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B978-3-437-47154-4.00009-X

10.1016/B978-3-437-47154-4.00009-X

978-3-437-47154-4

SchmerzlokalisationBauchschmerzen, akute Lokalisation

[L106]

DruckpunkteAppendizitis, akute Druckpunkte bei Appendizitis

[L138]

Leitsymptome und ihre Differenzialdiagnose Gastrointestinaltrakt, Leitsymptome

Tab. 9.1
Leitsymptome Differenzialdiagnose
Akute Bauchschmerzen, Peritonismus Magen-Darm-Infekte (Gastroenteritis), akute Gastritis, Ileus, Appendizitis, Leistenbruch, Pankreatitis, Ulcus ventriculi/duodeni, Divertikulitis, Gallenkolik bei Gallensteinen (Cholelithiasis), akute Cholezystitis, Nierenkolik, Mesenterialinfarkt, Nieren- oder Milzinfarkt, Pyelonephritis, Myokardinfarkt, rupturiertes Aortenaneurysma, chronisch entzündliche Darmerkr., Reizdarmsy., diabetische Ketoazidose (diabetische Pseudoperitonitis), gynäkologische Ursachen (Adnexitis, Extrauteringravidität, stielgedrehte oder rupturierte Ovarialzyste), Intox.
Übelkeit und Erbrechen Akute Gastritis, akute Gastroenteritis, Ileus, Ulcus ventriculi/duodeni, Myokardinfarkt, Intox. (Zytostatika, Eisen, Kalium, Opiate, Alkohol, Antibiotika), Schock, Schwangerschaft, diabetische Ketoazidose, Nahrungsmittelvergiftung, Ösophagusvarizenblutung, ZNS-Ursachen (erhöhter Hirndruck, Migräne, Menière-Krankheit). metabolisch-endokrine Ursachen (Urämie, Addison-Krankheit/-Krise, Hyperkalzämie, Hyponatriämie)
Diarrhö Gastroenteritis, Salmonellose, Intoxikationen (Herzglykoside, Pilze, Schwermetalle), Nahrungsmittelallergie/-unverträglichkeit, Medikamente (Magnesium, Laxanzien, Colchicin, Digitalis), chronisch entzündliche Darmerkr., vegetative Störungen (Angst, Nervosität)
Blutabgang (oral, rektal) Ösophagusvarizenblutung, Ulkusblutung, Divertikelblutung, Karzinom, Hämorrhoiden, chronisch entzündliche Darmerkr., ischämische Kolitis, Infektionen

SchmerzlokalisationBauchschmerzen, akute Lokalisation

Tab. 9.2
Rechter Unterbauch Appendizitis, Adnexitis, Tubargravidität, Ureterstein, Ileitis regionalis, Meckel Divertikel, Invagination, inkarzerierte Hernie, Gallenblasen- oder Magenperforation, Nierenarterienembolie, Aortenaneurysma
Rechter Oberbauch Akutes Koronarsyndrom, Magen- oder Duodenalulkusperforation, symptomatische Cholelithiasis, Cholezystitis, Gallenblasenempyem, Gallenblasenperforation, Leberruptur, Pankreatitis, Nierenbeckenstein, Pyelitis, Kolontumor, Stauungsleber, Pleuritis
Linker Unterbauch Adnexitis, Tubargravidität, inkarzerierte Hernie, Sigmadivertikulitis, Rektumtumor, Uretersteine, Pyelitis, Nierenbeckensteine, Nierenarterienembolie, Aortenaneurysma, Milzruptur, Milzinfarkt, Pyelonephritis, Kolonkarzinom, Pankreatitis, Appendizitis bei Situs inversus (sehr selten)
Linker Oberbauch Akutes Koronarsyndrom, Pleuritis, ischämische Colitis
Mittelbauch Pankreatitis, Hiatushernie, Magen- und Duodenalulkusperforation, Aneurysmaruptur, mechanischer Ileus, inkarzerierte Nabelhernie

Leitsymptom akute Abdominalschmerzen

Tab. 9.3
Begleitsymptom Anamnese, Untersuchung Verdachtsdiagnose
Todesangst Schmerzlokalisation eher im Oberbauch, Kaltschweißigkeit, Übelkeit, Erbrechen ACS
Krampfartige, stechende Schmerzen Bekannte Gallen- oder Nierensteine Nierenkolik, Gallenkolik
BZ 250–500 mg/dl Kaltschweißig, vermehrte Exsikkose, Azidosegeruch Diabetische Ketoazidose (Pseudoperitonitis)
Nervosität, Stress in der Anamnese, Behandlung mit nichtsteroidalen Antiphlogistika Epigastrische Schmerzen, evtl. Teerstuhl Ulkus
Wandernder Schmerz → Loslassschmerz im rechten Unterbauch (evtl. kontralateral) bei der Palpation Fieber, Inappetenz Appendizitis
Rückenschmerzen Aortenaneurysma, Pankreatitis, ACS
Vaginale Blutungen Nach längerem Ausbleiben der Regel, kaltschweißig, RR ↓, Puls ↑ Schwangerschaftskomplikationen, spontaner Fruchtabgang, evtl. extrauterine Gravidität
Fehlende Darmgeräusche Obstipation, aufgetriebenes Abdomen, häufig Schluckauf Paralytischer Ileus

Leitsymptome Übelkeit und Erbrechen

Tab. 9.4
Begleitsymptom Anamnese, Untersuchung Verdachtsdiagnose
Retrosternaler Schmerz Kaltschweißig, Todesangst ACS
RR > 180/120 mmHg Schwindel, starke Kopfschmerzen, Übelkeit, Sehstörung Hypertensiver Notfall
Schwindel Tinnitus, Hörminderung Menière-Krankheit (Kap. 14.4)
Fehlende Darmgeräusche Obstipation, aufgetriebenes Abdomen, häufig Singultus Paralytischer Ileus
Bluterbrechen Alkoholabusus, Blut frisch oder geronnen (ausgeflockt), schwallartiges Erbrechen Ulkus, Ösophagusvarizenblutung, GIT-Blutung
BZ 250–500 mg/dl Bek. Diabetes mellitus, vermehrte Harnausscheidung, Azidosegeruch Diabetische Ketoazidose
Quaddelbildung, Juckreiz, evtl. RR ↓, Puls ↑ Müdigkeit, Unruhe Anaphylaxie, Medikamentennebenwirkung

