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B978-3-437-47154-4.00003-9

10.1016/B978-3-437-47154-4.00003-9

978-3-437-47154-4

Algorithmus: Mega-Code mit zwei Mitarbeitern

[M140]

Algorithmus: Mega-Code mit zwei Mitarbeitern

[M140]

Arbeitsplatzorganisation während der Reanimation

[J747]

Algorithmus Advanced Life Support (ALS) beim Erwachsenen

[F781-006]

Position der Defibrillationspads

[J747]

Algorithmus ReanimationKinderKinderreanimation

[F781-005]

KammerflimmernKammerflimmernEKG

[L143]

AsystolieAsystolieEKG

[L143]

Pulslose ventrikuläreTachykardiepulslose, ventrikuläre Tachykardie

[L143]

Pulslose elektrische Aktivität Pulslose elektrische Aktivität(PEA)

[L143]

KreislaufstillstandKreislaufstillstandReanimation

Tab. 3.1
Nach Eintreten des Kreislaufstillstands Klinische Zeichen
Sofort Pulslosigkeit der A. carotis
10–20 Sek. Bewusstlosigkeit
15–30 Sek. Atemstillstand, Schnappatmung
15–40 Sek. Zyanose, besonders der Schleimhäute, Lippen
60 Sek. Erweiterte Pupillen
90 Sek. Reaktionslose und starre Pupillen
5–10 Min. Biologischer Tod (irreversibel)

Herzdruckmassage Herzdruckmassage

Tab. 3.2
Erwachsener/Schulkind Kleinkind Säugling Neugeborenes
Platzierung der Hände Mitte des Brustkorbes = untere Hälfte des Sternum, Handballen aufsetzen In Thoraxmitte, einen Finger unterhalb der Mamillarlinie aufsetzen Vgl. Kleinkind Vgl. Kleinkind
Drucktechnik Zweite Hand darüber legen, Arme durchstrecken und „aus dem ganzen Körper“ komprimieren Mit dem Handballen einer Hand komprimieren Mit Zeige- und Mittelfinger komprimieren Vgl. Säugling
Drucktiefe 5 – max. 6 cm 5 cm 4 cm 4 cm
Frequenz 100–120/Min. 100/Min. 100–120/Min. 100–120/Min.

Kardiopulmonale Reanimation

Frank Flake

Boris A. Hoffmann

  • 3.1

    Indikationen zur Reanimation164

  • 3.2

    Megacode164

  • 3.3

    Basismaßnahmen (Basic Life Support)167

    • 3.3.1

      Atemwege frei machen und freihalten (bei Bewusstlosigkeit)167

    • 3.3.2

      Beatmung (bei Atemstillstand)167

    • 3.3.3

      Circulation (bei Herzstillstand)167

  • 3.4

    Erweiterte Maßnahmen (Advanced Life Support)168

    • 3.4.1

      Sauerstoffgabe168

    • 3.4.2

      Defibrillation169

    • 3.4.3

      Schrittmachertherapie170

    • 3.4.4

      Atemwegssicherung171

    • 3.4.5

      Medikamente171

  • 3.5

    European Pediatric Life Support (EPLS)172

  • 3.6

    EKG-Diagnostik175

    • 3.6.1

      Kammerflimmern (VF)175

    • 3.6.2

      Asystolie (Non VF/VT)176

    • 3.6.3

      Pulslose ventrikuläre Tachykardie (VF/VT)176

    • 3.6.4

      Pulslose elektrische Aktivität (PEA Non VF/VT)177

  • 3.7

    Postreanimationsphase177

  • 3.8

    Abbruch der Reanimation179

Indikationen zur Reanimation

  • Pat., die weder reagieren, noch normal atmen (Tab. 3.1)

  • Pulslosigkeit (Kontrolle des Karotispulses) und Atemstillstand (überprüft durch professionellen Helfer)

  • Asystolie, Kammerstillstand (Non VF/VT)

  • Pulslose elektrische Aktivität (PEA)

  • Kammerflimmern (VF)

  • Pulslose Kammertachykardie (VT), Torsade de pointes

Bei Neugeborenen: HF < 100/Min. und keine suffiziente und regelmäßige Spontanatmung nach 30 Sek. andauernder Beatmung

Achtung

Beim Vorliegen sicherer Todeszeichen ist TodeszeichenReanimationeine Reanimation nicht mehr möglich: Leichenflecke an den abhängigen Körperpartien, Leichenstarre, Leichenfäulnis oder mit dem Leben unvereinbare Verletzungen, z. B. Abtrennung des Kopfes. Diese Entscheidung kann auch vom Rettungsfachpersonal getroffen werden.

