© 2020 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-42107-5.50011-9

10.1016/B978-3-437-42107-5.50011-9

978-3-437-42107-5

Deutlich vorgealterter Patient bei COPD. [1]

Die verschiedenen Konstitutionstypen nach Kretschmer. Nach [35]

Vitalparameter mit Normwerten und Pathologien.

Tab. 1
Vitalparameter Normwerte Pathologische Werte
Puls (/min) 60 – 80 Tachykardie: 100
Bradykardie: 50
Blutdruck (mmHg) Systolisch; 100 – 130 Diastolisch; bis 85 Hypertonie: syst. 140; diast. 85 Hypotonie: syst. 100
Atemfrequenz (/min) 7 – 16 Tachypnoe: 17
Bradypnoe: 7
Temperatur (C), Messung oral/axillär/rektal Bis 37,5 Unterkühlung: 36
Subfebril: 37,5 – 38,5
Fieber: 38,5
Bewusstseinslage Wacher, aufmerksamer Patient Eingeschränkter, somnolenter, soporöser, komatöser Patient

Body-Mass-Index und Normwerte.

Tab. 2
BMI Gewichtsdefinitionen
18 Untergewicht, Kachexie
18 – 25 Normalgewicht
> 25 Adipositas, Grad I
30 Adipositas, Grad II
40 Adipositas permagna, Grad III

Der Gesamteindruck

Bevor sich der Arzt mit den einzelnen Organsystemen im Speziellen befasst, sollte er sich einen ersten Gesamteindruck von seinem Patienten verschaffen. In diesen ersten Eindruck fließen sowohl die physische Konstitution (Alter, körperliches Erscheinungsbild, Krankheitszustand) als auch der psychisch-emotionale Zustand (Angst, Unruhe, Apathie) des Patienten mit ein. Schon beim Betreten des Zimmers können diverse Aspekte wie Gang, Haltung, Gestik oder auch Konstitutionstyp beurteilt und diese später in Zusammenhang zu den angegebenen Beschwerden gesetzt werden. Bei der namentlichen Vorstellung werden die übrigen Aspekte wie Sprache oder Alter erfasst.

Alter

Das Alter des Patienten ist im Hinblick auf die Ursachenfindung von Erkrankungen ein wichtiger Baustein. Für nahezu alle Krankheiten gibt es bzgl. des Erkrankungsalters einen Häufigkeitsgipfel. So ist z. B. das Auftreten von Basaliomen oder auch der Riesenzellarteriitis stark mit einem hohen Lebensalter assoziiert. Natürlich bestätigen auch hier Ausnahmen die Regel, grundsätzlich kann man die differenzialdiagnostischen Überlegungen aber in Abhängigkeit vom Alter des Patienten modifizieren. Ebenso kann eine Diskrepanz zwischen dem kalendarischen und dem biologischen Alter auf verschiedene Erkrankungen hinweisen. Abbildung 1 zeigt einen deutlich vorgealterten 42-jährigen Patienten bei zugrunde liegender COPD nach Zigarettenabusus.

Habitus und Konstitutionstyp

Unter dem Habitus eines Patienten versteht man dessen körperliches Erscheinungsbild, d. h. Körpergröße, Körperhaltung, proportionale Verteilung und eventuelle anatomische Besonderheiten. Hieraus lassen sich Rückschlüsse auf angeborene oder erworbene Krankheiten ziehen. Während Erkrankungen wie das Marfan-Syndrom oder Hypophysenstörungen mit einem Hochwuchs ( 186 cm) assoziiert sind, geht z. B. das Turner-Syndrom mit einem Minderwuchs ( 150 cm) einher.
Der Psychiater Kretschmer hat in seinem Werk drei grundsätzliche Körperbautypen definiert, welche für den Untersucher ein Anhaltspunkt zur Beurteilung des Patienten sein können. Zwar stellt diese Einteilung keine streng objektive Bewertung dar, dennoch sollte man sie kennen. Der asthenische oder leptosome Körperbautyp ist nach Kretschmer ein dünner, lang aufgeschossener Typ mit schmalen Schultern, flachem Brustkorb und länglichem Gesicht. Dieser idealistische Konstitutionstyp leidet körperlich mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit an Hypotonie, orthostatischer Dysregulation oder auch an Ulkuserkrankungen. Der pyknische Konstitutionstyp ist klein und gedrungen, mit Bauchansatz bzw. Adipositas und rundlichem Gesicht. Der pyknische Typ hat Probleme mit Erkrankungen wie Hypertonie, KHK oder auch Gicht. Er gilt als redseliger, aufgeschlossener und genießender Mensch. Der athletische Typ ist muskulös mit breiten, kräftigen Schultern und durchtrainiertem Körper. Somatisch betrachtet lebt dieser Konstitutionstyp im Vergleich zu den anderen beiden am gesündesten, für ihn gibt es keine typischen Krankheitsbilder. Abbildung 2 zeigt die drei verschiedenen Typen.

