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B978-3-437-42107-5.50070-3

10.1016/B978-3-437-42107-5.50070-3

978-3-437-42107-5

Stehende Hautfalten bei einem exsikkierten, dystrophen, acht Wochen alten Säugling. [28]

Farbveränderungen der Haut und ihre Ursache.

Tab. 1
Farbveränderung Ursachen Mögliche Erkrankungen
Rot Erweiterung der Blutgefäße der Haut Hyperämie, lokale Entzündungen, Fieber, Alkohol, Medikamente
Verminderter O2-Verbrauch der Hautgefäße bei Kälte Kälteexponierte Stellen (Ohren, Nase, Finger, Zehen)
Blau Zyanose bei verminderter O2-Sättigung des Blutes Herz-Lungen-Erkrankungen
Blass-weißlich Vasokonstriktion Kälteexposition, Raynaud-Symptomatik
Arterielle Durchblutungsstörung AVK, pAVK, Diabetes mellitus, akuter embolischer Verschluss
Anämie Blutung, Eisenmangel, GI-Resorptionsstörungen
Gelb Ikterus (bei Gesamtbilirubin) Lebererkrankungen
Bronze Ablagerungen von Melanin Eisenstoffwechselstörungen (Hämochromatose)
Ablagerungen von Lipiden in der Haut Fettstoffwechselstörungen

Charakteristika und mögliche Ursachen von Hautblutungen.

Tab. 2
Definition Mögliche Ursachen
Petechien Punktförmige, stecknadelkopfgroße Blutungen Thrombozytopenie
Purpura Spontane Haut- und Schleimhautblutungen Kollagenosen, Vaskulitiden, Arzneimittelexantheme
Sugillationen Flächenhafte, münzgroße Hautblutungen Trauma oder Gerinnungsstörungen
Ekchymosen Große, flächenhafte Hautblutungen Trauma oder Gerinnungsstörungen
Hämatome Massive, tiefgehende Blutung ins Gewebe Trauma

Hauttypen, Einteilung nach Fitzpatrick.

Tab. 3
Typ Hautfarbe Haarfarbe Augen Bräunung Sonnenbrand
I Hell Rotblond, rot Grün Keine Immer
II Hell Blond Blau Wenig Immer
III Mittelstark pigmentiert Dunkelblond Braun Gut Selten
IV Dunkelbraun Dunkel Braun Immer Nie

Dermatologische Untersuchung

Eine gewissenhafte Untersuchung der Haut erfordert grundsätzlich ein vollständiges Entkleiden des Patienten, da nur so auch verborgene Hautläsionen entdeckt werden können. Auch die behaarte Kopfhaut, Nägel, intertriginöse Areale (Genitalbereich, Finger- und Zehenzwischenräume) und Schleimhäute müssen untersucht werden.

Anamnese
Zu den aktuellen Symptomen, mit denen sich der Patient bei Ihnen vorstellt, sollten Sie folgende Fragen stellen;
  • Wann haben die Beschwerden begonnen? Wo haben sie begonnen und wie haben sie sich seither verändert?

  • Haben Sie weitere Beschwerden wie Juckreiz oder ein Wärme- bzw. Kältegefühl? Haben Sie Schmerzen?

Zur medizinischen Vorgeschichte sind folgende Fragen von Bedeutung;
  • Hatten Sie schon einmal eine Hauterkrankung?

  • Traten in der Vergangenheit Atopiesymptome auf?

  • Bestehen Nahrungsmittel- oder Medikamentenallergien?

  • Haben Sie andere internistische Erkrankungen?

Bei der Medikamentenanamnese sollten Sie sehr ausführlich nach verordneten Arzneimitteln, Kosmetika und Feuchtigkeitscremes fragen. Die Sozial- und Familienanamnese sollte die folgenden Fragen unbedingt beinhalten;
  • Bestehen Hautkrankheiten bei anderen Familienangehörigen, z. B. Psoriasis, Atopie oder Hautkrebs?

  • Sind Sie im beruflichen Umfeld schädigenden Noxen ausgesetzt? Oder in der Freizeit?

  • Haben Sie in der Vergangenheit tropische Länder besucht oder waren Sie übermäßiger Sonneneinstrahlung ausgesetzt?

In der psychosozialen Anamnese sollten Sie nach der psychisch-emotionalen Belastung des Patienten fragen. Stress z. B. kann Symptome der Haut und deren Anhangsgebilde wesentlich verstärken. Schließlich sollten Sie den Patienten auch nach sexuell übertragbaren Krankheiten wie Syphilis oder einer HIV-Infektion fragen.
Klinische Untersuchung
  • Farbliche und strukturelle Abnormitäten der Haut fallen meist sofort auf. In diesem Zusammenhang ist auf möglichst gute Lichtverhältnisse bei der Untersuchung zu achten. Die Raumtemperatur sollte für den Patienten angenehm sein, da er sich für eine vollständige Untersuchung fast gänzlich entkleiden muss. Neben der Inspektion und Palpation der Hauterscheinungen gibt es spezielle Untersuchungstechniken, mit denen krankheitsspezifische Phänomene provoziert werden können.

Inspektion
Für eine genaue Beurteilung der Haut und pathologischer Effloreszenzen kann man sich verschiedener Hilfsmittel bedienen. Mit einem Vergrößerungsglas, einem Dermatoskop, das auf die zu untersuchende Stelle aufgesetzt wird, können Effloreszenzen genau begutachtet werden. Die Hautverhältnisse werden mit einem Glasspatel untersucht. Dieser wird mit Druck auf eine Effloreszenz aufgesetzt, die Blutgefäße werden leer gedrückt, und die Eigenfarbe der Hautveränderung lässt sich gut bewerten. Weiteres Hilfsmittel ist die Wood-Lampe, die eine farbige Fluoreszenz bei bestimmten Hautveränderungen erzeugt (z. B. rot bei Mikrosporie oder Erythrasmen).
Hautfarbe
Die Hautfarbe wird – abgesehen von der Rasse – durch die Durchblutungsverhältnisse bzw. durch das Vorhandensein von Blutfarbstoffen (z. B. Bilirubin, Pigmente) bestimmt. So können schon bei der Inspektion Pathologien entdeckt werden ( Tab. 1).
Hautbeschaffenheit
Die Hautbeschaffenheit ist in erster Linie vom Alter abhängig. Die jugendliche Haut weist neben einer guten Elastizität und Spannung auch eine ausreichende Fettung auf. Im Alter verliert sie zunehmend an Festigkeit und Spannung, sie wird schlaff, und es entstehen Falten. Auch die Hautanhangsgebilde verändern sich im Alter zunehmend, Nägel verlieren oft ihren Glanz, verdicken oder werden brüchig. Das Kopfhaar wird v. a. bei Männern lichter, die Haarfarbe verliert ihr Pigment und vergraut. Zudem steigt das Risiko der Ausbildung von Hauttumoren (bes. Melanome, Basaliome und Plattenepithelkarzinome).
Gefäßzeichnung
Eine irreversible Erweiterung der kleinen Hautgefäße bezeichnet man als Teleangiektasien. Diese können neben einem idiopathischen Auftreten auch Ausdruck einer Sklerodermie, einer Rosazea bzw. die NW einer Kortikoidtherapie sein. Hämangiome, gutartige Tumoren der Blutgefäße, sind meist angeboren und bilden sich im Laufe der Zeit zurück. Ein imposanter Hautbefund sind Spider-Nävi, die zu den Leberhautzeichen (Hautmanifestationen bei Lebersynthesestörung) gehören, besonders am Körperstamm sowie an den oberen Extremitäten lokalisiert sind und sich nach Kompression von zentral wieder auffüllen.
Hautblutungen
Hautblutungen können durch plasmatische oder vaskuläre Gerinnungsstörungen, aber auch durch eine eingeschränkte Thrombozytenzahl oder -funktion bedingt sein ( Tab. 2). Klinisch auffällig ist eine vermehrte Blutungsneigung in die Haut, welche als hämorrhagische Diathese bezeichnet wird.
Hautpigmentierung Verantwortlich für die normalerweise bräunlich erscheinende Pigmentierung der Haut ist das Melanin. Im europäischen Lebensraum lassen sich nach Vorhandensein von Melanin vier individuelle Hauttypen unterscheiden ( Tab. 3).
Palpation
  • Eine normale Haut fühlt sich elastisch an und nimmt nach einem Abheben mit zwei Fingern ihren ursprünglichen Turgor wieder ein. Ist dies nicht der Fall und bleibt nach Anheben eine Hautfalte stehen, so spricht dies für eine Dehydratation bzw. Exsikkose ( Abb. 1). Bei der Palpation können sowohl druckschmerzhafte Punkte genau lokalisiert und definiert werden als auch die Oberfläche bzw. das Niveau der jeweiligen Effloreszenzen (s. S. 133, Abb. 2) beurteilt werden.

Vor allem bei entzündlichen Hauterkrankungen muss der Palpation eine sorgfältige Händedesinfektion folgen, um ein Verschleppen pathogener Keime zu vermeiden.

Zusammenfassung

  • Die dermatologische Anamnese sollte neben Fragen nach Beginn, Dauer und Verlauf auch die medizinische Vorgeschichte, Medikamenteneinnahme, Allergien, familiäre Prädisposition und eine berufliche Exposition beleuchten.

  • Wichtig bei der Untersuchung der Haut sind ausreichend gute Lichtverhältnisse.

  • Mit zunehmendem Alter der Haut steigt das Risiko für die Entwicklung von Hauttumoren, wie Melanome, Basaliome und Plattenepithelkarzinome.

  • Spider-Nävi gehören zu den Leberhautzeichen.

  • Die stehende Hautfalte spricht für einen Flüssigkeitsmangel des Patienten.

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