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B978-3-437-42107-5.50044-2

10.1016/B978-3-437-42107-5.50044-2

978-3-437-42107-5

Lokalisation und Somatotopik der absteigenden motorischen Rückenmarksbahnen. 1 Kreuzung der meisten Fasern in der Medulla oblongata; 2 Verlauf der gekreuzten Fasern als Tractus corticospinalis lateralis im Seitenstrang; 3 Interneurone; 4 Motoneurone des Vorderhorns; 5 ungekreuzte Fasern im Tractus corticospinalis anterior. [18]

Lokalisation und Somatotopik der aufsteigenden sensiblen Rückenmarksbahnen. [20]

Hautdermatome. [19]

Neurologische Grundlagen II

Bahnsysteme

Motorische Bahnen

Die motorischen Bahnen umfassen das erste Motoneuron (motorischer Anteil des Großhirns; Brodmann-Area 1, 2, 3), dazugehörige Synapsen im Hirnstamm oder Rückenmark und das zweite Motoneuron. Die im Großhirn beginnenden Fasern kreuzen zu 90 im Hirnstamm zur Gegenseite und münden auf Rückenmarksebene in den Vorderhornzellen, dem 2. Motoneuron. Von hier aus geht es über den Spinalnerv zu den motorischen Endplatten am Muskel. Es gibt verschiedene motorische Bahnsysteme ( Abb. 4):
Pyramidale Bahnen
Sie werden auch als Tractus corticospinalis bezeichnet und sind für die Vermittlung willkürlicher Bewegungen, der Feinmotorik und des Muskeltonus verantwortlich. Ursprung ist der Motokortex, von dem sie über die Pyramide in der unteren Medulla oblongata verlaufen, wo 70–90 der Fasern zur Gegenseite kreuzen und anschließend als Tractus corticospinalis lateralis zu den Vorderhornzellen der kontralateralen Seite (linker Motokortex rechte Körperseite) ziehen. Die ungekreuzten Fasern laufen als Tractus corticospinalis anterior nach unten und kreuzen erst auf Höhe des Eintritts in die graue Substanz zur Gegenseite.
Extrapyramidale Bahnen
Zu diesem komplexen Bahnsystem gehören Tractus reticulospinalis, Tractus tectospinalis, Tractus vestibulospinalis und Tractus rubrospinalis. Es verbindet – vereinfacht ausgedrückt – den Großhirnkortex über die Basalganglien und den Hirnstamm mit dem Rückenmark. Aufgabe ist, zusammen mit dem pyramidalen System, die Feinabstimmung und Aufrechterhaltung des Muskeltonus.

Läsionen in den motorischen Bahnen zeigen unterschiedliche Ausfallsmuster. Ist das erste Neuron (Großhirn) beschädigt, so kommt es aufgrund der Kreuzung der Bahnen zu einer Lähmung der kontralateralen Körperseite. Ist das zweite Neuron beschädigt, so ist die ipsilaterale Körperhälfte gelähmt.

Sensible Bahnen

Sensible Bahnen bilden die Grundlage bewusster Wahrnehmung, Körperhaltung und autonomer Funktionen. Sie ziehen von dem Ort der Sensation in der Peripherie über die Hinterwurzeln in das Rückenmark und gelangen von dort aus über den Tractus spinothalamicus oder die Hinterstränge in die entsprechenden sensiblen Rindenareale des Groß- und Kleinhirns. Hierbei gibt es verschiedene Bahnen für bestimmte Empfindungsqualitäten ( Abb. 5).
Protopathische Sensibilität (Schmerz- und Temperaturempfinden, grobes Druck- und Tastempfinden)
Nach der Sensation über bestimmte Schmerz-, Temperaturbzw. Mechanorezeptoren erfolgt der Eintritt der aus der Peripherie kommenden Fasern über das Hinterhorn in das Rückenmark, die Kreuzung auf die Gegenseite im selben Segment und die Weiterleitung über den Tractus spinothalamicus zum Thalamus.
Epikritische Sensibilität (feines Druck- und Tastempfinden, Lage- und Vibrationsempfinden)
Die Fasern der epikritischen Sensibilität ziehen über die Hinterwurzel zu den Hinterhörnern im Rückenmark und steigen sogleich in den sog. Hinterstrangbahnen (Fasciculus gracilis und cuneatus) auf, wobei sie in der Medulla oblongata kreuzen und dann ebenfalls in Richtung Thalamus ziehen.
Propriozeptive Sensibilität (Lageempfinden)
Das Kleinhirn empfängt (sensibel) Bewegungsqualitäten bezüglich Gleichgewicht und Körperhaltung über den Tractus spinocerebellaris und fungiert somit als wichtiges Koordinationszentrum für die Bewegung.
Die unterschiedliche Qualität der Empfindung (z. B. Schmerz, Hitze, Kälte) wird zunächst auf Höhe des Thalamus wahrgenommen. Zu einer genaueren Differenzierung werden die Impulse dann vom Thalamus gesteuert zu den jeweiligen Arealen des sensiblen Kortex der Großhirnrinde weitergeleitet.

Läsionen an unterschiedlichen Stellen der sensiblen Bahnen führen analog zu den motorischen Bahnen zu unterschiedlichen Sensibilitätsstörungen. Die bei der Untersuchung erhobenen Ausfallsmuster ermöglichen eine Lokalisation der jeweiligen Läsion.

Dermatome

Die Dermatome sind eine weitere wichtige Hilfe bei der Lokalisation von Läsionen infolge von Sensibilitätsstörungen. Ein Dermatom ist ein Hautareal, das von einem Spinalnerv sensibel versorgt wird. Treten beispielsweise Parästhesien in einem bestimmten Dermatom auf, so lässt sich ein Rückschluss auf den Nerv ( Abb. 6) ziehen, der geschädigt ist.

Zusammenfassung

  • Die motorischen Bahnen bestehen aus zwei Neuronen (1. Motoneuron im Großhirn, 2. Motoneuron in den Vorderhörnern des Rückenmarks).

  • Pyramidale Bahnen; willkürliche Bewegung, Ursprung im Großhirn, Kreuzung zur Gegenseite, Vorderhorn.

  • Extrapyramidale Bahnen; Koordination von Körperbewegungen, Ursprung im Großhirn, teilweise Kreuzung zur Gegenseite.

  • Die sensiblen Bahnen bestehen aus drei Neuronen (1. Neuron in der Hinterwurzel, 2. Neuron im Rückenmark, 3. Neuron im Thalamus).

  • Die Kenntnis der Dermatome und ihrer zugehörigen Nerven ermöglicht eine segmentale Zuordnung bei sensiblen Ausfällen.

  • Die neurologische Untersuchung erfordert eine systematische Vorgehensweise.

  • Die neurologische Untersuchung kann variabel gestaltet werden.

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