Leitsymptom Diarrhö

Tab. 9.5
Begleitsymptom Anamnese, Untersuchung Verdachtsdiagnose
Abrupter Beginn Selten febril, häufig kombiniert mit Erbrechen Virale Enteritis
Häufiges Erbrechen Faulig riechender, grünlicher Stuhl, Blutbeimengung möglich Salmonellose
Quaddelbildung, Juckreiz, evtl. RR ↓, P ↑ Medikamenteneinnahme Anaphylaktische Reaktion
Tremor, Stress, Ärger Angst, Nervosität Vegetative Störung

Leitsymptom oraler Blutabgang

Tab. 9.6
Begleitsymptom Anamnese, Untersuchung Verdachtsdiagnose
Bek. Alkoholabusus, Leberzirrhose, Pfortaderhochdruck Blut frisch oder geronnen (ausgeflockt), schwallartiges Erbrechen, evtl. RR ↓, Puls ↑ Ösophagusvarizenblutung
Erst Übelkeit, dann anhaltendes starkes Erbrechen, dann Blutbeimengung Mallory-Weiss-Syndrom

Leitsymptom rektaler Blutabgang

Tab. 9.7
Begleitsymptom Anamnese, Untersuchung Verdachtsdiagnose
Bek. Hämorrhoidalleiden Sichtbare Hämorrhoiden, evtl. spritzende Blutung Hämorrhoidalblutung
Bek. Colitis ulcerosa Krampfartige Abdominalschmerzen (Tenesmen), evtl. subfebrile Temperaturen Kolitisblutung

DD gastrointestinaler Blutungen

Tab. 9.8
Blutungsquelle Aussehen
Ösophagus, Magen Rotes, evtl. kaffeesatzartiges Blut (fehlt bei massiver Blutung), Teerstuhl
Dünndarm Teerstuhl
Kolon Rote Blutbeimengungen im Stuhl
Proximales Rektum Homogene Blutauflagerung auf dem Stuhl
Anus, distales Rektum Streifenartige, hellrote Blutauflagerung auf dem Stuhl.

Gastrointestinaltrakt

Boris A. Hoffmann

Frank Flake

  • 9.1

    Leitsymptome und ihre Differenzialdiagnose324

    • 9.1.1

      Akute Abdominalschmerzen324

    • 9.1.2

      Übelkeit und Erbrechen327

    • 9.1.3

      Diarrhö328

    • 9.1.4

      Blutabgang328

  • 9.2

    Gastrointestinale Blutungen330

    • 9.2.1

      Ösophagusvarizenblutung332

    • 9.2.2

      Akute anale Blutungen333

  • 9.3

    Ileus334

  • 9.4

    Akute Appendizitis335

  • 9.5

    Gallenkolik337

  • 9.6

    Hohlorganperforation338

  • 9.7

    Akute Pankreatitis339

  • 9.8

    Mesenterialinfarkt340

Leitsymptome und ihre Differenzialdiagnose

Akute Abdominalschmerzen

Symptom zahlreicher Bauchschmerzen, akuteErkr., meistens durch Reizung des Peritoneums (Bauchfells).
PathogeneseBauchorgane sind mit dem Bauchfell überzogen: Bei Erkr. der Bauchorgane (Entzündung, Perforation) ist zunächst das sie bedeckende Blatt (viszerales Peritoneum) betroffen. Vagusvermittelt kommt es zunächst zu Symptomen wie diffuse Schmerzen, Übelkeit. Wenn die Störung auch das parietale Blatt, das die Bauch- und Beckenhöhle auskleidet, erreicht hat, werden Schmerzen lokalisierbar (z. B. Appendizitis, Tab. 9.2, Abb. 9.1); es kommt zu Abwehrspannung, Klopfschmerz, Loslassschmerz und Erschütterungsschmerz (PeritonismusPeritonismus).

Akutes Abdomen

Alle Abdomen, akutesakuten „Baucherkr.“ mit plötzlich einsetzendem, lebensbedrohlichem Zustand → Heftige lokale und systemische Reaktionen mit der Dringlichkeit diagnostischen und therapeutischen Handelns.
Typische Symptome:
  • Peritonismus: starke Schmerzen, Loslassschmerz, abdominale Abwehrspannung, Klopfschmerz, Erschütterungsschmerz.

  • Veränderungen der Darmperistaltik mit Störung der Darmentleerung.

  • Erbrechen.

  • Evtl. Schockzeichen.

Peritonitis

Peritonitis Lokale oder diffuse Entzündung des Peritoneums. Hervorgerufen durch physikalisch-chemische Noxen, z. B. Trauma, Blut, Galle, Harn, Verdauungsenzyme, Zysteninhalt, Mikroorganismen und deren Toxine.
Typische Symptome: Übelkeit, Erbrechen, dumpf-drückender, nicht lokalisierbarer Schmerz, paralytischer Ileus, Peritonismus (s. o.).
Unbehandelt hohe Letalität von 40–60 %.
Zwei Fragen stehen zunächst im Mittelpunkt
  • 1.

    Ist die Situation lebensbedrohlich? Alarmzeichen sind RR ↓, P ↑, Kaltschweißigkeit, Bewusstseinsstörung, z. B. als Hinweis auf Schock → NA nachfordern

  • 2.

    Gibt es Hinweise auf die Ursache der Bauchschmerzen (Tab. 9.3)? Anamnese erheben:

    • In welcher Situation ist die Beschwerde aufgetreten? z. B. kurz nach dem Essen (Nahrungsmittelallergie/Intoxikation) oder in nüchternem Zustand

    • Sind Vorerkr. bekannt? z. B. Diabetes mellitus, Ulkusleiden, Angina pectoris oder Herzinfarkt, Nierensteine, Gallensteine; besteht eine Schwangerschaft? Letzte Menstruation?

    • Auffälligkeiten beim Stuhlgang? bzgl. Häufigkeit, Farbe, Konsistenz

    • Angaben zum Erbrechen? vor oder nach dem Essen, Farbe des Erbrochenen, Häufigkeit

    • Nimmt der Pat. Medikamente oder Genussmittel ein? z. B. Antazida, nichtsteroidale Antiphlogistika (z. B. Acetylsalicylsäure, Diclofenac), Nikotin, Alkohol.

Tipps & Tricks

  • Auch undramatisch anmutende Beschwerden können lebensbedrohlich sein, z. B. Appendizitis bei alten Menschen oder bei Diabetikern (erhöhte Perforationsgefahr).

  • Ursachen müssen sich keinesfalls nur im Abdomen befinden.

  • Genaue Diagnose am Notfallort kaum möglich.

  • Kausale Ursache kann präklinisch meist nicht behandelt werden, die anstehenden Maßnahmen sind daher häufig symptomlindernd.

  • Transportfähigkeit herstellen.

  • Schonenden Transport des Pat. durchführen.

Übelkeit und Erbrechen

Unspezifisches Symptom, Übelkeit Erbrechendas sowohl bei leichten als auch bei schwerwiegenden Erkrankungen auftreten kann („verdorbener Magen“, ACS, GIT-Krankheitsbilder, neurologische Erkr., als Medikamenten-NW, usw.).

Merke

  • Beim akuten Abdomen sind Übelkeit und Erbrechen meist Begleitsymptom

  • Bei bewusstseinsgetrübten Pat. muss die Aspiration von Erbrochenem verhindert werden.

Zwei Fragen stehen zunächst im Mittelpunkt
  • 1.

    Ist die Situation lebensbedrohlich? Alarmzeichen sind Exsikkose, insbes. bei alten Menschen, Säuglingen und Kleinkindern, Blut (GIT-Blutung) und Stuhlbeimengungen (hoher Dünndarmileus), starke Schmerzen, Kreislaufdepression: RR ↓, P ↑, Kaltschweißigkeit → NA nachfordern. Neurologische Alarmzeichen sind Schwindel, Kopfschmerzen, Bewusstseinstrübung, Bewusstlosigkeit.

  • 2.

    Gibt es Hinweise auf die Ursache der Übelkeit, des Erbrechens (Tab. 9.4)? Anamnese erheben:

    • In welcher Situation ist die Beschwerde aufgetreten? z. B. kurz nach dem Essen, durch körperliche Anstrengung

    • Hat der Pat. zusätzlich Schmerzen? z. B. retrosternaler Schmerz

    • Nimmt der Pat. Medikamente ein? z. B. neues Medikament, das kurz zuvor verschrieben wurde (z. B. Antibiotikum).

Diarrhö

Mehr als drei flüssige DiarrhöStühle pro Tag, flüssige Konsistenz (> 75 % Wasser) und erhöhte Gesamtmenge (> 250 ml/d).
Ursachen
  • Akute Durchfälle haben meist infektiöse Ursachen und können bis zu 30 Stuhlentleerungen pro Tag nach sich ziehen. Erreger sind meist Salmonellen, E. coli, Staphylokokken, bei Kindern oft Viren.

  • Chronische Durchfälle entstehen häufig durch entzündliche Darmerkr. (z. B. Crohn-Krankheit, Colitis ulcerosa).

Merke

Akute Diarrhöen führen nur in sehr schweren Fällen zur Alarmierung des RD, z. B. bei starker Dehydratation.

Zwei Fragen stehen zunächst im Mittelpunkt
  • 1.

    Ist die Situation lebensbedrohlich? Alarmzeichen ist insbesondere bei Kindern und alten Menschen eine Exsikkose, z. B. stehende Hautfalten, trockene Haut. RR ↓, P ↑.

  • 2.

    Gibt es Hinweise auf die Ursache der Diarrhö (Tab. 9.5)? Anamnese erheben:

    • Ist die Diarrhö akut aufgetreten oder besteht sie chronisch, evtl. mit blutigen oder schleimigen Beimengungen?

    • In welcher Situation ist die Beschwerde aufgetreten? z. B. kurz nach dem Essen (verdorbene Lebensmittel, z. B. Frischeiprodukte, Geflügel) → Inkubationszeit beachten, Speisen erfragen

    • Sind noch andere Bekannte oder Familienmitglieder betroffen? z. B. bei Infektion, Salmonellose

    • Nimmt der Pat. Medikamente ein? z. B. Antibiotika, Laxanzien.

Blutabgang

Einteilung
  • Oraler Blutabgang (Hämatemesis): Erbrechen von Bluterbrechen HämatemesisBlut, das (bei Kontakt mit der Magensäure) evtl. kaffeesatzartig verändert ist. DD Bluthusten (Hämoptoe): schaumiger Auswurf, evtl. feuchte Rasselgeräusche auskultierbar

  • Rektaler Blutabgang:

    • Teerstuhl (Meläna): schwarze, Teerstuhlglänzende, klebrige MelänaStühle. Blutungsquelle fast immer im oberen GIT. Akute Blutung kann 5–10 h zurückliegen. Bei langsamer Darmpassage kann Blutungsquelle auch im Dünn- oder Dickdarmbereich liegen.

    • Blutauflagerungen auf dem Stuhl: Blutungsquelle meist Rektum (Karzinom, Polyp) oder Analkanal (Blut meist hellrot, evtl. noch nicht geronnen)

    • Blutstuhl (Hämatochezie): Blutstuhl Hämatocheziestarke Blutung aus dem Anus typisch für untere GI-Blutung, kann aber auch bei massiver oberer GI-Blutung auftreten, evtl. spritzend, hellrot bei akuter Hämorrhoidalblutung.

Blutungsquellen
  • Obere Blutung (Ursprungsort: Ösophagus, Magen, Duodenum):

    • Ulzera in Magen, unterem Ösophagus

    • Varizen in Ösophagus und Magenfundus

    • Mallory-Weiss-Mallory-Weiss-SyndromSyndrom (Schleimhauteinrisse im Ösophagus-Kardia-Bereich bei heftigem Erbrechen)

    • Magenkarzinom

  • Untere Blutung (Ursprungsort: Duodenum, Dickdarm, Rektum, Anus):

    • Meckel Divertikel

    • Aus dem Dickdarm, z. B. Colitis ulcerosa, Crohn-Krankheit, Polypen, Divertikulose, Karzinom

    • Aus dem Rektum, z. B. Hämorrhoiden, Proktitis, Karzinome, Trauma.

Zwei Fragen stehen zunächst im Mittelpunkt
  • 1.

    Ist die Situation lebensbedrohlich? Alarmzeichen ist Schocksymptomatik (RR ↓, P ↑, Bewusstseinstrübung) → Aspirationsgefahr (bei Ösophagusvarizenblutung) → NA nachfordern

  • 2.

    Gibt es Hinweise auf die Ursache der GI-Blutung (Tab. 9.6, Tab. 9.7)? Anamnese erheben:

    • Sind chron. Erkr. bekannt? z. B. Ösophagusvarizen, Hämorrhoiden, Crohn-Krankheit, Karzinom, Ulkusleiden

    • Wann ist die Blutung erstmalig aufgetreten? Gab es ein schmerzfreies Intervall? (Mesenterialinfarkt, perforierte Appendix)

    • Nimmt der Pat. Medikamente ein? z. B. Antikoagulanzien, Antirheumatika, Antibiotika.

Gastrointestinale Blutungen

Blutungen aus Blutung gastrointestinaledem Gastrointestinaltrakt (GIT), die präklinisch meist nicht genau zu lokalisieren sind. Art und Menge des abgesetzten Blutes geben jedoch Hinweise (Tab. 9.8).

Achtung

  • Bei Blutungen im GIT muss das Blut (zunächst) gar nicht nach außen gelangen, z. B. bei Hämorrhoidalblutung. → Kein Ausschlusskriterium.

  • Aus einer anfangs „harmlosen Blutung“ kann sich schnell eine lebensbedrohliche Situation entwickeln.

  • 20–30 % der Pat. bluten aus zwei oder mehreren Läsionen, deshalb oft dramatischer Verlauf.

Ersteindruck
  • Bluterbrechen (schwallartig, kaffeesatzartig, hellrotes frisches Blut Tab. 9.6), Teerstuhl oder anale Blutung (Tab. 9.7)

  • Peritonitiszeichen: Bauchschmerzen, Übelkeit, Peritonismus (Tab. 9.3)

  • Schwindel, evtl. Erschöpfung, evtl. kaltschweißiges, blasses Hautkolorit als vegetative Zeichen

  • Evtl. Atemnot

  • Evtl. Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit.

Monitoring & Befund

AF, HF, EKG, P, SpO2

ABCDE-Schema
  • OPQRST (Kap. 2.1.6) und SAMPLER (Kap. 2.1.5) erheben

  • Anamnese: bekanntes Ulkusleiden, Medikation mit nichtsteroidalen Antirheumatika, oralen Antikoagulanzien (z. B. Phenprocoumon, Pradaxa®, Xarelto®, Eliquis®, Lixiana®), Thrombozytenaggregationshemmern (z. B. Acetylsalicylsäure, Clopidogrel)

  • Evtl. RR ↓, P ↑ kaum tastbar

  • Auskultation von Lunge und Abdomen mit der Frage nach Aspiration und Darmgeräuschen

Basismaßnahmen
  • Ruhe ausstrahlen

  • Lagerung: Oberkörper erhöht, bei Schocksymptomatik → Schocklage, bei Bewusstlosigkeit → stabile Seitenlage

  • O2-Gabe 4–6 l/Min. (ggf. höher dosieren) über Nasensonde, bei Erbrechen keine Gesichtsmaske → Gefahr der Aspiration bei eingetrübtem Pat.

  • !

    Bei massiver Blutung oder Schocksymptomatik (RR ↓, P ↑) NA nachfordern.

  • Venösen Zugang legen: 500–1 000 ml Vollelektrolyt-Lösung infundieren, bei Schocksymptomatik: 20–40 ml/kg KG Ringer-Lösung i. v.

  • Ziel-RRsyst 80–90 mmHg (permissive Hypotension)

Erweiterte Maßnahmen
  • Magensonde legen, regelmäßig absaugen → Abschätzen der Blutmenge, Verringerung der Aspirationsgefahr

  • Evtl. Analgesie: Morphin 2,5–5–10 mg i. v. (Kap. 19.2.45), Piritramid 7,5–15 mg i. v. (Kap. 19.2.59) oder Fentanyl 0,05–0,1 mg i. v. (Kap. 19.2.28)

  • Zum Einsatz von Medikamenten:

    • Keine Gabe von ASS oder Heparin → Verstärkung der Blutung

    • Sedierung nur, wenn unbedingt erforderlich → Erhöhung von Aspirationsgefahr und Atemdepression

Intubation und Beatmung

  • Indikationen: Intubation selten notwendig, je nach Dramatik der Situation bei Bewusstseinstrübung, Bewusstlosigkeit, ausgeprägter Schocksymptomatik (RR ↓, P ↑), starkem Erbrechen mit hoher Aspirationsgefahr

  • Narkose: bei GIT-Blutungen Rapid sequence induction (RSI) wegen erhöhter Aspirationsgefahr.

    • Einleitung: Etomidat 0,2–0,3 mg/kg KG i. v. (Kap. 19.2.25)

    • Sedierung: Midazolam 2,5–5 mg i. v. (Kap. 19.2.44)

    • Evtl. Relaxierung: Suxamethoniumchlorid 1 mg/kg KG i. v. (Kap. 19.2.69)

  • Kontrollierte Beatmung:

    • Normale AF: 10–12/Min.

    • Normales AZV: 10 ml/kg KG

    • FiO2: 0,5

  • !

    Kein PEEP erforderlich

Transport
  • Jeder Pat. mit V. a. GIT- Blutung bedarf einer stationären Behandlung → NA immer erforderlich

  • Sonderrechte selten erforderlich; nur bei Intubation, Schock, evtl. Voranmeldung

  • In Klinik mit Möglichkeit zur Endoskopie

  • Keine Zeit mit unnötiger Diagnostik verschwenden

  • Während des Transports kontinuierliches Monitoring (RR, P, SpO2, EKG, evtl. EtCO2)

Ösophagusvarizenblutung

Blutende ÖsophagusvarizenblutungKrampfadern im unteren Drittel des Ösophagus, unterschiedliche Blutungsstärke. Entstehen meist auf dem Boden einer Leberzirrhose, z. B. bei Alkoholkranken. Durch Stauung im Pfortaderkreislauf bilden sich Kollateralkreisläufe.

Achtung

  • Perakutes Krankheitsbild mit absolut lebensbedrohlichem Verlauf (Blutverlust). → Keine Zeit mit unnötiger Diagnostik verschwenden

  • Blut ist ein sehr starkes Emetikum, wird es geschluckt, fördert es den Brechreiz. → Gefahr der Aspiration, besonders bei bewusstseinsgetrübten Pat.

Ersteindruck
  • Erbrechen von kaffeesatzartigem, braunem Blut (Oxidation des Blutes durch Magensäure), evtl. im Schwall (Tab. 9.6)

  • Schwindel, Erschöpfung, Übelkeit, Kaltschweißigkeit als vegetative Symptome

  • Schmerzen im Übergangsbereich Thorax-Abdomen

  • Evtl. Ikterus (Gelbsucht)

  • Evtl. Leberhautzeichen, z. B. Gefäßspinnen am Oberkörper (Spider naevi), Palmarerythem, Lackzunge

  • Evtl. Bewusstseinstrübung bis hin zur Bewusstlosigkeit

  • Evtl. Atemnot

  • Evtl. Zyanose

Monitoring & Befund

  • AF, HF, EKG, P, SpO2

  • RR ↓, P ↑ kaum tastbar (fadenförmig), evtl. SpO2

ABCDE-Schema
  • OPQRST (Kap. 2.1.6) und SAMPLER (Kap. 2.1.5) erheben

  • Anamnese: Alkoholabusus, Pfortaderhochdruck, bekannte Leberzirrhose

  • Auskultation mit der Frage nach Aspiration

Basismaßnahmen
  • Ruhe ausstrahlen

  • Schocklagerung (Kap. 2.3.6)

  • Bei Bewusstlosigkeit stabile Seitenlage (Kap. 2.3.6)

  • O2-Gabe 4–6 l/Min. (ggf. höher dosieren) über Nasensonde, Achtung: niemals über Gesichtsmaske → Gefahr des Erbrechens in die Maske und Aspiration

  • Venösen Zugang legen: mind. 2–3 großlumige Kanülen (1,7–2,0 mm), und 20–40 ml/kg KG NaCl 0,9 % oder Ringer-Lösung infundieren

  • Ziel-RRsyst 80–90 mmHg (permissive Hypotension)

  • NA nachfordern

Erweiterte Maßnahmen
  • Terlipressin 1–2 mg i. v.

  • Evtl. Analgesie: Fentanyl 0,1–0,2 mg i. v. (Kap. 19.2.28), vorsichtige Dosierung aufgrund bestehender Hypovolämie → RR-Abfall

  • Indikation zur Intubation und Beatmung Kap. 2.7.8

  • Zum Einsatz von Medikamenten:

    • Sedierung nur bei vorhandener oder angestrebter Intubation → Verstärkung von Aspirationsgefahr und Atemdepression

    • Keine Katecholamine im hämorrhagischen Schock geben

Transport
  • Immer mit NA in Klinik mit Endoskopie. Voranmeldung

  • Während des Transports kontinuierliches Monitoring (RR, P, SpO2, EKG, EtCO2)

Tipps & Tricks

  • ZVK nur, wenn kein peripher-venöser Zugang gefunden wird und kein intraossärer Zugang zur Verfügung steht → zu geringes Lumen

  • Bei Intubationsschwierigkeiten direkt in den Ösophagus intubieren, dann Mund- und Rachenraum absaugen und anschließend endotracheal intubieren

  • Ösophaguskompressionssonden nur bei lebensbedrohlichen Blutungen mit ausgeprägter Schocksymptomatik präklinisch einsetzen

Akute anale Blutungen

Blutungen aus dem Blutung peranaleAnus sind meist nicht lebensbedrohlich, aber sehr unangenehm für den Pat.

Achtung

Schamgefühl des Pat. berücksichtigen und von rektalen Untersuchungen absehen.

Ursachen
  • Häufig: Hämorrhoiden, Rektumkarzinom, Divertikelblutungen

  • Seltener: Anal-/Rektumprolaps, Analfissur (schmerzhafter längsverlaufender Einriss der Analhaut), Analfisteln

Ersteindruck
  • Blutung aus dem Anus

  • Schmerzen, v. a. bei und nach der Defäkation (Fissur)

  • Evtl. Schleimabgang

  • Nässen und Brennen

Merke

  • Das Abschätzen der verlorenen Blutmenge ist sehr schwierig. Es kann sich immer auch zusätzlich eine Blutung nach innen verbergen.

  • Meist befindet sich Blut in der Toilette → Nachsehen und Menge abschätzen, evtl. Probe mitnehmen.

ABCDE-Schema
  • OPQRST (Kap. 2.1.6) und SAMPLER (Kap. 2.1.5) erheben

  • Inspektion: evtl. sichtbare Fissur am Schließmuskel, herausragende Rektum- oder Darmteile (Anal-/Rektumprolaps)

Monitoring & Befund

AF, HF, EKG, P, SpO2

Basismaßnahmen
  • Ruhe und Verständnis ausstrahlen

  • Unnötige Untersuchungen vermeiden

  • Lagerung: auf einer Seite mit erhöhtem Oberkörper (nach Wunsch des Pat.)

  • Wundversorgung: sterile Kompressen vor den Analbereich legen. Achtung: Keine Tamponaden in den After einführen → evtl. Verstärkung der Blutung

  • Evtl. O2-Gabe 2–4 l/Min.

  • Evtl. venösen Zugang legen, offenhalten mit NaCl 0,9 % oder Ringer-Lösung.

Erweiterte Maßnahmen
  • Keine spezifische Therapie erforderlich

  • Bei starker Blutung und ausgeprägter Schocksymptomatik 2 großlumige Zugänge legen, initial 20–40 ml/kg KG Vollelektrolyt-Lösung infundieren.

  • Ziel-RRsyst bei starken Blutungen 80–90 mmHg (permissive Hypotension)

Transport
  • Pat. nie zu Hause lassen → Blutungsquelle oft nicht bekannt

  • NA selten erforderlich

  • ohne Sonderrechte in Klinik mit chirurgischer oder internistischer Abteilung

  • Voranmeldung nicht erforderlich

Ileus

Störung Ileusder DarmverschlussDarmpassage durch Lähmung oder Verschluss.

Achtung

Gefahr von Komplikationen durch Sepsis und Volumenmangel (Schock), evtl. akutes Nierenversagen.

EinteilungMan unterscheidet zwei Formen:
  • Mechanischer Ileus: Verschluss Ileus mechanischerdes Darmlumens durch Strangulation eines Darmabschnitts infolge von Verwachsungen (Briden), Hernien, Kotballen (bei mangelnder Flüssigkeitszufuhr), Tumoren, Polypen usw. (Störung der Durchblutung → Gefahr von Nekrosen). Starker Flüssigkeitsverlust in das Darmlumen und die ödematöse Darmwand → Hypovolämie, Schock. Der mechanische Ileus geht mit zunehmender Dauer in einen paralytischen lleus über.

  • Paralytischer Ileus (Lähmung Ileus paralytischerder Darmmotorik):

    • Entzündlich (am häufigsten): z. B. infolge Pankreatitis, Appendizitis, Cholezystitis

    • Vaskulär: bei Mesenterialinfarkt

    • Reflektorisch: z. B. bei Gallen- oder Nierenkolik, nach (abdominaler) OP, Blutung

Ersteindruck
  • Peritonismus (Kap. 9.1)

  • Bei mechanischem Ileus:

    • Stärkste kolikartige Schmerzen

    • Stuhlverhalt

    • Übelkeit

    • Erbrechen, evtl. Koterbrechen (Miserere)

    • Evtl. äußerlich erkennbare versteifte Darmwindungen

    • Evtl. massiv geblähtes Abdomen

  • Bei paralytischem Ileus:

    • Stark aufgetriebenes druckempfindliches Abdomen

    • Erbrechen

    • starker Flüssigkeitsverlust → Exsikkose

    • Evtl. Schocksymptomatik: RR ↓, P ↑, blasse, kaltschweißige Haut

    • Haltung des Pat.: gekrümmt, Beine häufig angezogen

Monitoring & Befund

AF, HF, EKG, P, SpO2

ABCDE-Schema
  • OPQRST (Kap. 2.1.6) und SAMPLER (Kap. 2.1.5) erheben

  • Auskultation:

    • Mechanischer Ileus: evtl. metallisch klingende Darmgeräusche, Hyperperistaltik

    • Paralytischer Ileus: Auskultation: „Totenstille“ (fehlende Darmgeräusche)

Basismaßnahmen
  • Lagerung mit leicht erhöhtem Oberkörper und angewinkelten Beinen → Knierolle (Kap. 2.3.6), evtl. Trage in Schocklage bringen.

  • O2-Gabe 6–15 l/Min.

  • Venösen Zugang legen, Offenhalten mit NaCl 0,9 % oder Ringer-Lösung.

  • Bei Schocksymptomatik NA nachfordern, zweiten Zugang legen und 1 500–2 000 ml Vollelektrolytlösung infundieren.

Erweiterte Maßnahmen
  • Kurz wirksame Analgetika nach Bedarf vor sicherer Diagnosestellung → Verschleierung des Krankheitsbildes

  • Evtl. Magensonde legen und Mageninhalt absaugen

  • Evtl. Spasmolytika: Butylscopolamin 20–40 mg i. v. (Kap. 19.2.9)

  • Evtl. Sedierung: Midazolam 5–10 mg i. v. (Kap. 19.2.44)

Transport
  • Ohne Sonderrechte in Klinik mit chirurgischer Aufnahme

  • Bei Schocksymptomatik mit Sonderrechten und NA-Begleitung Voranmeldung erforderlich

  • Während des Transports kontinuierliches Monitoring (RR, Puls, EKG, SpO2)

Akute Appendizitis

Akute Entzündung der Blinddarmentzündung Appendizitis, akuteAppendix vermiformis (Wurmfortsatz des Blinddarms). Meist durch Darmkeime ausgelöst, durch Verschluss mit Kotsteinen oder Verwachsungen.

Achtung

  • Gefahr der Perforation insbes. bei Kleinkindern und Pat. > 60 Lj.

  • Häufigste DD bei Frauen: Adnexitis.

Ersteindruck
  • Appetitlosigkeit

  • Übelkeit

  • Erbrechen

  • Haltung des Pat.: oft gekrümmt mit angezogenen Knien

  • Bei Kindern oft (hohes) Fieber und Diarrhö

Monitoring & Befund

AF, HF, EKG, P, SpO2

ABCDE-Schema
  • OPQRST (Kap. 2.1.6) und SAMPLER (Kap. 2.1.5) erheben

  • Anamnese: Beginn mit Übelkeit und Erbrechen, diffuse Schmerzen im Oberbauch, die in den rechten Unterbauch wandern, Erschütterungsschmerz, Schmerz bei Hüftbewegung

  • Evtl. Fieber: meist subfebril bis ca. 39 °C, Temperaturdifferenz rektal-axillär > 0,8 °C

  • Evtl. Tachykardie

Fokussierte Untersuchung
  • Palpation: evtl. brettharte Bauchdecke, lokaler Klopfschmerz, kontralateraler Loslassschmerz, reflektorische Abwehrspannung im rechten Unterbauch

  • Druckschmerzpunkte (Abb. 9.2):

    • McBurney-Punkt: Übergang rechtes (Appendizitis, akute Druckpunktelaterales) mittleres Drittel McBurney-Punktzwischen Nabel und Spina iliaca anterior superior (vorderer oberer Darmbeinstachel)

    • Lanz-Punkt: Übergang Lanz-Punktrechtes mittleres Drittel zwischen beiden vorderen oberen Darmbeinstacheln

    • Blumberg-Zeichen (Blumberg-Zeichenkontralateraler Loslassschmerz): Eindrücken der Bauchdecke auf der Gegenseite und plötzliches Loslassen erzeugt Schmerzen an der rechten Seite

    • Rovsing-Zeichen: kontinuierliches Rovsing-ZeichenDrücken der linken Seite von unten nach oben („Ausstreichen des Dickdarmes“), verursacht durch Druckerhöhung im Zökum rechtsseitige Schmerzen

    • Psoasdehnungsschmerz: schnelles PsoasdehnungsschmerzStrecken des zuvor gebeugten rechten Hüftgelenks erzeugt Schmerzen durch Kontraktion des M. psoas, besonders bei retrozökaler Lage des Appendix

    • Rektaler Druckschmerz: Schmerzen durch rektale Palpation in Richtung Appendix.

Basismaßnahmen
  • Lagerung mit erhöhtem Oberkörper und leicht angezogenen Beinen → Knierolle (Kap. 2.3.6)

  • O2-Gabe 4–6 l/Min.

  • Venösen Zugang legen: Offenhalten mit NaCl 0,9 % oder Ringer-Lösung.

  • Evtl. NA nachfordern

Erweiterte Maßnahmen
  • Analgesie: kurz wirksame Analgetika nach Bedarf, evtl. Piritramid 3,75–7,5 mg i. v. (Kap. 19.2.59) oder Fentanyl 0,05–0,1 mg i. v. (Kap. 19.2.28)

  • Evtl. Sedierung: Midazolam 5–10 mg i. v. (Kap. 19.2.44)

Transport
  • In Klinik mit chirurgischer Abteilung, Sonderrechte meist nicht erforderlich

  • In schweren Fällen (stärkste Schmerzen, P ↑, RR ↓, Peritonitis) Voranmeldung → immer mit NA

  • Während des Transports: kontinuierliches Monitoring (RR, P, EKG, SpO2)

Tipps & Tricks

  • Appetitlosigkeit und Schmerzverlagerung sind die typischen Leitsymptome zu Beginn.

  • Atypische Lokalisation der Appendix, z. B. während der Schwangerschaft, bis vor den Bauchnabel.

Gallenkolik

Durch Steine, welche die GallenkolikGallenwege verschließen, wird der Galleabfluss in das Duodenum behindert: Die Galle staut sich auf, die Gallenblase kontrahiert sich gegen einen Widerstand. Durch Reizung des Peritoneums entsteht das typische klinische Bild.

Merke

Auftreten oft nachts durch erhöhten Vagotonus und nach opulenten, fettreichen Mahlzeiten durch den vermehrten Gallefluss.

Ersteindruck
  • Akuter wellen- oder wehenartiger Schmerz im rechten und mittleren Oberbauch, evtl. Ausstrahlung in die rechte Thoraxhälfte, die Schulter oder den Rücken

  • Haltung des Pat.: typischerweise gekrümmt und mit angezogenen Knien

  • Übelkeit, Erbrechen als vegetative Begleitsymptome

  • Evtl. Tachykardie

  • Fieber

  • Evtl. Schüttelfrost

  • Evtl. Ikterus

Monitoring & Befunde

AF, HF, EKG, P, SpO2

ABCDE-Schema
  • OPQRST (Kap. 2.1.6) und SAMPLER (Kap. 2.1.5) erheben

  • Anamnese: bekannte Gallensteine, evtl. heller Stuhl, dunkler Urin; Auslöser: fettreiche Mahlzeiten?

  • Palpation: Druck- und Klopfschmerz im rechten Oberbauch → Gallenblase oft tastbar, evtl. gespannte Bauchdecke

Basismaßnahmen
  • Lagerung mit leicht erhöhtem Oberköper und angewinkelten Beinen → Knierolle

  • O2-Gabe 4–6 l/Min.

  • Venösen Zugang legen, offenhalten mit NaCl 0,9 % oder Ringer-Lösung

  • Bei starken Schmerzen NA nachfordern

Erweiterte Maßnahmen
  • Volumentherapie: 500–1 000 ml balancierte Vollelektrolytlösung (Vorsicht bei Herzinsuff.)

  • Spasmolyse: Butylscopolamin 20(–40) mg langsam i. v. (Kap. 19.2.9)

  • Evtl. Analgesie: Pethidin 25–100 mg langsam i. v. (vagolytisch, Kap. 19.2.56) oder Metamizol 1–2,5 g als Kurzinfusion i. v. (Kap. 19.2.41)

  • Antiemetika: Metoclopramid 10 mg i. v. (Kap. 19.2.43) oder Dimenhydrinat 62 mg i. v. (Kap. 19.2.19)

  • Evtl. Sedierung: Midazolam 5–10 mg i. v. (Kap. 19.2.44)

  • Zum Einsatz von Medikamenten:

    • Die Gabe von Medikamenten verschleiert das Krankheitsbild.

    • Morphinderivate wirken spasmogen → Zunahme der Kolikbeschwerden, Ausnahme: Pethidin.

Transport
  • In Klinik mit chirurgischer Abteilung bzw. Möglichkeit der Endoskopie, Sonderrechte meist nicht erforderlich

  • In schweren Fällen (stärkste Schmerzen, P ↑, RR ↓) Voranmeldung

  • Während des Transports kontinuierliches Monitoring (RR, P, EKG, SpO2)

Hohlorganperforation

Betroffen sind alle Darmperforation Magen Perforation HohlorganperforationWandschichten des Magens/Duodenum mit Eröffnung und Austritt von saurem Mageninhalt in den Bauchraum, meist als Ulkusperforation, seltener bei Magenkarzinom, infolge Verätzung oder medizinischer Eingriffe, z. B. nach Ösophagogastroduodenoskopie (ÖGD).

Achtung

Die akute Perforation erfordert häufig eine sofortige Operation.

Ersteindruck
  • Erbrechen von kaffeesatzartigem, braunem Blut sowie Teerstuhl als Hinweis auf Ulkusblutung

  • Starke Schmerzen im Epigastrium, die sich schnell in den rechten Unterbauch (DD Appendizitis) oder in beide Schultern ausbreiten. Brettharter Bauch, plötzliches Auftreten

  • Typische Haltung des Pat.: sehr ruhig liegend und bemüht, jegliche Bewegung zu vermeiden

  • Übelkeit, Erbrechen als vegetative Begleitsymptome

  • Evtl. Tachykardie, RR ↓

  • Fieber

Monitoring & Befund

AF, HF, EKG, P, SpO2

ABCDE-Schema
  • OPQRST (Kap. 2.1.6) und SAMPLER (Kap. 2.1.5) erheben

  • Anamnese: bekanntes Ulkusleiden, Gastritis, vorangegangener Eingriff, Medikamente

Fokussierte UntersuchungPalpation: Druckschmerz im Oberbauch, brettharter Bauch
Basismaßnahmen
  • Lagerung mit leicht erhöhtem Oberköper und angewinkelten Beinen → Knierolle

  • Evtl. O2-Gabe 4–6 l/Min.

  • Venösen Zugang legen, offenhalten mit NaCl 0,9 % oder Ringer-Lösung

  • Bei starken Schmerzen NA nachfordern (Analgesie)

Erweiterte Maßnahmen
  • Analegesie: kurzwirksame Analgetika nach Bedarf, evtl. Fentanyl 0,1–0,2 mg (kurze HWZ, Kap. 19.2.28).

  • Weitere medikamentöse Therapie je nach Beschwerdebild und Erkrankungsschwere (z. B. Volumenther. oder Antiemetika)

Transport
  • In Klinik mit chirurgischer Abteilung, Sonderrechte meist nicht erforderlich

  • In schweren Fällen (stärkste Schmerzen, P ↑, RR ↓) Voranmeldung → immer mit NA

  • Während des Transports kontinuierliches Monitoring (RR, P, EKG, SpO2)

Akute Pankreatitis

Entzündung der Pankreatitis, akuteBauchspeicheldrüse mit schweren septischen Begleitkomplikationen bis hin zum Multiorganversagen.

Achtung

Lebensbedrohliches Krankheitsbild mit einer Letalität von 15–20 %.

UrsachenGallenwegserkr. (Eindringen von Galle ins Pankreassystem; 55 %), Alkoholabusus (35 %), Infektionen, Medikamente (z. B. Furosemid, Glukokortikoide; 2 %), postoperativ nach chirurgischen Baucheingriffen, genetisch (hereditäre Pankreatitis). Gefahr von Sepsis und Schock.

Achtung

Symptomatik kann auch im Zusammenhang mit anderen Krankheitsbildern stehen, z. B. ACS, Ulkusleiden, Aortenaneurysma.

Ersteindruck
  • Zügig einsetzende stärkste Schmerzen im Oberbauch, oft in der Tiefe lokalisiert und in den Rücken ausstrahlend → evtl. gürtelförmige Schmerzausbreitung, oft nach Alkoholgenuss oder fettem Essen

  • Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit

  • Evtl. Fieber

  • Evtl. Gesichtsrötung (Flush)

  • Evtl. Ikterus

  • Selten bläuliche Flecken um den Bauchnabel (Cullen-ZeichenCullen-Zeichen) oder im Flankenbereich (Grey-Turner-ZeichenGrey-Turner-Zeichen) → prognostisch ungünstig

Monitoring & Befunde

AF, HF, EKG, P, SpO2

ABCDE-Schema
  • OPQRST (Kap. 2.1.6) und SAMPLER (Kap. 2.1.5) erheben

  • Evtl. Schocksymptomatik (RR ↓, P ↑, kaltschweißige Haut)

Fokussierte Untersuchung
  • Auskultation: verminderte Darmgeräusche (paralytischer [Sub]ileus)

  • Palpation: druckschmerzhaftes Abdomen, elastische, aber leicht gespannte Bauchdecke („Gummibauch“)

Basismaßnahmen
  • Lagerung mit leicht erhöhtem Oberkörper und angewinkelten Beinen → Knierolle, evtl. Trage in Schocklage bringen.

  • O2-Gabe 6–8 l/Min.

  • Venösen Zugang legen: 1 000–1 500 ml NaCl 0,9 % oder Ringer-Lösung i. v.

  • Schocksymptomatik: NA nachfordern, zweiten Zugang legen und 20–40 ml/kg KG Ringer-Lösung infundieren

Erweiterte Maßnahmen
  • Analgesie: Tramadol 100 mg i. v. (Kap. 19.2.76) oder Pethidin 50–100 mg langsam i. v. (Kap. 19.2.56) oder bei stärksten Schmerzen Buprenorphion 0,3 mg i. v. (Kap. 19.2.8)

  • Evtl. Sedierung: Midazolam 2–5 mg i. v. (Kap. 19.2.44)

  • Zum Einsatz von Medikamenten:

    • Kein Morphin oder Morphin-Derivate verwenden → Gefahr des Papillenspasmus

    • Bedrohlichkeit des Krankheitsbildes wird oft unterschätzt → auf ausreichende Volumensubstitution achten.

Transport
  • In Klinik mit chirurgischer und endoskopischer Abteilung. Eventuell Voranmeldung erforderlich

  • Während des Transports kontinuierliches Monitoring (RR, P, EKG, SpO2)

Mesenterialinfarkt

Durchblutungsstörungen der MesenterialinfarktMesenterialarterien oder Mesenterialvenen. Es kommt zur Mangelversorgung der Darmwand und zur Nekrose. Die Darmschleimhaut reagiert auf O2-Mangel mit Gewebsuntergang und Blutungen in den Darm.

Achtung

Lebensbedrohliches Krankheitsbild mit einer hohen Letalität (nach 12 h Ischämie ca. 30 %, nach 24 h > 80 %) auf Grund meist zu später Diagnosestellung. → keine unnötige Diagnostik oder Therapie am Notfallort.

UrsachenIn 90 % der Fälle Verschluss der A. mesenterica superior bei Arteriosklerose, seltener Thrombose der Mesenterialvenen. Bei Herzinsuff., Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern), Schock, Sepsis.
Ersteindruck
  • Initial heftiger Abdominalschmerz (für ca. 6–8 h [Initialstadium]), später nachlassende Schmerzen („fauler Friede“, Latenzphase)

  • Spätphase (> 12 h, irreparable Darmnekrose): paralytischer Ileus, aufgetriebener Bauch, brettharte Bauchdecke, blutige Diarrhö (Einblutung in die nekrotische Darmwand)

  • Angst: Zustand wird vom Pat. als lebensbedrohlich empfunden

  • Evtl. Schocksymptomatik: RR ↓, P ↑, Kaltschweißigkeit

  • Evtl. Tachypnoe

Monitoring & Befund

AF, HF, EKG, P, SpO2

ABCDE-Schema
  • OPQRST (Kap. 2.1.6) und SAMPLER (Kap. 2.1.5) erheben

  • Anamnese: bekannte Arteriosklerose, KHK, Herzrhythmusstörungen

  • Palpation: erst unauffälliges Abdomen, später Abwehrspannung, Erschütterungsschmerz

  • Auskultation: Zeichen des paralytischen Ileus (Kap. 9.3) („Totenstille“).

Basismaßnahmen
  • Lebensbedrohliches Krankheitsbild mit Transportpriorität

  • Lagerung mit leicht erhöhtem Oberkörper und angewinkelten Beinen → Knierolle (Kap. 2.3.6), evtl. Trage in Schocklage bringen

  • O2 Gabe 6–8 l/Min.

  • Venösen Zugang legen, offenhalten mit NaCl 0,9 % oder Ringer-Lösung.

  • Bei Schocksymptomatik NA nachfordern, zweiten Zugang legen und 20–40 ml/kg KG Ringer-Lösung infundieren

Erweiterte Maßnahmen
  • Evtl. Magensonde legen und Mageninhalt absaugen

  • Evtl. Analgesie: Tramadol 100 mg i. v. (Kap. 19.2.76), Pethidin 50–100 mg langsam i. v. (Kap. 19.2.56)

  • Evtl. Sedierung: Midazolam 2–5 mg i. v. (Kap. 19.2.44)

Merke

Möglichst keine hochpotenten Analgetika vor sicherer Diagnose → Verschleierung des Krankheitsbildes

Transport
  • Mit NA und Sonderrechten in Klinik mit chirurgischer Aufnahme

  • Voranmeldung erforderlich

  • Während des Transports kontinuierliches Monitoring (RR, P, EKG, SpO2)

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