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Patientenfreundliches Anamnese-Setting. [8]

Begegnung zwischen Arzt und Patient

Die Begegnung zwischen Arzt und Patient hat in erster Linie das Ziel, Beschwerden zu lindern oder den Patienten davon zu befreien. Grundsätzlich betrachtet konsultiert ein leidender Mensch den Fachmann in gesundheitlichen Fragen und erwartet von ihm eine kompetente Auseinandersetzung mit seinen Problemen und einen Lösungsvorschlag. Diese Tatsache birgt für die untersuchende und behandelnde Person neben einer großen Verantwortung auch eine gewisse Erwartungshaltung und Gefahren. So lässt sich gerade heute beobachten, dass sich ein zu hohes Maß an Autorität genauso wie ein zu belehrendes Verhalten und ein dem Patienten vermittelter Zeitdruck negativ auf die Beziehung und das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient auswirken. Die Patienten sehen hierin oft eine Überheblichkeit und Arroganz des Arztes und verweigern, sich gerade auf emotionaler Ebene zu öffnen. Hingegen fördern aufmerksames Zuhören und Fragen, ein empathisches Verhalten und das Vermitteln klarer Perspektiven das für eine effiziente Therapie benötigte Vertrauensverhältnis. Dies sollte von der ersten Begegnung an durch ein freundliches und höfliches Verhalten praktiziert werden. Denn gerade die ersten Konsultationen und diagnostischen Maßnahmen sind entscheidend für die erfolgreiche weitere Behandlung.

Die Begegnung zwischen Arzt und Patient bringt ein hohes Maß an Intimität und Vertrauen mit sich, welches durch inadäquates Verhalten leicht zerstört werden kann.

Vorbereitung auf den Patienten

Ein gut strukturiertes ärztliches Gespräch und besonders die erste Begegnung mit dem Patienten erfordern eine gründliche Planung und Vorbereitung seitens des Arztes.
Informationsüberblick
Vor dem Beginn der Erstanamnese sollte sich der Arzt mit den verfügbaren Daten des Patienten auseinandersetzen. Hierzu gehören neben grundsätzlichen Angaben wie Name, Alter, Wohnort, Beruf, ethische Abstammung und Familienstand auch mögliche medizinische Vorbefunde wie Überweisungsgründe, bestehende Diagnosen oder auch Therapien. So kann nicht nur viel Zeit gespart werden, sondern es wird dem Patienten im folgenden Gespräch auch vermittelt, dass der Arzt sich auf ihn vorbereitet hat. Nicht außer Acht lassen sollte man allerdings, dass bereits vorliegende Kranken- und Arztberichte subjektive Beobachtungen von Kollegen sind und diese die Beziehung zum Patienten durchaus beeinflussen können.
Rolle des Arztes
Vor dem Zusammentreffen mit dem Patienten sollte sich der Untersucher seiner Aufgaben und Zielsetzungen als Arzt bewusst werden. Ist man als Student auf eine möglichst vollständige und detaillierte Anamnese und Untersuchung für spätere Patientenvorstellungen bedacht, ist das Ziel später als Arzt wesentlich umfangreicher. So liegt das Hauptaugenmerk eines Allgemeinmediziners neben dem Kennenlernen des Patienten und seiner Beschwerden auf der diagnostischtherapeutischen Koordination und der lebensbegleitenden Betreuung, während z. B. der Facharzt seine fachliche Kompetenz in dem jeweiligen Spezialgebiet besitzt. Aufgrund dieser unterschiedlichen Aufgaben und Ziele ergibt sich eine immer individuelle Anamnese- und Untersuchungsstruktur im Umgang mit Patienten.
Auftreten und Verhalten
Das äußere Erscheinungsbild und Verhalten besonders bei Erstkonsultationen prägen den ersten Eindruck des Patienten. Deshalb ist die Einhaltung von gesellschaftlichen Normen und Höflichkeiten eine unbedingte Voraussetzung für den Einstieg in eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Patienten. Hierzu zählen neben Pünktlichkeit und einem gepflegten Auftreten auch ein offener und ehrlicher Umgang. Das Vorstellen erfolgt mit Namen und Funktion (Student, PJler, behandelnder Arzt) in formaler Anrede und mit Händedruck, während des Gesprächs sollte Augenkontakt gehalten werden. Bereits am Anfang sollte dem Patienten der ungefähre Ablauf der anstehenden Anamnese und Untersuchung bzw. der weiteren diagnostischen Maßnahmen erläutert werden. Um die vertrauensvolle Basis für die weitere Beziehung weiterhin zu fördern, sollte der Arzt dem Patienten Empathie entgegenbringen, d. h. bereit sein, sich in dessen Problematik und Beschwerden hineinzufühlen. Im Sinne der professionellen Berufsausübung und einer logischen Problemfindung sind allerdings allzu überschwängliche Affekte bzw. Übertragungen aus dem privaten Bereich nicht angebracht. Das heißt natürlich nicht, seine Persönlichkeit um des Patienten willen zu verbiegen und die eigenen Grundsätze in der Patientenbehandlung beiseite zu lassen. Vielmehr sollten diese in beratender Weise in die Behandlung mit einfließen und so dem Patienten als Vorbild dienen. Es ist wichtig, den Patienten auf seiner Ebene abzuholen und mit ihm gemeinsam eine optimale Therapie zu erarbeiten.

Nicht mit jedem Patienten lässt sich ein vertrauensvolles und damit therapeutisch effizientes Verhältnis aufbauen. Dieser Tatsache muss mit dem nötigen Maß an Professionalität begegnet werden.

Umgebung
Grundsätzlich sollte bei jedem ärztlichen Gespräch für ein ungestörtes Umfeld gesorgt sein. Viele Patienten empfinden Störungen, z. B. durch Telefonate, Funkpiepser oder medizinische Mitarbeiter, als unangenehm und können dann ihre körperlichen, seelischen oder sozialen Probleme nicht artikulieren. Sowohl räumlich als auch zeitlich sollte die Umgebung angenehm sein, genügend Licht erleichtert besonders die körperliche Untersuchung ungemein. Aus forensischen und praktischen Gründen sollte bei der gynäkologischen bzw. zuweilen auch bei der urologischen Untersuchung eine Person des Pflegepersonals anwesend sein. Über die Anwesenheit von Familienmitgliedern bei der Konsultation entscheidet der Patient i. d. R. selbst (Ausnahme; Erziehungsberechtigte, Betreuer).

Arzt-Patienten-Kommunikation

Die Verständigung zwischen Arzt und Patient ist für einen diagnostischen und therapeutischen Erfolg die wohl wichtigste Komponente. Ein Patient, der sich von seinem behandelnden Arzt sowohl sprachlich als auch emotional und fachlich verstanden fühlt, ist umso empfänglicher für den ärztlichen Rat und Maßnahmen.
Der Arzt wird mit der Befriedigung belohnt, die sich bei einem effizienten Behandlungs- und Folgegespräch einstellt, und mit der Zufriedenheit des Patienten, der sich von seinem Therapeuten verstanden und adäquat behandelt fühlt. Dieser Zustand sollte das Ziel jeder ärztlichen Behandlung sein.

Schon als Student kann im Krankenhaus diese Befriedigung durch ein offenes und empathisches Verhalten erreicht werden und zu einer besseren Behandlung des Patienten beitragen.

Da der Student bereits beim Erlernen der Anamnese und Untersuchungstechniken mit unterschiedlichsten Patienten zu tun hat, sollte er schon üben, mit den verschiedensten Menschen und deren Intellekt umzugehen. So erfordert z. B. ein 70-jähriger Diabetiker wahrscheinlich einen anderen Umgang als eine 30-jährige Patientin mit Kinderwunsch.
Um die Einstellung und das Verständnis des Patienten zu seinen Beschwerden kennenzulernen, lässt man ihn am Anfang der Anamnese über den Grund des Arztbesuchs frei berichten. Aus der Schilderung des aktuellen Beschwerdebildes lassen sich neben dem Sprachniveau auch die Emotionalität und Einstellung des Patienten zu den jeweiligen Beschwerden herausfiltern, um dann weitere Beschwerdeaspekte zu erfragen (Anamnese, s. S. 4). Der Untersucher geht einerseits klar und strukturiert in seiner Anamneseerhebung vor, lässt andererseits aber auch Freiräume für Fragen und Aussagen des Patienten. Auch mögliche unangenehme Themen sollten nicht abstrahiert, sondern klar, jedoch mit Feingefühl angesprochen werden.
Medizinische Fachausdrücke und Klinikjargon sollten vermieden werden, da dies bei dem medizinischen Laien i. d. R. Unverständnis und Misstrauen auslöst. Eine einfache und auch anschauliche Erklärung ist meist die beste Art und Weise, schwierige medizinische Sachverhalte darzustellen ( Abb. 1).
In der täglichen Praxis finden sich gerade heutzutage mehr und mehr informierte Patienten. Die kommunikative Herangehensweise unterscheidet sich hier. Während sich die medizinisch uninformierten Patienten, meist mit der Begründung; Sie sind doch der Arzt, in die Obhut des Behandlers begeben und autoritätshörig dessen Anweisungen folgen, kommt der informierte Patient mit einem Wissen aus verschiedensten Medien (Internet, TV, Zeitschriften) zum Arzt. Hier gilt es, in einem fundierten und verständlichen Gespräch die einzelnen Aspekte der Beschwerden und deren Behandlung zu diskutieren. Neben dem aktuellen medizinischen Stand sollte man hier auch den Sinn und Unsinn verschiedenster diagnostischer und therapeutischer Methoden einfließen lassen und zusammen mit dem Patienten die weitere Behandlung durchsprechen.

Zusammenfassung

  • Oberstes Ziel der ärztlichen Behandlung ist die Linderung von Beschwerden körperlicher und seelischer Art.

  • Aufmerksames Zuhören, empathisches Verhalten und eine klare Perspektivengebung sind grundlegende Aspekte einer effizienten Arzt-Patienten-Beziehung.

  • Die ärztliche Behandlung sollte in einem ruhigen Umfeld stattfinden.

  • Begegnen Sie dem Patienten besonders sprachlich auf seinem Niveau.

  • Versuchen Sie, medizinische Sachverhalte möglichst einfach zu erklären.

  • Unterrichten Sie Ihren Patienten über den ungefähren Ablauf der bevorstehenden Anamnese und Untersuchung bzw. weiterer diagnostischen Maßnahmen.

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