© 2020 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-42107-5.50067-3

10.1016/B978-3-437-42107-5.50067-3

978-3-437-42107-5

Hand- und Fingerdeformitäten bei rheumatoider Arthritis. [1]

Typische Vorfußdeformität bei rheumatoider Arthritis. [1]

Akute Monarthritis bei einem Gichtanfall. [1]

Formen des Bandscheibenprolapses. [10]

Ursachen von Gelenkschmerzen und deren Lokalisation/Gelenkbefall.

Tab. 1
Ursachen Lokalisation/Gelenkbefall
Gicht, Trauma, reaktive bzw. septische Arthritis Monarthritis/Oligoarthritis
Virale Infekte, Kollagenosen Polyarthritis, symmetrisch
M. Bechterew, Psoriasis-Arthritis, septische Arthritis Polyarthritis, asymmetrisch
Gicht Meist Großzehengrund-, seltener Sprung- und Kniegelenk
Psoriasis-Arthritis Extremitäten im Strahl (MCP, PIP, DIP)
Rheumatoide Arthritis MCP, PIP, symmetrisch
Fingerpolyarthrose DIP, asymmetrisch

Diagnosekriterien des American College of Rheumatology.

Tab. 2
1 Morgendliche Steife in einem Gelenk von mindestens 1 Std. Dauer
2 Arthritis in drei oder mehr Gelenkregionen
3 Arthritis der Hand- und Fingergelenke, mindestens ein Hand-, MCP-, PIP-Gelenk
4 Symmetrie der Arthritis
5 Rheumaknoten
6 Nachweis von Rheumafaktoren
7 Typischer Röntgenbefund am Handskelett
Vier der sieben Kriterien müssen zur Diagnose rheumatoide Arthritis erfüllt sein, die Kriterien 1 – 4 für mindestens sechs Wochen bestehen.

Ursachen, Leitbefunde und mögliche Erkrankungen bei Rückenschmerzen.

Tab. 3
Ursache Klinische Befunde Mögliche Erkrankungen
Muskulär Akut einschießender Schmerz, meist nach Überlastung oder Zugluft Funktionelle Störung der muskuloligamentären Strukturen
Entzündlich Einschleichender, sich aufbauender Schmerz, Bewegungsschmerz Rheumatoide Arthritis, Spondylitis, Osteomyelitis, M. Bechterew
Degenerativ Akuter bzw. einschleichender Schmerz, Ruheschmerz Diskusprolaps, -protrusion, Spondylarthrose, M. Scheuermann
Z. n. Trauma Akuter, heftiger Schmerz, evtl. neurologisches Defizit (Querschnitt!) Wirbelkörperfrakturen, Dornfortsatzfrakturen
Metabolisch Akuter Schmerz bei Fraktur als Folge der metabolischen Ursache Osteoporose, -malazie, Hyperparathyreoidismus
Neoplastisch Häufig einschleichende Schmerzen, Tumoranamnese (B-Symptomatik) WS-Metastasen, Plasmozytom, intraspinale Tumoren
Sonstige Fortgeleiteter Schmerz mit zusätzlichen systemischen Befunden Aortenaneurysma, abdominelle/gynäkologische Erkrankungen, Herpes zoster

Leitsymptome muskuloskeletaler Beschwerden I

Schmerzen

Die meisten Patienten mit Beschwerden im Bewegungsapparat konsultieren den Arzt aufgrund von Schmerzen. Diese können bereits im anamnestischen Gespräch (s. S. 112) charakterisiert und eingegrenzt werden.

