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B978-3-437-42107-5.50083-1

10.1016/B978-3-437-42107-5.50083-1

978-3-437-42107-5

Mögliche Symptome einer Angststörung. [49]

Potenzielle Auslöser einer reaktiven (exogenen) Depression. [48]

Mögliche Symptome einer Depression.

Tab. 1
Vegetativ Psychisch
Schlafstörungen (Einschlaf- und Durchschlafstörungen), Gewichtsverlust, Appetitverlust, Libidoverlust, andauernde Müdigkeit, Schweregefühl, Brust-, Bauch-, Kopf-, Leibschmerzen, Gefühl der Gefühllosigkeit Gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit, Antriebs-, Aktivitätsminderung, Interessenverlust, vermindertes Selbstwertgefühl, Konzentrations-, Merkfähigkeitsstörungen, pessimistische Einstellung, Verlust von Lebensfreude, Pseudodemenz, Suizidgedanken (!)

Verschiedene Persönlichkeitsstörungen und ihre Merkmale.

Tab. 2
Persönlichkeitsstörungen Merkmale und entscheidende Charakteristika
Paranoid Sensitiv, querulant, misstrauisch, eifer- und streitsüchtig, unbelehrbar, übersteigertes Selbstwertgefühl, übertriebene Empfindlichkeit gegenüber Kritik
Schizoid Unsoziales, abweisendes Verhalten, Introvertiertheit, emotional kühl, einzelgängerisch
Dissozial Unsozial, verantwortungslos, aggressiv, niedrige Frustrationstoleranz, Missachtung sozialer Normen, Beziehungsdefizite
Emotional instabil Aggressiv, wechselhafte Stimmung, niedrige Kritiktoleranz, gewalttätig, unüberlegtes Handeln
Borderline Selbstverletzende Handlungen, gestörtes Eigenbild, emotionale Krisen, Neigung zu intensiven, aber unbeständigen Krisen
Histrionisch (hysterisch) Labile und oberflächliche Affektivität, Verlangen nach Anerkennung, Geltungssucht, erhöhter Anspruch an das eigene Erleben
Anankastisch Zwanghafte Kontrolle und Überprüfung des eigenen Handelns, Gewissenhaftigkeit, Pedanterie, Ordnungsliebe
Asthenisch Hilfe suchend, von anderen Personen abhängig, Verlassensängste, verminderte Leistungs- und Belastungsfähigkeit
Ängstlich Unsicher, wenig Selbstvertrauen, Bedürfnis nach Sicherheit, Minderwertigkeitsgefühle, Angst vor Ablehnung
Narzisstisch Übersteigertes Selbstwertgefühl, Ich-Verliebtheit, Rücksichtslosigkeit gegenüber anderen
Haltlos Willensschwäche, leichte Beeinflussbarkeit, Probleme mit sozialen Normen

Häufige psychiatrische Krankheitsbilder

Angststörungen

Angststörungen können sich grundsätzlich als zielgerichtete (phobische Angst) und diffuse Angst (Angstneurose) präsentieren. Manifestiert sich die Angst attackenartig, so spricht man von einer Panikstörung. Epidemiologisch gesehen sind Angststörungen mit 5 – 10 sehr verbreitet, überwiegend sind Frauen betroffen. Abbildung 1 zeigt wichtige Symptome der Angststörung.
  • Generalisierte Angststörung: Der Patient kann nicht thematisieren, warum oder wovor er Angst hat. Die Angst ist nicht zielgerichtet, sondern eher ein diffuses, für ihn schwer charakterisierbares Gefühl.

  • Panikattacken: Diese unvorhersehbaren Angstanfälle sind von vegetativer Symptomatik wie Herzklopfen, -rasen, Schweißausbrüchen, Kopfschmerzen, Zittern und Schwindel begleitet.

  • Phobien: Diese sind zielgerichtet, d. h. an etwas Bestimmtes (Gegenstand, Situation, Person) gebunden. Der Patient entwickelt hier ein Vermeidungsverhalten bzgl. der Ursache. Mögliche Formen sind z. B. die Agoraphobie (Angst vor öffentlichen Plätzen), die soziale Phobie (Angst, sich zu blamieren), Klaustrophobie (Angst vor engen Räumen), Akrophobie (Höhenangst) und die Zoophobie (Tierphobie).

Als Komplikationen kann sich bei Angststörungen neben den erwähnten vegetativen Symptomen als psychische Komponente auch die Hyperventilationstetanie mit Karpopedalspasmen (Pfötchenstellung der Arme und Hände) und evtl. Bewusstlosigkeit entwickeln. Aber auch eine Chronifizierung und die Entwicklung einer depressiven Verstimmung sind therapeutisch zu beachten.

Depressive Verstimmung/Depression

Depressive Patienten weisen i. d. R. eine Kombination aus psychischen und vegetativen Symptomen auf, die es abzuklären gilt ( Tab. 1).
Die Erhebung einiger dieser Symptome lässt, nach Ausschluss einer organischen Ursache (z. B. demenzielle Erkrankungen, Medikamentennebenwirkungen oder Infektionen), an eine depressive Episode denken. Die Präsenz der Symptome über mindestens zwei Wochen erhärtet die Diagnose maßgebend. Die durchschnittliche Zeit bis zur endgültigen Diagnosestellung einer Depression beträgt allerdings ca. sechs Monate.

Ein wichtiger Aspekt bei der Diagnostik einer Depression ist die Frage nach Suizidgedanken und eine Abklärung der Suizidalität (häufigste Todesursache)!

Endogene Depression
Bei der endogenen Depression gibt es keine erkennbare exogene Ursache. Die Ätiologie ist noch unbekannt. Man vermutet eine genetische Disposition, da das Risiko für die Entwicklung dieser Erkrankung bei belasteten Familien (Depressionen in der Familie) ca. 15-mal höher liegt als bei unbelasteten. Der Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr, die Lebenszeitprävalenz ist mit ca. 17 sehr hoch! Patienten mit einer endogenen Depression klagen im Allgemeinen über eine ständige Müdigkeit, ein Gefühl der Gefühllosigkeit und Interessenverlust. Auch die anderen in Tabelle 1 erwähnten Symptome treten auf.
Reaktive Depression
Potenzielle Auslöser einer reaktiven Depression sind äußere Einflüsse ( Abb. 2). Hier entsteht infolge eines bestimmten Auslösers oder einer akuten Belastungssituation eine depressive Störung.
Neurotische Depression
Das Entstehen einer neurotischen Depression schreibt man neben erblichen Faktoren auch einer frühkindlichen Entwicklungsstörung (z. B. durch Verlust, Trennung, Überprotektion) mit einem Konfliktaufbau zu. Mit den klinischen Symptomen einer chronischen depressiven Verstimmtheit dauert diese Form der Depression meist länger als zwei Jahre.

Persönlichkeitsstörungen

Persönlichkeitsstörungen (Charakterneurosen) sind tief greifende, schwere Störungen der charakterlichen Konstitution, die mit persönlichen und sozialen Anpassungsstörungen des Betroffenen an seine Umwelt einhergehen. Eine psychosozial ungünstige Entwicklung, v. a. in der Kindheit bzw. im Jugendalter, gilt als prädisponierender Faktor. Klinisch äußert sich diese Erkrankung in einer dauerhaften Unausgeglichenheit in Verhalten, Antrieb und Affekt. Es wird auch ein Defizit in der Impulskontrolle beobachtet. Je nach den auffälligsten Verhaltensmustern lassen sich verschiedene Formen der Persönlichkeitsstörung klassifizieren ( Tab. 2).
Die Therapie der Persönlichkeitsstörungen gestaltet sich in den meisten Fällen sehr schwierig, da zwar Akutsymptome behandelbar sind, die zugrunde liegende Störung allerdings häufig therapieresistent ist. Grundsätzlich wird über eine sozio- und psychotherapeutische Vorgehensweise eine Stabilisierung des Patienten in seinem sozialen Umfeld verfolgt.

Zusammenfassung

  • Angststörungen können diffus oder zielgerichtet sein.

  • Bei einer generalisierten Angststörung ist die Angst vom Patienten nicht thematisierbar.

  • Phobien gibt es in verschiedenster Ausprägung.

  • Depressionen können neben psychischen auch vegetative Symptome aufweisen.

  • Ein Hauptsymptom der Depression ist das Gefühl der Gefühllosigkeit.

  • Prädisponierendes Alter einer Persönlichkeitsstörung ist die Kindheit bzw. die Adoleszenz.

  • Zwischen den einzelnen Persönlichkeitsstörungen sind die Übergänge fließend.

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