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B978-3-437-22474-4.00023-7

10.1016/B978-3-437-22474-4.00023-7

978-3-437-22474-4

Cheneau-Korsett

[L106]

Schuhzurichtungen

[L106]

Amputationslinien am Fuß Fuß:Amputationslinien

[L190]

Rückfußamputationen

[L190]

Unterschenkelprothese mit Silikon-Liner im Probezustand

[L106]

Verschiedene Unterarmprothesen

[L106]

KnöchelsockeKarbon-FußheberortheseHelsinki-FederHeidelberger WinkelFußheberfeder:thermoplastischePeroneusorthesen

Tab. 23.1
Form Beschreibung Indikation Verordnung Prozedere
Knöchelsocke Einfachste Form der Peroneusorthese als Kompressionssocke mit eingearbeiteten Fußheberzügeln Leichte Fußheberschwäche Knöchelsocke mit Fußheberzügel
Heidelberger Winkel, Helsinki-Feder Einfache Fußheberorthesen ohne Gelenk. Einlegesohle und Wadenband werden mit Federstahl verbunden Fußheberschwäche ohne Fehlstellung Heidelberger Winkel oder Helsinki-Feder Funktions- und Passformkontrolle
Thermoplastische Fußheberfeder Dorsale Kunststoffschale als Konfektionsorthese oder nach Gipsabdruck. Unauffällig, gute Wirkung, auch bei Fehlstellungen (nach Gipsabdruck) Peroneusparese Thermoplastische Fußheberorthese nach Maß oder Gipsabdruck (bei ungewöhnlichen Proportionen oder Fehlstellungen) Funktions- und Passformkontrolle
Karbon-Fußheberorthese Stärkere fußhebende Kraft. Fußbettung obligatorisch Peroneusparese, Paraplegie Karbonversteifte Fußheberorthese nach Maß, mit Einarbeitung eines Fußbetts oder nach Gipsabdruck Funktions- und Passformkontrolle. Kontrolle der Fußführung und Fußstellung in der Orthese
US-Orthese nach Gipsabdruck mit Gelenk Indviduelle Orthese in Karbon- oder Metalltechnik. Mechanische Gelenke mit Feder zur Fußhebung. Bei ausgeprägten Fehlstellungen, kraftvolle Fußhebung Peroneusparese mit Fußfehlstellung, ICP, Paraplegie, Hemiplegie nach Apoplex US-Orthese mit Gelenken nach Gipsabdruck. Funktions- und Passformkontrolle. Kontrolle der Fußstellung in der Orthese.
Funktionelle Elektrostimulation Stimulation der noch intakten Nerven transkutan oder als Implantat Zentrale Lähmungen Elektrostimulationsgerät, ggf. Probeversorgung verordnen Testung obligat

Möglichkeiten des Beinlängenausgleichs im FersenkeilBeinlänge:AusgleichBallenrolleKonfektionsschuh

Tab. 23.2
Höhe Maßnahmen Verordnung
Bis 1cm Einlage eines Fersenkeils im Schuh, Absatzverminderung auf der Gegenseite, Absatzerhöhung außen. Evtl. Komb. mehrerer Maßnahmen Höhenausgleich durch Fersenkeil, Absatzerhöhung außen, Absatzverminderung auf der Gegenseite
2–3cm Zusätzlich Anbringung einer Ballenrolle Absatzerhöhung mit Ballenrolle
3–7cm Nur auf köchelhohen Schuhen mit stabiler Fersenkappe. Mögliche Alternative: Orthop. Schnürstiefel Absatzerhöhung mit Ballenrolle am Konfektionsschuh. Orthop. Schnürstiefel
7–12cm Orthop. Schuh mit Innenschnürung und eingebautem Verkürzungsausgleich Orthop. Schuh nach Maß mit Innenschuh bzw. 1 Paar orthop. Schnürstiefel nach Gipsabdruck mit Innenschnürung und Pufferabsatz bei Beinverkürzung
> 12cm Kniehohe Orthoprothese mit unterbautem Kunstfuß für Konfektionsschuh Verkürzungsorthoprothese mit unterbautem Kunstfuß nach Gipsabdruck

Bei Verordnung Angabe in Zentimeter erforderlich

Hauterkrankungen am Prothesenstumpf und ihre Stumpf:KontaktdermatitisStumpf:KontaktdermatitisStumpf:FurunkelStumpf:FurunkelStumpf:FollikulitisStumpf:FollikulitisProthesenrandknotenProthesenrandknotenKontaktdermatitisKontaktdermatitisFurunkelFurunkelFollikulitisFollikulitisTherapie

Tab. 23.3
Erkrankung Beschreibung/Ursachen Therapie
Kontaktdermatitis Hautpflegemittel Decubitan®, PC 30 V Stumpfpflegemittel®, Hautpflegeserie Fa. Otto Bock, anderes Schaftmaterial (vorher Patch-Tests)
Prothesenrandknoten (multiple kleine Hautzysten am Prothesenrand, oft verbunden mit brauner Pigmentierung) Folge einer chron. Überbeanspruchung durch punktuelle Belastung im Prothesenschaft, prox. zu enger Prothesenschaft Endkontakt im Schaft, prox. weiten, evtl. plastische Hautexzision
Schwitzen Teilweise durch physiol. Schaftform mit Vollkontakt und Endbelastung zu beheben. Versuch mit Silikon-Liner
Follikulitis und Furunkel Oft aufgrund mangelnder Hygiene von Schaft und Stumpf Ruhigstellen, Hochlagern, lokale Salbenverbände (z. B. Fuzidine®-Salbe). Inzision möglichst vermeiden
Pilzinfekte Lokalbehandlung mit fungistatischen Salben und Pudern (z. B. Miconazol = Daktar®), Bad mit Kaliumpermanganat
Hauttumoren am Stumpf Hyperkeratosen, Schwielen, Hautpapillome, Warzen. Verruköse Hyperplasie oft aufgrund von mangelndem Endkontakt Vollkontaktschaft mit Endbelastung

Standphasensicherung und Schwungphasensteuerung bei Kniegelenkmodulen

Tab. 23.4
Standphasensicherung
Mechanisch Hydraulisch Mit Auftrittstoßdämpfung
  • Einfache Technik

  • Keine hohen Ansprüche an den Pat.

  • Meist wie Trommelbremse bei Fahrzeugen

  • Einstellbare Wirkung

  • Alternierendes Treppabgehen nahezu unmöglich

  • Alternierendes Treppabgehen grundsätzlich möglich

  • Schiefe Ebene alternierend möglich

  • Gute Koordination vom Pat. erforderlich

  • Hohe Sicherheit

  • Kein alternierendes Treppabgehen

  • Auftrittstoßdämpfung schont WS und Gelenke

Schwungphasensteuerung
Mechanisch Hydraulisch Pneumatisch
  • Federvorbringer begrenzen Beugeausschlag, Achsfriktion bremst Bewegung

  • Gehgeschwindigkeit abhängig von Gewicht und Hebellänge des US

  • Nur eine Gehgeschwindigkeit befriedigend möglich

  • Einfaches kostengünstiges System

  • Weitgehend überholt

  • Einstellbarer Hydraulikzylinder dämpft Flexion und Extension

  • Für mittlere bis hohe Aktivität

  • Kostet Energie

  • Einstellbarer Pneumatik-Zylinder dämpft Flexion und Extension

  • Für geringe bis mittlere Aktivität

  • Gute Energieeffizienz

Geh- und VierfußgehstützeVierfußgehstützeStehbettStehbettRollatorRollatorKirschnerstöckeKirschnerstöckeGehwagenGehwagenGehbockGehbockGanzkörperstehständerGanzkörperstehständerFritzstockFritzstockAchselstützeAchselstützeStehhilfen

Tab. 23.5
Geh-/Stehhilfe Bemerkungen
Gehwagen mit Achselstützen Zum Gehenlernen nach OP an der unteren Extremität. Kraftaufnahme durch Achselstützen (Kraftlosigkeit, Koordinationsstörung)
Rollator Bei Gangunsicherheit, wenn Gehen mit UAGST noch nicht möglich. Speziell für Kinder.
Gehbock Zwei Ausführungen: Starr und reziprok
Achselstützen Seltener angewendet. Gefahr der Nervenläsion und Durchblutungsstörung
Unterarmgehstützen (Kirschnerstöcke, Arthritisgehhilfe) Voraussetzung: Ausreichende Muskelkraft, Koordinationsvermögen, Balancefähigkeit und genügende Aufrichtbarkeit des Rumpfs. Entlastung der unteren Extremität bei Lähmungen, Amputationen, postop. Entlastung, schmerzhaften Gelenkerkr. der unteren Extremität
Vierfußgehstütze Bes. bei Kindern mit ataktischen Störungen. Arthritisgehstütze. Abstützung auf angewinkeltem UA. Geringe Handkraft notwendig
Fritzstock Auch mit anatomischem Handgriff
Ganzkörperstehständer Ganzkörperfixation vorwiegend für Kinder mit neuromuskulären Erkr. Auch als Schrägliegebrett zu verwenden
Elektrohydraulisches Stehbrett Für Tetraplegiker zur Dekubitusprophylaxe, Ödemvermeidung, Kreislauftraining, Aufrichten ohne fremde Hilfe

