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B978-3-437-42107-5.50012-0

10.1016/B978-3-437-42107-5.50012-0

978-3-437-42107-5

Charakteristisches Gesicht bei Akromegalie. [1]

Charakteristisches Gesichtsprofil bei M. Parkinson. [1]

Charakteristisches Gesicht bei a) Hyperthyreose bzw. b) Hypothyreose. [9]; [1]

Palpation der Nervenaustrittspunkte (NAP). [8]

Perkussion des Mastoids bei Verdacht auf Mastoiditis. [8]

Differenzialdiagnosen zum Kopfschmerz.

Tab. 1
Kopfschmerzart Klinik
Spannungskopfschmerz Häufigste Kopfschmerzform, dumpfer, drückender Dauerkopfschmerz im Nacken- und Hinterkopfbereich, Ausstrahlung über Schädelkalotte bis zur Stirn, mögliche Ursachen sind Verspannungen kopfnaher Muskeln
Migräne Meist halbseitiger, pulsierender, heftiger Kopfschmerz im Stirn-, Orbital-, Schläfenbereich, Verstärkung durch Licht oder Geräusche, vegetative Begleitsymptome (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Geräuschempfindlichkeit, Lichtscheu), psychische Begleitsymptome (Reizbarkeit, Affektlabilität), Triggerfaktoren sind Anspannung, Angst, Stress, endokrinologische Faktoren, Nahrungsmittelintoleranzen (Alkohol, Käse, Schokolade), Wetterumschwung (Föhn), Schlafmangel
Clusterkopfschmerz Anfallartige, heftigste Schmerzen um Auge, Stirn, Schläfe; gerötetes, tränendes Auge, verstopfte Nase, besonders einseitiges Auftreten, meist sind junge Männer betroffen
Kopfschmerzen infektiöser Genese Meist akut beginnender, dumpfer Kopfschmerz mit Begleitsymptomen (Fieber, Nackensteifigkeit, Fotophobie, Krampfanfälle)
Kopfschmerzen vaskulärer Genese Akuter Vernichtungskopfschmerz bei Subarachnoidalblutung, unilateraler plötzlicher heftiger Kopfschmerz bei Sinusvenenthrombose, Sehstörungen und Druckschmerz über der A. temporalis bei Arteriitis temporalis
Medikamentös induzierter Kopfschmerz Nach Absetzen von Analgetika oder als Reaktion auf Nitrate
Tumorbedingter Kopfschmerz Vom Tumorwachstum abhängiger Kopfschmerz (plötzlich oder langsam progredient) mit Erhöhung des Hirndrucks (Hirndruckzeichen; schwallartiges Erbrechen, Krampfanfälle)

Kopf und Gesicht

Die Kopfform und das Gesicht eines Patienten geben dem Untersucher viele erste Informationen über dessen Verfassung, ohne überhaupt mit ihm gesprochen zu haben. So lassen sich in der Mimik und Gestik neben dem allgemeinen Gesundheitszustand und Emotionen auch Schmerzen oder Leiden herauslesen. In puncto Größe, Form und Proportionen des Kopfes gibt es eine große Variationsbreite. Eine pathologische Vergrößerung wird als Makrozephalie bezeichnet. Hauptursache hierfür ist der Hydrozephalus, dem eine Liquorabflussstörung zugrunde liegt. Eine Verkleinerung des Kopfes wird als Mikrozephalie bezeichnet.

Das sehr häufig angegebene Symptom Kopfschmerzen hat die in Tabelle 1 gezeigten Differenzialdiagnosen.

Inspektion
Eine genaue Inspektion lässt neben offensichtlichen Grunderkrankungen auch Rückschlüsse auf diskretere Veränderungen zu. So kann der geübte Untersucher aus dem Gesicht seiner Patienten eine Anämie (blasse Haut), eine Zyanose (Blaufärbung bei O2-Mangel), eine Polyglobulie (Rotblaufärbung) oder auch einen Ikterus (Gelbfärbung bei Lebererkrankungen) als Hinweise für entsprechende Grunderkrankungen lesen. Aber auch endokrine Störungen lassen sich im Gesicht des Patienten erkennen. So wirkt das Gesicht bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose, Abb. 3a) aufgrund des Phänomens des Exophthalmus oft angespannt und ängstlich. Bei einer Hypothyreose ( Abb. 3b) hingegen ist es aufgedunsen, die Haare wirken stumpf, struppig und spröde. Das typische Äußere eines Menschen mit Akromegalie zeigt Abbildung 1. Das Gesicht eines Patienten mit M. Parkinson wirkt mimisch starr, blass und wächsern (auch Maskengesicht genannt, Abb. 2). Das Cushing-Gesicht, als Folge einer Überfunktion der Nebennierenrinde oder einer Kortisontherapie, imponiert als hochrotes Vollmondgesicht. Xanthelasmen, gelblich gefärbte und beetartige Hauteinlagerungen im Oberlidbereich, sind mit einer Hyperlipoproteinämie assoziiert. Als pathognomonisches Bild eines Lupus erythematodesgilt ein blaurotes Schmetterlingserythem um Nasenrücken und Wangen. Zu achten ist auf Asymmetrien als Zeichen von Tumoren und auf Muskeloder Nervenlähmungen (z. B. Fazialisparese). Brillen- oder Monokelhämatome sind Einblutungen in das periaurikuläre Gewebe und weisen auf eine Schädelbasisfraktur hin.
Palpation
Für die Palpation werden beide Hände genommen. Zunächst wird die Schädel-kalotte auf Unebenheiten, Vorwölbungen (Stirnbein bei M. Paget), Eindellungen (DD Plasmozytom) und Druckschmerzhaftigkeit abgetastet. Durch ein Beklopfen und Betasten der einzelnen Regionen (frontal, parietal, okzipital) lässt sich ein bis dahin diffuser Kopfschmerz näher lokalisieren. Die Palpation der Nervenaustrittspunkte (NAP) des N. trigeminus erlaubt eine Aussage über eine bestehende Trigeminusneuralgie bzw. entzündliche Prozesse der jeweiligen Nasennebenhöhlen. Der Untersucher übt leichten Druck auf die Foramina supraorbitale (N. supratrochlearis), infraorbitale (N. infraorbitalis) und mentale (N. mentalis) aus ( Abb. 4). Bei Druckempfindlichkeit bzw. Schmerzen über dem Foramen supraorbitale solltean eine Sinusitis frontalis, über dem Foramen infraorbitale an eine Sinusitis maxillaris und über dem Foramen mentale an entzündliche Zahnerkrankungen gedacht werden. Besonders bei älteren Menschen ist auch die temporal verlaufende A. temporalis auf evtl. Druckschmerzhaftigkeit oder Verhärtungen als Hinweis auf eine Riesenzellarteriitis zu prüfen.
Perkussion
Mithilfe der Perkussion fahndet der Untersucher nach Frakturen, entzündlichen und neoplastischen Prozessen. Hierfür beklopft er mit seinem Zeigeoder Mittelfinger die einzelnen Regionen der Schädelkalotte, das Mastoid ( Abb. 5) und die Projektionsareale der Nasennebenhöhlen (NNH) und achtet auf die Angabe eines Klopfschmerzes.
Funktionsüberprüfung
Das Überprüfen einzelner Organe des Kopfes und der Hirnnerven wird in den entsprechenden Kapiteln abgehandelt.

Zusammenfassung

  • Aus dem Gesicht des Patienten lassen sich viele wichtige Informationen über dessen physische und psychische Verfassung ablesen.

  • Spannungskopfschmerzen sind die wohl am häufigsten behandelten Beschwerden.

  • Verschiedene endokrinologische Erkrankungen (Hyper-, Hypothyreose) lassen sich bereits im Gesicht des Patienten erkennen.

  • Die Palpation der Nervenaustrittspunkte dient der Diagnostik von Neuralgien und Nasennebenhöhlenentzündungen.

  • Die Perkussion einzelner Regionen des Schädels dient der Diagnostik von Frakturen, Entzündungen und Tumoren.

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