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B978-3-437-47154-4.00016-7

10.1016/B978-3-437-47154-4.00016-7

978-3-437-47154-4

Verbrennungsgrade und Auswirkungen auf die Haut

[L231]

Neuner-Regel nach Neuner-RegelWallace

[L108]

Direkte Stromwirkung

[L231]

Grade der Verbrennung/Verbrennung GradeinteilungVerbrühung

Tab. 16.1
Grad I Epidermal: Rötung, Schwellung, starker Schmerz, trockene Wunde (heilt ohne Narbenbildung)
Grad IIa Oberflächlich dermal: Rötung, Schwellung, starker Schmerz, Blasenbildung (heilt ohne Narbenbildung), hyperämischer Wundgrund
Grad IIb Tief dermal: Blasenbildung, fetzenförmige Ablösung der Epidermis, feuchter, blasser Wundgrund
Grad III Komplett dermal: lederartig, keine Schmerzen (Nadelstichprobe), weiß/bräunliche Wunde
Grad IV Subdermal: Verkohlung, Beteiligung von Knochen, Sehnen und Muskeln

Gradeinteilung der UnterkühlungenHypothermie Gradeinteilung

Tab. 16.2
Grad Körpertemoperatur Klinisches Bild
1 35–32 °C Phase der Erregungssteigerung: Pat. bewusstseinsklar, RR ↓, Puls ↓, Kältezittern, Haut blass und kalt, Hyperventilation
2 32–28 °C Phase der Erregungsabnahme: Somnolenz, Muskel- und Gelenkschmerzen, Muskelstarre, Bradykardie, Arrhythmie, RR ↓, arrhythmische Atmung, Bewusstseinsstörungen
3 28–24 °C Phase der Lähmung: Koma, kaum tastbarer Puls, absolute Arrhythmie, Atemfrequenz und Atemtiefe nehmen ab, Apnoephasen, keine Reflexe, < 30 °C Bewusstlosigkeit
4 < 27 °C Phase des Scheintods/Tods: keine Pupillenreaktion, Atem- und Kreislaufstillstand

Gradeinteilung der ErfrierungenErfrierung Gradeinteilung

Tab. 16.3
Symptome
1. Grad Hautschwellung, Vasodilatation, Haut: grau, weiß, gefühllos, brennender Schmerz
2. Grad Schädigung der Kutis und Subkutis, Blasenbildung, Haut blass, später blau
3. Grad Haut: Einblutungen, schwarze Nekrosen (arterielle Thrombose)
4. Grad Gangrän ganzer Extremitäten, irreversible Gewebszerstörung

Einteilung und Symptome der elektrischen Unfälle nach StromstärkebereichElektrounfälle Stromstärkenbereich

Tab. 16.4
Stromstärkebereich Klinisches Bild
I Gleichstrom bis etwa 80 mA, Wechselstrom bis 25 mA, Einwirkdauer unbegrenzt Geringe RR-Erhöhung je nach Stromstärke, leichte Verkrampfung der Atemmuskulatur, keine Herzrhythmusstörungen
II Gleichstrom 80–300 mA, Wechselstrom 25–80 mA, Einwirkdauer unbegrenzt Herzstillstand während der Körperdurchströmung mit nachfolgenden Rhythmusstörungen wechselnder Dauer und guter Rückbildungsneigung, deutliche RR-Erhöhung, Verkrampfung der Atemmuskulatur
III Gleichstrom 0,3–5 A, Wechselstrom 0,08–5 A, Einwirkdauer > 0,3 Sek. Herzstillstand mit nachfolgendem Kammerflimmern (bei Gleichstrom Herzstillstand nur bei Längsdurchströmung, z. B. Arm zu Arm)
IV Gleichstrom > 3–8 A, Wechselstrom > 3–8 A Herzstillstand während der Körperdurchströmung mit nachfolgender, meist lang anhaltender Arrhythmie, deutliche RR-Erhöhung und Atemverkrampfung, Lichtbogen. Bei längerer Einwirkung (> mehrere Sek.) meist Tod durch Verbrennung

Thermische Notfälle/Ertrinkungsunfälle

Frank Flake

Boris A. Hoffmann

  • 16.1

    Verbrennungen, Verbrühungen448

  • 16.2

    Hitzeschäden452

    • 16.2.1

      Sonnenstich452

    • 16.2.2

      Hitzschlag453

    • 16.2.3

      Hitzekrämpfe454

    • 16.2.4

      Hitzeohnmacht (Hitzesynkope)455

    • 16.2.5

      Hitzeerschöpfung456

  • 16.3

    Unterkühlung457

  • 16.4

    Erfrierungen459

  • 16.5

    Beinahe-Ertrinken460

  • 16.6

    Tauchunfall461

  • 16.7

    Elektrounfälle464

Verbrennungen, Verbrühungen

Schädigung Verbrühung Verbrennungdurch Ödembildung (Verlust von Plasma, Elektrolyten und Flüssigkeit), Toxinwirkung (mit Organschäden), sekundäre Infektionen (nicht mehr regenerationsfähige Haut mit Tendenz zur raschen Keimbesiedelung). Über lokale Schädigungen hinaus (Abb. 16.1), kommt es schnell zu Funktions- und Regulationsstörungen anderer Organe oder Systeme: sog. „Verbrennungskrankheit“.
HäufigkeitIn der Bundesrepublik Deutschland ereignen sich jährlich ca. 15 000 Verbrennungsunfälle, davon müssen ca. 2 000 in einem Verbrennungszentrum behandelt werden und ca. 260 sterben an den Folgen.
Ursachen
  • Direkte Flammeneinwirkung: abhängig von Temperatur und Einwirkzeit, z. B. bei Explosion wenig Tiefenwirkung

  • Heiße Masse (Fette, Teer): Speicherwirkung des haftenden Materials führt zu drittgradigen Schäden

  • Verbrühungen: oft Kinder, Ödembildung unter Erhalt der Zellstrukturen

  • Chemische Verletzungen: Säuren oder Laugen

  • Elektrische Verletzungen: Folge einer direkt durch den Körper ziehenden Stromschleife

  • Strahlen: Röntgen, Sonne

  • Reibung: Seil

ErsteindruckTab. 16.1, Abb. 16.1

Merke

  • Je geringer die Schmerzangabe bei ausgedehnten Verbrennungen, desto schlechter die Prognose.

