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B978-3-437-42107-5.50055-7

10.1016/B978-3-437-42107-5.50055-7

978-3-437-42107-5

Meningismuszeichen. [8]

Brudzinski- und Kernig-Zeichen. [22]

Lasgue-Zeichen. [24]

Opisthotonus. [45]

Aphasien und ihre Merkmale.

Tab. 1
Aphasien Merkmale Beispiele
Motorische Aphasie (Broca) Störung der Sprachproduktion (Sprechen, Lesen, Schreiben) bei erhaltenem Sprachverständnis Berstü statt Bürste
Sensible Aphasie (Wernicke) Störung des Sprachverständnisses bei flüssiger Sprache, teilw. Logorrhö mit Wortverwechslungen und Neologismen Kamm bzw. Haarverschönerer statt Bürste
Globale Aphasie Keine Sprachproduktion, Automatismen, Floskeln, Neologismen Schön, schön, gut, gut
Amnestische Aphasie Die flüssige Sprachproduktion ist durch Wortfindungsstörungen beeinträchtigt. Man macht sich die Haare damit statt Bürste

Nervendehnungszeichen und Artikulation

Nervendehnungszeichen

Nervendehnungszeichen werden bei einem Verdacht auf Vorliegen einer meningealen oder spinalen Reizung geprüft. Hierbei werden Schmerzen oder das Erfassen von muskulären Widerständen als pathologisch gewertet. Die Nervendehnungszeichen werden bei auf dem Rücken liegenden Patienten geprüft.
Untersuchung/pathologischer Befund
Meningismuszeichen
Der Patient gibt bei der passiven Beugung des Kopfes in Richtung Kinn Schmerzen an bzw. der Untersucher verspürt einen deutlichen muskulären Widerstand, eine Nackensteifigkeit ( Abb. 1). Dieser Befund spricht für eine meningeale Reizung.
Brudzinski-Zeichen
Ebenso wie beim Test des Meningismuszeichens beugt der Untersucher den Kopf des Patienten kinnwärts nach vorn. Das Brudzinski-Zeichen ist als positiv zu werten, wenn der Patient reflektorisch seine Knie- und Hüftgelenke beugt ( Abb. 2).
Kernig-Zeichen
Das Kernig-Zeichen ist als positiv zu werten, wenn es bei der Beugung des gestreckten Beins im Hüftgelenk zu einer reflektorischen Kniegelenksbeugung des Patienten kommt ( Abb. 2).
Lasgue-Zeichen
Der Untersucher beugt das gestreckte Bein des Patienten im Hüftgelenk. Im Normalfall lässt sich das Bein schmerzfrei bis 90 flektieren. Ein pathologischer Prozess der Wirbelsäule (z. B. Prolaps) bzw. eine meningeale Reizung machen diese Untersuchung aufgrund starker Schmerzen unmöglich. Es wird der Winkel bis zum Einsetzen der Schmerzen für Verlaufsuntersuchungen dokumentiert ( Abb. 3).
Lhermitte-Zeichen
Das Lhermitte-Zeichen kann Hinweis auf eine multiple Sklerose bzw. auf eine spinale Raumforderung sein. Es ist positiv, wenn der Patient bei einer passiven Beugung des Kopfes kinnwärts Parästhesien in den Extremitäten oder am Rumpf verspürt.
Opisthotonus
Als Opisthotonus bezeichnet man eine andauernde Überstreckung von Kopf, Rumpf und Extremitäten bei einem vorliegenden Krampf der Nacken- und Rückenmuskulatur (z. B. bei einer Meningitis, Abb. 4).

Artikulation

Das Überprüfen der Artikulation ist ein weiterer wichtiger Schritt der neurologischen Untersuchung, da Charakteristika und Auffälligkeiten einen Hinweis auf neurologische Defizite geben. Unterscheiden muss man hier v. a. zwischen einer Sprachstörung und eine Sprechstörung. Während die Ursache einer Sprachstörung in einem Defizit der Laut- und Wortbildung im ZNS liegt, ist die Sprechstörung Folge der motorischen Unfähigkeit, Laute und Worte zu bilden.
Untersuchung/pathologischer Befund
Bei der Untersuchung muss neben der Lautbildung des Patienten auch auf Mundmotorik, Redefluss, Phonation und Atmung geachtet werden. Hierfür wird eine neuropsychologische Untersuchung durchgeführt, bei der zunächst das spontane Sprachverhalten, dann das Nachsprechen, das Benennen von Gegenständen, das Sprachverständnis und schließlich die Schriftsprache überprüft werden.
Dysarthrophonien
Dysarthrophonien sind Störungen der Sprechmotorik, für die eine inadäquate Sprechatmung und damit auch ein unsteter Redefluss typisch sind. Ursache sind meist motorische Ausfälle im Bereich der Lippen-, Gaumen-, Zungen- und Pharynxmuskulatur. Das Sprachverständnis ist allerdings nicht beeinträchtigt.
Aphasien
Als Aphasien bezeichnet man zentral bedingte Sprachstörungen. Ursächlich kommen hier neben einer zerebrovaskulären Insuffizienz bzw. Apoplexie auch kortikale Degenerationen oder Tumoren in Betracht. Tabelle 1 gibt einen Überblick über die verschiedenen Aphasien.
Aphonie/Dysphonie
Als Dysphonie bezeichnet man eine Störung der Stimmlautstärke, -qualität oder der Tonhöhe. Meist ist diese durch eine Erkrankung des Kehlkopfs verursacht. Kann sich der Patient lediglich noch in Flüstersprache verständigen, so spricht man von einer Aphonie.

Zusammenfassung

  • Bei Verdacht auf eine Reizung der Meningen müssen die Nervendehnungszeichen überprüft werden.

  • Als pathologisch werden sowohl eine Schmerzangabe als auch ein spürbarer muskulärer Widerstand gewertet.

  • Das Meningismus- und Brudzinski-Zeichen können mit einem Untersuchungsgriff getestet werden.

  • Ein Opisthotonus kann bei epileptischen Anfällen bzw. Tetanien beobachtet werden.

  • Artikulationsstörungen sind ebenfalls Zeichen neurologischer Defizite.

  • Sprechstörungen sind durch eine motorische Unfähigkeit bedingt.

  • Sprachstörungen sind durch eine zentralnervöse Unfähigkeit bedingt.

  • Für die Untersuchung der Artikulation eignet sich ein Nachsprechen bestimmter vorgesprochener Sätze (z. B. der Aachener Aphasie-Test).

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