Vitalparameter

Die Erhebung der Vitalparameter Puls, Blutdruck, Atemfrequenz, Temperatur und Bewusstseinslage sollte am Anfang jeder Patientenuntersuchung stehen, um sich einen Überblick über die derzeitige Verfassung des Patienten zu verschaffen und potenziell lebensbedrohliche Zustände rechtzeitig therapieren zu können. Tabelle 1 gibt sowohl die Normwerte als auch Pathologien der Vitalparameter für Erwachsene wieder.
Bewusstseinslage, Orientierung
Eine Beurteilung des Bewusstseinszustands und der Orientierung des Patienten gehört grundsätzlich zu den zu erhebenden Vitalparametern. Mit Fragen zu Person, Ort und Zeit können neuropsychiatrische Einschränkungen schon zu Beginn der Untersuchung eingeschätzt werden. Von einem somnolenten Patienten spricht man bei einer abnormen Schläfrigkeit, aber Erweckbarkeit des Patienten. Reagiert der Patient nur auf starke Reize (z. B. Schmerz) mit Abwehrbewegungen bei einem schlafähnlichen Zustand, so bezeichnet man dies als Sopor. Ist der Patient im Koma, so zeigt er keinerlei Reaktion auf äußere Reize, kann keine willkürlichen Bewegungen ausführen und gibt keine oder nur ungezielte Abwehrbewegungen als Reizantwort. Eine genauere Differenzierung erlaubt die Glasgow-Coma-Scale (s. S. 106, Tab. 1).
Fieber
Fieber ist eine Begleiterscheinung vieler Erkrankungen. So findet sich Fieber als Symptom bei Infektionen, Tumorerkrankungen, Kollagenosen und Vaskulitiden, aber auch infolge medikamentöser Therapie oder selbst induziert bei psychiatrischen Patienten. Grundsätzlich kann man Fieber aurikulär (Ohr), oral (Mund), axillär (Achseln) oder rektal messen. Zwischen den Messorten können durchaus Schwankungen bis zu 1 C gemessen werden. Für die Beurteilung und Erstellung eines Fieberverlaufs sollte man deshalb immer am selben Ort die Temperatur messen.

Ernährungszustand

Der Ernährungszustand (EZ) eines Patienten wird möglichst objektiv beurteilt. Die Erfassung des Body-Mass-Index (BMI) dient hierzu als allgemeiner Standard ( Tab. 2). Dazu wird das Gewicht und die Größe des Patienten ermittelt und der BMI nach der Formel Körpergewicht (kg)/Körpergröße (m2) berechnet.
Zur Beurteilung des Ernährungszustands gehört auch die Überprüfung des Wasserhaushalts. Als klinische Zeichen einer Dehydrierung, die besonders häufig bei alten Menschen zu finden ist, gelten trockene Schleimhäute, eine trocken belegt Zunge sowie stehende Hautfalten, am besten zu sehen am Handrücken der Patienten. Ebenso können periphere oder zentrale Ödeme beobachtet werden.

Haut

Die Beschaffenheit der Haut und auffällige Veränderungen können ebenfalls wichtige Hinweise auf Erkrankungen geben. Wichtig ist hier ein Erfassen von Farbveränderungen (Ikterus, Anämie, Pigmentstörungen), Gefäßzeichnungen, Blutungen oder Effloreszenzen (s. S. 134 ff.).

Hygienischer Zustand

Das Hygienebewusstsein des Patienten lässt sich am äußeren Erscheinungsbild, am Körpergeruch oder auch am Zahnstatus des Patienten festmachen. Hieraus können Rückschlüsse auf die allgemeinen Lebensumstände und Ernährungsgewohnheiten der jeweiligen Person gezogen werden, eine Beobachtung, die für die Entstehung und Ursachenfindung etwaiger Erkrankungen von entscheidender Bedeutung sein kann. So können beispielsweise Infektionskrankheiten wie die Tuberkulose hygienisch schlechten Lebensbedingungen zugeordnet werden. Ein ausgeprägter Azetongeruch kann ein Hinweis auf eine diabetische Grunderkrankung sein, der Foetor (Mundgeruch) hepaticus ist ein Zeichen für ein Leberversagen.

Zusammenfassung

  • Viele Erkrankungen lassen sich epidemiologisch unterschiedlichen Altersstufen zuordnen.

  • Nach Kretschmer lassen sich der leptosome, pyknische und athletische Konstitutionstyp unterscheiden.

  • Die Erhebung der Vitalparameter umfasst Puls, Blutdruck, Atemfrequenz, Temperatur und Bewusstseinslage.

  • Fieber ist ein Begleitsymptom von vielen Erkrankungen.

  • Die Haut ist bei vielen Erkrankungen ebenfalls betroffen.

  • Das äußere Erscheinungsbild verrät i. d. R. viel über die Lebensumstände des Patienten.

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen