeinen Anforderungen an das Betreiben und Anwenden von Medizinprodukten

  • Durchführung der jährlichen Belehrungen sowie erlassene Dienstanweisungen dokumentieren und von den Teilnehmern gegenzeichnen lassen

Haftungsrecht
Recht im Zusammenhang mit einer Haftungsrechtfehlerhaften Handlung. Das Handeln kann dabei in Form von aktivem Tun, z. B. Körperverletzung, oder einer Unterlassung, z. B. unterlassene Hilfeleistung, bestehen.
Es wird zwischen straf- und zivilrechtlicher Verantwortlichkeit unterschieden:
  • Strafrecht: stellt die Missachtung von Ge- und Verboten unter Strafe

  • Zivilrecht: regelt die Haftung für einen entstanden Schaden

Strafrechtliche Verantwortlichkeit und zivilrechtliche Schadensersatzhaftung können zeitgleich zum Tragen kommen. So ist es durchaus möglich, dass gleichzeitig eine Strafbarkeit und eine Schadensersatzpflicht bestehen.
Strafrechtliche Haftung
Strafrechtliche Haftung bedeutet, Haftungstrafrechtlichedass eine Person bei Verstoß gegen eine Bestimmung des Strafgesetzbuchs (z. B. fahrlässige Körperverletzung, fahrlässige KörperverletzungFahrlässige TötungTötung) für die Folgen Schweigepflichtseines Handelns mit Geld- oder Freiheitsstrafe zur Verantwortung gezogen wird.
  • Strafverfolgung tritt grundsätzlich und unabhängig von der Initiative des Geschädigten ein, da ein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung besteht.

  • Dem Angeklagten muss seine Tat nachgewiesen werden; gelingt dies nicht, ist er freizusprechen: „Im Zweifel für den Angeklagten“.

  • Versicherungsrechtlicher Schutz gegen die Folgen einer Straftat ist nicht möglich.

  • Keine Haftungsfreistellung durch den Vorgesetzten oder den Arbeitgeber.

  • !

    Eine Verurteilung im Strafverfahren kann zum Verlust der staatlichen Berufsanerkennung führen.

Zivilrechtliche Haftung
Grundlage für die zivilrechtliche HaftungHaftungzivilrechtliche von ambulanten Diensten sind die abgeschlossenen Pflege- bzw. Versorgungsverträge (1.3.7). Diese verpflichten die ambulanten Dienste zu einer fachgerechten Ausführung der vereinbarten bzw. verordneten Leistungen.
Die Leistungen müssen wie folgt ausgeführt werden:
  • Unter ständiger Verantwortung einer Pflegefachkraft (SGB XI)

  • Ausschließlich durch Pflegefachkräfte (SGB V)

Weitere Verpflichtungen sind:
  • Beratung und Aufklärung über pflegerische Risiken (Vorgaben der Expertenstandards)

  • Krankenbeobachtung

  • Durchführung von Prophylaxemaßnahmen

Diese Anforderungen können nur durch einen qualifikationsgerechten Einsatz mit Pflegefachkräften erfüllt werden.

Vorsicht

Verletzungen der vertraglichen Pflichten durch den ambulanten Dienst können zu einer Haftung aus Organisationsverschulden führen, Organisationsverschuldenwenn der Schaden auf organisatorischen Mängeln wie Personalmangel oder Einsatz veralteter medizinischer Geräte beruht.

Die Haftung des ambulanten Diensts ist ebenfalls gegeben, wenn der Schaden durch den Fehler eines seiner Mitarbeiter verursacht worden ist, z. B. durch das Verabreichen eines falschen Medikaments.

Die Pflegekraft selbst haftet in diesem Fall dem Pflegebedürftigen gegenüber unmittelbar auf der Grundlage der Haftung aus unerlaubter Handlung nach § 823 BGB wegen eines fahrlässigen Eingriffs in dessen Gesundheit.

Im Zivilprozess liegt die Beweislast grundsätzlich beim Kläger. Bei Pflegefehlern kommt es zur Umkehr der Beweislast, Beweislastumkehrd. h. die Pflegekraft muss sich vom Schuldvorwurf entlasten.
Beispiel: Fehler bei Dokumentation, z. B. Prophylaxemaßnahmen nicht dokumentiert → Beweislastumkehr, z. B. gelten nicht dokumentierte Maßnahmen als nicht durchgeführt!
Ansprüche aus zivilrechtlicher Haftung werden nur auf Initiative des Geschädigten oder seiner Angehörigen verfolgt. Zuständig für eine gerichtliche Entscheidung sind die Zivilgerichte.
Verhalten bei Haftungszwischenfällen
Bei einem Pflege- oder Haftungszwischenfall, VerhaltenBehandlungszwischenfall kann das Haftungsrisiko durch richtiges Verhalten gemindert werden.
  • Ausführliche und lückenlose Dokumentation erleichtert den Nachweis richtigen Verhaltens

  • Jeden Vorfall, der Haftungsfolgen auslösen kann, sofort dem unmittelbaren Vorgesetzten melden

  • Schriftlichen Bericht für Pflegedienstleitung anfertigen

  • Bei Verfassen des Berichts auf Tatsachen beschränken und eigene Bewertung oder gar Schuldzuweisung unterlassen

  • Zur Kontrolle evtl. den Bericht mit einer Vertrauensperson daraufhin überprüfen

  • Kontaktaufnahme mit Arzt, um Berichte mit sich widersprechendem Inhalt zu vermeiden

  • Eigene Aufzeichnungen unmittelbar nach dem Vorfall als Gedächtnisstütze anfertigen

  • Bei Gesprächen mit dem Pflegebedürftigen oder seinen Angehörigen kein Schuldeingeständnis abgeben

  • Derartige Gespräche auf das unvermeidbar notwendige Maß beschränken und möglichst nur unter Zeugen führen

  • Beweissicherung durch Fotos vom Geschädigten oder durch Sicherstellung des Materials, das den Schaden verursacht hat

  • !

    Vorsicht mit mündlichen oder schriftlichen Äußerungen in einem strafrechtlichen Ermittlungsverfahren.

Tipps und Tricks

Als Beschuldigter ist man aufgrund des Zeugnisverweigerungsrechts nicht verpflichtet, sich zu äußern. Das gilt auch bei einer Anhörung als Zeuge, wenn man sich durch seine Aussage der Gefahr einer strafrechtlichen Verfolgung aussetzen würde. Die Hinzuziehung eines Rechtsanwalts ist empfehlenswert, um taktische Fehler zu vermeiden.

Berufshaftpflichtversicherung
Das HaftungBetriebs-/BerufshaftpflichtversicherungHaftungsrisiko der Pflegekraft für Schadensersatzansprüche von Pflegebedürftigen oder deren Angehörigen wird durch die Betriebshaftpflichtversicherung des Pflegediensts abgedeckt.
Die Betriebshaftpflichtversicherung haftet nur bis zu einer vertraglich festgelegten Höchstsumme (Deckungssumme). Sie tritt nicht ein bei vorsätzlichem oder grob fahrlässigem Verhalten. Ebenso besteht kein Versicherungsschutz für Schäden, die der Mitarbeiter seinem Arbeitgeber oder einem Kollegen zufügt.
Der Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung ist insbesondere erforderlich für:
  • Schäden, welche die Deckungssumme der betrieblichen Haftpflichtversicherung überschreiten,

  • Schäden, die dem Arbeitgeber oder einem Kollegen zugefügt werden,

  • Injektionsschäden, falls keine entsprechende Zusatzversicherung des Dienstes besteht.

Die Berufshaftpflichtversicherung bietet keinen Schutz vor strafrechtlicher Verurteilung. Sie kommt auch nicht für die Prozesskosten eines Zivil- oder Strafverfahrens auf. Hier greift die Rechtsschutzversicherung ein, deren Abschluss ebenfalls empfehlenswert ist.
Es gilt daher, sich bei der Leitung des ambulanten Dienstes über Art und Umfang des bestehenden Versicherungsschutzes zu informieren.
Arbeitsschutzvorschriften
Das Gesetz über die ArbeitsschutzvorschriftenDurchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes gilt in allen Tätigkeitsbereichen. Verantwortlich für Planung, Ausgestaltung und Organisation der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes ist die Leitung des Pflegedienstes. Ziel des Arbeitsschutzes ist der Schutz von Gesundheit und Leben des Arbeitnehmers.

Info

Wichtiger Hinweis

Nach § 618 Abs. 1 BGB hat der Arbeitgeber den Arbeitsbereich so zu gestalten, dass die Mitarbeiter vor Gefahr für Leben und Gesundheit geschützt sind. In der Praxis bedeutet dies, dass die Regelungen des Arbeitsschutzgesetzes eingehalten werden.
Ebenso hält sich der Arbeitnehmer an die Arbeitgeberanweisungen bzgl. des Arbeitsschutzes. Anweisungen, die dem Arbeitsschutz zuwiderlaufen, darf er sich widersetzen.
Der Staat gewährleistet den öffentlich-rechtlichen Arbeitsschutz mittels Überwachung durch die Gewerbeaufsichtsämter. Diese können bei Vorliegen der Voraussetzungen entsprechende Auflagen erteilen.
Durch den Arbeitsschutz werden die Arbeitnehmer und bestimmte Personengruppen vor Überforderung geschützt. Dazu dienen folgende Gesetze:
  • Arbeitszeitgesetz

  • Jugendarbeitsschutzgesetz

  • Mutterschutzgesetz

  • Schwerbehindertengesetz.

Außerdem wird ein optimaler Betriebsschutz gewährleistet. Dies geschieht z. B. durch folgende Bestimmungen:
  • Unfallverhütungsvorschriften der Berufsgenossenschaften

  • Arbeitsstättenverordnung

  • Gefahrstoffverordnung

  • Gerätesicherheitsgesetz

  • Medizinprodukte-Betreiberverordnung/Medizinproduktegesetz (siehe oben)

Arbeitszeitgesetz
  • Nach Arbeitszeitgesetzspätestens 6 Std. geleisteter Arbeitszeit muss eine Pause von mind. 30 Min. eingelegt werden

  • Zwischen zwei Arbeitsschichten wird eine ununterbrochene Ruhezeit von mind. 11 Std. eingehalten

  • !

    Die Arbeitsschutzgesetze sind aushangpflichtige Gesetze, d. h. die Gesetzestexte sind an einem für jeden Beschäftigten zugänglichen Ort im Betrieb sichtbar anzubringen.

Mutterschutzgesetz
Der Arbeitgeber bzw. dessenMutterschutzgesetz Verantwortlicher ist zu informieren, sobald der werdenden Mutter ihr Zustand bekannt ist. Dabei sollte gleichzeitig eine ärztliche Bescheinigung mit dem mutmaßlichen Entbindungstag vorgelegt werden. In § 3 und 4 des Mutterschutzgesetzes sind die Beschäftigungsverbote für werdende Mütter aufgeführt, z. B.:
  • darf in den letzten 6 Wochen vor der Entbindung keinerlei Beschäftigung erfolgen,

  • dürfen werdende Mütter nicht mit schweren körperlichen Arbeiten beschäftigt oder gesundheitsschädlichen Einflüssen ausgesetzt werden,

  • dürfen von werdenden Müttern nicht regelmäßig Lasten von mehr als 5 kg Gewicht von Hand gehoben, bewegt und befördert werden.

  • !

    Ein Einsatz von werdenden Müttern ist in der häuslichen Pflege nur äußerst einschränkt möglich (zumeist wird ein ärztliches Beschäftigungsverbot ausgesprochen).

Weitere relevante Gesetze
Pflegezeitgesetz und Familienpflegezeitgesetz
Durch dieses am 1. Juli 2008 Familienpflegezeitgesetzin Kraft getretene Gesetz haben Arbeitnehmer einen Anspruch auf Freistellung von der Arbeit zur Pflege ihrer Angehörigen.
Der Freistellungsanspruch besteht für jeden pflegebedürftigen nahen Angehörigen. Es muss eine Einstufung in die Pflegestufe erfolgen. Während der Zeit der Freistellung besteht Kündigungsschutz. Die Sozialabgaben werden z. T. von der Pflegekasse des Pflegebedürftigen getragen. Seit dem 1. Januar 2015 gibt es nach dem Familienpflegezeitgesetz weitere gesetzliche Ansprüche für berufstätige pflegende Angehörige. Informationen zum Pflegezeitgesetz und Familienpflegezeitgesetz 1.7.4.
Betreuungshilfen aus anderen EU-Ländern
Seit Betreuungshilfe, ausländischeJanuar 2014 dürfen Bürger aus allen EU-Ländern ohne Arbeitserlaubnis in Deutschland arbeiten. So können deutsche Pflegebedürftige bzw. deren Angehörige nunmehr Betreuungshilfen aus anderen EU-Ländern einstellen, ohne dass diese hierfür eine Arbeitserlaubnis beantragen müssen.
Für diese Pflegearrangements bestehen grundsätzlich zwei Möglichkeiten:
  • Direkte Beauftragung einer Betreuungshilfe: Der Pflegebedürftige bzw. die Angehörigen tragen sämtliche Arbeitgeberpflichten. Dazu gehören der Abschluss einer Unfallversicherung ebenso wie das Abführen von Lohnsteuer und Beiträgen zur Kranken-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung.

  • Einsatz von entsandten Pflegekräften: Diese dürfen mittels einer Entsendebescheinigung für eine bestimmte Zeit nach Deutschland vermittelt werden. Die Sozialversicherung erfolgt dabei über einen Pflegedienstleister im Heimatland der Pflegekräfte.

Pflegestärkungsgesetz
  • Das zum 1. Januar 2015 in Kraft getretene Pflegestärkungsgesetz I (PSG I) hat zur einer erheblichen Erweiterung der häuslichen Betreuungs-und Entlastungsleistungen geführt, welche nunmehr unabhängig von der Pflegestufe und – bei vorausgegangener Begutachtung durch den medizinischen Dienst – auch dann gewährt werden können, wenn der Pflegebedarf den Umfang der Pflegestufe I nicht erreicht. Mit dem PSG II, das zum 1. Januar 2017 in Kraft treten soll, werden die Leistungen noch weiter verbessert (1.2.1).

Gesetzliche Bestimmungen zur Qualität

Qualitätssicherung
Nach dem Qualitätssicherungsgesetz in der Pflege sind ambulante Dienste zum Vorhalten eines Qualitätsmanagementsystems (1.9) verpflichtet. Dazu sind Ausführungen im Rahmen einer Pflegekonzeption erforderlich und im Qualitätshandbuch zusammenzufassen.
Die Übereinstimmung der beschriebenen Ziele mit der Pflegepraxis sowie die Umsetzung des Qualitätsmanagementsystems durch Leitung und Mitarbeiter werden im Rahmen der Qualitätsprüfungen des MDK kontrolliert.

Vorsicht

Entsprechend dem Pflege-Qualitätssicherungsgesetz kann eine Regresspflicht für bereits vergütete Leistungen eintreten, z. B.:

  • Bei vorliegenden Pflegeproblemen (z. B. Dekubitus), wenn Entstehungsort und fachgerechte Prophylaxemaßnahmen nicht lückenlos dokumentiert sind

  • Wenn der nicht qualifikationsgerechte Einsatz des Personals bei behandlungspflegerischen Leistungen festgestellt wird

Pflegedokumentation
Die Pflegedokumentation (1.4.4, 1.4.5) dient folgenden Zwecken:
  • Kommunikation zwischen den Pflegepersonen sowie zwischen Pflegenden und Kooperationspartnern

  • Nachweissicherung für eine fach- und qualifikationsgerechte Ausführung der Pflegeleistungen

Die Pflegedokumentation gibt Auskunft über alle pflegerelevanten Belange des Pflegebedürftigen. Sie muss zeitnah geführt sein und das aktuelle Bild des Pflegezustands abbilden.
  • !

    Die Pflegedokumentation hat Urkundencharakter. Die Dokumentationsunterlagen sind 30 Jahre lang aufzubewahren.

Qualitätsanforderungen

Anja Palesch
Definitionen von Qualität
  • Qualität definiert sich Qualitätsanforderungenals „die Gesamtheit von Eigenschaften und Merkmalen eines Produkts oder einer Dienstleistung, die sich auf deren Eignung zur Erfüllung festgelegter oder vorausgesetzter Erfordernisse beziehen“ (DIN ISO 9004).

  • Nach Gerull (2001) ist Qualität „ein Maß zwischen Leistungsversprechen und Leistungserbringung“.

  • Pflegequalität ist nach Donabedian (1976) „der Grad der Übereinstimmung zwischen den anerkannten Zielen der Berufsgruppe und dem erreichten Erfolg in der Pflege“.

Begriffe des Qualitätsmanagements

Qualität muss geplant, Ziele müssen vereinbart und erfolgreich umgesetzt werden. Mitarbeiter sollten vom Mehrwert überzeugt und bei der Umsetzung angeleitet werden. Die Gesamtheit dieser Tätigkeiten umfasst der Begriff Qualitätsmanagement (QM).
In der QualitätsmanagementPflege hat Qualitätsmanagement die Aufgabe, durch Sicherung der Struktur- und Prozessqualität die Ergebnisqualität pflegerischen Handelns zu fördern. Erreicht wird dieses Ziel durch aufeinander abgestimmte Tätigkeiten zum Leiten und Lenken des Pflegediensts bzgl. der Qualität.
Qualitätsbeauftragter und Qualitätszirkel
QualitätsbeauftragterDienen zur Sicherung und QualitätszirkelVerbesserung der Qualität des Pflegediensts.
Qualitätsbeauftragter
  • Verantwortungsträger für die Qualität des Pflegediensts

  • Systematische Vorbereitung, Steuerung und Begleitung der Qualitätsprozesse

  • Verfügt über entsprechende Qualifikation durch Weiterbildung im Qualitätsmanagement

  • Aufgaben:

    • Analyse des Ist-Zustands der Pflegequalität, um die Dringlichkeit der Bearbeitung möglicher Verbesserungsmaßnahmen festzulegen, meist in Zusammenarbeit mit einem Qualitätszirkel

    • Initiierung von Qualitätssicherungsmaßnahmen, z. B. Erarbeitung von Pflegestandards, Aufbau eines Beschwerdemanagements, Ermittlung der Kundenzufriedenheit

    • Information und Beratung von Leitung und Mitarbeitern

    • Einberufung und Moderation von Qualitätszirkeln

    • Überwachung der Durchführung vereinbarter Maßnahmen

    • Verwaltung und Überarbeitung des Qualitätshandbuchs und der Standards

    • Planung und Durchführung interner Audits (siehe unten)

Qualitätszirkel
  • QualitätszirkelZur Lösung von Qualitätsproblemen und Entwicklung qualitätsfördernder Maßnahmen geeignet

  • Mitarbeitergruppe (möglichst je ein Teilnehmer aus allen Bereichen des Pflegediensts)

  • Teilnahme ist freiwillig und erfolgt während der üblichen Arbeitszeit

  • Regelmäßige Treffen, möglichst einmal im Monat

  • Leitung durch Qualitätsbeauftragten

  • Moderation erforderlich

  • Gute Vor- und Nachbereitung erforderlich

  • Ergebnisse schriftlich an Leitung weitergegeben

  • Mögliche Aufgaben:

    • Aufbau des Qualitätsmanagements

    • Begleitung des Prozesses der kontinuierlichen Verbesserung (Schwachstellen beseitigen)

    • Nach Qualitätsprüfungen: Aufarbeitung von festgestellten Mängeln, z. B. Veränderung des Hygieneplans

    • Überarbeitung von Pflegestandards (1.4.6)

Qualitätsmanagementsystem
Die Einbettung des QualitätsmanagementsystemQualitätsmanagements in die betrieblichen Strukturen und Abläufe einer Organisation geschieht durch das Qualitätsmanagementsystem (1.9.2). Es bietet dem Pflegedienst die erforderliche Organisationsstruktur, um die gesetzlich vorgeschriebene Qualitätssicherung und -entwicklung erfolgreich zu betreiben (Abb. 1.5).
Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität
StrukturqualitätProzessqualitätDie Qualität spiegelt sich Ergebnisqualitätin den Dimensionen Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität wider. Merkmale und Beispiele für die jeweiligen Begriffe finden sich in Tab. 1.13. Der MDK überprüft bei Qualitätsprüfungen systematisch alle drei Aspekte (1.5.5).
Weitere Beispiele sind die Expertenstandards des DNQP (1.4.6). Qualität ist nicht als linearer Prozess mit einem Anfang und einem Ende zu verstehen. Qualität wird erzielt durch den Prozess der kontinuierlichen Verbesserung, die immer im Zusammenhang mit den drei Bereichen Prozess, Struktur und Ergebnis steht.
Gesetzliche Verpflichtungen
Nach § 112 SGB XI sind Pflegedienste zu folgenden Maßnahmen verpflichtet:
  • Darlegung ihrer spezifischen Qualität auf dem allgemein anerkannten Stand der Pflege und Medizin

  • Einführung interner Qualitätssicherungsmaßnahmen (Einführung eines QM-Systems)

  • Beteiligung an externen Qualitätssicherungsmaßnahmen (zusätzlich zu den MDK-Prüfungen!)

Qualitätsmanagementsysteme

Normenreihen DIN EN ISO 9000 ff.
  • Definieren Grundlagen und Begriffe des Qualitätsmanagementsystems (QM-Systems)

  • Im Mittelpunkt stehen der Kunde und seine Zufriedenheit

EFQM (European Foundation for Quality Management)
  • Bewertungsmodell

  • Organisation bewertet sich selbst, um dadurch ständige Leistungsverbesserungen zu erreichen

TQM (Total Quality Management)
Definiert Philosophie, Grundhaltung der Leitung und aller Mitarbeiter innerhalb einer Institution → Verfolgung desselben Ziels
Benchmarking
  • Vergleich zwischen Unternehmen anhand von Kennzahlen. Kennzahlen sind Daten, die Zusammenhänge zwischen betrieblichen Größen herstellen und eine besondere Aussagekraft besitzen (vgl. Eisenreich 2005).

  • Grundgedanke: Qualität ist keine feste Größe, sondern kann nur im Unternehmensvergleich ermittelt werden.

  • Klare Definition der Vergleichskriterien.

  • Ziel: aus dem Unternehmensvergleich lernen und somit die Qualität im eigenen Unternehmen steigern.

Qualitätsmanagementsysteme in der Praxis
  • QualitätsmanagementsystemGesetzliche Bestimmungen bieten kaum Hinweise zur Einführung von QM-Systemen.

  • In der Industrie weit verbreitete QM-Systeme werden auf Pflege übertragen, häufig problembehaftet.

  • QM-Systeme haben unterschiedliche Schwerpunkte, z. B. pflegefachlich-inhaltlich, allgemeine Arbeitsorganisation oder Organisations- und Personalentwicklung.

  • QM-Systeme berücksichtigen nicht zwingend die Anforderungen des § 80 SGB XI.

Tipps und Tricks

  • Die Gestaltung eines QM-Systems ist Aufgabe des Pflegedienstes oder seines Trägers.

  • Qualitätsmanagement ist mehr als die Erfüllung der MDK-Prüfungskriterien.

  • Bei der Umsetzung des QM-Systems sollten alle Organisationseinheiten einbezogen werden, z. B. neben der häuslichen Pflege auch der mobile Hilfsdienst, denn häufig sind Qualitätsmängel an den Schnittstellen zu finden (z. B. fehlende Kommunikation).

  • Es besteht die Möglichkeit, ein trägerinternes und fachspezifisches System zu entwickeln.

Qualitätssicherung

Überprüfung der erbrachten Leistungen, Teil des Qualitätsmanagements.
Ziel: Erhöhung der Fähigkeit zur Erfüllung der Qualitätsanforderungen.
Die Pflicht zur Qualitätssicherung bei Pflegediensten ist in § 80 SGB XI verankert. Verschiedene Instrumente stehen zur Verfügung. Allgemein kann zwischen den nachstehenden Methoden unterschieden werden:
  • Interne Qualitätssicherung: Maßnahmen zur Entwicklung, Förderung und Überprüfung der eigenen Leistungen, z. B. Sicherung der Pflegequalität durch Qualitätszirkel

  • Externe Qualitätssicherung: freiwillige Qualitätsprüfung durch Externe, z. B. Zertifizierungsprüfung

Interne Qualitätssicherung
QualitätssicherunginterneOberstes Ziel: Verbesserung der Pflegequalität.
Maßnahmen der Qualitätssicherung werden in die täglichen Arbeitsabläufe integriert. Die Instrumente der Qualitätssicherung bei MDK-Prüfungen und Zertifizierungen (siehe unten) werden abgefragt.
Beschreibung des Qualitätsmanagementsystems in schriftlicher Form
Die Darstellung erfolgt im Qualitätshandbuch. Es beinhaltet wichtige Vorgabe- und Nachweisdokumente. Anhand derer werden die Einstellung des Unternehmens sowie alle Absichten und Maßnahmen zur Qualitätssicherung und -verbesserung für Außenstehende sichtbar (vgl. Kamiske und Brauer 2006). In Tab. 1.14 sind alle Dokumente aufgeführt.
Kommunikationssystem und Informationsfluss
Eine QualitätssicherungInformationsflussfunktionierende Kommunikation zwischen allen Beteiligten des Pflegediensts ist erforderlich, um Transparenz zu schaffen und damit Fehler oder Missverständnisse im Unternehmen aufzudecken. Eine solche Kommunikation ist ein unumgängliches Werkzeug der Qualitätssicherung.
Informationsweitergabe bedeutet:
  • Übergaberegelungen (1.3.1)

  • Aushänge müssen immer aktuell sein

  • Dienst- und Tourenpläne für alle Mitarbeiter zugänglich (1.3.5 und 1.3.6)

  • Monatliche Informationsveranstaltungen und Teambesprechungen: Ergebnisse protokollieren

  • Zielvereinbarungsgespräche → PDL mit Mitarbeitern: Ermittlung, wo Verbesserungspotenzial besteht

Fort- und Weiterbildungen
Mitarbeiter sind verpflichtet, ihre Fachkenntnisse ständig zu aktualisieren, z. B. durch vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellte Literatur und Schulungsveranstaltungen.
Fortbildung Fortbildung
  • QualitätssicherungFort-/WeiterbildungIntern oder extern durchführbar

  • Ermittlung des Schulungsbedarfs der Mitarbeiter (nachvollziehbar dokumentiert)

  • Genaue Fortbildungsplanung, z. B. mittels Jahresfortbildungsplan

  • Fortbildungsnachweise (Thema, Datum, Stundenumfang, Dozent, Teilnehmer mit Unterschrift)

Mögliche Inhalte:
  • Gesetzliche Forderungen: Erste Hilfe, Brandschutz, Umgang mit Medizintechnik, Personalhygiene

  • Aktuelle pflegerische, organisatorische, rechtliche Kenntnisse

  • Besondere Interessensgebiete, z. B. Gerontopsychiatrie, Pflegekonzepte wie Basale Stimulation®

Weiterbildung Weiterbildung
Gesetzliche Mindestanforderungen sind zu erfüllen. Die Schulungen werden von Bildungsträgern extern durchgeführt.
  • Pflegedienstleitung: Weiterbildung mit 460 Std.

  • Qualitätsbeauftragter (1.9.1)

  • Mentor/Praxisanleiter

Ermittlung der Zufriedenheit der Pflegebedürftigen
Die Befragungen werden i. d. R. durch den Qualitätsbeauftragten durchgeführt.
Pflegevisiten (1.3.8)
  • Dienen als Nachweis der fachlichen Überprüfung der Pflege

  • Werden in der Pflegedokumentation vermerkt

Kundenbefragungen
  • Instrument zur Ermittlung der Kundenzufriedenheit

  • In ein- bis zweijährigen Abständen, üblicherweise durch einen anonymen Fragebogen, Teilnahme freiwillig

  • Schwachstellen des Pflegediensts sollen aufgedeckt werden (Basis für die Arbeit im Qualitätszirkel)

Beschwerdemanagement
QualitätssicherungBeschwerdemanagementDer Begriff „BeschwerdemanagementBeschwerdemanagement“ wirkt negativ. Daher suchen viele Unternehmen nach neutralen oder positiv besetzten Bezeichnungen, z. B. Meinungsmanagement oder Rückmeldemanagement. Es werden nicht nur die Beschwerden, sondern auch Anregungen oder Lob über diesen Kanal aufgenommen.
  • Beschwerde: Äußerung einer subjektiv empfundenen Unzufriedenheit

  • Anregung: Verbesserungsvorschlag

  • Lob: Äußerung der Zufriedenheit

  • Meinungsmanagement: systematische Erfassung, Dokumentation, Weiterleitung und Bearbeitung von Meinungsäußerungen sowie Maßnahmen, die dazu beitragen, die Zufriedenheit des Kunden zu erfassen, zu steigern und langfristig zu sichern

Ziele des Meinungsmanagements
  • StimulierungMeinungsmanagement, systematische Erfassung und Auswertung von Äußerungen (Lob, Beschwerde, Verbesserung)

  • Sachlicher Umgang mit Fehlern und deren Korrektur

  • Wertschätzung des Kunden (dazu gehören auch andere Berufsgruppen, nicht nur der Pflegebedürftige und sein Umfeld)

  • Kontinuierlicher Verbesserungsprozess einer Dienstleistung, z. B. enthalten auch Beschwerden wichtige Informationen über Kundenprobleme und -wünsche

Durchführung des Meinungsmanagements
Äußerungen (ob persönlich, telefonisch oder schriftlich vorgetragen) standardisiert schriftlich erfassen. Informationen analysieren, um Ursachen herauszufiltern. Dadurch wird es möglich, Mängel aufzudecken und zu beheben, z. B. durch technische Anpassungen, neue Arbeitsmittel, Prozessoptimierung, Fortbildungen oder Supervision.
Die Einführung dieses Instruments sollte mit einer Schulung der Mitarbeiter verbunden sein.

Info

Wichtiger Hinweis

Jede Beschwerde ist eine Chance für das Unternehmen, sich zu verbessern!
Erwartungen im Beschwerdefall
  • Schnelle und verlässliche Bearbeitung der Beschwerde

  • Freundliche und individuelle Behandlung

  • Angemessene Problemlösung

  • Information über das Ergebnis der Äußerung, z. B. mögliche Verbesserung

Stufen des Meinungsmanagements
Stimulierung der Meinungsäußerung:
  • Anteil unzufriedener Pflegebedürftiger, die sich in der Einrichtung beschweren, erhöht sich (es bleibt kein unausgesprochener Groll)

  • Kunden verzichten nicht auf eine Beschwerde, da sie keine unangenehme Auseinandersetzung oder Sanktionen befürchten müssen

  • Erhebung durch Kundenbefragungen, bei Pflegevisiten

  • Verschiedene Möglichkeiten zur Meinungsäußerung anbieten (mündlich, schriftlich, per E-Mail)

Verantwortung der Leitung
  • Beschwerden als Chancen begreifen

  • Mitarbeiter miteinbeziehen, Zuständigkeit klären

  • In der Lage sein, eigene Fehler einzugestehen

  • Zeit für die Bearbeitung von Beschwerden einplanen

  • Mitarbeiter, denen im Bemühen um eine kundennahe Lösung Fehler unterlaufen sind, zwar korrigieren, aber nicht „bestrafen“

  • Vorbildliche Reaktion auf Kundenbeschwerden belohnen

  • Transparenz schaffen

Annehmen von Meinungsäußerungen
  • Die meisten Beschwerden werden mündlich formuliert.

  • Der Mitarbeiter erfasst alle relevanten Informationen mittels Aufnahmebogen für Rückmeldungen (Abb. 1.6).

  • Für eine erfolgreiche Beschwerdebearbeitung ist der Erstkontakt wichtig.

  • Annahme und Weitergabe von Beschwerden sollten im Unternehmen bekannt und geregelt sein → wenn sich niemand zuständig fühlt, entstehen Ärger und Zorn.

Tipps für die Annahme von Beschwerden
  • Gesprächsbereitschaft signalisieren („Lassen Sie uns in Ruhe darüber reden“), durch Mimik, Augenkontakt und Körpersprache Zuwendung ausdrücken

  • Entschuldigung ausdrücken oder zumindest das Bedauern, dass der Pflegebedürftige dieses negative Erlebnis hatte („Es tut mir leid, dass Sie diese Unannehmlichkeiten hatten“)

  • Gut zuhören; den Beschwerdeführer nicht unterbrechen, auch nicht, wenn er zunächst Unzutreffendes vorbringt

  • Ruhige und höfliche Gesprächsart wählen; gelassen auf Übertreibungen und persönliche Schuldzuweisungen reagieren; Beschimpfungen ruhig zurückweisen und das Gespräch auf einen sachlichen Kern leiten

  • Nicht mit dem Beschwerdeführer streiten oder einen Machtkampf ausfechten

  • So lange inhaltliche Fragen stellen, bis die Situation geklärt ist; dabei höfliche Frageformen wählen („Danke für den Hinweis, ich möchte noch gerne wissen, …“)

  • Sich in die Lage des Beschwerdeführers hineinversetzen

  • Informationen entgegennehmen, ohne gleich ein Schuldeingeständnis abzugeben. Ist ein Fehler unterlaufen, nicht einem Kollegen oder dem Unternehmen die Schuld geben („Wir bemühen uns, aber trotzdem passieren manchmal Fehler“)

  • Bei Nicht-Zuständigkeit die Beschwerde eigenhändig weiterleiten und dafür Sorge tragen, dass die Beschwerde weiterbearbeitet wird, z. B. bei einem Abrechnungsfehler: in der Verwaltung nachfragen, ob die Beschwerde bearbeitet worden ist

  • Das Gespräch mit einer positiven Formulierung beenden („Ich danke für Ihr Vertrauen und hoffe auf ein gutes Miteinander …“)

  • Den Beschwerdevorgang analysieren und den Verantwortlichen informieren, damit die Fehlerquelle behoben werden kann

Auswertung der Meinungsäußerung und Umsetzung von Verbesserungen
  • Regelmäßig die eingehenden Meinungsäußerungen auswerten

  • Auswertung der daraus abgeleiteten Veränderungen

  • Vernichten von anonymen Beschwerden über einzelne Mitarbeiter

  • Regelmäßige Veröffentlichung und Transparenz der Ergebnisse der Meinungsäußerung

Sonstige Instrumente der internen Qualitätssicherung
Qualitätsprüfungen erfolgen immer unter Einbeziehung der Pflegeplanungen und -dokumentationen.
Vollständiges, korrektes Pflegedokumentationssystem (1.4.4, 1.4.5)
  • Außenstehender kann sich ein realistisches Bild vom Zustand des Pflegebedürftigen, seinen Ressourcen, Fähigkeiten, Problemen und Bedürfnissen sowie von festgelegten Zielen und Maßnahmen machen

  • Einheften aller erforderlichen Unterlagen

  • Aktueller Stand, regelmäßige Evaluation

Qualitätsaudit
  • QualitätsauditSystematische und unabhängige Untersuchung, ob qualitätsbezogene Tätigkeiten den notwendigen Anforderungen entsprechen und zielführend sind

  • Intern: durch Leitung, Qualitätsbeauftragten

Betriebsärztliche Untersuchung
Alle 2 Jahre
Sicherheitsmaßnahmen
Unfallverhütungs- und Hygienevorschriften
Externe Qualitätssicherung
Qualitätssicherungexterne Überprüfung der Qualitätskriterien von außen, d. h. durch externe Beratung oder Zertifizierung in Form eines Gütesiegels.
Vorteile: Außenstehender geht kritisch vor und bemerkt Dinge, die aufgrund von „Betriebsblindheit“ übersehen werden könnten.
Zertifizierungssysteme sind gesetzlich nicht vorgeschrieben, aber im Wettbewerb sehr beliebt. Es gibt viele Anbieter, die Qualitätssicherungsinstrumente verkaufen.
Mögliche Maßnahmen
  • Bewerbung um ein Gütesiegel bzw. eine Zertifizierung:

    • Diakonie-Siegel Pflege

    • Qualitätssiegel für ambulante Dienste durch IQD (Institut für Qualitätskennzeichnung von sozialen Dienstleistungen GmbH)

    • „Qualitätsgeprüfter ambulanter Pflegedienst e. V.“ durch DBfK (Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe)

    • Gütesiegel des TÜV CERT

  • Externes Audit über Berater oder Gutachter von außerhalb

Tipps und Tricks

  • Vor Durchführung der externen Qualitätssicherung genau über Preis-Leistungs-Verhältnis der einzelnen Anbieter informieren

  • Zertifizierung muss nicht zwingend den Anforderungen der Qualitätsprüfung durch den MDK entsprechen

Häufige Qualitätsmängel

Durch QualitätsprüfungenQualitätsmängel, Pflege des MDK sind folgende Schwachstellen in der ambulanten Pflege ermittelt worden:
  • Fehlende Akzeptanz des Beschwerdemanagements

  • Mängel im Bereich Pflegeplanung und -dokumentation

  • Unzureichende Umsetzung des Pflegekonzepts

  • Unklare Regelungen der Ablauforganisation

  • Umgang mit bzw. Entstehung von Dekubitalulzera, Kontrakturen und Dehydratation

  • Fehlerhafter Umgang mit Medikamenten

  • Fehlversorgung von Menschen mit Altersverwirrtheit

  • Mangelnde Aktivierung der Pflegebedürftigen, z. B. mundgerechte Vorbereitung der Speisen, obwohl Pflegebedürftiger das noch selbstständig könnte

Pflegedokumentation (1.4.4, 1.4.5) als Hauptmangel:
  • Fehlende Ergebnisprüfung und damit keine Maßnahmenanpassung

  • Fehlende individuellen Pflegeziele

  • Fehlende individuelle Pflegemaßnahmen

  • Fehlende Aussagen zu den bestehenden Ressourcen/Problemen des Pflegebedürftigen

  • Keine biografischen Angaben

Selbstpflege

Anja Palesch
Die starke emotionale, physische und seelische Belastung Pflegender erfordert Strategien, um die eigene Gesundheit zu erhalten. Die Vernachlässigung eigener Bedürfnisse kann zu gesundheitlichen Beschwerden führen.

Prävention von Krankheiten/Gesundheitsförderung

Gesundheitsförderung, PflegekräfteAls Prävention bezeichnet man die Vorbeugung bzw. Verhinderung von Krankheiten durch gezielte Maßnahmen (z. B. Raucherentwöhnung). Gesundheitsförderung setzt bereits bei ganz allgemeinen Faktoren an, welche die Gesundheit beeinflussen:
  • Ernährung, z. B. 5-mal täglich Obst zu sich nehmen, ausreichend trinken, bewusste Ernährung, Diät beachten

  • Sport/Umgang mit Bewegung, z. B. Gründen eines Lauftreffs, regelmäßig Sport treiben, Treppe statt Aufzug nutzen, Einsatz von Hilfsmitteln, Kinästhetik (1.10.4), rückengerechtes Arbeiten (1.10.3)

  • Umgang mit Stress, z. B. Zeitfresser ermitteln und ausschalten, Kommunikationsstrategien entwickeln, Unterstützung durch Kollegen nutzen

  • Entspannung, Entspannungstechniken erlernen (z. B. Yoga), bewusst Entspannung suchen (z. B. Saunabesuch, Waldspaziergang, Treffen mit Freunden)

Wichtig ist dabei, die eigene Körperwahrnehmung zu schärfen und bei sich selbst die Zeichen von Anspannung und Überlastung frühzeitig zu erkennen und ernst zu nehmen.
Das Bewusstmachen der eigenen Verantwortung und der Berücksichtigung der oben genannten Einflussfaktoren kann gezielt dazu beitragen, die Gesundheit der Pflegenden zu erhalten. Diese Faktoren werden auf verschiedenen Ebenen beeinflusst:
  • Politische Ebene, z. B. Arbeitszeitgesetze, Arbeitsschutzgesetze

  • Betriebliche/institutionelle Ebene, z. B. Arbeitgeber bietet Fortbildungen an

  • Teambezogene Ebene, z. B. Berücksichtigung der Urlaubswünsche

  • Persönliche Ebene, z. B. Pflegekraft stellt das Rauchen ein

Info

Jede Pflegekraft sollte sich selbst ebenso wichtig nehmen wie die ihr anvertrauten Pflegebedürftigen.

Es gibt viele Möglichkeiten und Strategien, für die eigene Gesundheit zu sorgen. Im folgenden Kapitel wird das Burnout-Syndrom beschrieben. Die dort aufgezeigten Bewältigungsstrategien können gesundheitsförderliches Handeln unterstützen.

Helfersyndrom und Burnout

Helfersyndrom
Nicht bewusste Komponente der HelfersyndromHelfermotivation. Das Helfersyndrom ist von idealistischen Berufsvorstellungen geprägt und kann zum Burnout führen, da die überhöhten Erwartungen an sich und andere im Widerspruch zur Realität stehen. Folgen können psychosomatische Beschwerden, Depressionen, Sucht und Suizidgedanken sein.
Menschen mit Helfersyndrom verhalten sich anderen Personen gegenüber anders, als sie mit sich selbst umgehen (Tab. 1.15).
Mögliche Ursachen
  • Betroffener fühlte sich als Kind wenig beachtet, Gefühl der Ablehnung/mangelnden Anerkennung

  • Ausgleich dieser Mangelerlebnisse: Ziel, anderen auf perfekte und vorbildliche Art zu helfen

  • Bedürfnisse anderer sind wichtiger als die eigenen

  • Besonders verantwortungsvolle und pflichtbewusste Hingabe

  • Anerkennung und Bestätigung durch das Umfeld für das sozial erwünschte Verhalten

Gefördert wird das Helfersyndrom durch eine anspruchsvolle Erwartung an die Berufsgruppe der Pflegenden, z. B. Einsatzbereitschaft, Freundlichkeit, Zurückhaltung. Bereits Auszubildende haben das Gefühl, es allen rechtmachen zu müssen.
Folgen
  • Herausbildung einer einseitigen Helfer- und Abhängigkeitsstruktur in allen Beziehungen (privat und beruflich)

  • Private und/oder berufliche Krisen

  • Häufige Konfrontation mit Belastungs- und Konfliktsituationen

  • Überforderung und mangelnde Aufarbeitung vorhandener Probleme können zum Burnout führen.

Burnout
Begünstigt wird diese Erkrankung durch das komplexe und hohe Arbeitsaufkommen in der Pflege und ein mögliches Helfersyndrom. Das Burnout-SyndromBurnout-Syndrom beschreibt einen Zustand massiver Erschöpfung, in dem sich der Betroffene „ausgebrannt“ fühlt.
Das Syndrom entwickelt sich über einen längeren Zeitraum (z. B. durch andauernden Stress). Folgen sind u. a. eine Beeinträchtigung der beruflichen Motivation und negative Veränderungen in beruflicher Einstellung und im Verhalten.
Mögliche Ursachen
Ursachen sind individuelle Voraussetzungen, aufgabenbedingte Gegebenheiten und institutionelle Belastungen.
Individuelle Voraussetzungen
  • Notwendigkeit, anderen Menschen zu helfen, um sich selbst als wertvoll zu erleben (Helfersyndrom)

  • Überhöhte Selbstansprüche, deren Nicht-Erreichen als persönliche Niederlage erlebt wird

  • Frustration, da Berufsideale und reale Arbeitsbedingungen sich widersprechen

  • Gefühl, mehr Zuwendung und Anerkennung zu geben, als man selbst bekommt

  • Unfähigkeit, eigene Kräfte sinnvoll einzuteilen

  • Unfähigkeit, um Hilfe zu bitten

  • Private Belastungen

  • Unzureichende Stress- und Konfliktbewältigungsstrategien

Aufgabenbedingte Gegebenheiten
  • Konfrontation mit menschlichem Leid

  • Fehlende Dankbarkeit/Anerkennung

  • Zeitdruck schließt manches aus, z. B. Gespräche, intensive Zuwendung für den Pflegebedürftigen

  • Rollenkonflikte (verschiedene Forderungen an die eigene Rolle), z. B. erwartet Pflegedienstleitung ein zügiges Arbeitstempo, Pflegebedürftiger wünscht aber mehr Gespräche und Zuwendung

Institutionelle Belastungen
  • Dauerstress

  • Belastungen (Arbeitszeiten/geringe Entlohnung)

  • Unzulängliche Organisation, z. B. ineffektive Tourenplanung → Zeitmangel

  • Mangel an Erfolgserlebnissen

  • Demotivation durch ausgeprägte Hierarchie

  • Unsensible Leitung, fehlende Anerkennung

  • Belastende Teamstrukturen, z. B. Mobbing

  • Mangelnde Fort- und Weiterbildungen, fehlender Austausch unter Kollegen, z. B. durch Supervision

  • Fehlende Fachkompetenz oder Angst, bestimmten beruflichen Herausforderungen nicht gewachsen zu sein

Symptome
Die Symptome finden sich in vielen Bereichen der Persönlichkeit Betroffener wieder.
Verhaltensänderungen: Auswirkungen auf die Arbeit
  • Engagement, Motivation und Initiative bei der Arbeit gehen verloren

  • Schwindende berufliche Belastbarkeit

  • Pflegende gehen innerlich auf Distanz und identifizieren sich nicht mehr mit ihrer Tätigkeit

  • Pflege wird auf das Nötigste reduziert, intensiver Kontakt zu den Pflegebedürftigen vermieden

  • Negative Grundeinstellung den Pflegebedürftigen gegenüber, Wunsch nach Zuwendung wird z. B als unerträglich erlebt

  • Verlust von Sympathie und Achtung gegenüber Pflegebedürftigen, emotionale Härte

  • Konflikte mit Kollegen

  • Häufige Fehlzeiten, wiederholter Wechsel der Arbeitsstelle

Emotionale Veränderungen
  • Emotionale Erschöpfung, Desillusion, Resignation, Selbstzweifel, Aggressivität, Depressivität

  • Gefühl der Hilflosigkeit, innere Leere, Verzweiflung

  • Versagensgefühle, Verlust der Selbstachtung

  • Ggf. extremes Essverhalten (meist zu wenig)

  • Ggf. starker Konsum von Tabak, Kaffee und Alkohol

  • Zunahme privater Probleme

  • Erschöpfung und Überdruss beeinträchtigen alle Lebensbereiche

Körperliche Veränderungen
  • Abgeschlagenheit, Antriebsarmut

  • Neigung zu Infektionskrankheiten

  • Psychosomatische Beschwerden und Krankheiten

  • Schlafstörungen

Psychohygiene
Seelischer PsychohygieneGesundheitsschutz (also Prophylaxe des Burnouts), um den beruflichen Belastungen langfristig gewachsen zu sein. Maßnahmen nutzen, die dem eigenen Wohlbefinden, der Stärkung eigener Energie und des Selbstwertgefühls dienen.
Arbeitsorganisation
  • Berufliche Anerkennung und Bestätigung durch Vorgesetzte und Kollegen

  • Klare Hierarchie, aber demokratischer Führungsstil, der Eigenverantwortung und Kreativität zulässt

  • Mitspracherecht aller Mitarbeiter fördern

  • Ziele:

    • Positive Arbeitseinstellung steigern

    • Arbeitszufriedenheit und Effektivität fördern

    • Fachwissen nutzen und anerkennen

    • Psychische Spannungen reduzieren

    • Entfremdung vermeiden

    • Wertschätzung der Mitarbeiter

  • Im Team sensibel miteinander umgehen, regelmäßige Teambesprechungen

  • Regelmäßige Überprüfung der Arbeitsorganisation: Wo stehen wir, wo wollen wir hin, was können wir wie verbessern?

  • Weder Unter- noch Überforderung der Mitarbeiter

  • Intensive Einarbeitung neuer Mitarbeiter

  • Ausreichend Personal

  • Fortbildung, Supervision, Fallbesprechungen

Eigene Aktivitäten
  • Sich selbst immer wieder etwas „Gutes“ tun

  • Stabile Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen

  • Erfahrungsaustausch mit Kollegen, um zu erleben, dass es vielen genauso geht

  • Lernen, auch mal „Nein“ zu sagen

  • Lernen sich abzugrenzen, Arbeit und Freizeit trennen

  • Probleme klar ansprechen und versuchen, Lösungen herbeizuführen, z. B. zu knappe Zeit mit Leitung besprechen → Änderung des Tourenplans

  • Konflikten nicht aus dem Weg gehen, sich um sachliche Klärung bemühen

  • Eigene Fachkompetenz fördern (Literatur, Fortbildung)

  • Sich jeden Tag Zeit für sich selbst nehmen

  • Entspannung, z. B. durch Sport, Musizieren, Wandern

  • Entspannungsübungen wie Autogenes Training

  • Supervision in Anspruch nehmen

Überprüfung der eigenen Einstellung
  • Lernen, sich selbst anzunehmen, unabhängig von der eigenen Leistung

  • Wahrnehmung eigener Bedürfnisse und Grenzen, offener Umgang mit Stärken und Schwächen

  • Akzeptanz, dass man nicht immer so sein kann, wie es andere erwarten

  • Sensibilität für eigene Bedürfnisse erhöhen – und sich die Erfüllung gestatten

  • Eigene Ideale auf ihren Realitätsgehalt überprüfen

  • In Beziehungen darauf achten, eigene Ansprüche zu formulieren

  • Versuchen, eigene Schwächen und Schwierigkeiten so wohlwollend zu betrachten wie die Schwächen anderer („barmherzig“ mit sich selbst sein)

Konstruktiver Umgang mit Konflikten
  • Akzeptanz, dass Konflikte zum Leben gehören

  • Lernen, dass man jedes Problem von mehreren Seiten betrachten kann

  • Störgefühle rechtzeitig ansprechen, bevor es zur Konflikteskalation kommt

  • Begründete Kritik kann hilfreich sein und Impulse zur Verbesserung der eigenen Tätigkeit liefern

Therapie bei vorhandenem Burnout-Syndrom
Die Betroffenen des Burnout-Syndroms sind nicht in der Lage, sich selbst zu helfen oder ihre Situation zu verändern. Sie sind daher dringend auf die Hilfe anderer angewiesen. In den meisten Fällen sind die Betroffenen arbeitsunfähig und nehmen Psychotherapie in Anspruch. Meist sind vorübergehende Entlastungen wie kürzere Arbeitszeit oder Urlaub nicht ausreichend.

Rückengerechte Arbeitsweise

Rückengerechte ArbeitsweiseDie oft unzweckmäßige Ausstattung der Wohnung und das Fehlen adäquater Hilfsmittel bringen starke körperliche Belastungen in der häuslichen Pflege mit sich. Sie können durch rückengerechte Arbeitsweise reduziert werden.
Die häufige Beugehaltung des Rumpfs und das Bewegen schwerer Lasten schädigen bei falscher Technik Bandscheiben und Gelenke. Eine richtige Hebe- und Tragetechnik sowie der Einsatz von Hilfsmitteln beugen Wirbelsäulenschäden vor.
Grundsätze rückengerechter Arbeitsweise
  • Information des Pflegebedürftigen über einzelne Handlungsschritte, damit er möglichst viel mithelfen kann

  • Kommandos geben → erleichtert übereinstimmendes Arbeiten

  • Vorhandene Hilfsmittel optimal nutzen: Hebekissen, Lifter, höhenverstellbare Betten

  • Bei sehr adipösen und inaktiven Pflegebedürftigen Hilfe durch zweite Person anfordern

  • Bewusstsein für eigene Stellung im Raum, Gefühl für sich selbst entwickeln

  • Anheben, wo das größte Gewicht ist (Gesäß), restlichen Körper unterstützen, wo nötig

  • Körper des Pflegebedürftigen „abschnittsweise“ transportieren: Gesäß, Oberkörper, Beine

  • Nicht unter Zeitdruck setzen lassen, überlegtes und für beide Seiten schonendes Handeln

Richtiges Heben und Tragen
  • Ausgangsstellung: Standfläche und Standstabilität vergrößern

    • Beine in leichter Grätschstellung

    • Fußspitzen leicht nach außen gestellt

    • Auf der ganzen Fußsohle stehen

    • Leicht gebeugte Knie

    • Gefühl, sicher und fest zu stehen

  • Einschätzen des Tragegewichts

  • Bewegung aus Hüft- und Kniegelenk (Abb. 1.7)

  • Last körpernah anheben, langsames Strecken der Hüft- und Kniegelenke, nicht ganz durchstrecken

Umfeld organisieren
  • Schuhe:

    • Bequem, keine hohen Absätze

    • Rutschfestigkeit, guter Halt

    • Rundum geschlossene Schuhe, z. B. Halbschuhe

    • Keine offenen Sandalen

  • Genügend Platz zur Bewegung haben, evtl. behindernde Gegenstände umplatzieren

  • Arbeitshöhe anpassen, z. B. höhenverstellbare Pflegebetten bis zur Hüfthöhe einstellen

Tipps und Tricks

  • Ruckartige Bewegungen vermeiden, sie erhöhen Belastung der Wirbelsäule.

  • Ein niedriges und nicht verstellbares Bett muss von Pflegenden nicht akzeptiert werden. Zum Schutz der Mitarbeiter ist bei Bettlägerigkeit des Pflegebedürftigen ein zugelassenes Pflegebett unabdingbar.

  • Bei schweren Lasten (Männer: max. 50 kg Lastgewicht, Frauen: max. 20 kg Lastgewicht) holen sich Pflegende Hilfe oder setzen Hilfsmittel ein.

  • Pflegende betreiben Ausgleichssport, besuchen Rückenschule.

Kinaesthetics

Bedeutet Bewegungswahrnehmung (Kinästhetikgriech. „kinesis“: Bewegung, „aesthesie“: Wahrnehmung). Kinästhetik ist ein erfahrungsbezogenes Bewegungskonzept, welches hilft, die eigene Bewegung und damit auch die Bewegung anderer wahrzunehmen. Wird das Konzept bewusst genutzt, wirkt sich dies als Ressource positiv auf die eigene Gesundheit aus.
In der Pflegepraxis bedeutet dies: rückenschonende Arbeit in Kombination mit wertschätzender und ressourcenorientierter Mobilisation von Pflegebedürftigen. Um kinästhetisch arbeiten zu können, sollte ein zertifizierter Grund- und später ein Aufbaukurs besucht werden. Dort wird durch eigenaktives Lernen die Kompetenz erweitert. Die notwendige Sensibilität für Bewegung muss i. d. R. trainiert werden, bevor sie erfolgreich in die Pflege integriert werden kann. Kurse sind auch für pflegende Angehörige empfehlenswert.
Grundlegende Annahmen
  • Bewegung ist eine Grundlage unseres Seins.

  • Wir erleben uns durch unsere eigene Bewegung.

  • Wir lernen durch den Vergleich mit anderen Menschen.

  • Jeder Mensch hat seine eigene Empfindung und Wahrnehmung.

Bewegung ist ein komplexer Vorgang. Um die differenzierte und strukturierte Erfassung einer Bewegung zu erleichtern, dienen die folgenden 6 Konzepte (Abb. 1.8):
  • Interaktion: Qualität des Austauschs zwischen zwei Menschen, damit Ideen und Aktivitäten der an der Bewegung beteiligten Personen einfließen können. Gemeinsame Bewegung soll ermöglich werden, z. B. Absprache mit dem Pflegebedürftigen, welcher Transfer gleich geplant ist und wie er unterstützen kann

  • Funktionale Anatomie: Anatomische Grundlagen der Bewegung und Berücksichtigung der Schwerkraft, z. B.: Was kann der Pflegebedürftige überhaupt noch tun? Kann er auf seinen Beinen stehen?

  • Menschliche Bewegung: Natürliche Bewegungsmuster und Bausteine der Bewegung beachten, z. B. spirales Hinsetzen auf der Bettkante

  • Anstrengung: Eigenaktivität des Pflegebedürftigen gezielt einsetzen und durch effektive Gestaltung der Unterstützung die Anstrengung für den Pflegenden reduzieren, z. B. das präzise Drücken und Schieben an Becken oder Schulter

  • Menschliche Funktion: Positionen der Beteiligten (z. B. Einbein-Kniestand) und gezielter Bewegungslauf (z. B. Verlagern des Gewichts auf stabile Körperseite) tragen zur Entwicklung der Balancetätigkeit des Pflegebedürftigen bei

  • Umgebung: äußere Faktoren, die bewegungsfördernd oder -blockierend wirken, bzw. Rahmenbedingungen (z. B. Einsatz eines Hilfsmittels)

Tipps und Tricks

Der Pflegende kann seine Arbeit mit den folgenden Fragen überprüfen:

  • Hat der Pflegebedürftige die Möglichkeit, seine verbliebenen Fähigkeiten passend in den Bewegungsprozess einzubringen?

  • Wird der Bewegungsablauf durch den Pflegenden und den Pflegebedürftigen mitbestimmt?

  • Wird die Bewegungsunterstützung so gestaltet, dass der Pflegende sich vor berufsbedingten Verletzungen schützt?

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