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B978-3-437-42107-5.50015-6

10.1016/B978-3-437-42107-5.50015-6

978-3-437-42107-5

Plattenepithelkarzinom (spinozelluläres Karzinom) an der Unterlippe. [2]

Lingua geographica. [2]

Laryngoskopisches Bild mit Aufsicht auf die Stimmritze in Respirationsstellung und Phonationsstellung. [2]

Veränderungen an der Zunge und assoziierte Erkrankungen.

Tab. 1
Veränderungen Befund Assoziierte Erkrankungen
Belegte Zunge Weißlich gelber Belag Normalbefund, Fieber, Parodontitis
Trockene Zunge Fehlender Glanzaspekt Dehydration, Exsikkose
Landkartenzunge (Lingua geographica) Unregelmäßig verteilte rote Flecken ( Abb. 2) Keine Pathologie
Faltenzunge (Lingua plicata) Furchige Zungenoberfläche Keine Pathologie
Himbeerzunge Tiefrote Zungenfarbe Scharlach
Lackzunge Lackrote, glatte Zunge Leberhautzeichen (z. B. bei Leberzirrhose)
Candida Weißliche, abwaschbare Beläge auf der Zungenoberfläche Candida-Infektion, möglicherweise assoziiert mit Immundefekten
Leukoplakie Weißlicher, nicht abwaschbarer Zungenbelag Präkanzerose
Haarleukoplakie Unscharfe, weißliche, nicht abwaschbare Beläge am Zungenrand HIV-Infektion

Pathologien bei Tonsillenveränderungen.

Tab. 2
Erkrankung Beschreibung
Streptokokkenangina Vergrößerung und Rötung der Tonsillen, weißlich gelbe Stippchenauflagerungen, Lymphknotenvergrößerungen
Diphtherie Weiß-gräuliche, fibrinöse Beläge auf den Tonsillen, der Uvula und dem Gaumen
Peritonsillarabszess Vorwölbung in der Tonsillenumgebung mit flammend roter Schleimhaut und Fluktuationen
Mononukleose Rötung und Schwellung der Tonsillen, fibrinöser Belag, zusätzlich Lymphknotenschwellung und Splenomegalie, charakteristische Blutbildveränderungen
Chronische Tonsillitis Meist vergrößerte und zerklüftete Tonsillen

Mund- und Rachenraum

Der Mund- und Rachenraum sollte in einer systematischen Reihenfolge untersucht werden. Man nehme sich ausreichend Zeit, um die einzelnen Bestandteile Lippen, Mundschleimhaut, Zähne, Zahnfleisch, Zunge, Speicheldrüsen und Tonsillen zu beurteilen. Der Untersucher sitzt dem Patienten am besten gegenüber und untersucht die einzelnen Strukturen mit Lichtquelle, Holzspatel und Einmalhandschuhen bei weit geöffnetem Mund des Patienten. Gelegentlich wird ein Mundgeruch (Foetor ex ore) des Patienten auffallen. Neben bekannten Nahrungs- und Genussmitteleinflüssen wie Nikotin, Kaffee oder Knoblauch kommen hier als Ursache auch Erkrankungen der Zähne oder des Zahnfleischs, Entzündungen im Mund- und Rachenraum, aber auch fehlende Mundhygiene infrage. Unter Halitosis versteht man einen üblen Geruch der Atemluft. Ursachen hierfür sind Erkrankungen des Verdauungstrakts (z. B. Ösophagusdivertikel), der Lunge (z. B. Bronchitis) oder Stoffwechselstörungen (z. B. Urämie, diabetische Azidose).

Inspektion
Bei der Inspektion werden Veränderungen an Zähnen und Zahnfleisch, der Wangenschleimhaut, der Zunge, den Tonsillen, dem Gaumen und der Rachenhinterwand beurteilt.
Lippen
Es werden Farbe und Form beurteilt. Es lassen sich beispielsweise Blässe (bei Anämie), eine Blaufärbung bei Zyanose bzw. auch Entzündungen erkennen. Bräunliche Pigmentflecken weisen auf das Vorliegen eines Peutz-Jeghers-Syndroms hin, Mundwinkelrhagaden (Cheilitis) finden sich bei Eisenmangel. Eine Herpes-simplex-Infektion imponiert i. d. R. mit herpetiform gruppierten Bläschen perioral. Auch die Oberflächenstrukturen müssen begutachtet werden, insbesondere die der Unterlippe. Ulzerationen oder Hyperplasien können auf potenzielle Malignome wie Lippenkarzinome hinweisen ( Abb. 1). Eine Asymmetrie der Lippen ist ein Hinweis auf eine evtl. vorliegende Fazialisparese, was mittels eines vollständigen Lippenschlusses überprüft wird. Als Zeichen für eine Sklerodermie gilt der sog. Tabaksbeutelmund.
Wangenschleimhaut/Zähne/Zahnfleisch
Die Wangenschleimhaut lässt sich mithilfe eines Holzspatels bei leicht geöffnetem Mund des Patienten gut beurteilen. Auffällige Befunde sind hier Aphthen (ovale, rötliche Erosionen), Ulzerationen, Leukoplakien oder auch Candida-Besiedlung. Ein pathognomonisches Krankheitszeichen für Masern sind die Koplik-Flecken – kleine, weißliche Beläge in der Schleimhaut gegenüber den unteren Molaren, die ca. vier Tage nach Infektion auftreten.
Bei der Inspektion der Zähne wird auf die Vollständigkeit der Zahnreihen geachtet. Der Zustand der Zähne ist vielfältig und kann evtl. Rückschlüsse auf das hygienische Umfeld des Patienten geben. Beurteilt wird auch der Zustand des Zahnfleischs (Gingiva). Übermäßiges Zahnfleischbluten findet sich bei Entzündungen oder Gerinnungsstörungen. Eine Hyperplasie kann Folge der Einnahme bestimmter Medikamente (z. B. Phenytoin) sein. Pigmentveränderungen können bei bestimmten Krankheitsbildern (z. B. M. Addison) oder bei Vergiftungen (z. B. mit Blei oder Cadmium) auftreten.
Zunge
Der Untersucher lässt den Patienten die Zunge herausstrecken und achtet dabei auf deren Größe, Form, Oberflächenbeschaffenheit und eine evtl. Abweichung zu einer Seite hin. Eine zu große Zunge tritt bei bestimmten Krankheitsbildern wie dem Down-Syndrom oder der Akromegalie auf. Tabelle 1 zeigt unterschiedliche Beschaffenheiten und Konsistenzen der Zunge und damit assoziierte Erkrankungen. Der Patient soll die Zunge in alle Richtungen bewegen – bei einer Abweichung von der Mittellinie muss an eine mögliche Lähmung des XII. Hirnnervs (N. hypoglossus) gedacht werden.
Speicheldrüsen
Die Untersuchung der Speicheldrüsen Glandulae parotis, sublingualis und submandibularis erfolgt meist erst bei schmerzhaften Beschwerden und Schwellungen. Bei der Inspektion und Palpation wird auf die Größe und Form im Seitenvergleich, auf Druckdolenzen, Rötungen und vergrößerte benachbarte Lymphknoten geachtet. Ursachen für Beschwerden der Speicheldrüsen sind neben Entzündungen Speichelsteine, aber auch autoimmune Erkrankungen und Paraneoplasien.
Tonsillen
Für die Inspektion der Tonsillen und der Rachenhinterwand wird die herausgestreckte Zunge des Patienten mit einem Holzspatel leicht nach unten gedrückt. Dabei muss umsichtig vorgegangen werden, da viele Patienten auf diese Manipulation mit einem Husten- oder Würgereiz reagieren. Beide Tonsillen werden nach Größe, Farbe, Form und Oberfläche beurteilt ( Tab. 2). Der Patient soll laut ahhhh sagen, dabei werden Uvula und Gaumensegel auf eine regelrechte Bewegung hin inspiziert. Lähmungen in diesem Bereich sind auf eine Läsion des X. Hirnnervs (N. vagus) zurückzuführen.
Spezielle Untersuchungen
Bei entsprechenden klinischen Beschwerden wie Heiserkeit, Fremdkörper- oder Globusgefühl sowie Stridor ist eine spezielle Untersuchungstechnik mittels Laryngoskopie erforderlich. Dabei wird die bei weit geöffnetem Mund herausgestreckte Zunge des Patienten mit Daumen und Zeigefinger der linken Hand umfasst (Einmalhandschuhe tragen!) und fixiert. Mit einem Kehlkopfspiegel in der rechten Hand geht der Untersucher in die Mundhöhle hinein an der Uvula vorbei bis zur Rachenhinterwand, ohne diese zu berühren (Würgereflex!). Nun lassen sich dieStimmlippen in Respirationsstellung betrachten ( Abb. 3). Für die Überprüfung der Phonationsstellung wird der Patienten aufgefordert, laut hiii zu sagen. Physiologischerweise wandern die Stimmlippen dabei zusammen. Wichtige pathologische Befunde sind Rötungen, Ulzerationen und Fremdkörper an den Stimmbändern sowie eine partielle oder andauernde Phonationsstellung der Stimmbänder bei einoder beidseitiger Rekurrensparese (N. recurrens innerviert die Stimmlippen motorisch), wie sie v. a. nach Strumektomien vorkommt.

Zusammenfassung

  • Bei der Untersuchung der Lippen ist besonders auf Epithelveränderungen als Zeichen von Neoplasien zu achten.

  • Die Koplik-Flecken sind pathognomonisch für die Masernviruserkrankung.

  • Landkartenzunge und Faltenzunge haben keinen pathologischen Krankheitswert.

  • Die Leukoplakie ist eine obligate Präkanzerose.

  • Bei der Rekurrensparese bleiben die Stimmlippen in Phonationsstellung.

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