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B978-3-437-27063-5.00008-3

10.1016/B978-3-437-27063-5.00008-3

978-3-437-27063-5

Stabile Seitenlage

[L190]

Handlungsablauf bei der Reanimation (erstellt von Bernd Hein)

[L143]

Heimlich-Handgriff

[L143]

Thoraxkompression

[L190]

Beatmung

[L190]

Korrekte Position der Defibrillationselektroden auf dem Brustkorb

[L143]

DruckverbandDruckverband

Deutschsprachige Giftinformationszentren.VergiftungNotrufzentralen

Tab. 8.3
Ort Telefonnummer
Berlin/Brandenburg 0 30/1 92 40
Bonn 02 28/1 92 40
Erfurt 03 61/73 07 30
Freiburg 07 61/1 92 40
Göttingen (für Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein, Niedersachsen) 05 51/1 92 40
Homburg/Saar 0 68 41/1 92 40
Mainz 0 61 31/1 92 40
München 0 89/1 92 40
Nürnberg 09 11/3 98 24 51
Wien (0043)-(0) 1/4 06 43 43 (aus dem Ausland)
Zürich Notruf: 145(0041)-(0) 44/2 51 51 51 (aus dem Ausland)

Notfälle und Erste Hilfe

Sabine Habermann

  • 8.1

    Leitsymptome636

  • 8.2

    Erstversorgung639

    • 8.2.1

      Beobachtung und Dokumentation639

    • 8.2.2

      Ausstattung der Pflegenden640

    • 8.2.3

      Erstmaßnahmen der Pflegenden640

    • 8.2.4

      Reanimation641

  • 8.3

    Schock645

    • 8.3.1

      Schockformen645

    • 8.3.2

      Spezielle Schockformen646

  • 8.4

    Koma647

  • 8.5

    Notfälle des Herzens648

  • 8.6

    Akute Schmerzen650

  • 8.7

    Akute Blutungen652

  • 8.8

    Spezielle Notfallsituationen654

  • 8.9

    Verbrennungen655

  • 8.10

    Verätzung von Haut und Augen656

  • 8.11

    Vergiftung657

Leitsymptome

Notfallsymptome.NotfallLeitsymptome

Tab. 8.1
Notfallsymptome von A–Z Wichtige Differenzialdiagnosen Erstmaßnahmen
Anurie
  • Reflektorisch bei Peritonitis

  • Prostataadenom

  • Blasensteine/-tumoren

  • Bandscheibenvorfall (6.6)

  • Notarzt verständigen

  • Einmalkatheterisieren nach ärztlicher Anordnung

Akute Verwirrtheit
  • Flüssigkeitsmangel (3.2)

  • Stoffwechselentgleisung (6.11)

  • Einschneidendes Erlebnis

  • Hirnfunktionsstörung

  • Starke Schmerzen (5.4)

  • Getränk anbieten

  • Vitalzeichenkontrolle

  • BZ-Kontrolle

  • Kontrolle der regulären Medikamente

  • Arzt informieren

Atemnot (mit hörbarem Atemgeräusch)
  • Lungenödem

  • Linksherzinsuffizienz (6.31)

  • Lungentumor (6.46)

  • Lungenembolie

  • Oberkörper hoch-, Beine tieflagern

  • Beengende Kleidung öffnen

  • Beruhigen

  • Notarzt verständigen

Atemnot (mit pfeifendem Atemgeräusch vor allem beim Ausatmen) Asthma bronchiale (6.5)
  • Gabe von Asthmaspray, bei Bedarf nach 5 Min. wiederholen, (wenn vorhanden)

  • Für Frischluft sorgen (nicht zu kalt, Symptome können sich verschlimmern)

  • Atemerleichterung durch Kutschersitz

  • Beruhigen, nicht allein lassen

  • Notarzt verständigen

Atemstillstand Fremdkörperaspiration (3.1)
  • Atemwege freimachen (8.2.4)

  • Reanimation (8.2.4)

  • Notarzt verständigen

Bewusstseinsstörungen bis zur Bewusstlosigkeit
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen (8.5)

  • Stoffwechselentgleisungen (8.4)

  • Vergiftung (8.11)

  • Vitalzeichenkontrolle

  • BZ-Kontrolle

  • Bettruhe

  • Nahrungs- und Flüssigkeitskarenz

  • Stabile Seitenlage

  • Notarzt verständigen

Bluterbrechen
  • Ösophagusvarizenblutung

  • Magengeschwür (8.7)

  • Nahrungs- und Flüssigkeitskarenz

  • Oberkörper hochlagern

  • Vitalzeichenkontrolle

  • Notarzt verständigen

Blutende Wunden
  • Wunde nach Sturz oder Verletzung

  • Platzwunde

  • Aufgeplatzte Operationswunde

  • Wunde möglichst steril abdecken

  • Notarzt verständigen bei nicht stillbaren Blutungen

  • Druckverband

  • Schocklagerung

  • Betroffene Körperstelle hochlagern

Blut im Stuhl
  • Darmdivertikel

  • Gefäßfehlbildungen

  • Blutende Hämorrhoiden

  • Darmtumoren

  • Arzt informieren

  • Hämoccult®

  • Stuhlprobe zum Arzt bei kleinen Blutspuren

Bluthusten
  • Pneumonie

  • Lungenembolie

  • Notarzt verständigen

  • Oberkörper hochlagern

  • Absolute Bettruhe

  • Vitalzeichenkontrolle

  • Beruhigen, nicht allein lassen

Durchfall
  • Erkrankung oder Infektion des Magen-Darm-Trakts

  • Medikamente

  • Psychisch bedingt

  • Hyperthyreose (6.34)

  • Nahrungsmittelunverträglichkeit

  • Arzt informieren

  • Nahrungskarenz für 12 Tage

  • Zwieback

  • Salzstangen

  • Schwarztee oder Kamillentee

  • Ursachen behandeln

  • Evtl. Toilettenstuhl bereitstellen

  • Vitalzeichenkontrolle

  • Flüssigkeitsbilanz

Erbrechen
  • Erkrankung oder Infektion des Magen-Darm-Trakts (6.19)

  • Diätfehler (z. B. Gallenkolik)

  • Reizung des Brechzentrums im Hirn bei Tumor

  • Hilfestellung beim Erbrechen

  • Oberkörper hochlagern zur Aspirationsprophylaxe

  • Arzt informieren

  • Kollapsgefahr

Fieber, Hyperthermie Infektion
  • Temperaturkontrolle (2.3.9)

  • Vitalzeichenkontrolle (2.3)

  • Arzt informieren

Hörstörung
  • Pfropfen im Ohr

  • Tinnitus

Inspektion und evtl. vorsichtige Reinigung des äußeren Gehörgangs (2.4.6); wenn ohne Erfolg, Kontrolle durch den HNO-Arzt
Hyperventilation
  • Angst

  • Aufregung

  • Fieber (2.3.6)

  • Schädel-Hirn-Trauma (SHT)

  • Meningitis

  • In eine Tüte atmen lassen, um die Ausatemluft wieder einzuatmen, Erhöhung der CO2-Konzentration

  • Beruhigend einwirken

  • Haus- oder Notarzt informieren

Kußmaul-Atmung Kompensation einer metabolischen Azidose, z. B. bei diabetischem oder urämischem Koma
  • Notarzt verständigen

  • BZ-Kontrolle

  • Vitalzeichenkontrolle

Kalter klebriger Schweiß
  • Herzinfarkt (6.30)

  • Schock (8.3)

  • Hypoglykämie (8.3.2)

  • Kollaps

  • Bei Bewusstlosigkeit stabile Seitenlage

  • BZ-Kontrolle

  • Vitalzeichenkontrolle

  • Notarzt verständigen

Krampfanfall
  • Epilepsie

  • Schädel-Hirn-Trauma (SHT)

  • Hirntumor

  • Urämie

  • Alkoholintoxikation

  • Eklampsie

  • Notarzt verständigen

  • Verletzungen vermeiden (Umgebung sichern, z. B. Möbel wegrücken)

  • Wenn möglich, weich lagern

Kreislaufstillstand Herz-Kreislauf-Stillstand (8.5)
  • Reanimation (8.2.4)

  • Notarzt verständigen

Nackensteifigkeit Meningitis Notarzt verständigen
Nasenbluten
  • Hypertonie

  • Herz- und Nierenerkrankungen

  • Rhinitis sicca

  • Nach Entfernung der Nasenpolypen

  • Nasennebenhöhlentumor

  • Oberkörper erhöht lagern, kalten Waschlappen auf Nacken und Nasenrücken legen, Nasenflügel leicht komprimieren, nach vorn beugen, Blutschlucken vermeiden

  • Bei Rezidivblutung oder unstillbarer Blutung Arzt verständigen

Starke Schmerzen im Bauchraum
  • Ileus

  • Starke Obstipation

  • Gut- oder bösartige Tumoren der Bauchorgane

  • Geschwüre des Magen-Darm-Trakts

  • Gallen- oder Nierenkolik

  • Stoffwechselstörung

  • Notarzt verständigen

  • Lagerung mit Bauchdeckenentspannung

  • Oberkörper und Beine leicht erhöht lagern

Schmerzen im Brustraum
  • Angina pectoris (6.42)

  • Herzinfarkt (6.30)

  • Oberkörper hochlagern

  • Vitalzeichenkontrolle (2.3)

  • Notarzt verständigen

Schmerzen an den Extremitäten
  • Nach Verletzung durch Sturz

  • Beinvenenthrombose

  • Polyneuropathie

  • Gichtanfall

  • Thrombophlebitis

  • Spontanfraktur bei Osteoporose oder Knochenmetastasen

  • Notarzt verständigen

  • Bis zum Eintreffen des Arztes betroffene Extremität ruhig lagern

Herzschmerzen
  • Angina pectoris

  • Herzinfarkt

  • Falls vorhanden: Gabe von Nitrolingual-Spray

  • Notarzt verständigen

Starke Kopfschmerzen
  • Erkrankungen des Gehirns

  • Migräne

  • Halswirbelblockierungen

  • Augenerkrankungen

  • RR-Schwankungen

  • Herz-Kreislauf-Schwäche

  • BZ-Entgleisung (6.11)

  • Medikamentennebenwirkungen

  • Grippaler Infekt

  • Apoplex

  • Bettruhe

  • Auf Seh- und Hörstörung achten

  • Bewusstseinslage überwachen

  • Bei Hirnblutung wird oft das Gefühl einer „Explosion im Kopf“ angegeben

  • Vitalzeichenkontrolle

  • Notarzt informieren

Schmerzen in der Nierenregion
  • Nierenbeckenentzündung (6.55)

  • Nierensteine (6.57)

  • Bettruhe

  • Vitalzeichenkontrolle (2.3)

  • Flüssigkeitsgabe

  • Zum Abklären der Symptome Arzt verständigen

  • Bei starken Schmerzen Notarzt verständigen

Sehstörungen (plötzlich auftretend)
  • Apoplex

  • Hirntumor

  • Migräne

  • Glaukom (6.24)

  • Arzt bzw. Notarzt verständigen

  • Bettruhe

Erstversorgung

Beobachtung und Dokumentation

  • !

    NotfallErstversorgungWurde (Not-)Arzt oder Hausarzt bereits von Angehörigen oder durch den Betroffenen selbst informiert?

  • Prüfung des Bewusstseins (2.3.8):

    • Bewusstseinslage prüfen (Somnolenz bis Koma): Pflegbedürftiger ansprechbar? Orientiert? Unruhe oder Angst? Halluzinationen? Schmerzen?

    • Pupillenweite und -reaktion? Lähmungen? Gleichgewichtsstörung?

  • Prüfung der Atmung (2.3.5): Atmung beobachten (Frequenz, Qualität, Schmerzen, Atemgeruch)

  • Prüfung des Kreislaufs: RR, Puls (Frequenz, Rhythmus 2.3.2, Qualität), Temperatur messen (Hypothermie 2.3.9, Fieber?)

  • Körper des Betroffenen auf Verletzungen untersuchen

  • Erbrechen? Stuhlgang, z. B. Durchfälle? Urinausscheidung? Blutungen?

  • Hautveränderungen, z. B. Einblutungen (Gerinnungsstörungen?), Marmorierung, kalte Extremitäten (Zeichen für Zentralisierung bei Schock)

  • Patientenverfügung vorhanden?

Ausstattung der Pflegenden

Wünschenswerte AusstattungNotfallausrüstung von ambulant Pflegenden während der Tour, um im Notfall agieren zu können:
  • Blutzuckermessgerät

  • Blutdruckmessgerät

  • Stethoskop

  • Hautdesinfektionsmittel

  • Einmalhandschuhe

  • Verbandsmaterial, z. B. Kompressen, Klebeband, Mullbilde, Pflaster, Schere

Erstmaßnahmen der Pflegenden

Notfallmeldung
NotfallmeldungRuhe bewahren! Notarzt!
  • Was ist passiert? Kurze Schilderung der Situation

  • Wo ist etwas passiert? Genaue Adresse, evtl. Wegbeschreibung

  • Welche Erkrankung oder Verletzung liegt vor?

  • Wie viele Menschen sind betroffen?

  • Warten! Nie zuerst auflegen, damit Rückfragen gestellt werden können

Wenn möglich, zusätzlich Hausarzt informieren (durch Angehörige).

Tipps und Tricks

Antworten zu fünf W-Fragen vor dem Anruf auf einen Zettel notieren. Anruf, wenn möglich, von Angehörigen durchführen lassen, um selbst Erste-Hilfe-Maßnahmen einzuleiten. Unbedingt dafür sorgen, dass der Notarzt den Betroffenen auch finden kann (z. B. Angehörige an die Straße bitten).

Lagern in der stabilen Seitenlage
Stabile SeitenlageSeitenlage, stabileLagerungSeitenlage, stabileDie stabile Seitenlage (Abb. 8.1) ist durchzuführen, wenn der Betroffene bewusstlos ist, aber normal atmet.
Ziel:
  • Überstreckung des Kopfs; verhindert Aspiration

  • Zurückrollen in Rücken- bzw. Bauchlage verhindern

Durchführung: Abb. 8.1.

Tipps und Tricks

  • Im Bett liegenden Bewusstlosen evtl. auf Boden legen → harte Unterlage

  • In keinem Fall stabile Seitenlage mit Oberkörperhochlage kombinieren → hochgradige Aspirationsgefahr

  • Kombination mit Schocklage ist nicht möglich

Reanimation

Handlungsablauf bei der ReanimationReanimationNotfallReanimation Abb. 8.2.

Info

Leben retten

HerzdruckmassageHerzdruckmassage so schnell wie möglich beginnen und ohne Unterbrechung bis zum Eintreffen des Rettungsteams weiterführen.

Tipps und Tricks

  • Alle Teammitglieder sollen Reanimationsablauf beherrschen, dazu hausinterne Schulungen/Übungen regelmäßig (mind. 1x pro Jahr); sinnvoll: Teilnahmepflicht und -nachweis

  • Einrichtungsinterne Standards beachten: Wann kann was gemacht werden, wann muss (Not-)Arzt hinzugezogen werden?

  • Bei allen Notfällen exakte Dokumentation hinsichtlich Zeit und Maßnahmen.

Atemwege freimachen
Person ist bei Bewusstsein und hat aspiriert
  • Atemwege freimachenPerson nach vorne beugen und zum Husten anhalten; ggf. durch Klopfen auf den Rücken unterstützen

  • Ist Hustenreflex nicht effektiv, Kompression des Oberbauchs durch den Helfer (Heimlich-Handgriff)

  • Kompression: Helfer steht hinter Person, Person beugt sich nach vorne

  • Arme von hinten um Betroffenen, Hände/Unterarme zwischen Rippenbogen und Nabel platzieren, mehrfach ruckartigen Druck Richtung Zwerchfell ausüben (a in Abb. 8.3)

  • Durchführung auch im Liegen möglich (b in Abb. 8.3)

Vorsicht

Vorsicht bei Heimlich-Heimlich-HandgriffHandgriff (Abb. 8.3) → Gefahr der Ruptur von Magen, Leber, Milz, Pankreas oder der Aorta!

Von dieser Maßnahme wurde eine Zeit lang abgeraten. Sie wird nur dann durchgeführt, wenn die Atemwege durch Ausräumen des Mundraums und durch Klopfen nicht freigelegt werden können und wenn ein Komplettverschluss der Speiseröhre vorliegt. Nach der Anwendung sollte die Person unbedingt ärztlich untersucht werden.

Atemwege freimachen bei Bewusstlosen
  • Person auf Seite drehen und Fremdkörper mit den Fingern aus dem Mund-Rachen-Raum bzw. den Backentaschen entfernen, z. B. Teil einer Zahnprothese, Essensreste, Schleim, Erbrochenes

  • Atmet Person nach Freilegen der Atemwege selbstständig, ist aber weiter bewusstlos → Lagerung in stabiler Seitenlage (Abb. 8.1)

Tipps und Tricks

Häufig zeigen Menschen mit Kreislaufstillstand eine SchnappatmungSchnappatmung. Diese ineffektiven Atemzüge (Kennzeichen: geöffneter Mund, Blässe oder Zyanose, Atemfrequenz ≤ 10/Min.) dürfen nicht mit einer normalen Atmung verwechselt werden. Sofortiger Beginn der Wiederbelebung unbedingt erforderlich!

Thoraxkompression und Atemspende
  • Thoraxkompression Thoraxkompression(Abb. 8.4) 30-mal:

    • Im Bett liegenden Bewusstlosen auf Boden legen

    • Oberkörper entkleiden

    • Handballen auf dem Brustbein zwischen den Brustwarzen platzieren, zweite Hand darüber, Ellenbogen durchgestreckt

    • Rhythmische Kompression 5 cm Richtung Wirbelsäule (Geschwindigkeit mind. 100/Min.)

    • Nach 2 Atemspenden erneut 30 Kompressionen

  • Atemspende AtemspendeBeatmungMund-zu-Mund/Mund-zu-Nase(Abb. 8.5) durch Mund-zu-Mund oder Mund-zu-Nase; Kopf überstreckt halten:

    • Mund-zu-Mund → eine Hand liegt auf der Stirn, Zeigefinger und Daumen verschließen die Nase, mit anderer Hand Kinn hochhalten

    • Mund-zu-Nase → durch Druck gegen das Kinn Mund verschießen und durch die Nase beatmen

    • Tief Luft holen

    • Lippen dicht um Mund oder Nase legen

    • Atemspende, bis sich der Brustkorb hebt

    • Bei Widerstand gegen die Beatmung evtl. Kopf weiter überstrecken

Wechsel (30:2) der Maßnahmen weiterführen, bis der Notarzt ablöst bzw. der Betroffene das Bewusstsein wiedererlangt.

