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B978-3-437-42107-5.50050-8

10.1016/B978-3-437-42107-5.50050-8

978-3-437-42107-5

Untersuchung verschiedener Muskelgruppen gegen Widerstand. [8]

Spastik bei Querschnittssyndrom. [24]

Einteilung der Kraftgrade

Tab. 1
Grad Muskelkraft
0 Komplette Parese, keine Muskelkontraktionen
1 Sichtbare, schwache Muskelkontraktionen, jedoch keine Bewegung
2 Aktive Bewegung ohne Einwirkung der Schwerkraft möglich
3 Aktive Bewegung gegen Schwerkraft möglich
4 Aktive Bewegung gegen Widerstand möglich
5 Volle Muskelkraft

Differenzialdiagnose zentrale/periphere Lähmung.

Tab. 2
Zentrale Lähmung Periphere Lähmung
Schädigungsort 1. Motoneuron 2. Motoneuron
Muskeltonus Spastische Lähmung Schlaffe Lähmung
Muskeleigenreflexe
Muskelfremdreflexe Zum Teil abgeschwächt Keine
Pathologische Reflexe Keine
Muskeltrophik Keine Atrophie
Faszikulationen Keine

Motorik

Die Untersuchung der Motorik beinhaltet die Beurteilung der Muskelkraft, die Feststellung von Lähmungen oder überschießenden Bewegungen (Hyperkinesien) und die Prüfung des Muskeltonus.

Prüfung der Muskelkraft

Einen ersten Eindruck über die Muskelkraft des Patienten erhält man bereits bei der Begrüßung über den Händedruck. Für eine weitere Überprüfung der groben Kraft wird der entkleidete Patient gebeten, Arme, Beine, Kopf und Rumpf aktiv zu bewegen. Hierbei ist auf Seitenunterschiede in der Trophik der Muskulatur, auf evtl. Schmerzangaben oder Bewegungseinschränkungen zu achten. Für eine objektive Beurteilung soll der Patient sich aktiv gegen den Widerstand des Untersuchers bewegen und dessen Bewegungen Widerstand leisten ( Abb. 1). So werden die Muskeln von Kopf, Rumpf und Extremitäten überprüft. Die Ergebnisse werden als Kraftgrade seitenvergleichend dokumentiert ( Tab. 1).
Pathologische Befunde
Parese
Unter einer Parese versteht man eine Schwächung der Muskelkraft. Ursächlich liegt eine unvollständige Lähmung der motorischen Funktion eines Nervs zugrunde. Um diskrete Paresen festzustellen, bedient man sich des Vorhalteversuchs. Dabei hält der Patient mit geschlossenen Augen beide Arme (Armvorhalteversuch) in Supination gestreckt nach vorn. Die Angabe eines Schweregefühls, ein Absinken und eine zunehmende Pronationsstellung werden als pathologisch gewertet. Der Versuch kann auch als Beinvorhalteversuch durchgeführt werden. Hier beugt der Patient im Liegen die Beine im Hüft- und Kniegelenk und versucht, diese zu halten. Der pathologische Befund entspricht dem des Armvorhalteversuchs.
Paralyse (Plegie)
Die Paralyse oder auch Plegie bezeichnet die vollständige Lähmung der Muskelkraft. Die motorische und sensible Funktion des versorgenden Nervs ist aufgehoben, es imponiert neben der Bewegungsunfähigkeit auch eine Sensibilitätsstörung.
Zentrale Lähmung
Zentrale Lähmungen werden durch einen Schaden im Bereich des 1. Motoneurons, also im Bereich des motorischen Kortex, der Pyramidenbahn oder der Vorderhörner des Rückenmarks verursacht. Klinisch zeigen sich hier neben der Hemiparese (unvollständige Halbseitenlähmung) oder der Hemiplegie (vollständige Halbseitenlähmung) auch Querschnittslähmungen (spastische zentrale Lähmung). Bei einer Läsion oberhalb des HWK 6 kommt es zu einer Tetraplegie (Lähmung aller vier Extremitäten), bei einer Läsion oberhalb BWK 1 entwickelt sich eine Paraplegie (Lähmung symmetrischer Extremitäten). Eine akute Läsion der Pyramidenbahnen führt zum spinalen Schock, einer zunächst schlaffen Parese, die allerdings im weiteren Verlauf spastisch wird. Weitere Symptome zeigt Tabelle 2.
Periphere Lähmung
Eine periphere Lähmung entsteht durch eine Läsion des 2. Motoneurons, also im Bereich der Vorderhornzellen, -wurzel, des peripheren Nervs und der motorischen Endplatte. Die periphere Lähmung ist eine schlaffe Lähmung, begleitet von sich entwickelnden Muskelatrophien, Sensibilitätsstörungen und neurotrophen Störungen der Haut.
Lähmungen bei neuromuskulären Übertragungsstörungen
Bei bestimmten Muskelerkrankungen, die aufgrund einer neuromuskulären Übertragungsstörung entstehen (z. B. Myasthenia gravis), kommt es bei repetitiven Bewegungen zu einer Muskelschwäche. Um diese zu provozieren, verwendet man den Simpson-Test. Hier blickt der Patient über einige Minuten mit beiden Augen nach oben. Bei einer verstärkten neuromuskulären Ermüdbarkeit kann sich dabei eine Ptosis entwickeln, der Patient gibt dann Doppelbilder an.

Prüfung des Muskeltonus

Um den physiologischen Dehnungswiderstand der Skelettmuskulatur zu überprüfen, werden neben der Palpation der Muskulatur auf Hartspann, Myogelosen und auch Triggerpunkte die Gelenke des entspannten Patienten im Liegen bzw. Sitzen durchbewegt. Stellvertretend für die Extremitäten bieten sich das Ellbogen- bzw. Kniegelenk an. Der Spannungswiderstand der Muskulatur kann aufgrund einer Schädigung zerebraler und zerebellärer Bahnen pathologisch verändert sein. Dies drückt sich in einem sog. Hyper- bzw. Hypotonus aus. Ein gesteigerter Muskeltonus kann sich in Form einer Spastik oder als sog. Rigor manifestieren.
Pathologische Befunde
Muskuläre Hypertonie
Spastik
Eine Spastik ist ein krampfartig erhöhter Muskeltonus, der besonders an den der Schwerkraft entgegenwirkenden Muskeln (Flexoren der Arme, Extensoren der Beine) durch das Taschenmesserphänomen gekennzeichnet ist. Dabei kommt es zu einem plötzlichen Nachlassen des Muskeltonus bei maximaler Muskeldehnung. Ein spastischer Muskeltonus ist Zeichen einer zentralen Läsion, also des 1. Motoneurons, und tritt bei Querschnittssyndromen auf ( Abb. 2).
Rigor
Der Rigor ist gekennzeichnet durch einen wächsernen Widerstand der Flexoren und Extensoren, der während eines gesamten Bewegungsablaufs bestehen bleibt. Charakteristisch ist das Zahnradphänomen, das einen kontinuierlichen Muskelwiderstand zeigt, der bei Bewegung ruckartig und abgehackt nachgibt. Das Vorliegen eines Rigors beweist eine Störung des extrapyramidalen Systems, ein Hauptsymptom des M. Parkinson.
Myotonie
Die Myotonie bezeichnet eine verzögerte Erschlaffung der Muskulatur nach willkürlich durchgeführten Bewegungen. Diagnostisch kann man diese über ein Beklopfen des Muskels mit nachfolgenden Kontraktionen feststellen. Eine objektivere Untersuchungsmöglichkeit stellt jedoch des Elektromyogramm (EMG) dar.
Muskuläre Hypotonie
Die muskuläre Hypotonie kann Zeichen einer peripheren Nervenschädigung oder Kleinhirnläsion sein. Es zeigt sich eine verminderte Muskelspannung, die untersuchten Extremitäten lassen sich leicht ausschütteln. Zudem weisen die Gelenke eine erhöhte Überstreckbarkeit auf.

Zusammenfassung

Die Untersuchung der Motorik beinhaltet die Muskelkraft und den Muskeltonus;

Muskelkraft

  • Die Prüfung erfolgt aktiv und passiv, die Einteilung erfolgt in Kraftgrade (Skalierung 0 – 5).

  • Eine Parese ist eine unvollständige motorische oder sensible Lähmung, eine Paralyse (Plegie) eine vollständige Lähmung.

  • Eine Spastik spricht für eine zentrale Parese, eine schlaffe Lähmung für eine periphere Parese.

Muskeltonus

  • Die Überprüfung erfolgt palpatorisch durch den Untersucher.

  • Charakteristisch für eine Spastik ist das Taschenmesserphänomen.

  • Charakteristisch für einen Rigor ist das Zahnradphänomen.

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