Gelenkschmerzen

Grundsätzlich muss bei Gelenkschmerzen zwischen Schmerzen ohne Flüssigkeitsexsudation und Schwellung (Arthralgien) und Schmerzen mit sichtbarer Schwellung (Arthritiden) unterschieden werden. Arthralgien sind meist die Folge von degenerativen, arthrotischen Veränderungen oder mechanischer Überlastung, Arthritiden sprechen für eine entzündliche Genese auf Grundlage immunologischer Prozesse, Infektionen oder Ablagerungen von Kristallen (z. B. bei Gicht). Arthritiden sind oft begleitet von einer Rötung und einer deutlichen Überwärmung des entsprechenden Gelenks. Tabelle 1 zeigt mögliche Ursachen bei einem entsprechenden Befall der Gelenke.
Rheumatoide Arthritis (RA)
Die rheumatoide Arthritis (chronische Polyarthritis) ist eine chronisch verlaufende, entzündliche Systemerkrankung, die vom Synovialgewebe der Gelenke ausgeht und zu Sehnen-, Knorpel- und Knochendestruktion führt. Sie verläuft schubweise und mündet oftmals in einer vollkommenen Gelenkdestruktion und Invalidität. Gelegentlich kann es zu extraartikulären Organmanifestationen kommen.
Klinik
Es kommt zu einer polsterartigen symmetrischen Schwellung der Finger- bzw. Zehenmittel- und -grundgelenke (MCP, PIP) mit zunehmender Steifigkeit und Schmerzen. Bei 20 treten Rheumaknoten, v. a. an den Streckseiten der Gelenke, auf. Der Verlauf ist sehr vielfältig und variiert von gelegentlichen, schubweise verlaufenden polyarthritischen Beschwerden bis zu einer progressiven Gelenkzerstörung mit Funktionseinschränkung, Deformitäten und Verkrüppelung. Die Abbildungen 1 und 2 zeigen typische Deformitäten bei einer fortgeschrittenen Arthritis. Die Kriterien des American College of Rheumatology ( Tab. 2) helfen neben apparativen Untersuchungen bei der Diagnosestellung der rheumatoiden Arthritis.
Therapie
Neben einer stadienangepassten medikamentösen Therapie mit Basistherapeutika (Sulfasalazin, Chloroquin) und symptomatischen Medikamenten (NSAR, Kortikoide) kommt auch eine konsequente physikalische Therapie (Physiotherapie, Ergotherapie) infrage. Bei schweren Verläufen sind operative Verfahren in Form von Synovialektomie oder die Radiosynoviorthese, eine nuklearmedizinische Gelenktherapie, indiziert. Die Prognose der rheumatoiden Arthritis hängt im Wesentlichen von der Schwere des Krankheitsbildes und der adäquaten Therapie ab, eine rasche Progredienz lässt sich i. d. R. nur schwer aufhalten.
Gicht (Arthritis urica)
Die Gicht basiert auf einer Störung des Purinstoffwechsels mit konsekutiven Urateinlagerungen im periartikulären Gewebe. Sie manifestiert sich erstmalig meist durch einen akuten, sehr schmerzhaften Anfall, der sich aus vollster Gesundheit heraus ereignet, als Folge einer Hyperurikämie (Serum-Harnsäure > 6,4 mg/dl), die langfristig zu einer Ausfällung von Uratkristallen in der Synovia führt und oft eine hochakute Synovitis, besonders im Großzehengrundgelenk (Podagra), auslöst.
Klinik
Klinisch imponiert eine Entzündung meist eines Gelenks (i. d. R. Großzehengrund-, aber auch Sprung- oder Kniegelenk) mit Rötung, Überwärmung und Schwellung ( Abb. 3). Laborchemisch fallen erhöhte Entzündungszeichen auf (Fieber, Leukozytose, CRP ), der Röntgenbefund zeigt ossäre Destruktionen. Im Gelenkpunktat lassen sich die Harnsäurekristalle mikroskopisch nachweisen.
Therapie
Im akuten Anfall wird versucht, sowohl medikamentös (Salizylate, Indometacin, Kortikoide) als auch physikalisch (Hochlagerung, Kühlung, Entlastung des Beins) den Schmerz zu bekämpfen. Die Langzeittherapie besteht in der Gabe des Synthesehemmers Allopurinol in Kombination mit einer eiweißarmen Diät.

Rückenschmerzen

Rückenschmerzen gehören statistisch zu den häufigsten Beschwerdebildern des Bewegungsapparats und begegnen dem praktizierenden Arzt fast täglich. Meist klagen Patienten über unspezifische Schmerzen (Lumbalgien) im LWS-Bereich. Diese basieren größtenteils auf einer muskuloligamentären Überlastung der Rückenmuskulatur. In den seltensten Fällen lassen sich sowohl spezifische als auch schwerwiegende Ursachen für den empfundenen Schmerz finden.
Auch hier kann über eine gezielte Anamnese und Untersuchung ein wegweisender Befund erhoben werden, der dann mittels apparativer Diagnostik bestätigt wird. Es stellen sich die schon angesprochenen Fragen nach Beginn (akut – schleichend), Lokalisation (umschrieben – diffus), Auslöser, beeinflussenden Faktoren (Ruhe – Bewegung) und Begleitsymptomen. Tabelle 3 zeigt neben den Ursachen und Leitbefunden auch mögliche Krankheitsursachen. Höchste Achtsamkeit ist bei der Unterscheidung von banalen und schwerwiegenden Ursachen (z. B. Konus-Kauda-Syndrom, Tumoren, Frakturen, Neuralabszesse) geboten, da davon auch eine sofortige Therapieeinleitung abhängt. Hier fungieren neurologische Defizite, Patientenalter 20/ 55 Jahre, ein vorausgegangenes Trauma und Neoplasien als Alarmzeichen für schwerwiegende Schäden.
Diskusprolaps/-protrusion
Die Bandscheiben bestehen aus fibrösem Knorpelanteil mit einem inneren Kern, dem Nucleus pulposus. Alle Strukturen unterliegen im Laufe des Lebens einem Alterungs- und Abnutzungsprozess. Dieser betrifft besonders als Umschlagstellen der physiologischen Krümmung die Bereiche der HWS (C4–C6) und der Lumbosakralregion (L4–S1). Bereits ab dem 20. Lebensjahr kommt es zu einer Strukturauflockerung des Anulus fibrosus. Es entwickeln sich Spalten und Risse in den fibrösen Knorpelanteilen, die Architektur des Gewebes gibt dem über Belastung ausgeübten Druck des gallertigen Nucleus pulposus nach. Bei einer Protrusio wölbt sich der jeweils geschädigte Diskus lediglich vor. Ein Prolaps beschreibt den Durchtritt des Gallertkerns durch die Faserschichten. Abbildung 4 zeigt die unterschiedlichen Möglichkeiten eines Bandscheibenvorfalls schematisch.

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen