© 2020 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-42107-5.50052-1

10.1016/B978-3-437-42107-5.50052-1

978-3-437-42107-5

Hackengang. [8]

Zehengang. [8]

Seiltänzergang. [8]

Gangbilder bei verschiedenen neurologischen Störungen. Nach [33]

Tab. 1
Störungsbild Gangbild
M. Parkinson Oberkörper nach vorn gebeugt, Startschwierigkeiten, kurze, schlurfende Schritte, verminderte bzw. fehlende Mitbewegung der Arme, Schwierigkeiten beim Überwinden kleiner Hindernisse
Zerebelläre Ataxie Unsicher, schwankend, Fallneigung trotz offener Augen, keine visuelle Kontrolle möglich
Peroneuslähmung Steppergang aufgrund einer Fußheberschwäche, Anheben des Fußes durch eine Kniebeugung
Muskeldystrophien Watschelgang aufgrund einer proximalen Muskelschwäche
Spastische Hemiparese Wernicke-Gang, kreisförmige Außenbewegung des gestreckten Beins; Arm, Ellbogen-, Hand- und Fingergelenke sind adduziert und flektiert
Beidseitige Spastik Scherengang, beide Beine sind gestreckt und werden langsam nach vorn geführt
Polyneuropathie Unsicher, schwankend, mit Blick zum Boden, visuelle Kontrolle noch möglich

Koordination

Die Koordination ermöglicht ein synergistisches Zusammenwirken verschiedener Muskelgruppen und kann bei Läsionen im peripheren oder zentralen Nervensystem erheblich gestört sein. Die Überprüfung umfasst die Untersuchung des Gangbildes, der Feinmotorik und der Zielbewegungen. Koordinationsstörungen sind meist ein Zeichen von Kleinhirnläsionen und fallen häufig wegen Gangstörungen der Geschädigten auf.

Untersuchung/Befunde
Gangbild/Gleichgewicht
Schon bei der Inspektion des Patientengangs können Auffälligkeiten, wie z. B. Taumeln, Unsicherheiten, Fallneigung, fehlendes Mitbewegen der Arme bemerkt werden. Erschwerte Gangproben wie der Hacken-, Zehen- und Seiltänzergang ( Abb. 1 – 3) können Hinweise auf eine Ataxie sein.
Ataxie
Die Ataxie bezeichnet eine Störung der Koordination. Diese kann durch zerebelläre (Kleinhirnläsionen), spinale (Hinterstrangläsionen) oder vestibuläre (Schädigung des Vestibularapparats) Ursachen entstanden sein. Zeichen einer Ataxie sind Störungen der Okulomotorik, Dysarthrie, Diadochokinese oder eine Rumpf-, Stand- und Gangataxie. Eine genauere Abklärung der Ataxie ermöglichen die folgenden Untersuchungen;
  • Romberg-Versuch: Der Patient versucht bei geschlossenen Augen, eng zusammenstehenden Füßen und nach vorn ausgestreckten Armen, das Gleichgewicht zu halten. Eine sich hier entwickelnde Fallneigung beweist eine Ataxie. Während bei einer spinalen Ataxie die Fallneigung bei geschlossenen Augen deutlich zunimmt (Romberg positiv), ist eine zerebelläre Ataxie von der optischen Kontrolle völlig unabhängig und kann nicht ausgeglichen werden (Romberg negativ). Das pathologische Romberg-Zeichen ist am häufigsten durch eine Schädigung der Hinterstrangbahnen verursacht.

  • Unterberger-Tretversuch: Der Patient tritt ungefähr 50-mal mit geschlossenen Augen auf der Stelle. Kommt es hierbei zu einer Körperdrehung über 45, so ist eine pathologische Läsion des homolateralen Vestibularapparats bzw. des Kleinhirns anzunehmen.

Apraxie
Als Apraxie bezeichnet man eine Störung integrierter Bewegungsund Handlungsabläufe bei erhaltener Motorik und Koordination. Als Ursache wird eine zentralnervöse Störung angenommen. Hier unterscheidet man;
  • Ideatorische Apraxie: Logische Handlungsabläufe können nicht korrekt durchgeführt werden.

