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B978-3-437-42107-5.50072-7

10.1016/B978-3-437-42107-5.50072-7

978-3-437-42107-5

Aufbau eines Nagel S. 1 Nagelfalz, proximal, lateral; 2 Nagelhäutchen; 3 Nagelplatte; 4 Matrix; 5 Nagelbett; 6 Hyponychium; 7 Lunula.[11]

Staphylogene Paronychie. Am zweiten Zeh des linken Fußes starke ödematöse Schwellung mit livid-roter Verfärbung des Nagelwalls und spontaner Eiterentleerung. [11]

Nagelmykose. [11]

Furunkel. [11]

Nagelveränderungen und mögliche Erkrankungsursachen.

Tab. 1
Begriff Beschreibung Ursache
Dyschromie (Verfärbung) Gelbliche, ölfleckartige Färbung der Nägel ( Abb. 2) Psoriasis, Mykosen
Streifenförmige, braune, vertikal verlaufende Färbung Nävuszellnävus bzw. Melanom in der Nagelmatrix
Grünschwarze Färbung Pseudomonas- bzw. Schimmelpilzbefall
Tüpfelnägel Punktuelle, trichterförmige Einziehungen aufgrund von Substanzdefekten Psoriasis, Ekzeme, Lichen ruber planus, Mykosen
Krümelnägel Poröse Nägel, die sich krümelig am Nagelüberstand ablösen Psoriasis
Koilonychie Löffelartig eingedellte Nägel Eisenmangelanämie, Raynaud-Syndrom
Leukonychie Weißliche Punkte oder Striche infolge Luftansammlungen in der Nagelmatrix Trauma, Anämie, Leberzirrhose
Onycholysis Ablösen der Nagelplatte vom Nagelbett Mykosen, Psoriasis
Onychorrhexis Erhöhte Brüchigkeit des Nagelrandes Übertriebene Hygiene (Chemikalien!), Fehlernährung
Onychoschisis Horizontale Aufsplitterung der distalen Nagelplatte Häufiges Waschen, Vitamin- oder Eisenmangel, Fehlernährung
Anonychie Anlagebedingtes Fehlen der Nägel
Paronychie ( Abb. 2) Entzündung des Nagelfalzes Mikrotraumen
Panaritium Eitrige, einschmelzende Entzündung im Nagelrandbereich (meist durch Staphylokokken) Mikrotraumen, fortschreitende Paronychie
Beau-Reil-Furchen Rissartige Querrillen Bei schweren Infektionen, Intoxikationen
Onychogryposis Krallenartig gekrümmter Nagel, oft im Bereich des großen Zehs Enges Schuhwerk, schlechte Nagelpflege
Mees-Querbänder Gelblich weiße Querrillen, über den gesamten Nagel verlaufend Arsen- und Thalliumvergiftungen
Splitterblutungen Rötlich braune Punkte im Nagelbett Trauma, Endokarditis

Norm-Tabelle eines Trichogramms.

Tab. 2
Haartyp Erklärung Normverteilung in
Anagenhaare Anlagen neuer Haarsubstanzen 80 – 90
Katagenhaare Produktion der Haarsubstanzen erloschen 1 – 3
Telogenhaare Haar wird ausgestoßen 10 – 20
Dystrophe Haare Anomalien 0

Nägel und Haare

Nägel

Die Inspektion der Nägel an Fingern und Zehen erlaubt eine diagnostische Aussage bzgl. lokaler und systemischer Erkrankungen. So sind symptomatische Veränderungen der Nagelmatrix und -platte (Aufbau Abb. 1) im Rahmen von Dermatosen (z. B. Psoriasis) und Allgemeinerkrankungen (z. B. chronische Lungenerkrankungen) häufig ( Tab. 1).

Nagelmykosen (Onychomykosen)

Nagelmykosen sind Pilzinfektionen des Nagelbetts bzw. der Nagelplatte mit Dermatophyten (u. a. Trichophyton rubrum) als Haupterreger. Die Füße sind milieubedingt (feucht, kalt) häufigerbetroffen als die Hände. Der Nagel verfärbt sich zunächst gelblich, dann schmutzig braun; schließlich kommt es zu einer Verdickung mit bröckeligem Zerfall und untherapiert zu einer vollständigen Ablösung der Nagels ( Abb. 3).

Haare

Insgesamt hat der Mensch ca. fünf Mio. Haare, die durchschnittliche Anzahl der Kopfbehaarung eines Menschen beträgt ungefähr 100 000. Der tägliche Haarverlust beläuft sich auf ca. 25 – 100 Haare. Die Inspektion der Kopf- und Körperhaare mit Beurteilung von Dichte, Verteilung und Konsistenz ist im Hinblick auf lokale oder systemische Funktionsstörungen ein gutes Diagnostikum.

Haarausfall

Oft muss der für viele männliche Patienten störende Haarausfall abgeklärt werden. Als Effluvium bezeichnet man hier einen dynamischen Haarausfall im Alter. Alopezie wird der Zustand eines pathologisch vermehrten Haarausfalls genannt, welcher in herdförmige (Alopecia areata) und diffuse sowie vernarbende und nicht vernarbende Formen unterteilt werden kann. Durch ein Trichogramm, bei dem standardisiert epilierte Haare (ca. 50 – 70) lichtmikroskopisch untersucht werden, kann der Haarwurzelstatus objektiviert und eine Wachstumsprognose abgegeben werden ( Tab. 2).
Die androgenetische Alopezie ist der häufigste Grund für Haarausfall im Erwachsenenalter. Das Trichogramm weist eine verminderte Zahl an anagenen Haarfollikeln auf, die Telogenhaare sind deutlich vermehrt. Klinisch unterscheidet man ein Male pattern mit typischen Geheimratsecken, einer zentralen Haarlichtung im Tonsurbereich und entstehen dem Haarkranz von einem Female pattern mit diffuser Ausdünnung der Haare im Scheitelbereich. Ein Haarausfall mit anschließender Vernarbung der Haut (vernarbende Alopezie) kann Folge von Infektionen, physikalischen Schäden (Verbrennungen, Verätzungen, Strahlenschäden) oder von Erbkrankheiten (Genodermatosen) sein. Zugrunde liegt eine Entzündung der Unterhaut mit völliger Zerstörung des Haarschafts.

Infektionen

Je nach Ort der Infektion kann man zwischen verschiedenen Formen unterscheiden. Während eine Ostiofollikulitis als oberflächliche Haarfollikelentzündung an Brust und Extremitäten meist bei jungen Männern auftritt, ist bei derFolli-kulitis mit Prädispositionsstellen an Oberlippe und Augenbraue der gesamte Haarfollikel entzündet. Von einem Furunkel spricht man bei einer meist durch Staphylokokken verursachten Entzündung des Haarfollikels und des umgebenden subkutanen Gewebes ( Abb. 4). Prädilektionsstellen sind Nacken, Nase, Oberlippe und Gesäß, die Abheilung erfolgt nur unter Narbenbildung. Als Karbunkel bezeichnet man das Konfluieren mehrerer Furunkel mit phlegmonöser Ausbreitung in die Tiefe.

Verstärktes Haarwachstum

Ein verstärktes Wachstum an Körperbehaarung (ausgenommen die Sexualbehaarung), das aufgrund eines erhöhten Androgenspiegels im Blut verursacht ist, nennt man Hypertrichose. Unter einem Hirsutismus versteht man ein verstärktes Wachstum einer dem männlichen Behaarungstyp entsprechenden Behaarung bei Frauen und Kindern. Ursachen können Fehlbildungen (z. B. bei Spina bifida, Naevus pilosus), NW von Medikamenten, Endokrinopathien und Paraneoplasien sein.

Zusammenfassung

  • Nagelveränderungen der Psoriasis vulgaris sind Tüpfel-, Krümel- und Ölflecknägel.

  • Nagelveränderungen entstehen auch bei übertriebener Hygiene.

  • Nagelmykosen treten milieubedingt häufiger an Füßen als an Händen auf.

  • Vernarbender Haarverlust ist irreversibel.

  • Ein Furunkel ist eine Entzündung des Haarfollikels und des umgebenden subkutanen Gewebes.

  • Ein Karbunkel ist ein Konfluieren mehrerer Furunkel mit phlegmonöser Ausbreitung in die Tiefe.

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