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B978-3-437-42107-5.50013-2

10.1016/B978-3-437-42107-5.50013-2

978-3-437-42107-5

Beispiel für einen a) gesunden sowie b) pathologischen (Stammvenenverschluss mit Cottonwool-Spots) Augenhintergrund. [4]

Ursachen und anamnestische Charakteristika bei plötzlichem und langsam progredientem Visusverlust.

Tab. 1
Ursachen Charakteristika
Plötzlicher Visusverlust Zentralarterienverschluss Plötzlicher, innerhalb von Sekunden eintretender, schmerzloser Visusverlust
Zentralvenenverschluss Plötzlicher, schmerzloser Visusverlust, Patient berichtet von einem Schleier vor dem Auge
Akuter Glaukomanfall Plötzlicher, sehr schmerzhafter Visusverlust, Nebelsehen, rotes Auge, weite Pupille, Begleitsymptome (Übelkeit, Erbrechen)
Amaurosis fugax Schmerzloser, nur vorübergehender Sehverlust infolge eines embolischen oder spastischen Verschlusses der A. centralis retinae
Arteriitis temporalis Schmerzloser Sehverlust, druckschmerzhafte A. temporalis, Schmerzen beim Kauen
Netzhautablösung Anfangs Gesichtsfeldausfälle, blitzende Lichter (sog. Rußregen)
Glaskörperblutung Schmerzloser Vorgang, Patient sieht kleine schwarze Punkte/Ringe
Langsamer Visusverlust Katarakt Schmerzlose, langsam fortschreitende Sehverschlechterung, Schleiersehen
Optikusneuritis Sich über Stunden bis Tage entwickelnde Sehverschlechterung mit Schmerzen beider Augen
Stauungspapille Lange normale Sehschärfe und Gesichtsfeld, erst bei der folgenden Optikusatrophie kommt es zu Visuseinschränkungen und Gesichtsfeldausfällen
Makuladegeneration Verschlechterung des zentralen Visus, Metamorphopsien (Verzerren der Objekte)

Typische Augenzeichen bei M. Basedow.

Tab. 2
Zeichen Charakteristika
Graefe-Zeichen Fehlende Oberlidsenkung bei Blicksenkung
Moebius-Zeichen Konvergenzschwäche
Dalrymple-Zeichen Weißer, über der Hornhaut sichtbarer Sklerenstreifen
Stellwag-Zeichen Seltener Lidschlag

Augen

Für die detaillierte Untersuchung der Augenvorderkammer bzw. des Augenhintergrunds bedient man sich technischer Gerätschaften (Spaltlampe, Ophthalmoskop).

Anamnese
Die Hauptbeschwerden von Patienten im Bereich der Augen äußern sich ein- oder beidseits in einer Abnahme des Sehvermögens, in Schmerzen, Schwellungen und Rötungen.
  • Ein für die Patienten sehr belastendes Ereignis ist hierbei der Visusverlust. Die detaillierte Schilderung über Beginn, Art, Dauer und Begleitsymptome gibt schon erste Hinweise auf die Pathogenese. Sowohl für den plötzlichen als auch für einen langsam progredienten Visusverlust gibt es verschiedenste Differenzialdiagnostische Ursachen ( Tab. 1). Die Frage nach Erstmaligkeit oder Rezidiven der Beschwerden, d. h. ob der Patient diese Art von Beschwerden kennt, ist in diesem Zusammenhang zudem wegweisend.

  • Doppelbilder (Diplopie) s. Seite 89.

  • Blitze oder Flimmern werden als Fotopsie bezeichnet und lassen an eine Glaskörpereinblutung denken.

  • Geben Patienten an, bestimmte Gegenstände nur noch verzerrt (Metamorphopsie) wahrzunehmen, liegt normalerweise eine Netzhautablösung vor.

