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B978-3-437-22465-2.00004-9

10.1016/B978-3-437-22465-2.00004-9

978-3-437-22465-2

Abb. 4.1

[L190]

Notfalluntersuchung

Leitsymptome AtmungLeitbefundeAtmung

Tab. 4.1
Leitsymptom Zusatzbefunde Verdachtsdiagnose
Ateminsuff., Dyspnoe Mit inspiratorischem Stridor (Kind) Krupp-Anfall, Fremdkörperaspiration (Spielzeug beim Kind, Gebissteil beim alten Menschen) 12.5.3
Stenokardie, evtl. Übelkeit ACS 5.2
Stabile Angina pectoris 5.1
Abdominalschmerz, Abwehrspannung Akutes Abdomen, DD ACS 15.2
5.2
Herzinsuff. Lungenödem 5.3
Palliativpat. 20.2
Atemnot Mit Stridor (Kind) Krupp-Anfall, Fremdkörperaspiration 12.5.3
Mit Giemen (Kind) Asthma bronchiale 12.5.4
Störung des Atemmusters Cheyne-Stokes-Atmung Zentrale Atemstörung 8.2.2
Biot-Atmung 8.2.2
Maschinenatmung 8.2.2
Kußmaulatmung Diabetisches Koma 8.3.2
Tachypnoe Fieber Sepsis 15.5
Husten Infekt, Malignom, Pleuritis 7.1.3

Leitsymptome: Herz/TachykardieSchockHypotonieHypertonusBradykardieKreislauf

Tab. 4.2
Leitsymptom Zusatzbefunde Verdachtsdiagnose
Bradykardie Bewusstseinsverlust Organische Herzerkr., Medikamentenwirkung, Schrittmacherfehlfunktion 5.4.2
Tachykardie Organische Herzerkr., Hyperthyreose, Intoxikationen, Sepsis 5.4.1
15.4
15.5
In der Schwangerschaft Vena-cava-Kompressionssy. 14.2.2
Hypertonie 5.7
In der Schwangerschaft Gestose 14.2.3
Hypotonie In der Schwangerschaft Vena-cava-Kompressionssy. 14.2.2
Schock Tab. 5.1
In der Schwangerschaft Vena-cava-Kompressionssy. 14.2.2
Kind 12.3

Leitsymptome: Bewusstsein/Psyche ErregungszustandLeitsymptomeErregungszustandLeitsymptomeBewusstseinsstörungLeitsymptomeBewusstseinsstörungLeitsymptome

Tab. 4.3
Leitsymptom Zusatzbefunde Verdachtsdiagnose
Bewusstseinstrübung Alkoholabusus Delir 10.4.4
(Hemi-)Parese Schlaganfall 8.3.4
Schwindelattacken Bradykardie/Schrittmacherfehlfunktion 5.4.2
Kleinhirninfarkt 8.3.8
Neuronitis vestibularis, benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel, Ménière-Krankheit 8.3.8
Krampfleiden, Zungenbiss Z. n. Krampfanfall 8.3.5
Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Arrhythmien SAB 8.3.6
Arrhythmie Primär kardiales Problem 5.4
Fieber, Nackensteife, Kopfschmerzen Meningitis 8.3.6
Diab. mell. Diabetisches Koma, Hypoglykämie 8.3.2
Fieber, evtl. Nackensteifigkeit Infekt (Meningitis/Enzephalitis), Hitzeschaden (Sonnenstich, Hitzschlag) 8.3.6
Z. n. Schädeltrauma, Prellmarken SHT 11.2
Ingestion unbekannter oder giftiger Substanzen, auffälliger Foetor Intoxikation Tab. 9.1, Tab. 9.2
Exsikkose 16.1
Palliativpat. 20.3.1
Erregungszustand Evtl. Wahnideen, Wahrnehmungsstörung Psychose, Intoxikation 10.4.2, 9.5
Foetor alcoholicus Alkoholintoxikation 9.5.2

Differenzialdiagnose atraumatischer Schmerzen im Schmerzenatraumatische, LeitsymptomeAbdomen

Tab. 4.4
DD nach Schmerzlokalisation Tab. 15.1
DD nach Schmerzqualität Tab. 15.2
DD des akuten Abdomens Tab. 15.3
DD gynäkologisch bedingter Schmerzen Tab. 13.2

Leitsymptome: atraumatische Schmerzenatraumatische, LeitsymptomeSchmerzen

Tab. 4.5
Leitsymptom Zusatzbefunde Verdachtsdiagnose
Auge Pupillenveränderung 17.1.2
Sehstörung 17.1.3
Augenschmerz 17.1.4
Rotes Auge Glaukomanfall 17.1.4
Extremitäten Haut blass, kühl Embolie 6.1
Schwellung, Ödem, Z. n. OP, Immobilisierung, Varikosis Thrombose 6.2
Schwellung, Rötung, Überwärmung Erysipel
Nacken-Arm-Schmerz, sensible und motorische Ausfälle HWS-Läsion Tab. 18.1
Arm-/Beinschmerz, sensible und motorische Ausfälle HWS-/LWS-Läsion, Kompartmentsyndrom, Aortendissektion Tab. 18.2
11.7.5
6.5
Hoden Z. n. Sport, Kind Hoden-/Hydatidentorsion 16.5
Fieber Epididymitis, Orchitis 16.5
Kopf Tab. 8.5
Sehstörungen Tab. 17.2
Schwindel Tab. 8.6
Thorax Tab. 7.2
Wirbelsäule „Kreuzschmerzen“, evtl. sensible und motorische Ausfälle LWS-Läsion Tab. 18.2
Zahn 17.3.3
Palliativpat. 20

Leitsymptome: neurologische Neurologische LeitsymptomeStörung

Tab. 4.6
Leitsymptom Zusatzbefunde Verdachtsdiagnose
Bewegungsstörung Hyperkinesie 8.3.11
Akinesie 8.4.1
Bewusstseinsstörung Erwachsener 8.3.1, 20.3.1
Kind 12.5.6
Krampfanfall Erwachsener 8.3.5
Neugeborenes 14.4.7
Kind 12.5.5
Lähmung Meist akute Hemiparese Zerebral 8.3.5
Atraumatische Querschnittslähmung Spinale Kompression, Infekt, Ischämie 8.3.9
Generalisierte periphere Lähmung Infekt, Intoxikation, neurologische Erkrankung Tab. 8.7
Schwindel Evtl. Übelkeit, Erbrechen Tab. 8.6
Visusverlust Mit Augenschmerzen 17.1.4
Schmerzlos 17.1.3

Leitsymptome: BlutungLeitsymptomeBlutungLeitsymptomeBlutung

Tab. 4.7
Leitsymptom Zusatzbefunde Verdachtsdiagnose
Peranale Blutung Tab. 15.4
Blutung aus dem Mund 17.2.3
Blutung aus der Nase 17.2.2
Blutung aus dem Ohr 17.2.4
Bluterbrechen Tab. 15.4
Z. n. zahnärztlichem Eingriff 17.3.4
Posttraumatische Blutung 4.2.7
Tracheostomablutung 17.2.7
Vaginale Blutung Tab. 13.1
In der Schwangerschaft Tab. 14.2
Hämaturie Penetrierende Verletzung Blasenperforation (Fremdkörper) 16.6.2
Abdominaltrauma Nierentrauma, Ureterverletzung 16.6.1
Z. n. Trauma/OP Blasentamponade 16.3.2
Beckentrauma Blasentamponade, Harnröhrenabriss 11.5
Pyelonephritis, Blasenentzündung 16.4
Tumorleiden Arrosionsblutung (Niere, Blase; Infiltration durch umliegende Tumore, zB. Sigma/Rektum, Ovar, Uterus)
Bekanntes Steinleiden Steinabgang 16.2

Differenzialdiagnosen TraumaLeitsymptomeTrauma

Tab. 4.8
Aorten- und Aortenaneurysmaruptur 6.5
Augenverätzung/-verbrennung 17.1.5
Augenverletzungen 17.1.6
Bauchtrauma 11.4
Beckenverletzung 11.5
Direkte Gefäßverletzung 6.3
Ertrinken 11.15
Extremitätenverletzung 11.7
HNO-Verletzungen 17.2.4
Kältetrauma 11.14
Kindesmisshandlung 12.5.9
Mund-/Kiefer-Verletzungen 17.3.1
Polytrauma Erw. 11.8
Kinder 12.5.1
SHT Erw. 11.2
Kinder 12.5.2
Schussverletzung 11.9
Strahlenunfall 11.13
Stromunfall 11.12
Stumpfe Gefäßschäden 6.4
Tauchunfall 11.16
Thoraxtrauma 11.3
Trauma in der Schwangerschaft 14.2.1
Trauma bei alten Menschen 20.1
Urogenitale Verletzungen 16.6
Verätzung 11.11
Verbrennung/Verbrühung 11.10
Wirbelsäulenverletzung 11.6
Zahntrauma 17.3.2

Leitsymptome in der Schwangerschaft

Tab. 4.9
Leitsymptom Verdachtsdiagnose
Akutes Abdomen 14.2.8
Hypertonie Gestose 14.2.3
Hypotonie Kava-Kompressionssy. 14.2.2
Koma Coma in graviditate 14.2.7
Nabelschnurvorfall 14.2.5
Trauma 14.2.1

Differenzialdiagnosen: Komplikationen bei der SchwangerschaftLeitsymptomeGeburtLeitsymptomeGeburt

Tab. 4.10
Beckenendlage 14.4.7
Frühgeburt, Mangelgeburt 14.4.4
Geburtsstillstand 14.4.2
Mehrlinge 14.4.5
Nabelschnurumschlingung 14.4.1
Postpartale mütterliche Komplikationen Tab. 14.12
Querlage 14.4.8
Regelwidrige Kopflagen 14.4.6
Spontangeburt 14.3
Wehensturm, Uterusruptur 14.4.3

Differenzialdiagnosen: Kindliche Notfälle nach der Leitsymptome postpartaler NotfälleKinderLeitsymptome postpartaler NotfälleGeburt

Tab. 4.11
Atemstörung 14.5.2
Blässe 14.5.5
Fehlbildungen Tab. 14.10
Geburtsverletzungen Tab. 14.11
Hämatome 14.5.6
Herz-Kreislauf-Störungen 14.5.3
Krämpfe 14.5.7
Zyanose 14.5.4

Notfalluntersuchung und Leitsymptome

Ulrich v. Hintzenstern

Michael Reng

Stefan Schulz-Drost

  • 4.1

    Notfalluntersuchung234

    • 4.1.1

      Beurteilung der Notfallsituation234

    • 4.1.2

      Basischeck234

    • 4.1.3

      Anamnese236

    • 4.1.4

      Befunderhebung237

  • 4.2

    Leitsymptome237

    • 4.2.1

      Atmung237

    • 4.2.2

      Herz/Kreislauf238

    • 4.2.3

      Bewusstsein/Psyche239

    • 4.2.4

      Atraumatische Schmerzen240

    • 4.2.5

      Neurologische Störung241

    • 4.2.6

      Blutung241

    • 4.2.7

      Trauma242

    • 4.2.8

      Schwangerschaft243

    • 4.2.9

      Geburt243

    • 4.2.10

      Kindliche Notfälle nach der Geburt244

Notfalluntersuchung

Beurteilung der Notfallsituation

Allgemeines Vorgehen bei traumatologischen Notfällen 11.1.
BeimNotfallsituation beurteilen Eintreffen am Notfallort zuerst Überblick über die allgemeine Notfallsituation gewinnen:
  • Gefahren an der Einsatzstelle? (1.8.1). → Eigen- und Patientenschutz beachten!

  • Anzahl der Pat. (befinden sich z. B. noch weitere Pat. in der Wohnung, in Unfallfahrzeugen?) Werden Personen vermisst?

  • Wer kann Angaben zum Krankheits- oder Unfallverlauf machen?

  • Rettungsgerät, -personal, Transportkapazität ausreichend?

  • Spezialkräfte erforderlich: z. B. EL-RD? Feuer? Wasser? Eis? Berge/unwegsames Gelände? Schienenverkehr?

  • Aufgrund der Verletzungsschwere des Pat. NA bzw. wegen Anzahl der Verletzten zweiter NA bzw. LNA (1.9.2) erforderlich?

  • Palliativmedizinischer Notfall (20).

  • Soziales Umfeld.

  • Wer hat die ILS bzw. RLSt verständigt?

  • Hinweise auf besondere Begleitumstände, z. B. ungewöhnliche Auffindungssituation des Pat. (kriminelle Handlung?), zerstörte Einrichtungsgegenstände (gewalttätige Auseinandersetzung?), Spritzen, leere Tablettenschachteln, Schnapsflaschen (Intoxikation?), unnatürliches Verhalten der Eltern (Kindesmissbrauch?), Gerüche (ausströmendes Gas?).

Aufgrund dieser Informationen muss entschieden werden:
  • Wenn eigene Personal- und Transportkapazität nicht ausreicht → Nachfordern weiterer Kräfte, wie RTW, NA, ggf. Führungsdienst (EL-RD, OrGL/LNA).

  • Akute Bedrohung für NA, RD-Kräfte oder Pat.? Sicherheitslage? Polizei nachfordern.

  • Gefahren der Einsatzstelle, aufwendige technische Rettung, spezielle Gefahrenlage, vermisste Person(en) → EL-RD, technische Hilfe und Polizei nachfordern.

Basischeck

ZieleIn kürzester Zeit:
  • Abklären, ob der Pat. vital bedroht ist.

  • Grundlegende Funktionsstörungen beurteilen.

  • Potenzielle Störungsmuster Untersuchungorientierende, am Notfallortabschätzen.

DurchführungNach Sicherung von Helfern bzw. Opfer:
  • Bewusstseinslage überprüfen: Pat. ansprechen: „Wie geht es Ihnen“ bzw. „Was ist passiert?“ und ggf. Pat. (vorsichtig) an den Schultern schütteln → Antwort oder motorische Reaktion?

  • Keine Reaktion: entsprechend Algorithmus „Reaktionslose Person“ 3.5, 8.3.2 prüfen und ggf. kardiopulmonale Reaktion beginnen.

Bei Schwerhörigkeit und bei Extremitätenparese kann eine Bewusstseinsstörung vorgetäuscht werden.

ABCDE-SchemaDefinierte Reihenfolge für Erstuntersuchung und ggf. -versorgung („treat first what kills first“). Wichtig ist bei Traumapat. die frühe Einschätzung und umgehende ABCDE-SchemaBehandlung von vital bedrohlichen Störungen (z. B. Spannungspneumothorax 11.3, schwere Blutung) sowie des Gesamtzustands. Die detaillierte Erfassung und Behandlung aller Einzelverletzungen erfolgt am stabilisierten Pat., ggf. erst innerklinisch.
Airway and Cervical Spine Protection (Atemweg und ggf. HWS-Immobilisation):
  • Atemwege freimachen (3.4.1) und sichern, ggf. Intubation (3.4): Atemgeräusche? Stridor? Schwellung des Halses? Verlagerung der Trachea? Flüssigkeit/Blut/Fremdkörper in Mund-Rachen-Raum?

  • Bei V. a Trauma HWS-Stützkragen anlegen (2.1.2).

  • Ggf. stabile Seitenlage.

Breathing (Atmung/Beatmung, Atemmechanik/Belüftung):
  • Bei Atemstillstand oder -insuff. (z. B. Schnappatmung!) Pat. umgehend beatmen (3.4.3, 3.4.4, 3.4.8).

  • Bei Lippenzyanose, brodelnder Lunge, Orthopnoe, Hautemphysem Ursache klären, (spezifische) Therapie einleiten.

  • Brustkorb (Verletzungen?) und Hals (gestaute Halsvenen?) vollständig inspizieren. Brustkorb abtasten, Lungen auskultieren, Spannungspneu ausschließen.

  • Bei allen Atemproblemen umgehende O2-Gabe (1.8.3, 1.23), bei unzureichender Oxygenierung Beatmung erwägen.

Circulation (Kreislauf)
  • Karotispuls tasten (Bradykardie, Tachykardie, Arrhythmie?), ggf. nacheinander an beiden Seiten, bei Unsicherheit auch Femoralispulse.

  • Offensichtliche Blutung umgehend stillen, instabiles Becken → Stabilisierung (11.5).

  • Bei Pulslosigkeit sofort mit Thoraxkompression beginnen (3.4.10).

Fehldeutung des eigenen Pulses als Puls des pulslosen Pat. möglich. Ggf. mit der anderen Hand den eigenen Karotispuls zum Vergleich tasten.

  • Schockzeichen:

    • Kapilläre Füllungszeit verlängert? Fingernagelprobe: Druck auf das Nagelbett, Wiederauffüllung nach Loslassen > 2 s → Zentralisation.

    • Blässe, kaltfeuchte, graue Haut, gestaute Halsvenen?

  • Dehydratation: Haut in Falten abhebbar bzw. trockene Zunge.

  • Hinweis auf Trauma oder Blutung:

    • Auffindesituation: Sturz des Pat. möglich?

    • Hinweise auf offene Verletzungen: Blutflecken an der Kleidung, Blutspuren auf dem Boden?

    • Innere Blutung aufgrund der Erkr. (z. B. Aortenaneurysma, Tumor, Sepsis, Gerinnungsstörung) bzw. des Unfallmechanismus (z. B. stumpfem Thorax-, Abdomen-, Beckentrauma, Oberschenkelfraktur)?

„Blood on the floor and in four places more“ = Blut auf dem Boden und aus vier weiteren Stellen (Thorax, Abdomen, Becken, Oberschenkel/stammnahe Extremitäten).

Disability (Einschränkungen des neurologischen Status):
  • Neurologischer Basischeck: GCS und Pupillenfunktion; ausführlicher Status bei stabilisiertem Pat. 8.2.8. inkl. BZ und Evaluation möglicher Intoxikationen.

  • Behandlung der Ursache, z. B. Glukosegabe, Antidottherapiel.

Exposition und Umgebung(Wärmeerhalt und Umwelteinflüsse):
  • Pat. entkleiden und vollständig körperlich untersuchen bei Trauma Pat., achsengerecht auf die Seite drehen (Logroll, Hypothermieprophylaxe).

  • Temperatur: heiße Stirn bzw. Auskühlung aufgrund niedriger Umgebungstemperatur bzw. unzureichender Kleidung.

  • Rekapitulation des Notfall-/Unfallereignisses, um mögliche Probleme und Verletzungen zu berücksichtigen.

Anamnese

Bei schlechtem AZ und dringlichem Handlungsbedarf (z. B. Kreislaufstillstand) sofort Therapie einleiten. Möglichst parallel zur Anamnese am NotfallortDurchführung der Sofortmaßnahmen die wichtigsten Informationen erheben (zeitlicher Ablauf des Notfallgeschehens). Bei Unfällen den Hergang und Mechanismus eruieren zur Abschätzung von nicht direkt erkennbaren Unfallfolgen.
Anamneseerhebung nur so ausführlich wie unbedingt notwendig zur Ermittlung und Erhärtung einer Verdachtsdiagnose bzw. zum Ausschluss von Begleiterkr./-verletzungen.

Die Fremdanamnese durch Zeugen des akuten Ereignisses ist i. d. R. Regel nur dem NA zeitnah möglich.

Aktuelle Anamnese bzw. Leitsymptome (bei Bewusstseinsstörung, Demenz oder Kindern als Fremdanamnese):
  • Momentane Beschwerden: Wo, wie stark, seit wann?

  • Ereignisse im Zusammenhang mit dem Beschwerdebeginn, z. B. Schwindel, Schwäche, Sturz, Anstrengung, Aufregung, Medikamenten- oder Drogeneinnahme

  • Erstereignis oder wiederkehrende Symptome

  • Evtl. Beschwerdeänderung (wann, wodurch?)

  • Schmerzen (Beginn, Lokalisation, Quantität, Qualität?)

  • Ärztliche Behandlung in letzter Zeit bzw. regelmäßig (Arztbriefe?)

  • Palliativmedizinischer Hintergrund?

  • Medikamente: Verschreibung, regelmäßige Einnahme, Medikamentenplan?

  • Vorerkr., (kürzliche durchgeführte) OP, frühere Verletzungen (Arztbriefe?)

  • Allergien

  • Psychische Probleme

  • Drogen- oder Medikamentenmissbrauch

  • Letzte Mahlzeit (z. B. bei V. a. Hypoglykämie)

  • Letzte Periode, gynäkologische Beschwerden

  • Entsprechenden Ausweis zeigen und ins Krankenhaus mitnehmen lassen (SM-, Allergie-, Mutterpass; Bluter-, Antikoagulanzien/Marcumar-, Diabetiker-, Dialyse-, Epilepsieausweis)

  • Soll ein Angehöriger/Bekannter verständigt werden?

Ein Beispiel für eine strukturierte Anamneseerhebung ist das Vorgehen nach dem „SAMPLE“-Schema:

  • Symptoms (Symptome)

  • Allergies (Allergien)

  • Medications currently used (Medikamentenanamnese)

  • Past illness/Pregnancy (Krankheiten/Schwangerschaft)

  • Last meal (letzte Nahrungsaufnahme)

  • Events/Environment related to the injury (Ereignisse/Umwelteinflüsse im Zusammenhang mit dem akuten notfallmedizinischen Problem).

  • Immer gezielt auf wesentliche Problemkreise hin fragen, v. a. bei der Fremdanamnese nicht ablenken lassen.

  • Keine vorgefasste Diagnose suggerieren.

Befunderhebung

Allgemeines Vorgehen bei traumatologischen Notfällen 11.1.
  • SpO2, RR, EKG, BZ-Stix.

  • Auskultation von Herz und Lunge.

  • Palpation des Abdomens.

  • Orientierung zu Ort, Zeit, Person.

  • Orientierende Prüfung von Motorik (Hände drücken, Füße auf und ab bewegen) und Sensibilität (Gesicht, Arme, Rumpf, Beine).

  • Hinweis für Krampfanfall (Zungenbiss, Urin-, Stuhlabgang)?

  • Hautinspektion: Farbe (Zyanose, Rötung, Ikterus, Blässe, Marmorierung), Erythem, Schwellung, Blasenbildung, Leberhautzeichen, Hämatome (Alter?), Einstichstellen, Uhrglasnägel, Trommelschlägelfinger.

Leitsymptome

Atmung

DD der Dyspnoe, bronchopulmonale Ursachen Tab. 4.1.

Herz/Kreislauf

Bewusstsein/Psyche

Atraumatische Schmerzen

Neurologische Störung

Blutung

Trauma

Schwangerschaft

DD der vaginalen Blutung in der Schwangerschaft Tab. 14.2.

Geburt

Kindliche Notfälle nach der Geburt

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