  • Meistens Kombination von Verbrennung verschiedenen Grades.

ABCDE-SchemaOPQRST (Kap. 2.1.6) und SAMPLER (Kap. 2.1.5) erheben.

Monitoring & Befunde

AF, HF, EKG, SpO2, RR

Fokussierte UntersuchungAusmaß der Verbrennung abschätzen: Neuner-Regel nach Wallace (Abb. 16.2).

Achtung

Bei ausgedehnter Verbrennung von ca. 15 % beim Erw. und ca. 10 % beim Kind besteht Lebensgefahr (Schock). → Immer zuerst Vitalfunktionen sichern und Therapie einleiten.

Basismaßnahmen
  • Pat. immer vollständig entkleiden, evtl. festgebrannte Kleidungsstücke belassen

  • Inhalationstrauma mit Bedenken

  • Kühlung nur bei kleinen Bagatellverbrennungen

  • Lagerung: Schocklage, bei Bewusstlosigkeit stabile Seitenlage

  • Wundversorgung: mit Brandwundenverbandtüchern steril abdecken

  • O2-Gabe 10–15 l/Min.

  • Basismonitoring (RR, P, EKG, SpO2)

  • Evtl. NA nachfordern, je nach Verletzungsausmaß

  • Mind. 2 großlumige venöse Zugänge legen und initial bis 1 000 ml/h Vollelektrolytlösung infundieren

Erweiterte Maßnahmen
  • Analgesie: Morphin 0,01–0,05 mg kg KG i. v. (Kap. 19.2.45) oder Fentanyl 0,1–0,2 mg i. v. (Kap. 19.2.28)

  • Sedierung: Midazolam 0,025–0,05 mg/kg KG i. v. (Kap. 19.2.44)

  • Zum Einsatz von Medikamenten:

    • Keine kolloidalen Volumenersatzmittel verwenden (sie entziehen dem Gewebe zusätzlich Flüssigkeit)

    • Katecholamine führen zu einer Minderdurchblutung der Haut und damit zu einer Vertiefung der Verbrennung von z. B. II.° in III.°

    • Schmerz und Angst erhöhen die Schockgefahr durch vegetative Dysregulation → frühzeitige Analgosedierung

Intubation und Beatmung

  • Indikationen: großzügige Indikation bei Verdacht auf Inhalationstrauma (wegen möglicher Ödeme der Trachealschleimhaut). Ansonsten bei ausgedehnten Verbrennungen (> 50 % der KOF), massiven Schmerzen, schwerem Schock, Verbrennungen im Gesichtsbereich, Inhalationstrauma (großzügige Indikation stellen), V. a. CO-Intox.

  • Narkose:

    • Einleitung: Etomidat 0,2–0,3 mg/kg KG i. v. (Kap. 19.2.25) oder (S)-Ketamin 1 mg/kg KG i. v. (Kap. 19.2.39)

    • Evtl. Relaxierung: Vecuronium 0,06–0,1 mg/kg KG i. v. (Kap. 19.2.80, Cave: keine depolarisierenden Muskelrelaxanzien wie Suxamethoniumchlorid → Anstieg des Serumkaliums)

  • Kontrollierte Beatmung:

    • Normales I : E = 1 : 1,7–2

    • Normale AF: 10–12/Min.

    • Normales AZV: 6–8 ml/kg KG

    • FiO2: 1,0

  • Bei Inhalationstrauma: PEEP 5 cmH20

Transport
  • !

    Bei großflächigen Verbrennung immer mit NA.

  • Indikationen zur sofortigen Verlegung in ein Verbrennungszentrum, Transport mit Hubschrauber:

    • Verbrennungen II.–III. Grades > 15 % KOF

    • Verbrennungen III. Grades > 10 % KOF

    • Verbrennungen II.–III. Grades > 10 % KOF bei Kindern < 8 Jahren oder Erwachsenen > 50 Jahren

    • Verbrennungen II.–III. Grades von Gesicht, Genitalien, Händen, Füßen, Perineum oder größeren Gelenken

    • Schädigung der Atemwege (Inhalationstrauma)

    • Bekannte schwere Vorerkrankungen

    • Elektrische (Kap. 16.7) oder chemische Noxen.

  • Leichte, unkomplizierte Verbrennung: in Klinik mit chirurgischer Abteilung. Sonderrechte nach Bedarf

  • Schwere Verbrennung, Inhalationstrauma, evtl. intubierter Pat.: mit RTH in Verbrennungsklinik. Voranmeldung

  • Während des Transports kontinuierliches Monitoring fortsetzen

  • Angaben über Unfallhergang, Verletzungszeitpunkt und -ausmaß, evtl. Begleiterkr., Beatmungstherapie bereithalten

Merke

Zentrale Anlaufstelle für die Vermittlung von Krankenhausbetten für Schwerstbrandverletzte Schwerbrandverletzte, Anlaufstelle(in Hamburg): Telefon 040–4 28 51–39 98 und -39 99, Fax 040–4 28 51–42 69, E-Mail: leitstelle@feuerwehr.hamburg.de

Achtung

Therapie nach Parkland/Baxter macht präklinisch kaum Sinn und findet deshalb keine Anwendung mehr: 4 ml × % verbrannte Körperoberfläche × kg KG in 24 h Elektrolytlösung, davon die Hälfte in den ersten 8 h.

Hitzeschäden

Sonnenstich

Durch direkte Sonnenbestrahlung des unbedeckten SonnenstichKopfes kommt es zur Reizung der Hirnhäute mit Gefahr eines Hirnödems. Prädisponiert sind Glatzenträger, Kinder ohne Kopfbedeckung.

