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B978-3-437-22406-5.10013-X

10.1016/B978-3-437-22406-5.10013-X

978-3-437-22406-5

Enzymdiagnostik bei Myokardinfarkt:EnzymdiagnostikHerzinfarkt"\t"Siehe MyokardinfarktMyokardinfarkt

Tab. 13.1
Marker Symptombeginn Spitzenspiegel Normalisierung
Myoglobin 1,4 h 6–7 h 24 h
CK 3–12 h 12 h 48–72 h
CK-MB 3–12 h 18 h 48–72 h
Troponin T 3–12 h 12–48 h 5–14 d
LDH 10 h 24–48 h 10–14 h

Schmerzlokalisationen bei akutem Abdomen

Tab. 13.2
Schmerz Ursache
Linker Oberbauch Pankreatitis, Myokardinfarkt, Milzerkrankung
Rechter Oberbauch Cholezystitis, Nierenkolik
Mittlerer Oberbauch Aneurysmaruptur, Pankreatitis
Bereich des Nabels Nabelhernie, mechanischer Ileus
Rechter Unterbauch Appendizitis, Zystitis
Linker Unterbauch Divertikulitis, Sigmakarzinom
Diffuse intraabdominelle Lokalisation Ileus, Aortendissektion bzw. Aortenruptur
Diffuse extraabdominelle Lokalisation Gallenkolik und Intoxikation

Notfälle und Akutsituationen

Oliver Rick

  • 13.1

    Myokardinfarkt 720

    • 13.1.1

      Kardiopulmonale Reanimation (CPR)721

  • 13.2

    Hypertensive Krise 721

  • 13.3

    Pulmonale Notfälle 723

    • 13.3.1

      Lungenembolie723

    • 13.3.2

      Asthmaanfall724

    • 13.3.3

      Exazerbierte chronische obstruktive Lungenerkrankung724

  • 13.4

    Zerebraler Insult 725

  • 13.5

    Akuter arterieller Verschluss 726

  • 13.6

    Hypoglykämie 727

  • 13.7

    Epileptischer Anfall 728

  • 13.8

    Akutes Abdomen 729

  • 13.9

    Urologische Notfälle 730

    • 13.9.1

      Harnverhalt730

    • 13.9.2

      Harnsteinkolik731

    • 13.9.3

      Urosepsis731

Myokardinfarkt

NotfälleMyokardinfarktAkutsituationenAnamnese
Z.n. vorgegangenen Infarkten, bekannte KHK, Z.n. Bypass-OPs oder Stent-Implantationen.
Risikofaktoren
Nikotinabusus, arterieller Hypertonus, Diab. mell., Fettstoffwechselstörungen.
Symptome
Retrosternale und linksthorakale Schmerzen eventuell mit Ausstrahlung in den linken Arm, beide Schultern, Unterkiefer, Oberbauch oder auch Rücken. Starkes über 30 Min. anhaltendes Druck- und Engegefühl im Brustkorbbereich, Beschwerdepersistenz trotz Nitro-Gabe und Bettruhe, Todesangst, Dyspnoe, Kälteschweißigkeit, Übelkeit und Erbrechen.

Bei alten Pat. und Diabetikern häufig atypische Symptomatik mit nur geringen Schmerzen oder isolierten Oberbauchschmerzen.

Sofortmaßnahmen und Diagnostik
  • Pat. beruhigen.

  • Oberkörperhochlagerung.

  • Messung der Vitalwerte (RR, HF, O2-Sättigung, BZ).

  • O2-Gabe über Atemmaske mind. 5–6 l.

  • I.v. Zugang und Flüssigkeitsgabe.

  • Blutabnahme zur Enzymdiagnostik (Tab. 13.1).

  • Medikamente:

    • Morphin 5 mg zur Analgesie.

    • Nitro-Spray/Kapsel (RR > 100 mmHg, HF > 50/Min., 2 Hub s.l. zur Vorlastsenkung).

    • ASS 500 mg i.v. zur Thrombozytenaggregationshemmung.

    • -Blocker (RR > 90 mmHg, HF > 50/Min.) z.B. Metoprolol 5 mg i.v. nach HF zur Senkung des kardialen O2-Verbrauchs.

    • Heparin 5000 IE i.v. zur Antikoagulation.

Parallel dazu Notarztwagen verständigen lassen.

  • Zusätzliche Maßnahmen bei Komplikationen:

    • Sedierung: Midazolam 1,12–2,5 mg i.v.

    • Übelkeit: 10–20 mg Metoclopramid i.v.

    • Linksherzinsuffizienz: Furosemid 20–40 mg i.v.

    • Kammertachykardie: Amiodaron 5 mg/kg KG über mind. 3 Min. i.v., danach Dauerinfusion über Perfusor 10–20 mg/kg KG pro 24 h, bei Unwirksamkeit Wiederholung des Bolus mit 5 mg/kg KG. Bei Erfolglosigkeit Ajmalin 25–50 mg i.v., bei Pulslosigkeit Defibrillation.

    • Bradykardie: Atropin 0,5–1 mg i. v., bei Wirkungslosigkeit Orciprenalin 0,1–0,5 mg i.v.

    • Kardiogener Schock: Kardiopulmonale Reanimation und Einsatz von Dopamin oder Adrenalin.

Keine Medikation i.m. da Verfälschung der Enzymdiagnostik.

Kardiopulmonale Reanimation (CPR)

Ein-Helfer-Methode
  • Reanimation, kardiopulmonaleKardiopulmonale ReanimationCPRPat. ansprechen: Zum Pat. hinunterknien, an den Schultern rütteln und laut ansprechen.

  • Notruf absetzen: Per Notruftelefon Klingel oder laut um Hilfe rufen.

  • Atmung:

    • Kurzer Blick in den Mundraum und ggf. Mundhöhle säubern.

    • Kopf überstrecken.

    • Eigenes Ohr über den Mund halten und Atmung prüfen.

    • Blick auf den Brustkopf richten und Hand auf den Brustkorb halten (hören, sehen, fühlen).

  • CPR:

    • Druckpunkt aufsuchen (Mitte des Thorax auf dem Sternum).

    • Beide Hände übereinander mit dem Handgelenk punktuell aufsetzen.

    • 30 Thoraxkompressionen ca. 4–5 cm tief in den Brustkorb geben, dabei Hände nicht vom Brustkorb heben und ca. ein Druck/Sek.

    • Zwei Beatmungen über Mund-zu-Mund oder Mund-zu-Nase verabreichen, bis sich der Thorax hebt, dabei entsprechend andere Luftwege zuhalten.

CPR fortsetzen bis Hilfe eintrifft und die Übernahme in den Notarztwagen erfolgt.

Hypertensive Krise

Krise, hypertensiveHypertensive KriseAnamnese
  • Bekannter arterieller Hypertonus.

  • Unterbrechen einer antihypertensiven Therapie (Rebound-Phänomen).

  • Nebennierentumor (Phäochromozytom).

  • Drogen (Kokain, Amphetamine).

Symptome
  • Akuter Blutdruckanstieg auf > 230 mmHg systolisch und/oder 130 mmHg diastolisch.

  • Kopfschmerzen und Schwindel.

  • Übelkeit und Erbrechen.

  • Sehstörungen und Nystagmus.

  • Motorische Unruhe und Verwirrtheit, Benommenheit und Bewusstseinsstörungen.

  • Krampfanfälle.

  • Stenokardien.

  • Dyspnoe, Herzinsuffizienz, Lungenödem.

  • Nasenbluten.

Sofortmaßnahmen und Diagnostik
  • Kontrolle der Vitalparameter (RR, HR, O2-Sättigung, Auskultation der Lunge), 12-Kanal-EKG ableiten und Atemfrequenz messen.

  • I.v. Zugang legen.

  • Inspektion von Halsvenen, Zyanose, Beinödeme, Nasenbluten.

  • Pupillendifferenz.

  • Pat. beruhigen.

  • Oberkörperhochlagerung.

Medikamentöse Therapie
  • Nitrolingual 2–3 Hübe bei V.a. akutem Koronarsyndrom oder akutem Lungenödem, alternativ Nifedipin 5–10 mg p.o.

Therapeutisches Ziel: Senkung des Blutdrucks um nicht mehr als 30 % innerhalb einer Stunde.

Cave: Keine Kalziumantagonisten bei akutem Koronarsyndrom.

  • Metoprolol 1–5 mg i.v., insbes. bei Reflextachykardie durch Nitro oder Nifedipin.

  • Clonidin 0,075–0,15 mg langsam i.v. besonders bei Tachykardie, Unruhe und bekannter KHK.

  • Furosemid 20–40 mg i.v.

  • Diazepam 5–10 mg i.v. zur Sedierung bei Unruhezuständen.

Medikamentöse intravenöse Maßnahmen unter Monitorkontrolle. Wenn keine rasche Blutdrucksenkung erfolgt oder rascher Wiederanstieg der Blutdruckwerte im Sinne einer hypertensiven Krise zügige Verlegung in die nächstgelegene internistische Abteilung.

Pulmonale Notfälle

Lungenembolie

Pulmonale NotfälleNotfälle:pulmonaleLungenembolieAnamnese
  • Frakturen der unteren Extremität.

  • Hüft- oder Knietotalendoprothese.

  • Große OPs.

  • Zentrale Venenkatheter.

  • Unter Chemotherapie.

  • Schwere Herz- oder Lungenerkrankung.

  • Hormonersatztherapie.

  • Bösartige Tumoren.

  • Z.n. Schlaganfall oder venöser Embolie.

  • Immobilisation oder hohes Alter.

  • Bekannte tiefe Bein- oder Beckenvenenthrombose.

Symptome
  • Akute Dyspnoe mit Erstickungsängsten.

  • Thorakales Druckgefühl (Pat. fühlt sich wie eingeschnürt).

  • Tachypnoe.

  • Tachykardie mit HF > 100/Min. in Ruhe.

  • Herzrhythmusstörungen.

  • Schwellung eines Beins mit Schmerzen.

  • Hypotonie bis hin zum Schock.

Sofortmaßnahmen und Diagnostik
  • Pat. beruhigen.

  • Oberkörper aufrichten, sitzende Körperhaltung des Pat.

  • O2-Gabe (4–6 l/Min.).

  • Vitalwerte kontrollieren (RR, HR, O2-Sättigung, Atemfrequenz).

  • 12-Kanal-EKG ableiten (SI–III oder SI-QIII-Syndrom).

Bei V.a. Lungenembolie sofortige Anforderung des Notarztwagens und Verlegung in die Akutklinik.

Medikamentöse Therapie
  • Unfraktioniertes Heparin 5000 IE i.v.

  • Bei Hypotonie: Volumengabe.

  • Bei Hypertonie Nitro s.l. 2–3 Hübe.

  • Bei kardiogenem Schock Einleitung einer kardiopulmonalen Reanimation bis Notarzt eintrifft.

  • Nach Kontrolle der Akutsymptome Maßnahmen zur Sekundärprophylaxe einleiten (frühe Mobilisation, Tragen von Antithrombose-Strümpfen bei tiefer Beinvenenthrombose, weitere medikamentöse Antikoagulation in Form von 2 täglich niedermolekularen Heparinen in gewichtsadaptierter Dosierung oder überlappende Einleitung einer oralen Antikoagulation mit einer INR von ca. 2,5 für 3–12 Mon. je nach Risikoprofil).

Diagnostik und Therapie der Bein- und Beckenvenenthrombose und Lungenembolie: http://www.uni-duesseldorf.de.

Asthmaanfall

AsthmaanfallAnamnese
  • Allergisches exogenes Asthma.

  • Nicht allergisches (intrinsisches) Asthma.

Symptome
  • Akute Dyspnoe.

  • Exspiratorischer Stridor.

  • Hustenanfälle, Angstgefühl, Erstickungssymptomatik.

Sofortmaßnahmen und Diagnostik
  • Klinische Untersuchung mit Auskultation der Lunge (evtl. Giemen und Brummen).

  • Kontrolle der Vitalparameter, insbes. O2-Sättigung.

  • 12-Kanal-EKG (evtl. Nachweis eines P-Pulmonale, Drehung der Herzachse von Indifferenz- zu Steiltyp, S1-/Q3-Typ als Zeichen einer Rechtsherzbelastung, Sinustachykardie).

  • Peak-Flow-Messung bzw. FEV1-Messung.

Medikamentöse Therapie
O2-Zufuhr über Sonde oder Maske (Ziel: Sättigung von 90 %), Bronchodilatation mittels kurz wirksamer -Agonisten (z. B. Salbutamol) in inhalativer Form, zusätzlich ggf. Anticholinergikum (z.B. Ipratropiumbromid), ebenfalls inhalativ. Zusätzlich zur Entzündungshemmung Steroide intravenös. Bei ungenügendem Ansprechen auf o.g. Medikamente, zusätzlich Theophyllin i.v.

Exazerbierte chronische obstruktive Lungenerkrankung

Lungenerkrankung, chronisch obstruktive, exazerbierteCOPD"\t"Siehe Chronisch obstruktive LungenerkrankungChronisch obstruktive LungenerkrankungAnamnese
  • Nikotinabusus.

  • Umweltverschmutzung mit Inhalation von Schwefeldioxid und Stickstoffdioxid.

  • Berufliche Belastung durch Stäube.

  • Infektionserkrankungen, insbesondere Streptococcus pneumoniae, Haemophilus influenzae und Moraxella catarrhalis und in späteren Stadien gramnegative Stäbchenbakterien wie Pseudomonas aeruginosa.

  • Vererbung.

  • Ernährung (Nitrit oder Nitritpökelsalze).

Symptome
  • Zunehmende Atemnot.

  • Auswurf und Husten.

  • Auftreten von Temperaturen >38 C.

  • Veränderung des Sputums mit grünlicher Färbung.

  • Verschlechterung des Allgemeinbefindens und der Leistungsfähigkeit.

Sofortmaßnahmen und Diagnostik
  • Körperliche Untersuchung mit Auskultation der Lunge mit Nachweis von feuchten RG.

  • Kontrolle der Vitalparameter, insbes. der O2-Sättigung.

  • Ableitung eines 12-Kanal-EKGs mit Nachweis einer Rechtsherzbelastung im Sinne eines S1-/Q3-Typs.

  • Ggf. Spirometrie mit Nachweis einer deutlich verminderten FEV1.

  • Sauerstoffgabe und Oberkörperhochlagerung.

  • Inhalationstherapie mit 2-Agonisten und Anticholinergika in rasch und kurz wirksamer Darreichungsform per inhalationem 3 täglich, zusätzlich Glukokortikoide oral oder i.v. Bei ausbleibender Wirkung Theophyllin als Infusion und/oder Gabe eines Anticholinergikums subkutan (Bricanyl).

  • BGA vor Einleitung einer Therapie und zur Kontrolle der medikamentösen Behandlung bzw. Verordnung einer ambulanten O2-Therapie.

  • Beginn einer Antibiotikatherapie, optimalerweise i.v., z.B. mit Ceftriaxon.

Anbehandlung einer exazerbierten COPD ist im Rahmen der Reha möglich, solange die oben beschriebenen Medikamente verfügbar sind und zum Einsatz kommen können. Eine intravenöse Antibiose muss gewährleistet sein und ebenfalls eine kontinuierliche O2-Gabe sowie regelmäßige Kontrollen der peripheren O2-Sättigung. Eine Spirometrie muss vorhanden sein. Bei Nichtvorhandensein der beschriebenen Maßnahmen bzw. bei weiter bestehender Symptomatik ohne Besserungstendenz ist eine rasche Verlegung in die Akutklinik indiziert.

Zerebraler Insult

Zerebraler InsultSchlaganfall"\t"Siehe Zerebraler InsultInsult, zerebralerAnamnese
  • Vorausgegangene zerebrale Ereignisse in Form einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA) bzw. eines partiell reversiblen neurologischen Defizits (PRIND).

  • Zunehmendes Lebensalter.

  • Arterieller Hypertonus.

  • Fettstoffwechselstörung und Diabetes mellitus.

  • Absolute Arrhythmie bei Vorhofflimmern.

  • Herzklappenerkrankung und Herzwandaneurysmen.

  • Nikotin- und übermäßiger Alkoholkonsum.

  • Adipositas und Antikonzeptiva.

Symptome
  • Brachiofaziale betonte Hemiparese und ggf. Hemihypästhesie und Aphasie.

  • Monoparese des kontralateralen Beins mit Sensibilitätsstörungen.

  • Zerebelläre Ataxie mit Stand- und Gangunsicherheit, Schwindel, Erbrechen, Somnolenz.

  • Doppelbilder, Nystagmus, Dyarthrie, Dysphagie, Hemiataxie, Paresen, Störungen der Extremitätensensibilität.

