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B978-3-437-42107-5.50047-8

10.1016/B978-3-437-42107-5.50047-8

978-3-437-42107-5

Hauptblickrichtung der Hirnnerven III, IV und VI. [18]

Konvergenzüberprüfung der Hirnnerven III, IV und VI. [8]

Konvergentes und divergentes Schielen. [47]

Ptosis. [21]

Charakteristische Kopfzwangshaltung bei rechtsseitiger Trochlearisparese. [21]

Bulbusabweichung bei Abduzensparese links. [21]

Hirnnerven III, IV und VI

Die Hirnnerven III (N. oculomotorius), IV (N. trochlearis) und VI (N. abducens) können durch den Test einer konjugierten Augenbewegung in alle sechs Hauptblickrichtungen ( Abb. 1) gemeinsam geprüft werden. Diese Methode ist zum einen zeitsparend, zum anderen lässt sich so die Untersuchungssystematik leichter einprägen.

III – N. oculomotorius; Augenmotorik

Der N. oculomotorius führt sowohl motorische als auch parasympathische Fasern. Motorisch innerviert der III. Hirnnerv den M. rectus superior, M. rectus inferior, M. rectus medialis, M. levator palpebrae und M. obliquus inferior. Parasympathisch werden die Mm. sphincter pupillae und sphincter ciliaris versorgt.
Anamnese/Untersuchung
Der Patient wird nach Auftreten von Doppelbildern in Alltagssituationen gefragt. Darauf verfolgt er – bei fixiertem Kopf – den Zeigefinger des Untersuchers (in ca. 40 cm Abstand) und gibt bei den jeweils geprüften Blickrichtungen evtl. Doppelbilder an. Der Untersucher achtet auf normale und parallele Augenbewegungen des Patienten bzw. auf einen Nystagmus. Um die Konvergenzbewegung zu testen, bewegt der Untersucher seinen Finger in Richtung Nase des Patienten ( Abb. 2).
Die parasympathische Komponente des N. oculomotorius wird über die direkte und indirekte Lichtreaktion geprüft (s. S. 87).
Pathologische Befunde
Strabismus
Strabismus ist als Schielen definiert. Grundsätzlich kann je nach Augenstellung zwischen konvergentem und divergentem Schielen unterschieden werden. Der Abdecktest ist das Mittel der Wahl für die Unterscheidung. Der Patient fixiert hierbei einen Gegenstand hinter dem Untersucher. Darauf wird ein Auge abgedeckt und das freie, evtl. schielende Auge beobachtet. Bei Vorliegen eines Strabismus macht das nicht abgedeckte Auge eine Einstellbewegung. Liegt ein Strabismus convergens vor, so stellt das Auge nach temporal ein, bei einem Strabismus divergens nach nasal ( Abb. 3).
Ursache für das Schielen können sowohl ein Lähmungsschielen als auch ein Begleitschielen sein;
  • Lähmungsschielen (Strabismus paralyticus); Sowohl eine Okulomotorius- als auch eine Abduzens- oder Trochlearisparese können zu einem Lähmungsschielen führen. Meist ist nur ein Auge betroffen, Symptome sind Doppelbilder und eine kompensatorische Zwangshaltung des Kopfes zum Ausgleich des Schielens.

  • Begleitschielen (Strabismus concomitans); Beim hauptsächlich im Kindesalter vorkommenden Begleitschielen sind die Augenmuskeln voll funktionsfähig, allerdings fixiert nur ein Auge das Gesehene, das andere, schielende, Auge macht alle Augenbewegungen begleitend mit. Die dadurch entstandenen Doppelbilder werden kortikal supprimiert.

Ptosis
Eine Ptosis beschreibt das Herabhängen eines oder beider Augenlider ( Abb. 4) aufgrund einer Lähmung des M. levator palpebrae, einer Läsion der motorischen Nervenfasern des N. oculomotorius.
Mydriasis
Eine Mydriasis ist eine Erweiterung der Pupille. Sie kann ursächlich durch den Ausfall des M. sphincter pupillae und M. ciliaris bedingt sein (s. S. 86; Überprüfung der Lichtreaktion).

IV – N. trochlearis; Augenmotorik

Der N. trochlearis führt lediglich motorische Fasern und innerviert den M. obliquus superior.
Anamnese/Untersuchung
Siehe N. oculomotorius.
Pathologische Befunde
Vertikale Divergenz
Bei einem Ausfall des N. trochlearis kommt es zu einer Bulbusabweichung nach außen-oben bzw. zu schräg versetzten Doppelbildern. Der Patient versucht, diese Doppelbilder durch eine Kopfdrehung zur gesunden Seite auszugleichen ( Abb. 5).

VI – N. abducens; Augenmotorik

Der VI. Hirnnerv führt ebenfalls nur motorische Nervenfasern und innerviert den M. rectus lateralis.
Anamnese/Untersuchung
Siehe N. oculomotorius.
Pathologische Befunde
Horizontale Konvergenz
Der Ausfall des N. abducens verursacht beim Geradeausblick eine Bulbusabweichung des kranken Auges nach innen ( Abb. 6), beim Blick zur Seite imponiert ein Abduktionsdefizit.

Dieser Befund stellt die häufigste Augenmuskelparese dar.

Ursachen sind neben Traumen auch entzündliche Prozesse im Bereich des Sinus sphenoidalis bzw. Sinus ethmoidalis, Mastoiditiden, aber auch Tumorkompression.

Zusammenfassung

  • Der Test einer konjugierten Augenbewegung in die sechs Hauptblickrichtungen ermöglicht die gleichzeitige Überprüfung der Hirnnerven III, IV und VI.

  • Eine Okulomotoriusläsion imponiert durch subjektive Doppelbilder, Schielen und/oder Ptosis bzw. Mydriasis.

  • Der pathologische Befund der Trochlearisparese ist die Bulbusabweichung nach außen-oben.

  • Die Pathologie einer Abduzensparese ist eine Bulbusabweichung nach innen; sie stellt die häufigste Augenmuskelparese dar.

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