Achtung

Stets andere Ursachen erwägen, z. B. Schlaganfall, SAB.

Ersteindruck
  • Heißer, hochroter Kopf

  • Kopfschmerzen, Nackenschmerzen

  • Übelkeit, Brechreiz

  • Schwindel, Unruhe

  • Normale Körperkerntemperatur

Merke

Die Symptomatik tritt oft mit zeitlicher Verzögerung auf, z. B. nachts.

ABCDE-Schema
  • OPQRST (Kap. 2.1.6) und SAMPLER (Kap. 2.1.5) erheben

  • Palpation: Tachykardie

  • Bei Hirndruck: Bradykardie, Druckpuls, Bewusstseinsstörungen, evtl. Bewusstlosigkeit, evtl. Krampfanfälle

Monitoring & Befunde

AF, HF ↑, EKG, SpO2, Temp. evtl. ↑, RR

Basismaßnahmen
  • Pat. an kühlen Ort bringen

  • Flachlagerung, Kopf anheben. Bei Bewusstlosigkeit stabile Seitenlage

  • Beengende Kleidung öffnen oder entfernen

  • Kopf kühlen (kalte Umschläge), Haut abkühlen (Luft zufächeln, Ventilator)

  • Basismonitoring (RR, P, EKG, SpO2)

  • BZ messen

  • O2-Gabe: 8–10 l/Min.

  • Venösen Zugang legen, 500 ml Vollelektrolytlösung i. v.

  • !

    Evtl. NA nachfordern

Erweiterte Maßnahmen
  • Bei Bewusstlosigkeit Intubation, Beatmung, Hyperventilation zur Hirnödemprophylaxe

  • Ggf. assistierte Beatmung

  • Evtl. Sedativum/Antikonvulsivum: Midazolam 0,025–0,05 mg/kg KG i. v. (Kap. 19.2.44)

  • Ggf. Analgesie, z. B. mit Paracetamol 1 g als Kurzinfusion (Kap. 19.2.55)

  • Ggf. Antiemetika, z. B. Dimenhydrinat 62 mg (Kap. 19.2.19)

Transport
  • Leichte Fälle: in Klinik mit neurologischer oder internistischer Abteilung. Keine Sonderrechte erforderlich

  • Schwere Fälle, evtl. intubierter Pat.: mit NA in Klinik mit internistischer Intensivstation

  • Während des Transports kontinuierliches Monitoring fortführen

Hitzschlag

Große HitzschlagWärmezufuhr von außen bei erschwerter Wärmeabgabe (schwüle Luft, geringe Ventilation). Einhergehend mit Störung der Thermoregulation, extremer HyperthermieHyperthermie (über 40,6 °C), ZNS-Beteiligung.

Achtung

Akut lebensbedrohliche Situation! Der Tod tritt bei einer Körperkerntemperatur von 43,5 °C ein.

  • Klassischer Hitzschlag: hohes AlterHitzschlag klassischer, kardiovaskuläre Vorerkr., Diabetes mellitus, Alkoholismus, Diuretika

  • Anstrengungshitzschlag: gesundeHitzschlag Anstrengung, aber nicht hitzeakklimatisierte Personen unter körperlicher Belastung, z. B. Sportler, Soldaten

Ersteindruck
  • Kopfschmerzen, Schwindel, Erbrechen

  • Synkope

  • Haut: zunächst rot und heiß, später grau

  • Evtl. zerebrale Krämpfe

  • Evtl. Bewusstlosigkeit

ABCDE-Schema
  • OPQRST (Kap. 2.1.6) und SAMPLER (Kap. 2.1.5) erheben

  • Tachypnoe, Cheyne-Stokes-Atmung

  • Kaltschweißigkeit

Monitoring & Befunde

AF ↑, HF ↑ EKG, SpO2, Temp. > 40 °C, RR zunächst normal später niedrig

Basismaßnahmen
  • !

    NA nachfordern

  • Pat. an kühlen Ort bringen

  • Flachlagerung, bei Bewusstlosigkeit stabile Seitenlage

  • Senken der Körpertemperatur: Pat. mit kaltem Wasser besprühen, evtl. in kaltes Wasserbad legen (Achtung: nicht bei Bewusstlosigkeit), Luft zufächeln (Ventilator)

  • Basismonitoring (RR, P, EKG, SpO2)

  • O2-Gabe: 10–15 l/Min.

  • BZ stixen

  • Venösen Zugang legen: 1 000–2 000 ml Ringer-Lösung infundieren. Bei Schocksymptomatik: 20–40 ml/kg KG balancierte Vollelektrolytlösung i. v.

Erweiterte Maßnahmen
  • Evtl. Sedativum/Antikonvulsivum: Midazolam 2,5–5 mg i. v. (0,05–0,1 mg/kg KG) (Kap. 19.2.44)

  • Evtl. Krampfdurchbrechung mit Midazolam 10 mg i. v.

Intubation und Beatmung

  • Indikationen: bei Bewusstlosigkeit, Schocksymptomatik, Hirndrucksymptomatik (Druckpuls, Bradykardie, Biot-Atmung)

  • Narkose:

    • Einleitung: Etomidat 0,2–0,3 mg/kg KG i. v. (Kap. 19.2.25)

    • Analgosedierung: Fentanyl 0,1–0,2 mg i. v. (Kap. 19.2.28) und Midazolam 2,5–5 mg (0,05–0,1 mg/kg KG) i. v. (Kap. 19.2.44). → Bei nicht ausreichend sedierten/relaxierten Pat. ICP ↑ durch Hustenstöße

    • Evtl. Relaxierung: Rocuronium 1 mg/kg KG i. v. Cave: vor Gabe eines depolarisierenden Muskelrelaxans (z. B. Suxamethoniumchlorid) präkurarisieren, z. B. Vecuronium 1–2 mg i. v. (Kap. 19.2.80), sonst ICP ↑

  • Kontrollierte Beatmung:

    • I : E = 1 : 1,7–2

    • Normale AF: 10–12/Min. beim Erw.

