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B978-3-437-42107-5.50020-X

10.1016/B978-3-437-42107-5.50020-X

978-3-437-42107-5

Typische Stellen der Arterienpalpation und -auskultation [3]

Allen-Test bei einem Verschluss der A. ulnaris. [3]

Lagerungsprobe nach Ratschow. Akrale Durchblutungsstörung mit Weißfärbung. [3]

Trophische Störungen der Haut.

Tab. 3
Symptom Beschreibung Beispiel
Beinglatze Fehlende Beinbehaarung Schwere pAVK
Trockene Gangrän Schwarzer, trockener, klar abgrenzbarer Gewebedefekt pAVK (Stadium IV)
Feuchte Gangrän Feuchter, infizierter, unscharf begrenzter Gewebedefekt Diabetische Mikroangiopathie
Venöses Ulkus Oberhalb des Innen- oder Außenknöchels mit typischen Hautveränderungen CVI
Ulkus Schmerzhaftes, ausgestanztes, scharf begrenztes Ulkus an schlecht durchbluteten Bereichen wie Fußrücken, Innen- und Außenballen pAVK, Tropenkrankheiten

Pathologische Veränderungen der Hautfarbe.

Tab. 4
Symptom Beschreibung Beispiel
Blässe Verminderter arterieller Zustrom bei normaler Entleerung der Venen pAVK, Raynaud-Syndrom, akuter arterieller Verschluss
Marmorierung Blasse Haut mit felderartiger rötlich-bläulicher Zeichnung pAVK, Schock, aber auch Normalbefund
Heiße Röte Entzündlicher Prozess Diabetischer Fuß, Erysipel
Kalte Röte Schwere Minderdurchblutung mit maximaler Weitstellung der postkapillären Venen Ischämische Lähmung der vasalen Innervation
Zyanose Blaufärbung der Haut bei hoher Sauerstoffausnutzung des Blutes, auch bei eingeschränktem venösen Abfluss Funktionelle Durchblutungs störungen, Herzinsuffizienz, Phlebothrombosen

Kardiovaskuläre Untersuchung III

Untersuchung der peripheren Gefäße

Die Untersuchung des Gefäßsystems ist ein wichtiger Bestandteil der kardiovaskulären Untersuchung. Sowohl Inspektion als auch Palpation des arteriellen und venösen Gefäßsystems erfolgen stets im Seitenvergleich.

Arterielles Gefäßsystem

Der häufigste Leitbefund arterieller Durchblutungsstörungen ist der Schmerz (Claudicatio). Aber auch eine abgeschwächte Sensitivität, Missempfindungen und Kältegefühl können Ausdruck einer schweren Durchblutungsstörung sein. Diese Symptome sind – wie die Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen – bereits anamnestisch zu erfragen.
Inspektion
Bei der Inspektion muss als mögliches Resultat einer Durchblutungsstörung besonders auf Hautfarbe und Hauttrophik geachtet werden. Während die gestörte Hauttrophik Zeichen einer chronisch eingeschränkten Sauerstoffbzw. Nährstoffzufuhr ist ( Tab. 3), zeigt eine pathologisch veränderte Hautfarbe ( Tab. 4) meist eine akute lokale oder systemische Störung an.
Palpation/Auskultation
An den in Abbildung 7 gezeigten Stellen wird der Patient von kranial beginnend im Seitenvergleich palpiert und auskultiert. Bei der Palpation werden in jedem Fall die A. carotis, A. subclavia, A. ulnaris, A. radialis, A. femoralis, A. poplitea, A. tibialis posterior und A. dorsalis pedis untersucht. Wichtig ist die Beurteilung der Pulsstärke, welche als sehr kräftig, normal, abgeschwächt oder fehlend charakterisiert werden kann. So können beispielsweise die Lokalisation einer Gefäßstenose oder auch die Ausdehnung einer pAVK bestimmt werden.

Ein Puls lässt sich i. d. R. erst bei einer 90 igen Lumeneinengung des Gefäßes nicht mehr tasten.

