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B978-3-437-42107-5.50049-1

10.1016/B978-3-437-42107-5.50049-1

978-3-437-42107-5

a) Normalbefund, b) Kulissenphänomen. [23]

Stimmbandstellung bei Rekurrensparese. [6]

Schultertiefstand. [8]

Zungendeviation. [22]

Hirnnerven IX, X, XI und XII

IX – N. glossopharyngeus; Gaumen, Geschmack

Der N. glossopharyngeus innerviert das Gaumensegel motorisch, die Paukenhöhle und den Gehörgang sensibel. Außerdem führt er die Geschmacksfasern des hinteren Drittels der Zunge (Geschmacksempfindung; bitter).
Anamnese/Untersuchung
Die Untersuchung des N. glossopharyngeus und des N. vagus erfolgt gemeinsam, da beide Nerven das Gaumensegel motorisch versorgen. Es wird beurteilt, ob die Stimme des Patienten näselnd ist, und nach Schluckbeschwerden gefragt. Beide Symptome können ein Hinweis auf eine Lähmung des Gaumensegels sein. Dann wird der Patient aufgefordert, bei weit geöffnetem Mund ahh zu sagen. Der Untersucher beobachtet hierbei den weichen Gaumen und den Pharynx. Die Gaumensegelmuskulatur verhält sich bei physiologischem Befund symmetrisch. Die Untersuchung des Würgereflexes wird nach vorheriger Warnung des Patienten mit einem Reiz (z. B. mit einem Spatel) der Pharynxhinterwand durchgeführt. Die Geschmacksfasern werden, genau wie bei den vorderen 2/3, mit dem entsprechenden Geschmacksstoff (Chinin für bitter) geprüft.
Pathologische Befunde
Bei einer Läsion des N. glossopharyngeus kann man neben dem Geschmacksverlust und abgeschwächten Würgereflex das Kulissenphänomen beobachten. Hierbei hebt sich die erkrankte Seite des Gaumens nicht und wird zusammen mit der Uvula auf die gesunde Seite gezogen ( Abb. 1).

X – N. vagus; Stimme, Vegetativum

Der N. vagus innerviert zusammen mit dem N. glossopharyngeus den Gaumen, den Pharynx und den Larynx über motorische Fasern. Außerdem führt er sensible Fasern, die von Pharynx und Larynx kommen.
Anamnese/Untersuchung
Siehe N. glossopharyngeus.
Pathologische Befunde
Ein einseitiger Ausfall der N. vagus führt zu einer Rekurrensparese, die über eine Stimmbandspiegelung bewiesen werden kann ( Abb. 2). Bei doppelseitigem Ausfall kommt es zu Heiserkeit, Aphonie, nasaler Stimme und evtl. zu Regurgitation von Flüssigkeit aus der Nase. Außerdem stellen sich Paresen in Glottis (mit Heiserkeit ohne Dyspnoe) und Epiglottis ein. Entsprechend der Läsion des N. glossopharyngeus lässt sich auch hier ein Kulissenphänomen beobachten. Da der N. vagus auch vegetative Fasern enthält, stellen sich bei einem Ausfall auch kardiale (z. B. Tachyarrhythmien) oder gastrointestinale Beschwerden ein.

XI – N. accessorius

Der N. accessorius innerviert motorisch den M. sternocleidomastoideus sowie den M. trapezius.
Anamnese/Untersuchung
Zunächst wird der entkleidete Oberkörper des Patienten inspiziert und auf Atrophien der innervierten Muskeln bzw. auf einen Schiefhals oder Schultertiefstand geachtet. Der M. sternocleidomastoideus wird seitengleich überprüft, indem der Patient seinen Kopf gegen den Widerstand des Untersuchers dreht. Die Untersuchung des M. trapezius erfolgt in gleicher Weise. Hier hebt der Patient gegen den Widerstand des Untersuchers seine Schultern.
Pathologische Befunde
Bei beiden Tests zeigt sich bei einer Läsion des N. accessorius eine muskuläre Schwäche der betroffenen Seite ( Abb. 3). Ursache dieser Läsion können neben operativen Eingriffen auch Frakturen oder neurogene Syndrome (z. B. ALS) sein.

XII – N. hypoglossus : Zungenmotorik

Der N. hypoglossus versorgt die Zunge und den Kehlkopf motorisch.
Anamnese/Untersuchung
Die Funktion der Zungenbeweglichkeit wird durch die Inspektion auf Beweglichkeit, Atrophien und Faszikulationen überprüft. Der Patient streckt hierfür die Zunge heraus und bewegt sie hin und her bzw. nach oben und unten.
Pathologische Befunde
Bei einer einseitigen Läsion des N. hypoglossus kommt es zu einer Abweichung der Zunge zur gelähmten Seite ( Abb. 4), die Patienten sind beim Sprechen stark eingeschränkt und beißen sich auf die Zunge. Atrophien und Faszikulationen lassen auf eine periphere Parese des N. hypoglossus schließen.

Zusammenfassung

  • Mit der Untersuchung des Gaumensegels werden N. glossopharyngeus und N. vagus beurteilt.

  • Das hintere Drittel der Zunge enthält Geschmacksknospen für die Empfindung bitter und wird vom N. glossopharyngeus innerviert.

  • Beim Kulissenphänomen weicht die Uvula zur gesunden Seite ab.

  • Der N. accessorius versorgt die Mm. trapezius und sternocleidomastoideus motorisch.

  • Bei einer Akzessoriusläsion können Atrophie, Faszikulationen oder eine Muskelschwäche imponieren.

  • Als pathologischer Befund bei einer Hypoglossusparese weicht die Zunge zur kranken Seite ab.

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