Megacode

ReanimationMegacodeAusbildung des Reanimationsteams nach den ALS- und BLS-Richtlinien. Beinhaltet Form der Arbeitsteilung, je nach Stärke des Rettungsteams (zwei oder drei Mitarbeiter) (Abb. 3.1,Abb. 3.2

Basismaßnahmen (Basic Life Support)

Merke

Den Pat. laut ReanimationBasic Life SupportBasic Life Supportansprechen und an der Schulter rütteln, ggf. Puls fühlen.

Atemwege frei machen und freihalten (bei Bewusstlosigkeit)

  • Öffnen des Mundes mittels Esmarch-Handgriff (Kap. 2.7.2)

  • Entfernen von Fremdkörpern aus dem Mund-Rachen-Raum, evtl. mit Hilfsmitteln wie Absaugpumpe, Laryngoskop, Magill-Zange (Kap. 2.7.3)

  • Überstrecken des Kopfes: Eine Hand liegt flach auf der Stirn-Haargrenze, die andere Hand auf dem Kinn zwischen Unterlippe und Kinnspitze. Kopf ohne Gewalt nackenwärts überstrecken. Bei Kindern und Säuglingen: Kopf nur ganz leicht überstrecken, Schultern mit ca. 1 cm hohem Tuch unterpolstern

  • Über Mund-Nasen-Bereich beugen, Blick in Richtung Thorax des Pat. halten:

    • Sehen der Thoraxbewegungen

    • Hören des Atemgeräusches

    • Fühlen des Ausatemstoßes

  • Einseitige Karotis-Pulskontrolle (inkl. Atemkontrolle nicht länger als 10 Sek.) (unsicher)

Beatmung (bei Atemstillstand)

  • Bei Reaktionslosigkeit oder abnormaler Atmung und fehlenden Lebenszeichen umgehend mit der Herzdruckmassage (30 : 2) beginnen!

  • Beutelbeatmung mit 100 % O2, Reservoirbeutel, besser Demandventil verwenden

  • Inspirationsphase ca. 1 Sek., Exspirationsphase vor erneuter Inspiration abwarten

  • Während der Exspiration Kopf überstreckt lassen. → erleichtert Ausatmung, vermeidet Magenüberblähung

  • Pat. nicht hyperventilieren

Circulation (bei Herzstillstand)

  • Flache Lagerung auf harter Unterlage

  • Thoraxkompression (Herzdruckmassage Tab. 3.2)

  • Im Wechsel mit der Beatmung im Rhythmus 30 : 2

  • Thoraxkompressionen und Beatmung im Wechsel 30 : 2 durchführen, bis EKG angeschlossen ist. Bei Vorliegen von Kammerflimmern umgehende Defibrillation und anschließend für weitere 2 Minuten Thoraxkompressionen, anschließend erweiterte Maßnahmen

  • Effektivität der HDM und Beatmung durch Kapnografie überprüfen. Gegebenenfalls Karotis- oder Femoralispuls kontrollieren

  • Reduzierung der Now Flow Time kommt die größte Bedeutung zu. Thoraxkompressionen so wenig wie möglich unterbrechen. Früher Einsatz einer supraglottischen Atemwegshilfe (z. B. Larynxtubus empfehlenswert). → Möglichkeit der ununterbrochenen Thoraxkompression.

Tipps & Tricks

  • Grundsätzlich Mund-zu-Nase-Beatmung (Kap. 2.8.1): Beatmungsdrücke geringer als bei der Mund-zu-Mund-Beatmung → Gefahr der Magenüberblähung und Aspiration geringer.

  • Bei der Zweihelfermethode sollte der die Herzdruckmassage durchführende Helfer seine Kompressionen laut mitzählen.

  • Reanimation an hängenden oder sitzenden Pat., z. B. eingeklemmte Person im Auto, zwecklos → zerebrale Durchblutung unmöglich.

  • Jede Reanimation, auch wenn sie primär aussichtslos erscheint, ist eine NA-Indikation.

Erweiterte Maßnahmen (Advanced Life Support)

Orientiert an den Richtlinien des ERC (European Resuscitation Council) 2015.
Die Advanced Life SupportReanimationAdvanced Life SupportBasismaßnahmen (Kap. 3.3) sind die Grundlage. Sie müssen effektiv und andauernd durchgeführt werden. Hierzu zählt auch die Defibrillation.

Merke

Erweiterte Maßnahmen (Advanced Life Support Abb. 3.3) sind durchzuführen, ohne die Basismaßnahmen zu unterbrechen.

Sauerstoffgabe

Frühestmöglicher ReanimationSauerstoffgabeAnschluss des Beatmungsbeutels an die O2-Versorgung, mittels Reservoirsystem oder besser Demandventil. Beim Reservoirsystem auf ausreichend hohen O2-Flow (min. 15 l/Min.) achten. Mit Demandventil erreicht man immer eine 100-prozentige O2-Konzentration der Inspirationsluft. Ziel-SpO2 nach ROSC: 94–98 %

Defibrillation

Bei DefibrillationReanimationDefibrillationKammerflimmern und pulsloser Kammertachykardie (VF/VT) Maßnahme der ersten Wahl (Kap. 2.5). Darf nicht durch andere Maßnahmen, z. B. Intubation oder Legen eines venösen Zugangs, verzögert werden.
Frühdefibrillation
Damit ist nicht der FrühdefibrillationGebrauch von halbautomatischen Defibrillatoren durch medizinisches Assistenzpersonal gemeint, sondern die frühestmögliche Defibrillation! Kann auch mit konventionellen Defibrillatoren durchgeführt werden.

Achtung

Gemäß der ERC-Leitlinien von 2015 sollen die Thoraxkompressionen zur Minimierung der Now Flow Time nicht mehr als 5 Sek. während der Defibrillation unterbrochen werden. Die ist nur mit einem manuellen Defibrillator möglich, da ein Halbautomat ca. 20–30 Sek. zur Analyse benötigt.

  • Die empfohlene initiale Energiemenge für monophasische Defibrillatoren beträgt 360 Ws (J), für biphasische Defibrillatoren (je nach Hersteller) 150–360 Ws (J).

  • Die Defibrillation sollte nur noch über Klebepatches erfolgen (Abb. 3.4). Keine Hardpaddles mehr einsetzen.

Schrittmachertherapie

SchrittmachertReanimationFrühzeitiger Einsatz wünschenswert (ERC Guideline 2015). Besonders bei bradykarden Rhythmusstörungen ist das Verfahren der transkutanen, noninvasiven Schrittmacherther. Mittel der Wahl, wenn medikamentöse Ther. versagen. Eingesetzt werden transthorakale Pacer (Kap. 2.6), wie sie an modernen Defibrillatoren, z. B. corpuls3, zur Verfügung stehen. Leicht anwendbar.
Indikationen
  • Asystolie (Non VF/VT), wenn P-Wellen vorhanden sind oder ein Blockbild besteht → ggf. gutes Ansprechen (Abhängig von der Ursache der Störung, z. B. Reizbildung).

  • Symptomatische Bradykardien mit P < 30/Min, die medikamentös nicht behebbar sind; vorher 0,5–3,0 mg Atropin Braun® i. v.,

  • AV-Block III. Grades

  • Ggf. symptomatische tachykarde Rhythmusstörungen (bei Versagen physikalischer/medikamentöser Maßnahmen)

  • PEA mit Vorhofaktivität (keine Erhöhung des Kurz- oder Langzeitüberlebens beschrieben).

DurchführungKap. 2.6. Über Schrittmacherelektroden kann auch defibrilliert werden. Hier muss bei anterior-posteriorer Defibrillation die Energie reduziert werden.

Atemwegssicherung

Intubation (Kap. 2.7.8) ist bester Aspirationsschutz, erhöht durch die Möglichkeit einer effektiveren Beatmung die O2-Sättigung. Die Intubation sollte aber nur vom Erfahrenen durchgeführt werden, damit möglichst wenig Zeit verschwendet wird → auch alternative Mittel zur Atemwegssicherung einsetzen, z. B. Larynxtubus, Larynxmaske oder ähnlich Tools.

Achtung

Der häufigste Fehler nach der Intubation ist die Benutzung eines druckgesteuerten Beatmungsgeräts unter laufender Herzdruckmassage!

Viele gebräuchliche Notfallrespiratoren (Kap. 2.8.4) sind druckgesteuert. Bei Durchführung der HDM steigt der intrathorakale Druck stark an, sodass das Beatmungsgerät bei Erreichen eines Drucklimits (fest oder einstellbar) die Luft „abbläst“. Nur ein Bruchteil des am Respirator eingestellten Inspirationsvolumens erreicht also tatsächlich die Lunge des Pat. Zudem wird die Exspiration durch die Kompressionen forciert. Daraus resultiert eine nicht kontrollierbare Hypoxie.

Tipps & Tricks

  • Ein Beatmungsgerät sollte nur verwendet werden, wenn der Pat. über einen eigenen Rhythmus mit hämodynamisch wirksamem Auswurf verfügt.

  • Nach Atemwegssicherung kontinuierliche Thoraxkompression. Achtung: Kapnografie anschließen.

Medikamente

Zugangswege
Zugangswege (Kap. 2.4.2) ReanimationMedikamenteder Wahl zur Gabe von Medikamenten sind der intravenöse und der intraossäre Zugang (auch beim Erw.). Bei einer ausreichenden Zahl von Helfern kann der Zugang simultan zu den anderen Maßnahmen gelegt werden.

Tipps & Tricks

  • Zugang nicht während der Defibrillation legen.

  • Ist kein intravenöser Zugang zu installieren oder sollte dies zu lange dauern, umgehend einen intraossären Zugang legen.

  • Peripher injizierte Medikamente ggf. mit einem 20 ml Bolus, z. B. NaCl 0,9 % einschwemmen, ggf. Extremität hochhalten.

Substanzauswahl
Für die meisten Reanimationsmedikamente gibt es keine sichere Datenlage für den erfolgreichen Einsatz. Adrenalin und Amiodaron werden nach dem dritten Schock appliziert. Atropin wird im Rahmen der Asystolie oder PEA nicht mehr verwendet.
Adrenalin(Kap. 19.2.23)
  • Indikation: Herz-Kreislaufstillstand.

  • Dosierung: 1 mg AdrenalinReanimationAdrenalin i. v., bzw. i. o.

  • Gewünschte Wirkungen:

    • Konstriktion der Arterien und Arteriolen → Verbesserung der myokardialen und zerebralen Durchblutung.

    • Konstriktion der Venen → Zunahme des zentralen Blutvolumens und Erhöhung des Herzschlagvolumens.

  • Besonderheiten:

    • Medikament der ersten Wahl bei allen Formen des Herz-Kreislauf-Stillstands. Schnellstmöglicher Einsatz und ausreichende Oxygenierung haben einen pos. Effekt auf den Reanimationserfolg.

    • Bei übermäßiger Azidose ist die Adrenalinwirkung vermindert.

    • Adrenalin verstärkt die Amplitude beim Kammerflimmern, was zu einer verbesserten Defibrillierbarkeit führt (grobes Kammerflimmern ist einfacher zu defibrillieren als sehr feines Kammerflimmern).

Amiodaron(Kap. 19.2.5)
  • Dosierung: 300 mg i. v., evtl.AmiodaronReanimation Wiederholungsdosis 150 mg i. v.

  • Indikation: therapierefraktäres Kammerflimmern im Rahmen der kardiopulmonalen Reanimation.

  • Gewünschte Wirkungen: Durchbrechung des Kammerflimmerns.

  • Besonderheiten: Hat als Antiarrhythmikum im Rahmen der Reanimation das Lidocain abgelöst.

European Pediatric Life Support (EPLS)

Erweiterte ReanimationKinderEuropean Pediatric Life SupportMaßnahmen bei Kindern (Abb. 3.5), orientiert an den Richtlinien des ERC (European Resuscitation Council). Besonderer Wert wurde auch bei den Guidelines 2015 auf eine Vereinfachung der Aussagen gelegt. Im Gegensatz zur Reanimation Erwachsener steht bei Kindern eine Störung der Ventilation im Vordergrund. Herzrhythmusstörungen, die zu einem Herzstillstand führen, treten in 7–15 % der Fälle auf.
  • Wie bei der Erwachsenenreanimation wird auf die korrekt durchgeführten Basismaßnahmen besonderer Wert gelegt:

    • Schnelle und effektive Thoraxkompressionen (Herzdruckmassage)

    • Effektive Entlastung des Brustkorbes

    • Unterbrechungen der Basisreanimation minimieren

    • Normoventilation (nicht hyperventilieren)

Achtung

Veränderte Normwerte (Kap. 11) bei Kindern beachten, z. B. Atemfrequenz, Herzfrequenz.

Merke

Das Miterleben der Reanimation durch die Eltern beeinflusst die psychische Verarbeitung positiv → Eltern sollten bei der Reanimation anwesend sein. Möglichst ist ihnen ein erfahrener Helfer zur Seite zu stellen.

DiagnostikEntspricht im Wesentlichen der Diagnostik beim Erw. (Kap. 2.2). Darüber hinaus:
  • Prüfung der Bewusstseinslage durch Ansprechen und Berühren

  • Atemwege freimachen

  • Atmungskontrolle (Sehen, Hören, Fühlen → max. 10 Sek.)

  • Kopf in Schnüffelstellung → nicht überstrecken, ggf. Polster unter den Brustkorb

Achtung

Auch professionelle Helfer sind oft nicht in der Lage, den Puls bei Säuglingen und Kinder in unter 10 Sek. zu erkennen. Deshalb auf Lebenszeichen achten. Tasten des Pulses am Oberarm (A. brachialis), Leiste (A. femoralis) und Hals (A. carotis) nur für Erfahrene und wenn die Zeit von 10 Sek. nicht überschritten wird.

Beatmung(Kap. 2.8)
  • Evtl. Polster unter den Brustkorb

  • Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung oder besser Beutel-Masken-Beatmung (FiO2 1,0)

  • Maske umschließt Mund und Nase → darf nicht auf die Augen drücken

  • Inspirationszeit → sichtbares Heben des Brustkorbs

  • Bei gesicherten Atemwegen (Intubation usw.) Beatmungsfrequenz 12–20 Min.

Thoraxkompression(Kap. 3.1)
  • Notwendig bei Herzstillstand oder einer Herzfrequenz < 60/Min. und schlechter Hautdurchblutung (Blässe)

  • Druckpunkt: untere Sternumhälfte

  • Drucktiefe: ca. ⅓ des Brustumfangs (entspricht 4–5 cm)

  • Drucktechnik Säuglinge:

    • 1 Helfer: 2-Finger-Technik

    • 2 Helfer: 2-Daumen-Methode (Zangengriff)

  • Bei älteren Kindern je nach Alter wahlweise mit einer oder beiden Händen

  • Frequenz mind. 100, max. 120/Min.

Basic Life Support

Nach Feststellen der Notwendigkeit zur Reanimation:
  • 5 initiale Beatmungen

  • 15 : 2 (Thoraxkompression : Beatmung)

  • Neugeborene: 3 : 1 (nur bis 1 Tag nach der Geburt)

  • Bei gesicherten Atemwegen kontinuierliche Thoraxkompression und Beatmung

  • Algorithmus Abb. 3.5

Defibrillation(Kap. 2.5) Bei schockbaren Rhythmen wie Kammerflimmern oder pulsloser Kammertachykardie (sehr selten) auch bei Kindern Maßnahme der ersten Wahl. Darf nicht durch andere Maßnahmen verzögert werden.
Zu allen gängigen EKG/Defibrillatoreinheiten werden Paddleaufsätze angeboten, die Auflagefläche und Energieabgabe (1 : 10) reduzieren. Biphasische Geräte sind zu bevorzugen. Energiewahl biphasisch und monophasisch identisch.
  • Paddleposition Apex → Sternum oder anterior posterior (Herzspitze oder li. unterhalb der Scapula)

  • Anpressdruck ca. 3–5 kg

  • Paddles ausreichend mit Gel bestreichen, sonst Verbrennungsgefahr!

  • !

    Wenn möglich immer Klebepatches verwenden (werden auch in Kindergrößen angeboten).

  • Defibrillationsenergie 4 Joule/kg KG.

Tipps & Tricks

  • AED-Geräte sind auch bei Kindern > 1 J. einsetzbar. Patches und Energie sollten darauf abgestimmt sein. Falls nicht verfügbar, können auch Standard AED eingesetzt werden.

  • Für Säuglinge kann keine AED Empfehlung gegeben werden.

Schrittmachertherapie(Kap. 2.6) Bei bradykarden Rhythmusstörungen. Verkleinerung der Elektrodenfläche durch Zerschneiden der Stimulationselektroden oder besser spezielle Kinderpatches benutzen.
Zugangswege(Kap. 2.4.2) Zugangsweg der Wahl ist der intravenöse Zugang. Falls dieser nicht umgehend zu installieren ist oder Schwierigkeiten zu erwarten sind, umgehend intraossären Zugang installieren. Die Wirkung der intraossär applizierten Medikamente entspricht derjenigen der i. v. applizierten.
Atemwegsmanagement(Kap. 2.8) Sichere Ventilation besonders wichtig. Dem kindlichen Kreislaufstillstand liegen häufig respiratorische Ursachen zugrunde. Cave: auf sichere Fixation des Tubus achten.

Achtung

Intubation nicht mehr Maßnahme erster Wahl. Die Intubation ist nur durch den Geübten durchzuführen. Auch Alternativen in Erwägung ziehen, z. B. Larynxmaske.

Medikamente
  • Adrenalin (Kap. 19.2.23): Dosierung 0,01 mg/kg KG. Dosierung und Mischung bereiten durch die kleinen Mengen oft Probleme.

Adrenalingabe beim Säugling

  • 0,1 ml = 0,1 mg Adrenalin in eine 2 ml-Spritze aufziehen und mit NaCl 0,9 % auf 2 ml verdünnen: 0,05 mg Adrenalin/ml.

  • 1 mg Adrenalin in 100 ml NaCl 0,9 % geben. Entspricht 0,01 mg/ml.

  • Amiodaron (Kap. 19.2.5) Dosierung 5 mg/kg KG

Achtung

  • Glukoselösungen: Aufgrund der meist beim kindlichen Herz-Kreislaufstillstand bestehenden Hyperglykämie nicht verabreichen.

  • Atropin: während der Reanimation nicht mehr empfohlen.

  • Natriumbikarbonat 8,4 %: präklinisch nicht mehr empfohlen.

EKG-Diagnostik

Kammerflimmern (VF)

UnkoordinierteKammerflimmern, ineffektive Tätigkeit des Ventrikelmyokards → fehlende Pumpfunktion. Cave: Nach ca. 10–15 Min. Übergang in Asystolie.
  • !

    Kammerflimmern immer durch beidseitige (!) Pulskontrolle der Karotiden überprüfen (Pulslosigkeit).

EKG-BildAnfangs grobe, später feine arrhythmische und hochfrequente Flimmerwellen (200–500/Min.). Keine QRS-Komplexe, T- oder P-Wellen sichtbar (Abb. 3.6).
Fehlermöglichkeiten
  • Elektrodendislokation: EKG muss in mind. zwei Ableitungen gesichert sein.

  • Artefakte durch HDM: Kompressionen zur Interpretation des EKG kurz unterbrechen.

  • Zu geringe Monitorauflösung: auf EKG-Schreiber ausgeben lassen und interpretieren.

TherapieReanimation. Defibrillation mit 4 Ws/kg KG (Erw. 150–360 Ws biph.)

Asystolie (Non VF/VT)

AsystolieVollständiger Stillstand aller elektrischen Herzaktionen → fehlende Pumpfunktion. Ein primäres Kammerflimmern wechselt nach ca. 10–15 Min. ohne Reanimation in eine Asystolie.
  • !

    Pulslosigkeit ggf. durch beidseitiges (!) Tasten der Karotiden überprüfen.

EKG-BildLeicht wellenförmige „Null-Linie“ (Abb. 3.7). Eine „schnurgerade“ Null-Linie gibt es nicht. → Elektroden und Stecker am EKG-Gerät überprüfen.
Fehlermöglichkeiten
  • Elektrodendislokation: EKG muss in mind. zwei Ableitungen gesichert sein.

  • Zu geringe Monitorauflösung: Ein sehr feines Kammerflimmern kann fälschlicherweise als Asystolie interpretiert werden. Auf EKG-Schreiber ausgeben lassen und interpretieren oder Amplitudenhöhe neu justieren.

TherapieReanimation.

Achtung

Primäre, „prophylaktische“ Defibrillation bei „verstecktem“ sehr feinen Kammerflimmern nicht indiziert. Im Zweifel keine Defibrillation.

Pulslose ventrikuläre Tachykardie (VF/VT)

Tachykardiepulslose, ventrikuläreSchneller Rhythmus mit Reizbildung in den Ventrikeln aufgrund kreisender Erregungen. Keine Pumpleistung. Funktionell dem Kammerflimmern gleichzusetzen.
  • !

    Immer mit beidseitiger (!) Pulskontrolle der Karotiden überprüfen.

EKG-Bild(Abb. 3.8). Schnelle, regelmäßige schenkelblockartig deformierte breite Kammerkomplexe (QRS > 0,14 Sek.). Frequenzen oft im Bereich von 150–250/Min. P-Wellen stehen ohne feste Beziehung zu den QRS-Komplexen (AV-Dissoziation).
FehlermöglichkeitenBei der DD supraventrikuläre Tachykardie besteht keine AV-Dissoziation; meist ist der Puls tastbar.
TherapieReanimation. Defibrillation mit 4 Ws/kg KG (150–360 Ws biph.).

Pulslose elektrische Aktivität (PEA Non VF/VT)

Meist Pulslose elektrische Aktivitätregelmäßige Aussendung von Impulsen des Reizbildungssystems ohne (ausreichende) Kontraktion des Herzmuskels. Elektrische Funktion bleibt länger erhalten als die mechanische.
  • !

    PEA nach schwerem Trauma, meist Hinweis auf massiven Volumenverlust (Kontraktion ohne Füllung) → ausreichende Volumengabe.

EKG-BildMeist breite, unregelmäßig geformte bradykarde Kammerkomplexe (Abb. 3.9).
FehlermöglichkeitenAuch ein regelmäßiger EKG-Rhythmus ist nicht zwangsläufig gleichzusetzen mit einer ausreichenden Kreislauffunktion → beidseitige Pulskontrolle an den Karotiden.
TherapieReanimation.

Postreanimationsphase

Stabilisationsphase
PostreanimationsphaseNach primär erfolgreicher Reanimation ist zur langfristigen Sicherung des Reanimationserfolges eine strukturierte Therapie erforderlich!
  • Vitalparameter regelmäßig kontrollieren:

    • Periphere und zentrale Pulse tasten (Kap. 2.2.1). Falls nur zentrale Pulse tastbar, RRsyst. ≤ 80 mmHg

    • Messung des Blutdrucks

    • Beurteilung der Spontanatmung

    • Hautfarbe: Zyanose?

    • Pupillenweite/-reaktion (Cave: nach Adrenalingabe sind Pupillen maximal geweitet).

  • Therapeutische Hypothermie einleiten: 32–36 °C über 24 h.

  • EKG-Auswertung, evtl. 12-Kanal-Ableitung (Myokardinfarkt?).

  • Auskultation der Lunge: Tubuslage überprüfen, Hinweis auf Hämato- oder Pneumothorax?

  • Venösen Zugang sichern, wenn nicht schon gelegt. Cave: keine hoch dosierte Gabe von hypotonen Lösungen (z. B. Ringer-Laktat, Glukose 5 %) → Verstärkung eines möglichen Hirnödems.

  • BZ stixen: BZ auf Werte um max. 180 mg/dl halten, evtl. 10–50 ml Glukose 40 % i. v. (Achtung: eine Hyperglykämie kann bestehende Ischämie verstärken).

  • Hypotonie (RRsyst. < 80 mmHg): Dobutamin 1–10 µg/kg KG/Min. i. v. (Kap. 19.2.22), Noradrenalin 0,014–0,28 µg/kg KG/Min. i. v. (Kap. 19.2.51)

  • VES/Kammertachykardie: Amiodaron 300 mg (Kap. 19.2.5) in 100 ml Glukose 5 % als Kurzinfusion i. v.

  • AV-Block III. Grades: Atropin 0,5–3,0 mg i. v. (Kap. 19.2.6), dann Adrenalin 2–10 µg/Min. i. v. (Kap. 19.2.23), bei Wirkungslosigkeit transthorakaler Schrittmacher im Demand-Modus.

  • Bradykardie: Atropin 0,5–3,0 mg i. v. (Kap. 19.2.6), bei Wirkungslosigkeit transthorakaler Schrittmacher im Demand-Modus.

  • Aufrechterhaltung der Narkose: Analgosedierung mit Fentanyl 0,05–0,1 mg i. v. (Kap. 19.2.28) und Midazolam 2,5–5 mg i. v. (Kap. 19.2.44)

  • Beatmungsparameter: Normokapnie anstreben

    • AZV: 6–8 ml/kg KG

    • AF: 12–15/Min.

    • PEEP: 5 cmH20

    • FiO2: 1,0

    • EtCO2: 35–45 mmHg.

  • Wärmeerhalt (besonders Kinder). Keine präklinische Wiedererwärmung bei leicht hypothermen Pat. Die Hypothermie hat positiven Einfluss auf Überlebenschancen.

  • Dokumentation.

Transportphase
  • Kreislaufstillstand je nach Ursache: In Klinik mit chirurgischer/unfallchirurgischer oder internistischer Intensivstation. Sonderrechte und Voranmeldung erforderlich. Eventuell an Transport mit RTH denken.

  • Während des Transports kontinuierliches Monitoring (RR, P, EKG, pO2, evtl. EtCO2).

Übergabe im Krankenhaus
  • Zeitpunkt des Kreislaufstillstands (im Zweifelsfall gilt der Zeitpunkt des Notrufs bei der RLSt)

  • Zeitpunkt des Reanimationsbeginns

  • Primärer EKG-Rhythmus: Asystolie, Kammerflimmern, Kammertachykardie, PEA

  • Dauer bis zum Wiedererlangen eines eigenen Rhythmus

  • Maßnahmen: Anzahl der Defibrillationen, Medikamente

  • Eventuell Transportkomplikationen

Abbruch der Reanimation

Achtung

  • Eine einmal begonnene Reanimation darf nur von einem Arzt abgebrochen werden.

  • Bevor die Maßnahmen eingestellt werden, sollte der NA eine Anamnese/Fremdanamnese einholen; evtl. hilft hier ein kurzes Telefongespräch mit dem Hausarzt weiter.

Abbruchbedingungen
  • Therapierefraktäres Kammerflimmern/Asystolie > 30 Min. nach ordnungsgemäß durchgeführter Reanimation

  • Weite, lichtstarre (entrundete) Pupillen nach > 30 Min. ordnungsgemäß durchgeführter Reanimation

  • Infauste Vorerkr., z. B. fortgeschrittene Krebserkr.

  • Fortgeschrittene Hypoxie: Lässt sich nach Fremdanamnese, Alarmierungszeit und Anfahrtzeit ein therapiefreies Intervall > 10–20 Min. rekonstruieren, ist die Aussicht auf eine erfolgreiche sekundäre Reanimation sehr gering (bereits nach 4 Min. treten irreversible Gehirnschäden auf).

  • Zusätzlich fortgeschrittenes Alter.

AusnahmenReanimation bei Unterkühlung, Intox. oder bei traumatischem Herzstillstand (z. B. Herzbeuteltamponade), wenn die Klinik innerhalb von 15 Min. zu erreichen ist → dies sind die wenigen Gründe, unter laufender Reanimation ins Krankenhaus zu fahren.

Wichtige Informationen zum Weiterbetrieb der Medizinwelt