  • Ideomotorische Apraxie: Unfähigkeit, gezielte gestische oder mimische Bewegungen durchzuführen

  • Konsekutive Apraxie: Gezielte Handlungen können nicht durchgeführt werden.

Gangstörungen
Die Kenntnis pathologischer Gangbilder ist differenzialdiagnostisch von großem Vorteil. In Tabelle 1 sind die häufigsten Gangstörungen aufgeführt.
Feinmotorik
Die Feinmotorik lässt sich anhand der Durchführung schneller Wechselbewegungen (sog. Diadochokinese) und des sog. Rebound-Phänomens untersuchen.
Diadochokinese
Hier gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Beispielsweise kann man den Patienten schnelle Supinations-Pronations-Bewegungen ausführen lassen, oder der Patient wird aufgefordert, abwechselnd mit der Handfläche und dem Handrücken auf seinen Oberschenkel zu schlagen. Bei einem gestörten Bewegungsablauf spricht man von einer Dysdiadochokinese, bei verlangsamter Bewegung von Bradydiadochokinese. Einen völlig ungezielten, arrhythmischen Bewegungsablauf nennt man Adiadochokinese.
Rebound-Phänomen
Um das Rebound-Phänomen zu testen, hält der Patient seinen Unterarm gegen den Widerstand des Untersuchers in Beugestellung. Der Untersucher lässt den Arm plötzlich los und beobachtet die Bewegung des Unterarms. Ein pathologisches Rebound-Phänomen tritt auf, wenn eine überschießende Bewegung aufgrund einer verspätet einsetzenden Antwort des Antagonisten erfolgt. Das muskuläre Zusammenspiel von Agonist und Antagonist ist meist aufgrund einer Kleinhirnschädigung gestört.
Zielbewegungen
Eine seitenvergleichende Überprüfung von zielgerichteten Bewegungen der oberen und unteren Extremität kann ataktische Störungen des Patienten offenbaren. Verfehlt der Patient die vorgegebenen Ziele (z. B. Nase, Patella), so spricht man von einer Dysmetrie. Über das Ziel hinausschießende Bewegungen werden als hypermetrisch bezeichnet. Fällt die Bewegung in Richtung des Ziels zu kurz aus, wird dies als Hypometrie bezeichnet. Es stehen folgende Tests zur Verfügung;
  • Finger-Folge-Versuch: Der Patient sitzt dem Untersucher gegenüber und versucht, mit seinem Zeigefinger dessen Finger zu treffen. Der Untersucher bewegt hierbei seinen Finger in Horizontal- und Vertikalebene vor sich her.

  • Finger-Nase-Versuch: Der Patient versucht, bei geschlossenen Augen mit seinem Zeigefinger langsam und in einem großen Kreis seine eigenen Nasenspitze zu treffen.

  • Knie-Hacke-Versuch: Der liegende Patient versucht, mit seiner Ferse die Patella des anderen Beins zu treffen und entlang der Tibiakante nach distal zu gleiten.

Zusammenfassung

  • Koordination ist das synergistische Zusammenwirken von verschiedenen Muskelgruppen.

  • Koordinationsstörungen haben meist Schädigungen des Kleinhirns als Ursache.

  • Erschwerte Gangproben sind Zehen-, Hacken- und Seiltänzergang.

  • Eine Ataxie bezeichnet eine Störung der Koordination und kann zerebellärer, spinaler oder vestibulärer Ursache sein.

  • Die Apraxie ist eine Störung integrierter Bewegungsabläufe bei erhaltener Motorik und Koordination.

  • Die Feinmotorik wird mit den Tests der Diadochokinese und des Rebound-Phänomens überprüft.

  • Mit Finger-Nase-Versuch und Knie-Hacke-Versuch lassen sich die Zielbewegungen des Patienten testen.

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen