© 2019 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-27063-5.00006-X

10.1016/B978-3-437-27063-5.00006-X

978-3-437-27063-5

Linksseitige Hemiparese nach Schlaganfall

[L190]

Basal stimulierende Körperwaschung bei Hemiplegie

[L190]

Selbsthilfetraining zum Anziehen

[L143]

Dosieraerosol ohne Spacer

[A400]

Die beiden Pole der bipolaren Störung

[L143]

Beispiel für einen SpritzenkalenderSpritzenkalender, Insulin für die Insulin-Injektion. Bevorzugter Bereich ist Unterhautfettgewebe des Bauches für schnell wirksames Insulin und das Unterhautgewebe des Beines für langsam wirksames Insulin.

[L190]

Komplikationen von Gallensteinen

[L190]

Scheidenpessar

[A400]

Ursachen und Beschwerden bei Herzinsuffizienz

[L190]

Schmerzausstrahlung bei Angina pectoris und Herzinfarkt

[L157]

Anzeichen und Folgeerkrankungen der Leberzirrhose

[L190]

Verschiedene physiotherapeutische Übungen für Menschen mit einer Parkinson-Erkrankung

[L157]

Prinzip der Hämodialyse. Aus dem punktierten Shuntgefäß wird Blut entnommen, im Dialysegerät gereinigt und über einen zweiten Gefäßzugang zurückgeleitet.

[L190]

Peritonealdialyse

[L190]

Beutelwechsel bei der CAPD

[L107]

Fragenkatalog zur Abschätzung der Suizidalität nach Pöldinger

[A300]

Übersicht über die wichtigsten Anämiearten.EisenmangelanämieHyperchrome AnämieHämolyseMegaloblastäre AnämiePerizinöse AnämieFolsäuremangelanämie

Tab. 6.1
Ursache Symptome Therapie
Eisenmangelanämie Mangelernährung, Blutungen (chronische Blutungen, Ulcus duodeni oder ventriculi, gesteigerte Menstruationsblutungen, ↑ Bedarf z. B. in der Schwangerschaft) und Resorptionsstörungen Hohlnägel, trockene rissige Haut, Haarausfall, Mundwinkelrhagaden, Müdigkeit Behandlung der Ursachen (Blutung stoppen), ↑ Eisenaufnahme über die Nahrung, medikamentöse Substitution
Anämie durch Hämolyse (Bildung von genügend funktionsfähigen Erythrozyten, die vorzeitig zugrunde gehen) Angeborener Erythrozytendefekt, künstliche Herzklappen, Auto-Antikörper, toxische und allergische Reaktionen, Malaria Ikterus, Splenomegalie bei akuter intravasaler Hämolyse: Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Fieber, RR-Abfall Behandlung der Ursachen
Anämie durch Blutung Akute oder chronische Blutung, z. B. Ulkus Akut: RR-Abfall, Tachykardie, Schweißausbruch, Unruhe, Blässe Blutung stillen, bei chronischer Blutung Ursache abklären und beheben
Hyperchrome Anämie
(auch Megaloblastäre Anämie)
Vitamin-B12-Mangel.Rote Blutkörperchen reifen im Knochenmark nicht regelrecht aus, sie sind zu groß und enthalten sehr viel Hämoglobin Müdigkeit, Leistungsverminderung, ← Herzfrequenz, Blässe, Kollapsneigung, Ikterus (Gelbfärbung der Haut), entzündlich gerötete „glatte“ Zunge (Hunter-Glossitis), Verdauungsstörungen und Bauchschmerzen Vitamin-B12-Substitution, ggf. Folsäuresubstitution
Perniziöse Anämie (Vitamin-B12-Mangel) Mangel an Intrinsic Factor → gestörte Resorption von Vitamin B12 durch Typ-A- (autoimmun) oder Typ-B-Gastritis (bakterielle Assoziation mit Helicobacter pylori) Müdigkeit, Leistungsverminderung, ← Herzfrequenz, Blässe, Gewichtsabnahme, Diarrhö, Fieber, Polyneuropathie, z. B. Missempfindungen (Kribbeln, pelziges Gefühl), eingeschlafene Hände und Füße, Gangunsicherheit, Koordinationsstörungen oder seltener Lähmungen Lebenslang, Vitamin B12 i. m. oder oral
Folsäuremangelanämie Mangelnde Zufuhr von Folsäure, z. B. bei Alkoholabhängigkeit oder Zöliakie Folsäuremangel kurz vor und zu Beginn einer Schwangerschaft ist assoziiert mit einer erhöhten Fehlbildungsrate (Neuralrohrdefekt, Spina bifida, Anenzephalie oder einer Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte). Ansonsten ähnliches Bild wie bei der perniziösen Anämie, weil Folsäure als Coenzym für Vitamin B12 benötigt wird Folsäureeinnahme

Substitutionsmedikamente bei Anämie. AnämieTherapie, Pflege

Tab. 6.2
Medikament Indikation Nebenwirkungen/Besonderheiten
Eisenpräparate Eisenmangelanämie
  • Übelkeit, Durchfall, Verstopfung, Schwarzfärbung des Stuhls, irreparable Schwarzfärbung der Zähne bei flüssigen Präparaten

  • Keine Antazida (7.6.1) gleichzeitig geben

  • Eisenpräparate i. v. nur in Ausnahmefällen (Unverträglichkeit bei oraler Einnahme, Eisenresorptionsstörung)

Vitamin-B12-Präparate Hyperchrome AnämiePerniziöse Anämie
  • Allergische Reaktion

  • Zur Dauersubstitution i. m. einmal monatlich oder oral täglich

Folsäure-Präparate Hyperchrome Anämie
  • Folsäuresubstitution in hohen Dosen kann Vitamin-B12-Mangel kaschieren

  • Wirkung antiepileptischer Medikamente kann beeinträchtigt werden

Stadieneinteilung des Asthma bronchiale.

Tab. 6.3
Stadium Symptome
I: geringes Asthma Geringe Atemnot
II: mäßiges Asthma Atemnot in Ruhe, Gebrauch der Atemhilfsmuskulatur, lautes Giemen beim Atmen
III: schweres Asthma Schwere Atemnot, Zyanose, lautes Giemen, paradoxer Puls bei der Einatmung
IV: lebensbedrohliches Asthma Schwerste Atemnot, Lethargie, Verwirrtheit, paradoxer Puls

Stadien der chronischen Bronchitis.COPDChronische obstruktive BronchitisLungenemphysem

Tab. 6.4
Stadien Symptome
Einfache chronische Bronchitis Schleimig-weißer Auswurf ohne Verengung der Bronchialwege, „Raucherhusten“
Chronische obstruktive Bronchitis (COPD) Verengung der Bronchialwege durch Ödem der Schleimhaut und Verkrampfung der Bronchien, Auswurf, zähes Sputum
Emphysem Wie COPD, zusätzlich Emphysem mit verminderter Gasaustauschfläche

Mögliche Unterschiede zwischen Demenz und Pseudodemenz.Pseudodemenz

Tab. 6.5
Demenz Pseudodemenz
Verlauf Langsam stärker werdend Akuter Beginn, wechselnde Intensität
Ursache Keine erkennbar Oft ein einschneidendes Erlebnis, z. B. Tod eines Angehörigen oder Umzug
Klinisches Bild
  • Ausfälle von Gedächtnis, Orientierung, Konzentrations- und Auffassungsgabe

  • Ggf. wird Gedächtnisverlust kaum beklagt; Krankheit wird heruntergespielt

  • Lösen von Aufgaben strengt an

  • Keine psychiatrische Krankheitsgeschichte

  • Schlechtes Gedächtnis, gute Orientierung

  • Ggf. wird Gedächtnisverlust beklagt; Erschütterung über Krankheit

  • Beim Lösen von Aufgaben strengt sich Betroffener kaum an, schiebt Anstrengung vor

  • Ggf. psychiatrische Krankheitsvorgeschichte

Stadieneinteilung der Demenz.DemenzStadieneinteilung

Tab. 6.6
Stadium Symptome
Leichte Demenz Erste geistige Defizite und Einschränkungen der selbstständigen Lebensführung, unabhängiges Leben noch möglich:
  • Nachlassendes Kurzzeitgedächtnis

  • Zeitliche Orientierungsschwierigkeiten

  • Stimmungsschwankungen, Depression, Reizbarkeit, Antriebsschwäche

Mittelschwere Demenz Zunehmender Verlust der geistigen Fähigkeiten, eingeschränkte Selbstständigkeit, unabhängiges Leben nicht mehr möglich:
  • Schwindende Rechen- und Problemlösungsfähigkeit

  • Handfertigkeitsstörungen (Haushalt, Ankleiden)

  • Erkennungsstörungen

  • Zunehmende Vergesslichkeit (Geburtstage, Medikamente)

  • Desorientierung (Zeit und Ort)

  • Sprachstörungen (besonders Sprachverständnis)

  • Vernachlässigung der Hygiene

  • Wahnvorstellungen (Bestehlungsideen)

  • Unruhe, Depression, Aggressivität

  • Nachlassendes Langzeitgedächtnis

  • Beginnender Hilfebedarf

Schwere Demenz Verlust der Alltagskompetenz mit völliger Pflegeabhängigkeit:
  • Gedächtniszerfall

  • Mangelnde persönliche Orientierung

  • Erkennungsstörungen

  • Sprachzerfall (kaum mehr Satzbildung möglich)

  • Agnosie (auch Angehörige werden nicht mehr erkannt)

  • Inkontinenz

Kriterien zur Unterscheidung von Depression und Trauer.

Tab. 6.7
Depression Normale Trauer
Längere traurige Stimmung Kürzere traurige Verstimmung
Häufig kein Ausdruck, kein Weinen Trauer wird meist ausgedrückt, z. B. durch Reden oder Weinen
Schwere Schuldgefühle und Selbstvorwürfe Bewältigung von Schuldgefühlen möglich
Rückzug aus Kontakten Weiterhin Kontakt zu Mitmenschen
Keine Anpassung, keine Sinnfindung Finden neuer Ziele, Lebensinhalte
Verlust des Selbstwertgefühls Entwerten sich nicht

Blutzucker-Normwerte und Abweichungen.BlutzuckerWerte

Tab. 6.8
Physiologisch Pathologisch
nüchtern < 100 mg/dl ≙ 5,6 mmol/l > 126 mg/dl ≙ 7,0 mmol/l
nach dem Essen > 140 mg/dl ≙ 7,8 mmol/l > 200 mg/dl ≙ 11,1 mmol/l

Unterschiede zwischen Diabetes Typ 1 und Typ 2.

Tab. 6.9
Diabetes Typ 1 Diabetes Typ 2
Ursachen
  • Ursache unklar; möglicherweise durch Umweltfaktoren, Autoimmunerkrankung, pathologische Virusreaktion

  • Erbliche Komponente gering

  • Manifestation durch Bewegungsmangel, Stress, Übergewicht, Schwangerschaft

  • 90 % der Betroffenen haben Übergewicht

  • Risiko steigt ab 40. Lebensjahr

Symptome
  • Schneller Beginn der Erkrankung

  • Betroffene meist schlank

  • Gewichtsverlust trotz vermehrter Nahrungsaufnahme

  • Polyurie, Glukosurie

  • Großes Trinkbedürfnis, mitunter Exsikkose

  • Stoffwechselentgleisung mit Übelkeit, Bewusstseinsstörungen

  • Diabetisches Koma

  • Langsamer, schleichender Beginn

  • Schwäche, Leistungsabfall

  • Gehäufte Harnwegsinfekte und Pilzinfektionen

  • Juckreiz

  • Großes Trinkbedürfnis mit vermehrter Harnausscheidung

  • Stoffwechselentgleisung mit Übelkeit, Bewusstseinsstörungen

  • Diabetisches Koma

Therapie
  • Insulin

  • Ernährungsumstellung

  • Bewegung

  • Ernährungsumstellung

  • Bewegung

  • Medikamentöse Therapie: Antidiabetika und/oder Insulin

  • Ggf. Gewichtsreduktion

Richtwerte zur Abschätzung des Kalorienbedarfs von Diabetikern.

Tab. 6.10
Ältere, normalgewichtige Diabetiker 1 700 kcal (17–19 KHE)
Kinder bis 50 kg 1 500 kcal (ca. 16 KHE)
Stark adipöse Diabetiker 1 200 kcal (13–14 KHE)
Normal große, arbeitende Diabetiker und Schwangere 1 800–2 500 kcal (19–29 KHE)
Große, körperlich schwer arbeitende Diabetiker > 3 000 kcal (über 30 KHE)
Bei Gewichtsreduktion ⅔ des Kalorienbedarfs
Die Anzahl der KHE legt der Hausarzt/Diabetologe fest.

Beispiel für Mahlzeiten eines Tages (23 KHE).

Tab. 6.11
Frühstück:
1 Vollkornbrötchen, 1 Graubrot-Scheibe
40 g Butter, 25 g Marmelade, 30 g Magerquark, 25 g Käse (45 % Fett)
200 ml Kaffee, 15 ml Kondensmilch (4% Fett)
5,5 KHE
4,0 KHE
1,5 KHE
< 0,1 KHE
2. Frühstück:
200 g Joghurt (3,8 % Fett), 1 Apfel
3,0 KHE
3,0 KHE
Mittagessen:
200 g Kartoffeln
7 g Mehl zum Andicken einer Soße, 10 ml Öl zum Braten
120 g Putenschnitzel, 200 g Broccoli, gedünstet
125 g frisches Beerenobst als Dessert
4,5 KHE
3,0 KHE
0,5 KHE
0,5 KHE
0,5 KHE
Vesper:
100 g Obsttorte
200 ml Kaffee, 15 ml Kondensmilch (4 % Fett)
3,0 KHE
3,0 KHE
< 0,1 KHE
Abendessen:
2 Vollkornbrot-Scheiben
20 g Butter, 30 g Corned Beef, 25 g Käse (45 % Fett)
Je 50 g frische Tomate und Gurke
4,5 KHE
4,2 KHE
< 0,1 KHE
0,3 KHE
Nachtmahlzeit:
200 g Joghurt (3,8 % Fett), 1 Apfel
2,5 KHE
2,5 KHE
Zu jeder Mahlzeit, sofern nicht anders angegeben, 200 ml Mineralwasser/ungesüßter Tee. Alle KHE wurden gerundet. (www.diabetes-ratgeber.net)

Häufige Probleme bei der Blutzuckereinstellung und mögliche Ursachen. BlutzuckerEinstellung, Probleme

Tab. 6.12
BZ zu hoch BZ zu niedrig
Nüchtern
Abendliches Insulin zu wenig, Injektion zu früh am Abend, Nachtmahlzeit/Abendessen zu reichlich, nächtliche Unterzuckerung mit Sofortmaßnahmen (Cola, Apfelsaft etc.) behoben
Nüchtern
Verzögerungsinsulin am Abend zu hoch, Nachtmahlzeit zu gering, Alkoholgenuss, Sport
Nach dem Frühstück
Zu viel KHE für die gespritzten Insulineinheiten, Zusammensetzung der KHE ungünstig (leicht resorbierbare Kohlenhydrate)
Nach dem Frühstück
Frühstück zu wenig, Insulin zu viel, Alkoholgenuss, Sport
Vor dem Abendessen
Mittagessen/Vesper zu reichlich, morgendliches Verzögerungsinsulin zu gering, Normalinsulin zum Mittag zu gering
Nachmittags
Basalrate zu hoch, Normalinsulin am Mittag zu hoch, Mittagessen/Vesper zu gering, Alkoholgenuss, Sport
Vor dem Schlafengehen
Abendessen zu reichlich, Zusammensetzung ungünstig, Normalinsulin zu gering
Vor dem Schlafengehen
Abendessen zu wenig, Normalinsulin zu hoch, Alkoholgenuss, Sport
Nachts
Nachtmahlzeit zu reichlich, Basalrate zu gering
Nachts
Nachtmahlzeit zu gering, Basalrate zu hoch, Alkoholgenuss, Sport
Blutzucker-Niveau insgesamt zu hoch
Unerkannter Infekt, Änderung der Essgewohnheiten/Medikation, weniger körperliche Aktivität, Änderung des Injektionsortes, Gewichtszunahme

Stadieneinteilung Ekzeme/Dermatitis.

Tab. 6.13
Stadium Erscheinungsbild
Akutes Ekzem Innerhalb weniger Stunden einsetzende, heftige Rötung mit Bildung von Bläschen, die leicht platzen und die Hautoberfläche in ein nässendes, hochrotes und juckendes bis brennendes Feld verwandeln
Subakutes Ekzem Gerötete verkrustete Bereiche mit beginnender Schuppung
Chronisches Ekzem Länger bestehende Dermatitis → Verdickung der Oberhaut: stark ausgeprägte Schuppung, Vergröberung der Hautfältelung, Rötung, Juckreiz → Kratzeffekte → erneute Infektion oder Rückführung in akuten Zustand
Je akuter eine Dermatitis, desto stärker gerötet und feuchter nässend ist die Haut!

Strumaeinteilung nach Größe.

Tab. 6.14
Stadium Erscheinungsbild
I a Tastbares Struma, mit zurückgelegtem Kopf nicht sichtbar
I b Tastbares Struma, mit zurückgelegtem Kopf sichtbar
II Bei normaler Kopfhaltung sichtbares Struma
III Auf Distanz sichtbar, mit folgenden Symptomen:
  • Verdickung am Hals

  • Engegefühl im Halsbereich

  • Druck auf Luft- und Speiseröhre führt zu inspiratorischem Stridor (ziehendes Geräusch beim Einatmen), Luftnot und Schluckbeschwerden

Unterscheidung zwischen Zervix- und Endometriumkarzinom.

Tab. 6.15
Zervixkarzinom Endometriumkarzinom
Ursachen
  • Häufig infektiös bedingt durch Papillomaviren

  • Früher erster Geschlechtsverkehr, häufiger Partnerwechsel (auch des Partners)

  • Mangelnde Hygiene und Rauchen erhöhen das Risiko

  • Östrogendominanz gegenüber Gestagen

  • Risikofaktoren: Übergewicht, Hypertonie, Diabetes mellitus

Symptome
  • Fleischwasserfarbiger, süßlich riechender Fluor

  • Unregelmäßige Zwischenblutungen

  • Kontaktblutungen beim Geschlechtsverkehr

  • Im späten Stadium Schmerzen

  • Blutungen nach der Menopause

  • Unregelmäßige Zwischenblutung

  • Eitriger, blutiger oder fleischwasserfarbiger Fluor

  • Evtl. Schmerzen im Unterbauch

Therapie
  • Im Anfangsstadium fertilitätserhaltende Konisation (kegelförmige Entfernung des Zervix) möglich

  • In späteren Stadien Hysterektomie (Entfernung der Gebärmutter) und Entfernung befallener Lymphknoten, Chemo- und Strahlentherapie

  • Im Anfangsstadium und bei bestehendem Kinderwunsch Hormontherapie (Gestagen)

  • Ansonsten Operation mit Entfernung der Gebärmutter und ggf. der Eierstöcke sowie befallener Lymphknoten

  • Strahlentherapie

  • Chemotherapie

Übungen zur Aktivierung des Beckenbodens.BeckenbodengymnastikBeckenbodengymnastik

[L157]

Tab. 6.16
Ausgangslage Durchführung
Flache Rückenlage
Beckenbodenmuskulatur während der langsamen Ausatmung anspannen (auch After und Vagina verschließen), dabei Gesäß leicht anspannen. Danach während einiger Atemzüge entspannen und Übung wiederholen.
Rückenlage mit aufgestellten Knien
Während der Ausatmung das Kreuz auf die Unterlage drücken, Gesäß und Beckenbodenmuskulatur anspannen und das Gesäß anheben. Danach entspannen und Übung wiederholen.
Rückenlage, Kopf und Oberkörper liegen auf der Unterlage, Beine leicht angewinkelt
Beine zu einer Seite fallen lassen. Danach während der Ausatmung Gesäß und Beckenbodenmuskulatur anspannen und die Knie auf die andere Seite bringen. Entspannen und Übung zur anderen Seite hin wiederholen.
Vierfüßlerstand
Während der Ausatmung die Wirbelsäule runden („Katzenbuckel“ machen) und die Beckenbodenmuskulatur anspannen. In der Entspannungsphase den Rücken durchhängen lassen. Danach die Übung wiederholen.
Sitzen mit gegrätschten Beinen, mit den Armen abstützen
Füße in gleichmäßigem Rhythmus von Anspannung und Entspannung nach innen drehen und wieder nach außen fallen lassen.

Harnsäuregehalt verschiedener Nahrungsmittel. Harnsäuregehalt, NahrungsmittelErnährungGicht

Tab. 6.17
Nahrungsmittel (100 g) Harnsäuregehalt in mg
Fleischextrakt 1 680
Ölsardinen 958
Lachs, Leber 600
Linsen (getrocknet) 533
Geflügel 360
Erbsen 348
Erdnüsse (geröstet) 288
Hase, Hirsch 264
Spinat 168
Bier 34

Stadieneinteilung bei Hämorrhoiden.

Tab. 6.18
Stadium Symptome
I
  • Keine Schmerzen

  • Evtl. hellrote Blutauflagerungen auf Stuhl

  • Evtl. Afterjucken

II
  • Größere Knoten fallen bei Stuhlentleerung vor und schmerzen, schieben sich nach der Stuhlentleerung wieder spontan in Analkanal zurück

  • Entzündungserscheinungen: Brennen, Nässen, Hitzegefühl

  • Evtl. hellrote Blutauflagerungen auf Stuhl

III
  • Prolaps bildet sich nicht alleine zurück, lässt sich aber manuell zurückdrücken

  • Starke Schmerzen bei und nach jedem Stuhlgang und beim Sitzen

  • Entzündungen

  • Ödematöse Schwellung

  • Quälender Juckreiz

  • Schleimabsonderungen

IV
  • Einklemmung der Hämorrhoidalknoten, lassen sich nicht mehr zurückdrücken

  • Heftigste Schmerzen

Häufigste Formen der Hepatitis.LeberzirrhoseLeberkarzinom

Tab. 6.19
Hepatitis A Hepatitis B Hepatitis C
Inkubationszeit 2–6 Wochen 1–6 Monate 2–26 Wochen
Erreger Hepatitis-A-Virus Hepatitis-B-Virus Hepatitis-C-Virus
Infektionsgang Vorwiegend fäkal-oral, seltener durch Blutprodukte, Geschlechtsverkehr Überwiegend parenteral durch Blut, Blutprodukte, Körpersekrete (Speichel, Vaginalsekret, Sperma), von Mutter auf Fetus Häufigste Form der Transfusionshepatitis, andere Wege nicht ausgeschlossen (siehe Hepatitis B)
Immunität Lebenslang Unklar Unklar
Ansteckungsgefahr 2 Wochen vor bis 4 Wochen nach Erkrankungsbeginn Solange bestimmte Parameter positiv Dauer unklar
Verlauf 50–90 % asymptomatisch, typische Reiseerkrankung bei Reisen in Länder mit schlechtem Hygienezustand, keine Chronifizierung Chronisch in 5–10 % der Fälle Zu 70 % asymptomatisch, zu 30–50 % chronisch, dann hohes Risiko für Leberkarzinom, Leberzirrhose (20 %), fulminanter Verlauf möglich
Meldepflicht Erkrankung, Tod

Phasen der akuten Virus-Hepatitis (kann jede Hepatitis betreffen).

Tab. 6.20
Stadium Symptome
I. Prodromalstadium
(präikterisches Stadium)
Grippeähnliche Allgemeinsymptome, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Durchfall, Druckgefühl im Oberbauch, Gelenk- und Muskelschmerzen
II. Krankheitsphase
(ikterisches Stadium)
  • Grau-gelber Stuhl, braun gefärbter Urin

  • Druckschmerz und Vergrößerung der Leber, Milz und evtl. Lymphknoten

  • Juckreiz bei ausgeprägtem Ikterus

III. Rekonvaleszenzphase
(postikterisches Stadium)
Langsame Rückbildung aller Krankheitssymptome

Stadien der hepatischen Enzephalopathie.Enzephalopathie, hepatische

Tab. 6.22
Stadium Symptome
I Prodromalstadium Unruhe, Verlangsamung, rasche Ermüdbarkeit, Sprachstörungen, Merkstörungen, Apraxie, Veränderungen der Handschrift, Flattertremor
II Drohendes Koma Zunehmende Schläfrigkeit, Apathie, Desorientiertheit, Flattertremor
III Sopor Betroffener schläft fast nur, ist jedoch aufweckbar; Foetor hepaticus, Reflexe erhalten
IV Tiefes Koma Keine Reaktion auf Schmerzreize, Reflexe erloschen, Foetor hepaticus stark ausgeprägt

Die verschiedenen Leukämiearten.

Tab. 6.23
Erkrankung Betroffene Symptome Therapie
Akute lymphatische Leukämie (ALL) Meist Kinder
  • Anämie mit Müdigkeit und Abgeschlagenheit

  • Erhöhte Blutungsneigung, gehäufte Infektionen mit Sepsisgefahr

  • Lymphknotenschwellung

  • Milzvergrößerung

  • Später Infiltration in Haut und Gehirn

  • Schnell und aggressiv

  • Intensive Chemotherapie → hohes Infektionsrisiko

  • Bestrahlung des Gehirns

  • Akute Behandlung stationär

  • Knochenmarktransplantation

Akute myeloische Leukämie (AML) Überwiegend Erwachsene
  • Anämie mit Müdigkeit und Abgeschlagenheit

  • Erhöhte Blutungsneigung, gehäufte Infektionen mit Sepsisgefahr

ChemotherapieKnochenmarktransplantation
Chronische lymphatische Leukämie (CLL) Überwiegend Erwachsene im höheren Lebensalter
  • Uncharakteristischer, schleichender Beginn

  • Unklare Hautausschläge, starker Juckreiz

  • Symmetrische, schmerzlose Lymphknotenschwellung

  • Auffällige Milzvergrößerung

  • Spät und schonend

  • Chemotherapie

  • Symptomatische Therapie, z. B. Immunglobuline

  • Knochenmarkstransplantation in einigen Fällen sinnvoll

Chronische myeloische Leukämie (CML) Überwiegend Erwachsene mittleren Alters
  • Uncharakteristischer, schleichender Beginn

  • Unklare Hautausschläge, starker Juckreiz

  • Symmetrische, schmerzlose Lymphknotenschwellung

  • Besonders auffällige Milzvergrößerung

  • Chemotherapie

  • Bei Versagen der Chemotherapie Knochenmarkstransplantation

Kalziumgehalt ausgesuchter Lebensmittel. Ernährungkalziumreich

Tab. 6.25
Kalziumreiche Kost (ca. 1 500 mg täglich)
Menge (ca.) Kalziumgehalt (mg)
Scheibe Hartkäse 40 g 300–500
Milch 150 ml 180
Quark 200 g 170
Milchpudding-Dessert 150 g 130
Joghurt 150 g 220
Grünkohl 200 g 300
Fisch 200 g 76
Mineralwasser 1 000 ml 500

Einteilung des Trinkverhaltens (nach Jellinek 1960).

Tab. 6.26
Typ Beschreibung Verhalten
Alpha-Alkoholiker Konflikttrinker Unregelmäßiges Trinken, zeitweilige psychische Abhängigkeit, kein Kontrollverlust
Beta-Alkoholiker Gelegenheitstrinker Trinkverhalten vom sozialen Umfeld mitbestimmt, evtl. körperliche Folgen, kein Kontrollverlust
Gamma-Alkoholiker Süchtiger Trinker Psychische und physische Abhängigkeit, Toleranzsteigerung, körperliche und soziale Schäden, Kontrollverlust
Delta-Alkoholiker Spiegeltrinker Aufrechterhaltung eines ausreichenden Blutalkoholspiegels, kontinuierliches Trinken, unfähig zur Abstinenz
Epsilon-Alkoholiker Quartalstrinker Trinkt in Abständen exzessiv, Kontrollverlust

Krankheiten von A–Z

Anja Palesch

Sylvana Anders

(Kap. 6.11)

  • 6.1

    Anämie425

  • 6.2

    Angina pectoris427

  • 6.3

    Angststörungen427

  • 6.4

    Apoplex429

  • 6.5

    Asthma bronchiale436

  • 6.6

    Bandscheibenvorfall439

  • 6.7

    Bronchitis441

    • 6.7.1

      Akute Bronchitis441

    • 6.7.2

      Chronische Bronchitis442

  • 6.8

    Demenzielle Erkrankungen (chronische Verwirrtheit)443

  • 6.9

    Depression (affektive Störung)446

  • 6.10

    Dermatitis449

  • 6.11

    Diabetes mellitus449

  • 6.12

    Ekzem/Dermatitis/ allergisches Kontaktekzem/ Nesselsucht458

    • 6.12.1

      Ekzem/Dermatitis458

    • 6.12.2

      Allergisches Kontaktekzem459

    • 6.12.3

      Nesselsucht460

  • 6.13

    Epilepsie461

  • 6.14

    Erysipel463

  • 6.15

    Euthyreote Struma464

  • 6.16

    Frakturen465

  • 6.17

    Gallensteine466

  • 6.18

    Gastritis468

  • 6.19

    Gastroenteritis470

  • 6.20

    Gebärmutterkarzinom471

  • 6.21

    Gebärmuttersenkung472

  • 6.22

    Gicht475

  • 6.23

    Grauer Star (Katarakt)477

  • 6.24

    Grüner Star (Glaukom)478

  • 6.25

    Hämorrhoiden479

  • 6.26

    Harnwegsinfektionen480

  • 6.27

    Hauttumoren481

  • 6.28

    Hepatitis482

  • 6.29

    Herpes Zoster/Gürtelrose486

  • 6.30

    Herzinfarkt487

  • 6.31

    Herzinsuffizienz488

  • 6.32

    Herzrhythmusstörungen490

    • 6.32.1

      Tachykardie491

    • 6.32.2

      Bradykardie491

    • 6.32.3

      Extrasystolen492

  • 6.33

    Hörsturz493

  • 6.34

    Hyperthyreose493

  • 6.35

    Hypertonie495

  • 6.36

    Hypothyreose497

  • 6.37

    Hypotonie498

  • 6.38

    Influenza499

  • 6.39

    Kehlkopftumoren500

  • 6.40

    Knochentumoren/ -metastasen501

  • 6.41

    Kolon- und Rektumkarzinom502

  • 6.42

    Koronare Herzkrankheit (KHK)503

  • 6.43

    Leberzirrhose505

  • 6.44

    Leukämie507

  • 6.45

    Lungenembolie508

  • 6.46

    Lungentumoren509

  • 6.47

    Lymphödem511

  • 6.48

    Magenkarzinom511

  • 6.49

    Mammakarzinom513

  • 6.50

    Mittelohrentzündung515

  • 6.51

    M. Hodgkin und Non-Hodgkin- Lymphom516

  • 6.52

    M. Parkinson/Parkinson- Syndrom517

  • 6.53

    Multiple Sklerose (MS)520

  • 6.54

    Neurodermitis523

  • 6.55

    Nierenbeckenentzündung525

  • 6.56

    Niereninsuffizienz, chronische (CNI)526

  • 6.57

    Nierensteine533

  • 6.58

    Osteoporose534

  • 6.59

    Pankreaskarzinom537

  • 6.60

    Pankreatitis, chronische538

  • 6.61

    Phimose und Paraphimose539

  • 6.62

    Pilzerkrankungen (Mykosen)539

  • 6.63

    Pneumonie/ Lungenentzündung541

  • 6.64

    (Poly-)Neuropathien (PNP)543

  • 6.65

    Prostatahypertrophie544

  • 6.66

    Psoriasis545

  • 6.67

    Querschnittslähmung547

  • 6.68

    Rheuma (entzündliches Gelenkrheuma)548

  • 6.69

    Schizophrenie551

  • 6.70

    Sucht553

    • 6.70.1

      Alkoholabhängigkeit554

    • 6.70.2

      Medikamentenabhängigkeit557

  • 6.71

    Suizidalität558

  • 6.72

    Thrombophlebitis561

  • 6.73

    Thrombose/ Phlebothrombose562

  • 6.74

    Tuberkulose (Tbc)563

  • 6.75

    Ulcus cruris venosum565

  • 6.76

    Varizen/Varikosis567

  • 6.77

    Wahn568

Anämie

Blutarmut: Verminderung der AnämieArtenHämoglobinkonzentration, des Hämatokrits und meist der Erythrozytenzahl bei normalem oder vermindertem Blutvolumen (Tab. 6.1).
Allgemeine Symptome
  • Antriebslosigkeit, Schlafstörungen

  • Blässe, Hypotonie

  • Kreislaufprobleme, Herzklopfen, Angina pectoris, Atemnot, Zyanose, Müdigkeit

Therapie
  • Ursache behandeln

  • Medikamentöse Substitution (Tab. 6.2)

Pflege
  • Nach Bedarf Unterstützung bei allen AEDL®, Selbstständigkeit erhalten/fördern

  • Nebenwirkungen durch Eisenpräparate erkennen, z. B. Obstipation, Diarrhö, Übelkeit. Bei starken Reaktionen evtl. in Absprache mit dem Arzt das Präparat oder die Dosierung ändern

  • Intensive Pflege bei trockener rissiger Haut und Mundwinkelrhagaden

  • Bei Eisenmangelanämie gesteigerte Zufuhr durch entsprechende Nahrungsmittel:

    • Tierisches Eisen wird besser resorbiert als pflanzliches

    • Vorkommen in Fleisch, Leber, Hülsenfrüchten, Vollkorngetreide

    • Zusätzlich Vitamin C, auch in Form von frischem Obst und Gemüse, dies fördert die Eisenaufnahme

    • Eisenhaltige Getränke, z. B. Traubensaft

  • Einnahme von Eisenpräparaten nicht mit Milchprodukten, Kalzium hemmt die Eisenresorption

  • Langsame Mobilisation, besondere Aufmerksamkeit auf Kreislaufinstabilität bei Anämien

  • Aktivitäten dosiert über den Tag verteilt, Ruhepausen ermöglichen

Tipps und Tricks

Bei Hämoccult®-Test (Untersuchung auf Blut im Stuhl): möglichst 3 Tage vor der Untersuchung keine Vitamin-C-Präparate oder Vitamin-C-reiche Nahrungsmittel, Obstsäfte, zu sich nehmen → kann zu falsch-positiven Testergebnissen führen.

Beobachten und Dokumentieren

  • Puls, Atmung → beschleunigt?

  • RR → erniedrigt?

  • Hautzustand → trocken, rissig?

  • Hautfärbung, Schleimhautdurchblutung (Bindehautsack des Auges ist gut zur Beobachtung geeignet)?

Angina pectoris

Koronare Herzkrankheit (6.42, 7.4.3)

Angststörungen

Anja Palesch
Furcht: Angststörungnormale Reaktion auf Bedrohung (Gefahrensignal).
Krankhafte Angst: unangemessene, übersteigerte Reaktion des Betroffenen → sich existenziell bedroht fühlen, Einengungsgefühl, Gefühl des Ausgeliefertseins. Ängste sind bei vielen Menschen Bestandteil des Lebens (Existenzangst, soziale Angst, Leistungsangst).

Info

8–10 % aller alten Menschen leiden unter pathologischer, übersteigerter Angst.

Angstformen
  • Panikattacken: treten plötzlich auf, begleitet von äußerst unangenehmen körperlichen Symptomen, z. B. Atemnot, Engegefühl in Brust und Kehle, Herzrasen, Schweißausbrüche, Zittern, Angstgedanken

  • Phobien Phobie(Furcht vor bestimmten Situationen, Objekten, Tätigkeiten), z. B. vor Spinnen, Mäusen, großen Plätzen, Fahrstuhlfahren, Einkaufen

  • Generalisiertes Angstsyndrom: andauernde Angst

  • !

    Zwänge gehören nicht zu den Angstformen, z.B. Wasch-, Putz-, Kontroll- oder Sammelzwang. Dies sind Bewältigungsstrategien und können der Abwehr von Angstgefühlen dienen!

Ursachen
  • Körperlich: Gefühl der Lebensbedrohung, z. B. bei Herzinfarkt, Luftnot, Entzug von Tranquilizern und Neuroleptika, Schmerzen

  • Häufiges Leitsymptom bei psychiatrischen Erkrankungen, z. B. Wahn, Depression, Demenz

  • Mögliche Auslöser: Überforderung, plötzliche oder lang andauernde Belastung, körperliche Erkrankungen

  • Diskutiert werden Persönlichkeitsmerkmale wie mangelndes Durchsetzungsvermögen, unverarbeitete Aggressionen, Unterdrückung von Gefühlen, Traumatisierungen in der Vergangenheit

Symptome
  • Körperlich:

    • Subjektiv empfundene Beschwerden wie Beklemmungen, Herzschmerzen, Atemnot, Kloß im Hals, Muskelanspannung, trockener Mund

    • Objektiv nachweisbar sind Anstieg von Puls und Blutdruck, Herzrhythmusstörungen, beschleunigte Atmung, Schwitzen, Zittern, Durchfall, erweiterte Pupillen, Harndrang, Blutzuckeranstieg

  • Psychisch: Denkstörungen (Denkblockaden), Vergesslichkeit, Hilflosigkeit, Verzweiflung, Unruhe, Schlafstörungen

  • Verhalten: angstauslösende Gegenstände bzw. Situationen werden gemieden, z. B. wird Wohnung nicht mehr verlassen, angstauslösenden Situationen ausgewichen (Angstvermeidung)

Therapie
Ziel: mit der Angst leben lernen → nach Möglichkeit Reduzierung der Angst und Aufgabe der Angstvermeidungsstrategien.
  • Bei Aufnahme in psychiatrische Klinik: Verhaltenstherapie (krankhafte Angstreaktion verlernen), Gespräche, Entspannungsübungen,

  • Gabe von Antidepressiva (7.8.4)

  • Benzodiazepine (7.8.6) nur kurzfristig in Ausnahmefällen (schwere Panikattacke, Unverträglichkeit von Antidepressiva, Suizidalität)

Pflege
  • Bezugspflege (1.3.3), sodass sich Vertrauensbeziehung aufbaut

  • Eigene Grenzen erkennen, rechtzeitig Facharzt einschalten

  • Angstauslösende Situation erkennen und verändern, z. B. nachts Schattenwurf reduzieren

  • Gefühle von Angst und Furcht aussprechen lassen (aktives Zuhören)

  • Mit Gesprächen positive Lebensgefühle stärken, z. B. über Hobbys, positive Ereignisse in der Vergangenheit

  • Selbstwertgefühl stärken, z. B. auch für kleine Erfolge loben

  • Falls möglich Verhaltensänderung einüben: Angstvermeidung allmählich abbauen; ermutigen, sich der angstauslösenden Situation zu stellen, dabei nicht allein lassen; mit Verhaltenstherapeuten zusammenarbeiten

  • Mit allen Pflegenden/Angehörigen Umgang absprechen, einheitliches Vorgehen gewährleisten

Info

Erstmaßnahmen bei Panikattacke

  • PanikattackeBeruhigende Maßnahmen: im Gespräch vermitteln, für den Pflegebedürftigen da zu sein, Körperkontakt, wenn gewünscht (in den Arm nehmen oder Hand halten)

  • Nicht allein lassen, bis Angst nachlässt

  • Nur nach Arztanordnung angstlösende Medikamente geben, z. B. Lorazepam

  • Ggf. Haus- oder Notarzt anfordern

  • Angehörige informieren

Beobachten und Dokumentieren

  • Gefährdungen erkennen, z. B. Rückzug, Ausweitung der Angst auf andere Auslösesituationen, Suizidalität

  • Positive Veränderungen erkennen

  • Nebenwirkungen von Medikamenten erkennen und dokumentieren (7.2.2)

Kontaktadresse
Angst-Hilfe e. V.
Bayerstraße 77 a, 80335 München
Tel.: 0 89 51555 315

Apoplex

Anja Palesch
SchlaganfallSchlaganfall: akute Durchblutungsstörung des Gehirns oder Einblutung ins Gehirn → führt zu neurologischen Ausfällen wie Störungen der Sensibilität, Lähmungen, Bewusstseinsstörungen.
Risikofaktoren
Hohes Alter, Aneurysma, Gefäßdissektionen (Gefäß, das durch Aufspaltung seiner Wand zweilumig wird), arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus, Rauchen (Nikotin), Herzerkrankungen (u. a. Vorhofflimmern mit Thrombembolie der hirnversorgenden Arterien), Fettstoffwechselstörung, Hyperkoagulation (erhöhte Blutgerinnungsbereitschaft), Ovulationshemmer („Pille“) (vgl. Grunst und Ulrich 2006).
Ursachen
Sauerstoffmangel im Gehirn mit Gewebeuntergang aufgrund (ebd.):
  • Verminderter zerebraler Perfusion (Gehirndurchblutung) in 80 % der Fälle → Sauerstoffmangel durch Verschluss eines Blutgefäßes

  • Einer Hirnblutung durch Ruptur eines Hirngefäßes (ca. 20 %)

Vorsicht

Warnzeichen einer TIA! (vgl. Friedhoff und Schieberle 2007, Grunst und Ulrich 2006):

Ein Schlaganfall kündigt sich häufig durch eine TIA (transitorische ischämische AttackeTransitorische ischämische AttackeTIA) an. Die charakteristischen neurologischen Ausfälle (siehe unten) bilden sich in Min. bis max. 24 Std. vollständig zurück.

Plötzlich auftretende Warnzeichen:

  • Schwäche/Gefühlsstörung oft im Gesicht/Arm, z. B. Tasse fällt aus der Hand

  • Probleme beim Sprechen/Verstehen von Worten

  • Sehstörungen, v. a. nur auf einem Auge

  • Schwindel/Gangunsicherheit

  • Starke Kopfschmerzen

  • !

    Unbedingt Arzt aufsuchen!

Die Hälfte der Betroffenen einer TIA erleidet in den nächsten 5 Jahren einen Schlaganfall → Prophylaxe: Gabe von Thrombozytenaggregationshemmern (7.4.6).

Info

Notfall: Apoplex

ApoplexNotfallApoplexErstmaßnahmen bei Verdacht auf Apoplex (vgl. Grunst und Ulrich 2006):
  • Vitalzeichenkontrolle, Atmung sichern

  • Stabile Seitenlage bei Bewusstlosen

  • Beengende Kleidung lockern, Zahnprothese entfernen

  • Notarzt verständigen (lassen), alle Symptombeobachtungen mitteilen (Zeitpunkt, Ausmaß)

  • Dokumentation

Symptome
Schlagartiger AusfallApoplexSymptome einer oder mehrerer Hirnfunktionen, dadurch:
  • Bewusstseinstrübung, bis zu tagelange Bewusstlosigkeit → Koma

  • Akute Verwirrtheit

  • Motorische und sensorische Störungen:

    • Halbseitenlähmung (Hemiplegie)

    • Assoziierte Reaktionen: auf einen Reiz hin unkontrolliert erhöhter Muskeltonus Spastik, erhöhter Muskeltonus wird beibehalten → koordinierte, gezielte Bewegung nicht mehr möglich

    • Sensibilitätsstörungen, u. a. Taubheitsgefühl, Kribbelparästhesien, „Ameisenlaufen“

    • Harn- und Stuhlinkontinenz (2.6.3 und 2.6.62.6.32.6.6)

  • !

    Nach einer zentralen Gehirnschädigung kommt es bei 73 % der Betroffenen zu einer oder mehreren neurophysiologischen Störungen (Erlebens- und Verhaltensstörungen).

  • Neurophysiologische Störungen (vgl. Friedhoff und Schieberle 2007)

    • Aufmerksamkeits- bzw. Konzentrationsstörung

    • Apraxie: u. a. Unfähigkeit, Handlungen koordiniert bzw. in richtiger Reihenfolge auszuführen

    • Perseveration: ständiges, krankhaftes Wiederholen von Bewegungen oder Wörtern auch in unpassendem Zusammenhang, Beharren, Haftenbleiben bzw. Nachwirken psychischer Eindrücke, auch das Haftenbleiben an Vorstellungen

    • Agnosie: Unfähigkeit, Gegenstände in ihrer Funktion zu erkennen

    • Neglect: Nichtbeachtung von Reizen, z. B. auf der mehr betroffenen Körperseite

    • Räumliche Störung: Fehleinschätzungen von Körperproportionen, Distanzen

    • Pusher-Syndrom: aktives Wegstoßen von der weniger betroffenen zur mehr betroffenen Seite

    • Aphasie: Störungen der Sprache, des Sprechens, Verstehens, Lesens, Schreibens sowie der nonverbalen Kommunikation nach abgeschlossenem Spracherwerb

Info

Beide Körperseiten betroffen

85 % der vom Gehirn zum Körper verlaufenden Nervenbahnen (Pyramidenbahnen) kreuzen die gegenüberliegende Körperseite. 15 % der Nervenbahnen verlaufen auf der gleichen Seite. Dies bedeutet, dass die rechte Großhirnhemisphäre vorwiegend für die linke Körperseite zuständig ist und umgekehrt. Daher kann nicht von einer gesunden und einer kranken Körperhälfte gesprochen werden.
Bei einem linksseitigen Schlaganfall ist die rechte Körperseite mehr betroffen als die linke (vgl. Friedhoff und Schieberle 2007) und umgekehrt (Abb. 6.1). Entscheidend ist jedoch, welches Hirnareal von der Minderdurchblutung oder der Hirnblutung betroffen ist. Je nach Lokalisation sind unterschiedliche Symptome zu erkennen.
Therapie
Multidisziplinäre Therapie
  • Akutstationär: Blutzirkulation ApoplexTherapiewiederherstellen, Kreislaufstabilisierung, Kontrolle Vitalparameter, Behandlung eines Hirnödems (Hirndrucksenkung, ggf. operativ)

  • Bei thromboembolischer Ursache: Thrombolyse, Heparinisierung, Cumarin-Einstellung (7.4.6)

  • Bei Hirnblutung ggf. operative Blutungsstillung (neurochirurgisch)

  • Frührehabilitation, Anschlussrehabilitation, um die vorhanden Fähigkeiten weiter zu fördern

  • Pflegetherapeutische Versorgung: u. a. Basale Stimulation® (4.13), Anwendung des Bobath-Konzepts (4.12.2)

  • Physiotherapeuten: funktionale Therapie

  • Logopädie: Sprach- und Schlucktraining, F. O. T. T. ® (Therapie des facio-oralen Trakts)

  • Ergotherapie: Training psychologischer und physiologischer Alltagsfähigkeiten

Behandlungsgrundlagen
Unterstützung bei AEDL® durch:
  • Einbindung der Familie, vertrauter Personen

  • Vertrauen und Sicherheit geben

  • Förderung der Körperwahrnehmung

  • Anbahnung normaler Bewegungsabläufe

  • Normalisierung des Muskeltonus (Muskelspannung)

  • !

    Die Gestaltung der Alltagsaktivitäten richtet sich nach den individuellen Fähigkeiten des Pflegebedürftigen und wird dem aktuellen Verlauf angepasst.

Tipps und Tricks

  • Der Beginn der Kontaktaufnahme/Handlungen kann ggf. von der weniger betroffenen Seite erfolgen.

  • Insbesondere bei Pflegebedürftigen mit einem Neglect, deren Aufmerksamkeit noch nicht auf die mehr betroffene Seite gerichtet ist, sollte z. B. der Nachtschrank an der weniger betroffenen Seite stehen, um so das Gefühl des Ausgeschlossensein bzw. der Isolation zu vermeiden (vgl. Friedhoff und Schieberle 2007).

Pflege – Unterstützung bei den AEDL®
Kommunizieren können
  • Kommunikation ermöglichen: Ja-ApoplexPflege, AEDL®AEDL®ApoplexKommunikationAphasieNein-Code festlegen, z. B. einmal blinzeln mit den Augen: „ Ja“; 2-mal blinzeln: „Nein“. Oder Daumen nach oben: „Ja“; nach unten: „Nein“

  • Kommunikationshilfen anbieten: Bild-/Symboltafeln, Alphabet-Tafel, Kommunikationscomputer, Taschenbildwörterbuch, z. B. PictoCom®

  • Betroffenen in Gespräche einbeziehen und zum Sprechen auffordern/ermutigen. Wertschätzung vermitteln, damit er sich nicht zurückzieht

  • Kommunikationsparameter beachten:

    • Ruhige Atmosphäre schaffen

    • Langsam reden

    • Zuhören bedeutet warten

    • Nicht lauter sprechen

    • Kurze Sätze bzw. Ja-Nein-Fragen formulieren

    • Blickkontakt halten, mit Mimik und Gestik Inhalte unterstreichen

    • Ein Nicht-Verstehen signalisieren

    • Nicht aufgeben → Schlüsselsatz: „Wir werden es herausfinden“

(Vgl. Tesak 2002)

Tipps und Tricks

  • Mit Aphasikern singen. Singen liegt in einer anderen Hirnregion als Sprache und ist vielen Aphasikern möglich.

  • Nachsprechen hat keinen Lerneffekt.

Lagerung
Pflegekonzepte bei zentral-neurologischen Erkrankungen 4.12
Ziele (vgl. Friedhoff und Schieberle 2007):
  • Wohlbefinden, Schmerzfreiheit, Bequemlichkeit

  • Normalisierung des Muskeltonus (unterstützende Fläche anbieten)

  • Körpergrenzen spürbar machen

  • Vermeidung von Sekundärschäden, z. B. schmerzhafte Schulter, Hüfte

  • Position soll Bewegungsabläufe erleichtern, z. B. A-Lagerung (2.3.6)

  • A-Lagerung in Rückenposition:

    • Auf der mehr betroffenen Seite ist die Schulter unterlagert, der Kopf erhöht und stabilisiert (Vermeidung der Überstreckung), das Blickfeld erweitert

    • Zusätzlich Unterstützung des Ellenbogens, Kissen an den Füssen anbieten

    • Rücken, Hüfte und Beine liegen auf dem Bett bzw. der unterstützenden Fläche auf

  • !

    Eine therapeutische Lagerung (ist sie auch noch so korrekt ausgeführt), die vom Pflegebedürftigen als nicht bequem empfunden wird, wird umgehend korrigiert (www.bobathpflege.de).

Essen und trinken können
  • !

    Cave: FunktionsstörungFazialisparese im Gesichts- und Mundbereich → Schluckstörungen (Dysphagie) mit Aspirationsgefahr. Anzeichen für Aspiration: Husten, Räuspern, Würgen, häufiges Verschlucken bei und nach Nahrungsaufnahme, Nahrung/Speichel läuft aus dem Mund, Nahrungsreste verbleiben im Mund, belegte, heisere, raue Stimme nach dem Essen, gurgelnde Geräusche beim Essen, kein Schluckreflex sichtbar/tastbar

  • Korrekte Sitzposition zur Nahrungsaufnahme: aufrechte Sitzposition, Kopf nach vorne gerichtet (Überstreckung des Kopfs vermeiden), ggf. Kieferkontrollgriff (2.5.3) anwenden

  • Ggf. Zahnprothese einsetzen

  • Unterstützung der Nahrungsaufnahme:

    • Durch angedickte Getränke oder Suppen (von sirupartig bis schnittfest)

    • Durch Beibehaltung einer Konsistenz, z. B. bei Zungenkoordinationsstörungen

    • Kein Gemüse oder Fleisch wählen, das Fäden zieht (vgl. Friedhoff und Schieberle 2007)

  • Betroffenen an Kauen und Schlucken erinnern

  • Bei Schluckstörungen und PEG (Reflux von Sondenkost möglich) stets eine leichte Oberkörperhochlagerung einhalten

  • Orale Stimulation: Geschmacks- und Geruchsangebote trotz schwerwiegender Schluckstörungen zur Verbesserung des Wohlbefindens, Anregung des Appetits und Anbahnung von Saug- und Schluckkoordination; nach Absprache mit Arzt oder Logopäden Kausäckchen in die Wangentasche einlegen, z. B. in ein Gazetuch eingelegte Bananenscheiben, die von außen fixiert werden

Vorsicht

Fazialisparese → Gefahr der Aspiration! Daher nach jeder Mahlzeit Essensreste aus den Wangentaschen/dem Mund entfernen und Mund ausspülen lassen.

Ausscheiden können
Pflege bei Inkontinenz 2.6.3 und 2.6.62.6.32.6.6
  • Mit Rückgang der neurophysiologischen Symptome meist Verringerung der Inkontinenz

  • Regelmäßigen Toilettengang ermöglichen

  • Hilfsmittel (vom Arzt verordnet): abklären und ausprobieren, welche Hilfsmittel eine Erleichterung bieten, z. B. Schutzhosen, -einlagen, Toilettenstuhl (vgl. Friedhoff 2007)

Sich pflegen können
Je schwerer ein Pflegebedürftiger betroffen ist, desto geringer ist seine Stabilität, z. B. eingeschränkte Kopf-Rumpf-Kontrolle. Daher sind Lagerungsmaterialien wie Kissen und Decken vor der KörperpflegeKörperpflegeApoplex nicht zu entfernen (vgl. Friedhoff und Schieberle 2007)!
  • Kontinuierliche Betreuung durch eine Pflegeperson. Mehrere Hände am Körper irritieren!

  • Handlungs- und Planungsstörungen durch strukturiertes Vorgehen und geführte Bewegungen verbessern (Gewohnheiten einbeziehen)

  • Beim Waschen klare Spürinformationen (taktile Reize) setzen, besonders an den Füßen, da Verbesserung des Wachheits- und Aufmerksamkeitsgrads durch Druckinformationen, z. B. durch eine Fußmassage

  • Intimpflege möglichst bald durch den Pflegebedürftigen selbst. Intimwäsche ist in Seitenlage oft leichter. Durchführung mit der weniger betroffenen Hand bei angezogenen Beinen

  • Mehr betroffene Schulter und Hüfte in Seiten- bzw. Rückenlagerung unterlegen, damit Gewicht an die Unterlage abgegeben bzw. eine Beugung im Gelenk, die zur Verkürzung von Sehen und Muskeln führt, verhindert wird

  • Bei Besserung der Stabilität: Körperpflege im Sitzen ermöglichen, ggf. Zähneputzen oder Rasur im Stehen anbieten

  • Überprüfung der Wassertemperatur, durch Sensibilitätsstörungen besteht Verbrennungsgefahr!

Tipps und Tricks

Mundpflege Mundpflege, spezielle(vgl. Friedhoff und Schieberle 2007, Nusser-Müller-Busch 2004):

  • Kein ausreichender Husten- und Schluckreflex → Gefahr der Aspiration: Mundpflege im Sitzen oder in stabiler Seitenposition (Speichel kann ablaufen) und Absaugbereitschaft

  • Festes Zubeißen (bei der Mundpflege) verhindern:

    • Zur Lockerung Wangentaschen und Kieferwinkel nach vorne ausstreichen, z. B. mit einem Watteträger oder einer (Kinder-)Zahnbürste

    • Keine Klemme nutzen → fördert den Beißreflex

Körperwaschung bei Hemiplegie
  • Der PflegebedürftigeHemiplegieUnterstützung soll erst seine weniger betroffene Körperseite spüren, damit er diese Spürinformation auf die gegenüberliegende Seite übertragen kann. So kann er sich vorstellen, wie sich die mehr betroffene Seite anfühlen könnte, außerdem verstärkt sich im Idealfall die herabgesetzte Wahrnehmung auf der mehr betroffenen Seite (Abb. 6.2).

  • Körpermittellinie durch leicht erhöhten Druck verdeutlichen.

Sich kleiden können
Schulter-Schutz-Griff (senkt den Tonus im Arm): Damit es beim hypertonen Arm während des Ankleidens zu keiner Traumatisierung im Bereich des Schultergelenks kommt, wird eine Korrektur des Oberarms vorgenommen. In sitzender Position greift der Pflegende mit einer Hand die Innenseite des Oberarms (nahe der Achselhöhle) und führt mit der anderen Hand (den Unterarm unterstützend) den Arm aus der Innenrotation heraus. Anschließend wird der Arm gut unterlagert, damit der Tonus weiter nachlassen kann.
  • !

    Abspreizen (Abduktion) und Innenrotation des Arms vermeiden.

  • Beim Ankleiden wird am mehr betroffenen Arm bzw. Bein begonnen, es folgen bei Oberbekleidung der Kopf und zuletzt der weniger betroffene Arm bzw. das weniger betroffene Bein (Abb. 6.3). Beim Auskleiden erfolgt die umgekehrte Vorgehensweise.

  • Vorlieben und Gewohnheiten berücksichtigen

  • Der Betroffene bestimmt das Tempo, genügend Zeit geben.

  • !

    Beachten: geschwollene Hand! Venöse Stauung und Lymphabflussbehinderung können, u. a. durch die fehlende Muskelpumpe, an der mehr betroffenen Seite ein Handödem bewirken. Therapeutische entstauende und schmerzlindernde Maßnahmen einleiten, Massage, Lymphdrainage, passives Durchbewegen der Extremität.

  • Maßnahmen:

    • Miteinbeziehen des Patienten → auf herabhängenden Arm aufmerksam machen

    • Verletzungen vermeiden

    • Keine Blutdruckmessung am mehr betroffenen Arm

    • Keine Infusionen am mehr betroffenen Arm

    • Handgelenk in korrekter Funktionsstellung lagern und Hand und Arm erhöht lagern

    • ggf. Handschiene anlegen, um nachts ein Abknicken des Handgelenks zu vermeiden

(Vgl. Friedhoff und Schieberle 2007)
Prophylaxen
Kontrakturen- (3.5), Spitzfuß- (3.5), Dekubitus- (3.3), Pneumonie- (3.7) und Aspirationsprophylaxe (3.1).

Tipps und Tricks

  • Angehörige in die Versorgung einbeziehen

  • Pflegebedürftigen und Angehörigen Hilfen aufzeigen, z. B.:

    • Selbsthilfegruppen, z. B. unter www.schlaganfall-hilfe.de

    • Unterstützende Hilfeleistungen wie Stunden-, Tages-, Kurzzeitpflege, Fahrdienste, Essen auf Rädern

Beobachten und Dokumentieren

  • Zeitpunkt, Dauer der Symptome

  • Sprache, Wortfindung

  • Bewegungen und Beweglichkeit

  • Kau- und Schluckfunktion, Mundinspektion (Nahrungsreste)

  • Bewusstsein, Stimmung

Weiterführende Informationen
Bobath-Initiative für Kranken- und Altenpflege (BIKA): www.bika.de
Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG)
Reinhardtstr. 27c, 10177 Berlin

Asthma bronchiale

Anja Palesch
Anfallsweise Asthma bronchialeauftretende, ganz oder teilweise reversible Atemwegsobstruktion in unterschiedlicher Intensität. Durch Kontraktion der Bronchialmuskulatur, Schleimhautschwellung (-ödem) und Produktion von zähem Schleim kommt es zur Bronchieneinengung und zur Atemnot.
Ursachen
  • Allergien, z. B. Blütenpollen, Hausstaub, allergische Vorbelastung in der Familie

  • Nicht allergisch bedingt: Infektionen, kalte feuchte Luft, Stress, Inhalation von atemwegsreizenden Substanzen, z. B. Rauch

Symptome
  • Anfallsweise auftretende leichte bis schwere Atemnot

  • Angst, Erstickungsgefahr

  • Zyanose, kalter Schweiß

  • Erschwerte und verlängerte Ausatmung

  • Pfeifende, giemende, brummende Atmung

  • Einsatz der Atemhilfsmuskulatur

  • Husten zu Beginn des Anfalls, Husten mit zähem durchsichtigem Auswurf am Ende

  • Erhöhte Herzfrequenz ≥ 140/Min.

Die Anfallseinteilung erfolgt in 4 verschiedene Schweregrade (Tab. 6.3).
Therapie
  • Medikamentöse Therapie (7.5.1) in 5 Stufen, abhängig vom Maß der Asthmakontrolle (Häufigkeit der Beschwerden und Ansprechen auf die jeweils aktuelle Medikation):

    • 1. Stufe: Bedarfsmedikation mit kurzzeitig/schnell wirkenden β-Sympathikomimetika (auf allen Stufen vorzuhalten)

    • 2. Stufe: zusätzlich als Dauertherapie niedrig dosierte inhalative Glukokortikoide

    • 3. und 4. Stufe: Steigerung der Glukokortikoid-Dosis oder/und zusätzlich lang wirkendes β-Sympathikomimetikum, ggf. zusätzlich Montekulast und/oder Theophyllin

    • 5. Stufe: zusätzlich systemische Gabe von Glukokortikoiden s. c., ggf. zusätzlich monoklonale IgE-Antikörper-Therapie

  • Ausreichend Flüssigkeitszufuhr, d. h. 2–4 l/Tag (Vorsicht bei Kontraindikationen)

  • Moderate Sauerstoffgabe (2.3.5), erhöhte Sauerstoffzufuhr kann den Atemantrieb nehmen

  • Bei allergisch bedingtem Asthma → auslösende Allergene meiden

    • Durch Allergietest Allergene diagnostizieren

    • Evtl. Hyposensibilisierung

Anwendung von inhalativen Medikamenten
  • Verschiedene ApplikationsformenAsthmamedikamente, inhalative möglich, um DosieraerosolMedikamente rasch einatmen zu können (Dosieraerosol, Pulverinhalator, Respimat, Vernebler)

  • Dosieraerosol mit oder ohne Spacer (Inhalationshilfe) erhältlich

Dosieraerosol ohne Spacer
  • Aerosol gut schütteln

  • Schutzkappe abnehmen

  • Oberkörper aufrichten und den Kopf leicht in den Nacken neigen

  • Mundstück in den Mund führen (Arzneimittelbehälter zeigt nach oben) und mit den Lippen fest umschließen

  • Während langsamer, tiefer Einatmung Druck auf den Kanister ausüben, Arzneimittel wird freigesetzt

  • Ca. 5 Sek. Luft anhalten

  • Langsam gegen Lippenbremse (2.3.4) ausatmen.

Dosieraerosol mit Spacer (z.B. bei Glukokortikoiden)
  • Aerosol schütteln

  • Verschlusskappe abnehmen

  • Spacer aufsetzen

  • Spacer mit Verschlusskappe verschließen

  • Spacer mit 2 Hüben füllen

  • Tief ausatmen

  • Verschlusskappe entfernen und inhalieren

Pulverinhalator
  • Bei aufgesetzter Verschlusskappe Auslöseknopf drücken

  • Tief ausatmen

  • Verschlussklappe entfernen und kurz und kräftig inhalieren

Info

Notfall: Asthmaanfall akut

  • Asthmaanfall, akuterAsthmaanfallErstmaßnahmen 8.1 (Atemnot)

  • Medikamentengabe nach ärztlicher Anordnung:

    • Antihistaminika, β-Sympathikomimetika, Glukokortikoide

    • Möglichst keine sedierenden Medikamente, da Dämpfung des Atemantriebs

  • Falls vorhanden Sauerstoffgabe 2–4 l/Min. über Nasensonde

  • Dokumentation

  • !

    Wenn sich der Anfall nach 3–4 Sprühstößen nicht bessert → Notarzt verständigen, Gefahr von lebensbedrohlichem Status asthmaticus

Pflege
Ruhe vermitteln und Angst nehmen, denn Angst verstärkt die Symptome!
Ernährung
  • Bei allergisch bedingtem Asthma: Allergietest, um Allergene gezielt aus dem Speiseplan zu streichen

  • Häufige Allergene sind Milcheiweiß, Eier, Nüsse und Zitrusfrüchte

Spezielle Pflege/Beratung im anfallsfreien Intervall
  • Anfallsauslösende Faktoren erkennen, evtl. Tagebuch: Was wurde wann gemacht, wann wurde Anfall ausgelöst?

  • Entspannungsübungen erlernen, Atmung wahrnehmen lernen

  • Kenntnisse in Physiologie des Körpers, speziell der Lunge und der Atmung

  • Atemtechniken erlernen, die einen Anfall lindern, z. B. Lippenbremse (Atemgymnastik 2.3.6), Luft langsam einatmen und kurzes Luftanhalten

  • Hinweis auf Selbsthilfegruppen, Patientenschulungen

Tipps und Tricks

  • Kein Aspirin bei Asthma bronchiale → kann Anfälle auslösen, besser Paracetamol nutzen

  • Bedarfsmedikation immer griffbereit haben, z. B. im Nachtkästchen, in der Handtasche, in der Jackentasche

  • Gefahr von Pilzinfektionen in der Mundhöhle → Mund nach Aerosoltherapie mit Glukokortikoiden stets ausspülen

  • Mit dem etwa handgroßen Peak-Flow-Meter können Asthmatiker selbst Atmung überprüfen und die Medikation ggf. (nach Arztanordnung) anpassen

Beobachten und Dokumentieren

  • Häufigkeit und Dauer der Symptome

  • Medikamentöse Therapie (7.5.1)

  • Sind auslösende Faktoren bekannt?

Kontaktadresse
Deutscher Allergie- und Asthmabund e. V.
An der Eickesmühle 15–19, 41238 Mönchengladbach
Tel.: 02166 6478-820
Deutsche Atemwegsliga e.V.
In der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie
Raiffeisenstr. 38, 33175 Bad Lippspringe

Bandscheibenvorfall

Anja Palesch
Vorwölbung bzw. BandscheibenvorfallAustritt von Bandscheibengewebe in die Zwischenwirbellöcher oder in den Wirbelkanal. Lokalisation meist im Lumbalbereich (LWS), selten im Halswirbelbereich (HWS).
Ursachen
  • Missverhältnis zwischen Belastung und Belastbarkeit

  • Altersbedingter Verschleiß der Bandscheiben mit Elastizitätsverlust

Symptome
LWS
  • Akute Ausstrahlung der Rückenschmerzen in betroffene Wurzel, z. B. Fuß und Wade, Verschlechterung bei Husten, Pressen, Niesen

  • Plötzliches Einsetzen: Ischias, Hexenschuss (meist nur durch Wirbelsäulenirritation, Verkippung der kleinen Wirbelgelenke und nicht durch einen Bandscheibenvorfall, keine Irritation einer Nervenwurzel)

  • Schonhaltung: im Liegen mit angezogenen Beinen

  • Sensibilitätsstörungen im Innervationsgebiet eines Nervs

  • Lähmungen der spezifischen Kennmuskeln eines Nervs

  • Reflexausfall (u. a. Achillessehnen-, Patellarsehnenreflex)

  • Über 90 % der Bandscheibenvorfälle können konservativ (ohne Operation) behandelt werden

  • Operation bei progredienter Lähmung und Konus-Kauda-Syndrom

Info

Kauda-Syndrom

  • Kauda-SyndromCauda-Equina-SyndromSchädigung der Cauda equina (Nervenfaserbündel am Ende des Rückenmarks)

  • Symptome: unter heftigen Schmerzen einsetzende schlaffe Lähmung der Beine, Störungen der Sensibilität, Blasen- und Mastdarmstörungen

  • Indikation für eine frühzeitige Operation, Gefahr von irreversiblen Schäden

  • Dokumentation

HWS
  • Schmerzen in Schulter und Arm, durch Kopfdrehen verstärkt

  • Schmerzverstärkung durch Husten, Niesen oder Pressen

  • Empfindungsstörung und Muskelschwäche in Schulter, Arm bzw. Hand

  • In der Regel konservativ behandelbar

  • Operationsindikation bei Lähmungserscheinungen und Taubheitsgefühlen in Schulter, Arm oder Hand

Therapie
  • Stationäre oder ambulante Behandlung mit Bettruhe, physikalischer Therapie mit Wärme und Extension (Schlingentisch)

  • Entzündungshemmende, schmerzstillende Medikamente, z. B. Diclofenac

  • Über 90 % der Bandscheibenvorfälle können konservativ (ohne Operation) behandelt werden

  • Bei erfolgloser physikalischer und medikamentöser Therapie: ggf. Operation

Pflege
Pflege bei ambulanter konservativer Therapie
  • Bettruhe, Stufenbettlagerung bei lumbalem Prolaps sinnvoll; wird dies nicht toleriert, andere druckentlastende Position wählen lassen

  • Bei der Körperpflege von Rücken und Beinen unterstützen

  • Nach individueller Verträglichkeit Wärmebehandlung mit Fango nach Arztanordnung

  • Kontrakturen-, Dekubitus- und Thromboseprophylaxe (3) während der Bettruhe

  • Frühzeitige Mobilisation (Arztanordnung), Krankengymnastik nach Besserung der Symptome. Leichte Übungen zur Stärkung der stützenden Rücken und Bauchmuskulatur

  • Pflegebedürftigen auf ungünstige Bewegungsabläufe aufmerksam machen, rückengerechtes Verhalten (1.10.3)

Pflege nach Bandscheibenoperation
  • Wie konservative Therapie (Bandscheibenoperationsiehe oben)

  • Nach Klinikaufenthalt folgt Reha-Behandlung (ambulant oder stationär)

  • Hilfe bei den AEDL® (2)

  • !

    Cave: Reha-Anschlussbehandlung und bei Bedarf Finanzierung einer Haushaltshilfe so früh wie möglich über die Kranken- und Rentenversicherung beantragen

Mobilisationstipps
  • JeMobilisationBandscheibenvorfall nach Intensität der Symptome → Mobilisationssteigerung nach Arztanordnung

  • Lange Autofahrten vermeiden oder durch Lockerungsübungen unterbrechen

  • Auf Matratze mit passender Härte achten, Wirbelsäule sollte nicht durchhängen

  • Im Bett en bloc über die Seite drehen und aufstehen

  • Sitzen in den ersten Wochen vermeiden, lieber stehen oder liegen; später: sitzen mit geradem Rücken → harter Stuhl statt weichem Sessel

Allgemeine Verhaltenstipps
  • Lange Fußmärsche auf hartem Boden (z. B. Asphalt) vermeiden, weichen Waldboden vorziehen. Schuhe mit federnder Sohle tragen, z. B. Walking- oder Joggingschuhe

  • Bücken, heben und tragen mit geradem Rücken (1.10.3), schwere Lasten vermeiden, körpernah arbeiten

Beobachten und Dokumentieren

  • Sensibilitätsstörungen und Lähmungserscheinungen der Extremitäten

  • Störungen bei Blasen- und Mastdarmentleerung

  • Schmerzen

  • Wirkung und Verträglichkeit der Medikamente

  • Compliance

Bronchitis

Anja Palesch

Akute Bronchitis

Akute Entzündung der BronchienBronchitisakute.
Ursachen
  • Meist Viren in den oberen Luftwegen

  • Sekundäre Bakterieninfektionen

Symptome
  • Hustenreiz mit Schmerzen hinter dem Brustbein

  • Evtl. Temperaturerhöhung, Kopfschmerzen, Auswurf

Komplikationen
  • Übergang in eine chronische Bronchitis

  • Pneumonie

Therapie und Pflege
  • Bettruhe bei Fieber, Temperaturkontrolle

  • Sekretlösende Medikamente, bei unproduktivem Reizhusten hustendämpfende Mittel, evtl. Antibiotika zur Vermeidung einer bakteriellen Superinfektion, initial jedoch eher zurückhaltend!

  • Unterstützung beim Abhusten (2.3.6)

  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr, auswurffördernde Tees anbieten (4.11.1)

  • Atemunterstützende Lagerung (2.3.6)

  • Sekretlösende Maßnahmen (2.3.6)

  • Für ausreichend Luftfeuchtigkeit sorgen

  • Frischluft, nicht zu warme Raumtemperatur, Zugluft meiden

  • Brustwickel (4.11.3)

  • Bei Bedarf Unterstützung bei den AEDL® (2)

Vorsicht

Keine gleichzeitige Einnahme von sekretlösenden und hustendämpfenden Mitteln, da gelöster Schleim nicht abgehustet werden kann. Folge ist Sekretstau in Bronchien → Gefahr einer bakteriellen Infektion!

Chronische Bronchitis

Entzündung der Bronchien. Unterteilung in 3 Stadien (BronchitischronischeTab. 6.4).
Ursachen
  • Jahrelanges Rauchen

  • Häufige Infektionen der Atemwege

  • Endogene Faktoren, z. B. Empfindlichkeit der Bronchialschleimhaut, Konstitution

  • Lungenfibrose (bei COPD)

Symptome
  • Jahrelang keine Beschwerden, nur leicht schleimig-weißer Auswurf

  • Atemnot bei Belastung, später auch in Ruhe

  • Zyanose, Rechtsherzinsuffizienz

  • Spätstadium: Bronchiektasen, Lungenemphysem, Cor pulmonale

Therapie
  • Nicht rauchen

  • Bedarfsmedikation mit kurzzeitig/schnell wirksamen β-Sympathikomimetika oder Anticholinergika

  • Dauermedikation mit lang wirksamen β-Sympathikomimetika und/oder Tiotropium

  • Bei häufigen Exazerbationen (akute Verschlechterung) und Allergiebeteiligung ggf. inhalative Glukokortikoide

  • Antibiose bei Infektionen

  • !

    Cave: keine Hustenblocker einnehmen → Sekret wird nicht mehr abtransportiert

Pflege
  • Schädigende Einflüsse meiden: Passivrauchen, Nebel, Kälte, kalte Getränke

  • Beim Abhusten unterstützen (2.3.6)

  • Zur richtigen Anwendung von Dosieraerosolen (6.5) anleiten bzw. Patientenschulung empfehlen

  • Arzneimitteleinnahme überwachen bzw. daran erinnern

  • Brustwickel (4.11.3)

Beobachten und Dokumentieren

  • Atmung (ggf. Messung mit Peak-Flow-Meter), Husten, Sputum, Körpertemperatur

  • Hautfarbe, RR und Puls

  • Bewusstseinslage, Unruhe bei Sauerstoffmangel

  • Alle Werte und Besonderheiten dokumentieren und den Arzt informieren

Demenzielle Erkrankungen (chronische Verwirrtheit)

Anja Palesch
Allgemeiner Verlust von Hirnleistungsfunktionen im Zusammenhang mit einer zerebralen Schädigung. Führt zum Abbau geistiger Fähigkeiten. Verläuft ohne ausgeprägte Bewusstseinstrübung (5.1.2).
Verursachende Erkrankungen (Beispiele)
Es wird unterschieden in primäre (z. B. M. Alzheimer, frontotemporale Demenz) und sekundäre (z. B. durch Vitamin-B12-Mangel, Hirntumoren) Demenzen. Es gibt auch Mischformen (z. B. vaskuläre und gleichzeitig neurodegenerative Demenz/Typ Alzheimer).
Sekundäre Demenzen sind bei entsprechender Diagnose und Therapie reversibel (5.1.2).
Alzheimer-Demenz
Alzheimer-DemenzChronische, unheilbare Hirnleistungsschwäche mit DemenzAlzheimer DemenzBeginn in der zweiten Lebenshälfte. Aus bisher nur unzureichend geklärten Gründen kommt es in bestimmten Bereichen der Großhirnrinde zum Hirnzelluntergang. Eine wichtige Rolle scheinen dabei Eiweißablagerungen im Gehirn (Amyloid-Plaques) zu spielen. Schleichender Prozess (Verlauf bis zum Tod ca. 9 Jahre).
Vaskuläre Demenz
Durch Gefäßkrankheiten bedingte Demenz, z. B. DemenzvaskuläreMultiinfarktdemenz. Bestimmte Bereiche des Gehirns werden aufgrund von Multiinfarkt-DemenzDurchblutungsstörungen oder mehreren kleinen Schlaganfällen schlecht bis gar nicht mit Sauerstoff versorgt → Zelluntergang. Meist stufenweise Verschlechterung der Hirnleistung.

Vorsicht

Auch Depressionen können demenzähnliche Symptome hervorrufen, die sog. Pseudodemenz (Tab. 6.5). Diese wird medikamentös wie eine Depression (7.8.4) behandelt und ist reversibel.

Demenzen treten häufiger auch in Verbindung mit Morbus Parkinson auf.

Symptome
Abhängig vom Stadium der Erkrankung (Tab. 6.6)
Bei jeder Demenzform vorhanden:
  • Gedächtnisstörung: zuerst Kurzzeitgedächtnis, später Langzeitgedächtnis

  • Orientierungsstörung: zuerst zeitliche und räumliche, später situative und persönliche DesorientierungDesorientierung

  • Intelligenzabbau: Auffassungs- und Konzentrationsstörungen, vermindertes Kritik- und Urteilsvermögen, erschwerte Entscheidungsfindung, Apraxie (unpraktisches Verhalten im Alltag), Sprachstörungen, Rechenunfähigkeit

  • Störung der emotionalen Kontrolle und des Sozialverhaltens.

Evtl. vorhanden:
  • Anfangs Depression und Zukunftsangst

  • Apathie, Passivität, starke Verlangsamung

  • Teils starke Unruhe, Reizbarkeit, Aggressivität

  • Tag-Nacht-Umkehr

  • Inkontinenz (2.6.3 und 2.6.62.6.32.6.6)

  • Persönlichkeits- und Verhaltensänderungen: unkontrolliertes Lachen oder Weinen, Rückzug, Wahnideen, z. B. Bestehlungswahn

  • Epileptische Anfälle, parkinsonähnliche Bewegungsabläufe.

Therapie
  • Symptomatische medikamentöse Therapie bei DemenzTherapieAlzheimer-Demenz: Antidementiva (7.8.3)

  • Vaskuläre Demenz: medikamentöse Behandlung der Ursache, z. B. Hypertonie (7.4.1), Herzrhythmusstörungen (7.4.5), Blutplättchenaggregation (7.4.6)

  • Gabe von Psychopharmaka (7.8) nur wenn unbedingt erforderlich, z. B. bei massiver Gewalttätigkeit; niedrig dosiert, kurze Einnahmedauer

  • Physiotherapie, Ergotherapie

Depression (affektive Störung)

Anja Palesch
Gefühlsstörung mit krankhaft Affektive Störungniedergedrückter Stimmung, verbunden mit einer Vielzahl psychischer und körperlicher Symptome. Häufigste psychiatrische Erkrankung im Alter.
Formen
  • Unipolarer Verlauf:

    • Ausschließlich depressive Phasen, häufigste Form beim alten Menschen

    • Fast ausschließlich manische Phasen, sehr selten

  • Bipolarer Verlauf (Abb. 6.5): Wechsel von depressiven und manischen Phasen (⅓ aller Fälle).

  • Depressive Phase ist abzugrenzen von situationsbedingter adäquater Trauer (Tab. 6.7)

Beim alten Menschen tritt überwiegend die Involutionsdepression (Spätdepression) auf und ist häufig mit einer beginnenden Demenz verbunden.
Ursachen und Auslöser
Depressionen in der Familienanamnese
Häufig ist ein familiär gehäuftes Auftreten von Depressionen zu beobachten. Bislang ist unklar, welchen Anteil hieran genetische Faktoren haben und inwieweit familiäre Spannungen und Konflikte aufgrund der Erkrankung eines Familienmitglieds eine Rolle spielen.
Körperlich
  • Organisch bedingt durch Hirnschädigungen, z. B. Parkinsonsyndrom, Hirntumor, nach Apoplexie, Hirnarteriosklerose, Demenz

  • Medikamentös bedingt, z. B. durch Kortison, Blutdrucksenker, β-Blocker oder Dauerbehandlung mit Neuroleptika

  • Alkohol

  • Lichtmangel (bei Herbst-/Winterdepression)

Psychisch
  • Negative Einstellung zu sich selbst, zur Umwelt und zur Zukunft

  • Misserfolgsorientierung

  • Kritische Lebensereignisse wurden nicht durch Trauer (2.13) bearbeitet

  • Erlernte Hilflosigkeit durch Überfürsorglichkeit der Umgebung, v. a. durch Angehörige

  • Mangelnde Sinnorientierung, Hoffnungslosigkeit

Sozial
  • Verluste, z. B. von Rollen (Hausfrauen-, Berufsrolle), Unabhängigkeit, Kontakten

  • Familienkonflikte, z. B. wurde Betroffenen in der Vergangenheit die Schuld für familiäre Probleme gegeben („schwarzes Schaf“)

  • Armut und Benachteiligung im Alter

  • Heimat- und Wohnungsverlust

Symptome
  • DepressionSymptomeWahrnehmung: auswählend negativ

  • Denkhemmung: einsilbige Mitteilungen, Betroffene reden wenig, wirken abgestumpft, Grübeln über Tod, Suizid, Misserfolge

  • Gefühlsstörungen: niedergeschlagene Stimmung, Gefühllosigkeit, Freudlosigkeit, Hilflosigkeit, Selbstanschuldigung und Selbstvorwürfe, Schuldgefühle, Versagensgefühle, hypochondrische (krankheitsbefürchtende) Ängste

  • Verminderter Antrieb: Gleichgültigkeit, Entscheidungsunfähigkeit, Vernachlässigung der Körperpflege bis zur Verwahrlosung, Apathie, Interesselosigkeit, Handlungsunfähigkeit, ängstliche Unruhe

  • Körperliche Störungen:

    • Müdigkeit, Erschöpfung und Kraftlosigkeit, Kopfschmerzen, Schwindelgefühle, Schweißausbrüche, Herz-Kreislauf-Beschwerden

    • Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, Obstipation, Magen-Darm-Beschwerden, Muskelverspannungen, Druckgefühle in Kopf, Hals, Brust, Rücken, sexuelle Funktionsstörungen

Sonderformen
Larvierte Depression
Im Alter stehen häufig nicht die gefühlsmäßigen DepressionlarvierteStörungen im Vordergrund, sondern körperliche Symptome, z. B. kaum zu diagnostizierende Schmerzen. Körperlicher Schmerz wird dann zum Ersatz für den tief sitzenden seelischen Schmerz, z. B. hat Pflegebedürftiger „Herzschmerzen“, obwohl sich kein Krankheitsbefund ermitteln lässt.
Pseudodemenz
Durch Antriebslosigkeit und Hilflosigkeit des alten Menschen entsteht der Eindruck einer Demenz. Tatsächlich können diese Symptome auch durch Depression verursacht werden.

Tipps und Tricks

Pflegende beobachten Betroffenen genau und suchen nach Hintergründen der sichtbaren Symptome. Von ihrer exakten Beschreibung des Zustandsbilds ist es häufig abhängig, ob vom Arzt die richtige Therapie eingeleitet werden kann.

Therapie
Für den depressiven Menschen sind unterschiedliche therapeutische Vorgehensweisen möglich. Bezogen auf den alten Menschen sind folgende Verfahren hilfreich:
  • Bei körperlich bedingter Depression Behandlung der Grunderkrankung

  • Lichttherapie bei „Herbst-Winter-Depression“

  • Medikamentöse Therapie mit Antidepressiva, Benzodiazepinen, Lithium (7.8.4)

  • Bei akuter Suizidgefährdung: psychiatrische Klinik

  • Wenn verordnet und vom Pflegebedürftigen akzeptiert: Psychotherapie

  • Sozialpsychiatrische Betreuung, z. B. Betreuung in Tagesklinik

  • Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) abklären

Vorsicht

Die Behandlung mit trizyklischen Antidepressiva bei depressiver Phase im Rahmen einer bipolaren Störung kann eine manische Episode auslösen.

