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B978-3-437-42107-5.50046-6

10.1016/B978-3-437-42107-5.50046-6

978-3-437-42107-5

Myopie, Hyperopie. [20]

Perimetrischer Konfrontationsversuch. [48]

Sehbahn mit Läsionen und Definitionen der Visusminderung. [39]

Hirnnerven I und II

Die Grundlagen der anatomischen und physiologischen Strukturen (Austrittspunkte, Verlauf, Faserqualitäten) sind v. a. bei einer systematischen Untersuchung der Hirnnerven von großem Vorteil. Deshalb sollten diese nochmals wiederholt werden.

I – N. olfactorius; Geruchswahrnehmung

Anamnese/Untersuchung
Der Patient sollte gefragt werden, ob er im alltäglichen Leben Probleme (z. B. Geruchsverlust) mit seiner Geruchswahrnehmung hat. Die Überprüfung der Geruchswahrnehmung erfolgt dann über die Exposition des Patienten gegenüber bekannten, aber reizfreien Gerüchen. Der Patient soll mit geschlossenen Augen seine Geruchswahrnehmung seitengetrennt beurteilen. Substanzen wie Vanille, Kaffee, Tabak oder Seife werden dem Patienten vor jede Nasenseite gehalten. Er soll dabei die Qualität und Intensität des Geruchs beschreiben.
Pathologische Befunde
Hyposmie/Anosmie
Während die Hyposmie eine Verminderung des Riechvermögens beschreibt, ist bei der Anosmie das Riechvermögen vollständig aufgehoben und zudem der Geschmackssinn beeinträchtigt. Ursache hierfür können angeborene Dysplasien, nasale Deviationen, rezidivierende Virusinfektionen, Schädeltraumen oder Rauschmittelgenuss sein.
Simulanten
Bei dem Verdacht auf einen simulierenden Patienten (z. B. wegen Rentenbegehren) können Riechstoffe, die von den sensiblen Fasern des N. trigeminus wahrgenommen werden, eingesetzt werden (z. B. Ammoniak). Simulanten geben auch bei diesen Riechstoffen an, dass sie nichts riechen, was sehr unwahrscheinlich ist.

II – N. opticus; Sehen

Anamnese/Untersuchung
Auch hier steht am Anfang die Frage, ob der Patient im Alltag Probleme mit seinem Sehvermögen hat. Gibt es einen Zeitraum, in dem sich sein Sehen verschlechtert hat? Gibt es Situationen (Zeitung lesen, Auto fahren, fernsehen), bei denen der Patient eine Einschränkungen merkt? Trägt der Patient eine Brille oder Kontaktlinsen? Sieht der Patient schwarze Punkte in seinem Gesichtsfeld? Hat er Gesichtsfeldausfälle? Die Inspektion der Orbita, des Ober- und Unterlids und des Augapfels nach Anomalien, Verletzungen oder Entzündungen (Entzündungszeichen; Calor, Rubor, Dolor, Tumor, Functio laesa) ist der nächste Schritt. Um die Schleimhäute zu beurteilen, kann man das Oberlid ektropionieren, d. h. mit einem Hilfsmittel nach oben klappen.
Spezielle Untersuchungen
Visusprüfung
Hier ist die Verwendung von standardisierten Tafeln mit verschieden großen Buchstaben oder Zeichen (Snellen-Tafeln, Landolt-Ringe, Zahlen, E-Pflüger-Haken) die wohl objektivste Methode. Jedes Auge wird einzeln geprüft, das andere jeweils abgedeckt.
Fernsehprüfung
Der Abstand zu den Tafeln sollte ca. 5 m betreffen. Es wird geprüft, welche Zeichen-/Zahlengröße der Patient noch scharf erkennen kann. Je kleiner die Zahl oder der Ring, der erkannt wird, umso besser der Visus. Der Normalwert für den Visus liegt bei 1,0. Befunde wie Kurzsichtigkeit (Myopie), Weitsichtigkeit (Hyperopie) oder Altersweitsichtigkeit (Presbyopie) können mithilfe von Plus- und Minuslinsen getestet werden ( Abb. 1). Kann der Patient jedoch gar nichts erkennen, so wird ihm die Tafel in einem Abstand von 3 – 4 m, dann in 1 m und schließlich in 50 cm angeboten. Bei noch schlechterem Visus (< 1/50) wird der Fingerzählversuch in 1 m Entfernung von dem Untersucher bzw. der Handbewegungsversuch in 30 cm Untersucher-Patienten Entfernung durchgeführt.
Nahsehprüfung
Hier werden die Tafeln mit Lesetexten unterschiedlicher Größe im Abstand von 30 cm vorgelegt. Können die am kleinsten geschriebenen Lesetexte in diesem Abstand gelesen werden, ist die Nahsicht normal. Falls diese Tafeln nicht zur Hand sind, kann man die eigene Visusstärke als Relation zu der des Patienten beim Lesen eines Textes vergleichend verwenden.
Gesichtsfeldprüfung
Auch bei der Gesichtsfeldmessung kann man als Untersucher sein eigenes Gesichtsfeld als Normvergleich mit dem des Patienten verwenden. Beim sog. Konfrontationsversuch sitzen sich Untersucher und Patient in einem Abstand von ca. 50 cm gegenüber und blicken sich in die Augen. Der Untersucher hält entweder in der Mitte zwischen sich und dem Patienten einen Wattebausch von außen in alle vier Quadranten oder bewegt in allen vier Quadranten seine Zeigefinger. Der Patient gibt an, wann er den Wattebausch sieht. Diese Angabe wird mit der eigenen Wahrnehmung verglichen ( Abb. 2).
Dies ist eine schnelle und einfache Methode, um sich einen Überblick über das Gesichtsfeld des Patienten zu verschaffen. Natürlich kann man jedes Auge auch einzeln untersuchen, indem sich der Patient ein Auge zuhält. Die Gesichtsfeldausfälle sind entsprechenden Läsionen in der Sehbahn ( Abb. 3) zuzuordnen.
Für eine genaue perimetrische Untersuchung benötigt man spezielles ophthalmologisches Equipment.
Prüfung der Lichtreaktion
Zur Prüfung der Lichtreaktion fixiert der Patient einen Punkt in der Ferne, um eine Verengung der Pupille durch Akkommodation zu vermeiden. Leuchtet man nun mit einer Pupillenleuchte von seitlich kommend in ein Auge des Patienten, so kann man eine direkte und indirekte Lichtreaktion in Form einer Kontraktion beider Pupillen beobachten;
  • Direkte Lichtreaktion: Verengung (Miosis) der direkt beleuchteten Pupille

  • Indirekte, konsensuelle Lichtreaktion: Verengung (Miosis) der Pupille des nicht beleuchteten Auges. Diese konsensuelle Lichtreaktion beruht auf einer teilweisen Kreuzung der afferenten Fasern der Pupillenreflexbahn im Chiasma opticum.

Ein ausbleibender Lichtreflex oder entrundete Pupillen lassen auf vielfältige neurologische Störungen schließen (s. S. 106).

Zusammenfassung

N. olfactorius

  • Er dient der Geruchswahrnehmung.

  • Reizlose Riechstoffe sind Kaffee, Vanille, Tabak, Seife.

  • Simulanten können über eine Geruchsprüfung mit Trigeminusreizstoffen (z. B. Ammoniak, Essigsäure) entlarvt werden.

N. opticus

  • Er ist funktionell dem Sehen zugeordnet.

  • Eine umfassende Untersuchung umfasst die Visusprüfung, Fundoskopie, Gesichtsfeldprüfung, Prüfung der Lichtreaktion.

  • Kurzsichtigkeit (Myopie); Bulbusdurchmesser zu groß, Sehen in der Nähe ohne Hilfsmittel möglich, Einsatz von Zerstreuungslinsen (Minusgläser).

  • Weitsichtigkeit (Hyperopie); Bulbusdurchmesser zu klein, Sehen in die Ferne ohne Hilfsmittel möglich, Einsatz von Sammellinsen (Plusgläser).

  • Altersweitsichtigkeit (Presbyopie); Brechkraft der Linse nimmt aufgrund des Elastizitätsverlusts der Linse ab, Bulbusdurchmesser wird relativ zu klein, Symptome wie bei Hyperopie

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