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B978-3-437-42107-5.50022-3

10.1016/B978-3-437-42107-5.50022-3

978-3-437-42107-5

Auskultationsmerkmale der valvulären Aortenklappenstenose. [3]

Auskultationsmerkmale einer leichten und schweren Aortenklappeninsuffizienz. [3]

Auskultationsbefund bei einer Mitralklappenstenose (MÖT = Mitralklappenöffnungston). [3]

Auskultationsbefund bei Mitralklappeninsuffizienz. [3]

Auskultationsmerkmale der Pulmonalstenose. [3]

Auskultationsbefunde I

Aortenfehler

Aortenklappenstenose

Mit 20 aller Herzklappenerkrankungen ist die Aortenklappenstenose das häufigste Herzvitium.
Klinisch kann es durch kardiale Sauerstoffunterversorgung zu pektanginösen Beschwerden kommen, ebenso treten Schwindel und Synkopen durch die O2-Minderversorgung auf. Durch die Einengung und den hieraus entstehenden erhöhten Druck in der linken Kammer kommt es zur Linksherzhypertrophie, die sich palpatorisch durch einen hebenden, nach links verlagerten Herzspitzenstoß zeigt. Der vorherrschende Pulscharakter ist ein Pulsus parvus et tardus, ein kleiner und verzögerter Puls. Der arterielle Blutdruck ist normal bzw. erhöht. Auskultatorisch zeigt sich typischerweise ein raues, mittel- bis tieffrequentes, spindelförmiges Systolikum mit p. m. über der Herzbasis (2. ICR parasternal rechts) mit Fortleitung in die Karotiden. Da die Aortenklappenstenose oft in Kombination mit einer Aorteninsuffizienz vorliegt, ist u. U. auch ein leises diastolisches Decrescendo-Geräusch zu hören. Abbildung 1 zeigt Merkmale zunehmender Schweregrade der Aortenklappenstenose.

Aortenklappeninsuffizienz

Durch unzureichenden Verschluss der Aortenklappe in der Diastole kommt es zum Rückstrom von Blut aus der Aorta in den linken Ventrikel und somit zur Volumenbelastung der linken Kammer mit der Folge einer Dilatation.
Klinisch ist ein Pulsus celer et altus, d. h. ein Puls mit großer RR-Amplitude, charakteristisch. Klinische Zeichen sind z. B. pulssynchrone Bewegungen des Kopfes (Musset-Zeichen), Pulsationszeichen bei Nagelbett- und Lippenkompression (Quincke-Kapillarpuls) oder pulsierende Gefäße im Schläfen- und Halsbereich. Der Herzspitzenstoß ist i. d. R. nach links unten verlagert.
Auskultatorisch ist ein hochfrequentes, frühdiastolisches Decrescendo-Geräusche mit p. m. über Erb zu hören ( Abb. 2), das bei vornübergebeugtem Oberkörper verstärkt wird. Eventuell besteht zudem ein kurzes spindelförmiges Systolikum als Ausdruck einer relativen Aortenstenose. Ein spätsystolisches Geräusch mit rumpelndem Charakter (Austin-Flint-Geräusch) entspricht einer funktionellen Mitralklappenstenose, da die Mitralklappenöffnung durch den Blutrückfluss behindert ist.

Aortenisthmusstenose

Hier liegt eine Verengung der Aorta nach Abgang der linken A. subclavia mit dem Leitbefund einer gleichzeitig vorliegenden arteriellen Hypertonie oberhalb der Stenose (obere Extremität) und einer Hypotonie unterhalb der Stenose (untere Extremität) vor. Je nach Verschluss kann ebenso eine Seitendifferenz zwischen rechtem und linkem Arm bestehen. Auskultatorisch findet sich ein Mesosystolikum mit p. m. parasternallinks mit Fortleitung in den Rücken. Außerdem sind ein frühsystolischer Klick und manchmal auch Strömungsgeräusche über den Interkostalarterien zu hören.

Mitralklappenfehler

Mitralklappenstenose

Durch eine eingeengte Öffnung der Mitralklappe und folglich verminderten Blutfluss in den linken Ventrikel kommt es durch den erhöhten Vorhofdruck zu einer Vorhofdilatation. Inspektatorisch fallen neben einer peripheren auch eine Wangenzyanose sowie evtl. periphere Ödeme und eine Halsvenenstauung auf. Die Stenose macht sich auskultatorisch durch einen paukenden 1. HT, einen betonten Pulmonalisanteil des 2. HT und einen Mitralöffnungston, dem sich ein Decrescendo-Geräusch mit p. m. über der Herzspitze anschließt, bemerkbar ( Abb. 3).

Etwa 60 der Herzklappenfehler betreffen die Mitralklappe. In der Regel besteht eine Kombination von Mitralklappenstenose und -insuffizienz.

Mitralklappeninsuffizienz

Ein ungenügender Schluss der Mitralklappe lässt einen Volumenrückstrom in den linken Vorhof mit entsprechender Dilatation zu.
Klinik: Während der Befund einer akuten Mitralklappeninsuffizienz die akute Linksherzinsuffizienz ist (z. B. bei Z. n. Myokardinfarkt), entwickelt sich der chronische Verlauf langsamer mit sich einschleichender Belastungsdyspnoe, Hämoptysen und Lungenödem. Die Auskultation ergibt ein hochfrequentes Holosystolikum mit p. m. über der Herzspitze und Fortleitung in die Axilla. Mit zunehmendem Schweregrad der Insuffizienz wird das Geräusch rauer und niederfrequenter. Bei erheblicher Volumenbelastung folgt dem 2. HT ein 3. HT ( Abb. 4).

Mitralklappenprolaps

Beim MKP wölben sich ein oder beide Klappensegel in den linken Vorhof vor. Auskultatorisch findet sich ein wechselnd lauter mesosystolischer Klick. Beim Mitralklappenprolapssyndrom, also wenn es zu Beschwerden führt, klagen die Patienten über Herzstolpern, linksthorakale Schmerzen und Palpitationen.

Pulmonalklappenfehler

Pulmonalklappenstenose

Hier kommt es durch die eingeengte Pulmonalklappe zu einer erhöhten Druckbelastung des rechten Ventrikels, der sich auskultatorisch durch ein spindelförmiges Systolikum mit p. m. über dem 2. ICR parasternal links bemerkbar macht ( Abb. 5). Klinisch sind die Patienten symptomfrei, können allerdings über Dyspnoe, Palpitationen und Thoraxschmerzen bei Belastung klagen.

Zusammenfassung

  • Aortenklappenstenose: raues, mittel- bis tieffrequentes, spindelförmiges Systolikum mit p. m. über der Herzbasis (2. ICR parasternal rechts) und Fortleitung in die Karotiden.

  • Aortenklappeninsuffizienz: hochfrequentes, frühdiastolisches Decrescendo-Geräusch mit p.m. über Erb.

  • Aortenisthmusstenose: Mesosystolikum mit p. m. parasternal links mit Fortleitung in den Rücken.

  • Mitralklappenstenose: paukender 1. HT, betonter Pulmonalisanteil des 2. HT, Mitralklappenöffnungston (MÖT) mit anschließendem Decrescendo-Diastolikum mit p. m. über der Herzspitze.

  • Mitralklappeninsuffizienz: hochfrequentes Holosystolikum mit p. m. über der Herzspitze und Fortleitung in die Axilla.

  • Mitralklappenprolaps: mesosystolischer Klick mit anschließendem systolischen Geräusch.

  • Pulmonalklappenstenose: spindelförmiges Systolikum mit p. m. über dem 2. ICR parasternal links.

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