Sofortmaßnahmen und Diagnostik
  • Morphin 5 mg zur Analgesie.

  • Kontrolle der Vitalparameter (RR, HF, O2-Sättigung, Atemfrequenz).

  • Oberkörperhochlagerung und Legen eines venösen Zugangs.

  • Messung des Blutzuckers.

  • Ggf. O2-Zufuhr.

  • Bei Hypotonie Volumengabe mit 500 ml isomolarer Lösung.

  • Hypertensive Entgleisung tritt häufig begleitend auf und sollte sehr zurückhaltend behandelt werden, um nicht eine rasche oder gar zu nachhaltige Drucksenkung mit Verschlechterung der zerebralen Perfusion auszulösen. Ziel: Erhaltung eines hoch normalen Blutdrucks (200 mmHg systolisch und 100 mmHg diastolisch). Ausnahme: SAB und hypertensive Organkomplikation. Empfehlenswert: Kalziumantagonisten und Clonidin.

Bei V.a. zerebralen Insult ist die sofortige Verlegung optimalerweise in eine Stroke Unit notwendig, weitere therapeutische und diagnostische Schritte (z.B. CT und Lyse-Therapie) erfolgen dort.

Prävention nach zerebralem Insult
  • Kontrolle von kardiovaskulären Risikofaktoren (Hypertonie, Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörung, Nikotinabusus).

  • Orale Antikoagulation bei weiteren Risikofaktoren wie Vorhofflimmern oder Herzthromben.

  • Thrombozytenaggregationshemmung mit ASS (100–300 mg/d) in der Sekundärprävention unstrittig.

Akuter arterieller Verschluss

Arterieller Verschluss, akuterAkuter arterieller VerschlussAnamnese
  • Bekannte pAVK.

  • Herzerkrankung.

  • Herzrhythmusstörungen, insbes. Vorhofflimmern.

  • Zustand nach Bypass- oder Herzklappen-OP.

SymptomeFührend sind die Symptome bei vollständigem Ischämiesyndrom (6 Ps):
  • Pain: Plötzlich einsetzender starker Schmerz.

  • Pulseless: Distal des Verschlusses Pulslosigkeit.

  • Palness: Blässe, später Zyanose.

  • Parästhesie.

  • Paralysis: Schwäche und Bewegungseinschränkung.

  • Prostration: Schock.

Im Seitenvergleich ist die betroffene Extremität meist kühler.
Sofortmaßnahmen und Diagnostik
  • Kontrolle der Vitalparameter (HF, RR, O2-Sättigung, Atemfrequenz).

  • Ableitung eines 12-Kanal-EKGs und Messung des Blutzuckers.

  • Auskultation des Herzens.

  • Ggf. O2-Gabe.

  • Extremitäten tief lagern und i.v. Zugang legen, ggf. Infusion verabreichen.

  • Extremität möglichst polstern.

Medikamentöse Therapie
  • Morphin 5–10 mg i.v. zur Schmerzbehandlung.

  • Heparin 5000–10 000 IE i.v. zur Gerinnungshemmung.

Bei V.a. akuten arteriellen Verschluss sofortige Verlegung in die Akutklinik, optimalerweise mit Abteilung für Gefäßchirurgie.

Prävention
Je nach durchgeführter Akutintervention Fortsetzung einer Antikoagulation mit ASS als Thrombozytenaggregationshemmer oder oraler Antikoagulation bzw. niedermolekularem Heparin in gewichtsadaptierter Form.

Hypoglykämie

Unterzucker"\t"Siehe HypoglykämieHypoglykämieAnamnese
  • Inadäquat hohe Insulinzufuhr oder, seltener, zu hoch dosierte orale Antidiabetikamedikation, insbes. Sulfonylharnstoffe.

  • Zu niedrige bzw. Kohlenhydrataufnahme, insbes. nach Insulingabe.

  • Alkoholabusus.

  • Leberversagen bzw. zunehmende Leberinsuffizienz.

  • Insulin produzierender Tumor.

  • Insulinüberdosierung in suizidaler Absicht.

Symptome
  • Unruhe, Schweißausbrüche, Verwirrtheit.

  • Halluzinationen, Delirium und Krämpfe.

  • Bewusstseinstrübungen von Somnolenz bis Koma.

Sofortmaßnahmen und Diagnostik
  • Bei V.a. Hypoglykämie sofort BZ-Schnelltest. Bei klinisch symptomatischer Hypoglykämie meist Werte < 40 mg/dl.

  • Atemwege frei machen und ggf. stabile Seitenlage.

  • Vitalwerte kontrollieren (RR, HF, O2-Sättigung, Atemfrequenz).

  • 12-Kanal-EKG ableiten und i.v. Zugang legen.

  • Bei bewusstseinsklarem Pat. Glukosezufuhr oral (z.B. Traubenzucker, zuckerhaltige Getränke wie Cola etc.).

  • Bei bewusstseinseingetrübtem Pat. Glukosezufuhr i.v. mit 10%iger Glukoseinfusion.

  • Bei schwerer Hypoglykämie und somnolentem Pat. zusätzlich medikamentöse Glukosemobilisation mittels Glukagon (0,5 mg/kg KG) i.v./i.m.

Bei sich nicht rasch erholendem Pat. und weiter bestehender Somnolenz sofortige Verlegung in die Akutklinik. Jedes hypoglykäme Ereignis ist weiter abklärungsbedürftig und eine BZ-Neueinstellung erforderlich.

Erweiterte Maßnahmen
  • Laborkontrolle mittels mehrfachem BZ-Tagesprofil und HbA1c.

  • Blutzuckersenkende Medikamente reduzieren bzw. absetzen und pausieren.

  • Vorsichtige BZ-Neueinstellung.

  • Patientenschulung.

  • Bei V.a. Suizidalität rasches psychiatrisches Konsil und ggf. Verlegung in eine Psychiatrie.

  • Weitere Gründe für eine nichttraumatische Bewusstseinsstörung wie Intoxikation, Medikamentenüberdosierung, E'lytstörung, Exsikkose, endokrine Störungen oder Herzrhythmusstörungen ausschließen.

Epileptischer Anfall

KrampfanfallEpileptischer AnfallAnfall, epileptischerAnamnese
  • Angeborene Epilepsie.

  • Vergiftung z.B. durch Alkohol, Drogenmissbrauch oder Entzug.

  • Reizüberflutung.

  • Hirntumoren oder Schädel-Hirn-Trauma.

  • Entzündungen des Gehirns oder der Hirnhäute.

  • Unterversorgung des Gehirns im Rahmen eines O2-Mangels, Hypoglykämie oder Exsikkose.

  • Hyperventilation oder Schlafentzug.

  • Hitzeschock oder Stromunfall.

Symptome
  • Ein normaler Krampfanfall dauert ca. 30 Sek. bis 2 Min. Bei Anfallsdauer > 3 Min. spricht man von einem Status epilepticus.

  • Manche Pat. spüren eine sog. Aura kurz vor Anfallsbeginn. Diese äußert sich in Missempfindungen wie z.B. Kribbelparästhesien oder halluzinatorischen Ereignissen.

  • Tiefe Bewusstlosigkeit im Rahmen eines Grand-Mal-Anfalls.

  • Bei allen anderen Anfallsarten sind die Pat. zwar nicht ansprechbar, aber wach.

  • Versteifung der Muskulatur, die zu einem Sturz führen kann, gefolgt von unkontrollierten Zuckungen der Muskulatur (Myoklonien).

  • Schwache Anfälle zeigen sich häufig auch nur durch kurze geistige Abwesenheiten des Pat. (sog. Absencen).

  • Im Rahmen eines Grand-Mal-Anfalls kann es zu Urin- und Stuhlabgang kommen. Häufig sind die Pat. danach desorientiert und umdämmert. Einige Pat. fallen danach in einen sog. Terminalschlaf.

Sofortmaßnahmen und Diagnostik
Gefahren: Sekundärverletzungen im Rahmen des Sturzes oder der Zuckungen; bei Bewusstlosigkeit erschlaffende Zunge und Magensphinkter.
  • Möglichst Gegenstände in der unmittelbaren Nähe wegräumen und den Pat. nicht festhalten.

  • I.d.R. ist kein Eingreifen nötig, da der Anfall nach wenigen Min. selbstlimitierend ist.

  • Bei Bewusstlosigkeit den Pat. in stabile Seitenlage bringen und nach Ende des Anfalls Atemwege kontrollieren und frei halten.

  • Bei Atem- und/oder Herzstillstand kardiopulmonale Reanimation einleiten.

  • Stabilen Pat. vor Auskühlung schützen (zudecken) und auf einer Trage oder im Patientenbett ausschlafen lassen.

Medikamentöse Therapie
  • Bei Status Status epilepticusepilepticus medikamentöse Durchbrechung des Anfalls mit Benzodiazepinen (z.B. Lorazepam, Diazepam) rektal oder sublingual.

  • Nach Behandlung der Akutsituation ist in Absprache mit einem versierten Neurologen die Anfallsprophylaxe zu besprechen.

Inwieweit Pat. mit epileptischen Anfällen in einer stationären Reha rehabilitativ versorgt werden können bzw. inwieweit eine medikamentöse Einstellung in der Klinik erfolgen kann, hängt von der neurologischen Kompetenz der Reha-Klinik ab.

Akutes Abdomen

BauchschmerzenAkutes AbdomenAbdomen, akutesAnamnese
  • Ileus aufgrund einer Tumorerkrankung, Entzündung, eingeklemmten Hernie.

  • Generalisierte Peritonitis durch Perforation eines Hohlorgans.

  • Lokale Peritonitis durch Entzündung eines Bauchorgans.

  • Erkr. der Nieren oder ableitenden Harnwege (z.B. Nierenkoliken oder Uretersteine).

  • Extraabdominelle Erkr., z.B. ausstrahlende Schmerzen beim Myokardinfarkt.

  • Blutung im Bauchraum, wie z.B. perforiertes Aortenaneurysma.

Symptome
  • Leitsymptome: Plötzlicher und heftiger abdomineller Schmerz, Darmparalyse sowie Schocksymptomatik.

  • Häufig ist Abwehrspannung des Abdomens, in vielen Fällen begleitet von Schmerzen und Erbrechen.

  • Aus der Lokalisation der Schmerzen können mögliche Ursachen abgeleitet werden (Tab. 13.2).

Sofortmaßnahmen und Diagnostik
  • Klinische Untersuchung: Inspektion, Palpation, Auskultation und ggf. digital-rektale Untersuchung.

  • Labordiagnostik: Blutbild, CRP, CK und CKMB, Gerinnungswerte und Urinstatus.

  • Bildgebung: Sono Abdomen, Abdomenübersichtsaufnahme, Röntgen-Thorax, ggf. CT Abdomen.

  • Ggf. endoskopische Diagnostik.

  • Bei Schmerzen ausreichend Schmerzmittel verabreichen, z.B. Novaminsulfon 2,5 g als Infusion und/oder Morphin subkutan oder i.v.

  • Bei Hypotonie bzw. Exsikkose Volumensubstitution.

  • Bei krampfartigen Schmerzen Spasmolytika.

  • Bei V.a. paralytischen Ileus intravenöse Gabe von Metoclopramid in Kombination mit Neostigmin, jeweils 3 Amp. über 2–3 h.

Therapie
Richtet sich nach der Ursache des akuten Abdomens. Bei banalen Ursachen, z.B. bei mechanischem Hindernis im Darm infolge von Kotstein oder Nieren- bzw. Gallensteinen kann die Diagnostik und Therapie in einer Reha-Klinik durchgeführt werden. Bei V.a. anderweitige Ursachen ist die frühzeitige Verlegung in die Akutklinik dringend indiziert und ein weiterer Zeitverlust durch verzögerte Diagnostik und Therapie in der Reha-Klinik sollte vermieden werden.

Urologische Notfälle

Harnverhalt

Urologische NotfälleNotfälle:urologischeHarnverhaltAnamnese
  • Harnröhrenobstruktion in Form von Stenose/Striktur, Harnröhrenkonkrement, Harnröhrenkarzinom, Peniskarzinom, Fremdkörper, Phimose.

  • Blasenhalsobstruktion bei Prostatahyperplasie, Prostatakarzinom, Blasentumor, Blasenstein, Blasenhalssklerose.

Symptome
  • Beim akuten Harnverhalt kann die Harnblase willentlich nicht entleert werden.

  • Häufig quälende suprapubische Schmerzen.

  • Harnblase ist prall gefüllt und es besteht starker Harndrang.

  • Darüber hinaus bestehende Symptome aufgrund der Grunderkrankung.

Sofortmaßnahmen und Diagnostik
  • Klinische Untersuchung mit Palpation, Perkussion der Blase.

  • Auffällig ist eine Vorwölbung im Unterbauch und starker Druckschmerz.

  • Sono Abdomen und auffällige große und sehr gefüllte Blase.

  • Anlage eines Einmalkatheters bzw. Dauerkatheters transurethral.

  • Bei wiederholtem Harnverhalt ggf. Anlage eines suprapubischen Katheters.

  • Bei kreislaufinstabilen Pat. kann die schnelle Druckentlastung zum plötzlichen Blutdruckabfall führen Kreislaufüberwachung.

Die weitere Klärung eines akuten Harnverhalts sowie weiterführende Therapie sollte dann in der Akutklinik erfolgen.

Harnsteinkolik

HarnsteinkolikAnamnese
Nahezu immer bedingt durch ein Konkrement im Nierenbecken oder des Ureters.
Symptome
  • Führend ist das Schmerzereignis mit dem Schmerzzentrum im Bereich der Flanke oder des Harnleiterverlaufs.

  • Schmerzcharakteristik ist scharf bis stechend, z.T. wellen- oder wehenartig.

  • Unruhiger Pat., krümmt sich vor Schmerzen und nimmt Hockstellung ein.

  • Brechreiz, Schweißausbruch, Kollapsneigung oder auch paralytischer Ileus.

Sofortmaßnahmen und Diagnostik
  • Körperliche Untersuchung und Lokalisation des Schmerzzentrums.

  • Urinuntersuchung mit Kultur und Sediment.

  • Abdomen- insbes. Nierensono und möglicherweise Darstellung einer Nierenstauung.

  • Nierenleeraufnahme.

  • Beherrschung einer Schocksymptomatik mit ggf. Volumengabe.

  • Einsatz eines starken Schmerzmittels wie z.B. Metamizol 2,5 g i.v., ggf. Opiate.

  • Einsatz eines Atropinderivats wie z.B. Buscopan.

Sollte sich durch die Maßnahmen die Symptomatik nicht rasch und deutlich verbessern, ist zur weiteren endoskopischen Intervention die Verlegung in die Akuturologie indiziert.

Urosepsis

UrosepsisAnamnese
  • Fast ausnahmslos durch gramnegative Enterobakterien (E. coli, Klebsiella, Enterobacter, Proteus, Citrobacter), Enterokokken, Pseudomonas ausgelöst.

  • Prädisponierende Faktoren: Obstruktive Harnabflussstörungen, entzündliche Vorerkr. wie Pyelonephritis, Organabszedierungen wie Nierenabszess oder iatrogene Inf. nach endoskopischen Eingriffen, Katheterismus und OPs am Urogenitalsystem.

Symptome
  • Im Vordergrund steht hohes Fieber mit weiterem Anstieg, häufig in Kombination mit Schüttelfrost.

  • Tachykardie und Tachypnoe sowie periphere Zyanose.

  • Hypotonie mit Schocksymptomen und verminderter Urinausscheidung bis hin zur Anurie.

Sofortmaßnahmen und Diagnostik
  • Kontrolle der Vitalparameter (RR, HF, O2-Sättigung, Atemfrequenz).

  • Engmaschige Temperaturkontrolle.

  • Labor mit Blutbild, Kreatinin, Harnstoff, Bilirubin im Serum, E'lyten, CRP.

  • Urindiagnostik mit Kultur und Sediment.

  • Blutkultur.

  • Ein- und Ausfuhrkontrolle.

  • BGA.

  • Sono der ableitenden Harnwege.

  • Antibiotikatherapie: Da i.d.R. bei Erstdiagnose kein Keimnachweis vorliegt, muss mit einer breiten Antibiose begonnen werden. In Frage kommt Ceftriaxon + Aminoglykosid oder alternativ Piperacillin + Combactam.

Bei kreislaufstabilen Pat. und rascher Entfieberung kann die weitere Therapie in der Reha-Klinik erfolgen. Verschlechtert sich der Pat. bzw. bestehen weiterhin Temperaturen, ist dringend die Verlegung in die Akutklinik indiziert.

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