Mithilfe des Stethoskops werden die Arterien auf evtl. Strömungsgeräusche hin auskultiert. Diese entstehen durch die Erhöhung der Blutflussgeschwindigkeit aufgrund von Stenosen (ab 70 Lumeneinengung) oder arteriosklerotischen Wandveränderungen. Hierbei achtet man auf den Geräuschcharakter und die Frequenz des Geräuschs. Je höherfrequent das auskultierte Strömungsgeräusch ist, desto hochgradiger ist die Stenose einzustufen.
Spezielle Funktionstest
Funktionelle Tests dienen der weiteren diagnostischen Abklärung von Beschwerden, indem die Leistungsreserven der Patienten erfasst und beurteilt werden.
Gehtest
Der Patient läuft auf einer abgemessenen Strecke mit einer Geschwindigkeit von einem Doppelschritt/Sek. Liegt eine arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) vor, zeigt sich nach einer bestimmten Gehstrecke ein belastungsinduzierter Schmerz (Claudicatio intermittens), der ein Weitergehen unterbindet. Zeitdauer und Gehstrecke bis zum Auftreten der ersten Beschwerden werden zur Stadieneinteilung der pAVK nach Fontaine (s. S. 45, Tab. 4) herangezogen.
Allen-Test
Mit dem Allen-Test überprüft man den regelrechten Durchfluss der A. radialis und A. ulnaris. Dazu werden die beiden Unterarmarterien komprimiert, der Patient wird zum wiederholten Faustschluss aufgefordert ( Finger werden blass). Ist die Durchblutung der Hand nach Dekompression der A. ulnaris verzögert ( Abb. 8) bzw. bleibt sie aus, spricht das für deren Verschluss. Bei V. a. einen Verschluss der A. radialis wird der Test umgekehrt durchgeführt.

Der Allen-Test muss vor jeder Punktion der A. radialis durchgeführt werden!

Lagerungsprobe nach Ratschow
Diese kann sowohl an den Armen als auch an den Beinen durchgeführt werden und gibt einen bedeutenden Hinweis auf ein arterielles Strombahnhindernis. Der Patient hebt seine Extremitäten (je nach Fragestellung entweder Arme oder Beine) für ca. 1 Min. maximal an und führt gleichzeitig in den Sprungbzw. Handgelenken Kreisbewegungen durch. Danach werden Arme/Beine hängen gelassen ( Abb. 9). Normalerweise sollte es nach 5 – 7 Sek. zu einer reaktiven Hyperämie mit anschließender Venenfüllung kommen. Ist dies nicht der Fall, so ist von einem Strombahnhindernis auszugehen.

Bei Verdacht auf eine schwere pAVK ist dieser Test kontraindiziert!

Venöses Gefäßsystem

Ziel ist es, die Beschwerden des Patienten und die Symptome dem oberflächlichen oder tiefen Venensystem zuzuordnen.
Inspektion/Palpation
Für eine adäquate Beurteilung der Venen ist es wichtig, den Patienten im Liegen und Stehen zu inspizieren. Im Stehen lässt sich neben der Hautfarbe (Blässe, Ödeme, Zyanose) und dem Beinumfang auch die Hauttrophik (Pigmentverschiebungen, Ulzera, Ulkusnarben) beurteilen. Bei einer Phlebothrombose lassen sich sog. Signalvenen, eine auffällige Venenzeichnung der oberflächlichen Venen, erkennen. Bei einer Stammvarikose kann man Varizenstränge entlang der Innenseite des Beins tasten.
Spezielle angiologische Funktionstest
Trendelenburg-Test
Dieser Test überprüft die Klappenfunktion der Vv. saphenae magna, parva sowie der Perforansvenen und dient der Diagnostik einer Stammvenen- oder Perforansvenenvarikose. Hierbei werden die Varizen beim mit erhobenen Beinen liegenden Patienten nach proximal ausgestrichen und die V. saphena magna unterhalb der Leiste mithilfe eines Stauschlauchs komprimiert. Anschließend steht der Patient unter Beobachtung der Venenfüllung auf. Während es beim Gesunden aufgrund funktionierender Vv. perforantes zu einer langsamen Füllung der V. saphena magna kommt, verläuft die Venenfüllung beiinsuffizienten Perforansvenen wesentlich schneller.
Perthes-Test
Dieser Test dient der Überprüfung der Vv. perforantes sowie der tiefen Beinvenen. Nach Anlage eines Stauschlauchs oberhalb des Knies geht der Patient eine Weile umher. Eine Entleerung der Varizen aufgrund der Muskelpumpe beweist funktionierende Vv. perforantes und tiefe Beinvenen. Eine ausbleibende Entleerung der Varizen weist auf eine Abflusshinderung der tiefen Beinvenen hin.

Zusammenfassung

  • Die Beurteilung der Hautfarbe und Hauttrophik ist für die klinische Untersuchung des Gefäßsystems (venös und arteriell) richtungsweisend.

  • Die Palpation der Pulse ermöglicht die Lokalisation von Durchblutungsstörungen.

  • Je höherfrequent ein Strömungsgeräusch, desto hochgradiger ist die Stenose.

  • Der Gehtest ist diagnostisch wichtig zur Stadieneinteilung einer pAVK nach Fontaine.

  • Eine Unterscheidung zwischen oberflächlicher und tiefer Beinvenenthrombose ist mittels Inspektion, Palpation und Funktionstests möglich.

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