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B978-3-437-42107-5.50042-9

10.1016/B978-3-437-42107-5.50042-9

978-3-437-42107-5

Pathologische Veränderungen der Urinfarbe (nach [15]).

Tab. 3
Farbe Mögliche Befunde
Rot Makrohämaturie (sichtbare Rotfärbung des Urins, ab 1 ml Blut/l Urin) Hämoglobinurie (z. B. durch Hämolyse) nach Einnahme von pyrazolonhaltigen Analgetika
Schwarz Seifenhämolyse (nach Abort) Melaninurie (bei metastasierendem Melanom)
Braun Bilirubinurie (bei hepatozellulärem und cholestatischem Ikterus)
Trüb Bakteriurie Pyurie (milchig-eitrige Trübung bei schwerer Infektion) Proteinurie (prärenal oder glomerulär) Lipidurie

Leitsymptome des Urogenitaltrakts III

Ableitende Harnwege

Das urologische System umfasst mehrere Organe, darunter die Nieren, Harnleiter (Ureteren), die Harnblase sowie die Harnröhre (Urethra). Zusätzlicher Bestandteil beim Mann ist die Prostata. Die folgenden Leitsymptome werden von männlichen und weiblichen Patienten häufig angegeben.

Schmerzen

Bei der Befundbeschreibung seitens des Arztes wird oftmals der Begriff Dysurie verwendet. Dieser Terminus ist doppeldeutig. Zum einen beschreibt er ein erschwertes Wasserlassen bei Harnwegsobstruktionen (z. B. durch Prostatahyperplasie), zum anderen werden hierzu auch Schmerzen oder Brennen (sog. Algurie) als Hinweis auf Infekte gezählt. Je nach empfundener Schmerzqualität, die der Patient möglichst genau angeben sollte, lässt sich auf den Entstehungsort rückschließen.
Nierenschmerzen
Schmerzen im Nierenbereich entstehen durch die Dehnung der empfindlichen Nierenkapsel und werden meist als sich langsam entwickelnd, dumpf und drückend mit Lokalisation in den Flanken beschrieben. Erkrankungen, die solche Schmerzen auslösen können, sind z. B. Entzündungen (Glomerulonephritiden) und Neoplasien. Davon unterscheidet sich die Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis), mit meist akut einsetzenden Schmerzen und Symptomen wie Fieber, Übelkeit und Erbrechen.
Blasenschmerzen
Schmerzen im Bereich der Harnblase sind meist mit Entzündungen (Zystitiden) assoziiert und treten v. a. bei der Miktion auf. Es imponieren ein Brennen und ziehende Schmerzen, die sich zum Ende der Miktion verstärken und suprapubisch ausstrahlen können.
Ureterschmerzen
Schmerzen im Bereich der Harnleiter sind meist kolik- und krampfartig, von den Flanken gürtelförmig nach vorn bis in die Hoden bzw. Labien ziehend. Hauptursache dieser von den Patienten als sehr unangenehm empfundenen Schmerzen sind in den Harnleitern festsitzende Steinkonkremente.

Miktionsstörungen

Unter Miktionsstörungen versteht man im Allgemeinen Beschwerden bei der Blasenentleerung mit Abweichungen in der Miktionsfrequenz, Schmerzen oder auch der Unfähigkeit, die Miktion zu kontrollieren.
Strangurie/Algurie
Diese Begriffe beschreiben Schmerzen und Krämpfe beim Wasserlassen im Bereich der Blase und der Harnröhre. Sie treten v. a. bei Entzündungen, so z. B. bei Zystitiden oder Urethritiden, auf.
Nykturie
Nykturie beschreibt ein vermehrtes nächtliches Wasserlassen. Am häufigsten kommt dieses Symptom im Rahmen einer Herzinsuffizienz, aber auch bei Abflussbehinderungen oder verminderter Blasenkapazität vor.
Pneumaturie
Eine Pneumaturie ist die Ausscheidung von Gasen mit dem Urin. Dies kann bei Harnwegsinfekten, Blasen-Darm-Fisteln, aber auch bei Tumoren vorkommen.
Veränderung des Harnstrahls
Eine Abschwächung des Harnstrahls, Nachtröpfeln des Urins oder auch ein verdrehter Harnstrahl lassen auf Stenosen bzw. Strikturen im Bereich der Harnröhre (z. B. bei Prostataadenom) schließen.
Enuresis
Unter Enuresis versteht man das – für die ersten drei Lebensjahre normale – Bettnässen. Sind Kinder über dieses Alter hinaus nicht trocken, bezeichnet man dies als primäre Enuresis. Waren Kinder bereits trocken und fangen aufgrund verschiedenster organischer oder psychischer Ursachen wieder an einzunässen, spricht man von einer sekundären Enuresis.
Harninkontinenz
Zu einem unwillkürlichen Urinabgang kommt es aufgrund verschiedener Funktionsstörungen der Blase. Diese können durch Infektionen, insuffiziente Sphinktermuskulatur, Fremdkörper, Harnsteine, neurologische Dysfunktionen oder Neoplasien ausgelöst werden. Bei der Drang- oder Urge-Inkontinenz besteht ein unerträglicher Harndrang mit nicht abzuwendendem Urinabgang. Diese Form der Inkontinenz ist typisch für Harnwegsinfektionen, Blasensteine oder -tumoren. Die Stressinkontinenz bezeichnet einen Urinabgang ohne Harndrang bei körperlicher Belastung wie Niesen, Husten oder sportlichen Aktivitäten. Pathologische Grundlage ist hier eine insuffiziente Beckenbodenmuskulatur, die meist bei Frauen postpartal zu beobachten ist. Bei der Überlaufinkontinenz kommt es zum Urinabgang bei überdehnter, prall gefüllter Blase. Verantwortlich ist hier meist eine Obstruktion, beispielsweise bei Prostataadenom. Die Reflexinkontinenz ist gekennzeichnet durch unwillkürliche Blasenkontraktionen ohne Harndrang infolge Läsionen des Rückenmarks oberhalb des Miktionszentrums (S2–S4).
Abbildung 8 zeigt das Vorgehen bei Differenzierung der Harninkontinenz ohne Vorliegen eines neurogenen Schadens.
Harnverhalt
Ein Harnverhalt liegt vor, wenn der Patient unfähig ist, seine Blase zu entleeren. Dies geht i. d. R. mit imperativem Harndrang und starken suprapubischen Schmerzen einher. Gründe sind Blasenfunktionsstörungen bzw. Harnabflussbehinderungen mechanischer, psychischer oder neurogener Ursache.

Differenzierung der Harninkontinenz ohne neurogene Schäden. [44]

Pathologisches Harnvolumen

Das Harnvolumen eines gesunden Menschen beträgt bei normaler Flüssigkeitszufuhr ca. 1,5 l/d. Eine Abnahme des Harnvolumens auf 500 ml/d wird als Oligurie, auf 100 ml/d als Anurie bezeichnet. Verantwortlich hierfür können sowohl eine zu geringe Flüssigkeitszufuhr als auch ein akutes Nierenversagen sein. Unter einer Polyurie versteht man eine Harnmenge von 3 l/d. Dieser Zustand ist u. a. im Rahmen eines Diabetes mellitus bzw. insipidus oder einer Diuretikatherapie zu beobachten. Die Pollakisurie, als typisches Symptom der Zystitis, ist definiert als häufiger Harndrang und Entleerung kleiner Harnmengen.

Farbveränderungen des Harns

Farbe und Aussehen des Urins können wichtige differenzialdiagnostische Hinweise auf zugrunde liegende Erkrankungen geben. Die normale Farbe des Urins ist klar und hellgelblich. Je nach Flüssigkeitszufuhr und Harnkonzentrationsfähigkeit der Niere variiert diese allerdings – bei verminderter Flüssigkeitszufuhr ist der Urin dunkelgelb, bei gesteigerter Zufuhr, aber auch bei Diuretikatherapie, Diabetes mellitus bzw. insipidus hell und farblos. Ein blasig aufschäumender Urin ist u. a. ein Zeichen für eine Proteinurie. Tabelle 3 zeigt die wichtigsten Farbveränderungen und mögliche Befunde.
Hämaturie
Eine Blutbeimischung im Urin kann sowohl makroskopisch (Makrohämaturie) als auch lediglich mikroskopisch nachweisbar (Mikrohämaturie, bei 2 Erythrozyten/Gesichtsfeld) vorkommen. Ätiologisch kommen unterschiedliche Faktoren wie Harnsteine, Tumoren, Fremdkörper, Fehlbildungen, Infektionen oder traumatische Rupturen im gesamten Urogenitalsystem infrage. Hier helfen anamnestische Angaben über den Schmerzcharakter entscheidend weiter. Während eine schmerzlose Hämaturie immer tumorverdächtig ist, kommen bei kolikartigen Schmerzen eher Harnleitersteine, bei persistierenden Schmerzen eher Entzündungen oder Traumen infrage. Aber auch an eine Kontamination des Urins mit Blut aus dem Rektum bzw. mit Menstruationsblut ist möglich.

Jede Hämaturie muss unter der Annahme eines Tumors abgeklärt werden.

Erste Hinweise auf die Lokalisation der Blutungsquelle können Sie mittels der Zwei-Gläser-Probe bekommen;
  • Der Patient wird gebeten, hintereinander in zwei Gläser zu urinieren, und die Färbung der beiden Gläser wird begutachtet. Sind beide Harnportionen gleich gefärbt, ist eine Blutung im Bereich der Niere bzw. Blase anzunehmen, ist die erste Harnportion rötlich verfärbt, die zweite allerdings klarer, so spricht dies für eine distale Blutung, z. B. im Bereich der Harnröhre.

Ödeme

Ödeme können neben kardiovaskulären Ursachen auch im Rahmen von renalen Erkrankungen, wie z. B. beim nephrotischen Syndrom, vorkommen. Periphere Ödeme sind besonders prätibial und in der Knöchelregion zu finden; zentrale Ödeme hingegen imponieren v. a. durch Flüssigkeitseinlagerungen im Gesicht (besonders periorbital).

  • Die Nierenbeckenentzündung setzt meist mit akuten Schmerzen ein und ist begleitet von Symptomen wie Fieber, Übelkeit und Erbrechen.

  • Als Nykturie bezeichnet man das nächtliche Wasserlassen.

  • Die Stressinkontinenz ist Zeichen einer insuffizienten Beckenbodenmuskulatur, welche meist bei Frauen postpartal zu beobachten ist.

  • Bei einer Oligurie beträgt die Harnausscheidung pro Tag 500 ml, bei einer Anurie 100 ml.

  • Eine schmerzlose Hämaturie ist immer tumorverdächtig und muss deshalb abgeklärt werden.

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