Pflege
Allgemeine pflegerische Aspekte
  • Wenn DepressionKommunikationBetroffener etwas längere Zeit benötigt: nicht die Geduld verlieren

  • Keine hohen Ansprüche an depressive Person stellen

  • Konstante Bezugspflege (1.3.3), Beziehung aufbauen, Anteilnahme: „Ich bin für Sie da“

  • Professionelle und liebevolle Distanz halten, sich nicht in depressiven Sog ziehen lassen

  • Keine Überfürsorglichkeit und entmündigendes Schonen

  • Klare Absprachen treffen und einhalten

  • Kleine Erfolgserlebnisse verschaffen und Angehörige entsprechend beraten

  • Angenehme Körperberührungen, z. B. atemstimulierende Einreibungen

  • Sofern noch möglich, Selbsthilfegruppen für Menschen mit Depressionen empfehlen

  • Familienangehörige über Verhaltensgrundsätze informieren, Selbsthilfegruppen für Familienangehörige vermitteln (1.7.3)

Kommunikation
  • Aktives ZuhörenKommunikationDepression

  • Begleitung statt Trost → keine Phrasen oder Floskeln verwenden wie „Es wird schon wieder …“

  • Besserungssignale müssen vom Pflegebedürftigen selbst kommen. Bei Äußerungen wie „Heute geht es Ihnen ja schon viel besser …“ verneint Betroffener meist und fühlt sich unter Druck gesetzt

  • Depressive Person ernst nehmen, nicht beschwichtigen. Trotzdem Zuversicht vermitteln: Depression dauert zwar, ist aber heilbar

  • Versichern, dass Pflegebedürftiger keine Schuld an Krankheit hat

  • Nicht-depressives Verhalten loben

  • Ermuntern, Gefühle auszusprechen, z. B. Wut, Ärger, Trauer, Schmerz

  • Über Suizidgedanken offen sprechen

Beobachten und Dokumentieren

  • Differenzierte Krankenbeobachtung hinsichtlich der Symptomatik, präzise Dokumentation von Veränderungen

  • Auf Nebenwirkungen der medikamentösen Therapie (7.2.2) achten

  • Suizidäußerungen ernst nehmen, darauf eingehen und ggf. Hilfe holen

  • Medikamenteneinnahme kontrollieren (Sammeln von Medikamenten in suizidaler Absicht verhindern).

Kontaktadresse
Stiftung Deutsche Depressionshilfe
Semmelweisstraße 10
04103 Leipzig
Tel.: 0341 9724493

Dermatitis

EkzemDermatitis 6.12

Diabetes mellitus

Sylvana Anders
2.3.3 Diabetes mellitusDiabetes mellitusFormen ist eine Stoffwechselerkrankung, die auf Insulinresistenz oder Insulinmangel beruht und durch einen chronisch erhöhten Blutzuckerspiegel gekennzeichnet ist (Tab. 6.8). Deutliches Risiko für Begleit- und Folgeerkrankungen.
Krankheitsformen
Typ 1 Insulinmangel durch Zerstörung der insulinproduzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse. Tritt häufig im Alter zwischen 11 und 13 Jahren auf, daher frühere Bezeichnung: jugendlicher/juveniler Diabetes.
Typ 2 Mischbild aus vermindertem Ansprechen der Körperzellen auf Insulin und Funktionseinschränkung der Betazellen. Tritt meist ab 40. Lebensjahr auf, wurde früher als Altersdiabetes bezeichnet.
Ursachen/Symptome
Hinsichtlich der Ursachen und Symptome unterscheiden sich Diabetes Typ 1 und Typ 2 (Tab. 6.9).
Therapie
Diät

Info

Grundprinzip

  • Maß der Kohlenhydrate wird in KohlenhydrateinheitenKohlenhydrateinheit (KHE oder KE) angegeben:

    1 KHE ≙ 10 g Kohlenhydrate.

  • Bis 10/2010 fand BroteinheitBroteinheit (BE) Anwendung (1 BE ≙ 12 g Kohlenhydrate). Broteinheit wird jedoch nicht mehr verwendet.

  • Kalorienbedarf Diabetes mellitusDiäthängt ab von Alter, Geschlecht, Aktivitäten (Tab. 6.10)

  • Zur Nahrungszubereitung: Küchenwaage mit Gramm-Einheiten

  • Lebensmittel einer Kohlenhydratgruppe können getauscht werden, z. B. Nudeln statt Reis

  • Empfohlen werden 6 Mahlzeiten, gleichmäßig über den Tag verteilt (Tab. 6.11)

  • Gut geschulte/eingestellte Diabetiker können Zeitpunkt der Mahlzeiten frei wählen

Kohlenhydrate
Blutzuckerwirksame Nahrungsmittel enthalten Kohlenhydrate (KHE): Getreideprodukte (Brot), Milch und Milchprodukte, Kartoffeln, Obst, Gemüse. Die Art der Kohlenhydrate ist von großer Bedeutung.
Ungünstig, da der Blutzucker schnell ansteigt:
  • Monosaccharide, z. B. Trauben- und Fruchtzucker

  • Disaccharide, z. B. Rüben- und Milchzucker

Günstig, da der Blutzucker langsam und andauernd ansteigt:
  • Polysaccharide, z. B. Stärke

Süßungsmittel
  • Spezielle Diabetesdiät auf Süßungsmittelbasis wird nicht mehr empfohlen.

  • Akzeptabler Zuckerkonsum: 30–50 g/Tag.

  • Zuckerhaltige Lebensmittel sind erlaubt, wie Honig und Marmelade in Maßen.

  • Zuckeraustauschstoffe (Süßungsmittel) haben keine Vorteile, wirken appetitanregend (Hungergefühl) und führen oft zu Magen-Darm-Problemen und Allergien, enthalten jedoch keine Kalorien.

  • Alternativ mit Stevia süßen. Dieser Pflanzenextrakt hat ebenfalls keine Kalorien.

Getränke
  • Nicht angerechnet werden: ungesüßter Tee/Kaffee, Mineralwasser

  • Angerechnet werden: Fruchtsäfte → Kalorien- und Kohlenhydratgehalt berücksichtigen

  • Alkohol in kleinen Mengen mit wenig Restsüße erlaubt, z. B. trockener Wein

  • Vorsicht bei Alkohol → Gefahr der Unterzuckerung

Ernährungsberatung
  • Aufklärung über Sinn des Kostplans: Wirkung der einzelnen Lebensmittel auf Blutzuckerspiegel und Folgeerkrankungen

  • Geschulte Ernährungsberatung hinzuziehen, genaue Ernährungsanamnese

  • Erstellung eines Kostplans richtet sich nach individuellen Gewohnheiten

  • Verteilung der Kohlenhydrate auf 6 Mahlzeiten

  • Ernährungsumstellung zur Normalisierung der Stoffwechsellage

  • Gewichtsreduktion bei Übergewicht

  • Insulintherapie mit Beachtung der KHE

  • Regelmäßige Blutzuckerkontrolle

  • !

    Mit zunehmender Erfahrung kann von festen Kostplänen abgewichen werden, tauschen der Lebensmittel ist möglich

Medikamentöse Therapie
Insulintherapie 7.7.1, Spritzenkalender Abb. 6.6.
Insulinpen
Injektionshilfe für s. c.-Injektion von Insulin mit sehr feinen Nadeln. Durch Knopfdruck wird die vorgegebene Medikamentenmenge gespritzt (4.3.2).
Insulinpen-Patrone wechseln
  • !

    Immer Betriebsanleitung beachten → Insulinpenverschiedene Hersteller und Handhabungen

  • Schutzhülle entfernen, Nadel abschrauben, Pen öffnen, Patrone entfernen

  • Neue Patrone einsetzen, Pen zuschrauben

  • Neue Nadel aufschrauben → Nadel gerade/mittig aufsetzen, Innennadel knickt sonst ab, Einheiten lassen sich nicht einstellen

  • Nadelwechsel: laut Hersteller nach jeder Injektion. Praktikabel: abends Nadel entfernen, morgens neue Nadel verwenden: „Der Pen schläft ohne Nadel!“

Insulinpumpe
  • Die InsulinpumpeKanüle liegt im Unterhautfettgewebe (Bauch) und ist mit kleinem Display-Kästchen per Schlauch verbunden. Insulinbedarf wird kontinuierlich in kleinen Mengen abgegeben. Zu den Mahlzeiten wird Zusatzbedarf per Knopfdruck abgerufen (entsprechend den KHE). Insulininjektionen per Pen entfallen.

  • Pumpe muss kontinuierlich am Körper getragen werden, nur kurzzeitige Abnahme zur Körperpflege.

  • Insulinpumpenträger programmieren Pumpe selbst.

  • Indikationen: Neigung zu Hypoglykämien, Schichtdienstarbeiter, Sportler, Schwangerschaft

  • Blutzuckermessungen erfolgen manuell

Künstliche Pankreas (Bauchspeicheldrüse)
Prinzip Künstliche PankreasPankreas, künstlichewie Insulinpumpe. Zusätzlich Blutzuckermessung durch Gerät mit individuell-gesteuerter Insulingabe durch Pumpe.
Beide Pumpen sind kostenintensiv und werden meist nur beim Typ-1-Diabetes durch Krankenkasse bezahlt. Betriebsanleitungen beachten.

Tipps und Tricks

Empfehlung: Regelmäßige Arztkontrollen, 4×/Jahr Urinuntersuchung, 2×/Jahr augenärztliche Untersuchung (Früherkennung von Retinopathie)

Kontrolle des HbA1c-Wertes dient der Überprüfung der Langzeit-Blutzuckereinstellung.

Blutzuckerselbstkontrolle
Blutzuckertest
4.10.1 BlutzuckerMessungDiabetes mellitusBlutzuckermessung
  • 4- bis 5-mal täglich (Ärztliche Verordnung)

  • Geräteberatung: Sanitätshaus/Apotheke/Diabetologe

  • Durchführung (Gebrauchsanleitung beachten):

    • Saubere Hände, keine Desinfektion → verfälscht ggf. Wert

    • Testplättchen in Gerät stecken → schaltet sich automatisch ein

    • Blutgewinnung: Einstich mit Lanzette seitlich der Fingerkuppe oder Ohrläppchen

    • Blutstropfen auf Testplättchen geben (wird aufgesogen) → Gerät ermittelt Wert

    • Testplättchen entnehmen, Gerät schaltet sich automatisch aus

  • Geräteeinstellung: mg/dl oder mmol/l

Umrechnung:
  • mg/dl × 0,0555 = mmol/l

  • mmol/l × 18,0182 = mg/dl

Tipps und Tricks

Anpassungsplan

  • Festlegung durch Diabetologen

  • Vorteile: nahezu selbstbestimmtes Leben mit Diabetes

  • Regelt zusätzliche/verminderte Insulingabe mit Zeitpunkt, Blutzucker, KHE und Aktivitäten

Urinzuckerkontrolle
  • RegelmäßigeUrinzuckerkontrolle Kontrolle: ca. 4×/Jahr

  • Ziel: zuckerfreier Urin. Kann durch Teststreifen oder apparativ gemessen werden

  • Ab Blutzucker > 160 mg/dl (8,88 mmol/l) wird Zucker über Urin ausgeschieden

  • Nicht möglich bei Nierenschäden

Vorsicht

Vorgehen bei Zucker und/oder Azeton im Urin:

  • Blutzuckerkontrolle

  • Evtl. Insulingabe vorziehen/erhöhen, falls Anpassungsplan vorliegt

  • Reichlich Flüssigkeitszufuhr

  • Arzt verständigen/Dokumentation

Urinazeton-Selbstkontrolle
  • Azeton im Urin wird nachweisbar bei gesteigertem Urinazeton-SelbstkontrolleFettabbau durch Insulinmangel

  • Messung: durch Teststreifen oder apparativ

  • Ursache: Hunger, Fieber, langes Erbrechen, reichliche Fettzufuhr

Blutzuckereinstellung
UrsachenDiabetes mellitusBlutzuckereinstellung kurzfristig auftretender Hyper- und Hypoglykämien Tab. 6.12.
Pflege
Sich pflegen
  • Sorgfältige Körperpflege, um Diabetes mellitusPflegePilz- und Hautinfektionen vorzubeugen

  • Atmungsaktive Kleidung: Feuchtigkeit begünstigt Hautpilze

  • Trockene Haut bietet Pforten für Infektionen: rückfettende Seife/Pflegelotion verwenden

  • Hautfalten gut abtrocknen

  • Spezielle Diabetikerschuhe besitzen orthopädische Weichbettung und reduzieren Druck, zur Vermeidung von Hautläsionen und Diabetischem Fuß → verordnungsfähig durch Hausarzt, werden durch Krankenkasse bezuschusst; erhältlich im Sanitätshaus

Fußpflege
2.4.9
  • Durchführung nur durch medizinische Fußpflege (Podologe)

  • Zehenzwischenräume gut abtrocknen

  • Nägel lieber feilen als schneiden → geringere Verletzungsgefahr

  • Tägliche Fußinspektion: Pilzinfektionen, Risse, Wunden, eingewachsene Nägel → Arztinformation

Ruhen und Schlafen

Vorsicht

Nächtliche Hypoglykämie (Unterzuckerung) tritt meist zwischen 02:00 und 03:00 Uhr nachts auf Hypoglykämie

  • Symptome: Unruhe, Übelkeit, (starkes) Schwitzen, Durchschlafstörungen

  • !

    Schlafmittel verschleiern Symptome

  • Notfall: Traubenzucker, Apfelsaft, Cola griffbereit auf Nachttisch stellen. Schnellere Wirkung → warme Getränke, z. B. warmer Tee mit Traubenzucker

  • Bei wiederholter nächtlicher Hypoglykämie → Änderung der abendlichen Insulingabe durch Arzt, ggf. stationäre Blutzuckereinstellung

  • Betroffenen/Angehörige aufklären, Hausarzt-Information, Dokumentation

Tipps und Tricks

Blutzuckertagebuch → Dokumentation der BZ-Werte und Nachtmahlzeit

Nächtlicher Hypoglykämie vorbeugen → Zeitspanne zwischen der letzten Mahlzeit am Abend und der ersten Mahlzeit am Folgetag sollte nicht länger als 10 Stunden betragen, deshalb: Nachtmahlzeit zu (sehr) später Abendstunde.

Geeignet: Joghurt, Obst, belegtes Brot; nach Wunsch/Gewohnheit des Betroffenen.

Sich bewegen
  • Bewegung senkt Blutzuckerspiegel und Gefahr von Spätschäden

  • Empfehlenswert: Radfahren, Schwimmen, Laufen, Gehen, Mannschaftssport

  • Gefahr der Hypoglykämie: bei Ernährung/Insulingabe beachten

  • Je größer die Anstrengung, desto stärker sinkt der Blutzucker

  • Je ballaststoffreicher die gegessene Nahrung, desto eher bleibt der Blutzucker konstant

  • Typ-2-Diabetiker: Nachmittagsspaziergang → BZ nachmittags eher hoch. Geringere Gefahr der Hypoglykämie durch Aktivität

  • Typ-1-Diabetiker rutscht schneller in Hypoglykämie: Sport wirkt bis 24 Std., regelmäßige Blutzuckerkontrolle

  • Bei kurzzeitiger Belastung erhöhte Kohlenhydratzufuhr sinnvoll

  • Training über viele Stunden: engmaschige Blutzuckerkontrollen, Reduktion der Insuline (laut Anpassungsplan)

  • Während des Sports: griffbereiten Traubenzucker

Information des Diabetikers
  • Durch konsequente Blutzuckernormalisierung, gute Körperpflege und Hautbeobachtung werden Folgeerkrankungen minimiert

  • 1 IE Normalinsulin senkt Blutzucker bis zu 50 mg/dl

  • Dauer der Insulinwirkung ist dosisabhängig: Höhere Dosis, längere Wirkung

  • Insulinempfindlichkeit unterliegt tageszeitlichen Schwankungen

  • Körperliche Aktivität steigert Insulinempfindlichkeit

  • Wirkungsbeginn, -maximum und -dauer der Insulinapplikation sind individuell unterschiedlich

Notfälle
Diabetisches Koma
Bewusstseinstrübung/Koma durch ÜberzuckerungDiabetisches Koma.
Symptome
  • KomadiabetischesBlutzucker erhöht: > 180–500 mg/dl ≙ 10,0–27,6 mmol/l

  • Diabetisches KomaBewusstseinstrübung bis hin zum Koma

  • Exsikkose, trockene Zunge, Durst, vermehrte Harnausscheidung, Azetongeruch

  • Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen

  • Puls ↑ (schnell, schwach) und Blutdruck ↓

  • Kußmaul-Atmung (2.3.5)

  • Schwache Muskulatur

Info

Notfall: Diabetisches Koma

  • Blutzuckerkontrolle, Gerät zeigt ggf. „high“ an, Wert ist nicht mehr messbar

  • (Not-)Arzt verständigen

  • Bewusstlosigkeit → stabile Seitenlage

  • Vitalzeichenkontrolle: Blutdruck, Puls, Atmung

  • Alle Werte/Tätigkeiten dokumentieren

Hypoglykämischer Schock
Bewusstseinstrübung/SchockhypoglykämischerHypoglykämieSchock durch UnterzuckerungHypoglykämischer Schock (8.3.2).
Symptome
  • Blutzucker niedrig: < 40-50 mg/dl ≙ 2,2–2,8 mmol/l

  • Heißhunger

  • UnterzuckerungUnruhe, Muskelzittern, Blässe, Schweißausbrüche

  • Bewusstseinstrübung bis hin zum Koma, neurologische Ausfälle

  • Tritt auf bei übermäßiger Insulinzufuhr und manchen Antidiabetika, oft in Verbindung mit ausgelassener Mahlzeit → Vorsicht bei Demenz! Betroffenen erst verlassen, wenn er ausreichend gegessen hat. Gefahr des Vergessens und damit hypoglykämischer Schock

  • Kann innerhalb kürzester Zeit zum Tod führen

Info

Notfall: Hypoglykämischer Schock

  • Blutzuckerkontrolle, Gerät zeigt ggf. „low“ an, Wert ist nicht mehr messbar

  • (Not-)Arzt verständigen

  • Vitalzeichenkontrolle, Bewusstsein beobachten

  • Falls vorhanden: Glukose-Injektion (fertige Einmalspritze zur i.m.-Injektion)

  • Sofortmaßnahme bei Ansprechbarkeit: warmer Tee mit Traubenzucker, Cola oder Apfelsaft.

  • Meist schnelle Besserung. Bei Bewusstlosigkeit → stabile Seitenlage (8.2.3).

  • Pflegebedürftigen verlassen: bei Blutzuckerstabilisierung oder Übernahme durch (Not-)Arzt

  • Alle Werte/Tätigkeiten dokumentieren

  • !

    Bei unklarer Bewusstseinstrübung nie Insulin zuführen → könnte tödlich wirken.

Spätfolgen
Spätfolgen treten ca. nach 5–15 Jahren auf.
Diabetischer Fuß
Persistierende Wunden/Ulzera am Unterschenkel oder Fuß Diabetischer Fußmit Infektionen, häufig Besiedelung mit multiresistenten Keimen, Ermüdungsschäden und Frakturen von Knochen und Gelenken am Fuß (Charcotfuß) mit erhöhtem Risiko für Zehen- oder Fußamputationen.
  • Sich pflegen (siehe oben)

  • Gefahr von Hautschäden, erhöhte Infektionsneigung, v. a. an Zehen und Fersen; kleine Wunden bleiben oft unerkannt, da sie durch Neuropathien erst spät schmerzhaft werden

  • Bei Diabetikern sollten nur Podologen Fußpflege durchführen!

  • Hautdefekte → Behandlung durch Arzt

Angiopathie
Makroangiopathien: Diabetisch bedingte Arteriosklerose Angiopathiemit auftretenden Erkrankungen wie KHK, Herzinfarkt, Apoplex, peripherer arterieller Verschlusskrankheit.
Mikroangiopathien: Arteriosklerose kleiner Arterien: Gefäßschäden an Auge (diabetische Retinopathie), Niere (diabetische Nephropathie), Nerven (diabetische Neuropathie). Schädigung autonomer Nerven → Herzrhythmusstörungen, Magen-Darm-Störungen (Übelkeit, Obstipation, Durchfall), Blasenfunktionsstörungen (z. B. chronische Harnretention 2.6.3), Impotenz.
Kontaktadressen
Deutscher Diabetiker Bund e.V. (DDB)
Käthe-Niederkirchner-Straße 16, 10407 Berlin
Tel.: 030 42082498-0
Deutsche Diabetes Gesellschaft e.V. (DDG)
Reinhardtstraße 31, 10117 Berlin
Tel.: 030 3116937-0

Ekzem/Dermatitis/allergisches Kontaktekzem/Nesselsucht

Anja Palesch

Ekzem/Dermatitis

Kontaktekzem, allergischesEkzemEntzündung der Haut. Veränderungen finden in Allergisches Kontaktekzemobersten Hautschichten statt. Das Ekzem ist eine nicht ansteckende Entzündung der Haut, die durch Juckreiz, Erythem (Rötung), Papeln, Seropapeln (mit Flüssigkeit gefüllt), Bläschen, Schuppung und Krustenbildung gekennzeichnet ist. Es werden drei Stadien unterschieden (Tab. 6.13)
Ursachen
Allergene (Stoffe, die bei einem sensibilisierten Patienten eine allergische Reaktion auslösen) oder auch autoimmun, z. B. bei der Neurodermitis.
Symptome
  • Rötung

  • Bläschenbildung

  • Schuppen

  • Juckreiz

Pflege und Therapie
Symptomatische Behandlung, tägliche Pflege der Haut mit Salben, Cremes und Lotionen, antientzündlich bis hin zur kortisonhaltigen lokalen oder auch immunsuppressiven lokalen oder systemischen Behandlung.

Allergisches Kontaktekzem

Ekzematöse Hautveränderung: Juckreiz, Erythem (Rötung), Papeln, Seropapeln (mit Flüssigkeit gefüllt), Bläschen, Schuppung und Krustenbildung; durch Allergene ausgelöst.
Macht 20 % aller Berufskrankheiten aus, z. B. bei Friseuren, Maurern oder Krankenpflegepersonal, z. B. nach Kontakt mit Handschuhen oder Desinfektionsmitteln.
Ursachen
Allergische Reaktion nach Hautkontakt mit allergisierender Substanz; Sonderform: photoallergische Reaktion, d. h. Substanz löst erst nach Lichteinfluss allergische Reaktion aus.
Symptome
Akut
12–48 Std. nach Allergenkontakt, nach 2 Tagen Reaktionsmaximum:
  • Rötung

  • Schwellung, mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen am Einwirkort des Allergens

  • Starker Juckreiz

Chronisch
  • Hautpartie verdickt, vergröbertes, schuppiges Hautfaltenrelief, Rhagaden

  • Kein Schleimhautbefall

Therapie
  • Ursache abklären

  • Allergieauslösende Faktoren meiden

  • Hyposensibilisierung

  • Salben: teerhaltige Salben, evtl. kortisonhaltige Salben

  • UV-Bestrahlung

  • In schweren Fällen systemische Therapie mit Glukokortikoiden und Immunmodulatoren (Ciclosporin)

Pflege
  • ÄrztlichHautpflegeEkzem verordnete Behandlung durchführen, lokale und systemische Therapie

  • Hautpflege mit hydrophilen Cremes (Akutbehandlung) oder W/O-Emulsionen (chronisches Kontaktekzem)

  • Auftragen von Salben, Cremes mit Einmalhandschuhen, ggf. bei Latexallergie mit latexfreien Handschuhen

  • Genaue Beobachtung der Haut (2.4.12)

Beobachten und Dokumentieren

  • Allergene im Allergiepass vermerken

  • Juckreiz, Schmerzen, Hautveränderungen

  • Medikamentenreaktion

  • Symptomtagebuch führen → Suche nach auslösenden Faktoren

Nesselsucht

UrtikariaUrtikaria, Quaddelsucht: aus Quaddeln (juckende ödematöse NesselsuchtErhabenheit der Haut, in unterschiedlicher Farbausprägung) bestehendes, stark juckendes Exanthem; 30 % der Menschen sind einmal im Leben betroffen.
Ursachen
  • Allergie, Allergen: Medikamente, Insektenstich

  • Nichtallergische Intoleranzreaktion durch Medikamente, Nahrungsmittelzusätze

  • Kontakt: Quallen, Brennnessel, Zitrusfruchtschalen

  • Physikalisch: Kälte, Wärme, Licht, Druck

  • Cholinergisch: Stimulation der Schweißdrüsen

  • Begleiterscheinung anderer Erkrankungen, z. B. Lupus erythematodes, Wurminfektion

Symptome
  • Dauer des Ausschlags: akut ≤ 6 Wochen, chronisch ≥ 6 Wochen

  • Auftreten innerhalb von Minuten

  • Leicht erhabene, rötliche Quaddeln mit starkem Juckreiz an einzelnen Stellen (Kontaktnesselsucht) oder am ganzen Körper (allergische Reaktion)

  • Mögliche Begleiterscheinungen: Magen-Darm-Beschwerden, Durchfall, Luftnot und Kopfschmerzen

  • Vorsicht: anaphylaktischer Schock (siehe nächste Seite)

Pflege und Therapie
  • Auslösende Faktoren ausschalten

  • Anwendung von Lokaltherapeutika bzw. medikamentöse Therapie nach Arztanordnung

  • Maßnahmen gegen Juckreiz (2.4.12)

  • Dokumentation

Vorsicht

Anaphylaktischer Schock:

  • Bei starker Schwellung im Gesicht bzw. bei Atembeschwerden Notarzt verständigen

  • Kreislauf-, Vitalzeichenkontrolle → Puls, RR, Atmung

  • Frühzeitig Zungen-, Larynx- oder Pharynxödem erkennen

  • Dokumentation

Epilepsie

Anja Palesch
Krampfleiden, EpilepsieKrankheitsbildKrampfleidenhirnorganisches Anfallsleiden.

Info

Wichtiger Hinweis

Epileptische Anfälle sind keine Erkrankung, sondern ein Symptom!
Ursachen
  • Exogene Faktoren: Verletzungen oder Schlafentzug

  • Endogene Faktoren: Veranlagung

  • Unterschieden werden:

    • Genuine („echte“) Epilepsie, Manifestation ≤ 20. Lebensjahr

    • Symptomatische Epilepsie, durch Hirntumoren, -abszesse, intrakranielle Hämatome, Apoplex, Gefäßfehlbildung, Alkoholintoxikation

  • Keine Erbkrankheit

Symptome
Grand-Mal-Epilepsie
  • Aura (Vorzeichen): Wahrnehmung von Grand-Mal-Anfallspeziellem Geruch, Geschmack, Sehen von Lichtblitzen

  • Beginn durch Initialschrei, Bewusstlosigkeit, Sturz

  • Tonische Phase: steif gestreckte Gliedmaßen, Atemstillstand, lichtstarre, weite Pupillen

  • Klonische Phase: Zuckungen am ganzen Körper, Urin- und Stuhlabgang, Schaum vor dem Mund

  • Nach dem Anfall keine Erinnerung daran

  • Bindung der Anfälle häufig an bestimmte Tageszeiten (z. B. Aufwachphase), bei Frauen teils zyklusabhängig

Absencen
Absencen gehören zur Petit-Mal-Epilepsie.
  • Kurz dauernde Bewusstseinsstörungen, keine Ohnmacht

  • Sind Kinder betroffen, wird dies oft als „Träumerei“ verkannt

Info

Notfall: epileptischer Anfall (Grand-Mal)

Grand-Mal-AnfallErstmaßnahmen:
  • Ist eine Aura erkennbar, Betroffenen sicher lagern:

    • Auf dem Boden auf eine weiche Decke setzen oder ins Bett legen

    • Kleidung lockern

    • Sturz vermeiden, Platz schaffen, Verletzungsgefahr einschränken

    • Wenn noch möglich, Zahnprothese entfernen

  • Arzt verständigen (lassen)

  • Verboten: Keil in den Mund schieben gegen Zungenbiss → Verletzungsgefahr für den Helfer, Gefahr der Mundverletzung beim Betroffenen

  • Keine Flüssigkeit oder Arzneimittel oral → Aspirationsgefahr

  • Injektionen nur nach schriftlicher ärztlicher Anordnung

  • Anfallstyp und -dauer beobachten und dokumentieren

Therapie
  • Medikamentengabe: Antiepileptika (7.8.2), ⅔ der Betroffenen unter Medikamenten anfallsfrei

  • Ursache beseitigen, z. B. Operation des Hirntumors

Pflege
Nach einem Anfall
  • Vorsichtige Mundpflege, Erbrochenes und Schaum entfernen

  • Bei Einnässen nach dem Anfall kurze Intimpflege und frische Kleidung anziehen

  • Für genügend Ruhe sorgen

  • Erschöpfungsschlaf in stabiler Seitenlage zur Aspirationsprophylaxe

Im anfallsfreien Intervall
  • Unterstützung bei allen AEDL® je nach Befinden (2)

  • Beim Duschen und Baden nicht alleine lassen; Anfall kann jederzeit auftreten

  • Regelmäßige Medikamenteneinnahme überwachen bzw. daran erinnern

Tipps zur Lebensführung
  • Anfallsauslösende Faktoren meiden, z. B. Schlafentzug, Alkohol in größeren Mengen

  • Für regelmäßigen, ausreichenden Schlaf sorgen

  • Fahrverbot; Fahrtüchtigkeit erst, wenn EEG mindestens 6 Monate bis 2 Jahre unauffällig (Kontrolluntersuchungen in 1, 2 und 4 Jahren erforderlich)

  • Sport nicht bis zur körperlichen Erschöpfung betreiben, Begleitpersonen über Notfallsituationen informieren

  • Schwangerschaft unter ärztlicher Kontrolle möglich, Fehlgeburtsrate erhöht

  • Anfallskalender: Häufigkeit, Art, Dauer und auslösende Faktoren notieren

  • Plötzliches Absetzen der Antiepileptika kann Anfall auslösen

Info

Notfall: Status epilepticus

Status epilepticusStatus epilepticusAnfallsdauer länger als 15 Min., Letalität 5–10 %.
Erstmaßnahmen:
  • Wie epileptischer Anfall (siehe oben)

  • Notarzt verständigen

  • Wenn möglich, Kopf überstrecken/stabile Seitenlage → Atemwege freihalten

  • Nach Arztabsprache (wenn möglich) Bedarfsmedikamente injizieren

  • Anfallstyp und -dauer beobachten und dokumentieren

Beobachten und Dokumentieren

  • Medikamentöse Therapie, Dauertherapie und Notfallmedikation

  • Dauer und Häufigkeit der Anfälle

  • Auslösende Faktoren

Kontaktadresse
Deutsche Epilepsievereinigung
Zillestraße 102, 10585 Berlin
Tel.: 030 34244-14

Erysipel

Anja Palesch
WundroseWundrose: flächenhafte ErysipelEntzündung der Haut und Unterhaut.
Ursachen
Häufig Streptokokkeninfektion, Eintrittspforte: kleine Wunden, Insektenstiche.
Symptome
  • Inkubationszeit 1–3 Tage

  • Hohes Fieber

  • Allgemein starkes Krankheitsgefühl mit hochfieberhaftem Infekt und Schüttelfrost und schwerer Beeinträchtigung des Allgemeinzustands

  • Betroffenes Hautgebiet ist scharf begrenzt flammend gerötet, geschwollen und schmerzt, häufig kleine rote Punkte, gelegentlich auch Blasen, die einbluten können (bullöses Erysipel/hämorrhagisches Erysipel).

Therapie
  • Penicillin i. v. oder oral über 10–14 Tage

  • Bettruhe

Pflege
Bei akutem Krankheitsbild mit Arzt und Angehörigen abwägen, ob Behandlung zu Hause durchzuführen oder Klinikeinweisung notwendig ist.
  • Pflege bei Fieber (2.3.9)

  • Medikamentengabe

  • Prophylaxen (3)

  • Unterstützung bei allen AEDL® (2) je nach Befinden

  • Bettruhe

  • Ist eine Extremität betroffen: Hochlagerung

  • Gesichtserysipel: flüssige Kost, Sprechverbot

  • Lokal mehrmals täglich kalte Umschläge mit kühlen, desinfizierenden Substanzen laut Arztanordnung (4.11.3); Umschläge immer feucht halten

Prognose
Insgesamt gut. Neigung zu Rezidiven mit möglicher Schädigung der Lymphgefäße → Lymphstau.

Beobachten und Dokumentieren

  • Regelmäßige Medikamenteneinnahme

  • Haut- und Vitalzeichenkontrolle, um Komplikationen rechtzeitig zu erkennen

  • Temperatur: Fieberkurve anlegen (2.3.9), die auch Angehörige regelmäßig führen

  • Reichlich Flüssigkeitszufuhr

  • Verlauf des Hautausschlags, Einzeichnen der Inflammationsgrenze

  • Bei Ausbreitung des Erysipels Gefahr von Sepsis oder ZNS-Befall → Notfall → Notarzt verständigen

Euthyreote Struma

Anja Palesch
Struma, euthyreoteSchilddrüsenvergrößerung (Größeneinteilung Tab. 6.14) bei normaler Hormonlage, sehr Euthyreote Strumahäufig (30–50 % der Bevölkerung), umgangssprachlich „Kropf“.
Ursachen
Jodmangel in Nahrung und Trinkwasser → durch Wachstum versucht Schilddrüse, den Mangel auszugleichen.
Therapie
Konservative Therapie (7.7.2)
  • Medikamentöse Behandlung mit Jod

  • Ggf. trotz normaler Hormonlage Gabe von Schilddrüsenhormonen

  • Kombinationsmedikamente möglich

Operative Therapie
Operative Strumaentfernung, anschließend einige Tage stationär
Pflege
Jodzufuhr erhöhen: 1–2 Seefischmahlzeiten pro Woche, jodhaltiges Speisesalz.
Nach Schilddrüsenoperation
  • Operierter: körperliche Schonung, Anstrengung meiden

  • Nach 6 Tagen Fädenziehen durch den Hausarzt

  • Narbenpflege: regelmäßiges Eincremen der Narbe mit einer Fettcreme, z. B. Dexpanthenolsalbe, oder einer speziellen Narbensalbe (in der Apotheke erhältlich)

Beobachten und Dokumentieren

  • Medikamentöse Therapie

  • Nach Operation: Verbandwechsel, Heilungsverlauf

Frakturen

Anja Palesch
Wundversorgung 4.2.
Pflege bei Gips/Lagerungsschienen
Noch feuchter Gips
Ca. 2–3 Tage nach Anbringen ist GipsGipsverbandFraktur, Gipsverbandkontrolle noch feucht.
LagerungsschienenInitial immer Gipsschiene oder gespaltener Gips wegen posttraumatischer/postoperativer Schwellneigung.
  • Lagerung: großflächig auf flacher Unterlage. Hochlagern verringert die Gewebeschwellung (Bein: Kissen, Arm: Schlinge, zwischendurch tief lagern)

  • Nicht zudecken, Gips an der Luft trocknen lassen

  • Matratze/Polstermöbel schützen, z. B. durch Plastiktüte, Handtuch

  • Gipskontrolle

    • Befragen: nach Schmerzen, Engegefühl, Druckstellen, Gefühlsstörungen

    • Betrachten: Hautfarbe, Schwellung von Fingern oder Zehen, Gipsränder (glatt, nicht einschnürend, ohne Randwulst oder scharfe Kanten), Bruchlinien

    • Betasten: Hauttemperatur, Pulse, Zehen, Finger, Hand und Fuß im Gips bewegen lassen. Prüfen, ob die Beugung/Streckung auch gegen Widerstand möglich ist

Vorsicht

Komplikationen im Gipsverband:

  • Zunehmende, evtl. pochende Schmerzen

  • Neurologische Symptome, z. B. Kribbeln („Ameisenlaufen“), Taubheitsgefühl („Pelzigkeit“), Abnahme der Beweglichkeit von Fingern oder Zehen

  • Blässe, Blaufärbung der Haut

  • Zunehmende Schwellung der Finger, Hand, Zehen, des Fußes

  • Schwächer werdender oder nicht mehr tastbarer Puls

  • Bei Auftreten jeglicher Komplikationen sofortige Arztinformation, ggf. Öffnen des Gipses. Bei Nichtbeachten der Komplikationen drohen bleibende Schäden. Leitsatz: „Der Patient mit Gips hat immer recht!“

Trockener Gips
  • Nicht in den Gips einbezogene Gelenke regelmäßig bewegen

  • Selbstständigkeit erhalten, z. B. durch Hilfsmittel (Unterarmgehstützen, Rollstuhl), organisierte Hilfen (häusliche Pflege, Essen auf Rädern etc.)

  • Hilfe bei den AEDL® (2) nach Bedarf

  • Unterarm- oder Unterschenkelgips: Plastiksäcke mit wasserdichtem Abschluss zum Duschen; cave: Rutschgefahr!

  • Kleidung: weit oder umgeändert, z. B. Jogginghose mit Reißverschluss am Unterschenkel

  • Nach Gipsabnahme: Haut direkt pflegen, z. B. Arm-, Fußbad, danach eincremen; mehrere Tage wiederholen, bis sich Hautzustand normalisiert hat

Schiene
  • Frakturen oder Sehnenrisse werden oft mit Schienen, z. B. Aircast-Schiene, versorgt, Befestigung meist mittels Klettverschluss

  • Schiene kann zwischendurch nach ärztlicher Rücksprache zur Wundkontrolle und Körperpflege abgelegt werden

  • Vor Abnahme sicherstellen, dass sie wieder angelegt werden kann, z. B. Gebrauchsanweisung, Inspektion

Gallensteine

Anja Palesch
10 % der Bevölkerung haben GallensteineCholelitiasisGallensteine, ⅔ davon sind ohne jegliche Beschwerden, also asymptomatisch, und bedürfen keiner Behandlung. Es sind überwiegend Frauen betroffen.
Risikofaktoren
Zunehmendes Alter, Schwangerschaft, Östrogene (Hormontherapie, Empfängnisverhütung), cholesterinreiche Ernährung, Übergewicht, Diabetes mellitus, erbliche Disposition, M. Crohn.
„5-F“-Regel: female, fair (hellhäutig), fat, fourty, fertile (fruchtbar).
Ursachen
  • Multifaktorielle Genese

  • Hereditäre Faktoren

  • Cholesterinübersättigung der Gallenblase

  • Gestörte Gallensekretion

  • Hypomobilität der Gallenblase

  • Entzündliche Prozesse der Gallenblase

Symptome
  • Meist keine. Gelegentlich Druck- und Völlegefühl im rechten Oberbauch, Blähungen nach Kaffee und fetten, gebratenen Speisen

  • Gallenkolik mit heftigsten, krampfartigen Bauchschmerzen mit Ausstrahlung in die rechte Schulter, Schweißausbrüchen, Brechreiz, evtl. Kreislaufkollaps

Komplikationen
Verschlussikterus bei Steineinklemmung, Hydrops (Gewebewasser in der Gallenblase), Empyem (Eiter in der Gallenblase), Gallenblasenentzündung, Entzündung der Gallenwege, Perforation der Gallenblase mit Peritonitis, Leberabszess, Leberzirrhose, akute Pankreatitis (Abb. 6.7).
Therapie
Nur symptomatische Steine werden behandelt:
  • Bei GallenkolikGallenkolik: krampflösende und schmerzlindernde Medikamente

  • OP mit Entfernung der Gallenblase, meist im entzündungsfreien Intervall

  • Bei kleinen Steinen und seltenen Koliken Steinzertrümmerung oder medikamentöse Steinauflösung

Pflege
  • Bei Gallenkolik: Nahrungskarenz

  • Bettruhe, auf ärztliche Anordnung lokale Wärmeapplikation (4.11.2) durch Angehörige durchführen lassen

  • Schmerzmedikation auf ärztliche Anordnung

  • Ab zweitem Tag langsamer Kostaufbau: Tee → Haferschleim → Weißbrot/Zwieback → Kartoffelbrei → Gallenschonkost bzw. Nahrungsmittel, welche die Person verträgt

  • Später: fettarme, eiweißreduzierte, leicht verdauliche Nahrung

Vorsicht

  • Bei Verdacht auf Gallenkolik sofort Hausarzt oder Notdienst informieren. Arzt entscheidet, ob der Pflegebedürftige weiterhin zu Hause versorgt werden kann oder eine Krankenhauseinweisung erforderlich ist

  • Wärmeapplikation nur bei nicht-entzündlichen Gallenerkrankungen!

Beobachten und Dokumentieren

  • RR, Puls, Temperatur

  • Bauchschmerzen, Bauchdeckenspannung (harte Bauchdecke: Zeichen einer Peritonitis)

Gastritis

Anja Palesch
Entzündung der Magenschleimhaut. Verschiedene Formen, mit oder GastritisKrankheitsbildInfektionMagen-Darm-Traktohne Schleimhauterosion; Ausmaße der Schleimhautveränderungen können histologisch aufgezeigt werden; fließender Übergang zwischen akuter und chronischer Gastritis.
Erosion: fleckförmige, oberflächliche Defekte der Magenschleimhaut.
Ursachen
  • Akute Gastritis (Magenverstimmung): meist durch übermäßigen Alkohol- und Nikotingenuss, virale oder bakterielle Infektionen, Toxine (z. B. bei Lebensmittelvergiftung), Stress, Einnahme nichtsteroidaler Entzündungshemmer

  • Chronische Gastritis: verschiedene Ursachen, deren Anfangsbuchstaben die sog. ABC-Klassifikation ergeben:

    • Typ A: die seltene Autoimmungastritis, führt zu Vitamin-B12-Mangel (6.1)

    • Typ B: die häufige bakterielle Gastritis, verursacht durch Helicobacter pylori

    • Typ C: die chemisch-toxische Gastritis, durch Gallensaftrückfluss oder nichtsteroidale Entzündungshemmer

Symptome
Akute Gastritis
  • Druckgefühl in der Magengegend

  • Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen

  • Selten „Kaffeesatzerbrechen“ und Teerstuhl

Chronische Gastritis
  • Verläuft häufig über Jahre hinweg symptomfrei

  • Selten Oberbauchschmerzen, Übelkeit, Brechreiz

Therapie
Im Akutfall bei Pflegebedürftigen mit starkem Erbrechen, Teerstuhl, schlechtem Allgemeinzustand sowie bei Diabetikern: umgehend Arztbesuch veranlassen.
Ansonsten:
  • Möglichst Nahrungskarenz für 24–36 Std., sonst Tee und Zwieback

  • Krampflösende Arzneimittel und Antazida (7.6.1) auf ärztliche Anordnung

  • Absetzen aller nicht unbedingt notwendigen Medikamente nach Rücksprache mit Hausarzt

  • Alkohol-, Nikotin- und Kaffeekarenz

  • Bei Schleimhauterosionen: Therapie wie bei Magenulkus

  • Typ-A-Gastritis: lebenslang Vitamin B12 (6.1), um Anämie vorzubeugen; jährliche Kontrollbiopsien, da Gefahr maligner Entartung

  • Typ-B-Gastritis: Unterdrückung der Magensäureproduktion mit Protonenpumpenhemmern (7.6.1), medikamentöse Bekämpfung des Helicobacter pylori mit Antibiotika 7.9.1)

  • Typ-C-Gastritis: Erkennen und Beseitigung auslösender Faktoren

Pflege
  • Viel GastritisPflegeRuhe, stressauslösende Faktoren reduzieren

  • Ggf. vermehrte Hilfestellung bei der Körperpflege

  • Nach Nahrungskarenz:

    • Möglichst viel Tee zum Trinken in Reichweite des Pflegebedürftigen bereitstellen, z. B. Kamillentee

    • Auf Notwendigkeit vieler kleiner Mahlzeiten hinweisen

    • Auf individuelle Verträglichkeit achten, eiweißreiche und fettarme Ernährung, Gebratenes meiden

    • Gutes Kauen fördert die Magenpassage und kann einen gastroösophagealen Reflux (Sodbrennen) vermeiden

    • Bei Übelkeit und Erbrechen evtl. vom Arzt Antiemetika (7.6.3) verordnen lassen

    • Entspannungstechniken empfehlen

Ziele:
  • Sind dem Pflegebedürftigen lindernde Maßnahmen bekannt?

  • Können Ursachen eingeschränkt bzw. verhindert werden?

  • Wird die Diät eingehalten?

Beobachten und Dokumentieren

  • Auf Zeichen einer beginnenden Dehydratation achten

  • Vitalzeichenkontrolle: RR, Puls, Temperatur

  • Schmerzen, Appetitlosigkeit

  • Erbrochenes und Stuhl auf Blut kontrollieren

  • Wenn Blut oder Teerstuhl auftritt, sofort Arzt informieren!

Gastroenteritis

Anja Palesch
Ansteckende GastroenteritisDurchfallerkrankung, meist durch virale Entzündung der DiarrhöGastroenteritisMagen-Darm-Schleimhaut, begleitet von Erbrechen.
Ursachen
  • Infektion durch Bakterien, Viren, Pilze, Protozoen oder Parasiten, v. a. in den Sommermonaten, z. B.:

    • Schmierinfektion mit dem Enterobakterium E. coli oder Salmonelleninfektion

    • Lebensmittelvergiftung durch Staphylokokken, z. B. in verdorbenem Fleisch, Milch, Eiern

    • Nosokomiale Infektion mit Clostridium difficile und Noroviren

  • Als Komplikation Wochen bis Monate nach Antibiotikagabe bei Clostridium-difficile-positiven Patienten

  • Auch als Folge einer Strahlentherapie möglich

Symptome
  • Übelkeit, Erbrechen

  • Durchfall

  • Bauchschmerzen

  • Fieber

Vorsicht

Bei abwehrgeschwächten, alten Pflegebedürftigen, Diabetikern und bei massiven Krankheitsverläufen Arzt hinzuziehen, orale oder intravenöse Flüssigkeitssubstitution und Elektrolytersatz, je nach Erreger und Schwere der Erkrankung Antibiotikagabe.

Pflege
  • Ruhe und Schonung (Angehörige aufklären), anstrengende Termine verschieben

  • Ballaststoffarme Kost (Tee und Zwieback)

  • Beobachtung des Pflegebedürftigen:

    • Auf Zeichen beginnender Dehydratation (3.2)

    • Mind. 2-mal/Tag Temperatur (durch Angehörige) messen (lassen), bei Temperaturerhöhung forcierte Flüssigkeitssubstitution, Fiebersenkung und ggf. Hinzuziehen des Arztes bei Verschlechterung des Allgemeinzustands

    • Angehörigen raten, Erbrochenes und Stuhl auf Blut zu kontrollieren

  • Schonende Pflege der Analregion:

    • Verwendung feuchter Reinigungstücher nach Toilettengang

    • Hautschutz mit panthenolhaltiger Salbe

  • Zur Sturzprophylaxe Nachtstuhl im Nahbereich des Kranken aufstellen

  • Ansteckungsgefahr auch für Angehörige! Hinweis und Hygieneempfehlungen geben, z. B. Toilette desinfizieren

Tipps und Tricks

  • Regelmäßige Inspektion des Kühlschrankinhalts und Verwerfen verdorbener Lebensmittel durch Pflegende dient der Prophylaxe von infektiösen Durchfallerkrankungen (Pflegebedürftigen/Angehörige um Erlaubnis bitten).

  • Massive Durchfälle schwächen den Pflegebedürftigen. Bei auftretenden Kreislaufstörungen darf er nur mithilfe der Pflegenden oder Angehörigen aufstehen.

  • Bei Salmonellenerkrankungen besteht Meldepflicht beim Gesundheitsamt.

  • Bei Diabetikern Blutzuckerüberprüfung, ggf. Haus- oder Notarzt informieren.

  • Nach Abklingen der akuten Durchfälle: ggf. Darmfloraaufbau (Infos in der Apotheke).

Beobachten und Dokumentieren

  • Vitalparameter

  • Körpertemperatur

  • Flüssigkeitsmenge

Gebärmutterkarzinom

Anja Palesch
Bösartiger Gebärmuttertumor, Unterteilung (Tab. 6.15):
  • GebärmutterkarzinomZervixkarzinom (Zervix: Gebärmutterhals)

  • ZervixkarzinomEndometriumkarzinomEndometriumkarzinom (Endometrium: Gebärmutterschleimhaut).

Komplikation: Metastasierung
Pflege
  • Wie bei onkologisch erkrankten Menschen (5.2)

  • Bei vaginaler Operation: keine Vollbäder, keine Tampons bis zum Abheilen der Operationswunde

  • Schamgefühl der Frau wahren

Beobachten und Dokumentieren

  • Ausscheidung: Stuhl und Urin auf frische Blutungen, Farbe und Geruch

  • Schmerzen

  • Blutungen

    • Erneut auftretende Blutung nach bereits abgeklungenen Blutungen

    • Nach Konisation: Schorfablösung nach ca. 10 Tagen, Blutungsgefahr → Notfall bei viel hellrotem Blut!

Gebärmuttersenkung

Anja Palesch
Descensus uteri:Gebärmuttersenkung/-vorfallUterussenkung/-prolaps Tiefertreten der Gebärmutter, meist auch der Descensus uteriVaginalwände (Descensus uteri et vaginae).
Gebärmuttervorfall, Gebärmutterprolaps: Schwerstform mit „Umstülpen“ der Scheide.
Ursachen
Überlastung der BeckenbodenmuskulaturBeckenbodenschwächeGebärmuttersenkung durch körperliche Anstrengung, Übergewicht, Geburten im Zusammenhang mit Bindegewebsschwäche.
Symptome
  • Druckgefühl nach unten („Rausfallgefühl“)

  • Schmerzen im Unterbauch, Kreuzbeinbereich

  • Scheide und Gebärmutterhals belegt, entzündet

  • Harnwegsinfekte und Verstopfung durch Verengung von Harnröhre und Darm

  • Harninkontinenz

  • Geh- und Sitzbehinderung

  • Schleimhautwucherung an vorgefallener Gebärmutter und Vaginalwand

Therapie
  • Beckenbodengymnastik (Tab. 6.16): Volkshochschulen/Physiotherapeuten bieten Kurse an. Ein Kurs ist sinnvoll, um ein Gespür für den Beckenboden zu entwickeln.

  • Hormontherapie

  • Scheidenpessar (Abb. 6.8), schalenförmig oder würfelförmig, Anpassung durch den Arzt

  • Im Spätstadium Operation (vordere und hinterer Scheidenplastik), ggf. Gebärmutterentfernung

  • Als Prävention Rückbildungsgymnastik nach der Entbindung, Weiterführung der Übungen ein Leben lang

Pflege
  • Zur Gymnastik ermuntern, Übungen in jeder Position möglich (sitzen, stehen, liegen), z. B. Anspannen des Beckenbodens bei der Hausarbeit, beim Warten an der Ampel

  • Übungen täglich durchführen, Erfolge stellen sich erst nach Wochen oder Monaten ein

  • Pessar morgens einsetzen und abends entfernen, Hilfestellung durch die Pflegenden:

    • Einlegen mit Östrogencreme als Gleitmittel mit therapeutischem Effekt

    • Entfernung des Würfelpessars durch Zug am Rückziehband, Schalenpessar durch Einhaken des Zeigefingers im Loch des Pessars aus der Scheide ziehen

    • Pessar mit warmem Wasser gut waschen, Desinfektionsmittel oder Seife sind nicht nötig

Beobachten und Dokumentieren

  • Vaginaler Fluor

  • Schmerzäußerungen

  • Urinausscheidung (Inkontinenz, Infekt)

  • Stuhlausscheidung (Obstipation)

  • Blutungen, Entzündungszeichen im Scheiden- bzw. Gebärmutterbereich

Gicht

Anja Palesch
Hyperurikämie. GichtKrankheitsbildChronische Gicht mit Gelenkdeformierungen und HyperurikämieHarnsäureablagerungen in Weichteilen und Knochen. Sichtbare Ablagerungen werden als Gichtknoten bezeichnet. Harnsäureerhöhung des Blutes über 7 mg/dl (420 µmol/l).
Ursachen
Erbliche Störung im Purinstoffwechsel, Übergewicht, Nierenfunktionsstörung, Chemotherapeutika.
Symptome
Lange Zeit symptomlos, überraschend, besonders nachts oder nach übermäßigen Fleisch- oder Alkoholgenuss: akuter Gichtanfall.
  • Beginn an Gelenken, meist Großzehengelenk: starke Schwellung, Rötung und starke Schmerzen (Podagra). Geringste Belastung und Berührung lösen starke Schmerzen aus

  • Evtl. Fieber

  • Wechsel zwischen symptomlosem Intervall und akutem Gichtanfall

Therapie
  • Purinarme Diät (siehe unten).

  • Bei Übergewicht langsame Gewichtsreduktion zusammen mit einer Ernährungsberatung

  • Medikamentöse Therapie (7.10.3) gegen Schmerzen: nichtsteroidale Antiphlogistika (Diclofenac, Naproxen) und Glukokortikoide. Alternativ zur Unterbrechung eines akuten Gichtanfalls Colchicin (jedoch keine analgetische Wirkung)

  • Ausreichend Getränke

  • Trotz Diät ist bei Chronifizierung eine medikamentöse Therapie notwendig (Urikostatika, Allopurinol)

Tipps und Tricks

  • Ohne Therapie und Diät nimmt die Nierentätigkeit immer mehr ab.

  • Komplikationen: Übergang zu chronischer Gicht, Bildung einer Gichtniere mit Nierenbeckenentzündung, häufig Bildung von Nierensteinen.

Pflege
Sich bewegen
Akuter Gichtanfall:GichtPflege
  • Kalte Anwendungen an den Gelenken, kalte Güsse, kühle Umschläge mit Alkohol, essigsaurer Tonerde, Eis, kaltem Quark (aus dem Kühlschrank)

  • Ruhigstellung der betroffenen Gelenke

  • Gehstützen, sofern sie Erleichterung bringen, Verordnung durch den Arzt

Essen und trinken
  • 2–3 l trinken, um Ausscheidung zu fördern

  • Empfehlenswerte Lebensmittel: Obst mit geringem Fruchtzuckergehalt (Honigmelonen, Pfirsiche, Kirschen), Rohkost, fettarme Milchprodukte, Kartoffeln, Reis, Oliven-/Rapsöl, Nüsse

  • Bei Übergewicht langsame Gewichtsreduktion durch fettarme Kost. Fastenkuren können den Harnsäurespiegel erhöhen und wiederum einen Gichtanfall auslösen.

Purinarme Ernährung:
  • Max. 100 g Fleisch, Fisch oder Wurstwaren am Tag

  • Vermeiden: Innereien, Meeresfrüchte, Hülsenfrüchte, Kohl und Rosenkohl, Spinat

  • Eiweiß: Bedarf aus Milch und Milchprodukten decken

  • Max. 500 mg Harnsäure pro Tag (Tab. 6.17)

  • Getränke:

    • Keine alkoholischen Getränke

    • Mehr als 2 l/Tag, bei akutem Gichtanfall 3 l/Tag: ungesüßte Tees, verdünnte Fruchtsäfte, Mineralwasser. Bohnenkaffee durch Getreidekaffee ersetzen

    • Verzicht auf harntreibende Getränke wie Bier und Bohnenkaffee

Beobachten und Dokumentieren

  • Vitalparameter

  • Ausscheidung

  • Verlauf der Erkrankung, normalerweise promptes Ansprechen auf medikamentöse Therapie, ansonsten andere Genese der Arthritis bedenken (bakterielle Arthritis, aktivierte Arthrose etc.)

Kontaktadresse
Deutsche Gicht-Liga e.V.
Berger Straße 434
60385 Frankfurt
Tel.: 0811 555287-0

Grauer Star (Katarakt)

Anja Palesch
Star, GrauerTrübung der Grauer StarAugenlinse. Unterscheidungen je nach Ursache. KataraktVerminderte Lichtdurchlässigkeit der Linse durch Veränderung des Linseneiweißes.
Ursachen
  • Angeboren, z. B. Röteln der Mutter während der Schwangerschaft

  • Erworben:

    • Häufigste Form: Altersstar (Ursache noch unklar)

    • Linsentrübung als Komplikation anderer Erkrankungen, z. B. Diabetes mellitus

    • Nebenwirkung von Medikamenten oder Untersuchungen, z. B. Kortisoneinnahme, Dialyse, häufige Röntgenuntersuchungen im Augenbereich

Symptome
  • „Grauen Nebel“ sehen

  • Konturen und Farben verschwimmen

  • Sehen von Doppelbildern

  • Bei geringer Lichteinstreuung in der Dämmerung fällt das Sehen leichter

  • Langsame Zunahme der Sehstörungen

  • Linsentrübung mit bloßem Auge sichtbar

Therapie
  • Operativer Austausch der erkrankten gegen eine künstliche Linse

  • 3 Tage Verband über dem operierten Auge

  • Ist das operative Einsetzen einer Implantatlinse nicht möglich, Verwendung einer Starbrille oder spezieller Dauerkontaktlinsen (Wechsel nur alle 4 Wochen nötig)

Pflege und Tipps nach der Operation
Kommunikation mit Seheingeschränkten 2.1.6.
  • Unterstützung bei allen AEDL® (2) je nach Befinden des Operierten

  • Hilfe bei Applikation von Augentropfen nach Tropfplan (Arztanordnung)

  • Körperliche Anstrengung vermeiden

  • Baden und Duschen bis zur Halsregion nach der OP erlaubt. Wasser oder Seife dürfen nicht in die Augen kommen. Haarwäsche evtl. beim Friseur nach hinten gebeugt durchführen lassen

  • Reiben und Drücken des Auges vermeiden

  • Auge ist lichtempfindlich → Sonnenbrille verwenden

  • Operierten und Angehörige zur Selbstapplikation der Augentropfen anleiten und ermutigen

Grüner Star (Glaukom)

Anja Palesch
Star, GrünerGrüner Star Erhöhung des GlaukomKrankheitsbildAugeninnendrucks. Gefährdung durch Druckschädigung der Sehnerven mit nachfolgender Erblindung. Häufigste Form: Weitwinkelglaukom bei älteren Menschen.
Ursachen
  • Angeborene Augeninnendruckerhöhung durch Abflussbehinderung des Kammerwassers

  • Sekundäres Glaukom: Ersterkrankung liegt vor, z. B. Verletzung, Entzündung

Symptome
Akut
  • Vorboten: Nebelsehen, Farbringe um Lichtquellen

  • Gerötetes Auge, harter Augapfel

  • Plötzlich starke Sehverschlechterung auf dem betroffenen Auge, Hornhauttrübung, erweiterte Pupillen, Tränenfluss

  • Starke Schmerzen, ausstrahlend in Schläfe, Hinterkopf und Kiefer

  • Übelkeit, evtl. Fieber, Erbrechen

Chronisch
  • Beschwerden erst im Spätstadium: Gesichtsfelddefekte erfassen das zentrale Sehen (Tunnelblick), Scharfsehen fällt aus

  • Klare Hornhaut, enge Pupille

  • Druck führt zu Versorgungsstörungen → Rückbildung des Sehnervs

Komplikation
Bei Nichtbehandlung Erblindung durch Druckschädigung des Sehnervs.
Therapie
  • Vorsorge: Regelmäßige jährliche Kontrolle

  • Bei sekundärem Glaukom Ursache behandeln

  • Bei akutem Glaukom: sofortige Arztinformation → Notfall

  • Medikamentöse Therapie: Augeninnendruck akut senken (7.15), ggf. zusätzlich Diuretika, Schmerzmittel

  • Ggf. Dauertherapie mit augendrucksenkenden Medikamenten

  • Evtl. Laserbehandlung des Sehnervs

Pflege
  • Verzicht auf Rauchen empfehlen → Rauchen verschlechtert die Durchblutung des Sehnervs

  • Applikation von Augentropfen bei Bedarf (2.4.7, 7.15)

  • Unterstützung bei den AEDL® je nach Einschränkung der Sehfähigkeit

  • Selbstständigkeit des Pflegebedürftigen im Umgang mit seiner Beeinträchtigung fördern:

    • Betroffenen über Ursachen, Komplikationen, Nebenwirkungen und Therapieansätze informieren

    • Symptome erkennen: Kopfschmerzen, Sehverlust, Übelkeit, Tränenfluss

    • Augendruckerhöhung (z. B. durch Pressen, Heben oder Bücken) meiden

    • Arzneimittelnebenwirkungen beachten

    • Umgang mit Augentropfen beherrschen

    • Betroffenen unterstützen, mit beeinträchtigter Sehschärfe zurechtzukommen

Tipps und Tricks

Nebenwirkungen von Medikamenten beachten, z. B. können Anticholinergika und Antihistaminika das Glaukom verstärken.

Hämorrhoiden

Anja Palesch
Krampfaderähnliche, Hämorrhoidenknotige Erweiterungen des unter der Schleimhaut im Analkanal liegenden Venengeflechts. Bei 70 % aller über 30-Jährigen.
Ursachen
Familiär gehäuft (z. B. bei Bindegewebsschwäche), Entzündungen der Analregion, chronische Obstipation, vorwiegendes Sitzen.
Symptome
Je nach Stadium der Erkrankung (Tab. 6.18)
Komplikationen
  • Massive Blutung

  • Nekrose

  • Ulzeration

  • Infektion

Therapie
  • Gewichtsreduktion bei Übergewicht

  • In frühen Stadien schmerzstillende und entzündungshemmende Salben und Suppositorien

  • Stadium I und II: Verödung

  • Stadium III und IV: OP

  • Ggf. Schmerzmitteleinnahme vor Stuhlentleerung auf ärztliche Anordnung

Pflege
  • Obstipationsprophylaxe (3.6)

  • Sorgfältige Analhygiene:

    • Weiches, evtl. feuchtes Toilettenpapier

    • Nach dem Stuhlgang waschen

    • Sitzbäder mit Kamille

  • Dazu raten, Stuhlgang nicht zu unterdrücken

  • Pflegebedürftigem empfehlen, langes Sitzen zu meiden

Harnwegsinfektionen

Anja Palesch
InfektionHarnwegeEntzündung der HarnwegsinfektionenHarnblase und Harnröhre, häufigste Infektion bei Frauen.
Zystitisprophylaxe 3.11
Zystitis: akute Harnblasenentzündung.
Urethritis: Urethritisakute Harnröhrenentzündung.
Ursachen
MeistZystitisSymptome Bakterien, selten Viren oder Parasiten, Bakterienverschleppung vom Darm zur Harnröhrenöffnung, Harnabflussstörung, Keimeinschleppung über einen Blasenkatheter.
Begünstigende Faktoren bei Frauen: Geschlechtsverkehr, Verwendung von Diaphragma und Spermiziden, mangelnde Intimhygiene.
Symptome
  • Schmerzhaftes, häufiges Wasserlassen alle 10–20 Min. (Pollakisurie) in kleinen Mengen

  • Evtl. Fieber

  • Allgemeines Unwohlsein

  • Nierenlagerklopfschmerz

  • Druckschmerz in der Blasenregion

Komplikationen
  • Aufsteigende Harnwegsentzündung

  • Nierenbeckenentzündung

Therapie
  • ZystitisTherapie, PflegeTrinken von mind. 2–3 l Flüssigkeit (harntreibende Tees) zur „Blasenspülung“

  • Antibiotikaeinnahme (7.9.1) über 3–5 Tage

    • Bei leichten Symptomen einmalige Gabe

    • Bei Rezidivgefahr bis zu 7 Tage

  • Bei starken Schmerzen und Fieber Einnahme von Analgetika (7.3.2) und Spasmolytika

  • !

    Vor der Einnahme von Medikamenten Absprache mit dem behandelnden Arzt

  • Nach Abklingen der Symptome erneut Urinkontrolle

Pflege
  • Viel trinken, spezielle Nieren- und Blasentees wirken gegen die Entzündung, fördern die Harnbildung und damit die Ausscheidung

  • Lokale Wärme, feucht-warme Umschläge (4.11.3)

  • Bei Fieber regelmäßige Temperaturkontrolle, Pflege bei Fieber (2.3.9)

  • Liegenden Blasenkatheter ziehen, evtl. mit dem Arzt abklären, ob ein suprapubischer Katheter (4.6.1) oder Einlagen möglich sind, Pflege bei Inkontinenz (2.6.3)

Tipps und Tricks

  • Zur Urinprobe Mittelstrahlurin (2.6.2)

  • Nach Dauerkatheterwechsel Urinprobe aus neu gelegtem Katheter entnehmen.

Informationen für Betroffene
  • Dem Harndrang immer nachgeben, um aufsteigende Infektionen zu verhindern

  • Antibiotika immer unbedingt ausreichend lange einnehmen (nach Arztanordnung)

  • Flüssigkeit spült die Bakterien aus

  • Information über richtige Intimhygiene (2.4.2)

  • Frauen: nach dem Geschlechtsverkehr Blase entleeren, um evtl. Keime auszuspülen

  • Warme Unterwäsche, Sitzkissen für unterwegs mitnehmen, kaltes Sitzen vermeiden

Beobachten und Dokumentieren

  • Vitalparameter

  • Körpertemperatur

  • Blut im Urin? Harnverhalt?

  • Schmerzen in der Nierenregion?

Hauttumoren

Anja Palesch
Krankheitsformen
Basaliom
  • HauttumorenEntsteht aus unreifen Epithelzellen

  • BasaliomLokalisation meist im Gesicht

Spinaliom
  • Erst kleiner, schmerzloser Knoten, wächst rasch Spinaliomund wird zum Geschwür

  • Vorwiegend bei älteren Menschen an Gesicht, Kopf, Handrücken

  • Ursache: hohe Sonnenexposition, chronisch-entzündliche Hautveränderungen, Infektionen mit humanen Papillomaviren (Penis- oder Vulvakarzinom), Kombination von Alkohol und Nikotin (Mundschleimhaut oder Zunge)

Melanom
  • Sehr bösartiger Tumor, Entartung der Melanozyten Melanomoder Naevuszellen

  • Befall der Haut und Schleimhaut

  • Erkennungszeichen ABC-Regel:

    • Asymmetrie des Herdes

    • Begrenzung unscharf, unregelmäßig

    • Koloration variabel mit unterschiedlichen Farbnuancen, hellbraun bis schwarz

Pflege
  • Onkologische Pflege (5.2)

  • Wundverband nach Tumorentfernung (4.2.3)

  • Funktionelle Einschränkung durch Tumoren im Augen- oder HNO-Bereich Unterstützung bei den AEDL® (2).

Beobachten und Dokumentieren

  • Verlauf der Wundheilung

  • Rezidiv?

Hepatitis

Anja Palesch
Entzündung der Leber. HepatitisFormenUnterteilung in Typen von A–G, häufigste Formen: A, B,Leberentzündung C (Tab. 6.19).InfektionHepatitis
Ursachen
Virale Genese der Hepatitiden (Hepatitis A: RNA-, Picorna-Virus; Hepatitis B: DNA-, Hepadna-Virus; Hepatitis C: RNA-, Flavi-Virus; Hepatitis D: nur in Kombination mit Hepatitis B; Hepatitis E: RNA-, Calzi-Virus).
Symptome
Verlauf in 3 Phasen (Tab. 6.20).
Komplikationen
  • Fulminanter Verlauf, kann letal enden

  • Chronische Hepatitis und Übergang in ein hepatozelluläres Karzinom, v. a. bei der chronischen Hepatitis C

Therapie
Antivirale Therapie 7.9.2
  • Hepatitis A: keine kausale Therapie, heilt spontan aus

  • Chronische Hepatitis B in 10 % der Fälle: Therapie mit Interferon-α oder Virostatika als Eradikationsversuch

  • Chronische Hepatitis C in 50 % der Fälle: Ribavirin in Kombination mit anderen antiviralen Medikamenten

  • In der Akutphase: symptomatische Behandlung

Hygienemaßnahmen
Hepatitis A
  • Übertragung fäkal-oral

  • HygieneHepatitisHepatitisHygieneNach jedem Toilettengang Hände waschen

  • Isolierung: Hepatitis kann zu Hause behandelt werden. Isolierung bis eine Woche nach Auftreten von Ikterus wünschenswert

Hepatitis B und C
  • Übertragung parenteral (Körperflüssigkeiten), sexuell und perinatal

  • Isolation nicht erforderlich, solange hygienische Maßnahmen eingehalten werden

  • Eigenes, bruchsicheres Gefäß für Kanülen verwenden, Kennzeichnung mit „Infektionsmaterial“

  • Eigener Abfallbehälter mit Deckel, kennzeichnen

  • Hygieneartikel beschriften und gesondert aufbewahren, Mitbenutzung durch Angehörige vermeiden

  • Badewannen, Duschen nach Gebrauch desinfizieren

  • Mit Blut kontaminierte Bettwäsche und Verbandsmaterial gesondert entsorgen und kennzeichnen, auch wenn Blut eingetrocknet ist!

  • Angehörige informieren

  • Separate Toilette/Waschbecken benutzen lassen; wenn nicht möglich, Nachtstuhl verwenden, ggf. zur Verfügung stellen

  • Allgemeine Hygienerichtlinien (1.6)

Pflege
Intensivmedizinische Therapie und Überwachung bei fulminanter Hepatitis. Pflege bei Fieber 2.3.9.
Hilfen im Alltag
  • Körperpflege: in der Akutphase vermehrte Hilfestellung beim Waschen anbieten

  • ErnährungErnährungHepatitisHepatitisPflege: bei Appetitlosigkeit bevorzugtes Essen anbieten; sobald wie möglich kalorisch angereicherte Aufbaukost, keine spezielle Diät erforderlich; Nahrungsmittel, die zu Beschwerden führen, meiden, z. B. Kohl oder Frittiertes, striktes Alkoholverbot → Vorsicht bei Medikamenten (Tropfen)!

    • Bei Leberschäden: Leberschonkost, leicht verdauliche, gut aufspaltbare Nährstoffe, vitaminreich, fettarm, kohlenhydratreich, eiweißreich, mild gewürzt

    • Bei Diarrhö: Bananen, frisch geriebene Äpfel

    • Bei Blähungen: Fencheltee

    • Bei Obstipation: Karlsbader Salz, reichlich Flüssigkeit anbieten, ballaststoffreiche Kost

  • Pflegebedürftigen/Angehörige über Hygienemaßnahmen informieren

  • Ausscheidungen: auf regelmäßigen Stuhlgang achten, Hilfestellungen, Hygiene beachten (1.6)

  • Prophylaxen: Soor und Parotitis (3.8), Pneumonie (3.7), Dekubitus (3.3), Obstipation (3.7)

  • Psyche: Gespräche, Aufklärung, Zuwendung

  • Gesundheitsberatung: Stress meiden/mindern, Ruhephasen einplanen

Hilfestellungen bei Symptomen
  • Ikterus:

    • Warme Vollbäder → Anregung der Hautdurchblutung

    • Feucht-warme Wickel (4.11.3) → Förderung der Leberdurchblutung

  • Juckreiz:

    • Mehrmals täglich juckreizhemmendes Puder verwenden

    • Duschen, Ganzwäsche kann Erleichterung verschaffen

    • Evtl. Ringelblumensalbe

  • !

    Warme Vollbäder und Wickel sind bei Juckreiz kontraindiziert

  • Oberbauchschmerzen:

    • Warme Wickel, Kataplasmen auf dem Oberbauch

    • Muskel- und Gelenkschmerzen: halten nicht lange an, evtl. leichte Massage

Beobachten und Dokumentieren

  • Allgemeinbefinden, Vitalzeichen, Temperatur

  • Ausscheidung: Stuhl und Urin (Farbe, Konsistenz, Beimengungen)

  • Haut auf Farbe, Spannungszustand, Juckreiz und Skleren auf Ikterus

  • Nebenwirkungen von Arzneimitteln (7.2.2)

Tipps und Tricks

  • Eine Impfung ist für Hepatitis A und B möglich, Risikogruppen (Hepatitis B) und Fernreisende (Hepatitis A) an den Hausarzt verweisen

  • Bei Verletzung, z. B. mit kontaminierter Kanüle, Möglichkeit der passiven Immunisierung, wenn sie unmittelbar erfolgt

  • Hepatitis C: Antikörper sind erst Wochen bis Monate nach Infektion nachweisbar; hier ist nur ein Expositionsschutz möglich, z. B. Tragen von Handschuhen bei der Blutabnahme an infizierten Patienten, besondere Vorsicht

  • Hepatitis B und C sind 100-mal ansteckender als AIDS (40 Milliardstel Liter sind ausreichend).

Kontaktadressen
Deutsche Leberhilfe e.V.
(mit Verzeichnis von Selbsthilfegruppen)
Krieler Str. 100, 50935 Köln
Tel. 0221 28299-80
Deutsches Hepatitis C Forum e. V.
Hauptstr. 16, 34474 Diemelstadt
Tel.: 0700 43736786

Herpes Zoster/Gürtelrose

Anja Palesch
Ursache
Nach einer GürtelroseHerpes zosterInfektionHerpes zosterWindpockeninfektion im Kindesalter verbleiben Viren in den Spinalganglien nahe dem Rückenmark. Bei Abwehrschwäche Reaktivierung dieser Viren.
Symptome
  • Kurzes Vorstadium mit allgemeinen Krankheitszeichen, Schmerzen im betroffenen Hautgebiet und evtl. Fieber

  • Bildung kleiner Hautbläschen

  • Bläschen platzen auf

  • Krusten und Erosionen

  • Auftreten der Symptome meist nur auf einer Körperseite

Komplikationen
Generalisierter Zoster mit weiter Ausbreitung der Hauterscheinungen, bakterielle Superinfektion und Sepsis, v. a. immunschwache Patienten, massive Schmerzsymptomatik, Zoster im Kopfbereich mit ZNS-Beteiligung (Enzephalitis, Meningitis).
Therapie
Je nach Schweregrad der Erkrankung Klinikeinweisung notwendig. Bei leichtem Verlauf ambulante Behandlung. Medikamentöse Behandlung mit Virostatika (7.9.2).
  • Orale Gabe von Aciclovir

  • Bei Befall der Augen, je nach Schweregrad, intravenöse Behandlung bzw. Behandlung mit antiseptischer Augensalbe; Abklärung durch Augenarzt

  • Schmerzbehandlung

  • Behandlung mit austrocknenden, desinfizierenden, antiphlogistischen Mitteln

  • Wiederholung der Lokaltherapie am Abend zur Juckreiz- und Schmerzlinderung

Pflege
Sich waschen und kleiden
  • Betroffenes Hautsegment nicht waschen, Hautfalten mit Puder schützen

  • Leichte, lockere Kleidung wählen, Hautreizungen vermeiden

Lagerung und Bewegung
  • Bettruhe einhalten bzw. schonen

  • Wärmezufuhr lindert Schmerzen

Tipps und Tricks

  • Bedarfsschmerzmedikation, vom Arzt schriftlich verordnet

  • Bläscheninhalt ansteckend, Kinder ohne Immunität erkranken an Windpocken → Information der Angehörigen

  • Berühren der betroffenen Region mit Handschuhen, Kleider und Hände desinfizieren

Beobachten und Dokumentieren

  • Komplikationen rechtzeitig erkennen, z. B. Beteiligung der motorischen Nerven wie Nn. facialis, trigeminus, ophthalmicus, Korneaschäden?

  • Welcher Hautbereich ist betroffen?

  • Ist der Betroffene in den AEDL® eingeschränkt? Leidet er unter Schmerzen?

Herzinfarkt

Anja Palesch
Akute und schwerste Manifestation der KHK mit umschriebenem HerzinfarktHerzinfarktGewebeuntergang (Nekrose) des Herzmuskelgewebes infolge lang anhaltender Mangeldurchblutung (Ischämie).
Die Schwere des Infarkts richtet sich nach dem Umfang des nekrotisierten Gewebes. Bei 30 % der Betroffenen fehlen die typischen Symptome.
Symptome
  • Wie bei Angina pectoris (6.42), meist stärkere Schmerzen

  • Vernichtungsschmerz hinter dem Brustbein, links in Unterkiefer, Schulter, Arm und Hand ausstrahlend

  • Todesangst, Übelkeit, evtl. Erbrechen

  • Dyspnoe

  • Anfallsdauer länger als 15 Min.

  • Keine Besserung nach Gabe von Nitro-Spray

  • Herzrhythmusstörung

Info

Notfall: Herzinfarkt

  • !Schnell handeln

  • Notarzt verständigen oder Angehörige dazu veranlassen

  • Bettruhe, Oberkörperhochlage

  • Vitalzeichenkontrolle: RR, Puls, Atmung

  • Falls ärztliche Anordnung für Bedarfsmedikation: Gabe dieser

  • Falls vorhanden, bei RR > 110 mmHg Gabe von 2 Hüben Nitro-Spray. Vorsicht: bei zu niedrigem Blutdruck Gefahr von Schock!

  • Fenster öffnen, für frische Luft sorgen, Sauerstoffapplikation über Nasensonde

  • Bei Herz-Kreislauf-Stillstand Beginn der Reanimation (8.2.4)

  • Nach Eintreffen des Notarztes und Klinikeinweisung genaue Dokumentation

Pflege
Erstversorgung im Krankenhaus, erst Intensivstation, anschließend AHB (Anschlussheilbehandlung)
Nach der AHB:
  • Konsequente Medikamenteneinnahme überwachen, bei Bedarf über Wirkung und Nebenwirkungen informieren

  • Pflegeanweisungen und genaues Einhalten des Mobilisationsplans, um Re-Infarkt zu vermeiden

  • Mit Arzt Belastungsmöglichkeiten klären

  • Pflegebedürftigen über gesunde Lebensführung aufklären, ggf. Angehörige einbeziehen (1.7)

Tipps und Tricks

  • Vorsicht: bei Herzinfarkt keine i. m.-Injektion. Dies verfälscht den Enzymwert CK und kann zu Blutungen während der Lyse-Therapie führen

  • Bei jüngeren Menschen zeigt sich ein Herzinfarkt meist mit dramatischen Symptomen. Bei älteren dagegen können die Symptome schwach sein: „stummer Infarkt“. Daher auch kleinste Symptomanzeichen ernst nehmen.

Kontaktadressen
Deutsche Herzstiftung e. V.
Bockenheimer Landstr. 94–96, 60323 Frankfurt
Tel.: 069 955128-0

Herzinsuffizienz

Anja Palesch
Herzmuskelschwäche. Das benötigte Blutvolumen kann nicht HerzinsuffizienzKrankheitsbildmehr ausreichend in den Körper gepumpt werden.
  • Rechtsherzinsuffizienz: ventrikuläre Funktionsstörung mit einer Rückstauung des Bluts in den großen Kreislauf, wobei die rechte Herzkammer nicht imstande ist, das nötige Herzzeitvolumen zu fördern

  • Linksherzinsuffizienz: beeinträchtigte Funktion der linken Herzkammer, weniger sauerstoffreiches Blut wird in den Körper gepumpt. Zum Ausgleich vergrößert sich die linke Herzkammer (Dilatation), um die Auswurfmenge zu vermehren. Es kommt zum Rückstau des Bluts in die Lunge, mit Husten und ggf. auch Atemnot.

Ursachen
Angina pectoris und KHK, Herzklappenfehler, Herzmuskelentzündung, Nekrosen am Herzen nach Herzinfarkt.
Symptome
  • Rechtsherzinsuffizienz: Ödeme der unten liegenden Körperpartien (Knöchel, Unterschenkel), teils lagerungsabhängig, Halsvenenstauung, Zyanose, Stauungsleber, Stauungsgastritis (→ Appetitlosigkeit, Pleuraerguss, Nykturie)

  • Linksherzinsuffizienz: Ruhe- und Belastungsdyspnoe, höchste Atemnot v. a. nachts, Zyanose, bei Lungenödem Ruhedyspnoe, Hustenreiz, rostbraunes Sputum, Rasselgeräusche, Tachykardie, Herzrhythmusstörungen (Abb. 6.9)

Therapie
  • „3 D“-Regel: Diät (Fettreduktion), ggf. Digitalis (steigert die Herzkraft), Diuretika (vermindern das Blutvolumen) (7.4.4),

  • Nitrate stellen die Gefäße weit, ACE-Hemmer verringern den Gefäßwiderstand

  • Weitere Medikamente: AT1- und Beta-Rezeptorenblocker, Aldosteron-Antagonisten

  • Nebenwirkungen beobachten und dokumentieren

Pflege
  • StressHerzinsuffizienzPflege und Aufregung meiden

  • Vitalzeichenkontrolle: RR, Puls, Atmung, Hautfarbe

  • Durch Oberkörperhochlagerung Schlafbedingungen verbessern

  • Hilfe bei allen AEDL®, je nach Bedarf und Allgemeinzustand des Pflegebedürftigen, ggf. Rücksprache mit Angehörigen und Hausarzt

Lagerung
  • Nach Anordnung: körperliche Ruhe zur Entlastung des Herzens

  • Herzbettlagerung: LagerungHerzbettlagerungOberkörper hoch zur Atemerleichterung, evtl. Beine tief zur Verringerung der Vorlast

Essen und trinken
Diätverordnungen und Trinkmengenbeschränkung durch den Arzt:
  • Cave: Gefahr der Exsikkose

  • Trinkmenge über den Tag verteilen: bei jedem Besuch wenig geben, wenig bereitstellen, evtl. Trinkzettel anlegen, Rücksprache mit Angehörigen

  • Möglichst keine Gewichtszunahme

  • Kochsalzarm, fettarm, keine blähenden Speisen → Blähungen erhöhen den Druck im Abdomen

  • Kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilt, ggf. Zwischenmahlzeiten richten

  • Sauerstoffgabe nach Arztanordnung (2.3.7)

Prophylaxen
  • Obstipationsprophylaxe (3.6)

  • Thromboseprophylaxe (3.10), Tragen von Kompressionsstrümpfen, Beine nicht wickeln → Gefahr von Einschnürungen durch Verrutschen der Verbände → Stauung

  • Dekubitusprophylaxe (3.3)

Tipps und Tricks

  • Beine nicht ausstreichen oder hochlagern → mehr Blut fließt zum Herzen → weitere Belastung

  • Vorsicht: Dekubitusgefahr bei bestehenden Ödemen

  • Folge einer Linksherzinsuffizienz ist ein Lungenödem: Notfall, umgehend Notarzt informieren!

Beobachten und Dokumentieren

  • Alle Werte und Auffälligkeiten dokumentieren

  • Nach nächtlichem Wasserlassen befragen; im Schlaf muss das Herz das tagsüber bestehende Gefälle zu den Beinen nicht mehr überwinden und fördert vermehrt die tagsüber eingelagerte Flüssigkeit, die Ödeme gehen zurück

  • Nach Anordnung Ein- und Ausfuhrkontrolle (2.6.11)

  • Gewichtskontrolle

  • Hautbeobachtung auf Zeichen einer Exsikkose, Hautödeme

  • (Neben-)Wirkungen von Arzneimitteln erkennen und an Arzt weiterleiten (7.2.2)

  • Auf regelmäßigen Stuhlgang achten

Herzrhythmusstörungen

Anja Palesch
Störung der HerzrhythmusstörungenKrankheitsbilderHerzfrequenz bzw. der Regelmäßigkeit des Herzschlags.
Die Frequenz kann beschleunigt (tachykard), verlangsamt (bradykard) bzw. ungleichmäßig in der Schlagfolge sein, z. B. Extrasystolen.

Tachykardie

Frequenz > 100 Schläge/Min.
Ursachen
  • TachykardieHerz: KHK, Herzinfarkt, Herzmuskelentzündung

  • Stoffwechsel: Schilddrüsenüberfunktion

  • Elektrolytverschiebung: Hypokaliämie (zu wenig Kalium im Körper)

  • Kreislauf: Fieber, Blutvolumenmangel, Schock

  • Gehirn: erhöhter Hirndruck, Hirntumor

  • Medikamente: Digitalis (7.4.4), Antiarrhythmika (7.4.5)

Symptome
  • Regelmäßiges oder unregelmäßiges Herzrasen

  • Herzklopfen, Herzstolpern

  • Schwindel

  • Atemnot

  • Schock, Bewusstlosigkeit

Info

Notfall: Herzrasen

  • (Not-)Arzt informierenHerzrasenHerzrasen

  • Oberkörper leicht erhöht lagern

  • Fenster öffnen, für frische Luft sorgen, Sauerstoffapplikation, falls möglich

  • Vitalzeichenkontrolle: RR, Atmung, Pulskontrolle immer 1–2 Min. auszählen

Notfall: Kammerflimmern/-flattern

Tachykardie mit 250–350 Kammerkontraktionen/MinKammerflimmern.Kammerflimmern
  • Entspricht einem Herz-Kreislauf-Stillstand

  • Sofort Notarzt verständigen

  • Reanimation bis zum Eintreffen des Notarztes (8.2.4)

  • Dokumentation

Therapie
Medikamentös 7.4.5.

Bradykardie

Frequenz < 50 Schläge/Min., verursacht durch eine BradykardieErregungsbildungs- oder Erregungsleitungsstörung.
Ursachen
  • Herz: KHK, Herzinfarkt, Herzmuskelentzündung

  • Stoffwechsel: Schilddrüsenunterfunktion

  • Elektrolytverschiebung: Hyperkaliämie (zu viel Kalium im Körper)

  • Gehirn: erhöhter Hirndruck, Hirntumor

  • Medikamente: Digitalis (7.4.4), Antiarrhythmika (7.4.5).

Symptome
  • Verminderte Leistungsfähigkeit

  • Schwindelanfälle

  • Kurzzeitige Bewusstlosigkeit

Vorsicht

Bradykardie:

  • Arzt informieren

  • Pflegebedürftigen flach lagern, bis er sich besser fühlt

  • Vitalzeichenkontrolle: Puls 2–3 Min. zählen, RR

Therapie
Medikamentös (7.4.5), ggf. Herzschrittmacher.
Herzschrittmacher (Pacemaker)
Wird Herzschrittmacherimplantiert, wenn das Herz des Pflegebedürftigen so Pacemakerlangsam schlägt, dass der Sauerstoffbedarf des Körpers dauerhaft nicht mehr gedeckt wird.
Umgang mit einem Herzschrittmacher
  • Schrittmacher in der Dokumentation vermerken

  • Pflegebedürftigen informieren:

    • Orte mit starken Magnetfeldern meiden, z. B. Kernspintomograf in der Radiologie, Reaktoren

    • Schrittmacherausweis immer mitführen

    • Bei Anordnung einmal täglich 1 Min. Puls messen, bei Auffälligkeiten Arzt informieren

    • 2-mal jährlich Schrittmacherkontrolle durch den Arzt, evtl. Termin veranlassen

Extrasystolen

Herzschläge, die außerhalb des normalen Herzrhythmus Extrasystolenauftreten. Dabei kann der Herzrhythmus unbeeinflusst bleiben oder verschoben werden. Extrasystolen entstehen nicht im normalen Schrittmacherzentrum (Sinusknoten), sondern in ektopen Erregungszentren (ektoper Fokus). Sie werden unterschieden nach dem Entstehungsort in supraventrikuläre oder ventrikuläre Extrasystolen.
Supraventrikuläre Extrasystolen
Häufig bei Gesunden, bei emotionaler Erregung, Übermüdung, Genussmitteln; bedürfen keiner Therapie. Bei Beschwerden wie intermittierendem Herzrasen (paroxysmales Vorhofflimmern) ggf. medikamentöse Therapie.
Ventrikuläre Extrasystolen
Patient bemerkt Herzstolpern. Unterteilung in rechtsventrikuläre, linksventrikuläre, monomorphe und polymorphe Extrasystolen. Ventrikuläre Extrasystolen kommen bei Gesunden vor, auslösende Faktoren sind emotionale Erregung, Übermüdung, Vagotonus und Genussmittel. Organische Herzerkrankungen (z. B. KHK, Kardiomyopathie) sowie Kaliummangel, Digitalis oder Sympathikomimetika können ventrikuläre Extrasystolen auslösen. Die kausale Therapie ist entscheidend. Die Kontrolle des Elektrolythaushalts ist von Bedeutung, ansonsten Einleitung einer antiarrhythmischen Therapie.
Komplikation
Kammerflimmern → Reanimation erforderlich.

Beobachten und Dokumentieren

  • Regelmäßige Pulskontrolle nach Anordnung, immer mind. 1 Min. auszählen

  • Wann, wie lange und wie oft treten Herzrhythmusstörungen auf? Sind die Rhythmusstörungen regelmäßig, z. B. immer 2 Schläge, dann Pause?

  • Tragen Medikamente zur Normalisierung des Herzschlags bei?

  • Wie fühlt sich der Pflegebedürftige beim Auftreten der Symptome?

Hörsturz

Anja Palesch
Ursachen
Wahrscheinlich Durchblutungsstörung des Innenohrs, Stress, HörsturzTinnitusNervenbeeinträchtigung durch Wirbelsäulenschäden, jedoch häufig ungeklärt.
Symptome
  • Akuter einseitiger Hörverlust ohne erkennbare Ursache (Durchblutungsstörungen des Innenohrs)

  • Häufig mit Ohrgeräusch (Tinnitus) oder Druckgefühl einhergehend, in 30 % Schwindel.

Therapie und Pflege
  • Arzt informieren; Ursache sollte baldmöglichst abgeklärt werden

  • Meist Spontanremission innerhalb von 1–2 Tagen

  • Akutbehandlung je nach Zustand des Betroffenen stationär, bei ausbleibender Spontanremission hochdosierte Glukokortikoid-Therapie

  • Je nach Ursache physio- oder psychotherapeutische Behandlung einleiten

  • Betroffenen positiv und einfühlsam betreuen, Stressreduktion

Hyperthyreose

Anja Palesch
Schilddrüsenüberfunktion: SchilddrüsenüberfunktionHyperthyreoseKrankheitsbildÜberproduktion von Schilddrüsenhormonen.
Ursachen
M. Basedow (chronisch autoimmunogene Schilddrüsenentzündung, oft Frauen mittleren Alters betreffend), gutartige Adenome, Anfangsstadium einer Schilddrüsenentzündung oder eines Schilddrüsenkarzinoms.
Symptome
  • Psychische Veränderungen: hektisch, nervös, rastlos

  • Herzfrequenz erhöht, Herzrhythmusstörungen

  • Warme, gerötete Haut

  • Dünnes, weiches Haar

  • Wärmeempfindlichkeit mit leichtem Schwitzen

  • Erhöhte Stuhlfrequenz bis zur Diarrhö

  • Zittrige Finger, leichter Tremor

  • Gewichtsverlust trotz reichlicher Nahrungsaufnahme

  • !

    Bei älteren Menschen zeigt sich die Überfunktion oft nur durch Gewichtsverlust, Schwäche und Herzrhythmusstörungen.

Therapie
Medikamentös:
  • Orale Thyreostatika → Normalisierung der Hormonwerte durch Hemmung der Hormonsynthese

  • Überdosierung kann zu Struma führen

  • !

    Vorsicht: keine Selbstmedikation bei Schilddrüsenüberfunktion, andere Medikamente vor der Einnahme mit dem Arzt abklären, auch z. B. Acetylsalicylsäure.

Pflege
  • Vitalzeichenkontrolle nach ärztlicher Anordnung

  • Ruhe ausstrahlen, dem Pflegebedürftigen Zeit geben

  • Aufregung vermeiden

  • Bei Schlafstörungen:

    • Beruhigenden Tee empfehlen, z. B. Baldrian, Melisse, Hopfen, oder warme Milch mit Honig

    • Schlafen bei gekipptem Fenster/ausreichend Frischluftzufuhr

    • Raumtemperatur unter 20 °C

    • Anregende Getränke wie Kaffee, schwarzen oder grünen Tee und Cola meiden

Beobachten und Dokumentieren

  • Vitalzeichen (2.3.1)

  • Psychischer Zustand

  • Motorik

  • Ausscheidung (2.6.1)

  • Haut, Rachen

  • Gewicht

Thyreotoxische Krise
Lebensbedrohliche Komplikation, die bis zumThyreotoxische KriseThyreotoxische KriseKrisethyreotoxische Tod führen kann, Letalität 30–50 %, tritt spontan auf bei bestehender (ggf. noch unerkannter) Hyperthyreose und nach Gabe von jodhaltigen Arzneimitteln oder jodhaltigem Kontrastmittel.
Symptome
  • Hochgradige Pulserhöhung ≥ 150 Schläge/Min.

  • Herzrhythmusstörungen

  • Fieber

  • Durchfall, Erbrechen

  • Muskelschwäche

  • Erregung, später Schläfrigkeit bis zum Koma

Info

Notfall: thyreotoxische Krise

  • Sofort Notarzt verständigen

  • Betroffenen nicht allein lassen

  • Vitalzeichenkontrolle: Puls, RR, Atmung

  • Anschließend Dokumentation

Hypertonie

Anja Palesch
Dauerhafte Erhöhung des HypertonieKrankheitsbildBlutdrucks auf Werte ≥ 140:90 mmHg (2.3.2).
Ursachen
  • Primäre Hypertonie: 90 % unbekannte Ursache

    • Begünstigende Einflüsse: Stress, Übergewicht, erhöhte Blutfette, übermäßiger Alkoholkonsum

    • Rauchen

    • Bewegungsmangel

    • Veranlagung

  • Sekundäre Hypertonie (weniger als 10 %): Folge anderer Grunderkrankungen, z. B. Nierenerkrankungen (5 %), Schilddrüsenüberfunktion, Schwangerschaft, neurologische Erkrankungen, Arteriosklerose, Nebenwirkung von Arzneimitteln

  • !

    Im höheren Alter physiologischer Elastizitätsverlust der Gefäße: Blutdruckamplitude vergrößert sich, Systole leicht erhöht, Diastole erniedrigt → keine Intervention erforderlich.

Symptome
  • RR ↑

  • Schwindel, Kopfschmerz, Nervosität, Nasenbluten, Augenflimmern, Ohrensausen, gestaute Halsvenen (Klopfen in Hals und Kopf), gerötete Gesichtsfarbe, harter Puls bei normaler Frequenz, evtl. Atemnot

Komplikationen/Folgeerkrankungen
  • Gefäße: Förderung der Arteriosklerosebildung

  • Auge: Netzhautblutungen bis zur Erblindung

  • Herz: Linksherzhypertrophie, KHK

  • Niere: Niereninsuffizienz bis zum Nierenversagen

  • Gehirn: Schlaganfall, durch arteriosklerotische Minderdurchblutung oder Gehirnblutung

Therapie
  • Lebensstiländerung (Ernährung, Bewegung, Reduzierung von Nikotin- und Alkoholkonsum)

  • Medikamentöse Therapie in Abhängigkeit vom Grad der Hypertonie und der Wirksamkeit von Lebensstiländerungen (7.4.1)

  • Behandlung der Grunderkrankung bei sekundärer Hypertonie

Pflege
  • Medikamenteneinnahme unterstützen, Wirkungserfolg und Nebenwirkungen erkennen

  • RR-Messung nach Arztanordnung, bei RR-Spitzen Arztinformation

  • RR-Messung immer möglichst mit dem gleichen Gerät, gleiche Uhrzeit, Lagerung und gleicher Arm, um Schwankungen sicher zu erkennen (2.3.2, Vitalzeichenkontrolle)

  • Zur RR-Selbstkontrolle anleiten

  • Werte dokumentieren

Beratung
  • Übergewicht reduzieren

  • Tagebuch führen, Besonderheiten vermerken, bei denen RR ↑, z. B. Aufregung, Sport

  • Rauchen reduzieren, besser aufhören

  • Alkohol reduzieren

  • Ausdauertraining, z. B. Schwimmen, Wandern

  • Salzarme Kost → verbessert die Wirksamkeit von Diuretika (7.12)

  • Wenig Fett essen

  • Reichlich Obst und Gemüse → wirken sich günstig auf Blutdrucksenkung aus

  • !

    Blutdruckmedikamente nicht eigenständig absetzen oder die Dosis erhöhen

Tipps und Tricks

  • Blutdrucksenkende Medikamente unbedingt regelmäßig einnehmen, sonst Gefahr des Rebound-Effekts → der Blutdruck steigt gefährlich hoch

  • Zu Beginn der medikamentösen Therapie können Nebenwirkungen auftreten → mit dem Arzt abklären

  • Bei schneller Blutdrucksenkung, z. B. durch neue Medikamente, kann sich Pflegebedürftiger unwohl fühlen, es besteht Kollapsgefahr → Arzt informieren

  • Auch Angehörige über Risikofaktoren, z. B. Rauchen, Übergewicht oder falsche Ernährung, informieren und zur gesünderen Lebensführung motivieren

Info

Notfall: hypertensive Krise

  • Eine hypertensive KriseHypertensive KriseHypertensive Krise Krisehypertensivekann vorliegen bei Blutdruckwerten deutlich über den individuellen Durchschnittswerten des Patienten (> 220/120 mmHg, bei üblicherweise normalem Blutdruck u. U. bereits ab > 180/120 mmHg) und nachfolgend genannten Symptomen:

    • Starke Kopfschmerzen

    • Schwindel

    • Augenflimmern

    • Ohrensausen

    • Übelkeit

    • Bewusstseinstrübung

    • Herzschmerzen

  • Erstmaßnahmen:

    • Notarzt verständigen

    • Bettruhe, Oberkörper erhöhen

  • Pflegebedürftigen nicht allein lassen

  • Alle 10 Min. RR und Puls kontrollieren (2.3.2), RR an beiden Armen messen

  • Bewusstseinslage beobachten (2.8.5), evtl. Reanimation einleiten (8.2.4)

  • Medikamente nach Arztanordnung

  • Alle Werte und Tätigkeiten im Anschluss dokumentieren

Kontaktadresse
Deutsche Hochdruckliga
Berliner Straße 46, 69120 Heidelberg
Tel.: 06221 58855–0

Hypothyreose

Anja Palesch
SchilddrüsenunterfunktionSchilddrüsenunterfunktionHypothyreose: Mangel an Schilddrüsenhormonen.
Ursachen
  • Primär, d. h. Ursache liegt an der Schilddrüse:

    • Angeboren

    • Schilddrüsenoperation

    • Radiojodtherapie

    • Schilddrüsenentzündung

  • Sekundär: Hypophysen- oder Hypothalamusstörungen

Symptome
  • Beginnt schleichend mit Antriebsarmut

  • Haut: kühl, blass, rau, trocken, teigig geschwollen (generalisiertes Myxödem)

  • Haare: struppig, trocken

  • Kälteempfindlichkeit

  • Gewichtszunahme

  • Obstipation

Therapie
Dauersubstitution von Schilddrüsenhormonen (7.7.2), Einnahme 30 Min. vor dem Frühstück.
Pflege
  • Vitalzeichenkontrolle nach ärztlicher Anordnung, besonders zu Beginn der medikamentösen Therapie. Herzrhythmusstörungen bei latenter KHK möglich. Veränderungen dem Arzt mitteilen, Dokumentation

  • Warme Räume schaffen, Betroffener friert leicht

  • Trotz Appetitlosigkeit Übergewicht → kalorienarme Ernährung empfehlen, Angehörige einbeziehen

  • Trockene Haut, starker Schweißgeruch → gute Haar- und Hautpflege, ggf. Hilfestellung

  • Eigenaktivität anregen, regelmäßige Bewegung, Spaziergänge, leichte Gymnastik, Radfahren

  • Verzicht auf Alkohol und Nikotin

  • Stressreduktion

Beobachten und Dokumentieren

  • Pulsabweichungen (zu niedrig?)

  • Gewicht, Appetit, Stuhlgang

  • Haut, Ödemneigung

  • Allgemeines Befinden, Aktivität, Motorik

  • Auffälligkeiten dem Arzt mitteilen

Hypotonie

Anja Palesch
Dauerhafte Blutdruckwerte ≤ 100/60 mmHg.
Ursachen
Hypotonie Krankheitsbild
  • Essenzielle Hypotonie: Ursache unbekannt

  • Andere: Flüssigkeitsmangel, Nebenwirkung von Medikamenten, Infektion mit Fieber, Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen, Herzmuskelentzündung, lange Bettlägerigkeit, Schock

Symptome
  • Leistungsschwäche, Müdigkeit

  • Schwindel

  • Kollapsneigung

  • Übelkeit, Erbrechen

  • Depressive Verstimmung

  • Psychomotorische Unruhe

  • Blässe, Frösteln

  • Stiche in der Herzgegend, Verwirrtheit

Therapie
  • Wenn möglich, Grunderkrankung behandeln

  • Gesprächsbereitschaft für Probleme zeigen

  • Physikalisch, z. B. Sport, Kreislauftraining (z. B. Wechselbäder)

  • Erhöhung des intravasalen Volumens durch vermehrte orale Flüssigkeits- und Salzaufnahme

  • Flankierend: Medikamente, z. B. Fludrocortison, Dihydroergotamin oder Sympathikomimetika

  • !

    Keine Therapie nötig bei leichter Form der Hypotonie bzw. wenn der Betroffene an niedrige Blutdruckwerte adaptiert ist

Pflege
  • Überwachung, Beobachtung und Dokumentation des Befindens, bei Änderung oder Auffälligkeiten den entsprechenden Arzt informieren

  • Kreislaufschwäche während der Pflege: Tätigkeit unterbrechen, ggf. zu einem späteren Zeitpunkt weiterführen und Beine hochlagern

  • Ggf. durch einen Arzt Bedarfsmedikation verordnen lassen, z. B. kreislaufstabilisierende Tropfen

  • Ausgeprägte Hypotonie → Nierendurchblutung ↓, rechtzeitige Behandlung erforderlich

Beratung
  • Nicht sofort nach dem Aufwachen aufstehen

  • Bettgymnastik vor dem Aufstehen: Füße kreisen, Beine anziehen

  • Langsam aufstehen: zuerst an die Bettkante setzen, Füße und Beine bewegen, dann hinstellen

  • Bei längerem Stehen auf den Zehenballen wippen

  • Regelmäßige körperliche Betätigung, z. B. Sport, Spaziergänge

  • Wechselduschen, Bürstenmassagen, klimatische Reize

Vorsicht

KreislaufkollapsKreislaufkollaps. Erstmaßnahmen:

  • Betroffenen flach hinlegen, Beine erhöht lagern, Vorsicht bei Herzerkrankungen!

  • Ist er gestürzt, auf Verletzungen untersuchen und bei Wiedererlangen des Bewusstseins nach Schmerzen befragen

  • Arzt informieren

  • Vitalzeichenkontrolle: RR, Puls, Atmung, Gesichtsfarbe

  • Alle Werte und Verlauf dokumentieren

  • Betroffenen erst wieder allein lassen, wenn er wieder völlig bei Bewusstsein bzw. ärztlich versorgt ist

Beobachten und Dokumentieren

  • Vitalparameter

  • Hautkolorit

Influenza

Anja Palesch
Virusgrippe, InfluenzaKrankheitsbildechte Grippe: VirusgrippeInfektionInfluenzaakute Infektion der Atemwege, gefährlich durch Komplikationen (Grippesiehe unten). Übertragung in erster Linie durch Tröpfcheninfektion. Influenza-Viren schädigen Schleimhäute der Atemwege, bereiten Toxinen und Bakterien den Weg.
Ursache
Influenza-Viren (Myxo-Viren), Viren verändern sich jedes Jahr.
Symptome
  • Hohes Fieber

  • Schweres Krankheitsgefühl

  • Kopf-, Glieder- und Rückenschmerzen

  • Schnupfen, Husten, Halsschmerzen, Heiserkeit

Komplikationen
  • Toxisch bedingte Schädigungen aller Organe (besonders Herz, ZNS)

  • Begünstigung bakterieller Folgeerkrankungen

  • Vorerkrankungen der Atemwege verschlechtern sich, z. B. Asthma

Therapie
  • !

    Prophylaxe: Bei Risikopatienten (Personen über 60 Jahre, Vorliegen chronischer Erkrankungen) Impfung (jedes Jahr neu, da sich die Viren jedes Jahr verändern)

  • Nachweis von Influenza-Viren meldepflichtig

  • Symptomatische Therapie: schmerzlindernd, fiebersenkend, schleimlösend, hustendämpfend

  • Ggf. antivirale Medikation (7.9.2)

  • Bei Sekundärinfektionen: Gabe von Antibiotika (7.9.1)

Pflege
  • Expositionsprophylaxe

  • Alle Personen über 60 Jahre auf die Möglichkeit der Impfung hinweisen

  • Nach Influenza-Exposition ggf. medikamentöse Prophylaxe mit Neuroaminidasehemmern

  • Ggf. nach ärztlicher Anordnung Klinikeinweisung

Sich waschen und kleiden
  • Pflege bei Fieber 2.3.6

  • Hilfe bei der Körperpflege dem Allgemeinzustand anpassen

  • !

    Vorsicht: labile Kreislaufsituation

Essen und trinken
  • Leicht verdauliche Kost

  • Angehörige einbeziehen

  • Erhöhter Flüssigkeitsbedarf → ausreichend Getränke bereitstellen

Hygiene
Mundschutz und Schutzkittel nach ärztlicher Anordnung.

Kehlkopftumoren

Anja Palesch
Im Bereich der KehlkopftumorStimmlippenebene (Glottis), aber auch ober- (supra-) und unterhalb (subglottisch) vorkommend.
Ursachen
80 % Rauchen, oft in Kombination mit Alkoholabusus.
Symptome
  • Heiserkeit über mehrere Wochen, Fremdkörpergefühl, Räusperzwang

  • Schmerzen im Kehlkopfbereich, Dysphagie (Schluckstörungen)

  • Husten, Dyspnoe

Therapie
  • Entfernung durch Lasertherapie bei kleinen Tumoren

  • In den übrigen Fällen offene operative Entfernung, ggf. nachfolgende plastische Rekonstruktion

  • Radio- und/oder Chemotherapie (ausschließlich oder zusätzlich zur OP)

Knochentumoren/-metastasen

Anja Palesch
KnochentumorSowohl gut- als auchKnochenmetastasen bösartige Tumoren. Darüber hinaus kann es sich bei Knochentumoren auch um Metastasen eines anderen Primärtumors handeln. Schmerzen sind häufig ein erster Hinweis auf diese Tumoren.
Risikofaktoren und Ursachen
  • Die Ursachen sind weitgehend unklar.

  • Bei einigen Tumoren spielen genetische Faktoren eine Rolle (z. B. Ewing-Sarkom).

  • Menschen mit erblich bedingter gestörter Knochenstruktur (M. Paget) oder multiplem Osteochondrom (Knorpelverkalkung) haben ein erhöhtes Risiko.

Symptome und Therapie

Knochentumoren und -metastasen.

Tab. 6.21
Knochentumoren Knochenmetastasen
Beschreibung Selten, eher gut- als bösartig Sekundärtumor
Symptome Wenig spezifisch, Auftreibungen des Knochens, Schmerzen, Bewegungseinschränkungen, Spontanfrakturen, oft symptomfrei Knochenauflösende Metastasen, Spontanfrakturen
Therapie Schmerztherapie, bei malignen Tumoren Operation, Chemotherapie, Bestrahlung nur bei inoperablen Tumoren Schmerztherapie, Chemotherapie, Bestrahlung nur bei inoperablen Tumoren
Pflege
  • Pflege bei onkologischer Erkrankung (5.2)

  • Pflege bei Radio-, Strahlen- und Chemotherapie (5.2)

  • Besonderheit: Menschen mit Knochentumoren sind durch Chemo- und ggf. Strahlentherapie sowie radikale OP-Methoden belastet; bei der Durchführung der Pflege ist hierauf Rücksicht zu nehmen.

Tipps und Tricks

  • Bei jeglichem Körperkontakt an die Möglichkeit von Spontanfrakturen denken

  • Kontinuierlicher Kontakt und Gesprächsbereitschaft tragen zur psychischen Entlastung bei, auf Wunsch Sozialdienst, Psychotherapeut oder Seelsorger benachrichtigen

  • Betreuung Angehöriger oft ebenso wichtig wie die der Betroffenen

Kolon- und Rektumkarzinom

Anja Palesch
KolonkarzinomBösartige Tumorerkrankung des Dick- und Enddarms. RektumkarzinomZweithäufigstes Karzinom, regelmäßige Nachkontrollen aufgrund häufiger Rezidive wichtig, gehäuft zwischen 50. und 70. Lebensjahr. In frühen Stadien ohne Lymphknotenbefall 5-Jahres-Überlebensrate bis zu 90 %.
Risikofaktoren und Ursachen
  • Adenome und Polypen

  • Genetische Disposition

  • Colitis ulcerosa

  • Obstipation

  • Falsche Ernährung, faserarme Kost

Symptome
Erst spät auftretend, deshalb haben 25 % der Betroffenen bei Diagnosestellung bereits Metastasen.
  • Jede plötzliche Änderung der Stuhlgewohnheiten, Obstipation, Diarrhö, Blähungen, unwillkürlicher Stuhlabgang

  • Blut im Stuhl

  • Krampfartige Schmerzen

  • Gewichtsabnahme, Schwäche, Blutungsanämie

Komplikationen
  • Perforation

  • Fistelbildung

  • Ileus

Therapie
  • OP, ggf. mit Anlage eines künstlichen Darmausgangs

  • Evtl. postoperative Bestrahlung oder Chemotherapie

Pflege
  • Pflege bei Tumorerkrankungen (5.2)

  • Pflege bei Stomatherapie (4.8)

  • Nach Rektumamputation Weichlagerung des Gesäßes

  • Im Bedarfsfall auf ärztliche Anordnung Darmstimulation mit milden Laxanzien

  • Ggf. Wundversorgung auf ärztliche Anordnung

Tipps und Tricks

  • Nach Rektumoperationen sind alle Manipulationen am Enddarm, z. B. rektale Temperaturmessung, Anwendung von Suppositorien, Klysmen oder Einläufen, nur auf ausdrückliche Anordnung des Arztes erlaubt.

  • Ist der Bauch stark gebläht, fehlen Darmgeräusche oder muss der Pflegebedürftige aufstoßen oder erbrechen → umgehend Hausarzt informieren.

Beobachten und Dokumentieren

  • Stuhlgewohnheiten

  • Blut im Stuhl

  • Pflege des Stomas

Koronare Herzkrankheit (KHK)

Anja Palesch
Koronare HerzkrankheitKrankheitsbildEinengung oder Verschluss der Koronargefäße → verminderte KHKDurchblutung und Sauerstoffversorgung des Herzens.
KHK kann sich äußern in:
  • Herzrhythmusstörungen (6.32)

  • Herzinsuffizienz (6.31)

  • Angina-pectoris-Anfällen

  • Herzinfarkt (6.30)

  • Plötzlichem Herztod.

Angina pectoris: Angina pectorisKrankheitsbildvorübergehender Sauerstoffmangel der Herzmuskelzellen. Angina-pectoris-Anfälle treten infolge von erhöhtem Sauerstoffbedarf des Herzens auf, z. B. nach körperlicher oder psychischer Belastung.
Ursachen
Fettstoffwechselstörung
Rauchen
Hypertonie
Diabetes mellitus
Übergewicht
Symptome
Anfallsweises Auftreten von:
  • Anhaltenden Schmerzen, Dauer: Sek. bis Min.

  • Druckgefühl, Beklemmung im Thorax

  • Schmerzen, ausstrahlend in die linke Schulter, den linken Unterkiefer, Arm und die linke Hand (Abb. 6.10)

  • Luftnot

  • Übelkeit bis Erbrechen

  • Vernichtungsgefühl und Todesangst

Komplikationen
  • Herzinfarkt

  • Herzrhythmusstörungen

  • Herzinsuffizienz

  • Schock, Herz-Kreislauf-Stillstand

Tipps und Tricks

  • Bei einem Angina-pectoris-Anfall klingen die Symptome nach Gabe von Nitro-Spray ab, im Gegensatz zum Herzinfarkt.

  • Bei regelmäßiger Nitro-Einnahme und andauernden Kopfschmerzen → Möglichkeit des Nitratkopfschmerzes, Arzt informieren, ggf. alternative Medikation.

Erstmaßnahmen
  • Bei erstem Auftreten/besonders schweren oder langen Anfällen: Arzt verständigen

  • Pflegebedürftigen nicht allein lassen

  • Vitalzeichenkontrolle: RR, Puls, Atmung

  • Wenn vorhanden, 1–2 Hübe Nitro-Spray unter die Zunge, Voraussetzung: RR systolisch > 110 mmHg

  • Oberkörperhochlagerung, Ruhe, beengende Kleidung entfernen

  • Für ausreichend Sauerstoff sorgen, ggf. Fenster öffnen

  • Evtl. Krankenhauseinweisung vorbereiten

  • Pflegebedürftigen erst bei stabilem Zustand oder nach Versorgung durch den Arzt verlassen

  • Alle Tätigkeiten und Werte nach Versorgung durch den Arzt dokumentieren

Therapie
  • Medikamentöse Blutdruckeinstellung, Nitrate als Bedarfsmedikation (7.4.3)

  • Risikofaktoren, z. B. Stress, Nikotin, Ernährungsfehler (2.5.5), einschränken bzw. ändern

Pflege
  • Information über risiko- und anfallsauslösende Faktoren

  • Regelmäßige Vitalzeichenkontrolle nach ärztlicher Anordnung: RR, Puls, Atmung

  • Bettruhe nach Arztanordnung, Hilfe bei der Körperpflege und der Nahrungsaufnahme nach Bedarf

  • Risikofaktoren einschränken oder vermeiden:

    • Rauchen

    • Stress: Hilfe durch Erlernen von Entspannungsübungen

    • Übergewicht: fettarme Kost, Gewichtsreduktion, möglichst unter ärztlicher Aufsicht

  • Obstipationsprophylaxe (3.6), kein Pressen beim Stuhlgang → Druckerhöhung

  • Medikamenteneinnahme überwachen

Beobachten und Dokumentieren

  • Schmerzäußerungen immer ernst nehmen, denn Schmerzen erhöhen den Sauerstoffbedarf → Anfallsauslöser

  • Genaue Schmerz- und Anfallsbeobachtung, daraufhin kann der Arzt die medikamentöse Behandlung festlegen

  • Schmerzauslösende Faktoren erkennen, Zusammenhang dokumentieren zwischen Auslöser und Schmerz, z. B. Stresssituation, Anstrengung → Auftreten von Schmerzen

  • Alle Besonderheiten, Befinden, Aussehen, Vitalzeichen, Medikamentenunverträglichkeiten dokumentieren und mit dem Arzt abklären

Leberzirrhose

Anja Palesch
Häufige chronische Lebererkrankung mit irreversiblem LeberzirrhoseFunktionsverlust, kann Endstadium aller Lebererkrankungen sein, lebensbedrohliche Folgezustände.
Ursachen
Alkoholabusus, chronische Virushepatitis; seltener: Gallenwegserkrankungen, Stauungsleber bei Rechtsherzinsuffizienz, Medikamente oder Gifte, Autoimmunvorgänge, Stoffwechselerkrankungen.
Symptome
  • Leistungsminderung, Schwäche, Gewichtsverlust, Schwitzen

  • Leberhautzeichen: Spider Naevi (spinnenförmige Hautgefäße), Palmarerythem (gerötete Handinnenflächen), Weißfleckung der Haut bei Abkühlung, Lackzunge, Lacklippen, Mundwinkelrhagaden

  • Kontraktur der Beugesehne des Ringfingers

  • Caput medusae (Medusenhaupt: verstärkte Venenzeichnung am Bauchnabel durch Ausbildung von Umgehungskreisläufen bei Pfortaderhochdruck)

  • Hormonelle Störungen: Potenzstörungen und Libidoverlust, Gynäkomastie (Brustentwicklung bei Männern), Verlust der männlichen Sekundärbehaarung („Bauchglatze“), bei Frauen evtl. sekundäre Amenorrhö

  • Fortgeschrittenes Stadium: grau-fahle oder ikterische Hautfärbung, Aszites, Juckreiz (Abb. 6.11)

Folgezustände
  • Ösophagusvarizen, häufig mit Blutungsgefahr

  • Aszites, Ödeme

  • Eingeschränkte Blutgerinnung, verstärkte Blutungsneigung

  • Erhöhtes Leberkarzinomrisiko

  • Hepatische Enzephalopathie (Tab. 6.22).

Therapie
  • Keine ursächliche Therapie möglich

  • In einigen Fällen: Lebertransplantation

  • Bei Aszites: Flüssigkeitsbeschränkung, Diuretika, Aszitespunktion im Krankenhaus

  • Bei starker Blutungsneigung ggf. Gabe von Vitamin K und Gerinnungsfaktoren parenteral

  • Hepatische Enzephalopathie: kontrollierte Eiweißzufuhr, Reduktion der Ammoniakkonzentration im Blut (medikamentös oder durch Einläufe)

Pflege
  • Alkoholkarenz

  • Medikamente zurückhaltend und nur auf ärztliche Anordnung einnehmen lassen, z. B. kein Paracetamol, da leberbelastend

  • Blutungsneigung beachten: weiche Zahnbürste

  • Ernährung: kochsalzarm, leicht verdaulich, vitaminreich

  • Bei hepatischer Enzephalopathie: Darmreinigung (erhöhte Stuhlfrequenz durch Laktulose), ggf. Blutstillung, eiweißarme Kost nur nach Arztanordnung

  • Evtl. Spezialzusatznahrung mit verzweigtkettigen Aminosäuren

  • Bei Aszites Flüssigkeitsbilanzierung, Gewichtskontrolle, evtl. Bauchumfang messen

  • Bei bekannten Ösophagusvarizen: keine harten, scharfkantigen Speisen; auffordern, gut zu kauen

  • Auf regelmäßigen Stuhlgang achten, je nach Stadium der Leberzirrhose zwischen 1- bis 3-mal/Tag, sonst Einläufe

  • Hilfe bei Juckreiz (Hepatitis)

  • Hautpflege (2.4.12)

  • Begleitung Sterbender (5.8)

Beobachten und Dokumentieren

  • RR, Puls

  • Temperaturanstieg?

  • Blutungszeichen

  • Bewusstsein

  • Gewicht

  • Bauchumfang

  • Haut

  • Stuhlgang

Tipps und Tricks

  • Bei Ösophagusvarizen- und anderen Blutungen sofort Notarzt rufen

  • ÖsophagusvarizenÖsophagusvarizen: erkennbar an Bluterbrechen („Kaffeesatzerbrechen“) und Teerstuhl

  • Bei Änderung des Bewusstseins, starker Änderung des Bauchumfangs, Veränderung des Blutdrucks umgehend Hausarzt informieren

Leukämie

Anja Palesch
Bösartige Erkrankungen der weißen Blutzellen mit Leukämieunkontrollierter Wucherung von unreifen Stammzellen.
Ursachen
Krankheitsentstehung ungeklärt, chemische Substanzen und radioaktive Strahlung erhöhen Erkrankungsrisiko.
Symptome und Therapie
Abhängig von der Leukämieform (Tab. 6.23)
Komplikationen
  • Metastasierung, Rezidive

  • Gefahr von Infektionen, besonders Pneumonie

Beobachten und Dokumentieren

  • Lymphknoten-, Milzschwellung, Druckgefühl im Oberbauch

  • Allgemeinzustand

  • Arzneimittelnebenwirkungen, Verträglichkeit der Therapie

  • Hautzustand

Lungenembolie

Anja Palesch
Verlegung/Verstopfung von LungenembolieBlutgefäßen in der Lunge durch Gerinnsel z. B. bei Thrombose (6.73), selten auch Fett, Fruchtwasser, Luft oder andere Fremdkörper.
Ursachen
  • Lösung eines Blutgerinnsels von der Gefäßwand aus den Becken- oder Beinvenen, Weitertransport durch den Blutfluss in die Lunge

  • Nach medizinischen Eingriffen, z. B. nach Untersuchung mit zentralem Venenkatheter

  • Nach Verletzungen, z. B. Hämatom oder Fraktur am Bein

  • Akute Erhöhung des Venendrucks, z. B. nach dem morgendlichen Aufstehen, Pressen bei Defäkation, Hustenanfall, körperlicher Anstrengung

  • Gefäßschäden bzw. Eindringen von Fremdkörpern, z. B. Luft, gelöste Fettzellen

Symptome
  • Kleinere Embolien führen zu Spasmen der Bronchien und Pulmonalarterien, verlaufen oft asymptomatisch bzw. werden nicht diagnostiziert

  • Plötzliche Schmerzen in der Brust/abhängig von der Atmung

  • Plötzlich einsetzende Atemnot

  • Husten, blutiger Auswurf

  • Tachykardie

  • Angst, Beklemmung

  • Plötzliche Bewusstlosigkeit

  • Herzrhythmusstörungen bis zum Herzversagen → kardiogener Schock (8.3.1)

Erstmaßnahmen
  • Den Pflegebedürftigen nicht aufstehen lassen (auch nicht nach Sturz)

  • Notarzt verständigen

  • Den Betroffenen nicht allein lassen

  • Oberkörper leicht hochlagern

  • Bei Schockanzeichen Beine hochlagern (Oberkörperhochlagerung beibehalten)

  • Wenn möglich, Sauerstoff zuführen (mobiles Sauerstoffgerät vorhanden?)

  • Ggf. Schocktherapie (8.3).

Pflege
  • Anweisungen des Arztes befolgen, z. B. Verabreichung von gerinnungshemmenden Medikamenten

  • Bettruhe

  • Oberkörperhochlagerung

  • Anstrengungen vermeiden

  • Obstipations- und Thromboseprophylaxe

  • Sorgfältige Pneumonieprophylaxe, jedoch kein Abklatschen bzw. Abklopfen!

  • Keine blähenden Nahrungsmittel

Vorsicht

60 % der Pflegebedürftigen mit einer fulminanten Embolie sterben innerhalb der ersten Stunde.

Lungentumoren

Anja Palesch
Pflege bei onkologischer Erkrankung 5.2.
LungentumorUnterscheidung in:
  • Gutartige Lungentumoren, z. B. Fibrom, Lipom oder Neurinom

  • Bösartige Lungentumoren, z. B. Plattenzellkarzinom, Adenokarzinom.

Ursachen
  • Einatmen von Noxen, z. B. Tabak, Asbest, Teer

  • Bei Zusammentreffen mehrere Noxen Potenzierung des Erkrankungsrisikos

Symptome
  • !

    Erstsymptome des Lungenkarzinoms sind meist Spätsymptome

  • Lang anhaltender, trockener Husten

  • Blutiges Sputum

  • Atemnot

  • Pneumonie

  • Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Leistungsabfall

  • Bei Metastasen Beschwerden je nach Lokalisation

Therapie
  • Kurativ: Je nach Tumorart und Stadium OP in Kombination mit Chemo- und Strahlentherapie (5.2)

  • Palliativ: Krankheitsbild zu weit fortgeschritten, Tumor inoperabel: Chemo- und Strahlentherapie zur Tumorverkleinerung, Symptomerleichterung und Verbesserung der Lebensqualität, ggf. palliative OP sinnvoll

  • Medikamentös: Schmerztherapie (7.3), Hustendämpfer zur Linderung des Hustenreizes (7.5.3), Antiemetika (7.6.3), Laxanzien zur Obstipationsprophylaxe (7.6.2), Neuroleptika (7.8.5) zur Unterstützung der Schmerztherapie

Pflege
Pflege bei onkologischer Erkrankung 5.2
  • Hilfestellung bei allen AEDL®, je nach Befinden des Pflegebedürftigen

  • Atemerleichternde Lagerung (2.3.6)

  • Gesprächsbereitschaft anbieten

Tipps und Tricks

  • Spezielle Schmerzambulanzen zur Behandlung von Tumorschmerzen empfehlen/einbeziehen

  • Aufklärung richtet sich immer danach, wie viel Wahrheit der Pflegebedürftige im Moment verkraftet. Im Gespräch mit ihm und seinen Angehörigen einfühlsame Aufrichtigkeit zeigen. Aufklärung über den Krankheitszustand ist Aufgabe des behandelnden Arztes.

Beobachten und Dokumentieren

  • Atmung

  • Blutdruck

  • Schmerzintensität

  • Infektionen

Lymphödem

Anja Palesch
Chronisches Ödem infolge einer Beeinträchtigung des LymphödemPflegeLymphabflusses, z. B. nach Mammakarzinom (6.49).
Ursachen
Angeborene Minderentwicklung der Lymphgefäße, Entzündungen und Tumoren durch mechanische Verlegung der Lymphgefäße, nach Operationen (z. B. nach Brustentfernung mit Lymphknotenentfernung aus der Achsel → Lymphödem des betroffenen Arms).
Symptome
  • Spannungs- und Schweregefühl

  • Brennen und Bewegungseinschränkung der betroffenen Körperregion

  • Haut ist kühl und unauffällig

  • Ödem blass, teigig bis hart, lässt sich nicht oder nur gering eindrücken

  • Keine Schmerzen

  • Extremform: Elefantiasis

Therapie
  • Behandlung der Grunderkrankung

  • Konsequente Physiotherapie und Lymphdrainage

  • Ggf. Operation

Pflege
  • Manuelle Lymphdrainage, Bewegungstherapie durch Physiotherapie

  • Hautpflege (2.4.12)

  • Tragen von Kompressionsstrümpfen, -handschuhen oder -ärmeln

  • Einschnürende Kleidung meiden

  • Auf gute Körperhaltung achten, Beine übereinanderschlagen und langes Sitzen bei Beinödem vermeiden

  • Zwischenzeitliches Hochlagern der betroffenen Extremität

  • Verletzungen vermeiden (2.11)

Tipps und Tricks

Keine Injektionen und Blutdruckmessung an der betroffenen Extremität.

Magenkarzinom

Anja Palesch
Gehört zu den häufigsten bösartigen Tumoren des Magen-Darm-MagenkarzinomTrakts, besonders häufig bei Männern zwischen 50 und 60 Jahren.
Pflege bei onkologischer Erkrankung 5.2.
Ursachen und Risikofaktoren
Unklar, allerdings ist das Risiko, an einem Magenkarzinom zu erkranken, durch die folgende Risikofaktoren erhöht:
  • Magenvorerkrankungen, z. B. chronische Gastritis

  • Magenresektion

  • Familiäre Häufung

  • Übermäßiger Alkohol- und Nikotingenuss

  • Nitrosamine in der Nahrung, z. B. geräuchertes Fleisch, Wurst, Fisch

Symptome

Vorsicht

Alle Symptome des Magenkarzinoms können denen gutartiger Magenleiden gleichen!

  • „Empfindlicher Magen“

  • Gelegentlich Abneigung gegen Fleisch

  • Später: Leistungsabfall, Gewichtsverlust, Schmerzen

  • Bei stenosierendem Karzinom: Völlegefühl und Erbrechen

  • Komplikationen: Magenblutungen, Teerstuhl

Therapie
  • Frühzeitige operative Therapie (je nach Lokalisation chirurgisch oder endoskopisch)

  • Chemotherapie

  • Postoperativ Ernährungstherapie

  • Palliativ: Nahrungspassage durch verschiedene medizinische Eingriffe erhalten, Chemo- oder Strahlentherapie

  • Nach erfolgter Magenresektion regelmäßige Vitamin-B12-Substitution, ggf. Pankreasenzyme

Pflege
  • Besonderheiten bei der Pflege Tumorkranker beachten (5.2)

  • Prophylaxen, v. a. Dekubitus (3.3), Lungenentzündung (3.7)

  • Schmerzbeobachtung (5.4.3) und ggf. Schmerzbekämpfung (5.4.4, 7.3)

  • ErnährungErnährungMagenkarzinom:

    • Angehörigen empfehlen, Wünsche des Pflegebedürftigen weitestgehend zu berücksichtigen

    • Ggf. Verabreichung von Sondenkost mittels PEG/PEJ (4.5.2)

    • Bei Nahrungskarenz gute Mundpflege (2.4.5)

  • Bei Dumping-Syndrom (sog. Sturzentleerung flüssiger und fester Nahrung vom Magen in den Dünndarm, was zu Hypotonie oder -glykämie führen kann):

    • 6–8 kleine Mahlzeiten

    • Verzicht auf reichliches Trinken zu den Mahlzeiten

    • Nach den Mahlzeiten mit erhöhtem Oberkörper hinlegen

    • Vollkornprodukte, Quellstoffe zur Resorptionsverzögerung empfehlen

    • Abraten von blähenden, stark gewürzten und fetten Speisen

    • Alkohol- und Nikotinkarenz

    • Ernährungstagebuch (durch Angehörige) führen: Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Abstände zwischen den Mahlzeiten

Beobachten und Dokumentieren

  • Gewicht

  • Essgewohnheiten

  • Erbrechen

  • Leistungsabfall

Mammakarzinom

Anja Palesch
Brustkrebs. MammakarzinomHäufigste Karzinomerkrankung bei Frauen. Jede zehnte Frau Brustkrebserkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Altersgipfel zwischen 45 und 70 Jahren.
Pflege bei onkologischer Erkrankung 5.2.
Ursachen und Risikofaktoren
Genaue Ursache unbekannt. Mögliche Risikofaktoren:
  • Genetische Disposition

  • Brustkrebs an der anderen Brust

  • Übergewicht

  • Einsetzen der Menarche vor dem 11. Lebensjahr

  • Einsetzen der Menopause nach dem 54. Lebensjahr

  • Hormontherapie/hormonelle Empfängnisverhütung

  • Rauchen, erhöhter Alkoholkonsum

Symptome
  • Nicht druckschmerzhafte Knoten in der Brust, bei hautnahen Tumoren im späteren Stadium Rötung

  • !Jeden in der Brust tastbaren Knoten abklären und beobachten

  • Schwellung bzw. Verhärtung der Haut über dem Tumor

  • Drüsengewebe auf dem Brustmuskel unverschieblich, beim Heben der Arme unterschiedliche Beweglichkeit der Brüste

  • Asymmetrie der Brüste (Vorwölbungen, Einziehungen, Farbveränderungen)

  • Farblose oder blutige Sekretion aus einer Brustwarze

  • Ekzematöse Hautveränderungen im Spätstadium (Ulzeration)

  • Bei Metastasierung Lymphknotenschwellung im Achsel- und Halsbereich

  • Inflammatorisches Karzinom, Ausbreitung in die Lymphspalten

Komplikationen
Häufige Metastasierungen:
  • Knochen

  • Lymphknoten

  • Lunge

  • Pleura

  • Leber

  • ZNS

  • Eierstock

Vorsicht

  • Jeden in der Brust tastbaren Knoten abklären und beobachten

  • Alle unklaren Schmerzen, Kopf- oder Kreuzschmerzen, Dyspnoe, anhaltender Husten können Anzeichen für Metastasen sein → bei diagnostiziertem/therapiertem Mammakarzinom abklären lassen

Therapie
  • Operation: Amputation der Brust (vollständig oder Teilresektion), je nach Stadium Entfernung von axillaren Lymphknoten

  • Strahlentherapie

  • Hormontherapie, je nach Art des Tumors

  • Chemotherapie

Pflege
  • Pflegende nehmen bei allen Tätigkeiten auf das seelische Befinden der Frau Rücksicht

  • Bei Schmerzen Hilfe beim Waschen und Ankleiden

  • Empfindliche Haut im Narbengebiet → nur milde Reinigungsmittel, kurzes Duschen nach Abheilen der Wunde

  • Beim Ankleiden mit der betroffenen Seite beginnen, beim Auskleiden auf der gesunden Seite; Oberbekleidung möglichst mit Knöpf-, Klett- oder Reißverschluss

Prothesenversorgung
  • Sobald möglich, BH mit Erstprothese tragen

  • Prothese mit milder Seife waschen und mit klarem Wasser abspülen, mit einem weichen Tuch gut trocknen. Fettablagerungen auf der Prothese mit Alkohol oder speziellen Pflegeprodukten entfernen

  • Prothese vor spitzen Gegenständen schützen, z. B. Tierkrallen, Anstecknadeln, Nagelfeilen

Lymphödem- und Kontrakturenprophylaxe
  • Am betroffenen Arm keine RR-Messung

  • LymphödemProphylaxe ProphylaxeLymphödemArm ggf. hochlagern

  • Bewegungsübungen nach Amputation der Brust:

    • Entweder beide Schultern gleichzeitig oder im Wechsel nach oben ziehen und fallen lassen

    • Mit beiden Schultergelenken Kreise nach hinten beschreiben

    • Arme waagerecht in Schulterhöhe heben und kleine, kreisende Bewegungen mit der Betonung nach hinten ausführen

    • Beide Schulterblätter der Wirbelsäule nähern und dann entspannen

    • Beide Arme über Schulterhöhe anwinkeln. 3–5-mal die Hände öffnen und schließen, dabei die Arme langsam sinken lassen. Entspannen und wiederholen

    • Hände hinter dem Rücken falten und die Schultern bewusst mit nach hinten nehmen, locker lassen und wiederholen

    • Hände mit angewinkelten Armen an die Wand legen, Hände an der Wand aufwärts bewegen, bis die Arme völlig gestreckt sind

Mittelohrentzündung

Anja Palesch
Otitis media acutaMittelohrentzündung: schmerzhafte, durch Viren oder Bakterien verursachte Otitis media acutaInfektionOtitisEntzündung der Schleimhäute des Mittelohrs.
Ursachen
Bakterien, Folgeinfektion nach Nasen- und Nasennebenhöhleninfekten, Trommelfelldefekten, aufsteigenden Infektionen der oberen Luftwege.
Symptome
  • Heftige, pulsierende Ohrenschmerzen, Schwerhörigkeit

  • Krankheitsgefühl mit Fieber und Kopfschmerzen

  • Bei Spontanperforation des Trommelfells: Austritt von Flüssigkeit aus dem Gehörgang, dadurch Nachlassen des Schmerzes

  • Begleitinfekte, z. B. Schnupfen, Nebenhöhlenentzündung

Komplikationen
  • Trommelfellperforation

  • Mastoiditis

Therapie
  • Abschwellende Nasentropfen → bessere Tubenbelüftung

  • Antibiotika bei persistierenden Beschwerden (länger als 48 Stunden)

  • Fiebersenkende Maßnahmen bei Bedarf

  • Analgetika bei Bedarf

  • Einsetzen eines Paukenröhrchens (Drainage)

Pflege
  • Pflege bei Fieber 2.3.9

  • Regelmäßige Gabe von Nasentropfen, evtl. Hilfestellung geben, Betroffenen/Angehörige anleiten

  • Medikamentöse Therapie verabreichen

  • Zur Stoffwechselförderung und Schmerzlinderung Wärmetherapie anwenden, z. B. Infrarotbestrahlung

  • Kommunikation auf vorübergehende Hörminderung einstellen (2.1.5)

Tipps und Tricks

  • Lokale Anwendung von kortison- und antibiotikahaltigen Ohrentropfen ist ausschließlich bei Otitis externa (Gehörgangsentzündung) indiziert!

  • Sekretion aus dem Ohr nicht durch Ausstopfen des Gehörgangs behindern, sonst Förderung der Entzündung.

  • Damit das Ziel der Abschwellung der eustachischen Röhre erreicht wird, soll der Betroffene bei der Gabe von Nasentropfen Rückenlage einnehmen, den Kopf in den Nacken legen und nach Einbringen der Nasentropfen mind. 2 Min. in dieser Lage verbleiben.

  • Bei Verschlechterung bzw. Verstärkung der Symptome sofort Arztinformation.

Beobachten und Dokumentieren

  • Medikamentöse Therapie (Antibiotika, Nasentropfen 2.4.8)

  • Temperaturkontrolle

  • Schmerzen

M. Hodgkin und Non-Hodgkin-Lymphom

Anja Palesch
Morbus HodgkinBösartige Erkrankungen, Lymphknoten oder Non-Hodgkin-Lymphomlymphatisches Gewebe betroffen, malignes Lymphom.
Symptome und Therapie

Unterscheidungsmerkmale M. Hodgkin und Non-Hodgkin-Lymphom.

Tab. 6.24
M. Hodgkin Non-Hodgkin-Lymphom
Erkrankung Einteilung in Stadien von I–IV:
  • I: einzelne Lymphknotenregion betroffen

  • II: 2 oder mehrere Lymphknotenregionen auf der gleichen Zwerchfellseite betroffen

  • III: Lymphknotenregionen auf beiden Seiten des Zwerchfells betroffen

  • IV: diffuser Befall extralymphatischer Organe mit oder ohne Lymphknotenbefall

Sammelbegriff für mehrere bösartige Erkrankungen des lymphatischen Systems
Symptome
  • Schmerzlose Lymphknotenvergrößerung, meist im Halsbereich

  • Unspezifische Allgemeinsymptome, Müdigkeit, Leistungsabfall oder Juckreiz

  • B-Symptome: später ungewollte Gewichtsabnahme, ungeklärtes Fieber, Nachtschweiß. Zeichen für Ausbreitung

  • Frühere Ausbreitung

  • Allgemeinsymptome wie Abgeschlagenheit und Gewichtsverlust

  • Anämie und Infektneigung

Therapie Strahlen- und Chemotherapie (diese Therapieoptionen können in allen Stadien durchgeführt werden, unterscheiden sich lediglich in Intensität und Anzahl)Bei Rezidiven und älteren Patienten ggf. Knochenmarkstransplantation Polychemotherapie mit ZytostatikaBei Rezidiven ggf. KnochenmarkstransplantationBei Nicht-Ansprechen auf Chemotherapie je nach Krankheitsstadium und Art der Lymphome ggf. operative Entfernung
Pflege
Onkologische Pflege (5.2).

Beobachten und Dokumentieren

  • Lymphknotenschwellung

  • Auftreten von Allgemeinsymptomen

  • Nachtschweiß oder Fieber

  • Leistungsabfall, Müdigkeit

  • Juckreiz

  • Gewichtsverlust

M. Parkinson/Parkinson-Syndrom

Anja Palesch
Schüttellähmung: Symptomkomplex aus Akinese (Bewegungsarmut), RigorParkinson-SyndromKrankheitsbild und Ruhetremor.
Unterschieden werden:
  • M. Parkinson: langsam voranschreitende neurologische Erkrankung, die durch eine Schüttellähmung gekennzeichnet ist

  • Symptomatisches Parkinson-Syndrom: Im Unterschied zum M. Parkinson handelt es sich hierbei nicht um eine neurologische Erkrankung, sondern um eine vergleichbare Symptomatik aufgrund verschiedener Ursachen (siehe unten).

Ursachen
  • M. Parkinson: Ursache unbekannt, Untergang dopaminbildender Zellen

  • Symptomatisches Parkinsonsyndrom: Hirnarteriosklerose, Entzündungen, Vergiftungen, Arzneimittel, z. B. Neuroleptika (7.8.5) oder Antiemetika (7.6.3)

  • Apoplex

Symptome
  • Hypo- oder Akinese: starre Mimik; kleinschrittiger, schlurfender, Akinesetrippelnder Gang; leise, monotone Stimme; Fehlen normaler Bewegungen, z. B. Mitschwingen der Arme

  • Posturale Instabilität: Posturale InstabilitätMangelnde Stabilität der aufrechten Körperhaltung mit der Folge von Stand- und Gangunsicherheit und erhöhtem Sturzrisiko

  • Rigor: RigorMuskeltonussteigerung mit wachsartigem Widerstand der Arme und Beine bei passivem Bewegen, ruckartiges Nachlassen des Widerstands, Muskelsteifheit, keine völlige Entspannung möglich. Beispiel: Kopf bleibt beim Umkippen zum Liegen in der Luft hängen

  • Tremor: TremorZittern in Ruhe, v. a. der Hände, wird bei Zielbewegungen geringer und verschwindet im Schlaf meist ganz, bei Aufregung teils verstärkt

  • Vegetative Störungen: gesteigerter Speichelfluss, gesteigerte Talg- und Schweißproduktion (Salbengesicht), Kreislaufregulationsstörungen, Obstipation wegen verlängerter Darmpassage, Völlegefühl, bei Anstrengung Atemnot, Schlafstörung

  • Psychische Störungen: Stimmungsschwankungen, Überempfindlichkeit, Suizidgefährdung, Gereiztheit, langsames Denken, Demenz

Therapie
  • Medikamentös (7.8.1)

  • Tiefe Hirnstimulation („Hirnschrittmacher“)

  • Logopädie, Ergotherapie

  • Psychosoziale Beratung

  • Eiweißarme Diät, da L-Dopa mit den Aminosäuren der Nahrung um dasselbe Transportsystem im Dünndarm konkurriert

Pflege
  • Medikamente für eine Woche richten, regelmäßige Einnahme bei Bedarf unterstützen

  • Unterstützung bei allen AEDL® je nach Befinden (2)

  • Möglichst konstante Bezugspersonen

Sich bewegen können
  • Morgendliche MobilisationParkinson-SyndromMedikamenteneinnahme vor dem Aufstehen verbessert die Beweglichkeit

  • Physiotherapie, Übungen regelmäßig auch mit Angehörigen und Pflegenden durchführen

  • Bewegungsprogramme (Abb. 6.12) einüben, Bewegungen mitsprechen, um diese bewusst zu machen

  • Gehtraining: Gehen nach dem Takt der Musik, beim Gehen Rhythmus vorgeben

  • Haltungs- und Gleichgewichtsübungen

Sich pflegen können
  • GroßerKörperpflegeParkinson-Syndrom Spiegel am Waschbecken zur Selbstkontrolle

  • Sitzgelegenheit am Waschbecken, Ellenbogen auf dem Waschbeckenrand abstützen → Körper stabilisieren, Tremor verringern

  • Statt Waschlappen kleines Handtuch verwenden, leichteres Greifen

  • Sitz in der Dusche, Badewannenlifter und Haltegriffe nutzen

  • Nach dem Duschen oder Baden Bademantel anziehen, erspart mühsames Abtrocknen

  • Zehenzwischenräume mit frotteeüberzogenem, langstieligem Schuhlöffel trocknen

  • Gute Hautpflege: Salbengesicht, daher keine fettende Gesichtscreme verwenden

  • Verwendung eines natürlichen Deodorants, da es zu vermehrter Schweißbildung kommt

  • Elektrorasierer statt Nassrasur → geringere Verletzungsgefahr

  • Regelmäßige Mundpflege unterstützen, elektrische Zahnbürste erleichtert die Zahnpflege

  • Sorgfältige Augenpflege: wegen mangelnden Lidschlags Gefahr der Bindehautentzündung

Sich kleiden können
  • Naturmaterialien bei der Kleidung bevorzugen, da Schweißbildung ↑

  • Kleidung gut erreichbar sortieren

  • Tremor → leicht zu öffnende Kleidung

  • Vor dem Spiegel anziehen lassen → bessere Haltung, Gleichgewicht

  • Socken, Unterhose und Hose leichter im Liegen anzuziehen

  • Feste, rutschfeste Schuhe, leicht anzuziehen (Klettverschluss oder Schlupfschuhe), langstieliger Schuhlöffel

Essen und trinken können
  • Viel Zeit einplanen

  • Hilfsmittel bei Bedarf einsetzen → Selbstständigkeit erhalten

  • Nach dem Essen Mundpflege

  • Nahrungsangebot an Symptome anpassen, z. B. keine Erbsen bei starkem Tremor, Glas nur halb voll einschenken

Ausscheiden können
  • Toilettensitzerhöhung und Haltegriffe erleichtern Hinsetzen und Aufstehen

  • Männer: im Sitzen urinieren, besseres Körpergleichgewicht

  • Feuchtes Toilettenpapier erleichtert die Reinigung

  • Inkontinenz: Toilettengang nach jeder Mahlzeit, Beckenbodentraining (2.6.4), Inkontinenzeinlagen

Kommunizieren können
  • IntelligenzKommunikationParkinson-Syndrom i. d. R. erhalten, Reden verlangsamt, depressive Grundstimmung → im Gespräch viel Geduld aufbringen

  • Eingeschränkte nonverbale Kommunikation aufgrund mangelnder Mimik durch verbale Rückmeldungen ausgleichen, viel Geduld aufbringen

  • Sprechtraining: zu langsamem und deutlichem Sprechen, Singen, Lachen, Schreien ermuntern

  • Täglich Blockschrift üben

  • Bei depressiver Verstimmung Gespräch anbieten → soziale Integration fördern

  • Kontakt zu Selbsthilfegruppen vermitteln

Für eine sichere Umgebung sorgen
  • Sturzgefahr: auf trockene Böden achten, rutschfester Bodenbelag (Läufer entfernen lassen)

  • Rollator, Handlauf, Griffe nutzen

  • Arztbesuche gut und rechtzeitig vorbereiten

  • Unterstützungen bei materiellen und bürokratischen Problemen zusammen mit Sozialarbeitern

Beratung
  • Betroffenen über Symptome und Krankheitsverlauf informieren

  • Information über Arzneimittel und Nebenwirkung

  • Sicheren Umgang mit Hilfsmitteln überprüfen

Beobachten und Dokumentieren

  • Vitalzeichenkontrolle/Kreislaufsituation

  • Bei welchen AEDL® wird Hilfe benötigt?

  • Wie stark ist die Beweglichkeit eingeschränkt, z. B. durch Tremor?

  • Ist die Ausscheidung beeinträchtigt (Obstipation, Inkontinenz)?

  • Ist die Sprache eingeschränkt?

  • Sind Arzneimittelnebenwirkungen aufgetreten? Zeigen die Parkinsonmedikamente (7.8.1) Wirkung?

  • Wie ist die Stimmungslage? Depressive Verstimmungen? Unmotiviert?

  • Hautzustand?

  • Sind neue Symptome aufgetreten?

Kontaktadresse
Deutsche Parkinson Vereinigung e. V. – Bundesverband –
Moselstraße 31, 41464 Neuss
Tel.: 02131 740270

Multiple Sklerose (MS)

Anja Palesch
Multiple SkleroseKrankheitsbild Encephalomyelitis disseminataEncephalomyelitis disseminata (ED): MSbindegewebige Umwandlung (Sklerose) der Markscheiden. Erkrankungsbeginn zwischen 20. und 45. Lebensjahr. Verlauf zu 90 % in Schüben mit teilweiser oder vollständiger Rückbildung der durch den Schub ausgelösten Symptome, 10 % schleichender Verlauf. Frauen erkranken häufiger als Männer.
Krankheitsbild und Risikofaktoren
  • Autoimmunerkrankung mit degenerativem Abbau der Oligodendrozyten

  • Sklerose der Markscheiden und herdförmige Entmarkung von Nervenscheiden mit unkontrollierten Nervenerregungen

  • Familiäre Häufung

  • Stress oder Verletzungen als Auslöser des ersten Schubs oder weiterer Schübe

  • Bestimmte Infektionskrankheiten (v. a. Epstein-Barr-Virus/Pfeiffer-Drüsenfieber) scheinen Entstehung zu begünstigen; Zusammenhänge sind nicht eindeutig geklärt

Symptome
Unterschiedlich, je nach betroffenem Abschnitt des ZNS:
  • Sensibilitätsstörungen, Kribbeln, Kältegefühl und Schmerzen der Hände und Füße

  • Motorische Störungen, Koordinationsstörungen

  • Fortschreitende Schwäche bis Lähmung

  • Zentrale Lähmung in Form von Streck- und Beugespastik

  • Kleinhirnsymptome: Ataxie, abgehackte Sprache, Zittern bei Zielbewegungen, Rumpfataxie

  • Sehstörungen: Doppelbilder, Schielen

  • Inkontinenz (2.6.3 und 2.6.62.6.32.6.6)

  • Impotenz

  • Psychische Symptome: Depression, Aggression, selten Euphorie, Demenz

Therapie
  • Medikamentös (7.11.3):

    • Im akuten Schub: Glukokortikoidgabe

    • Langzeitbehandlung: Interferon

    • Ggf. bei Krankheitsschub Klinikeinweisung durch den Arzt

  • Symptomatische Behandlung:

    • Gabe von Baclofen gegen Spastik

    • Antidepressiva (7.8.4) bei reaktiver Depression

    • Sedativa bei starker Unruhe, besonders nachts

    • Bei Blasenentleerungsstörung (2.6.2)

    • Bei Trigeminusneuralgie

  • Zusammenarbeit mit Physiotherapie, Ergotherapie, evtl. Logopädie, Neurologen

  • Vermitteln von Hilfsmitteln

  • Psychosoziale Beratung

  • Angehörige nach Rücksprache mit dem Betroffenen einbeziehen

Pflege
  • Motivation fördern, kleinste Erfolge loben

  • Pflege nach Bobath-Konzept (4.12.2)

  • Selbstständigkeit so lange wie möglich erhalten, Ressourcen nutzen

  • Bei Ataxie und Tremor: Hilfsmittel einsetzen, zusammen mit dem Pflegebedürftigen ausprobieren, welches hilfreich ist. Umgang mit Hilfsmitteln rechtzeitig erlernen

  • Hilfe: „So viel wie nötig, so wenig wie möglich“

  • Wärme kann Schub auslösen → Wärme und Fieber vermeiden. Auch bei subfebriler Temperatur Arzt informieren, Fieber senken

  • Überforderung meiden, Pausen einplanen

Kommunizieren können
  • Kontakt zu Selbsthilfegruppen, Seelsorger ermöglichen, auch für Angehörige

  • Sprachübungen mithilfe von Logopäden

  • Selbstständigkeitstraining regelmäßig durchführen, Betroffenen dazu auffordern, Zweck erklären

Vitale Funktionen
Wichtig: Atemübungen (2.3.5) → Spastik der Atemmuskulatur verringern.
Sich pflegen können
  • Sensibilitätsstörungen: beim Baden Wassertemperatur beachten → Verbrühungsgefahr!

  • Tremor: Sitzgelegenheit am Waschbecken, Ellenbogen auf dem Waschbeckenrand abstützen → Körper stabilisieren, Tremor verringern

Sich bewegen und Lagern bei Spastik
  • Bewegungstempo bestimmt der Pflegebedürftige

  • Selbstständigkeit und Mobilität fördern bzw. erhalten

  • Physiotherapie nach ärztlicher Verordnung, regelmäßig auch alleine durchführen, Angehörige anlernen

  • Bei Immobilität Lagerung nach Bobath (4.12.2). Alle Maßnahmen wirken der Spastik entgegen.

  • Beinlähmung: Gehschule, Rollstuhltraining, Hilfsmittel einsetzen, z. B. Haltegriffe

Sich kleiden können
Bequeme Kleidung, Klettverschlüsse statt Knöpfe, Schuhe zum Hineinschlüpfen.
Essen und trinken können
  • Ausreichend trinken, d. h. 2–3 l, in mehrere kleine Mengen über den Tag verteilen, Getränke bei Bedarf vor Verlassen der Wohnung bereitstellen

  • Ausgewogene Ernährung (2.5.4 und 2.5.52.5.42.5.5), vitaminreiche, eiweißreiche Kost, Einschränkung von Lebensmitteln mit Arachidonsäure, z. B. Eier, Leber

  • Hilfsmittel verwenden, um selbstständiges Essen zu ermöglichen, z. B. Besteck mit dicken Griffen, Strohhalm zum Trinken (2.5.3)

  • Tischplatte erhöhen, Ellenbogen beim Essen auf dem Tisch abstützen → verringert Tremor

Ausscheiden können
  • 90 % der Betroffenen leiden unter Entleerungsstörungen oder Inkontinenz

  • Hilfsmittel bei Inkontinenz (2.6.8): Einlagen, Vorlagen, Betteinlagen, suprapubischer Katheter (4.6.1)

  • Regelmäßige Untersuchung des Urins mittels Teststreifen → bei Abweichungen von der Norm Arzt informieren

  • Restharnbildung vermeiden durch Beklopfen der Blase, falls doch Restharn: regelmäßig Einmalkatheterisierung

  • Blasen- und Darmtraining, Dauerkatheter so lange wie möglich vermeiden!

  • Nach Absprache mit dem Arzt bei Bedarf Einmalkatheterisierung oder suprapubischen Katheter anlegen lassen

Für Sicherheit sorgen
  • Reisen: Impfungen vermeiden, Reisen in warme Länder vermeiden → Wärme kann Schübe auslösen; Medikamente regelmäßig weiter einnehmen, an ausreichenden Vorrat denken

  • Bei Sehstörungen für genügend Licht sorgen, Unsicherheiten können Spastik auslösen

  • Infektionszeichen erkennen, Infektionsgefahr durch Gabe von hohen Dosen Glukokortikoiden

Sich beschäftigen können
  • Haushaltsführung so lange wie möglich selbstständig, evtl. Unterstützung durch Haushaltshilfe

  • Berufstätigkeit, Hobbys fördern, Überforderung meiden, Berentung hinauszögern

  • Kontakt zur Multiple-Sklerose-Gesellschaft: Angebote, Beratung, Kurse, Feriengestaltung (siehe unten)

Prophylaxen
Gefährdung frühzeitig erkennen: Sturz-, Kontrakturen-, Dekubitus-, Thrombose-, Pneumonie-, Obstipations- und Zystitisprophylaxe durchführen (3).

Beobachten und Dokumentieren

  • Ausscheidung, insbesondere Urin

  • Wie läuft der Betroffene, wie bewegt er sich, kann er zielgerichtet greifen, etwas festhalten?

  • Spastik: Ist Aufstehen möglich? Lassen sich Spastiken lösen?

  • Genaue Beobachtung von Veränderungen, neu auftretende Symptome, erneuten Krankheitsschub frühzeitig erkennen

  • Wie ist die Stimmungslage?

  • Inwieweit sind die Angehörigen belastet oder engagiert?

  • Nebenwirkungen von Medikamenten (7.2.2, 7.11.3), z. B. von Glukokortikoiden (7.13)

Kontaktadresse
Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e. V.
Krausenstr. 50, 30519 Hannover
Tel.: 0511 96834–0, Fax: 0511 96834–50

Neurodermitis

Anja Palesch
Atopische NeurodermitisDermatitis, Dermatitisatopischechronisch-rezidivierende Entzündung der Haut.
Ursachen
Erbliche Veranlagung, Umweltfaktoren. Ggf. am Ausbruch der Neurodermitis beteiligt: Klima, Emotionen, Stress, Persönlichkeit, Allergene, Hautirritation, gestörte Schutzfunktion der Haut, Störungen der zellulären und humoralen Immunität.
Symptome
  • Entzündung der Haut mit starkem Juckreiz, Rötung, Schwellung, Nässe, Schuppung und Krustenbildung

  • Betroffene Hautregionen: Gesicht, Hals, oberer Brustbereich, Schultergürtel, Handrücken und Gelenkbeugen

  • Doppelte Unterlidfalte

  • Häufig graugelbe Gesichtsfarbe

  • Eingerissene Mundwinkel, trockene Lippen

  • Am Körper verstreut Einzelknötchen mit zentralen Krusten

  • Im Bereich des Nackens und der Gelenkbeugen entzündliche, lederartige Hautveränderungen (Lichenifikationen)

  • Haare trocken und glanzlos

  • Im akuten Stadium Schmerzen, Haut ist sehr empfindlich

Komplikationen
Superinfektion mit Viren oder Bakterien.
Therapie
Keine Heilung möglich, nur Linderung.
Nicht-Akutstadium: lokale Applikation fettender Salben.
Akutstadium:
  • Lokale Anwendung von Glukokortikoiden, Calcineurinantagonisten, in Ausnahmefällen teerhaltige Salben

  • Lokale Antiseptika bei rezidivierenden Ekzemen

  • Systemische Antibiotika bei Superinfektionen

  • Immunmodulatoren (z.B. Cyclosporin) bei schweren chronischen Verläufen

  • Orale Antihistaminika (7.11.1)

  • UV-Therapie

Pflege
Sich pflegen
  • Spezielle Hautpflege nach ärztlicher Verordnung

  • Nach therapeutischem Bad oder Körperpflege rückfettende Salbe verwenden

  • Kurzes lauwarmes Duschen oder Baden mit rückfettenden Ölen

  • Kleidung aus atmungsaktiven Stoffen, Baumwolle besonders geeignet

Tipps und Tricks

Hautreizungen vermeiden:

  • Keine alkoholischen oder austrocknenden Hautanwendungen

  • Keine alkalische Seifen und Schaumbäder

  • Kein Schwimmen in chlorhaltigem Wasser

Raumklima optimieren:

  • Luft anfeuchten, z. B. spezielle Luftbefeuchter, feuchte Handtücher über die Heizkörper

  • Niedrige Raumtemperatur im Schlafzimmer, dünne Bettwäsche

Essen und trinken können
  • Oft geht Neurodermitis mit einer Lebensmittelunverträglichkeit einher → Ernährungsumstellung Teil der Therapie

  • Auf ausgewogene, vollwertige Ernährung achten (2.5.5)

  • Unverträglichkeiten austesten, Ernährungstagebuch führen, um Unverträglichkeiten aufzuspüren

  • Zutatenliste beim Einkaufen beachten, Liste mit unverträglichen Lebensmitteln mitführen

Psychische Betreuung
  • Gesprächsbereitschaft zeigen

  • Stress abbauen, Entspannungsübungen

  • Zu Psychotherapie raten

Beobachten und Dokumentieren

  • Lebensmittelunverträglichkeiten

  • Risikofaktoren

  • Hautzustand, Entzündungszeichen, Schmerzäußerungen

  • Einschränkungen der AEDL® und Hilfsbedarf

  • Temperaturanstieg (Gefahr der Superinfektion) → Arzt informieren

Kontaktadresse
Bundesverband Neurodermitiskranker in Deutschland e. V.
Selbsthilfeorganisation für Neurodermitis, Asthma, Allergie, Psoriasis, Urtikaria und Vitiligo
Heerstraße 187–191, 65154 Boppard
Tel.: 06742 871-30

Nierenbeckenentzündung

Anja Palesch
PyelonephritisPyelonephritisNierenbeckenentzündung. Entzündung des Nierenbeckens und des Nierenparenchyms.
Ursachen
Bakterien, aufsteigende Harnwegsinfektion.
Symptome
  • Fieber über 38 °C

  • Beeinträchtigtes Allgemeinbefinden

  • Oft Übelkeit und Erbrechen

  • Ruheschmerzen im unteren Rücken bzw. in den Flanken, Klopfschmerzen im Nierenlager

  • Beginnend mit Zeichen einer Blasenentzündung, dann plötzliche Symptomverschlechterung

Komplikationen
  • Chronische Pyelonephritis

  • Lebensgefährliche Urosepsis durch Keimverschleppung in die Blutbahn

Therapie
  • Wie bei Harnwegsinfektionen (6.26)

  • Antibiotikatherapie (7.9.1)

  • 6 Wochen nach Absetzen des Antibiotikums Urin kontrollieren.

Pflege
  • Pflege bei Fieber (2.3.9)

  • Pflege bei Blasenentzündung (6.26)

  • Je nach Zustand und Mobilität des Pflegebedürftigen nötige Prophylaxen durchführen

Info

Notfall: Anurie bei Nierenbeckenentzündung

Kann der Pflegebedürftige kaum noch oder kein Wasser mehr lassen, umgehend Arzt verständigen. Es droht Nierenversagen!

Beobachten und Dokumentieren

  • Schmerzen bei der Urinausscheidung? Schmerzen in der Nierenregion?

  • Urinausscheidung, Menge, Beimengungen

  • Medikamentöse Therapie → Behandlungsverlauf

  • Fieber, Temperaturverlauf

  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr

Niereninsuffizienz, chronische (CNI)

Anja Palesch
Chronisches Nierenversagen. Langsam Niereninsuffizienz, chronischezunehmende Nierenfunktionsstörung bis zum völligen Funktionsverlust. Es kommt zur Urämie (Harnvergiftung) durch Anreicherung harnpflichtiger Substanzen.
Ursachen
  • Chronische Glomerulonephritis

  • Diabetische Nephropathie

  • Chronische Pyelonephritis

  • Schmerzmittelbedingte Nierenschädigung (Analgetikanephropathie)

  • Zystenniere

Symptome
Zunahme harnpflichtiger Substanzen im Blut → vielfältige Organstörungen:
  • Herz-Kreislauf-System: Hypertonie, Herzrhythmusstörungen, schwere Anämie

  • Lunge: Lungenödem, Pneumonie

  • Magen-Darm-Trakt: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Gastroenteritis

  • ZNS: Verwirrtheit, Kopfschmerzen, Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit bis zum Koma

  • Haut: Juckreiz, Uringeruch

  • Skelett: Knochenabbau

Therapie
  • Therapie der Begleiterkrankungen

  • Diuretika (7.12)

  • Behandlung von Harnwegsinfekten

  • Ggf. Dialyse (siehe unten), Transplantation

Pflege
  • Abklärung mit dem Arzt, ob Behandlung zu Hause möglich ist

  • Medikamenteneinnahme unterstützen

  • Diät: bei Dialyse Flüssigkeit ↓; eiweiß- und kaliumarme Diät

  • Notwendige Prophylaxen (3) durchführen

  • Ggf. Gespräche mit Psychologen, Seelsorger vermitteln

  • Sterbebegleitung (5.8)

Beobachten und Dokumentieren

  • Flüssigkeitsbilanz (2.6.11)

  • Vitalzeichenkontrolle (2.3)

  • Beginnende Infekte

  • Bewusstseinslage (2.3.8)

  • Haut(-farbe) (2.4.12)

  • Urämiesymptome

Dialyse
NierenersatztherapieNierenersatztherapie → bei akuter oder chronischer Niereninsuffizienz.
  • Hämodialyse: Reinigung des Bluts außerhalb des Körpers (Abb. 6.13)

  • HämodialysePeritonealdialysePeritonealdialyse: Reinigung des Bluts innerhalb des Körpers. Ausscheidungsfunktion der Nieren wird hierbei ersetzt (siehe unten).

Durchführung in speziellen Dialysezentren oder als Heimdialyse zu Hause. 3-mal/Woche muss das Blut gereinigt werden.
Pflege
Shuntpflege
  • Besondere Vorsicht bei allen Tätigkeiten am DialysePflegeShuntarm

  • Keine Blutdruckmessung am Shuntarm

  • Keine abschnürende Kleidung oder komprimierenden Verbände

  • Auf Entzündungszeichen wie Schwellung, Schmerzen, Rötung oder Funktionseinschränkung achten, ggf. Arztinformation

Vitalfunktionen erhalten
  • Regelmäßige Vitalzeichenkontrolle (2.3), um Komplikationen so früh wie möglich zu erkennen

  • Im dialysefreien Intervall Belastung des Herz-Kreislauf-Systems vermeiden

  • Höhere Flüssigkeitsansammlung in der Lunge → plötzliche Atemnot

  • Erkennen von Atemnot und Herz-Kreislauf-Beschwerden → Arzt und Dialysezentrum informieren

Sich waschen und kleiden
  • Hauterscheinungen:

    • Juckreiz

    • Uringeruch der Haut und Schleimhäute

    • Bräunlich-gelbes Hautkolorit

    • Trocken, schuppig

    • Haut- und Schleimhautblutungen

    • Shunt (siehe oben)

  • Pflege mit rückfettenden Lotionen, Duschgel mit Ölzusatz verwenden

Essen und trinken können
  • Kochsalz bei starkem Durst zwischen den Dialysen und bei Hypertonie reduzieren

  • Kalium- und phosphatarme KostDialyseErnährung

Kaliumarme Kost: Ernährungkaliumarm
  • Zur Senkung des Kaliumgehalts von Gemüse und Kartoffeln vor dem Kochen: schälen, kleinschneiden, in der zehnfachen Menge Wasser kochen → Kaliumreduktion um ⅔

  • Folgende Lebensmittel einschränken bzw. meiden:

    • Obst- und Gemüsesäfte

    • Kaliumreiches Obst, z. B. Aprikosen, Bananen, Avocado, Nüsse, Trockenobst

    • Kaliumreiches Gemüse, z. B. Kartoffeln und Kartoffelprodukte, Hülsenfrüchte, Tomaten, Pilze, Brokkoli

    • Oxalsäurehaltiges Obst und Gemüse ganz meiden, z. B. Spinat, Mangold, Rhabarber, Tomaten, rote Beete

    • Tomatenkonzentrat, Hefeextrakt und Instant-Getränke, Pulverkaffee

Phosphatarme Kost: Ernährungphosphatarm
  • Phosphatzusätze bei Fertigprodukten erkennbar an E-Nummern: E 338–E 341, E 450 (a–c), E 540, E 543, E 544

  • Verzicht auf Nüsse

  • Zu berücksichtigen bei Milch und Milchprodukten:

    • Empfehlenswert: Quark, Frischkäse, Camembert, Mozzarella

    • Hart- und Schnittkäse in kleinen Mengen erlaubt

    • Milch bis max.⅛ l/Tag, als Milchersatz 1 Teil Sahne mit 2 Teilen Wasser mischen

    • Verzicht auf Schmelzkäse, Milchpulver, Kondensmilch

  • Ggf. Kalziumsubstitution, da phosphatreiche Lebensmittel zugleich Kalziumlieferanten sind

Trinkmenge:
  • Gewichtszunahme von einem zum anderen Dialysetermin max. 1–2 kg

  • Trinkmenge deutlich eingeschränkt entsprechend der Empfehlung des Dialysezentrums

  • Bei starkem Durstgefühl: mit Tee getränkte Läppchen oder Eiswürfel lutschen

Körpertemperatur regeln
  • Der Dialysepatient friert leicht, da die Körpertemperatur meist unter dem Normalbereich liegt → warme Kleidung bevorzugen, beim morgendlichen Besuch Heizung anstellen

  • Selten Fieber bei Infektionen, daher dient Fieber nicht als Erkennungssymptom für Infektionen; auf lokale Hauterscheinungen und RR-Abfall achten

  • Kalte Hand oder Schmerzen speziell am Shuntarm → Handschuh, spezielle Schmerztherapie, Dialysezentrum benachrichtigen, evtl. Shuntkorrektur notwendig

Ausscheiden
Der Dialysepatient hat meist keine Urinausscheidung (Anurie).
  • Gefahr von Harnwegsinfekten durch verminderte Keimausschwemmung

  • Obstipationsgefahr (3.6)

Sinn finden und sich beschäftigen
  • Sicherheitsgefühl stark eingeschränkt, der Pflegebedürftige ist von der Maschine abhängig

  • Wochengestaltung richtet sich nach den Dialyseterminen

  • Durch verminderte körperliche Leistungsfähigkeit oft Schwierigkeiten, den Arbeitsplatz zu halten

  • Kontakt zu Selbsthilfegruppen

Kontaktadresse
Bundesverband Niere e. V.
Essenheimer Str. 126, 55128 Mainz
Tel.: 06131 85152
Weitere Informationen unter www.dialyse-online.de
Heimdialyse
Durchführung zu Hause
Voraussetzungen
  • HeimdialyseDialyseHeimdialyseStabiler Dialyseverlauf

  • Wenige andere Erkrankungen

  • Patient ist den Anforderungen gewachsen und zuverlässig bei der Durchführung

  • Intensives Training der notwendigen Fähigkeiten (Punktion des Shunts, Einstellen und Bedienen der Maschine)

  • Weitere Person, z. B. nahe Angehörige, können zur Assistenz ausgebildet werden

  • Raum zur Durchführung der Dialyse mit Wasser- und Elektroanschluss und Lagerung von Geräten

  • Ärzte und Pflegende in Bereitschaft, kompetente Ansprechpartner bei Schwierigkeiten, z. B. Fehlpunktion, Shuntverschluss, Betriebsstörung der Maschine

Vorteile
  • Flexible Termingestaltung

  • Berufstätigkeit weiter möglich

  • Dialyse alle 2 Tage ohne Wochenendpause

  • Geringere Morbidität und Mortalität

Peritonealdialyse (PD)
Intrakorporales Blutreinigungsverfahren zur PeritonealdialyseNierenersatztherapie, bei der das Bauchfell (Peritoneum) als (halb-)durchlässige Membran dient und so das Blut reinigt.
Prinzip
Die häufigsten Verfahren sind:
  • Kontinuierliche ambulante PD (CAPD) ohne maschinelle Unterstützung

  • Kontinuierliche zyklische PD (CCPD) mit maschineller Unterstützung, auch über Nacht möglich

Das Prinzip beruht auf dem Effekt, dass das Peritoneum des Patienten als Dialysemembran verwendet wird. Dabei werden üblicherweise ca. 2–3 l einer Dialyselösung über einen permanenten Dialysekatheter in den Bauchraum eingebracht. Aufgrund eines Konzentrationsgefälles treten die Substanzen aus der Blutbahn über das Peritoneum in die Dialyseflüssigkeit über. Gleichzeitig kann auch Flüssigkeit entzogen werden. Nach einer gewissen Zeit wird die so mit verschiedenen Stoffen angereicherte Dialyseflüssigkeit wieder entfernt (Abb. 6.14).
Vorteile
  • Kontinuierliche und schonende Dialyse über 24 Std.

