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B978-3-437-42107-5.50017-X

10.1016/B978-3-437-42107-5.50017-X

978-3-437-42107-5

Die verschiedenen Lymphknotenstationen am Körper [23] [4]

Untersuchung der zervikalen, supraklavikulären und intraklavikulären Lymphknotenstationen. [8]

Untersuchung der inguinalen Lymphknoten. [8]

Lymphknoten

Eine genaue Untersuchung aller Lymphknotenstationen ( Abb. 1) mit der Suche nach vergrößerten Lymphknoten ist ein obligater Bestandteil jeder klinischen Untersuchung. Diese kann je nach Gewohnheit des Untersuchers entweder als Ganzes im Rahmen einer Statuserhebung (für Anfänger aufgrund des Merkeffekts gut geeignet) oder im Rahmen der Untersuchung der einzelnen Organe erfolgen. Schwellungen der Lymphknoten kann man i. d. R. sehr häufig, besonders aber bei jungen Menschen und Kindern ertasten und beobachten. Diese treten dann meist in Zusammenhang mit entzündlichen Erkrankungen wie Tonsillitis, Pharyngitis oder Sinusitiden auf. Als wichtige Differenzialdiagnose gelten Tumorerkrankungen. Hier sind zur Abgrenzung v. a. das Alter der Lymphknotenvergrößerung und des Patienten sowie weitere Symptome (B-Symptomatik; Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust) von Tumorerkrankungen entscheidend.

Anamnese
Berichtet ein Patient über neu aufgetretene Knoten oder Schwellungen unter der Haut an entsprechenden Lymphknotenarealen, so liegt die Annahme einer Lymphknotenvergrößerung sehr nahe. Wichtige Fragen im weiteren Gespräch für eine erste, grobe Differenzierung dieser Schwellung sind die nach Beginn und Dauer der Schwellung. Aber auch die Größenzunahme und Schmerzhaftigkeit des betroffenen Areals können einen ersten Eindruck über die Dignität der Vergrößerung vermitteln. Schließlich ist der Zusammenhang zu gleichzeitig bestehenden Krankheitssymptomen entscheidend. Wichtig ist also die Frage, ob diese Schwellung Begleiterscheinung einer Systemerkrankung, z. B. einer Entzündung oder eines Tumors, ist oder lediglich lokal begrenzt auftritt.

Jeder neu aufgetretene Lymphknoten, der länger als drei Monate besteht, sollte vollständig exzidiert und histologisch abgeklärt werden.

Inspektion
Besonders zu achten ist auf die Beschaffenheit und Farbe der Schwellung und der umgebenden Haut. Bei einer Entzündung der Lymphbahnen (Lymphangiitis, im Volksmund Blutvergiftung) kann man in dem entzündeten Gebiet (häufig Unterarm oder Unterschenkel) einen rötlichen, nach proximal verlaufenden Streifen erkennen. Eiternde oder fistelbildende Lymphknoten sind Merkmal einer Tuberkulose oder von Entzündungen strepto- oder staphylogener Ursache.
Palpation
Für die Palpation der Lymphknoten muss der Patient eine entspannte sitzende oder liegende Position einnehmen. Der Untersucher verwendet für eine genaue Erfassung und Beurteilung der subdermalen vergrößerten Resistenzen seine Fingerspitzen. Eine symmetrische Untersuchung mit beiden Händen erlaubt eine seitenvergleichende Beurteilung. Bei einem gesunden Menschen sind die Lymphknoten nicht vergrößert und nicht druckschmerzhaft. Wird eine Schwellung ertastet, sollte diese genauer nach folgenden Kriterien charakterisiert werden:
  • Anzahl der Lymphknoten (solitärer Knoten, mehrere Lymphknoten, Lymphknotenpakete)

  • Größe (in cm)

  • Konsistenz, Beschaffenheit (weich, derb, hart, fluktuierend)

  • Verschieblichkeit gegenüber dem umliegenden Gewebe

  • Druckschmerzhaftigkeit (nicht, leicht, mäßig, stark druckschmerzhaft)

Eine Dokumentation im Verlauf, d. h. eine tägliche Beurteilung, verschafft einen Überblick über die Progredienz der Schwellung.
Kopf, Hals
Im Kopf-Hals-Bereich werden die meisten Lymphknotenschwellungen getastet. Neben akuten Erkrankungen kann es auch nach durchgemachten Erkrankungen zu sog. postentzündlichen Lymphknotenschwellungen kommen. Für die Untersuchung sollte der Patient sitzen. Der Untersucher sollte in dieser Reihenfolge vorgehen:
  • Aurikulär: zuerst die Lymphknoten hinter und dann vor dem Ohr

  • Subokzipital: Die subokzipitalen Lymphknoten findet man am Ansatz des M. trapezius am Os occipitale.

  • Submandibulär; von dorsal nach ventral kurz kaudal der Mandibula

  • Submental: Die submentalen Lymphknoten finden sich direkt unter dem Os mentale.

  • Zervikal: Die Orientierung und Palpation erfolgt am M. sternocleidomastoideus ventral und dorsal des Muskels von kranial nach kaudal.

  • Supraklavikulär: Die Orientierung und Palpation erfolgt am Verlauf der Klavikula von medial nach lateral.

  • Infraklavikulär: Getastet wird unterhalb der Klavikula, ebenfalls von medial nach lateral ( Abb. 2).

Axilla
Für die Palpation der axillären Lymphknoten eigenen sich die beiden folgenden Untersuchungsmöglichkeiten:
  • Für einen groben Überblick lässt man den Patienten in stehender Position beide Arme abduzieren und versucht, mit dem Zeige- und Mittelfinger tief in beide Achseln zu fassen. Die Orientierung erfolgt dabei am Innenrand des M. pectoralis major. Um noch tiefer in die Achselhöhle einzudringen, wird dann der Patient aufgefordert, die Arme hängen zu lassen.

  • Bei der einseitigen, genaueren Methode gibt der Untersucher dem Patienten die Hand, eleviert den Arm und versucht mit der anderen Hand tief in die Axilla hineinzutasten.

Inguinalregion
Die oberflächlichen inguinalen Lymphknoten liegen knapp unterhalb des Leistenbands und verlaufen zu diesem parallel. In diese drainiert die Lymphe aus der Analregion, dem äußeren und inneren Genitale und der Bauchhaut aus der Hüftregion. Diese Lymphknoten sind bei tumorösen und entzündlichen Erkrankungen des Genitaltrakts vergrößert und druckschmerzhaft. Mit den Fingern der linken und rechten Hand wird nach Schwellungen und knotigen Strukturen getastet ( Abb. 3).

Zusammenfassung

  • Lymphknoten können im Rahmen einer Statuserhebung oder auch bei den einzelnen Organsystemen untersucht werden.

  • Wichtig sind Angaben zu Beginn, Dauer und Schmerzhaftigkeit der Lymphknotenvergrößerung.

  • Zeichen einer Lymphangiitis (meist am Arm) ist ein rötlicher, die Lymphbahn entlang ziehender Streifen von distal nach proximal.

  • Entscheidende Faktoren bei der Palpation der Lymphknoten sind Anzahl, Größe, Konsistenz, Verschieblichkeit und Druckschmerzhaftigkeit.

  • Lymphknoten bei einem gesunden Menschen sind nicht vergrößert und nicht druckschmerzhaft.

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