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B978-3-437-42107-5.50019-3

10.1016/B978-3-437-42107-5.50019-3

978-3-437-42107-5

Pulsmessung an der A. radialis. [8]

Blutdruckmessung am Oberarm nach Riva Rocci. [8]

Bestimmung des Jugularvenendrucks (JVP). [23]

Einteilung der Hypertonie nach JNC und empfohlenes Vorgehen.

Tab. 2
Kategorie Systolischer Wert (mmHg) Diastolischer Wert (mmHg) Empfohlenes Vorgehen
Normal 130 < 85 Kontrolle alle 2 Jahre
Hochnormal 131 – 139 86 – 89 Kontrolle jedes Jahr
Stadium I (milde Hypertonie) 140 – 159 90 – 99 Bestätigung innerhalb von 2 Monaten
Stadium II (mittelschwere Hypertonie) 160 – 179 100 – 109 Abklärung innerhalb von 1 Monat
Stadium III (schwere Hypertonie) 180 – 209 110 – 119 Abklärung innerhalb von 1 Woche
Stadium IV (sehr schwere Hypertonie) 210 120 Sofortige Abklärung

Kardiovaskuläre Untersuchung II

Die folgenden Untersuchungen sind im Rahmen der Erhebung der Vitalparameter essenzieller Bestandteil jeder körperlicher Untersuchung. Während die Messung der Vitalparameter allerdings zur Erfassung des aktuellen Zustands des Patienten bzw. auch zum Ausschluss eines lebensbedrohlichen Zustands dient, wird bei der kardiovaskulären Untersuchung im Sinn der differenzialdiagnostischen Überlegungen differenzierter, genauer und detaillierter vorgegangen.

Pulsmessung

Die routinemäßige Messung des Pulses erfolgt über die Palpation der A. radialis mit den Fingerkuppen des Zeige- bzw. Mittelfingers ( Abb. 4). Ist der Radialispuls nicht zugänglich, können auch andere Pulsstationen palpiert werden (s. S. 34). Für eine zügige Untersuchung wird die Pulsfrequenz über eine halbe Min. gezählt und dann auf eine Min. hochgerechnet. Ist der Puls arrhythmisch, empfiehlt es sich, die HF über eine volle Minute zu messen. Bei der gewissenhaften Pulsmessung werden Frequenz, Rhythmus und Pulscharakter beurteilt.
Frequenz
Die normale Pulsfrequenz liegt bei Erwachsenen zwischen 60 und 100/Min., ist jedoch u. a. vom körperlichen Trainingszustand abhängig. So werden bei Leistungssportlern i. d. R. niedrigere Pulsfrequenzen (teilweise 50/Min.) gemessen.
Die Tachykardie (Pulsus frequens) ist definitionsgemäß eine Herzfrequenz von über 100/Min. und ist Folge von Anstrengung, aber auch von Herzversagen, Hyperthyreose, Anämie, Schmerzen oder Fieber. Als Bradykardie (Pulsus rarus) bezeichnet man eine Frequenz von < 60/Min. Hier ist ursächlich neben dem schon erwähnten niedrigen Ruhepuls bei Sportlern an eine Hypothyreose, einen Erregungsleitungsblock, eine medikamentöse Therapie (Digitalisüberdosierung, ß-Blocker-Therapie) zu denken.
Rhythmus
Der Pulsrhythmus kann entweder als regelmäßig (Pulsus regularis) oder als unregelmäßig (Pulsus irregularis) beurteilt werden. Ein unregelmäßiger Puls kann neben der physiologischen respiratorischen Arrhythmie (Pulsbeschleunigung bei Inspiration) auch durch Extrasystolen oder Vorhofflimmern bedingt sein. Extrasystolen fallen in den regelmäßigen, normalen Pulsschlag ein und ziehen u. U. eine kompensatorische Pause, d. h. eine Pause bis zur nächsten systolischen Herzaktion nach sich. Vorhofflimmern ist charakterisiert durch eine völlig unregelmäßige Abfolge von Ventrikelkontraktionen, die keinen Grundrhythmus erkennen lassen (Arrhythmia absoluta). Ein Pulsdefizit kann bei gleichzeitiger Auskultation und Palpation der Herzaktion erhoben werden. Hier kommt bei einer durch eine Tachykardie verkürzten Diastolendauer nicht jede zentral erregte Herzaktion in der Peripherie an.
Pulscharakter
Für eine genaue Bezeichnung des Pulscharakters stehen dem Untersucher verschiedene Beschreibungen zur Verfügung. So kann die Druckamplitude hoch (altus) oder niedrig (parvus), der Pulsschlag schnell (celer) oder langsam, träge (tardus) sein. Die Kombination der unterschiedlichen Qualitäten kann charakteristisch für bestimmte Krankheiten sein. Ein Pulsus parvus et tardus spricht am ehesten für eine Aortenstenose, während ein Pulsus celer et altus einer Aorteninsuffizienz zugeordnet wird. Bei einem Pulsus alternans liegt eine von Pulsschlag zu Pulsschlag wechselnde Pulsstärke vor, wie es auf eine schwere Herzinsuffizienz zutrifft. Als Pulsus paradoxus bezeichnet man eine inspiratorische Abnahme der Pulsamplitude um mehr als 10 mmHg. Dieser Pulscharakter tritt u. a. bei einer Herzbeuteltamponade auf.

Blutdruckmessung

Die Blutdruckmessung erfolgt mittels indirekter, unblutiger Messmethode nach Riva Rocci (RR). Hierzu benötigt man eine aufblasbare Manschette, die der Größe und Dicke des Oberarms angepasst werden muss. Eine normale Manschettenbreite für Erwachsene liegt bei 12 – 14 cm. Für Patienten mit dicken Oberarmen und Kinder gibt es Extragrößen und -breiten. Mit einem Manometer wird die Manschette aufgeblasen, bis der systolische Puls an der A. radialis nicht mehr palpiert werden kann. Der Manschettendruck wird dann langsam abgelassen, während gleichzeitig mithilfe des Stethoskops über der A. brachialis auskultiert wird ( Abb. 5).
Ab einem gewissen systolischen Druck sind Strömungsgeräusche (Korotkow-Geräusche) zu hören. Deren Verschwinden definiert den diastolischen Blutdruckwert.
Der Blutdruck sollte bei jeder Erstuntersuchung an beiden Armen gemessen werden, um evtl. Seitendifferenzen als möglichen Hinweis auf Gefäßstenosen auszuschließen. So ist bei einem Blutdruckunterschied von mehr als 20 mmHg an eine Aortenisthmusstenose oder eine Stenose der A. subclavia an dem zu niedrig gemessenen Arm zu denken. Tabelle 2 zeigt die Einteilung der Blutdruckwerte nach JNC (Joint National Committee on Detection of High Blood Pressure) und das daraus resultierende Vorgehen.
Da sowohl der normale als auch ein chronisch erhöhter Blutdruck situativen, emotionalen und körperlichen Einflüssen unterliegen, sollte für die Abklärung einer arteriellen Hypertonie mindestens dreimal im Sitzen zu drei unterschiedlichen Zeitpunkten gemessen werden.

Beurteilung des Jugularvenenpulses

Die Inspektion des Jugularvenenpulses kann bei der kardiovaskulären Untersuchung wichtige Informationen über den Rückstrom des Blutes zum rechten Herzen geben. Hierfür liegt der Patient in 45-Oberkörperhochlage auf der Untersuchungsliege und neigt seinen Kopf etwas zur Seite. Lateral des M. sternocleidomastoideus und oberhalb der Klavikula kann der Jugularvenenpuls inspektorisch beurteilt werden ( Abb. 6). Bei Vorhofflimmern oder einer absoluten Arrhythmie fehlt aufgrund der nicht vorhandenen Vorhofkontraktion die a-Welle. Bei einer Trikuspidalinsuffizienz imponiert eine eingipflige hohe Welle durch den Rückstrom des Blutes in die V. cava.

Messung des Jugularvenendrucks

Die Blutfüllung der Halsvenen korreliert mit dem zentralvenösen Druck. Somit zeigt eine Stauung der Halsvenen eine Einflussstauung am rechten Herzen an, wie sie bei Rechtsherzinsuffizienz, Trikuspidalinsuffizienz, Herzbeuteltamponade oder Lungenembolie vorkommen kann. Auch bei dieser Untersuchung liegt der Patient in 45-Oberkörperhochlage, den Kopf leicht zur Seite gedreht. Zunächst bestimmt man den Manubriosternalgelenkwinkel ( Abb. 6) und misst dann den Abstand zum höchsten Punkt der Venenfüllung. Bei Normalbefund liegt die Venenfüllung bei weniger als 4 cm über dem Manubriosternalwinkel. Eine Halsvenenfüllung über 4 cm wird als pathologisch gewertet und muss weiter abgeklärt werden.

Zusammenfassung

  • Puls- und Blutdruckmessung sind als Vitalparameter Bestandteil jeder körperlichen Untersuchung.

  • Mögliche Ursachen einer Tachykardie sind Anstrengung, Herzversagen, Hyperthyreose, Anämie, Schmerzen oder Fieber.

  • Mögliche Ursachen einer Bradykardie sind ein Ruhepuls bei Sportlern, Hypothyreose, Erregungsleitungsblock oder medikamentöse Therapie (z. B. Digitalis, -Blocker).

  • Ein Pulsus parvus et tardus spricht für eine Aortenstenose, ein Pulsus celer et altus für eine Aorteninsuffizienz.

  • Der RR unterliegt situativen, emotionalen und körperlichen Einflüssen.

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