    • Gesteigertes AZV: 15 ml/kg KG → Hyperventilation anstreben → EtCO2 30–35 mmHg, Hyperkapnie erhöht Blutvolumen im Hirn und damit den ICP, Hypokapnie verstärkt Ischämie

    • FiO2: 1,0

  • !

    Keine PEEP Beatmung → Erhöhung des Hirndrucks.

Transport
  • Unkomplizierte Fälle: in Klinik mit neurologischer oder internistischer Abteilung. Keine Sonderrechte erforderlich

  • Schwere Fälle, evtl. intubierter Pat.: mit NA in Klinik mit internistischer Intensivstation. Voranmeldung

  • Während des Transports kontinuierliches Monitoring fortsetzen

Tipps & Tricks

  • Ausgeprägte Symptomatik kann zum Multiorganversagen führen.

  • Symptomatik oft durch zusätzlichen Alkoholgenuss verschleiert.

Hitzekrämpfe

SchmerzhafteHitze Krämpfe Muskelfaszikulationen. Verlust von NaCl-Ionen durch maximale Schweißproduktion, besonders bei schwerer körperlicher Arbeit in heißer Umgebung.

Achtung

Große Verwechslungsgefahr mit akutem Abdomen!

Ersteindruck
  • Schwäche, Durst

  • Kopfschmerzen

  • Übelkeit

  • Schmerzhafte Muskelfaszikulationen oder Spasmen der Extremitäten, Brust- und Bauchmuskulatur

  • Bewusstseinsstörung

ABCDE-Schema

Monitoring & Befund

HF ↑, Temp. normal

Basismaßnahmen
  • Pat. an kühlen Ort bringen

  • Lagerung: flach mit leicht erhöhtem Oberkörper

  • Beengende Kleidung öffnen und entfernen

  • Evtl. Basismonitoring (RR, P, EKG, SpO2)

  • O2-Gabe: 6–8 l/Min.

  • Venösen Zugang legen: evtl. 500–1000 ml Vollelektrolytlösung i. v.

Erweiterte MaßnahmenEvtl. Analgesie mit Morphin 5–10 mg i. v. (Kap. 19.2.45)
TransportIn leichten Fällen hausärztliche Behandlung, sonst in Klinik mit internistischer Abteilung zur ambulanten Abklärung.

Hitzeohnmacht (Hitzesynkope)

WärmeeinflussHitze Ohnmacht führtSynkope Hitze zur Weitstellung peripherer Gefäße und damit zur Umverteilung des Blutes nach peripher.
Ersteindruck
  • Übelkeit, Schwindel

  • Kühle, feuchte Haut

  • Evtl. Bewusstseinstrübung

  • Synkope

ABCDE-Schema
  • OPQRST (Kap. 2.1.6) und SAMPLER (Kap. 2.1.5) erheben

  • Tachypnoe

  • Palpation: evtl. kaum tastbarer tachykarder oder bradykarder Puls

  • Kaltschweißigkeit

  • Evtl. Schocksymptomatik

Monitoring & Befunde

AF ↑, HF ↑ oder ↓, RR evtl. ↓

Basismaßnahmen
  • Pat. an kühlen Ort bringen

  • Flachlagerung, evtl. Beine anheben

  • Für Luftzirkulation sorgen: Luft zufächeln (Ventilator)

  • Evtl. feuchte Tücher zum Kühlen

  • Beengende Kleidung öffnen oder entfernen

  • Orale Flüssigkeitszufuhr wenn möglich

  • Basismonitoring (RR, P, EKG, SpO2)

  • Evtl. O2-Gabe: 6–8 l/Min.

  • Bei anhaltender Symptomatik venösen Zugang legen: 500–1 000 ml Vollelektrolytlösung infundieren.

Erweiterte MaßnahmenEvtl. Blutdruck steigern mit Akrinor® 0,5–1 ml i. v. (Cafedrin-Theodrenalin, Kap. 19.2.10)
TransportSelten erforderlich. Hausarztbehandlung, sonst in Klinik mit internistischer Abteilung.

Tipps & Tricks

  • Andere Ursachen ausschließen, z. B. Hypoglykämie, Apoplex („drop attack“: plötzliches Stürzen ohne Bewusstseinsverlust).

  • Auf sekundäre Sturzverletzungen achten, z. B. Wunden.

Hitzeerschöpfung

AkuteHitze Erschöpfung Dehydratation bei hohen Umgebungstemperaturen, unzureichenden Kompensationsmechanismen und ungenügender Flüssigkeitssubstitution.
Vorläufer des Hitzschlags (Kap. 16.2.2). Besonders gefährdet sind dehydrierte Menschen und solche unter diuretischer Medikation.
Ersteindruck
  • Zentralnervöse Störungen: Verwirrtheit, Erregung, delirante Erscheinungen

  • Bewusstseinstrübung, Bewusstlosigkeit

  • Schwindel

  • Durst (kann u. U. fehlen)

  • Erst warme, rote, später blasse, evtl. kaltschweißige Haut

ABCDE-Schema
  • OPQRST (Kap. 2.1.6) und SAMPLER (Kap. 2.1.5) erheben

  • Evtl. Dyspnoe

  • In schweren Fällen Schocksymptomatik: RR ↓, P ↑

Monitoring & Befunde

HF ↑, RR ↓

Basismaßnahmen
  • Pat. an kühlen Ort bringen

  • Lagerung: flach, Beine anheben

  • Beengende Kleidung öffnen oder entfernen

  • Evtl. Basismonitoring (RR, P, EKG, SpO2)

  • O2-Gabe: 10–15 l/Min.

  • !

    In schweren Fällen NA nachfordern.

