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B978-3-437-42107-5.50043-0

10.1016/B978-3-437-42107-5.50043-0

978-3-437-42107-5

Gehirn von lateral und mediosagittal. [16]

Rückenmark mit anatomischer Einteilung. [16]

Querschnitt durch das Rückenmark mit Darstellung eines peripheren Nerv-Regelkreises. [17]

Neurologische Grundlagen I

Bei der neurologischen Untersuchung sind genaue Kenntnisse der Anatomie und Physiologie zur Erkennung regelrechter oder krankhafter Veränderungen unbedingt erforderlich. Deshalb werden auf der folgenden Seite die Grundlagen für diese sehr komplexe Untersuchung erklärt und das zentrale (Gehirn, Rückenmark) und das periphere (Hirnnerven, spinale Nerven) Nervensystem behandelt.

Zentrales Nervensystem

Gehirn

Das Gehirn besteht aus vier Hauptregionen; dem Großhirn (Telencephalon oder Cerebrum), Zwischenhirn (Diencephalon), Hirnstamm (Mesencephalon) und Kleinhirn (Cerebellum).
Großhirn (Cerebrum)
Das Großhirn besteht aus zwei Hemisphären, die ihrerseits in einen Frontal-, Parietal-, Temporal- und Okzipitallappen untergliedert sind ( Abb. 1). Der Kortex (graue Substanz) besteht aus einer Vielzahl von neuronalen Zellen. Die darunter liegende weiße Substanz enthält mikroskopisch nachweisbar myelinisierte Axone, die den Kortex mit weiteren Teilen des Nervensystems verbinden. Das Großhirn ist verantwortlich für die Integration und die Interpretation von sensiblen Impulsen und plant die Bewegungsentwürfe für das motorische System.
Zwischenhirn (Diencephalon)
Die wichtigsten Strukturen des Zwischenhirns sind der Thalamus und der Hypothalamus. Während der Hypothalamus über den Regelkreis mit der Hypophyse für die Homöostase und das endokrine System verantwortlich ist, verarbeitet der Thalamus sensible Impulse aus der Peripherie (spinothalamische Bahnen) und leitet sie an das Großhirn weiter.
Hirnstamm (Truncus encephali)
Der Hirnstamm besteht aus Mittelhirn (Mesencephalon), Brücke (Pons) und verlängertem Rückenmark (Medulla oblongata). Er verbindet die oberen Teile des Gehirns mit dem Rückenmark und beinhaltet somit die meisten neuronalen, sich kreuzenden Fasern.
Kleinhirn (Cerebellum)
Das Kleinhirn, an der Unterseite des Gehirns gelegen, ist verantwortlich für die Koordination aller Bewegungen. Es ist das Leitganglion des propriozeptiven Systems und erhält sensible Informationen aus Muskeln, Sehnen, Gelenken, Knochen und vom vestibulären Organ. Unilaterale Verletzungen verursachen sog. Kleinhirnbahnenzeichen auf derselben, also der ipsilateralen Seite der Läsion.

Rückenmark

Das Rückenmark ist eine Ansammlung von Nervengewebe und erstreckt sich von der Medulla oblongata bis zum Lendenwirbelbereich, umschlossen und geschützt von der knöchernen Wirbelsäule ( Abb. 2). Es wird in Hals-, Brust-, Lenden-, Sakral- und Kokzygealsegmente unterteilt. Auffällig ist, dass das Rückenmark auf Höhe des 1. und 2. Lendenwirbels in Form eines Konus (Conus cauda) abschließt und lumbale und sakrale Nerven einzeln und fächerförmig nach kaudal verlaufen (Cauda equina).

Um das Rückenmark (Ende auf Höhe LWK 1/2) nicht zu verletzen, wird die Liquorpunktion zwischen den Dornfortsätzen LWK 3/4 bzw. LWK 4/5 durchgeführt.

Aufgabe des Rückenmarks ist einerseits die Aufnahme (über das Hinterhorn) und Weiterleitung der sensiblen Information an das Gehirn und andererseits die Weiterleitung von kortikalen Impulsen des ersten Motoneurons über die Vorderhörner (zweites Motoneuron) zu den ausführenden Organen. Eine Schädigung oder Durchtrennung des Rückenmarks zieht distal der Läsion einen kompletten Verlust der sensiblen und motorischen Aktivität nach sich.

Peripheres Nervensystem

Das periphere Nervensystem besteht aus den zwölf paarigen Hirnnerven (I-XII), die aus dem Zwischenhirn und Hirnstamm entspringen und teils motorische, teils sensible und parasympathische Qualitäten haben, und den spinalen bzw. peripheren Nerven.

Periphere Nerven

Die peripheren Nerven tragen motorische, sensible und vegetative Qualitäten, die zum bzw. vom Rückenmark aus weitergeleltet werden. Es gibt 31 paarige Nervenaustritte aus dem Rückenmark, davon acht zervikale, zwölf thorakale, fünf lumbale, fünf sakrale und ein kokzygeales Nervenpaar. Jeder Nerv besteht aus einer Vorderwurzel, die motorische Fasern führt, und einer Hinterwurzel, die sensible Bahnen enthält. Diese Wurzeln verbinden sich kurz nach dem Austritt aus dem Rückenmark zu einem Spinalnerv ( Abb. 3).
Jede Hinterwurzel bezieht sensorische Informationen über ein bestimmtes Dermatom oder ein segmentales Gebiet. Ist diese Hinterwurzel beschädigt, so imponiert klinisch eine Schmerzsymptomatik in dem umschriebenen Gebiet. Ist der Nerv in der Peripherie durchtrennt, so ist das Berührungsempfinden des Betroffenen reduziert. Eine komplette Durchtrennung des Spinalnervs führt zu einem vollständigen Ausfall der Sensorik, Motorik und des autonomen Nervensystems in dem von dem Nerv versorgten Gebiet. Eine metabolischtoxische Schädigung der peripheren Nerven wird als periphere Neuropathie bezeichnet und vom Betroffenen als eine sich strumpfförmig ausbreitende Parästhesie empfunden.

Zusammenfassung

  • Das zentrale Nervensystem besteht aus Großhirn, Zwischenhirn, Hirnstamm und Rückenmark.

  • Der Hirnstamm ist in drei Teile untergliedert; Mittelhirn, Brücke und Medulla oblongata.

  • Das Kleinhirn (Cerebellum) ist für die Propriozeption und Koordination zuständig.

  • Das periphere Nervensystem besteht aus Hirnnerven, spinalen und peripheren Nerven.

  • Es gibt zwölf Hirnnerven mit teils sensibler, motorischer und parasympathischer Faserqualität.

  • Die peripheren Nerven bestehen nach Austritt aus dem Rückenmark aus einer Hinter- und Vorderwurzel.

  • Die beiden Nervenwurzeln vereinigen sich zum Spinalnerv.

  • Verschiedene Läsionslokalisationen ziehen bestimmte Ausfallsmuster der Nervqualitäten (Sensorik, Motorik) nach sich.

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