Orthopädietechnik

Alfons Fuchs

  • 23.1

    Grundlagen793

  • 23.2

    Zervikalorthesen793

    • 23.2.1

      Schanz-Wickelkrawatte793

    • 23.2.2

      Anatomische Zervikalstütze (z. B. „Henßge-Krawatte“)794

    • 23.2.3

      Halbschalenzervikalstütze (Philadelphia)794

    • 23.2.4

      Halo-Body-Jacket794

    • 23.2.5

      Zervikalorthese nach Gipsabdruck795

  • 23.3

    Mieder795

    • 23.3.1

      Leibbinde nach Maß795

    • 23.3.2

      Halbelastisches Mieder (Lindemann-Mieder)795

    • 23.3.3

      Überbrückungsmieder nach Hohmann/Hohmann-Korsett796

  • 23.4

    Skoliosekorrekturkorsetts796

    • 23.4.1

      Cheneau-Korsett, Boston Korsett796

    • 23.4.2

      Night Time Bending Brace797

  • 23.5

    Reklinationskorsetts797

    • 23.5.1

      Münsteraner Kyphosen-Orthese797

    • 23.5.2

      3-Punkte-Korsett nach Vogt-Bähler798

  • 23.6

    Fixationskorsetts798

    • 23.6.1

      Fixationskorsett798

  • 23.7

    Orthesen der oberen Extremität798

    • 23.7.1

      Schulterabduktionsorthesen798

    • 23.7.2

      Ellenbogenorthesen799

    • 23.7.3

      Armorthesen800

  • 23.8

    Orthesen der unteren Extremität800

    • 23.8.1

      Orthesen bei Hüftdysplasie und -luxation800

    • 23.8.2

      Funktionelle Hüftorthesen801

    • 23.8.3

      Lagerungsorthesen801

    • 23.8.4

      Oberschenkelorthesen802

    • 23.8.5

      Knieorthesen802

    • 23.8.6

      Unterschenkelorthesen803

    • 23.8.7

      Innenschuhe806

    • 23.8.8

      Klumpfußorthesen806

    • 23.8.9

      Fußorthesen806

    • 23.8.10

      Einlagenversorgung807

  • 23.9

    Kompressionsstrümpfe und -strumpfhosen808

  • 23.10

    Schuhwerk809

    • 23.10.1

      Schuhzurichtung an Konfektionsschuhen809

    • 23.10.2

      Orthopädische Maßschuhe810

  • 23.11

    Grundlagen der Amputationschirurgie811

    • 23.11.1

      Allgemeines811

    • 23.11.2

      Postoperative Maßnahmen811

    • 23.11.3

      Stumpfprobleme812

    • 23.11.4

      Checkliste für Prothesensprechstunde814

    • 23.11.5

      Sofort- und Interimprothesen814

  • 23.12

    Amputationen und Prothesenversorgung der unteren Extremität815

    • 23.12.1

      Zehenamputationen815

    • 23.12.2

      Großzehenamputation816

    • 23.12.3

      Transmetatarsale Amputation816

    • 23.12.4

      Fußwurzel (Lisfranc, Chopart)817

    • 23.12.5

      Fußamputationen (Pirogow-Spitzy, Syme)817

    • 23.12.6

      Unterschenkelamputation818

    • 23.12.7

      Knieexartikulation819

    • 23.12.8

      Oberschenkelamputation820

    • 23.12.9

      Hüftexartikulation, Hemipelvektomie und intertrochantäre Amputation822

    • 23.12.10

      Orthoprothesenversorgung nach Borggreve-Umkehrplastik823

  • 23.13

    Amputationen und Prothesenversorgung der oberen Extremität824

    • 23.13.1

      Allgemeines824

    • 23.13.2

      Fingeramputationen825

    • 23.13.3

      Teilhand825

    • 23.13.4

      Handgelenkexartikulation826

    • 23.13.5

      Unterarmamputation826

    • 23.13.6

      Ellenbogenexartikulation827

    • 23.13.7

      Oberarm827

    • 23.13.8

      Schulterexartikulation und interthorakoskapuläre Amputation827

    • 23.13.9

      Doppelamputationen827

  • 23.14

    Rehabilitationsmittel828

    • 23.14.1

      Rollstühle828

    • 23.14.2

      Geh- und Stehhilfen828

    • 23.14.3

      Alltagshilfen (Auswahl)829

  • 23.15

    Lagerungsschalen aus Schaumstoff830

    • 23.15.1

      Bauch-, Rückenliegeschale830

    • 23.15.2

      Lagerungssystem830

  • 23.16

    Zuzahlungen830

  • 23.17

    Aufzahlungen831

Grundlagen

Allgemein
Indikation und Verordnung: Durch den Arzt.Orhtopädietechnik
Kostenvoranschlag: Orthopädietechniker an Krankenkasse. Nach Genehmigung Anfertigung, Anprobe, Lieferung durch Orthopädietechniker (OT).
Ärztliche Abnahme: Obligatorisch zur Kontrolle, ob das Behandlungsziel erreicht ist.
Orthopädietechnische Hilfsmittel
Prothesen
Prothese:DefinitionHilfsmittelKörperersatzstücke zum Ausgleich verloren gegangener oder von Geburt an fehlender Gliedmaßenabschnitte zur (Wieder-)Herstellung der Steh-, Geh- oder Greiffähigkeit oder als kosmetischer Ausgleich.
Anfertigungstechnik: Schaftanpassung individuell nach Gipsabdruck oder CAD, Gelenke und Strukturteile industriell gefertigt. Anpassung am Pat.
Orthesen
Funktion: Hilfsmittel zum Orthese:DefinitionErsatz verloren gegangener Funktionen, Korrektur, Immobilisierung.
  • Äußere Kraftträger der Stützung (z. B. Einlage, Beinstützapparat).

  • Fixation (z. B. Korsett nach WS-OP).

  • Stabilisierung (z. B. Rumpf bei hoher Querschnittslähmung).

  • Redression (Korsett bei Skoliosen).

  • Entlastung (Allgöwer-Apparat).

  • Immobilisation (Arthrodesenhülsen).

  • Mobilisierung (z. B. Peroneusfeder).

  • Längenausgleich (Orthoprothese.)

Anfertigungstechniken: Individualanfertigung nach Maß oder Gipsabdruck, Fertig- oder Halbfertigfabrikat.

Grundsatz für Orthesen: So wenig wie möglich, so viel wie nötig!

Reha-technische Hilfsmittel
Hilfsmittel zum Sitzen, Fahren, Heben, meist industriell gefertigt:
  • Rollstühle (ggf. individuell angepasst).

  • Sitzschalen (individuell angefertigt).

  • Lifter (industriell angefertigt).

  • Rollatoren (industriell angefertigt).

Zervikalorthesen

Zervikalorthese

Zahlreiche orthopädietechnische Versorgungsmöglichkeiten der HWS (konfektioniert und individuell) möglich.

Schanz-Wickelkrawatte

Definition
Leichter Schaumstoffkragen in Wickeltechnik.Schanz-Wickelkrawatte
Indikationen und Verordnung
Ind.: Leichte HWS-Halskrawatte, HWS-DistorsionDistorsion (10.5.3), Nackensteife, postop. nach HWS-OP.
Rp.: Schanz-Wickelkrawatte.
Prozedere
Funktionskontrolle.

Anatomische Zervikalstütze (z. B. „Henßge-Krawatte“)

Definition
Schaumstoffkragen mit Trikotüberzug und dorsalem Klettverschluss.Zervikalstütze:anatomischeHenßge-Krawatte
Indikationen und Verordnung
Ind.: HWS-Distorsion, schmerzhafte deg. HWS-Veränderungen (Immobilisation, Wärme, Entlastung).
Rp.: Anatomische Zervikalorthese aus Schaumstoff, z. B. nach Henßge.
Prozedere
Klinisch: Korrekter Umfang = Halsumfang. Korrekte Höhe: Mediales Drittel Klavikula bis Proc. mastoideus.
Ambulant: Passformkontrolle, Tragezeit je nach Schmerzsituation. Bei HWS-Distorsion etwa 2–4 Wo.

Halbschalenzervikalstütze (Philadelphia)

Definition
2-Schalen-Philadelphia-ZervikalstützeHalbschalenzervikalstützeOrthese aus halbfestem Schaummaterial mit Kunststoffverstärkungen. Konfektioniert oder nach Gipsabdruck.
Indikationen und Verordnung
Ind.: HWS-Distorsion, HWS-Frakturen, Polytrauma bei HWS-Frakturverdacht, schmerzhaft deg. HWS-Veränderungen (Immobilisation, Wärme, Entlastung), postop. Stabilisierung (z. B. nach Spondylodese).
Rp.: Halbschalenzervikalorthese.
Prozedere
Klinisch: Umfang = Halsumfang. Höhe: Mediales Drittel Klavikula bis Proc. mastoideus.
Ambulant: S. o., evtl. neu füttern und Nachpassung.

Halo-Body-Jacket

Definition
HWS-Fixationsorthese. HWS:FixationsortheseHalo-Body-JacketKunststoffjacke mit Abstützung über den gesamten Oberkörper, höhenverstellbaren Extensionsstangen und über die Schädelkalotte fixiertem Kopfring.
Indikationen und Verordnung
Ind.: Ruhigstellungen bei instabilen HWS-Frakturen. Postop. nach HWS-Aufrichtung z. B. bei M. Bechterew.
Rp.: Halo-body-Jacket nach Maß. Keine Kassenleistung, in Fallpauschale enthalten.
Prozedere
Klinisch: Maßtechnik: Brustumfang in Höhe Proc. xiphoideus. Montage des Halo-Rings an der Schädelkalotte: Rasur und Desinfektion von 4 Hautarealen am Kopf. Nach LA Stichinzision und Einschrauben von je 2 Schrauben über die Diagonale (nicht durch M. temporalis). Anziehen der Schrauben mit Drehmomentschraubenzieher (Erw. 5–6 Kp). Schrauben mit Kontermuttern blockieren. Tgl. Schraubenpflege und -kontrolle. Kontrolle des Ringsitzes.
Ambulant: 2-mal/Wo. ambulante Kontrolle (Hautpflege, Schraubenkontrolle).

Zervikalorthese nach Gipsabdruck

Definition
Zervikalorthese:nach GipsabdruckIndividuelle Anfertigung bei außergewöhnlichen Ansprüchen an Funktion und Proportion. Kann auch aus Soft Cast direkt angefertigt werden.
Indikationen und Verordnung
Ind.: Schiefhals, hoher Querschnitt. Postop. bei muskulärem Schiefhals.
Rp.: Zervikalorthese nach Gipsabdruck (genaue Beschreibung von Funktion und Kopfstellung).
Prozedere
Kontrolle Kopfstellung und Funktion, Druckstellenkontrolle.

Mieder

Leibbinde nach Maß

Definition
MiederLeibbindeIndividuell gefertigtes Stoffmieder, zirkulär um den Rumpf gearbeitet.
Indikationen und Verordnung
Ind.: Bei schwerer Abdominal-OP, Rektusdiastase, Bauchwandlähmung, Hernien bei Anus praeter.
Rp.: Leibbinde nach Maß.
Prozedere
Passform- und Funktionskontrolle.

Halbelastisches Mieder (Lindemann-Mieder)

Definition
Mieder:Lindemann-Mieder:halbelastischesLindemann-MiederDrellmieder mit Stabverstärkungen im Rücken, Vorderschnürung oder Klettverschluss.
Indikationen und Verordnung
Ind.: Lumbalgien bei deg. LWS- und unteren BWS-Veränderungen, Lumboischialgien, Diskopathien, leichte Formen der Osteoporose, postop. Teilfixierung nach Bandscheiben-OP und bei statisch muskulärer Insuff.
Rp.: Stützmieder nach Lindemann nach Maß.
Prozedere
Passform- und Funktionskontrolle.

Überbrückungsmieder nach Hohmann/Hohmann-Korsett

Definition
Wie Lindemann-Mieder,Mieder:Überbrückungs-Hohmann-Korsett jedoch mit Becken und Rumpf umfassenden Aluminiumspangen. LWS-überbrückend mit vertikalen Verbindungsstäben. Entlordosierend, fixierend für LWS.
Indikationen und Verordnung
Ind.: Ausgeprägte Osteoporose, Spondylolisthesis, WK-Fraktur, Tumormetastasen, Segmentinstabilität.
Rp.: Hohmann-Überbrückungsmieder nach Gipsabdruck.
Prozedere
Passform- und Funktionskontrolle.

Skoliosekorrekturkorsetts

Cheneau-Korsett, Boston Korsett

Definition
Teilaktives Skoliose:KorsettsKorsett:SkoliosekorrekturCheneau-KorsettBoston KorsettKunststoffkorsett mit Druckzonen und Freiräumen (Abb. 23.1). Verschluss vorne, bei Scheitel bis Th7: Höhe bis Achsel, darüber mit einseitiger Halsanstützung. Berücksichtigung der Sagittalkrümmungen der WS, 3-dimensionale Korrektur, Anheben der konkavseitigen Achsel.
Indikationen und Verordnung
Ind.: Idiopathische Skoliose 20–50° bei nachgewiesener Progredienz und erhaltener Teilflexibilität/Korrigierbarkeit der WS im Wachstum.
Rp.: Teilaktive SkoliosekorrekturortheseSkoliosekorrekturorthese.
Prozedere
Klinisch
Ambulante oder stationäre Korsettanpassung. Bei stationärer Anpassung KG obligatorisch. Rö-Kontrolle im Korsett.
Ambulant
Rö-Aufnahme vor Versorgung, Rö-Aufnahme mit Korsett mind. 30 % Korrekt., Kontrolle der Lokalisation und Größe von Druckzonen und Freiräumen. Pat.-Führung.
Kontrollen
  • !

    Druckzonen auf Rippenbuckel/Prominenzen.

  • Freiräume gegenüber Druckzonen und größer als diese.

  • Nach 1 Wo. Eingewöhnung i. d. R. 24 h Tragezeit/d abzüglich Körperpflege.

  • Erste Kontrolle bei Orthopädietechnik nach 6 Wo., dann alle 3 Mon.

  • Halbjährliche ambulante Kontrolle, ggf. Rö-Kontrolle.

  • KG erforderlich.

  • Hautpflege: Enges T-Shirt unter Korsett, Haut abhärten (kalt abwaschen), keine Creme, kein Puder.

  • Alle Sportarten erlaubt. Zum Sport evtl. ablegen.

  • Neuversorgung nach Wachstum (dokumentieren!).

  • Abschulung stufenweise nach Wachstumsabschluss. Weiterhin zunächst halbjährliche Kontrolle.

Night Time Bending Brace

Definition
Nachtkorsett nach Gipsabdruck in max. Seitneigung entgegen der Skoliose. Nur bei C-förmigen Skoliosen. Verschluss vorne.Night Time Bending Brace
Indikationen und Verordnung
Ind.: C-förmige Skoliose.
Rp.: Night Time Bending Brace
Prozedere
Klinisch: Ambulante oder stationäre Anpassung mit Rö-Kontrolle im Korsett.
Ambulant: Rö-Kontrolle im Korsett nach Anpassung, halbjährliche ambulante Kontrollen, ggf. mit Rö. Enges T-Shirt unter Korsett. Abschulung nach Wachstumsabschluss.

Reklinationskorsetts

Münsteraner Kyphosen-Orthese

Definition
LWS entlordosierend, BWS reklinierend, individuell gefertigt.ReklinationskorsettOrthese:Münsteraner Kyphosen-Münsteraner Kyphosen-OrtheseKorsett:Reklinations-
Indikationen und Verordnung
Ind.: Thorakaler M. Scheuermann, teilfixierte Kyphosen im Wachstumsalter 45–75° nach Cobb.
Rp.: Münsteraner Kyphosen-Orthese.
Prozedere
Klinisch: Ambulante oder stationäre Anpassung mit Rö-Kontrolle im Korsett.
Ambulant: Rö-Kontrolle im Korsett. Hautschutz durch enges T-Shirt. Funktionskontrolle Entlordosierung, Reklination, Höhe des Kyphosescheitels, Freiraum lumbal, erste Kontrolle bei Orthopädietechnik nach 6 Wo., weitere Kontrollen alle 3 Mon, halbjährliche Arztkontrollen, ggf. mit Rö.

3-Punkte-Korsett nach Vogt-Bähler

Definition
Vogt-Bähler-KorsettKorsett:Vogt-Bähler-Korsett:3-Punkte-3-Punkte-KorsettKonfektioniert zur Lordosierung/Reklination der LWS. Ausführungen mit Einschränkung der Seitneigung oder der Rotation möglich.
Indikationen und Verordnung
Ind.: Meist temporäre Versorgung nach stabiler WK-Fraktur der LWS oder unteren BWS, lumbaler M. Scheuermann.
Rp.: 3-Punkte-Korsett nach Vogt-Bähler.
Prozedere
Anpassung durch Orthopädietechniker, Funktionskontrolle: Taillensitz, untere Pelotte auf Os pubis, obere Pelotte am Manubrium sterni.Reklinationskorsett(s)“\r“ReklinationskorsettsKorsett(s):Reklinations-“\t“Siehe Reklinationskorsett(s)

Fixationskorsetts

Fixationskorsett

Definition
FixationskorsettZirkuläres Korsett aus Kunststoff zur Fixation der WS in allen Eb.
Indikationen und Verordnung
Ind.: Schwere Osteoporosen, Osteomalazie, WS-Tumor, Spondylitis, postop. nach Spondylodese.
Rp.: Fixationskorsett nach Gipsabdruck.
Prozedere
Absprache mit Orthopädietechnik wegen Ausführung, Funktions- und Passformkontrolle.

Orthesen der oberen Extremität

Schulterabduktionsorthesen

Abduktionsorthese verstellbar
Definition
Konfektionierte Orthese mit Armauflage, Schulter- und Brustgurten.Schulter:OrtheseOrthese:Schulterabduktions-Orthese:obere Extremität
Indikationen und Verordnung
Ind.: Z. n. OP im Schultergelenkbereich, nach Narkosemobilisation.
Rp.: Verstellbare Schulterabduktionsorthese.
Prozedere
Orthese schon vor Narkosemobilisation oder OP einstellen und anpassen.
Abduktionskeil
Definition
Mit Schulter:AbduktionskeilAbduktionskeil (Schulter)Gurten am Körper befestigter Schaumstoffkeil, Hand- und UA-Führung mit Klettverschlüssen.
Indikationen und Verordnung
Ind.: Nach OP am Schultergelenk bei vorderer Schulterluxation.
Rp.: Angepasster Abduktionskeil nach Maß. Angabe des Abduktionswinkels.
Prozedere
Funktionskontrolle.
Briefträgerkissen
Definition
Keilförmiges,Briefträgerkissen unter der Achsel zu tragendes Kissen mit verstellbaren Schulter- und Brustgurten. Hand- und Ellenbogenführung mit Laschen.
Indikationen und Verordnung
Ind.: Z. n. OP im Schultergelenkbereich, nach Narkosemobilisation. Nur bei stabiler Situation.
Rp.: Schulterabduktionskissen. Abduktionswinkel angeben.
Prozedere
Funktionskontrolle.

Ellenbogenorthesen

Definition
Zur Orthese:EllenbogenEllenbogen:OrtheseBewegungseinschränkung mit Anschlägen oder Untersützung von Bewegungen in Pronation, Supination, Flexion, Extension. Mit oder ohne Handteil. Mit Federgelenken zur dynamischen Korrektur.
Indikationen und Verordnung
Ind.: Kontrakturen, Lähmungen, Instabilitäten, Hypermobilität, Z. n. operativer Arthrolyse.
Rp.: Armorthese nach Gipsabdruck. Angabe der gewünschten Funktion.
Prozedere
Funktions- und Passformkontrolle.

Armorthesen

Armlagerungsorthese
Definition
Orthese zur Lagerung der oberen Extremität in Korrekturstellung, mit oder ohne Langfingerfassung, ggf. mit Federgelenken zu dynamischen Korrekturlagerung.Orthese:ArmArm:Orthese
Indikationen und Verordnung
Ind.: Handfehlstellungen (z. B. bei ICP, nach Apoplex). Postop. Lagerung zur Stabilisierung. Klumphand.
Rp.: Armlagerungsorthese nach Gipsabdruck. Angabe der gewünschten Handstellung, mit oder ohne Daumeneinschluss.
Prozedere
Passform- und Funktionskontrolle.
Armfunktionsorthese
Definition
Wie Lagerungsorthese, aber ohne Langfingerfassung.
Verordnung
Armfunktionsorthese, Angabe der Winkelstellungen und Behandlungsziele.
Prozedere
Passform- und Funktionskontrolle.

Orthesen der unteren Extremität

Orthesen bei Hüftdysplasie und -luxation

Spreizbandagen, Spreizschienen
Definition
In Flexion und Abd. einstellbare Bandage zur stufenweisen konservativen Reposition angeborener Hüftluxation oder Retention reponierter, instabiler Gelenke. Pavlik-Bandage, Hanausek-Bandage, Düsseldorfer Schiene, Fettweis-Schiene, Tübinger Schiene etc. SpreizschieneSpreizbandagePavlik-BandageOrthese:untere ExtremitätOrthese:HüftluxationOrthese:HüftdysplasieHüftgelenk:OrtheseHanausek-BandageFettweis-SchieneDüsseldorfer Schiene
Indikationen und Verordnung
Ind.: Reposition angeborener Hüftluxationen spätestens bis 2 Wo. nach Geburt. Retention nach Reposition.
Rp.: Spreizbandage mit Angabe des Modells und der Einstellwinkel.
Prozedere
i. d. R. beginnend bei 90° Flexion. Während 2 Wo. auf 110–120° erhöhen. Wöchentliche Kontrollen. Nach ca. 6 Wo. Kontrolle alle 2–3 Wo. Reduzierung der Flexion nach Stand der Reposition unter Beibehaltung der Abduktion. 4–6 Wo. darf die Bandage auch zur Körperpflege nicht abgenommen werden. Tragezeit 6–8 Mon. Mitarbeit der Eltern obligatorisch. Sono-Kontrollen alle 3 Mon. Entwöhnung 4–6 Wo.
Spreizhosen
Definition
Nachreifungsorthesen.Spreizhose Zur Sicherung in reduzierter Flexion und Abspreizung. Graf-Mittelmeier-Spreizhose, Aktiv-Spreizhose etc.
Indikationen und Verordnung
Ind.: Stabile, dysplastische Hüftgelenke. Neugeborene mit instabilen Hüften IIc, stabilen Hüften IIa–IIc (13.1.7).
Rp.: Spreizhose unter Angabe der Breite.
Prozedere
Bei instabilen Hüften Neugeborener 4-wöchiger Versuch. Wenn dann stabil → Fortsetzung, wenn instabil → Retention im Sitz-Hock-Gips. Funktions- und Passformkontrolle.

Funktionelle Hüftorthesen

Definition
Beckenfassung, bewegliches Hüftgelenk, Anlage am OS, suprakondyläre Fassung. Orthese führt das Hüftgelenk, vermeidet die Aro. und Add.Hüftorthese:funktionelle
Indikationen und Verordnung
Ind.: Schwere Koxarthrose, Luxationsgefahr bei TEP, TEP-Lockerung, Girdlestone-Hüfte, Trendelenburg- und Duchenne-Hinken.
Rp.: Funktionelle Hüftorthese nach Gipsabdruck oder Maß.
Prozedere
Passform- und Funktionskontrolle.

Lagerungsorthesen

Definition
Nach Orthese:Lagerungs-LagerungsortheseGipsabdruck gefertigte beinumfassende Kunststoffschale. Ausführungen für Fuß, US, OS oder beckenübergreifend. Ggf. mit Federgelenken zur dynamischen Aufdehnung.
Indikationen und Verordnung
Ind.: Postop. Lagerung und Halten einer operativ erreichten Korrektur (z. B. Spreizlagerung nach Adduktorentenotomie). Aufdehnung vorhandener nichtstruktureller Kontrakturen (Federgelenke).
Rp.: OS- oder US-Lagerungsorthese mit oder ohne Gelenke, ggf. Beckenfassung. Nach Gipsabdruck. Angabe der gewünschten Gelenkwinkel
Prozedere
Passform- und Funktionskontrolle.

Oberschenkelorthesen

Definition
Orthese:OberschenkelOberschenkel:OrtheseMögliche Funktionen: Entlastung mittels Tubersitz, Fixation durch großflächige Fassung (Hülsen), Unterstützung bei Lähmungen durch Gelenksperren oder Aufbaustatik, Korrektur von Fehlstellungen oder Längenausgleich. Unterschiedliche Bauarten (Hülsen, Schellen) und Materialien (Walkleder, Karbon, Aluminium, Titan, Stahl). Absprache mit Orthopädietechniker erforderlich.
Indikationen und Verordnung
Ind.: Poliomyelitis, Paraplegie, MMC, ICP, Pseudarthrosen, Arthrosen, Gelenkerkr., Tumoren etc.
Rp.: OS-Orthese nach Gipsabdruck. Angabe der Funktion und des Versorgungsziels.
Prozedere
Funktions- und Passformkontrolle, ggf. Gehübungen mit KG.

Knieorthesen

Kniebandagen mit Kompressionssegmenten
Definition
Orthese:KnieKnie:OrtheseKnie:BandageHülle aus elastischem Material, teilweise mit eingearbeiteten Polstern oder Verstärkungsstäben.
Indikationen und Verordnung
Ind.: Leichte Kniebandinstabilitäten, beginnende Gonarthrosen.
Rp.: Kniebandage.
Elastische Führungsorthesen
Definition
Hülle Führungsorthese:elastischeaus elastischem Material, seitl. eingearbeitete Gelenkschienen, ggf. mit verstellbaren Anschlägen. Gelenkschienen an Körperform anpassbar.
Indikationen und Verordnung
Ind.: Knieinstabilitäten, Z. n. Kreuzband-OP, leichtere Varus-, Valgusgonarthrosen.
Rp.: Knieorthese mit Gelenkführung. Ggf. Angabe der Gelenkanschläge.
Starre Führungsorthesen
Definition
Starre Führungsorthese:starreRahmenkonstruktion mit Gelenken zur Knieführung. Reduzierung von Iro., Aro. und Schublade. Seitl. Führung. Gelenke ggf. verstellbare Anschläge.
Indikationen und Verordnung
Ind.: Knieinstabilitäten, Z. n. Kreuzband-OP, leichtere Varus-/Valgusgonarthrosen, als Sportschiene, „Giving-way“-Symptomatik.
Rp.: Funktionelle Knieorthese nach Maß oder Gipsabdruck. Gegebenenfalls Angabe der Gelenkanschläge.
Prozedere
Funktions- und Passformkontrolle. Rutschfestigkeit überprüfen (Gelenkinkongruenz!).
Valgus-/Varus-Korrekturorthesen
Definition
Konfektioniert oder individuell gefertigt. Varus:KorrekturortheseValgus:KorrekturortheseKorrekturorthesen
Indikationen und Verordnung
Ind.: Ausgeprägte Valgus-/Varus-Instabilitäten.
Rp.: Valgus-/Varus-Korrekturorthese nach Maß oder Gipsabdruck.
Prozedere
Passform- und Funktionskontrolle. Rutschfestigkeit überprüfen (Gelenkinkongruenz!).
Patellasehnenbandage
Definition
PatellasehnenbandageZirkulärer Gurt übt einstellbaren Druck auf Patellasehne aus. Steigert die Reflexgeschwindigkeit.
Indikationen und Verordnung
Ind.: Chondropathia patellae.
Rp.: Patellasehnenbandage.
Prozedere
Kontrolle der Wirksamkeit (Treppensteigen).

Unterschenkelorthesen

Allgöwer-Apparat
Definition
US-Unterschenkel:OrtheseOrthese:UnterschenkelAllgöwer-ApparatEntlastungsorthese nach Maß oder Gipsabdruck zur temporären Entlastung. Abstützung an prox. Tibia. Dist. US und Fuß im Gehbügel frei schwebend. Spitzfuß:ProphylaxeProphylaxe:SpitzfußSpitzfußprophylaxe oder Teilbelastung möglich. Schuherhöhung auf Gegenseite.
Indikationen und Verordnung
Ind.: Z. n. Kalkaneusfraktur oder Sprunggelenkfraktur.
Rp.: Allgöwer-Apparat nach Maß oder Gipsabdruck.
Prozedere
Funktions- und Passformkontrolle (Ferse auch bei Belastung frei schwebend).
Settner-Münch-Orthese
Definition
Fersenbein-Settner-Münch-OrtheseEntlastungsorthese nach Maß zur temporären Entlastung des Kalkaneus. Abstützung an dorsalem US und Mittelfuß. Ggf. Schuherhöhung auf Gegenseite.
Indikationen und Verordnung
Ind.: Z. n. Kalkaneusfraktur.
Rp.: Settner-Münch-Orthese nach Maß.
Prozedere
Funktions- und Passformkontrolle (Ferse zunächst ohne Belastung, dann langsame Steigerung der Belastung).
Peroneusorthesen
Tab. 23.1.Peroneusorthese
Unterschenkelorthese
Definition
Als Hülsen- oder Schellenapparat. Hülsen zur großflächigen Lastverteilung, Schellen nur zur Führung und Unterstützung. Mit oder ohne Gelenke. Gelenkanschläge und Vorfußhebel ermöglichen Einflussnahme auf Schrittlänge und Kniesicherung bei schwachen Kniestreckern.
Indikationen und Verordnung
Ind.: Paresen, Poliomyelitis, MMC, Instabilitäten.
Rp.: US-Orthese nach Gipsabdruck. Angabe der Wirkungsweise. Ggf. Angabe der Anschläge im Gelenk. Ggf. Verordnung von Orthesenschuhen (zuzahlungspflichtig) → konfektionierte Spezialschuhe, die proportional angepasst sind.
Prozedere
Funktions- und Passformkontrolle.
Unterschenkelorthese nach Baise/Pohlig
Definition
Unterschenkelorthese:nach Baise/PohligSonderform der US-Orthese zur Behandlung des dynamischen spastischen Spitzfußes oder anderer komb. Fehlstellungen am USG und OSG, Ringfassung Rückfuß, Gelenkanschläge zur Bewegungssteuerung.
Indikationen und Verordnung
Ind.: Dynamischer spastischer Spitzfuß, Spitz-Knickfuß oder Spitz-Klumpfuß, komb. Fehlstellungen USG, OSG
Rp.: US-Orthese mit Ringfassung nach Baise/Pohlig.
Prozedere
Funktions- und Passformkontrolle. Dokumentation und regelmäßige Kontrollen zur Bewertung der Veränderung.
Zur konservativen Spitzfußkorrektur 6–8 Wo. tägliche Tragezeit 23 h.
TR-Ringorthese
Definition
Talus-Repositions-TR-RingortheseTalus-Repositions-RingortheseRingorthese. Steifer, zirkulär geschlossener Ring umschließt den Rückfuß zur Korrektur des Knickfußes.
Indikationen und Verordnung
Ind.: Knick-Fuß
Rp.: TR-Ringorthese nach Gipsabdruck.
Prozedere
Funktions- und Passformkontrolle.
Dynamische Unterschenkel-Fußorthesen (DAFO)
Definition
Leichte gelenklose Orthesen aus dünnem Kunststoff zur Korrektur im USG.dynamische Unterschenkel-Fußorthesen
Indikationen und Verordnung
Ind.: Fußfehlstellungen im USG.
Rp.: Neuroreflektorische US-Orthese nach Gipsabdruck.
Prozedere
Funktions- und Passformkontrolle.

Innenschuhe

Definition
Verstärkter InnenschuhLederschuh zur Verwendung im Konfektionsschuh. Korrektur Fußfehlstellungen, keine Dynamik.
Indikationen und Verordnung
Ind.: Schwere Fußfehlstellungen, Sicherung von Arthrodesen, Arthrosen im Sprunggelenk.
Rp.: Innenschuh nach Gipsabdruck.
Prozedere
Funktions- und Passformkontrolle.

Klumpfußorthesen

Nichtverstellbare Klumpfußorthese
Definition
Lagerungsschale i. d. R. knieübergreifend, Fersenfassung, 90° Kniebeugung, Sichelfußkorrekturzügel.Orthese:KlumpfußKlumpfuß:Orthese
Indikationen und Verordnung
Ind.: Halten eines OP-Ergebnisses oder einer Redressionsgipsbehandlung.
Rp.: OS-Lagerungsorthese zur Klumpfußkorrektur nach Gipsabdruck.
Prozedere
Klinisch: Funktions- und Passformkontrolle: Guter Fersensitz, Hypomochlion zur Sichelfußkorrektur am Os cuboideum.
Dennis-Brown-Schiene/Alfa-flex-Orthese
Definition
Dennis-Brown-SchieneAlfa-flex-OrtheseFußplatte, auf die Schuhe in 70° Außenrotation befestigt werden. Zur Nachbehandlung idiopathischer Klumpfüße nach der Ponseti-Methode.
Indikationen und Verordnung
Ind.: Idiopathischer Klumpfuß nach Gipsredression und/oder Tenotomie.
Rp.: Dennis-Brown-Schiene.
Prozedere
Funktions- und Passformkontrolle. Kontrolle der richtigen Außenrotationseinstellung. Tägliche Tragezeit anfangs 24 h, später bei älteren Kindern nur nachts.

Fußorthesen

Sichelfußorthese
Definition
SichelfußortheseOrthese:FußFuß:OrtheseKorrektur der Vorfußadduktionsstellung durch Schaumstoffringe für den US in den ersten Lebenswochen (bei Bauchliegern), OS-Nachtlagerungsschalen mit oder ohne verstellbaren Vorfußteil je nach Schweregrad; danach im Laufalter Antivarusschuhe.
Indikationen und Verordnung
Ind.: Pes Pes:varusvarus.
Rp.: Fußlagerungsringe (3 Härtegrade). Sichelfußorthese nach Gipsabdruck. Antivarusschuhe.
Prozedere
Funktions- und Passformkontrolle. Bei Lagerungsschalen Fersenfassung, lat. bis Os cuboideum.

Einlagenversorgung

Formen
  • Unterscheidung in Korrektureinlage (KorrektureinlageEinlagenwährend des Wachstums), Kopieeinlage (Erw.), KopieeinlageBettungseinlage (Bettungseinlagekontrakte Fehlstellungen) und Diabetesfußbettung (Druckstellengefahr).

  • Große Modellvielfalt. Allgemein werden elastische/weiche Einlagen als günstiger angesehen.

Einlagen müssen eine Einheit mit dem Schuh bilden und dessen Absatzhöhe berücksichtigen.

Maß und Modelltechnik
  • Blaudruck: Belastungsabdruck zur Diagnose der Fehlstellung und überlasteten Regionen. Nur für konfektionierte Einlagen verwendbar.

  • Gipsabdruck: Vorlage zur individuell gefertigten Einlage.

  • Schaumabdruck: Alternative zum Gipsabdruck.

  • CAD-CAM: Computergesteuertes Verfahren.

Spezielle Einlagen
Senkfuß: Flache Senkfuß:EinlageEinlage Einlage:Senkfußmit Längsgewölbeabstützung.
Knickfuß: Fersenumfassende Knickfuß:EinlageEinlage Einlage(n):Knickfußmit Längsgewölbeabstützung im hinteren Teil des Längsgewölbes. Cave: Knickfuß bei Kindern physiologisch.
Spreizfuß: Spreizfußpelotte Spreizfuß:EinlageEinlage:Spreizfuß für Querwölbung unter Mittelfußknochen II–IV. Mittelfußknochen I und V müssen Bodenkontakt haben. Breite retrokapitale Abstützung zur Entlastung aller Mittelfußköpfchen bei DS auch an Mittelfußknochen I und V. Bei rez. Problemen Abrollhilfe am Schuh.
Hohlfuß: Mit Hohlfuß:EinlageEinlage:HohlfußEinlagen nicht korrigierbar. Bettungseinlagen vergrößern die Belastungsfläche. Spreizfußpelotte.
Klump- oder Sichelfuß: Fersenumfassende Klumpfuß:EinlageEinlage Einlage:Klumpfußmit vorgezogenem med. Backen bis zum Großzehengrundgelenk (Dreibackeneinlage) Fersenfassung lat. bis Os cuboideum
Fersensporn: Einlagen Fersensporn:EinlageEinlage:Fersenspornmit Längsgewölbeabstützung zur Entlastung der Plantarfaszie, weichem Fersenpolster und Aussparung an druckempfindlicher Stelle. Aussparung im Verlauf der Faszie nach vorn.
Diab. mell.: Sandwichbauweise mit festem Kern und nach oben immer weicheren Materialien. Druckverteilungsmessung obligatorisch. Festes Schuhwerk obligatorisch. Evtl. Abrollsohle und Sohlenversteifung. Nur Orthopädie(schuh)techniker mit entsprechender Schulung. Kontrolle in kurzen Intervallen.

Kompressionsstrümpfe und -strumpfhosen

Definition
Strümpfe aus elastischen, mit Baumwolle, Seide (teuer, komfortabel) oder Mischgewebe umwickelten, gestrickten Fäden.KompressionsstrumpfhosenKompressionsstrümpfe
Merkmale
  • Bei Ödem und ab Kompressionsklasse 3 flach gestrickt.

  • Maßnahme nur am entstauten Bein, d. h. frühmorgens.

  • Bei Maßabweichung gegenüber Konfektionstabelle Maßanfertigung.

  • Ausführungshöhen: Knöchelstrumpf (A–B), US-Strümpfe (A–D), Halbschenkelstrümpfe (A–F), Schenkelstrumpf (A–G) und Strumpfhose (A–M).

Bei Halbschenkel- und Schenkelstrumpf Haltebandage, Haftgel oder Haftband verordnen.

Kompressionsklassen und Indikation

Die Kompressionsklasse ist zwingend von der Ind. abhängig!

Kompressionsklasse 1: Z. B. bei Schwangerschaftsvarizen, Besenreiservarizen ohne Ödemneigung. Schwere- und Müdigkeitsgefühl in den Beinen (stehende Berufe).
Kompressionsklasse 2: Am häufigsten verordnete Klasse. Ausgeprägte Varikosis mit Ödemneigung, posttraumatische Schwellung, Thrombophlebitis, Z. n. Verödung und Varizen-OP, starke Schwangerschaftsvarikose mit geringer bis mittlerer Ödemneigung.Kompressionsstrümpfe:Kompressionsklassen
Kompressionsklasse 3: Postthrombotisches Sy., schwere Varikosis, Atrophie blanche, starke Ödemneigung, Ulcus cruris.
Kompressionsklasse 4: Nur geeignet bei schwersten Ödemen, Elephantiasis.
Kompressionsstrumpfhosen: Hochreichende Varikosis und Z. n. Beckenvenenthrombose.
Anziehen der Strümpfe: Ab Kompressionsklasse 2 Anziehen ggf. schwierig, ggf. Hilfe erforderlich. Nach dem Aufstehen anziehen.
Verordnung
  • Verordnung: Höhe des Strumpfs, z. B. A–G, Kompressionsklasse, ein Stück oder ein Paar und Diagnose.

  • Bei Erstversorgung Doppelversorgung aus hygienischen Gründen zulässig. Neuverordnung alle 6 Mon. wegen Nachlassen der Wirkung

Thromboseprophylaxe- und Stützstrümpfe

  • ThromboseprophylaxestrümpfeThromboseprophylaxestrümpfe nur für liegenden Pat. geeignet. Kompressionswirkung kleiner als Kompressionsklasse 1. Nicht zur Behandlung des varikösen Symptomenkreises geeignet.

  • StützstrümpfeStützstrümpfe haben keine medizinische Kompressionsklasse, da sie unter Kompressionsklasse 1 liegen → nicht verordnungsfähig!

Schuhwerk

Schuhzurichtung an Konfektionsschuhen

Definition
Modifikationen an Absatz, Laufsohle, Brandsohle, Vorder-, Hinterkappe und Schaft. Möglichst festen Schuh wählen, da an leichten Schuhen Wirkungsminderung.SchuhwerkKonfektionsschuhe
Vorteile
  • Kostenersparnis: Kostspieliger orthop. Maßschuh oft nicht nötig.

  • Erhöhung der Trageakzeptanz (Kosmetik).

Ziel
Schuh dem Fuß anpassen, Stellung des Fußes im Schuh verändern, Bewegungsablauf beeinflussen.
Beinlängenausgleich
Schuhzurichtungsvorschläge bei häufigen Erkrankungen
Spreizfuß, Morton-Metatarsalgie, M. Köhler II, Dornwarzen, Narben: Schmetterlingsrolle (Abb. 23.2). Spreizfuß:SchuhzurichtungMorton-Metatarsalgie:SchuhzurichtungEntlastung von Metatarsale II–IV. Voraussetzung: Belastungsfähigkeit Metatarsale I und V. Gleichzeitige Weichbettung der Mittelfußköpfchen und Aussparung der Brandsohle sinnvoll. Komb.: Einlagen bzw. Metatarsalpelotten. Rp.: Schmetterlingsrolle mit Weichbettung (evtl. Ausgleich auf Gegenseite).
Arthrosen der unteren Extremität (Hüfte, Knie, Sprunggelenk, Fußwurzel), Achillodynie: Pufferabsatz (Abb. 23.2). Anbringung an Arthrose:SchuhzurichtungAchillodynie:SchuhzurichtungKonfektionsschuh, keine Höhenveränderung, auch als Abrollhilfe verwendbar. Rp.: Ein Paar Pufferabsätze am Konfektionsschuh.
Hallux rigidus bzw. Großzehenverlust: Ballenrolle (Abb. 23.2) und Fersenspange. Hallux:rigidusVerbessert Abrollfähigkeit. Rp.: Ballenrolle an vorhandenem Kaufschuh. Federspange in den vorhandenen Schuh einarbeiten.
Ankylosen der Gelenke der Beinsäule, endgradige Bewegungseinschränkungen, schmerzhafte Veränderung (Arthrose) im Mittel- und Rückfuß: Mittelfußrolle. Abrollhilfe zur Erleichterung der Schrittfolge. Rp.: Mittelfußrolle an vorhandenem Kaufschuh mit Absatzangleichung.
Quadrizepsschwäche, Kniebandläsionen: Zehenrolle. Scheitel vor den Zehengrundgelenken. Wirkt rückhebelnd auf das Kniegelenk. Rp.: Zehenrolle an vorhandenem Kaufschuh.
Retropatellararthrosen, Morbus Osgood-Schlatter: Negativabsatz. Retropatellararthrose:SchuhzurichtungRp.: Negativabsatz an vorhandenem Kaufschuh.
Fußwurzelarthrosen, rheumatischer Fuß: Fußwurzelarthrose, SchuhzurichtungAbrollwiege oder Tintenlöscher: Abrollhilfe bei Orthesenversorgung und kurzen Fußstümpfen. Rp.: Orthop. Schuhzurichtung als Tintenlöschersohle.
Varusgonarthrosen, Außenbandläsionen: Varusgonarthrose:SchuhzurichtungPronationskeil. Rp.: Außenranderhöhung der Laufsohle bis max. 1 cm am Konfektionsschuh.
Valgusgonarthrosen, Innenbandläsionen: Valgusgonarthrose:SchuhzurichtungSupinationskeil. Rp.: Supinationskeil in oder am Konfektionsschuh.
Achillodynien, Haglund-Exostose, Bursitis: Schafterhöhung Haglund-Exostose:Schuhzurichtungund keilförmige Erweiterung an Fersenkappe (→ Druckentlastung am Achillessehnenansatz). Rp.: Orthop. Zurichtung als Schafterhöhung mit keilförmiger Erweiterung als Fersenkappe.
Haglund-Ferse, Bursitiden, Hammerzehe, Hallux valgus, Silverskjöld-Exostose: Polsterung, Schaftveränderung am Oberleder zur Hammerzehe:SchuhzurichtungVerminderung lokaler Druckstellen. Rp.: Orthop. Zurichtung als Polsterung am Oberleder, Weitung oder Ausbeulung.

Orthopädische Maßschuhe

Definition
Maßschuhe:orthopädischeNur indiziert, wenn mit anderen Maßnahmen (Einlagen, Schuhzurichtung am Konfektionsschuh) keine befriedigende Versorgung möglich. Verordnungsfähig sind: Halbschuhe, Stiefel, Schaftstiefel, Hausschuhe; Sonderformen: Bade-, Sport- und Therapieschuhe.
Indikationen
Schwere Deformationen oder Ankylosen im OSG und USG, hohe Beinverkürzungen, schlaffe Lähmungen, Fußdeformitäten in Komb. mit Peroneuslähmung, dauernde starke Schwellungszustände (Elephantiasis). Diabetischer Fuß, schwere Deformierung bei ICP.
Prozedere
Verordnung durch Facharzt, Versorgungsvorschlag zusammen mit Orthopädieschuhmacher, Kostenvoranschlag an Kostenträger, Abnahme durch Facharzt.

Grundlagen der Amputationschirurgie

Allgemeines

  • Versorgungstechnische Klärung mit Orthopädietechnik und Besprechung der Reha im Team möglichst bereits vor OP. Aktive Mitarbeit des Pat. erforderlich.Amputation

  • Amputationshöhe: So weit distal wie möglich bei ausreichender Weichteildeckung.

  • Klin. Untersuchung und intraop. Befund sind die wichtigsten Methoden zur Bestimmung der Amputationshöhe nach Ind.-Stellung.

Je länger der Hebelarm, desto besser die Kontrolle über die Prothese und desto geringer der Energieaufwand für den Prothesengang.

  • Endbelastungsfähigkeit des Stumpfs unter Erhaltung der Sensibilität anstreben.

  • Kinder: Kongenitale Gliedmaßendefekte untere Extremität: Prothetische Versorgung mit Vertikalisierung; obere Extremität: Prothesenversorgung im Sitzalter. Bei traumatischen Amputationen nach Möglichkeit distale Epiphyse erhalten (→ Längenwachstum). Problem: Überschießendes Wachstum der knöchernen Stumpfenden bei Amputation im OA und US. Gefahr der Durchspießung.

Postoperative Maßnahmen

Kontrakturprophylaxe: Durch Prophylaxe:KontrakturKontraktur:Prophylaxegeeignete Stumpflagerung. Gefahr der Beuge- und Abduktionskontraktur beim OS-Stumpf, Beugekontraktur bei US. Bei Gefäßpat. horizontal oder etwas tiefer lagern.
Stumpfpflege: Hygienische Maßnahmen für Stumpf und Prothesenschaft von großer Stumpf:PflegeBedeutung. Amputationsstumpf und Innenschaft der Prothese tgl. mit lauwarmem Wasser und geringer Menge hautfreundlicher Seife waschen. Stumpfstrümpfe tgl. wechseln. Haut abhärten mit Bürstmassagen, mit Alkohol abreiben, Kaltwasserbehandlung. Cave: Keine Cremes, kein Puder!
Ödemreduktion, Stumpfformung: Stumpf immer Stumpf:Formungunter Kompression halten. Bis zur endgültigen Prothesenversorgung elastische Langzugbinden distal enger, prox. weiter wickeln, dann Stumpfkompressionstrumpf. Cave: Keine Kurzzugbinden verwenden wegen Einschnürungsgefahr. Auch nachts und zwischen den Prothesenproben immer Kompression.
Stumpfformung mit Silikon-Linern: Alternative zur textilen Kompressionsbehandlung mit wiederverwendbaren Kompressionshüllen aus Silikon (z. B. Post-OP System Fa. Medi).
Physik. Ther.: 20, Wechsellagerung des Stumpfs. Cave: Zu forciertes Durchbewegen des Stumpfs kann Muskelnähte sprengen. Kontrakturprophylaxe sek., später wichtiger.

Stumpfprobleme

Stumpfödem
Ätiologie
  • Allg. Ursachen: Stumpf:ProblemeStumpf:ÖdemHerzinsuff., Störung des Eiweiß- und Eektrolythaushalts.

  • Lokale Ursachen: Wundheilung und Inf., venöse und lymphatische Abflusshindernisse.

  • Äußere Ursachen: Prox. Abschnürung und Behinderung des Lymphabflusses durch schlechte Stumpfwicklung, prox. zu enger, distal zu weiter Prothesenschaft.

  • Zu langer Prothesenschaft mit zu wenig Endkontakt.

Therapie
Zinkleimbinden. Fachgerechtes Wickeln, Stumpfkompressionsstrumpf, Prothesenschaft mit Endkontakt.
Hauterkrankungen
Phantomgefühl, Phantomschmerz
Definition
Bei Kindern fast nie, gel. beim Erw. Phantomschmerz oft gemeinsam mit Stumpfschmerz. Sehr vielfältige Ursachen, z. B. schlechte Durchblutung, schlecht sitzende Prothese, Stumpfneurome.Schmerz:StumpfSchmerz:Phantom-PhantomschmerzPhantomgefühl

Prophylaxe besser als spätere Ther. von Stumpfproblemen: Operativ gute Stumpfbildung. Nervenstumpf in druck- und narbenfreier Lage, vor Nervenamputation LA in den Nerv; Myodese (s.o.), frühzeitige Prothesenversorgung.

Therapie
Konservative Therapie
Günstige Beeinflussung zunächst immer durch kons. Verfahren (Polypragmasie):
  • Guter Prothesensitz.

  • Gleichmäßige milde Stumpfkompression verhindert venöse und lymphatische Stauung. Aktive Bewegung, transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS).

  • Physik. Ther., z. B. Moorbad, Wärme, Kryother., Hydrother., KG, Massage, Ultraschall.

  • Autogenes Training, Psychother., z. B. in Schmerzseminaren.

  • Medikamente: Analgetika, Sedativa.

  • Operative Verfahren

Stumpfrevision: Keine zu frühe Stumpf:RevisionRevision, zuvor probatorische LA. Falls Revision, eher Verlagerung des Neuroms durch einen Hautschnitt außerhalb der Belastungszone in druckgeschütztem Bereich, evtl. Lösung von Verwachsungen → Amputationsneurom: Dauernde AmputationsneuromSchmerzquelle durch Druck von Prothesenschaft möglich. Neurochir. Verfahren bei Ther.-Resistenz: Z. B. elektrische Neurostimulation von spinalen und supraspinalen Strukturen, Chordotomien.
Gestörte Wundheilung
Insbesondere Gefäßpat. vor OP informieren. Wichtig ist Frühdiagnose.Wundheilung:gestörteStumpf:gestörte Wundheilung
Therapie:
  • Tgl. Verbandswechsel.

  • Oft nur durch evtl. mehrmonatige kons. Ther. (z. B. Prostaglandininfusion) oder Nachamputation zu beheben.

  • Oberflächliche Wundheilungsstörung: Teilweises Entfernen von Hautfäden, Entlasten der Haut.

  • Tiefe Wundheilungsstörung oder Hämatom: Offene Wundbehandlung oder Revision.

  • Bei Durchblutungsgefährdung der Haut (Prothese:Sprechstunde, ChecklisteHautvenenthrombosen): Evtl. Blutegel ansetzen.

  • Infekte: Offene Wundbehandlung, nekrotisches Gewebe entfernen (scharfer Löffel, Skalpell). Immer Salbenverbände gegen Austrocknung.

Checkliste für Prothesensprechstunde

Patient
  • Gefäßpat.: Prothese:SprechstundeGegenseitiges Bein, Herz-Kreislauf; Osteoarthropathien?

  • Tumorpat.: Verlauf, Metastasen, weitere allg. Ther.

  • Rehabilitation: ADL, Arbeitsfähigkeit?

Stumpf
  • Weichteildeckung, myoplastische Deckung, Amputationshöhe.

  • Haut: Atrophisch, pigmentiert, Druckstellen, Fisteln, Narben, Ulzera, Sensibilität, Zirkulation.

  • Stumpfödem.

  • Stumpf- und Phantomschmerzen.

  • Schwitzen.

  • Gelenkbeweglichkeit; Kontrakturen (z. B. Beugekontraktur OS-Stumpf).

Prothese
  • Tragedauer.

  • Passform des Schafts: Endbelastung, -kontakt, Vollkontakt, Tuberumgreifung (bei OS-Prothese), Abschnürungen, Weichteilwulst.

  • Statischer und dynamischer Aufbau, Passteilauswahl.

  • Bei Liner mit distalem Verschlusssystem: Ausreichende Belastbarkeit des Stumpfendes.

  • Gangbild: Geh- und Standsicherheit, Treppe, unebenes Gelände, Abrollung, schiefe Ebene. Achten auf typische Gehfehler: Zu starke ruckartige Streckung des Prothesenkniegelenks, Zirkumduktion, breitspuriger Gang, Anheben des gegenseitigen Beins zum Einleiten der Schwungphase.

  • Technische Mängel: Geräusche, Kosmetik, Gewicht, Verarbeitung, Gelenkgängigkeit.

  • Pat.-Beratung: Stumpfpflege, Prothesengebrauchsschulung, Gehschule, Anziehhilfen, Versehrtensportgruppen.

  • Technischer Servi Orthop. Werkstätte, Reparaturen, Nachpassungsmöglichkeit, Sitzhilfen für den Arbeitsplatz, Wohnung und Kfz.

Sofort- und Interimprothesen

Sofortprothese
Definition
SofortprotheseAuf den Gipsverband auf dem OP-Tisch angelegte Gehhilfe.
Vorteile
Pat. kann sofort nach Amputation wieder aufstehen. Reduzierte allg. Atrophie, sofortige Reha.
Nachteile
Erschwerte Wundkontrolle. Häufiger Gipswechsel mit erneutem Anbringen der Gehhilfe. Kein physiol. Laufen. Nur für jüngere (Tumor-)Pat. geeignet. Bei AVK-Pat. Gefahr der Stumpfrevision.
Interimprothesen
Definition
Nach prim. InterimprotheseWundheilung angelegte Frühversorgungsprothese, die entsprechend der Stumpfatrophie nachgepasst werden kann. Bessere Ergebnisse als Sofortprothese.
Unterschenkelinterimprothese
Sinnvolle Vorgehensweise: 1–2 Wo. Unterschenkel:InterimprotheseInterimprothese:Unterschenkelpostop. Interimprothese und stationäre Gehschule bis zur Wundheilung.
Knieexartikulationsinterimprothese
Vorgehen wie bei US-Interimprothese.
Oberschenkelinterimprothese
Oberschenkel:InterimprotheseInterimprothese:OberschenkelKein befriedigendes konfektioniertes System am Markt. Besser individuelle Herstellung. Sinnvoll ist die Verwendung der definitiven Passteile und ein nachpassbarer Oberschaft. Gehschule mit der endgültigen Funktion. Schaft wird der sich ständig verändernden Stumpfform angepasst. Möglichst tuberumgreifende längsovale Schaftformen (23.12.8) mit Endkontakt, um Stauungen zu verhindern. Systeme ohne kontrollierten Endkontakt sind ungeeignet. Querovale Schaftformen (23.12.8) behindern die Zirkulation.

Amputationen und Prothesenversorgung der unteren Extremität

Zehenamputationen

Biomechanik, funktionelle Bedeutung
Immer Exartikulation im Grundgelenk, Ausnahme Großzehe. Verlust einer oder mehrerer Zehen funktionell kaum bedeutsam. Geringe biomechanische Nachteile bei Kleinzehenamputation. Bei Amputation der 2. Zehe Gefahr der Hallux-valgus-Bildung. Grenzzonenamputation: Vor Zehe:AmputationProthesenversorgung:untere ExtremitätGrenzzonenamputationAmputation:ZeheAmputation:Grenzzonen-allem bei Mikroangiopathien unmittelbar an der Demarkationslinie des gesunden zum nekrotischen Gewebe amputieren (Vorteil des natürlichen Abwehrwalls, gute Sekundärheilung).
Versorgung und Verordnung
Versorgung: Kosmetische Ersatzstücke aus Silikon oder Schaumstoffen, meist in Konfektionsschuhen eingearbeitet (Schuhfüller) oder als Platzhalter in Zehenzwischenraum eingesteckt. Cave: Bei Gefäßpat. keinen Platzhalter verordnen. Schuhzurichtung (Ballenrolle, Sohlenversteifung).
Rp.: Zehenersatz nach Gipsabdruck oder Maß mit oder ohne Einarbeitung in Konfektionsschuh.
Prozedere
Anpassung nach Abschluss der Wundheilung und Abschwellung des Fußes.

Großzehenamputation

Biomechanik, funktionelle Bedeutung
Amputation:GroßzeheNach Großzehe:AmputationAmputation Verminderung der Abstoßfähigkeit beim Übergang von der Stand- in die Schwungphase.
Versorgung und Verordnung
Versorgung: Einlage mit kosmetischem Ausgleich (Platzhalter), eingebauter plantarer Feder als Ersatz der Großzehenfunktion oder als Spange eingearbeitet im Konfektionsschuh.
Rp.: Großzehenausgleich mit Federspange nach Gipsabdruck oder Einarbeitung einer Abrollfeder in Konfektionsschuh.
Prozedere
Anpassung nach Abschluss der Wundheilung und Abschwellung des Fußes.

Transmetatarsale Amputation

OP-Technik
OP-Technik:transmetatarsale-AmputationAmputation:transmetatarsaleQuerer bogenförmiger Hautschnitt am Fußrücken vom 1.–5. Strahl bis auf den Knochen vor der Basis der Metatarsalia (Abb. 23.3). Bildung des plantaren Hautlappens durch Verlängerung des Hautschnitts entlang der Fußinnen- und -außenkante nach distal bis zur Grundgelenkbeugefalte. Präparation der Knochen und Durchtrennen in Höhe der Metaphysen mit oszillierender Säge. Bildung einer bogenförmigen Amputationslinie. Entfernen nekrotischen Gewebes. Knochenstümpfe abrunden. Querer Überlauf- oder Redon-Drain. Spannungsfreie Hautnaht oder Verschluss mit Steristrips®.
Biomechanik, funktionelle Bedeutung
Endbelastbarer Stumpf mit Stelzfunktion. Nahezu völliger Wegfall der Dorsalextensoren bei erhaltenem Zug der Plantarflektoren. Keine physiol. Abrollung möglich. Stark verminderte Balancefläche im Einbeinstand. Verminderung der Standfläche: Balanceprobleme, Knieinstabilität in der Schrittrücklage. Je proximaler die Amputationslinie, desto größer die Gefahr der Spitzfußstellung durch Ausfall der Extensoren.
Versorgung und Verordnung
Versorgung: Prothese mit steifer Sohle und Fersenspange mit Silikonkosmetik, Bellmann-Prothese (funktionell, gute Kosmetik) oder Polyethylenschaum-Kosmetik (schlechte Funktion).
Rp.: Vorfußprothese nach Gipsabdruck.
Prozedere
Wichtig ist die exakte Gestaltung der Fersenkappe, die einem Fersenhochstand und damit einem Spitzfuß entgegenwirkt.

Fußwurzel (Lisfranc, Chopart)

Versorgung und Verordnung
Versorgung: Fußwurzelprothese Lisfranc-AmputationFußwurzel:AmputationAmputation:Fußwurzelmit Chopart-AmputationTibiaanlage, guter Fersenfassung und steifer oder elastischer, energierückgewinnender Sohle (Abrollung).
Rp.: Fußwurzelprothese nach Gipsabdruck.
Prozedere
Falls Sekundärheilung → Interimversorgung mit einer entlastenden Orthese, z. B. Allgöwer-Apparat (23.8.6).

Fußamputationen (Pirogow-Spitzy, Syme)

OP-Verfahren
Pirogow-Spitzy-Amputation: Amputation Pirogow-Spitzy-AmputationAmputation:Pirogow-Spitzy-Amputation:Fußim Chopart-Gelenk (Abb. 23.3), Resektion des gesamten Talus und Arthrodese Kalkaneus – dist. Tibia-/Fibulaende.
Syme-Amputation: Resektion Syme-Amputationvon Amputation:Syme-Talus, Kalkaneus und beiden Malleolen (technisch anspruchsvoll). Bei Gefäßpat. auch zweizeitiges Vorgehen nach Wagner (Exartikulation im OSG; nach Wundheilung nach 6–8 Wo. Resektion der Malleolen).
Versorgung und Verordnung
Versorgung: Vollbelastbarer Stumpf, Längenausgleich erforderlich (Pirogow 3–4 cm, Syme 4–7 cm; Abb. 23.4). US-Prothese hinten offen oder mit Klappe, gute Fersenfassung (pumpen), bei aktiven Pat. mit Karbonfeder-Fuß, sonst steifer Holz-/Kunststoff-Fuß.
Rp.: US-Prothese bei Fußamputation nach Gipsabdruck.

Unterschenkelamputation

Ziel
Möglichst viel Länge erhalten; Ausnahme Gefäßpat.: Nur prox. Drittel als Stumpflinie geeignet.Unterschenkel:AmputationAmputation:Unterschenkel
OP-Technik nach Burgess
OP-Technik:UnterschenkelamputationOperation:nach BurgessVentraler Hautschnitt vom med. Rand der Tibia zum lat. Rand der Fibula. Hinterer Weichteillappen ca. 15 cm. Hautschnitt bis auf Muskelfaszie bzw. Periost. Ligatur der V. saphena magna. Quere Durchtrennung der Peronealmuskulatur. Präparation und Ligatur der Peronealgefäße und -nerven. Durchtrennung der Knochen unter Kühlung mit NaCl am besten mit der Gigli-Säge (zuerst Fibula, dann Tibia). Durchtrennung des hinteren Muskel-Haut-Lappens in einem Zug. Bei Gefäßpat. sollte der M. soleus entfernt werden (schlechtere Durchblutung). Kürzen und Ligieren von A., V. und N. tibialis. Abrunden der Tibia. Öffnen der Blutleere. Spülung, Blutstillung. Drainage. Fasziennaht, Hautnaht. Verband.
Biomechanik, funktionelle Bedeutung
Stumpfende nur teilbelastbar. Schaft als Vollkontaktbettung mit 10–40 % Endbelastung. Weitere Belastung großflächig über die gesamte Oberfläche mit Schwerpunkt am med. Tibiaplateau. Wenig Abstützung über Patellaband (Prothesenschaft verschiebt sich nach ventral bei Quadrizepsanspannung) außer bei sehr atrophierten Stümpfen.
Versorgung
Unterschenkelprothese mit Oberschaft
  • Seitl. Gelenkschienen verbinden Unterschaft aus Gießharz oder Holz mit Oberschaft meist aus Leder. Relativ selten.

  • Nachteile: Schwer, kosmetisch unbefriedigend, unphysiol. Gelenkführung, dadurch Schaft-Bein-„Pseudarthrose“ mit Druck- und Reibestellen, Atrophie des OS.

  • Ind.: Instabiles Kniegelenk, wenig belastbarer Stumpf, mit Tubersitz und Kniesperre als Enlastungsprothese bei Gonarthrose (selten), ultrakurze US-Stümpfe, gel. bei Pat. mit schwerer körperlicher Arbeit.

Unterschenkelkurzprothese mit suprakondylärer Fassung
  • Vollkontaktschaft mit enger Umfassung der dist. Femurkondylen zur Verankerung der Prothese am Bein. Pseudonyme: KBM-, PTS-, PTK-, Botta-Prothese.

  • Standard-Prothese, leicht, kosmetisch unauffällig, robust, wenig wartungsintensiv, keine Beeinflussung der Kniegelenkbeweglichkeit.

  • Vollkontakt unbedingt erforderlich. Auch nicht endbelastbare Stümpfe (selten) tolerieren i. d. R. Endkontakt.

  • Exakte Kondyleneinbettung erforderlich. Ansonsten „Pumpen“ der Prothese.

  • Nachteil: Atrophie der Muskulatur im Bereich der Kondylenklammer.

Unterschenkelprothese mit Silikon- oder Gel-Liner (PU, Copolymer)
  • Silikon- oder Gelstrumpf wird auf den Stumpf gerollt. Metallpin am dist. Strumpfende greift in eine Verriegelung in der Prothese und arretiert den Stumpf. Alternative zu Pin: Dichtlippe oder Kniekappe. Aufbau sonst wie Kurzprothese (Abb. 23.5).

  • Nachteile: Schwerer als konventionelle Kurzprothese, Zug am Stumpfende bei Verwendung von Pin-Systemen teilweise problematisch, Verstärkung am Liner-Ende verringert Zug, vermehrte Schweißbildung (reduziert sich häufig nach wenigen Wo.).

  • Besserer Halt der Prothese am Bein als bei konventioneller Kurzprothese.

  • Ind.: Gel-Liner eher bei problematischen Stümpfen, schlechten Hautverhältnissen; Silikon-Liner bei unproblematischen Stümpfen und aktiven Pat.

Fußpassteile 23.12.8.
Verordnung und Prozedere
Rp.: US-Prothese unter Angabe der Technik und Fußpassteile.
Prozedere: Rücksprache mit Orthopädietechniker bzgl. Passteile und Technik. Möglichst frühe Ausstellung der Verordnung wegen Genehmigungsverfahren. Bei Erstversorgung zunächst Interimversorgung 23.11.5.

Knieexartikulation

OP-Technik
OP-Technik:KnieexartikulationKnie:ExartikulationExartikulation:Knie-Amputation:KnieexartikulationZirkulärer Hautschnitt ca. 6 cm distal des Kniegelenkspalts. Herausschälen des US aus dem Hautschlauch bis auf Höhe des Tibiaplateaus. Desinsertion des Lig. patellae. Durchtrennen sämtlicher Verbindungen zwischen Tibiaplateau und Femur. Nach Durchtrennen der dorsalen Kapsel Präparation des poplitealen Gefäß-Nerven-Bündels, Ligatur der Arterie und Vene. Absetzen des N. tibialis und N. fibularis ca. 5 cm weiter prox. Ligatur des N. tibialis (begleitende Arterie). Die Patella wird belassen. Öffnen der Blutsperre. Sorgfältige Blutstillung. Drainage. Tiefe Einzelknopfhautnähte. Wichtig: Dorsales Polstern oberhalb der Kondylen mit Watte oder Kompressen (Dekubitusgefahr).
Biomechanik, funktionelle Bedeutung
Biomechanisch vorteilhafter als OS-Amputation, einfachere OP-Technik. Ganze Länge des OS mit vielen Muskelansätzen = nahezu volle Muskelkraft, geringe Kontrakturgefahr, gute Steuerbarkeit der Prothese, gute Sicherheit. Endbelastbares Stumpfende = wenig Druckstellengefahr, wenig unphysiol. Belastung.
Versorgung
  • Volle Endbelastung, keine Tuberanstützung.

  • Suprakondyläre Fassung, Vollkontakthaftschaft oder Liner für den Halt der Prothese.

  • An- und Ausziehen im Sitzen ohne Hilfe bei Steckschaft, bei Vollkontakthaftschaft Anziehen im Stehen.

  • Leichte Längendifferenz des OS gegen andere Seite wegen Aufbauhöhe Kniegelenk.

  • Distal steifer Schaft, prox. weicher Schaft (Sitzkomfort).

Verordnung
Knieexartikulationsprothese unter Angabe der Passteile 23.12.8.

Oberschenkelamputation

Definition
Selbst langer OS-Stumpf ist der Knieexartikulation unterlegen. Keine volle Endbelastbarkeit. Muskelgleichgewicht gestört. Je kürzer der Femurstumpf, umso größer die Tendenz zu Abd., Flex. und Aro.Oberschenkel:AmputationAmputation:Oberschenkel
Versorgung
Schaftform
Bei der Schaftform Unterscheidung im Wesentlichen (in Europa) in quer- und längsoval. Weitere Formen: Herzform, quadrilaterale Form (USA). Standard: Tuberumgreifender längsovaler Schaft.
Stumpfbettung
  • Schaft sollte so weit Stumpf:Bettungwie möglich sein, ohne dass die Prothese verloren wird.

  • Immer Vollkontaktbettung.

  • Immer Versuch der teilweisen Endbelastung.

  • Niemals ohne Endkontakt → Stumpfpolödem!

  • „Saugschäfte“ mit Saugraum sind nicht mehr zeitgemäß → Stumpfpolödem!

  • Anziehstrumpf immer aus dem Schaft ziehen → Endkontakt.

  • Kein Randwulst am prox. Schaftrand → Schaft zu eng.

  • Keine distale Verfärbung am Stumpf.

Materialien
  • Holz: Leicht nachpassbar, keine flexiblen Ränder möglich.

  • Gießharz: Als tragender Rahmen mit Karbonversteifung. Nicht als Schaftmaterial mit Hautkontakt.

  • Thermoplast: Als Innenschaft in Komb. mit Karbonrahmen viele Gestaltungsmöglichkeiten, flexibler Rand (Komfort, Druckstellen). Auch als tragendes Material möglich. Dann aber nicht so steif und formstabil wie Karbon. Thermoplastische Nachformbarkeit kaum gegeben.

  • Silikon: Semiflexibel mit steifem Rahmen, hohe Adhäsion, Tragekomfort, Muskelspiel mögl., hygienisch.

Silikon- und Gel-Liner
  • Anziehen im Sitzen, leichte Handhabung.

  • Guter Halt im Schaft.

  • Hohes Gewicht.

  • Schlechtere Rotationsstabilität.

  • Schlechtere Prothesenführung.

  • Stärkeres Pumpen.

  • Höherer Preis.

Prothesenstatik
  • Schaft sollte ohne Kontrakturen in 5° Flexion und ca. 10° Adduktion eingestellt werden.

  • Beugekontraktur muss mit 5° Zugabe berücksichtigt werden. Bei späterer besserer Beweglichkeit Nachjustierung.

  • Je aktiver der Pat., desto dynamischer der Prothesenaufbau. Sicherheit geht auf Kosten der Dynamik und Energiebilanz. Es muss individuell der beste Kompromiss gefunden werden.

  • Je länger der Vorfußhebel, desto sicherer die Statik.

  • Je weiter dorsal die Kniegelenkachse, desto sicherer die Statik.

Fußpassteile
  • Viele funktionell unterschiedliche Fußpassteile ermöglichen individuelle Lösungen. Sehr große Preis- und Funktionsunterschiede.Fußpassteile

  • Gelenklose, starre Füße:

    • z. B. SACH-Fuß: „Solid Ankle Cushioned Heel“.

    • Einfachste und billigste Ausführung.

    • Geringes Gewicht.

    • Kosmetisch gut zu bearbeiten (Botta-Technik).

  • Gelenklose energiespeichernde Füße:

    • Blattfeder aus Kunststoff speichert Energie bei der Schrittabwicklung und gibt sie zurück bei der Zehenablösung.

    • Energiesparendes Gehen.

    • Einsatzbereich vom Geriatriker bis Sportler (unterschiedliche Füße).

    • Relativ teuer.

  • Einachsige Füße:

    • i. d. R. plantar beweglich, dorsal gesperrt → weicher Fersenauftritt, Kniesicherung durch Vorfußhebel über dorsalen Anschlag.

    • Fast ausschließlich Geriatriebereich in Verbindung mit gesperrtem Kniegelenk.

  • Polyzentrische Füße:

    • Alle Bewegungsrichtungen.

    • Komfortabel.

    • Für unebenes Gelände.

    • Pat. mit großem Sicherheitsbedürfnis.

Kniegelenkmodule
  • Viele funktionell unterschiedliche Kniepassteile ermöglichen individuelle Lösungen. Sehr große Preis- und Funktionsunterschiede. Vom simplen Einachser bis zum computergesteuerten System.Kniegelenkmodul

  • Sperrbare Kniegelenke:

    • Höchster Sicherheitsanspruch bei Geriatrikern.

    • Beim Laufen gesperrt, zum Sitzen entriegelbar.

  • Monozentrische Kniegelenke: Einachsige Gelenke. Sicherung über Aufbau (Rückverlagerung der Achse gegenüber Belastungslinie) oder über mechanische oder hydraulische Systeme (Tab. 23.4).

  • Polyzentrische Kniegelenke: Mehrachsige Gelenke. Sicherung über Achsanordnung.

  • Computergesteuerte Kniegelenke:

    • Sensoren erfassen mehrere Parameter und stellen aufgrund dieser Information die erforderlichen Dämpfungswiderstände für Flexion, Extension und Standphasensicherung bereit (Tab. 23.4).

    • Breitester Einsatzbereich.

    • Passt sich fast jeder Gehgeschwindigkeit an.

    • Alternierendes Treppab- und Schiefe-Ebene-Gehen möglich.

    • Beste Resultate in Funktion und Physiologie.

    • Hoher Preis.

Verordnung und Prozedere
Rp.: OS-Prothese. Angabe der Schafttechnik, des Materials und der Passteile.
Prozedere: Möglichst frühzeitige Verordnung wegen Genehmigungsverfahren. Rücksprache mit Orthopädietechnik wegen geeigneter Passteilauswahl und Schafttechnik. Bei Erstversorgung 23.11.5.

Hüftexartikulation, Hemipelvektomie und intertrochantäre Amputation

Definition
Hüftgelenk:ExartikulationHemipelvektomieExartikulation:HüfteAmputation:intertrochantäreAmputation:HüftexartikulationAmputation:HemipelvektomieAnteil von Amputationen im Hüftbereich ca. 1–2 % aller Amputationen im Beinbereich. Maligne Tumoren Hauptursache für diese Amputationshöhe. Voll belastbares Stumpfende.
Versorgung
  • Beckenkorb mit ausgeprägter Taillierung oberhalb der Beckenkämme, um ein Pumpen der Prothese zu verhindern.

  • Tuberumgreifung zur besseren Prothesenführung.

  • Prothesenseite 1–2 cm kürzer → leichteres Durchschwingen der Prothese in der Schwungphase.

  • Sehr energieaufwändiges Laufen.

  • Hüftgelenk weit vor der Belastungslinie zur Sicherung.

  • Häufig Sitzkissen als Höhenausgleich erforderlich.

  • Knie- und Fußpassteile 23.12.8.

Verordnung und Prozedere
Rp.: Hüftgelenkexartikulationsprothese. Angabe der Ausführung und der Passteile.
Prozedere: Rücksprache mit Orthopädietechnik wegen geeigneter Passteilauswahl und Prothesenausführung. Bei Erstversorgung ist oft nach kurzer Zeit ein neuer Schaft erforderlich.

Orthoprothesenversorgung nach Borggreve-Umkehrplastik

Biomechanik, funktionelle Bedeutung
  • Alternative Prothese:Borggreve-Umkehrplastikzur OS-Borggreve-PlastikAmputation bei Malignomen im dist. Femurbereich (auch 14.5.1).

  • Nach radikaler Resektion eines Femuranteils und des gesamten Kniegelenks (unter Erhalt der Gefäße und Nerven) Rotation des US um 180° und Replantation am verbliebenen Femuranteil → OSG wird zum funktionellen Kniegelenk. Der Drehpunkt des OSG liegt dabei etwa in gleicher Höhe wie der physiol. Drehpunkt des Kniegelenks der Gegenseite. Dorsalextension des OSG wird zur Knieflexion und umgekehrt bei voller Belastbarkeit.

  • Modifikation der Umdrehplastik auch bei malignen Tumoren des Femurs im mittleren und prox. Drittel sowie prox. Tibia.

Versorgung
  • Einbettung des Fußes in aktiv erreichbarer Spitzfußstellung.

  • US-Teil als Aufnahme des Fußes, Kosmetik.

  • OS-Teil postop. mit Tubersitz, später als lange Hülse.

  • Schienengelenke auf Höhe der Sprunggelenke, wenn möglich rückverlagert einbauen wegen statischer Sicherheit.

  • Fußpassteile 23.12.8.

Verordnung und Prozedere
Rp.: Orthoprothese bei Borggreve-Umkehrplastik. Angabe der Passteile.
Prozedere: Rücksprache mit Orthopädietechnik wegen Passteilen und Versorgungsplan. Zunächst Interimversorgung mit Tubersitz. Später Abnahme des Tubersitzes.

Amputationen und Prothesenversorgung der oberen Extremität

Allgemeines

Ätiologie: Meist Unfallfolgen. Unterscheidung in aktive und passive Armprothesen.
Kosmetische Prothesen (Schmuckarm, Schmuckhand, Habitusprothese)
  • SchmuckhandSchmuckarmProthese:kosmetischeHabitusprotheseLediglich kosmetische Verkleidung (Abb. 23.6).

  • Sehr unauffällig, da in Form und Farbe der anderen Hand anpassbar.

  • Als Widerlager der anderen Hand nutzbar.

  • Geringes Gewicht.

Passiver Arbeitsarm
  • Arbeitsarm:passiverRobuste Prothese mit auswechselbaren Arbeitsgeräten (z. B. Haken).

  • Keine kosmetischen Ansprüche.

  • Keine aktive Greiffunktion.

Aktiver Greifarm, Eigenkraftprothese
  • Über Greifarm:aktiverEigenkraftprotheseSchulterzug zu betätigende Greiffunktion.Prothese:Eigenkraft-

  • Auswechselbare Greifgeräte (Abb. 23.6) oder mechanische Greifhand (Kosmetik).

  • Funktionell gut.

  • Begrenztes Feedback.

  • Robust und universell.

  • Kostengünstig.

Fremdkraftprothese
  • Elektromotoren Prothese:Fremdkraft-führen FremdkraftprotheseFunktionen aus: Hand öffnen/schließen, Pro-/Supination, Ellenbogen beugen/strecken, Ellenbogen-, Schultergelenk verriegeln.

  • Steuerung über mechanische Schalter, elektronische Steuerungselemente, Kraftsensoren oder myoelektrische Signale (Abb. 23.6). Komb. möglich.

  • Willkürliche und proportionale Greifkraftsteuerung möglich.

  • Einfache myoelektrische Hände oder mulitartikulierende Hände.

  • Intensives Training erforderlich durch erfahrene Ergotherapeuten. Dauernde Nutzung erforderlich, sonst Trainingsverlust.

  • Bei Kindern nach Training Bahnung möglich. Versorgung ab 3–4 J.

  • Standardversorgung funktionell überlegen.

  • Relativ schwer.

  • Silikonkosmetik (teuer, wird oft nicht erstattet) möglich.

Fingeramputationen

Definition
Finger:AmputationAmputation:FingerUnbedingt schmerzfreie, gute Stumpfdeckung. Bei Verlust eines einzelnen Fingers gute funktionelle und kosmetische Kompensation (Ausnahme: Daumen).
Biomechanik, funktionelle Bedeutung
Epithesen aus Silikon als Funktionsersatz und Kosmetikausgleich.
Verordnung
Fingerprothese aus Silikon.

Teilhand

Definition
Bei TeilhandAmputation:TeilhandAbsetzung aller Finger verliert der Daumen sein Widerlager zur Greiffunktion. Das zu schaffende Widerlager ist abhängig von der späteren Nutzung der Prothese durch den Pat.
Versorgung
Funktionelle Versorgung: UA-Hülse mit Aussparung zur freien Beweglichkeit des Daumens; in Opposition gearbeitete Gegenlagerspange oder Löffel. Bei Verlust des Daumens umgekehrte Vorgehensweise. UA-Hülse und Widerlager sind gelenkig verbunden. Handgelenkbewegung öffnet und schließt die Hand. Funktionell anspruchsvolle Versorgungen mit myoelektrischen Fingerprothesen.
Kosmetischer Ersatz: Kosmetikhandschuh mit volarem Reißverschluss in der Innenhand zur Befestigung am UA. In Form, Farbe und Oberflächenstruktur der natürlichen Hand nachgebildet. Alternative: Silikonprothese (sehr gute Kosmetik, teuer).
Verordnung und Prozedere
Rp.: Funktioneller Teilhandersatz nach Gipsabdruck, kosmetischer Finger und Teilhandersatz. Myoelektrische Fingerprothese.
Prozedere: Anpassung erst nach guter Belastungsfähigkeit der Narben. Längere Testphase der Prothese mit funktionsbedingten Änderungen im halbfertigen Zustand.

Handgelenkexartikulation

Definition
Handgelenk:ExartikulationExartikulation:HandgelenkSehr langer distal verbreiteter Stumpf sorgt für schlechte Kosmetik, aber gute Prothesenhaftung.
Versorgung
  • Keine Kondylenumgreifung erforderlich.

  • Gute Rotationsstabilität.

  • Aktive Pro-/Supination.

  • Spezielle Prothesenhände ermöglichen kosmetisch befriedigende Versorgung.

  • Als Fremdkraft-, Kraftzug- und Kosmetikprothese versorgbar.

Verordnung und Prozedere
Rp.: Handgelenkexartikulationsprothese nach Gipsabdruck. Angabe der Ausführung.
Prozedere: Rücksprache mit Orthopädietechnik und ggf. mit Ergother. bzgl. gewünschter Versorgung.

Unterarmamputation

Je länger der Stumpf, desto besser die Prothesenführung und Funktion.

Versorgung
  • Alle Systeme möglich 23.13.1.Unterarm:AmputationAmputation:Unterarm

  • Besonders geeignet für myoelektrische Versorgungen.

  • Stumpfbettung mit individuellem Silikon-Liner oder Silikonschaft.

Verordnung und Prozedere
Rp.: UA-Prothese unter Angabe der gewünschten Technik und Ausführung.
Prozedere: Rücksprache mit Orthopädietechnik und ggf. Ergother. Bei Myoprothesen Training durch geschulte Ergotherapeuten erforderlich.

Ellenbogenexartikulation

Definition
Exartikulation:EllenbogenEllenbogen:ExartikulationSehr langer OA-Stumpf mit dist. Verbreiterung.
Versorgung
  • Keine Schulterfassung.

  • Alle Systeme möglich 23.13.1.

Verordnung und Prozedere
Rp.: Ellenbogenexartikulationsprothese unter Angabe der gewünschten Technik und Ausführung.
Prozedere: Rücksprache mit Orthopädietechnik und ggf. Ergother. Bei Myoprothesen Training durch geschulte Ergotherapeuten erforderlich.

Oberarm

Versorgung
  • Nur bei sehr kurzen Stümpfen Schulterkappe Oberarm:AmputationAmputation:Oberarmerforderlich.

  • Stumpfbettung mit individuellem Silikon-Liner.

  • Alle Systeme möglich 23.13.1.

Verordnung und Prozedere
Rp.: OA-Prothese unter Angabe der gewünschten Technik und Funktion.
Prozedere: Rücksprache mit Orthopädietechnik und ggf. Ergother. Bei Myoprothesen Training durch geschulte Ergotherapeuten erforderlich.

Schulterexartikulation und interthorakoskapuläre Amputation

Versorgung
  • Thoraxhalbschale in Rahmenschafttechnik, ggf. mit Silikon-Schulter:ExartikulationExartikulation:SchulterAmputation:SchulterexartikulationAmputation:interthorakoskapuläreLiner.

  • Geschultes Versorgungsteam obligatorisch.

  • Alle Systeme möglich 23.13.1.

  • Targeted Muscle Reinervation (TMR): Neue Methode der myoelektrischen Steuerung über implantierte Elektroden.

Verordnung und Prozedere
Rp.: Schulterexartikulations- oder interthorakoskapuläre Prothese unter Angabe der gewünschten Funktion und Passteile.
Prozedere: Rücksprache mit Orthopädietechnik und ggf. Ergother. Training durch geschulte Ergotherapeuten erforderlich.

Doppelamputationen

Sehr komplexe Aufgaben für das Versorgungsteam.
  • Selbstständigkeit und Doppelamputationfunktionelle Versorgung stehen im Vordergrund.

  • Umfangreiche Ergother. obligatorisch.

  • Alltagshilfen wie Anziehbaum, Toilettenhilfen, usw. erforderlich.

Rehabilitationsmittel

Rollstühle

Kriterien
Selbstfahrer, Sitzbreite, Sitzhöhe, US-Länge, Rumpfgröße, Aktivität (Hand, Armkraft), Einsatzumgebung (Straße, Wohnung). Modellauswahl zusammen mit Ergotherapeuten, KG und Orthopädietechnik.RollstuhlRehabilitationsmittel
Individuelle Versorgung
Durch Baukastensysteme mittels der Zubehörteile (z. B. hoch schwenkbare Beinteile, Sitz- und Rückenpolsterungen, Desk-Armlehnen und Handlagerungen, Kopfstützen):
  • Standardrollstuhl (Faltfahrer): Hauptsächlich für Geriatrieversorgung.

  • Schiebewagen: Geriatrische Versorgung, keine selbstständige Fortbewegung.

  • Aktiv- oder Sportrollstuhl: Junge dynamische Menschen, Paraplegiker.

  • Kinderrollstühle > Adaptivrollstuhl: Evtl. mit individueller Sitzschaleneinpassung.

  • Handbetriebs-Selbstfahrer: Fortbewegung für Pat. mit ausreichender Oberkörperfunktion und Armkraft zur selbstständigen Überwindung längerer Wegstrecken zum Training von Herz-, Kreislauf- und Muskelfunktion.

  • Elektrofahrstühle: Fortbewegungsmittel für Pat. ohne ausreichende Kraft, keine Hilfskraft nötig.

  • Sondersteuerungen für Schwerstbehinderte.

  • Dusch-/Toilettenrollstühle: Als Sonderform für Schwerstbehinderte verordnungsfähig.

Verordnung und Prozedere
Rp.: Alle vom Versorgungsteam ausgesuchten Rollstuhlzubehörteile auf Rezept, z. B. ein Faltrollstuhl mit Greifreifen, hoch schwenkbaren Beinstützen, Desk-Armlehnen, Sicherheitsgurt, verstellbarer Armauflage, 45er-Sitzbreite.
Prozedere: Frühzeitige Verordnung, damit in Klinik Anpassung und Rollstuhltraining möglich. Bei Schwerstbehinderten Zimmer- und Straßenrollstuhl (evtl. Elektrofahrer) verordnungsfähig. Nach Lieferung Überprüfung der ordnungsgemäßen Lieferung des Rollstuhls.

Geh- und Stehhilfen

Indikationen
GehhilfeVorübergehende Stehhilfeoder dauernde Belastungsunfähigkeit der unteren Extremität. Entlastung bis 20 % möglich (Tab. 23.5, auch 20.2.2).

Gehhilfen werden bei einseitiger Verwendung immer auf der Gegenseite des betroffenen Beins getragen!

Alltagshilfen (Auswahl)

AlltagshilfeVersorgung mit Hilfsmitteln gehört zu den Aufgaben der Ergo- und Physiother. I. d. R. Fertigartikel. Sonderkonstruktionen werden vom Orthopädietechniker angefertigt.
Indikationen (Beispiele)
Amputationen, ICP, Fehlbildungen und Verbrennungen.
Beispiele
  • Untere Extremität:

    • Langer Schuhlöffel und Strumpfanzieher (Flexionseinschränkung der Hüfte).

    • Toilettensitzerhöhung (postop. nach TEP, WS-OP, Bewegungseinschränkung im Hüftgelenk).

    • Hydraulischer Badewannensitz (z. B. Aqua-Tec®), Arthrodesenstuhl (Hüftgelenkarthrodese).

    • Stehhilfe nach WS-OP, wenn tiefes Sitzen nicht erlaubt ist.

  • Obere Extremität:

    • Essbestecke mit Sondergriffformen (z. B. Kartoffelschäler).

    • Schlüsseldrehhilfen.

    • Türgriffverstärkungen.

Lagerungsschalen aus Schaumstoff

Bauch-, Rückenliegeschale

Definition
Aus RückenliegeschaleLagerungsschaleBauchliegeschaleSchaumstoff gefertigte Lagerungsschale als Ganz- oder Teilkörperlagerung. Zur schmerzfreien, tonushemmenden Lagerung.
Indikationen
Neuromuskuläre Erkr. bei Kindern mit Hüftluxation oder Luxationsgefahr, bei Schwerbehinderten mit Kontrakturen in mehreren Gelenken. Postop. Lagerung.
Verordnung und Prozedere
Rp.: Bauch- bzw. Rückenlagerungsschale unter Angabe der gewünschten Position und Gelenkstellungen.
Prozedere: Umrisszeichnung Orthopädietechniker mit Arzt oder KG, Anfertigung und ständige Lagekontrolle mit KG, Funktions- und Passformkontrolle.

Lagerungssystem

Definition
LagerungssystemAuf eine Unterlage (Matratze) werden zur Lagerung bis zu 4 Lagen (2 Seit-, Rücken-, Bauchlage) individuell gefräste Schaumstoffelemente aufgesteckt. Zur schmerzfreien, tonushemmenden und kontrakturbremsenden Lagerung. Erspart 4 unterschiedliche Matratzen.
Indikationen
Neuromuskuläre Erkr. mit Hüftluxation oder Luxationsgefahr. Schwerbehinderte mit Kontrakturen in mehreren Gelenken. Lagerung in wechselnden Positionen erforderlich.
Verordnung und Prozedere
Rp.: Schaumstofflagerungssystem. Angabe in welchen Lagen und Gelenkstellungen.
Prozedere: Umrisszeichnung Orthopädietechniker mit Arzt oder KG, Anfertigung und ständige Lagekontrolle mit KG, Funktions- und Passformkontrolle.

Zuzahlungen

Zuzahlungspflicht
Alle orthopädischen Hilfsmittel sind zuzahlungspflichtig. Bei der Zuzahlungsregelung wird unterschieden zwischen folgenden Hilfsmitteln:Zuzahlungspflicht
  • Zum Verbrauch bestimmte Hilfsmittel:ZuzahlungHilfsmittel: Können wegen ihrer Beschaffenheit, ihres Materials oder aus hygienischen Gründen nur einmal ununterbrochen benutzt werden und sind i. d. R. für den Wiedereinsatz nicht geeignet. Zuzahlungsregelung:

    • 10 % je Packung, höchstens 10 Euro für den Monatsbedarf je Indikation.

    • Zuzahlung auf max. Monatsbetrag von 10 Euro für alle zum Verbrauch bestimmten Hilfsmittel begrenzt (kein Mindestbetrag).

  • Nicht zum Verbrauch bestimmte Hilfsmittel: Können mehrmals von einem oder – im Wiedereinsatz – von verschiedenen Versicherten verwendet werden. Zuzahlungsregelung:

    • 10 % des Vertragspreises bzw. des Festbetrags, mindestens 5 Euro und max. 10 Euro.

    • Zuzahlung auf Kosten des Mittels begrenzt.

Ausnahmen bedingt durch die Hilfsmittelzuordnung
Bei Produkten, die aufgrund von Schwangerschaftsbeschwerden abgegeben werden oder die im Zusammenhang mit der Entbindung stehen (kausaler Zusammenhang muss vorliegen), entsteht in Anlehnung an § 196 RVO keine Zuzahlung, z. B. Kompressionsstrümpfe im Rahmen einer Schwangerschaftsvarikosis.
Ausnahmen bedingt durch soziale Gesichtspunkte
Für orthop. Hilfsmittel gilt die Härtefallklausel nach § 62 SGB V, nach der Pat. mit geringem Einkommen von der Zuzahlung befreit sind. Dies muss nachgewiesen werden.
  • Die Belastungsgrenze liegt bei 2 % und bei chron. Kranken bei 1 % der Bruttoeinnahmen zum Lebensunterhalt pro Kalenderjahr.

  • Kinder und Jugendliche bis 18 J. sind von der Zuzahlung befreit.

Ausnahmen bedingt durch das Versicherungsverhältnis
  • Privatpat.

  • Pat., die nicht über eine gesetzliche Krankenkasse versichert sind, z. B. BG, Gemeindeunfallversicherung, Freie Heilfürsorge, Bundesamt für Zivildienst usw.

Aufzahlungen

Die Hilfsmittel:AufzahlungGKV ist zur Kostenübernahme von medizinisch notwendigen Hilfsmitteln, die „ausreichend und zweckmäßig“ sind, verpflichtet. Orthopädietechniker und Sanitätshäuser können mit dem Pat. eine Aufzahlung vereinbaren, wenn der Pat. über dieses Maß hinaus eine höherwertige Ausstattung des Hilfsmittels wünscht (z. B. eine hochwertige Kosmetik an einer Prothese).

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