  • Venösen Zugang legen: 1 000–1 500 ml Vollelektrolytlösung infundieren

Erweiterte Maßnahmen
  • Antiemetikum: Dimenhydrinat 62 mg i. v. (Kap. 19.2.19)

  • Krampfdurchbrechung: Midazolam 10 mg i. v. (Kap. 19.2.44)

  • Sedierung: Midazolam 0,025–0,05 mg/kg KG i. v. (Kap. 19.2.44)

  • In schweren Fällen mit manifestem Schock Narkoseeinleitung durch NA

Transport
  • In leichten Fällen hausärztliche Behandlung, sonst in Klinik mit internistischer Abteilung

  • Während des Transports kontinuierliches Monitoring fortführen

Tipps & Tricks

  • Wenn rasch Gegenmaßnahmen ergriffen werden, ist die Prognose sehr gut.

  • Achtung: oft zusätzlicher Alkoholabusus.

Unterkühlung

AbsinkenUnterkühlung der HypothermieKörperkerntemperatur < 35 °C rektal. Ab ca. < 30 °C tritt Bewusstlosigkeit ein. Besonders gefährdet sind alte und sehr schlanke Menschen, Pat. mit Alkoholabusus, Drogenintox., Obdachlose, Unfallverletzte bei kalter Witterung.

Merke

„No one is dead until he is warm and dead.“ Der Tod eines hypothermischen Pat. kann erst nach Wiedererwärmung festgestellt werden.

ErsteindruckTab. 16.2
ABCDE-Schema
  • OPQRST (Kap. 2.1.6) und SAMPLER (Kap. 2.1.5) erheben

  • Hypovolämie durch kälteinduzierte Diurese

Monitoring & Befunde

HF ↓, EKG: verlängertes PR-Intervall, verbreiterte QRS-Komplexe, häufig Kammerflimmern, Temp. ↓↓

Basismaßnahmen
  • Bei kalter Witterung Unfallopfer schnell in den RTW bringen (Verletzungen beachten), schonende Rettung, evtl. Schaufeltrage benutzen → Vermeiden des „Bergungstods“

  • RTW-Türen während Standzeit geschlossen halten, Innenraumheizung anstellen

  • Nasse Kleidung entfernen, Extremitäten nicht bewegen, Körper in Decken wickeln, z. B. Goldfolie benutzen

  • Aktive vorsichtige Wiedererwärmung nur bei leichter Hypothermie → Innenraum langsam aufwärmen

  • Basismonitoring (RR, P, EKG, Temp., SpO2)

  • Venösen Zugang legen: 1 000–2 000 ml vorgewärmte Vollelektrolytlösung i. v. (Cave: Hypervolämie)

  • Je nach Schwere NA nachfordern

  • O2-Gabe: 10–15 l/Min.

  • Bei Kreislaufstillstand kardiopulmonale Reanimation (Kap. 3).

Erweiterte Maßnahmen
  • Analgesie: Morphin 5–10 mg i. v. (Kap. 19.2.45), Paracetamol (für Kinder) 125–500 mg supp. (Kap. 19.2.55) oder Diclofenac (für Kinder) 1 mg/kg KG supp.

  • Sedierung: Midazolam 2–5 mg i. v. (Kap. 19.2.44)

  • Bei Bewusstlosigkeit frühzeitige Intubation anstreben, sonst stabile Seitenlage

  • Bei Reanimation: bis zum Erreichen einer KKT ≥ 30 °C Verzicht auf Medikamentengabe und max. 3 Defibrillationen. Zwischen 30 und 35 °C Medikamente nur halb so oft geben wie üblich

Intubation und Beatmung

  • Indikationen: Bewusstlosigkeit, respiratorische Insuff., SpO2 < 85 %

  • Narkose:

    • Einleitung: (S)-Ketamin 0,5–1,0 mg/kg KG i. v. (Kap. 19.2.39)

    • Sedierung: Midazolam 2,5–5 mg (0,05–0,1 mg/kg KG) i. v. (Kap. 19.2.44)

    • Evtl. Analgesie: Fentanyl 0,1 mg i. v. (Kap. 19.2.28)

  • Kontrollierte Beatmung:

    • I : E = 1 : 1,1

    • Erniedrigte AF: 6–8 Min.

    • AZV: 6–8 ml/kg KG

    • FiO2: 1,0

Transport
  • !

    Immer mit NA.

  • Schnell und schonend in Klinik mit Dialyseabteilung (Straßenverhältnisse beachten) – Voranmeldung

  • Wenn möglich, in Klinik mit Herz-Lungen-Maschine, Dialyseabteilung wegen besserer Wiedererwärmungsmöglichkeiten

  • Während des Transports kontinuierliches Monitoring fortführen

Tipps & Tricks

  • „Bergungstod“ durch BergungstodLageänderungen während der Rettung und des Transports → Immobilisation mit Schaufeltrage und Vakuummatratze.

  • Achtung: „After drop“: Körperkern After dropgibt nach Kälteexposition vermehrt Wärme an die Schale ab → zentrale Wiedererwärmung anstreben.

  • Sensorort des Pulsoxymeter zentral wählen (periphere Vasokonstriktion durch Kälteeinfluss).

  • Bei Wiedererwärmung hat Reanimation auch nach 30–60 Min. Kreislaufstillstands noch gute Aussichten auf Erfolg.

  • Bei Körperkerntemperatur < 30 °C spricht der Körper nicht auf Katecholamine und Defibrillation an. Reanimationsmaßnahmen ausdauernd durchführen und nicht am Notfallort beenden

Erfrierungen

ErfrierungLokaler Kälteschaden ohne Absinken der Körperkerntemperatur. Meist lokal begrenzt: Zehen, Finger, Ohren, Nase (Akren). Selten ganze Extremitäten betroffen.
ErsteindruckTab. 16.3
Basismaßnahmen
  • Langsames Erwärmen betroffener Körperteile, keine Reibung, kein Wasserbad

  • Wundversorgung mit sterilen Verbänden

  • Basismonitoring (RR, P, evtl. EKG und SpO2)

  • Venösen Zugang legen: 500 ml vorgewärmte Vollelektrolytlösung i. v.

  • !

    Bei großflächigen Erfrierungen oder Hypothermie NA nachfordern

Erweiterte Maßnahmen
  • Evtl. Sedierung: Midazolam 2,5–5 mg (0,05–0,1 mg/kg KG) i. v. (Kap. 19.2.44)

  • Evtl. Analgesie : Morphin 5–10 mg i. v. (Kap. 19.2.45)

  • Antikoagulation: Heparin 5 000 IE i. v (Kap. 19.2.34) oder/und ASS 0,5 g i. v. (Kap. 19.2.1)

Transport
  • Bei großflächigen Erfrierungen mit gleichzeitiger Hypothermie in NA-Begleitung zu einer Klinik mit der Möglichkeit einer Dialyse oder Peritoneallavage

  • In Klinik mit chirurgischer Abteilung

  • Während des Transports: kontinuierliches Monitoring fortführen

Tipps & Tricks

  • Mögliche zusätzliche Unterkühlung immer vorrangig behandeln

  • Kein mechanisches Ein- oder Abreiben → zusätzliche Traumatisierung

Beinahe-Ertrinken

Definitionen
  • Ertrinken: klinischer Tod durch Ersticken im Rahmen von Beinahe-ErtrinkenUntertauchen in Flüssigkeiten.

  • Beinahe-Ertrinken („near-wet-drowning“): Der Pat. überlebt das Ertrinkungsgeschehen um > 24 h (Diese Definition wird von der ILCOR nicht mehr empfohlen.)

  • In ca. 10–15 % trockenes Ertrinken Beinahe-Ertrinken trockenesdurch reflektorischen Laryngospasmus.

  • Sekundäres ErtrinkenBeinahe-Ertrinken sekundäres, z. B. durch Synkope, epileptischen Anfall.

Achtung

Die Unterteilung in Süß-, Salz- oder Brackwasserertrinken spielt keine Rolle mehr.

Ersteindruck
  • Erregung

  • Evtl. Bewusstlosigkeit

  • Dyspnoe, evtl. Apnoe

  • Zyanose

  • Evtl. blutiger Schaum aus Mund und Nase

Merke

Evtl. nach auslösenden Krankheitsbildern suchen, z. B. epileptischer Anfall, Myokardinfarkt.

ABCDE-Schema
  • OPQRST (Kap. 2.1.6) und SAMPLER (Kap. 2.1.5) erheben

  • Anamnese: Hinweise auf Besonderheiten vor dem Ereignis, z. B. Krämpfe, Verweildauer im Wasser

  • Auskultation: Brodel- und Rasselgeräusche

Monitoring & Befunde

Temp. evtl. ↓

Basismaßnahmen
  • !

    NA nachfordern

  • Pat. retten (an Eigenschutz denken), dabei an Begleitverletzungen (HWS-Trauma?) denken → Spine-Board einsetzen (Kap. 2.17.5)

  • Nasse Kleidung entfernen, Hypothermie verhindern (Kap. 16.4)

  • Flachlagerung, bei Bewusstlosigkeit stabile Seitenlage

  • Atemwege sichern, z. B. Guedel- oder Wendl-Tubus einlegen

  • Evtl. Reanimation (Kap. 3)

  • O2-Gabe: 10–15 l/Min.

  • Basismonitoring (RR, P, EKG, SpO2)

  • Venösen Zugang legen: 500–1 000 ml Vollelektrolytlösung i. v.

Erweiterte Maßnahmen
  • Evtl. Magensonde legen

Intubation und Beatmung

  • Indikationen: Bewusstseinstrübung, Bewusstlosigkeit, Zeichen einer respiratorischen Insuff. (z. B. Zyanose, Rasselgeräusche, Husten), Reanimation

  • Narkose:

    • Einleitung: Etomidat 0,2–0,3 mg/kg KG i. v. (Kap. 19.2.25)

    • Relaxierung: Suxamethoniumchlorid 1 mg/kg KG i. v. (zur Einleitung, Kap. 19.2.69), dann Vecuronium 0,06–0,1 mg/kg i. v. (Kap. 19.2.80)

  • Kontrollierte Beatmung:

    • I : E = 1 : 1–1,5

    • Erhöhte AF: 10–12/Min.

    • Normales bis erhöhtes AZV: 6-8-10 ml/kg KG

    • FiO2: 1,0

  • PEEP: 5–10 cmH2O, Steigerung bis 20 cmH2O möglich

Transport
  • In Klinik mit internistischer Intensivstation – Voranmeldung

  • Während des Transports kontinuierliches Monitoring fortführen

Tipps & Tricks

  • Die Hypoxietoleranz ist durch die mit dem Beinahe-Ertrinken meist einhergehende Unterkühlung erheblich verlängert (protektive Hypothermie): ausdauernd reanimieren

  • Erhöhte Aspirationsgefahr durch große Mengen geschluckten Wassers

  • Nicht versuchen, Wasser aus den Luftwegen zu entfernen, z. B. durch Absaugen

Achtung

Nach einem Ertrinkungsunfall kann sich nach Min. bis Stunden ein Lungenödem bilden (sekundäres Ertrinken) → Pat. nach Beinahe-Ertrinken immer transportieren.

Tauchunfall

Definitionen
  • Barotrauma: durch plötzliche Barotrauma TauchunfallDruckdifferenz zwischen Umgebung und luftgefüllten Körperhöhlen (Ohr, Nasennebenhöhlen, Lunge) kommt es bei mangelndem Druckausgleich zu Verletzungen (z. B. Trommelfellruptur, Pneumothorax).

  • Dekompressionskrankheit (DCS): Nach Dekompressionskrankheitplötzlichem Aufsteigen (Panikaufstieg) oder Missachtung der Auftauchpausen perlen die unter Druck in Gewebe und Blut gelösten Gase aus (insbesondere Stickstoff). Dauer bis zum Auftreten der Symptome: Minuten bis Stunden, max. 24 h bis selten 48 h nach Tauchende.