Tipps und Tricks

  • Rhythmus der Reanimation bleibt gleich, egal ob 1 od. 2 Helfer anwesend

  • Immer nur 2 Beatmungsversuche. Wenn sie erfolglos bleiben, Thoraxkompression weiterführen. Nach 30 Kompressionen erneuter Beatmungsversuch.

Info

Defibrillation

DefibrillationZunehmend sind automatische externe Defibrillatoren (AED, Abb. 8.6) verfügbar. Ersthelfer sollen sie einsetzen, denn sie bieten hohe technische Sicherheit. Wichtig: Jede Minute Verzögerung der Defibrillation senkt die Überlebenschance um ca. 10 %. Unterbrechung der Thoraxkompression für AED-Anwendung auf ein Minimum reduzieren! Defibrillatoren sind selbsterklärend, jeder kann sie benutzen, wenn vorhanden.

Schock

Akutes, lebensbedrohliches Kreislaufversagen mit Störung der Mikrozirkulation, kritischer Verminderung der Organdurchblutung und Schädigung der Zellfunktion.

Schockformen

Kardiogen: durch Herzinfarkt, Herzbeuteltamponade, Arrhythmien, Myokarditis, primäre Herzinsuffizienz, Lungenarterienembolie.
Hypovolämisch: durch Blutverluste, Plasma- oder Flüssigkeitsverluste (Verbrennungen, Durchfall, Erbrechen, Fistel) oder Flüssigkeitsverschiebungen (Peritonitis, Pankreatitis, Ileus).
Anaphylaktisch: durch allergische Reaktionen (8.3.2).
Septisch: durch Infektionen, z. B. Mykosen (6.62) oder bakterielle Infektion.
Symptome
  • Veränderte Bewusstseinslage (Somnolenz bis Koma), Unruhe, Angst, Apathie

  • Tachykardie (Herzfrequenz > 100/Min.); niedriger systolischer RR (< 90 mmHg)

  • Feuchtkalte, blassgraue Extremitäten (bei septischem Schock Haut anfangs warm)

  • Zyanose (bei CO-Vergiftung ggf. rosarote Haut!)

  • Hyperventilation, Dyspnoe bei metabolischer Azidose

  • Oligurie (< 25 ml/Std.)

Info

Notfall: Schock

SchockindexSchockindexSchock: Puls geteilt durch systolischen Blutdruck > 1,0 (normal: 0,5)
  • Bewusstseinszustand feststellen, Aussehen überprüfen (Blässe? Zyanose?)

  • RR, Puls, Atemfrequenz, Temperatur

  • Lagerung:

    • Beine hochlagern (nicht bei kardialer Insuffizienz)

    • Bei Blutungen an Kopf, Lunge, oberem Magen-Darm-Trakt: Oberkörper hochlagern

  • Notarztinformation, ggf. durch Angehörige

  • Bei erhaltenem Bewusstsein: Betroffenen beruhigen

  • Ggf. Klinikeinweisung vorbereiten

  • Bei Körpertemperatur < 35 °C langsames Erwärmen durch Decken

  • Urinausscheidung beobachten

  • Dokumentation

  • Wärmeerhalt

Spezielle Schockformen

Hypoglykämischer Schock
SchockhypoglykämischerHypoglykämischer SchockBei Blutzucker unter 50 mg/dl spricht man von Unterzuckerung (Hypoglykämie).

Info

Notfall: hypoglykämischer Schock

  • Blutzuckertest durchführen (kritisch sind BZ-Werte ≤ 50 mg/dl bzw. ≤ 3mmol/l)

  • (Not-)Arzt verständigen

  • Bewusstsein beobachten, Wärmeerhalt

  • Traubenzucker lutschen lassen oder spezielles Gel in die Backentasche drücken

  • Fruchtsaft nur bei leichtem Unterzucker (bei Bewusstlosen Gefahr der Aspiration)

  • Falls vorhanden, Glukose-Injektion (fertige Einmalspritze)

  • Vitalzeichenkontrolle

  • Pflegebedürftigen erst verlassen, wenn sich Blutzucker stabilisiert hat oder er vom Arzt versorgt ist

  • Alle Werte und Tätigkeiten dokumentieren

  • !

    Bei unklarer Bewusstseinstrübung nie Insulin, sondern Glukose zuführen und Wirkung abwarten → Insulin könnte bei Unterzuckerung tödlich wirken. Glukose wirkt einer evtl. Unterzuckerung entgegen

Anaphylaktischer Schock
SchockanaphylaktischerAnaphylaktischer SchockSchwerste Form der allergischen Typ-I-Reaktion: kann innerhalb weniger Min. durch Blutdruckabfall und Krämpfe der Bronchialmuskulatur zum Tod führen. Eine sofortige Injektion von Glukokortikoiden und Adrenalin ist oft lebensrettend.
Symptome
  • Juckreiz, Hautröte, Quaddeln, Fieber mit Schüttelfrost, Schwindel, Übelkeit mit Erbrechen

  • Verstärkung der Symptome bis zur Bewusstlosigkeit mit Atemstillstand

Notfall: anaphylaktischer Schock

  • Bewusstsein überprüfen

  • Notarzt verständigen

  • Bei Herz-Kreislauf-Stillstand Reanimation (8.2.4)

  • Bei erhaltenem Bewusstsein: Rückenlage mit Beinhochlagerung

Koma

ZustandKomaStadien, SymptomeKoma tiefster Bewusstlosigkeit, aus dem Betroffener durch äußere Reize nicht zu wecken ist, z. B. bei Insult, Meningitis, Hirnblutung, Subarachnoidal- oder Hirnmassenblutung, Hirntumoren, diabetischem Koma, Leberkoma, urämischem Koma.

Info

Stadien des Komas

  • 1.

    Bewusstseinsverlust mit gezielten Abwehrreaktionen auf Schmerzreize

  • 2.

    Bewusstseinsverlust mit ungezielten Abwehrreaktionen auf Schmerzreize

  • 3.

    Bewusstseinsverlust ohne Schmerzreaktion, Reflexe vorhanden

  • 4.

    Erlöschen der Reflexe, Spontanatmung erhalten

  • 5.

    Keine Reflexe, keine Spontanatmung

Mögliche Symptome
  • Haut: Zyanose, Exsikkosezeichen, Schwitzen (z. B. Hypoglykämie), Ikterus, Petechien (z. B. Leberkoma), grau-bräunliche Hautfarbe (urämisches Koma), Gesichtsrötung (z. B. Hypertonie, diabetisches Koma, Sepsis), Blässe (z. B. Schock, Hypoglykämie)

  • Foetor ex ore: Alkohol-, Azeton-, Harn-, Leber-, Knoblauchgeruch (Alkylphosphate)

  • Atmung:

    • Hypoventilation, z. B. bei Intoxikation mit zentral dämpfenden Pharmaka

    • Hyperventilation (2.3.5)

    • Kußmaul-Atmung, Cheyne-Stokes-Atmung (2.3.5)

  • Neurologisch:

    • Halbseitenlähmung

    • Muskeltonuserhöhung, z. B. bei Hirnstammläsion

    • Muskeltonuserschlaffung, z. B. bei Vergiftung durch Barbiturate, Tranquilizer

    • Pupillenveränderung: Verengung, Erweiterung, ungleiche Größe, keine Reaktion auf Lichtreiz

Info

Notfall: Koma allgemein

  • Notarztinformation

  • Atmung, Puls, Blutdruck, Temperatur, Blutzucker regelmäßig überwachen

  • Bewusstseinskontrolle

  • Pupillenkontrolle

  • Bewusstlose immer in stabile Seitenlage bringen!

  • Auf Betroffenen/seine Angehörigen beruhigend einwirken

  • Wärmeerhalt

  • Ggf. Klinikeinweisung vorbereiten

Diabetisches Koma
LebensbedrohlicheKomadiabetischesDiabetisches Koma Komplikation des Diabetes mellitus mit teilweise extrem hohem Blutzuckerspiegel.
  • Blutzuckerkontrolle, Gerät zeigt ggf. „high“ an, Wert nicht mehr messbar

  • Behandlung erfolgt auf der Intensivstation. Gabe von Insulin über den Infusomaten; Blutzucker darf stündlich nur 100 mg/dl sinken, sonst Gefahr eines Hirnödems

Info

Notfall: diabetisches Koma

  • Sofort (Not-)Arzt verständigen

  • Bei Bewusstlosigkeit immer stabile Seitenlage

  • Vitalzeichenkontrolle: Puls, RR, Atmung

  • Wärmeerhalt

  • Alle Werte und Tätigkeiten dokumentieren

Notfälle des Herzens

Herzrasen
HerzrasenVitalzeichen 2.3.
Tachykardie mit ≥ 150 Herzschlägen/Min. ohne körperliche Anstrengung.

Info

Notfall: Herzrasen

Herzrasen
  • Oberkörper erhöht lagern

  • (Not-)Arzt informieren

  • Fenster öffnen, für frische Luft sorgen

  • Beruhigend einwirken

  • Vitalzeichenkontrolle: RR, Atmung, Puls (1–2 Min. auszählen)

  • Dokumentation

Kammerflimmern
KammerflimmernKammerflimmernTachykardie mit 250–350 Kammerkontraktionen/Min.; entspricht einem Herz-Kreislauf-Stillstand. Eine sofortige Reanimation (8.2.4) mit Defibrillation ist erforderlich.

Info

Notfall: Kammerflimmern/-flattern

Entspricht einem Herz-Kreislauf-Stillstand.
  • Sofort Notarzt verständigen

  • Reanimation bis zum Eintreffen des Notarztes, möglichst mit AED (8.2.4)

  • Dokumentation

Angina pectoris
Angina pectorisSymptomeAngina PectorisDurch koronare Herzkrankheit (KHK). Vorübergehender Sauerstoffmangel der Herzmuskelzellen. Angina-pectoris-Anfälle treten in Folge von erhöhtem Sauerstoffbedarf des Herzens auf, z. B. nach körperlicher oder psychischer Belastung.
Symptome
Anfallsweises Auftreten von:
  • Anhaltenden Schmerzen, Dauer: Sek. bis Min.

  • Druckgefühl im Thorax, Beklemmung

  • Schmerzen, ausstrahlend in die linke Schulter, Unterkiefer, Arm und Hand (6.42)

  • Luftnot

  • Übelkeit bis Erbrechen

  • Vernichtungsgefühl und Todesangst

Info

Notfall: Angina pectoris

  • Bei Angina-pectoris-Anfall klingen Symptome nach Gabe von Nitro-Spray ab (nicht beim Herzinfarkt)

  • Bei regelmäßiger Nitro-Einnahme und andauernden Kopfschmerzen → Möglichkeit des Nitratkopfschmerzes, Arzt informieren

Herzinfarkt
HerzinfarktHerzinfarktAkute und schwerste Manifestation der KHK mit umschriebenem Gewebeuntergang des Herzmuskelgewebes infolge lang anhaltender Mangeldurchblutung. Die Schwere des Infarkts richtet sich nach der Größe des nekrotisierten Gewebes. Bei 30 % der Betroffenen fehlen die typischen Symptome.
Symptome
Plötzliche, heftige Schmerzen hinter dem Brustbein, häufig mit starkem Engegefühl, Todesangst und Unruhe. Die Symptome können auch schwächer auftreten. Bei Frauen äußert sich ein Herzinfarkt oft in Form von Bauchschmerzen und Kreislaufstörungen.

Info

Notfall: Herzinfarkt

  • !

    Schnell handeln

  • Sofort Notarzt verständigen (lassen)

  • Bettruhe, Oberkörperhochlage, möglichst wenig bewegen

  • Vitalzeichenkontrolle: RR, Puls, Atmung

  • Bedarfsmedikation verabreichen (Cave: ärztliche Anordnung)

  • Falls vorhanden, bei RR > 110 mmHg Gabe von 2 Hüben Nitro-Spray, Vorsicht: bei zu niedrigem Blutdruck Gefahr von Schock!

  • Fenster öffnen, für frische Luft sorgen, trotzdem Wärmeerhalt

  • Bei Herz-Kreislauf-Stillstand Beginn der Reanimation (8.2.4)

  • Nach Eintreffen des Notarztes und Klinikeinweisung genaue Dokumentation.

Hypertensive Krise
KrisehypertensiveHypertensive KriseHypertensive KriseHypertonie 6.35, Vitalzeichen 2.3.
Krisenhafte Entgleisung des Bluthochdrucks mit Blutdruckwerten deutlich über den individuellen Durchschnittswerten des Patienten (> 220:120 mmHg, bei üblicherweise normalem Blutdruck u. U. bereits ab > 180:120 mmHg) und nachfolgend genannten Symptomen; stationäre Behandlung notwendig.
Symptome
  • Starke Kopfschmerzen

  • Schwindel

  • Augenflimmern, verschwommenes Sehen

  • Ohrensausen

  • Übelkeit

  • Bewusstseinstrübung

  • Sprachstörungen

  • Herzssymptome wie bei Angina pectoris (6.42)

  • Zerebrale Krampfanfälle

Info

Notfall: hypertensive Krise

  • Notarzt verständigen (lassen)

  • Bettruhe, Oberkörperhochlage

  • Pflegebedürftigen nicht allein lassen

  • Alle 10 Min. RR und Puls kontrollieren (2.3.2), RR an beiden Armen messen

  • Bewusstseinslage beobachten (2.3.8.), evtl. Reanimation einleiten (8.2.4)

  • Medikamente nach Arztanordnung, bei bekannter Angina pectoris Bedarfsmedikation verabreichen, z. B. Nitrolingual-Spray (7.4.3)

  • Alle Werte und Tätigkeiten im Anschluss dokumentieren

Akute Schmerzen

Kopfschmerzen und Schwindel
Ursachen
Schwindel, NotfallSchmerzenakute, NotfälleKopfschmerzenNotfallSchwindelGehirnerkrankungen (Hirndurchblutungsstörung, Entzündung, Hirntumor, Migräne, Schädel-Hirn-Verletzung), Halswirbelsäulenblockierung, Augenerkrankungen (z. B. Glaukomanfall), Schwankungen des RR, Herz-Kreislauf-Schwäche, Blutzuckerentgleisung, Nierenfunktionsstörung, Nebenwirkungen von Medikamenten, „grippaler Infekt“ oder Influenza.
Symptome
Anfallsartiger Halbseitenschmerz oder Dauerschmerz im gesamten Kopfbereich, evtl. Unsicherheitsgefühl, Fallneigung, Übelkeit, „Fahrstuhlgefühl“.

Info

Notfall: Kopfschmerzen und Schwindel

  • Notarzt verständigen

  • Bettruhe

  • Wiederholt Puls und RR kontrollieren

  • Auf Sehstörungen und Hörstörungen achten

  • Bewusstsein prüfen

  • Auffanggefäß und Taschentücher für evtl. Erbrechen bereitlegen

  • Dokumentation

Tipps und Tricks

Bei Hirnblutung wird oft das Gefühl einer „Explosion im Kopf“ angegeben.

Bauchschmerzen/Verdacht auf Ileus
IleusBauchschmerzen, IleusDarmverschlussIleusUnterbrechung der Darmpassage (Darmverschluss, Ileus) durch mechanisches Hindernis (mechanischer Ileus) oder durch Darmlähmung (paralytischer Ileus). Lebensbedrohliches Krankheitsbild.
Ursachen
  • Mechanischer Ileus: Einklemmung von Darmteilen in Hernien, Karzinome, Divertikulitis, verdrehte Darmschlingen, Fremdkörper

  • Paralytischer Ileus: Bauchfellentzündung, Mesenterialinfarkt, reflektorisch bei Pankreatitis, Nierenkolik, Pleuritis, Urämie, Sepsis, Hypokaliämie, Psychopharmaka-Überdosierung, Spätstadium des mechanischen Ileus

Symptome
  • Mechanischer Ileus: kolikartige Schmerzen, Erbrechen (frühzeitig beim Dünndarmileus, spät und kotig beim Dickdarmileus), Windverhalt, Blähungen, klingende Darmgeräusche, evtl. versteifte Darmschlingen durch die Bauchdecke sichtbar

  • Paralytischer Ileus: aufgetriebener, druckempfindlicher Leib, Erbrechen, Schluckauf, keine Darmgeräusche („Totenstille“)

  • Mechanischer und paralytischer Ileus: Hypovolämie und Elektrolytverschiebung evtl. bis zum Nierenversagen und Schock, Sepsis

Therapie
Erfolgt immer im Krankenhaus.
  • Mechanischer Ileus: OP

  • Paralytischer Ileus: Behandlung der Ursache, evtl. OP

Info

Notfall: Darmverschluss

  • !

    Sofortige Verständigung des Haus- oder Notarztes.

  • Überwachung von Bettruhe und Nahrungskarenz

  • Bauchdeckenentspannende Lagerung in Rückenlage mit Knierolle

  • Beruhigung des Pflegebedürftigen

  • Krankenhauseinweisung vorbereiten

Beobachten und Dokumentieren

  • RR, Puls, Atmung (2.3.2, 2.3.5)

  • Ausscheidungen (2.6), Schmerz (5.4)

Tipps und Tricks

Bei Verdacht auf kompletten mechanischen Ileus keine Einläufe oder oralen Abführmaßnahmen!

Akute Blutungen

Blutende Wunden

Info

Notfall: akute Blutung

  • BlutstillungÄußere BlutungLokale Maßnahmen zur Blutstillung (Druckverband, Abb. 8.7)

  • Ruhigstellung und Hochlagern der betroffenen Extremität, Druckverband

  • Ist die Blutung nicht zu stillen oder droht jederzeit erneut zu beginnen → (Not-)Arzt benachrichtigen

  • Vitalzeichenkontrolle (2.3)

  • Dokumentation

Blutung aus dem Magen-Darm-Trakt
BlutungenBlutungMagen-Darm-TraktGastrointestinale Blutung aus Speiseröhre, Magen, oberen Dünndarm: obere Gastrointestinalblutung → Bluterbrechen.
Blutung aus unterem Darm, Dickdarm, Enddarm, After: untere Gastrointestinalblutung → Blut im Stuhl.

Info

Notfall: Blutung aus dem Magen-Darm-Trakt

  • Notarzt verständigen

  • Person je nach Blutungsintensität und Bewusstseinslage lagern (8.2.3)

  • Erstmaßnahmen durchführen (8.2)

  • Vitalzeichenkontrolle

  • Evtl. Blut bis zum Eintreffen des Arztes aufheben (z. B. Auffanggefäß, Handtücher), um das Ausmaß der Blutung abzuschätzen

  • Wärmeerhalt

  • Krankenhauseinweisung vorbereiten

  • Dokumentation

Hirnblutung
Symptome:
  • HirnblutungBlutungHirnblutungHirnblutungPlötzlich einsetzende starke Kopfschmerzen

  • Übelkeit, Erbrechen

  • Neurologische Ausfallsymptome

Info

Notfall: Verdacht auf Hirnblutung

  • Vitalzeichenkontrolle, Atmung

  • Rückenlage bei erhaltenem Bewusstsein

  • Stabile Seitenlage bei Bewusstlosen

  • Beengende Kleidung lockern, Zahnprothese entfernen

  • Notarzt verständigen (lassen), alle Symptombeobachtungen mitteilen (Zeitpunkt, Ausmaß)

  • Klinikeinweisung durch den Arzt

  • Wärmeerhalt

  • Dokumentation

Nasenbluten
Nasenbluten, starkesNasenbluten, starkesUnstillbar (Dauer länger als 15 Min.).
Ursachen
Verletzung der Gefäße durch Fremdkörper, Nasenbohren, Austrocknung der Nasenschleimhaut, hohes Fieber, Gerinnungsstörung, Lebererkrankungen, Bluthochdruck.
Symptome
Dunkle (venöse) Blutung meist einseitig. Helle (arterielle) Blutung meist beidseitig.

Info

Notfall: starkes Nasenbluten

  • Notarzt verständigen (lassen)

  • Oberkörper hochlagern, Kopf nach vorne beugen

  • Nasenflügel fest zusammendrücken

  • Blut nicht schlucken, sondern ausspucken lassen (geschlucktes Blut führt zu Erbrechen)

  • Schüssel und Taschentücher bereithalten

  • Eisbeutel bzw. kalten Lappen in den Nacken und auf den Nasenrücken legen. Erwärmten Lappen im Eiswasser immer wieder abkühlen

  • Bei heller Blutung auf Schockgefahr vorbereitet sein (8.3)

  • Wird Person bewusstlos: Lagerung in stabile Seitenlage (8.2.3). Bei Rückenlage Aspirationsgefahr!

  • Uhrzeit merken, Dauer der Blutung dokumentieren; blutige Tücher bis zum Eintreffen des Arztes aufheben, um die Menge der Blutung zu beurteilen

  • Dokumentation

Spezielle Notfallsituationen

Meningitiszeichen
Symptome
  • KopfschmerzenMeningitisEnzephalitisMeningitisEnzephalitis

  • Licht- und Lärmempfindlichkeit

  • Vegetative Störungen (z. B. Übelkeit/Erbrechen)

  • Überempfindlichkeit der Haut

  • Hirndrucksymptome:

    • Stauungspapille, Pupillendifferenzen, gestörte Lichtreaktion (3.1.2)

    • Neurologische Ausfälle je nach Ort der Krankheitsherdes (z. B. Hirnnervenausfälle, Lähmungen)

    • Bewusstseinsstörungen

    • Krampfanfälle

    • Bradykardie (sog. Druck- oder Vaguspuls)

    • Hypertonie, Kreislaufversagen

    • Atemstörungen

  • Nackensteifigkeit und Opisthotonus (Zurückbiegen des Kopfes bei überstrecktem Rumpf und überstreckten Extremitäten)

  • Positives Lasègue-Zeichen (reflektorischer Widerstand bei Anheben des Beins in Rückenlage)

Info

Notfall: Verdacht auf Meningitis/Enzephalitis

  • Notarzt verständigen

  • Bewusstsein beobachten

  • Vitalzeichenkontrolle

  • Ruhige, abgedunkelte Umgebung schaffen

  • Bettruhe, leicht erhöhter Oberkörper → Hirndruck entlasten

  • Wärmeerhalt

  • Dokumentation

Asthmaanfall akut

Info

Notfall: akuter Asthmaanfall

Atemnot 2.3.5.Asthmaanfall, akuterAsthmaanfall
  • Medikamentengabe nach ärztlicher Anordnung:

    • Antiasthmatika, β-Sympathikomimetika, Glukokortikoide

    • Möglichst keine sedierenden Medikamente → Dämpfung des Atembetriebs

  • Falls vorhanden, Sauerstoff 2–4 l/Min. über Nasensonde geben

  • Dokumentation

  • !

    Wenn sich Anfall nach 3–4 Sprühstößen nicht bessert → Notarzt verständigen, Gefahr von lebensbedrohlichem Status asthmaticus.

Epileptischer Anfall

Info

Notfall: epileptischer Anfall (Grand-Mal)

  • Bei erkennbarer AuraEpilepsieGrand-Mal-AnfallGrand-Mal-AnfallGrand-Mal-Anfall (ungewöhnliche Sinneseindrücke, Körperempfindungen oder Stimmungsänderungen) Betroffenen sicher lagern, z. B.:

    • Auf den Boden auf eine weiche Decke setzen, ins Bett legen

    • Kleidung lockern

    • Sturz vermeiden, Platz schaffen, Verletzungsgefahr einschränken

    • Zahnprothese entfernen

  • Arzt verständigen (lassen)

  • Keine Flüssigkeit oder Arzneimittel oral → Aspirationsgefahr

  • Injektionen nur nach schriftlicher ärztlicher Anordnung

  • Anfallstyp, Anfallsdauer beobachten und dokumentieren

  • !

    Cave: keinen Mundkeil einsetzen!

Lungenembolie
Symptome
  • Plötzliche Dyspnoe, Tachypnoe, HustenLungenembolieAtemnotLungenembolie

  • Atemabhängiger thorakaler Schmerz (bei Einatmung verstärkt), Engegefühl

  • Symptome einer Rechts- bzw. Linksherzinsuffizienz

  • Symptome eines kardiogenen Schocks (Blutdruckabfall, Tachykardie, gestaute Halsvenen, Dispnoe, Bewusstseinsstörungen)

Info

Notfall: Verdacht auf Lungenembolie

  • Notarzt verständigen

  • In keinem Fall aufstehen lassen (auch nicht vom Boden nach einem möglichen Sturz)

  • Oberkörper leicht erhöht lagern, Atmung erleichtern

  • Bewusstsein beobachten, Wärmeerhalt

  • Vitalzeichenkontrolle

  • Bei Schockanzeichen zusätzlich Beine hochlagern (erhöhte Oberkörperlagerung beibehalten)

  • Wenn möglich, Sauerstoff zuführen (mobiles Sauerstoffgerät vorhanden?)

  • Ggf. Schocktherapie

  • Dokumentation

Verbrennungen

Info

Notfall: Verbrennung

  • Notarzt informierenVerbrennungVerbrennung

  • Vitalzeichen beobachten, bei größeren Verbrennungen Schockgefahr (8.3)

  • Verklebte Kleidung vorsichtig entfernen

  • Bei kleinen Flächen (nicht größer als die Handfläche) an den Extremitäten: sofort unter sauberem Leitungswasser (handwarm) max. 10 Min. kühlen (Gefahr der Unterkühlung)

  • Kühlung sofort beenden, wenn Betroffener zu frösteln beginnt

  • Bei großflächigen Verbrennungen: wenn vorhanden, sterile, nicht haftende Wundabdeckung (z. B. Metalline®) auflegen, sonst unbedeckt lassen (Gefahr der Verklebung zwischen Wunde und Auflage); nicht kühlen (Gefahr der Unterkühlung)

  • Betroffenen beruhigen, nicht allein lassen

  • Nach Versorgung durch Arzt Schweregrad, Ausdehnung und Maßnahmen dokumentieren

  • Bei größeren Verbrennungen Klinikeinweisung vorbereiten

Verbrennungsgrade.Verbrennungsgrade

Tab. 8.2
Grad 1 Schädigung der Oberhaut, trocken und schmerzhaft geschwollen, Hautrötung
Grad 2a/Grad 2b Blasenbildung (heilt ohne Narbenbildung), Verbrennung bis zur Lederhaut, schmerzhafte Schwellung, Blässe, gestörte Hautdurchblutung
Grad 3 Zerstörung aller Hautschichten und Hautanhanggebilde, Haut ist graufleckig bis weiß oder schwarz (Totalnekrose), Schmerzempfinden ist aufgehoben
Grad 4 Unter der Haut liegende Strukturen (Sehnen, Muskeln, Knochen) sind betroffen
Komplikationen
  • Verbrennungsschock durch Flüssigkeitsverlust und Toxinfreisetzung, septischer Schock (8.3)

  • Akutes Nierenversagen

  • Reflektorischer Ileus, evtl. Stressulkus

  • Bronchopneumonie (Rauchgasvergiftung), akutes Lungenversagen

  • Herzrhythmusstörungen durch Freisetzung von intrazellulärem Kalium

  • Unterkühlung

Verätzung von Haut und Augen

VerätzungHautverätzungAugenverätzungVerätzung von Haut oder Augen durch Säuren/ Laugen noch am Unfallort mit Wasser oder Sprudel spülen:
  • Menge: mehrere Liter

  • Dauer: mind. 20 Min.

  • Feste Partikel mit Tuch oder Watteträger vorsichtig aus dem Auge wischen

  • !

    Die rasche Entfernung schädigender Substanz ist entscheidend für günstige Prognose

  • !

    Notarztinformation, Verlegung in Klinik vorbereiten

Medizinische Augenspülungen
AugenspülungDurchführung bei Augenerkrankungen nach Arztanordnung.
Materialien
  • Spülflüssigkeit 0,9 % NaCl-Lösung oder fertige Lösung

  • 20-ml-Spritze

  • Kompressen, Auffangschale

  • Handtuch zum Unterlegen

  • Einmalhandschuhe

Durchführung
  • Handschuhe tragen

  • Betroffenen informieren; am Waschbecken sitzen lassen, Oberkörper vor Nässe schützen

  • Kopf zur betroffenen Seite neigen lassen, damit Spülflüssigkeit nicht ins andere Auge läuft

  • Augenlider mit Daumen und Zeigefinger spreizen, fest sitzende Partikel vorsichtig mit einem (sterilen) Watteträger entfernen

  • Spülflüssigkeit, insgesamt etwa 500 ml pro Spülung, aus 10 cm Entfernung mit leichtem Druck über das Auge und den Bindehautsack laufen lassen.

  • Betroffenen abwechselnd nach oben, unten, links und rechts schauen lassen

Nachsorge
  • Augensalbe/-tropfen mit Augenverband nach Arztanordnung verabreichen

  • Material entsorgen, Dokumentation

  • Kontrolle durch Augen-/Notarzt empfehlen oder veranlassen

Vergiftung

Mögliche Symptome
  • VergiftungSymptomeIntoxikationVergiftungZentralnervöse Störungen: Erregung, Bewusstseinstrübung bis zum Koma, Krämpfe, Lähmungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Pupillen reaktionslos

  • Psychische Störungen: aggressives oder depressives Verhalten, Phantasieren

  • Gastrointestinale Störungen: Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö

  • Atem- und Kreislaufstörungen: Schock, Kreislaufstillstand, Atemlähmung, Tachykardie oder Bradykardie

  • Hauterscheinungen: Zyanose, Rötung, Blässe, Blasenbildung bei Barbituratvergiftung

  • Niere: Polyurie, Oligurie, Hämaturie, akutes Nierenversagen

Diagnostik
  • Anamnese, ggf. Fremdanamnese, z. B. Angehörige

  • Andere Hinweise, z. B. Medikamentenreste, Rückstände in Trinkgefäßen, Erbrochenes, Atemgeruch beachten

  • Serum, Mageninhalt, Urin, Sputum aufbewahren, muss ggf. auf Giftstoffe untersucht werden

  • Atmung, Puls, Blutdruck, Temperatur, Blutzucker kontrollieren

  • Neurologische Untersuchung

Info

Notfall: Vergiftung

  • Notarzt alarmieren! Giftinformationszentrale anrufen (Tab. 8.3), ggf. bereits am Telefon Ausmaß der Vergiftung abklären:

    • Was und wie viel wurde eingenommen/gegessen/getrunken?

    • Wie lange ist es her?

    • Evtl. Anweisungen für Erstmaßnahmen telefonisch entgegennehmen (ggf. Gabe von Aktivkohle; schaumhemmenden Arzneimitteln, z. B. Dimeticon)

  • Vitalfunktionen kontrollieren und sichern, z. B. Schockbehandlung

  • Dokumentation von Vitalzeichen, Zustand des Betroffenen, Hinweisen zur Auslösung der Vergiftung

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