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B978-3-437-22474-4.00020-1

10.1016/B978-3-437-22474-4.00020-1

978-3-437-22474-4

Rahmenvorgaben nach § 106b Abs. 2 SGB V (Anhang 1 zur Anlage 2 der Rahmenvorgaben nach § 106b Abs. 2 SGB V für die Wirtschaftlichkeitsprüfung ärztlich verordneter Leistungen vom 30.11.2015; GKV-Spitzenverband und KVB)

[W868–001]

Möglichkeiten der Physiotherapie

Tab. 20.1
Ziel Auswahl an Maßnahmen
Akutschmerz lindern z. B. durch Wärme, Lagern, Entspannen
Mobilisieren Beeinflussen der Strukturen wie Kapseln, Sehnen, Muskeln, Faszien, Nerven
Kräftigen z. B. gegen die Schwerkraft, am langen Hebel, durch manuelle oder apparative Widerstände
Stabilisieren z. B. durch Aktivieren der gelenkumgebenden Muskulatur
Posturale Stabilität verbessern Körperaktivität gegen die Schwerkraft
Koordination und Gleichgewichtschulen z. B. durch Aktivieren von Muskelketten mit verringerter Unterstützungsfläche oder mit mobilem Untergrund
Gangablauf ökonomisieren, auch bei eingeschränkter Belastungsfähigkeit z. B. durch Rhythmisieren, Spiegeln, Richtungswechsel, verschiedene Untergründe (Gehen lernt man nur durch Gehen!)
Auf den Alltag vorbereiten (ADL) Alltagsrelevante Bewegungsabläufe wiederholen und konditionieren

Inhalte der Dokumentation des physiotherapeutischen Befunds

Tab. 20.2
Inhalt Beschreibung
Diagnose
  • Aktuelle Diagnose

  • Zusatzerkr. (z. B. Herz-Kreislauf, Hypertonus, Asthma)

Anamnese und Eigenanamnese, Allgemeinzustand
  • Krankheitsverlauf und wichtige Daten

  • Befragen: Was? Wo? Wie? Wie lange? Wodurch? Oder woraufhin? Wann? Abhängig wovon?

  • Eigeneinschätzung des Pat. zum bisherigen Ther.-Verlauf und dessen, was früher schon geholfen hat

Funktionsuntersuchungen, Messen, Schätzen, Beobachten (optisch, taktil, akustisch), Stimulus-Reaktions-Probe
  • Check: Basale Wahrnehmung (optisch, akustisch)

  • Muskel- (z. B. Janda) und Gelenktest (Neutral-0-Methode)

  • Tests (z. B. ASIA Motor Score, Walking-Tests, TUG, Edinburgh Gait Score, DASH-Fragebogen, Funktionelle Selbsteinschätzung, Funktionsfragebogen Hannover Rücken und Arthrose, Barthel-Index, FIM, Womac, VAS Schmerz)

  • Umfang- und Längenmessung

  • Haut- und Unterhaut, Muskelatrophien, Muskelkontrakturen (funktionell/strukturell), Gelenkkontrakturen (ossär/ligamentär/kapsulär)

  • Faszien

  • Koordination, Bewegungsanalyse, Statik

ADL, ausgeübter Beruf und Freizeitaktivitäten
  • Demonstration von ADL

  • Hilfsmittel?

Wundheilungsphasen

Tab. 20.3
Phase Physiother. Maßnahmen
I: Entzündungsphase (1.–5. d postop.) Entstauende Maßnahmen, isometrische Spannungsübungen, schmerzfreie Mobilisation der Gelenke
II: Proliferationsphase (bis 21. d postop.) Intensivierte Mobilisation, Kräftigung
III: Konsolidierungsphase (21.–60. d postop.) Forcierte Kräftigungsübungen, Mobilisation
IV: Organisationsphase (60.–360. d postop.) Sportartspezifisches Training möglich

Stabilitätsgrade:PhysiotherapieStabilitätsgrade

Tab. 20.4
Stabilitätsgrad Maßnahmen
Lagerungsstabil Bettruhe: Zielsetzung: Basale Funktionen wie Atmung und Herz-Kreislauf stabilisieren, die am betroffenen Körperabschnitt nur reaktiv isometrisch wirken
Bewegungs-, übungsstabil Bewegung ist in Richtung und Ausmaß mindestens limitiert am betroffenen Körperabschnitt erlaubt. Aktive Bewegung ist hubfrei und passive Bewegung ist gegen die Schwerkraft erlaubt. Je nach Versorgungsart sind axiale Belastungen gestattet. Beim Verletzungskomplex obere Extremität sind axiale Belastungen (Stützen) und das Tragen von Gewichten (Biege- und Zugspannungen) kontraindiziert. Dies gilt bis zum Beginn der Trainingsstabilität
Belastungsstabil Am betroffenen Körperabschnitt werden alle aktiven Bewegungen im vollen Bewegungsausmaß gegen die Schwerkraft und/oder Widerstand durchgeführt. Belastung wird gesteigert, trainingsrelevante Parameter sind Grundlage für strukturelle Anpassungen
Trainingsstabil Alle Strukturen sind für ihre Aufgabe im Bewegungsverhalten vollständig adaptiert und belastbar. Volle Sporttauglichkeit (springen, laufen, heben, tragen, stemmen)

Prophylaktische Maßnahmen zur Vermeidung von Komplikationen bei bettlägerigen und frisch operierten Pat. (unabhängig von der befundbezogenen Behandlung)

Tab. 20.5
Komplikation Prophylaktische Maßnahmen
Obstruktive und restriktive Störungen des Respirationstrakts Atemther. (AT): Sekretmobilisation, Steigern der Vitalkapazität (VC), Senken erhöhter Gewebswiderstände am Thorax, autogene Drainage/Umlagerungen, unterstützende apparative Hilfen (Flutter, Triflo®, Auto-PEEP)
Muskuloskelettale Störungen (Kontrakturen) Lagern der Gelenke in geeigneter Stellung, weiterlaufende Bewegungen berücksichtigen, Wechsellagern, Motorschiene (CPM), Anleiten zu aktiv-reaktivem Bewegen. Bei längerer Immobilisation den Pat. zum Eigentraining anleiten (visualisiert z. B. mit Physio Tools) mit und ohne Geräte (z. B. Theraband, Hanteln, Expander)
Kardiovaskuläre Störungen Frühes Vertikalisieren an die Bettkante/in den Stand, so bald wie möglich viel bewegen, dynamische Bewegungsserien, konsequentes Tragen passgenauer Antithrombosestrümpfen, evtl. Beine wickeln, Foot-Pump oder Bettfahrrad geben, aktive Übungen
Dekubitus Lagewechsel und Kontrollen von gefährdeten Hautarealen

Unterstützende Geräte: Theraband®, Hanteln, motorische Bewegungsschiene (CPM), Foot-Pump, Muskelstimulationsgerät, Triflo®, Flutter, Auto-PEEP.

Unterschiedliche Voraussetzungen bei Hüft-TEP

Tab. 20.6
Unfallchirurgischer Notfalleingriff Orthopädisch elektiver Eingriff
Altersentsprechender Zustand Koxarthrose, oft langjährig Hüftschmerzen oder vorbestehende Fehlstellungen wie Dysplasie, aseptische Nekrose
Bewegungsausmaß altersentsprechend in der Norm Bewegungseinschränkung in Abd./Iro./Ext., Kapselmuster, typische Anlaufschmerzen
i.d.R. kein Hinkmechanismus Meist Trendelenburg-/Duchenne-Hinken
ggf. Hilfsmittel Hilfsmittel (z. B. Rollator, UAGST)
Gehstrecke altersentsprechend Gehstrecke und ADL (Aufstehen, Hinsetzen, Bücken, Strümpfe und Schuhe Anziehen) stark eingeschränkt

Gangarten mit 4-Punkte-Gang3-Punkte-Gang2-Punkte-GangUnterarmgehstützen

Tab. 20.7
Gangart Ausführung
3-Punkte-Gang Unbelastet Mit oder ohne Sohlenkontakt, betroffenes Bein wird mit oder ohne Bodenkontakt zwischen den UAGST oder anderen Hilfsmitteln „aufgesetzt“
Teilbelastet Kilogrammangaben des Arztes, Fuß wird abgerollt und dabei teilbelastet, die Belastung wird vorher mit Waage eingeübt
4-Punkte-Gang Steigerung des teilbelasteten 3-Punkte-Gangs ab halbem Körpergewicht, besonders geeignet auch zur Entlastung im Hüftgelenk, 1. UAGST, Fuß, 2. UAGST, anderer Fuß
2-Punkte-Gang Wie 4-Punkte-Gang, aber flüssiger, Fuß und gegenüberliegende Stütze werden gleichzeitig aufgesetzt
Treppen steigen, in allen Gangarten mögl. Ziel: reziprokes Treppensteigen Aufwärts Eine Hand an das Geländer, freie UAGST wird in der anderen Hand mitgeführt. Nicht betroffenes Bein geht zuerst, betroffenes Bein wird zwischen UAGST und Geländer hoch gesetzt
Abwärts Hand am Geländer und gegenüberliegende UAGST werden gleichzeitig mit betroffenem Bein eine Stufe nach unten gesetzt, gesundes Bein folgt, entweder auf dieselbe oder eine weiter unten gelegene Stufe

Anwendungsformen der KryotherapieKältekammerEistauchbadEisfrotteetuchEisbeutelCool-PackKryotherapie

Tab. 20.8
Feucht Trocken
  • Eisbeutel: Brucheis aus der Eismaschine oder Eisfrotteetuch

  • „Eis am Stiel“

  • Eistauchbad

  • Cool-Pack

  • Stickstoff

  • Kältekammer:

Anwendungsformen der SaunaRotlichtPeloideInfrarotlichtHot-PackFangoThermotherapie

Tab. 20.9
Feucht Trocken
  • Heiße Rolle

  • Feucht heiße Kompressen

  • Peloide (Moore, Schlamm, z. B. Fango)

  • Hot-Pack

  • Rotlicht

  • Infrarotlicht

  • Kurzwelle

Aufbringen der Medikamente bei der Iontophorese

Tab. 20.10
Positive (unter Anode) Negative (unter Kathode)
Acetylcholin, Bienengift, Histamin, Novocain Doloarthrosenex®, Benerva® Salicylsäure, Kaliumiodat, Heparin, Metamizol, Mobilat®, Exhirud®, Voltaren-Emulgel®

Gelenkschutzempfehlungen im Überblick

Tab. 20.11
Aufgabe Gelenkschutz
Lagerung Funktionsstellung: z. B. im Bett Hüften und Knie gestreckt, keine Knierolle, in Seitlage Kniekissen benutzen
Gelenkstellung
  • Häufig wechseln: z. B. Wechsel zwischen Stehen, Gehen und Sitzen; Tätigkeiten wechseln

  • Gelenkstabilisierende Maßnahmen (Bandagen)

Lasten tragen z. B. körpernah heben; Gewichte verteilen, nichts tragen, was gerollt werden kann (z. B. Koffer mit Rollen)
Sitzen
  • Korrekte Höhe: z. B. fester Stand der Füße auf dem Boden; Tisch- und Stuhlhöhe optimieren; Toilettensitzhöhe anpassen

  • Arbeitsplatzanpassung: z. B. ergonomische Tastatur

Handfunktionen
  • Statisches Halten vermeiden: z. B. Ständer für Bücher, Spielkarten, Handarbeiten

  • Hebelgesetze anwenden: z. B. verlängerter Griff

  • Achsengerechtes Arbeiten unterstützen, z. B. durch Griffadaptation und Schienen

  • Kraftminderung durch Griffverdickungen

  • Herstellen, Anpassen und Erprobung von Hilfsmitteln

Physikalische Therapie und Ergotherapie

Anne von Reumont

Gabriele Steinmetz

Elisabeth Nowak

  • 20.1

    Physiotherapie im stationären Setting Anne von Reumont und Gabriele Steinmetz744

    • 20.1.1

      Wirkung der Physiotherapie744

    • 20.1.2

      Physiotherapeutische Untersuchung und Dokumentation745

    • 20.1.3

      Behandlungsprinzipien746

    • 20.1.4

      Prophylaktische Maßnahmen der Physiotherapie747

    • 20.1.5

      Hinweise für das Entlassungsmanagement748

  • 20.2

    Teilbereiche der Physiotherapie Anne von Reumont und Gabriele Steinmetz750

    • 20.2.1

      Bewegungstherapie750

    • 20.2.2

      Gangschule751

    • 20.2.3

      Medizinische Trainingstherapie (MTT)752

    • 20.2.4

      (Primär-)Prävention753

  • 20.3

    Thermotherapie Anne von Reumont und Gabriele Steinmetz754

    • 20.3.1

      Definition754

    • 20.3.2

      Kryotherapie754

    • 20.3.3

      Thermotherapie (Wärme)755

  • 20.4

    Elektrotherapie Anne von Reumont und Gabriele Steinmetz755

    • 20.4.1

      Allgemeines755

    • 20.4.2

      Iontophorese756

    • 20.4.3

      TENS (transkutane elektrische Nervenstimulation)756

  • 20.5

    Ultraschall757

  • 20.6

    Massage Anne von Reumont und Gabriele Steinmetz757

    • 20.6.1

      Definition757

    • 20.6.2

      Klassische Massagetherapie (KMT)757

    • 20.6.3

      Manuelle Lymphdrainage (MLD)758

  • 20.7

    Ergotherapie Elisabeth Nowak758

    • 20.7.1

      Allgemeines758

    • 20.7.2

      Erkrankungen, Verletzungen der oberen Extremität759

    • 20.7.3

      Erkrankungen und Verletzungen der unteren Extremität760

    • 20.7.4

      Erkrankungen und Verletzungen der Wirbelsäule761

    • 20.7.5

      Rheumatischer Formenkreis762

    • 20.7.6

      Schienenversorgung763

    • 20.7.7

      Prothesentraining (obere Extremität)763

    • 20.7.8

      Selbsthilfetraining (ADL)764

    • 20.7.9

      Gelenkschutz765

Physiotherapie im stationären Setting

Anne von Reumont und Gabriele PhysiotherapieSteinmetz

Wirkung der Physiotherapie

Definition
  • Physiother. (PT, Syn.: physikalische Ther.): Behandlung mit in der Natur vorkommenden Energieformen:Mechanische Energie (Bewegungsther., manuelle Ther., Massage).Physiotherapie:Wirkung

  • Thermische Energie (Wärme-, Kälteanwendungen).

  • Elektrische Energie (Nieder-, Mittel-, Hochfrequenzther.), elektromagnetische Energie (Lichtther., UV).

  • Mischformen (Hydrother., Klima- und Inhalationsther.).

Physiother. beeinflusst Funktionsstörungen des Bewegungssystems, der inneren Organe (Herz, Kreislauf, Atmungsorgane u. a.), der Bewegungsentwicklung und des Bewegungsverhaltens sowie des Erlebens und Verhaltens.
Physiotherapeutisches Handeln
Physiotherapeuten beeinflussen sensomotorische Entwicklungs- und Funktionsstörungen, Störungen der inneren Organe (Herz, Kreislauf, Atmungsorgane u. a.) und Verhaltens- und Erlebensstörungen. Grundlage der Behandlung ist die sorgfältige Untersuchung des Pat., Störungen der Körperstrukturen und -funktionen werden differenziert, ADL und Partizipation fließen ein. Soweit möglich, finden therapeutische Zielvereinbarungen im Sinne des „Shared Decision Making“ statt. Alle Interventionen werden im Sinne des Clinical Reasoning fortlaufend überprüft.
Voraussetzungen für eine effektive Behandlung
  • Differenzierte ärztliche Verordnung mit Angabe des Ther.-Ziels.Physiotherapie:Voraussetzungen

  • Sorgfältige physiother. Eingangsuntersuchung mit Ergebnisdokumentation.

  • Ther. Interventionen mit realistischen Behandlungszielen in Abstimmung mit dem Pat. (Shared Decision Making).

  • Regelmäßiges Überprüfen und Dokumentieren der Arbeitshypothesen (PDCA-Zyklus Clinical Reasoning).

  • Multidisziplinärer Austausch (Pat., Arzt, Pflege und andere Therapeuten).

Parameter des Behandlungserfolgs
  • Dauer und Schweregrad der Struktur- bzw. Funktionsstörung.

  • Heilungsverlauf.

  • Behandlungsfrequenz und -intensität.

  • Multidisziplinäre Zusammenarbeit im Team.

  • Erfahrung und Wissen des Physiotherapeuten.

  • Respektvolle Interaktion von Therapeut und Pat. (Adhärenz).

Parameter der Behandlungsplanung
  • Methodischer Behandlungsaufbau.Phystiotherpie:Behandlungsplanung

  • Auswahl der befund- und patientenzentrierten Interventionen.

  • Alternativen prüfen, Kontraindikationen (KI) ausschließen.

  • Parameter für gezielte Erfolgskontrollen festlegen.

  • Dosierung und Frequenz adäquat anpassen.

  • Möglichkeiten des Pat. zum selbständigen Üben einbringen (Hands-Off-Strategien).

Die Behandlung wird ergänzt durch
  • Beratung des Pat. und/oder seiner Angehörigen.

  • Beratung bei der Auswahl von Hilfsmitteln.

  • Schulung im Umgang mit Hilfsmitteln (ADL).

Die Antwort auf die Frage, was bei einem Pat. mit der Physiother. erreicht werden soll, führt zu dem Wirk- oder Heilmittel, mit dem dieses Ziel angestrebt und – im Optimalfall – umgesetzt werden kann. Tab. 20.1 kann als Überblick und als Hilfe dienen, für den jeweiligen Pat. ein zielführendes und symptombezogenes Heilmittel zu verordnen.

Physiotherapeutische Untersuchung und Dokumentation

Jeder physiother. Behandlung geht eine sorgfältige Untersuchung voraus. In regelmäßigen Abständen folgen Verlaufskontrollen. Die Inhalte der Befunddokumentation sind in Tab. 20.2 zusammengestellt. Die Ergebnisse der physiother. Untersuchung immer schriftlich fixieren. Wo vorhanden, vorgefertigte Bögen benutzen (z. B. Muskeltestbogen, Gelenkmesskurven, Kraftmesstests, z. B. Biodex®, und Fitnessuntersuchungen). Eine Synopse der wichtigsten Ergebnisse gehört in die Krankenakte, sodass sie dem Arzt und anderen Fachbereichen zugänglich sind.Physiotherapie:UntersuchungPhysiotherapie:Dokumentation

Behandlungsprinzipien

Es gelten folgende Behandlungsprinzipien:Physiotherapie:Behandlungsprinzipien
  • Nach einer OP Physiother. vom ersten Tag an! Pat. so schnell wie möglich vertikalisieren und mobilisieren, um Sekundär-KO möglichst gering zu halten. Zügig Selbstständigkeit anstreben (Toilette, Waschen, Anziehen und Verlassen des Zimmers).

  • Verhindern von posttraumatischen KO (Prophylaxen! 20.1.4).

  • Den Pat. über das physiother. Vorgehen aufklären, eine gemeinsame Vorgehensweise vereinbaren (Shared Decision Making), die Fähigkeitsebene und frühere Erfahrungen des Pat. nutzen, um dessen individuelle Ziele zu erreichen (Adhärenz).

  • Pat. zügig zu Eigentraining anleiten.

  • Nozizeptorenaktivität reduzieren durch z. B. Thermother., Tonusregulation der Muskulatur, Traktionsmobilisation, Friktionen, Lösen von Adhäsionen, Faszientechniken.

  • Individuelle Schmerzgrenze respektieren.

  • Angrenzende Gelenke in die Behandlung einbeziehen.

  • Bewegung (und Bewegungsradius) erweitern und ökonomisieren, indem hochfrequent repetetiv alltagsrelevante Bewegungen (Motorlearning) geübt werden.

  • Spezielle Antipathien des Pat. (z. B. gegen Wärme oder Kälte, 20.3) respektieren.

  • Beachten: Die physiologische Belastbarkeit der Strukturen, unter Berücksichtigung der WundheilungsphasenWundheilungsphase (Tab. 20.3), entscheidet über den Stabilitätsgrad (Tab. 20.4).

Prophylaktische Maßnahmen der Physiotherapie

Tab. 20.5 Physiotherapie:prophylaktische Maßnahmen

Hinweise für das Entlassungsmanagement

Vor Entlassung
Pat. sollen nach der Entlassung aus dem stationären Bereich künftig nahtlos mit Arznei-, Heil-, Hilfsmitteln und Soziotherapie versorgt werden (laut GKV-Versorgungsstärkungsgesetz [GKV-VSG]). Es ist zukünftig Aufgabe der Krankenhäuser, in einem Entlassplan die medizinisch unmittelbar erforderlichen Anschlussleistungen festzulegen. In diesem Zusammenhang dürfen Krankenhäuser „zur Sicherstellung einer durchgehenden Versorgung mit Arzneimitteln“ die jeweils kleinste Packung des erforderlichen Medikaments, die häusliche Krankenpflege und die Versorgung mit Heilmitteln für eine Dauer von max. 12 d verordnen. Krankenhäuser sollten dem VSG zufolge auch eine AU attestieren können.Physiotherapie:EntlassungsmanagementEntlassungsmanagement:Physiotherapie
  • Ärztliche Verordnung auf physiotherapeutische Empfehlung:

    • Hilfsmittel (z. B. UAGST, Rollator, Rollstuhl, Schulter-Abduktionskissen, Mieder, Korsett).

    • Heilmittel.

  • Sicherstellen, dass begonnene Physiother. zuhause fortgesetzt werden kann (Termin!).

  • Physiother. Nachbehandlungsschemata mitgeben.

Heilmittel-Verordnung Physiotherapie
Für gesetzlich versicherte Pat. ist die Grundlage der ärztlichen Verordnung von Heilmitteln der Heilmittelkatalog (HMK) als Bestandteil der jeweilig geltenden Fassung der Heilmittelrichtlinie. Die vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) gemäß § 92 Abs. 1 Satz 2 Nr. 6 und Abs. 6 in Verbindung mit § 138 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch (SGB V) beschlossene Richtlinie dient der Sicherung einer nach den Regeln der ärztlichen Kunst und unter Berücksichtigung des allgemein anerkannten Standes der medizinischen Erkenntnisse ausreichenden, zweckmäßigen und wirtschaftlichen Versorgung der Versicherten mit Heilmitteln. Im HMK ist beschrieben, welche Heilmittel in welchen Mengen bei welchen Diagnosegruppen im Regelfall zu einer medizinisch angemessenen und wirtschaftlichen Versorgung führen.
Verordnungsalgorithmus
  • Diagnose in Diagnosegruppe zuordnen → Leitsymptomatik (= Funktionsstörung) und damit Therapieziele auswählen → daraus ergeben sich nach HMK vorrangige Heilmittel und evtl. ergänzende Heilmittel (cave: Ein „/“ bedeutet entweder/oder!) → Verordnungsmenge nach HMK Vorgaben ausfüllen → Frequenz angeben.

  • Aktuellen Verordnungsvordruck verwenden. Alle Felder ausfüllen!

  • Immer erst den Regelfall (Erst- und Folgeverordnung) durchlaufen. Einzige Ausnahme: Langfristiger Heilmittelbedarf; hier darf ein sofortiger Wechsel nach außerhalb des Regelfalls erfolgen.

Praxisbesonderheiten (ab 1.1.2017 „besondere Verordnungsbedarfe“) und langfristiger Heilmittelbedarf
Der GKV-Spitzenverband und die KBV haben in ihrer Heilmittelvereinbarung vorgegeben, dass die Richtgrößen für das Jahr 2013 um das Volumen des langfristigen Heilmittelbedarfs und der Praxisbesonderheiten (ab dem 1.1.2017 „besondere Verordnungsbedarfe“) bereinigt werden. Als Praxisbesonderheiten gelten die Heilmittel für Pat. mit besonders schweren Erkrankungen, die einen höheren Heilmittelbedarf haben. Die für diese Patientengruppe veranlassten Verordnungskosten überschritten bislang vielfach das dem verordnenden Arzt für den einzelnen Pat. zur Verfügung stehende Richtgrößenvolumen, verbunden mit einem entsprechenden Regressrisiko. Das Risiko eines Regresses ist nun auch bei einer Verordnung im Rahmen einer Praxisbesonderheit nicht mehr gegeben.
  • Sofern die Diagnose in Anhang 1 zur Anlage 2 der Rahmenvorgaben nach § 106b Abs. 2 SGB V für die Wirtschaftlichkeitsprüfung ärztlich verordneter Leistungen vom 30.11.2015 zu finden ist, darf der Arzt das Rezept (streng nach HMK!) nach vorgegebenen Maßgaben jeweils für einen längeren Zeitraum (max. 12 Wo.) ausfüllen. Dies im Falle der Praxisbesonderheiten allerdings erst, wenn der Regelfall durchlaufen wurde.

  • Die Verordnungsmenge richtet sich dabei nach der im HMK vorgegebenen Frequenz multipliziert mit 12 (12-Wochen-Regel, innerhalb der der Arzt den Pat. gesehen haben muss). Anmerkung: s. oben.

  • Beispiel (Abb. 20.1): ICD 10, Z98.8 Zustand nach chirurgisch-orthopädischer Operation

    • i. V. m.

    • Z.89 Rekonstruktiver Eingriff ohne endoprothetische Versorgung

    • EX 3 bei Frequenz von mind. 2 × wöchentlich

    • Max. Verordnungsmenge ergibt sich aus der Frequenz von 2 × 12-Wochen-Regel = 24 ×

Teilbereiche der Physiotherapie

Anne von Reumont und Gabriele Physiotherapie:TeilbereicheSteinmetz

Bewegungstherapie

Definition
Anwendung von Bewegungstechniken, -methoden und -konzepten, um sensomotorische Funktionen wiederherzustellen, zu ökonomisieren, zu automatisieren oder zur Kompensation zu schulen mit dem Ziel weitestgehend unbehinderter Teilhabe am privaten und beruflichen Leben.Bewegungstherapie
Dosierung
Bewegung kann dosiert werden nach
  • dem Umfang der beteiligten Muskeln (Einzelmuskel, Muskelketten, Körperabschnitte, ganzer Körper),

  • der Ausgangsstellung des Pat. (stabil, instabil),

  • der Kraftanforderung an den Muskel (reaktiv-iradiierend, unter Abnahme der Schwere des zu bewegenden Körperabschnitts, gegen die Schwerkraft, gegen Widerstand),

  • der Bewegungsgeschwindigkeit und

  • dem Anspruch an reaktive Anforderungen.

Techniken, Methoden, Konzepte
Es gibt eine Vielzahl von bewegungsther. Anwendungsmöglichkeiten, die je nach Komplexität als Techniken (z. B. manuelle Therapie, pass. Bewegen, PNF), Methoden (z. B. Bobath, Functional Kinetics) oder Konzepte (z. B. Psychomotorik, Spiraldynamik) bezeichnet werden. Die Auswahl des jeweils wirksamsten Mittels obliegt dem Therapeuten und orientiert sich am aktuellen Befund des Pat. und dem Behandlungsziel. Am Wirkort Bewegungssystem werden vorrangig manualther. Techniken (MT, McKenzie, Cyriax), Methoden der Haltungs- und Bewegungsschulung (Functional Kinetics, Brügger, PNF, Spiraldynamik) und am Übergang zur Rehabilitation die medizinische Trainingsther. sowie medizinisches Aufbautraining angewandt.
Zentrale Indikationen
In der Orthopädie und Unfallheilkunde werden vorrangig Störungen am Bewegungssystem behandelt:
  • Mangelnde Qualität von Bewegungsabläufen.

  • Schmerz- und Reizzustände am Bewegungssystem.

  • Hypomobilität und Instabilität.

  • Mangelnde/reduziert Belastbarkeit der Strukturen.

  • Mangelnder Trainingszustand.

Ziele
  • Thrombose vermeiden.

  • Pneumonie vermeiden.

  • Trophische Störungen vermeiden.

  • Resorption fördern.

  • Schmerzen lindern.

  • Bewegung, auch von angrenzenden Gelenken, erhalten.

  • Umgebende Muskulatur stimulieren.

  • Tonus senken.

  • Propriozeption trainieren.

  • Beweglichkeit steigern.

  • Belastbarkeit steigern.

  • Koordination fördern.

  • Ausdauer steigern.

Hüft-TEP: Eine Intervention – unterschiedliche Begleitbehandlungen
Eine in beiden Fachgebieten – allerdings mit unterschiedlicher Häufigkeit – vorkommende operative Maßnahme ist das Einsetzen einer Hüft-TEP. Trotz gleicher Intervention gibt es wichtige Unterschiede (Tab. 20.6), aus denen sich erhebliche Unterschiede für die physiother. Behandlung ergeben hinsichtlich
  • Art,

  • Intensität,

  • Dauer und

  • zu erwartendem Ergebnis.

Gangschule

Grundlagen
  • Einsatz von Hilfsmitteln (z. B. UAGST, Rollator, Gehbock, Handstock, Achselstütze, Gehwagen, aber auch Orthesen) zur Entlastung der unteren Extremitäten oder zur Sicherheit beim Gehen.Gangschule

  • Auswahl der Hilfsmittel je nach Stabilitätsgrad (Tab. 20.4) der muskuloskelettalen Strukturen sowie der Kondition, Konstitution und Mobilität des Pat.

  • Systematische Analyse des Gehverhaltens nach folgenden Beobachtungskriterien: Gangtempo, Kadenz, Spurbreite, Schrittlänge, Abroll-Stand-Phase, Schwungphase, Bewegungen der Körperabschnitte Becken, Beine und Arme unter Berücksichtigung der individuellen Konstitution/Kondition.

Ziele
  • Sicherheit im Umgang mit dem angepassten Hilfsmittel nach dem jeweiligen Stabilitätsgrad. Ökonomisieren der Stand- und Spielbeinfunktion, Gehstrecke verlängern, Treppe gehen, Terraintraining (Tab. 20.7).

  • Vorbereiten, Erhalten oder Wiederherstellen eines möglichst ökonomischen, gelenkschonenden Gangbilds.

  • Selbstständigkeit in den ADL, Partizipation.

  • Kraft- und Ausdauerleistung steigern.

Tipps & Gefahren

UAGST richtig einstellen. Faustregel: Handgriff steht auf Höhe des Trochanter major.

Medizinische Trainingstherapie (MTT)

Grundlagen
  • Im Vordergrund: Optimales Wiederherstellen von Funktion, aber auch präventiv z. B. in der Betreuung von Spitzensportlern.medizinische Trainingstherapie

  • Nach Verletzungen und/oder OPs am Bewegungssystem schnellstmöglich Ther.

  • Grundlagen: Kenntnisse der Sportwissenschaften, der Trainingslehre und der Biokinetik.

  • Eingesetzt werden Mess- und Trainingsgeräte, die die motorischen Grundeigenschaften wie Kraft, Beweglichkeit, Koordination, Ausdauer und Schnelligkeit erfassen.

  • Begleitet wird MTT immer von Physiother. und anderen physik. Maßnahmen.

Ziele
  • „Schadensbegrenzung“ durch Akutmaßnahmen (PECH 7.1.1).

  • Anbahnen physiol. Bewegungsmuster.

  • Aufbau von Muskelmasse.

  • Verbessern neuromuskulärer Fähigkeiten wie intramuskuläres Koordinieren und Rekrutieren.

  • Verbessern der Herz-Kreislauf-Situation.

  • Bedarfsorientiertes Training von Funktion, gemessen an Arbeit, Sport und Freizeit.

(Primär-)Prävention

Grundlagen
Gesundheitlichen Risiken durch geeignete verhaltens- und gesundheitsorientierte Bewegungsprogramme vorzubeugen oder sie zu reduzieren, ist ein Präventionsprinzip der Primärprävention (§ 20 Abs. 1 SGB V).PrimärpräventionPrävention
Die WHO definierte 1986 die primäre Prävention als Ausschalten und Erfassen von krankheitsauslösenden Faktoren. Die Primärprävention will dem Entstehen von Risikoverhalten und Symptomen zuvorkommen. Sie ist Teil der Gesundheitsförderung. Primärprävention findet in der Gruppe statt und sollte dem Settingansatz folgen. Der Erfolg der Maßnahmen muss messbar, die Anbieter müssen lizenziert sein.
Ziele
  • Problembewusstsein entwickeln.

  • Krankmachende Situationen reduzieren oder verhindern (Verhältnisprävention).

  • Gesundheitsfördernde Verhaltensweisen internalisieren (Verhaltensprävention).

  • Ressourcen stärken.

  • Verbessern von Beweglichkeit, Koordination, Ausdauer und Kraft.

  • Erlernen aktiver Bewältigungsstrategien (Coping-Strategien).

  • Fördern der Selbstwirksamkeit (Self Efficacy), Verantwortung für den eigenen Körper übernehmen.

  • Aufbau von Bindung an gesundheitssportliche Aktivitäten.

  • Sozialkompetenz stärken.

Beispiele für das Bewegungssystem
  • Nordic Walking: Nordic WalkingGesundheitssportliche Aktivität für Menschen mit Bewegungsmangel, Bewegungs-(wieder-)einsteiger, Übergewichtige usw.

  • Rückenschule: RückenschuleKörperwahrnehmung, Training der motorischen Grundeigenschaften (Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Koordination), Entspannung, Stressmanagement, Haltungs- und Bewegungsschulung sind Inhalte der Rückenschule. Ziel ist es, individuelle, körpergerechte, rücken- und gelenkfreundliche Verhaltensweisen in Alltag, Beruf, Freizeit und Sport zu integrieren, aber auch Erklärungsmodelle von Rückenschmerz und Strategien zur Schmerzbewältigung (kognitiv, behavioral) kennenzulernen.

  • Ergänzend: Ergonomie am Arbeitsplatz.Ergonomie

  • Sturzprophylaxe: SturzprophylaxeKoordinationstraining als Sturzprävention für ältere und alte Menschen. Das sensomotorische System wird präventiv gefördert und beeinflusst so die motorische Sicherheit und Selbstständigkeit. Kraftverlust wird verzögert, das Vestibularsystem wird durch Gleichgewichtstraining auf labilen Unterstützungsflächen angeregt, Propriozeption wird gefördert.

Thermotherapie

Anne von Reumont und Gabriele ThermotherapieSteinmetz

Definition

Ther. Nutzen von Wärmezufuhr und Wärmeentzug. Durch verschiedenartige Appl.-Formen mit unterschiedlicher Einwirkzeit sollen Selbstheilungsprozesse angeregt und unterstützt werden. Wärme- (Thermo-) und Kältether. (Kryother.) stehen immer in engstem Zusammenhang mit aktiver physiother. Behandlung.

Kryotherapie

Wirkung
KryotherapieDie Wirkweise ist abhängig von der Dauer der Anwendung. Kurze Appl. führt zu reflektorischen Reaktionen, längere zu direkt temperaturabhängigen Einflüssen. Klin. wird kurze und häufige Applikation präferiert.
  • Gefäße: Durchblutung ↓, Gefäße:KryotherapieVasokonstriktion, danach Hyperämie mit Vasodilatation.

  • Atmung: Ventilation ↑, Atmung:KryotherapieFrequenz ↑, Atembreite ↑, Lungenbelüftung ↑.

  • Nerven: NLG ↓, schmerzlindernd.

  • Vegetativum und Stoffwechsel: RR ↑, Herzfrequenz ↑, Zellstoffwechsel ↓, lokale Stoffwechselaktivität ↓ (entzündungshemmend), Wundheilung ↓.

  • Muskulatur: Muskulatur:KryotherapieKurzes, schnelles Eis für 2–3 Min. → Tonus ↑,

Indikationen
Frische Traumata (Distorsionen, Frakturen), postop. zur Schmerzlinderung und Stoffwechsel steigern, Erkr. des rheumatischen Formenkreises, bes. im Akutstadium, Gelenkschmerzen (Arthrose), periphere Lähmungen.
Kontraindikationen
PAVK, Morbus Raynaud, Kälteallergie, Aversion gegen Kälte, bei Säuglingen und alten Menschen, bei gestörter Thermoregulation.
Anwendung
Applikationsformen und Kälteträger
Prinzipiell trockene und feuchte Kälte mögl. (Tab. 20.8), wobei feuchte Kälte besser leitet.
Dosierung: Es gibt keine eindeutigen Vorgaben, die Dosierung ist stark abhängig von diversen Reiz- und Reaktionsparametern. Erstere sind Art und Größe des Kälteträgers und die Größe der zu behandelnden Fläche. Letztere sind individuell abhängig von Konstitution, Alter, Geschlecht, Art und Phase der Erkr. Je nach Zielsetzung dauert eine Behandlung von Sekunden bis zu 20 Min.

Thermotherapie (Wärme)

Wirkung
  • WärmetherapieGefäße: Gefäße:WärmetherapieDurchblutung ↑, Vasodilatation.

  • Atmung: Atemvertiefung, Atmung:WärmetherapieVentilation ↑, Thoraxbeweglichkeit ↑.

  • Nerven: NLG ↓, analgesierend.

  • Vegetativum und Stoffwechsel: RR ↓, Herzfrequenz ↓, lokaler Stoffwechsel ↑, Phagozytose ↑, Diffusion ↑, Ödemrückbildung ↑, entzündungshemmend, Wundheilung ↑.

  • Muskulatur: Muskulatur:WärmetherapieMuskeltonus ↓, Bänder und Kapsel in Dehnfähigkeit ↑.

Applikationsformen und Wärmeträger

Elektrotherapie

Anne von Reumont und Gabriele ElektrotherapieSteinmetz

Allgemeines

Definition
Die Anwendung von elektrischer Spannung zu ther. Zwecken.
Einteilung
Einteilung in Frequenzbereiche und die wichtigsten Ther.-Formen:
  • Gleichstrom: Galvanischer Strom Gleichstrom(Iontophorese:Iontophorese Einbringen von Medikamenten).

  • Niederfrequenz (< 1.000 Hz): Faradischer NiederfrequenzStrom, diadynamischer Strom, Ultrareizstrom, Exponentialstrom, Schwellstrom, TENS (transkutane elektrische Nervenstimulation).

  • Mittelfrequenz (1.000–100 kHz): MittelfrequenzInterferenzstrom.

  • Hochfrequenz (über 100 kHz):Hochfrequenz Ultraschall, Ultraschall komb. mit Diadynamik, Kurzwelle, Dezimeterwelle, Mikrowelle.

Kontraindikationen
Metalle im stromdurchflossenen Gebiet, Herzschrittmacher, fehlende Oberflächensensibilität, offene Hautdefekte, Allergien, Entzündungen, Verbrennungen, Thrombosen und Thrombophlebitiden, AVK Stadien II und III, Fieber. Bei Kindern Bereich der Epiphysenfugen, Schwangerschaft.

Iontophorese

Definition
IontophoreseTranskutanes Einbringen von Medikamenten mittels galvanischen Stroms. Funktioniert über die Ionenwanderung, das Medikament wird in Ionen aufgespalten. Vorteile sind die exakte lokale Anwendung und das Umgehen des Magen-Darm-Trakts.
Wirkung
Je nach Medikament resorptionsfördernd, analgetisch, antiphlogistisch.
Indikationen
Ulcus cruris, Myalgie, Epikondylitis, Arthrosis deformans, Periarthropathie, Tendomyose, posttraumatisches Hämatom.
Aufbringen des Medikaments je nach Ladung („Polung“) der Medikamente (Tab. 20.10).

TENS (transkutane elektrische Nervenstimulation)

Definition
Schmerztherapie:TENSNervenstimulation, transkutane elektrischeRezeptierfähiges Analgesieverfahren durch niederfrequente Impuls- und Gleichströme. Die kleinen, handlichen Geräte liefern sowohl mono- als auch biphasische Stromformen. Die analgetisch wirksamen Frequenzen im Bereich bis 200 Hz sind jeweils einstellbar.
Wirkung
Analgesierend.
Hauptindikation
Chron. Schmerzzustände, akute postop. oder traumatische Schmerzzustände, Phantomgefühle und -schmerzen nach Amputationen.
Kontraindikationen
Schmerzen unklarer Genese, Demand-Herzschrittmacher im Schmerzbereich.

Ultraschall

Definition
Ther. UltraschallNutzen von Gleich- oder Impulsschall (800 kHz bis 3 MHz). Ultraschall gehört nicht zur Elektrother., da er nicht elektromagnetisch wirksam ist! Im Vordergrund steht die mechanische Wirkkomponente des Ultraschalls. Longitudinalwellen erzeugen einen Druckwechsel im Gewebe (mechanische Vibrationswirkung), außerdem wird ein Teil der Schallenergie in Reibungsenergie umgewandelt (thermische Wirkung mit Vasodilatation). Eindringtiefe des Schalls bis ca. 8 cm möglich.
Wirkung
Analgesierend, gewebslösend, hyperämisierend und regenerationsfördernd auf Gewebe.
Hauptindikation
Myalgie, Neuralgie, Tendinose, Osteochondrose, Spondyl-, Gon-, Koxarthrose, Epikondylopathie, Narbenverklebungen mit Unterhautgewebe, Bursitis.
Kontraindikationen
Bei Kindern und Jugendlichen nicht im Bereich der Epiphysenfuge anwenden.

Massage

Anne von Reumont und Gabriele MassageSteinmetz

Definition

Behandlung von Gewebe und Muskulatur durch manuell gesetzte Reize. Die Grifftechniken sind genau definiert. Verschiedene Massagearten sind Muskelmassage (klassische Massage), Reflexzonenmassage (z. B. Bindegewebs-, Fußreflexzonenmassage, Kolonbehandlung) und Lymphdrainage (nach Vodder).

Klassische Massagetherapie (KMT)

Definition
Massage:klassicheDient in der Physiother. i. d. R. zur Vorbereitung einer Bewegungsther. Voraussetzungen sind eine warme Umgebung, entspannte Lagerung und Atmosphäre. Wir unterscheiden Teil- (z. B. Gesichts-, Nacken-, Schulter-, Arm-, Rücken- und Beinmassagen) und Ganzkörpermassagen.
Indikationen
Als vorbereitende Maßnahme vor einer Bewegungsther., um die Muskulatur zu tonisieren oder zu detonisieren.
Kontraindikationen
Hautdefekte, nach Trauma, Muskel- und Sehnenriss, Frakturen, Entzündung, Fieber, Thrombose und Thrombophlebitis, Reflexdystrophie (M. Sudeck), AVK.

Manuelle Lymphdrainage (MLD)

Definition
Manuelle LymphdrainageLymphdrainageSonderform der Massage. Lymphe wird durch entstauende Griffe im Verlauf der Lymphbahnen zum Abfluss angeregt. Im Anschluss an die Behandlung wird das behandelte Gebiet mit einem Kompressionsverband von distal nach prox. versorgt.
Wirkung
Drainieren gestauter Körperabschnitte, Lymphtransportkapazitäten ↑, Anregen der Sprossung von Lymphgefäßen, z. B. nach Verletzungen, schmerzlindernd.
Indikationen
Postop. und posttraumatische Lymphödeme, nach Amputationen, bei zentralen oder peripheren Paresen und Plegien, Reflexdystrophie (CRPS), Rheuma.
Kontraindikationen
Akute, durch pathogene Keime verursachte Entzündungen (Viren, Bakterien etc.), kardiale Ödeme, Hautdefekte, Allergien, Ekzeme, akute Thrombophlebitis, Bauchaortenaneurysma, Niereninsuff., maligne Tumoren (abklären, da relative KI, palliativ erlaubt), Erysipel, generalisierte bakterielle Hautinfektionen.

Ergotherapie

Elisabeth ErgotherapieNowak

Allgemeines

Definition
Der Begriff Ergotherapie leitet sich von dem griechischen Wort „ergon“ ab = „Werk“. Ziele der Ergother. sind, die größtmögliche Fähigkeit zum eigenständigen Handeln zu erreichen, vorhandene Fähigkeiten zu fördern, verlorengegangene Fähigkeiten wieder zu erlangen oder ggf. Kompensationsmechanismen zu finden, die den Weg im Alltag und Berufsleben erleichtern oder überhaupt wieder ermöglichen. Dazu bedient sich die Ergother. einer Fülle von verschiedenen Behandlungsmethoden, die in engem Zusammenhang mit der akuten Situation des Pat. stehen.
Voraussetzungen zur Therapie
  • Ergotherapie:VoraussetzungenÄrztliche Verordnung: Pat.-Daten, aussagekräftige Diagnose, Leitsymptomatik, Verordnungsmenge, Ther.-Frequenz, Besonderheiten, Ziel.

  • Weitere Informationen: KO, Belastbarkeit, Röntgenbilder, sonstige Vorbefunde.

Befunderhebung, Funktionsstatus vor jeder Therapieplanung
Körperfunktion, Körperstruktur:
  • Muskelfunktion und Muskelkraft; an der Hand Greifkraft (Messung z. B. mittels Dynamometer, Vigorimeter, Pinch Gauge); Funktionsstatus.

  • Bewegungsausmaß durch Gelenkmessungen und spezifische Tests.

  • Oberflächen- und Tiefensensibilität, Temperatur- und Schmerzempfindung, z. B. Berührung mittels Semmes-Weinstein-Monofilamenten.

  • Tätigkeits- und Bewegungsanalysen anhand von Beobachtung der Bewegungsabläufe.

  • AZ des Pat. durch Beobachtung und Befragung.

Alltagsaktivitäten, Teilhabe: Selbstständigkeit und Kontextfaktoren durch Beobachtung und Befragung.
Allgemeine Behandlungsziele
  • Wiedererlangen verlorengegangener Funktionen durch Muskelkräftigung, Gelenkmobilisation, Schulung der Bewegungskoordination.

  • Erweiterung des aktiven schmerzfreien Bewegungsausmaßes, Kontrakturprophylaxe.

  • Erlernen von ggf. notwendigen Trickbewegungen.

  • Verhindern von Muskelatrophien.

  • Sensibilitätsschulung.

  • Schmerzlinderung, -bewältigung.

  • Individuelle Adaptionen (z. B. Schienen, Hilfsmittel).

  • Max. Selbstständigkeit, Wiedereingliederung in Privatleben und Beruf.

Prophylaktische und therapeutische Methoden
  • Ergotherapie:MethodenFunktionstraining (Gelenkmobilisation, Muskelkräftigung, Koordinations- und Sensibilitätsschulung), funktionelle Übungen, ther. Einsatz unterschiedlicher Materialien, ggf. mit Unterstützung durch Schienen und Tapeverbände, Techniken der manuellen Ther., Lymphdrainage, Massagen, Wärme- und Kälteanwendungen.

  • Selbsthilfetraining (ADL), Hilfsmittelberatung, -erprobung und -versorgung, (z. B. Orthesen, Schienenversorgung, Prothesen, Rollstühle, Hilfsmittel das häusliche Umfeld betreffend), Gelenkschutzberatung (Prophylaxe), Sturzprophylaxe, Kompensations-, Belastungs- und Arbeitsplatztraining.

Erkrankungen, Verletzungen der oberen Extremität

Beginn und Dauer der Therapie
  • Bei Auftreten von Beschwerden.Ergotherapie:obere Extremitäten

  • Bei Verletzungen sofort postop., sobald die Freigabe durch den Arzt (übungsstabil) gegeben ist.

  • Bis zum Erreichen der Ther.-Ziele.

Techniken
  • Training der Bewegungsabläufe und Greifformen durch funktionelle Ther. und handwerkliche Techniken.

  • Selbsthilfetraining, Kompensationstraining.

  • Manuelle Ther., Weichteiltechniken, Kinesio-Taping.

  • Massagen, Techniken der manuellen Lymphdrainage.

  • Wärme- und Kälteanwendungen, Elektrother.

  • Schienenbau, Anlage von Tape-Verbänden.

  • Sensibilitätstraining (Sensibilisierung, Desensibilisierung), propriozeptive Stimulation.

  • Spiegelther., Imaginationsübungen.

Schultergelenk
Indikationen
z. B. Schulter:ErgotherapieErgotherapie:SchulterSchultersteife, Supraspinatussehnensy., Z. n. Frakturen und Luxationen der Schulter, nach korrigierenden OPs und Schultergelenkendoprothesen, Plexus-brachialis-Läsionen.
Ellenbogen
Indikationen
z. B. Ergotherapie:EllenbogenEllenbogen:ErgotherapieEpicondylitis humeri, Z. n. Frakturen im Gelenkbereich.
Hand
Indikationen
Hand:Ergotherapiez. B. Ergotherapie:HandFrakturen und Erkr. im Handbereich, Quetschungen, Verbrennungen, Fehlbildungen, Narbenbehandlung infolge von OPs (z. B. Sehnenverletzungen, Karpaltunnelsy., Dupuytren-Kontraktur), Lähmung peripherer Nerven, Amputationen, Phantomschmerz, CRPS.
Spezielle Behandlungsziele
  • Vergrößerung des Bewegungsausmaßes.

  • Schmerzbewältigung.

  • Erhalt der Repräsentanz im Gehirn.

  • Wiedererlangen der Handfunktionen mit ihren verschiedenen Greifformen.

  • Schulung der Feinmotorik, Augen-Hand-Koordination, Hand-Hand-Koordination.

  • Wiedereinsatz der Hand im Alltag.

Hilfsmittelversorgung
  • Bei dauerhaftem Ausfall von Funktionen: Beratung, Erprobung, Auswahl, Hilfsmittel:HandHerstellen von individuellen Hilfsmitteln, Adaptieren von Alltagsgegenständen.

  • Ziel: Erhalt oder Wiedererlangung der Selbstständigkeit unter Einsatz möglichst weniger Hilfsmittel.

Schienenversorgung
Handtherapie
Die Handther.Handtherapie (nach einer Definition der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Handtherapie, DAHTH) umfasst die Reha von Pat. mit angeborenen, traumatischen und deg. Erkrankungen der oberen Extremität und deren Auswirkungen. In der Handther. soll die funktionsgestörte Hand zum zielgerichteten, automatisierten und koordinierten Gebrauch, also zur möglichst ursprünglichen Funktion zurückgeführt werden. Ziel ist es, dem Pat. frühere Beschäftigungen und Tätigkeiten weitestgehend zu ermöglichen, um seinen Anforderungen im sozialen, häuslichen und beruflichen Bereich wieder gerecht zu werden.

Erkrankungen und Verletzungen der unteren Extremität

Beginn und Dauer der Therapie
Sobald übungsstabil, bis zum Erreichen der individuellen Ther.-Ziele.Ergotherapie:untere Extremitäten
Indikationen
  • Muskelschwächen durch Inaktivität oder Lähmungen.

  • Hüftgelenk: Hüftgelenk:ErgotherapieZ. B. Ergotherapie:HüftgelenkTEPs; Bewegungseinschränkung und Schmerzen nach Frakturen und Luxationen.

  • Knie: Knie:Ergotherapiez. B. Ergotherapie:KnieEndoprothesen; Synovektomien; Z. n. Frakturen und Bänderrissen.

  • Sprunggelenk:Sprunggelenk:Ergotherapiez.Ergotherapie:SprunggelenkB. nach Frakturen, Entzündungsprozessen, Achillessehnenruptur:ErgotherapieAchillessehnenruptur.

Spezielle Behandlungsziele
  • Vermeiden von Ausweichbewegungen, Gelenkschutz.

  • Schmerzminderung, Belastungssteigerung.

Erkrankungen und Verletzungen der Wirbelsäule

Beginn und Dauer der Therapie
  • Bei Auftreten von Beschwerden.Ergotherapie:Wirbelsäule

  • Bei Verletzungen sofort postop., sobald die Freigabe durch den Arzt (übungsstabil) gegeben ist.

  • Bis zum Erreichen der Ther.-Ziele.

Morbus Scheuermann, Skoliose, Osteoporose, Frakturen
Ziel: Kräftigung Osteoporose:ErgotherapieMorbus:ScheuermannErgotherapie:SkolioseErgotherapie:OsteoporoseErgotherapie:Morbus Scheuermannder Skoliose:ErgotherapieRumpfmuskulatur und Aufrichtung der WS in stetiger Belastungssteigerung. Verhindern von Ausweichbewegungen und aktives Training WS-schonenden Verhaltens (Gelenkschutzprinzipien). ADL (20.7.8) wird durchgeführt und der Pat. wird evtl. mit Hilfsmitteln versorgt.
Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew)
Ziel: Muskelkräftigung, Spondylitis ankylosans:ErgotherapieMorbus:Bechterew, ErgotherapieErgotherapie:Spondylitis ankylosansErgotherapie:Morbus BechterewAktivierung und Unterstützung der Atmung, Mobilisieren der WS und der häufig benachbarten Gelenke. Vermitteln von Gelenkschutzprinzipien und Haltungsschulung, ADL-Training, Hilfsmittelversorgung, Adaptation der häuslichen Umgebung und des Arbeitsplatzes.
Spondylolisthesis, OP an der WS
10.6.9. Ziel: Vermitteln Spondylolisthesis:ErgotherapieErgotherapie:Spondylolisthesisvon Gelenkschutzprinzipien, Versorgung mit Hilfsmitteln zur Erleichterung in Haushalt und Beruf.
Zervikalsyndrom
Ziel: Ergotherapie:ZervikalsyndromKräftigungZervikalsyndrom:Ergotherapie und Lockerung von Schulter-Nacken-Muskulatur und evtl. geschwächter Arm- und Handmuskulatur. Erweitern des schmerzfreien Aktionsradius, Verhindern von Ausweichbewegungen und Fehlhaltungen, Vermitteln von Gelenkschutzprinzipien, größtmögliche Selbstständigkeit in den ADL, Hilfsmittelversorgung bei Lähmungen.
Querschnittslähmung
18.6.Querschnittslähmung:ErgotherapieErgotherapie:Querschnittslähmung
  • Die ergother. Behandlung steht in Abhängigkeit von Höhe und Ausprägung der Läsion. Im Ther.-Programm lassen sich verschiedene Schwerpunkte unterscheiden.

  • Zur optimalen Versorgung ist eine enge Zusammenarbeit zwischen interdisziplinärem Team und Pat. notwendig.

Spezielle Behandlungsziele
  • Förderung vorhandener Fähigkeiten.

  • Wiedererlangen verlorengegangener Fähigkeiten.

  • Ggf. Finden von Kompensationsmechanismen.

  • In Abhängigkeit von Höhe und Ausprägung der Läsion (komplett/inkomplett) werden Behandlungsansätze (kompensatorisch oder restauratorisch) abgeleitet.

Beginn und Dauer der Therapie
Sofort bei Aufnahme in der Einrichtung bis zum Erreichen der größtmöglichen Selbstständigkeit. Erneut bei später auftretenden Veränderungen.
Therapieinhalte
  • Bei hoch gelähmten Tetraplegikern frühzeitig die selbstständigen Kontakte zur Umwelt ermöglichen (z. B. adaptierte Klingel, Telefon und TV mittels Umfeldkontrollsystem).

  • Nach Belastungsfreigabe Mobilisation in den Rollstuhl.

  • Anbahnen von Bewegungsabläufen, Vergrößern des Bewegungsausmaßes und Erhalt der Gelenkbeweglichkeit durch assistiv-aktives Bewegen.

  • Vermitteln von möglichen Trickbewegungen bei kompletter Tetraplegie.

  • Einsatz von Elektrostimulation in der funktionellen Ther. der oberen Extremität.

  • Restfunktionen trainieren, Koordination des ganzen Körpers fördern.

  • Training weitgehender Selbstständigkeit bei den Verrichtungen des tgl. Lebens wie z. B. Körperhygiene, Nahrungsaufnahme, An- und Ausziehen, Alltagstransfers.

  • Beratung von Betroffenen und Angehörigen bezüglich Hilfsmittelversorgung und Wohnraumanpassung.

Rheumatischer Formenkreis

Beginn und Dauer der Therapie
Sofort bei Diagnosestellung, krankheitsbegleitend.Rheuma:ErgotherapieErgotherapie:Rheuma
Spezielle Behandlungsziele
  • Gelenkschutz.

  • Bewältigung des Alltagslebens.

  • Teilhabe in allen Lebensbereichen.

Wichtigste Maßnahmen
  • Genaue Ausgangsbefunderhebung (Dokumentation) zur Festlegung der Maßnahmen und Ther.-Ziele und zur Verlaufskontrolle.

  • Intensive Aufklärung des Pat. und der Angehörigen. Vermittelung von Kontakten zu anderen Rheumatikern (z. B. Rheumaliga).

  • Vermitteln von Gelenkschutzprinzipien zur Erhaltung der Funktionen.

  • Herstellung von Lagerungs-, Funktions- und Korrekturschienen (Gelenkschutz, Schmerzlinderung im Schub, Verhinderung von Kontrakturen und Fehlstellungen).

  • Differenzierter Einsatz handwerklicher Techniken, adaptierter Spiele und weiterer spezifischer Übungen und Techniken zur Gelenkmobilisation und Kräftigung der Muskulatur.

  • Vermittlung von Kompensationsbewegungen zur Vermeidung pathol. Bewegungsabläufe und unkontrollierter Ausweichbewegungen durch Schonhaltung.

  • Selbstständigkeit erhalten durch ADL-Training und Hilfsmittelversorgung (z. B. spezielles Besteck, Greifzangen). Hilfen und Beratung bei der Adaptation des Wohnbereichs, des Arbeitsplatzes und der Freizeitgestaltung.

Schienenversorgung

Die SchienenversorgungHerstellung erfolgt größtenteils mit niederthermoplastischen Kunststoffmaterialien, die direkt am Pat. angepasst werden und jederzeit korrigiert werden können.
Wirkung
Schienen können Kontrakturen verhindern, Schmerzen lindern, Übungen sinnvoll unterstützen oder erst möglich machen und Fehlstellungen korrigieren. Oder sie dienen der vorübergehenden Ruhigstellung und werden zur Verhinderung von Muskelüberdehnung eingesetzt.

Der Einsatz von Schienen ist nur dann sinnvoll, wenn eine ständige fachgerechte Kontrolle möglich ist und eine intensive Zusammenarbeit zwischen Arzt und Ergotherapeut stattfindet.

Wichtigste Formen und ihre Indikationen
  • Lagerungsschienen: LagerungsschieneZur Ruhigstellung postop. oder bei Entzündungen bei Nervenverletzungen, Lähmungen, Fehlstellungen, rheumatischen Erkr. der Hand (präventiv und korrektiv), Verbrennungen. Zur Kontrakturprophylaxe. Daumenspange zur Entlastung Daumenspangedes Daumengrund- oder -sattelgelenks.

  • FunktionsschieneFunktionsschienen:

    • Statische Schienen: Zur Korrektur von Gelenksfehlstellungen und Förderung der Funktionsfähigkeit der Hand durch Fixieren und Stabilisieren einzelner Gelenke.

      • Statische Daumenschiene: Bei Daumenschiene:statischeRupturen des ulnaren Seitenbands, Rhizarthrose/Resektionsarthroplastik, Frakturen, Opponenslähmung.

      • Statische Fingerschienen: Fingerschiene:statischeZur posttraumatischen Ruhigstellung bei Mittel- und Endgliedfrakturen, Arthrodesen, Mittelgelenkprothesen, entzündlichen Prozessen.

    • Dynamische Schienen: Schiene:dynamischeZur Unterstützung von Muskelfunktionen, zum Ersetzen fehlender Funktionen und zur Gewährleistung physiologischer Bewegungen. Einsatz finden sie im Rahmen Schiene(n):dynamischeder frühaktiven Nachbehandlung bei Verletzung und Narben im Bereich aller Zonen des Streck- und Beugeapparats der Hand, des Daumens und der Finger; Tenolyse, Quetschungen, Frakturen, nach langer Ruhigstellung.

  • Redressierende- oder Quengelschienen: Zur Aufdehnung von Kontrakturen. Durch elastischen Zug oder Druck wird eine Quengelwirkung erzeugt. Sie werden nur zeitlich begrenzt oder im Rahmen der Ther. getragen.

Prothesentraining (obere Extremität)

Beginn und Dauer der Therapie
Sofort mit Stumpfbehandlung. Im weiteren Behandlungsverlauf beginnt die ProthesentrainingProthesengebrauchsschulung.
Spezielle Behandlungsziele
  • Phantomschmerz beeinflussen.

  • Prothese sinnvoll einsetzen.

  • Wiedereingliederung in Familie und Beruf.

Therapieinhalte
  • Stumpfabhärtung.

  • Erhalt der Repräsentanz des amputierten Körperteils mittels Spiegelther.

  • Mobilisation, An- und Ausziehen der Prothese, Wechseln der Protheseneinsätze.

  • Verhindern von Kontrakturen der noch vorhandenen Gelenke.

  • Gebrauchsschulung, Geschicklichkeitstraining und Kontrolle der aktiven und passiven Prothesenfunktionen, evtl. Korrekturen an der Prothese gemeinsam mit Orthopädietechnik, Beratung über Zubehör.

  • Haltungsschulung (Kontrolle im Spiegel), Anbieten von Hilfsmitteln.

  • Evtl. Umlernen von Funktionen auf die andere Hand, den anderen Arm.

  • ADL-Training.

  • Arbeitsplatztypische Bewegungen.

Selbsthilfetraining (ADL)

Definition
Aktivitäten des täglichen Lebens: Übungsprogramm zur Bewältigung funktioneller Schwierigkeiten im Alltag.SelbsthilfetrainingADL
Indikationen
Lähmungserscheinungen jeder Art und Genese, Ausfall von Funktionen durch Unfälle, Frakturen, Fehlbildung und Amputation, Erkr. des rheumatischen Formenkreises.
Beginn der Therapie
  • Belastbarkeit von mindestens 10 Min.

  • Vorhandene Fähigkeit das Gesagte aufzunehmen, zu verarbeiten und sich zu merken.

  • Bei aktiver Bewegungsfunktion.

Anwendung
Liegephase: Herstellen des Kontakts, Lagerung, Mobilisation und Aktivierung, Beginn mit Esstraining und Körperpflege. Ist der Pat. in der Lage, aufrecht zu sitzen → Toilettentraining, Körperpflege, An- und Ausziehen, Schreib- und Lesetraining, Rollstuhlversorgung und -training.
Hilfsmittelversorgung: In der Ergother. wird der Einsatz der Hilfsmittel in Alltagssituationen geübt. Ggf. stellt die Ergother. kleine Hilfsmittel für die Nutzung von Alltagsgegenständen oder zum Ausgleich verloren gegangener Funktionen her. Die bloße Verordnung von Hilfsmitteln, Rollstuhl oder Prothese ist nur sinnvoll, wenn der Umgang damit geübt wurde und der Betroffene das Hilfsmittel beherrscht.

Alle Maßnahmen des ADL sind nur in engster Zusammenarbeit des ther. Teams durchzuführen.

Gelenkschutz

Ziel
GelenkschutzProphylaktischer Gelenkschutz insbes. bei rheumatischen Gelenkerkr. Dauerbeanspruchung und/oder Überlastung eines Gelenks soll vermieden werden. Auf möglichst achsengerechte Durchführung aller Bewegungen muss geachtet werden. Gelenkschutz sollte frühzeitig berücksichtigt werden und die Betroffenen sollten über die Wichtigkeit des Gelenkschutzes aufgeklärt sein.
Gelenkschutzempfehlungen

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