  • Arterielle Gasembolie (AGE): Übertritt Gasembolie, arteriellevon Gasblasen in die arterielle Strombahn beim Tauchen durch pulmonales Barotrauma oder paradoxe Embolie bei DCS. Dauer bis zum Auftreten der Symptome: Minuten nach dem Tauchgang, teilweise während des Auftauchens.

Ersteindruck
  • Barotrauma:

    • Schmerzen: Nasennebenhöhlen, Mittelohr, Kopf

    • Blutungen aus Ohr und Nase

    • Trommelfellperforation mit Schwindel, Übelkeit, Gangstörungen, Gleichgewichtsstörung, Hörstörungen

    • Lunge: Hämoptoe, Atemnot, Brustschmerzen, Pneumothorax, Hämatothorax, Spannungspneumothorax

  • Dekompressionskrankheit (DCS) Typ I:

    • Muskel- und Gelenkschmerzen („Bendsbends“)

    • Juckende Hautrötungen Taucherflöhe(„Taucherflöhe“) infolge subkutaner Luftblasen

    • Übelkeit, Erbrechen

    • Geschwollene, druckschmerzhafte Lymphknoten (selten)

    • Müdigkeit

  • Dekompressionskrankheit (DCS) Typ II:

    • Apathie, Bewusstlosigkeit

    • Schwindel, Erbrechen

    • Sensibilitätsstörungen, Paresen, Paraplegie

    • Hör-, Seh-, oder Sprachstörungen

    • Akute Dyspnoe („Chokes“) mit Brustschmerz, Husten, Erstickungsgefühl

    • Harn- und Stuhlinkontinenz

  • Arterielle Gasembolie (AGE):

    • Apathie, Bewusstlosigkeit

    • Schwindel, Erbrechen

    • Orientierungslosigkeit, Verwirrtheit

    • Sprach- und/oder Sehstörungen

    • Neurologische Störungen: Sensibilitätsstörungen bis hin zur kompletten Lähmung

ABCDE-Schema
  • Barotrauma: Auskultation: evtl. einseitig abgeschwächtes Atemgeräusch bei Pneumothorax, Hämatothorax, Spannungspneumothorax

  • Dekompressionskrankheit: Auskultation meist unauffällig, Neurologie s. o.

Monitoring & Befunde

RR ↓, HF ↑ u. a. bei Spannungspneumothorax

Basismaßnahmen
  • Pat. retten, dabei an mögliche Begleitverletzungen denken, bei Rettung aus dem Wasser: Spine-Board einsetzen (Kap. 2.17.5)

  • Tauchanzug zum Wärmeerhalt entfernen (bei Trockentauchanzügen ggf. Kopfhaube und Halsmanschette abnehmen oder aufschneiden). Pat. warm zudecken, warme Infusionen anlegen

  • Lagerung: Flachlagerung

  • Freimachen und Freihalten der Atemwege, z. B. Guedel- oder Wendl-Tubus einlegen

  • !

    NA nachfordern

  • Nach Möglichkeit 100 % O2 → Demand-Ventil verwenden

  • Basismonitoring (RR, P, EKG, SpO2)

  • Venösen Zugang legen: 500–1 000 ml Vollelektrolytlösung i. v. in der ersten Stunde, dann 500–1 000 ml/h

Erweiterte Maßnahmen
  • Hypovolämie: ggf. kolloidale Ersatzlösungen bedenken

  • Spannungspneumothorax: sofortige Entlastungspunktion (Kap. 2.12.1), anschließend Thoraxdrainage legen

  • Pneumothorax: Transport mit dem RTH angezeigt → um Spannungspneu vorzubeugen, prophylaktisch beidseitig Thoraxdrainagen anlegen

  • Thrombozytenaggregationshemmung: ASS 500 mg i. v. (Kap. 19.2.1, umstritten)

  • Sedierung: Midazolam 2,5–5 mg (0,05–0,1 mg/kg KG) i. v. (Kap. 19.2.44, verschleiert evtl. den neurologischen Status)

  • Analgesie: Morphin 2–5 mg i. v. (Kap. 19.2.45, sehr selten erforderlich)

  • Glukokortikoide (umstritten): Dexamethason 100 mg i. v. (Kap. 19.2.16) oder Prednisolon 250–500 mg i. v. (Kap. 19.2.60)

Intubation und Beatmung

  • Indikationen: bei Dekompressionsunfall Indikation großzügig stellen, ansonsten bei arterieller Gasembolie, Bewusstseinstrübung, Bewusstlosigkeit, Zeichen einer respiratorischen Insuff., z. B. Hämato- oder Spannungspneumothorax (vorher drainieren)

  • Narkose:

    • Einleitung: Etomidat 0,2–0,3 mg/kg KG i. v. (Kap. 19.2.25)

    • Relaxierung: Suxamethoniumchlorid 1 mg/kg KG i. v. (zur Einleitung, Kap. 19.2.69), dann Vecuronium 0,06–0,1 mg/kg i. v. (Kap. 19.2.80)

  • Kontrollierte Beatmung:

    • I : E = 1 : 1–1,5

    • erhöhte AF: 10–12/Min.

    • normales bis erhöhtes AZV: 6-8-10 ml/kg KG

    • FiO2: 1,0

  • PEEP: 5–10 cmH2O (Cave: pulmonales Barotrauma)

Transport
  • Dekompressionsunfall: sofortige Alarmierung eines RTH zum Transport in eine Überdruckkammer

  • Barotrauma: am besten in ein tauchmedizinisches Zentrum, ansonsten in Klinik mit chirurgischer Abteilung. Mit Sonderrechten, Voranmeldung

  • Während des Transports kontinuierliches Monitoring fortführen, bei Hypothermie auch Temperaturmessung

Tipps & Tricks

  • Im Zweifelsfall immer von einem Dekompressionsunfall ausgehen und den Pat. einer Überdruckbehandlung zuführen.

  • Achtung: Keine Rekompression im Wasser durchführen und keine Einpersonen-Transportdruckkammern.

  • Flughöhe des RTH möglichst niedrig (max. 300 m Flughöhe), um weitere Vergrößerung der Druckdifferenz möglichst gering zu halten.

  • Tauchcomputer und Unfallprotokoll (wenn vorhanden) immer zum Therapiezentrum mitnehmen (Vorrang vor pol. Beschlagnahme).

  • Falls möglich, Tauchpartner den Transport begleiten lassen, um Informationen über den Hergang zu bekommen.

  • Falls Patient bereits durch Tauchpartner normobaren O2 erhält (z. B. Wenoll- oder DAN-System), dieses System weiter nutzen.

  • Schonender Transport und Vermeidung von Erschütterungen → führt sonst zur Gasblasenverschleppung.

  • Jeder (auch gesunde) verunfallte Taucher ist mit ca. 1 500–2 000 ml hypovolämisch → auf ausreichende Flüssigkeitssubstitution achten.

Merke

24-Stunden-Infotelefone über Druckkammereinrichtungen und Info zur Differenzialdiagnose

  • Schifffahrtsmedizinisches Institut der Marine, Tauchunfall Druckkammer DruckkammerKronshagen +49-(0)431–54 09–14 41

  • DAN (Divers Alert Network) für Deutschland und Österreich: 0800–326 668 783 (oder 0800 DAN NOTRUF) oder +39–06 421 118 685 (weltweit)

  • DAN (Divers Alert Network Europe): +41–333 333 333 (oder 1414 innerhalb der Schweiz)

  • VDST-Taucher-Hotline (i. d. R. nur für Mitglieder) +49 69 800 88 616

Elektrounfälle

Übergang Elektrounfällevon StromunfallGleich- oder GleichstromWechselstromWechselstrom auf den Körper über zwei Pole, z. B. Steckdose. In häuslichen Stromnetzen, die mit einem Leiter geerdet sind, genügt das Berühren der nichtgeerdeten Phase, um einen Stromfluss zu erzeugen. Es kann zu Herzrhythmusstörungen, Schädigungen des Nervensystems, der Haut und des Gewebes kommen.
Die Folgen eines elektrischen Unfalls auf den Körper (Abb. 16.3) sind abhängig von:
  • Stromart (Wechsel-, Gleichstrom)

  • Stromstärke, Spannung

  • Einwirkdauer

  • Stromweg: horizontaler („Hand-zu-Hand“) oder vertikaler („Hand-zu-Fuß“) Stromfluss, Lichtbogen (Blitz, Überlandleitung)

Eigenschutz

  • !

    Eigenschutz als oberstes Gebot.

  • !

    Faustregel: In trockener Elektrounfälle EigenschutzLuft können 1 000 Volt max. 1–2 cm als Lichtbogen überbrücken.

  • Niederspannungsunfälle (< 1 000 V):

    • Entfernen der Sicherung oder Sicherung ausschalten, 0-Stellung des FI-Schutzschalters

    • Abschalten des Geräts, Herausziehen des Netzsteckers

  • Hochspannungsunfälle (> 1 000 V):

    • Sicherheitsabstand einhalten (mind. 5 m)

    • Freischalten

    • Gegen Wiedereinschalten sichern

    • Spannungsfreiheit überprüfen (E-Werk, Bahnbetriebsdienst, Feuerwehr)

    • Erden und kurzschließen

    • Benachbarte unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken

Ersteindruck
  • Bewusstseinsstörung

  • Evtl. tetanische Krämpfe („Pat. klebt an der Steckdose“)

ABCDE-Schema
  • Atemstillstand

  • OPQRST (Kap. 2.1.6) und SAMPLER (Kap. 2.1.5) erheben

Monitoring & Befunde

EKG: Herzrhythmusstörungen, Tachykardie, Asystolie, Kammerflimmern, Atemstillstand

Fokussierte Untersuchung(Tab. 16.4)
  • Verbrennungen (Strommarken)

  • Evtl. neurologische Ausfälle: Kribbeln, Taubheitsgefühl, Paresen

Basismaßnahmen
  • Je nach Schwere NA nachfordern.

  • Pat. unter Eigenschutz und nach Unterbrechung des Stromkreises retten

  • Evtl. Reanimation (Kap. 3)

  • Lagerung: Oberkörper hoch, bei Bewusstlosigkeit stabile Seitenlage

  • Venösen Zugang legen: 1 000 ml Vollelektrolytlösung i. v. in der ersten Stunde

  • Basismonitoring (RR, P, SpO2, EKG, evtl. 12-Kanal-Ableitung)

  • O2-Gabe: 10–15 l/Min.

Erweiterte Maßnahmen
  • Evtl. Versorgung von Verbrennungen (Kap. 16.1)

  • Analgesie: Morphin 0,1 mg/kg KG i. v. (Kap. 19.2.45)

  • Sedierung: Midazolam 0,025–0,05 mg/kg KG i. v. (Kap. 19.2.44)

  • Evtl. Diurese zur Nierenprotektion

  • Evtl. Therapie der Herzrhythmusstörungen (Kap. 5.5.1)

Transport
  • Indikation zum sofortigen Transport in ein Verbrennungszentrum (Kap. 16.1): schwere Elektrounfälle (z. B. Hochspannungsunfall, Blitzschlag), schweres Inhalationstrauma → frühzeitig an RTH als Transportmittel denken

  • In Krankenhaus mit internistischer Notaufnahme/Intensivstation, evtl. Voranmeldung

  • Während des Transports kontinuierliches Monitoring fortführen

Tipps & Tricks

  • Ausdauernd reanimieren! Der sekundäre Reanimationserfolg ist bei Stromunfällen sehr hoch.

  • Auf sekundäre Verletzungen, z. B. durch Sturz von der Leiter achten (Kap. 8).

  • Bei Z. n. Stromunfall immer transportieren, da Herzrhythmusstörungen auch nach bis zu 48 h auftreten können.

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