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B978-3-437-23144-5.00005-7

10.1016/B978-3-437-23144-5.00005-7

978-3-437-23144-5

Abb. 5.1

[L106]

Schmerzlokalisation bei Migräne MigräneSchmerzlokalisation

Abb. 5.2

[L106]

Schmerzlokalisation bei Spannungskopfschmerz

Abb. 5.3

[L106]

Schmerzlokalisation bei Cluster-Kopfschmerz

Abb. 5.4

[L106]

Lokalisation u. DD der GesichtsschmerzenGesichtsschmerzLokalisationGesichtsschmerzDifferenzialdiagnose

Symptomatische Kopfschmerzen IschämiezerebraleVertebralisdissektionVasokonstriktionssyndrom, reversibles zerebralesVaricella-Zoster-InfektionSinusvenenthrombose (SVT)SinusitisPseudotumor cerebriOtitis mediaMeningitisLiquorunterdrucksyndromKrisehypertensiveKopfschmerzsekundärerKopfschmerzposttraumatischerKarotisdissektionBlutungintrazerebraleHypertensionidiopathische intrakranielleHeadache and Neurological Deficits with Lymphocytic pleocytosisGlaukomanfallEnzephalitisClaudicatio masticatoriaArteriitistemporalisRCVS

Tab. 5.1
Diagnose Beginn und Dauer, Besonderheiten Charakter und Lokalisation Begleitsymptome Diagnostik
Anfallsartiger Kopfschmerz
Hypertensive Krise Oft nach physischem o. psychischem Stress Heftiger diffuser Kopfschmerz Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Sehstör., Verwirrtheit, Nasenbluten, evtl. Angina-pectoris-Anfall RR-Messung, internistische Unters.
Glaukomanfall Vor allem im Alter von > 40 J. Stirnkopfschmerz, einseitig z. T. Erbrechen u. konjunktivale Injektion, Pupille mydriatisch u. lichtstarr Intraokuläre Druckmessung
„Headache and Neurological Deficits with Lymphocytic pleocytosis (HaNDL)“ Transiente Defizite (v. a. Hemihypästhesie/-parese, Dysphasie) begleitet/gefolgt von Kopfschmerzen Migräniformer Kopfschmerz Liquorpleozytose (> 15/µl), Schrankenstör. LP, MRT, Erregerdiagn. (Ausschlussdiagnose!)
Schlagartig auftretender Kopfschmerz
SAB (8.3) Plötzlich (explosionsartig) Stärkster Kopfschmerz (Vernichtungskopfschmerz) Übelkeit, Erbrechen, Meningismus, HN-Ausfälle o. andere Herdsympt.; Bewusstseinstrübung LP nach cCT/MRT, Angio, Doppler
Reversibles zerebrales Vasokonstriktionssy. (RCVS) Rezidivierend explosionsartig Vernichtungskopfschmerz meist mit kürzerer Dauer als bei SAB, gefolgt von persistierendem dumpf-drückendem Kopfschmerz (Transiente) fokal-neurol. Defizite, epileptische Anfälle cCT/MRT, Angio: multiple Gefäßeinschnürungen, SAB/ICB/Infarkt möglich
Intrazerebrale Blutung (8) Evtl. Tage bis Wo. prodromaler morgendlicher Kopfschmerz Meist halbseitig Übelkeit, Erbrechen, Bewusstseinsstör., epileptische Anfälle, Herdsympt. cCT/MRT
Zerebrale Ischämie (7) Plötzlich einsetzend; v. a. bei Ischämien im hinteren Stromgebiet Uncharakteristisch Herdsympt. der Ischämie MRT/cCT
Subakuter Kopfschmerz
Meningitis, Enzephalitis (9.3.1) Meist über Tage zunehmend Diffus Meningismus, Fieber, Lichtscheu, Erbrechen, evtl. Herdsympt., Bewusstseinsstör. cCT/MRT, Liquor, EEG
SVT (7.8) Meist über Tage zunehmend Diffus Übelkeit, Erbrechen, evtl. Fieber, Meningismus, Herdsympt. (auch bilateral), epileptische Anfälle, Bewusstseinsstör. cCT/MRT mit KM, venöse MRA
Karotis-/Vertebralisdissektion (7.3.1, 7.3.2) Meist Trauma in der Anamnese Ziehende Hals-/Nacken- o. Hinterkopfschmerzen Horner-Sy. bei Karotisdissektion; Sympt. einer evtl. zerebralen Ischämie cCT/MRT, CTA/MRA, Doppler/Duplex
Liquorunterdruck-Sy. (26.4) Unterschiedliche Dauer/fluktuierend.
Symptomatisch nach LP (mit Latenz von bis zu 48 h) o. spontan
Orthostatischer Kopfschmerz HN-Stör. möglich (v. a. N. abducens) MRT/cCT, ggf. MR- o. CT-Myelografie bei spontanem Liquorunterdruck-Sy. zur Suche nach Leck
Subdurales/epidurales Hämatom (SDH/EDH) Latenz zum Trauma: Min. bis wenige Tage SDH: meist diffusM
EDH: auch halbseitig (ipsilat.)
fast immer fokal-neurol. Defizite (Bewusstsein) cCT/MRT
„HWS-Beschleunigungstrauma“ Beginn < 1 Wo. nach HWS-Distorsion o. SHT, bis zu Wo. anhaltend Zusätzlich Nacken- u./o. Schulter-Arm-Schmerzen Häufig Schwindel u. Konzentrationsstör. Rö, cCT/MRT, Doppler/Duplex
Arteriitis temporalis/cranialis (7.5.2) Dauerschmerz über Wo., meist > 50. Lj Temporal betont, dumpf.
Schmerzen beim Kauen („Claudicatio masticatoria“)
A. temporalis geschwollen u. druckempfindlich; Sehstör. BSG/CRP-, Duplex/Biopsie der A. temporalis
Herpes zoster (9.4.4) Kann der Bläschenbildung vorausgehen Dermatomal; heftiger brennender Dauerschmerz Ggf. trigeminoautonome Sympt. (falls V1 betroffen) Hautbefund, LP, PCR
Sinusitis Abhängig von der Kopflage (häufig verstärkt beim Vornüberbeugen) Häufig frontal Nervenaustrittspunkte druckschmerzhaft Rö-NNH, CT-NNH o. Sono
Otitis media Druckschmerzhafter Tragus Hörminderung, Fieber HNO-ärztliche Unters.
Para-/postinfektiös Tage andauernd.
Infekt in Anamnese
Diffus Kein Meningismus, keine fokalen Ausfälle Fokussuche
Chronischer Kopfschmerz
Intrakranielle Raumforderung (13) Dauerkopfschmerz Meist diffus, dumpf, drückend, lageabhängig, selten lokalisiert Evtl. Hirndruckzeichen (4.7), fokale neurol. Ausfälle cCT/MRT mit KM, EEG, LP
Pseudotumor cerebri/idiopathische intrakranielle Hypertension (26.3) Dauerkopfschmerz; häufig junge adipöse F Diffus STP, Optikopathie, Abduzensparese(n) Liquordruckmessung, MRT („empty sella“)
Art. Hypertonie Stunden bis Tage andauernd, Maximum morgens Diffus Hypertonus, intermittierend neurol. Ausfälle (Langzeit-)RR-Messung
„HWS-Beschleunigungstrauma“ Persistenz > 3 Mon. nach Trauma Häufig migräniform Offenes jurist. Verfahren?
Zervikogener Kopfschmerz Dauerkopfschmerz (mit Exazerbationen), auch episodenhafter Schmerz möglich Einseitig ohne Seitenwechsel, von nuchal nach frontal ausstrahlend, dumpf bohrend o. stechend, Zunahme bei Kopfbewegungen, Husten, Niesen, Pressen HWS-MRT (CT)

Charakteristika der trigeminoautonomen Kopfschmerzerkrankungen im Vergleich zur Trigeminusneuralgie TrigeminusneuralgieHemikranieparoxysmaleCluster-Kopfschmerz

Tab. 5.2
Cluster-Kopfschmerz Paroxysmale Hemikranie SUNCT/SUNA Trigeminusneuralgie
Attackendauer 15–180 Min. 2–30 Min. 5–240 s Sekunden bis max. 2 Min.
Attackenfrequenz 0,5–8/24 h 5–15/24 h 3–200/24 h Sehr häufig
Lokalisation (Peri-)orbital, frontal, temporal N. V 2/3/1
Begleitsympt. Vegetative Begleitsympt. z. T. Tic douloureux

Kopf- und Gesichtsschmerz

Till Sprenger

Thomas R. Tölle

Achim Berthele

  • 5.1

    Kopfschmerz200

    • 5.1.1

      Systematik200

    • 5.1.2

      Anamnese200

    • 5.1.3

      Warnsymptome (Red Flags)200

    • 5.1.4

      Migräne204

    • 5.1.5

      Kopfschmerz vom Spannungstyp208

    • 5.1.6

      Trigeminoautonome Kopfschmerzen209

    • 5.1.7

      Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch211

    • 5.1.8

      Weitere idiopathische Kopfschmerzsyndrome212

  • 5.2

    Gesichtsschmerz212

    • 5.2.1

      Trigeminusneuralgie212

    • 5.2.2

      Glossopharyngeusneuralgie214

    • 5.2.3

      Sonstige Neuralgien215

    • 5.2.4

      Tolosa-Hunt-Syndrom215

    • 5.2.5

      Anhaltender idiopathischer Gesichtsschmerz216

    • 5.2.6

      Myoarthropathie/kraniomandibuläre Dysfunktion (CMD/TMD)216

Kopfschmerz

Systematik

Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (IHS) unterteilt Kopfschmerzen in zwei Hauptgruppen:
KopfschmerzprimärerPrim. Kopfschmerzen: idiopathisch.
  • Häufig: Migräne, Kopfschmerz vom Spannungstyp.

  • Selten: Cluster-Kopfschmerz (5.1.7) u. andere trigeminoautonome Kopfschmerzerkr. (5.1.7) → phänomenologische (operationale) Klassifikation.

Sek. KopfschmerzenKopfschmerzsekundärer: symptomatisch → Ätiologische Klassifikation (z. B. Kopfschmerz bei Karotisdissektion).
Klassifikation online unter: www.ihs-klassifikation.de.

Anamnese

  • Qualität: Pulsierend, drückend, stechend, spitz, dumpf; neu, geändert, nie gekannt.

  • Intensität: Am besten mittels Analogskala (0 = kein Schmerz bis 10 = schwerster vorstellbarer Schmerz). Arbeiten o. Schlafen möglich?

  • Lokalisation: Holozephal, halbseitig, fokal.

  • Beginn u. Verlauf: Plötzlich o. schleichend.

  • Dauer u. Häufigkeit.

  • Begleitsympt.: z. B. Erbrechen o. andere autonome Zeichen, Licht- o. Lärmscheu, Fieber.

  • Auslöser: Stress, körperl. Belastung, spez. Tätigkeiten/Situationen, Menstruation.

  • Vorerkr., Traumata.

  • Medikamentenanamnese.

Warnsymptome (Red Flags)

Von einem symptomatischen Kopfschmerz (Tab. 5.1) muss bis zum Beweis des Gegenteils ausgegangen werden bei:
  • Apoplektiform auftretende Vernichtungskopfschmerzen.

  • Schmerzen einer bislang nicht bekannten Intensität.

  • Änderung vorbekannter Kopfschmerzen.

  • Meningismus, Allgemeinsympt. (Fieber).

  • Herdneurol. Ausfälle, STP.

  • Epileptische Anfälle.

  • Neuropsychologische Auffälligkeiten (z. B. Vigilanzstör.).

  • Ungewöhnliches Manifestationsalter.

  • Ther.-Resistenz.

Bei diesen „Red Flags“ Abklärung mit weiterführenden (apparativen) Methoden notwendig.

Bei akutem stärkstem Kopfschmerz immer CT o. MRT. Wenn o. B., LP (zum Ausschluss von SAB o. entzündl. Genese).

Migräne

  • Prävalenz F 12–14 %, M 6–8 %, Kinder 3–5 %. Familiäre Belastung in > 60 %.

  • Erkr.-Beginn 10.–40. Lj; höchste Inzidenz von Migräneattacken im 35.–45. Lj.

Einteilung
  • Migräneo. AuraMigräne ohne Aura (ICD-10 G43.0): 80–90 %, einseitig, pulsierend, mittl. bis starke Intensität, Verstärkung bei körperl. Routinetätigkeiten u. ein Begleitsympt. (Erbrechen u./o. Übelkeit, Foto- u. Phonophobie).

  • Migränem. AuraMigräne mit Aura (ICD-10 G43.1): 10–20 %.

    • Aurasympt. mit Dauer < 60 Min. gehen dem Kopfschmerz voraus (freies Intervall ≤ 1 h), können aber zu Beginn der Kopfschmerzen noch vorhanden sein.

    • !

      Beim gleichen Pat. können Migränepisoden sowohl mit als auch ohne Aura auftreten.

  • Aurao. KopfschmerzAura ohne Kopfschmerz: Isolierte Auren = typ. Aura ohne Kopfschmerzen bei bekannter Migräne mit Aura.

  • MigränechronischeChron. Migräne: Episodische Migräne in der Anamnese, in mind. 3 Mon. Kopfschmerzen an ≥ 15 d/Mon., davon jeweils ≥ 8 d Migräne.

  • Seltene Sonderformen:

    • Migränem. Hirnstamm-AuraMigräne mit Hirnstamm-Aura (Migräne vom Basilaristyp): mind. 2 Hirnstammsympt. begleitet/gefolgt von Kopfschmerzen.

    • MigräneretinaleRetinale Migräne: Wie Migräne ohne Aura, zusätzlich Visusverlust eines Auges; reversibel nach < 1 h.

    • Migränefamiliäre hemiplegischeFamiliäre hemiplegische Migräne (FHM): Wie Migräne mit Aura, zusätzlich begleitende Hemiparese für Stunden bis Tage. Aut.-dom. Vererbung (mehr als 3 Gene als ursächlich identifiziert, in 50 % d. F. ist der CACNA1A-Genlokus [FHM1] betroffen), bei fehlender Familienanamnese evtl. sporadische hemipleg. Migräne.

    • Neuropathieophthalmoplegische, schmerzhafte „Ophthalmoplegische Migräne“: Keine Migräne, sondern schmerzhafte Neuropathie v. a. des N. oculomotorius (12.3.1).

    • MigränevestibuläreVestibuläre Migräne: Schwindelattacken von Min. bis 72 h Dauer; mind. 50 % der Attacken begleitet von Sympt. einer Migräne.

Migränem. Hirnstamm-AuraMigräne mit Hirnstamm-Aura: Bis zum Beweis des Gegenteils muss von einem sympt. Kopfschmerz ausgegangen werden (z. B. Hirnstammischämie). Zügige differenzialdiagnostische Abklärung!

Auslöser
  • Stress, Wetterwechsel, Alkohol, Nahrung (Rotwein, Käse, Schokolade), Änderung des Schlafrhythmus, Hormone (Pille, Menstruation).

  • Menstruelle Migräne: Regelmäßiges Auftreten um den Zeitpunkt der Menstruation.

Klinik
  • Häufig einseitiger Attackenkopfschmerz von 4–72 h Dauer (Abb. 5.1).

  • Prodromalsympt.: Depressive Verstimmung, erhöhte Irritabilität, Hyperaktivität, ständiges Gähnen, Heißhunger.

  • Aura: Passagere fokal-neurol. Ausfälle wie Flimmerskotom, Lichtblitze, Fortifikationen (gezackte Lichtkonturen), homonymer Gesichtsfeldausfall, einseitige Sensibilitätsstör., einseitige Paresen, Sprachstör.

  • Seitenwechsel o. bds. Lokalisation möglich.

  • Qualität: Pulsierend, bohrend, pochend, bei manchen Pat. drückend.

  • Intensität: Mittel bis schwer; oft weitere Zunahme bei körperl. Aktivität; beeinträchtigt Aktivitäten des tgl. Lebens.

  • Begleitsympt.: Appetitlosigkeit, Übelkeit u. Erbrechen, Foto-, Phonophobie, Schwindel, Benommenheit. Teilweise Geruchsüberempfindlichkeit.

Komplikationen
  • Status migraenosus: Status migraenosusAndauern der Beschwerden trotz Behandlung > 72 h (kontinuierlich o. mit beschwerdefreien Intervallen < 4 h).

  • Migränöser Infarkt: InfarktmigranöserSehr selten; Risikofaktoren: Migräne mit Aura, F < 45 J., orale Kontrazeption, Nikotinabusus; v. a. hinteres Stromgebiet.

DiagnostikKranielle Bildgebung u. ggf. weitere Zusatzdiagn. erforderlich bei:
  • Erstmanifestation > 50 J.

  • Atypischem Beginn der Attacke (z. B. DD: SAB), atypischen Sympt. (z. B. Fieber, Meningismus, epileptischer Anfall), atypischer Dauer der (Begleit-)Sympt.

  • Wesentlicher Änderung der Sympt. bei bekannter Migräne.

DifferenzialdiagnosenPrim. trigeminoautonome Kopfschmerzen (5.1.7), Spannungskopfschmerz, symptomatischer Kopfschmerz bei zerebrovask. o. entzündl. Erkr., Raumforderungen.

DD v. a. bei Migräne mit Aura u. Sonderformen der Migräne abklären.

Therapie
Attackenkupierung: Subjektive Erleichterung z. B. durch Dunkelheit, Ruhe, Eisbeutel; Auslösefaktoren vermeiden (z. B. bestimmte Nahrungsmittel).
Antiemetika: Verbessern GIT-Begleitsympt. u. Resorption der Analgetika.
  • Metoclopramid: 10 mg p. o./rektal o. i. v.; max. 30 mg/d oder

  • Domperidon: 10 mg p. o. (Tbl.); max. 30 mg/d.

  • NW: (Schwere) Herzrhythmusstörungen, v. a. bei älteren Pat.; EPS (v. a. bei Metoclopramid).

  • KI: Bekannte Hyperkinesien, Epilepsie; Herzerkrankungen, andere QTc-Zeit-verlängernde Medikamente.

Analgetika:
  • Bei leicht- bis mittelgradigen Kopfschmerzen:

    • ASS 1.000 mg p. o. als Brause- o. Kautbl. oder

    • Ibuprofen-Lysinat 400 mg p. o. o. Ibuprofen 400–600 mg p. o./rektal oder

    • Diclofenac-Kalium 50–100 mg p. o. oder

  • Paracetamol (1.000 mg p. o./rektal) Mittel der 2. Wahl.

  • !

    Paracetamol Mittel der 1. Wahl in Schwangerschaft/Stillzeit

  • Komb.-Präparate sind gut wirksam, werden jedoch wegen der höheren Gefahr, einen Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch zu entwickeln, nicht empfohlen.

  • Opioide vermeiden.

Triptane:
  • Bei schweren Kopfschmerzattacken, wirken auch gegen Begleitsympt. der Migräneattacke.

  • Wirken nicht gegen Aurasympt. u. nicht in der Auraphase; Wiederauftreten der Kopfschmerzen innerhalb von 24 h nach initial gutem Behandlungserfolg möglich (Wiederkehrkopfschmerz/Recurrence).

  • NW: Druck-, Wärme-/Kälte- u. Schweregefühl, v. a. thorakal, passagere Benommenheit, Parästhesien, Lokalreaktion bei Injektion, Atemnot, Hypotonie, Brady- o. Tachykardie.

  • Triptane sind bei Migräne mit Hirnstammaura o. hemipl. Migräne kontraindiziert.

  • Triptane nicht während einer Aura anwenden (Risiko einer Ischämie durch vasokonstriktive Wirkung).

  • Bei Recurren Wdh. der Triptan-Gabe nicht vor 2 h.

  • Triptane an max. 10 d/Mon. anwenden (Gefahr eines Kopfschmerzes bei Medikamentenübergebrauch). Cave: Selbstmedikation (Naratriptan und Almotriptan rezeptfrei)!

    • Weitere KI: Kardiovask. Komorbitäten: Hypertonie, KHK/Herzinfarkt, Schlaganfall/TIA, PAVK, Raynaud-Sy.; Anwendung von Ergotaminen o. MAO-Inhibitoren.

  • Dosierung:

    • SumatriptanSumatriptan: p. o. (50[–100] mg, max. 300 mg in 24 h), s. c. (6 mg, max. 12 mg in 24 h), nasal ([10–]20 mg, max. 40 mg in 24 h); bei starker Übelkeit o. Erbrechen s. c. 1. Wahl.

    • AlmotriptanAlmotriptan: p. o. (12,5 mg, max. 25 mg in 24 h); weniger NW als Sumatriptan bei ähnlicher Wirksamkeit; auch rezeptfrei erhältlich.

    • EletriptanEletriptan: p. o. (40[–80] mg, bei eingeschränkter Nierenfunktion 20 mg; max. 80 mg [40 mg] in 24 h); 80 mg Eletriptan ist gegenüber Sumatriptan (oral) wirksamer; niedrige Recurrencerate.

    • FrovatriptanFrovatriptan: p. o. (2,5 mg, max. 5 mg in 24 h); weniger wirksam als Sumatriptan, lange HWZ: bei häufiger Recurrence erwägen.

    • NaratriptanNaratriptan: p. o. (2,5 mg, max. 5 mg in 24 h), bei Recurrence erneute Einnahme nicht vor 4 h; weniger NW u. geringere Recurrencerate, langsamere u. geringere Wirkung als Sumatriptan; auch rezeptfrei erhältlich.

    • RizatriptanRizatriptan: p. o. (Tbl./Schmelztbl., 10 mg, max. 20 mg in 24 h; bei Propranolol o. eingeschränkter Nieren- o. Leberfunktion 5 mg, max. 10 mg in 24 h); etwas besser wirksam als Sumatriptan.

    • ZolmitriptanZolmitriptan: p. o. (Tbl./Schmelztbl.), nasal, ([2,5–]5 mg, max. 10 mg in 24 h); NW u. Wirksamkeit wie Sumatriptan.

Ergotamine: Ergotamintartrat 2 mg p. o.; nur bei bereits darauf eingestellten Pat.
  • !

    Cave: Keine Komb. von Triptanen u. Ergotaminen innerhalb von 24 h.

Notfallbehandlung der schweren Migräneattacke

  • ASS 1.000 mg i. v. als Kurzinfusion. Cave: Nur nach Ausschluss einer intrazerebralen Blutung! Oder:

  • Metamizol 1.000 mg i. v. als Kurzinfusion. Cave: RR-Abfall! Oder:

  • Sumatriptan 6 mg s. c., ggf. Wdh. (frühestens nach 2 h), max. Dosis 12 mg/24 h.

Status migraenosus (Attacke > 72 h)

Status migraenosusTherapieZusätzlich einmalig Glukokortikoide (z. B. Prednison 50–100 mg p. o. o. Dexamethason 10 mg i. v.) u. ggf. Benzodiazepine zur Sedierung.MigräneTherapie
Prophylaxe
Ind. für Langzeitprophylaxe:
  • ≥ 3 Attacken/Mon. in den letzten 3 Mon.

  • Regelmäßig Attacken > 72 h.

  • Unwirksamkeit/Unverträglichkeit der Medikamente zur Attackenkupierung.

  • Regelmäßig Arbeitsunfähigkeit durch Attacke.

  • Wiederholt Aura mit fokal neurol. Ausfällen.

  • Patientenwunsch.

  • Kopfschmerztagebuch führen (z. B. Kieler Kopfschmerzkalender)!

  • Pat. über realistische Behandlungsziele aufklären: 50 % Reduktion der Attackenhäufigkeit, evtl. auch Besserung der Attackenschwere.

  • Effekt der Prophylaxe erst nach 4–6 Wo. beurteilbar.

  • Ausdauersportarten, Stressbewältigung, Entspannungstechniken (v. a. progressive Muskelrelaxation nach Jacobson) als Begleitther.

Medikamente der 1. Wahl:
  • Metoprolol: Selektiver β1-Adrenorezeptorblocker. 50–200 mg/d, möglichst in retardierter Form, oder

  • Propranolol: Nichtselektiver β-Adrenorezeptorblocker. 40–240 mg/d, möglichst in retardierter Form.

  • Beginn mit 50 mg/d (Metoprolol) bzw. 40 mg/d (Propranolol), wöchentlich um 50 mg/d bzw. 40 mg/d steigern.

    • NW (u. a.): Müdigkeit, Hypotonie, Schlafstör.

    • KI: AV-Block, Sinusknotensy., Herzinsuff., Bradykardie, Asthma bronchiale.

  • Flunarizin: Kalziumantagonist. 5 mg/d (F) bzw. 10 mg/d zur Nacht. 1. Wahl bei Hypotonie.

    • NW (u. a.): Müdigkeit, Appetitsteigerung.

    • KI: Parkinson-Sy., Depression, Schwangerschaft/Stillzeit.

  • Topiramat: 25–100 mg/d in 2 ED. Beginn mit 1 × 25 mg/d, alle 7–14 d Dosiserhöhung um 25 mg/d, auch bei chron. Migräne wirksam.

  • Valproat: Beginn mit 500 mg/d, Zieldosis 500–1.500 mg/d retard in 2 ED.

  • In Deutschland zur Migräneprophylaxe zugelassen: Metoprolol, Propranolol u., wenn Betablocker nicht wirksam o. kontraindiziert, Topiramat u. Flunarizin.

  • Bei Unwirksamkeit kann Valproat (cave: Nur bestimmte Hersteller) zulasten der GKV verordnet werden (zugelassener Off-label-Use nach Anlage VI der Arzneimittel-Richtlinie).

Medikamente der 2. Wahl:
  • Amitriptylin (50–150 mg/d): Wirksamkeit wahrscheinlich mit Topiramat vergleichbar; v. a. bei gleichzeitiger Depression zu empfehlen.

  • Timolol, Bisoprolol: Wahrscheinlich wirksam.

  • Venlafaxin (75–150 mg/d): Möglicherweise wirksam.

  • Gabapentin (1.200–2.400 mg/d): Wahrscheinlich wenig wirksam.

  • Lamotrigin: Zur Reduktion der Attackenfrequenz unwirksam; verringert aber wahrscheinlich die Häufigkeit von Auren.

  • Botulinumtoxin: Bei episodischer Migräne nicht wirksam; bei chron. Migräne ist Botulinumtoxin A (BOTOX®) als 2. Wahl zugelassen.

Kurzzeitprophylaxe bei menstrueller Migräne: Naproxen 2 × 500 mg/d, alternativ Frovatriptan 2,5 mg 1–2 ×/d, 2 d vor Beginn bis zum Ende der Regelblutung, max. über 7 d. Wechsel o. Absetzen des Ovulationshemmers erwägen (rein gestagenhaltige Präparate günstiger).

Interventionelle Verfahren: Der Verschluss eines koexistenten PFO ist bei der Migräne mit Aura nicht wirksam. Zur Durchtrennung perikranieller Muskeln gibt es keine zuverlässige wissenschaftliche Evidenz.

Kopfschmerz vom Spannungstyp

ICD-10 G44.2. Prävalenz: Kopfschmerzv. SpannungstypEpisodischer SpannungskopfschmerzSpannungskopfschmerz 20–30 %, chron. Spannungskopfschmerz 2–3 %. F etwas häufiger als M; Beginn v. a. im 2. Ljz.
KlinikÜberwiegend bilateraler Kopfschmerz von 30 Min. bis zu Tagen Dauer (Abb. 5.2). Episodischer Spannungskopfschmerz an < 180 d/J., chron. Spannungskopfschmerz an > 180 d/J.
  • Qualität: Dumpf drückend, ziehend, Schraubstock- u. Schweregefühl. Muskelverspannungen häufig.

  • Intensität: Leicht bis mittel.

  • Beeinträchtigt Aktivitäten des tgl. Lebens nicht, keine Zunahme bei körperl. Aktivität o. durch bestimmte Kopf- o. Körperhaltungen.

  • Keine Übelkeit, keine begleitenden fokal neurol. Defizite, keine Aura.

DiagnostikBildgebung bei Erstmanifestation sinnvoll, bei zusätzlichen Hinweisen auf sympt. Kopfschmerzleiden notwendig.
TherapieStress vermindern, Entspannungsübungen, autogenes Training, Ausdauersport.
Episodischer Kopfschmerz vom Spannungstyp: Bei Bedarf (restriktiver Einsatz):
  • Paracetamol 500–1.000 mg p. o. o. rektal oder

  • ASS 500–1.000 mg p. o. oder

  • andere NSAR (z. B. Ibuprofen).

  • Auch topisch appliziertes Pfefferminzöl kann wirksam sein (für Kinder geeignet)!

  • Keine Dauereinnahme (Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch!), max. 7–10 ×/Mon.

  • Keine Tranquilizer o. Opioide (Suchtpotenzial!)

Chron. Kopfschmerz vom Spannungstyp:
  • !

    Analgetikarestriktion.

  • Medikamentöse Prophylaxe bei Spannungskopfschmerzen ≥ 15 d/Mon. über mind. 3 Mon bzw. wenn Lebensqualität eingeschränkt:

    • Amitriptylin 50–100 mg/d p. o., möglichst retardiert, o. Amitriptylinoxid 30–90 mg/d. Beginn mit 10 mg am Abend, wöchentlich um 10–25 mg/d steigern; Wirkung üblicherweise nach einigen Wo.; Behandlung über mind. 6 Mon. in wirksamer Dosis, danach ggf. Ausschleichversuch.

    • Alternative Substanzen: Mirtazapin 15–30 mg abends, Venlafaxin, Doxepin, Imipramin, Clomipramin.

    • SSRI wahrscheinlich unwirksam.

Trigeminoautonome Kopfschmerzen

KopfschmerztrigeminoautonomerSyn.: trigeminoautonome CephalgienZephalgie (TAC). Starke periorbitale Kopfschmerzen mit begleitenden ipsilateralen autonomen Sympt. (Lakrimation, Rhinorrhö, Ptosis, Miosis etc.).
Cluster-Kopfschmerz
Cluster-KopfschmerzKopfschmerzCluster-ICD-10 G44.0. Prävalenz < 1 %, M : F = 5 : 1. Erkr.-Beginn zwischen 20. u. 40. Lj.
KlinikStreng einseitige periorbitale episodische Schmerzattacken (Frequenz 0,5–8/24 h; Abb. 5.3) von 15–180 Min. Dauer mit fester tageszeitlicher (am häufigsten 1–3 Uhr nachts) u. häufig auch jahreszeitlicher Bindung (meist 2–12 Wo.; Tab. 5.2).
  • Qualität: Brennend („glühende Nadel“), bohrend.

  • Intensität: Meist unerträglich (Suicide HeadacheSuicide Headache).

  • Ipsilaterale vegetative Begleitsympt.: Tränenfluss, konjunktivale Injektion, nasale Kongestion, Rhinorrhö, Schwitzen u. Rötung von Stirn u. Wange, Miosis o. Ptosis u. periorbitales Ödem, Völlegefühl im Gehörgang.

  • Bewegungsunruhe.

  • Auslösende Faktoren: Alkohol, Histamin, Glyzeroltrinitrat, Aufenthalt in großer Höhe.

  • Sonderform: Chron. Cluster-Kopfschmerz bei fehlender Remission von mind. 1 Mon.

DiagnostikBei Erstmanifestation o. fokal-neurol. Defiziten cMRT und Halsgefäßdarstellung.
DifferenzialdiagnosenGlaukomanfall, Sinusitis, Pathologien im Sinus cavernosus bzw. der. A. carotis, Arteriitis temporalis/cranialis.
Ther.: Attackenkupierung
  • 7–12 l O2/Min. über Gesichtsmaske über 15 Min. im Sitzen.

  • Sumatriptan 6 mg s. c. o. 20 mg nasal o. Zolmitriptan 5–10 mg nasal.

  • Lidocain-Nasenspray.

ProphylaxeBei episodischem Cluster-Kopfschmerz zur Überbrückung der Cluster-Periode sinnvoll. Ausschleichen nach Beendigung der Cluster-Periode o. nach > 14 d Beschwerdefreiheit. Verapamil u./o. Lithium werden auch als Basisther. des chron. Cluster-Kopfschmerzes eingesetzt.
  • 1. Wahl: Verapamil (zugelassener Off-label-Use nach Anlage VI der Arzneimittel-Richtlinie). Unter EKG-Kontrolle mit 3 × 80 mg/d beginnen (1. d 0–0–80 mg, 2./3. d 80–0–80 mg, 4. d 80–80–80 mg), danach wöchentlich um 80 mg/d bis max. 480 mg/d steigern. Nach etwa 1 Wo. wirksam. NW: Flush, Schwindel, RR-Abfall, Bradykardie. KI: Herzinsuff., AV-Block, Sinusknotensy., Bradykardie.

  • 2. Wahl: Lithiumcarbonat. Beginn mit 400 mg/d. Aufdosierung nach Li-Spiegel (Ziel: 0,6–0,8 mmol/l). NW: Tremor, Senkung der Krampfschwelle, Struma, Polydipsie. Cave: WW mit Diuretika beachten! Krea(-Clearance), Natriumspiegel u. Schilddrüsenwerte kontrollieren.

  • !

    Zur Prophylaxe des Cluster-Kopfschmerzes zugelassen.

  • Topiramat: 100–200(-400) mg/d. 2. Wahl, off label.

  • Nichtmedikamentös: ggf. Add-on-Versuch mit Vagusnervstimulator.

ÜbergangstherapieSoll vorübergehende Beschwerdebesserung bis zum Wirkungseintritt der Prophylaxe gewährleisten:
  • Glukokortikoide: Prednisolon 100 mg/d p. o. für 3 d, danach Dosisreduktion um 10 mg/d alle 4 d; Schwellendosis: 10–20 mg/d.

  • Occipitalis-major-Blockaden: z. B. Infiltration (ipsilateral zum Kopfschmerz) von 0,5 ml Xylocain 2 %, evtl. zusätzlich Kortikoid, Wdh. nach einigen d/Wo. möglich.

  • Lang wirksame Triptane, z. B. Frovatriptan 2,5 mg zur Nacht.

Operatives VorgehenBei therapierefraktärem chron. Cluster-Kopfschmerz (z. B. Ganglion sphenopalatinum Stimulation, Occipitalis-major-Nervenstimulation).
Paroxysmale Hemikranie
HemikranieparoxysmaleICD-10 G44.03. Episodisch (EPH) o. chron. (CPH) streng einseitige, seitenkonstante, starke Schmerzattacken periorbital, frontotemporal mit vegetativen Begleitsympt. wie beim Cluster-Kopfschmerz.
  • Attacken häufiger (5–15 ×/24 h) u. kürzer (2–30 Min.) als bei Cluster-Kopfschmerz (Tab. 5.2).

  • Überwiegend F.

  • Diagnostisch wegweisend: Ansprechen auf Indometacin 25–250 mg/d (verteilt auf 3 Tagesdosen; immer unter Magenschutz!).

SUNCT/SUNA
SUNCTSUNAHäufige (3–200 ×/24 h) kurze (5–240 s) Attacken mit schwerstem streng unilateralem periorbitalem/temporalem Schmerz und
  • Ipsilateraler konjunktivaler Injektion u. Lakrimation: SUNCT („Short-lasting unilateral neuralgiform headache with conjunctival injection and tearing“; Tab. 5.2).

  • Nasaler Kongestion/Rhinorrhö: SUNA („Short-lasting unilateral neuralgiform headache with cranial autonomic symptoms“).

Prophylaxeversuch mit Lamotrigin (100–200 mg/d), evtl. Carbamazepin/Oxcarbazepin, Gabapentin, Topiramat.
Hemicrania continua
Hemicrania continuaTgl., seitenkonstanter, mäßig starker Halbseitenkopfschmerz mit attackenförmigem Auftreten von periorbitalen schweren Schmerzen mit vegetativer Begleitsymptomatik.
TherapieIndometacin 25–250 mg/d.
DifferenzialdiagnosenChronische Migräne, zervikogener Kopfschmerz

Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch

Kopfschmerzb. MedikamentenübergebrauchICD-10 G44.4. Medikamentenübergebrauch bei 5–8 % der Kopfschmerzpat.; F : M = 5 : 1.
  • Induktion u. Aufrechterhaltung eines Kopfschmerzes durch häufige o. tgl. Einnahme von Schmerzmitteln; Kopfschmerzprophylaxe bei Übergebrauch weniger wirksam.

  • Bes. hohes Risiko bei Opioiden, Mischpräparaten, Ergotpräparaten, Triptanen.

KlinikSehr variabel.
Therapie
  • Aufklärung über Zusammenhang zwischen Medikamenteneinnahme u. Kopfschmerzen sowie über mögliche organische Spätfolgen.

  • Motivation des Pat. zur Reduktion bzw. zum Entzug ist entscheidend.

  • Ambulanter Entzug bei kurzer Einnahme von Nichtopioidanalgetika, Analgetika-Komb.-Präparaten, Ergotaminen o. Triptanen möglich, sofern keine Barbiturate o. Tranquilizer als Komedikation eingenommen wurden u. hohe Motivation des Pat. bei guter sozialer Einbindung besteht.

  • Prophylaxe der zugrunde liegenden prim. Kopfschmerzerkr.

  • Bei bereits zuvor erfolgtem frustranem Entzug bzw. affektiver Komorbidität, Einnahme psychotroper Substanzen bzw. Koanalgetika eher stationäres Vorgehen.

Weitere idiopathische Kopfschmerzsyndrome

Primärer Kopfschmerz bei sexueller Aktivität: Kopfschmerzprimärer
  • Dumpfer o. pulsierender bilateraler, häufig okzipitaler Kopfschmerz bei u. nach Geschlechtsverkehr, meist schlagartige Intensivierung während des Orgasmus; Dauer Min. bis Tage, gehäuft bei Pat. mit bekannter Migräne.

  • Diagn.: Bei Erstmanifestation zerebrale Bildgebung zur Ausschlussdiagn.; bei akutem Beginn mit massiven Schmerzen immer Ausschluss einer SAB erforderlich.

Primär stechender Kopfschmerz: Kopfschmerzprimärer
  • Stechender Schmerz in umschriebenen Arealen im Bereich V1, Dauer über wenige Sek., unregelmäßige Frequenz bis zu mehrmals tgl., keine autonomen Sympt.

  • !

    Hohe Komorbidität mit Migräne u. Cluster-Kopfschmerz.

  • Ther.: Versuch mit Indometacin.

Primär schlafgebundener Kopfschmerz (Hypnic Headache): Hypnic HeadacheKopfschmerzprimärer
  • Dumpfe Kopfschmerzen, die die Pat. aus dem Schlaf erwecken, leichte bis mittlere Intensität, Zusammenhang mit REM-Schlaf. Pat. > 50 Lj, mind. 15 ×/Mon., meist bilateral, hält mind. 15 Min. nach dem Aufwachen an.

  • Nicht mehr als eines der Begleitsympt. Übelkeit (rel. Häufig), Foto-, Phonophobie; DD: TAC.

  • Ther.: Lithium; Indometacin o. Koffein vor dem Einschlafen.

Neu aufgetretener täglicher Kopfschmerz: Kopfschmerz(en)täglicher, neu aufgetretener
  • Tgl., bilateraler drückender Kopfschmerz leichter bis mäßiger Intensität mit klarem Beginn u. ohne Remission > 3 Mon.; nach Ausschluss einer symptomatischen Genese.

  • Ther. schwierig; bei migräneartigen Schmerzen Versuch mit Valproat, bei spannungskopfschmerzartigen Schmerzen Versuch mit Amitriptylin.

Gesichtsschmerz

Trigeminusneuralgie

ICD-10 G50.0. Lokalisation und DD Abb. 5.4.
Prävalenz 40/100.000, F : M = 3 : 2; Erkr.-Alter 40.–60. Lj
KlinikIn Attacken auftretender, einseitiger Gesichtsschmerz. Unterscheidung in symptomatische u. klassische (früher: idiopathische) Trigeminusneuralgien (TN). Bei klassischer TN meist Gefäß-Nerven-Kontakt nachweisbar.
Klassische, rein paroxysmale TN:
  • Attackenhäufigkeit bis 200 ×/d, Dauer der Attacken Sekunden bis max. 2 Min., dazwischen schmerzfreie Intervalle.

  • Qualität u. Intensität: blitzartig einschießende elektrisierende, stärkste Schmerzen infraorbital (V2) > perioral (V3) > periorbital (V1).

  • Typ. auslösbar durch mechanische Reize (Kauen, Sprechen, Mimik, Berührung).

  • Keine persistierenden neurol. Ausfälle.

  • Typ., jedoch nicht obligat, sind ticartige Zuckungen der mimischen Muskulatur während der Attacken (Tic douloureuxTic douloureux).

  • Überwiegend chron., Spontanremissionen jedoch möglich.

Klassische TN mit begleitendem persistierendem Gesichtsschmerz:
  • Zusätzlich zu paroxysmalen Schmerzen mittelstarker (brennender) Dauerschmerz im gleichen Areal.

  • Schlechteres Ansprechen auf medikamentöse Ther.

  • Kann sich aus einer rein paroxysmalen TN entwickeln o. auf eine symptomatische TN hinweisen.

Differenzialdiagnosen
  • Glaukom, Sinusitis, kraniomandibuläre Dysfunktion.

  • Faziale Migräne, trigeminoautonome Kopfschmerzen (5.1.7).

  • Glossopharyngeusneuralgie (5.2.2).

  • Trigeminusneuropathie: 12.4.

    • Brennender Dauerschmerz mit persistierendem sensiblem Defizit.

    • z. B. bei MS.

Medikamentöse Therapie
1. Wahl:
  • Carbamazepin: 600–1.200 mg/d, max. 1.600 mg/d; kann zu Beginn auch als Suspension gegeben werden (Vorteil: Schnelle Anflutung), anschl. retardierte Galenik.

  • Oxcarbazepin: Vorteil: raschere Resorption. Nachteil: häufiger symptomatische Hyponatriämien als bei Carbamazepin. Äquivalenzdosis: Carbamazepin × 1,5. Off label!

2. Wahl:
  • Gabapentin: 1.200–3.600 mg/d; bei leichteren Beschwerden o. Unverträglichkeit von Carbamazepin als Monother. o. als Add-on nach Ausdosierung von Carbamazin.

  • Phenytoin: Phenytoin ist Mittel der 1. Wahl, wenn medikamentöse Behandlung p. o. zunächst nicht möglich ist: Schnellaufsättigung mit 250 mg i. v. (max. 25 mg/Min.), danach 3 × 1 mg/kg KG/d i. v. o. p. o.

  • Pregabalin, Lamotrigin, Valproat, Topiramat, Botox: Wahrscheinlich wirksam.

Reduktionsversuch bei Erstmanifestation nach 6–8 Wo. o. bei 3–6 Mon. Beschwerdefreiheit gerechtfertigt.

Invasive Therapie
Ind.: Ther.-resistente TN. Auswahl des Verfahrens unter Berücksichtigung der Komorbidität/des Eingriffsrisikos.
  • Mikrovask. Dekompression nach Janetta:

    • Beseitigung des Gefäß-Nerven-Kontakts (meist A. cerebelli superior) durch Einlage eines Schwämmchens zwischen Arterie u. Nerv.

    • Unmittelbar schmerzfrei ca. 80 %, 2 % Rezidivrate/J., Letalität < 1 %.

    • KO: irreversibler Hörverlust (2–5 %), passagere HN-Läsionen.

  • Perkutane Thermokoagulation des Ganglion Gasseri:

    • Unter LA; kann wiederholt durchgeführt werden; Zugang durch Foramen ovale.

    • Unmittelbar schmerzfrei ca. 95 %, Rezidivrate 40 % nach 5 J.

    • NW: > 50 % Hypästhesie trigeminal.

    • KO: Schädigung des motorischen N. V, Keratitis neuroparalytica. Anaesthesia dolorosa in 1 %.

  • Strahlenther.:

    • Radiochir. Ther. d. N. trigeminus in der Hirnstammeintrittszone mittels Gamma-/Cyber-Knife o. Linearbeschleuniger; kann wiederholt werden.

    • Unmittelbar schmerzfrei ca. 65 %, Wirkung oft erst nach Tagen bis Mon.

    • NW: 7–50 % Hypästhesie trigeminal.

    • Bislang wenig Langzeitergebnisse vorliegend.

  • Methoden der 2. Wahl:

    • Perkutane Ballonkompression des Ganglion Gasseri: 2. Wahl wegen KO-Rate (intraoperative RR-Veränderungen).

    • Perkutane retroganglionäre Glyzerolinstillation: 2. Wahl wegen höherer Rate an Rezidiven u. NW (Dysästhesien).

Glossopharyngeusneuralgie

ICD-10 G52.1. GlossopharyngeusneuralgieNeuralgieGlossopharyngeus-Sehr selten. Verhältnis Trigeminusneuralgie zu Glossopharyngeusneuralgie 75 : 1. F : M = 1 : 1; Alter bei Ersterkr.: meist 50.–60. Lj.
Klinik
  • Blitzartige Schmerzattacken in Schlund u. Rachen mit Ausstrahlung in das gleichseitige Ohr, triggerbar durch Berührung, Schlucken, Husten, Kauen, Sprechen.

  • Sek. bis Min. anhaltend.

  • Spontanremissionen u. Wiederauftreten häufig.

  • Schmerzbesserung durch Lokalanästhetikum (z. B. Xylocain®-Pumpspray).

  • Varianten: otalgische/tympanische Variante mit Schmerzen im Bereich des Ohrs; kardiovask./vagale Variante (sehr selten) mit Bradykardie, RR-Abfall u. Synkopen.

Differenzialdiagnosen
  • Eagle-Sy. (Stylohyoid-Sy.): Durch Druck des Proc. styloideus auf den Nerv.

  • V. a. symptomatische Genese (v. a. Tumoren der hinteren Schädelgrube u. des Mund-Rachen-Bereichs) bei Alter < 40 J., bds. Symptomatik, zusätzlichen neurol. Defiziten.

TherapieOrientiert sich an der Ther. der Trigeminusneuralgie.

Sonstige Neuralgien

N.-intermedius-Neuralgie
Nervus-intermedius-NeuralgieNeuralgieNervus-intermedius-Neuralgie des Ganglion geniculi (N. VII).
KlinikSchmerz in der Tiefe des Ohrs, bis in Mastoid/Gaumen/Nacken/Nase ausstrahlend; durch Berührung der hinteren Wand des äußeren Gehörgangs triggerbar. Häufig assoziiert mit Herpes-zoster-Infektionen.
TherapieCarbamazepin.
Okzipitalisneuralgie
KlinikOkzipitalisneuralgieNeuralgieOkzipitalis-Schmerzen im Bereich des N. occipitalis major (aus C2), N. occipitalis minor (aus Plexus cervicalis) o. N. occipitalis tertius (aus C3), Sek. bis Min.; Trigger: Berührung, Kämmen. Im Intervall evtl. dumpfe Schmerzen, Hypästhesie im Versorgungsareal u. Druckdolenz des Nervs möglich. Symptomatische Formen: Anomalie des kraniozervikalen Übergangs, atlanto-axiale Arthrose/Arthritis, (nach) HWS-Verletzung, frühe Neuroborreliose.
TherapieCarbamazepin, Nervenblockaden, Neurolyse.

Tolosa-Hunt-Syndrom

Tolosa-Hunt-SyndromSyndromTolosa-Hunt-Lymphozytär-granulomatöse Entzündung im Bereich des Sinus cavernosus u. der Fissura orbitalis sup.; andere Urs. sind jedoch häufig. Abb. 5.4.
Klinik
  • Heftige einseitige periorbitale bohrende Schmerzen.

  • Gefolgt von HN-Paresen (Nn. III, IV u. VI, gelegentlich Pupillomotorik, selten auch Nn. V1, N. II, N. VII u. VIII).

  • Klingt häufig spontan nach 6–8 Wo. ab, Rezidive möglich.

DiagnostikcMRT (KM-Aufnahme) u. LP, v. a. auch zum Ausschluss symptomatischer Ursachen.
Differenzialdiagnosen„Ophthalmoplegische Migräne“ (12.3.1), Sinus-cavernosus-Thrombose/-Fistel, ACI-Aneurysma, sonstige (entzündl.) Raumforderungen (z. B. Meningeom, Metastasen, Pilze), basale Meningitis, Lymphom/Pseudotumor orbitae (12.3.1).
TherapiePrednison/Prednisolon: 1 mg/kg KG/d p. o. über 14 d, anschließend langsame Dosisreduktion.
  • Unter Steroid klingen Schmerzen typischerweise innerhalb von 72 h ab, die Paresen in d bis Wo.

  • Bei fehlendem Ansprechen o. Rezidiv Überprüfen der Diagnose.

  • Bei Rezidiv erneut Steroid; ggf. zusätzlich Azathioprin o. Methotrexat.

Anhaltender idiopathischer Gesichtsschmerz

ICD-10 G50.1. Früher: atypischer GesichtsschmerzGesichtsschmerzanhaltender idiopathischer. In 90 % F betroffen; Erkr.-Alter: 30.–60. Lj.
Klinik
  • Einseitiger, die meiste Zeit des Tages vorhandener, drückend bohrender mittelstarker, schlecht lokalisierbarer Schmerz, der sich nicht an Grenzen der Versorgungsgebiete der HN hält u. nicht sicher triggerbar ist.

  • Qualität: quälend, zermalmend, wühlend. Beginn meist im Bereich der Nasolabialfalte o. des Kinns, häufige Ausbreitung; bis zu ⅓ auch bds.

  • Kein sensibles Defizit, subjektiv häufig Dysästhesien, Schwellungs- u. Überwärmungsgefühl.

DiagnostikZur Ausschlussdiagn. einmalig zahn- (Zahnschmerzen, kraniomandibuläre Dysfunktion), HNO- (Sinusitis) u. augenärztliche Unters. (Glaukom).
Therapie
  • Pat. vor unnötigen Interventionen (z. B. Zahnextraktionen) bewahren.

  • Nichtmedikamentöse Ther. hat hohen Stellenwert (z. B. TENS, Verhaltensther., Hypnose).

  • Medikamentöse Dauerther.:

    • 1. Wahl: Amitriptylin. Aufdosieren bis 75 mg/d p. o. Bei mangelndem Ansprechen ggf. Komb. mit Gabapentin o. Pregabalin.

    • Andere Antiepileptika sind 2. Wahl.

  • Vorstellung beim spezialisierten Schmerztherapeuten.

Myoarthropathie/kraniomandibuläre Dysfunktion (CMD/TMD)

Klinik
  • Dysfunktionmyoarthropathie/kraniomandibuläre (CMD/TMD)Mit Kiefergelenkbewegungen assoz. Schmerz. Typisch: Geräusche bei Kieferbewegungen u. z. B. nächtliches Zähneknirschen (Bruxismus) o. Druckempfindlichkeit des Kiefergelenks. Kieferöffnung kann eingeschränkt sein.

  • Psychosoziale Belastungsfaktoren häufig.

  • Unterteilung in prim. dento-okklusale, prim. myogene, prim. arthrogene Formen u. somatoforme Schmerzbilder; prim. dento-okklusale u. prim. myogene Formen am häufigsten.

Therapie
  • Vorstellung im zahnärztlichen Fachgebiet zur spezifischen Diagn.

  • Aufklärung über das Krankheitsbild.

  • Aufbissschiene.

  • Physikalische Ther.

  • Medikamentöse Ther. (NSAR, trizyklische Antidepressiva, evtl. Botulinumtoxin).

  • Entspannungsverfahren/Verhaltensther.

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