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B978-3-437-45165-2.00008-9

10.1016/B978-3-437-45165-2.00008-9

978-3-437-45165-2

Abb. 8.1

[L190]

Häufige medizinische Probleme des älteren Menschen

Übersicht über die Abnahme von Organfunktionen zwischen dem 30. und 75. Lebensjahr (Prozentwerte nach Sloane 1992)AlterOrganfunktionen

Tab. 8.1
Funktionen oder Merkmale verschiedener Organe Sinkt um ca. Daraus resultierende mögliche Probleme
Gehirngewicht 44 % Sinkende Gedächtnisleistung
Gehirndurchblutung 20 % Geringere Reserve, z. B. bei OP
Nervenleitungsgeschwindigkeit 10 % Herabsetzung der Reaktionsgeschwindigkeit
Anzahl der Geschmacksknospen 65 % Unlust am Essen
Maximaler Pulsschlag 25 % Geringere körperliche Leistungsreserven
Herzschlagvolumen in Ruhe 30 % Geringere körperliche Leistung
Nierenfiltrationsleistung,
Nierendurchblutung
31 %
50 %
Langsamere Ausscheidung von Medikamenten
Max. Sauerstoffaufnahme des Blutes 60 % Geringere Leistungsreserven, z. B. in Höhenlage
Max. Ventilationsrate 47 %
Vitalkapazität 44 % Einschränkung z. B. der OP-Fähigkeit möglich
Mineralgehalt der Knochen:
  • Frauen

  • Männer

30 %
15 %
Osteoporose mit Gefahr pathologischer Frakturen
Muskelmasse (v. a. Antigravitationsmuskeln) 30 % Haltungs- und Rückenbeschwerden
Max. körperl. Dauerleistung 30 % Geringere körperliche Leistungskraft
Grundstoffwechsel 16 % Übergewicht bei nicht angepasster Ernährung

Gerontologie und Geriatrie

Angela Debray

  • 8.1

    Alterstypische Veränderungen und Krankheiten verschiedener Organsysteme680

    • 8.1.1

      Herz-Kreislauf-System681

    • 8.1.2

      Atmungsorgane682

    • 8.1.3

      Bewegungsapparat682

    • 8.1.4

      Sinnesorgane und -funktionen684

  • 8.2

    Veränderungen zentralnervöser und psychischer Funktionen im Alter685

    • 8.2.1

      Kognitive Funktionen685

    • 8.2.2

      Emotionalität und Persönlichkeit685

    • 8.2.3

      Hirnleistungsstörungen (Demenz)686

  • 8.3

    Physiotherapeutische Einzel- und Gruppenbehandlung mit alten Menschen688

    • 8.3.1

      Tipps zum Umgang mit älteren Patienten688

    • 8.3.2

      Sturzprophylaxe689

    • 8.3.3

      Einzelbehandlung690

    • 8.3.4

      Gruppentherapie692

GeriatrieGeriatrie ist die Lehre von den Krankheiten älterer Menschen. Gerontologie Gerontologieist die Wissenschaft, die sich mit den typischen Veränderungen der körperlichen, psychischen und sozialen Funktionen im Prozess des Alterns befasst.

Menschen bleiben bis ins hohe Alter physisch und psychisch leistungsfähig, vorausgesetzt diese Funktionen werden fortlaufend genutzt. Altersbedingte Verluste verschiedener Körperfunktionen führen nicht zwingend zum Auftreten chronischer Krankheiten. Die Übergänge können fließend sein. In der physiotherapeutischen Behandlung müssen gleichermaßen nachlassende Körperfunktionen, bestehende Alterserkrankungen und das individuelle psychosoziale Umfeld des älteren Menschen berücksichtigt werden.

Alterstypische Veränderungen und Krankheiten verschiedener Organsysteme

Herz-Kreislauf-System

Veränderungen
AlterVeränderungenAlterKrankheitenDurch abnehmende Kontraktilität der Herzmuskelzellen, zunehmende Arteriosklerose der Koronararterien und verringerte Sauerstoffaufnahme der Lunge nimmt die Versorgung und Leistung des Herzmuskels ab; das Herzzeitvolumen verringert sich. Andererseits besteht eine Tendenz zu erhöhtem systolischen und diastolischen Blutdruck. Verlust der Elastizität und Lumenweite der Arterien verschlechtern die Windkesselfunktion der Aorta, die erhöhte Nachlast erschwert die Herztätigkeit. Durch den Verlust der Gefäßelastizität läuft die orthostatische Regulation verzögert ab, dadurch kommt es zu Schwindel beim Aufstehen aus Rückenlage oder bei längerem Stehen (7.3.4).
Alterserkrankungen
AlterserkrankungenHerzinsuffizienz (7.2.7), Bluthochdruck (7.3.3), KHK (inkl. Synkopen; 7.2.4), Herzinfarkt (7.2.4), pAVK (7.3.5), apoplektischer Insult (9.6.1).
Physiotherapie
Struktur/Funktion
  • Dyn. Muskelarbeit, dabei Puls- und Blutdruckkontrolle (Ruhepuls, Puls nach subjektiver Anstrengung, nach Lagewechsel, Erholungspuls)

  • Kein Training der Schnellkraft, da Gefahr katecholamininduzierter Herzrhythmusstörungen, stattdessen angemessenes Reaktionstraining

Aktivität/Partizipation
  • Gleichgewichts-, Reaktions- und Gangtraining (Balancieren, Hindernisgehen, Gehen auf verschiedenen Untergründen)

  • Wenn möglich, allgemeine Ausdauer trainieren (Fahrrad- und Laufbandergometer, Walking)

  • Sturzprophylaxe betreiben (8.3.2)

  • !

    Ausreichende Pausen einlegen

Tipps & Fallen

  • Atempressen verhindern

  • Übungen vermeiden, bei denen der Kopf unter Herzniveau gerät

  • Überlastungszeichen erkennen: nachlassende Konzentration, eigenständiger Übungsabbruch, unkoordinierte Bewegungen, erhöhte Atemfrequenz, Seufzer, Atemhilfsmuskeleinsatz, Blässe, Schweiß auf der Stirn, subjektives Überlastungsempfinden, erhöhte Herzfrequenz

Atmungsorgane

Veränderungen
Durch abnehmende Thoraxmobilität und Retraktionskraft der Gewebe wird die Atemarbeit erschwert, die Vitalkapazität verringert und die Sauerstoffaufnahme reduziert.
Alterserkrankung
AltersemphysemAltersemphysem.
Physiotherapie
Struktur/Funktion
  • Atemvertiefende und thoraxmobilisierende Übungen zur Förderung der VK (AT, 1.3.4), dabei nachlassende Thoraxelastizität berücksichtigen.

  • Dyn. Mobilisationen

  • Dehnlagen abwandeln, auf Schmerzfreiheit achten (1.3.4)

Aktivität/Partizipation
Bei bestehender Belastungsdyspnoe Einsatz der Lippenbremse unter Belastung üben, z. B. beim Treppensteigen.

Bewegungsapparat

Knochen
Veränderungen
Abnehmende Knochendichte erhöht die Frakturgefahr.
Alterserkrankung
Osteoporose.
Physiotherapie
Struktur/Funktion
  • Abrupte Bewegungen und Sprünge vermeiden

  • Passive Techniken und Widerstände angemessen dosieren

Aktivität/Partizipation
  • Aufrechte Körperhaltung fördern (Haltungsschule, 1.3.7; Rückenschule, 2.25)

  • Umfangreiche Sturzprophylaxe (8.3.2) durchführen

Gelenke
Veränderungen
Elastizitätsverlust an Gelenkkapseln, Bändern, Sehnen und Knorpel reduzieren den Bewegungsspielraum einzelner Gelenke.
Alterserkrankung
Arthrose.
Physiotherapie
Struktur/Funktion
  • Passiv nicht über fest-elastische Widerstände hinausbewegen

  • Gelenk- und rückenschonendes Verhalten schulen

  • Beweglichkeit vor allem der Gelenke fördern, die zur Bewältigung des Alltags und zum Erhalt der Selbstständigkeit nötig sind

Aktivität/Partizipation
  • Gebrauchsbewegungen schulen, z. B. für Körperpflege, Bekleidung, Fortbewegung innerhalb und außerhalb des Hauses

  • Prothesen/Orthesen/Gehhilfen/Arthrodesen/Kontrakturen schränken die Mobilität ein. Den Umfang dieser Einschränkungen mit dem Patienten besprechen und in der Behandlung berücksichtigen. Erfragen, ob besondere Hilfestellungen nötig sind.

Muskulatur
Veränderungen
Durch Kraft- und Elastizitätsverlust der Skelettmuskulatur verringern sich Mobilität, Koordinations- und Reaktionsfähigkeit.
Physiotherapie
Struktur/Funktion
  • Passive Muskellängsdehnungen vermeiden, stattdessen aktiv am Bewegungsende arbeiten.

  • Widerstände optimal anpassen

  • Keinen Stretch bei PNF-Techniken setzen

  • Überforderung der koordinativen Fähigkeiten vermeiden

Aktivität/Partizipation
Übungsauswahl an Alltagsaktivitäten orientieren: Komplexbewegungen der Extremitäten und des Rumpfes, Transfers.

Sinnesorgane und -funktionen

Augen
Veränderungen
AltersweitsichtigkeitAltersweitsichtigkeit verringert die Sehschärfe im Nahbereich. Verlangsamte Anpassung auf Änderung der Lichtverhältnisse, insbesondere bei Betreten dunklerer Räume; zunehmende Blendempfindlichkeit.
Physiotherapie
  • Verminderte Sehschärfe und verlangsamtes Reagieren einkalkulieren

  • Taktil unterstützen

  • Ausreichend Zeit zum Reagieren geben

  • Für gut beleuchtete Räume sorgen

  • Nicht durch starkes Gegenlicht blenden (z. B. Gegenlicht vom Fenster → weitere Reduzierung der Wahrnehmung)

  • „Stolperfallen“, z. B. auf dem Boden herumliegende Geräte, wegräumen. Sind diese nicht zu beseitigen, Pat. darauf aufmerksam machen.

  • Reduzierte räumliche Orientierung des Pat. in der Behandlung berücksichtigen, z. B. kein Ballwerfen o. ä. Fangspiele.