  • Keine Maschinen (CAPD), keine Gefäßpunktion

  • Trinkmengen und Diätvorschriften sind weniger streng im Vergleich zur Hämodialyse

  • Blutdruckabfall und Muskelkrämpfe sind selten

  • Kontrolluntersuchung nur alle 4–6 Wochen im Dialysezentrum

  • Bei APD, mithilfe von Geräten:

    • Tagsüber nur ein Beutelwechsel nötig

    • Durchführung nachts mit 10–15 l Spüllösung

Nachteile
Auftreten von Infektionen, verursacht durch Hautkeime → Behandlung mit Antibiotika (7.9.1).
Durchführung
Kathetereinpflanzung stationär inkl. Schulung, weitere Durchführung ambulant.
  • PD-Katheter liegt in der Bauchhöhle, Spitze im Douglas-Raum (im kleinen Becken)

  • 2–3 l Spüllösung für 4–8 Std. in die Bauchhöhle einbringen

  • Ein- und Auslauf über spezielles Beutelsystem und Ausnutzung der Schwerkraft

  • Wechsel der Spüllösung erfolgt 4- bis 5-mal täglich, Dauer ca. 40 Min.

  • Nötiges Material wird dem Betroffenen nach Hause geliefert

  • Verbandwechsel an Katheteraustrittstelle (4.6.1)

Beutelwechsel
Material:
  • Mundschutz

  • Desinfizierende Seife

  • Frisches Handtuch oder Einmalhandtuch

  • Flächendesinfektionsmittel

  • Händedesinfektionsmittel

  • Neuer Beutel

  • Falls nötig, neue Verschlusskappe

  • Schlauchklemme

Durchführung (Abb. 6.15) bei den einzelnen Herstellern unterschiedlich, sollte erst nach einer entsprechenden Einweisung durchgeführt werden.
Komplikationen
  • Peritonitis: Einhalten der Hygienevorschriften hält das Risiko einer Infektion geringer

  • Infektionen an der Kathetereinstichstelle durch Hautkeime → Antibiotikatherapie (7.9.1), stationäre Erneuerung des Kathetersystems bei wiederkehrenden Infekten

Informationen für den Betroffenen
  • Proteinverlust während der Dialyse → ausreichend Eiweißzufuhr (2.5.4 und 2.5.52.5.42.5.5)

  • Größere Infektionsgefahr → beim Baden Katheteraustrittstelle abdecken (beim Duschen nicht nötig). Schwimmen in öffentlichen Bädern nicht empfehlenswert

  • Eng sitzende Hosen und Röcke meiden

  • Sportarten mit Beteiligung der Bauchmuskulatur meiden

  • Pflegebedürftigen zum selbstständigen Beutelwechsel motivieren und anleiten

  • Grundsätze der Diät beachten: eiweiß- und elektrolytkontrolliert, hochkalorisch, kohlenhydrat- und ballaststoffreich

  • Auf Haut- und Mundpflege achten

  • Zusammen mit dem behandelnden Arzt: Information über Behandlung, Transplantationsaussichten, Komplikationen, Medikamentenwechselwirkung

  • Selbstdiagnostik: RR-Kontrolle, Gewichtskontrolle, Ödeme, Urinausscheidung

Beobachten und Dokumentieren

  • Zugeführte und abgelassene Flüssigkeit (abgelassene Menge ist größer als die zugeführte Menge)

  • Beschaffenheit der Ablaufflüssigkeit → Trübung, Symptome einer Peritonitis

  • Kathetereintrittstelle: Entzündungszeichen, Sekret, Druckschmerz

Nierensteine

Anja Palesch
Nierensteinleiden (Nephrolithiasis): NierensteineSteinbildung in den ableitenden Harnwegen mit NephrolithiasisSchmerzanfällen (Nierenkoliken).
Ursachen
Entstehung nicht Nierenkolikbekannt. Begünstigende Faktoren sind zu hohe Konzentrationen bestimmter kristallbildender Harninhaltsstoffe.
Symptome
  • Nierenkolik durch Einklemmung eines Steins:

    • Stärkste, krampfartige, wellenförmig auftretende Schmerzen

    • Bewegungsdrang während der Kolik

    • Schmerzausstrahlung je nach Steinlokalisation

  • Übelkeit, Erbrechen

  • !

    Nicht jeder Stein verursacht eine Kolik

Komplikationen
  • Entzündungen und Dauerschäden des Nierengewebes

  • Schrumpfniere

Therapie
  • Schmerzbehandlung mit Analgetika (7.3) in Kombination mit Spasmolytika

  • 80 % der Steine gehen spontan ab

  • 20 % gehen nicht ab, da sie zu groß sind → Therapieoption: extrakorporale Stoßwellenlithotripsie (ESWL)

  • Bei vergrößerter Prostata verbleiben abgehende Nierensteine in der Blase, Entfernung über Zystoskopie

  • Offene Operation nur sehr selten notwendig

Pflege
Temperaturkontrolle (2.3.9) nach Arztanordnung, auf Fieberzeichen und auf Frühzeichen einer Harnwegsentzündung achten.
Essen und trinken können
  • Viel trinken: 3–4 l/Tag (Kontraindikation beachten, z. B. Niereninsuffizienz)

  • Diät je nach Zusammensetzung der Nierensteine, über Ernährungsvorschriften informiert der behandelnde Arzt, z. B.:

    • Kalziumphosphatsteine: wenig Milchprodukte, kochsalzarm

    • Kalziumoxalatsteine: wenig Milchprodukte, keine Zitrusfrüchte oder -säfte, kein Spinat, Rhabarber, Schokolade, Kakao, Mandeln, schwarzer Tee

    • Harnsäuresteine: wenig Fleisch (besonders Innereien), Spinat, Hülsenfrüchte

Bewegen und lagern
  • Bewegung ist hilfreich. Treppensteigen oder Hüpfen kann Steinabgang begünstigen

  • Wärmflasche, lokale Wärmeanwendung (4.11.2) wirkt entkrampfend

Ausscheiden
Nach ärztlicher Anordnung:
  • Urin auf Beigaben und Menge kontrollieren, pH-Wert mittels Indikatorpapier bestimmen

  • Urin-pH-Veränderungen: je nach Steinart medikamentös ansäuern oder alkalisieren

  • 24-Std.-Sammelurin, ggf. filtern (2.6.2)

Beobachten und Dokumentieren

  • Urin: Beigaben, Menge, pH-Wert, evtl. 24-Std.-Sammelurin

  • Konkremente im Urin

  • Trinkmenge

  • Schmerzen

  • Zeichen eines Harnwegsinfekts frühzeitig erkennen, Temperaturkontrolle

  • Ist die medikamentöse Therapie erfolgreich, oder ist eine ESWL bzw. operative Therapie notwendig?

Osteoporose

Anja Palesch
Generalisierte Knochenerkrankung mit Verminderung der Knochenmasse und erhöhtem Frakturrisiko.OsteoporoseUrsachen
Ursachen und Risikofaktoren
  • Genetische Faktoren, positive Familienanamnese

  • Östrogenmangel: späte Regelblutung, frühe Menopause, Eierstockentfernung, Amenorrhö

  • Ernährung: Mangelernährung, kalzium- und natriumarme Kost, hohe Phosphatzufuhr

  • Grunderkrankungen: Hyperthyreose, Hyperkortikolismus (Cushing-Syndrom), Diabetes mellitus, rheumatoide Arthritis, Tumoren, Untergewicht

  • Exogene Faktoren: geringe UV-Exposition, Medikamente, z. B. Schilddrüsenhormone, Glukokortikoide, Neuroleptika, Antidepressiva, Antiepileptika

  • Lebensführung: Übermäßiger Alkohol-, Nikotin- und Kaffeegenuss, Bewegungsmangel

Symptome
  • Witwenbuckel

  • Hautfaltenbildung am Rücken (Tannenbaum-Phänomen)

  • Ruhe- und Bewegungsschmerz in BWS und LWS

  • Gangstörung mit Schmerzen am Schambeinast und Ausstrahlung in die Adduktoren

  • Haltungsveränderungen:

    • Hohlrücken

    • Fixierte Schulter- und Kopfvorneigung

    • Verringerung der Körpergröße bis zu 20 cm

    • Maligne primäre Osteoporose: rasche Abnahme der Körpergröße um mehr als 30 cm

  • Starke Rückenschmerzen:

    • Klopf- und Stauchungsschmerzen der Wirbelsäule

    • Hyperlordoseschmerz

    • Lokalisierte Kreuz- und Rückenschmerzen nach Sturz und Spontanfraktur

  • Frakturen am Oberschenkelknochen

Komplikation Wirbelkörperbruch
Symptome
  • Stabiler Bruch: WirbelkörperbruchDruck-, Klopf- und Belastungsschmerz im betroffenen Wirbelabschnitt

  • Instabiler Bruch, d. h. Wirbelsäule durch Verletzung nicht mehr stabil, in sich verschieblich: Gefahr der Rückenmarkverletzung (Querschnittssyndrom, 6.67), SpontanschmerzWirbelkörperbruch

Vorsicht

Notfall: Wirbelkörperbruch

  • Bei Verdacht Notarzt verständigen

  • Bettruhe, Rückenlagerung, bei Atemproblemen Oberkörper leicht erhöht lagern

  • Dokumentation

Therapie
  • Evtl. frühzeitige Östrogensubstitution (Prävention)

  • Medikamentöse Therapie (7.10.2)

  • Schmerzlinderung durch Schmerzmittel, Massagen

  • Physikalische Therapie:

    • Schmerzlindernde Lagerung

    • Kälte bei akuten Schmerzen

    • Wärmeanwendung bei chronischen Schmerzen

Pflege
Essen und trinken können
OsteoporoseErnährungErnährungOsteoporoseAusreichender Verzehr von Milchprodukten → Kalziumzufuhr. Täglicher Kalziumbedarf 800 mg (1 l Milch, 100 g Hartkäse).
Kalziumlieferanten (Tab. 6.25): Joghurt, Milch, Käse, Grünkohl, Brokkoli, Lauch, Fenchel, Haselnüsse, Kräuter, kalziumreiches Mineralwasser (ca. 500 mg/l).
Zu meidende Lebensmittel: Alkohol, Cola, Wurst, Schweinefleisch, Spinat, Rhabarber, Kleie, Schmelzkäse
Sich waschen und kleiden können
  • Hilfe bei der Körperpflege und beim Kleiden je nach Beweglichkeit

  • Selbstständigkeit erhalten

  • Wenn nötig, Hilfe anbieten

Lagern und sich bewegen können
  • Schmerzfreie Lagerung

  • Hilfsmittel: Stehhilfe, elastisches Mieder (Anpassung im Sanitätshaus, ärztliche Verordnung)

  • So viel Bewegung wie möglich, Bewegung verhindert ein Fortschreiten der Erkrankung, z. B. Wandern, Schwimmen, Radfahren

Beobachten und Dokumentieren

  • Schmerzen

  • Einschränkungen der AEDL®

  • Beweglichkeit

  • Lähmungserscheinungen

  • Umgang mit Hilfsmitteln

Tipps und Tricks

  • Prävention muss früh (mit Menopause) einsetzen: Bewegung, Kalzium, evtl. Östrogengabe

  • Gabe von Östrogen muss genau abgewogen werden, da es zu Nebenwirkungen kommen kann, z. B. Anstieg des Blutdrucks oder Thrombosen; ausführliches Beratungsgespräch mit dem behandelnden Arzt vereinbaren

  • Bei akuten Schmerzattacken immer an Knochenbruch denken: Arzt benachrichtigen

Kontaktadresse
Netzwerk-Osteoporose e. V.
Ludwigstraße 22, 33098 Paderborn
Tel.: 05251 280586

Pankreaskarzinom

Anja Palesch
Meist im Pankreaskopf lokalisierter, sehr bösartiger TumorPankreaskarzinom. Wird oft erst spät entdeckt, hat daher meist schon metastasiert. Mittlere Überlebenszeit: 6 Monate.
Risikofaktoren und Ursachen
Die Ursachen sind weitgehend unbekannt.
Risikofaktoren:
  • Rauchen

  • Alkoholmissbrauch

  • Adipositas

  • Pankreaskarzinome in der Familienanamnese

  • Chronische Pankreatitis (6.60)

  • Andere Vorerkrankungen Polyposis, Mamma- und Ovarialkarzinome

Symptome
  • Am Anfang unspezifisch: Mattigkeit, Leistungsverminderung

  • Später: Schmerz, Gewichtsverlust, Oberbauchbeschwerden, Verdauungsstörungen

  • Verschlussikterus

Therapie
  • Operation und anschließende Chemotherapie, ggf. Bestrahlung

  • Schmerzmittel

  • Palliativ-OP: Drainage der Gallenwege

  • Ggf. Insulintherapie bei eingeschränkter Pankreasfunktion (B-Zellen)

Pflege
  • Grundsätze der onkologischen Pflege beachten (5.2)

  • Bei palliativ operierten Pflegebedürftigen besonders auf die Sterbesituation eingehen (5.8)

  • Schmerzbekämpfung (7.3)

  • Ernährung:

    • Alkoholkarenz

    • Fettarme Kost, Diabetes-Diät

    • 6–8 kleine Mahlzeiten

    • Zu vitamin- und proteinreicher Nahrung raten

Pankreatitis, chronische

Anja Palesch
Kontinuierlich oder in PankreatitisSchüben fortschreitende Entzündung der Bauchspeicheldrüse mit zunehmendem Verlust der endokrinen und exokrinen Pankreasfunktion.
Ursachen
  • In ca. 75 % der Fälle durch Alkoholmissbrauch verursacht

  • Selten: genetische Disposition, Autoimmunerkrankung

  • Risikofaktoren: Hyperthyreose, Diabetes mellitus

Symptome
  • Wiederholte Schmerzen im Oberbauch, in den Rücken ausstrahlend. Mit zunehmender Krankheitsdauer abnehmende Schmerzen

  • Nahrungsunverträglichkeit: nach fetten Mahlzeiten und Alkohol häufig Übelkeit, Erbrechen, Schmerz

  • Später: Diabetes mellitus, Maldigestion, Kachexie und Fettstühle

Therapie
  • Alkohol- und Tabakabstinenz

  • Schmerzbekämpfung (7.3)

  • Bei exokriner Insuffizienz Enzymsubstitution zu den Mahlzeiten

  • Bei endokriner Insuffizienz Insulintherapie (7.7.1)

  • Bei Anzeichen einer Mangelernährung Substitution von Vitaminen und Spurenelementen

  • Bei akutem Schub Krankenhauseinweisung

  • Bei Stenosen ggf. operative Behandlung

Pflege
  • Linderung der Schmerzen durch Knierolle → Entlastung der Bauchdecke

  • Empfehlen, häufig kleine Mahlzeiten einzunehmen: eiweiß- und kalorienreich; fettarme Ernährung ist nicht angezeigt.

  • Pflegebedürftigen motivieren, damit er krankheitsbedingte Einschränkungen bewältigen kann

  • Nach Möglichkeit Alkoholkarenz, ggf. Unterstützung vermitteln

Tipps und Tricks

  • Ein Diabetes mellitus bei Pflegebedürftigen mit Pankreasinsuffizienz darf nicht mit Nahrungseinschränkung behandelt werden: Sie sind meist unterernährt.

  • Der jahrelange Krankheitsverlauf kann hauptsächlich durch Alkoholabstinenz positiv beeinflusst werden.

Phimose und Paraphimose

Anja Palesch
Phimose: PhimoseFortbestand der (bei 96 Prozent aller Jungen) angeborenen Vorhautverengung (primäre Phimose) oder durch Entzündungen erworbene Vorhautverengung (sekundäre Phimose).
ParaphimoseParaphimose: Schnürringbildung hinter der Eichel durch zu enge Vorhaut.
Ursachen
  • Primäre Phimose: Ursache unbekannt; angeborene physiologische Vorhautverengung bildet sich im Wachstumsverlauf nicht zurück

  • Sekundäre Phimose: narbige Fixierung der physiologischen Verengung durch vermehrte Entzündungen des Penis (Infektionen, chronisch-entzündliche Hauterkrankungen/Balanitis) oder Traumata (Versuche, die Vorhaut zu retrahieren)

Symptome
  • Schwellung, Verengung der Vorhaut

  • Störungen beim Wasserlassen, Erektionsstörungen

Komplikation Balanitis
EntzündungBalanitis von Eichel und Vorhaut, Folge von bakteriellen oder Pilzinfektionen, chronischen Hauterkrankungen, mangelnder oder übertriebener Intimhygiene.
Symptome:
  • Rötung, Juckreiz, Schmerzen an Eichel und Vorhaut

  • Übel riechender Ausfluss

Therapie
  • Balanitis: bei bakteriellen Infektionen ggf. Antibiotikatherapie (7.9.1)

  • Phimose: lokale Therapie mit Glukokortikoiden, bei Nichtansprechen oder hochgradiger Verengung, Störungen der Harnentleerung und Entzündungen von Eichel und Vorhaut (Balanitis) → OP, Erweiterung der Vorhaut (Zirkumzision)

  • Paraphimose: Reposition unter Analgetikagabe, bei starker Vernarbung anschließend Zirkumzision

Operationsnachsorge und Pflege
  • Bei Schwellung → Penis hochlagern

  • Vorhautverklebungen verhindern → ab 2.–3. Post-OP-Tag Kamillensitzbäder (nach Arztanordnung)

  • Bis 3 Wochen nach OP kein Geschlechtsverkehr

  • Korrekte Genitalhygiene: Waschen des Penis, Vorhaut zurückziehen und die Furche zwischen Eichel und Vorhaut gründlich reinigen

Pilzerkrankungen (Mykosen)

Anja Palesch
Befall der Haut und PilzerkrankungenMykoseInfektionPilzerkrankungenSchleimhaut mit Pilzen in großer Anzahl, besonders im Genitalbereich, in Hautfalten und an den Füßen (Zehenzwischenräume, Nägel).
Ursachen
  • Vermehrung der Pilze auf feuchter Haut durch Schwitzen (ungenügende Hygiene), auch durch übertriebene Hygiene kommt es zur Zerstörung des natürlichen Säureschutzmantels der Haut

  • Vaginalpilz: begünstigende Faktoren sind Schwangerschaft, Antibiotika

  • Speiseröhrensoor: besonders bei Menschen mit Immunschwäche, z. B. AIDS

  • Mundsoor, z. B. nach Behandlung mit Asthmaspray, nicht-oraler Nahrungszufuhr

Symptome
  • Haut-/Fußpilz:

    • Juckreiz

    • Rote bis weiße Hautbeläge

    • Risse zwischen den Zehen

    • Hautablösung an den Füßen

    • Schuppen auf der Kopfhaut

  • Nagelpilz: Nägel verfärben sich gelblich, sind brüchig und verdickt

  • Vaginalpilz: weißlich flockiger Ausfluss, starker Juckreiz, Brennen

  • Mundsoor: weiße Beläge auf der Mundschleimhaut

Therapie
  • Gabe von Antimykotika

  • Förderung der intakten Haut/Schleimhaut, z. B. durch fettende Salben oder adäquate Hautpflege

Pflege
  • Pilzbefallene Körperstellen immer zuletzt waschen oder Wasser, Waschlappen und Handtuch wechseln

  • Kleidungsstücke und Textilien, z. B. Waschlappen, Handtücher, Unterwäsche oder Socken, die mit der infizierten Haut in Kontakt sind, bei 90 °C waschen

  • Ggf. Verwendung von Einmalwaschlappen

  • Genaues Einhalten der Behandlungsdauer

  • Bei Pilzbefall im Genitalbereich Partner mitbehandeln

Prävention
Pilzinfektion begünstigende Faktoren
  • Prädestinierte Hautpartien z. B. unter der weiblichen Brust, Hautfalten bei Übergewicht (tiefe Bauch-Leisten-Falte), sonstige Hautfalten und Zehenzwischenräume

  • Betroffener schwitzt leicht, mangelnde Beweglichkeit

  • Nach Antibiotikatherapie, z. B. bei Vaginalpilz

Vermeidung erneuter Pilzinfektion
  • Hautfalten nach dem Waschen immer gut trocknen

  • Hautfalten trocken halten, z. B. dünne Mull- oder Baumwolllappen in die Hautfalten einlegen

  • Zuckerreiche Ernährung kann Pilzwachstum fördern

  • Soorprophylaxe: für intakte und feuchte Mundschleimhaut sorgen

  • Betroffenen zur regelmäßigen Haut- und Schleimhautbeobachtung auffordern

Beobachten und Dokumentieren

  • Welche Hautstellen sind betroffen? Juckreiz? Schmerzen?

  • Seit wann treten Symptome auf?

  • Welche Maßnahmen wurden bisher durchgeführt?

  • Wurde ein Abstrich der betroffenen Hautstelle durchgeführt?

  • Spricht die Behandlung mit Antimykotika an?

  • Ist eine regelmäßige Anwendung von Antimykotika möglich?

  • Sind Wirkungsweisen und Nebenwirkungen bekannt?

  • Treten Nebenwirkungen auf?

Pneumonie/Lungenentzündung

Anja Palesch
Entzündung des Lungengewebes. In Deutschland die häufigste zum Tode führende LungenentzündungInfektionskrankheit.
Atmung 2.3.5, Prophylaxe 3.7.
Ursachen und Risikofaktoren
Infektiöse oder allergische Geschehen oder eine physikalisch-chemische Einwirkung können eine Pneumonie verursachen.
Risikogruppen
  • Ältere und Abwehrgeschwächte

  • Langjährige Raucher

Risikofaktoren
  • Mangelnde Belüftung der Lungen durch Bettlägerigkeit und Immobilität

  • Bestehende Atemwegserkrankungen

  • Schlechte Mundhygiene

  • Herzerkrankungen → führen zu mangelnder Durchblutung der Lungen

Symptome
Typische Pneumonie
  • PneumonieSymptomePlötzlicher Beginn, innerhalb von 12–24 Std. schweres Krankheitsbild

  • Hohes Fieber, oft mit Schüttelfrost; Husten evtl. mit eitrigem Auswurf und Blutbeimengungen, rötlich-braunes Sputum

  • Schmerzen beim Atmen, Thoraxschmerzen bei Beteiligung des Brustfells

  • Flache und beschleunigte Atmung („Nasenflügeln“)

  • Tachykardie, Hypotonie

  • Vermehrtes Schwitzen

  • Zyanose bei ausgedehnter Pneumonie

Atypische Pneumonie
Beim alten Menschen oft nur untypische Zeichen:
  • Schwäche / Schlechtes Allgemeinbefinden

  • Atembeschwerden

  • Desorientiertheit durch mangelnde O2-Versorgung des Gehirns

  • Uncharakteristischer Husten

  • Geringe Temperaturerhöhung, Fieber unter 39 °C

  • Nur leicht beeinträchtigtes Allgemeinbefinden → oft leicht mit einer Grippe zu verwechseln

Vorsicht

  • Bei Fieber, Husten, Auswurf, Schmerzen beim Atmen immer an Pneumonie denken und sofort Arzt verständigen

  • Dokumentieren, wann und wie oft welche Symptome auftreten

Komplikationen
Sepsis, Kollaps, Schock, toxisches Kreislaufversagen, Herzinsuffizienz, Lungenabszess (eitrige Einschmelzung des Lungengewebes), Bronchiektasenbildung, Pleuraerguss, Pleuritis, Thrombose, Lungenembolie.
Therapie und Pflege
  • BettruhePneumoniePflege in akuter Phase; mit Hausarzt absprechen, ggf. Krankenhauseinweisung

  • Medikamente (Antibiose, Hustenlöser)

  • Inhalation

  • Atemunterstützende Maßnahmen:

    • Atemerleichternde Lagerungen: abwechselnd Oberkörperhochlagerung, V-Lagerung, T-Lagerung, Dehnlage, Seitenlage (2.3.6)

    • Zum produktiven Abhusten anleiten und dabei unterstützen (2.3.6)

    • Falls möglich, Sekret absaugen (4.7.3)

    • Atemgymnastik nach Absprache mit Physiotherapeuten

    • Falls möglich, nach ärztlicher Anordnung O2-Gabe (2.3.7) bei Luftnot und Zyanose

    • Sekret lösen: Medikamente (7.5.2), Brustwickel (4.11.3), rhythmische Einreibung (3.7.2), vorsichtige manuelle Vibrationsmassage am Thorax (2.3.6) mehrmals täglich, Luft befeuchten (Ultraschallvernebler), Inhalationen auf Arztanordnung

  • Prophylaxen (3) durchführen, z. B.

    • Atemgymnastik

    • Atemunterstützende Lagerung

    • Sekretlockerung

    • Sekretauswurf

    • Anfeuchten der Atemluft, ausreichend Frischluft

    • Evtl. Sekret absaugen

    • Inhalation, ggf. Applikation von Medikamenten (nach Verordnung durch den Arzt)

    • Frühmobilisation

    • Brustwickel (4.11.3)

    • Mobilisation nach individuellem Stufenplan und Arztabsprache

Sich waschen und kleiden
  • Bei Fieber (2.3.9), Schüttelfrost und starkem Schwitzen regelmäßig Kleidung und Bettwäsche wechseln, lockere Baumwollkleidung

  • Pflegebedürftigen nicht überanstrengen, das Waschen auf Grundhygiene und lauwarme Abwaschungen beschränken

Essen und trinken können
  • Leichte, vitamin- und kohlenhydratreiche Kost; Pflegebedürftiger soll essen, was ihm schmeckt

  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Flüssigkeitsbilanz (2.6.11)

Beobachten und Dokumentieren

  • Regelmäßig Temperatur (2.3.9)

  • RR und Puls (2.3.2)

  • Haut (2.4.12)

  • Atmung (2.3.5)

  • Sputum: Ist Abhusten möglich, Farbe, Konsistenz, Menge, Geruch, Beimengungen?

  • Ausscheidung beobachten: Schweiß, Urin, Stuhl, Sputum

  • Allgemeinbefinden

Tipps und Tricks

  • Sputum ist immer als infektiös anzusehen: Handschuhe beim Umgang mit Sputum anziehen, Wegwerfbehälter mit Deckel verwenden (1.6.3)

  • Konsequente Atemtherapie: Inhalation, Atemgymnastik, Lagerungen, produktives Abhusten → trägt entscheidend zur Genesung bei → auf die Motivation des Pflegebedürftigen besonderen Wert legen

(Poly-)Neuropathien (PNP)

Anja Palesch
Nicht Polyneuropathieverletzungsbedingte Erkrankung eines oder mehrerer Neuropathieperipherer Nerven mit möglicher Beeinträchtigung sensibler, motorischer und vegetativer Nerven.
Ursachen
  • Aufnahme toxischer Substanzen, z. B. Alkohol, Arzneimittel oder Gifte

  • Mögliche Grunderkrankungen:

    • Infektionskrankheiten, z. B. Diphtherie

    • Stoffwechselerkrankungen, z. B. Diabetes mellitus, Niereninsuffizienz, Gicht

    • Onkologische Erkrankungen, z. B. Malignom, Bronchialkarzinom

    • Hämatologische Erkrankungen

    • Mangel- und Fehlernährung, Resorptionsstörungen, z. B. Vitamin-B12- oder Folsäuremangel.

Symptome
  • Sensibilitätsstörungen und Parästhesien, meist symmetrischer Ausprägung, eher körperferne Abschnitte, eher untere Extremitäten, socken- oder handschuhförmige Verteilung. Beschwerden: Kribbeln, überall an den Beinen („Ameisenlaufen“), taube Füße („wie Eis“)

  • Koordinationsstörungen

  • Muskelzittern, Muskelkrämpfe

  • Periphere, schlaffe Lähmungen mit Muskelatrophie, verminderte oder fehlende Reflexe

  • Sind vegetative Nerven beteiligt: trophische Hautveränderungen bis zum Ulkus, verminderte Schweißsekretion, Magen-, Blasen- und Darmentleerungsstörungen, Blutdruckregulationsstörungen

  • Starre Herzfrequenz, keine adäquate Pulsanpassung

Therapie
  • Je nach auslösender Ursache: Schmerzmittel, Physiotherapie, Krankengymnastik, bei immunvermittelter Neuropathie Plasmapherese, Immunglobuline, Glukokortikoide

  • Elektrische Nervenstimulation

Pflege
An Beschwerden und betroffenen Nerv angepasst:
  • Diabetes mellitus einstellen und überwachen

  • Prophylaxen durchführen (3)

  • Für ausreichend Bewegung sorgen, Betroffenen dazu ermuntern

  • Physiotherapie: Wärmeanwendung, Bäder, Alltagsbewegungen üben

  • Ergotherapie: Verbesserung der Feinmotorik

Beobachten und Dokumentieren

  • Empfindungsstörung

  • Muskelschwäche

  • Inkontinenz (2.6.3 und 2.6.62.6.32.6.6)

  • Schmerzmittel(neben-)wirkungen

Prostatahypertrophie

Anja Palesch
Vergrößerung der Prostata. Folgen: Verengung der ProstatahypertrophieHarnröhre und damit Harnabflussstörungen. Mehr als die Hälfte aller Männer > 50 Jahre sind betroffen.
Ursache
Das Verhältnis zwischen Testosteron und Östrogen ist zugunsten der Östrogene verschoben.
Symptome
  • Abschwächung des Harnstrahls („nur noch bis zur Schuhspitze“)

  • Verzögerter Beginn beim Wasserlassen; „Drücken“, um Blase zu entleeren

  • Wegen unvollständiger Blasenentleerung häufiger Harndrang, auch nachts

  • Nachtröpfeln von Urin

  • Restharn führt zu Harnwegsinfekten

  • Schließlich Rückstau des Harns mit Erweiterung des Harnabflusssystems und Nierenschädigung

  • !

    Gefahr des akuten Harnverhalts: Plötzlicher Verschluss des Blasenausgangs. Kann jederzeit auftreten (Katheterisieren, 4.6.2).

Therapie und Pflege
  • Medikamentöse Therapie, ggf. Operation

  • Bei geringer Ausprägung (keine Hinweise auf Restharn und Harnverhalt) zunächst Lebensstil-Änderungen:

    • Regulierung der Darmtätigkeit durch ballaststoffreiche Kost (2.5.4)

    • Reizung der Blasenschleimhaut, z. B. durch Kälte, vermeiden

    • Diuretisch wirkende Substanzen und Lebensmittel, z. B. Alkohol, Kaffee, scharf gewürzte Speisen, vermeiden

    • Unterleib warm halten

    • Sorgfältige Intimpflege

    • Für ausreichende Flüssigkeitszufuhr (2.5.6) sorgen, Betroffene trinken wegen des Harndrangs oft nicht genug

  • Katheterisierung nach Arztanordnung (4.6.2)

Psoriasis

Anja Palesch
SchuppenflechteSchuppenflechte: chronisch, meistPsoriasis schubförmig verlaufende Hauterkrankung mit genetischer Anfälligkeit; gekennzeichnet durch gesteigerte Zellneubildung der Oberhaut mit Verhornungsstörungen und Entzündung.
Ursachen
Zusammenspiel genetischer Faktoren und exogener Auslöser, z. B. Medikamente, Infektionen oder Verletzungen der Haut.
Symptome
Allgemein
Schuppenflecht-Herde, meist an den Streckseiten der Extremitäten:
  • Punktförmig bis handtellergroß (bei chronischem Verlauf)

  • Entzündlich gerötet, scharf begrenzt

  • Symmetrisch auf beiden Körperseiten verteilt

  • Von silbrig glänzenden Schuppen bedeckt

  • Keine Schmerzen

An den Nägeln
  • Tüpfelnägel (grübchenförmige Einsenkungen)

  • Ölflecken (gelbliche Verfärbungen)

  • Krümelnägel (vollständige Zerstörung der Nagelplatte)

Komplikation
Befall des ganzen Körpers, lebensbedrohlicher Verlauf
Therapie
Symptomatische Therapie:
  • Basistherapie: Beseitigung der Schuppenauflagerung mit Salicylsäure- und Harnsäurepräparaten

  • Anschließend Therapie mit Pharmaka und/oder UV-Bestrahlung:

    • Dithranolhaltige Salben (siehe unten)

    • Alternativ Calcipotriol

    • Calcineurininhibitoren

    • Vitamin D3-Derivate

    • Teerhaltige Salben oder Teerölbäder (siehe unten)

    • Glukokortikoide, evtl. unter Okklusivverband (7.13)

  • UVB-Lichttherapie

  • Photochemotherapie (PUVA)Photochemotherapie (PUVA): Psoralene (lichtsensibilisierende Substanz) plus Bestrahlung mit langwelligem UV-Licht

  • Bei mittelschweren und schweren Verläufen Therapie mit monoklonalen Antikörpern, Ciclosporin, Retinoiden, Fumaraten, Methotrexat

Pflege
  • Auslösende Faktoren meidenHautpflegePsoriasis

  • Beengende Kleidung, Chemikalien, Sonnenbrand, starke Hautaustrocknung meiden

  • Haarpflege mit mildem Shampoo

  • Hautreinigung mit milden, reizarmen Hautpflegemitteln aus künstlichen Tensiden

  • Haut mit Salben und Ölbädern rückfetten

  • !

    Tipp: 1 TL Olivenöl oder Weizenkeimöl auf ein Glas Milch ins Badewasser

Essen und trinken können
  • Übergewicht vermeiden, ggf. Ernährungsumstellung zur Gewichtsreduktion

  • Verzicht auf Alkohol

Pflege bei ambulanter Dithranoltherapie
  • Durchführung nach Arztanordnung: Creme auftragen, nach definierter Zeit wieder abwaschen

  • Vorsicht: Haut und Kleidung können sich violett-braun verfärben → alte Kleidung tragen

Pflege bei Teerbehandlung
  • Vorsicht: unangenehmer Geruch und schwarze Farbe → alte Kleidung, Handtücher und Bettwäsche

  • Während der Behandlung ausreichende Raumtemperatur schaffen, Frieren verhindern

  • Durchführung: Teersalbe mit dem Spatel dünn auftragen, mit Schlauchverband oder Baumwolltuch abdecken, nach Einwirkzeit mit Ölbad entfernen, zum Abtrocknen alte Handtücher verwenden. Evtl. anschließend UV-Bestrahlung

  • Teerhaltige Bäder sind juckreizhemmend

Pflege bei PUVA-Therapie
  • Nach Einnahme von lichtsensibilisierender Substanz → 12 Std. spezielle PUVA-Sonnenbrille (mit seitlichem Lichtschutz) tragen

  • !

    Betroffene Haut ist extrem empfindlich → 4 Std. nach der Behandlung UV-Strahlung meiden, Verbrennungsgefahr

Informationen für den Betroffenen
  • Infektionen, Gewichtszunahme können den Krankheitsverlauf verschlechtern

  • Starke Sonneneinstrahlung und mechanische Hautreizungen vermeiden

  • Stresssituationen abbauen, z. B. durch Yoga, tägliche Bewegung, regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus

Beobachten und Dokumentieren

  • Regelmäßige Anwendung der verordneten Pflegemittel → Erfolg der Therapie

  • Nebenwirkungen von Medikamenten

  • Veränderungen der Haut

  • Juckreiz

  • Verringerung oder Ausdehnung der betroffenen Hautstellen

Kontaktadresse
Deutscher Psoriasis Bund e. V.
Seewartenstraße 10, 20459 Hamburg
Tel.: 040 223399-0

Querschnittslähmung

Anja Palesch
TetraplegieTetraplegie: Querschnittslähmungvollständige Lähmung aller 4 Extremitäten, z. B. bei Verletzung oberhalb des 6. Halswirbels.
Paraplegie: Verletzung des Rückenmarks unterhalb des 1. Brustwirbels. Lähmung der unteren Extremitäten (Arme beweglich).
Ursachen
  • Wirbelfrakturen, meist nach Verkehrsunfall

  • Tumoren und Metastasen

  • Hämatome und Abszesse

  • Entzündungen des Rückenmarks (Myelitis), häufig aufgrund bakterieller oder viraler Entzündungen

  • Autoimmunerkrankungen

Symptome
Anfangs schlaffe Lähmung der betroffenen Skelettmuskulatur, später:
  • Beidseitige schlaffe Lähmung auf Höhe des geschädigten Rückenmarks. Spastische Lähmung und Sensibilitätsstörungen unterhalb des betroffenen Rückenmarks durch Schädigung der absteigenden Pyramidenbahnen

  • Völliger Sensibilitätsverlust unterhalb des betroffenen Rückenmarksabschnitts

  • Lähmungsbedingte Magen-Darm-Störungen

  • Lähmungen von Blase und Mastdarm

  • Sexuelle Funktionsstörungen

Komplikationen
Aufsteigende Harnwegsinfekte, Dekubitus, Kontrakturen, Obstipation, Thrombose, Osteoporose, spinaler Schock, Sensibilitätsverlust, Bradykardie, hypertensive Krise, Atemstörungen: bei Tetraplegie mit Verringerung des Atemzugvolumens bis hin zur Unfähigkeit, eigenständig zu atmen (Heimbeatmung, 5.5.2).
Therapie und Pflege
  • Wenn möglich, Ursachenbehandlung: Tumorentfernung/Bestrahlung, Antibiotika- bzw. antivirale Therapie, Physiotherapie

  • Chirurgische Dekompression

  • Durchführung aller Prophylaxen (3): Obstipations-, Kontrakturen-, Pneumonie-, Thrombose-, Dekubitus-, Osteoporoseprophylaxe

  • Unterstützung bei allen AEDL®, je nach Befinden des Betroffenen

  • Blasen- und Darmtraining, ggf. Anleitung zur Selbstkatheterisierung

  • Ggf. Atemtherapie

  • Temperaturregulierungsstörungen durch Bäder und Wickel verhindern

  • Psychische Betreuung des Pflegebedürftigen und seiner Angehörigen

  • Regelmäßige Physiotherapie und Reha

Mobilisation
FrühphaseMobilisationTetraplegie im Krankenhaus: 3–4 Wochen
Spätphase:
  • Training zur Selbstständigkeit

  • Aufrichten im Bett

  • Umsteigen auf den Rollstuhl (2.2.6)

  • Stehen im Stehbrett:

    • Kreislaufstabilisierung

    • Förderung der Nierenfunktion

    • Osteoporoseprophylaxe

  • Rollstuhltraining

  • Ergotherapie

Tipps und Tricks

  • Sensible, nicht versorgte Hautbezirke sind besonders dekubitusgefährdet

  • Rollstuhlgerechte Wohnungen durch Wohnungsanpassung, evtl. ist Wohnungswechsel nötig

Rheuma (entzündliches Gelenkrheuma)

Anja Palesch
RheumaKrankheitsbildBezeichnet im Allgemeinen Beschwerden am Stütz- und Bewegungsapparat mit fließenden, reißenden und ziehenden Schmerzen (von griech. „rheo“: ich fließe). Diese treten oft in Kombination mit funktioneller Einschränkung auf. Die medizinisch korrekte Bezeichnung für Rheuma lautet „Krankheiten des rheumatischen Formenkreises“.
Formen und Ursachen
Formen: Primär chronische PolyarthritisPolyarthritis (PCP), rheumatoide ArthritisArthritis, rheumatoide, Gelenkrheumatismus.
Ursachen: Autoimmunreaktion, Viren, Bakterien, genetische Faktoren.
Symptome
  • Gelenkschmerzen und Schwellung

  • Überwärmung, Bewegungseinschränkung

  • Häufig grippeähnliche Symptome

Vorsicht

Ein Morgenschmerz über 30–60 Min. ist immer verdächtig für eine entzündlich-rheumatische Grunderkrankung.

Therapie
Systemisch medikamentös:
  • Nichtsteroide Antirheumatika (7.3.2)

  • Glukokortikoide (7.13)

  • Basistherapeutika (DMARD, 7.10.1)

  • Analgetika

Pflege
Zusammenarbeit mit ErgotherapeutenRheumaPflege.
Sich bewegen können und lagern
  • Gelenke in physiologischer Mittelstellung lagern

  • Kontrakturenprophylaxe (3.5): 2-mal täglich, passive, assistierende oder aktive Bewegungsübungen

  • Vor Bewegung Wärme zuführen, z. B. warmes Handbad gegen Morgensteifigkeit der Hände oder morgens warm duschen

  • Gelenke nicht überlasten, Ruhepausen einlegen

Sich pflegen können
  • Unbeweglichkeit, Kraftlosigkeit und Schmerzen erschweren die Körperpflege

  • Tourenplan absprechen. Körperpflege ggf. nachmittags oder nach Tabletteneinnahme → weniger Beschwerden

  • Hilfestellung beim Duschen, Hilfe beim Transfer in und aus Wanne/Dusche

  • Griffverlängerungen oder -verdickungen, z. B. an Zahnbürste, Kamm und Rasierapparat → verbesserter Sitz in der Hand → Selbstständigkeit erhalten

  • Klettverschlüsse statt Knöpfe und Riemen an Kleidung und Schuhen

  • Rutschfeste, trittsichere Schuhe

  • Nachthemden, Blusen und Hemden mit weitem Halsausschnitt oder leicht zu öffnendem Verschluss

  • Pflegebedürftigen ermutigen, der Körperpflege wie gewohnt nachzugehen, auch z. B. Kosmetika, Parfüm

  • Kleidung zweckmäßig, aber im gewohnten Stil auswählen, auch wenn Pflegebedürftiger das Haus nicht verlässt

Essen und trinken können
  • Selbstständigkeit möglichst erhalten, nur so viel Hilfe wie nötig anbieten

  • Zusammenarbeit mit Ergotherapeuten

  • Sind die Hände betroffen, Hilfsmittel einsetzen (2.5.3)

  • Flaschenverschlüsse, Joghurtbecher, Marmeladenglas für den Betroffenen öffnen. Hilfsmittel einsetzen: spezielle Gummilappen, Gummikappen erleichtern das Öffnen

  • Getränke in leicht zu handhabende Gefäße umfüllen

  • Trinkbecher mit spezieller Griffmulde (2.5.3)

  • Bei Bedarf Brot oder Fleisch schneiden

  • Bei Appetitlosigkeit zusammen mit den Angehörigen Wünsche beim Einkaufen und Kochen berücksichtigen

Ausscheiden können
  • Toilettenerhöhung erleichtert das Setzen und Aufstehen

  • Mangelnde Beweglichkeit:

    • Feuchtes Toilettenpapier erleichtert die Reinigung

    • Hilfe bei der Intimpflege anbieten

    • Bei Verschmutzungen regelmäßig Wäsche wechseln

Ruhen und Schlafen können
  • Schmerzmedikation möglichst spät abends, Einnahme jedoch nicht im Liegen → verzögerte Tablettenpassage → Schleimhautschäden der Speiseröhre

  • Leichte Decke → verhindert Druckschmerz

  • Wärme wirkt schmerzlindernd → warme Nachtbekleidung, durch Wärmflasche Bett anwärmen

Für Sicherheit sorgen
  • Sturzprophylaxe (3.9)

  • Im Bad trockene Böden, rutschfeste Unterlagen

  • Toilettensitzerhöhung

  • Stolperfallen beseitigen, herumliegende Gegenstände aufräumen

  • Platz für hindernisfreien Transfer schaffen

  • Auf sicheren Umgang mit Hilfsmitteln achten, Roll- bzw. Toilettenstuhlbremsen überprüfen

  • Haltevorrichtungen für Stöcke und Gehstützen

  • Haltegriffe entlang der Wände in allen Räumen der Wohnung, die regelmäßig genutzt werden

  • Festes Schuhwerk mit rutschfesten Sohlen

  • Verlängerungen für Lichtschalter (Vorsicht: Stolperfallen!), leichtes Erreichen der Fernbedienung für Licht, Radio und Fernseher

Sich beschäftigen können und Sinn finden
  • Fortschreitende Erkrankungen → Berufs- und Erwerbsunfähigkeit

  • Zusammenarbeit mit Ergotherapie und Angehörigen → neue Freizeit- und Lebensplanung notwendig

  • Chronische Schmerzen führen zu depressiver Stimmung → Absprache mit dem Arzt, wirksame Schmerzmitteleinstellung

Beobachten und Dokumentieren

  • Welche Beschwerden treten wann auf, z. B. Schmerzen, Schwellung, Bewegungseinschränkung?

  • Wirksamkeit von Medikamenten überprüfen

  • Medikamenteneinnahme: regelmäßig oder bei Bedarf?

  • Treten Nebenwirkungen auf?

  • (Un-)Verträglichkeit bei Wärmeanwendungen

  • Einschränkungen bei den AEDL®

  • Können Einschränkungen mit Hilfsmitteln kompensiert werden?

Kontaktadresse
Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband e.V.
Maximilianstraße 14, 53111 Bonn
Tel.: 0 228/766060

Schizophrenie

Anja Palesch
Psychische Erkrankung, die zu Störungen der SchizophreniePersönlichkeit, der Realitätsauffassung, des Gefühlserlebens und der Wahrnehmung führt. Ersterkrankung meist zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr.
Ursachen
Ursache letztlich nicht geklärt. Zusammenwirken mehrerer Faktoren:
  • Verletzliche, überempfindliche Persönlichkeit

  • Störungen des Dopamin- und Noradrenalinstoffwechsels

  • Familiäre Häufung (genetische Disposition)

  • Auslösende Ereignisse, z. B. lebensgeschichtliche Umbruchzeiten, hohe gefühlsmäßige Anspannung, dauerhafte Konflikte, Stress

Symptome
  • Störungen des Denkens:

    • Sätze werden nicht zu Ende gesprochen (Gedankenabreißen), Gedanken werden nicht weiterverfolgt (Denkzerfahrenheit)

    • Eindruck, dass jemand die eigenen Gedanken wegnimmt (Gedankenentzug)

    • Gefühl, Gedanken werden von außen „aufgezwungen“

    • Bildung neuer Wörter ohne bewussten Sinngehalt (Neologismen)

  • Störungen der Affektivität:

    • Zwei gegensätzliche, unvereinbare Gefühlsregungen, Wünsche oder Bestrebungen stehen sich gegenüber, z. B. gleichzeitig lachen und weinen

    • Angst und Deprimiertheit als Folge des veränderten Erlebens

  • Störungen des Ich-Erlebens:

    • Betroffene erleben sich selbst als fremd und unheimlich (Depersonalisation)

    • Grenze zwischen dem Selbst und der Umwelt kann sich aufheben

  • Störungen des Realitätssinns:

    • Umwelt verändert sich für Betroffenen, er verliert sich in neuer, geheimnisvoller Realität, die er unabhängig von früheren Erfahrungen beurteilt

    • „Ich-Versunkenheit“, Abkapselung (Autismus)

  • Störungen des Antriebs:

    • Zu Erkrankungsbeginn Antriebssteigerung, oft mit Schlaflosigkeit oder -umkehr

    • Oft Wechsel von Antriebsverminderung und -steigerung

  • Störungen der Psychomotorik:

    • Veränderungen von Gang, Mimik, Gestik, Bewegungsabläufen

    • Manchmal extreme Störungen der Psychomotorik: Katatonie, z. B. mit motorischer Erstarrung, Automatismen, Grimassieren, bizarre Haltung

  • Störungen der Wahrnehmung:

    • Häufig akustische Halluzinationen: kommentierende oder befehlende Stimmen, mehrere, sich unterhaltende Stimmen, eigene Gedanken werden laut von außen gehört

    • Geschmacks-, Geruchs- und optische Halluzinationen

    • Leibliche Beeinflussungserlebnisse, z. B. Eindruck, bestrahlt zu werden

Info

Prognose

  • ⅓ keine oder nur wenige Rezidive (bleibende Veränderungen)

  • ⅓ häufige Rezidive (unterschiedlich ausgeprägte Residuen)

  • ⅓ ungünstiger Verlauf mit erheblichen Symptomen

Krankheitsverlauf
  • Im Erwachsenenalter: klar abgrenzbare Phasen akuter schizophrener Schübe

  • Im Alter: symptomarmer Verlauf, gekennzeichnet durch sozialen Rückzug, Verschrobenheit, vereinfachte Denkweisen, Antriebs- und Gefühllosigkeit

  • Akute Schübe können Wochen bis Monate dauern, einmalig oder mehrfach auftreten

  • Nach Verschwinden der Akutsymptomatik: oft keine völlige psychische Wiederherstellung, da Kranke weniger belastbar sind, zusätzlich starke Konzentrationsstörungen → Residuen

Tipps und Tricks

  • Pflegende beachten, dass eine hohe Suizidgefahr besteht (5–10 % der Betroffenen)!

  • An Schizophrenie Erkrankte sind nicht in ihrer Intelligenz beeinträchtigt.

  • Es besteht keine Desorientiertheit, praktische Fertigkeiten werden oft weiterhin beherrscht.

Therapie
  • Stationäre Behandlung bei akuten Zuständen, Selbst- oder Fremdgefährdung

  • Neuroleptika (7.8.5), Antidepressiva (7.8.4), Benzodiazepine (7.8.6)

  • Elektrokrampftherapie

  • Psychotherapie nach Abklingen der akuten Symptomatik (meist Verhaltenstherapie)

Komplikationen
Nebenwirkungen der Neuroleptika, malignes Neuroleptikasyndrom, selten katatoner Stupor.
Pflege
Allgemeine pflegerische Aspekte
  • KommunikationSchizophrenieAusgewogenheit zwischen Nähe und Distanz finden: zu viel Nähe wirkt für Betroffenen bedrohlich; zu viel Distanz führt zur sozialen Isolation

  • Besser regelmäßige, kurze Kontakte als lange Gespräche

  • Klar und eindeutig kommunizieren: keine Anspielungen, keine Ironie oder Flüstern

  • Pflegebedürftigen in seinem Wahn akzeptieren, aber deutlich machen, dass man diese Wahninhalte selbst nicht wahrnimmt (Wahn nicht korrigieren → weckt Misstrauen)

  • Nicht auf Wahninhalte eingehen, Gesprächsthemen außerhalb der Wahnideen suchen

  • Bezugspflege (1.3.3), einheitliches Handeln im Team

  • Über- und Unterforderung vermeiden

  • Reizüberflutung verhindern (Radio, Fernsehen)

  • Angehörige über Krankheit und den Umgang damit informieren

Tipps und Tricks

In den Wahn einbezogenes Pflegepersonal sollte keinen zu engen Kontakt zum Betroffenen haben (ggf. Bezugspflegekraft wechseln)!

Spezielle pflegerische Aspekte
  • Medikamente: immer im Beisein von Pflegenden oder Angehörigen einnehmen lassen

  • Möglichkeiten aufzeigen, wie Nebenwirkungen der Neuroleptika zu begegnen ist (7.8.5)

  • Geregelter Tagesablauf, auf Einhaltung des Tag-Nacht-Rhythmus, der Ruhezeiten und Mahlzeiten achten und Angehörige entsprechend informieren

  • Hilfestellung und Beratung bei Körper- und Wäschepflege, jedoch keinen Zwang ausüben

Beobachten und Dokumentieren

  • Beobachtung des Pflegebedürftigen und präzise Dokumentation, z. B. suizidale Tendenzen, Sozialverhalten (Umgang mit Angehörigen, Pflegenden)

  • Auf Nebenwirkungen der Neuroleptika achten (7.8.5), präzise Dokumentation bei Auffälligkeiten, Arztinformation

Kontaktadresse
BASTA – Bündnis für psychisch kranke Menschen
Möhlstraße 26, 81675 München
Tel.: 089 41406674

Sucht

Anja Palesch
SuchtSymptomeAngewiesensein auf ein Suchtmittel mit unbezwingbarem AbhängigkeitVerlangen nach wiederholter Einnahme und Neigung zur Dosissteigerung. Entzugserscheinungen bei Abstinenz. In der ambulanten Pflege sind Medikamenten- und Alkoholabhängigkeit von Bedeutung.
Hinweise auf Suchterkrankung
  • Anhaltendes, übermäßiges Verlangen nach Suchtmittel (Craving)

  • Steigerung der verwendeten Menge (Dosissteigerung), da die Wirkung nachlässt (Toleranzsteigerung)

  • Entzugserscheinungen bei Abstinenz

  • Persönlichkeitsveränderungen mit Konzentration auf das Suchtmittel: Gedanken kreisen nur um Suchtmittel und dessen Beschaffung

  • Auch heimlicher Konsum

Phasen der Abhängigkeitsentwicklung
  • 1.

    Zuerst positive Einstellung zum Suchtmittel, Konsum als Genusserlebnis

  • 2.

    Konsum des Suchtmittels wird zur Gewohnheit und verstärkt sich schleichend

  • 3.

    Deviantes Verhalten, z. B. Autofahren nach Alkoholkonsum, Beschaffungskriminalität

  • 4.

    Sucht mit Toleranzentwicklung, Entzugserscheinungen, Kontrollverlust

Ursachen und begünstigende Faktoren
  • Gefährdete Persönlichkeit:

    • Familiäre Ursachen, z. B. wird erbliche/familiäre Komponente diskutiert

    • Psychische Ursachen, z. B. Suchtmittel als Ersatz für menschliche Zuwendung, zur Stärkung des Selbstwertgefühls oder zur vermeintlichen Problemlösung

  • Krisen als Auslöser, z. B. Partnerverlust, Vereinsamung, Verschlechterung des Gesundheitszustands

  • Begleitend bei psychiatrischen Erkrankungen, z. B. Depression, Angststörungen

  • Gesellschaft/Umfeld: Werbung, Trinksitten, einfache Verfügbarkeit des Suchtmittels (Supermarkt, Apotheke)

Vorsicht

Co-AbhängigkeitCo-Abhängigkeit: Versuch Angehöriger oder von Pflegekräften, die durch Sucht entstandenen Missstände zu kompensieren, z. B. Beschaffung des Suchtmittels aus Mitleid, Überfürsorglichkeit; Entschuldigung des Betroffenen. Die Verantwortung wird vom Suchtkranken auf den Helfer verlagert. Co-abhängige Helfer stabilisieren den Krankheitsverlauf und verhindern abstinentes Verhalten!

Kontaktadressen
Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V.
Westenwall 4, 59065 Hamm
Tel.: 0 23 81/90 15–0
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Maarweg 149–161, 50825 Köln
Tel.: 0221 89920

Alkoholabhängigkeit

Alkoholabhängigkeit besteht, wenn durch anhaltenden, AlkoholabhängigkeitSuchtAlkoholübermäßigen Alkoholkonsum körperliche, psychische und soziale Schäden auftreten und der Alkoholkonsum nicht kontrolliert werden kann (Tab. 6.26). Es werden immer größere Alkoholmengen zugeführt, um die gewünschte Wirkung zu erreichen (Entwicklung von Alkoholtoleranz). Bei Absetzen oder Reduktion des Alkohols sind Entzugssymptome die Folge.
Symptome
  • Körperlich: rötlich-bläuliche und aufgeschwemmte Gesichtshaut, Magenschmerzen, Brechreiz, unsicherer Gang, verwaschene Sprache, evtl. „Fahne“

  • Psychisch: Depression, Aggression nach Alkoholkonsum, Gereiztheit, Unruhe, Angst, mangelnde Einsichtigkeit, Erinnerungslücken, Stimmungslabilität, Verwirrtheit, Schuldgefühle

  • Sozial: Vereinsamung, Verschuldung, Verwahrlosung, Familienzerrüttung, sozialer Abstieg

  • Trinkverhalten: bereits morgendliches Trinken, gieriges Trinken, heimliches Trinken

Alkoholbedingte Störungen und Schäden
  • Organische Schäden: AlkoholdelirLeberzirrhose, Ösophagusvarizen (evtl. Blutungen), Pankreatitis, alkoholbedingter Diabetes mellitus mit Gefahr der Hypoglykämie, irreversible Herzinsuffizienz, makrozytäre Anämie, abwehrgeschwächtes Immunsystem, Atrophie von Klein- und Großhirn

  • Alkoholvergiftung: Enthemmung → Bewusstlosigkeit → Reflexlosigkeit → Atem- und Kreislaufversagen

  • Alkoholentzugssyndrom: Alkoholdelirbeginnt ca. 10 Std. nach Alkoholabstinenz mit Maximum nach 1–2 Tagen, häufig verbunden mit Alkoholhalluzinose (von kurzer Dauer; optisch, taktil, akustisch), ohne Behandlung bei 20 % tödlich

    • Prädelir (Vorstadium): Händezittern, Blutdruck, Puls und Temperatur erhöht, Schlafstörungen, Schwitzen, Schwäche, Reizbarkeit

    • Delirium tremens (schwerste Form): Desorientierung, Unruhe, Angst, Bewusstseinstrübung, zerebrale Krampfanfälle

  • Wernicke-Enzephalopathie: Denk- und Gangstörung, Verwirrtheit, Schielen → Notfall!

  • Korsakow-Syndrom: Alkoholdemenz, Gedächtnisverlust, Desorientierung, Gang- und Standunsicherheit

  • Polyneuropathie: Abschwächung der Muskelreflexe, Sensibilitätsstörungen, Missempfindungen, Gangunsicherheit (6.64)

Vorsicht

Ein Alkoholdelir ist ein lebensbedrohlicher Zustand. Pflegende veranlassen umgehend die stationäre Einweisung betroffener Pflegebedürftiger.

Therapie

4 Phasen der Behandlung.Suchttherapie

Tab. 6.27
Phase Behandlung/Maßnahmen
  • 1.

    Kontakt- und Motivationsphase

Hausbesuch, Beratungs- und Kontaktstellen vermitteln, Behandlungsmotivation fördern
  • 1.

    Entgiftungsphase

Stationär (Krankenhaus) ca. 2 Wochen
  • 1.

    Entwöhnungsphase

Kurz- oder Langzeittherapie (Behandlung psychischer Abhängigkeit durch Psychotherapie); meist Reha-Maßnahme
  • 1.

    Nachsorgephase

Versorgung in teilstationärer Einrichtung, Tagesklinik, Übergangsheim oder Wohngemeinschaft; Angebot von Selbsthilfegruppen, sozialpädagogischer Betreuung
Realistische Therapieziele
  • Sicherung des Überlebens des Pflegebedürftigen

  • Schadensbegrenzung bzw. Verringerung der Symptome

  • Heilung

Info

Voraussetzung für das Gelingen der Therapie ist eine hinreichende Motivation des Suchtkranken!

Pflege
  • Einübung von Alltagskompetenz, z. B. Ernährung, Körperpflege, Wohnungspflege; Vermittlung von Hilfsangeboten

  • Einbeziehen von Angehörigen oder Betreuer, Hausarzt, sozialpsychiatrischem Dienst

  • Gemeinsam mit Angehörigen Förderung eines strukturierten Tagesablaufs

  • Sturzprophylaxe (3.9)

  • Zur Teilnahme an Selbsthilfegruppe motivieren

  • Über Gefühle, Konflikte und Täuschungsversuche offen sprechen

  • Bei Medikamentengabe dabeibleiben

  • Auf Alkohol in Tropfmedikamenten, Nahrungsmitteln, Gesichtspflege achten

Beobachten und Dokumentieren

  • Suizidgefährdung

  • Menge und Art des Alkoholmissbrauchs

  • Auffälliges Sozialverhalten

Tipps und Tricks

  • Mit Rückfällen ist zu rechnen. Pflegende fassen dies nicht als persönliches Versagen auf!

  • Sich nicht in Alkoholabhängigkeit einbeziehen lassen, z. B. durch Alkoholbeschaffung, Verharmlosen des Alkoholkonsums

  • Klare Grenzen setzen, konsequent sein

Kontaktadressen
Anonyme Alkoholiker Interessengemeinschaft e. V.
Waldweg 6, 84177 Gottfrieding-Unterweilnbach
Tel.: 08731 32573–0, in größeren Gemeinden und Städten: Ortsvorwahl +19295
Blaues Kreuz in der evangelischen Kirche Bundesverband e. V.
Julius-Vogel-Str. 44, 44149 Dortmund
Tel.: 0231 5864132

Medikamentenabhängigkeit

Grenze zwischen Missbrauch und Abhängigkeit ist MedikamentenabhängigkeitSuchtMedikamenteschwer zu ziehen. Unauffällige Suchtform, Frauen häufiger betroffen als Männer. Meist Abhängigkeit von Schlafmitteln (7.8.6), Analgetika (7.3), SchlafmittelAbhängigkeitAnalgetikaAbhängigkeitPsychopharmaka (7.8).
Ursachen
  • Vereinsamung, zunehmende Verluste, Angst, Schmerzen, Dauermedikation bei Multimorbidität

  • Verfügbarkeit von Selbstmedikation, fehlende Einsicht zur Dosisreduktion

Symptome
  • Körperlich: Bewusstseinsstörungen, Schlafstörungen, schwankender Gang, Sturzgefahr (3.9.1), Verwirrtheit, Krämpfe bei Entzug, verwaschene Sprache, Neuropathie

  • Psychosozial: keine Abstinenz möglich, Kontrollverlust, Dosissteigerung, besonders bei Angst und Stress wird Medikament eingenommen, Arztwechsel bei Rezeptverweigerung, Rezeptfälschung, Suchtverheimlichung, Verstecken von Tabletten, Angst, sozialer Rückzug

Therapie
Wie bei Alkoholabhängigkeit (siehe oben).
Pflege
Allgemeine pflegerische Aspekte
  • Enge Zusammenarbeit mit Hausarzt, Diensten der Suchthilfe

  • Medikamentengabe nach ärztlicher Anordnung

  • Tabletten in der Station oder z. B. in verschlossener Kasse beim Pflegebedürftigen aufbewahren (Schlüssel bei Pflegekraft)

  • Balance halten zwischen Kontrolle und Aufbau einer tragfähigen Beziehung

  • Förderung der Eigenverantwortung des Betroffenen

  • Zur Teilnahme an Therapie/Selbsthilfegruppe motivieren

Besonderheiten zu Benzodiazepinen
  • BenzodiazepineBenzodiazepineAbhängigkeit (7.8.6) als Schlafmittel nur kurz einsetzen und ausschleichend absetzen lassen

  • Entzugssymptome nach längerfristiger Einnahme: Angst, Unruhe, Schlaflosigkeit, Verwirrtheit, Halluzinationen, Kopfschmerzen, Übelkeit; bei plötzlichem Absetzen evtl. Krampfanfälle → Entzug wird im Krankenhaus durchgeführt!

  • Pflanzliche Alternativen, z. B. schlaffördernde Tees (4.11.1), bevorzugen, atemstimulierende Einreibungen (2.3.4) oder abendliche entspannende Bäder

Suizidalität

Anja Palesch

Info

Mit zunehmendem Alter werden Suizide Suizidalitäthäufiger. Mehr als die Hälfte aller Selbsttötungen wird von psychisch kranken Personen verübt!

Risikofaktoren
Risikogruppen: alte und vereinsamte Menschen, vor allem Männer, Menschen mit Depressionen, unheilbarer Krankheit, Abhängigkeit, Schmerzen (5.4), bei drohendem Heimeinzug, Krise in zu enger und abhängiger Beziehung.
Genaue Beobachtung des Pflegebedürftigen:
  • Innerhalb des Zeitraums von 10–21 Tagen nach Behandlungsbeginn mit Antidepressiva (7.8.4): Antrieb (auch Antrieb zur Selbsttötung) wird durch Medikamente schneller gesteigert, als sich die Stimmung aufhellt

  • Nach erfolgloser Behandlung einer Depression

  • Mit scheinbar schlagartigem Verschwinden einer Depression → präsuizidales Syndrom (siehe unten)

  • 1 Jahr nach Suizidversuch und bei aktiven Suizidplänen

  • Bei Schuld- und Strafwahn, Gefühl der Wertlosigkeit

Präsuizidale Gedankenabläufe
Beim psychotischen Pflegebedürftigen erfolgt die Suizidhandlung meist ohne weitere Vorankündigung, für Außenstehende oft völlig überraschend. Beim nicht psychotischen Betroffenen muss der Entschluss zum Suizid „reifen“. Seinen Ausdruck findet dieser Entscheidungsprozess in der suizidalen Entwicklung und dem präsuizidalen Syndrom.
Suizidale Entwicklung

Suizidale Entwicklung.

Tab. 6.28
Phase des Entscheidungsprozesses Symptome
  • 1.

    Erwägung

Suizid wird als mögliche Lösung bestehender Probleme gesehen
  • 2.

    Abwägung/Ambivalenz

  • Um einen Entschluss ringen

  • Hilfe suchen

  • 3.

    Entschluss

  • Entscheidung für Suizid

  • Präsuizidale Aufhellung: „Ruhe vor dem Sturm“, Betroffenem geht es scheinbar wieder gut

  • Treffen von Vorbereitungen für den Suizid

Präsuizidales Syndrom
  • Gedanken und Handlungen kreisen nur um Suizid. Je konkreter die Vorstellung über Suizidart, desto akuter die Gefährdung

  • Aggressionen gegenüber Mitmenschen werden gegen sich selbst gerichtet

  • Fantasien über Suizid und dessen Folgen für Angehörige

  • Rückzug, Isolation

Warnsignale
  • Ankündigung des Suizids

  • Heftige Schuldvorwürfe, Schuldwahn, Gefühl von Sinnlosigkeit, Todesfantasien, drängende Impulse zum Suizid

  • Medikamentös ausgelöste Antriebssteigerung bei weiter bestehender depressiver Verstimmung (7.8.4)

  • Verfassung von Testament, Abschiedsbrief

  • Frühere Suizidversuche, Suizid in Familie oder Umgebung

  • Selbstschädigendes Verhalten, z. B. Nahrungsverweigerung, Verweigerung lebenswichtiger Medikamente

  • Sammeln von Medikamenten

  • Plötzliche, unerklärliche Ruhe (Erleichterung, den Entschluss getroffen zu haben: präsuizidale Aufhellung)

  • Sachen verschenken

Vorbeugung
  • Gute Beobachtung des Pflegebedürftigen

  • Angehörige informieren und beraten

  • Veranlassen, dass der Betroffene möglichst wenig allein ist

  • Medikamenteneinnahme überwachen, Sammeln verhindern, ggf. Medikamente auf Station oder beim Pflegebedürftigen einschließen

  • Selbstständigkeit und Alltagskompetenz fördern

Tipps und Tricks

Die Annahme, dass angekündigte Suizide nur als Appelle nach Zuwendung zu sehen sind, ist nicht haltbar. Pflegende nehmen jede Suizidäußerung ernst!

Krisenintervention
  • Gefühle KommunikationSuizidalitätaussprechen lassen, Suizidgefahr offen ansprechen, sich Zeit nehmen

  • Offene, direkte Fragen (Abb. 6.16)

  • Nach Krisenauslöser suchen und besprechen

  • Pflegende Angehörige, Betreuer, Hausarzt informieren

  • Kurzfristig mit Betroffenem Hilfe planen, z. B. Kontakte; langfristig Selbstwertgefühl und Selbsthilfe aufbauen

  • Selbst Hilfe im Team suchen, darüber reden

Info

SuizidalitätWenn der Eindruck entstanden ist, dass sich der Betroffene nicht vom Suizid abbringen lässt, veranlassen Pflegende umgehend die stationäre Einweisung über Haus- oder Notarzt.

Therapie
  • Behandlung der Grunderkrankung, z. B. Depression

  • Erst nach der suizidalen Krise Problembearbeitung mittels Psychotherapie (auslösende Faktoren, lang andauernde Probleme)

Beobachten und Dokumentieren

  • Anzeichen eines bevorstehenden Suizids (siehe oben)

  • Einnahme und Aufbewahrung gefährlicher Medikamente

  • Einstellung zum Suizid?

  • Gewaltfantasien, Aggressionen, Verletzungen bei dem Betroffenen

Kontaktadressen
AGUS e. V. (Betreuung für Angehörige und Betroffene von Suizidfällen)
Markgrafenallee 3a
95448 Bayreuth
Tel.: 09 21/1 50 03 80
Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention (DGS)

Thrombophlebitis

Anja Palesch
Entzündung von Thrombophlebitisoberflächlichen Venen.
Ursachen
  • Verletzungen

  • Immobilisation

  • Varizen

  • Klappenfunktionsstörungen

Symptome
  • Abakterielle Thrombophlebitis:

    • Druckschmerzhafter verdickter Venenstrang

    • Lokale Rötung und Schwellung

    • Allgemeinzustand nicht beeinträchtigt

  • Bakterielle Thrombophlebitis:

    • Wie abakterielle Thrombophlebitis (siehe oben)

    • Allgemeinsymptome wie Fieber und Schüttelfrost

    • Eitrige Einschmelzung des Entzündungsherds

Komplikationen
  • Thrombose

  • Abszess

Therapie und Pflege
  • Extremität hochlagern

  • Kompressionsverband

  • Ggf. Schmerzmittel

  • Lokale Anwendung von Heparinsalbe, Alkohol- oder Quarkumschlag, Kühlung

Beobachten und Dokumentieren

  • Entzündungszeichen

  • Thrombose

Thrombose/Phlebothrombose

Anja Palesch
ThrombosePfropfbildung in tiefer Vene, meist Bein- oder PhlebothromboseBeckenvene, Gefahr einer Lungenembolie Thrombose(3.10)
Ursachen
Virchow-TriasVirchow-Trias:
  • Strömungsverlangsamung, z. B. bei Immobilität, Paresen, Rechtsherzinsuffizienz, Aszites

  • Gefäßwandschäden, z. B. durch Frakturen, Entzündungen, zusätzlich auch Arteriosklerose

  • Erhöhte Gerinnungsneigung, z. B. bei Exsikkose, durch Ovulationshemmer (besonders in Verbindung mit Rauchen), angeborene oder erworbene Gerinnungsstörungen

Symptome
  • Schwere-, Spannungsgefühl

  • Belastungsabhängiger Fußsohlenschmerz, ziehender Schmerz entlang der Venen

  • Knöchel- und Unterschenkelödem, verstrichene Gelenkkonturen, Hautverfärbung bei herabhängendem Bein

  • Differenz der Beinumfänge

  • Unwohlsein

  • Glanzhaut, Überwärmung, einseitige leichte Zyanose, „Warnvenen“ (verstärkte Venenzeichnung)

  • Subfebrile Temperatur, Tachykardie

  • Evtl. rezidivierender Thoraxschmerz, Husten bzw. Dyspnoe durch Lungenembolie bei fehlenden Beinbeschwerden

  • !

    Symptome sind oft nur schwach ausgeprägt, treten oft nur gering auf.

Komplikationen
  • Embolie

  • Postthrombotisches Syndrom

  • Chronisch venöse Insuffizienz

Therapie und Pflege

Vorsicht

Bei akuter Thrombose Klinikeinweisung durch den Hausarzt.

  • Wickeln mit Kurz- und Mittelzugbinden (beide Beine)

  • Täglich Beinumfang an markierter Stelle messen und dokumentieren

  • Anpassen von Kompressionsstrümpfen (Rezept → Bestellung beim Sanitätshaus oder in Apotheke)

  • Medikamentöse Therapie: Antikoagulanzien (7.4.6)

  • Bei allen Medikamenten → Medikamentenpass, Info, Ernährungsberatung

  • Hautpflege beachten

Sich bewegen und Lagerung
  • Bei Verdacht: Arztinfo und zunächst Bettruhe, abrupte Bewegungen vermeiden → Hilfe bei den AEDL® je nach Befinden

  • Lagerung der betroffenen Extremität auf einer Schiene oder einem Kissen leicht erhöht

  • Pflegebedürftigen schulen: keine abrupten, sondern langsame Bewegungen

  • Bein hochlagern, wickeln (2-mal täglich, sonst Gefahr von Hautschäden durch Einschnürung)

  • Hilfe bei Körperpflege, Nahrungsaufnahme, Ausscheidung

  • Obstipationsprophylaxe (3.6), keine Bauchpresse

  • Dekubitusprophylaxe (3.3)

Essen und trinken können
Ggf. Schulung hinsichtlich Ernährung (Gewichtsreduktion) und Lebensführung, z. B. Vermeidung von langer Immobilität.

Beobachten und Dokumentieren

  • Vitalzeichen, besonders Pulse

  • Befinden des Betroffenen

  • Blutungszeichen (unter Antikoagulation)

  • Zeichen einer Lungenembolie: Tachykardie, Dyspnoe, Tachypnoe

  • Hautzustand, Hauttemperatur, Sensibilität, besonders an Beinen, Fersen

Tuberkulose (Tbc)

Anja Palesch
Bakterielle TbcInfektionskrankheit mit chronischem Verlauf. MeistTuberkulose in den Atmungsorganen lokalisiert, jedoch grundsätzlich Befall aller Organe möglich.
Wichtige Unterscheidung (wegen der Ansteckungsgefahr) in offene und geschlossene Tbc:
  • Offene Tbc: in Sputum und Magensaft Bakterien nachweisbar

  • Geschlossene Tbc: keine Bakterien in Sputum und Magensaft nachweisbar

  • !

    Die Tuberkulose ist eine meldepflichtige Erkrankung.InfektionTuberkulose

Ursache und Risikogruppen
Tuberkulose wird durch das Myobacterium tuberculosis verursacht. Besonders gefährdet:
  • Ältere Menschen

  • Alkoholkranke

  • Medizinisches Personal

  • Abwehrgeschwächte, z. B. HIV-Infizierte

Symptome
  • Primäre Tbc: kann symptomlos verlaufen, in einigen Fällen kommt es aber zu Fieber, Auswurf, Pleuritis, grippeähnlichen Beschwerden.

  • Abwehrgeschwächte zeigen häufig ausgeprägte Symptome: Sie fühlen sich schwer krank, Fieber, Kopfschmerzen, Dyspnoe, Husten (blutig).

  • Bei einigen Betroffenen, die sich mit Tuberkulose angesteckt haben, bricht die Krankheit erst zu einem späteren Zeitpunkt aus. Dann klagen die Patienten über unterschiedliche Symptome, z. B. Husten (gelblich-grünen Schleim), Abgeschlagenheit, Müdigkeit, subfebrile Temperaturen.

Therapie
  • Akute Behandlung in der Klinik

  • 6–9 Mon. Behandlung mit 4er-Kombination hochwirksamer Antibiotika und Tuberkulostatika

  • Kooperative Betroffene (Einhalten der Hygienevorschriften) können ggf. zu Hause weiterbehandelt werden

Pflege
  • Pflege bei Pneumonie 6.63

  • Umgang mit Sputum 2.3.4

  • Akute, offene Tbc → Klinikeinweisung durch den Arzt, 2–3 Wochen infektiös, Isolierstation im Krankenhaus, Screening von Kontaktpersonen

  • Maßnahmen:

    • Anlegen eines Mund-Nasen-Schutzes

    • Patienten aufklären, niemanden direkt anzuhusten und beim Husten Mund und Nase mit Tuch zu bedecken

    • Diagnostische Abklärung

    • Wischdesinfektion potenziell kontaminierter Flächen

    • Bei Hospitalisierung Isolierung bis zum Diagnoseausschluss

Hygienemaßnahmen zu Hause
  • BetroffenerHygieneTuberkulose darf Zimmer nicht verlassen, Türe geschlossen, alle Gebrauchsgegenstände bleiben im Zimmer

  • Beim Husten oder Niesen Mund und Nase mit einem Tuch abdecken → möglichst wenig Keime in die Raumluft. Ausgehustete Tröpfchen: Reichweite 5 m

  • Pflegende ziehen zum Eigenschutz Mund-Nasen-Schutz, Schutzkittel und Handschuhe an. Schutzkittel verbleibt beim Betroffenen

  • Wäsche gilt nur dann als infektiös, wenn sie mit kontaminiertem Material in Berührung gekommen ist (1.6.4)

  • Desinfektionsmittel (1.6.3)

  • Keine Besucher → Ansteckungsgefahr, nur betreuende Personen. Angehörige über Ansteckungsrisiko informieren

Tipps und Tricks

  • Person darf erst nach ärztlicher Erlaubnis seinen Beruf wieder ausüben

  • Kontaktpersonen halten sich an folgende Maßnahmen: ärztliche Kontrolle durchführen, Krankheitszeichen dem Arzt mitteilen

  • !

    Bei Therapieabbruch Gefahr des Wiederaufflammens der Infektion

Prophylaxe und Prävention
  • Kontakt mit akut Erkrankten verhindern

  • Impfung in Deutschland nicht empfohlen

  • Bei Kontakt regelmäßig Tine-Test durchführen

Beobachten und Dokumentieren

  • Vitalzeichen

  • Temperatur, Allgemeinbefinden

  • Husten, Sputum

  • Appetit, Gewicht etwa 2-mal wöchentlich nach ärztlicher Anordnung

  • Dokumentation, Veränderungen dem Arzt mitteilen

  • Kooperation, Krankheitseinsicht

Ulcus cruris venosum

Anja Palesch
Unterschenkelgeschwür, Hautdefekt bis mind. zur Ulcus cruris venosumLederhaut, einzeln oder mehrfach auftretend.
Ursache
In 85 % chronisch venöse Insuffizienz.
Symptome
  • Belegter Geschwürgrund, schmierige, eitrige, nekrotische bis gelbliche Fibrinbeläge

  • Rötung, Schwellung/Ödem, Überwärmung, Juckreiz

  • Schmerzen, Funktionseinschränkungen

  • Typische Hautveränderungen bevorzugt an der Knöchelinnenseite:

    • Münz- bis handtellergroß

    • Glänzende, dünne, durch mangelnde Elastizität leicht verletzbare Haut

    • Braun-gelbe Hautverfärbungen bei venösem Grundleiden

    • Unregelmäßige kleine Narben bei schlechter Heilungstendenz

    • Entzündungen nach bakteriellen und mykotischen Folgeinfektionen

    • Degenerative Nagelveränderungen

    • Harte, rote, schmerzhafte Platten kurz vor der Ulkusentwicklung

    • Wunden sondern Sekret ab

Komplikationen
  • Superinfektionen

  • Ekzeme

  • Subkutane Knochenneubildung

  • Entwicklung einer Spitzfußstellung

Therapie
Unterstützung des Blutstroms
  • Kompressionsverband, ohne Kompression keine Heilung (Achtung bei Patienten mit zusätzlicher pAVK)

  • Kompressionsverband möglichst morgens vor dem Aufstehen anlegen

  • Nach Wundauflagenwechsel Kompressionsverband wieder anlegen

  • In schweren Fällen operative Ulkusentfernung sowie Sanierung/Rekonstruktion geschädigter Venenabschnitte

Stimulation der eingeschränkten Funktion
  • Schonhaltung → Kontraktur, daher Prophylaxe (3.5)

  • Sprunggelenk mehrmals täglich gezielt bewegen, z. B. Fußspitzen anheben und senken, Füße in wechselnder Richtung kreisen, Zusammenarbeit mit Physiotherapie

Schmerztherapie
  • Schmerzmittelgabe nach ärztlicher Anordnung → Mobilisierung möglich

  • Ggf. sogar dauerhafte Schmerztherapie notwendig

  • Verordnung durch den Arzt, Bedarfsmedikation anordnen lassen

Beratung und Information
Betroffene und Angehörige über Ursachen der Erkrankung und Ziele der Maßnahmen informieren, um die Mitarbeit zu verbessern.
Pflege
Wundversorgung
  • Zusammenarbeit mit ausgebildeten Wundmanagern

  • Nach ärztlicher Anordnung, möglichst mit Hydrokolloidverbänden (4.2.3)

  • Gefahr der Allergie gegenüber Lokaltherapeutika → Allergiepass beachten. Vorsicht bei Verbandkleber!

  • Gute Hautbeobachtung

  • Häufigen Wechsel von Lokaltherapeutika vermeiden → verteuert die Therapie, Erfolg nicht überprüfbar

  • !

    Wichtig: korrekte, nachvollziehbare Dokumentation.

Wunddiagnostik
  • Inspektion des Geschwürs, genaue Lokalisation

  • Beurteilung des Wundzustands, z. B. Nekrosen, Beläge, Infektion, saubere Wunde, Epithelisierung

  • Verlauf der Wundheilung: Verbesserung, Verschlechterung, evtl. mit Fotodokumentation (4.2.1)

Beobachten und Dokumentieren

  • Dauer, Entstehung und Entwicklung der Wunden (4.2.1)

  • Wunddiagnostik

  • Bisherige Maßnahmen, Verbände, Wundauflagen

  • Komplikationen, z. B. Entzündungen, Allergien

  • Schmerzen: wann, wie oft?

  • Medikamente

  • Beurteilung der Situation des Betroffenen, z. B. Ernährungszustand, Flüssigkeitshaushalt, psychische Verfassung, Versorgungssituation

Varizen/Varikosis

Anja Palesch
Krampfadern: Varizengeschlängelte, knotig erweiterte Venen, Varikosisüberwiegend an den Beinvenen. Bei Frauen häufiger als bei Männern.
Varikosis: Krampfaderleiden.
Ursachen
  • Venenwandschwäche

  • Klappeninsuffizienz

Symptome
  • Sichtbare Krampfadern

  • Abendliche Wadenschmerzen

  • Schwere- und Spannungsgefühl in den Beinen, v. a. bei langem Stehen

  • Ödeme

  • Muskelkrämpfe in Ruhe

  • Juckreiz

Komplikationen
  • Ulcus cruris venosum

  • Thrombophlebitis

  • Krampfaderruptur mit Blutungen

  • Lokale Hautveränderungen

  • Chronischer Verlauf

Therapie und Pflege
  • Konservative Behandlung: Bewegung zur Förderung des venösen Rückflusses

  • Kompressionsstrümpfe, Hochlagern der Beine

  • Lymphdrainage und andere entstauende Maßnahmen

  • Bequeme flache Schuhe, Schuhe regelmäßig wechseln, um Wadenmuskulatur unterschiedlich zu aktivieren

  • Keine Vollbäder, Sauna oder warme Fußbäder → fördert die Erweiterung der Venen

  • Übergewicht reduzieren

  • Obstipationsprophylaxe (3.6) → Verstopfung erhöht den Druck im Dickdarm und behindert venösen Abfluss aus den Beinen, Thromboseprophylaxe (3.10)

  • Operativ: Krampfaderentfernung durch Venenstripping

Beobachten und Dokumentieren

  • Beobachtung Haut und Beinumfang (Thrombosegefahr)

  • Hautverletzungen und Entzündungen

  • Schmerzen

Wahn

Anja Palesch
Wahnideen: krankhafte, Wahnunkorrigierbare subjektive Gewissheiten.
Wahn: anhaltende wahnhafte Störungen, d. h. länger als 2 Monate anhaltende Wahnideen ohne Krankheitseinsicht. Betroffener lebt möglicherweise schon lange mit dieser Problematik. Gefühlserleben, Sprache und Verhalten können normal sein. Wahnthemen sind (im Gegensatz zu den Schizophrenien) nachvollziehbarer.
Symptome
Mögliche Wahnthemen:
  • Verfolgungswahn, v. a. bei Seh- und Hörstörungen

  • Beziehungswahn: Person fühlt sich besonders angesprochen, alles geschieht ihretwegen

  • Beeinträchtigungswahn: überall Feindseligkeit und böse Absicht vermuten

  • Bestehlungswahn: häufig bei demenzkranken Menschen durch eigene Vergesslichkeit

  • Vergiftungswahn

  • Verarmungswahn

  • Schuld- und Versündigungswahn: v. a. bei Depressionen

  • Größenwahn: bei Manie

  • Ungezieferwahn: bei Juckreiz

Tipps und Tricks

  • Bei alten Menschen ist Wahn häufig eine Folge von Vereinsamung

  • Wahnerkrankungen sind deutlich von der Schizophrenie abzugrenzen

  • Alte Menschen mit wahnhafter Störung leiden unter Wahnideen und -vorstellungen, weitere typische Symptome der Schizophrenie fehlen

Komplikationen
  • Eigen- und Fremdgefährdung

  • Realitätsverlust

  • Beeinflussung des Umfelds

Therapie
  • Grunderkrankung behandeln, z. B. Schwerhörigkeit, Juckreiz bei Ungezieferwahn, Alkoholabhängigkeit

  • Neuroleptika (7.8.5) nur bei schweren wahnhaften Störungen

  • Klinikeinweisung nur bei Selbst- und Fremdgefährdung

Pflege
  • Vereinsamung reduzieren, Angehörige diesbezüglich motivieren

  • Zur Beschäftigung anregen, Angehörige einbeziehen

  • Aspekte zur Pflege wie bei schizophrenen Pflegebedürftigen (6.69)

Beobachten und Dokumentieren

  • Inhalte des Wahns

  • Beobachtung Umfeld und (geschäftliche) Aktivitäten

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen