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B978-3-437-47154-4.00001-5

10.1016/B978-3-437-47154-4.00001-5

978-3-437-47154-4

Rettungskette Rettungskette

[L108]

Verteilung gefährlicher Güter

[M140]

Kennzeichnung der Gefahrengruppe nach FwDV 500

Beispiel eines GefahrendiamantenGefahrendiamant am Beispiel von Aluminiumphosphid

WarntafelWarntafel mit Gefahrennummer und Stoffnummer

Anbringung der GefahrguttafelGefahrguttafel und WarntafelnWarntafel

[L231]

Bundeseinheitlich festgelegte Codes (FMS = Funkmeldesystem), die an einer 10er-Tastatur am Funkhörer eingegeben werden

Tab. 1.1
1 Einsatzbereit über Funk 6 Nicht einsatzbereit
2 Einsatzbereit an Wache 7 Pat. aufgenommen
3 Auftrag übernommen, Ausgerückt 8 Ziel eingetroffen, z. B. Krankenhaus, Praxis
4 Eintreffen Einsatzort 9 keine Bedeutung, evtl. Handquittung
5 Sprechwunsch 0 Notruf

Kennzeichnung von GefahrenstoffenGefahrgüterKennzeichnungGefahrstoffkennzeichnung

Tab. 1.2
Bereich Transportrecht Umgangsrecht Arbeitsplatzkennzeichnung Bezeichnungen/Bemerkungen
Rechtsgrundlage GGVSEB i. V. m-ADR/RID/ADN GefStoffV 2005 GefStoffV 2010 GHS (CLP) ASR A1.3 und DIN EN ISO 7010
Klasse 1 Explosivstoffe (Unterklassen 1.1–1.6)
Klasse 2 Entzündbare Gase (Unterklasse 2.1)
Nicht entzündbare, nicht giftige Gase (Unterklasse 2.2)
Giftige Gase (Unterklasse 2.3)
Klasse 3
Entzündbare flüssige Stoffe
Klasse 4.1 Entzündbare feste Stoffe, selbstzersetzliche Stoffe und desensibilisierte
Klasse 4.2 Selbstentzündliche Stoffe
Klasse 4.3 Stoffe, die bei Berührung mit Wasser entzündbare Gase bilden
Klasse 5.1 Entzündbare wirkende Stoffe
Klasse 5.2 Organische Peroxide
Klasse 6.1
Giftige Stoffe
Klasse 6.2 Ansteckungsgefährliche Stoffe
Klasse 7 Radioaktive Stoffe
Klasse 8 Ätzende Stoffe
Klasse 9 Verschieden gefährliche Stoffe und Gegenstände
Umweltgefährlich


Gesundheitsgefahr ist zu beachten


Begrenzte Menge (Kennzeichnung mit UN-Nummer)

Kodierung von Warntafeln*

Tab. 1.3
2 Entweichen von Gas durch Druck oder durch chemische Reaktion
3 Entzündbarkeit von flüssigen Stoffen (Dämpfen) und Gasen oder selbsterhitzungsfähiger flüssiger Stoffe
4 Entzündbarkeit fester Stoffe oder selbsterhitzungsfähiger fester Stoffe
5 Oxidierende (brandfördernde) Wirkung
6 Giftigkeit
7 Radioaktivität
8 Ätzwirkung
9 Gefahr einer spontanen heftigen Reaktion
X Stoff reagiert in gefährlicher Weise mit Wasser

*

(s. auch: Gefahrgutbeförderungsgesetz – GGBefG)

Die häufigsten Kemler-Zahl-KombinationenKemler-ZahlKombinationenWarntafelKemler-Zahl-Kombinationen**

Tab. 1.4
Gasförmige Stoffe
20 Inertes Gas (träges Gas, das an chemischen Reaktionen gar nicht oder nur unter extremen Bedingungen teilnimmt)
22 Tiefgekühltes Gas
223 Tiefgekühltes brennbares Gas
225 Tiefgekühltes oxidierendes (brandförderndes) Gas
23 Brennbares Gas
236 Brennbares giftiges Gas
239 Brennbares Gas, das spontan zu einer heftigen Reaktion führen kann
25 Oxidierendes (brandförderndes) Gas
26 Giftiges Gas
265 Giftiges oxidierendes (brandförderndes) Gas
266 Sehr giftiges Gas
268 Giftiges ätzendes Gas
286 Ätzendes Gas
Flüssigkeiten
30 Entzündbarer flüssiger Stoff (Flammpunkt von 23 °C bis einschließlich 61 °C) oder entzündbarer flüssiger Stoff oder fester Stoff in geschmolzenem Zustand mit einem Flammpunkt über 61 °C, auf oder über seinen Flammpunkt erwärmt, oder selbsterhitzungsfähiger flüssiger Stoff.
323 Entzündbarer flüssiger Stoff, der mit Wasser reagiert und entzündbare Gase bildet
X323 Entzündbarer flüssiger Stoff, der mit Wasser gefährlich reagiert und entzündbare Gase bildet
33 Leicht entzündbarer flüssiger Stoff (Flammpunkt unter 23 °C)
333 Pyrophorer flüssiger Stoff
X333 Pyrophorer flüssiger Stoff, der mit Wasser gefährlich reagiert
336 Leicht entzündbarer, giftiger flüssiger Stoff
338 Leicht entzündbarer, ätzender flüssiger Stoff
X338 Leicht entzündbarer, ätzender flüssiger Stoff, der mit Wasser gefährlich reagiert
339 Leicht entzündbarer flüssiger Stoff, der spontan zu einer heftigen Reaktion führen kann
36 Entzündbarer flüssiger Stoff (Flammpunkt von 23 °C bis einschl. 61 °C, schwach giftig, oder selbsterhitzungsfähiger flüssiger Stoff, giftig)
362 Entzündbarer giftiger flüssiger Stoff, der mit Wasser reagiert und entzündbare Gase bildet
X362 Entzündbarer giftiger flüssiger Stoff, der mit Wasser gefährlich reagiert und entzündbare Gase bildet
38 Entzündbarer, schwach ätzender flüssiger Stoff (Flammpunkt 23 °C bis einschl. 61 °C) oder selbsterhitzungsfähiger ätzender flüssiger Stoff
382 Entzündbarer ätzender flüssiger Stoff, der mit Wasser reagiert und entzündbare Gase bildet
X382 Entzündbarer ätzender flüssiger Stoff, der mit Wasser gefährlich reagiert und entzündbare Gase bildet
39 Entzündbarer flüssiger Stoff, der spontan zu einer heftigen Reaktion führen kann
Feste Stoffe
40 Entzündbarer oder selbsterhitzungsfähiger fester Stoff
423 Fester Stoff, der mit Wasser reagiert und entzündbare Gase bildet
X423 Entzündbarer fester Stoff, der mit Wasser gefährlich reagiert und entzündbare Gase bildet
44 Entzündbarer fester Stoff, der sich bei erhöhter Temperatur in geschmolzenem Zustand befindet
446 Entzündbarer giftiger fester Stoff, der sich bei erhöhter Temperatur in geschmolzenem Zustand befindet
46 Entzündbarer oder selbsterhitzungsfähiger giftiger fester Stoff
462 Fester giftiger Stoff, der mit Wasser reagiert und entzündbare Gase bildet
48 Entzündbarer oder selbsterhitzungsfähiger ätzender fester Stoff
482 Ätzender fester Stoff, der mit Wasser reagiert und entzündbare Gase bildet
Oxidierende Stoffe
50 Oxidierender (brandfördernder) Stoff
539 Entzündbares organisches Peroxid
55 Stark oxidierender (brandfördernder) Stoff
556 Stark oxidierender (brandfördernder) giftiger Stoff
558 Stark oxidierender (brandfördernder) ätzender Stoff
559 Stark oxidierender (brandfördernder) Stoff, der spontan zu einer heftigen Reaktion führen kann
56 Oxidierender (brandfördernder) giftiger Stoff
568 Oxidierender (brandfördernder) giftiger ätzender Stoff
58 Oxidierender (brandfördernder) ätzender Stoff
59 Oxidierender (brandfördernder) Stoff, der spontan zu einer heftigen Reaktion führen kann
Giftige Stoffe
60 Giftiger oder schwach giftiger Stoff
606 Ansteckungsgefährlicher Stoff
623 Giftiger flüssiger Stoff, der mit Wasser reagiert und entzündbare Gase bildet
63 Giftiger entzündbarer Stoff (Flammpunkt von 23 °C bis einschl. 61 °C)
638 Giftiger ätzender entzündbarer Stoff (Flammpunkt von 23 °C bis einschl. 61 °C)
639 Giftiger entzündbarer Stoff (Flammpunkt von 23 °C bis einschl. 61 °C), der spontan zu einer heftigen Reaktion führen kann
64 Giftiger entzündbarer oder selbsterhitzungsfähiger fester Stoff
642 Giftiger fester Stoff, der mit Wasser reagiert und entzündbare Gase bildet
65 Giftiger oxidierender (brandfördernder) Stoff
66 Sehr giftiger Stoff
663 Sehr giftiger entzündbarer Stoff (Flammpunkt nicht über 61 °C)
664 Sehr giftiger entzündbarer oder selbsterhitzungsfähiger fester Stoff
665 Sehr giftiger oxidierender (brandfördernder) Stoff
668 Sehr giftiger ätzender Stoff
669 Sehr giftiger Stoff, der spontan zu einer heftigen Reaktion führen kann
68 Giftiger ätzender Stoff
69 Giftiger oder schwach giftiger Stoff, der spontan zu einer heftigen Reaktion führen kann
Radioaktive Stoffe
70 Radioaktiver Stoff
72 Radioaktives Gas
723 Radioaktives brennbares Gas
73 Radioaktiver entzündbarer flüssiger Stoff (Flammpunkt nicht über 61 °C)
74 Radioaktiver entzündbarer fester Stoff
75 Radioaktiver oxidierender (brandfördernder) Stoff
76 Radioaktiver giftiger Stoff
78 Radioaktiver ätzender Stoff
Ätzende Stoffe
80 Ätzender oder schwach ätzender Stoff
X80 Ätzender oder schwach ätzender Stoff, der mit Wasser gefährlich reagiert
823 Ätzender flüssiger Stoff, der mit Wasser reagiert und entzündbare Gase bildet
83 Ätzender oder schwach ätzender entzündbarer Stoff (Flammpunkt von 23 °C bis 61 °C)
X83 Ätzender oder schwach ätzender entzündbarer Stoff (Flammpunkt von 23 °C bis einschl. 61 °C), der mit Wasser gefährlich reagiert
836 Ätzender oder schwach ätzender entzündbarer giftiger Stoff (Flammpunkt von 23 °C bis einschl. 61 °C)
839 Ätzender oder schwach ätzender entzündbarer Stoff (Flammpunkt von 23 °C bis einschl. 61 °C), der spontan zu einer heftigen Reaktion führen kann
X839 Ätzender oder schwach ätzender entzündbarer Stoff (Flammpunkt von 23 °C bis einschl. 61 °C), der spontan zu einer heftigen Reaktion führen kann und mit Wasser gefährlich reagiert
84 Ätzender entzündbarer oder selbsterhitzungsfähiger fester Stoff
842 Ätzender fester Stoff, der mit Wasser reagiert und entzündbare Gase bildet
85 Ätzender oder schwach ätzender oxidierender (brandfördernder) Stoff
856 Ätzender oder schwach ätzender oxidierender (brandfördernder) giftiger Stoff
86 Ätzender oder schwach ätzender giftiger Stoff
88 Stark ätzender Stoff
X88 Stark ätzender Stoff, der mit Wasser gefährlich reagiert
883 Stark ätzender entzündbarer Stoff (Flammpunkt von 23 °C bis einschl. 61 °C)
884 Stark ätzender entzündbarer oder selbsterhitzungsfähiger fester Stoff
885 Stark ätzender oxidierender (brandfördernder) Stoff
886 Stark ätzender giftiger Stoff
X886 Stark ätzender giftiger Stoff, der mit Wasser gefährlich reagiert
89 Ätzender oder schwach ätzender Stoff, der spontan zu einer heftigen Reaktion führen kann
Umweltgefährende Stoffe
90 Umweltgefährdender Stoff, verschiedene gefährliche Stoffe

**

(s. auch: Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung, www.bam.de)

Der Notfalleinsatz

Frank Flake

Boris A. Hoffmann

  • 1.1

    Die Rettungskette – Aufgaben und Ziele2

  • 1.2

    Alarmierung – Einsatzbeginn2

  • 1.3

    Der Weg zum Einsatzort3

    • 1.3.1

      Alarm – erste Orientierung am Funk3

    • 1.3.2

      Einsatzfahrt4

    • 1.3.3

      Navigation im Rettungsdienst (GPS)6

  • 1.4

    Eintreffen am Einsatzort7

  • 1.5

    Patientenkontakt7

  • 1.6

    Transportphase8

  • 1.7

    Übergabe in der Notaufnahme8

    • 1.7.1

      Aufnahmeverweigerung8

    • 1.7.2

      Übergabegespräch9

  • 1.8

    Gefahrgutunfälle10

    • 1.8.1

      Verhaltensregeln bei Gefahrgutunfällen10

    • 1.8.2

      Kennzeichnung gefährlicher Güter12

  • 1.9

    Zusammenarbeit mit der Leitstelle22

  • 1.10

    Zusammenarbeit mit Polizei oder Feuerwehr23

  • 1.11

    Zusammenarbeit an der Großschadensstelle24

  • 1.12

    Verhalten bei Terroranschlägen25

  • 1.13

    Zusammenarbeit mit der Bergwacht26

Die Rettungskette – Aufgaben und Ziele

Achtung

Nur durch die enge Verzahnung der einzelnen Glieder der Rettungstkette (Abb. 1.1) ist ein erfolgreiches Handeln im Sinne des Notfallpat. möglich. → Die Rolle der anderen Glieder respektieren; das eigene Handeln hierbei niemals überbewerten.

Erstversorgung durch den RettungsdienstDurch sach- Erstversorgungund fachgerechte Arbeit sowie freundliches Auftreten sollte dem z. T. neg. Bild des RDs in der Öffentlichkeit begegnet werden. Wichtig für gezieltes Handeln:
  • Basismaßnahmen beherrschen, wie Lagerung, Freimachen und Freihalten der Atemwege

  • Ergänzung durch erweiterte Maßnahmen

  • Auswahl des geeigneten Transportmittels und Ziels, z. B. RTH bei Wirbelsäulentrauma, für die Prognose des Pat. entscheidend

Klinische ErstversorgungIn Erstversorgungklinischeder Notaufnahme stehen Diagnostik, sofortige konservative oder operative Maßnahmen, z. B. Thoraxdrainage, Intubation, im Vordergrund. Auch hier hat das Rettungsfachpersonal bei der „guten Versorgung“ eine wichtige Rolle, z. B. durch eine qualifizierte Übergabe (Kap. 1.7).
Klinische WeiterbehandlungNach primärer Diagnostik und dringlicher Erstversorgung erfolgt die definitive operative oder (intensiv-)medizinische Maximalversorgung.

Alarmierung – Einsatzbeginn

AlarmierungDem Rettungsmittel wird Einsatzbeginnder Einsatzauftrag von der Rettungsleitstelle über folgende KommunikationsmittelKommunikationsmittel zugeteilt:
  • Telefon: Direkter Anruf der Leitstelle auf der Rettungswache an und Mitteilung der Einsatzinformationen (sollte heutzutage aufgrund der Zeitverzögerung nicht mehr durchgeführt werden).

  • Funk: Anfunken der Rettungswache/des Rettungsfahrzeugs durch den Leitstellendisponenten und Weitergabe der Einsatzinformationen (sollte heutzutage aufgrund der Zeitverzögerung nicht mehr durchgeführt werden).

  • Funkmeldeempfänger (FME): Aussenden Funkmeldeempfängereiner Tonfolge, die im Meldeempfänger ausgewertet wird. Bei Übereinstimmung schaltet sich der Lautsprecher an. Nach der Pieptonsequenz erfolgt die Sprachdurchsage der Rettungsleitstelle. Häufige Fehler: Meldertasche mit Zusatzantenne wird nicht verwendet (schlechter Empfang), Akku leer, Gerät ausgeschaltet (heutzutage meist durch digitale Meldeempfänger ersetzt)

  • Digitale Meldeempfänger: Übertragung der Einsatzinformation, evtl. alphanumerischer Daten digital, über einen Funkkanal. Einsatzort und -grund sind auf dem Melder ablesbar.

  • Einsatzdrucker: Übertragung der Einsatzdepeche von der Leitstelle über Standleitung auf einen Hochgeschwindigkeitsdrucker in die Rettungswache. Zusätzlich ertönt Alarmton oder Meldeempfänger. Dabei werden meist auch Anfahrtswege, mögliche aufnehmende Krankenhäuser usw. übermittelt und ausgrdruckt.

  • Fahrzeugdisplay: Übertragung der Einsatzdaten von der Leitstelle über Funk direkt auf ein Display im Fahrzeug. Die Alarmierung erfolgt über akustisches Signal in der Rettungswache oder über Meldeempfänger.

Der Einsatzzustand des Rettungsmittel wird vielerorts nicht mehr über Sprache, sondern über einen StatusStatus (FunkcodeFunkcode) übermittelt. Im Einsatzleitrechner erfolgt die automatische Entschlüsselung (Tab. 1.1) → Funkverkehr mittels Sprache kann auf ein Minimum reduziert werden. Vor allem in städtischen Einsatzbereichen bringt dies eine Entlastung des Leitstellenpersonals.

Der Weg zum Einsatzort

Alarm – erste Orientierung am Funk

Während der Ausfahrt erhält das Einsatzteam i. d. R. wertvolle Erkenntnisse über den Notfall von der Leitstelle. Die Meldung von Seiten der Leitstelle sollte folgende Einzelinformationen enthalten:
  • Genauen Einsatzort, z. B. Kirchhatten, Schulstraße in Höhe Hausnummer 26

  • Einsatzart, z. B. Verkehrsunfall

  • Art der Erkrankung bzw. Verletzung, z. B. stark blutende Kopfplatzwunde

  • Evtl. besondere Umstände, z. B. eingeklemmte Person, Passanten, die am Einsatzort einweisen, Schlägerei, Schießerei, mehrere Verletzte

  • Alarmierung zusätzlicher Rettungsmittel, z. B. RTH, NAW, NEF, Polizei oder Feuerwehr?

Tipps & Tricks

  • Sind die Angaben der Leitstelle unvollständig, z. B. „Sie werden in der Dorfstraße 122 erwartet“, gezielt nachfragen. Nur so können benötigte Geräte und Materialien zusammengestellt und unnötige Laufereien, die auf Kosten des Pat. gehen, vermieden werden.

  • Trotz genauer Meldung muss sich das Team am Notfallort immer einen eigenen Überblick verschaffen. Die Angaben von Ersthelfern sind oft nicht zutreffend oder nicht genau genug.

Einsatzfahrt

Dient EinsatzfahrtEinsatzfahrtdem Erreichen des Einsatzorts vom momentanen Standort, i. d. R. der Rettungswache, aus. Entscheidung über Sonderrechte trifft die alarmierende Rettungsleitstelle. Bei Notrufen, die direkt auf der Rettungswache eingehen, übernimmt der Verantwortliche des Fahrzeugs die Entscheidung.
Einsatzfahrt mit Sonderrechten (§ 35, § 38 StVO)

Merke

Nur wenn beide Sondersignale zusammen eingeschaltet sind, hat der Einsatzfahrer das Recht, freie Fahrt zu fordern. Blaues Blinklicht allein schafft kein Wegerecht.

SonderrechteStraßenverkehrsordnungFür die Praxis des Rettungsdienstes sind im Wesentlichen zwei gesetzliche Regelungen der Straßenverkehrsordnung (StVO) von Bedeutung: zum einen die Inanspruchnahme von Sonderrechten wie z. B. Schnellerfahren als sonst erlaubt, Rotlicht überfahren usw. (§ 35 StVO), zum anderen das Wegerecht, welches das Recht verleiht, freie Fahrt zu fordern (§ 38 StVO):
  • § 35 Abs. 1 StVO: „Von den Vorschriften dieser Verordnung (gemeint ist die StVO) sind die Bundeswehr, die Bundespolizei, die Feuerwehr, der Katastrophenschutz, die Polizei und der Zolldienst befreit, soweit das zur Erfüllung hoheitlicher Aufgaben dringend geboten ist.“

  • § 35 Abs. 5a StVO: „Fahrzeuge des Rettungsdienstes sind von den Vorschriften dieser Verordnung befreit, wenn höchste Eile geboten ist, um Menschenleben zu retten oder schwere gesundheitliche Schäden abzuwenden.“

  • § 35 Abs. 8 StVO: „Die Sonderrechte dürfen nur unter gebührender Berücksichtigung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung ausgeübt werden.“

  • § 38 Abs. 1 StVO: „Blaues BlaulichtBlinklicht zusammen mit dem MartinshornEinsatzhornEinsatzhorn darf nur verwendet werden, wenn höchste Eile geboten ist, um Menschenleben zu retten oder schwere gesundheitliche Schäden abzuwenden, eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung abzuwenden, flüchtige Personen zu verfolgen oder bedeutende Sachwerte zu erhalten.“ Es ordnet an: „Alle übrigen Verkehrsteilnehmer haben sofort freie Bahn zu schaffen.“

Sonderrechte können vom Rettungsdienst nur in Anspruch genommen werden, wenn Lebensgefahr oder schwere Gesundheitsschäden abzuwenden sind und dafür höchste Eile notwendig ist (§ 35 Abs. 5a StVO). Ob diese Voraussetzungen vorliegen, ist anhand der Einsatzmeldung, allgemeiner Erfahrungswerte und ggf. durch Rückfragen zu entscheiden. Sonderrechte befreien den Einsatzfahrer also von den Pflichten der StVO (Fahren entgegen der Fahrtrichtung, Rotlicht überfahren, Falschparken usw.). Während der Sonderrechtsfahrt ist jedoch immer die öffentliche Sicherheit und Ordnung gebührend zu berücksichtigen (§ 35 Abs. 8 StVO).

Achtung

Ob die Voraussetzungen für den Einsatz der Sondersignale vorgelegen haben, ist gerichtlich nachprüfbar und im Schadenfall vom Wegerechtsfahrer (Einsatzfahrer) zu beweisen.

Wer Sonderrechte zu Unrecht in Anspruch nimmt, verstößt gegen die Vorschrift, von der er unerlaubt abweicht. Mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe kann wegen „Gefährdung des Straßenverkehrs“ (§ 315c StGB) bestraft werden, wer grob verkehrswidrig und rücksichtslos fährt und dadurch Leib oder Leben eines anderen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert (ab ca. 600 Euro) gefährdet.
Das Wegerecht (Wegerecht§ 38 Abs. 1 StVO), also die Verpflichtung der übrigen Verkehrsteilnehmer, sofort freie Bahn zu schaffen, kann vom Rettungsdienst nur beansprucht werden, wenn blaues Blinklicht zusammen mit dem Einsatzhorn verwendet wird und höchste Eile geboten ist, um Menschenleben zu retten oder schwere Gesundheitsschäden abzuwenden (oder zur Verfolgung der anderen aufgelisteten Zwecke).

Achtung

  • Blaues Blinklicht allein darf gemäß § 38 Abs. 2 StVO nur von den damit ausgerüsteten Fahrzeugen und nur zur Warnung an Unfall- oder sonstigen Einsatzstellen, bei Einsatzfahrten (hier soll das Blaulicht vor der Inanspruchnahme von Sonderrechten warnen) oder bei der Begleitung von Fahrzeugen oder von geschlossenen Verbänden verwendet werden.

  • Der Einsatzfahrer muss beim Einfahren in eine unübersichtliche Kreuzung während der Rotphase in Schrittgeschwindigkeit fahren (OLG Köln VR 85, 372; KG NZV 92, 456; OLG Hamm DAR 96, 93).

  • Den Halter eines Einsatzfahrzeugs, das mit Blaulicht, aber ohne Einsatzhorn bei Rot in eine Kreuzung einfährt, trifft beim Zusammenstoß mit einem Fahrzeug des Querverkehrs grundsätzlich die volle Haftung (OLG Köln, NZV 96, 237).

  • Verkehrsteilnehmer müssen nicht damit rechnen, dass ein Einsatzfahrzeug, das nur mit Blaulicht fährt, bei Rot durchfahren wird. (KG VRS 56, 241; OLG Köln NZV 96, 237)

Tipps & Tricks

  • Unfall während der Einsatzanfahrt: Immer EinsatzfahrtUnfallPolizei und Leitstelle informieren, den anderen Unfallbeteiligten Feststellung der Personalien ermöglichen (praktisch sind bereitliegende Visitenkarten der entsprechenden Hilfsorganisation), da sonst evtl. Strafbarkeit wegen „unerlaubten Entfernens vom Unfallort“ (§ 142 StGB) besteht. Bei Betriebsfähigkeit des Fahrzeugs Fahrt evtl. fortsetzen.

  • Unfallstelle während der Einsatzanfahrt: Auf jeden Fall vergewissern, ob Hilfe erforderlich ist, ggf. anhalten, da ansonsten evtl. Strafbarkeit wegen unterlassener Hilfeleistung gemäß § 323c StGB besteht. Evtl. zweites Fahrzeug nachfordern und Fahrt fortsetzen.

Verkehrssicherheit bei Alarmfahrten
EinsatzortAnfahrt, VerkehrssicherheitAlarmfahrtAlarmfahrtVerkehrssicherheitSicherheit von Insassen und anderen Verkehrsteilnehmern hat immer Vorrang vor der Schnelligkeit oder Dringlichkeit des Einsatzes.
  • Ruhig und vorausschauend fahren. Oberstes Ziel: sicher ankommen („Ein verunglückter RTW nützt dem Pat. nicht.“)

  • Max. Geschwindigkeit (reine Anhaltswerte, jeder Fahrer sollte nach Einschätzung des Verkehrsaufkommens und seiner eigenen Fahrerfahrung abwägen)

    • Spielstraße: höchste Vorsicht. Äußerst langsam fahren → nicht schneller als 20–30 km/h (Martinshorn „lockt“ zudem Kinder an).

    • Zone 30: nicht schneller als 40–50 km/h, auf Bodenwellen und spielende Kinder achten.

    • Innerhalb geschlossener Ortschaften: nicht schneller als 80 km/h.

    • Außerhalb geschlossener Ortschaften: nicht schneller als 120 km/h.

    • Autobahnen: nach jeweiligem Verkehrsaufkommen, jedoch nicht schneller als 160 km/h.

    • Im Bereich von Kreuzungen (auch bei Grün) und Fußgängerübergängen („Zebrastreifen“) möglichst im Schritttempo heranfahren

  • An Ampeln, Kreuzungen, Einmündungen Geschwindigkeit deutlich verringern, ggf. anhalten.

  • Keine riskanten Überholmanöver, z. B. an unübersichtlichen Straßenabschnitten, vor Kurven, Einmündungen, durchführen.

  • Im Bereich von Schulen, Kindergärten oder Altenheimen besonders vorsichtig und langsam fahren.

  • Rechtzeitig vor unübersichtlichen Kurven, Hindernissen das Martinshorn einschalten

  • In der Nähe von Tiertransportern, Pferdekutschen oder bei Reitern kein Einsatzhorn benutzen

  • Zum vorausfahrenden Verkehrsteilnehmer ausreichend Sicherheitsabstand haltenSicherheitsabstand: Hat der Verkehrsteilnehmer das blaue Blinklicht übersehen, reagiert er auf das dann zusätzlich eingeschaltete Einsatzhorn oft mit abrupten Bremsmanövern → besonders aufmerksam sein.

  • Links überholen, rechtzeitig Fahrbahnwechsel durch Blinken anzeigen.

  • Im Bereich des Mittelstreifens, möglichst nicht komplett auf der Gegenfahrbahn überholen

  • In Stausituationen immer AlarmfahrtStauin der Mitte, keinen Slalom fahren (Gassenbildung). Einige Verkehrsteilnehmer sehen das Rettungsfahrzeug noch nicht, hören aber schon das Einsatzhorn und ziehen „reflektorisch“ zur Außenseite → erhöhte Unfallgefahr.

  • Auf die Autobahn niemals entgegen der Fahrtrichtung auffahren, Ausnahme: Fahrstrecke ist ausdrücklich von der Polizei freigegeben.

  • Autobahn niemals überqueren, z. B. wenn Unfallstelle auf der anderen Fahrbahnseite ist → Lebensgefahr.

  • Wenn Unfallstelle zu erkennen ist, Geschwindigkeit herabsetzen und langsam an die Unfallstelle heranfahren.

  • Wenn möglich, besonders nachts, Schlaf und Ruhe der Anwohner, die in der Nähe von Rettungswachen und Krankenhäusern wohnen, respektieren → Abwägen.

Navigation im Rettungsdienst (GPS)

Das Global Positioning System (GPS) ist Global Positioning Systemein satellitengestütztes Navigationssystem des amerikanischen Verteidigungsministeriums zur weltweiten Positionsbestimmung (Koordinaten und Höhe). Aktuell senden ca. 31 Satelliten ständig Signale aus, aus deren Laufzeit ein GPS-Empfänger die Position (Genauigkeit aktuell ca. 5 m) errechnet. Zur Positionsbestimmung bei einem Empfänger ohne exakte Uhrzeit werden Signale von mindestens vier Satelliten benötigt. Aus der mathematischen Differenzierung der Änderung des Ortes lässt sich auch die Geschwindigkeit genau berechnen.
GPS-Navigationssysteme auf der Basis von Navigationsradiokombinationen, SmartphonesAlle Smartphones besitzen eine integrierte GPS-Antenne. Apps für die Straßennavigation (z. B. TomTom, Navigon) haben mittlerweile die von vielen Auto- und Radioherstellern erhältlichen Festgeräte verdrängt. Die Eingabe des Fahrtziels erfolgt über ein Touchscreen-Display. Die Berechnung des Fahrtziels sollte innerhalb weniger Sekunden erfolgen. Die Ausgabe der Fahrtrichtungsinformationen erfolgt häufig graphisch und akustisch. Gerade in städtischen und weitläufigen Einsatzgebieten kann so die Anfahrtszeit zum Einsatzort reduziert werden.
GPS-basierte LeitstellenrechnerDie Orts- und Geschwindigkeitsinformation des Rettungsdienstfahrzeugs wird von einem GPS-Empfänger ermittelt und über Digitalfunk oder ein gesondertes System an die Leitstelle übertragen. Im Leitstellenrechner kann die aktuelle Position der Fahrzeuge auf digitalisiertem Kartenmaterial dargestellt werden. Hierdurch können Einsätze an die nächst erreichbaren Fahrzeuge (Nächste-Fahrzeug-Strategie) geleitet werden, um so die Anfahrtszeit zum Einsatzort zu minimieren. Ebenso ist es möglich, die Anfahrtstrecke direkt von der Leitstelle an das Navigationsgerät zu senden und sich damit zum Einsatzort navigieren zu lassen.

Eintreffen am Einsatzort

  • EinsatzortParken am Einsatzort: andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährden oder behindern. Vor allem auf Autobahnen Fahrzeug, wenn möglich, auf dem Pannenstreifen abstellen. Blaulicht und Warnblinkanlage laufen lassen. Unfallstelle umgehend mit Warndreieck absichern, in Zusammenarbeit mit der Polizei.

  • ÜberblickEinsatzortÜberblick verschaffen: Bei brennenden Fahrzeugen oder Gefahrgutunfällen (Kap. 1.8) Eigenschutz beachten. Wie viele Verletzte? Welche Verletzungen? → Evtl. weitere Kräfte nachfordern

  • Bei mehreren Verletzten stellt das ersteintreffende Fahrzeug die Einsatzleitung, bis dafür vorgesehene Personen, z. B. LNA, OrgLRD, eintreffen.

  • In ländlichen oder unübersichtlichen Gebieten Personen an die Straße stellen, damit nachfolgende Rettungsmittel den Einsatzort finden.

  • Sämtliches Material, das auf Grund der Notfallmeldung benötigt werden könnte, mitnehmen.

  • Möglichst mit Handfunkgerät arbeiten, um vom Einsatzort aus mit der Leitstelle kommunizieren zu können.

  • Falls Polizei oder Feuerwehr schon vor Ort sind, zum jeweiligen Einsatzleiter gehen.

  • Schaulustige vom Einsatzort entfernen lassen.

Patientenkontakt

Patientenuntersuchung und ABCDE Schema Kap. 2.1.
Der richtige UmgangPatientenkontakt mit dem Pat. ist wesentlich für eine gute Kooperation. Oft ist der erste Kontakt mit dem Pat., z. B. Betrunkener in der Gaststättentoilette, für das eingesetzte Notfallteam von negativer Art: Dies kann zu Vorverurteilung und schlechtem Umgangston führen. Trotz der schwierigen Situation konsequent ruhige Gesprächsführung anstreben. Im Falle der Eskalation „neutralen“ Teampartner das Gespräch übernehmen lassen.
  • Kontakt aufnehmen:

    • Ruhe, Verständnis und Toleranz ausstrahlen.

    • Jedes Mitglied des Einsatzteams stellt sich dem Pat. vor.

    • Jeden Pat. über ca. 16 J. grundsätzlich siezen → Pat. immer mit seinem Namen ansprechen.

    • Mit alten Pat. nicht wie mit kleinen Kindern reden.

  • Untersuchen und Ersttherapie:

    • Den Pat. ausreden lassen.

    • Dem Pat. zeigen, dass ihm zugehört wird.

    • Wenn Therapien oder Untersuchungen notwendig sind, Pat. über Vorgehen und Notwendigkeit aufklären.

    • Dem Pat. einfach und möglichst kurz erklären, welche Verdachtsdiagnose gestellt wurde; keine Prognosen über den Gesundheitszustand oder den Verlauf stellen.

  • Transport und Verabschiedung

    • Den Pat. während des Transports betreuen, d. h. mit ihm sprechen, ansprechbereit sein.

    • Sich verabschieden und „gute Besserung“ wünschen.

Transportphase

FahrtTransportphase des Notfallpat. mit geeignetem Transportmittel vom Einsatzort zum Ort der klinischen oder ambulanten Erstversorgung:
  • Auswahl der geeigneten Zielklinik mit der erforderlichen Fachabteilung.

  • Ablauf des Transports bestimmen:

    • Stellt dieser Notfall eine RTH-Indikation dar, z. B. Verbrennung, Polytrauma, Wirbelsäulenverletzung?

    • Ist eine Notarzt-Begleitung erforderlich?

    • Sind während des Transports Sonderrechte erforderlich?

  • Das Rettungsmittel auf den Transport vorbereiten, z. B. Fahrzeug vorwärmen, Beatmungsparameter einstellen.

  • Leitstelle über Transportziel und evtl. benutzte Sonderrechte informieren.

  • Schonenden Transport mit/ohne Sonderrechte durchführen.

  • Auswahl der mitzuführenden Geräte/Medikamente für den Transport des Pat. von der Fahrzeughalle in die Notaufnahme/Station, z. B. EKG-Monitor, Beatmungsbeutel, bei zu erwartenden Komplikationen.

Übergabe in der Notaufnahme

Notaufnahme im NotaufnahmeÜbergabeKrankenhaus als Bindeglied zwischen RD und stationärer Aufnahme.

Aufnahmeverweigerung

Eine Aufnahmeverweigerung durch das Krankenhauspersonal ist u. a. durch Pflegenotstand und Überlastung leider keine Seltenheit mehr, aber unzulässig. Mittlerweile setzen sich zentrale Bettennachweise oder elektronische Zuweisungssysteme (z. B. IVENA) durch, welche das Problem deutlich abmildern.
Gesetzliche Grundlage
Eine NotaufnahmeVerweigerung der AufnahmeVerweigerung der AufnahmeverweigerungAufnahme des Pat. durch eine Klinik ohne Verstoß gegen § 323c (Hilfeleistungspflicht) ist nur dann möglich, wenn zunächst eine Untersuchung des Notfallpat. durch den Aufnahmearzt stattfindet. Der Weitertransport in ein anderweitiges Krankenhaus darf nur stattfinden wenn dies medizinisch vertretbar ist.
Wird die Aufnahme eines Notfallpat. verweigert, sodass der Pat. in ein anderes Krankenhaus befördert werden muss und dadurch weitere gesundheitliche Schäden eintreten bzw. der Zustand des Pat. sich verschlechtert, kann dieses Fehlverhalten des ablehnenden Arztes nicht nur gemäß § 323c (unterlassene Hilfeleistung), sondern auch nach §§ 229, 13 (fahrlässige Körperverletzung durch Unterlassen), nach § 223, 13 (vorsätzliche Körperverletzung durch Unterlassen) oder beim Tod des Pat. sogar gemäß § 222, 13 (fahrlässige Tötung durch Unterlassen) bestraft werden.
Ähnlich wie das Rettungsfachpersonal hat auch das Krankenhauspersonal (Aufnahmearzt) eine Garantenstellung zu erfüllen, nämlich hier die rechtlich begründete Pflicht, alles medizinisch Mögliche und Erforderliche zu tun, um eine Verschlechterung des Zustands des Pat. zu verhindern. Das beginnt mit der Aufnahme des Pat. und gilt unabhängig davon, ob das Krankenhaus überfüllt ist oder nicht.

Übergabegespräch

NotaufnahmeÜbergabegesprächÜbergabegesprächZiel ist es, in kurzer Zeit alle den Pat. betreffenden Informationen an den aufnehmenden Arzt weiterzugeben und ihn in den vom Rettungsfachpersonal oder NA am Ende des Einsatzes gewonnenen Kenntnisstand zu versetzen.
  • Name und Alter des Pat.

  • Was ist passiert?

  • Welche Symptome lagen beim Eintreffen vor?

  • Welches vital bedrohliche Problem (z. B. A, B oder C-Problem) liegt oder lag vor?

  • Wie lautet die Verdachtsdiagnose?

  • Wie wurde präklinisch therapiert?

  • Wie war der präklinische Verlauf?

  • Anamnestische Daten:

    • Vorgefundene Situation, Umfeld des Pat.

    • Vorerkrankungen, Operationen, Risikofaktoren

    • aktuelle Medikation, evtl. Medikamentenliste oder Schachteln überreichen

    • Name (Adresse) des Hausarztes

  • Übergabe des Notfallprotokolls: bei jedem Notfalleinsatz vom NA oder Rettungsfachpersonal auszufüllen. Hierauf müssen alle Erstbefunde sowie die bis dahin durchgeführte Therapie vermerkt sein.

Beispiel„Guten Tag, mein Name ist Meyer vom Rettungsdienst XY. Das ist Frau Otilie Fischer, 72 J. alt. Unsere Verdachtsdiagnose ist eine instabile Angina Pectoris. Frau Fischer klagte seit ca. 15:20 Uhr über linksthorakale Schmerzen, die sich auch nach Selbstmedikation mit vier Hüben Nitrospray nicht besserten. Der Blutdruck war 180/90 mmHg bei bekanntem Hypertonus, Puls 80/Min., SpO2 ohne Sauerstoff 93 % und mit 97 %. Das 12-Kanal-EKG zeigt einen normofrequenten Sinusrhythmus ohne ST-Streckenhebung. Der anwesende Hausarzt gab ASS 500 mg i. v. über den von uns gelegten venösen Zugang. Über eine Sauerstoffmaske bekam sie 4 l/Min. Sauerstoff. Während des Transports schwankte der Blutdruck zwischen systolischen Werten von 140–180 mmHg, die Pulsfrequenz lag bei 70–80/Min. Die Brustschmerzen ließen um ca. 15:40 Uhr nach erneuter Nitrogabe nach. Frau Fischer leidet seit mehreren Jahren an einem Hypertonus, vor 2 Jahren wurde eine KHK festgestellt. Die aktuelle Medikation ist Nitroglycerin-Spray bei Bedarf, Nifedipin 2 × 10 mg/d und Metoprolol 1 × 47,5 mg/d.“

Gefahrgutunfälle

Gefährliche Güter“ finden Gefahrgutunfallsich in beinahe allen Bereichen des tägl. Lebens. Auf bundesdeutschen Straßen werden jährlich ca. 323 Mio. Tonnen solcher Güter transportiert (Bundesverkehrsministerium 2013). Der Anteil radioaktiver Stoffe ist vergleichsweise gering: Die ca. 800 000 Sendungen radioaktiver Stoffe pro Jahr sind in erster Linie pharmazeutische Produkte mit nur wenigen Gramm radioaktiven Materials. Einen Überblick über die jeweiligen Anteile gefährlicher Güter auf bundesdeutschen Verkehrswegen gibt Abb. 1.2.

Verhaltensregeln bei Gefahrgutunfällen

Für Einsatzkräfte (Feuerwehr, RD und Polizei) eine enorme Herausforderung! Erkennen der GefahrgutunfallVerhaltensregelnGefahren und Beurteilen hinsichtlich Gefährlichkeit und Ausmaß stehen vor allen anderen Maßnahmen. Achtung: Gefahr niemals unterschätzen. Beurteilung ist nur durch Fachleute der Feuerwehr möglich. Sie sind am Einsatzort weisungsbefugt gegenüber RD (Kap. 1.10).

Achtung

  • Wer sich ohne genaue Informationen über mögliche oder tatsächlich gegebene Gefahren der Schadensstelle nähert, begibt sich in akute Lebensgefahr!

  • Jede Maßnahme vor Ort gegen eine mögliche Eigengefährdung abwägen, z. B. Rettung einer Person aus explosionsgefährdetem Gebiet, Betreten der Schadensstelle bei Austreten von Gasen und ständig wechselnder Windrichtung.

  • Ständigen Funkkontakt zur Leitstelle halten → Fahrzeug besetzt halten oder explosionsgeschütztes Handfunkgerät (kein Handy!) verwenden.

  • Anfahrt zur Schadensstelle: Bei Meldung als Gefahrgutunfall, Windrichtung und Wetterlage bei der Leitstelle erfragen und sich der Schadensstelle immer mit dem Wind nähern → Fluchtrichtung immer gegen oder quer zum Wind!

  • Parken:

    • In Fluchtrichtung → darauf achten, dass die Fluchtwege der Fahrzeuge immer frei bleiben

    • Sicherheitsabstand von mind. 50 Metern zur Einsatzstelle halten

    • Raum für nachfolgende Einsatzkräfte der Feuerwehr bereithalten

  • Verhalten an der Gefahrenstelle:

    • Warntafeln sichten und Gefahrnummer (Kemler-Zahl) sowie U. N.-Stoffnummer notieren (geben erste präzise Informationen über die Art und Gefährlichkeit) → evtl. Fernglas zur Hilfe nehmen.

    • Auch wenn keine wahrnehmbare Gefahr besteht, z. B. aufgerissene Tanks oder Behälter, Austreten von Flüssigkeiten, Dämpfen oder Gasen, sich nur nach genauer Kenntnis des Stoffs vorsichtig der Schadensstelle nähern (Rücksprache mit der Leitstelle).

    • Funkmeldeempfänger, Handfunkgerät, Mobiltelefon, Hand- oder Taschenlampe, Armbanduhr, Halskette oder Schlüsselbund nicht mit zur Schadensstelle nehmen. Sie können Funken bilden bzw. Funken reißen → Explosionsgefahr!

    • Immer Handfunkgerät und evtl. Handlampe in explosionsgeschützter Ausführung mitführen.

    • Personenrettung (Kap. 2.3) situationsabhängig machen und auf Eigenschutz achten.

    • Frachtpapiere und Gefahrzettel sichten, außerdem sachkundige Personen wie z. B. den LKW-Fahrer (wenn möglich) befragen → sicherste Hinweise und präziseste Informationen.

Achtung

Nach Sicherstellung der Informationen Schadensstelle sofort verlassen.

  • Informationsübermittlung an die Leitstelle: alle Informationen sorgfältig auswerten und umgehend übermitteln. Reihenfolge beachten:

    • Kurze, präzise Schadensmeldung

    • Kemler-Zahl und U. N.-Stoffnummer

    • Stoffname(n) → Frachtbrief, buchstabieren und wiederholen lassen

    • Anzahl der Verletzten, Schwere der Verletzungen → weitere Kräfte nachfordern, falls noch nicht geschehen: OrgL RD, LNA

    • Witterungsbedingungen vor Ort, z. B. Nieselregen, Windrichtung und -stärke

    • Schadensstelle großräumig absperren lassen → Aufgabe von Feuerwehr, Polizei (rot-weißes Flatterband)

    • Schaulustige von der Schadensstelle fern halten.

Merke

Die Gefahr geruch- und geschmackloser Dämpfe nicht unterschätzen!

Kennzeichnung gefährlicher Güter

Versandstücke und Transportfahrzeuge müssen als gefährliche Güter erkennbar sein. Dies GefahrgüterKennzeichnungGefahrgütererfolgt europaweit z. B. mit Gefahrzetteln oder orangefarbenen Gefahrsymbolen.
Versandstücke
Gefährliche Güter sind so zu kennzeichnen, dass sie als solche erkannt werden (Tab. 1.2). Diese Kennzeichnung erfolgt bei Versandstücken mit Gefahrzetteln. Häufig müssen Versandstücke zusätzlich gekennzeichnet sein, z. B. mit Hinweisen auf die besonderen Gefahren des Transportguts, evtl. auch mit orangefarbenen Symbolen nach der Gefahrstoffverordnung.
Auch Versandstücke im Seeschiffsverkehr, die Meerschadstoffe enthalten, sind auf diese Weise zu kennzeichnen. Gefahrzettel können zusätzlich eine Aufschrift in Zahlen (oder Buchstaben) tragen, die auf die Gefahrklasse (Abb. 1.3) oder bei Explosivstoffen auf die Verträglichkeitsgruppen hinweisen.
Der Gefahrendiamant ist ein System zur Beurteilung der Gefährlichkeit von Gefahrgütern, das sich vor allem auf Versandstücken aus den USA findet (Abb. 1.4).
Straßenfahrzeuge
Fahrzeuge, die gefährliche Güter transportieren, sind zusätzlich zu kennzeichnen (Abb. 1.6):
  • An WarntafelFahrzeugfront und -heck mind. 40 cm × 30 cm große orangefarbene Warntafel (Abb. 1.5)

  • Beim Transport radioaktiver Stoffe an Front und Heck mit orangefarbenen Warntafeln, zusätzlich am Heck und Außenseite mit Gefahrzetteln

  • Bei Tankfahrzeugen oder Fahrzeugen mit Aufsetztanks sowie Tankcontainern zwei Kennzeichnungsnummern auf der Warntafel. Zusätzlich am Tank beidseitig (Längsseiten) und Heck Gefahrzettel

Achtung

Oft werden Chemikalien in kleinen Mengen transportiert, die als Kleinmenge nicht extra gekennzeichnet werden müssen. Gefahr durch Zerstörung der Kanister und Vermengung der Stoffe. → Die Reaktion der Chemikalien ist hierbei nie abzuschätzen.

WarntafelnJe nach Zugehörigkeit genormtes Aussehen. Dadurch erhöht sich der Erkennungswert für Feuerwehr, RD Warntafelund Polizei → sich mit dem Aufbau vertraut machen!
  • Neutrale Warntafel: Untergrund orangefarben, reflektierend, Rand schwarz mit 15 mm Strichbreite, Maße: 40 cm × mind. 30 cm.

  • Warntafel mit Gefahrzahl und U. N.-Stoffnummer (Abb. 1.6) Untergrund orangefarben, reflektierend; Rand, Querstrich und Ziffern schwarz (Tab. 1.3), mit 15 mm U. N.-StoffnummerStrichbreite, Höhe der Ziffern: 10 cm, Maße: 40 cm × mind. 30 cm.

    • Ziffern auf der oberen Hälfte der Warntafel, Kennzeichnung der Gefahr: Kemler-Zahl, bestehend aus zwei oder drei Ziffern

    • Untere Hälfte der Warntafel: vierstellige U. N.-Stoffnummer (vom RD nicht zu identifizieren)

  • Kemler-Zahl (Tab. 1.4): weistKemler-Zahl auf folgende Gefahren hin:

    • Verdopplung einer Ziffer: Zunahme der Gefahr, z. B. 66 → sehr giftig. Falls die Gefahr eines Stoffes ausreichend von einer einzigen Ziffer angezeigt werden kann, wird dieser Ziffer eine 0 angefügt, z. B. 30 → Entzündbarkeit.

    • Vorangestelltes X: Stoff reagiert zusätzlich zu seiner eigentlichen Gefahr noch mit Wasser, z. B. X33

Achtung

Niemals brennende Stoffe, die ein X vor der Kemler-Zahl haben, mit Wasser löschen! Lebensgefahr!

Unfallmerkblatt
Für das Transportpersonal, aber auch für Rettungskräfte werden bei UnfallmerkblattGefahrgutunfallUnfallmerkblattGefahrguttransporten Unfallmerkblätter mitgeführt. Sie enthalten neben den Angaben über die Eigenschaften und Gefahren des Transportguts auch Hinweise über allgemeine Notfallmaßnahmen sowie Maßnahmen der Ersten Hilfe, Verhalten bei Leckagen und bei Feuer.

Zusammenarbeit mit der Leitstelle

LeitstelleDie Aufgaben der Leitstellen sind in den Rettungsdienstgesetzen der einzelnen Bundesländer geregelt. Meist handelt es sich um kombinierte Feuer- und Rettungsleitstellen. Dies kann jedoch stark variieren.
Hauptaufgaben
  • Entgegennahme LeitstelleHauptaufgabenund Bearbeitung von Hilfeersuchen

  • Alarmierung und Koordination der entsprechenden Einsatzmittel

  • Lebensrettende Sofortmaßnahmen am Telefon

Zu den weiteren Aufgaben zählen
  • Dokumentation der Einsätze mittels Einsatzleitrechner

  • Nachalarmierung weiterer Einsatzmittel, z. B. NA, Polizei, RTH oder Feuerwehr

  • Kommunikation mit den Vergiftungszentralen und Verbrennungszentren

  • Voranmeldung von Notfallpat. im Zielkrankenhaus

  • Einweisung ortsfremder Einsatzmittel

  • Einsatzabwicklung und Koordination von RTH-Einsätzen

  • Information von Behörden und Polizei

  • Führen eines Bettennachweises der entsprechenden Krankenhäuser im Einsatzbereich der Leitstelle

  • Kommunikation mit Nachbarleitstellen

  • Koordination des ÄND

LeitstellentechnikAuf ihren Funkkanälen direkt oder per Ruftaste jederzeit ansprechbar. In der Regel steht folgende Technik zur Verfügung:
  • Digitale Sprechfunktechnik

  • BOS-Sprechfunkgeräte im 2- und 4-Meterbandbereich (oft als Back-up, falls die digitale Technik ausfällt)

  • Notrufabfrageeinrichtung/Notruf 112 aus den Ortsnetzen im Einsatzbereich

  • Mehrere Amtsleitungen mit Zielwahlgeber

  • Alarmierungs-PC für die digitale Alarmierung von Digitalmeldungsempfängern

  • Leistungsfähiger Einsatzleitrechner

  • Faxgerät

  • Sprachdokumentationsanlage zur lückenlosen Dokumentation aller über Sprechfunk sowie Telefon geführten Gespräche → 24-h-Dokumentation

  • Kopfgeschirre

Weisungsbefugnis der LeitstelleIst LeitstelleWeisungsbefugnisdem Rettungsdienstpersonal in Fragen der Einsatzkoordination weisungsbefugt. Die Weisungsbefugnis dient ausschließlich dem reibungslosen Einsatzablauf: Die Leitstelle unterrichtet z. B. das Rettungsdienstpersonal über Art der Erkrankung bzw. der Verletzung, geeignete und aufnahmebereite Krankenhäuser. In medizinischen Fragen ist sie nicht weisungsbefugt. Die Entscheidung liegt beim Rettungsfachpersonal bzw. NA. Das gilt z. B. auch für die Frage, ob die nächste Fachklinik zu weit entfernt ist oder eine NA-Nachforderung zu erfolgen hat.
Zusammenarbeit zwischen Rettungsdienst und LeitstelleUm LeitstelleZusammenarbeitden Einsatzablauf so reibungslos und wenig zeitintensiv wie möglich zu gestalten, sind folgende Punkte zu beachten:
  • Auf eine klare und deutliche Aussprache am Funk achten.

  • Schwierige Wörter, z. B. Präparatenamen, immer buchstabieren, um Verwechslungen zu vermeiden.

  • Auch in Stresssituationen einen freundlichen Ton wahren.

  • Frühzeitig ein Bild der Schadenslage am Notfallort geben, damit rechtzeitig weitere Kräfte alarmiert werden können.

  • Voranmeldungen so früh wie möglich machen. → 2–3 Absagen sind keine Seltenheit und kosten unnötige Zeit.

  • Aus der Wohnung nicht erst zum Fahrzeug laufen, um Kräfte nachzufordern oder eine Voranmeldung abzusetzen. → Vorhandenes Funkgerät oder Telefon nutzen.

  • Handsprechfunkgerät mit zum Einsatzort nehmen.

  • Bei Verkehrsunfällen auslaufende Flüssigkeiten prüfen, z. B. Benzin oder Kühlflüssigkeit → evtl. Feuerwehr nachalarmieren, für kleinere Mengen führt Abschleppunternehmen Bindemittel mit sich.

Zusammenarbeit mit Polizei oder Feuerwehr

Bei vielen Einsätzen trifft der RD mit der Feuerwehr oder der Polizei zusammen. Zum besseren Einsatzablauf das Gespräch mit den anderen Diensten suchen, um die eigenen Einsatzmöglichkeiten und Grenzen zu erörtern und die Rettungsarbeiten zu koordinieren.

Tipps & Tricks

  • Die eigene Rolle beim Einsatzablauf niemals überbewerten, die der Feuerwehr und Polizei nicht unterbewerten.

  • „Nichts ist überflüssiger, als durch Kompetenzgerangel wertvolle Zeit zu vergeuden!“

Aufgaben der einzelnen Fachdienste im RD-Einsatz
Polizei
  • Absichern der UnfallstellePolizei

  • Verkehrsregelung

  • Aufnahme der Unfallbeteiligten und Konstruktion des Ereignisses

  • Durchführung oder Empfehlung von Alkoholtests. Cave: Das Rettungsdienstpersonal darf keine Mutmaßungen oder Aussagen über einen möglichen Alkoholkonsum des Pat. machen → Schweigepflicht.

  • Begleitung von Zwangseinweisungen

Feuerwehr
  • FeuerwehrKoordination und Durchführung der technischen Rettung. Cave: medizinische Rettung geht vor technischer Rettung/Bergung. → Vorgehen absprechen

  • Einsatzleitung bei Gefahrgutunfällen

  • Beseitigung von Umweltgefahren, z. B. ausgelaufenes Öl oder Benzin

  • Brandbekämpfung

Zusammenarbeit an der Großschadensstelle

Massenunfall von VerletztenEinsätze an GroßschadensstelleGroßschadensstellen erfordern von allen Beteiligten ein hohes Maß an Teamgeist und Disziplin. Sie bringen alle Beteiligten nicht selten an die Grenzen ihrer psychischen Belastbarkeit.
  • Ersteintreffendes Team stellt Einsatzleitung, bis Leitender Notarzt (LNA) oder Organisatorischer Einsatzleiter (OrgL RD) eintreffen.

  • Vor dem Einleiten der ersten Maßnahmen am Pat. hat das zuerst eintreffende Team alle Verletzten zu sichten und die genaue Schadenslage zu ermitteln.

  • Detaillierte Schadensmeldung an die Leitstelle geben:

    • Genauer Schadensfall

    • Anzahl der SchadensmeldungLagemeldungVerletzten → wie viele hiervon sind schwer, mittel oder leicht verletzt, evtl. Verdachtsdiagnosen, z. B. SHT, Verbrennungen.

    • Anzahl der eingeklemmten oder verschütteten Pat.

    • Feuerwehr, THW oder schweres Bergungsgerät erforderlich?

    • Anzahl der benötigten RTW, KTW, RTH und NÄ

    • Schnelleinsatzgruppe erforderlich?

  • Ständigen Funkkontakt (Handfunkgerät) zur Leitstelle halten, Sprechfunkverkehr auf das Nötigste beschränken.

  • Trotz Stresssituation sachlich bleiben. Andere Einsatzkräfte sind dem gleichen Stress ausgesetzt.

  • Ortsfremde Einsatzkräfte als gleichwertige Partner betrachten. → Pat. steht im Mittelpunkt

  • Nachfolgende Einsatzkräfte einweisen und Pat. zuweisen. Kein Team sucht sich seinen Pat. selber. Vermeiden von Fehlkoordination

  • Nach Eintreffen der Technischen Einsatzleitung Bildung eines Führungsteams. Es ist ab sofort weisungsbefugt und besteht Führungsteamaus leitendem Notarzt (LNA), organisatorischem Leiter Rettungsdienst (OrgL RD), Einsatzleiter Feuerwehr und Einsatzleiter Polizei.

  • Kommunikation mit der Leitstelle nur noch von oder über die technische Einsatzleitung.

  • Alle Maßnahmen zur Rettung verschütteter oder eingeklemmter Personen mit dem Einsatzleiter Feuerwehr absprechen.

  • Patientendaten, Art der Verletzungen, transportierender RTW und Zielklinik werden von der Einsatzleitung dokumentiert

  • !

    Keinen Pat. ohne vorherige Sichtung und Dokumentation durch den Leitenden Notarzt transportieren.

Tipps & Tricks

  • Nach Abschluss des Einsatzes in jedem Fall Nachbearbeitung mit den eingesetzten Kräften. Nur so können mögliche Fehler in der Zukunft vermieden werden.

  • Sensibilität für Auffälligkeiten im Verhalten von Kollegen: Haben sie das Erlebte verarbeitet? Ist Hilfe erforderlich?

Verhalten bei Terroranschlägen

Vor allem nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 in den USA scheint die Gefahr potenzieller Anschläge auch in der Bundesrepublik erhöht. Ziele von Terroranschlägen können Personen des öffentlichen Interesses, Unternehmen, öffentliche Einrichtungen aber auch Massenveranstaltungen oder -verkehrsmittel sein. Dies macht es notwendig, sich bereits im Vorfeld mit der Thematik auseinander zu setzen und Maßnahmen zur Eindämmung der Gefahrenlage zu treffen.
Hierbei handelt es sich vor allem um eine Gefährdung durch
  • Biologische und chemische Waffen (Kontamination durch Gase, Flüssigkeiten usw.)

  • Sprengstoff (Druckwelle und -wirkung)

  • Nukleare und radiologische Waffen (Kontamination durch Strahlung, Druckwelle usw.)

  • Sabotage von Betriebs- und Sicherheitseinrichtungen mit potenzieller Gefahr für Mensch und Umwelt

Besondere Bedeutung bekommt an der Einsatzstelle die Zusammenarbeit mit den anderen Fachdiensten (Kap. 1.10), z. B. Polizei, Feuerwehr, THW, Schnelleinsatzgruppen, Katastrophenschutz, betriebseigene Rettungskräfte (z. B. Werksfeuerwehr, -schutz), Landesinstitutionen (Umweltamt). Diese bilden aufgrund der Gefahrenlage vor Ort eine Gesamteinsatzleitung. Es sind keine Maßnahmen ohne Lagebesprechung mit diesen Kräften durchzuführen.
Als ersteintreffendes Rettungsmittel sind die Grundsätze des Arbeitens an der Großschadensstelle zu beachten (Kap. 1.11). Ggf. sind folgende Maßnahmen durchzuführen:
  • Eigenschutz beachten

  • Nachalarmierung Polizei und weitere erforderliche Einsatzkräfte (Notarzt, Gesundheitsbehörden usw.)

  • Erkundung der Lage

  • Großzügige Absperrung des betroffenen Gebietes

  • Unbeteiligte möglichst aus dem gefährdeten Gebiet verweisen

  • Pat. behandeln und ggf. Transport wenn Einsatzleitung bzw. weitere Rettungsmittel bereits eingetroffen.

Zusammenarbeit mit der Bergwacht

Die Rettung aus den BergwachtBergen wird normalerweise von der Bergwacht durchgeführt. Die wenigsten Mitarbeiter des RD werden in ihrer Laufbahn mit der Bergwacht konfrontiert. Daher man in den Regionen, in denen man mit ihr zu tun haben könnte, genau Bescheid wissen über Ausrüstung und Besetzung der Rettungsmittel (technisch, medizinisch, mit NA usw.) sowie Art und Weise der Zusammenarbeit in bestimmten Situationen.
Die häufigste Schnittstelle ist die Übernahme von Pat. zur medizinischen Weiterversorgung, wenn
  • die Bergrettung lediglich für die technische Rettung verantwortlich ist,

  • mehrere Verletzte gleichzeitig anfallen: Je nach lokaler Organisation können die Schwerstverletzten z. B. direkt per Hubschrauber abtransportiert, Leichtverletzte dem RD übergeben werden.

Achtung

Unbedingt die spezifischen Gefahren und Verletzungsmuster kennen, denen ein Verletzter im (Hoch-)Gebirge ausgesetzt ist:

  • Unterkühlung, Erfrierungen

  • Respiratorische Probleme, insbes. bei Pat. mit Asthma bronchiale und kardialen Vorerkr.

  • Höhenbedingtes Lungenödem

  • UV-Schäden an Haut und Augen („Schneeblindheit“)

  • Fangstoßtrauma (beim Sturz ins Seil) mit der möglichen Folge der Rippenfrakturen, HWS-Distorsion, im Extremfall Milz- oder Leberläsion.

Kommunikation zwischen RD und Bergwacht
  • Organisation der Bergwacht kennen: Wissen, was sie kann, wann und wie sie initiativ wird, wie im Fall der Zusammenarbeit Kompetenzen verteilt werden.

  • Kommunikationswege kennen: An wen gibt die Bergwacht Lagemeldungen und Nachforderungen durch? Wer koordiniert beim Großschadensfall welche Aufgaben?

  • Über den Funkverkehr Bescheid wissen: Welche Kanäle hat die Bergwacht? Wird der Funkverkehr über die Leitstelle oder direkt abgewickelt?

  • Ausstattung kennen.

  • Regelmäßige Treffen durchführen, an Übungen der Bergwacht teilnehmen, Kommunikation pflegen.

Der Inhalt dessen, was Bergrettung meint, würde einen Leitfaden sprengen! Verwiesen sei deshalb auf die Lehrbücher der Bergwacht.

Wichtige Informationen zum Weiterbetrieb der Medizinwelt