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B978-3-437-42107-5.50045-4

10.1016/B978-3-437-42107-5.50045-4

978-3-437-42107-5

Glasgow-Coma-Scale.

Tab. 1
Kriterien Reaktion des Patienten Pkt.
Augen öffnen Spontan 4
Auf Ansprache 3
Auf Schmerzreiz 2
Keine Reaktion 1
Motorische Reaktion Führt auf Aufforderung gezielte Bewegungen aus 6
Gezielte Abwehr auf Schmerzreize 5
Ungezielte Abwehr auf Schmerzreize 4
Abnormale Flexion (Beugesyn-ergismen) auf Schmerzreize 3
Abnormale Extensionen auf Schmerzreize 2
Keine Reaktion auf Schmerzreize 1
Verbale Reaktion Örtlich, zeitlich und zur Person orientiert 5
Patient desorientiert, beant- wortet Fragen 4
Inadäquate verbale Antwort 3
Unverständliche Laute 2
Keine Antwort 1

Neurologische Anamnese

Die neurologische Anamnese orientiert sich meist an den häufig präsentierten Leitsymptomen wie Kopfschmerz, Schwindel, Sensibilitätsstörungen oder Lähmungen. Neben dem detaillierten Abfragen dieser Leitsymptome, also des aktuellen Beschwerdenbildes, sind u. a. die im Folgenden beschriebenen Aspekte bedeutsam. Auf der linken Seite finden Sie einen Untersuchungsbogen mit den wesentlichen neurologischen Untersuchungsbefunden.

Bewusstseinslage und Aufmerksamkeit
Die Beurteilung der Bewusstseinslage bei bewusstseinsklaren Patienten erübrigt sich i. d. R., im Gegensatz zu bewusstseinsgetrübten Patienten (s. S. 106), für dessen Differenzierung und Bewertung die Glasgow-Coma-Scale ( Tab. 1) nützlich ist. Um die Aufmerksamkeit gezielt zu testen, wird der Patient aufgefordert, sich auf eine bestimmte Sache zu konzentrieren (z. B. Namen rückwärts buchstabieren) und diese auszuführen.
Grundstimmung und Sprache
Die Grundstimmung kann von gedrückt, depressiv über gespannt oder gereizt bis hin zu ausgelassen oder glücklich sein. Auch der Affekt kann sich zwischen teilnahmslos, stumpf über ausgeglichen zu enthemmt bzw. übersteigert bewegen. Hier gibt es viele verschiedene Facetten, die zum Gesamtbild einer Erkrankung passen können.
Aktuelle Anamnese
Beim Abfragen der aktuellen Beschwerden – also des Grunds, weshalb sich der Patient bei Ihnen vorstellt – sollten Sie sich auf folgende Punkte konzentrieren: Wieso kommt der Patient? Welche Art von Beschwerden hat er und wann genau haben sie angefangen? Gibt es einen Auslöser? Wie ist der Verlauf der Beschwerden? Haben sie abgenommen, zugenommen oder sind sie gleich geblieben? Sind sie rezidivierend? Wenn ja, wie lang dauert eine Schmerzepisode, wie beginnt sie, wie oft kommt es zu den Beschwerden? Kann das Problem durch irgendetwas gelindert bzw. verstärkt werden?
Medizinische Vorgeschichte
Neurologische Vorerkrankungen wie vorausgegangene Schädel-Hirn-Traumen, Krampfanfälle oder Meningitiden sollten erfragt werden. Aber auch Fieberkrämpfe während der Kindheit sind von Relevanz. Beim Verdacht auf entzündliche Erkrankungen können Informationen zu durchgemachten viralen oder bakteriellen Infekten wichtige weiterführende Hinweise liefern. Steht eine Erkrankung ischämischer Ursache differenzialdiagnostisch im Raum, so müssen die kardiovaskulären Risikofaktoren (z. B. Hypertonus, Diabetes mellitus, Hyperlipidämie) abgeklärt werden.
Medikamentenanamnese
Bei der Medikamentenanamnese sind genaue Daten (Dosis, Darreichungsform, Wirkung, Nebenwirkungen) zur aktuellen Medikation wichtig. Neben dem Besprechen der Medikation und der Compliance bittet man den Patienten am besten, die derzeit eingenommenen Medikamente mitzubringen.
Wichtige Fragen sind z. B.:
  • Nehmen sie momentan Medikamente ein?

  • Welche Medikamente sind das? Wie heißen sie genau?

  • Nehmen Sie die Medikamente in regelmäßigen Abständen oder nur nach aktuellem Bedarf?

  • Sind Sie mit der Wirkung zufrieden? Helfen Ihnen die Medikamente?

  • Spüren Sie eine Wirkung der Medikamente?

  • Treten irgendwelche Nebenwirkungen auf? Wenn ja, welche?

Weiter sollte man nach Drogen wie Nikotin und Alkohol fragen.
Familienanamnese
Bei einer Vielzahl neurologischer Erkrankungen wurden genetische Faktoren gefunden. So ist beispielsweise bei systemischen Stoffwechselerkrankungen (M. Wilson, Phenylketonurie), Chorea Huntington oder bei Phakomatosen ein genetischer Einfluss nachgewiesen. Bei M. Parkinson bzw. M. Alzheimer wird eine familiäre Disposition angenommen.
Sozialanamnese
Patienten mit einer neurologischen Erkrankung klagen oft über einen langen Leidensweg und können auffällige soziale, beruflich oder finanzielle Schwierigkeiten haben, die im Sinn einer umfassenden Diagnostik und Therapie angesprochen werden sollten. Neben einer Schilderung der eigenen Einstellung und des Umgangs mit dem Krankheitsbild ist die soziale Einbindung des Patienten zu beachten.

Zusammenfassung

  • Aufmerksamkeit ist die Fähigkeit, sich auf bestimmte Dinge zu konzentrieren.

  • Die medizinische Vorgeschichte liefert häufig Erklärungen für aktuelle Beschwerdebilder.

  • Die genaue Medikamentenanamnese ist im Hinblick auf neurologische Nebenwirkungen mancher Medikamente wichtig.

  • Kopfschmerzen sind mit Abstand der häufigste Grund einer neurologischen Untersuchung.

  • Einem Schwindel können visuelle, vestibuläre, orthostatische, zentrale und psychogene Störungen zugrunde liegen.

  • Bei jeglichen neurologischen Störungen ist nach einer vegetativen Begleitsymptomatik zu fragen.

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