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B978-3-437-42107-5.50016-8

10.1016/B978-3-437-42107-5.50016-8

978-3-437-42107-5

Tortikollis. [8]

Palpation und Auskultation der A. carotis. [8]

Darstellung eines Hodgkin-Lymphoms im Halsbereich. [2]

Struma nodosa. [9]

Stadieneinteilung einer Struma.

Tab. 1
Grad Charakteristika
0 Keine Vergrößerung
I Tastbare Vergrößerung lediglich bei Reklination des Kopfes
II Tastbare Vergrößerung, sichtbar auch bei Normalhaltung des Kopfes
III Sichtbare Vergrößerung der Schilddrüse

Hals und Schilddrüse

Hals

Die Untersuchung beginnt mit der Inspektion auf Hautveränderungen, Fehlhaltungen, Schwellungen, Deformitäten und Pulsationen. Sehr auffällige Befunde sind der Schiefhals (Tortikollis, Abb. 1), eine meist angeborene Verkürzung des M. sternocleidomastoideus, sowie das Pterygium colli, eine flügelartige Hautfalte zwischen Akromion und Processus mastoideus (bei Ullrich-Turner-Syndrom).
Bewegungseinschränkungen lassen sich feststellen, wenn der Patient den Kopf in alle Richtungen bewegt (s. S. 126). Beim Krankheitsbild des M. Bechterew kommt es z. B. in fortgeschrittenen Stadien zu degenerativen Veränderungen im Bereich der HWS. Bei genauer Betrachtung des Schildknorpels und des M. sternocleidomastoideus können u. U. mediane bzw. laterale Halsfisteln als Überreste des Ductus thyreoglossus bzw. der Kiementaschen auffallen.
Inspiziert werden auch die den Hals durchziehenden Gefäße, in erster Linie natürlich die Karotisarterien beidseits. Neben der Palpation zur Erhebung des Pulsstatus sollten diese auch auf evtl. Stenosegeräusche oder fortgeleitete Herzgeräusche hin auskultiert werden ( Abb. 2). Die Beurteilung der Halsvenenfüllung und des Halsvenenpulses wird auf Seite 33 genauer beschrieben. Schließlich wird der Hals auf Schwellungen und mögliche Druckdolenzen hin palpiert. Da sich in diesem Körperbereich besonders viele – zervikale – Lymphknoten befinden, stellt der Hals eine Prädilektionsstelle für Lymphome (z. B. Hodgkin-Lymphom, Abb. 3) dar. Die Schwellungen bzw. die Lymphknoten werden entsprechend der Beschreibung auf Seite 26 f. nach Anzahl, Größe, Konsistenz, Verschieblichkeit und Druckschmerzhaftigkeit beurteilt.

Schilddrüse

Erkrankungen der Schilddrüse zählen zu den häufigsten Stoffwechselstörungen überhaupt. Grundsätzlich kann man die meisten Schilddrüsenerkrankungen einteilen in Schilddrüsenüberfunktionen (Hyperthyreosen) und -unterfunktionen (Hypothyreosen). Für beide Stoffwechsellagengibt es eigentümliche und charakteristische Symptome. Hyperthyreotiker wirken oft unruhig, hektisch und nervös, sind i. d. R. dünne Personen (Gewichtsverlust) mit vermehrtem Appetit. Kardiale Symptome sind Tachykardien, Hypertonie sowie Herzrhythmusstörungen. Zu weiteren vegetativen Eigenheiten gehören die Wärmeintoleranz, ständiges Schwitzen, vermehrt Durchfälle und Muskelschwäche. Hypothyreote Menschen leiden oftmals an Antriebslosigkeitund Müdigkeit, haben trockene Haut bzw. brüchiges Haar und frieren häufig. Hinzu kommen Gewichtszunahme, Appetitlosigkeit, Bradykardie und Hypotonie.
Patienten mit einer vergrößerten Schilddrüse, einer sog. Struma (umgangssprachlich; Kropf, Abb. 4), bemerken diese meist aufgrund eines subjektiven Globusgefühls und Schluckbeschwerden. Im Rahmen der Ursachenforschung sollte hier anamnestisch die Möglichkeit einer autoimmun (z. B. M. Basedow Familienanamnese) oder medikamentös induzierten Struma (z. B. Lithium Medikamentenanamnese) in Erwägung gezogen werden. Die Mehrzahl der Strumaerkrankungen ist allerdings auf einen Jodmangel zurückzuführen (Jodmangelgebiet Sozialanamnese).
Inspektion
Das ventrale Halsareal wird in normaler Halsstellung sowie in Reklinationsstellung (der Patient legt den Kopf in den Nacken) betrachtet. Man fordert den Patienten auf zu schlucken und achtet auf eine sichtbare Vergrößerung. Diese Struma wird klinisch in vier Stadien eingeteilt ( Tab. 1), wobei auch nicht tastbare Vergrößerungen mittels Ultraschall nachgewiesen werden können.
Palpation
Bei der bimanuellen Palpation muss auf eine korrekte Position des Patienten geachtet werden. Während der Patient sitzt, umfasst der Untersucher von hinten seinen Hals, legt beide Daumen in den Nacken und versucht vorsichtig, mit den Fingern 2–4 die Schilddrüse etwas kaudal des Schildknorpels, entlang dem Vorderrand des M. sternocleidomastoideus, abzutasten. Kriterien, nach denen die Schilddrüse beurteilt wird, sind Größe, Form und Symmetrie sowie Verschieblichkeit, Schmerzhaftigkeit und Konsistenz Diese sollten sowohl in Ruhe als auch während des Schluckakts überprüft werden. Eine normale Schilddrüse lässt sich kaum ertasten, fühlt sich homogen weich an, ist nicht druckschmerzhaft und ist verschieblich. Eine Größenzunahme, Asymmetrie, knotige Veränderungen und eine Druckschmerzhaftigkeit sprechenfür eine Pathologie. Hierbei kann zwischen einer diffusen Vergrößerung (Struma diffusa) und einem klar abgrenzbaren Knoten (Struma uninodosa/multinodosa) unterschieden werden. Eine rasche Größenzunahme, mangelnde Verschieblichkeit und eine harte Konsistenz sind malignomverdächtig.

Bei großen Knotenstrumen, die mit der Umgebung verwachsen sind, kann die Schluckverschieblichkeit aufgehoben sein.

Auskultation
Findet sich bei der Palpation eine Vergrößerung der Schilddrüse, so sollte mithilfe des Stethoskops nach auffälligen Geräuschen auskultiert werden. Hierfür wird die Membran an beide Schilddrüsenlappen gelegt und auf systolisch-diastolische Strömungsgeräusche oder ein Schwirren geachtet. Ein positiver Befund kann Zeichen einer verstärkten Vaskularisierung der Schilddrüse z. B. bei M. Basedow sein.

Bimanuelle Untersuchung der Schilddrüse von dorsal. [8]

Zusammenfassung

  • Schiefhals und Pterygium colli sind auffällige Befunde in der Halsregion.

  • Hodgkin-Lymphome sind meist in der Halsregion lokalisiert.

  • Zeichen eine Hyperthyreose sind Wärmeintoleranz, ständiges Schwitzen, Nervosität, Unruhe, Gewichtsverlust, Durchfälle, Herzrhythmusstörungen, Hypertonie.

  • Zeichen einer Hypothyreose sind Kälteintoleranz, häufiges Frieren, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Gewichtszunahme, Appetitlosigkeit, Obstipation, trockene Haut, Bradykardie, Hypotonie.

  • Jodmangel ist in Deutschland die häufigste Ursache für die Entwicklung einer Struma.

  • Eine rasche Größenzunahme und harte, knotige Veränderungen im Bereich der Schilddrüse sind malignomverdächtig.

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