© 2022 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-47154-4.00015-5

10.1016/B978-3-437-47154-4.00015-5

978-3-437-47154-4

AugenspülungAugeSpülung

[L157]

Stumpfe Gewalteinwirkung durch Faustschlag mit Blow-Out-Fraktur

[a: L231; b, c: E287]

Leitsymptome und AugeNotfälleDifferenzialdiagnose

Tab. 15.1
Leitsymptome Differenzialdiagnose
Augenrötung Fremdkörperverletzung, Prellung, Verätzung, Höhensonne, Konjunktivitis, mechanische Reizung („Zug“ bekommen), Schweißen, allergische Reaktionen, nach schweren Thoraxverletzungen, Höhenretinopathie
Akuter Sehverlust Verletzung (chemisch, physikalisch) Glaukomanfall, Störungen von Netzhautgefäßen (Verschluss, N. opticus, Sehbahn), Netzhautablösung, Symptom chron. Erkr., z. B. Diabetes mellitus, Hypertonus, Arteriosklerose, Hyperlipidämie
Pupillendifferenzen SHT, Ischämie, Tumor, Aneurysma A. communicans posterior
Schmerzen im Auge Fremdkörperverletzung, Verätzung, Verbrennung, stumpfes oder penetrierendes Bulbustrauma, Glaukomanfall
Lichtscheu, Lichtsaum Glaukomanfall, Verätzung, Augenmuskelparese, Fremdkörperverletzung
Übelkeit, Erbrechen, Schwindel Glaukomanfall, Augenmuskelparese, SHT, Ischämie

Leitsymptom Augenrötung

Tab. 15.2
Begleitsymptom Anamnese, Untersuchung Verdachtsdiagnose
Juckreiz Häufiges Reiben in den Augen, Augenbrennen (Allergische) Konjunktivitis, Fremdkörper: Insekten, Staub
Schmerzen Tränenfluss, Lidverkrampfung, Berührungsängste, Unruhe Fremdkörperverletzung, Verätzungen, Glaukomanfall
Lichtscheu, Lichtsaum Unruhe, Tränenfluss, Schmerzen, Lidkrampf Verätzungen, thermische Verletzung, Fremdkörperverletzung

Leitsymptom akuter Sehverlust

Tab. 15.3
Begleitsymptom Anamnese, Untersuchung Verdachtsdiagnose
Schmerzen im Auge Weite Pupille, Übelkeit, Schwindel, Erbrechen, harter Augapfel Akuter Glaukomanfall
Erhöhte RR-Werte > 200 mmHg Kopfschmerzen, Müdigkeit, Bewusstseinstrübung Hypertensive Krise, SAB

Leitsymptom Pupillendifferenz

Tab. 15.4
Begleitsymptom Anamnese, Untersuchung Verdachtsdiagnose
Sichtbare Kopfverletzungen oder Mehrfachverletzung Blutungen, Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Hirndruckzeichen, Bewusstseinsstörungen Schädel-Hirn-Trauma
Keine sichtbaren Kopfverletzungen Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Bewusstseinstörungen Ischämie, Aneurysma A. communicans posterior, Tumor, Blutung
Fremdkörper im Auge, Austritt von Augenanteilen Schmerzen, Augenrötung, starker Tränenfluss, Lichtsaum Bulbustrauma
Akuter Beschwerdeeintritt Schmerzen, Lichtsaum, „Mückensehen“, „Fleckentanzen“, Schwindel, Lichtscheu Glaukomanfall, akuter Visusverlust

Leitsymptom Schmerzen

Tab. 15.5
Begleitsymptom Anamnese, Untersuchung Verdachtsdiagnose
Starker Tränenfluss Lichtscheu, Sehverschlechterung, Unruhe Augenverätzung
Akuter Visusverlust Rötung, Sehverschlechterung, trockenes Auge Glaukomanfall
Entrundung der Pupille Blutunterlaufene Bindehaut, Sehverlust, Tränenfluss, Austritt von gallertartiger Masse aus dem Auge Bulbustrauma, Fremdkörperverletzung

Leitsymptom Lichtscheu/LidkrampfDoppelbilderLichtsaum

Tab. 15.6
Begleitsymptom Anamnese, Untersuchung Verdachtsdiagnose
Milchig-trübe Hornhaut Stärkste Schmerzen, rotes Auge, Übelkeit, Erbrechen, Bradykardie, Schwitzen Glaukomanfall
Lidkrampf Sehverschlechterung, Tränenfluss, Augenschmerzen, starke Unruhe Keratitis (Hornhautentzündung)
Doppelbilder Orientierungsschwierigkeiten, Schwindel, Kopfschmerzen, rasche Ermüdbarkeit, Verschwommensehen Augenmuskelparese

Leitsymptome Übelkeit, Erbrechen, SchwindelDoppelbilder

Tab. 15.7
Begleitsymptom Anamnese, Untersuchung Verdachtsdiagnose
Doppelbilder Orientierungsschwierigkeiten, Kopfschmerzen, rasche Ermüdbarkeit, Verschwommensehen Augenmuskelparese
Milchig-trübe Hornhaut Heftige Augenschmerzen, rotes Auge, Bradykardie, Schwitzen, Lichtsaum, Lichtscheu Glaukomanfall

Augennotfälle

Nils Gehring

  • 15.1

    Leitsymptome und Differenzialdiagnose436

    • 15.1.1

      Augenrötung436

    • 15.1.2

      Akuter Sehverlust437

    • 15.1.3

      Pupillendifferenz437

    • 15.1.4

      Schmerzen438

    • 15.1.5

      Lichtscheu, Lichtsaum439

    • 15.1.6

      Übelkeit, Erbrechen, Schwindel440

  • 15.2

    Akuter Glaukomanfall (Glaucoma acutum)440

  • 15.3

    Verätzungen441

  • 15.4

    Stumpfes Bulbustrauma443

  • 15.5

    Perforierende Verletzungen445

Leitsymptome und Differenzialdiagnose

Augenrötung

Tritt AugeRötungsehr häufig auf, bedarf meist keiner Therapie. Durch evtl. zusätzlichen Juckreiz wird sie vom Pat. als sehr unangenehm empfunden, meist allerdings so „hingenommen“. Erst wenn weitere Beschwerden, wie Schmerzen beim Glaukomanfall, hinzutreten, sucht der Pat. den Arzt auf oder alarmiert den RD.
Zwei Fragen stehen zunächst im Mittelpunkt
  • 1.

    Ist die Situation bedrohlich für Mensch oder Augenlicht? Alarmzeichen sind starke Schmerzen (evtl. in Kombination mit Übelkeit und Erbrechen), sichtbarer Fremdkörper, der aus dem Auge herausragt, Austritt von Augenanteilen → NA nachfordern.

  • 2.

    Gibt es Hinweise auf die Ursache der Augenrötung (Tab. 15.2)? Anamnese erheben:

    • Besteht eine Allergie? z. B. Heuschnupfen

    • Beschwerde bekannt? z. B. schon häufiger nach Autofahrt mit offenem Fenster aufgetreten, chronische Bindehautentzündung oder erstmalig aufgetreten?

    • In welcher Situation ist die Beschwerde aufgetreten? z. B. bei Arbeiten mit einem Schweißgerät, im Rahmen eines Unfalls (Fremdkörperverletzung, Prellung), aus „heiterem Himmel“ (Konjunktivitis, Glaukomanfall)

    • Einseitig oder beidseitig gerötetes Auge (Konjunktivitis oft beidseitig)?

Akuter Sehverlust

Gesichtsfeldverlust, akuterSehverlust, akuterRasch auftretender Visusverlust oder Gesichtsfeldverlust, einseitig, beidseitig, mit oder ohne Schmerzen. Auftreten häufig durch Anstrengung oder nach Schlaf. Ursachen liegen im Bereich der Netzhaut (z. B. N. oder Tractus opticus).
  • !

    Wird vom Pat. als sehr bedrohlich empfunden → beruhigend einwirken, Ruhe ausstrahlen.

Zwei Fragen stehen zunächst im Mittelpunkt
  • 1.

    Ist die Situation bedrohlich für Mensch oder Augenlicht? Alarmzeichen sind „Mückensehen“, „Fleckentanzen“, starke Augenschmerzen, Pupillendifferenz → Glaukomanfall, raumfordernder Prozess (z. B. SAB), Durchblutungsstörung.

  • 2.

    Gibt es Hinweise auf die Ursache des Sehverlustes (Tab. 15.3)? Anamnese erheben:

    • Beschwerde bekannt (z. B. Hypertonie) oder erstmalig aufgetreten?

    • In welcher Situation ist die Beschwerde aufgetreten? z. B. nach Anstrengung, Schlaf, langsame Steigerung des Sehverlustes (z. B. SAB), oder plötzlich aufgetreten? z. B. Glaukomanfall, Netzhautablösung

    • Nimmt der Pat. Medikamente ein?

Pupillendifferenz

PupillendifferenzLeitsymptom des Schädel-Hirn-Schädel-Hirn-TraumaPupillendifferenzTraumas. Fällt meist erst im Rahmen einer genauen Untersuchung auf (Tab. 15.4). Alarmierung des RD meist nicht auf Grund der Pupillendifferenz. Kommt auch physiologisch vor, z. B. Adie-Syndrom, Amaurosis, Linsenimplantation.
  • !

    Genaue Abklärung nötig.

Zwei Fragen stehen zunächst im Mittelpunkt
  • 1.

    Ist die Situation bedrohlich für Mensch oder Augenlicht? Alarmzeichen sind Bewusstseinsstörungen, Kopfverletzungen mit oder ohne Bulbusbeteiligung → NA nachfordern.

  • 2.

    Gibt es Hinweise auf die Ursache der Pupillendifferenz (Tab. 15.4)? Anamnese erheben:

    • Phänomen bekannt? z. B. chronisches Augenleiden, vorangegangene Augenerkr., z. B. Glaukomanfall, oder erstmalig aufgetreten, z. B. Unfall, Verletzungsfolge, SHT, Bulbustrauma

    • In welcher Situation aufgetreten? z. B. nach Anstrengung, nach dem Schlafen

    • Akuter Visusverlust?

    • Nimmt der Pat. Augenmedikamente ein? z. B. Atropin.

Schmerzen

AugeSchmerzenWerden unterschiedlich stark empfunden. Jegliche Schmerzäußerung muss daher ernst genommen werden. Im Bereich der Augen werden Schmerzen oft als besonders bedrohlich und unerträglich empfunden und können von Panikreaktionen begleitet sein.
Zwei Fragen stehen zunächst im Mittelpunkt
  • 1.

    Ist die Situation bedrohlich für Mensch oder Augenlicht? Alarmzeichen sind sichtbare Verletzungszeichen, stärkste Schmerzen, Visuseinschränkung → NA nachfordern.

  • 2.

    Gibt es Hinweise auf die Ursache der Schmerzen (Tab. 15.5)? Anamnese erheben:

    • Beschwerde bekannt? z. B. chron. Augenleiden, oder erstmalig und akut aufgetreten?

    • Akuter Visusverlust?

    • In welcher Situation ist die Beschwerde aufgetreten? z. B. nach Unfallereignis, seit längerer Zeit mit steigender Schmerzintensität

    • Nimmt der Pat. Medikamente ein?

Lichtscheu, Lichtsaum

Unangenehme LichtscheuEmpfindungen im Auge bei Lichteinfall.

Merke

Diagnostische Möglichkeiten auf Grund der Beschwerde deutlich eingeschränkt. Obwohl für den Pat. sehr unangenehm, kann nicht auf helle Umgebung oder direkte Beleuchtung des Auges verzichtet werden.

Zwei Fragen stehen zunächst im Mittelpunkt
  • 1.

    Ist die Situation bedrohlich für Mensch oder Augenlicht? Alarmzeichen sind evtl. sichtbare Verletzungen, starke Schmerzen → NA nachfordern.

  • 2.

    Gibt es Hinweise auf die Ursache des Lichtsaumes/der Lichtscheu (Tab. 15.6)? Anamnese erheben:

    • Beschwerde bekannt oder erstmalig aufgetreten?

    • In welcher Situation ist die Beschwerde aufgetreten? z. B. nach Arbeiten mit einem Schweißbrenner ohne Sichtschutz, zusammen mit starken, einseitigen Kopfschmerzen (Migräne?)

    • Sind Doppelbilder aufgetreten? z. B. Augenmuskelparese

    • !

      Lichtscheu kann auch im Rahmen von z. B. Masern, Meningitis, Enzephalitis auftreten → den ganzen Pat. betrachten.

Übelkeit, Erbrechen, Schwindel

Sehr ÜbelkeitErbrechenSchwindelhäufig kommt es im Rahmen von Augenerkr. zu vegetativen Symptomen. Die sichere Zuordnung spielt hierbei eine große Rolle. Unspezifische Symptome (Kap. 8, Kap. 9, Kap. 10, Kap. 18).
Zwei Fragen stehen zunächst im Mittelpunkt
  • 1.

    Ist die Situation bedrohlich für Mensch oder Augenlicht? Alarmzeichen sind sichtbare Verletzungen, starke Schmerzen → NA nachfordern

  • 2.

    Gibt es Hinweise auf die Ursache von Übelkeit, Erbrechen, Schwindel (Tab. 15.7)? Anamnese erheben:

    • Bessern sich die Symptome bei Schließen der Augen? z. B. Menière-Krankheit (Kap. 14.4)

    • Beschwerde bekannt? z. B. Migräneanfälle, chron. Augenleiden, oder erstmalig aufgetreten?

    • Sind Doppelbilder aufgetreten? z. B. Augenmuskelparese

    • Liegen Symptome anderer Krankheitsbilder vor? z. B. Fieber, kolikartige Schmerzen, Bauchdeckenbeschaffenheit

    • Nimmt der Pat. Medikamente ein? NW?

Akuter Glaukomanfall (Glaucoma acutum)

Glaukomanfall, akuterAugeInnendruckerhöhungPlötzliche Augeninnendruckerhöhung auf Werte zwischen 50–80 mmHg (Normalwert: 10–20 mmHg) durch Verlegung des Kammerwasserabflusses. Massive Sehverschlechterung. Fast immer einseitig.
UrsachenChron. Engwinkelglaukom, Augenverletzungen oder frühere Augen-OP, Alter, Diabetes mellitus, starke Weitsichtigkeit, Entzündungen im Auge, Gefäßerkr. der Netzhaut, Hypotonie, u. U. aufgrund eines behandelten Hypertonus
Ersteindruck
  • Anfallsartige Attacken von Sehverschlechterung

  • Heftigste Augenschmerzen, Kopfschmerzen

  • Rotes Auge mit milchig-trüber Hornhaut

  • Entrundete oder weite, lichtstarre Pupille

  • Erscheinen von Farbringen um Lichtquellen

  • Übelkeit und Erbrechen, Bauchschmerzen

  • Evtl. Lidödem

ABCDE-Schema
  • OPQRST (Kap. 2.1.6) und SAMPLER (Kap. 2.1.5) erheben

  • Palpation: steinharter BulbussteinharterBulbus

  • Pupillenkontrolle: mittelweite, träge reagierende, evtl. entrundete Pupille

Monitoring & Befunde

  • HF ↑, evtl. HF ↓

  • RR, P, evtl. EKG und SpO2

Basismaßnahmen
  • Beruhigung

  • Lagerung: Oberkörper erhöht

  • O2-Gabe 4–6 l/Min Ziel pO2 98 %

  • Venösen Zugang legen, offenhalten mit Vollelektrolytlösung

Erweiterte Maßnahmen
  • Pupillenverengung mit Parasympathomimetika, um Kammerwasserabfluss zu verbessern, z. B. Pilocarpin-Augentropfen 1 % 1 Tr. Im Abstand von 10 Min. ins Auge tropfen

  • Evtl. Sedierung: Midazolam 2,5–5 mg (0,05–0,1 mg/kg KG) i. v. (Kap. 19.2.44)

  • Analgesie: Morphin 5–10 mg i. v. (Kap. 19.2.45) → verengt zusätzlich die Pupillen

  • Erweiterte Therapie möglichst in Rücksprache mit Augenarzt

Transport
  • In Krankenhaus mit ophthalmologischer Abteilung

  • Patientenraum nach Möglichkeit hell erleuchten (Pupillenverengung)

  • Während des Transports Beruhigung des Pat., kontinuierliches Monitoring fortführen

Tipps & Tricks

  • Symptomatik oft irreführend wegen der GIT-Beschwerden → V. a. akutes Abdomen

  • Ein rotes Auge mit starken Kopfschmerzen und Übelkeit/Erbrechen ergibt einen hochgradigen Verdacht auf einen akuten Glaukomanfall.

Verätzungen

Verätzungen Verätzung, AugeAugeVerätzungim Haushalt sind häufig, vor allem bei Kindern. Die Schwere der Verätzung hängt ab von: Substanz (Säure oder Lauge, Pfefferspray), Konzentration, pH-Wert der Lösung und Einwirkzeit. Hier setzt die 1. Maßnahme an:
  • !

    Erste Maßnahme: sofortiges Spülen des Auges!

Ersteindruck
  • Akute Sehverschlechterung (Säureverätzung)

  • Schleichender Sehverlust (Laugenverätzung)

  • Starke Augenschmerzen

  • Starker Tränenfluss

  • Lichtscheu

  • Lidkrampf

  • Starke Unruhe

  • Abwehrhaltung

ABCDE-Schema
  • !

    Langwierige Maßnahmen zur Versorgung des Pat. stehen im Vordergrund und dürfen durch Anamneseerhebung nicht unterbrochen werden.

  • OPQRST (Kap. 2.1.6) und SAMPLER (Kap. 2.1.5) erheben

  • Anamnese: z. B. Unfallhergang, welche Chemikalien werden verwendet und kommen in Frage → dokumentieren

Monitoring & Befund

AF ↑, HF ↑, EKG, Unruhe

Fokussierte UntersuchungInspektion der Umgebung, z. B. Säurereste → Arbeitsplatz, Kleidung, Inspektion des Auges mittels Tupfer, Watteträger oder Lidhaken.
Basismaßnahmen
  • Augenspülung mit AugeSpülungmind. 2 l fließendem Wasser, Ringer-Lösung, NaCl 0,9 % oder Aqua dest., besser Spüllösungen, z. B. Isogutt®, Tima oculav® verwenden

    • Möglichst bei allen Spülungen Augenspülflasche verwenden (Abb. 15.1).

    • Während ein Helfer spült, muss der zweite Helfer mit der weiteren Versorgung fortfahren.

    • Handschuhe anziehen.

    • Kopf des Pat. zur Seite des verletzten Auges wenden.

    • Öffnen des Lids des betroffenen Auges mit zwei Fingern einer Hand.

    • Flüssigkeit aus ca. 10 cm Höhe in den inneren Augenwinkel gießen, mind. 15 Min.

    • Bei Verwendung einer Augenspülflasche: Flasche auf das betroffene Auge aufsetzen und Flüssigkeit mit leichtem Druck einspülen

    • Während des Spülvorganges Pat. auffordern, seine Augen in alle Richtungen zu bewegen.

  • Sichtbare und evtl. nicht lösliche feste Partikel mit Tupfer aus dem Bindehautsack entfernen

  • Pat. beruhigen

  • Basismonitoring (RR, P, evtl. EKG und SpO2)

  • Venösen Zugang legen: Offenhalten mit 500 ml Vollelektrolytlösung i. v.

Achtung

Absolute KI für Augenspülung bei Verätzungen Kalkverätzungmit ungelöschtem Kalk → Gefahr von weiteren Verätzungen oder Temperaturanstiegen bis 100 °C. In diesem Fall nur mit Watteträgern und Speiseöl oder Paraffinöl reinigen.

Erweiterte Maßnahmen
  • Beide Augen steril abdecken

  • Analgesie: Morphin 2–5 mg i. v. (Kap. 19.2.45)

  • Evtl. Sedierung: Midazolam 2,5–5 mg (0,05–0,1 mg/kg KG) i. v. (Kap. 19.2.44)

  • Bei Lidkrampf Lokalanästhetikum, z. B. Konjuncain EDO®, in das Auge einträufeln

Transport
  • Vor Transport ausreichend spülen, evtl. während des Transports fortführen.

  • In Klinik mit augenheilkundlicher Abteilung transportieren, in leichteren Fällen zum niedergelassenen Augenarzt. Achtung: Ausmaß wird primär eher unterschätzt.

  • Bei Sehverlust oder stärksten Schmerzen Sonderrechte und Voranmeldung.

  • Während des Transports: kontinuierliches Monitoring fortführen

Tipps & Tricks

  • Bei Lidkrampf keine gewaltsame Öffnung des Auges erzwingen, die schädliche Substanz würde noch mehr ins Auge gerieben.

  • Achtung: Immer für ausreichenden Eigenschutz sorgen!

  • Umgebung checken, nicht einfach in den Gefahrenbereich begeben → Gefahr der Selbstverletzung durch z. B. Anhaften der Substanz an der eigenen Kleidung, Schuhe → dadurch Verbreitung der Substanz

  • Bei Unklarheiten Leitstelle informieren und u. U. Feuerwehr hinzuziehen.

Stumpfes Bulbustrauma

Kontusionsverletzung durch stumpfe AugeTrauma, stumpfesBulbusTrauma, stumpfesGewalteinwirkung auf das Auge z. B. durch Squashball, Tennisball, Faustschlag (Abb. 15.2), Sektkorken. Verletzung tritt sehr häufig auf. Komplikationen können aber erst nach Jahren auftreten wie z. B. Linseneintrübung, Netzhautablösungen, Augeninnendruckerhöhung.
Ersteindruck
  • Augenrötung

  • Pupillendifferenz

  • Sehverschlechterung

  • Bulbusschwellung

  • Lidschwellung

  • Bluterguss

  • Schmerzen im betroffenen Auge

  • Übelkeit, Erbrechen

ABCDE-Schema
  • OPQRST (Kap. 2.1.6) und SAMPLER (Kap. 2.1.5) erheben

  • Bei Doppelbildern Orbitabodenfraktur mit ggf. Einklemmung des unteren geraden Augenmuskels und/oder Nervenläsionen

Monitoring & Befunde

AF ↑, HF ↑ oder ↓, RR evtl. ↑

Fokussierte Untersuchung
  • Inspektion des Auges auf z. B. Fremdkörper

  • Knisternder Palpationsbefund der Lidschwellung? → Achtung: Luftemphysem durch den Einbruch der Siebbeinzellen

Basismaßnahmen
  • Aufrechte Lagerung

  • Ggf. kühlende Kompressen zur Abschwellung

  • Bulbus ruhigstellen durch beidseitigen Augenverband

  • Basismonitoring (RR, P, evtl. EKG und SpO2)

  • Ggf. venösen Zugang legen, offenhalten mit Vollelektrolytlösung

Erweiterte MaßnahmenEvtl. Analgesie mit Morphin 2–5 mg i. v. (Kap. 19.2.45)
Transport
  • Bei jeder mechanischen Augenverletzung an eine Perforation denken, deshalb immer Transport → Gefahr des Verlustes von Auge oder Augenlicht

  • Transport in Klinik mit ophthalmologischer Abteilung

Perforierende Verletzungen

Extreme AugeVerletzung, perforierendeFremdkörperAugeAugenverletzung mit Eröffnung des Augapfels. Das Spektrum der Verletzung reicht von extrem kleinen, kaum sichtbaren Verletzungen bis hin zu Kornea-und Skleraeröffnung.
Ursachen
  • Eindringen größerer oder kleinerer Fremdkörper in den Augapfel. z. B. Glassplitter, Eisenspäne, Nägel, Stöcke

  • Stumpfes Bulbustrauma aufgrund extrem einwirkender Wucht auf das betroffene Auge

  • Vorgeschädigtes Auge (z. B. nach Operation, Verletzung)

  • !

    Häufigste Erblindungsursache. Meist bei der Arbeit, bei Verkehrsunfällen, Sport und Spiel.

Ersteindruck
  • Akuter Sehverlust

  • Starker Tränenfluss

  • Evtl. sichtbarer Fremdkörper im Auge

  • Evtl. Schmerzen im betroffenen Auge

  • Blutunterlaufene Bindehaut oder Augapfel

  • Evtl. sichtbare Wundöffnung

  • Austritt von gallertartiger Substanz aus dem Augapfel

  • Evtl. Entrundung der Pupille.

  • Unruhe

ABCDE-Schema
  • OPQRST (Kap. 2.1.6) und SAMPLER (Kap. 2.1.5) erheben

  • Evtl. Tachykardie

Monitoring & Befunde

HF ↑, RR evtl. ↑

Fokussierte UntersuchungAuge unter heller Lichtquelle nach Fremdkörper absuchen, → Achtung: vorsichtige Inspektion → Gefahr des Lidkrampfes. Ggf. Verzicht auf gründliche Inspektion.
Basismaßnahmen
  • !

    Fremdkörper nicht entfernen

  • Pat. Beruhigen

  • Oberkörper hochlagern

  • Basismonitoring (RR, P, EKG und SpO2)

  • Kleine, nicht in Augapfel eingedrungene Fremdkörper herausspülen (Kap. 15.3)

  • Große, aus dem Augapfel herausragende Fremdkörper steril verbinden

  • Fremdkörper fixieren: 2 Mullbinden seitlich des Fremdkörpers legen und mit Pflasterstreifen fixieren, das andere Auge ruhigstellen durch Abdecken

  • Ggf. vollständiger Verzicht auf Verband

  • Ggf. können bei kleinen Fremdkörpern analgetische Augentropfen eingesetzt werden

  • Ansonsten keine Augentropfen oder Salben verwenden, dies führt zur Verschlechterung

  • Venösen Zugang legen, offenhalten mit Vollelektrolytlösung

Erweiterte Maßnahmen
  • Evtl. Analgesie: Morphin 2–5 mg i. v. (Kap. 19.2.45)

  • Evtl. Sedierung: Midazolam 2,5–5 mg (0,05–0,1 mg/kg KG) i. v. (Kap. 19.2.44)

Transport
  • Bei jeder mechanischen Augenverletzung an eine Perforation denken, deshalb immer Transport → Gefahr des Verlustes von Auge oder Augenlicht

  • !

    Transport hat Priorität; mit NA in Klinik mit ophthalmologischer Abteilung

  • Bei sichtbaren Perforationen Sonderrechte anwenden, Voranmeldung

  • Während des Transports kontinuierliches Monitoring fortführen

Tipps & Tricks

  • Ein fehlender Schmerz schließt eine Bulbusperforation nicht aus.

  • Je nach Verletzungsausmaß kann der Visus gar nicht bis stark eingeschränkt sein.

Wichtige Informationen zum Weiterbetrieb der Medizinwelt