  • Evtl. Qualität der Hilfsmittel (Brillen, Hörgeräte) überprüfen lassen

  • Evtl. zu Hör-/Sehtest raten

Ohren
Veränderungen
HörschwächeVerringerte Hörschärfe, zuerst des oberen Frequenzbereichs (Telefonklingeln), später auch der Sprache.
Physiotherapie
  • Langsam, deutlich, in kurzen Sätzen, aber erwachsenengerecht sprechen. Nur so laut wie nötig sprechen, vorher Blickkontakt aufnehmen lassen

  • Ausreichend Zeit zum Reagieren geben

  • Störende Umgebungsgeräusche, wenn möglich, reduzieren oder beseitigen

Haut
Veränderungen
Elastizitäts- und Wasserverlust der Haut erhöhen die Verletzungsgefahr und verlangsamen die Wundheilung.
Physiotherapie
Struktur/Funktion
  • Die Hautdurchblutung fördernde Bürstungen oder Bäder (1.3.11)

  • Pflegemittel für trockene Haut benutzen

  • Bei manuellen Techniken auf druckschwaches und großflächiges Greifen achten, Hautverletzungen der Füße verhindern, Fußpflege von Fachleuten verrichten lassen

Aktivität/Partizipation
Nicht barfuß laufen, auf reibungsfreies Schuhwerk achten.
Weitere Sinnesleistungen
Veränderungen
  • Eingeschränktes Temperaturempfinden, nachlassende Regulationsfähigkeit der Körpertemperatur

  • Verminderte Gleichgewichtsreaktion

  • Abnahme der Oberflächen- und Tiefensensibilität (v. a. bei Diabetes mellitus 7.5)

Physiotherapie
Struktur/Funktion
  • Auf intensive Hitze- oder Kältemaßnahmen verzichten, auf ausreichend warme Bekleidung achten

  • Schmerzgrenzen respektieren, deutlich unterhalb der Schmerzgrenze arbeiten

Aktivität/Partizipation
  • Verschlechterte Gleichgewichtsreaktionen einkalkulieren, z. B. beim Aufstehen nach längerem Liegen zur Sicherheit dicht neben dem Pat. stehen

  • Zeit geben, um Bewegungsaufträge/Lagewechsel auszuführen

  • Komplexe Bewegungsabläufe in einzelnen Abschnitten üben

  • Körperwahrnehmungsfähigkeit und Gleichgewicht schulen

Veränderungen zentralnervöser und psychischer Funktionen im Alter

Kognitive Funktionen

Veränderungen
Alterkognitive FunktionenVerringerte Nervenleitungsgeschwindigkeit, abnehmende Konzentrations- und Merkfähigkeit (Gehirnleistungen bleiben trainierbar). Erfahrungswissen nimmt zu, problemlösendes Denken erfordert vermehrt stressfreie Umgebung ohne Zeitdruck. Gehirnleistungen sind gekoppelt an die Funktionstüchtigkeit des Herzens.
Physiotherapie
  • Komplexe Bewegungsaufträge in Einzelabschnitte aufteilen

  • Zwischen Anweisung und Ausführung genügend Zeit geben, Geduld haben

  • Günstig sind Wiederholungen von gleichen Bewegungen statt vieler Bewegungsvariationen

  • Training der Konzentrations- und Merkfähigkeit

Emotionalität und Persönlichkeit

Veränderungen
AlterEmotionalitätIn der Regel größere Ausgeglichenheit. Gesundheitszustand, Aktivitätsniveau und sozialer Status beeinflussen die Emotionalität. Charaktereigenschaften bleiben bestehen oder können sich evtl. verstärken. Eine plötzlich ungewohnte Umgebung (Krankenhaus) kann zu Aggressivität, ungerechten Reaktionen oder sogar zu vorübergehender Verwirrtheit führen.
Physiotherapie
Struktur/Funktion
  • Durch Entspannungsübungen emotionale Ausgeglichenheit und Selbstzufriedenheit erreichen, z. B. Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, Feldenkrais, Atemwahrnehmung

  • Durch körperliche Aktivität Erfolgserlebnisse und Selbstsicherheit vermitteln

Hirnleistungsstörungen (Demenz)

In Deutschland leben 1, 5 Millionen Menschen mit einer Demenz, weltweit sind es 36 Millionen. Zu 70 % sind Frauen betroffen. Auch wenn mit zunehmendem Alter die Häufigkeit steigt, ist die Mehrzahl der Älteren nicht betroffen (von den über 80-Jährigen erkranken ca. 10 %).
Formen
  • Primäre Formen (irreversibel): Morbus Alzheimer (häufigste), Lewy-Body-Demenz, Frontotemporale Demenz (Pick-Krankheit, auch Jüngere sind betroffen), Parkinson Demenz (9.4.1)

  • Gefäßbedingte Form: Hirninfarkt (9.6.1)

  • Sekundäre Formen (bedingt reversibel): erhöhter Hirndruck durch Tumor oder Entzündung, Verletzungen oder Infektionen des Gehirns, Alkoholismus (Morbus Korsakow), Blutdruck senkende Medikamente, exzessiver Drogenkonsum, Depression, Dehydratation

Diagnose (primäre Demenz nach ICD-10 und DSM IV)
Über mindestens 6 Monate Gedächtnisverschlechterung, zusätzlich Aphasie (9.3.5), Agnosie (Gegenstände werden nicht wieder erkannt) oder Apraxie (9.3.6).
Symptome
Kognitive Symptome
  • Zunehmend: Vergesslichkeit (insbesondere das Kurzzeitgedächtnis betreffend), Unvermögen, Neues zu erlernen, räumliche und zeitliche Desorientierung

  • Nachlassend: Aufmerksamkeit und Konzentration, Fähigkeit, Gegenstände und Personen wieder zu erkennen, Gefahrenerkennung, motorische Fertigkeiten (Apraxie)

  • Nach und nach Verlust einzelner Sprachleistungen: Begriffserinnerung, Lese- und Hörverständnis, Textverständnis, Rechnen

  • Stupides Wiederholen von Worten, Sätzen oder Geschichten, abnehmende Gestik, letztendlich Einstellen des Sprechens

Psychiatrische Symptome
Aggression, Angst, Depression, Schlafstörungen, unzutreffende Anschuldigungen, Leugnen von Fehlverhalten, Stimmungslabilität, Sinnestäuschungen, Wahnvorstellungen.
Auffälliges Verhalten
Unaufhörliches Umhergehen oder Nesteln, stupides Wiederholen einer Bewegung, ständiges Rufen oder Schreien, „Sundowning“ (Aktivismus am Ende des Tages), unangemessenes sexuelles Verhalten.
Körperliche Symptome
Gewichtabnahme, Austrocknen und Zeichen nachlassender Körperpflege vor der Zeit der Diagnosestellung, Inkontinenz (anfangs, weil die Toilette nicht gefunden oder nicht schnell genug erreicht wird), Kraft- und Koordinationsverlust, zunehmende Gelenksteife, Schluckstörungen.
Ärztliche Therapie
Bisher können Medikamente den fortschreitenden Abbauprozess im Nervensystem nicht aufhalten. Die Abnahme der Wahrnehmungsfähigkeit kann verzögert werden, indem die Medikamente auf Transmittersysteme einwirken. Ein Spezialextrakt des Ginko-Baums soll kognitive Fähigkeiten verbessern.
Hilfen im Alltag
Den Schwerpunkt der Betreuung bilden nichtmedikamentöse Maßnahmen: die Gestaltung des Wohnumfelds, die Einrichtung von Tagesstrukturen, Angebote, die Körper, Geist und Lebensfreude aktivieren, Hilfen bei Ernährung und Körperpflege. In ständiger Anpassung an vorhandene Fähigkeiten wird möglichst lange ein Leben in Eigenregie angestrebt, unterstützende Hilfen gegeben oder eine Vollzeitbetreuung eingerichtet. Die größte Herausforderung besteht für alle Begleitenden darin, mit den Betroffenen bestmöglich zu kommunizieren.
Ein Leben in Eigenregie ermöglichen
Gedächtnishilfen durch gut lesbare Tages- und Wochenpläne, Notizen, Erinnerungsfunktion im Handy, wichtige Telefonnummern speichern oder neben das Telefon legen, Telefon mit großen Ziffern, wichtige Dinge (Schlüssel, Brillen, Geld, Papiere) an festen Plätzen ablegen, Tagesablauf strukturieren, festgelegte Schlafzeiten, Schränke mit deren Inhalt beschriften, Haushalt und Kleidung auf ein notwendiges Maß reduzieren, sich gesund aber ohne Aufwand ernähren, Einkaufsdienste in Anspruch nehmen, „Essen auf Rädern“.
Ein Leben in Sicherheit schaffen
Regelmäßige Kontakte oder Telefonate pflegen, Schlüssel beim Nachbarn deponieren. Sturzprophylaxe (8.3.2) in der direkten Umgebung. Geräte mit Abschaltautomatik, Notrufknopf am Körper tragen (DRK, MHD, Johanniter), das eigene Auto durch öffentliche Verkehrsmittel ersetzen.
Mit Freude leben
Liebgewordenes weiterpflegen (Hobby, Sport, Gartenarbeit, Gemeindeleben, Feste), Angebote für Demenzkranke nutzen (Tanzen, Singen, Spielen, Reisen).
In einem frühen Stadium der Erkrankung in einer Biografie aufführen, was in der Vergangenheit große Freude bereitet hat.
Mitbetreuer im sozialen Umfeld gewinnen
Nachbarn und Freunde über die Krankheit informieren, „Verständniskärtchen“ einsetzen (Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V.), Besuchsdienste nutzen, für regelmäßige Kontakte sorgen.
Mit Sprache menschliche Nähe schaffen
Auf Augenhöhe kommunizieren und Türen öffnen
Sich die eigene Einstellung zum Thema Demenz bewusst machen, um Angst und Unsicherheit zu vermeiden, sich über die Krankheit und den jeweiligen Patienten gut informieren.
Dem Demenzkranken – wie jedem anderen Menschen – zugewandt, emotional ausgeglichen und freundlich begegnen, räumlich auf Augenhöhe, mit Blickkontakt und gewohnter Stimme sprechen, deutlich und in kurzen Sätzen sprechen, Oder-Fragen vermeiden, Zeit für Reaktionen lassen, interessiert nachfragen, für ein positives Gesprächsklima sorgen.
Respektvoll kommunizieren
In Anwesenheit des Patienten nicht mit einer dritten Person über ihn sprechen oder ihn auslachen, keine verniedlichenden Namen oder Kosenamen verwenden, ihn in Entscheidungen mit einbeziehen.
Dem Patienten Zeit geben, selbstständig zu tun, was er kann, keine Fragen stellen, die seine Defizite offenbaren, Frustration und Bloßstellen vermeiden, keine Notlügen erfinden, gelassen bleiben, wenn immer gleiche Sätze gesprochen oder Geschichten erzählt werden, Gefühle (Scham, Angst, Trauer) erkennen und adäquat reagieren.
Geborgenheit und Sicherheit vermitteln
Optische und akustische Reize minimieren; wenn möglich, keine weiße Dienstkleidung tragen, Körperkontakt aufnehmen, wenn es erwünscht ist, ständiges Korrigieren sowie Anklagen oder Streit vermeiden. Aus der Sicht des Patienten ist sein Denken und Handeln richtig. Sich verstanden zu fühlen ist für ihn beruhigender als „richtig“ zu verstehen. Die eigene Logik hinterfragen: Vorrang hat, was dem Patienten gut tut. Das Chaos des Patienten tolerieren lernen, solange ihm oder anderen dadurch kein Schaden entsteht. Überforderungen vermeiden.
Bedürfnisse erfragen, ihnen wenn möglich nachkommen, wenn nicht möglich, den Patienten ablenken und beruhigen. Ungerechtfertigte Beschuldigungen nicht persönlich nehmen.

Physiotherapeutische Einzel- und Gruppenbehandlung mit alten Menschen

Tipps zum Umgang mit älteren Patienten

Claudia Kiesewetter
  • AlterPhysiotherapieBehandlungsraum zur Therapie vorbereiten: Stolperfallen (auf dem Boden liegende Matten und Geräte) wegräumen. Ausreichend Platz zum Abfangen des Pat. bei Sturz schaffen, Abstand zu Kanten halten. Bei Gleichgewichtsstörungen keine Hockerbehandlung.

  • !

    Patienten sichern, weitere Maßnahmen zur Sturzprophylaxe 8.3.2.

  • Motivationssteigerung: Bei aktiven Maßnahmen Geräte und Musik einsetzen. Übungsauswahl vielseitig gestalten.

  • Überanstrengung vermeiden:

    • Vor und nach den Übungen Puls und Blutdruck messen. Bewegungsstabil im Stand: bis zu 30 Herzschläge mehr oder bis zu 10 Herzschläge weniger als Ruhepuls. Trainingsstabil: 180 Herzschläge minus Lebensalter des Patienten.

    • Pat. auf vegetative Reaktionen hin beobachten. Typische Zeichen sind Blässe und Kaltschweißigkeit (glänzendes Gesicht, Stirn fühlt sich kalt und feucht an).

  • Therapieabbruch wegen Erschöpfung → Ursache klären:

    • Puls und Blutdruck messen

    • Nach Beschwerden fragen

    • Keine Suggestivfragen stellen, wie z. B. „Ist Ihnen schwindelig?“ Der Patient wird sonst verführt, „ja“ zu sagen.

    • Ungenaue oder indifferente Antworten können ein Zeichen für mangelnde Motivation sein.

  • !

    Patienten mit Wahrnehmungsstörungen (z. B. Diabetes mellitus, 7.5) nehmen Beschwerden bzw. Überanstrengungen schlecht wahr. Entsprechende Rückmeldungen (z. B. über Schmerzen) sind selten oder zeitlich verzögert.

  • Kleidung: Immer der Therapie anpassen. Pat. sollen z. B. bei der Gangschule feste Schuhe tragen und Bekleidung, die die Bein- und Rumpfbewegungen beurteilen lässt (keine „Pantoffeln“ und Morgenmantel).

  • Bei Patienten, die sich nicht ausreichend äußern können (z. B. verwirrter Pat.), evtl. einen Angehörigen zur Behandlung hinzuziehen.

Sturzprophylaxe

Claudia Kiesewetter
Lebensraumgestaltung
  • SturzprophylaxeAlterSturzprophylaxeStolperfallen entfernen: Teppiche (alternativ: befestigen), Türschwellen, Kabel. Gehflächen freihalten, v. a. zwischen Schlafzimmer und Toilette

  • Tiefe Sitzgelegenheiten durch höhere ersetzen, z. B. auch Toilettensitz

  • Hohe Betten ggf. durch Gitter sichern

  • Haltegriffe in Bad und Toilette, Sitz in Dusche/Badewanne, Handtücher und Waschutensilien in gut erreichbarer Nähe platzieren

  • Handläufe anbringen (Flur, Treppen)

  • Flure und Hauseingänge ausreichend beleuchten (Bewegungsmelder vermeiden das Tappen im Dunkeln). Zur sicheren Orientierung in der Wohnung nachts kleine Lichtquellen brennen lassen.

Schulung
  • Pat. über körperliche Einschränkungen im Alter informieren, die die Sturzgefahr erhöhen können (8.1, 8.2).

  • Pat. anhalten, Risiken zu meiden: Arbeiten über Kopfhöhe auf Leitern, Stühlen oder Tischen; Gehen über vereiste, gebohnerte oder nasse Flächen; Sitzen auf dreibeinigen Hockern

  • Fertigkeiten einüben: Gleichgewicht, Kraft der Beinmuskulatur, Reaktionsfähigkeit, sichere Lagewechsel, Aufstehen vom Boden üben (nach Sturz). Beim An- und Auskleiden von Hosen, Schuhen und Kleidungsstücken, die über den Kopf gezogen werden, hinsetzen.

Hilfsmittelversorgung
  • Gehhilfen, Brillen, Hörgeräte dem aktuellen Bedarf anpassen, regelmäßig kontrollieren (lassen)

  • Gebrauch von Hilfsmitteln schulen; zur Benutzung ermutigen, wenn sie aus falscher Eitelkeit abgelehnt werden

  • Hilfsmittel empfehlen: Greifzangen, „Einkaufstrolley“, Fahrrad mit tiefem Einstieg, Fahrrad mit drei Rädern, Hüftprotektoren

Individuelle Gefahren
  • Medikamente können Wachheit und nachfolgend Gleichgewicht und Orientierung beeinträchtigen: Schmerz-, Schlaf- und Beruhigungsmittel, Diuretika, Bluthochdruck- und Abführmittel

  • Engmaschige ärztliche Kontrollen bei progredienten Erkrankungen, z. B. Sehkraft und Sensibilität bei Diabetes mellitus (7.5)

  • Nach Umzug Orientierungshilfen in neuer Umgebung bieten

  • Nach einem Sturz Ursache ärztlich abklären lassen, Hilfe zur Angstbewältigung geben (Teufelskreis: Wer Angst hat, stürzt häufiger.)

  • Pat. sollen Eile vermeiden: bewusst langsam auf Telefon- und Türklingel reagieren; Geräte mit Abschaltautomatik nutzen (Herd, Wasserkocher); unbekannte Wegstrecken mit besonders großer Aufmerksamkeit gehen; warten lernen, wenn nicht sofort jemand zur Hilfe kommen kann

Einzelbehandlung

Befunderhebung
AlterEinzelbehandlungSelten sind ältere Patienten von nur einer Krankheit betroffen.
Es überlagern sich:
  • Krankheiten, die primär im Alter auftreten,

  • Krankheiten, die schon viele Jahre bestehen,

  • alterstypische Funktionsverluste,

  • Nebenwirkungen von Medikamenten.

Ein abwägendes Gewichten von Diagnose und Therapie ist nötig. Multimorbidität erschwert die Auswahl eines Befunderhebungsbogens. Bestehende Schemata müssen ggf. kombiniert werden. Sind sie ungeeignet, werden Anamnese, Sicht-, Tast- und Messbefunde in Abhängigkeit von den Defiziten formlos erstellt. Eine besondere Bedeutung kommt der psychosozialen Anamnese zu.
Spezifische Befunderhebung
Herzinsuffizienz (7.2.7), Hypertonie (7.3.3), Arteriosklerose (pAVK, 7.3.5), Arthrose (Koxarthrose, 4.5.10; Gonarthrose, 4.4.14; Omarthrose, 4.9.9; Arthrose des Ellenbogengelenks, 4.8.7; degenerative Erkrankungen der LWS, 4.10.7), Osteoporose (4.15.1), apoplektischer Insult (9.6.1), Parkinson (9.4.1).
Psychosoziale Anamnese
  • Orientierung bez. eigener Person, Ort, Zeit, Krankheit, Lebensumständen

  • Familiäre und berufliche Lebenschronik, dabei v. a. Erleben von Verlusten: z. B. von Angehörigen, Freunden, Mobilität u. a. Körperfunktionen, Berufstätigkeit, Wohnung, Haus, Heimat

  • Einschneidende Erlebnisse und Veränderungen der letzten Zeit

  • Finanzielle Versorgung

  • Gesundheitliche Prognose

  • Selbstzufriedenheit

  • Bewegungsspielraum: Zimmer, Wohnung, Haus, Garten, Ort, Reisefähigkeit

  • Wohnsituation

  • Bezugs- und Kontaktpersonen: Häufigkeit, Dauer und Art der Kontakte (Pflege, Haushaltshilfe, Besuch, Telefon, Brief)

  • Konflikte mit nahestehenden Personen

  • Ängste vor Leiden, Siechtum, Vereinsamung, Verunstaltung, Nutzlosigkeit, missverstanden und abgeschoben zu werden, Opfer von Verbrechen zu werden

  • Einstellung zu Medikamenten, Häufigkeit der Arztbesuche

  • Körperpflege, Bekleidung

  • Für welche Tätigkeiten werden welche Hilfsmittel/Hilfspersonen eingesetzt?

  • Tägliche Aktivitäten (geistig, körperlich), Interessen

  • Informiertheit über z. B. politisches Tagesgeschehen, Lokal-, Staats- und Weltereignisse

  • Was hat zur Isolation beigetragen? Verringertes Seh- und Hörvermögen, Schlafstörungen, Finanzlage, Übelkeit, Appetitlosigkeit, depressive Stimmung, Stimmungslabilität, Lustlosigkeit, Inkontinenz, Schwindel, Vergesslichkeit, verlangsamte Auffassung, Konzentrationsschwäche, Umständlichkeit, mangelnde Flexibilität, Selbstvertrauen und Eigeninitiative, gesellschaftliche Normen (z. B. wie sich eine Witwe nach dem Tod ihres Mannes zu verhalten hat), geringe Stresstoleranz, Hypochondrie, Verstärkung schon vorhandener Wesensmerkmale zum Negativen (Argwohn, Eigensinn, Geiz, Schwerfälligkeit, Rigidität, Dogmatismus).

Physiotherapie
Struktur/Funktion
  • Es können alle physiotherapeutischen Techniken zur Anwendung kommen.

  • Übungsintensität, z. B. Übungsdauer, Anzahl der Wiederholungen, Geschwindigkeit, Stärke der Widerstände muss immer individuell dosiert werden

  • Aktive Techniken sind den passiven vorzuziehen.

  • Schwerpunkt liegt auf einfachen Bewegungen, die die Pat. auch selbstständig durchführen können

Bei Patienten mit Demenz
  • Die Muskulatur der Oberschenkel kräftigen

  • Das Gleichgewicht beim Stehen und Gehen fördern, Gehen auf unterschiedlichen Materialien und Untergründen

  • Alltagsnotwendige Bewegungen einüben: Aufstehen/Hinsetzen, Treppe gehen, Ein- und Aussteigen in Transportmittel, Bücken, Heben

  • Reaktionsfähigkeit durch Ballspiel, Bewegungen mit gleichzeitigem Lösen kognitiver Aufgaben einüben („Dual-Task-Training“ Besonderheiten für Gruppen mit Demenzkranken)

Aktivität/Partizipation
  • Auswahl der Übungen soll sich an den alltäglichen Anforderungen (ADL) bzw. den bestehenden Defiziten orientieren.

  • Es soll in alltagsnahen ASTEn geübt werden (Stehen, Sitzen, Gehen).

Sport im Alter
Sportim AlterAlterSportDurch körperliche Bewegung und Sport können die Alterungsprozesse verzögert werden.
  • Geeignet sind Sportarten, die die Kondition, Beweglichkeit und Koordination fördern, z. B. Skilanglauf, Fahrradfahren, Schwimmen, Wandern, Seniorengymnastik. Am effektivsten wirkt sich das Training auf das Herz-Kreislauf-System aus, wenn 2–3-mal pro Woche im submaximalen Belastungsbereich die Ausdauer trainiert wird.

  • Keine einseitig belastenden Sportarten wie z. B. Krafttraining, spezielles Expandertraining

  • Keine Sportarten mit überwiegend isometrischer Kraftanstrengung und bei denen gepresst werden muss, z. B. Gewichtheben

  • Keine Sportarten mit hohem Verletzungsrisiko wie alpines Skifahren, Schlittschuhlaufen. Ausnahme: alte Menschen, die schon „ihr Leben lang“ eine Sportart betrieben haben und in guter Verfassung sind – bei ihnen ist das Verletzungsrisiko aufgrund erhöhter Übung kleiner und der Gewinn an Lebensfreude überwiegt.

Gruppentherapie

  • Gruppentherapieim AlterZur Geroprophylaxe (Aufhalten der im Alter auftretenden Funktionsverluste)

  • Für Patienten mit vergleichbaren Erkrankungen, z. B. Herzerkrankungen, Lungenerkrankungen, Diabetes mellitus (7.5), Osteoporose, Parkinson, Alzheimer

  • Vorteile: Anreiz und Zutrauen zu Bewegungen durch andere; Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen

  • Nachteile: Gefahr der Überforderung durch Gruppenzwang. Ziele können weniger intensiv verfolgt werden, individuelle Befunderhebung und Korrekturen sind nur eingeschränkt möglich. Gefahr der „Cliquenbildung“, wodurch Außenseiter entstehen können.

Planung der Gruppentherapie mit Älteren
  • Zielgruppe festlegen (bestimmte Alters- oder Patientengruppe, Geschlecht)

  • Geschlossene Gruppe einer offenen vorziehen

  • Teilnehmerzahl auf ca. 12–16 begrenzen

  • Übungsort nach günstiger Verkehrsanbindung auswählen

  • Übungsdauer 60 bis max. 90 Min., Zeitpunkt vormittags oder nachmittags günstig

  • In einer Vorbesprechung informieren über Inhalte, Organisatorisches, Bekleidung (rutschfeste Sohlen, keine langen Hosen mit „Schlag“), Mitzubringendes (Matte, Handtuch, Wollsocken etc.), Fragen und Erwartungen besprechen, Teilnehmer kennenlernen (Erkrankungen, Vorkenntnisse, soziales Umfeld etc.)

Durchführung
  • Teilnehmer einzeln begrüßen und deren körperliches und seelisches Befinden erfassen, evtl. Vorabsprachen mit Einzelnen treffen

  • Aufbau: vom Leichten zum Schwierigen, vom Bekannten zum Unbekannten, vom Einfachen zum Komplexen

  • Übungsstunde auf Unfallprophylaxe überprüfen: Standort so wählen, dass alle Teilnehmer gut zu sehen sind (Korrekturen, Überlastungszeichen), herumliegende Geräte wegräumen, keine Wettläufe oder Wettspiele

  • Pulskontrollen nach anstrengenden Übungen

  • Teilnehmer zu individuellen Pausen ermutigen („Jeder wie er kann!“)

  • Positive Atmosphäre schaffen: Lob und Korrekturen an alle statt an Einzelne richten, Korrekturen immer positiv formulieren

  • In den Pausen: Aufgaben für zu Hause geben, gemeinsame Aktivitäten planen

  • Stundenprotokoll anlegen: Teilnehmer, Inhalte, Verlauf, erreichte/nicht erreichte Ziele, Gelungenes, Verbesserungswürdiges, Besonderheiten einzelner Patienten, Rahmenbedingungen

Geeignete Geräte für die Gruppentherapie
  • Leichte Geräte: Seile, Handtücher, Taschentücher, Kirschkernsäckchen, Schaumstoff-, Tennis- oder Wasserbälle

  • Geräte mit griffiger Oberfläche: Gummiringe, Igelbälle, Thera-Band, Gymnastikbälle

  • Geräte, die langsames Bewegen erlauben: Seidentücher, chinesische Papierbälle, Luftballons, Gymnastikbänder

  • Geräte, bei denen sich alle miteinander bewegen: Schwungtuch (alternativ: Fallschirm, Bettlaken, Tischtuch), Tau, Zauberschnur

  • Geräte, die Klänge erzeugen: Stäbe, Keulen, Kochlöffel, Tamburin, Kastagnetten, mit Reis gefüllte Schachteln

Geeignete Bewegungsformen für die Gruppentherapie
  • Volkstänze, Polonaisen oder einfache Schrittfolgen nach Musik, evtl. Sitztänze

  • Spiele, bei denen möglichst alle gleichzeitig in Bewegung sind, z. B. „Schlange“: Ein Teilnehmer geht voran, alle Nachfolgenden ahmen seine Bewegungen nach.

Besonderheiten für Gruppen mit Demenzkranken
  • Teilnehmerzahl weniger als 10 Personen. Patienten mit und ohne Demenz in einer Gruppe zusammenfassen, jedem Demenzkranken einen „Helfer“ zuordnen (Spiegelfunktion). Taktile Hilfen geben (lassen), rhythmische Bewegungen einsetzen, durch wiederholte Laute oder Musik kontinuierliches Bewegen fördern, Ideen der Teilnehmer fordern, geringe Auswahl an Übungen mit vielen Wiederholungen, Spiele mit einfachen Regeln erfinden, Ausdrucksbewegungen (Gefühle, Tiere, Personen, Tätigkeiten des Alltags), so oft wie möglich gemeinsam lachen, in den Pausen Wasser anbieten und Raum für Erzählungen geben.

  • Für die einzelnen Teilnehmer Schlüsselworte herausfinden, mit Hilfe derer die sie aktiv werden. Durch Ablenken Patienten vom Weglaufen abhalten. Aggressive Personen beruhigen.

  • Dual-Task-Training: gleichzeitig gehen und Rechnen (Gedicht aufsagen, Bäume oder Länder aufzählen …) gehen und singen, gehen und Ball spielen (Arme bewegen, Gegenstände tragen und herumgeben).

Literatur

Berting-Hünecke et al., 2002

C. Berting-Hünecke D. Krause D. Lüttje Selbstständigkeit im Alter erhalten, Reihe Rehabilitation und Prävention 2. A. 2002 Springer Berlin

Beyschlag, 2006

R. Beyschlag Altengymnastik und kleine Spiele 9. A. 2006 Elsevier/Urban & Fischer München

Böhm, 2012

E. Böhm Verwirrt nicht die Verwirrten 15. A. 2012 Psychiatrie-Verlag Bonn

Bode, 2015

S. Bode Friede schließen mit Demenz 3. A. 2015 Klett-Cotta Stuttgart

Die Malteser in Deutschland et al., 2015

Die Malteser in Deutschland Mit Demenz leben 1. A. 2015 Trias Stuttgart

Döbele and Schmidt, 2014

M. Döbele S. Schmidt Demenzbegleiter für Betroffene und Angehörige 1. A. 2014 Springer Berlin

Geiger, 2012

A. Geiger Der alte König in seinem Exil 1. A. 2012 DTV München

Jasper and Regelin, 2011

P. Jasper B. Regelin Menschen mit Demenz bewegen 1. A. 2011 Vincentz Network Hannover

Kastner and Löbach, 2014

U. Kastner P. Löbach Handbuch Demenz 3. A. 2014 Elsevier/Urban & Fischer München

Nieland and Simader, 2013

P. Nieland R. Simader Was wir noch tun können: Rehabilitation am Lebensende 1. A. 2013 Elsevier/Urban & Fischer München

Nigg and Steidl, 2005

B. Nigg S. Steidl Gerontologie, Geriatrie und Gerontopsychologie 2005 Facultas Universitätsverlag Wien

Runge and Rehfeld, 2014

M. Runge G. Rehfeld Geriatrische Rehabilitation im Therapeutischen Team 4. A. 2014 Thieme Stuttgart

Internetadressen

deutsche,

www.deutsche-alzheimer.de

malteser,

www.malteser-demenzkompetenz.de

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