Begleitsymptome wie Kopfschmerzen, Doppelbilder, frühere Operationen, die Verwendung von Hilfsmitteln wie Brille oder Kontaktlinsen und für die ophthalmologische Anamnese wichtige Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus, Hypertonie und Infektionskrankheiten sollten zudem erfragt werden. Auch eine ausführliche Medikamentenanamnese ist wichtig, da eine Vielzahl von Pharmaka, beispielsweise Steroide oder Neuroleptika, die Augen sowohl reversibel als auch irreversibel schädigen können.
Inspektion
Eine gründliche Inspektion des Augenapparats beginnt mit dem Blick auf die äußere Augenregion. Das Verhältnis der Stellung des Augenbulbus zum Orbitalrand gibt die Möglichkeit, einen Ex- oder Enophthalmus zu befunden. Das blaue Auge ist meist die Folge eines Traumas auf die Orbita und kann evtl. auch durch eine Nasen- oder Schädelfraktur hervorgerufen werden.
Vorderer Augenabschnitt
Zum vorderen Augenabschnitt gehören die Augenlider, Bindehaut, Hornhaut, Iris, Vorderkammer, Pupille und Linse. Für die Beurteilung des vorderen Augenabschnitts bedient man sich neben der klinischen Untersuchung auch der technischen Spaltlampenuntersuchung.
Augenlider
Bei der Beurteilung der Augenlider ist zunächst auf die Lidstellung und die Lidspaltenweite zu achten. Diese beträgt normalerweise ca. 1 cm. Eine Verengung kann durch einen Enophthalmus, d. h. ein Zurückfallen des Augenbulbus in die Augenhöhle, bedingt sein. Eine Erweiterung findet sich hingegen bei einem Exophthalmus oder einer N.-facialis-Parese. Bei einem extremen Exophthalmus entwickelt sich ein unvollständiger Lidschluss, welchen man als auch als Lagophthalmus bezeichnet. Hier kann man das Bell-Phänomen beobachten – versucht der Patient einen Lidschluss, kann der Untersucher die Bulbusdrehung nach kranial erkennen. Ein beidseitiger Exophthalmus spricht für eine endokrine Orbitopathie, meist beim M. Basedow. Der Lidschlag erfolgt normalerweise in einem Abstand von 2 – 3 Sek. Ein seltener Lidschlag weist, zusammen mit weiteren Augenzeichen ( Tab. 2), auf einen M. Basedow hin. Ein häufiger Lidschlag findet sich bei Tic-Störungen.
Zu achten ist auch auf die Konsistenz und Beschaffenheit der Ober- und Unterlider. Diese können bei Vorliegen eines Gerstenkorns (Hordeolum), eines Hagelkorns (Chalazion) oder eines Lidödems (bei allergischer Reaktion) verändert sein.
Bindehaut (Konjunktiva)
Bei der Untersuchung der Bindehäute achtet man besonders auf Rötungen, Schwellungen oder Konsistenzveränderungen. Das untere Augenlid wird hierfür mit beiden Daumen vorsichtig nach unten gezogen. Für die Untersuchung des oberen Augenlids muss dieses ektropioniert werden. Hierzu wird der Patient gebeten, nach unten zu sehen, die Wimpern des Oberlides werden zwischen Zeigefinger und Daumen der einen Hand gefasst und mit einem Stieltupfer wird Druck auf die Mitte des oberen Augenlids ausgeübt. Die Vorderkante des Lids klappt dadurch nach oben, und die Bindehaut ist einsehbar. Typische Beschwerden bei Affektion der Konjunktiven sind Jucken, Brennen, Fremdkörpergefühl, Lichtscheu oder auch vermehrter Tränenfluss. Während konjunktivale Injektionen als hellrote, oberflächliche Gefäßhyperämie imponieren und auf eine Konjunktivitis hinweisen, entstehen ziliare Injektionen (bläulich-rötliche Färbung) infolge schwerer Infektionen wie Keratitiden oder Iritiden.
Hornhaut (Kornea)/Lederhaut (Sklera)
Bei der Untersuchung von Kornea und Sklera beurteilt man den Durchmesser (Erwachsener ca. 11 – 12 mm), die Oberflächenbeschaffenheit (Normalbefund; glatt, glänzend), die Transparenz und evtl. Farbveränderungen. Mit dieser Vorgehensweise lassen sich beispielsweise Hornhauterosionen bzw. -ulzera, aber auch trophische Veränderungen (z. B. Kayser-Fleischer-Kornealring bei M. Wilson) diagnostizieren. Die Hornhautsensibilität wird mit dem auf Seite 90 gezeigten Kornealreflex überprüft.
Pupillen
Die Pupillen eines gesunden Menschen sind normalerweise seitengleich und in ihrer Größe von den vorherrschenden Lichtverhältnissen abhängig. Eine Entrundung kann nach Trauma oder bei erhöhtem intraokulären Druck beobachtet werden. Unter einer Anisokorie versteht man eine Seitendifferenz der beiden Pupillen, die durch eine Entzündungen oder intrakranielle Druckerhöhung verursacht sein kann. Verschiedene Ursachen für eine Miosis, eine Verengung beider Pupillen 2 mm, sind physiologisch (durch entsprechenden Lichteinfall), aber auch entzündlicher (z. B. Iritis), neurologischer (z. B. Horner-Trias, s. o.) oder medikamentöser (Opiate, Narkotika) Genese. Häufige Gründe für eine Mydriasis (Erweiterung beider Pupillen 5 mm) sind u. a. Angst, akute Glaukomanfälle, aber auch Kokain, Atropin oder Amphetamine.
Hinterer Augenabschnitt (Glaskörper, Papille, Netzhaut)
Bei der ophthalmologischen Untersuchung gibt es neben der Bulbuspalpation zur Glaukomdiagnostik zudem einige spezielle Untersuchungstechniken. Die wichtigsten werden im Folgenden näher erklärt, allerdings sei für weitere Untersuchungen auf das BASICS Augenheilkunde verwiesen.
Palpation
Die seitenvergleichende Palpation des Bulbus kann einen klinischen Hinweis auf einen erhöhten Augeninnendruck geben. Hierfür sollte der Patient die Augen schließen und nach unten blicken. Nun drückt der Untersucher mit beiden Daumen vorsichtig die beiden Augenbulbi leicht ein und versucht dabei, deren Imprimierbarkeit zu beurteilen. Der Bulbusdruck ist erhöht bei einem akuten Glaukomanfall (Konsistenz; steinhart), erniedrigt bei perforierenden Verletzungen (meist einseitig) bzw. bei Patienten im diabetischen Koma (meist doppelseitig).

Hilfreich ist, die Palpation der Augenbulbi oft an gesunden Menschen zu üben und sich diesen Augeninnendruck einzuprägen.

Spezielle Untersuchungen
Visusprüfung/Farbsehen
Eine Überprüfung des Visus kann mittels Sehtafeln erfolgen. Hierzu werden Landolt-Ringe (Ringe mit Aussparungen unterschiedlicher Stellung), Pflüger-Haken (E-Haken in unterschiedlicher Drehung), Zahlen-, Textoder Bildtafeln verwendet. Das Farbensehen lässt sich ebenfalls mit speziellen Tafeln (Ishiara-, Stilling-Tafeln) überprüfen.
Augenhintergrundspiegelung (Ophthalmoskopie)
Der Augenhintergrund sollte grundsätzlich bei jedem Patienten mit einer Sehverschlechterung untersucht werden. Bei Krankheiten wie Diabetes mellitus oder Hypertonie ist eine Fundoskopie Standard. Am besten wird der Patienten in einem abgedunkelten Raum untersucht. Der Untersucher sitzt ihm gegenüber und spiegelt mithilfe eines Ophthalmoskops mit seinem rechten Auge das rechte Patientenauge. Ebenso wird mit dem linken Auge verfahren. Um sowohl die Peripherie des Augenhintergrunds als auch die Gefäße beurteilen zu können, empfiehlt es sich, die Pupille mit einem Tropfen eines Mydriatikums (Sympathomimetikum, Parasympatholytikum) zu erweitern ( Abb. 1).

Die Fahrtauglichkeit des Patienten nach Gabe eines Mydriatikums ist eingeschränkt. Er darf nach der Untersuchung nicht Auto fahren!

Zusammenfassung

  • Verschiedenste Phänomene (Fotopsie, Metamorphopsie) sind diagnostisch wegweisend und somit Bestandteil jeder Anamnese.

  • Augenzeichen des M. Basedow sind neben dem Exophthalmus das Graefe-, Stellwag-, Möbius- und Dalrymple-Zeichen.

  • Bestimmte Medikamente können zu reversiblen und irreversiblen Augenschäden führen.

  • Der Begriff Anisokorie beschreibt eine Pupillendifferenz zwischen linkem und rechtem Auge.

  • Mit der Bulbuspalpation lässt sich eine Druckdifferenz beider Augen beurteilen.

  • Zu den Funktionstests des Auges gehören die Überprüfung des Visus, des Farbsehens, der Augenmotilität und des Gesichtsfelds.

  • Mit der Ophthalmoskopie lässt sich der hintere Augenabschnitt nach pathologischen Veränderungen beurteilen.

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