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B978-3-437-42107-5.50048-X

10.1016/B978-3-437-42107-5.50048-X

978-3-437-42107-5

Sensible Versorgung des Gesichts durch den N. trigeminus. [26]

Auslösen des Kornealreflexes. [22]

Intermediusanteil des N. facialis. [18]

Prüfung der mimischen Muskulatur. [8]

Hirnnerven V und VII, VIII

V – N. trigeminus; Kaumuskulatur, Gesichtssensibilität

Der N. trigeminus führt neben motorischen auch sensible Nervenfasern. Die motorische Komponente ist für die Kaumuskulatur (M. masseter, M. temporalis, M. pterygoideus medialis und lateralis) verantwortlich, die sensiblen Fasern tragen Informationen über die Berührungsempfindung des Gesichts. Das Gesicht ist hier in drei Versorgungsgebiete eingeteilt und den entsprechenden Trigeminushauptästen (N. ophthalmicus, N. maxillaris, N. mandibularis) zugeordnet ( Abb. 1). Auch der Kornealreflex (s. u.) und der Masseterreflex (s. S. 100, Reflexe) sind über den Trigeminusnerv gebahnt.
Anamnese/Untersuchung
Zur Überprüfung der motorischen Komponente des Trigeminusnervs wird der Patient aufgefordert, die Zähne zusammenzubeißen. Dabei werden die zugänglichen Kaumuskeln M. masseter und M. temporalis palpiert und seitenvergleichend die Stärken der Kontraktionen begutachtet. Das Berührungs- und Schmerzempfinden wird mittels spitzer und stumpfer Reizzuführung geprüft. Der Patient kommentiert hier bei geschlossenen Augen die Intensität des in dem jeweiligen Versorgungsgebiet jedes Trigeminusastes ausgelösten Reizes. Auch hier ist auf eine seitengleiche Empfindung zu achten. Für die Warm-kalt-Diskrimination eignen sich mit warmem und kaltem Leitungswasser gefüllte Reagenzgläser. Der Kornealreflex wird mit einer leichten, vorsichtigen Berührung der Konjunktiva bzw. der Kornea mit einem Wattestäbchen durchgeführt. Bei positivem, physiologischem Reflex schließt das Auge bei Berührung der Kornea ( Abb. 2).

Das Tragen von Kontaktlinsen führt häufig zu einer Abschwächung bzw. einem Ausfall des Kornealreflexes.

Pathologische Befunde
Bei einem Ausfall des N. trigeminus kommt es motorisch zu Paresen der Kaumuskulatur. Ebenfalls beeinträchtigt ist die Gesichtssensibilität aller oder des jeweilig lädierten Trigeminusastes. Auch akut einsetzende, starke Schmerzattacken (Trigeminusneuralgien) sind bei Läsionen dieses Nervs zu beobachten.

VII – N. facialis; Mimik

Der N. facialis innerviert motorisch die gesamte mimische Muskulatur und den M. stapedius. Sensorisch führt der Fazialis die Geschmacksfasern der vorderen 2/3 der Zunge. Parasympathisch innerviert werden die Gll. lacrimalis, submandibularis, sublingualis und nasales. Die sensible Komponente umfasst den N. intermedius zur Membrana tympanica im Mittelohr ( Abb. 3).
Anamnese/Untersuchung
Die motorischen Funktionen des N. facialis sind sowohl inspektorisch als auch palpatorisch zu beurteilen. Der Patient führt folgende Maßnahmen zur Überprüfung der Motorik durch; Heben der Augenbrauen, Runzeln der Stirn, Augenschließen gegen den Widerstand des Untersuchers, Zähne zeigen, Lächeln, vollständiges Aufblasen der Wangen, Pfeifen ( Abb. 4).
Zu achten ist hier besonders auf eine Asymmetrie im Gesicht des Patienten (herabhängende Mund- und Augenwinkel, verstrichene Nasolabialfalte) bzw. auf eine feststellbare Schwäche der mimischen Muskulatur. Die Tränensekretion kann mittels des Schirmer-Tests zusätzlich überprüft werden, eine Hyperakusis und Störungen der Geschmacksempfindung werden bei der genauen Untersuchung der Ohren und des Mundes besprochen (s. S. 20 – 23).
Pathologische Befunde
Fazialisparese
Die Ursache einer Gesichtsschwäche oder -lähmung kann entweder eine periphere oder eine zentrale Fazialisparese sein.
Periphere Fazialisparese: Diese ist zu 80 idiopathisch bedingt. Es kommt zu einem kompletten Ausfall der gesamten mimischen Muskulatur, d. h. neben hängendem Augen- und Mundwinkel funktionieren auf der betroffenen Seite Lidschluss (Bell-Phänomen) und Stirnrunzeln nicht.
Zentrale Fazialisparese: Dabei kann der Patient wegen der beidseitigen kortikalen Innervation auf der betroffenen Seite sowohl die Stirn runzeln als auch das Augenlid schließen. Als Ursache kommen neben zerebralen Tumoren auch Blutungen oder Ischämien infrage.
Neuromuskuläre Übererregbarkeit
Als Beweis einer neuromuskulären Übererregbarkeit kann das Chvostek-Zeichen ausgelöst werden. Hier kommt es bei Beklopfen des Fazialisstammgebiets präaurikulär zu sichtbaren Zuckungen der mimischen Muskulatur.

VIII – N. vestibulocochlearis; Gehör, Gleichgewicht

Anamnese/Untersuchung
Die Funktion des N. vestibulocochlearis wird über eine grob orientierende, seitenvergleichende Untersuchung des Hörvermögens mittels Flüstersprache, Reibegeräuschen vor dem Ohr und den Tests nach Weber und Rinne (s. S. 20) überprüft. Bei einem verminderten Hörvermögen kommen differenzialdiagnostisch Schäden in Mittel- oder Innenohr infrage. Eine weitere, fachspezifische und apparative Diagnostik ist dann indiziert. Die Untersuchung des Gleichgewichtorgans und seiner möglichen Schädigungen (z. B. Schwindel) ist ebenfalls auf Seite 20 ausführlich erklärt.

Zusammenfassung

N. trigeminus

  • Dieser innerviert motorisch die Kaumuskulatur (M. masseter, M. temporalis, M. pterygoideus medialis und lateralis).

  • Das Gesicht wird sensibel von den drei Ästen des N. trigeminus versorgt.

N. facialis

  • Dieser führt neben den motorischen und sensiblen Fasern auch parasympathische und sensorische Fasern.

  • Bei einer peripheren Fazialisparese sind Stirnrunzeln und der Lidschluss auf der betroffenen Seite nicht möglich, bei einer zentralen Fazialisparese sind diese möglich.

  • Bei neuromuskulärer Übererregbarkeit kommt es bei Beklopfen des Fazialisstamms zu Zuckungen der mimischen Muskulatur (Chvostek-Zeichen).

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